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Fakten, Meinungen, Bewertungen
zu Gentechnik, Genetik, Fortpflanzungsmedizin, Klonen, Stammzellforschung usw.
(Sammlung von den 1990er Jahren bis 2012 © Joachim Krause, Hauptstr. 46, 08393 Schönberg )

 

A) Hier können die einzelnen Zusammenstellungen nach dem Datum ihrer Erstellung eingesehen werden, aktuellste Sammlungen zuletzt:

19.7.2000 , 1.8.2000, 1.11.2000 , 21.12.2000 , 4.1.2001 , 12.3.2001 , 7.8.2001 , 8.8.2001 , 11.9.2001 , 26.10.2001 , 7.1.2002 , 23.1.2002 , 24.1.2002 , 6.2.2002 , 5.3.2002 , 30.4.2002 , 3.7.2002 , 27.8.2002 , 21.11.2002 , 20.1.2003 , 4.2.2003 , 26.2.2003 , 17.4.2003 , 24.6.2003 , 27.8.2003 , 24.11.2003 , 28.4.2004 , 16.7.2004 , 30.11.2004 , 3.3.2005 , 2.6.2005, 2.9.2005, 20.1.06, 21.1.06, 30.5.06, 18.8.06, 2.1.2007, 7.6.2007, 20.7.2007, 7.11.2007, 1.2.2008, 20.5.08, 10.7.08, 7.1.09, 26.6.09, 16.12.09, 27.1.2010, 30.3.2010, 27.10.2010, 21.1.2011, 17.6.2011, 2.12.2011, 7.3.2012 (Nachtrag „historischer“ Fakten aus den 1990er Jahren)

 

B) In der folgenden Zusammenfassung sind alle bisher erfassten "Lesefrüchte" in einer Datei vereinigt.

Sie sind nach den gleichen Stichworten sortiert wie in den Einzelerfassungen.
Die gesuchten Stichworte können auch direkt angeklickt werden; darunter sind die erfassten Beiträge in der Regel chronologisch aufgelistet (älteste Einträge zuerst, letzte Eintragungen farbig markiert am Ende).

Es kann allerdings vorkommen, dass etwas, was (eigentlich oder auch) unter „Gesetze“ fällt, hier unter einem anderen Sachstichwort, z.B. „Klonen“, zu finden ist.

 

 

Fakten zu Genetik / Gentechnik
Zusammenstellung aller Einzel-Sammlungen
vom 19.7.2000 bis
7.3.2012

 

die Sammlung wird fortlaufend aktualisiert, die aktuellsten Einträge befinden sich jeweils am Ende der Zusammenstellung zu den einzelnen Stichworten und sind farbig gekennzeichnet

am 7.3.2012 wurde die Sammlung ergänzt um ältere Fakten aus den 1990er Jahren, die jeweils zu Beginn der einzelnen Stichworte ROT eingefügt wurden

© Joachim Krause, Hauptstr. 46, 08393 Schönberg

 

 

A) Genetik                             

B) Gentechnik                      

C) Gentechnik in der Humanmedizin

D) Gendiagnostik                 

E) Pränatale Diagnostik               

F) Präimplantationsdiagnostik            

G) Genetischer Fingerabdruck           

H) Gentherapie                             

I) somatische Gentherapie          

J) Keimbahn-Gen-Therapie                 

K) Grüne Gentechnik                   

L) Freisetzung und Anbau                          

M) Gentechnik in Nahrungsmitteln     

N) Gentechnik und 3. Welt          

O) Gen-Ethik                         

P) Patentierung                            

Q) Klonen                                     

R) Stammzellen und Embryonenforschung

S) Gentechnik bei Tieren                     

T) Verheißungen, Werbung         

U) IVF, Schwangerschaft, Eizellspende      

V) Gesetze                                    

W) Gentechnik militärische Nutzung  

 

 

 

Grundsätzliches:

·         Definitionen können nicht wahr oder falsch sein, sondern allenfalls angemessen, zweckmäßig oder plausibel.
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 302)

·         Wolfgang Huber:
Argumente werden nicht gezählt, sondern gewogen
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

 

 

einige Definitionen:

·         Die Medizin ist der Prototyp einer Wissenschaft, die ihre Einheit in der Vielfalt ihrer Disziplinen von den Zielen her gewinnt, auf die sie gerichtet ist. Diese Ziele sind die Erkennung, Therapie und Heilung, Linderung sowie Verhü­tung von körperlicher und psychischer Krankheit. Die Medizin als Wissenschaft steht in einer instrumentellen Be­ziehung zu diesen Zielen. Sie stellt Mittel bereit – diagnostische, therapeutische, präventive – zu deren Errei­chung. Dieser instrumentelle Charakter wird durch die naturwissenschaftliche Ausrichtung der modernen Medizin verstärkt.
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe für aktuelle medizin- und bio­ethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 39)

·         Biotechnologie:
ganz allgemein der Einsatz biologischer Systeme im Rahmen technischer Prozesse und industrieller Produktion
Gentechnologie:
Anwendung spezieller molekularbiologischer Methoden zur Änderung der genetischen Eigenschaften von Orga­nismen
FARBENLEHRE der Gentechnik:
Die Anwendung gentechnischer Methoden in der Pflanzenzüchtung, die Nutzung gentechnisch veränderter Pflan­zen in der Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor wird als GRÜNE GENTECHNIK bezeichnet;
Bei der ROTEN GENTECHNIK handelt es sich um medizinische Anwendungen – etwa die Entwicklung neuartiger Arzneimittel sowie diagnostischer und therapeutischer Verfahren;
Bei der GRAUEN bzw. WEISSEN GENTECHNIK geht es um die Nutzung gentechnisch veränderter Mikroorganis­men zur Herstellung von Enzymen oder Feinchemikalien für industrielle Zwecke, in der Mikrobiologie und der Um­weltschutztechnik
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.2)

 

A) Genetik

·         Q: SPIEGEL 13/1996 S.194ff.
- Weltkongreß der Genom-Forscher
- schon für rund 700 erbliche Krankheiten wurden auslösende Gene lokalisiert, allein auf X-Chromosom Gene von über 200 Erbkrankheiten
- vor allem US-Wissenschaftler klären menschl. Erbgut im Eiltempo auf
- in wenigen Jahren werden sämtliche drei Milliarden Gen-Bausteine der menschl. Erbsubstanz entschlüsselt sein
- Einzelgene bestehen aus bis zu 300000 Nukleotiden
- die rund 100000 Erbinformationen, die alle Körperfunktionen des Menschen steuern, beanspruchen nur drei Prozent des DNS-Bandwurms
- an die 30000 Gene glauben Wissenschaftler mittlerweile geortet zu haben

·         Q: Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- Vermutung: 4500 monogen bedingte vererbte Krankheiten
- Mensch 50-100000 Gene; davon bisher für 4000 Position im Genom bestimmt
- im Human Genom Project sollen nicht nur alle Gene kartiert, sondern auch alle 3 Mrd. Basenpaare sequenziert werden (bisher 10 Mill.)

·         GID 128 8/98 S.5
Genetischer Code nicht einheitlich?
1993 Hefepilz baut häufig statt Leucin Serin ein
„ungenau“ arbeitende t-RNA in Bäckerhefe eingebaut: funktioniert und bewirkt bes. Resistenz gegenüber Hitze, Schwermetallen, Antibiotika...

·         jede zweite Krebserkrankung soll auf einen Ausfall des Gens p53 zurückgehen; Pharmakonzern Pfizer erfolgverspre­chende Tierversuche, Gen zu reparieren (hier: Eiweiß soll korrekte Form einnehmen)
(GID 138/2000 S.29)

·         Titel: Der (fast) unsterbliche Mensch / Den Göttern gleich
Zellmechanismen, die zum Altern (Sterben) beitragen:
a) Verschleiß
in den Mitochondrien entstehen frei Radikale, schädigen M. und greifen andere Zellstrukturen an;
b) verkürzte Enden
an den Enden der Chromosomen als Schutzkappen Telomere; verkürzen sich bei jeder Zellteilung, wirken wie eine innere Uhr; ab best. kritischer Länge keine weiteren Zellteilungen mehr
c) defekte Gene
Enzym Helicase öffnet DNS-Doppelstrang, Basen-Fehler können korrigiert werden; bei defekter Helicase unter­bleibt die Korrektur
(Spiegel 17/2000 S. 159/180)

·         vollständiges Erbgut des Menschen besteht aus etwa 6,6 Mrd. DNS-Bausteinen
(GEO 2/2000 S.164)

·         p53 Wächter-Gen
Eiweiß kontrolliert ordentliche Zellteilung:
a) kleine Fehler werden repariert
b) zu große Fehler: Selbstzerstörungsprogramm für die Zelle wird eingeleitet
bei Mutationen von p53: entartete Zellteilung möglich, Krebs, 1 Zelle reicht;
60% aller Krebsfälle p53-Störung

·         Durchmesser einer Tierzelle im Mittel 20 Mikrometer;
Durchmesser DNS-Molekül Doppelhelix 3 x 10-9 m;
Gedankenspiel - Vergrößerungsfaktor 1:100000:
1 Mensch 170 km lang;
1 Zelle 2 m Durchmesser
DNS-Molekül-Faden einer Zelle: 170 km lang, 0,3 mm dick

·         einzelne Menschen weisen Abweichungen auf, durchschnittlich aller 500 Buchstaben = 10 Mill. Abweichungen ziem­lich willkürlich über den Text verstreut; das macht den genetischen Unterschied zwischen Individuen aus; Mann und Frau unterscheiden sich in einem Chromosom, in 2% der gesamten Information; der Unterschied zwi­schen Menschenmann und Schimpansenmännchen beträgt nur etwa 1,6 Prozent
(bdw 2/2000 S.44; Jens Reich)

·         väterliche mitochondriale DNS befindet sich (selten) auch noch im Acht-Zell-Stadium in embryonalen Zellen; also nicht nur mütterliche Vererbung!
(GEO 3/2000 S.188)

·         Doppelhelix, in sich verdrillte (Strick-)Leiter; die Sprossen der Leiter bilden je zwei Basen, die Holme (die Stricke) bestehen aus Phosphat- und Zuckermolekülen; die beiden Basen fügen sich paßgenau ineinander (verhaken sich perfekt), sie sind „komplementär“; stets bilden A und T sowie C mit G eine Leitersprosse; zum Ablesen der Gene oder zur identischen Verdopplung der DANN wird die Doppelhelix wie ein Reißverschluß geöffnet und ein neues Molekül mit komplementärer Basenfolge ergänzt

·         überall Proteine: Strukturproteine in Sehnen, Knorpeln, Knochen; Transportproteine befördern lebenswichtige Mole­küle, z.B. Sauerstoff; Enzyme sind verantwortlich für biochemische Reaktionen;
Werkzeuge, Boten- und Baustoffe des Lebens

·         Humangenom-Projekt:
zunächst nur bekannt: ein durchlaufender genetischer text ohne Komma; der nächste, entscheidende Schritt wird sein, den vorliegenden Text auch zu verstehen, welche Funktion kommt den schätzungsweise 80-100000 mensch­lichen Genen zu?

·         entschlüsseltes Erbgut:
Virus 1977: 5375 Basenpaare
Bakterium Haemophilus influenzae 1995
Bäckerhefe 1996: 6000 Gene (viele mit Genen des Menschen identisch!)
Fadenwurm Caenorhabditis elegans 1998: 959 Zellen, 6 Chromosomen, 100 Mill. Basenpaare

·         SNIP´s: genetische Variation: ein einzelner Nukleotidbaustein ist verändert; beim Menschen etwa aller tausend Basenpaare ein Nukleotid
(VFA: Gene und Genom)

·         Fruchtfliege Drosophila monogaster 13601 Gene 180 Mill. Basenpaare
von 289 Genen, die Mediziner für Krankheiten beim Menschen verantwortlich machen, gibt es 177 entsprechende Varianten bei der Fruchtfliege
(Spiegel 13/2000 S.286)

·         genetische Sprache ist - bis auf wenige Ausnahmen - für alle Lebewesen gültig; eine bestimmte Buchstabenfolge wird immer in das gleiche Protein übersetzt, Insulin entsteht in entsprechend veränderten Pflanzen-, Hefe- und Bakterienzellen
(VFA: Gentechnik)

·         270 Zellarten beim Menschen
(taz 14.7.2000 S.17)

·         Menschliches Genom 30000-150000 Gene
(taz 27.6.00)

·         kleinstes menschliches Chromosom entschlüsselt, Chr. 21 hat 225 Gene, von denen 127 eindeutig identifiziert sind;
Gesamtzahl menschlicher Gene wohl unter 40000
(FP 9.5.00)

·         Chr. 21: 33 Mill. DNS-Bausteine
(taz 9.5.00)

·         nur rote Blutkörperchen enthalten keine genetischen Informationen;
die Chromosomen selbst sind nur so etwas wie Behälter;
würde man die DNS aller 46 Chromosomen einer Zelle aneinander reihen, zwei Meter lang; Strang aber nur 1/500000 mm dick;
(Stern 27/2000 S.59ff)

·         Doppelfäden der DNS, die sich im Kern jeder Körperzelle zusammenknäueln, enthalten Anweisungen für alles, was Leben ausmacht;
menschliche Erbgut-Sequenz entschlüsselt: was Forscher bis jetzt geleistet haben, sieht wie ein Text in einer fremden Sprache aus, in dem die Wörter nicht getrennt sind, Punkt wie Komma fehlen und (sinnvolle) Sätze durch lange Strecken sinnlosen Gebrabbels unterbrochen werden. Die Wissenschaftler sehen den genetischen Bauplan des Menschen, verstanden haben sie ihn noch nicht.;
nur drei bis 5 % der DNS-Fäden enthalten die wertvollen Erbinformationen, der Rest ist vielleicht nichts als eine Art Biomüll;
(Spiegel 26/2000 S.78ff.)

·         Tomate eines der 28 Gene für Größe der Frucht isoliert; hohe Übereinstimmung der Aminosäure-Sequenz mit ei­nem Gen, das beim Menschen Krebs entstehen lassen kann
GEO 10/2000 S.213

·         selbst „schlechte“ Gene haben gute Seiten... z.B. Mukoviszidose: Menschen, bei denen auf beiden Chromosomen­sätzen das entsprechende Gen defekt ist, leiden unter einer schweren Stoffwechselkrankheit. Un­behandelt sterben sie schon als Kinder. Die Krankheit ist aber so weit verbreitet, daß sie einen Vorteil für heterozy­gote Träger haben muß. Das sind Menschen mit einem gesunden und einem kranken M.-Gen. Experimente an Mäusen haben gezeigt, daß diese Genkombination sie vor dem Tod durch Cholera schützt. Diese Krankheit war früher weit verbreitet und damit ein wichtiger Evolutionsfaktor.
bild der wissenschaft 10/2000 S.30

·         zunehmende Unsicherheit, was unter einem GEN überhaupt zu verstehen ist...
bis vor einigen Jahren ein GEN als ein Abschnitt auf der DNA definiert, der die Information für ein Protein enthält; inzwischen weiß man aber, daß bei vielen Genen ein Teil der zunächst abgelesenen Information nachträglich wie­der entfernt wird; darüber hinaus wurden überlappende GENE und
GENE innerhalb anderer Gene gefunden; kann ein Gen nicht mehr als ein Abschnitt auf der DNA definiert wer­den...
GID 141 8-9/2000 S.5

·         Wer ist eigentlich der Mensch, dessen Erbgut im Humangenomprojekt entschlüsselt wurde?
Im öffentlichen Projekt: nicht ein einzelner Mensch, sondern ein „Mosaikmensch“ aus 13 Männern und Frauen;
bei CELERA: 5 US-Bürger (2 weiße Männer und drei Frauen: afrikanischer, mexikanischer und chinesischer Her­kunft), dazu ein anonymer Spender;
zwei menschliche Individuen sind zu 99,9% genetisch identisch; das ergibt Abweichungen in 3 Millionen „Buchsta­ben“;
der Pferdespulwurm verpackt sein Erbgut in zwei Chromosomen, der Natterfarn verteilt es auf rekordverdächtige 630; selbst bei Säugetieren starke Schwankungen: der urtümliche Muntjak-Hirsch hat sechs Chromosomen, Schimpanse 48
GEO 9/2000 S.59

·         im Mai saß in einer Kneipe in Cold-Spring-Harbor USA die High Society der Humangenetiker zusammen; Wette um die Gesamtzahl der menschlichen Gene: Gebote zwischen 27462 und 200000
GID 141 8-9/2000 S.39

·         Telomerase, Hoffnungsträger vieler Mediziner und Altersforscher, ist in die Kritik geraten;
das so genannte Unsterblichkeits-Enzym kann ein Onkogen aktivieren (Onkogene können Entstehung von Krebs begünstigen oder sogar selbst auslösen):
[Enzym Telomerase „repariert“, verlängert die Telomere, die Schutzkappen auf den Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden]
bild der wissenschaft 10/2000 S.9

·         die 100000 Gene des Menschen produzieren zirka 20 Millionen verschiedene Proteine;
Längst ist das einstige Dogma der Molekularbiologie - ein Gen kodiert für ein Protein - hinfällig. Denn häufig wer­den die frisch produzierten Proteine in kleinere Teile zerschnitten, und die übernehmen ganz unterschiedliche Funktionen. Zudem verknüpfen Zellenzyme neue Eiweiße mit unterschiedlichen Zuckermolekülen, beladen sie mit Phosphaten oder Metallionen. Das wiederum verändert die Eigenschaften der Eiweiße drastisch.
Die Zeit 13.7.2000 S.33

·         Basenpaare im Erbgut verschiedener Organismen;
Mycoplasmen sind die einfachsten bisher bekannten Lebewesen (Parasiten in Pflanzen und Tieren);
Mycoplasma genitalium besitzt nur 517 Gene;

Lebewesen

Basenpaare

Mycoplasmen

1 x 106

1          x 106

Bakterien

4,2 x 106

4,2       x 106

Hefen

1,3 x 107

13        x 106

Schleimpilze

5,4 x 107

54        x 106

Würmer

8,0 x 107

80        x 106

Insekten

1,4 x 108

140       x 106

Vögel

1,2 x 109

1200     x 106

Amphibien

3,1 x 109

3100     x 106

Säugetiere

3,3 x 109

3300     x 106

Die Zeit 19.4.2000 S.38

·         künstliche Chromosomen, die man zusätzlich in den menschlichen Körper schleusen könnte;
dorthinein die gewünschten zusätzlichen Gene einbringen;
wenn der so veränderte Mensch die Autotherapie nicht nutzen will, schaltet er die zusätzlichen Gene eben nicht an (z.B. Schalter in Form eines Medikamentes);
es könnten molekulare Scheren mit verpackt werden, die bei der Reifung von Ei- und Samenzellen jedes zusätzli­che künstliche Erbstück wieder entfernen, damit künftige Generationen nicht mit veralteten Genen herumlaufen müssen...
Die Zeit 25.5.2000 S.18

·         das Dogma „ein Gen à ein Protein“ gilt nicht mehr;
TU Dresden, Vortragsreihe Biotechnologie – Zukunft der Menschheit? Prof. Claus Bartram, Heidelberg, 16.11.2000 „Prädiktive Diagnostik – Chancen und Probleme“

·         Wette der Elite der Erbgutforscher: wie viele Gene hat der Mensch? Antworten zwischen 27462 und 312462; Hoff­nung, es im Jahre 2003 zu entscheiden
(Der Spiegel 1/2001 S.68)

·         Zelle hat sich als der Welt komplexeste Maschine entpuppt; gleichzeitig werden in jeder Zelle Tausende unterschiedli­cher Eiweiße in exakt kontrollierten Mengen hergestellt, maßgerecht zurechtgeschneidert und –gefal­tet, in abgemessene Portionen gepackt und an genau vorgegebene Adressen befördert; müssen ihr Tun sorgfältig abstimmen mit Milliarden von Schwesterzellen;
Fadenwurm Caenorhabditis elegans; besteht aus genau 959 Zellen; hat knapp 20000 Gene
(Der Spiegel 50/2000 S.148ff.)

·         210 bekannte Typen menschlicher Körperzellen
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)

·         der Mensch hat nur doppelt so viele Gene wie die Fruchtfliege, kaum 300 mehr als die Maus, fünfmal so viel wie die Hefe;
statt der vermuteten 80000 bis 100000 Gene nur rund 30000;
Craig Venter: „Wir sind nicht fest verdrahtet...Es gibt einfach nicht genug Gene, um die These von der biologischen Bestimmung des Menschen aufrechtzuerhalten.“:
3% des Genoms sind Gene; Rest: sich häufig wiederholende Abfolgen, deren Bedeutung weitgehend ungeklärt ist (Steuerung von zeitlicher Entwicklung?);
(taz 12.3.2001)

·         Familie der sog. 7-Transmembran-Rezeptoren, lassen sich mit Briefkästen vergleichen, über die die Zelle Informatio­nen aus dem Körper empfängt;
im Schnitt unterscheiden sich zwei Menschen nur in jedem 1250. Gen-Buchstaben
(Der Spiegel 8/2001 S.209)

·         Mensch 32000 bis 39000 Gene; Fadenwurm 18000, Ackerschmalwand 26000,;
menschliche Gene können, anders als bei Wurm oder Fliege, nicht nur ein Protein herstellen, sondern durch­schnittlich drei, manche sogar Tausende, ;
das Genom des Menschen besitzt laut Venter die Fähigkeit, etwa 250000 verschiedene Proteine herzustellen;
(taz 1.3.2001)

·         Versuche, ein drittes Basenpaar in die DNA einzufügen; die zum Leben unbedingt nötigen Sequenzen ließen sich von Synthesemaschinen künstlich herstellen: künstliches Leben;
(bild der wissenschaft 1/2001 S.100ff)

·         Telomerase (Unsterblichkeitsgen) kann ein Onkogen aktivieren (Brustkrebsvariante, an der in den USA jährlich 70000 Frauen sterben);
beim Wurm h.elegans verhindert ein Gen die Eiablage, das beim Menschen mit verantwortlich ist für Alzheimer
(bild der wissenschaft 10/2000 S.9)

·         Schweiz: Mutation auf Gen 21 Ursache für angeborene Taubheit
(Sächsische Zeitung 12.1.2001)

·         Y-Chromosom des Menschen hat mehr als 2 Dutzend Gene, X-Chromosom über 2000
(GID 143 S.33)

·         Schätzung, dass es etwa für die Hälfte aller Hefe-Gene und für 60% bei der Fruchtfliege ein menschliches Pen­dant gibt, ebenso für rund 80% aller Erbanlagen des Zebrafisches und für 95% bei der Maus;
ein DNS-Abschnitt kann die Blaupause für mehrere Eiweiße sein;
weniger als 2% aller Erbgut-Buchstaben ergeben einen sinnvollen Text;
während in einer Nervenzelle Zehntausende Gene aktiv sind, reichen einem roten Blutkörperchen ganze 500
(Das Parlament 11/2001 S.5)

·         jedes Gen hat auch seinen Sinn. Es gibt Hinweise, dass Genträger durch das Mukoviszidose-Gen gegen Cholera resistent sind, würde die Häufigkeit des Auftretens erklären
(Arbeitskreis Leben mit Mukoviszidose, Folien PID 9/2000 Folie 7)

·         das längste menschliche Gen überspannt 2,4 Millionen Basen (Bauplan für Muskelprotein Dystrophin), besteht aller­dings größtenteils aus nichtcodierender DNA; Rekordhalter bei codierenden Sequenzen: Gen für Muskelpro­tein Titin (178 Exons, größtes enthält 17106 Basen);
das alte Dogma: „Ein Gen für ein Protein“ gilt nicht mehr; die bruchstückhafte Zusammensetzung menschlicher Gene ermöglicht es, viele verschiedene Proteine aus demselben Gen zu bilden, indem Exons wie Filmschnipsel unterschiedlich kombiniert werden; für jedes Gen gibt es einige alternative „Lesarten“ (trifft auf mind. 35% der menschlichen Gene zu);
Hox-Cluster, die die normale Entwicklung steuern, enthalten nur 2% wiederholte Elemente;
(Die Zeit 15.2.01 S.31ff)

·         einige wenige Gene für hohes Alter verantwortlich, auf Chromosom 4 entdeckt
(Freie Presse Chemnitz 28.8.01)

·         Gene silencing (gezieltes Abschalten von Genen) als schnellerer Weg zur Identifizierung der Gen-Funktionen;
RNA interference (RNA-Einmischung, RNAi);
in Säugetierzellen jetzt auch Erfolge durch Verwendung kürzerer (doppelsträngiger) RNA´s, die die Umsetzung der Zell RNA durch chemische Anlagerung verhindern
(BioMedNet News 27.7.01)

·         Weizen besteht durch Kreuzung von Getreidesorten aus drei verschiedenen Gräsern und hat von drei weiteren Pflan­zen Chromosomenanteile
(dpa August 2001)

·         Eric Lander ((in seinem Inst. 1/3 des menschlichen Erbguts entschlüsselt):
Der letzte Satz in unserer Veröffentlichung zum Humangenom lautet: Je mehr wir über das Erbgut lernen, desto mehr Fragen tun sich auf. Das ist die einzige wahre Aussage, die wir im Moment über seine Arbeitsweise machen können. Ich entdecke mehr und mehr Rätsel im Genom...;
repetitive DNA – Schrott im Erbgut? – es gibt nichts Triviales im menschlichen Erbgut.;
Zahl der Gene etwa 35000;
als hätte die Evolution mit Bauklötzen gespielt, nur etwa 7% der genetisch gesteuerten Proteinfunktionen sind echte Neuerfindungen in der Geschichte der Wirbeltiere bis zu uns Menschen, der Rest beruht auf Verdoppelung und Neukombination alter Gene – offenbar ein machtvoller Mechanismus
(Die Zeit 23.8.01 S.25)

·         Günter Blobel: Modell: Zelle als Großstadt, Briefträger verteilen die Stoffe über Postleitzahlen; 20000 verschie­dene Arten von Eiweißmolekülen besitzt jede Zelle, eine Milliarde insgesamt; jede Eiweißsorte ist für eine andere Zellfunktion zuständig; die Zelle muss ständig neue Eiweiße machen, und sie muss sie an die richtigen Stellen schicken; deshalb hat jede Zelle Postleitzahlen, einen Code – diese Codes weisen den Eiweißmolekülen den Weg
(Freie Presse 28.11.01)

·         beim Menschen enthält das Zellplasma der Eizelle 13 proteinkodierende Gene der mitochondrialen DNA, die aber mit etwa 0.01 bis 0,02 Prozent nur einen winzigen Teil des Gesamtgenoms des Menschen ausmachen
(Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Recht und Ethik der modernen Medizin“, Teilbericht Stamm­zellforschung, 12.11.01, S.33)

·         Die 30000 bis 40000 Gene, die der Mensch wahrscheinlich in seinen Zellen trägt, können allein nicht erklären, wie die ungeheure Komplexität des Lebens entsteht; nicht im Genom liegt „Biotechs nächster heiliger Gral“, son­dern im Proteom, der Gesamtheit der Eiweißmoleküle mit all ihren Eigenschaften und Funktionen; Forschungs­richtung heißt: Proteomik; die meisten Eiweiße lagern sich mit anderen der vielleicht Zehntausende Mitglieder zählenden Familie der Proteine zu Verbänden zusammen; gefunden: Multiprotein-Verbände aus 1440 Eiweißen; Proteinteams durchschnittlich 12, höchstens 83 Eiweiße;
(Der Spiegel 3/2002 S. 168)

·         wenig bekannt über Wirkung der Eiweiße, die ja auch Gene an- und abschalten; die Produkte der Gene, die Prote­ine, bergen das eigentliche Geheimnis; ein Botenmolekül (m-RNS) dient als Bauvorlage für verschiedene Proteine, die dann wiederum zu Komplexen zusammentreten
(ZDF 16.1.02 Bublath; Gene: zerstörte Hoffnungen?)

·         Vor Tumoren geschützt und doch krank
Eiweiß "p53" schützt vor Krebs, hat aber Nebeneffekte;
Genveränderte Mäuse, die ein Krebs hemmendes Eiweiß im Übermaß produzieren, sind zwar besser vor Tumoren geschützt als genetisch normale Vergleichstiere. Doch gleichzeitig altern sie offenbar schneller.
(Berliner Zeitung vom 8.1.2002)

·         Das Erbgut DNA setzt sich aus vier Bausteinen zusammen - abgekürzt als A,T,G und C. Jeweils zwei Bausteine bilden ein Paar. Die etwa 3,2 Milliarden Paare des menschlichen Genoms reihen sich zu einer Kette auf. Die Kette besteht nicht aus einem durchgehenden Strang, sondern verteilt sich auf die Chromosomen. Außer den Ge­schlechtschromosomen "X" und "Y" besitzt der Mensch 22 weitere Chromosomen. Sie sind der Größe nach num­meriert - Chromosom "22" ist das kleinste.
(Berliner Zeitung 20.12.2001)

·         4.1.10 Die Totipotenz vom Embryonen ist demnach für sich genommen kein hinreichendes objektives Kriterium für das Vorhandensein eines neuen Menschen. Einerseits lässt sich im Gedankenexperiment durchspielen, dass man aus einer Blastozyste vorübergehend eine totipotente einzelne Zelle entfernt und nach einer Weile reimplantiert. Eine substanzontologische Betrachtungsweise des Embryos gerät in diesem Fall in Konfusionen, weil sie anneh­men müsste, dass mit der Entnahme einer Zelle aus der Blastozyste ein weiterer Embryo – d..h.ein werdender Mensch – entstanden ist,, der mit der Reimplantation der Zelle verschwindet bzw. “stirbt ”.Sodann besteht inzwi­schen – zumindest prinzipiell – die Möglichkeit,, jede Körperzelle eines Menschen in eine totipotente Zelle zurück­zuverwandeln. Dadurch vermehren sich die argumentativen Konfusionen. Dies spricht nicht gegen einen umfas­senden Embryonen- schutz,wohl aber gegen seine substanzontologische Begründung,die der Totipotenz die Hauptlast der Argumentation zumutet.
8.10 Zu klären ist auch die derzeit strittige Frage,ob es sich bei embryonalen Stammzellen tatsächlich nur um pluri­potente oder aber doch noch um totipotente Zellen handelt,die sich wie der Embryo,dem sie entnommen wur­den,noch immer zu einem vollständigen Menschen entwickeln könnten.Hierfür gibt es einige Indizien aus der For­schung an Embryonen von Affen,denen bislang nicht weiter nachgegangen wurde.Die Argumentation der DFG aber stützt sich stark darauf,dass Totipotenz für embryonale Stammzellen auszuschließen sei. Die Frage der Toti-bzw.Pluripotenz bedarf der Klärung,weil im Sinne der Beweislastum-kehr nicht das Verbot,sondern die Zulassung der Forschung an embryonalem Gewebe in be- sonderer Weise begründungsbedürftig ist.
(Verantwortung für das Leben; Eine evangelische Denkschrift zu Fragen der Biomedizin; Im Auftrag des Evangeli­schen Oberkirchenrats A.und H.B.der Evangelischen Kirche A.und H.B.in Österreich erarbeitet von Ulrich H.J.Körtner in Zusammenarbeit mit Michael Bünker; Wien 2001)

·         zentralasiatische Kröte hat in jeder Zelle einen dreifachen Chromosomensatz;
bei der Produktion der Keimzellen drittelt das Männchen seine dreifachen Erbgutstränge; das Weibchen tut das zunächst auch, verdoppelt aber nach dieser Phase noch einmal einen seiner Chromosomensätze; auf diese Weise stecken in den Nachkommen zwei Drittel mütterliche und ein Drittel väterliche Gene
(Die Zeit 21.2.02)

·         für das Leben im Eiswasser sind antarktische Fische mit einem fabelhaften Frostschutzmechanismus gerüstet: Sie produzieren in der Leber einen Cocktail spezieller Eiweiß-Zucker-Verbindungen. Diese so genannten Glykopeptide  heften sich an die Oberfläche mikroskopischer Eiskristalle und verhindern deren weiteres Wachstum. Die moleku­lare Gefrierbremse funktioniert bis –2,7 Grad Celsius
(Die Gene dafür wurden meiner Kenntnis nach in der Vergangenheit in Pflanzen eingebracht, deren Früchte damit gegen Frühfröste unempfindlich wurden, JK)
(GEO 3/2002 S.210)

·         DNA von Agrobacterium tumefaciens komplett entschlüsselt; Genom besteht aus vier Teilen: je einem ringförmi­gen und einem linearen Chromosom und zwei ringförmigen Plasmiden;
At kann 600 verschiedene Pflanzenarten infizieren (Wucherungen bilden sich = Gallen; Pflanze produziert andere Zucker, die dem Bakterium als Nahrung dienen);
(GID 150/2002 S.20)

·         ein Mensch hat etwa 100 Billionen Zellen
(Fax Detlef Ganten an JK 11.4.02)

·         Genom von Reis ist fast komplett entschlüsselt
(Berliner Zeitung vom 5.4.2002)

·         bisher waren 21 Aminosäuren als Bausteine für Proteine von Lebewesen bekannt; jetzt Aminosäure Nr. 22 Pyrroly­sin in einem Einzeller entdeckt
(Der Spiegel 22/2002 S.165)

·         primitivstes Wesen der Welt entdeckt; Bakterie in 120 m Tiefe auf dem Meeresgrund; bei knapp 100 Grad; Erbgut wahrscheinlich weniger als 500000 Basenpaare; etwa 400 Gene
(Der Spiegel 19/2002 S.?)

·         Reisgenom entschlüsselt, mit 45000 bis 56000 bzw. 42000 bis 63000 Genen mehr als der Mensch (30000 bis 40000); 41 ärmste Länder dürfen Ergebnisse für sich kostenfrei nutzen
(GID 151 4-5/2002 S.16)

·         Genom des wichtigsten Malaria-Erregers bald entschlüsselt
(GID 151 4-5/2002 S.29)

·         Zwillingsforschung: dass die charakterlichen Unterschiede mindestens zu 40 bis 50% von der Umwelt geprägt wer­den;
(Spiegel 8/2002 S. 186)

·         Jeder Biologe weiß, dass die winzigen Kraftwerke in den Zellen von Säugetieren, Mitochondrien genannt, nur von der Mutter vererbt werden. Zwar besitzen auch Spermien Mitochondrien, doch diese werden - so steht es in jedem Lehrbuch - mit dem Schwanzteil bei der Befruchtung der Eizelle abgestoßen. So sicher waren sich einige Biologen dieser Regel, dass sie gar die Evolutionsgeschichte der Menschheit darauf aufbauten: Die Afrika-These, wir stam­men alle von einer Urmutter aus Afrika ab, hatte vor allem durch die genetischen Untersuchungen der Mitochond­rien und deren weltweite Verteilung Auftrieb bekommen. Mediziner an der Kopenhagener Universitätsklinik haben jetzt das Dogma gekippt. Sie fanden erstmals einen Menschen, dessen Mitochondrien zum großen Teil vom Vater stammen.
(taz 30.8.2002)

·         DNAH11 heißt ein Gen auf Chromosom 7, das entscheidend dazu beiträgt, dass bei der Entwicklung von Embryo­nen die inneren Organe ihren richtigen Platz zugewiesen bekommen.
(taz 21.8.02)

·         300 bis 500 Millionen Menschen infizieren sich jährlich mit Malaria, 1 bis 2 Millionen sterben daran; seit 1996 Entziffe­rung der Gensequenz des Malariaerregers, jetzt Datenbank mit 25 Mill. Bausteinen im Internet; Wissen­schaftler in Gießen haben Genschnipsel aufgespürt, der einen Stoffwechselschritt bewirkt, der im menschlichen Organismus nicht vorkommt; ein Wirkstoff, der diesen Mechanismus abschalten würde, schadet den Erregern, aber nicht den menschlichen Zellen...; Problem: Malaria ist eine Krankheit der Armen, Konzerne scheuen Entwicklungs­kosten von mindestens 500 Mill. US-Dollar für Medikament;
auch Genom des Überträgers (Stechmücke Anopheles) inzwischen vollständig entschlüsselt
(Die Zeit 22.8.02 S.29; 10.10.02)

·         Telomere sind Endstücke der Chromosomen, umhüllen die Enden wie Kappen bei Schnürsenkeln und halten sie zusammen, bestehen aus sich ständig wiederholenden DNA-Sequenzen und sind für die Verdopplung der Chro­mosomen vor einer Zellteilung unverzichtbar; da bei diesem Prozess aber jedes Mal ein Stück der TELOMERE VERLOREN GEHT; VERMUTETEN Biologen in den 90er Jahren, dass in diesen Strukturen unsere Lebensuhr tickt; für Zellen, die sich stark vermehren, (Haut, Darmschleimhaut, Leber) stimmt das auch, sie sterben, wenn ihre Chromosomen-Enden aufgebraucht sind und werden durch andere ersetzt;
aber dass Telomere damit die Lebensspanne eines höheren Organismus wie des Menschen bestimmen, ist inzwi­schen widerlegt
(bild der wissenschaft 11/02 S.28)

·         für den Menschen gibt es nicht nur 30000, sondern 40-50000 Gene; lieber von Gen-Orten sprechen: ein solcher Ge­nort stellt viele verschiedene Produkte her, wir kennen viele Beispiele, wo ein Gen 5 verschiedene Produkte macht; man weiß fast nichts über die Abschnitte neben den eigentlichen Genen, die Kontrollregionen, sie entschei­den darüber, ob ein Gen Aktiv ist und welches Produkt am Ende entsteht;
(Die Zeit 10.10.02 S.34)

·         Andre Reis, Deutsches Humangenom-Projekt: kündigte für Frühjahr 2003 die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes an, bisher seien mehr als 90% der Sequenz erforscht
(epd-wochenspiegel ost 40/02 S. 11)

·         bisher hieß es, 98,5% des menschlichen Genoms seien mit dem Erbgut des Schimpansen identisch;
Forscher Kalifornien: wenn auch Einschübe und Verluste in den Genabschnitten berücksichtigt werden, beträgt der Abstand zwischen Affe und Mensch 5%
(taz 27.9.02)

·         in den letzten 500 Jahren 60 Geburten von Nachkommen von Maultieren dokumentiert; eigentlich unfruchtbar; Pferde haben 32 Chromosomenpaare, Esel nur 31; Maultiere haben danach 63 Chromosomen – eine ungerade Zahl, die sich nicht in Paare teilen lässt; bei einer Geburt in Marokko wird jetzt geprüft, ob das Muttertier (Maultier) bei der Paarung mit einem Eselshengst vielleicht nur seine Esels-Chromosomen vererbt hat
(Der Spiegel 43/02 S.215)

·         Genmutation bei Fruchtfliege beschrieben, die die Lebensdauer des Tieres etwa verdoppelt; das veränderte Langle­bigkeitsgen bremst die Umwandlung von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten in Energie
(taz 30.10.02)

 

·         entschlüsselte Genome:

Art

Chromosomen

Basenpaare

Anzahl
der Gene

Jahr der
Entschlüsselung

Mensch

23

3286 Mill

30-40000

2001

Maus

20

2700 Mill

30000

2002

Fruchtfliege

4

317 Mill

13500

2000

Ackerschmalwand

5

125 Mill

26000

2000

Reis

12

466 Mill

50000

2002

Bäckerhefe

16

13 Mill

6500

1996

E-coli K12

1

4,6 Mill

4400

1997

Fadenwurm

männl. 5 /
weibl. 6

97 Mill

20000

1998

(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.162ff))

·         Genom des Menschen:
8% Heterochromatin;
53% der DNS vielfach kopierte, ständig wiederholte Sequenzen;
13,5% nicht zuzuordnen;
25,5% Gene, davon 24% Introns und nur 1,5% Exons (proteincodierende Regionen)
die Zelle schreibt zunächst unterschiedslos informationstragende Exons und die dazwischen liegenden Introns in RNS um; erst ein Zellwerkzeug, das Spleißosom, trennt dann die Introns heraus und fügt die Exons zusammen; die sinnvollen Abschnitte eines menschlichen Gens umfassen im Mittel nur 1000 bis 2000 Basenbausteine, die sinnlosen Einsprengsel können ein Vielfaches ausmachen (Beispiel: Bauplan für Muskeleiweiß Dystrophin steckt in 14000 Basen von insgesamt 2,4 Millionen des entsprechenden Gens); die Zellen können die Exons in unterschied­licher Weise miteinander kombinieren (aus „kreisen“ die Wörter Kreis, Reise, Reis, Eis, reisen, Krise bilden);
rund 60% der menschlichen Gene bieten eine Vorlage für zwei oder mehr Proteine;
nicht mehr: „ein Gen = ein Protein“, sondern: „Gen ist Sinneinheit im Genom, die für ganze Proteinfamilien zustän­dig ist“;
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.46ff)

·         Bauplan des menschlichen Chromosoms Nr. 14 entziffert; 1050 Gene und Genfragmente; mehr als 60 Gene, die Krankheiten auslösen können; 87.410.661 Basenpaare
(taz 3.1.03)

·         Craig Venter will (mit finanziert vom US-Energieministerium mit drei Millionen Dollar) einen einzelligen Organis­mus aus Einzelbausteinen künstlich erzeugen, der die Mindestzahl von Genen besitzt, die für ein eigenständiges Leben notwendig sind, der sich teilen und selbst reproduzieren könne;
die Arbeit könnte die Fähigkeit der USA verbessern, existierende biologische Waffen zu entdecken und zu be­kämpfen
(taz 22.11.02)

·         ein hervorragendes Buch für das Verstehen der Grundlagen von Genetik und Gentechnik (nicht nur für Kinder!!!): Was ist Was? Band 111: „Die Gene“, Tesloff Nürnberg, 2001, 48 Seiten, 16,80 DM

·         wissenschaftlich bestätigt: Maultiermutter in Marokko hat echtes Fohlen geboren, eigentlich passen die Chromoso­mensätze nicht, Pferde haben 64, Esel 62 Chromosomen (taz 7.2.03)

·         James Watson:
Kenntnis des Genoms: Bisher haben wir ein Buch aufgeschlagen, aber das können wir noch nicht lesen. Bis wir es vollständig verstehen, kann es noch 500 Jahre dauern
(Spiegel 9/2003 S. 168)

·         Wolfgang Schäuble: eineiige Zwillinge haben nicht den gleichen Fingerabdruck
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anth­ropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         vor 50 Jahren Struktur der DNS entdeckt;
Jens Reich:
dass man heute das Genom lebender Organismen wie mit einem Textverarbeitungsprogramm bearbeiten kann: Textbausteine aufsuchen und identifizieren, kopieren, löschen, korrigieren, entwerfen und optimieren. Genauer ge­sagt: es waren Erfindungen nicht des Menschen, sondern von Bakterien: Nahezu alle Gentechnologie beruht näm­lich heute auf biochemischen Werkzeugen, die von diesen winzigen Zauberern der Überlebenskunst erfunden und vom Menschen lediglich in einer Art geistigen Diebstahls fürs Labor adaptiert wurden.
(Die Zeit 20.2.03 S.31)

·         In frühhistorischer Zeit muss eine furchtbare Seuche über Europa gezogen sein. Überlebt haben damals offenbar vor allem Menschen mit einem Genfehler, der vor dem unbekannten Erreger schützt. Dieses defekte CCR5-Gen ist noch immer in der nordeuropäischen Bevölkerung weit verbreitet. Das hat auch heute noch Folgen: die CCR5-Va­riante bietet nämlich auch einen gewissen Schutz vor einer Ansteckung mit HIV.
(Die Zeit 20.2.03 S.34)

·         durch gezielte Ausschaltung einzelner Gene für Wachstum und Energiestoffwechsel können Genetiker dem natürli­chen Tod von Würmern, Fliegen und Mäusen Einhalt gebieten; Mäuse leben ein Viertel länger, Würmer dop­pelt so lange
(Die Zeit 23.1.03 S.23)

·         Jede der etwa 100 Billionen Zellen des menschlichen Körpers enthält im Zellkern 23 Chromosomenpaare mit der Erbsubstanz DNS (Desoxyribonukleinsäure). Die Erbsubstanz wiederum liefert das genetische Programm zur Steuerung aller Lebensfunktionen der Zellen. Dazu gehören: Zellteilung; Funktion von Nerven, Sinnesorganen und Muskeln; Erhaltung der Stabilität von Knochen und Bindegewebe; Energiegewinnung aus der Nahrung; Immunab­wehr; Bildung, Transport und Abbau von biologisch wichtigen Molekülen; Signalübertragung und die Regulation aller dieser Vorgänge. Die zellulären Funktionen der verschiedenen Gewebe sind mit dem Ziel eines harmonischen Zusammenwirkens des Gesamtorganismus aufeinander abgestimmt.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.5)

·         Neben den Chromosomen im Zellkern („nukleäres Genom“) befindet sich in den Mitochondrien, die in großer Zahl im Zytoplasma der Zelle vorkommen, ein weiteres Genom („mitochondriales Genom“), das aus einer ringförmigen DNA besteht. Es enthält 16569 Basenpaaare mit insgesamt 37 Genen... ;
äußerst selten führen Mutationen auch einmal zu einer funktionellen Verbesserung;
Vergleich der Genome zweier Menschen: 0,1% d.h. 3 Millionen Sequenzunterschiede (Reihenfolge der Basen­paare);
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.7ff)

·         früher: 1 Gen à 1 Boten-RNA à 1 Protein
ABER: im Genom herumspringende Gene, Gene die sich vielfach wiederholen, Gene deren codierende Teile (Exons) immer wieder von den nicht codierenden Introns unterbrochen werden (zwar wird ganze Gensequenz ab­gelesen, aber die Introns später herausgeschnitten)
(bild der wissenschaft 4/03 S.26)

·         Prof. Ganten:
vor 1 Jahr publiziert: vor 100000 Jahren gab es Veränderungen im menschlichen Erbgut; 1 Gen hat sich so verän­dert (Chromosom 14, 1 Aminosäure ausgetauscht), dass Feinmotorik im Gesicht, für Sprache usw. möglich gewor­den ist; Beginn der Kulturfähigkeit des Menschen
(ÖKT 2003, Religion und Wissenschaft, Französische Friedrichstadtkirche, 30.5.03, 10.30 Uhr)

·         die Entzifferung des menschlichen Erbgutes ist nach 15 Jahren Arbeit praktisch abgeschlossen, die Human-Ge­nom-Organisation (HUGU) hat die endgültige Reihenfolge aller rund 3 Milliarden Bausteine des Erbgutes in ihren Datenbanken gespeichert
(taz 11.4.03)

·         Mücken, die den Malaria-Erreger oder das gefürchtete West-Nil-Virus übertragen, werden durch eine winzige Muta­tion in ihrem Erbgut unempfindlich gegen Insektengifte (ein einziger Genbaustein ist ausgetauscht)
(taz 9.5.03)

·       RNA trägt nicht nur Kopien der DNA im Zellkern zu den Ribosomen, wo nach dem Bauplan Proteine hergestellt wer­den;
RNA entscheidet auch, welche Gene abgelesen werden (organisiert die „Verpackung“ der Erbinformation, das Heterochromatin);
andere RNA verhindert, dass Gene ihren Platz im Chromosom verlassen (beim „Gen-Sprung“ könnten andere Gene beschädigt werden);
diese zusätzlichen Funktionen werden von sehr kleiner RNA durchgeführt, die bisher als uninteressanter „Zell­schrott“ galt
(Bild der Wissenschaft 6/2003 S.40)

·       Progerie: frühzeitige Alterung im Zeitraffer; in einem Gen 1 Buchstabe (Base) verändert
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20. April 2003, Nr. 16)

·      durch (sanften) Druck, der auf Fruchtfliegen von außen  ausgeübt wurde, wurden Gene aktiviert, die das Ausbilden der Bauchorgane steuern
(Spiegel 39/03 S.178)

·      Untersuchung 2001: Erbgut von Mensch und Schimpanse unterscheidet sich um 1,24%, Schimpanse und Gorilla um 1,63%, Mensch und Orang Utan um 3,08%
(GEO 9/03 S.122ff)

·      Insulin-Gen enthält nur 2 Introns, das Dystrophin-Gen 78 (nur 1% der Gesamtlänge sind kodierende Sequenzen);
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was verraten unsere Gene? 82 Seiten S.8)

·       RNA-Interferenz, RNAi:
gezielt einzelne Gene ausschalten (genauer: die Produktion der codierten Eiweiße verhindern);
natürlicher Vorgang: nicht immer sind Proteine, die in den Ribosomen produziert werden, für die Zelle nützlich (un­kontrollierte Produktion im Übermaß oder Proteine, deren Bau von Viren veranlasst wird); Zellen fangen die uner­wünschte Boten-RNS ab, ehe der Bau der Proteine beginnt; Regulierungsgene senden doppelsträngige RNS in die Zellen, diese Moleküle werden gehäckselt; kleine RNS-Schnipsel werden in Blockereinheiten eingebaut; lagern sich an gesuchte Boten-RNS an und blockieren Eiweißsynthese;
man kann künstlich solche RNS-Suchsequenzen im Labor zusammenbauen und losschicken: z.B. gegen Grippevi­rus oder Erreger der Kinderlähmung im Labor bereits erfolgreich
(Der Spiegel 50/03 S.190)

·       Mitochondrien-DNA: (mtDNA) ist ein kleines ringförmiges DNA-Molekül mit ungefähr 16600 Basenpaaren; jedes Mitochondrium enthält 5-10 mtDNA-Moleküle, und eine Zelle kann Hunderte oder Tausende Mitochondrien haben
(EIBE Einheit 2 DNA Profilanalyse, 2000, S.8)

·       nach dem Genom von Mensch und Maus nun das Genom der Ratte bekannt:
25000 Gene; nahezu alle Gene, die bei der Entstehung von Krankheiten beim Menschen eine Rolle spielen, so oder mit ähnlicher Struktur auch bei der Ratte gefunden
(taz 2.4.04)

·       Entwicklung von affenähnlichen Vorfahren zum Menschen durch Mutation an einem Gen?
MYH16 produziert bei Affen ein Protein, das ihnen zwischen Schädel und Kiefer zwei extrastarke Muskeln wach­sen lässt; ermöglicht 10x stärkeres Zubeißen als beim Menschen; Mutation vor 2,4 Mill Jahren: Kaumuskel ver­schwindet, aber Schädel wird nun nicht mehr zusammengeschnürt, sondern zum Wachstum befreit (größeres Ge­hirn)
(Der Spiegel 14/04 S.175)

·       Forscher MPI-Leipzig: wollen Nachweis erbracht haben, dass FOXP2, ein wahrscheinlich für die Steuerung der Sprechmuskulatur notwendiges Gen, nur beim modernen Menschen vorkommt, nicht aber bei Menschenaffen oder Mäusen
(taz 13.2.04)

·       ein Gen aus einer Zelle im Innenohr von Hühnern kann 576 verschiedene Proteine produzieren; Rekord: ein Gen der Fruchtfliege, das bis zu 38000 verschiedene Proteinvarianten erzeugen kann
(GID 162/2004 S.35)

·       vor einigen Jahrzehnten glaubte man, dass die Erbanlagen nur zu 30% den Menschen bestimmen, heute, dass sich Gene und Umwelteinfluss etwa die Waage halten
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.163)

·       der Lurch besitzt in seiner DNS 30x so viele Bausteine wie der Mensch
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.223)

·       Beim RNA-Editing wird das von der DNA abgelesene ursprüngliche RNA-Transkript nicht bloß auseinander geschnit­ten und Teile davon neu zusammengesetzt, wie das beim Genspleißen der höheren Organismen der Fall ist. Vielmehr werden bestimmte Nukleotide mit Hilfe von Leit-RNAs und Enzymen aus der Sequenz herausge­schnitten und durch andere Nukleotide ersetzt, bevor die Messenger-RNA in ein Protein übersetzt wird. Bei diesem Vorgang geht die ursprüngliche Komplementarität zum Genort auf der DNA, von dem die RNA abgeschrieben wurde, verloren ... Wo ist das Gen? Wo ist die Information? ...
(GID-Spezial Nr.4 Dezember 2003 S.38)

·       Fadenwurm c. elegans; Lebenserwartung von 20 auf durchschnittlich 124 Tage gesteigert; ein Gen verändert, das es dem Wurm ermöglicht, bei mangelndem Nahrungsangebot oder Stress in eine Art Starre zu verfallen (bis zu 2 Monate) – diese Lebensverlängerung nun auch ohne Starre erreicht; zusätzlich Fortpflanzungssysteme entfernt, was Lebensspanne um weitere 60% erhöhte (Effekt nicht auf Unfruchtbarkeit, sondern Veränderungen in der Übertragung hormoneller Signale zurückzuführen)
(bdw 1/2004 S.17)

·       Detlev Ganten: wir wissen bei konservativer Schätzung, dass bei einer Zellteilung (beim Menschen) ungefähr 12 Able­sefehler passieren; nicht viel, bezogen auf die 3 Milliarden Einzelbausteine, die jedes Mal kopiert werden müs­sen; aber ein Mensch hat 100 Billionen Zellen, also 12 x 100 Billionen Ablesefehler in nur einem Menschen; das bedeutet, das Genom, das von Vater und Mutter kommt, ist dann nicht nur in der befruchteten Eizelle, sondern in jeder Zelle wieder anders
(Publik-Forum 16/2003 S.48)

·       speziell die für grundlegende Funktionen der Zellen verantwortlichen „Haushaltsgene“ und ihre Produkte sind von der Bierhefe bis zum Menschen weitgehend gleich aufgebaut; das Protein Cytochrom C ist sogar zwischen MENSCH und Schimpanse vollständig identisch, unterscheidet sich zum Rhesusaffen aber in einer, zum Wal in 10 Aminosäuren;
die funktionell wichtigen Abschnitte der DNA stimmen bei Schimpansen und Menschen zu 99,4% überein und zei­gen damit eine größere genetische Nähe des Sch. zum Menschen als zu anderen Menschenaffen; eine neue Na­mensgebung beginnt sich folgerichtig durchzusetzen: Schimpanse (Pan troglodytes) uns Bonobo (Pan paniscus) werden neuerdings in brüderlicher Weise als Homo troglodytes und Homo paniscus bezeichnet;
gut ein Zehntel unserer menschlichen DNA besteht aus Retrotransposons, verstümmelten Resten von Viren, die sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte in unser Erbgut eingeschlichen haben; viele Gene des Menschen haben sich ursprünglich in Bakterien entwickelt;
gegenüber der DNA von Chromosomen des Zellkerns zeichnet sich die der Mitochondrien durch eine ungenauere Fehlerkorrektur bei der Vererbung und deshalb durch eine zehnfach höhere Mutationsrate aus;
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.14ff., 58)

·       das menschliche Genom liegt jetzt beinahe vollständig entziffert vor
(Freie Presse Chemnitz 29.10.04)

·       Schnabeltier (Australien) besitzt 10 Geschlechts-Chromosomen
(Der Spiegel 45/2004 S.172)

·       Anzahl der Gene:
Mensch 20-25.000 (3,3 Mrd. Basenpaare); Wurm C.elegans 19.500; Pflanze Ackerschmalwand 27.000 (115 Mill. Basenpaare)
(taz 21.10.04)

·       genetischer Code relativ flexibel: die meisten Aminosäuren sind nämlich nicht durch drei Basen eines Tripletts defi­niert, sondern bereits durch die beiden ersten, die dritte Base ist in diesen Fällen variabel; betrifft eine Mutation die dritte Base eines Tripletts, codiert das Codon in der Regel weiterhin die gleiche Aminosäure
(NZZ 24.4.03)

·       siRNA small interfering RNA; neu entdeckte (2001), besonders kleine RNA-Spezies steuert das Werden der Organis­men, wehrt Virenattacken auf das Erbgut ab und reguliert die Aktivität der Gene (wie oft ein Gen abgelesen wird); nur 21 bis 23 Basenpaare lang; Boten-RNA wird damit blockiert; inzwischen wird mit maßgeschneiderten künstlichen Schnipseln gesucht

·       wissenschaftliche Experten der Rockefellerstiftung in den 30er Jahren des 20. Jh.: „We can hope to breed, in the fu­ture, superior men“ (Züchtung des Übermenschen) (234);
Ebene der RNS-Moleküle als eigenständige Schicht, die mitbestimmt, was mit der gegebenen genetischen Infor­mation (DNS) passiert und welche Proteine dabei entstehen; Vorschlag: Genotyp
à Ribotyp à Phänotyp (256)
Lehrbuch der Molekularbiologie 2000:
“Ein Gen ist eine identisch reduplizierte Nukleotidsequenz, die entweder in eine Ribonukleotidsequenz ohne Mes­senger-Funktion oder in diejenigen Abschnitte einer reifen Messenger-RNA transkribiert wird, die ein spezifisches Polypeptid kodieren“ (260);
Polymerasekettenreaktion:
DNS besteht aus zwei Strängen, die durch Wärme getrennt werden können. Aus einem Einzelstrang können Zel­len einen Doppelstrang machen, und zwar mit Hilfe eines molekularen Katalysators, der den Namen Polymerase trägt. Nun stellt die Natur dieses Werkzeug in einer Form zur Verfügung, die miterhitzt werden kann. Wer ein ge­gebnes (doppelsträngiges) Stück DNS vermehren will, fügt neben den notwendigen Rohmaterialien etwas von der stabile Polymerase zu, und dann kann es losgehen. Die Temperatur wird erhöht, zwei Einzelstränge entstehen. Die Temperatur wird gesenkt, zwei Doppelstränge entstehen. Die Temperatur wird erhöht, vier Einzelstränge entste­hen, die erneut ergänzt werden: die Temperatur wird gesenkt, vier Doppelstränge entstehen. ... Wenn dies rasch genug geschieht, kann man in einer Stunde ein DNS-Molekül so oft kopieren, dass es für eine Analyse ausreicht. (266);
Anders als die entsprechenden Gen-Einheiten zum Beispiel bei einem Wurm oder einer Fliege verfügen menschli­che Zellen über die Fähigkeit, aus einem Gen nicht nur ein Protein, sondern mehrere (verschiedene JK) solcher aktiver Substanzen anzufertigen. (268);
das Gen für Mukoviszidose schützt in Kindheit und Jugend gegen Asthma (339)
(EP Fischer: Die andere Bildung – was man von den Naturwissenschaften wissen sollte, Ullstein 2003, S.234)

·       beim erwachsenen Menschen etwa 350 unterschiedlich spezialisierte Zelltypen, die sämtlich über die gleiche Biblio­thek verfügen;
gebraucht wird in allen Zellen die in den „Haushalts-Genen“ gespeicherte Allgemeinliteratur (Anleitungen für überall benötigte Alltagsproteine);
in den spezialisierten Zellen dürfen nur die genetischen Informationen für die spezielle Aufgabe gelesen werden, und das auch nur zu bestimmten Zeitpunkten;
der ganze große Rest der völlig überausgerüsteten Bibliothek muss ständig unter Verschluss stehen;
Steuerung des Bauplans bei Drosophila:
Das Muttertier sondert vier Substanzen ab, die im Ei strategisch wichtige Punkte besetzen, damit wird dreidimensi­onales Koordinatensystem festgelegt (vorn/hinten, oben/unten); nach der Befruchtung lösen diese Signalstoffe im Ei eine Nachrichtenkaskade aus, bestimmte Gene werden aufgespürt, aufgeweckt und angeknipst, legen erste Grobeinteilung des Insekts fest, Kaskade erreicht ihren Höhepunkt, wenn die sog. HOX-Gene (homöotische G.) eingeschaltet werden - steuern die Ausbildung vergleichbarer Körperteile entlang der Längsachse;
HOX-Gene bei allen Lebewesen grundsätzlich gleich (Zahl verschieden: Fruchtfliege 8 Mensch 38; eingesetztes menschliches Hox-Gen steuert auch Entwicklung des Kopfes einer Fliege);
Mensch: erst am 6. bis 8.Tag nistet sich Blastozyste in der Gebärmutter ein; in dieser Phase Starschuss zur Mus­terbildung: vermutlich lagern sich Signalstoffe an bestimmte Rezeptoren an und betätigen Klingelknopf, über den sie die ersten Entwicklungsgene aktivieren, diese definieren dann das Grundmuster des zukünftigen Organismus, ob die Stoffe von der Mutter stammen oder benachbarte Zellen sich absprechen, ist unklar;
Zellteilung: 7-8 Stunden, Kopiervorgang der DNA beginnt an 30000 Punkten des Zellfadens gleichzeitig, 50-60 Bausteine pro Sekunde; nicht nur der gesamte Datenbestand muss weitergegeben werden, Zellen müssen auch die gesamte Leseanweisung mitgeteilt bekommen, welche Gene genutzt werden sollen /dürfen und welche nicht
(GEO 1/1996 S. 82f)
Kopieren des Erbmaterials bei der Teilung einer menschlichen Zelle: 8 Stunden, an 10.000 Startpunkten gleichzei­tig; im Durchschnitt am Ende zwei bis drei Kopierfehler erhalten (353,367)
jedes Gen Bauplan für mehrere Proteine; 30000 Gene; 1 Million Eiweiße (354)
für die Farbe des Fells einer Maus sind 63 voneinander unabhängige Gene verantwortlich (355)
Genom von zwei Menschen unterscheidet sich im Durchschnitt in jedem 1000. Baustein (3 Mill. Basenpaare); lie­gen z.T. außerhalb von Genen, oder der Buchstabe verändert das codierte Gen nicht; nur 40.000 davon führen wirklich zu molekularen Unterschieden (in Genen) (357)
Dickdarmzellen leben 10 Tage, rote Blutkörperchen 120 Tage, Knochenzellen 10 Jahre, Nervenzellen ein ganzes Leben lang (361)
(Detlev Ganten u.a.: Leben., Natur, Wissenschaft; Eichborn Ffm. 2003)

·       DNS-Replikation Geschwindigkeit rund 500 Nukleotide je Sekunde;
bei der Verdopplung werden jeweils beide DNS-Stränge kopiert, der eine „vorwärts“ (das geht kontinuierlich), der andere rückwärts (das geht nur
stückweise; die Einzelteile müssen durch das Enzym DNS-Ligase zu einem durch­gehenden Strang verbunden werden);
Es müssen nicht nur Informationen weitergegeben werden, die die Erhaltung der Form und der Funktionen eines Organismus beinhalten, sondern auch der gesamte Bau- und Entwicklungsplan für den zukünftigen Organismus (Struktur und Anordnung der Proteine);
(Lesch/Müller: Big Bang zweiter Akt – Auf den Spuren des Lebens im All, Bertelsmann München 2003, S.63; 140)

·       genetischer Code ist nicht (immer) universell: 1985 entdeckt: bei verschiedenen Ciliaten (Wimpertierchen) werden die STOPPCODONS UAA und UAG von t-RNA-Molekülen abgelesen; sie codieren jeweils die Aminosäure Gluta­min
(Schrödel, Lehrbuch Biologie Sek. II 1995 S. 195)

·       Gene überschreiten Grenzen zwischen den Arten auch auf natürliche Weise; im Erbgut eines Süßwasserpolypen aktives Pflanzengen entdeckt, stammt von einer Alge, mit der das Nesseltier in Symbiose lebt
(Die Zeit 25.5.05)

·       Überwindung von Art- und Gattungsgrenzen ohne Anwendung gentechnischer verfahren: Beispiel: Zucht der Gat­tungshybride Triticale., einer Kreuzung aus Weizen und Roggen
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S. 6)

·       normale Kartoffelsorten besitzen einen vierfachen Chromosomensatz
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.42)

·       zur Zeit sind bereits mehr als 100 Genome von Baktrien, Archaeen, Pflanzen, Tieren und Mensch sequenziert (Basen­sequenz der DNA in der Reihenfolge entschlüsselt JK) und über 100 weitere sind in Bearbeitung; weitere Informationen im Internet: http://eutils.ncbi.nlm.nih.gov/Genomes/index.html;
die Bakterie E.coli hat 17% ihrer Gene in den letzten 100 Millionen Jahren durch horizontalen Gentransfer erwor­ben (von anderen Lebewesen übernommen); ...
DNA-Fragmente von Pflanzen sind zwei und mehr Jahre in Böden nachweisbar; können von Bakterien aufgenom­men werden ...
Modellversuche weisen darauf hin, dass ein Gentransfer von Pflanzen auf Mikroorganismen prinzipiell möglich ist und wohl auch während der Evolution stattgefunden hat
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.60ff, 81)

·       Genomgrößen:

Organismus

Genomgröße
Anzahl der
Nukleotid-
Bausteine

Anzahl
der Gene

Bakteriophage (Lambda)

48.000

70

Bakterium (Escherichia coli)

4.600.000

4.300

Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae)

12.500.000

6.200

Fadenwurm (Caenorhabditis elegans)

97.000.000

19.100

Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana)

125.000.000

25.000

Fruchtfliege (Drosophila melanogaster)

180.000.000

14.100

Reis (Oryza sativa)

430.000.000

40.000 - 60.000

Maus (Mus musculus)

2.500.000.000

30.000

Mais (Zea mays)

2.500.000.000

50.000

Mensch (Homo sapiens)

2.900.000.000

20.000 – 25.000

Weizen (Triticum aestivum)

16.500.000.000

50.000

(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.66)

·         Mensch nur 20- 25.000 Gene
(bdw 2/2005 S.12)

·         Prof. Hans Mohr S.30:
Gattungshybrid zwischen Roggen und Weizen, TRITICALE, ohne erkennbare Skrupel auch im ökologischen Land­bau eingesetzt, obwohl bei der Herstellung (um 1980) ganze Genome gemischt wurden
(Kongress: Die Zukunft des Menschen“, Stuttgart 8./9.7.2002, Dokumentation)

·         Epigenetik
Entzifferung der rund 25.000 Gene des Menschen, in denen die wesentlichen Erbinformationen gespeichert sind, genügt nicht, um das Geschehen in Zellen und Organen des Menschen vollständig zu erklären;
den Forschern wurde klar, dass eine übergeordnete Instanz in der Zelle die Funktion der Gene kontrolliert (Epige­netik; epi = über);
man weiß z.B., dass Enzyme chemische Gruppen an die Erbsubstanz DNA anheften, die dann wie molekulare Schalter wirken, sie entscheiden darüber, welche Gene zu welchem Zeitpunkt im Organismus abgelesen werden; der Einfluss ist immens – diese Kontrolleure entscheiden darüber, ob sich aus einer unreifen Zelle des Embryos eine Muskel-, Blut- oder Leberzelle entwickelt;
manche Bausteine der DNA können mit so genannten Methylgruppen bestückt werden (Methylierung), dadurch wird das benachbarte Gen ausgeschaltet, bei Bedarf entfernt die Zelle die Methylierung wieder und reaktiviert das Gen;
schon am Anfang des Lebens spielt die Epigenetik eine wichtige Rolle, wenn sich das befruchtete Ei in die Gebär­muttereingenistet hat, werden zunächst alle vorhandenen Methylgruppen entfernt und neu platziert
(Berliner Zeitung 20.4.05)

·         Erbsubstanz von Reis entschlüsselt, 389 Millionen Basenpaare, schätzungsweise mehr als 37.500 Gene
(taz 12.8.05)

·         Gen-Synthese beim Regensburger Unternehmen Geneart;
erfindet Gene, die in der Natur nicht vorkommen;
soll ein Gen von einem Menschen in Coli-Bakterien eingepflanzt werden, muss man es vorher in die „Bakterien­sprache“ übersetzen; der menschliche Gen-Code für Insulin und die Coli-Variante unterscheiden sich etwa in je­dem 6. Buchstaben; würde man das menschliche Gen für Insulin geradewegs in das Coli-Bakterium einsetzen, würde es nur mehr schlecht als recht Insulin produzieren, weil das Bakterium mit dem menschlichen Bauplan nicht viel anfangen kann; Gene von Bakterien sind in einer anderen Sprache geschrieben als die von Viren oder Men­schen; alle Organismen nutzen zwar die gleichen biochemischen Buchstaben –A,C,G,T – um ihr Erbgut niederzu­schreiben, aber sie haben alle einen eigenen genetischen „Dialekt“ – verwendet z.B. der Mensch UGA für einen Befehl, würde ein Einzeller stattdessen UAG benutzen;
eines der ersten gentechnisch hergestellten Medikamente, das Wachstumshormon Somatropin gegen Zwerg­wuchs, wird bis heute mithilfe eines künstlichen Gens hergestellt;
mittlerweile fließen die Gene kostengünstig aus modernen Automaten; in diesen Synthesemaschinen werden die Basen wie Glieder einer Kette miteinander verknüpft; in vier bis fünf Wochen lassen sich mehr als eine Million ver­schiedener synthetischer Gene fertigen; ein Basenpaar kostet inzwischen nur noch etwa 1,50 Euro;
zur Zeit rund 10 verschiedene Enzyme in Waschmitteln, mittlerweile werden sie fast nur noch über künstliche Gene in ausgewählten Mikroorganismen hergestellt; z.B. natürliche Enzyme nicht hitzbeständig – Einbau von Sequenzen aus Bakterien, die in Geysiren bei 100 Grad überleben
(bdw 9/2005 S.36ff)

·         Bakterium entdeckt in 120 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund bei Island, das in einer knapp 100 Grad heißen Schwefelbrühe prächtig gedeiht; mit Durchmesser von nur 400 Millionstel Millimetern eines der kleinsten Lebewe­sen der Welt; offenbar nur lebensfähig, wenn es auf einem wesentlich größeren anderen Bakterium sitzt; Zahl der Basenpaare im Erbgut unter 500.000 (400 Gene)
(Der Spiegel 19/2002 Wissenschaft)

·         Labormaschine ermöglicht es, Erbgut hundertmal so schnell wie bisher zu entschlüsseln; 99% Genauigkeit, bis zu 25 Mill. DNA-Basenpaare in 4 Stunden
(Die Zeit 4.8.05 S.31)

·         Mikrobe an Schloten auf dem Meeresgrund vermehrt sich noch bei 113 Grad Celsius;
für das leben im Eiswasser sind antarktische Fische mit einem Frostschutzmechanismus gerüstet: sie produzieren in der Leber einen Cocktail spezieller Eiweiß-Zucker-Verbindungen, diese Glykopeptide heften sich an die Oberflä­che mikroskopischer Eiskristalle und verhindern deren weiteres Wachstum, Gefrierbremse funktioniert bis –2,7 Grad Celsius
(GEO 3/2002 S.210)

·         (S.38) Proteine: Baustoffe und Werkzeuge;
(39) rund 50 Millionen Körperzellen gehen in 1 Sekunde zugrunde, ebenso viele entstehen durch Teilung (200 g pro Tag); Lebensdauer Schleimhaut Dünndarm 3-5 Tage, Haut 19 Tage, Leber 7 Monate, manche weiße Blutkör­perchen mehrere Jahre, Knochenzellen 25-30 Jahre, Nervenzellen lebenslang; massereichste Zellen sind Eizellen (100-120 Mikrometer, die kleinsten die Spermien mit 3-5 Mikrometer
(72) rote Blutkörperchen, 25 Billionen, ohne Zellkern, Lebensdauer 120 Tage, in jeder Sekunde werden im Kno­chenmark 2 ½ Millionen ersetzt; Leukozyten haben Zellkern, Lebensdauer wenige Stunden bis Jahre
(Geo kompakt Nr.2: Das Wunder Mensch, 2005)

·         S.10: 2003 Genome von über 100 Arten entziffert;
S.17: das menschliche Genom enthält vermutlich nur etwa 30000 Gene und nicht – wie vorher angenommen – 100.
000 oder gar 200.000; damit unterscheiden wir uns in der Anzahl der Gene nicht sonderlich von der Taufliege Drosophila mit ihren rund 20.000 Genen. der menschliche Organismus nutzt allerdings das begrenzte Repertoire in trickreicher Weise. Er kann daher hunderttausende Proteine produzieren, unter anderem, da die Zellen die Struktur der fertigen Proteine nachträglich modifizieren. .. die wahren Geheimnisse des Lebens sind jedoch nicht in der DNA-Sequenz, sondern in der komplexen Interaktion der unterschiedlichen biologischen Moleküle zu suchen ...
Gesamtheit der Boten-RNS = Transkriptom
à Transkriptomik
Gesamtheit der Proteine = Proteom
à Proteomik;
S.52: Wer sagt, das menschliche Genom enthalte etwa 27.000 Gene, meint damit solche für Proteine
S.21: genetischer Codegrundsätzlich arbeitet die Proteinsynthese selbst bei Organismen, die so verschieden sind wie Menschen und Bakterien, nach denselben Regeln, und das seit Milliarden von Jahren (im Wesentlichen unver­ändert);
doch inzwischen kennen die Genetiker mindestens 16 Varianten, bei denen einzelne Codons abweichende Be­deutungen haben, sie finden sich verstreut auf ganz verschiedenen Ästen im Stammbaum des Lebens, auch bei den Varianten stehen drei Basen für eine Aminosäure, aber die Zuordnung divergiert: wo fast alle Lebewesen CUG mit Leucin übersetzen, interpretieren es einige Arten der Pilzgattung Candida als Befehl zum Einbau von Serin... In den Mitochondrien der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae stehen vier der sechs Tripletts, die üblicherweise Leucin bedeuten, für Threonin;
S.23: bei der Sichelzellanämie verändert eine Genmutation ein einzelnes Codon der Hämoglobin-Beta-Kette von GAG in GUG. Dadurch wird statt des hydrophilen (wasserfreundlichen JK) Glutamats das hydrophobe (wasserab­weisende JK) Valin eingefügt. Die so entstandenen wasserabweisenden Punkte an der Oberfläche haben die Ten­denz, sich zusammenzulagern. Folglich verklumpen die Hämoglobinmoleküle ... sodass sich die roten Blutkörper­chen sichelartig verformen.;
S.24: bauen Vertreter aus allen drei großen Organismenreichen ((Archaea, bakterien und Eukaryoten) dort, wo sich das Stoppcodon UGA befindet, vereinzelt Selenocystein (chemisch modifiziertes Cystein) in ihre Proteine ein (21. Aminosäure satt üblicherweise 20!); manche Archaea und Bakterien interpretieren das Stoppcodon UAG als Anweisung der (22.!) Aminosäure Pyrrolysin (cehmisch modifiziertes Lysin).;
S.25: die Codewörter für die Zuordnung derselben Aminosäure werden von Bakterien und Säugetieren nicht gleich häufig benutzt; für Arginin überwiegen im menschlichen Genom z.B. AGA und AGG, die Bakterie e.coli verwendet AGA nur sehr selten und macht bei der Übersetzung (Translation) oft Fehler; kennt man diese Präferenzen, kann man eine Version des Gens konstruieren, die in verschiedenen Organismen gleich verlässlich funktioniert;
S.26ff: Das verkannte Genom-Programm – Der Schlüssel zum Verständnis von Embryonalentwicklung und Evolu­tion könnte in einem bisher wenig erforschten Regulationssystem liegen, das sich auf RNA stützt – statt auf Prote­ine.;
Seit fast einem halben Jahrhundert besteht nunmehr das zentrale Dogma der Molekularbiologie. Es besagt, dass von genetischer Information, die in der DNA-Sequenz gespeichert ist, zunächst spezielle Arbeitskopien aus RNA erstellt werden – und diese dienen dann als Matrizen für die Produktion des jeweiligen Proteins aus Aminosäure­bausteinen. Auch in der alten Formel „ein Gen – ein Protein“ drückte sich die vorherrschende Ansicht aus, Gene kodierten im Allgemeinen für Eiweißstoffe. Entsprechend mussten Proteine, neben ihrer Funktion etwa als Struk­turelemente und Enzyme, auch die Hauptrolle bei der Regulation der Gne selbst spielen.. Die(se) Schlussfolgerung beruht vorwiegend auf Studien an Bakterien ... und anderen einzelligen Lebewesen ohne Zellkern.. Für diese Or­ganismen ... ist sie sogar nach wie vor im Wesentlichen korrekt. Deren DNA umfasst nämlich fast ausschließlich Proteingene, flankiert von Steuersequenzen ...
beschreibt das zentrale Dogma die Molekularbiologie der Eukaryoten (= zellkerntragenden Lebewesen JK) nur sehr unzureichend. Proteine spielen zwar durchaus auch dort eine Rolle bei der Genregulation, doch parallel dazu existiert ein zweites, bisher übersehenes Regulationssystem,. Es basiert auf RNAs, die direkt mit der DNA, ande­ren RNAs sowie Proteinen interagieren;
Bauanweisungen für Proteine bei Eukaryoten nicht als zusammenhängender Text im Erbgut festgelegt, verteilen sich auf mehrere Abschnitte, diese so genannten Exons (die „aus“-gelesen werden JK) sind durch teils sehr lange dazwischengeschobene DNA-Sequenzen getrennt („Ein“schübe, Introns JK), die keine Proteininformation tragen; die Einschübe werden im Zellkern zunächst mit abgelesen, aber dann aus der langen primären RNA-Abschrift he­rausgeschnitten, ein als Spleißen bezeichneter Prozess fügt dabei die RNA-Exons zu einer durchgehenden Bauanweisung, der Boten-RNA, zusammen; erst diese Arbeitskopie (S.36: reife Boten-RNA) verlässt den Zellkern in Richtung Proteinfabriken; ein durchschnittliches menschliches Proteingen besteht zu mindestens 95% aus Introns; evolutionärer Schrott, funktionsloser Müll???
weniger als 1,5% der menschlichen DNA trägt Baupläne für Eiweiße, trotzdem wird der größte Teil des Rests in RNA umgeschrieben; Befunde legen nahe, dass bei komplexen Lebewesen ein Großteil. bei Säugern vielleicht sogar die Mehrzahl der Gene nicht für Proteine kodiert, sondern RNAs mit direkten regulatorischen Aufgaben bereitstellt; die von diesen RNAs übermittelten Informationen könnten entscheidend für die Entwicklung vom Ei zum reifen Organismus sein und auch in der Evolution eine wesentliche Rolle spielen;
bei Säugetieren konnten inzwischen Tausende von RNAs identifiziert werden, die nicht der Proteinsynthese dienen, so genannte nicht kodierende RNAs. Mindestens die Hälfte, vielleicht sogar mehr als drei Viertel aller Genabschriften fallen in diese Kategorie;
Zellen haben die Wahl, welche Proteine (aus einem Gen) gebildet werden sollen; beim Spleißen (Herausschneiden von Introns) gibt es oft Wahlmöglichkeiten, durch alternatives Spleißen lassen sich – trotz gleicher genetischer Ausstattung – unterschiedliche Repertoirs an RNAs und Proteinen erzeugen (S.34: dabei wird die molekulare Abschrift eines so genannten Mosaikgens zerlegt und zu Bauanweisungen für zwei oder mehr verschiedene Proteine zusammengesetzt); (S.37: dabei kann ein Exon ausgelassen werden, oder ein Intron bleibt erhalten); ein Gen kann dadurch eben mehr als nur eine Sorte Protein erzeugen; es entstehen dabei nicht für Proteine kodierende RNAs und auch Intron-RNAs, die direkt bei der Genregulation mitwirken;
S.34ff: Jede DNA-Sequenz, von der eine RNA-Version abgeschrieben wird, ist per Definition ein Gen, nicht unbedingt aber (die Bauanleitung JK) für ein Protein.
Aus einem kleinen Grundbestand von proteincodierenden Genen kann eine Zelle ein viel größeres Sortiment an Eiweißstoffen herausholen, indem sie Teile der abgeschriebenen rohen Bauanweisung zu unterschiedlichen fertigen Versionen zusammenspleißt...
Dass hochkomplexe Organismen mit so wenig Genen auskommen, verdanken sie dem alternativen Spleißen und seiner Choreografie. Von ihr hängt ab, wann wo welche Arten von Proteinen entstehen...
ein menschliches Proteingen ist durchschnittlich 28.000 Basenpaare lang, verteilt im Mittel auf 8,8 Exons und 7,8 Introns;
mindestens 15% aller Genmutationen, die zu Erbkrankheiten und vermutlich auch zu manchen Formen von Krebs führen, beeinträchtigen das Spleißen von Primärabschriften;
im Durchschnitt wird jedes der menschlichen Gene in seiner RNA-Form auf mehr als drei verschiedene Arten gespleißt;
die fast identischen Gene von Mensch und Schimpanse produzieren zwar in den meisten Geweben weitgehend die gleichen Proteine. In Teilen des menschlichen Gehirns sind jedoch einige Gene aktiver und andere liefern durch alternatives Spleißen erheblich abweichende Proteine;
Mutationen in den Introns können (zufällig) neue Spleißstellen schaffen, das bisherige Intron zum Exon machen; es gibt danbn unter Umständen sowohl die alte funktionsfähige Variante des Proteins und zusätzlich eine neue; das menschliche Erbgut enthält potenziell 25.000 Intronstellen, aus denen durch eine Punktmutation ein Exon werden könnte;
S.42ff: Regulationsmechanismen
damit nur die benötigten Gene abgelesen werden, gibt es in der DNA Abschnitte mit Regulatorfunktion, nur dann wird das Gen abgeschrieben, wenn sich in der regulatorischen Region ein aktivierender Proteinkomplex angelagert hat;
wenn virale Gene in die Zelle eindringen und sich der Proteinsynthesemaschine bemächtigen wollen, unterbindet das Interferon-System brachial jede Genexpression (alle Maschinen werden gestoppt);
RNA-Interferenz: potenziell gefährliche RNA-Abschriften von Genen werden zerstört;
S.50ff: zentrales Dogma der der molekularen Genetik: DNA erzeugt RNA, RNA erzeugt Protein – und Proteine erledigen praktisch alle relevanten Aufgaben in der Biologie.
Begriff des GENS war schon lange unscharf formuliert; Um Unklarheiten zu vermeiden, verwenden wir den Begriff des Gens möglichst gar nicht mehr: wir nennen jeden DNA-Abschnitt, der (in RNA abgeschrieben, also) transkribiert wird, eine Transkriptionseinheit.; bei Mäusen Zahl solcher Einheiten auf 70.000 bis 100.000 geschätzt, etwa bei der Hälfte könnte es sich um Transkriptionseinheiten handeln, die nicht für Proteine kodieren;
S.58: dritter Bestandteil der genomischen Maschinerie: epigenetische Informationen in den Proteinen und niedermolekularen Substanzen, welche die DNA umgeben oder dort gebunden sind (griechisch epi bedeutet auf, nach); epigenetische Marker (chemische Markierungen auf der DNA, außerhalb der DNA-Sequenz, auch an den die DNA umhüllenden Proteinen) werden ständig neu gesetzt und entfernt; z.B. Methylierung: Methylgruppe CH3- verankert sich – vorwiegend  an Cystein; deckt damit die DNA ab, kann nur noch schwerer abgelesen werden, werden „stummgeschaltet“; auch das Verpackungsgerüst der vielfach verknäuelten DNA kontrolliert den Zugang zu den Genen;
(Spektrum der Wissenschaft, Dossier: Das neue Genom, 1/2006)

·         Nationales Genomforschungsnetz (NGFN) Bonn: Übereinstimmung Erbgut Mensch und Schimpanse 98,7%; untersucht auch Aktivität von 21.000 Genen in Herz, Leber, Niere, Hoden und Gehirn; im Hoden mehr als 1/3 der Gene unterschiedlich aktiv, im Gehirn die wenigsten Unterschiede; Unterschiede sind noch immer 10x so groß wie zwischen zwei Menschen;
(Freie Presse Chemnitz 1.9.05)

·         Das menschliche Genom enthält etwa 3,2 Milliarden „Bausteine“ (zumeist als zweifache Kopie). Sie bilden etwa 25.000 Gene und enthalten eine noch unbekannte, sicher aber viel höhere Anzahl regulatorischer Elemente. ... Bei zwei nicht miteinander verwandten Menschen stimmen etwa 99,9% ihrer Bausteine überein
(Nationaler Ethikrat: Prädiktive Gesundheitsinformationen bei Einstellungsuntersuchungen, Stellungnahme 16.8.05, Druckfassung A4)

·         Genom Schimpanse entschlüsselt: etwa aller 80 Buchstaben Abweichung zum Genom des Menschen; 35 Millionen Mutationen, aber nicht einmal 1% davon führt zur Herstellung mutierter Proteine (Rest liegt in nicht codierenden Abschnitten der Erbsubstanz); Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass nur wenige Gene entscheidend für die Menschwerdung waren; der gemeinsame Urahn war dem Schimpansen viel ähnlicher als dem heutigen Menschen;
schneller verändert beim Menschen: a) Transkriptionsfaktoren, die zuständig sind für Entwicklungsprozesse; b) im Genom des Menschen finden sich häufiger Verdopplungen von Genen oder Genabschnitten (eine Kopie funktioniert normal weiter, die andere kann frei mutieren); c) Aktivität von Genen im Gehirn hat sich beim Menschen in den letzten 6 Mill Jahren deutlich mehr verändert als beim Schimpansen;
familiäre Mikroenzephalie, eine erblich bedingte Entwicklungsstörung, bei Betroffenen wächst das Hirn nur auf die Hälfte der normalen Größe; dabei ist eines von zwei Genen defekt (könnten eine Rolle spielen bei der Teilung der Vorläufer von Nervenzellen;); genetischer Regler, der das Hirn anschwellen ließ?;
ein Gen, bei dem kleinste Defekte ausreichen, um Artikulation und Sprachvermögen des Menschen erheblich zu beeinträchtigen; nur an zwei Stellen unterscheiden sich Menschen- und Schimpansenvariante; wahrscheinlich erst im verlauf der letzten 200.000 Jahre Veränderungen vollzogen
(Spiegel 36/05 S.142)

·         bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Enden der Chromosomen, die so genannten Telomere; diese Sequenzen sind so etwas wir die Lebensuhr einer Körperzelle: je kürzer die Chromosomenenden sind, desto weniger Teilungen kann sie noch vollziehen; Großbritannien: 1100 Frauen im Alter zwischen 18 und 78 Jahren untersucht, Telomerlänge bestimmt: bei jungen Frauen 7500 Basenpaare lang, mit jedem Lebensjahr Verlust von 27 Basenpaaren
(bdw 12/05 S.37)

·         Manche Gene beim Menschen haben – je nachdem, wie man sie aus der Erbmasse schneidet – 20 oder 30 Varianten (d.h. aus ihnen können ebenso viele verschiedene Eiweiße abgeleitet werden);
in einer einzelnen Zelle arbeiten bis zu 40.000 verschiedene Proteine;
über ihre endgültige Gestalt und ihre Funktion entscheidet nicht nur die in den Genen festgelegte Abfolge der Aminosäuren, sondern das gesamte Zellmilieu mit all seinen Eiweißen und anderen Bestandteilen;
Mikro-RNAs (19-25 Basenpaare) haben nichts mit Eiweißproduktion zu tun, steuern die Aktivität anderer Gene; es soll fast 2.000 davon im menschlichen Erbgut geben;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.3)

·         normalerweise sterben Zellen nach etwa 50 Zellteilungen ab, nur Krebszellen teilen sich unaufhörlich weiter und sind potenziell unsterblich;
ein wichtiges Programm für das Uhrwerk der Zellen: besteht aus etwa tausend aneinender gereihten, identischen Kopien einer kurzen DNA-Sequenz TTAGGG, das Programm ist in den Chromosomen gespeichert, sitzt an deren Enden und bildet die so genannten Telomere,, diese Endstücke halten wie die Plastikkappen an Schnürsenkeln das „Ausfransen“ der Enden; Telomere werden bei jeder Zellteilung kürzer; kritischer Punkt nach etwa 50 Zellteilungen erreicht, dann wird der Zelltod eingeleitet
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.18)

·         Bisher überhaupt nur ein Fall bekannt geworden, wo ein Mensch sowohl vom Vater als auch von der Mutter die Mitochondrien mitbekommen hatte
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.17)

·         EMNID-Umfrage: rund die Hälfte der Befragten waren überzeugt, dass gentechnikfreie Nahrungsmittel keine Gene enthalten
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.8)

·         Mendel´sche Vererbungsgesetze widerlegt?;
Frankreich: bei genetisch veränderten Mäusen eine Erbanlage per RNA auf die nächste Generation übertragen;
in der DNA von Mäusen wurde das so genannte Kit-Gen verändert (zuständig für gepunktete Schwanzfärbung); genetisch manipulierte Tiere wurden mit normalen Mäusen gepaart; alle Nachkommen hatten gepunktete Schwänze, auch wann manche Tiere keines der veränderten Kit-Gene besaßen; Erklärung: die veränderten Kit-Gene produzierten riesige Mengen übergroßer RNA, diese fand sich auch in den Spermien der genetisch veränderten Mäuse; wenn RNA aus mutierten Zellen direkt in normale Mäuseembryonen injiziert wurde, hatten die geborenen Tiere gepunktete Schwänze
(taz 26.5.06)

·         Vorfahren von heutigen Menschen und Schimpansen haben Millionen von Jahren nebeneinander gelebt und sich vermutlich auch gepaart; beide Arten gingen wohl erst vor 1,2 Millionen Jahren endgültig getrennte Wege; bisherige Annahme: seit 6,5 bis 7,2 Millionen Jahren keine gemeinsamen Nachkommen mehr gezeugt;
(taz 19.5.06)

·         Kreuzungen von Schimpansen und Menschen bis vor gut 2 Millionen Jahren
(Zeit 18.5.06 S.37)

·         Genabfolge des Chromosoms Nr.1 beim Menschen vollständig entziffert; darauf 3141 der etwa 25.000 menschlichen Gene; über 350 Krankheiten stehen mit Veränderungen auf diesem Chromosom in Verbindung
(Freie Presse Chemnitz 19.5.06)

·         Mensch 100.000 Milliarden (100 Billionen) Zellen, jede hat etwa 1/100 mm Durchmesser, Anatom erkennt mehr als 200 Zelltypen;
der so grundverschiedene Entwicklungsprozess bei Taufliegen wird von den weithin gleichen, zumindest artverwandten Steuermolekülen und Steuersignalwegen geregelt wie bei Säugetieren, z.B. steuern evolutionär eng verwandte Regulatorgene die Ausbildung der doch grundverschiedenen Augenanlagen bei Insekten und Säugern
(Zeit 5.1.06 S.31)

·         These erhärtet, dass HIV ursprünglich vom Affen auf den Menschen übertragen wurde: Urform des Aids-Erregers bei wildlebenden Schimpansen im Süden Kameruns gefunden
(bdw 8/2006 S.7)

·         für Unterschied zwischen Affen und Menschen möglicherweise ein Gen verantwortlich; Entwicklung des menschlichen Gehirns durch Veränderungen in Gen HAR1F; 18 Unterschiede zum gleichen Gen bei Schimpansen; Veränderungen in wenigen Millionen Jahren erfolgt, dieser Teil des menschlichen Genoms 70 x so schnell verändert wie der Rest;
(Freie Presse Chemnitz 18.8.06; ZEIT 17.8.06 S.30)

·         Verwirrende „Stammbäume“:
Genom von Bakterien, Pilzen, Viren ist extrem instabil; Gene wandern häufig von einem in den nächsten Organismus = „lateraler Gentransfer“; nahe Verwandte unterscheiden sich oft in ihrer Erbinformation; und deshalb verzweigt sich die Ahnenreihe der Mikroben nicht wie bei einem Baum, sondern entwickelt sich durch die Aufnahme spezifischer Erbbausteine teilweise sogar wieder zurück. Es entstehen Büsche, Ringe, Kreise mit Ästen und andere seltsame Gebilde
(taz 1.9.06)

·         kleinstes bisher bekanntes Genom entschlüsselt, Bakterie Carsonella ruddii besitzt nur 159662 Basenpaare und 182 Gene; Bakterien haben normalerweise mehrere Millionen Basenpaare;diese Bakterien können nur in Symbiose mit Blattflöhen überleben, auf die die Bakterien im Laufe der Evolution einen Teil ihrer Erbinformation übertragen haben („natürliche Gentechnik“; Gene für den Aufbau der Zellhülle und den Stoffwechsel); Die Bakterien liefern im Gegenzug Aminosäuren, die die Flöhe nicht selbst herstellen können
(bdw 1/2007 S.9)

·         über 50% aller menschlichen Gene kodieren Struktur, Stoffwechsel und Funktion des Gehirns
(bdw 9/2006 S.31)

·         erstmals Erbgut eines Baumes vollständig kartiert (Westliche Balsampappel); 485 Millionen Basenpaare, nach Ackerschmalwand und Reis dritte entschlüsselte Pflanze
(bdw 12/06 S.7)

·         (496f) Gregor Mendel ... hatte am Philosophischen Institut von Olmütz und an der Wiener Universität Physik und Mathematik studiert und betrieb seine Arbeiten mit strenger wissenschaftlicher Disziplin; Bibliothek im Kloster in Brünn 20.000 Bände;
Mendels Beobachtungen nicht völlig unbeachtet: Eintrag in der Encyclopedia Britannica und Zitate beim deutschen Forscher Focke
(Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, Goldmann München 2004)

·         (156) Chromosomen: q28 ??? der Buchstabe q drückt dabei aus, dass es sich um den langen Arm des Chromosoms handelt (der kurze wird mit p nach dem französischen petit bezeichnet), und mit der Zahl werden mikroskopisch sichtbare Banden abgezählt;
(201) jeder neu gebildete menschliche Embryo weist etwa hundert Veränderungen (Mutationen) auf, die es bei seinen Eltern nicht gab. Nur einige davon – etwa drei bis vier – werden unmittelbar die Wirkung von Proteinen beeinflussen ... Wir Menschen sind alle Mutanten.
(204) Embryo = „das drinnen Keimende“
Fötus oder Fetus = „Junges“;
(208) Embryo: ab 32 Zellen geht es bei der Teilung mit „krummen“ Ergebnissen wie 58 und 107 weiter; E. sucht am 5. Tag seines Vorhandenseins einen festen Platz in der Gebärmutter;
(214) am 13. Tag Übergang vom Anheften zum Einnisten
(220f) Zellhaufen an sich haben natürlich keine Seele, wohl aber Zellhaufen, die der menschlichen Wahrnehmung zugänglich sind, und das trifft vor allem von dem Augenblick an zu, in dem aus dem Embryo ein Fötus wird. Er wird nicht von Gott beseelt, sondern von dem Menschen, der sich ihm zuwendet, Und die Frage, wann menschliches Leben – mit der dazugehörenden Würde – beginnt, kann unter dieser Vorgabe von jedem einzelnen Menschen beantwortet werden. Es beginnt dann, wenn das sich regende Leben die Formen zu erkennen gibt, die unsere Wahrnehmung als menschenähnlich deutet.
Entwicklung des Menschen ab Eizelle (199ff);
(234) Die Entwicklung eines Organismus geht natürlich regelmäßig und naturgesetzlich vonstatten. Aber damit ist sie noch lange nicht programmiert. Die Welt und das Leben stecken voller regelmäßiger Abläufe, die ohne Programmierung auskommen, und es wird vorgeschlagen, diesen Begriff aus der Welt der Computer ad acta zu legen, da er das Denken mehr behindert als fördert.;
(243) das ABC des Lebens, besser: das ATGC des Lebens;
(246) die Veränderung in einem homeotischen Gen führt dazu, dass zum Beispiel die Maschinerie, die ein Bein herstellen soll, dort in Schwung gebracht wird, wo eigentlich eine Antenne nötig ist. Tatsächlich gibt es Fliegen, denen Beine aus dem Kopf wachsen ... kein Genetiker hätte sich ein solches Wesen in seinen wildesten Träumen ausdenken können;
dass die Genvariationen zu einer Fehlidentifizierung des Körpersegments führen, was dann die Anfertigung von gebrauchfähigen Organen am falschen Ort nach sich zieht;
(250) Nicht nur Insekten verfügen über eine Homeobox. Der entsprechende Genbereich konnte bei Würmern, Fröschen, Mäusen und zuletzt auch im Menschen gefunden werden. Das Überraschende dabei war nicht nur, dass in der Entwicklung von Wirbeltieren und Wirbellosen ein gemeinsames Prinzip erkennbar wurde, sondern dass homeotische Gene auch dort funktionierten, wo sich – auf den ersten Blick – keine Körpersegmente erkennen ließen.
Wenn man genauer hinschaut, erkennt man natürlich, dass Menschen innerlich sehr wohl Segmente erkennen lassen, und zwar die berühmten Rippen ... auffallend häufige Fehlbildungen an dieser Stelle. Etwa einer von 10 Erwachsenen hat eine andere Rippenzahl (als die normalen 12 auf jeder Seite ... das Muster, das zu dieser Bildung führt, wird dadurch gestört, dass eines der homeotischen Gene des Menschen nicht funktioniert)
(253) Erklärung für die Ähnlichkeiten in der Embryonalentwicklung, die Fische, Salamander, Hühner, Kaninchen und Menschen zeigen; dass Organismen für ihre Entwicklung sehr eng miteinander verwandte Gene benutzen, um die (An- JK) Ordnung ihrer Teile festzulegen;
(254) die homeotischen Gene enthalten Informationen über Proteine, die in der Lage sind, Einfluss auf die Art und Weise zu nehmen, mit der (andere) Gene genutzt werden.; Proteine von homeotischen Genen dienen als molekulare Schalter und aktivieren oder deaktivieren andere Gene.;
alle homeotischen Gene treten als Block (Cluster) auf, liegen in einer bestimmten Reihenfolge aufgereiht (manchmal auf einem Chromosom, beim Menschen auf vier verteilt;
(264) Gene spulen keine Programme ab, Gene reagieren vielmehr kreativ. Die Gesamtheit der Gene – das Genom – verfügt über Kreativität.;
(292f) Huxley: „Schöne neue Welt“; hier werden zuerst Menschen geklont, aber es entscheiden nicht nur die so festgelegten Gene - der „neue“ Mensch kommt erst danach durch Gehirnwäsche und andere Arten der Konditionierung zustande;
(382) Aus dem ursprünglich so übersichtlichen Grundgedanken, dass ein Gen ein Protein macht, ist heute die feinere Einsicht geworden, dass ein Gen-Stück ein Protein-Teil macht – ein Exon kodiert eine Domäne ...;
(457) 2004 wurde bekannt, dass der väterliche Same mehr als nur seine Hälfte zum gesamten Genom in Form von DNA-Molekülen liefert. Er stellt zudem einzelne Stränge aus RNA für den Nachwuchs bereit; z.B. Funktion beim Anschalten der Gene
(Ernst Peter Fischer: Die Bildung des Menschen -  was die Naturwissenschaften über uns wissen; Ullstein Berlin 2006)

·         (40) Ribosomen haben nur ca. 25 nm Durchmesser, sind mit Lichtmikroskop nicht zu erkennen; eine einzige Leberzelle des Menschen enthält bis zu 10 Millionen Ribosomen;
(73) Apollo 12 bringt vom Mond Geräte zurück, die dort 2 ½ Jahre gewesen waren: darauf Bakterienkolonie entdeckt, die überlebt hatte!
(Hansjürg Geiger: Auf der Suche nach Leben im Weltall, Wie Leben entsteht und wo man es finden kann, Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart 2005)

·         (10) Hox-Gene sind bei Insekten unter dem Namen Homeobox-Gene für die Segmentierung des Körpers zuständig. Die Hox-Gene steuern sowohl bei Wirbellosen als auch bei den Wirbeltieren den Aufbau des Körpers entlang der Achse vom Kopf zum Körperende ... Die homeobox ist ein so genanntes Motiv im Erbmolekül DNS, das 180 Bauteile oder Basen lang ist. Drei Basen bestimmen eine Aminosäure, die Bauteile der Eiweiße, also ist das Produkt der homeobox, die so genannte homeodomain, etwa 60 Aminosäuren lang. Nur bei den Wirbeltieren spricht man von Hox-Genen.
(219) Hox-Gene gibt es nur bei Metazoen, höheren Tieren mit verschiedenen Zelltypen und Geweben wie Ringelwürmern, Krebsen, Insekten und Wirbeltieren. Diese Gene stammen von den so genannten Hoemeobox-Genen ab, die es auch bei Einzellern und Pflanzen gibt. Die Hox-Gene sind in Gruppen entlang eines oder mehrerer Chromosomen angeordnet. Bei Schwämmen gibt es nur ein Gen, vier oder fünf bei den Cnidaria, sechs bis zehn Gene bei den meisten anderen Tierstämmen, aber bis zu 39 Gene in vier Gruppen bei den Säugetieren. ...
(220) (Veränderung von Gliedmaßen und Bauplänen möglich) ... In dieser komplexen Abfolge von genetischen Schaltern können in jedem Schritt Erbänderungen auftreten, deren Folgen von den klassischen Modellen der Evolutionsgenetik nicht erfasst werden können.;
In langen geologischen Zeiträumen sind die massiven Änderungen der Erde ebenso ein Motor der Evolution wie Umbauten in der genetischen Architektur.;
(228) Manche Gene werden von den Eltern mit einem chemischen „Etikett“ versehen, das die Tätigkeit des Gens im Nachwuchs steuert;
(229) Nicht nur Gene verursachen die Ähnlichkeit von Eltern und Nachwuchs. Manipulation der Umwelt, chemische Markierung des Erbmoleküls oder die Weitergabe von symbiontischen Mikroorganismen tragen ebenfalls zur Ähnlichkeit aufeinander folgender Generationen bei.;
(232) Geschlechtsbestimmung der Organismen; oft genetische Ursache (Männer beim Menschen XY, Frauen XX; bei Vögeln und Schmetterlingen umgekehrt);
Viele Eidechsen, Schildkröten und alle Krokodilarten lösen das Problem der Geschlechtsbestimmung dagegen völlig anders. Die Umweltbedingungen bestimmen, welche Individuen männlich oder weiblich werden. Welche Umweltbedingung verantwortlich ist, ist artspezifisch: Temperatur, Nahrungsangebot oder Bevölkerungsdichte. bei manchen Arten entwickeln sich Eier bei hohen Temperaturen zu Männchen, bei niedrigen zu Weibchen, bei anderen ist es umgekehrt und bei wieder anderen gibt es bei mittleren Temperaturen Männchen und bei hohen und niedrigen Extremtemperaturen Weibchen.;
(240) Und nicht nur Erbmoleküle haben die Fähigkeit, sich im Laufe einer Zellteilung selbst zu vermehren – sie benötigen sowieso die (innere JK) Umwelt der Zelle, um dies zu bewerkstelligen. Auch Zellmembranen werden vererbt. Neue Zellmembranen können nur mit Hilfe anderer Zellmembranen aufgebaut werden.
(Thomas P. Weber: Darwin und die neuen Biowissenschaften, DuMont Köln, 2005)

·         Paläogenomik: zwei Forschergruppen haben die ersten Teile des Neandertaler-Genoms entschlüsselt; 38.000 Jahre alte Knochensplitter; 65.000 bzw. 8 Millionen Basenpaare isoliert; Zuordnung in die richtige Reihenfolge durch Vergleich mit der DNA von Mensch und Schimpanse
(Spiegel 47/06 S.180)

·         Klonforscher gefragt: Wie weit prägen Gene ein Wesen? Darüber haben wir ziemlich genaue Vorstellungen. Zu 30 bis 35 % sind die Gene verantwortlich, was wir sind und was wir tun. Der Rest ist die Umwelt.
(Die Zeit 15.2.07 S.56)

·         (151) dass das Karyoplasma des Zellkerns die Funktion der Fortpflanzung und Vererbung besorgt. Diese Ansicht hatte ich zuerst 1866 ... ausgesprochen ...später genauere empirische Bestätigung durch ... Strasburger , Hertwig u.a. ... Die verwickelten feineren Verhältnisse, welche diese Forscher bei der Zellteilung aufdeckten, führten zu der Annahme, dass der färbbare Bestandteil des Zellkerns, das „Chromatin“, die eigentliche Erbmasse sei, das materielle Substrat der „Vererbungsenergie“. Weismann fügte nun zu dieser Erkenntnis die Annahme, dass dieses Keimplasma vollkommen von den übrigen Substanzen der Zelle gesondert lebe, und dass letztere (- das Somaplasma -) die durch Anpassung erworbenen neuen Eigenschaften nicht auf das Keimplasma übertragen können; gerade auf dieser Annahme beruht seine Opposition gegen die progressive Vererbung oder die „Vererbung erworbener Eigenschaften“. Die Verteidiger der letzteren, zu denen ich gehöre, nehmen an, .... dass eine teilweise Mischung beider Plasmaarten eintritt.
(153) Darwin war von der hohen Bedeutung der „Vererbung erworbener Eigenschaften“ und insbesondere von der Erblichkeit funktioneller Anpassungen ebenso fest überzeugt wie Lamarck und wie ich selbst; er schrieb ihnen nur einen beschränkteren Wirkungskreis zu als Lamarck.
(151) Mutation (bedeutet bei Haeckel noch Makro-Mutation, d,h. Mechanismus für plötzliches Auftreten neuer Arten JK)
(Ernst Haeckel: Die Lebenswunder, Alfred Kröner Verlag Stuttgart 1906)

·         nicht Schäden an der DNA, sondern an Proteinen, die für ihre Reparatur zuständig sind, sind möglicherweise entscheidend für die negativen Folgen von Strahlung; in manchen strahlungsresistenten Bakterien sind diese wichtigen Proteine besonders geschützt
(ZEIT 22.3.07 S.52)

·         die weiße Hautfarbe entstand erst vor 5300 bis 6000 Jahren, lange nach der Ankunft des modernen Menschen in Europa; zwei Varianten eines Gens für die Produktion eines Eiweißes in den Melaninkörperchen der Pigmentzellen der Haut; Folge eines Austauschs einer Aminosäure führt zu Defekt und hellerer Haut
(ZEIT 26.4.07 S.41)

·         Genom des Rhesusaffen entschlüsselt; 93% Übereinstimmung mit dem des Menschen
(GID 181 4/2007 S.38)

·         (357) Die DNA, die ein Organismus geerbt hat, bestimmt die Ausprägung spezifischer Merkmale, indem sie der Zelle die Synthese gewisser Proteine vorschreibt. DNA ist also nicht der Bauplan eines Lebewesens, sonder der Bauplan seiner Baustoffe (Strukturproteine) und Bauarbeiter (Enzyme, Transportproteine, regulatorische Proteine). Proteine sind das Bindeglied zwischen Genotyp und Phänotyp.;
(359) Ein-Gen-ein-Polypeptid-Hypothese (z.B. besteht Hämoglobin-Molekül aus zwei Arten von Polypeptiden);
(365) die Transkription verläuft bei Eukaryoten mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Nucleotiden je Sekunde;
ein einzelnes Gen kann gleichzeitig von mehreren Molekülen der RNA-Polymerase transkribiert werden, die wie Lastwagen in einem Konvoi hintereinander über die DNA fahren.;
(368) Man kennt eine Reihe von Genen, die zwei oder mehr Polypeptide codieren, je nachdem, welche Segmente beim RNA-Spleißen als Exons behandelt werden. alternatives Spleißen als Erklärung dafür, weshalb der Mensch mit vergleichbar wenigen Genen auskommt (nur doppelt so viele wie die Fruchtfliege);
Introns erhöhen die Wahrscheinlichkeit potenziell vorteilhafter Crossing-over-Ereignisse (bei der Chromosomen-ver-teilung JK);
(369) tRNA als „Adapter“ zwischen Aminosäure und mRNA;
tRNA-Molekül als Spielkarte mit dem „Nucleinsäurewort“ (Anticodon) auf der einen Seite und dem entsprechenden „Proteinwort“ (Aminosäure) auf der anderen Seite;
jedes tRNA-Molekül kann wiederholt verwendet werden;
es gibt durchschnittlich etwa 45 verschiedene tRNA-Moleküle;
(374) eine ganze Gruppe von Ribosomen wandern simultan hintereinander an demselben mRNA-Molekül entlang;
(375) das Protein Insulin wird zunächst als ein durchgehendes Polypeptid synthetisiert, dann wird dessen Mittelteil enzymatisch entfernt, und das zurückbleibende aktive Hormon besteht aus zwei Polypeptidketten, die durch Disulfidbrücken zusammengehalten werden.;
(381) Definition:
Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA, der zur Herstellung eines RNA-Moleküls benötigt wird.
(Neil A. Campbell / Jane B. Reece: Biologie, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg Berlin, 6. Auflage, 2003)

·         Vorschrift „ein Gen ergibt ein Produkt“ gilt nicht mehr;
entgegen früherer Annahmen sind die Schalter für das Ablesen von Genen diesen nicht nur vorgeschaltet, sondern auch dahinter zu finden; das, was bisher häufig als JUNK-DNA bezeichnet wurde, ist nicht einfach nur „Müll“: diese Sequenzen werden in den Zellen auch abgelesen, müssen also eine Funktion haben
(taz 15.6.07)

·         Krebszellen haben „falsche“ Anzahl von Chromosomen (Aneuploidie, mehr als normal) und Chromosomen mit Strukturanomalien;
etwa die Hälfte aller bekannten krebserregenden Stoffe – darunter Asbest, Nickel, bestimmte Hormone – lösen keine Schäden an den Genen aus, sondern greifen massiv die Chromosomen an oder stören deren Verteilung bei der Zellteilung;
je bösartiger ein Tumor ist, desto mehr Chromosomen enthält die einzelne Krebszelle und desto schwerer ist der Chromosomenschaden;
(bdw 8/2007 S.33)

·         Maus-Gen macht Fliegenauge:
Fliege und Mensch können unterschiedlicher nicht sein. Doch ihre Gene sind sich so ähnlich, dass sich eine Gen-Mutation des Insekts, die zum Verlust der Komplexaugen führt, mit dem intakten Säugetier-Pendant kurieren lässt. Was in Säugern die Entwicklung des Linsenauges induziert, stößt bei der Fliege die Entwicklung eines kompletten Komplex-Auges an. Und zwar nicht nur am Kopf, sondern in jedem Gewebe, in dem das betreffende Gen experimentell eingeschaltet wird, sodass dieser Fliege auch an den Antennen kleine, sehfähige Augen wachsen können. Offenbar haben sich nicht nur das Gen, sondern auch wesentliche Teile des nachgeschalteten frühen Entwicklungsprogramms seit über 500 Millionen Jahren kaum verändert
(bdw 7/2007 S.31)

·         Das komplette Genom des Genetikers James Watson wurde im Mai 2007 entziffert; Prozess dauerte nicht einmal 3 Monate;
von der Auffassung trennen, dass menschliche DANN aus einer relativ kleinen Zahl von aktiven Genen besteht, in denen die lebensnotwendigen Informationen für den Bau von Proteinen stecken, und dass diese Gene durch lange Abschnitte inaktiver, unnützer Sequenzen voneinander getrennt sind; tatsächlich sind diese Sequenzen keinesfalls DNA-Müll, sondern sie enthalten unzählige regulatorische Einheiten, die den Gegen sagen, wann und wo sie aktiv werden sollen
(bdw 9/2007 S.22)

·         US-Forscher Craig Venter hat bis März 2007 sechs Millionen neue Gene aus Meereslebewesen bekanntgegeben, damit die Zahl aller bis dahin bekannten Gene mal eben verdoppelt
(Spiegel 44/07 S.173)

·         Noch im Paradies, so sagt die Bibel, bekam Adam den Auftrag, für jedes Tier unter dem Himmel einen Namen zu finden. Es muss eine höllische Aufgabe gewesen sein, die Adam aber offenbar mühelos meisterte. Ähnliches vermag heute niemand mehr: Schon bei den Vögeln wird es schwierig, niemand kennt alle Schmetterlinge, und kein Sterblicher wird je alle Arten von Ameisen aufzählen können ... Zauberhaft ist die Artenvielfalt – aber mit rund 1,8 Millionen bekannten und viel mehr unbekannten Arten ...;
der Kanadier Paul Hebert will die Arten anhand ihrer Gene ordnen;
Bestimmung über ihre Erbsubstanz; dazu reicht ihm die Kenntnis eines einzigen Gens namens COI (Cytochrom-c-Oxidase I); alle Tiere der Welt haben es, doch offenbar hat fast jede Art ein anderes;
COI ist Teil des Erbgutes der Mitochondrien; kurzer Abschnitt mit rund 650 Basen-Bausteinen; charakteristisches Muster für jede Art zu finden: „Barcode des Lebens“; globale Datenbank BOLD geplant (Barcode of Life Data Systems);
für Pflanzen müssten andere Gen-Ausweise gefunden werden
(Spiegel 40/07 S.166)

·         Erbgut der Hauskatze entziffert; 20.285 mutmaßliche Gene
(taz 2.11.07)

·         James Watson (ein Erklärer der Struktur der DNS);
hatte erklärt,
Schwarzafrikaner hätten eine geringere Intelligenz als Hellhäutige;
das ist wissenschaftlich durch nichts belegbar;
Watson hat seine eigene DNS entziffern lassen; Entschlüsseler fanden auch heraus, dass er eine genetisch bedingte Disposition für Alzheimer-Erkrankung hat; außerdem: Watsons genetische Struktur ähnelt auffällig der von Asiaten und - noch krasser - der von Schwarzafrikanern; er wurde als (in seiner Sprache) „Neger“ mit hellem Teint enthüllt;
Biomediziner Eric Kandel (Nobelpreis 2000): „Intelligenz ist Arbeit, Training und Erfahrung, also immer umweltgeprägt. Unsere Gene sind gar nichts, außer man nutzt sie.“
(taz 13.12.07)

·         Durch Kreuzungen verschiedener Fische (Höhlensalmler), die seit Millionen Jahren blind zur Welt kommen, aus weit entfernten Höhlen; bereits in der ersten Generation konnten einige Fische sehen;
Fische haben nicht alle denselben genetischen Defekt, sondern sind aus unterschiedlichen Gründen blind geworden, und er betrifft nicht das gesamte Sehorgan;
Funktion durch Mutationen einiger Schlüsselgene deaktiviert;
neu: genetische Entwicklungen, die Millionen von Jahren gedauert haben, lassen sich in kürzester Zeit rückgängig machen; Defekte kein irreparabler Schaden;
(taz 18.1.08)

·         (22) Zahl der verschiedenen Proteine beim Menschen wird auf rund 500.000 geschätzt
(Stefan Rehder: Gott spielen – Im Supermarkt der Gentechnik, Pattloch, München, 2007)

·         Universität Mainz; Genome mehrerer hundert Tierarten analysiert; bei allen Arten ist nur ein geringer Teil des Genoms für die Lebenserwartung zuständig; im mitochondrialen Genom, das nur von der Mutter vererbt wird und aus meist 13 Genen besteht, die alle mit Energiegewinnung, Atmung und Sauerstoffverbrauch zu tun haben; Tiere mit besonders stabilem chemischem Aufbau dieser Gene –etwa Riesenschildkröten- leben deutlich länger als solche, die einen weniger stabilen Aufbau besitzen; durch Messung der genetischen Stabilität des mitochondrialen Genoms lässt sich die maximale Lebenserwartung einer Tierart bestimmen
(bdw 3-2008 S.13)

·         Eisenspeicherkrankheit, Hämochromatose:
eine der häufigsten erblichen Stoffwechselstörungen, jeder 8. Europäer hat Veranlagung dafür; auf Chromosom Nr.6 ist eine Punktmutation (1 falsche Base in der DNS): statt Aminosäure Cystein wird an einer Stelle Thymin hergestellt; das im Auftrag des Gens hergestellte Membran-Protein büßt seine Funktion ein;
“Überfall auf Boten-RNS“:
1. aus doppelsträngiger RNS macht ein Proteinkomplex mit dem Namen „Dicer“ (Häcksler) kurze siRNS-Stücke (small interfering RNA);
2. an die Schnipsel lagert sich ein weiterer Protein-Baustein an;
3. der Proteinkomplex spaltet nun die siRNS in Einzelstränge;
4. das aus siRNS und Protein zusammengesetzte Molekül wirkt als „Slicer“ (Schlitzer): es erkennt eine passende Stelle auf einem Boten-RNS-Molekül, das gerade zum Ribosom unterwegs ist, zerlegt diese mRNS und bringt so das Gen zum Schweigen;
mit ihrer Hilfe entscheidet die Zelle, welche genetischen Informationen nach der Abschrift von der DNS (Transkription) überhaupt in Proteine umgesetzt werden sollen und welche nicht = „posttranskriptionelle Genregulation“
(bdw 3-2008 S.36ff)

·         Erbgut in Auflösung
Das Genom galt als unveränderlicher Bauplan des Mensche, der zu Beginn des Lebens festgelegt wird. … In Wirklichkeit sind unsere Erbanlagen in ständigem Wandel begriffen;
das Erbgut eines
jeden ist in beständigem Umbau begriffen. Die Folge: Jeder Organismus, jeder Mensch, selbst jede Körperzelle ist ein genetisches Universum für sich;
das Genom ist kein stabiler Text;
die jüngsten Erkenntnisse zeigen mehr denn je, dass der Mensch ein Produkt genetischer Prozesse ist. Aber auch, dass diese Prozesse mit vielen Freiheitsgraden ausgestattet sind. Sie bilden ein offenes System, in dem keineswegs alles vorbestimmt ist;
genaue Analysen zeigen nun: keine Zelle gleicht der nächsten;
Umweltbedingungen können sich im Erbgut niederschlagen, und auch eineiige Zwillinge sind nicht, wie bisher angenommen, identische Kopien voneinander;
bis vor wenigen Monaten galt die Annahme, dass sich das Erbgut zweier beliebiger Menschen nur in etwa einem Promille (0,1 %) aller DNA-Bausteine unterscheidet; vom wahren Ausmaß der Differenzen überrascht: In nahezu jedem zweiten Gen (von Craig Venter) stießen die Forscher auf Unterschiede zwischen den mütterlichen und väterlichen Genkopien … stellten zudem zuhauf sogenannte Inversionen (ganze Abschnitte der Erbmoleküle in neuer Reihenfolge eingebaut) oder Deletionen (Erbinformationen sind verschwunden) fest; andere Abschnitte hatten sich aus ihrer Umgebung herausgelöst und umgedreht wieder eingefügt;
Unzutreffend ist auch die bisherige Überzeugung, jedes Gen existiere in der Regel nur zweimal im Erbgut (einmal im väterlich, einmal im mütterlich ererbten Satz der Chromosomen). In Wahrheit unterliegen zahlreiche Erbinformationen einem Vervielfältigungsprozess und existieren in bis zu 16 Kopien in einem Zellkern. Bei mindestens 1500 menschlichen Genen wurden bisher solche Kopievarianten (CNVs = copy number variants) entdeckt; jeder Mensch weist sein eigenes CNV-Profil auf; CNV-Muster unterscheidet sich selbst in den Körperzellen eines bestimmten Menschen von dem anderer Zellen;
vervielfältigen sich so etwa Gene für die Produktion von Signalstoffen oder für deren Empfängermoleküle, verändern sich die Kommunikationssysteme des Organismus; CNVs beeinflussen die Genaktivität;
um den wahren Umfang der Baumaßnahmen im Genbestand zu ermitteln, wurde nun das „1000 Genomes Project“ gestartet. Im Verlauf von drei Jahren soll das Erbgut von 1000 Menschen aus aller Welt sequenziert werden;
das Wechselspiel im Menschengenom vermag nicht nur die individuellen Eigenheiten des Einzelnen zu erklären, es produziert auch das genetische Sortiment, aus dem die Evolution den Menschen weiter formt. Das macht einen weiteren verstörenden Befund verständlich: Die Spezies homo sapiens unterliegt offenbar einer Turboevolution. Hunderte Bereiche im Erbgut haben sich weit schneller gewandelt als bei anderen Primaten. … dass die Zivilisation seit Beginn der Jungsteinzeit die menschliche Evolution um das 100-fache beschleunigt haben muss;
noch bevor die Frage beantwortet werden konnte, was in unserer DNA uns menschlich mache (im Unterschied etwa zur DNA von Schimpansen), stand die nächste Frage im Raum: Was in meiner DNA macht mich zu mir?; alles deutet auf eine bestürzende Antwort hin: Ich bin viele;
zumindest physisch erscheint der Mensch nicht länger als Individuum, sondern als Verband egoistischer Zellkolonien. Bei bis zu 10 % aller Erbanlagen – und vielleicht weit mehr – ist entweder nur die mütterliche oder nur die väterliche Variante aktiv („autosomale monoallelische Expression“); davon sind besonders häufig Gene betroffen, die im Verlauf der Menschwerdung einer beschleunigten Evolution unterlagen, und solche mit wichtiger Funktion im zentralen Nervensystem;
selbst die biologische Identität des Individuums steht wohl zur Disposition; „Ich mag die Idee, dass wir Mosaiken sind“;
Auch soziale und materielle Außenfaktoren können einen Menschen auf dem Umweg über die Biologie prägen – indem sie seine Genfunktionen verändern. Durch sogenannte epigenetische Prozesse können offenbar Stress oder Folter, Ernährungsmangel oder Liebesentzug bis in den Zellkern hinein wirken;
auch die Biowissenschaftler rätseln nun über the dark matter of the genome, die dunkle Materie des Erbguts. Finden könnten sie das dunkle Geheimnis in jenem Teil des Erbguts, den sie bisher als Müll abgetan haben, als „Junk-DNA“. Relevant waren für sie nur jene wenigen Prozent des Genoms, die als Gene herkömmlicher Definition die nötigen Informationen für den Aufbau der Eiweiße in den Zellen enthalten. Der Rest galt als evolutionärer Schrott; inzwischen hat sich herausgestellt, dass diese vermeintliche Müllhalde des Genoms wichtige biologische Funktionen erfüllt. In ihr verbirgt sich offenbar der gesamte hochkomplexe Steuerungsapparat, der die Aktivität der Gene reguliert und koordiniert;
vor allem sogenannte microRNAs, eine bis vor kurzem unbekannte Klasse von Erbinformationen, regeln eine Vielzahl von Entwicklungs- und Krankheitsprozessen
(DIE ZEIT 12.6.08 S.33f.)

·         Erstmals Genom einer Frau vollständig entziffert
(Dresdner
Neueste Nachrichten 10.6.08)

·         Gewalt-Erfahrungen in der Kindheit: epigenetische Unterschiede zu Nicht-Opfern: Genaktivität durch das Ereignis verändert
(GID 188 Juni 2008 S.39)

·         Die gesamte Population von Epithelzellen des Magen-Darm-Traktes wird Woche für Woche komplett erneuert werden, verändern ihre chemische Zusammensetzung ständig, sodass nach einigen Monaten nahezu alle Moleküle des Körpers durch neu gebildete ersetzt sind … warum altert ein Körper, der sich in Wahrheit ständig neu synthetisiert?
(ZEIT 19.3.08 S.38)

·         Alterungsprozess / Verschleiß eines Organismus an Telomeren erkennbar; T. sind die Endstücke des auf den Chromosomen aufgespulten DNA-Fadens; werden beim Menschen bei jeder Zellteilung um etwa 20 Basenpaare kürzer
(bdw 8/2008 S.37)

·         amerikanisch-russisches Forscherteam hat das Erbgut des Mammuts zu weiten Teilen entziffert; etwa 80 % rekonstruiert;
(taz 21.11.08)

·         Erstmals Erbgut eines Käfers entschlüsselt; Mehlkäfer besitzt 16.000 Gene
(bdw 6-2008 S.12)

·         Forschungen am Weizmann-Institut in Israel;
Das Genom ganzer Organismen wurde durchgescannt und in Datenbanken gespeichert; Was haben wir jetzt? Nur eine Inventarliste des
Lebens, was fehlt, ist die Betriebsanleitung;
drei DNA-Abschnitte gefunden, die am Wachstum von Pflanzen beteiligt sind; Überraschung: sie sind keine Wachstums-, sondern Stopp-Faktoren; Wachstum ist der Grundzustand, damit es aufhört, wird es von der Pflanze aktiv gehemmt; wird das Wetter ungünstig, kann eine Pflanze ihr Wachstum in jedem Alter stoppen;
Versuche, Evolution im Computer zu simulieren; immer bleibt die Evolution stecken;
Lösung: wechselnde Umweltbedingungen, die Ziele wechseln ständig, weil die Umgebung sich ständig ändert; wechselnde Bedingungen in die Computermodelle eingeführt (aller 20 Generationen mal trockener, mal feuchter), Folge: die Evolution beschleunigte sich drastisch – bis zu 1 Milliarde mal schneller als zuvor
(bdw 6-2008 S.19ff)

·         Etwa 1 Trillion verschiedener Proteine gibt es auf der Erde
(Korrektur nach Rückfrage beim Autor: er hat britische trillions gemeint, die unseren deutschen Billionen = 10 hoch 12 entsprechen JK)
(Die Zeit 31.12.08 S.32)

·         Die codierenden DNA-Abschnitte müssen … komplexere Aufgaben wahrnehmen (nicht nur Information für 1 Protein JK) den rein rechnerischen Rekord bei multifunktionalen Genen hält die Fruchtfliege: Hier werden einem einzelnen Gen bis zu 38.000 verschiedene Gen-Produkte, das heißt Eiweiße (Proteine) zugeordnet …
am spektakulärsten ist wohl die Entdeckung, dass Stoffe, die lange Zeit für passive Botenstoffe gehalten wurden, in Wahrheit die Funktion der Gene bestimmen, auswählen und verändern können: Heute weiß man, dass die RNA keineswegs immer zuerst in ein Protein umgesetzt werden muss, um wirksam zu werden. Sie kann vielfältige direkte biologische Wirkungen haben. Sie kann die Aktivität der DNA steuern, Gene stilllegen oder andere RNA und die daraus resultierenden Gen-Produkte verändern. …
Es sind gerade die Gen-Strukturen, die bisher für inaktive „Junk“- oder „Nonsense“-DNA gehalten wurden und die über 90% des menschlichen Erbgutes ausmachen, denen jetzt eine entscheidende Rolle zugeordnet wird. Sie stellen RNA-Sequenzen her, die das komplexe Geschehen der Zellregulation auf verschiedenen Ebenen steuern …
(2007:) das menschliche Erbgut wird in Gänze genutzt; Junk-DNA gibt es nicht. Für die allermeisten Abschnitte gibt es verschiedene Abschriften, die so genannten RNA-Transkripte. Zudem sind die einzelnen Abschnitte im Erbgut nicht klar voneinander abgegrenzt, sondern werden jeweils überlappend abgelesen, ein DNA-Abschnitt kann sich in seiner Funktion mit einem benachbarten DNA-Abschnitt überschneiden …
Übersetzung der DNA-Information in Proteine mit dem Zwischenschritt der RNA-Synthese als Botenstoff … ursprünglich nahm man an, dass dies die einzige Art der Gen-Regulierung ist. Dabei ging man von Beobachtungen an Bakterien aus, bei denen dies für die Mehrzahl der DNA-Abschnitte auch tatsächlich gilt. Doch bei höheren Lebewesen wird nur ein relativ kleiner Teil der DNA auf diese Weise genutzt. So dient nur etwa 1 bis 2 Prozent Heute gehen Wissenschaftler davon aus, dass die codierenden Bereiche der DNA für durchschnittlich 5 bis 6, im Ausnahmefall für bis zu mehrere Tausend verschiedene Proteine die Informationen liefern …
2003 wurde in der Fachzeitschrift Nature Genetics ein Artikel veröffentlicht, demzufolge die Änderung eines einzigen – für den Geruchssinn wichtigen – Gens bei der Fruchtfliege zu Auswirkungen auf die Aktivität von 530 anderen Genen geführt hat. Betroffen sind das Immunsystem, das Zellskelett und andere Stoffwechselfunktionen …
Genmanipulierte Bakterien (Einzeller) können in einem geschlossenen System mit einer gewissen Zuverlässigkeit dazu gebracht werden, Substanzen wie Arzneimittelgrundstoffe zu produzieren. Möglicherweise sind Bakterien aufgrund ihrer natürlichen Fähigkeit, einzelne Gene auszutauschen, für derartige Verfahren tatsächlich wesentlich besser geeignet als andere Lebensformen …
(GID Spezial Nr.8 Dezember 2008: Gen in der Krise – Daten im Rausch, S.10ff.)

·         „Epigenetik“ …
Es handelt sich im Prinzip … um eine molekularbiologische Wissenschaft, die sich im Wesentlichen mit drei Gruppen von Molekülen beschäftigt, die innerhalb der Zelle die Genregulation beeinflussen: mit Methylgruppen und Enzymen für die Methylierung, mit Histonen, Acetyltransferase und Deacetylase, sowie mit kleinen RNA-Molekülen (sRNA). Gemeinsam ist diesen Molekülen, dass sie die genetische Sequenz der DNA nicht verändern, aber die Genexpression beeinflussen können. Diese Wirkung ist unabhängig von Zellteilungen und kann sogar von einer auf die andere Generation übertragen werden. Es handelt sich also um die Vererbung der Genexpression oder eines Phänotyps, die nicht auf der genetischen Sequenz beruht.
Die Bindung einer Methylgruppe (aus einem Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatomen – CH3) an den Cytosinrest der genetischen Sequenz vermag die Genexpression zu unterdrücken, indem sie die Transkription der DNA verhindert. In ähnlicher Weise kann die Acetylierung und Deacetylierung von Histonen die Information des Chromatins beeinflussen. Histone sind Proteine, um die sich die DNA wie um eine Spule herumwindet und die dadurch dem Chromatin seine Struktur verleihen. Wird eine Acetylgruppe hinzugefügt oder abgezogen, verändert dies die Wicklungsstärke der DNA um die Histone und mittelbar die Genexpression, weil die Gne dadurch besser bzw. schlechter für die Expression zugänglich sind
(GID Spezial Nr.8 Dezember 2008: Gen in der Krise – Daten im Rausch, S.42ff.)

·         die beiden Stränge des menschlichen Erbguts werden, anders als bisher gedacht, nicht nur in eine Richtung abgelesen (Science, Vorabveröffentlichung). Diese Entdeckung ist deswegen überraschend, weil die Abfolge der Basen in der DNA nur in einer Richtung Sinn ergibt. Die verkehrten DNA-Transkripte könnten dazu dienen, den Strang für das echte Ablesen bereitzuhalten. (? JK)
(Die ZEIT 11.12.2008 S.48)

·         US-Forscher haben nachgewiesen, dass Viren sich in der menschlichen DNA fest einbauen können und sogar vererbbar sind; Herpesviren bei Babys in Haarwurzelzellen gefunden, bei denen zumindest 1 Elternteil selbst befallen war; offenbar infiziert der Virus den Vorläufer einer Ei- oder Samenzelle, wenn diese Zellen es zur Befruchtung schaffen, entsteht ein Lebewesen mit einer Kopie des Virus in jedem Zellkern
(bdw 1/2009 S.9)

·         Tatsächlich mehren sich die Zweifel, ob die Gene im Verlauf der Evolution wirklich die Regie geführt haben. Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass sie keineswegs die allein bestimmende Rolle, möglicherweise nicht einmal die entscheidende gespielt haben. "Unser Blick war viel zu sehr auf die Gene allein konzentriert", erklärt Carroll. Er fragt sich, ob die tatsächlichen Stellschrauben der Evolution nicht an ganz anderen Stellen zu finden sind.
Besonders eine Entdeckung beschäftigt die Forscher: Bei der Untersuchung von Embryonen sind sie auf eine Art Bausatz gestoßen, der sich im Erbgut eines jeden Tieres findet. Er besteht aus einigen hundert Genen, die allesamt rund 600 Millionen Jahre alt sind. Über diesen unermesslich langen Zeitraum wurde der genetische Masterplan zur Konstruktion von Tierkörpern fast unverändert von Kreatur zu Kreatur weitergegeben.
Einige der Bausatzgene lassen im Embryo Gliedmaßen wachsen - ganz egal, ob es nun Fischflossen, Adlerschwingen oder Fliegenbeine sind. Andere wiederum steuern die Bildung von Augen - und zwar gleichermaßen die Facettenaugen der Käfer, die Linsenaugen der Tintenfische oder die Schlitzaugen der Chinesen.
Verblüffend aber ist, dass sich diese Gene im Verlauf der Evolution kaum verändert haben. Aus Flossen wurden Beine, Arme oder Flügel, einfache Pigmentflecken entwickelten sich zu Fliegen- oder Menschenaugen. Doch die Bausatzgene, die diesen Prozess steuern, blieben gleich. Es veränderte sich nur die Art und Weise, wann und wo im Organismus sie angeschaltet werden.
Ähnlich wie sich aus einigen wenigen Legosteinen eine kaum begrenzte Vielzahl verschiedener Fahrzeuge, Gebäude oder Figuren bauen lässt, so schuf die Natur offenbar neue Organismen, indem sie einige wenige Bausatzgene auf immer neue Weise an- und abschaltete, regulierte und kombinierte. Dieses komplexe Regelungs-Netzwerk wollen die Forscher jetzt entflechten.

Das Erbgut von rund 50 Tierarten ist derzeit bekannt. …
Ende vergangenen Jahres erst wurde eine Skizze großer Teile des Mammut-Genoms publik gemacht. In diesem Jahr ist dann, wenn alles nach Plan läuft, der Neandertaler dran …

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin zum Beispiel hat schon sehr früh das Interesse der Evolutionsbiologen auf sich gezogen. Das Ur-Wirbeltier, so viel wissen sie aus Gen-Vergleichen, besaß ein einzelnes Hämoglobin, dessen Funktion darin bestand, das Gewebe mit Sauerstoff zu beliefern.
Vor einer halben Jahrmilliarde etwa wurde dieses Gen dupliziert. Seither hat es sich in verschiedenen Varianten im Erbgut verbreitet. Deshalb verfügt der menschliche Fötus heute über ein spezielles Hämoglobin, das ihm hilft, seinen extrem hohen Sauerstoffbedarf zu decken. Herz- und Skelettmuskel wiederum greifen auf ein anderes Molekül zurück - auch dieses hervorgegangen aus einer Globin-Kopie.
Eine zweite Klasse von Proteinen, über die inzwischen sehr viel bekannt ist, sind die Opsine. Ihnen verdankt der Mensch, dass er sehen kann.
Dicht gepackt finden sich diese Moleküle in den zapfenförmigen Lichtdetektoren der Netzhaut. Drei Arten dieser Zapfen stellen dabei jeweils unterschiedliche Opsine her, von denen jedes auf Licht etwas anderer Wellenlängen reagiert.
Die Natur hat ihre Geschöpfe sehr unterschiedlich mit solchen Zapfen-Opsinen ausgestattet - mit gewaltigen Folgen für das Sehvermögen. Eine winzige Änderung an der richtigen Stelle zum Beispiel kann bewirken, dass das Molekül plötzlich auf ultraviolettes Licht anspricht. Bei vielen Vögeln ist genau das der Fall: Die volle Federpracht männlicher Blaumeisen und Stare etwa, die deren Weibchen nachweisbar erregt, ist für den Menschen völlig unsichtbar
Erst die Vorfahren des Menschen erlernten dann wieder, was deren Urahnen verloren hatten: Vor etwa 30 Millionen Jahren entstand im Erbgut irgendeines Primaten eine neue Opsin-Variante, die das Farbensehen verbesserte. All seine Nachfahren - darunter Meerkatzen, Paviane, Schimpansen und der Mensch - erbten sie. Deshalb können sie Rot von Grün gut unterscheiden.
Was damals geschah, konnten die Forscher sogar im Labor nachvollziehen: Sie bauten einer Maus ein menschliches Opsin-Gen ins Erbgut ein - und siehe da, sie konnte einen rot und einen grün markierten Futterspender auseinanderhalten, während ihre Artgenossen blind für den Unterschied sind. Vermutlich könnte eine ähnliche einfache Gen-Manipulation dem Menschen die Augen für die Schönheit der UV-Welt öffnen. …
… wie einige wenige Bauplangene, auf immer wieder andere Weise angesteuert, solche Muster hervorbringen können. Er ist dabei auf ein unerhört komplexes Netzwerk von genetischen Schaltern gestoßen. Und er ist überzeugt: Dies ist die eigentliche Steuerzentrale der Evolution. Die Schalter, von denen Carroll spricht, liegen in Regionen des Erbguts, denen die Wissenschaftler lange wenig Beachtung geschenkt haben. Sie interessierten sich nur für jene Passagen des DNA-Texts, die im genetischen Code abgefasst sind. Seit dieser Mitte der sechziger Jahre geknackt wurde, waren diese Teile des Erbguts leicht zu lesen: Sie enthalten Instruktionen zur Herstellung von Proteinen.
Doch nach diesem Code sind gerade einmal 1,5 Prozent des menschlichen Genoms verschlüsselt. Die anderen "nichtcodierenden" 98,5 Prozent sind größtenteils wirr und unverständlich. Die Forscher taten sie als bloßen DNA-Müll ab - als bedeutungslosen Buchstabensalat, der sich eben im Laufe der Jahrmillionen angesammelt habe.
Inzwischen jedoch sind die Forscher ins Grübeln geraten. Riesige Wüsten im Erbgut haben sie entdeckt, in denen sich nicht ein einziges Gen findet. Und doch wurden diese Regionen des DNA-Texts über viele Jahrmillionen hin verblüffend wenig verändert. Warum, so fragt sich, sind sie so gut erhalten, wenn sie wirklich nur sinnloser Abfall sind?
Seit die Forscher diesen vermeintlichen Müll näher unter die Lupe nehmen, entdecken sie, dass manche dieser Textpassagen von Schaltern übersät sind, die Gene an- und abschalten können. Bei jedem Gen, so zeigt sich nun, wetteifern mehrere, nicht selten Dutzende solcher Schalter um ihren Einfluss.
Und noch etwas spricht dafür, dass die nichtcodierenden Regionen wichtiger sind als lange geglaubt. Von ihnen erhoffen sich die Genforscher die Antwort auf eine Rätselfrage, die ihnen schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet: Wieso eigentlich hat der Mensch nur so wenige Gene?
Letzte Einigkeit über die genaue Anzahl der Menschengene ließ sich noch immer nicht herstellen. Die Schätzungen schwanken, aber derzeit gilt ein Wert um etwa 22 000 als wahrscheinlich. Das ist kaum mehr, als der einen Millimeter lange Fadenwurm (20 000 Gene) und die primitive Seeanemone (18 000 Gene) vorzuweisen haben, und sogar etwas weniger als der Wert der Maus (23 000 Gene).
Mensch und Wurm in derselben Liga - wie ist so etwas möglich?
Diese Zahlen erlauben nur eine Deutung: Die Gene allein spiegeln die Komplexität eines Organismus nur ungenügend wider. Wenn aber nicht in den Genen, wo ist das Geheimnis der Komplexität dann verborgen?
Gerade ist eine US-amerikanische Forschergruppe auf ein wesentlich besseres Maß gestoßen - und zwar in den nichtcodierenden Regionen. Die Wissenschaftler untersuchten sogenannte miRNA, eine erst vor wenigen Jahren entdeckte Art von kleinen Steuermolekülen, die in vielfältiger Weise eingreifen in die Regulierung des Zellstoffwechsels.
Forscher zählten schlicht ab und stellten fest: 677 dieser Schnipsel finden sich beim Menschen, die Maus liegt mit 491 schon deutlich dahinter. Der Fadenwurm bringt es gerade einmal auf 154 miRNA, die Seeanemone ist mit 40 ganz abgeschlagen. Im Großen und Ganzen geben diese Zahlen recht gut das Maß von Komplexität wieder, das Biologen diesen Organismen zubilligen. …

(microRNA (micros = griech. klein), abgekürzt miRNA oder miR, sind kurze, hoch konservierte, nicht kodierende RNA-Moleküle, die eine wichtige Rolle in dem komplexen Netzwerk der Genregulation, insbesondere beim Gen-Silencing (Stilllegen von Genen) spielen. MicroRNAs regulieren die Genexpression hochspezifisch auf post-transkriptionalem Level. microRNAs weisen im Allgemeinen eine Größe von 21 bis 23 Nukleotiden (nt) auf.
(Quelle: Wikipedia))


Und tatsächlich gibt es experimentelle Befunde, die diese Sicht stützen: Craig Venter zum Beispiel, der Tausendsassa, der schon mit der Entschlüsselung des Menschengenoms für Furore sorgte, interessiert sich inzwischen auch für die nichtcodierenden Bereiche. Bei Mensch und Hai hat er sie verglichen und dabei gezielt nach Abschnitten gesucht, die in beiden Arten fast identisch sind. Sein Argument: Wenn sie sich in den rund 500 Millionen Jahren, die beide Arten voneinander trennen, nicht verändert haben, dann müssen sie biologisch wichtig sein.
Verblüffend häufig wurde Venter fündig: Etwa 5000 Stellen im Erbgut spürte er auf, die sich bei Mensch und Hai gleichen. Besonders interessant dabei: Bevorzugt liegen sie in der Nähe von Werkzeugen aus dem Genbaukasten. Das spricht dafür, dass sie deren Schalter sind.
Für besonderes Aufsehen aber sorgte ein Ergebnis aus Kalifornien: Von Datenbanken lud die Evolutionsforscherin Katherine Pollard sich die DNA-Sequenzen von Maus, Ratte, Huhn, Schimpanse und Mensch herunter und verglich sie miteinander. In den endlosen Ketten der Buchstaben A, G, T und C ließ sie ihren Computer speziell nach solchen Passagen fahnden, die sich bei all diesen Tieren gleichen, beim Menschen jedoch auffällige Veränderungen aufweisen. Diese, so ihre Vermutung, haben dann höchstwahrscheinlich etwas mit dem menschlichen Sonderweg zu tun.
Insgesamt 49 solcher Regionen spürte Pollard auf. Nur zwei davon erwiesen sich als Gene, die Bauanleitungen für Proteine enthalten. Alle anderen 47 liegen im nichtcodierenden Bereich.
Einer der 49 Hot Spots der menschlichen Evolution stach besonders hervor, HAR1 hat Pollard ihn getauft. Bei Huhn und Schimpanse, deren evolutionäres Schicksal sich vor mehr als 300 Millionen Jahren schied, ist dieses DNA-Stückchen bis auf zwei Abweichungen identisch; Mensch und Schimpanse hingegen, die gerade einmal sieben Millionen Jahre Stammesgeschichte trennen, unterscheiden sich in 18 der HAR1-Buchstaben.
300 Millionen Jahre lang muss dieses Erbgutstückchen also von der Evolution sorgfältig beibehalten worden sein. Dann aber, in der kurzen Zeit der Menschwerdung, häuften sich plötzlich 18 Mutationen an. Was nur war da geschehen?
Die kalifornischen Forscher fanden heraus, dass das rätselhafte Stück des Gentexts nur von der siebten bis zur neunzehnten Schwangerschaftswoche in Aktion tritt, und zwar in Zellen, die eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung der sechs Großhirnschichten des Menschen spielen.
Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass die Wissenschaftler dem Geheimnis des explosiven Hirnwachstums des Menschen schon sehr nahe gekommen sind?

(Spiegel 4-2009 S.98ff. – gesamter Text: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=63637476&top=SPIEGEL)

·         Der Bausatz des Lebens;
Dienen die Gene gleichsam als Fertigungsvorschrift für den Organismus wie der Konstruktionsplan des Architekten bei der Errichtung eines Gebäudes, sind Proteine die Ziegelsteine, der Mörtel und die Stahlträger, aus denen das Haus in Wahrheit besteht;
derzeit Biodaten von etwa 20.300 humanen Eiweißen gehortet, dazu kommen fast 14.000 so genannte Iso-Formen, menschliches Proteom könnte mehr als hunderttausend Eiweiße umfassen;
zu jedem Protein lässt sich (anhand der Aminosäure-Sequenz) auch ein Gen im Erbgut finden;
neulich konnten Wissenschaftler in einem Arbeitsgang 4400 Eiweiße aus Hefezellen identifizieren; bei ihnen gilt die „Ein Gen macht ein Protein“-Regel noch weitgehend;
beim Menschen sind mehrere Eiweiße aus einem Bauplan durch Modulkombination herstellbar;
inzwischen kann man auch sehr seltene Eiweißmoleküle in einer Zelle finden (weniger als 100 pro Zelle; manche anderen schwimmen millionenfach in einer Zelle);
eben wurden 12.000 Eiweiße des Fadenwurms analysiert (die Hälfte des Gesamtinventars) und dabei sogar die jeweiligen Mengen der Proteine bestimmt; Gegenüberstellung mit gleichartigen Eiweißen der Fruchtfliege ergab: obwohl durch 600 Millionen Jahre Evolution getrennt, waren die Mengen, die von einem großen Teil der Eiweiße gebildet wurden, nahezu gleich groß. Ein klarer Hinweis, dass die Dosis der Proteine in den Zellen ebenso wichtig ist wie ihr Aufbau … wichtige Aufgabe: in Zukunft nicht nur den Aufbau, sondern auch die Molekülzahl der Zelleiweiße ermitteln
(ZEIT 26.3.09 S.35)

·         Bleiben nach den großen Einsichten im Jahrhundert der Biologie überhaupt noch grundsätzliche Fragen offen? Ganz sicher genug, um Generationen von Evolutionsforschern herauszufordern. So wissen wir zwar viel über den Partner des Genoms in der lebenden Zelle, den Stoffwechsel, aber viel zu wenig, um die Wechselwirkung zwischen beiden auch nur annähernd zu durchschauen. Gegenwärtig scheint es noch so, als würde die im Erbgut gespeicherte Information alles steuern. Doch erstens trifft die Annahme, dass jedem Gen eine Eigenschaft zukommt, nicht so direkt zu, wie anfänglich angenommen, und zweitens kann das Genom nur tätig werden, wenn ein Stoffwechsel stattfindet. Im Virus ist das Genom inaktiv, weder lebendig noch tot. Zu arbeiten fängt es erst an, wenn eine passende »Wirtszelle« gefunden ist.
Spiegelt sich darin womöglich der Ursprung des Lebens? Hatten sich vor rund vier Milliarden Jahren »Informationsträger« mit »Stoffwechslern« zusammengefunden und so die erste Zelle und das Leben hervorgebracht – stand eine Symbiose am Anfang? Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Forschungen liegt klar aufseiten der Informationsträger. Sie sind die Vorstufen des Erbgutes. Aber wie differenziert sie auch ausgebildet sein mögen, sie benötigen einen Stoffwechsel, um »lebendig« zu werden. Umgekehrt braucht der Stoffwechsel nicht unbedingt ein Genom zur Steuerung. Das zeigen unsere roten Blutkörperchen. Sie haben keinen Zellkern mit Genom, bleiben aber nach ihrer Bildung rund 100 Tage lebensfähig. Sie sollten viel gründlicher untersucht werden.
(Evolutionsbiologe Reichholf, ZEIT 18.9.08 S.41 ---
gesamter Text unter http://www.zeit.de/2008/39/N-Evolution?page=all)

·         USA, neue Bestimmung der Anzahl der Gene: Maus: 20.210, Mensch 19.042; 15.178 Gene sind bei Maus und Mensch funktional verwandt und stammen von einem gemeinsamen Vorläufer ab (Trennung vor 90 Millionen Jahren)
(taz 29.5.09 S.18)

·         DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapie Dresden: Mithilfe eines bestimmten Gens (smp) können Zebrafische nach dem Verlust von Körperteilen Gewebe nachbilden, etwa wächst Schwanzflosse nach
(taz 16.1.09 S.18)

·         das Genom des Rindes ist entschlüsselt; 22.000 Gene; Kuh ist näher mit dem Menschen als mit Mäusen und Ratten verwandt
(Freie Presse Chemnitz 24.4.09 S.12; bdw 7-2009 S.10)

·         nicht nur die genetische Verwandtschaft, sondern auch eine Kette von Fossilien belegen die Abstammung der Wale von landlebenden Huftieren (z.B. Nilpferde);
(bdw 7-2009 S.48)

·         mit Kaiserschnitt entbundene Kinder haben ein erhöhtes Krebs- oder Asthma-Risiko, Ursache ist vermutlich eine veränderte Genregulation;
schwedische Forscher entdeckten an weißen Blutkörperchen chemische Veränderungen an den Grundbausteinen der Erbsubstanz; drei bis fünf Tage nach der Geburt nicht mehr feststellbar, dann vergleichbar wie bei normalen Geburten; veränderte Methylisierung (regelt Aktivität einzelner Gene)
(taz 3.7.09 S.18)

·         internationales Wissenschaftlerteam will Genome von 10.000 Wirbeltierarten komplett entschlüsseln („Genome 10k“);
neuer Blick au die Entstehung der Arten, welche genetischen Mechanismen ließen aus einem gemeinsamen Vorfahren der Wirbeltiere, der vor etwa 500 bis 600 Millionen Jahren lebte, die heutige Artenvielfalt entstehen?;
welche DNA-Abschnitte sind bei allen Tieren gleich, welche haben sich verändert, ver4doppelt, verkürzt? Welche sind für wichtige Proteine verantwortlich, welche nichts als Erbgut-Müll?
derzeit sind neben dem Erbgut des Menschen Erbinformationen von rund 30 Säugetierarten und 24 weiteren Wirbeltierarten analysiert; für die erste Rohfassung des menschlichen erbgutes brauchten Forscher 10 Jahre, Kosten: rund 300 Millionen US-Dollar;
das Projekt „Genome 10k“ soll nach rund 5 Jahren abgeschlossen sein und 50 Millionen Dollar kosten;
Erbgut von Mammut und Neandertaler größtenteils entschlüsselt;
(Spiegel 49-2009 S.144ff)

·         dass der Mensch keineswegs nur die ausführende Marionette seines erbgutes ist – im Gegenteil, jede einzelne Zelle entscheidet, was sie aus ihren Genen macht, sie hat dafür eine Vielzahl von Schaltern uns sinnreichen Mechnismen; welche davon betätigt werden, hängt auch davon ab wie viel der Mensch zu essen hat, ob er raucht oder wie viel er sich bewegt. Und manchmal scheint die Schalterstellung, die sich aus Umwelt und Lebenserfahrung ergeben hat, sogar vererbt zu werden
(Spiegel 30-2009, S.107)

·         irische Forscher konnten drei Gene identifizieren, die ausschließlich beim Menschen vorkommen; im Schimpansen-Genom fehlen sie, beim Menschen hingegen erfüllen sie eine Aufgabe; es ist das erste Mal, dass menscheneigene Gene gefunden wurden, die sich nicht wenigstens auf Vorläuferversionen im Genom anderen Tiere zurückverfolgen lassen
(Die Zeit, 10.9.09, S.40)

·         die Protein-Faltung in den menschlichen Körperzellen entscheidet über Krankheiten, Alter und Tod;
knapp ein Jahrzehnt nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat sich gezeigt, dass die Hoffnung auf die allumfassende Erklärungskraft der Gene überzogen war. Inzwischen offenbart sich nin immer mehr Fällen, dass nicht die Information der Gene, sondern eher die dreidimensionale Faltung der Proteine über Wohl und Wehe im menschlichen Körper bestimmt;
“Protein“ aus dem griechischen „proteios“ = an erster Stelle stehend;
schätzungsweise 100.000 verschiedener Proteine im menschlichen Körper;
eine falsche Proteinfaltung führt beispielsweise bei Mukoviszidose-Patienten dazu, dass der Schleim ihrer Bronchien zäher ist ;
junge, frische Zellen haben Mechanismen, um mit fehlgefalteten Molekülen umzugehen; Ausschussware wird von den Proteinfabriken der Zelle normalerweise umgehend ausgesondert; Außerdem gibt es diverse Aufpasser, so genannte Chaperone (Engl.: Anstandsdamen), die dafür sorgen, dass halb fertige Zwischenstufen sich nicht (mit anderen Proteinvorstufen) verknäulen, sondern am Ende immer die richtige Form finden;
erst strauchelt die Qualitätskontrolle des Proteins, dann erst folgt die Instabilität des Erbgutes; die DNA braucht die Proteine, um sich zu vervielfältigen
(Die Zeit 10.9.09 S.33f)

·         US-Forscherteam; einem (einzigen) Eiweiß verdanken wir Menschen die Entwicklung der Sprache; die Menschen- und die Affenvariante (bei Schimpansen) dieses Schlüsseleiweißes arbeiten trotz ähnlichen Aufbaus unterschiedlich; Bauplan ist in einem Gen namens FOXP2 gespeichert, das den Beinamen „Sprachgen“ trägt; die menschliche Variante des Gens unterscheidet sich nur in zwei Bausteinen von der des Schimpansen; gerade diese Veränderung könnte jedoch eine feinere motorische Kontrolle der Gesichtsmuskeln, eine größere Flexibilität des Gehirns und damit die Basis für Sprache gelegt haben
(Freie Presse Chemnitz 12.11.09 S.1)

·         im Laufe des Lebens weicht auch das Erbgut eineiiger Zwillinge voneinander ab;
abhängig vom Lebensstil werden Gene ein- oder ausgeschaltet;
Welches Schicksal menschliche Zellen nehmen, hängt davon ab, welche Gene im Laufe ihrer Entwicklung wie aktiv sind. Teils wird das durch Steuerungs-Gene reguliert, die in den auf 46 Chromosomen verteilten … DNA-Strang integriert sind. Doch seit einigen Jahren zeigt sich immer deutlicher: Entscheidende Einflüsse auf die Genaktivität kommen von außen, von molekularen Steuermechanismen, die nicht in der DNA selbst stecken, sondern vielmehr auf ihr. Solche epigenetischen Faktoren kontrollieren die Genomfunktion, indem sie beispielsweise Gene anschalten oder stilllegen. Die DNA sei wie ein Tonband, auf dem Informationen gespeichert sind … Doch ein Tonband nützt uns ohne Abspielgerät rein gar nichts. Die Epigenetik befasst sich mit dem Abspielgerät …;
Als „Anschalter“ fungieren die Acetylgruppen; hängen sich an die Histon-Proteine, um diese ist die DNA gewickelt, sind die Histone acetyliert, geben sie die DNA zum Ablesen frei;
als epigenetische „Abschalter“ wirken Methylgruppen; binden an bestimmte Sprossen der DNA-Strickleiter und verhindern das Ablesen der Gene;
persönliche Erfahrungen und Umwelteinflüsse schlagen sich im epigenetischen Muster individuell nieder (Unterschiede auch bei eineiigen Zwillingen);
Während die Genetik über Millionen von Jahren wirkt, verändert die Epigenetik Organismen innerhalb einer Generation;
Epigenetische Veränderungen sind metastabil, sie entstehen schneller, sind aber auch leichter wieder rückgängig zu machen als Veränderungen der Gene selbst;
4000 menschliche Gene untersucht: bei mehr als 300 davon wird mal nur das eine (väterliche), mal nur das andere (mütterliche) Allel abgelesen, manchmal werden beide verwendet (hochgerechnet auf alle 20-25.000 Gene des Menschen: bei 1000 Genen nur ein Allel „in Betrieb“ genommen)
(bild der wissenschaft 6-2009 S.18ff)

·         (Nur) in einer bestimmten Phase der Zellteilung (Metaphase) liegen die DNA-Fäden als mikroskopisch gut sichtbare „Wäscheklammern“ vor (in der Mitte eine Einschnürung, dort sind die vier Arme verbunden, zu beiden Seiten gehen unterschiedlich lange Arme ab)
(bild der wissenschaft 6-2009 S.42ff)

·         Springende oder auch mobile genetische Elemente … „Transposons“ … nutzen die zelleigene Maschinerie gelegentlich dazu, sich selbst zu kopieren, und die Kopien bauen sich dann an x-beliebiger Stelle im Genom neu ein; einige wenige Elemente schneiden sich auch wieder aus der DNA aus, um weiter zu wandern;
Je nachdem, wo die springenden Gene auf ihrem Ziel-Chromosom landen, hat das unterschiedliche Folgen:
a) Stellen, wo keine Gene sitzen, in der Regel keine Auswirkungen für den Organismus
b) mitten in Genen, wo sie kodierende Sequenzen (Exons) zerstören; mögliche Folge: krankhafter oder tödlicher Ausfall lebenswichtiger Gene
c) mitten in Genen, aber neben Exons; können dann später in der Evolution selbst zu Exons werden, also die Funktion eines Gens verändern oder erweitern;
derzeitiger Kenntnisstand: nur 5% unseres Genoms haben überhaupt eine Funktion; mindestens 45% unseres Genoms gehen auf mobile genetische Elemente zurück, waren einmal mobil oder sind es noch;
unsere Gene sind “Inseln“ in einem Meer von springenden Elementen …;
vor gut drei Milliarden Jahren: kleine RNA-Schnipsel, die sich selbst kopieren konnten, waren die erste Erbsubstanz in einfachsten Zellen. Erst später „erfand“ die Evolution als Sicherungskopie der Erbsubstanz die DNA. Ihr Vorzug: Sie ist stabiler als RNA, und bei der Vermehrung schleichen sich nicht so oft Fehler ein;
Springende Elemente schaffen gute Voraussetzungen für genetische Variabilität, wie es kein anderer Mechanismus vermag. Sie tun dies zum einen, indem sie Kopien von Genen im Genom verstreuen. Gelegentlich nehmen mobile Elemente bei ihrer Wanderung benachbarte Gene oder Teile von Genen quasi huckepack an einen neuen Ort mit. Zum anderen kann eine Reverse Transkriptase auch manchmal „irrtümlich“ vorbeischwimmende mRNA eines Gens in einen DNA-Doppelstrang umschreiben, der sich dann später ins Genom integriert …
Keinesfalls erlauben mobile genetische Elemente eine zielgerichtete Evolution ….Transposons agieren blind, rein zufällig im Genom … Darwin ist nach wie vor gültig
(bild der wissenschaft 9-2009 S.38ff)

·         Springende Gene klären die Säuger-Evolution;
seit wenigen Jahrzehnten helfen molekulare Techniken, die Struktur der Stammbäume durch Vergleich des Erbgutes zu ergründen; Punktmutationen treten auf und werden vererbt; eines solche Punktmutation kann jedoch auch unabhängig von der ersten Veränderung ein zweites Mal auftreten oder es kann zu einer Rückmutation kommen; es gibt also stammesgeschichtlich informative und stammesgeschichtlich irreführende Daten; je längere Zeiträume der Evolution untersucht werden, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit solcher irreführender Mutationen im Datensatz, wodurch sich das Risiko erhöht, einen falschen Stammbaum zu rekonstruieren;
von Studie zu Studie, von Gen zu Gen unterscheiden sich die Säugetierstammbäume gewaltig;
das Bauplanbuch des Menschen namens Erbgut besteht nur zu etwa 1,5% aus Bauplänen, den Eiweiß-kodierenden Genen. Die Springenden Gene oder Retrotransposons machen hingegen mehr als 40% aus;
Springende Gene tragen ihren Namen, weil sie nicht nur an ihrer festen Position im Erbgut an die Nachkommen vererbt werden. Sie vermehren sich vielmehr auch innerhalb eines einzigen Genoms. Dabei wird zunächst das Springende Gen durch Enzyme kopiert. Diese Kopie wird dann an einer anderen Stelle wieder (zusätzlich JK) eingefügt. Die Stelle, an der diese Kopie eingefügt wird, ist zufällig. Ist die Kopie des Springenden Gens an der neuen Position fixiert, wird sie mit dem restlichen Genom an die Nachfahren weitervererbt. Über lange Zeit teilen sich dann mehrere Arten oder gar ganze Artengruppen diese Kopie an einer bestimmten Stelle im Erbgut. Alle Arten, die nicht vom Vorfahren abstammen, in dessen Genom sie eingefügt wurden, tragen sie dementsprechend nicht. Die Zufälligkeit des Einbaus ist dabei entscheidend: Da das gesamte Genom (des Menschen JK) etwa 3 Milliarden „Buchstaben“ enthält, ist es praktisch ausgeschlossen, dass ein Springendes Gen zweimal an genau die selbe Stelle im Genom eingefügt wird. Sprich: Alle Träger derselben Kopie des Gens an derselben Stelle im Erbgut müssen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen;
Die Daten liefern zweifelsfreie Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der heutigen Säuger.
(bild der wissenschaft plus; Klaus-Tschira-Preis für verständliche Wissenschaft, Die Preisträger 2008, 2009, S.20ff.)

·         Firma GENEART aus Regensburg ist in nur 10 Jahren zum Weltmarktführer im Bereich der „Synthetischen Biologie“ aufgestiegen; dort können Sie Gene kaufen, die Sie in der Natur nicht finden; in einer Fertigungshalle werden von Automaten, nicht größer als ein Bürokopierer, vollautomatisch sogenannte Oligonukleotide hergestellt, kurze Genschnipsel aus 40 bis 50 Informationseinheiten (die Basenbausteine A, T, G und C werden genau in der vorgegebenen Reihenfolge aneinander gehängt); in einem weiteren Schritt werden die „Oligos“ zu größeren Einheiten vereinigt; meist entstehen Gene aus tausend nis viertausend Bausteinen; 190 Mitarbeiter, Verarbeitung von 3 Millionen genetischer Buchstaben pro Monat; eine Gefahr: dass jemand z.B. Pockererreger-Virus in Auftrag gibt …
(Freie Presse Chemnitz 6.1.10 S.A2)

·         Etwa 3000 künstliche Gene pro Monat werden im Labor der Firma Geneart hergestellt. Forschungsinstitute auf der ganzen Welt, die US-amerikanische Gesundheitsbehörde, die Max-Planck-Gesellschaft, aber auch die Pharmaindustrie gehören zu ihren Kunden. "Praktisch jeder der großen Konzerne hat schon bei uns bestellt", sagt Geneart-Chef Ralf Wagner. Und er hat allen Grund, stolz zu sein: Etwa jedes zweite Kunstgen weltweit kommt aus Regensburg.;
Rund 20 Dollar kostete seinerzeit (vor 10 Jahren) jeder einzelne DNA-Buchstabe; Die Regensburger Biotech-Pioniere haben damit eine Entwicklung angestoßen, die schon in der Computertechnik ihr unerhörtes Potential bewiesen hat: Bekannt unter dem Namen "Moores Gesetz", gilt dort seit knapp 50 Jahren die Dynamik exponentiellen Wachstums. Doppelte Rechenkraft, doppelter Speicherplatz, und das zum halben Preis: So heißt dort immer aufs Neue die Devise.
Wie die Herstellung von Mikrochips, so beruht auch das Schreiben künstlicher Gene auf einer Technik, die wie geschaffen ist für unbegrenztes Wachstum. Schon ist der Preis eines DNA-Buchstaben auf unter 40 Cent gefallen.
Zwar ist die genetische Manipulation von Organismen eine längst vertraute Routinetechnik. Schließlich hatten die Molekularbiologen schon vor gut 30 Jahren molekulare Scheren gefunden, mit denen sich Erbgutstränge zerteilen lassen - und umgehend begonnen, im Erbgut herumzuschnippeln. Längst haben sie Fisch- und Quallengene in Getreidepflanzen geschleust und Darmbakterien beigebracht, menschliches Insulin oder Hepatitis-Impfstoff herzustellen.
Doch mit solchen Kabinettstückchen wollen sich die Synthetischen Biologen nicht länger begnügen. Ihnen schwebt weit Radikaleres vor.
Sie wollen nicht nur hier und dort ein Gen von Tier zu Tier transferieren oder auf gut Glück den einen oder anderen Genbaustein austauschen. Ihr Ziel ist es, selbst die Sprache der Natur zu lernen. Sie wollen völlig neue Gene konstruieren, Stoffwechselpfade bisher unbekannter Art im Erbgut programmieren - und am Ende schließlich Lebensformen schaffen, wie sie die Natur selbst nie hervorgebracht hat. ;
Medikamente zum Nulltarif, sauberes Benzin und rechnende Organismen; Materialien, die sich selbst reparieren, und Bakterien, die Treibhausgase in Baustoff verwandeln: Den denkbaren Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt. Irgendwann, so verkünden die kühnsten der Visionäre, würden sie auch genetische Programme schreiben, mit denen sich nicht nur die Natur, sondern sogar die Evolution des Menschen selbst steuern ließe.;
(Genforscher Craig Venter:)
im Jahre 2001, hatte er die Gensequenz des Menschen buchstabiert. Diesmal möchte er der Erste sein, der in einer Petrischale den Funken des künstlichen Lebens zündet.
Im Jahrestakt rückt er diesem Durchbruch näher: Vor gut zwei Jahren gelang es ihm erstmals, das Erbgut eines Bakteriums in ein andersartiges zu übertragen. "Wir haben die Software ausgetauscht und dadurch den alten Organismus ausgelöscht und einen anderen erschaffen", so beschrieb er seinen Triumph.
Ein Jahr später machte Venter Schlagzeilen, als er erstmals das vollständige Erbgut eines primitiven Bakteriums synthetisiert hatte. Aus Genen, die er teils aus Regensburg bezog, setzte er sämtliche 582 970 Basenpaare des Bakteriums Mycoplasma genitalium zusammen.
Im Jahr 2009 schließlich räumte er die womöglich letzte Hürde auf dem Weg zum Kunstwesen beiseite. Venters erster Versuch, das Kunstchromosom in ein Bakterium zu pflanzen, war nämlich gescheitert. Ähnlich wie ein menschlicher Körper fremde Organe abstößt, so schien auch das Wirtsbakterium das künstliche Erbgut als fremd zu erkennen und zu zerstückeln.
Nun aber stellten die Forscher um Venter fest, dass sich das Erbgut durch sogenannte Methylierung vor diesen Attacken schützen lässt. Deshalb wollen sie ihr Kunstchromosom mit Methylkappen wappnen. "Damit sollte der letzte Schritt zur Vollendung unseres Projekts gelungen sein", erklärt Nobelpreisträger Hamilton Smith, einer von Venters Mitarbeitern.
Schon im nun anbrechenden Jahr könnte es so weit sein: Erstmals würde sich dann in einem Labor tote Materie in lebendige Kreatur verwandeln. "Die Evolution geht damit, von Menschenhand geleitet, weiter", verkündet Genpionier Venter.
Freilich behauptet auch er nicht, dass sein Kunstorganismus, falls seine Herstellung wirklich klappen sollte, von Grund auf neues Leben ist. Nicht nur, dass sich Venter des genetischen Codes und damit der Sprache der Natur bedient. Er braucht auch den komplexen Mix aus Protein-, Fett- und Zuckermolekülen, den das künstliche Erbgut im Zellkörper des bakteriellen Wirts vorfindet. "Wir greifen also auf mehr als drei Milliarden Jahre Evolution zurück", gibt Venter zu.;
(Harvard-Forscher Jack Szostack, Nobelpreis Medizin 2010, will verstehen, wie das Leben auf der Erde einst entstanden ist:)
Szostak wendet sich damit einem jener drei großen Schöpfungsmomente zu, die wie kaum etwas anderes von jeher die Wissenschaftler in ihren Bann gezogen haben. Es handelt sich um jene drei Vorgänge in der Geschichte des Kosmos, im Verlaufe deren völlig Neuartiges geschaffen wurde: Am Anfang allen Daseins vor rund 13,7 Milliarden Jahren entstand im Urknall die Materie. Im jüngsten Kapitel der Universumsgeschichte dann verwandelte sich das Geschwätz von Neuronen unvermittelt in Menschengeist.
Dazwischen aber, gleichsam zur kosmischen Halbzeit, begannen auf einem kleinen Planeten namens Erde ein paar Moleküle zu leben. Sie hatten sich zu Organismen zusammengeschlossen, die fähig waren, sich zu wandeln und sich so ihrer Umgebung anzupassen. Und indem sie so um ihr Überleben kämpften, indem sie Nahrung suchten, vor Gefahren flohen und stets nach Vermehrung strebten, war plötzlich ein Zweck, ein Sinn, eine Bestimmung in die Welt gekommen. Wie nur war das möglich gewesen? War hier ein der Materie eigener Drang erwacht, den sie seit ihrer Entstehung im Urknall in sich getragen hatte? Oder verdankt das Leben seine Existenz einem einzigartigen Zufall?
Unweigerlich stoßen bei Fragen wie diesen Wissenschaft und Religion aufeinander. Denn es geht zugleich auch darum, ob die Wissenschaft die alleinige Hoheit für die Welterklärung für sich beanspruchen kann - oder ob noch Raum bleibt für etwa Göttliches.
Auch Szostak weiß: "Die exakten Umstände, unter denen das Leben entstanden ist, sind möglicherweise für immer für die Wissenschaft verloren." Denn nicht nur das Drehbuch des Dramas ist verschollen, auch die Bühne, auf der es sich abgespielt hat, liegt weitgehend im Dunkeln.;
Als gesichert kann nur gelten, dass der Planet hektischer als heute um seine Achse trudelte; ein Erdtag dauerte womöglich nicht länger als sechs Stunden. Auch stand der Mond deutlich größer am Nachthimmel und schleppte eine entsprechend mächtigere Flutwelle mit sich.
Vor allem aber stand die Urerde unter heftigem Beschuss. Schätzungen zufolge schlugen allein 15 gigantische Himmelskörper ein, die groß genug waren, um ganze Weltmeere verdampfen zu lassen; 4 von ihnen maßen gar mehr als 300 Kilometer im Durchmesser. Zum Vergleich: Der Meteorit, der vor 65 Millionen Jahren den Dinosauriern den Garaus machte, war 30-mal kleiner und wog gerade einmal ein 30000stel.
Zwischen den Einschlägen aber könnte es frostig gewesen sein. Denn die Sonne schwächelte, ihre Strahlkraft war um etwa ein Drittel geringer als heute; zudem dürfte der Staub zerborstener Meteoriten den Himmel immer wieder verdunkelt haben. Gut möglich deshalb, dass sich dicke Eispanzer auf die Urozeane legten.
Und irgendwo inmitten dieses Spektakels soll das junge Leben gekeimt haben? Nicht das Paradies, sondern vielmehr die Hölle soll seine Geburtsstätte gewesen sein?
Als der Münchner Patentanwalt Günter Wächtershäuser in den achtziger Jahren eine urzeitliche Schwefel-Eisen-Chemie ersann, aus der Leben hervorgegangen sein könnte, rückten die Schwarzen Raucher, die entlang der mittelozeanischen Rücken ihre brühend heiße Mineralfracht ins Tiefenwasser speien, in den Mittelpunkt des Interesses.
Inzwischen gelten die gutmütigeren Verwandten dieser heißen Quellen, die Hydrothermalquellen vom sogenannten Lost-City-Typ, als plausiblere Brutstätten des Urlebens. Auch sie finden sich am Ozeanboden, nur dass hier das Wasser mit moderateren Temperaturen aus dem Gestein schießt. Zudem sind die Schlote von einem Labyrinth feiner Kavernen und Kanäle durchzogen, die den Urorganismen als Heimstatt gedient haben könnten. ;
(Forscher aus Heidelberg und Barcelona:)
hatten sich vorgenommen, genau zu erfassen, was eigentlich das Minimum ist, dessen es bedarf, um lebendig zu sein.
Auf der Suche nach einem möglichst unkomplizierten Lebewesen entschieden sie sich für das Bakterium Mycoplasma pneumoniae, das mit rund 816 000 Genbuchstaben zu den schlichtesten eigenständig lebensfähigen Geschöpfen zählt.
Diese Mikrobe unterzogen die Forscher einer radikalen Molekular-Anatomie. Gründlich wie bei keinem Organismus zuvor vermaßen sie all ihre Gene, stellten fest, wann diese aktiv sind und wann sie abgeschaltet werden, wie die einzelnen Proteine miteinander wechselwirken und welche chemischen Reaktionen sie antreiben.
Stück für Stück offenbarte sich den Wissenschaftlern dabei ein vielmaschiges Geflecht von 189 Stoffwechselreaktionen, die von insgesamt 129 Enzymen gesteuert werden. Rund 200 molekulare Maschinen zählten die Forscher, 178 jeweils aus mehreren Proteinen zusammengesetzte Eiweißgebilde spürten sie auf.
Vor allem aber verblüffte die Forscher, wie flexibel dieses Regelwerk auf seine Umgebung zu reagieren vermag. Je nachdem welchen Nähr- oder Signalstoffen die Mikrobe begegnet, kann sie an einer Vielzahl von Stellschrauben die Wirkung einzelner Gene herauf-, die anderer hingegen herunterregeln.
Und das soll nun die einfachste Form allen Lebens sein?
Die Lücke zwischen der archaischen Chemie auf der Urerde und den ersten Lebensformen heutiger Bauart zu schließen ist auch deshalb so schwierig, weil in der Übergangsphase eine Form von Leben existiert haben muss, dessen Überbleibsel vollständig getilgt sind.
Während nämlich sämtliche heutigen Bewohner der Erde ihr Erbgut in Form von DNA-Strängen aufbewahren, war den ersten lebendigen Kreaturen diese Molekülsorte höchstwahrscheinlich fremd. Stattdessen nutzten sie vermutlich einen chemischen Verwandten der DNA, die sogenannte Ribonukleinsäure RNA.
Vor allem eine Eigenschaft dieses Moleküls fasziniert die Forscher: Es vereinigt Eigenschaften von Proteinen und DNA in sich und damit beider wichtigen Gruppen von Biomolekülen. Wie die DNA so taugt auch die RNA als Träger genetischer Information. Gleichzeitig aber kann ein RNA-Molekül, genauso wie ein Protein, gezielt ganz bestimmte chemische Reaktionen vorantreiben.
Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass, ehe die ersten modernen Lebewesen die Bühne betraten, ihre einfacheren Vorfahren eine weniger komplizierte "RNA-Welt" bevölkerten, in der RNA-Moleküle die Aufgabe von Genen und Proteinen gleichermaßen übernahmen. ;
Als besonders bedeutsam gilt die Entdeckung eines britischen Teams. Den Wissenschaftlern der University of Manchester gelang es, einen Weg zu finden, wie unter den Bedingungen der Urerde die Bausteine der RNA entstanden sein könnten. Jahrzehntelang hatten sich ihre Kollegen vergebens bemüht, dieses Rätsel zu knacken.
Gleichzeitig tüftelten Gerald Joyce und seine Kollegen am Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla so lange mit RNA-Molekülen herum, bis sie zwei Exemplare mit außergewöhnlichen Eigenschaften gefunden hatten: Jedes der beiden ist fähig, eine Kopie des jeweils anderen zu verfertigen.
Indem sie sich also wechselseitig herstellen, pflanzen sich diese RNA-Kreaturen gleichsam fort. "Wir haben unsterbliche Moleküle", verkündet Joyce. Zwar sei es sicher verfrüht, sie lebendig zu nennen, lebensähnlich aber seien sie immerhin.
(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68525307.html; Titel: Die Schöpfung im Labor)

·         (156) … dass nur schätzungsweise ein Zehntel Prozent unserer Gene für das erkennbare Äußere zuständig sind, der Rest für die „inneren Werte“.
(345) So schön das Bild von der Doppelhelix als unendlich verschlungenem Schlangenpaar ist, so fatal sind die Missverständnisse aus der Buchmetapher. Die „Schrift“ aus den vier „Buchstaben“ A, T, C und G ist in Wahrheit nur eine Vorstufe, die erst nach der Decodierung gelesen werden kann – wie die digitale Spur auf einer Compact Disc. Erst das Programm des Dechiffriergeräts oder des biochemischen Apparats der Zelle erweckt den Inhalt zum Leben. Die Daten sind verschlüsselt wie in einer Morseschrift. Die eigentlichen „Wörter“ finden sich erst auf der Ebene der Eiweiße, die ihre komplexen Funktionen dem Aufbau aus wenig mehr als zwanzig unterschiedlichen Aminosäuren verdanken. Die Schrift hat also nicht vier, sondern über zwanzig Buchstaben.
(S. 346) Offenbar können aus einem Gen auch unterschiedliche Eiweiße hervorgehen. Außerdem können sich Gene aus DNA-Abschnitten zusammensetzen, die aus unterschiedlichen Regionen des Genoms stammen. Sie können unterbrochen sein, im Genom hin und her springen, durch chemische Anhängsel kurzzeitig oder dauerhaft aktiviert oder deaktiviert werden.
(349ff) lamarckistische Evolution (Vererbung erworbener Eigenschaften) … Das kann sich bis hinunter auf die Ebene der Gene auswirken … Der gesamte Stoffwechsel – und damit der biologische Kern unseres Seins – hängt davon ab, ob sie (die Gene) „ein-„ oder „ausgeschaltet“ sind. …
epigenetische Muster können sich offenbar auf Kinder und über mehrere Generationen auf deren Nachkommen übertragen 
dass ein Organismus ohne jede genetische Veränderung oder Mutation sein Genom auf eine Umwelt einstellen kann – was die Macht der Gene weiter beschneidet. … besagt auch, dass der Lebensstil der Eltern weitaus mehr Einfluss auf das Gedeihen ihrer Nachwuchses hat als bis vor Kurzem angenommen
(392) Mikroorganismen üben einen so starken Selektionsdruck aus (als Krankheitserreger, als Symbiosepartner JK), dass sie entscheidend zur Evolution der Arten beitragen
(394) Vermutlich hat sich während der Evolution auch das gesamte Genom mehrfach verdoppelt, mindestens dreimal seit Beginn der Wirbeltiere. Dadurch lassen sich Sprünge im evolutionären Fortschritt noch besser verstehen …
Dank eines von Zellen eingesetzten Verfahrens, „Splicing“ genannt, kann ihre Maschinerie denselben Abschnitt (der Erbsubstanz JK) auf sehr viele unterschiedliche Weisen „lesen“. Bei der Fruchtfliege sind mehrere Tausend unterschiedliche Eiweiße entdeckt worden, die alle von einem Gen abstammen. Beim Menschen werden bis zu sechzig Prozent aller Gene diesem Typus zugeordnet;
Das Konzept „Gen“ verliert mehr und mehr seine Bedeutung. Nach Ansicht der amerikanischen Wissenschaftshistorikerin Evelyn Fox Keller spielen Gene heute in der Biologie eine ähnliche Rolle wie das ptolemäische Weltbild in der Astronomie vor Kopernikus
(396) „Mastergene“, die das gesamte Geschehen auf einer nächsten (übergeordneten) Ebene kontrollieren. Sie hören auf Namen wie „hox“ oder „pax“, aktivieren als „Kerne“ ganze Regelkreise, haben sich in Hunderten Millionen Jahren während der Evolution fast unverändert erhalten und werden mitunter auch als Teil eines gemeinsamen „genetischen Werkzeugkastens“ des Tierreichs betrachtet. Acht von ihnen finden sich in nahezu allen untersuchten Mehrzellern.
Ob die Flügel einer Fliege oder die Arme eines Menschen, ihr Aufbau wird eingeleitet durch die Aktivierung eines solchen Mastergens. Um neue komplexe Formen hervorzubringen, braucht es statt Mutationen oft nur die Modifizierung vorhandener Gene und Entwicklungspläne … so lassen sich einmal mehr auch jene Sprünge in der Evolution erklären, mit denen Kreationisten ihre Kritik an Darwin untermauern. Fische etwa besitzen bereits die genetischen Anlagen für Gliedmaßen, die beim Übergang auf das Land „nur“ aktiviert werden müssen.
(Jürgen Neffe: Darwin – das Abenteuer des Lebens, Goldmann München 2010)

·         Leipziger Institut für Evolutionäre Anthropologie; 40.000 Jahre altes Neandertaler-Erbgut zu 70% sequenziert; Vergleich mit Genomen von 5 unserer Zeitgenossen (China, Frankreich, Papua-Neuguinea, Südafrika, Westafrika); Ergebnis: nicht Afrikaner, wohl aber Europäer, Asiaten und Papua-Neuguineaner tragen heute zwischen 2 und 4 % Neandertaler-Erbgut in sich; Homo sapiens und Neandertaler hatten Sex miteinander und gemeinsame Nachkommen;
Unterschiede zwischen modernen Menschen und Neandertalern vor allem in Genen, die mit kognitiven Funktionen zusammenhängen, mit dem Stoffwechsel, der Entwicklung des Schädels und des Brustkorbs;
erstmalige Sequenzierung des menschlichen Erbguts 2000 dauerte 13 Jahre und kostete 1,5Milliarden Euro;
Heute erbringen die Forscher in Leipzig diese Leistung innerhalb 1 Woche für 5000 Euro
(taz 7.5.2010 S.18)

·         die Gene steuern uns, aber auch wir steuern die Gene, durch unseren Lebensstil;
äußere Einflüsse können Gene chemisch verändern und sie auf diese Weise an- und ausschalten. Körperliche Aktivität, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Faktoren prägen das Erbgut.
Neben dem Inhalt der Gene, der Abfolge der DNA-Bausteine, trägt das Erbgut eine übergeordnete Ebene von Informationen. Diese epigenetischen (auf den Genen liegenden) Mechanismen steuern das Verhalten von Genen. Die Epigenetik stellt das lange gesuchte Scharnier dar, über das die Umwelt auf die Erbanlagen wirkt.;
An immer mehr Beispielen erkennen Forscher, wie die Umwelt dem Erbgut ihren Stempel aufdrückt. Babys, die von der Mutter liebevoll gestreichelt werden, sind darum offenbar als Erwachsene gegen Stress gefeit, wie es eine Ende Juli veröffentlichte epidemiologische Studie bestätigt hat. Menschen, die meditieren, verändern tatsächlich die Architektur ihres Gehirns. Heimkinder, die in eine Adoptionsfamilie kommen, blühen auf. Und eineiige Zwillinge können in ihrem Verhalten grundverschieden sein.;
Die epigenetischen Informationen (zu denen verschiedene chemische Veränderungen des Erbguts zählen) werden von den Zellen sogar auf die Tochterzellen weitergegeben - der Körper hat ein Gedächtnis. Das Körpergedächtnis kann allerdings verblassen und überschrieben werden, weil die epigenetischen Inschriften löschbar sind. Die Prägungen an den Genen beruhen auf umkehrbaren chemischen Reaktionen;
Die Gene sind kein Schicksal, sondern wunderbar wandelbar - diese bahnbrechende Erkenntnis der Epigenetiker räumt auf mit alten Vorstellungen. Lange hielten Biologen die Gene für fixiert: Nur durch Änderungen der Abfolge der DNA-Bausteine, durch Mutationen, könnten neue Eigenschaften entstehen - darunter Talente, Verhaltensweisen und Anfälligkeiten für Krankheiten.;
Es gibt rund 7000 dieser monogenen Erbkrankheiten; ihre Verbreitung in der Bevölkerung ist allerdings sehr gering.;
Die vielbeschworene genetische Anfälligkeit für Krebs wird überschätzt; die Umwelt ist weitaus wichtiger.;
"Die neuere Forschung legt nahe, dass diese Gene wahrscheinlich gar nicht existieren oder, wenn sie es denn doch tun, dass sie wahrscheinlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Häufigkeit von Krebs haben.";
Manche Gene in Krebszellen trugen kleine chemische Markierungen, sogenannte Methylgruppen. Durch die Methylierung wird ein Gen selbst nicht verändert - jedoch wird es dadurch abgeschaltet. Das bedeutet: Die Methylierung kann die Wirkung eines Gens verändern, ohne dessen Inhalt zu verändern.;
Damals hielten Biologen die Methylierung für ein Phänomen, das nur in der frühesten Phase des Lebens eine Rolle spielt. Wenn der Samenfaden die Eizelle befruchtet und der Embryo entsteht, dann werden fast alle Methylgruppen im Erbgut gelöscht - in diesem Zustand gleichen die Zellen unbeschriebenen Blättern. Reift der Körper heran, werden in den entstehenden Geweben nun ganz bestimmte Gene gezielt eingeschaltet: Auf diese Weise entwickeln sich manche Zellen zu Nervenzellen, andere zu Leberzellen, wieder andere zu Herzzellen - und das, obwohl alle Zellen das gleiche Erbgut haben.
(Spiegel 32-2010 S.111ff.)

·         ein Biologe fahndet nach DNA-Abschnitten, die bei so verschiedenen Organismen wie Mensch und Ackerschmalwand in ähnlicher Form vorhanden sind – auch wenn sie in beiden Arten verschiedene Wirkung haben. So beeinflussen Gene, die beim Menschen mit der Entstehung von Brustkrebs zu tun haben, das Geschlecht der Nachkommen von Würmern; Erbgutabschnitte, die bei Pflanzen die Wahrnehmung der Schwerkraft steuern, stehen beim Menschen in Zusammenhang mit einer Erbkrankheit, und was bei Mäusen die Bildung von Blutgefäßen lenkt, kann auch über das Wachstum von Hefezellen bestimmen.
(Der Spiegel 14-2010 S.107)

·         Uni Tübingen; erstmals künstlich eine Nacktschnecke gezüchtet; Zugabe von Platin bewirkte bei Embryonen einer Süßwasserschnecke, dass diese keine äußere Schale entwickelten, sondern eine kleinere, innere; Beeinflussung war nur innerhalb einer kurzen Zeitspanne von bis zu 2 Tagen möglich; es gibt in der Natur Schnecken sowie Tintenfische mit inneren Schalen;
eine geringfügige Modifikation eines Signals kann zu einer sprunghaften Veränderung des Organismus führen
(taz 15.10.2010 S.18)

·         schmerzhafte medizinische Eingriffe bei frühgeborenen Babys hinterlassen langfristig Spuren; sie zeigten noch im Alter von 11 bis 16 Jahren eine stärkere Gehirnreaktion auf schmerzhafte Reize als reif geborene Kinder
(taz 15.10.2010 S.18)

·         Forscher aus Italien und USA haben das Genom des Kultur-Apfels entschlüsselt (wie der Apfel vor etwa 4000 Jahren erstmals im Nahen Osten auftauchte); etwa 742 Millionen Basenpaare lang
(taz 30.8.2010 S.2)

·         erstmals komplettes Genom der Braunalge entschlüsselt; 16.000 Gene;
im Laufe der Erdgeschichte hat sich aus Einzellern 5 x unabhängig voneinander komplexes vielzelliges Leben entwickelt. Aus diesen 5 Linien sind die Tiere, die Pflanzen, die Pilze, die Rotalgen und die Braunalgen unabhängig voneinander entstanden;
die Wissenschaftler konnten jetzt die Theorie widerlegen, dass Braunalgen aus einer Verschmelzung von photosynthetisch inaktiven, farblosen Zellen mit einer einzelligen Rotalge entstanden. Stattdessen gehen Braunalgen aus einer Fusion einer Grünalge mit einer Rotalge hervor.
(taz 4.7.2010 S.18)

·         Team um Genforscher Craig Venter hat ein lebensfähiges Bakterium entstehen lassen, dessen Erbgut künstlich hergestellt wurde;
die Gensequenz eines Bakteriums (Mycoplasma) im Labor analysiert, im Labor synthetisiert und dann in ein anderes Bakterium eingepflanzt; dieser Organismus hat das Erbgut übernommen, sein eigenes abgestoßen, und mit den neuen Erbinformationen neue Stoffe produziert;
der katholische Erzbischof Bruno Forte von der Päpstlichen Theologenkommission sprach von „Aufmerksamkeit und Sympathie der Kirche“ für diese gentechnischen Experimente. Glaube und wissenschaftliche Vernunft stünden nicht im Gegensatz zueinander. Die Entdeckung solle für einen besseren Umweltschutz und wirksamere medizinische Therapien eingesetzt werden
(Freie Presse Chemnitz, Pfingsten 2010, S.1; taz 22.5.2010 S.10)

·         US-Wissenschaftler fanden in 80 Millionen Jahre altem Fossil eines Dinosauriers noch intakte Proteine, Sequenz der Nukleinsäuren ermöglichte Zuordnung zu Stammbäumen; bisher ging man davon aus, dass Proteine nach spätestens 1 Million Jahren durch Mineralien ersetzt sind
(bild der wissenschaft 8-2010 S.15)

·         ANTIBIOTIKA-RESISTENZEN - Veränderte Darmbewohner
Antibiotika beeinflussen die Darmflora wesentlich dauerhafter als bisher vermutet wurde. Schon nach kurzer Einnahme solcher Medikamente tragen nützliche Darmbewohner bis zu zwei Jahre lang Resistenzgene. Während dieser Zeitspanne könnten sie diese Abwehrmechanismen auch an bakterielle Krankheitserreger weitergeben, warnen Forscher des schwedischen Instituts zur Kontrolle von Infektionskrankheiten. Bislang ging man davon aus, dass der Einfluss von Antibiotika auf die normalen Darmbewohner nur von kurzer Dauer sei. "Die langfristige Präsenz von Resistenzgenen in Darmbewohnern steigert jedoch das Risiko drastisch, dass sie an gefährliche Mikroben weitergereicht werden, die den Darm durchlaufen und sich zu neuen Stämmen resistenter Bakterien entwickeln können", schreiben die Forscher in der Zeitschrift Microbiology. Die Wissenschaftler verweisen auch darauf, dass bakterielle Krankheitserreger immer häufiger gegen die bisher verfügbaren Mittel immun sind.
(taz 12.11.2010 S.18)

·         Amerikanische Wissenschaftler haben eine Entdeckung gemacht, die bisherige biologische Erkenntnisse auf den Kopf stellt: Bakterien, die sich von giftigem Arsen ernähren. Es handelt sich um Leben - aber um eine bisher völlig unbekannte Art. Die Forscher aus den USA sind verwirrt, aber auch hoffnungsfroh: Mit den neuen Erkenntnissen lässt sich außerirdisches Leben womöglich besser aufspüren.
Die Wissenschaftler, die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA unterstützt wurden, haben zwar keine Aliens entdeckt, aber durchaus eine wissenschaftliche Sensation: Bisher gilt unter Biologen die eiserne Regel, dass das Leben auf der Erde aus sechs chemischen Elementen besteht: Phosphor, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff. Das für Menschen hochgiftige Arsen zählte nicht zu diesen Stoffen.
Jetzt fanden die Forscher, die ihre Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin "Science" darlegen, im kalifornischen Salzsees Mono Lake Bakterien, die anstelle von Phosphor das giftige Schwermetall "verdauen". Die Bakterien bauen Arsen in Fette, Proteine und sogar in ihr Erbgut ein, berichten die NASA-Wissenschaftler. Damit wurde erstmals belegt, dass einer der zentralen Bausteine allen irdischen Lebens durch ein anderes Element ersetzt werden kann
(http://nachrichten.t-online.de/nasa-findet-komplett-neue-lebensform-auf-der-erde/id_43623880/index)

·         vor 2 Jahren Fingerknochen eines Urmenschen in der Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge entdeckt; am Leipziger Max-Planck-Institut Genom entschlüsselt; es handelt sich um eine bisher unbekannte Menschenform; demnach trennte sich vor 200.000 bis 300.000 Jahren die Denisova-Linie von der des Neandertalers, besiedelte von Arabien aus den Festlandsteil Asiens
(Freie Presse Chemnitz 24.12.2010 S.3)

·         Das größte im Meer lebende Virus besitzt ein Genom von etwa 730.000 Basenpaaren, das übertrifft das Erbgut mancher Einzeller;
das größte bisher bekannte Virus (Mimivirus) hat 1,2 Millionen Basenpaare
(bild der wissenschaft 1-2011 S.10)

·         Wie würde ein Außerirdischer die Spezies Mensch beschreiben? Etwa so …
“Die irdische Lebensform besteht aus 988 verschiedenen Spinnentieren, 100.000.000.000.000 (einhundert Billionen) Bakterien, 1 Mensch, etwa 70 Amöben und manchmal bis zu 500 Madenwürmern.“;
Nachdem die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts nicht, wie erhofft, die Erklärung für viele Krankheiten brachte, setzen die Forscher jetzt ihre Hoffnung in die Erforschung des Ökosystems Mensch.;
(bild der wissenschaft 6-2011 S.19)

·         DIE AUFERSTEHUNG DES MONSIEUR LAMARCK
Organismen können erworbene Eigenschaften vererben. Das erinnert an eine längst beerdigte Evolutionstheorie: den Lamarckismus;
Die Epigenetik beschäftigt sich per Definition mit molekularbiologischen Informa- tionen, die Zellen speichern und an ihre Tochterzellen weitergeben, ohne dass sie im Erbgut enthalten sind. Epigenetische Strukturen können Gene dauerhaft ein- oder ausschalten. Das von ihnen festgelegte Gen-Aktivierungsmuster entscheidet über die Identität einer Zelle. Es bestimmt zum Beispiel, ob sie eine Nerven-, Haut- oder Blutzelle ist. Über eine Veränderung dieser Epigenome reagieren Zellen auch auf Umwelteinflüsse. Durch eine bleibende Umprogrammierung bestimmter Gehirnzellen kann ein frühkindliches Trauma einen Menschen zum Beispiel später im Leben anfällig für Depressionen machen. Oder eine Überernährung im Mutterleib kann Stoffwechselzellen so verändern, dass Menschen im Alter eher zu Typ-2-Diabetes neigen.;
Eva Jablonka, Genetikerin und Philosophin in Tel Aviv, sammelt seit Langem solche Belege für die Existenz der epigenetischen Vererbung. Nun hat sie eine Übersicht publiziert: Bei 13 Einzellern, 6 Pilzarten, 15 Pflanzen- und 10 Tierarten haben Forscher inzwischen mehr als 100 vererbbare Merkmale gefunden, die nicht genetischen, sondern epigenetischen Ursprungs sind. Das Leinkraut kommt zum Beispiel mit zwei verschiedenen Blütenformen vor, manche Petunien haben weiße Blüten, und die Ackerschmalwand gibt es auch im Zwergenformat – alles nur aufgrund epigenetischer Unterschiede.;
Karin Buiting aus der Arbeitsgruppe des Essener Genetikers Bernhard Horsthemke entdeckte 2003, dass manche Patienten mit Prader-Willi-Syndrom – einer schweren Entwicklungsstörung – eine natürliche epigenetische Veränderung der Großmutter väterlicherseits übernommen haben, die normalerweise von den Keimzellen des Vaters überschrieben wird. „Dies ist einer der ersten klaren Belege dafür, dass epigenetische Informationen auch beim Menschen vererbt werden können“, sagt Horsthemke.;
Gar nicht nachvollziehen kann Walter zudem, dass manche Forscher und viele Medien bereits die Lamarckschen Ideen reanimieren: „Mit Lamarckismus hat Epigenetik gar nichts zu tun. Die Genetik liefert die Grundbaupläne. Und die Epigenetik sorgt für eine gewisse Modulation, die unter Umständen mehrere Generationen anhalten kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
(bild der wissenschaft 3-2011 S.36ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32548185 )

·         Das Genom der Kartoffel ist entschlüsselt; Reihenfolge von 86% der 844.000 Basenpaare umfassenden DNS; mehr als 39.000 proteincodierende Gene;
die meisten Kartoffelsorten besitzen einen vierfachen Chromosomensatz
(Freie Presse Chemnitz 11.7.2011 S.1)

·         Lasst sie Menschen sein!
die Linien der Vorfahren heutiger Schimpansen und Menschen kreuzten sich noch über Millionen Jahre hinweg ziemlich regelmäßig. Vielleicht waren die Gruppen auch nie komplett getrennt. Einiges spricht dafür, dass sie sich bis heute miteinander fortpflanzen könnten;
der genetische Unterschied ist also je nach Zählweise größer oder kleiner. Die publizierten Werte schwanken entsprechend um den Faktor 10, nämlich zwischen 6,4 und 0,6 Prozent. Am häufigsten wird ein Wert um 1,5% genannt, in dem sich Schimpansen und Menschen unterscheiden – während übrigens durchschnittlich 2 bis 4 % zwischen einem Menschenmann und einer Menschenfrau liegen!;
Was hat das alles mit der Frage zu tun, ob Schimpansen und Bonobos in HOMO umbenannt werden sollten? Ganz einfach: Auch der letzte gemeinsame Vorfahr von Zebras und Pferden lebte vor 4 bis 6 Millionen Jahren, das Erbgut dieser Huftiere differiert um etwa 1,5% - und sie gehören zu derselben Gattung: „Equus“. Ähnlich verhält es sich mit Tigern und Löwen, die zur Gattung „Panthera“ zählen.;
kaum war ein Merkmal definiert, das die „Sonderstellung“ des Menschen begründen sollte, so fand sich bereits ein Affe, der sich nicht darum scherte – ob es sich um Werkzeugherstellung handelte, Zukunftsplanung, Zahlenverständnis, das Sich-Erkennen im Spiegel, Selbstmedikation, sprachliches Kommunizieren, politisches Agieren oder Empathie.
Somit liegt der Fall ganz klar: Schimpansen sollten in HOMO TROGLODYTES umbenannt werden und Bonobos in HOMO PANISCUS. Diese Klassifikation ist wissenschaftlich die einzig haltbare.
(bild der wissenschaft 10-2011 S.20ff.)

·         Nach der Entschlüsselung der menschlichen Erbsubstanz wollen Forscher jetzt die Gene aller Mikroorganismen in und auf dem Menschen entziffern. Im größten Lebensraum, dem Darm, sind die Bakterien nützlicher als gedacht;
Wie würde ein Außerirdischer die Spezies Mensch beschreiben? Etwa so, vermutet Wissenschaftsautor Jörg Blech: „Die irdische Lebensform besteht aus 988 verschiedenen Spinnentieren, 100 000 000 000 000 (in Worten: hundert Billionen) Bakterien, 1 Mensch, etwa 70 Amöben und manchmal bis zu 500 Madenwürmern.“ Der Mensch ist ein Mischwesen, ein „Superorganismus“, meint der US-amerikanische Genetiker und Nobelpreisträger Joshua Lederberg. Auf jede menschliche Zelle kommen zehn Bakterienzellen;
Nachdem die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts nicht, wie erhofft, die Erklärung für viele Krankheiten brachte, setzen die Forscher jetzt ihre Hoffnung in die Erforschung des Ökosystems Mensch;
(bild der wissenschaft 6-2011 S.19)

·         Forschungsfelder wie Soziobiologie und evolutionäre Psychologie haben ein eher deterministisches Verständnis von der Rolle der Gene. Welchen Einfluss könnten epigenetische Erklärungsansätze auf diese Forschungsfelder nehmen? Stellt die Epigenetik die alten Forschungsansätze in Frage oder führen sie in eine Phase der „Modernisierung“ deterministischer Forschungsprogramme?;
Ja, die Modelle der Soziobiologie und der evolutionären Psychologie werden sich als nicht mehr haltbar erweisen. Die Epigenetik spielt eine wichtige Rolle für die Evolution, doch der Reihe nach: Das „alte Denken“ war, dass der evolutionäre Prozess mitsamt der Entwicklung neuer Arten darauf beruhte, dass rein zufällig entstandene Mutationen von der natürlichen Selektion ausgewählt werden. Was neuerdings deutlich wird, ist die Tatsache, dass biologische Systeme ein eigenes Veränderungspotential haben, welches deutlich über das hinausgeht, was unter dem Stichwort „Zufall“ abgetan werden kann. Immer deutlicher zeigt sich, wie Recht die Nobelpreisträgerin Barbara McClintock hatte, die erkannte, dass biologische Systeme auf schwere ökologische Stressoren mit einer Selbstveränderung ihres Genoms reagieren können. Diese Veränderungen geschehen, wie wir heute wissen, nicht wahllos, sondern beinhalten Genduplikationen, die vor allem solche Gene betreffen, die stark in Gebrauch sind. Doch was hat das alles mit Epigenetik zu tun? Nun, die molekularen Werkzeuge, mit denen Organismen ihren genetischen Apparat umbauen, werden, solange keine schweren Stressoren vorliegen, durch epigenetische Mechanismen gehemmt. Schwere Stressoren haben zur Folge, dass diese Blockierung gelöst wird und transposable elements, welche den Umbau des Genoms in Angriff nehmen können, sozusagen wie Hunde von der Leine gelassen werden.
(http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/interview-joachim-bauer/epigenetik-ende-gen-determinismus )

·         Ein Forschungsteam der ETH Zürich und des Institute for Systems Biology Seattle hat erstmals das Proteom eines Menschen kartiert. Die Forschungsgruppe unter der Leitung von Professor Aebersold hat mittels Massenspektroskopie 20.300 Proteine identifiziert. Die Daten sind im Internet über die Datenbank des von der Forschungsgruppe aufgebauten „Peptidatlas“ frei zugänglich. Sie sollen als „Gold-Standard“, das heißt als Referenzda¬tensatz für die Erforschung weiterer Proteome, dienen. Finanziert wird der Proteom-Atlas durch das US National Health Institute und Forschungsgelder der EU. Die jetzt als Referenzdaten festgelegten Proteomdaten sollen es ForscherInnen in Zukunft ermöglichen, Anzahl und Art der Proteine in einer Zellprobe mit Massenspektroskopie zu bestimmen. Das Referenzproteom ist eine methodische Vor¬aussetzung, um die einzelnen Proteine in einer beliebigen Zelle schnell und eindeutig zu identifizieren. Wie schon beim Genom wird damit aber auch ein Standard festgelegt, von dem aus Abweichungen bestimmt werden.
(ethlife.ethz.ch, 21.09.10; peptideatlas.org, 23.11.10) (vlx) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/203/kurz-notiert-mensch-und-medizin )

 

 

B) Gentechnik

·         Q: Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- neue Dimension der Gentechnik:
A) es können einzelne genetisch bedingte Eigenschaften übertragen werden (bei herkömmlicher Züchtung stets gesamtes elterliches Genom, gezielte Neukonstruktion)
B) die Übertragung kann auch über Artgrenzen hinweg erfolgen (Ressource ist genetische Information aller Organismen, natürliche Artgrenzen / Befruchtungsbarrieren haben Bedeutung verloren)
[C) Beschleunigung: Zeitaufwand für Zuchtverfahren wird erheblich vermindert; bessere Kontrollierbarkeit, z.B. Auswahl gewünschter Eigenschaften schon in frühen Entwicklungsstadien; Zielausrichtung evolutionärer Prozesse]
- Erbinformation:
escherichia coli: 4,2 Mill. Basenpaare
Mensch          : 3,3 Mrd.  Basenpaare
Weizen          : 17  Mrd.  Basenpaare
- Proteine als Bausteine und Werkzeuge der Zelle: Strukturproteine (Haare, Nägel), Enzyme als Biokatalysatoren, Antikörper, Transportproteine (Hämoglobin), Hormone
- bei Bakterien Übertragung von Genen von einer Art auf die andere in der Natur:
a) Konjugation (Zusammenlagern zweier Bakterienzellen, Plasmid wandert über Brücke; z.B. Träger einer Resistenz)
b) Transduktion (Phagen = Viren übertragen ihre DNA in die der Bakterienzelle; in best. Fällen wird Phagen-DNA wieder selbständig, "aus Versehen" angrenzende Bereiche der Bakterien-DNA mit "eingepackt", bei nächster Infektion Übertragung)
c) Transformation (bestimmte Bakterienarten können freie DNA durch ihre Zellwand aufnehmen)
- Plasmide als Vektoren:
* verändert, sodaß sie sich nicht mehr selbständig auf andere Zellen ausbreiten können, und daß sie sich stark in ihrer Zelle vermehren; Marker eingebaut, an denen sie erkannt werden können (Z.B. Antibiotikaresistenz)
- Restriktionsenzyme als molekulare Scheren (zerschneiden eigentlich Fremd-DNA zur "Verdauung"), mit deren Hilfe DNA in definierte kleinere Bruchstücke zerlegt wird
- gentechnische Ziele in der Pflanzenzüchtung: Ertragssteigerung, Qualitätsverbesserung, Anpassung an Standort- und Haltungsbedingungen, verminderte Anfälligkeit gegen Krankheiten
* Pflanzengesundheit verbessern: Widerstandskraft - Resistenzen gegen Schädlinge, gegen Stressfaktoren wie Hitze, Trockenheit, salzige und saure Böden
[* Ertragssteigerung
 * Ernährungs- und Verarbeitungsqualität
 * Anbau-Eigenschaften]
- Krebsmaus: genetisch so verändert, daß sie mit großer Wahrscheinlichkeit Krebs entwickelt; patentiert
- rBST (Hormon : rekombinantes bovines Somatropin)
zur Steigerung der Milchproduktion bei Kühen, wirkt streng artspezifisch;
[FORUM 46 S.21: Leistungssteigerung 10-30 %, Auswirkungen auf Milchmarkt, Agrarstruktur, Tiergesundheit, Milchqualität, Verbraucherakzeptanz ?, S 31: etwa 15% der Milchkühe in den USA erhalten Injektionen mit diesem Hormon, 50% des USA-Käses sollen aus rBST-Milch hergestellt sein, Gelenkerkrankungen, Euterentzündungen, Zusammensetzung der Milch geändert?]
angesichts der Überschußproduktion in Europa notwendig?
- Flavr Savr - Tomate [FORUM 46 S.32]
* "Aroma-Retter"
* in der reifen Frucht werden „ätherische Öle, Geruchs- und Geschmacksstoffe gebildet, das Gewebe wird weicher, da das Enzym Galacturonidase das Pektin der Zellwände abzubauen beginnt, das Gen zur Produktion dieses Enzyms wurde blockiert, Kanamycin-(Antibiotikum)-Resistenz-Gen zusätzlich drin zur Kontrolle
- Produktion menschlicher Proteine durch transgene Tiere angestrebt: transferiertes Gen wird mit Kontrollregion versehen, damit das Protein aussschließlich in der Milchdrüse produziert und in die Milch abgegeben wird
- Lebensmittelproduktion:
a) gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe:
Enzyme pflanzlichen und tierischen Ursprungs werden von Mikroorganismen erzeugt; M. werden getötet, aufwendige Reinigung: keien Rückstände im Produkt, das naturidentisch ist (z.B. Labferment Chymosin ursprünglich aus Kälbermagen gewonnen als Milchgerinnungsmittel in der Käseherstellung)
b) Fermentationsorganismen
verbleiben im Produkt, werden mit verzehrt
- Gentechnik-Gesetz hat
Schutzzweck (Menschen, Tiere, Pflanzen, Sachgüter, Umwelt)
Förderzweck
Das Gentechnikgesetz gilt für gentechnische Anlagen, gentechnische Arbeiten, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen und das Inverkehrbringen von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder aus solchen bestehen
- Haftungregelungen GenTG:
Betreiber ist verpflichtet, Schaden zu ersetzen, auf 160 Mill. DM beschränkt
- Sicherheitsstufen:
S1 : kein Risiko
S2 : geringes Risiko
S3 : mäßiges Risiko
S4 : hohes Risiko oder begründeter Verdacht

·         Q: Vortrag Borgwardt / SMU Chemnitz 26.3.96
- Dr. Herbert Borgwardt, Windmühlenstr.43, 01257 Dresden, Tel.d. 0351/5642152 p.0351/2840050
- Gentechnik-Gesetz 1.7.90
- Novellierung ("auf Druck der Industrie") 16.12.93;
Vereinfachungen:
* Fristverkürzungen (S1 1 Monat, max. 3 Monate)
* Anmeldung statt Genehmigung bei gewerblichen S1-Verfahren
* Wegfall des Erörterungstermins bei Freisetzungen [Einwendungen der Öffentlichkeit sind trotzdem möglich]
- Freisetzungsversuche Sachsen:
* Gaußig bei Bautzen ("großer Sturm"); Bockelwitz zwischen Mügeln und Leisnig an der Autobahn (dort kein Interesse der Bevölkerung)
* agrevo schickt Antragsunterlagen an Robert-Koch-Inst., SMU, Landesamt f.U+G
* SMU hat Acker besichtigt (Landschaftsschutzgebiet), Eigentumsverhältnisse überprüft (Umkreis 2 km "betroffen"?), Bodengutachten, Pflanzenpopulationen erfaßt
* vereinfachtes Genehmigungsverfahren, d.h. anderswo in Europa gleiche Versuche schon gelaufen
* Raps, Zuckerrüben, Mais;
agrevo Resistenz BASTA; MONSANTO (?) eigenes Totalherbizid
- "mit ein bis zwei Ernten ist alles wieder rein, was in die Forschung gesteckt wurde"
- auf Frage, ob vor Ort geprüft wird, ob auch so gearbeitet wird, wie's im Antrag steht:
* ... das können wir in Sachsen nicht
* wir sehen uns die Unterlagen genau an
* Vertrauen: a) Genehmigung für andere Versuche würde der Betreiber sicher auch erhalten, warum also illegal?; b) veränderter Versuch mit Gefängnis bedroht, also hohes Risiko...

·         Q: TV "Herren der Schöpfung" 25.3.93
- GVO = gentechnisch veränderte Organismen
- "grüne Genforschung": Pflanzen
- "rote Genforschung": Tiere
- transgene Tiere, Pflanzen: fremde Erbanlagen eingebaut
- transgene Tiere: menschl. Erbanlage in befruchtete tierische Eizelle
- Schafe sollen Blutgerinnungsfaktor VIII produzieren, Mäuse können das schon
- eine manipulierte Kuh könnte den deutschen Bedarf an Faktor VIII decken
- Riesenschweine USA: menschl. Wachstumsgen eingesetzt

·         Q: Der Mensch: Geschöpf oder Schöpfer?, VELKD-Texte 41/1991
- Chimären: Mischwesen, aus Zellen verschiedener Herkunft werden Protoplasten hergestellt und dann miteinander fusioniert (Tomoffel, Schiege, Schaf-Rind bereits gelungen)
- Bakterium "Agrobakterium tumefaciens" wird verwendet, um fremde Gene in Pflanzen einzuführen: befällt verletzte Wurzelzellen und schleust Teile seiner DNA (Ti-DNA = tumor-induzierende DNA) in die Pflanzenzelle ein, bewirkt a) Produktion bestimmter für die Bakterie wichtige Substanzen (Aminosäuren, die sie selbst nicht herstellen kann) und b) starke tumorartige Vermehrung der befallenen Zellen (Wurzelhalsgalle), zur Einschleusung flankierende DNA-Abschnitte nötig, jedes beliebige Gen läßt sich schleusen, wenn es von diesen flankierenden Sequenzen eingerahmt ist (TI-Plasmid als Vektor), bisher nur bei zweikeimblättrigen Pflanzen erfolgreich
- Erfolgsrate der Einschleusung von Fremdgenen per Mikroinjektion in befruchtete Eizellen (Beispiel eines Versuchs 1987 mit Rindern): 1161 Injektionen, 126 Kälber, 7 neue DNA eingebaut, 1 Tier Information genutzt

·         Q: taz 19.7.95
- in Deutschland werden Lebensmittel mit gentechnisch manipulierten Enzymen hergestellt (keine Kennzeichnungspflicht); Käse, der mit einem gentechn. gewonnenen Enzym hergestellt wurde, könne hier gekauft werden

·         Q: Öko-Mitteilungen Freiburg 3/94 S. 4ff.
- rBST der Firma MONSANTO (USA) darf seit Februar in USA injiziert werden, 15% der Milchkühe bekommen die Hormonspritze
- transgene Organismen (Bakterien, Hefen oder Pilze) erzeugen Enzym Chymosin zur industriellen Käsebereitung: Marktanteil USA 50%, Großbritannien, Italien 20 %
- Novo Nordisk (Dänemark) liefert auch nach Deutschland ein Enzym (Novamyl), das Backmischungen beigemengt wird, um das Altbacken-werden zu verzögern

·         - Kontrolle kompliziert; 100%ige Reinigung nicht möglich - Bruchstücke der Organismen und ihrer DNA in den Produkten;
kritische Wissenschaftler befürchten z.B. Zunahme von Allergien, Veränderung von Inhaltsstoffen, Nährwerten und Verdaulichkeit, Ausbreitung von resistenten Krankheitserregerbild der wissenschaft 6/98 S.12: Akzeptanzstudie Gentechnik
* 74 % setzen große Hoffnungen auf medizinische und pharmazeutische Anwendungen
* 76 % lehnen Veränderung von Lebensmitteln oder Nutzpflanzen ab
* Akzeptanz lässt sich nicht durch Wissen erzeugen
* Menschen mit höherer Bildung eher kritisch eingestellt
* nicht Wissen gaben die Befragten als Meßlatte an, sondern vor allem moralische und ethische Maßstäbe

·         Dtsch. Ärzteblatt 12/98 S.A-645
Biotechnologie Marktvolumen Europa Mrd DM 1995: 79; 2005 297, davon
Agrar 119 Mrd DM, Ernährung 69, Gesundheit und Pharma 63, Chemikalien 24, Materialien 14, Umwelt 8

·         GID 124 2/98 S.4
- Gentech-Chymosin für Käseherstellung wird jetzt auch in Deutschland produziert; Einsatz bereite
  seit März 1997 zugelassen
- jede dritte Kuh in USA mit rBST behandelt, Milchleistung 10-15% steigern

·         Journal für Deutschland 2/3 - 96 S.11
EMNID-Umfrage Jugendliche;
Zukunftstechnologien PRO: 92% Solarenergie, 29% Kernenergie, 14% gentechn. Veränderte Lebensmittel, Gentechnik gesamt 2/3 als Risiko begriffen - 37% als Chance

·         lumineszierender Tabak: Gen einer Meeresqualle übertragen; alle Tabakzellen bilden nun das Eiweiß Aequuorin, das einen bläulichen Lichtblitz aussendet, wenn es mit Ca-Ionen in Kontakt kommt
(GEO 11/99 S.113)

·         Geburtsjahr der Gentechnik 1973: erstmals gelungen, ein Gen aus einem Organismus herauszuschneiden und in einen anderen einzufügen;

·         eine bestimmte Art Chromosom im Bakterium, ein Plasmid, wird aufgeschnitten, das Gen eines anderen Organismus wird an den Schnittstellen eingeklebt; die neu-kombinierte DNA kann in eine Wirtszelle, etwa in Bakterien, Hefen, Insekten- oder Säugerzellen eingeführt werden, diese produzieren nun das Fremdprotein, dessen Bauanleitung in dem eingefügten Gen niedergeschrieben ist, in großen Mengen

·         praktische Hilfmittel wie „Text-Schneider“ und „Text-Kleber“, Restriktionsenzyme und DNA-Ligasen;
Textschneider erkennen spezifische Buchstabenfolge und trennen Moleküle dort auf, etwa 400 Scheren bekannt;
Ligasen können ein Textfragment mit einem anderen verbinden, Ursprung völlig gleichgültig, Textschnipsel aus der Bibel mit einem Satz aus der Steuererklärung...
(VFA Gentechnik)

·         Abfolge von über drei Mrd. Chemischer Buchstaben, die sich in den 23 menschlichen Chromosomen aneinander reihen

·         jedes Gen enthält den Befehl, irgendein Eiweiß zu bauen, das im Körper irgendeine Funktion hat;
in einigen Zellen sind 40000 Gene gleichzeitig aktiv, und jedes kann auf jedes andere einwirken;

·         Maus namens Lucy ist seit Oktober 1999 das erste Säugetier mit einem künstlichen Chromosom
(durch Einbau neuer Gene in eigene zusätzliche Chromosomen, die auch vererbt werden, wäre die Gefahr des Einbaus an falschen oder schädlichen Stellen zu vermeiden
(Spiegel 15/2000 S.172ff)

·         Kaninchen und Mäuse mit Leuchtgen einer Qualle; leuchten im „Schwarzlicht“ grün;
als Kunstobjekt vorgesehen
(Spiegel 26/2000 S.114)

·         Emnid-Umfrage Deutschland September 2000:
34% positiv zu Gentechnik in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion
64% positiv zu G. in Medizin und Pharmazie;
für den Verbraucher müsse die Frage nach dem konkreten Nutzen eindeutig beantwortet werden; Grund für die eher geringe Akzeptanz sei vor allem „ mangelnde Information über Auswirkungen“ und „fehlendes Vertrauen in die handelnden Akteure“
GID 142 10-11/2000 S.40; epd-Wochenspiegel Ost 38/2000 S.11

·         Gensprung vom gentechnisch veränderten Mais zum Hähnchen; Bt-Mais gefüttert, nach der Schlachtung in Organen und Muskelfleisch typische Sequenzen der Mais-DNA gefunden
(GID 143 S.26)

·         40-50% der Lebensmittelenzyme von GVO produziert; fast 100% bei der enzymatischen Stärkeverzuckerung(Das Parlament 11/2001 S.8)

·         Gatersleben bei Magdeburg: Spinnengen in Tabakpflanzen eingeschleust;
Ziel: extrem reißfestes Synthetikgarn;
kanadische Forscher hatte das verantwortliche Gen schon früher isoliert und in die Milchdrüsen von Ziegen eingebaut; Chemiekonzern DuPont experimentiert mit Bakterien und Hefe, in deren Zellen das Spinnensekret heranreifen soll
(Spiegel 14/01 S.188)

·         Nanopartikel als Gentaxi, Genfähre; kleinste Silikapartikel, auf die sich DNA aufrollen lässt wie Spaghetti; schmuggelten bei Ratten DNA erfolgreich ins Zellinnere
(Die Zeit 21.2.02 S.33)

·         Mais, der ein Speichereiweiß produziert, das besonders viel von der lebensnotwendigen Aminosäure Methionin enthält; Forscher suchten die Stelle im Erbgut, die den Bauplan für dieses Eiweiß enthält, und veränderte die Signalsequenzen in den Erbgutregionen daneben; der Mais produziert dasselbe Eiweiß wie vorher – aber wir haben sozusagen die Regler etwas aufgedreht, sodass er mehr davon herstellt
(Der Spiegel 26/02 S.167)

·         Sicherheitsmaengel bei Chloroplastentransformationen: Gene springen in den Zellkern
Die Wissenschaftler Chung, Ayliffe und Timmis haben untersucht, wie stabil Fremd-Gene im Chlorplasten verbleiben. Chloroplasten sind die Zellorganellen, in denen die Photosynthese statt findet. Die Chloroplasten besitzen ein eigenes Erbgut, das allerdings nur wenige Gene umfasst, die bei der Photosynthese eine Rolle spielen. Das Chloroplasten-Erbgut wird in den meisten Pflanzen nicht wie das Erbgut der Zelle ueber den Pollen weitervererbt. Der Grund dafuer ist, dass in der Regel nur wenige Chloroplasten im Pollen vorhanden sind, die beim Verschmelzen mit der Eizelle abgetoetet werden. Aus diesem Grund werden solche GVO als besonders sicher bewertet, da die gentechnische Veraenderung von Chloroplasten die Auskreuzung auf andere Kulturen oder auf nahe verwandte Wildarten verhindert. Chung et al. (2003) untersuchten GV-Tabakpflanzen, in deren Chloroplasten ein Gen eingebracht worden war, das fuer Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamyzin codiert. Dieses Neomycin-Phosphotransferasegen ist kernspezifisch, d.h. Nachfahren aus Pollen der GV-Tabakpflanzen konnten nur dann auf Antibiotikum-haltigen Naehrmedium ueberleben, wenn das Gen in den Zellkern transferiert worden war. Die Wissenschaftler untersuchten 250.000 Nachfahren, die aus einer Befruchtung mit dem Pollen der GV-Tabakpflanze auf Wildtabakpflanzen entstanden waren. Bei 16 Saemlingen fanden sie Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamycin, d.h. in einem von 16.000 Faellen wandert das in den Chloroplasten eingebrachte Gen in den Zellkern. Chloroplasten-Transformationen sind bisher routinemaeßig an Tabakpflanzen und Tomatenpflanzen gelungen. Chung et al. weisen anhand ihrer Ergebnisse daraufhin, dass weiterer Forschungsbedarf dazu besteht, wie stabil sich Gene in Chloroplasten ueber Generationen hinweg verhalten.
(Gentechnik Nachrichten)

·         GMO übersetzt? genetically manipulated organism (so in offiziellen Regierungsdokumenten in Australien), genetically modified o. (auch in Deutschland wurde aus GMO à GVO (gentechnisch veränderter O.; in einigen englischsprachigen Ländern auch sprachliche Abrüstung zu GEO = genetically engineered o.
(Die Zeit 30.10.03)

·         es gibt Versuche, Schweine genetisch so umzuprogrammieren, dass sie menschliches Hämoglobin erzeugen
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.139)

·         der genetische Code ist ein Triplettcode (drei Nukleotide auf der DNA kodieren für eine Aminosäure) und ist mit wenigen Ausnahmen in allen Organismen gleich; die meisten Aminosäuren werden mit 2 bis 6 verschiedenen Codons verschlüsselt; verschiedene Arten „bevorzugen“ (Präferenz) bestimmte Tripletts (von mehreren Alternativen); wenn ein Fremdgen (eines anderen Organismus) eingebaut wird, wird evtl. ein Gen schlecht in ein Protein übersetzt (es stehen zu wenig t-RNA-Moleküle für den Transport zur Verfügung); es ist daher sinnvoll, die Sequenz des Fremdgens an die Gegebenheiten des Wirtsorganismus anzupassen, d.h. Codons geringer Präferenz durch Codons mit hoher Präferenz zu ersetzen
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.20)

·         Bakterien und Pilze sind im Vergleich zu Säuger- und Insektenzellen zwar robuster, als Produktionssysteme für Säugerproteine jedoch nur bedingt geeignet, weil eine korrekte Prozessierung und Faltung der rekombinanten Proteine oftmals nicht stattfindet;
Pflanzenzellen besser geeignet: korrekte Prozessierung und Faltung, kostengünstige Produktion; durch anderen Stoffwechsel können Substanzen, die z.B. für tierische Zellen toxisch wären, problemlos angereichert werden; auch gute Trennung von (grundsätzlich ähnlichen) Substanzen tierischer und pflanzlicher Herkunft möglich; ...
Tabak sehr geeignet, weil er sich gentisch leicht verändern lässt, preiswert zu kultivieren ist und mit 50-80 Tonnen je Hektar und Jahr die höchste Biomasseproduktion hat; ist zudem keine Nahrungs oder Futterpflanze;
damit die Produktion pharmazeutischer Proteine in Pflanzen wirtschaftlich ist, muss Anteil von 0,2% rekombinantem Protein am löslichen Gesamtprotein vorliegen; ...

in Pflanzen produzierte pharmazeutische Proteine (Beispiele):
Erythropoietin (Blutbildungshormon) Tabak (Suspensionskultur)
Hämoglobin (Blutersatzlösung) Tabak (Saatgut)
Interferon (Multiple Sklerose) Kartoffel, Tabak
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.33ff.; 37)

·         Nachweis von transgenen Pflanzen: qualitative PCR-Tests ermöglichen eine Ja/Nein-Aussage über das Vorhandensein von GVO; es wird auf DNA-Sequenzen getestet, die typischerweise in gentechnisch modifizierten Pflanzen eingebracht werden; zu nennen insbesondere der Promotor 35S aus dem Blumenkohlmosaikvirus und der Terminator NOS aus dem Bodenbakterium A. tumefaciens; diese Sequenzen dienen als Regulationselemente (Ein- bzw. Aus-Schalter);
Nachweisgrenze abhängig von der DNA-Menge, die extrahiert werden kann; bei Saatgut und Rohstoffen wie Mehl: 0,01% erreichbar; bei hoch verarbeiteten Proben wie Maisstärke Nachweisgrenze 0,1-0,3% und höher
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.56)

·         S.9: nahezu 100% der Waschmittelenzyme werden mit gentechnischen Methoden hergestellt
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 2005)

·         Bioalkohol als Treibstoff für Autos; Vergärung von pflanzlichem Material;
Institute in Frankfurt/M. und Lund/Schweden: die für die Vergärung verwendete Bäcker- oder Bierhefe wurde „veredelt“; konnte bisher die Zuckerarten Xylose und Arabinose, die bei der Spaltung der Hemizellulose entstehen, nicht vergären; jetzt in die Hefe zusätzlich 5 fremde Gene eingebaut (3 aus Bakterien, 2 aus einer anderen Hefe) und drei eigene Gene der Hefe zusätzlich „optimiert“; erreichter Wirkungsgrad von 30-40% bei der Produktion von Etanol nun auch aus Pentosen (bisher nur aus Hexosen) ist noch steigerungsfähig
(FAZ 12.10.05)

·         Termiten-Darm ist einer der effizientesten Bioreaktoren, die es auf der Erde gibt; extrem fein zerkleinertes Holz wird innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen verdaut; in 1 Miroliter Darmvolumen drängen sich etwa 10 Millionen Bakterien und Zehntausende von Einzellern; Gesamtheit des genetischen Materials aller Darmsymbionten soll isoliert werden, Suchen nach den wirksamen Gensequenzen, anschließend einschleusen in Kolibakterien, die die erhofften Wirkstoffe in Reinform produzieren; damit effizientere Biogas- oder Ethanolherstellung aus Biomasse
(SPIEGEL 37/05 S.188)

·         biotechnische Produktion von Vitamin B2 schnitt bei 5 von 6 Ökobilanz-Wirkungskategorien besser ab als das klassisch-chemische Herstellungsverfahren
(Umwelt BMU 9/2005 S.488)

·         Uni Bielefeld und Uni Queensland / Australien: Grünalge gentechnisch so verändert, dass sie die sechsfache Menge gegenüber der Naturform an Wasserstoff produziert; Bioreaktor soll 2010 fertig sein; Grünalgenkraftwerk von der Größe der Dachfläche eines Einfamilienhauses würde genügen, um den Haushalt mit Strom zu versorgen
(bdw 12/05 S.7)

·         dänische Biotechnologie-Firma hat die Pflanze Ackerschmalwand gentechnisch so verändert, dass sich ihre Blätter in der Nähe von Sprengstoffen (Stickstoffdioxid = TNT; Schwermetalle) drei bis sechs Wochen nach der Aussaat rot färben („Red Detect“); soll zur Suche von Landminen eingesetzt werden und nächstes Jahr auf den Markt kommen
(taz 24.3.06)

·         Uni Lund Schweden: Hefetyp gentechnisch verändert, kann jetzt neben Glukose auch die Pentosezucker Arabinose und Xylose effektiv vergären; Ziel: Bioalkoholherstellung aus pflanzlichen Reststoffen (Stroh, Holz)
(bild der wissenschaft 3/2006 S.13)

·         Uni Rostock will im Sommer erstmals in Deutschland (bisher nur in USA, Kanada und Frankreich solche Versuche) so genannte Pharmapflanzen im Freiland anbauen; zwei Kartoffelvarianten mit Gensequenzen von Krankheitserregern (Cholerabakterium und Erreger des hämorraghischen Kaninchenfibers = Chinaseuche); mit den Pflanzen sollen eines Tages Impfstoffe produziert werden;
15 Genpflanzen-Medikamente werden bereits in klinischen Studien getestet; voraussichtlich bald erste Zulassung in Frankreich (Genmais stellt Präparat für Mukoviszidose-Patienten bereit);
(taz 3.3.06; 17.5.06)

·         zwei Eiweiße als Vakzine zur Impfung gegen Pest eingesetzt; Eiweiße getrennt und als Fusionsprotein in gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gezüchtet; Meerschweinchen injiziert, bei späterem Kontakt mit dem Pesterreger überlebten drei Viertel der Tiere (normalerweise immer tödlich)
(bild der wissenschaft 4/06 S.25)

·         so werden heute mehr als 90% der in Lebensmitteln und Waschmitteln verwendeten Enzyme gentechnisch hergestellt
(Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: „Gentechnik – genial oder gefährlich?“, 2005, S.30)

·         USA: in Tabakpflanzen erfolgreich Vakzine für die Immunisierung gegen Anthrax und Borreliose hergestellt; notwenige Gene in das Chloroplasten-Genom der Tabakpflanzen eingeschleust, auf 0,4 ha könnten 360 Millionen Dosen des Anthrax-Vakzins produziert werden
(GID 174 Feb/März 2006 S.24)

·         Gendoping: genetische Information für das Hormon Erytropoietin (EPO) wird über Trägerviren direkt in die Zellkerne von Muskelzellen eingeschleust; Muskelzellen produzieren vermehrt EPO, was die Bildung roter Blutkörperchen anregt, dadurch vermehrter Sauerstoffumsatz möglich
(GID 174 Feb/März 2006 S.31)

·         „Synthetische Biologie“
Bakterien;
a) Beseitigung „überflüssiger“ DNA (nur lebensnotwendige Teile des Genoms bleiben erhalten)
b) Neuprogrammierung; schon heute stehen (z.B. am MIT in Boston 800)verschiedene Abschnitte der DNA zur Verfügung, die sich wie standardisierte Bauteile verwenden lassen (z.B. Befehl für Herstellung eines bestimmten Proteins zu einem bestimmten Zeitpunkt)
(Spiegel 33/2006 S.126)

·         Umweltbundesamt 2002:
“Eine
gentechnisch übertragene Gensequenz muss also als eine genetische Information verstanden werden, deren Kontext in unkontrollierter Weise verändert wurde“
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.30)

·         (363) Tabakpflanze exprimiert ein Gen aus dem Glühwürmchen, das zur Aussendung von Licht führt
(Neil A. Campbell / Jane B. Reece: Biologie, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg Berlin, 6. Auflage, 2003)

·         US-Forscher Craig Venter hat Patentantrag für ein vollständig synthetisch hergestelltes Lebewesen, ein Bakterium, eingereicht;
soll als ausbaufähige Plattform z.B. zur kostengünstigen Produktion von Wasserstoff oder Ethanol dienen;
Ausgangspunkt war ein parasitisch lebendes einfaches Bakterium, dem zahlreiche Gene fehlen, um selbständig leben zu können; Venter schaltete noch weitere 100 Gene ab; dann stellte er den aus rund 380 Genen bestehenden „Minimalorganismus“ aus DNA-Schnipseln komplett neu im Labor synthetisch her
(taz 15.6.07)

·         Hans-Josef Fell MdB:
Bereits seit vielen Jahren setzt man bei einigen biotechnologischen Verfahren Enzyme ein, die von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Bei der Produktion von Wasch- und Reinigungsmitteln, Vitaminen und Medikamenten geht ohne gentechnisch hergestellte Enzyme wenig. Aber auch in der Lebensmittel-, Textil-, Papier-, Druck- und Kosmetikindustrie werden sie bereits angewandt. Zumeist werden den Mikroorganismen dabei nicht „fremde“ Gene übertragen, sondern es wird ihnen ihr eigenes Gen mehrfach eingebaut /Multi-Copy-Organismen), damit sie das gewünschte Enzym in großer Menge bilden.;
War der Einsatz gentechnisch hergestellter Enzyme noch in den 1980er Jahren sehr umstritten, ist er inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Warum? Weil für die Arbeit in geschlossenen Systemen (contained use) der Labors und Industrieanlagen sehr hohe Sicherheitsstandards gelten. Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht in die Umwelt gelangen ... Diese weiße Biotechnologie können wir beherrschen und somit auch verantworten.
(profil:Grün; Bündnis90/Die Grünen im Bundestag; Magazin 12/2004, S.14)

·         US-Forscher Craig Venter hat erstmals ein künstliches Chromosom hergestellt (381 Gene; aus dem Genom eines Bakteriums die „unnötigen“ Gene – etwa 1/5 - entfernt);
soll neue Möglichkeiten bei der Entwicklung neuer Energiequellen und im Kampf gegen die globale Erwärmung erschließen;
in der letzten Stufe soll das Chromosom in eine lebende Zelle transportiert werden (mit einem echten Bakteriengenom ist das anderen Forschern schon gelungen)
(Augsburger Allgemeine 8.10.07 S.1; Spiegel 44/07 S.173)

·         Synthetische Biologie versucht, Lebewesen neu zu konstruieren;
“Entwerfen und Konstruieren neuer biologischer Bauteile, Bauteilgruppen und Systeme sowie das Überarbeiten (redesign) existierender natürlicher biologischer Systeme für nützliche Zwecke“;
bereits 1400 Bioteile mit klar zugewiesener Funktionalität sind bereits verfügbar, darunter Gene für einzelne Eiweiße oder bestimmte Bindungsstellen innerhalb der Zelle; ein Lego-Baukasten für Biologen;
Frage nach dem „minimalen Genom“ (elementare Grundausstattung, in die dann gezielt Zusatzfunktionen eingebaut werden sollen)
(taz 10.8.07)

·         BASF nutzt winzigen Pilz Ashbya gossypii; war Schädling bei Baumwollpflanzen;
jetzt produziert er aus Sojaöl Vitamin B2;
zuvor musste das Vitamin in 8 Schritten chemisch hergestellt werden (Hitze, Druck); Pilz arbeitet bei Normaltemperatur, Abfallmenge sank um 95 %;
um neue Gene zu kreieren, werden die Gene, aus denen Enzyme hervorgehen, einer Unzahl von wahllosen Mutationen unterworfen; tausende Varianten, Roboter suchen die besten aus, die weiter mutiert werden, bis das Ergebnis zufrieden stellt;
Enzyme in einem Bioreaktor erzeugen aus Stärke Wasserstoff (Energieträger der Zukunft?) – 13 Enzyme, die von Kaninchen, hitzeliebenden Mikroben, Spinat stammen
(Spiegel 31/2007 S.126)

·         Synthetische Biologie:
Craig Venter hatte 2003 bekannt gegeben, dass es seine Wissenschaftler erstmals geschafft hätten, in nur zwei Wochen aus künstlich
hergestellten Genstücken ein Virus zu bauen (5386 Basenpaare); konnte sich in das Genom von Bakterien einbauen, sich dort reproduzieren und die Wirte töten;
Ende Mai 2007 Patentantrag für ein künstlich hergestelltes Bakterium; 350 bis max. 450 Gene; 30 bis 130 weniger als das als Vorbild gewählte natürlich vorkommende Bakterium; einige Gene sollen zusätzlich eingefügt werden, die es dem künstlichen Bakterium ermöglichen, in einer Umgebung, die die notwendigen Nährstoffe enthält, autonom zu leben und sich fortzupflanzen
(GID 183/2007 S.36ff)

·         Impfbanane gegen Cholera? „Es ist uns nicht gelungen, ein als Antigen wirkendes Protein in der Banane auszubilden“;
seit 1998 Versuche mit der
wesentlich besser geeigneten Kartoffel; Impfstoffe gegen Cholera-Bakterien, das Norwalk-Virus (Durchfallerrreger); Haken: die Knollen mussten roh verzehrt werden; Kochen zerstört den hitzeempfindlichen Impfstoff;
seit 4 Jahren züchtet Charles Arntzen mit Tabakpflanzen; Impfstoffe gegen Cholera, Hepatitis C und pathogene Stämme des Bakteriums e.coli; 2005 Vakzin-Produktion gegen Erreger der Pest; erste Versuche mit Impfstoff gegen das Ebola-Virus verliefen bei Mäusen erfolgreich;
Patient erhält Impfstoff durch Einnehmen des getrockneten Pflanzensaftes
(bdw 2/07 S.110)

·         Frankfurt/Main: Forscher haben künstliche – am Computer entwickelte und aus DNA-Bausteinen hergestellte – Gene in Hefezellen eingebracht; damit können die Hefezellen jetzt auch Pflanzenabfälle zu Ethanol (Biotreibstoff) vergären; Ertragssteigerung um 25%, Geschwindigkeit der Umsetzung um mehr als 25% gestiegen
(taz 23.11.07)

·         Aroma- oder Resistenz-Gene aus alten Apfelsorten könnten viel schneller mittels Gen-Transfer ins Erbgut der Kultursorten eingeschleust werden; „Cisgenetik“ heißt dieser neue Ansatz, Im Unterschied zur Transgenetik wird die Artenschranke nicht überschritten; es werden nur Apfel-Gene auf Äpfel übertragen, keine Gene aus völlig anderen Pflanzenarten, Tieren oder gar Bakterien;
dazu „smart breeding“ = molekularbiologische Tests, welche Eigenschaften sich nach Kreuzungen/Eingriffen wirklich im Erbgut befinden
(bdw 12/2007 S.26f)

·       Hochsicherheitslabor der Sicherheitsstufe 4 erstmals in Deutschland eröffnet (Marburg); dort dürfen auch gentechnisch veränderte hochgefährliche Erreger (Ebola-, Lassa-, Marburg-Viren) erforscht werden;
Ende Januar 2008 wird ein zweites Labor der Sicherheitsstufe 4 am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin eröffnet;
Robert-Koch-Institut Berlin soll 2011 ebenfalls ein Labor der Stufe 4 erhalten
(taz 7.12.07)

·       Aus chemisch synthetisch hergestellten Erbgut-Bausteinen haben Wissenschaftler um den US-Genforscher Craig Venter das komplette Erbgut eines Bakteriums nachgebaut; das künstliche Chromosom sei erheblich umfangreicher als zuvor zusammengebaute DNA-Abschnitte; wird als wichtige Voraussetzung angesehen, um lebensfähige künstliche Bakterien herzustellen und kommerziell zu nutzen, z.B. zur Herstellung von Biokraftstoffen;
innerhalb von 5 Jahren ganze Industrie umkrempeln;
die Märkte seien Milliarden und Milliarden von Dollar schwer;
(taz 25.1.08; Freie Presse Chemnitz 25.1.08)

·       Japanischer Konzern will im kommenden Jahr die erste blau blühende Rose auf den Markt bringen;
15 Jahre Züchtungsarbeit; Veilchen-Gen eingeschleust, Farbe derzeit noch eher violett als marineblau;
auch andere Eigenschaften von Blumen werden weltweit verändert: Blütenfarbe, anderer Duft, längere Haltbarkeit, Resistenz gegen Krankheiten, Kälte, Trockenheit
(Spiegel 8-2008 S.140f)

·       Universität in Texas/USA; einige Gene aus dem Erbgut eines Darmbakteriums entfernt; dadurch konnte die Wasserstoffproduktion des Bakteriums im Vergleich zum natürlichen Zustand um etwa das 140-fache gesteigert werden; notwendig ist ausschließlich die ausreichende Versorgung mit Zucker
(GID 186 Februar 2008 S.43)

·       Anzeige www.forum-chemie-macht–zukunft.de :
biotechnologische Produktion von Stoffen durch Mikroorganismen in großen Mengen; z.B. Fermenter, Stahltank, 500 Kubikmeter Volumen;
z.B. Produktion von L-Lysin, eine von 20 Aminosäuren, aus denen alle Proteine aufgebaut sind; essentielle Aminosäure, d.h. der Mensch und viele Tiere haben verlernt, diese Aminosäure im eigenen Körper herzustellen, weil sie über die Nahrung geliefert wird;
das Bakterium Corynebacterium glutamicum stellt es für den Eigengebrauch noch selbst her; gentechnisch verändert, produziert mehr, als es selbst benötigt; weltweit werden so (gentechnisch) pro Jahr 800.000 Tonnen hergestellt;
Verwendung vor allem als Zusatz zum Tierfutter; zwei Gramm pro Kilogramm reichen, damit das Futter den doppelten Nährwert hat; zusätzlich verwertet das Tier mit L-Lysin angereichertes Futter viel besser und gibt weniger Exkremente ab;
Alternative chemische Synthese? Aufwendiger, teurer, wenn man das reine linksdrehende Molekül will;
ein Problem: Bakterien „verlernen“ auch schnell wieder, denn sie teilen sich jede Stunde oder noch schneller, und die Produzenten der von uns gewünschten Stoffe sind (durch vermehrten, für sie selbst unnötigen Stoffwechsel JK) gegenüber den ursprünglichen Zellen; deshalb haben wir zusätzliche Techniken zur so genannten Wachstumsentkopplung entwickelt
(ZEIT 21.5.08 S.7)

·       gen- und biotechnische Verfahren sollen helfen, umweltfreundliche Kraftstoffe aus Pflanzenresten zu gewinnen;
durch synthetische Biologie sollen Einzeller, die von Natur aus Zuckermoleküle in Alkoholumwandeln können, umprogrammiert und ihre Stoffwechselwege optimiert werden;
z.B. soll Bierhefe mit neuen Gensequenzen ausgestattet werden (am Computer entworfen), die zusätzliche Enzyme liefern, mit denen bisher unverdauliche Zuckerarten wie Xylose oder Arabinose (Bestandteile der reichlich vorhandenen Zellulose) in einen Biotreibstoff umwandeln; z.B. auch statt Ethanol den höherwertigen Biokraftstoff Butanol produzieren (liefert rund 1 Drittel mehr Energie wie Ethanol);
(Die Zeit 16.7.09 S.33)

·       vermutlich noch dieses Jahr werden die ersten Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Moskitomännchen durchgeführt; derzeit Test in Netzkäfigen in Südindien; die gentechnisch manipulierten Mücken Aedes aegypti sollen dazu beitragen, Infektionen mit dem Erreger des Dengue-Fiebers einzudämmen; die Männchen können sich zwar noch paaren, aber die aus den Eiern schlüpfenden Larven werden durch das eingeschleuste Gen getötet;
das eingebaute Killergen wird durch Verfütterung des Antibiotikums Tetrazyklin deaktiviert; so wird sicher gestellt, dass das Gen nur bei Fehlen von Tetrazyklin im Freiland aktiv ist;
jährlich erkranken weltweit etwa 50 Millionen Menschen am Denguefieber; 20.000 sterben; einen Imfstoff oder ein Medikament gibt es nicht;
ähnliche Versuche laufen in den USA mit gentechnisch veränderten Baumwollkapselraupen;
an mehreren Forschungsinstituten wird an sterilen Malariamückenmännchen gearbeitet; in Göttingen hat man Mittelmeerfruchtfliegen ein „Abschaltbares“ Gen mit tödlicher Wirkung eingebaut
(taz 24.7.09 S.18)

·       Turbo-Züchtung ohne Gentechnik - Mutationen werden durch Chemikalien ausgelöst
Fraunhofer-Gesellschaft erntete im Herbst 2009 100 Tonnen einer auf neue Art gezüchteten Kartoffel;
produziert hochreine Stärke; in ihrem Erbgut sind nur die Gene aktiv, die die Bildung von Amylopektin auslösen, während die Amylose-Gene ausgeschaltet sind; „Bisher enthielten Kartoffeln immer beide Stärkearten. Die Industrie musste das Amylopektin von der Amylose abtrennen – ein energie- und kostenintensives Verfahren", erklärt Prüfer. Da Tilling-Kartoffeln nur Amylopektin enthalten, entfällt dieser Prozessschritt. Allein in Deutschland benötigt die Papier- und Klebstoffindustrie jährlich 500 000 Tonnen hochreines Amylopektin. Dazu kommen der Bedarf der Lebensmittelbranche und der Textilindustrie - letztere nutzt die Stärke, um Garne vor dem Weben zu glätten.;
Tilling - die Abkürzung steht für "Targeting Induced Local Lesions In Genoms" - ist ein Züchtungsverfahren, mit dem die Forscher der Evolution auf die Sprünge helfen.;
Allerdings wird die natürliche Mutationsrate beschleunigt: "Mit Hilfe von Chemikalien lässt sich schnell eine große Anzahl von Mutanten gewinnen", sagt Jost Muth vom IME, der an der Entwicklung der neuen Stärke-Kartoffel beteiligt war. "Wir arbeiten hier mit natürlichen Prinzipien: In der Natur löst das Sonnenlicht Veränderungen im Erbgut aus. Mit Chemie erreichen wir dasselbe, nur schneller.";
Im Labor am IME werden die mutierten Samen zum Keimen gebracht. Sobald die ersten Blätter erscheinen, ist Erntezeit: Die Forscher nehmen eine Blattprobe, brechen die Zellstrukturen auf, isolieren das Genom und analysieren es. Innerhalb weniger Wochen lässt sich auf diese Weise herausfinden, ob eine Mutation die gewünschten Eigenschaften hat.; 2748 Keimlinge mussten untersucht werden, bis derjenige identifiziert war, der ausschließlich die Stärkekomponente Amylopektin produziert.;
"Die neuen Kartoffeln lassen sich wie gewohnt in den Fertigungslinien verarbeiten", berichtet Muth. "Besondere Maßnahmen sind nicht notwendig, weil die Tilling-Kartoffeln ganz normale Züchtungen sind, die kein gentechnisch verändertes Material enthalten."
(8.12.09; Weitere Informationen: http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/12/super-kartoffel.jsp, http://www.ime.fraunhofer.de/ )

·       MPI für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig;
Mäuse mit der menschlichen Variante des Gens FOXP2 ausgestattet, unterscheidet sich in 2 Aminosäuren von der Maus-Form; wird beim Menschen mit der Sprachfähigkeit assoziiert;
genveränderte Tiere gesund, aber verändertes Verhalten: hielten sich häufiger in der Gruppe auf, erkundeten seltener allein die Umgebung; außerdem war das Piepsen der Mäuse mit dem menschlichen Gen tiefer
(bild der wissenschaft 9-2009 S.8)

·         L-Lysin ist eine essentielle Aminosäure, d.h. Menschen und Tiere benötigen sie für ihre Ernährung, haben aber verlernt, sie selbst herzustellen und müssen sie mit der Nahrung aufnehmen; das Bakterium Corynebakterium glutamicum stellt sie für den Eigengebrauch noch her; mithilfe gentechnischer Methoden stellen solche Bakterien in einem Fermenter L-Lysin her; weltweit werden so inzwischen 800.000 Tonnen pro Jahr hergestellt;
Verwendung vor allem als Zusatz im Tierfutter; zwei Gramm pro Kilogramm Futter reichen, damit das Futter den doppelten Nährwert hat; Tiere verwenden Futter viel effizienter, weniger Exkremente werden ausgeschieden
(ChemieNews, Initiative Chemie im Dialog, 2009, S.66)

·         normalerweise holen Hefen aus 1000 kg Stroh 200 Liter Ethanol heraus, Könn(t)en sie aber Xylose und Arabinose zusätzlich vergären, produzieren sie zusätzlich rund 140 Liter;
Um Hefen zu Arabinose-Verwertern zu machen, wurden (nachdem der Versuch nicht gelungen war, Gene aus Bakterien zu übertragen) künstliche Gene hergestellt (dem Vorbild der bakteriellen Gene nachempfunden, optimal dem Stoffwechsel der Hefen angepasst) und in Hefen eingebaut, mit Erfolg: Die gentechnisch veränderten Hefen wandeln Arabinose vollständig in Ethanol um;
die Methoden der synthetischen Biologie werden auch genutzt, um Hefen zu konstruieren, die aus den verschiedenen Zuckerarten Butanol machen (Butanol hat höheren Energiegehalt als Ethanol, ist weniger korrosiv und nimmt weniger Wasser auf)
(bild der wissenschaft 8/2008 S.92ff)

·         Das Darmbakterium Escherichia coli kann Biodiesel produzieren. US-Forscher hatten den Mikroorganismus gentechnisch so verändert, dass er aus Fetten, die er normalerweise speichert, mit selbst produziertem Alkohol Fettsäuremethylester –also Biodiesel – herstellen kann. Dafür wurden die Bakterien mit Traubenzucker „gefüttert“.
(bild der wissenschaft 4-2010 S.10)

·        

 

 

 

C) Gentechnik in der Humanmedizin

·         Q: Chancen und Risiken der Gentechnologie, Bericht der Enquete-Komm. des Dtsch. Bundestages 1987, S. 118
- Humaninsulin seit 1981 in USA auf dem Markt, Alt-BRD 1200000 Diabetiker, 400.000 auf Verabreichung von Insulin angewiesen, bisher 20% Insulin aus Schweine-Bauchspeicheldrüsen, Rest Rinder

·         Dtsch. Ärzteblatt 6/98 S.A285: Erythropoietin
* EPO aus der Niere steuert die Neubildungsrate von Erythrozythen
* seit 10 Jahren gentechnisch hergestelltes rhEPO (Säugetierzellkulturen)
* im Unterschied zu h-Insulin ist hier erstmals eine therapeutische Anwendung möglich (nicht Ersatz herkömmlicher Quellen, z.B. tierisches Serum)

·         Medikament zur Verhinderung von Blutgerinnseln in gent. veränderten Ziegen hergestellt;
1 Tier könnte im Jahr Medikamente für 58 Mill. DM erzeugen
(Spiegel 5/2000 S.180)

·         etwa 3000 monogenetische (Ein-Gen-) Krankheiten sind bekannt, Mukoviszidose, Muskelschwund, Chorea Huntington
(VFA: Gene und Genom)

·         menschliches Wachstumshormon: früher aus den Hirnanhangsdrüsen menschlicher Leichen gewonnen, für Behandlung eines Patienten über 1 Jahr: 70 Leichen

·         EPO seit 1985 aus Säugetierzellen; Patienten mit chronischem Nierenversagen, die an chronischer Blutarmut leiden (Bluttransfusionen werden erspart), 30-50% der heute weltweit 300000 Dialysepatienten werden mit gent. hergest, EPO behandelt

·         Enzym DNAse I: Behandlung von Mukoviszidose zugelassen: Verflüssigung des Schleims
(VFA: Gentechnik)

·         Humaninsulin aus Bakterien: erste Versuche 1978, Zulassung 1982
bewußt herbeigeführte Veränderung der Erbsubstanz, um Proteine für therapeutische Zwecke zu optimieren; bestimmte Bausteine werden gegen andere Nukleotide ausgetauscht;
1996 eine Insulin-Variante mit schnellerem Wirkbeginn und kürzerer Wirkdauer zugelassen; 2 Aminosäuren verändert: (S.19)
(VFA: Gentechnik)

·         PCR: einzelne DNA-Stückchen vervielfältigen (Spermium, Haar, Blutspur, Gewebe einer Mumie, Erbkrankheiten an einer einzelnen Zelle testen, Spuren von Krankheitserregern (Viren, Bakterien, Parasiten im Blut finden);
Arbeitsschritte: Trennen, Koppeln, Kopieren immer wieder
a) DNS-Doppelstränge trennen: durch erhitzen - zwei Einzelstränge
b) ein künstlich im Labor hergestelltes DNS-Stück („Primer“), das nur zu einem ganz bestimmten Stück des Einzelstranges paßt, koppelt sich an und identifiziert ihn dadurch
c) das Enzym Polymerase verlängert den Primer, so daß zu jedem DNS-Einzelstrang wieder der genau gegengleiche Strang entsteht;
alle drei Schritte sind temperaturabhängig und lassen sich als Kettenreaktion wiederholen: nach 30 Verdopplungen 1 Mrd. Kopien
(VFA: Gentechnik)

·         in der EU 400 Arzneimittel auf Basis von 48 gentechnisch hergestellten Wirkstoffen in Anwendung; Weltmarkt für diese Medikamente 1998: 10 Mrd. DM
(Catenhusen, epd-wochenspiegel 28/2000 S.8)

·         mehrere hundert gentechnisch manipulierte Schafe in Neuseeland, schottische Firma PPL Therapeutics, mit menschlichem Gen ausgestattet, sollen zur Entwicklung einer Therapie gegen Mukoviszidose eingesetzt werden, die DNS wurde bereits Mitte der 80er Jahre aus der Blutprobe einer dänischen Frau gewonnen
(taz10.7.2000)

·         etwa 17% der Umsätze auf dem Welt-Pharma-Markt werden mit rekombinanten Arzneimitteln erzielt
(GID 140/2000 S.10)

·         Transplantationen:
gentechnische Untersuchung verschiedener Hormone, die am Immunsystem beteiligt sind (Zytokine): rund ein Drittel der Transplantierten kann auf Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr verzichten, da sie die kritischen Zytokine nicht in sich tragen
(GID 140/2000 S.31)

·         Monsanto: Tabak wurde ein gen implantiert, das Somatropin, ein bisher extrem teures Hormon zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit, in Mengen herstellt
(Der Spiegel 26/2000 S.78ff)

·         1999 waren in Deutschland 59 gentechnisch hergestellte Arzneimittel auf dem Markt, davon 5 aus deutscher Produktion
Das Parlament 22.9.2000

·         Impfstoff , der Immunität gegen einen Virus bewirkt, gentechnisch in Kartoffeln eingebaut (rohe Kartoffeln müssen zwei- bis drei Mal gegessen werden); Norwalk-Virus, verantwortlich für Lebensmittelinfektionen; 19 von 20 Testpersonen positive Immunantwort
GID 141 8-9/2000 S.33

·         gentechnisch hergestelltes Insulin
1. Insuman Rapid und Insuman Basal von Hoechst Marion Roussel Deutschland Frankfurt: „mit dem körpereigenen Insulin identisch“ („Humaninsulin“)
2. Humalog von Lilly France: „Insulinmolekül leicht verändert, Wirkung setzt rascher ein“
3. Lantus von Aventis Pharma Deutschland Frankfurt: „dem Humaninsulin sehr ähnlich; zeigt lang anhaltende und gleichmäßige Wirkung“
(versch. Beipackzettel)

·         lieber von Gen-Unterschieden, als von Gen-Defekten sprechen;
Neurofibromatose: Ursache großes Gen auf Chromosom 17; ständig neu wachsende gutartige Tumore (Entstellungen, Operationen);
Brustkrebs: Mutter und Schwester daran gestorben; Gen-Test ergibt: Gene BRCA1 und BRCA2 mit Veranlagung dafür bei Patientin vorhanden; 70-80%iges Risiko der Erkrankung; OP Brüste und Gebärmutter entfernt;
SCA: Gendefekt; bricht spät aus, Patienten wirken wie betrunken;
Down-Syndrom: willensstark; größere gesundheitliche Probleme als andere Kinder (z.B. schwerer Herzfehler); Diagnose 10.-13 Schwangerschaftswoche Ultraschall Nackenfalte zu sehen (Flüssigkeitsansammlung); Ultraschall später: körperliche Auffälligkeiten; 90% der Eltern entscheiden bei der Diagnose DS auf Abbruch der Schwangerschaft; Diagnose Fruchtwasserentnahme: klare, gelbliche Flüssigkeit; Betroffene gezeigt; Mitwirkung in Film, Lernen von Texten; stundenlange Konzentration;
Mukoviszidose: 50 verschiedene Medikamente einnehmen + Inhalation + Atem- und Hüpf-Therapie; im Notfall steht Sauerstoffgerät bereit; schmächtige Erscheinung; 30-40 Jahre Lebenserwartung
(RTL 20.1.02 Glück mit Fehlern)

·         Gene  produzieren Antikörper gegen Spermien, diese Gene in Mais-Zellkerne eingepflanzt,
(The Observer - London 9-9-01)

·         Verwirklicht wird die Patientenautonomie durch das Prinzip des informed consent, also der informierten Zustimmung. Dieses Prinzip besteht aus zwei Grundannahmen:
1. Der Patient muss selbst entscheiden, welche Behandlungen er eingehen will und wie sie durchgeführt werden sollen. Er und niemand anders, auch nicht der behandelnde Arzt, hat über Ob und Wie einer medizinischen Behandlung zu entscheiden und verleiht den mit ihr verbundenen Eingriffen in seine Körperintegrität Legitimation und Rechtmäßigkeit.
2. Eine wirksame Entscheidung als Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes setzt notwendig umfassende Aufklärung über Diagnose, Heileingriff, Risiken, Folgen und Alternativen voraus. Nur wenn der Patient weiß, worum es geht, wird er überhaupt in die Lage versetzt, eine ernstzunehmende und zu respektierende Entscheidung zu treffen.
(GID 150/2002 S.16)

·         britische Wissenschaftler haben Gen entdeckt, das für 70% aller bösartigen Formen von Hautkrebs verantwortlich ist (in Melanomen als Mutation vorkommt)
(epd wochenspiegel ost 25/2002 S.23)

·         geklonte und genetisch manipulierte Kälber in USA produzieren in ihrem Blut menschliche Antikörper; ein künstliches Chromosom mit dem gesamten menschlichen Antikörpererbgut eingeschleust
(Die Zeit 15.8.02)

·         Uni Gießen: gentechnisch veränderte Karotte stellt Impfstoff gegen Hepatitis B her; drastische Kostensenkung möglich;
in USA schon über 300 Versuche Freiland mit Pflanzen zur Produktion von Pharmazeutika: zB Wachstumshormon, Blutgerinnungsmittel; am häufigsten genutzte Pflanze ist Mais – ein Betreiber schätzt, dass 2010 weltweit 10% der Maisernte der Medikamentenproduktion dienen werden
(GID 153, 8-9/2002 S.29)

·         Amsterdam; Freisetzungsversuch genehmigt; 12 Patienten; jeder soll Milliarden von gentechnisch veränderten Bakterien schlucken; Milchsäure-Bakterien so verändert, dass sie einen Botenstoff (Interleukin-10) herstellen, der Entzündungen abklingen lässt; Krankheit: chronische Darmentzündung Morbus Crohn;
(Der Spiegel 31/2002 S.121)

·         gentechnisch hergestelltes Insulin: Kritiker: häufigstes Problem Unterzuckerung; gentechnisch hergestelltes Insulin ist billiger herzustellen; Hersteller behaupten: sicherer, weil keine Gefahr durch Tierkrankheiten
(GID 151 4-5/2002 S.29)

·         in Puerto Rico Feldversuche mit so genannten Pharmapflanzen angelaufen; Mais, Gerste, Soja, Reis und Tabak so manipuliert, dass sie Impfstoffe und andere Pharmazeutika, menschliche Antikörper, aber auch Enzyme für die Industrie und Laborchemikalien produzieren; seit 1991 mindestens 300 solcher Versuche bewilligt, ohne dies öffentlich zu machen

·         eine bestimmte Art von gentechnisch hergestelltem Erythropoietin (EPO) hat bei Patienten lebensbedrohliche Anämie hervorgerufen
(United Press International, Nov 2, 2002)

·         gentechnisch hergestelltes Erythropoietin (EPO) schützt Patienten mit Niereninsuffizienz vor einer drohenden Blutarmut; in Deutschland bekommen derzeit 87% der dialysepflichtigen Patienten mit Nierenversagen ein EPO-Präparat gespritzt (160 Millionen Euro pro Jahr); im November 2002 Alarm: das Mittel Eprex ruft u.U. bei Nierenkranken als Nebenwirkung eine dauerhafte Blutarmut hervor; sind gentechnisch hergestellte Medikamente von verschiedenen Herstellern wirklich  identisch?; in Bioreaktoren geht es beileibe nicht so exakt zu wie in den Chemieanlagen der konventionellen Pharmaindustrie (lebende Zellen); den Zellen in den Bioreaktoren werden athletische Leistungen abgetrotzt: bis zu 40% ihrer gesamten Eiweißsynthese dienen der Herstellung des Pharmawirkstoffs; zuweilen bilden sie falsch gefaltete Eiweiße oder bauen sie wieder ab;
EPO ist ein körpereigenes Hormon, das in der Niere gebildet wird und die Produktion der roten Blutkörperchen im Knochenmark ankurbelt. Fällt bei einer Nierenschädigung die Hormonproduktion aus oder ist reduziert, kommt es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen, der Patient fühlt sich matt und schwach. Der zugeführte Wirkstoff EPO soll den Hormonmangel kompensieren und der Blutarmut entgegenwirken.
der Wirkstoff für Erypo/Eprex wird in Kulturen von gentechnisch veränderten Hamsterzellen produziert,;
(Die Zeit 12.12.02 S.35; GID 155/2002-2003 S.36)

·         Oelck (früher AgrEvo); arbeitet an der Produktion von Pharmastoffen in Pflanzen; es wäre sicherer, wenn man manche pharmazeutischen Wirkstoffe in ausgesprochenen Nicht-Nahrungsmittelpflanzen herstellen würde; bisher aber fast alle Versuche im Bereich „Molecular Farming“ mit gängigen Nahrungspflanzen wie Mais, Soja oder Kartoffeln; bei diesen Pflanzen ist man in Forschung und Züchtung sehr weit, sie lassen sich auf dem Feld anbauen
(GID 155/2002-2003 S.10)

·         „Krankheitsgene“ mit positiven Nebenwirkungen bekannt: so schützt die Sichelzellenanämie vor Malaria, und der Gendefekt, der Mukoviszidose verursacht, vor Typhus und Cholera
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.167)

·         wenn die Schutzkappen am Ende der Chromosomen, die so genannten Telomere abgenutzt sind, steigt bei älteren Menschen das Sterberisiko; Verkürzung Ursache oder Folge der Krankheiten?
(Die Zeit 6.2.03 S.31)

·         zur Zeit beträgt der Anteil gentechnisch hergestellter Wirkstoffe, die in Deutschland auf dem Markt sind, 9,6%; in der klinischen Erprobung beträgt der Anteil 25,9%
(Bild der Wissenschaft 8/03 S.23)

·         Diabetes; in D. fünf Millionen Betroffene, davon 300000 Typ I, 4,8 Mill. Typ II; weltweit 1985 30 Mill, derzeit etwa 194 Mill, in 20 Jahren werden 330 Mill erwartet;
Typ I jugendlicher D.: Ursache wahrscheinlich Autoimmunschädigung; tritt häufig zwischen 11. und 15. Lebensjahr auf, Patienten müssen sich zeitlebens Insulin spritzen;
Typ II sog. Altersdiabetes: am Anfang der Krankheit fehlt nicht Insulin – im Gegenteil produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr I., Zellen können das I. nicht mehr richtig verwerten;
um 1930 Gewinnung von Insulin aus Hunden und Anwendung am Menschen;
kritisches zum gentechnisch hergestellten Humaninsulin: nicht besser als Schweineinsulin, Kunstinsuline („Insulinanaloge“ – in D. drei auf dem Markt – einzelne Bausteine gegenüber dem natürlichen Insulin verändert) nicht in langfristigen Studien getestet (Krebs?), deutsche Diabetes-Gesellschaft bestreitet Risiken;
(Die Zeit 20.11.03 S.11ff)

·         Diabetes jährlich 7,7 Mrd. Euro Behandlungskosten;
Insulinproduktion bei einem gesunden Erwachsenen: etwa 2 Gramm pro Tag; Insulin hat die Aufgabe, die Aufnahme von Glukose in die Zellen von Fettgewebe, Organen und Muskeln zu beschleunigen, dadurch wird Glukose aus dem Blut entfernt und der Blutzuckerspiegel gesenkt; um seine Aufgabe zu erfüllen, bindet das Insulin an spezielle Strukturen auf den Zelloberflächen – dadurch wird die Zellmembran für Glukose durchlässiger, die Tür zur Zelle wird sozusagen aufgeschlossen;
Diabetes Typ I: allergische Abwehrreaktion gegen die eigene Bauchspeicheldrüse; weiße Blutkörperchen greifen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an;
1921 Insulin entdeckt, 1922 erstmals mit Extrakt erfolgreich Menschen behandelt, 1923 Nobelpreis;
neues gentechnisch hergestelltes Humaninsulin-Analogon: Insulin glargin = Basalinsulin mit kontinuierlicher Wirkdauer über 24 Stunden; bei diesem Analogon wurde inn der A-Kette an Position 21 Asparagin gegen Glycin ausgetauscht und die B-Kette am Carboxylende um 2 Arginine verlängert
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was verraten unsere Gene? 82 Seiten S.45)

·         Insulinmolekül besteht aus einer 21 Aminosäuren langen A-Kette, welche über 2 Disulfidbrücken mit der 30 Aminosäuren langen B-Kette verbunden ist
(Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 257. Auflage 1994, S. 726)

·         seit Markteinführung des Humaninsulins als erstem gentechnisch hergestelltem Therapeutikum im Jahr 1982 stieg die Zahl rekombinanter Arzneimittel in Deutschland bis 2000 auf rund 60 zugelassene Medikamente mit 42 verschiedenen Wirkstoffen; derzeit 250 Präparate in verschiedenen Stadien der klinischen Prüfung; langfristig 20-25% aller zukünftigen Medikamente aus gentechnischer Produktion
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was verraten unsere Gene? 82 Seiten S.72)

·         Multiple Sklerose; Behandlung u.a. mit entzündungshemmenden Botenstoffen wie Beta-Interferonen (unterdrücken die Schübe oder zögern sie zumindest hinaus);
Der Wirkstoff von BETAFERON ist Interferon beta-1b; dieses Protein wird gentechnisch hergestellt und ähnelt dem Interferon, das im menschlichen Körper zur Regulierung des Immunsystems beiträgt
(Ökotest 10/03 S.78; Infomaterial Betaferon/Schering)

·         in Deutschland leiden etwa 5 Millionen Menschen an unterschiedlichen Diabetesformen; den Etat der Krankenkassen belastet die Krankheit jährlich mit 20 Milliarden Mark
(Die Zeit 24.2.2000 S.39)

·         gentechnische Herstellung von Humaninsulin:
das verantwortliche Gen wurde aus dem Produkt, dem Protein, rekonstruiert; dazu wurde die DNS aus der Abfolge der Eiweißbausteine „rückübersetzt“; durch diese Methode war das für die Insulinproduktion verantwortliche DNS-Stück schon von den störenden Introns befreit
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.129)

·         derzeit in Deutschland 106 gentechnisch hergestellte Arzneimittel auf dem Markt, 14 aus heimischer Produktion, kein Akzeptanzproblem mehr
(taz 2.9.04)

·         gentechnisch hergestellte Medikamente in Deutschland (Anteile):
auf dem Markt           9,6%
in der Zulassung        12,2%
in Zulassungsstudien..19,9%
in Erprobungsstudien  25,9%
(bild der wissenschaft 8/04 S.23)

·         Virotherapie: genmanipulierte Viren zerstören Krebszellen;
gentechnisch veränderte Viren spüren Tumorzellen auf, dringen in diese ein, vermehren sich, zerstören dabei die Krebszellen, dabei werden neue Viren freigesetzt, so wird der Tumor selbst zur Produktionsstätte von „Tumor-Medikamenten“,. Nachschub stoppt erst, wenn letzte Krebszelle vernichtet ist, Restviren werden durch körpereigene Enzyme zerlegt und entsorgt;
in den USA derzeit 20 Studien Phase II;
Adenoviren bevorzugt: vermehren sich schnell und integrieren ihr Erbgut grundsätzlich nicht in das der befallenen Wirtszelle;
evtl. auch Viren zusätzlich gentechnisch verändern, dass sie entweder mehr „Andockstellen“ nutzen können oder gezielt zusätzliche Eiweiße produzieren, die Stoffwechsel der Tumorzellen lahm legen;
Zukunft der Virotherapie in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie
(NZZ 11.11.04)

·         immer mehr Pharmafirmen stellen die Produktion von tierischem Insulin ein; eine kleine Minderheit von Diabetikern (in Deutschland 400) reagiert auf Humaninsulin mit schweren allergischen Reaktionen (bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen); gilt auch für da humanidentische Insulin, das mithilfe von Gentechnik hergestellt wird; gefährdete Patienten sollen importiertes tierisches Insulin bekommen
(taz 25.2.05)

·         tierisches Insulin wird knapp; in Deutschland wird tierisches Insulin für Diabetiker nicht mehr angeboten (Gewinnerwartungen für Hersteller zu gering, bei Studien für Neuzulassung zu hoher Aufwand); rund 400 Menschen reagieren mit Allergien bis hin zu Lebensgefahr auf körperidentisches Insulin („Humaninsulin“, das gentechnisch hergestellt wird JK); Ausweg wäre die Anerkennung als „Orphan Drugs“ (Medikamente für sehr seltene Erkrankungen – hier gelockerte Zulassungskriterien); dann Import z.B. aus England oder der Schweiz möglich
(taz 29.4.05)

·         Humalog 100 E/ml: Wirkstoff ist Insulin lispro; dies ist eine im Labor hergestellte Form menschlichen Insulins, seine Wirkung setzt rascher ein als die des menschlichen Insulins, da das Insulinmolekül leicht verändert wurde
(Beipackzettel von HUMALOG – Hersteller: Eli Lilly)

·         letzter deutscher Hersteller von tierischem Insulin (Berlin Chemie AG) stellt Produktion ein; neues Zulassungsverfahren zu teuer,  mindestens 400 Menschen in D. darauf angewiesen (Unverträglichkeit, Unterzuckerung bei gent. Insulin), jetzt: Import aus dem Ausland;
vor 1982 reagierten 12% der Behandelten allergisch auf tierisches Insulin („Humaninsulin“ für sie wurde halbsynthetisch aus Schweineinsulin hergestellt)
(GID 170/2005 S.38)

·         weltweiter Umsatz mit rekombinanten Biopharmazeutika 2004: etwa 45 Milliarden Dollar = 4% des globalen Pharmamarktes, derzeit Wachstum um 40% pro Jahr;
Anteil Biopharmazeutika aus transgenen Pflanzen: Optimisten schätzen für USA 2011 Umsatz von 2,2 Mrd Dollar und 2013 weltweit 40 Mrd Dollar;;
nach sehr optimistischen Schätzungen verursacht die Nutzung transgener Pflanzen zur Medikamentenproduktion lediglich ein Hundertstel bis ein Tausendstel der Kosten, die bisher für ein pharmazeutisches Protein, etwa aus Hefe- oder Säugetierzellen, kalkuliert werden; Kosten für maisbasiertes Pharmaprotein z.B. 10-100 Dollar je Gramm, herkömmlich 1000 Dollar je Gramm;
Problem: Pharmaproteine aus transgenen Pflanzen besitzen eine andere Struktur als aus Hefe- oder Säugetierzellen (bedeutet zusätzliche Risikoprüfung);
noch keine Medikamente aus transgenen Pflanzen auf dem Markt; in den USA ein Reis zugelassen, der zwei Substanzen produziert (bisher kein kommerzieller Anbau erlaubt worden); klinische Erprobung Stufe III für einen Anti-Karies-Antikörper
(GID 173 Dez05/Jan06 S.34)

·         USA: Versuche, gentechnisch veränderte Pflanzen zur Produktion hochwirksamer Arzneistoffe unterirdisch in stellgelegten Bergwerken anzubauen
(Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/r4/artikel/20/20588/1.html)

·         S.8: in Deutschland sind gegenwärtig 106 gentechnologische Arzneimittel auf dem Markt;
derzeit befinden sich in den USA mehr bio- und gentechnologisch entwickelte Produkte in der klinischen Prüfung als „klassisch“ produzierte
S.11: 2003 gent. erzeugte Arzneimittel Umsatz 1,7 Mrd Euro = 8,6% des Gesamtmarktes deutscher Arzneimittel
S.12: Impfstoffe z.B. gegen Kinderlähmung, Keuchhusten, Wundstarrkrampf, Diphterie, Röteln und Hepatitis werden gentechnisch hergestellt
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 2005)

·         in einer weltweiten Datenbank sind inzwischen 17.000 Störungen und Krankheiten mit Gen-Bezug erfasst; 1976 waren es erst 1.700; nur ganz selten werden neue Krankheiten entdeckt, aber bereits bekannte immer weiter aufgeschlüsselt
(taz 25.8.06)

·         in Deutschland wird seit 2005 kein tierisches Insulin mehr hergestellt und vertrieben; nur noch gentechnische Produktion
(GID 178 10/11-2006 S.62)

·         seit Ende der 1990er Jahre Insulinanaloga; dabei verschiedene Aminosäuren gegenüber dem natürlichen Insulinmolekül des Menschen ausgetauscht;
beim Humaninsulin von Hoechst stammt die (originale) genetische Information für die Herstellung von Makaken, einer Affenart, deren Insulin-Aminosäurefrequenz derjenigen des Menschen entspricht;
tierische Insuline zunehmend vom Markt verdrängt; für rund 400 Diabetespatienten, die auf Humaninsulin mit schweren Unverträglichkeiten reagieren, schwierige Lage;
Humaninsulin ist ein synthetisches Insulin, das auf der Grundlage der humanen Insulin-Aminosäuresequenz von gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert wird. Fehlfaltungen und Verunreinigungen des Insulins könnten dessen Wirkung im Körper herabsetzen, Erkrankungen bzw. eine Immunabwehr zur Folge haben.;
Mikroorganismen besitzen die Proteine für die (richtige) Proteinfaltung nicht
(GID 179 12-2006,1-2007 S.12)

·         USA; Gen p53 hat die Aufgabe, die Teilung defekter Zellen zu verhindern (Reparatur von DNA-Schäden oder „Selbstmordprogramm“ starten JK); fällt dieser Schutz weg, ist oft Krebs die Folge; Mäuse konstruiert, in denen sich p53 mit einem genetischen Trick auf Wunsch angeschaltet werden kann; Resultat: in kurzer Zeit bildeten sich die Tumore bei den Mäusen zurück
(taz 26.1.07)

·         im Oktober 2006 wurde ein Impfstoff gegen humane Papilloma-Viren zugelassen; verspricht fast hundertprozentigen Schutz gegen zwei krebserregende Viren(Gebärmutterhalskrebs); gentechnisch hergestelltes Hülleneiweiß von 4 Viren;
(GID 180 2-3/2007 S. 4)

·         Diabetes:
Deutschland derzeit 7,4 Millionen Erkrankte (9% der Bevölkerung betroffen); in den 1960er Jahren waren es lediglich 0,6%;
Typ I: Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr; Immunsystem klassifiziert die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse als „fremd“ und zerstört gezielt die Beta-Zellen;
“Insulin ist der Schlüssel, der (spezielle) Türen in den Körperzellen aufschließt, damit energiespendender Zucker in sie eintreten kann“
1922 erstmals Injektion von Rinderinsulin bei einem Patienten;
1923 industrielle Gewinnung von Rinderinsulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe
1955 Entschlüsselung der Aminosäuresequenz von Rinderinsulin
1982 erstes gentechnisch hergestelltes Humaninsulin, 1983 technische Herstellung
1996 erstes Insulin-Analogon: nach menschlichem Vorbild gentechnisch hergestellte Insuline, deren Eigenschaften durch „Umbauten“ im Molekül verbessert wurden
durch Transplantationen kann im Idealfall die Insulinproduktion des Körpers wiederhergestellt werden, bis 2004 weltweit mehr als 23.000 Transplantationen, ¾ in den USA
(bild der wissenschaft plus, Beilage zu Heft 10/2007 Diabetes)

·         Designer-Embryo mit drei Eltern;
britische Forscher, Ziel: Weitergabe von Erbkrankheiten verhindern, die über die (nur über die mütterliche Eizelle weitergegebenen) Mitochondrien vererbt werden;
in einer Eizelle befinden sich etwa 100.000 Mitochondrien, für Energieversorgung der Zelle zuständig; M. besitzen eigenes Genom (17.000 Basenpaare, 37 Gene);
Forscher übertrugen den Zellkern aus einem frühen Embryo in eine zuvor entkernte Embryonenhülle, die aber noch „ihre“ ursprünglichen Mitochondrien enthielt;
der sich daraus entwickelnde Embryo besaß nun die Kern-DNA des ersten Embryos und das Mitochondrien-Genom des zweiten Embryos, hat somit 2 genetische Mütter und einen genetischen Vater;
in der klinischen Anwendung soll später die Kern-DNA in eine Spender-Eizelle übertragen werden
(taz 8.2.08)

·         Argentinien; Klonkuh nach dem Dolly-Verfahren hergestellt; menschliche DNA in ihr Erbgut eingeschleust; mit der Milch soll Insulin produziert und abgegeben werden; vermutlich mindestens 30% billiger als Insulin aus bakterieller Produktion; 25 geklonte Kühe könnten den Insulinbedarf für alle 1,5 Millionen argentinischen Diabetiker abdecken
(Spiegel 9-2008 S.65)

·         Das Anti-Thrombose-Mittel ATryn ist dasc erste in Deutschland zugelassene Arzneimittel, das über gentechnisch veränderte Tiere gewonnen wurde; Wirkstoff aus der Milch von Ziegen, denen ein Gen zur Produktion des Proteins eingebaut wurde; interessant: kein Blockbuster, sondern Mittel für eine seltene Krankheit
(GID 188 Juni 2008 S.38)

·         Rekombinante Arzneimittel (= gentechnisch hergestellt) mach nach Angaben des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller VFA mit 3,13 Milliarden Euro bereits 12 % des Arzneimittelumsatzes in deutschen Apotheken und Krankenhäusern aus
(GID 187 April 2008 S.28)

·         von Ärzten millionenfach verordnet, stellt sich nun heraus, dass das Analoginsulin Lantus das Krebswachstum fördern kann, Daten von fast 130.000 deutschen Diabetikern wurden ausgewertet; knapp 3.500 Krebsfälle pro Jahr könnten auf Lantus zurückzuführen sein;
Analoginsuline sind gentechnisch hergestellte Varianten des normalen Insulins (einzelne Aminosäure-Bausteine gegenüber dem normalen menschlichen Insulin verändert bzw. vertauscht, um Wirkung des Insulins zu verändern – besonders schnell oder verzögernd wirksam);
Umsätze mit Lantus 2009 geschätzt: 3 Mrd. Euro;
wahrscheinlich löst Lantus zwar keinen Krebs aus, aber wirkt wie eine Art Dünger auf bereits vorhandene bösartige Zellen; bislang ist ein ursächlicher Zusammenhang nicht exakt belegt;
auch die behaupteten Vorteile der Insulin-Analoga generell sind umstritten (der nicht mehr nötige Ess-Spritz-Abstand etwa)
(Der Spiegel 27-2009 S.104)

·         Designerinsulin Glargin, Handelsname Lantus;
der Konzern Sanofi-Aventis erzielte damit 2008 weltweit einen Umsatz von 2,45 Mill. Euro; das Produkt ist 35 bis 60% teurer als vergleichbare Humaninsuline; allein in Deutschland injizieren sich 400.000 Menschen täglich Glargin unter die Haut; nur einmal – als Grundmedikation (das ist der Vorteil des Langzeitinsulins), bei Humaninsulin muss 2 x täglich gespritzt werden, in beiden Gruppen kommt noch je eine Spritze nach jeder Mahlzeit dazu (der Unterschied beläuft sich also auf 4 oder 5 Spritzen jeden Tag, man erspart sich beim Langzeitinsulin 365 Spritzungen im Jahr)
(Die Zeit 2.7.09 S.35)

·         USA; erste klinische Tests geplant (in 1 bis 3 Jahren) zum Einsatz von Tiergewebe beim Menschen (Xenotransplantation);
Insulin-produzierende Zellen von Schweinen beim Menschen einsetzen, um damit Diabetes zu behandeln;
Schweine sind gentechnisch so verändert, dass ihnen ein Molekül an der Zelloberfläche fehlt, das vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt und abgestoßen würde;
zusammenarbeit mit anderem Institut, in dem Schweine durch gentechnische Eingriffe ungewöhnlich viele Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse besitzen
(GID Nr.192 2-2009 S.28)

·         US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat das Anti-Thrombose-Mittel ATryn der Firma GTC Biotherapeutics zugelassen;
der Wirkstoff wird aus der Milch von Ziegen gewonnen, denen ein Gen zur Produktion des gewünschten Eiweißes (Antithrombin) eingepflanzt wurde, und wird zur Vermeidung von Thrombosen verschrieben;
Firma unterhält eine Herde von 200 genetisch modifizierten Ziegen; die Menge des Wirkstoffs, die aus der Milch einer Zige im Jahr gewonnen werden kann, entspricht einer Anzahl von 90.000 Blutspenden;
eine Zellkultur-Fabrik (Hamsterzellen; für andere Arzneimittel) kostet Millionen Dollar, Ziegen auf der Wiese deutlich weniger
(GID Nr.192 2-2009 S.38)

·         Aktuelle Richtlinien und Stellungnahmen der Bundesärztekammer zu Fortpflanzungsmedizin und vorgeburtlicher Diagnostik mit weiteren LINKS zu den Texten: http://www.baek.de/page.asp?his=0.6.3287

·         Nur mit Hilfe von Gentechnik können Pharmaunternehmen künstliche Antikörper produzieren, die vom Patienten nicht abgestoßen werden;
Sie haben ein völlig neues und ziemlich exotisches Produktionssystem für Antikörper entwickelt: Mooszellen, genauer: Zellen des Kleinen Blasenmützenmooses (Physcomitrella patens). „Mooszellen haben viele Vorteile“, sagt der Biologe Gilbert Gorr, wissenschaftlicher Berater und bis vor Kurzem Forschungsleiter der 1999 gegründeten Firma. „Sie sind einfach zu kultivieren, zuverlässig und kostengünstig. Sie brauchen eigentlich nur Wasser, Mineralien und Licht zum Wachsen. Und: Es gibt keine Pflanzenviren, die auf den Menschen übertragbar sind.“;
Außerdem lassen sich Mooszellen genetisch einfach manipulieren. Im Gegensatz zu höheren Pflanzen und auch zum Menschen haben Moose nur einen einfachen Chromosomen-Satz. Wenn die Forscher die Gen-Information für einen speziellen Antikörper in Mooszellen einbauen, können sie die Zellen anschließend sofort benutzen. Sie müssen die Pflanzen nicht erst kreuzen, wie es bei Tabakpflanzen nötig wäre, die ebenfalls als Biopharma-Produzenten genutzt werden. Die Mooszellen wachsen als freischwimmende Zellen in Biofermentern und geben die Antikörper in die Nährlösung ab. Die Biotechniker können sie dann relativ einfach herausfischen und reinigen.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.26)

·         Gemessen an der Zahl aller auf dem Markt befindlichen Medikament, beläuft sich der Anteil der gentechnisch hergestellten bislang nur auf fünf Prozent, allerdings ist die Tendenz steigend. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass einige Präparate von mehreren Herstellern, andere nur in leicht abgewandelter Kombination vom selben oder verschiedenen Unternehmen hergestellt und dann als jeweils neues Medikament gerechnet werden. So sollen nach Ankündigung der vfa-Vorsitzenden Cornelia Yzer allein bis 2013 „zehn neue Medikamente gegen rheumatische Erkrankungen“ auf den Markt kommen. In dieser Strategie der „individualisierten Medizin“ sehen die Firmen ohnehin das höchste Potential zur Wachstumssteigerung. Abgesehen von solchen Mitteln, die Entzündungsprozesse blockieren sollen, sind gentechnische Arzneien vor allem in der Krebstherapie, Diabetes und im Impfbereich präsent (Hepatitis B- und HPV-Impfung). Wachstumshormone und Blutgerinnungsfaktoren gehören ebenfalls traditionell zu den gentechnisch hergestellten Arzneien.
(Spiegel online, 02.08.10; vfa.de, 11.03.11; FAZ, 06.05.11) (mf) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/206/kurz-notiert-mensch-und-medizin )

·          

 

D) Gendiagnostik

·         Q: Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- Genom-Diagnose
Anwendung nur, wenn auch Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen; Ablehnung: Einstellungsuntersuchungen, Versicherungsschutz; Freiwilligkeit wahren

·         Dtsch. Ärzteblatt 1-2/98, S.A-32: Morbus Huntington
* Problemfaktoren
  praktisch absolute Diagnosesicherheit durch Gentest
  „unbeabsichtigte“ Mituntersuchung von Eltern und Verwandten
  Manifestationsalter und Verlauf?
  Keine kausale TherapieFISH-Test (Fluoreszenz-in Situ-Hybridisierung): Gensonde wird mit Fluoreszenz-Farbstoff markiert, lagert sich an Chromosom an
(bdw 2/2000 S.49)

·         SPIEGEL 17/98 S.38 Gen-Datenbank
Haut, Haare, Knochen Verstorbener, 10 Jahre alte Zigarettenkippe;
DNS-Abdruck verrät die Verwandtschaft

·         Dtsch. Ärzteblatt 22/98 S.A-1396
Richtlinien zur Diagnostik der genetischen Disposition für Krebserkrankungen

·         Bild der Wissenschaft 3/98 S.35
- max. 10% der Krebs-Todesfälle auf ererbte genetische Vorbelastung zurückzuführen
- etwa 5-10% aller Brustkrebserkrankungen gehen auf Vererbung zurück; 2 BRCA-Gene - aber nur bei 1/3 der brustkrebskranken Frauen nachweisbar

·         Präkonzeptions- oder Präfertilisations-Diagnostik;
im Rahmen des ESchG zulässig;
Gen-Untersuchung an Polkörperchen, die von weiblichen Eizellen gebildet werden: während der Reifeteilung wir die eine Hälfte des Genoms in das P. gepackt = eine verkümmerte Zelle, die sich zwischen der Eizelle und dem Eihäutchen befindet; Erbgut kann untersucht werden
Regine Kollek, taz 23.2.2000)

·         Vaterschaftstests, Kriminalistik: Informationen gewinnt man aus sinnleeren Abschnitten des Genoms, weil dort die größten Abweichungen ohne gesundheitliche Folgen möglich sind;
bei Neigung zu Mehlstaubasthma sollte man keine Bäcker-Lehre beginnen; Farbenblinde dürfen nie Pilot werden
(bdw 2/2000 S.44; Jens Reich)

·         Senatskommission der DFG:
prädiktive Tests ausschließlich im Gesundheitsbereich anwenden;
darf nur erfolgen, wenn der Betroffene zugestimmt hat, zuvor ausführlich aufgeklärt wurde;
Recht auf Nichtwissen
nicht bei Kindern und Jugendlichen, wenn es sich um eine erst bei Erwachsenen auftretende Krankheit handelt
am Arbeitsplatz nur bei unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit oder bei Gefahr erheblicher Gefährdung anderer Personen
(VFA: Gene und Genom)

·         prädiktive Diagnostik: Voraussage über künftige Erkrankungen oder gesundheitliche Risiken;
zusätzliches Wissen macht Entscheidungen nötig, wo vorher keine nötig waren;
Freiwilligkeit der Inanspruchnahme von Gendiagnostik;
Recht auf Nichtwissen der eigenen genetischen Ausstattung,
Recht auf Selbstbestimmung, welche genetischen Daten über einen selbst erhoben werden
(Barth, EKD: epd-wochenspiegel 27/2000 S.4)

·         von etwa 10000 menschlichen Genen ist die Funktion bekannt (bei 100000 - 140000 Genen);
(Spiegel 15/2000 S.172ff)

·         nur von 5000 der etwa 100000 menschlichen Proteine weiß man, welche Funktion sie im Körper haben;
etwa 200 spezialisierte Zelltypen;
(MPI für Molekulare Zell-Biologie und Genetik, Das Leben unter der Lupe, 2000?, S.13)

·         Versicherer in Frankreich droht mit Kündigung der Lebensversicherung, weil Patientin nicht auf Huntington hingewiesen hat (1997)
USA Fluggesellschaften lassen schwarze Angestellte auf Sichelzellenanämie testen; auch ohne ihr Wissen;
geschätzt USA 30% aller Einstellungen genetische Tests;
Februar 2000: frz. Versicherer kündigt an, für Eltern behinderter Kinder Policen zu verdoppeln, nach Protesten einstweilen zurückgestellt
(Le Monde diplomatique / taz Mai 2000 S.1/12)

·         Dr. Kobelt (genetische Beratung):
wir können Diagnosen stellen, aber keine individuellen Prognosen (für den Krankheitsverlauf) machen;
Schwergrad von Erbkrankheiten in der Regel nicht aus dem Erbgutbefund heraus abzuschätzen;
Mukoviszidose: 30 der 800 bekannten Mutationen des Gens werden in der Diagnose routinemäßig erfaßt (damit etwa90% der Erkrankungsfälle erfaßt);
eindeutige gezielte Suche nach spezifischen Genen für Erbkrankheiten erst möglich, wenn ein Krankheitsfall in der Familie bekannt ist;
Down-Syndrom: normale Häufigkeit 1:700, bei Alter der Mutter von 35 Jahren: 1:350 - nur wegen dieser Verdopplung ab 35 Jahren für das Risiko wird eine unangemessene Hektik entfaltet;
Fall: Frau 25 Jahre alt, Triple-Test i.O., Ultraschall i.O., trotzdem wird Kind mit Down-Syndrom geboren...;
derzeit für >200 Krankheiten genetische Untersuchungen verfügbar;
6000 monogen bedingte Krankheiten;
(Synode Sachsen, Sitzung Sozial-ethischer und Diakonischer Ausschuß 12.7.2000 Leipzig)

·         irreführende Meldung der letzten Tage: „London erlaubt Gentest für Krankenversicherungen“;
in den USA dürfen in einigen Bundesstaaten Versicherungen und Arbeitgeber genetische Untersuchungen verlangen, bevor sie eine Versicherungspolice ausstellen oder einen neuen Mitarbeiter einstellen; bei Vorliegen der Anlagen für eine Erbkrankheit z.B. Verweigerung des Vertragsabschlusses oder höhere Prämien möglich;
so weit ist es in Großbritannien noch nicht!-
lediglich zwei Testverfahren für Chorea-Huntington-Krankheit amtlich bestätigt;
Versicherungen dürfen den Test nicht verlangen, aber wie bisher schon nach dem Ergebnis bereits durchgeführter genetischer Untersuchungen fragen (so auch Regelung in Deutschland)
taz 20.10.2000

·         Euphorie angesichts der Entschlüsselung des menschlichen Genoms: FAZ druckt 6 Seiten Gensequenzen – recherchiert: 1 Pseudogen und Rest Non-sense-Sequenzen!;
Sloterdijk weiß nicht, wovon er spricht!;
monogene Krankheiten: 3-5% aller Krankheiten;
klassische monogene Krankheit ist Mukoviszidose, zähes Sekret verstopft die Lunge (in anderen Fällen auch stärker Bauchspeicheldrüse betroffen oder Samenwege verstopft), führt im Erwachsenenalter zum Tode, >900 Allele, Karl Jaspers hatte milde Form dieser Krankheit;
Alpha-1-Antotrypsin: bei Fehlen: Lungenemphysem, Tod mit etwa 50 Jahren, nur 80% der Träger erkranken (Umweltfaktoren?);
prädiktive, präsymptomatische Diagnostik: Vorhersagbarkeit einer Krankheit bei einem noch Gesunden;
spät manifestierende Erbgänge: Beispiel Chorea Huntington, 1:10000, im 40./50. Lebensjahr einsetzend, ungewöhnliche Bewegungsabläufe, Persönlichkeitsverlust;
Erfahrung: die meisten Behinderten erleben  - trotz Leid und Todesnähe – ihr Leben als lebenswert;
Illusion bei den Nazis wie bei den Behinderten-Verbänden: man könnte/würde durch Tötung/Abtreibung Behinderter die Erbkrankheiten loswerden
TU Dresden, Vortragsreihe Biotechnologie – Zukunft der Menschheit? Prof. Claus Bartram, Heidelberg, 16.11.2000 „Prädiktive Diagnostik – Chancen und Probleme“

·         Interview Catenhusen: Bundesregierung will Zwangs-Gentests verbieten, Kranken- und Lebensversicherungen sowie Arbeitgeber dürfen vor Vertragsabschluß keine Gentests verlangen
Öko-Test Magazin 1/01 S.8

·         Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Momentan und in absehbarer Zukunft werden die Versicherungsunternehmen weder Gentests als Mittel der Risikodifferenzierung verlangen noch ausdrücklich nach durchgeführten Gentests fragen.“ Der Verband weist aber gleichzeitig auf die vorvertragliche Anzeigepflicht hin. Nach dieser erwarten die Unternehmen „die Offenlegung gesundheitsrelevanter Informationen, ohne dass nach deren Herkunft unterschieden wird.“ Ein versicherter, der das Ergebnis seines Gentests kennt, muss dieses auch der Versicherung mitteilen.
Deutsches Ärzteblatt 43/2000 S.A2818

·         USA: Ehepaar mit 2-jähriger Mukoviszidose-Tochter will zweites Kind, Versicherung übernimmt Krankheitskosten nicht, wenn auch das zweite Kind mit M. zur Welt kommt
(Arbeitskreis Leben mit Mukoviszidose, Folien PID 9/2000 Folie 9)

·         Stimmt Behauptung (Regine Kollek), dass bei M. 3-5% der Merkmalsträger nicht krank werden?
Nein. Merkmalsträger erkranken immer, zeigen aber u.U. nur leichte Symptome, Erkrankung wird manchmal erst im Erwachsenenalter festgestellt (z.B. wenn Männer sich wegen Zeugungsunfähigkeit untersuchen lassen); bei den häufigen und schweren Mutation im CF-Gen immer auch deutliche Erkrankung; bei seltenen Mutationen oder zwei verschiedenen Mutationen auf den beiden 7er Chromosomen unter Umständen teilweise Funktion des Gens möglich
(Telefongespräch mit Dr. Harter, Mukoviszidose e.V. 5.7.01)

·         13. Symposium für genetische Pädiatrie in Chemnitz
Erkennen von seltenen genetisch bedingten Erkrankungen an geborenen Menschen oft nur durch Genetiker möglich; klinische Erfahrung (Foto – Erkennen des Syndroms);
Gefahr falscher Behandlung; Familie des Kranken möchte wissen, ob und in welcher Größenordnung Wiederholungsrisiko besteht
(Freie Presse 10.7.01)

·         Gesetzentwurf der Grünen zur Gendiagnostik
nur ein Arzt darf einen Gentest verschreiben;
nur zugelassene Gentests, freier Verkauf untersagt,
unerlaubte Gentest, rechtswidrige Weitergabe und Verwertung genetischer Daten unter Strafe gestellt;
Verbot von Gentests bei Einstellungen (Ausnahmen, z.B. Flugpiloten – Veranlagung für Ohnmachten?);
Versicherungen dürfen nicht nach einem Gentest fragen oder ihn anordnen (aber wenn der Versicherungsnehmer bei Abschluss eines Vertrages Kenntnis von einer Erbkrankheit hat, darf er das nicht verschweigen;
Recht auf Nichtwissen;
(taz 23.5.01)

·         Positionspapier des BMGesundheit
seit 1988 Moratorium der Versicherer, keine Genomanalysen zu verlangen, doch liegt ein Test vor, müssen die Ergebnisse vor Vertragsabschluss mitgeteilt werden;
BMGes will diese Praxis verbieten;
niemand darf wegen seiner erblichen Veranlagung diskriminiert werden, nur spezialisierter Arzt darf Diagnostik durchführen, über Weitergabe der Ergebnisse entscheidet der Patient allein;
Versicherungen laufen Sturm;
In Österreich, Frankreich oder Belgien hat ein solches Verbot bislang keine praktischen Auswirkungen
(Berliner Zeitung 11.6.01)

·         Gesundheitsdaten von Arbeitnehmern, für Kranken- und Lebensversicherungen?
dürfen weder verlangt noch angenommen noch sonst wie verwertet werden
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)

·         in Deutschland bietet die genetische Familienberatung, die sich vor allem an werdende Eltern richtet, derzeit rund 30 Gentests an. Es sind Tests auf sehr seltene Erkrankungen, von denen oft unter 10000 Menschen betroffen ist. Insgesamt gibt es erst für rund 500 der etwa 7000 bekannten Erbkrankheiten Gen-Tests.
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.80)

·         genaue Krebstherapie erst möglich, wenn Krebsart genau bekannt ist;
auf einem speziell entwickelter Biochip aus den USA können die Aktivitäten von rund 12000 Genen pro Tumorzelle abgefragt und archiviert werden
(taz 7.9.01)

·         das durch Gentests erlangte Wissen bleibt nicht auf den Getesteten beschränkt, sondern es werden immer auch Informationen über erbverwandte Dritte erlangt
(Das Parlament 19.10.01 S.2)

·         das DNA-Identifizierungsmuster als solches enthält keinerlei Hinweis auf die Persönlichkeit des Spurenverursachers
(Das Parlament 5./12.10.01)

·         Geschäft mit Abstammungstests boomt: Wer ist wirklich mein Vater?; 5-10% aller Kinder sind „Kuckuckskinder“, stammen von anderen Vätern; private Labors bieten Tests an; datenschutzrechtliche und persönliche Probleme
(Die Zeit 19.7.01 S.30; 11.10.01 S.67)

·         Tumordiagnostik mit Genchips
Die Therapie von Tumoren hängt entscheidend von der Art der Geschwulst ab. Es kommt daher darauf an, das Gewebe möglichst genau zu charakterisieren. Todd R. Golub vom Genomforschungszentrum des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge ist es gelungen, mit Genchips 78 Prozent der von ihnen untersuchten Tumorproben richtig zu klassifizieren. Bei den Analysen wurden mehr als 1600 Gene berücksichtigt
(Frankfurter Allgemeine Zeitung Mittwoch, 02. Januar, Nr. 1 Seite N1)

·         bis zum Jahr 2005 seien alle monogen bedingten Erbkrankheiten diagnostizierbar
(taz 1.3.02)

·         Der Handel mit Gentests hat sich zu einem florierenden Zukunftsmarkt entwickelt, der weltweit bereits rund 1,3 Mrd. US-Dollar umsetzt. Für 2005 wird mit einem weltweiten Umsatz von über 6 Mrd. US_Dollar gerechnet.;
Wird eine Person positiv auf Chorea Huntington getestet, deren Großvater an dieser Krankheit erkrankt ist, dann steht damit fest, dass der dazwischenliegende Elternteil ebenfalls ... an dieser Krankheit erkranken wird.
(GID 150/2002 S.15)

·         Eisenspeicherkrankheit Haemochromatose; USA 41000 Personen untersucht, 152 hatten von beiden Elternteilen mutierte Version des Gens geerbt, lediglich ein Patient zeigte klare Symptome der Krankheit,
(GID 150/2002 S.28)

·         englische Kosmetikkette bietet weltweit ersten frei verkäuflichen Erbgut-Check an;
9 Gene werden getestet, dann (allgemeine) Ratschläge für das Verhalten gegeben
(Spiegel 13/02 S. 190)

·         SPD plant Gesetz, das Gentests auch in D. erlaubt; auch Kassenpatienten soll die Möglichkeit haben, ihre Gene auf Krankheitsrisiken untersuchen zu lassen; niemand soll zu Gentests gezwungen werden; nur Untersuchung auf Krankheiten, die behandelbar oder vermeidbar sind; umfassende Beratung durch Arzt verbindlich;
(Spiegel 18/02 S. 19)

·         Kaufmännische Krankenkasse (KKH) bietet allen Mitgliedern Test auf Erbkrankheit Hämochromatose an; Eisen lagert sich in Geweben und Organen ab (Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz); Ursache: Mutation auf Chromosom 6; „Risikoperso“ ist, wer Mutation von beiden Eltern geerbt hat; jeder 400. Mitteleuropäer „reinerbiger Anlageträger“; (nur) 9 von 10 H.-Patienten in D. sind reinerbige Träger; nur jeder 10. wird tatsächlich (zwischen 50 und 60 Jahren) krank;
(taz 21.6.02)

·         Anhörung im Bundestag zu Gentests;
Nach Auffassung des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen sind Patienten, die nach einer genetischen Untersuchung wissen, dass der Versicherungsfall bereits eingetreten sei oder unmittelbar bevorstehe, nicht mehr versicherbar. Dabei unterscheide er zwischen diagnostischen und prädiktiven Gentests. Habe der Antragsteller wegen klinischer Symptome einen Gentest machen lassen, müssten die Ergebnisse dem Versicherer mitgeteilt werden... Anders bewertet der Verband die prädiktiven Gentests, deren Auslöser nicht Symptome oder Beschwerden sind, sondern Krankheitsfälle in der Verwandtschaft. Sie enthüllten bestimmte Gendefekte, die irgendwann einmal zu einer möglichen Erkrankung führen könnten – das sei eine Information, die von den Versicherungen nicht verwendet werden dürfe. Dieser Position schloss sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung bis zum Jahr 2006 an.
(Das Parlament 14.6.02)

·         Befragung USA: 550 Personen identifiziert, denen aufgrund ihrer genetischen Disposition für eine Erkrankung ein Versicherungsvertrag oder ein Arbeitsvertrag verweigert worden war
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.138)

·         in den USA kommen in den nächsten Monaten Bio-Chips auf den Markt für molekulargenetische Diagnosen, z.B. Mukoviszidose, mit bislang ungekannter Zuverlässigkeit;
Analyse soll nur noch einige Stunden statt bisher Tage dauern; können in der Arztpraxis ausgewertet werden;
Biochips vorgestellt, auf die sich bis zu mehrere Zehntausend Gene programmieren lassen; in Zukunft womöglich das ganze Erbgut eines Menschen auf einem Chip auswerten
(GID 153, 8-9/2002 S.27)

·         prädiktive (präsymptomatische) genetische Diagnostik
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 330)

·         Positionspapier der Gesellschaft für Humangenetik (1996):
Die Abnahme der Prävalenz von genetisch bedingten Erkrankungen oder Behinderungen in einer Bevölkerung kann ein möglicher Nebeneffekt, nicht jedoch das primäre Handlungsziel der angewandten Humangenetik sein. Jedes überindividuelle Handlungsziel birgt die Gefahr, dass durch die Mittel, die zur Erreichung dieses Zieles eingesetzt werden, müssten, grundlegende Prinzipien verletzt würden.
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 336)

·         etwa 0,5% aller Neugeborenen weisen numerische oder strukturelle Chromosomenaberrationen auf, von denen der größere Teil in einer elterlichen Keimzelle neu aufgetreten ist (Neumutation);
Monogen erbliche Krankheiten kommen durch die Veränderung eines einzigen Gens zustande. Der Katalog von McKusick (OMIM) enthält gegenwärtig über 14000 Eintragungen. Jede Eintragung weist auf ein monogen erbliches Merkmal hin. Zur Zeit sind 1700 monogen erbliche Merkmale molekulargenetisch charakterisiert. Dies betrifft 1336 Gene;
etwa 100 Millionen Menschen sind weltweit von bestimmten Störungen der Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der Thalassämie (autosomal rezessiv erblich) betroffen;
beim CFTR-Gen, das bei Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose) Defekte aufweist, sind über 950 Mutationen bekannt, deren klinische Konsequenz von einer schweren, lebensbegrenzenden Lungenerkrankung über Verdauungsprobleme durch Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse bis zur Unfruchtbarkeit von Männern führt;
ein bestimmtes Krankheitsbild kann durch unterschiedliche Gendefekte hervorgerufen werden: Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, welche über einen fortschreitenden Sehverlust bis zur Erblindung führt, Mutationen in mehreren Dutzend unterschiedlichen Genen können diese Augenkrankheit hervorrufen;
selbst bei identischer Mutation in einem Gen kann das Krankheitsbild erheblich variieren: Neurofibromatose Typ I, klinische Befunde reichen von bräunlich pigmentierten Hautarealen über gutartige kosmetisch störende Tumoren bis zu Skelettfehlbildungen oder bösartigen Hirntumoren;
Chorea Huntington: Risiko für die Manifestation der Krankheit von fast 100%;
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.12, 20f, 26f)

·         eineiige Zwillinge sind für multifaktoriell erbliche Krankheiten häufig im Bereich von 40 bis 60% konkordant;
selbst wenn man alle genetischen Risikofaktoren kennt, die zusammengenommen die genetische Disposition zu einer Krankheit ausmachen, wird die Vorhersagbarkeit einer Krankheit maximal die Konkordanzrate eineiiger Zwillinge erreichen können. Es wird also niemals möglich sein, mit genetischen Methoden das Auftreten einer multifaktoriell erblichen Krankheit definitiv vorherzusagen oder auszuschließen. Die Annahme eines genetischen Determinismus ist deshalb falsch, entsprechende Sorgen sind unbegründet. Noch komplizierter ist die Situation, wenn es um Funktionen des menschlichen Gehirns wie Intelligenz, Kreativität oder sexuelle Präferenz geht... es ist offen, ob es jemals gelingen wird, derartige Phänotypen eindeutig mit bestimmten Genen zu korrelieren.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.15f)

·         diagnostische Chips: derzeit möglich, auf 1 cm2 Fläche mehr als 250000 verschiedene Oligonukleotide anzuordnen;
DNA-Chips und Protein-Chips
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.19)

·         freiwilliges Moratorium der Versicherungswirtschaft in Deutschland (zunächst bis 31.12.06): aus Durchführung von prädiktiven genetischen Tests wird nicht zur Voraussetzung eines Vertragsabschlusses gemacht;
Ergebnisse von aus anderen Gründen bereits durchgeführten genetischen Untersuchungen müssen erst ab einer Versicherungssumme von 250000 Euro oder einer Jahresrente von 30000 Euro offengelegt werden;
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik, Stellungnahme März 2003, S.51f)

·         erbliche Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) bricht nur bei 1-4% der reinerbigen Merkmalsträger aus; die Mutationen sind häufig (1:400 in Europa); Häufigkeit könnte Selektionsvorteil geboten haben (Überstehen von Hungerphasen, Menstruation – Eisenverlust, Infektionskrankheiten)
(GID 159 7/8-2003 S.34)

·         1998 wurde die DNA-Analyse-Datei beim Bundeskriminalamt eingerichtet, derzeit etwa 250000 Datensätze von erfasten Personen (Verdächtige, Straftäter) und 50000 Spuren von Tatorten
(Die Zeit 18.9.03 S.17)

·         PCR:
minimale Spuren von unbekannter DNA zu verstärken (vervielfältigen), so dass sie ohne Probleme nachgewiesen werden können;
zunächst braucht der Wissenschaftler als Startmoleküle kurze, spezifische DNA-Fragmente, sog. Primer, um die Verdoppelung der Einzelstränge in Gang zu bringen;
In der Regel PCR als Prozess in drei Stufen:
1. DNA-Doppelstränge werden bei 95 Grad Celsius aufgespalten;
2. anschließend legen sich die Primer bei Temperaturen zwischen 50 und 65 Grad an eine bestimmte Stelle des jeweiligen DNA-Einzelstranges;
3. schließlich können sich die Nukleotide, die in der Reaktionslösung schwimmen, bei 72 Grad an die Startmoleküle anschließen (ankoppeln)
so liegen nun zwei identische DNA-Doppelstränge statt nur einem vor;
30 bis 45 solcher Verdopplungen nacheinander, nach 20 Zyklen theoretisch 1 Mill Kopien
(taz 31.10.03)

·         Krankheiten, die durch ein Gen verursacht sind: bis heute sind mehr als 6500 bekannt
(Konferenz Europ. Kirchen; Arbeitsgruppe über Bioethik 2003: Gentests und prädiktive Medizin)

·         Vaterschaftstests; Testpakete bereits in Apotheken angeboten; Beispiel ein Labor: jährlich 3000 Aufträge, ein Test kostet 435 Euro; 150000 Euro teurer Analyseautomat; Probenahme: Spucke, Wattestäbchen, Kaugummis, Zahnbürsten, Zugarettenkippen, Haare, getragene Socken, schmutziges Hemd
(Der Spiegel 3/04 S.72)

·         gesunde Lehrerin wird nicht verbeamtet, Vater leidet an der Erbkrankheit Chorea Huntington, sie fühlt sich von den Behörden zum Gentest genötigt
(Der Spiegel 43/03 S.216)

·         Elektrophorese: DNA-Molekül enthält zahlreiche Phosphatreste, diese sind in alkalischer Lösung negativ geladen und wandern im elektrischen Feld zum Pluspol; wenn diese Wanderung sich in einem Gel abspielt, werden die DNA-Moleküle gleichzeitig der Größe nach sortiert;
DNA-Amplifizierung durch PCR:
1. Reaktionslösung auf 90-95 Grad erhitzen, DNA-Doppelstrang wird aufgetrennt (Denaturierung);
2. Temperatur senken auf 50-60 Grad; PRIMER lagern sich an die komplementären Sequenzen der Einzelstränge an;
3. Temp. auf 72 Grad; unter Einwirkung der DNA-Polymerase werden DNA-Stränge verlängert
(EIBE Einheit 2 DNA Profilanalyse, 2000, S.10; 16)

·         Gentests haben eine Fehlerquote von bis zu 2% (Studie der EU-Kommission)
(GID 161/2004 S.27)

·         nach einem Gesetz dürfen in der Schweiz private Lebensversicherer bei hohen Versicherungssummen (über 400.000 Schweizer Franken) Einsicht in die Ergebnisse von Gentests verlangen
(GID 165/2004 S.43)

·         Deutschland: Gesundheitsministerium legt Entwurf für Gentest-Gesetz vor;
endlich soll Schluss ein mit heimlichen Vaterschaftstests, genetische Untersuchungen zur Aufklärung der Abstammung dürfen nur vorgenommen werden, wenn alle von der Untersuchung betroffenen Personen vorab zugestimmt haben;
genetische Untersuchungen zu Forschungszwecken nur erlaubt, wenn eine „informierte Zustimmung“ vorliegt, der Betroffene ausdrücklich und schriftlich eingewilligt hat; bei anonymisierten Daten keine Zustimmung erforderlich; auch Versuche an Gewebe von Säuglingen, Dementen, psychisch Kranken grundsätzlich möglich
(taz 17.11.04)

·         New York: eine in den ersten Lebenstagen bei Neugeborenen entnommene Blutprobe wird ab 2005 auf 44 genetisch bedingte Erkrankungen getestet, bisher waren es 11; eine Reihe von US-Staaten hat das Neugeborenen-Screening stark erweitert, nachdem eine Bundeskommission im Oktober 2004 eine Liste von 30 vererbbaren Erkrankungen empfohlen hatte
(GID 167/2004 S.45)

·         bis 2011 wird in Deutschland beim Abschluss einer Lebensversicherung kein prädiktiver Gentest verlangt werden; freiwillige Erklärung der Versicherungswirtschaft um 5 Jahre verlängert; allerdings wird bei sehr hohen Versicherungsleistungen eine Auskunft über vorhandene Ergebnisse gefordert (Lebensvers. ab 250000 Euro, Jahresrenten ab 30000 Euro)
(GID 167/2004 S.46)

·         Stellungnahme Nationaler Ethikrat:
plädiert für eine eingeschränkte Zulassung von Gentests bei Stellenbewerbern;
generell bestehe kein Unterschied zwischen Gentests
und anderen medizinischen Untersuchungen;
Fragen oder Untersuchungen, die sich auf das Risiko von später auftretenden Krankheiten beziehen, sollen nur zulässig sein. wenn sie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50% in absehbarer Zeit die Arbeitsfähigkeit des Bewerbers beeinträchtigen; normalerweise Zeitraum von 6 Monaten zu betrachten; bei Beamten 5 Jahre; keine Einschränkungen für Tests bei Piloten oder Busfahrern (z.B. Neigung zu Krampfanfällen)
(taz 17.8.05)

·         Polkörperdiagnostik (PKD) : Für Deutschland einzig nach dem Embryonenschutzgesetz zulässig ist die Präfertilisationsdiagnostik, welche methodisch die Biopsie des ersten und gegebenenfalls zweiten Polkörperchens erfordert. Die anschließenden humangenetischen Untersuchungen müssen, bedingt durch den vorgegebenen Zeitrahmen noch vor der Entstehung eines Embryos, das heißt vor der Verschmelzung des männlichen und weiblichen Vorkerns, erfolgen und abgeschlossen sein.;
das größte klinische Einsatzspektrum der PKD ist die Untersuchung von Chromosomen-Fehlverteilungen, so geannten
Aneuploidien;
dass bei Frauen über 40 Jahren bereits über die Hälfte der Eizellen bezüglich der häufig untersuchten Chromosomen (13, 16, 18, 21, 22) auffällig sind; bereits bei Patientinnen unter 35 Jahren können 30-40% der Eizellen aneuploid sein;
eignet sich die PKD zur Detektion von Translokationen in Eizellen nur dann, wenn eine maternale, balancierte Translokation vorliegt;
da die Diagnose mittels der Polymerasekettenreaktion an einer, besser zwei Einzelzellen (erster und gegebenenfalls zweiter Polkörper) erhoben werden muss;
(Dtsch. Ärzteblatt 4.3.05 S.A587ff)

·         Biochips
kaum größer als ein Daumennagel, aber auf ihnen versteckt sich ein komplettes Chemielabor;
bis zu einer Million Fängermoleküle drängen sich auf einem winzigen Plättchen aus Glas oder Silizium; an einer
bestimmten Position des Zellrasters befestigt, lauern sie auf Partner-Moleküle, die in der auf den Chip aufgetragenen Lösung – z.B. Blut, Wasser oder Milch – an ihnen vorbeischwimmen; hat ein Fänger ein Molekül erwischt, etwa einzelne Sequenzen des Erbmoleküls DNA, lässt er es nicht mehr los; doch bei der Partnerwahl sind die Moleküle überaus wählerisch: klebt beispielsweise eine Hälfte eines DNA-Doppelstrangs als Fänger auf dem Chip, fischt sie aus der Mixtur verschiedenster Substanzen zielsicher nur die jeweils andere Hälfte heraus;
optische Auswertungssysteme (Transducer): bei diesem Nachweis koppeln die Forscher Leuchtmoleküle (Fluorophore) an die Moleküle in der Testlösung; das Fängermolekül hält dann auch den Fluorophor fest; bei Bestrahlung mit UV-Licht leuchtet  der Fluorophor auf und verrät, dass hier ein bestimmtes Fängermolekül das passende Gegenstück gefunden hat
(bdw 4/2005 S.100ff)

·         S.8: In der Medizin unterscheidet man begrifflich zwischen Prognose und Prädiktion. Unter einer Prognose versteht man eine Aussage über den weiteren Verlauf einer vergangenen oder gegenwärtig bestehenden Erkrankung. Demgegenüber ist Prädiktion eine Aussage über das Risiko für eine Krankheit, die bisher noch nicht ausgebrochen ist.;
Als genetische Untersuchungen werden in dieser Stellungnahme alle Untersuchungen verstanden, die durch die Analyse dem Körper entnommener Substanzen unmittelbar Aufschluss über die genetische Ausstattung eines Menschen geben.
Dies sind Untersuchungen von Chromosomen (zytogenetische Analysen), DNA oder RNA (molekulargenetische Analysen) oder Genprodukten (biochemische oder immunochemische Analysen).;
S.9: mithilfe genetischer Untersuchungen kann eine Reihe von Krankheiten mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, in einigen Fällen mit 100-prozentiger Sicherheit vorhergesagt werden.;
S.13: Monogen erbliche Krankheiten beruhen auf Mutationen mit hoher oder sogar 100 Prozent Penetranz (= Häufigkeit der Manifestation JK). ... Der Nachweis einer Mutation mit 100 Prozent Penetranz bedeutet, dass die Krankheit in allen Fällen manifest wird, wenn der Betroffene nicht zuvor an einer anderen Ursache stirbt. Eine solche 100-prozentige Penetranz besteht etwa bei der Huntingtonschen Krankheit,  ... verschiedenen erblichen Muskelkrankheiten, Formen der erblichen Blindheit und Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit ... (S.21: In den wenigen Fällen, bei denen der Krankheitsausbruch mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit vorhergesagt werden kann, bleibt immer noch der Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs unbestimmt) ... Im Fall erblicher Dispositionen für Krebskrankheiten liegt die Manifestationswahrscheinlichkeit für die Träger einer Mutation meist bei 50-80 Prozent ...;
multifaktorielle Krankheiten. Neben den Mutationen, die sich zwingend oder mit hoher Penetranz phänotypisch niederschlagen, wird eine ständig zunehmende Zahl von Mutationen bzw. Genotypen bekannt, die nur mit einer mäßigen bzw. geringen Erhöhung eines Krankheitsrisikos verbunden sind, z.B. um den Faktor 1,2 oder 1,5. In anderen Worten: statt 10 unter 1000 würden in diesem Fall 12 oder 15 unter 1000 Menschen erkranken;
S.37: Erhebung und Nutzung prädiktiver und prognostischer Gesundheitsinformationen sollte bei der Einstellung ... auf solche Informationen zu Krankheiten ... beschränkt werden, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (über 50%) eintreten werden und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erheblich ist;
verwertbar sein sollten nur Angaben über Krankheiten, die sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit innerhalb eines gesetzlich oder tarifvertraglich zu definierenden Zeitraums nach der Einstellung (z.B. in Anlehnung an die übliche sechsmonatige Probezeit; S.45: bei Verbeamtung 5-Jahre) in nicht unerheblichem Ausmaß auf seine Eignung für den Arbeitsplatz auswirken werden. Auf diese Informationen beschränkt sich die Pflicht des Bewerbers, Fragen des Arbeitgebers bzw. des untersuchenden Arztes wahrheitsgemäß zu beantworten. ...
Familienanamnese nicht zulässig
S.44: Weiter gehende Untersuchungen auf gegenwärtig symptomlose oder auf vorhersagbare Krankheiten sind zulässig, wenn sie unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit notwendig sind, um in der Art der Tätigkeit liegende
spezifische Risiken für Dritte auszuschließen (z.B. bei Piloten, Busfahrern, Küchenpersonal).
(Nationaler Ethikrat: Prädiktive Gesundheitsinformationen bei Einstellungsuntersuchungen, Stellungnahme 16.8.05, Druckfassung A4)

·         S.17: über 5000 bekannte Erbkrankheiten
(Spektrum
der Wissenschaft, Dossier: Das neue Genom, 1/2006)

·         Grüne haben Gesetzentwurf für Gendiagnostikgesetz vorgelegt
(taz 15.9.06)

·         Verfassungsgericht: künftig hat jeder Mann einen Anspruch darauf zu wissen, ob ein ihm „rechtlich zugeordnetes“ Kind tatsächlich von ihm abstammt;
genetische
Überprüfung ist erst seit rund 5 Jahren möglich;
2004 wurden ca. 40.000 Vaterschaftstests durchgeführt;
Speichelprobe, Haarwurzeln, durchgekauter
Kaugummi, Windel;
Ergebnisse sind zu 99,9 % sicher;
Preise liegen derzeit zwischen 140 und 600 Euro;
Großbritannien: 1 Kind von 25 wurde nicht vom offiziellen Vater gezeugt;
Diskussionsseite: www.vaterschaftstest-unkommerziell.de
(taz 14.2.07)

·         Stellungnahmen Nationaler Ethikrat:
„Prädiktive
Gesundheitsinformationen beim Abschluss von Versicherungen“ 2/2007 http://www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_PGI_Versicherungen.pdf
“Prädiktive Gesundheitsinformationen bei
Einstellungsuntersuchungen“ 8/2005
http://www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_PGI_Einstellungsuntersuchungen.pdf

·         Selbstverpflichtung der deutschen Versicherer zum Verzicht auf die Durchführung von Gentests 11/2001:
www.gdv.de/Downloads/Pressemeldungen_2002/PM41.rtf

·         Gentestgesetz in den USA angenommen, zielt auf das Verbot genetischer Diskriminierung ab; Versicherern ist verboten, gesunden Personen allein aufgrund ihrer genetischen Veranlagung höhere Prämien abzuverlangen; Gentests dürfen nicht in Entscheidungen über Einstellung, Kündigung oder Beförderung von Arbeitnehmern einfließen; Regelung soll auch Angst davor nehmen, genetische Proben für Forschung zur Verfügung zu stellen
(GID 182 Juni 2007 S.49)

·         Kölner Firma bietet Test an, der ab der 8. Schwangerschaftswoche das Geschlecht des ungeborenen Kindes ermittelt; bisher übliche Geschlechtsbestimmung per Ultraschall erst ab 16. SSW; Befürchtung zu Abtreibungen innerhalb der gesetzlichen 3-Monats-Frist;
in eingeschickter Blutprobe der Mutter werden Y-Chromosomen gesucht (einzelne Zellen des Kindes gelangen in den mütterlichen Blutkreislauf);
Treffsicherheit 99 %; Unsicherheit bei Mehrlingen und unterschiedlichem Geschlecht:
Kosten 149 Euro, bei Fehlprognose zurück
(taz 21.9.07)

·         (224) vererbbare Krankheit Chorea Huntington (früher: Veitstanz) wird ausgelöst durch ein einzelnes, zu oft kopiertes Basen-Triplett auf Chromosom 4 verursacht; wird das Triplett CAG mehr als 35 mal hintereinander wiederholt, scheint der Ausbruch der Krankheit unvermeidlich, auch wenn niemand mit Bestimmtheit sagen kann, WANN es dazu kommt; so erkranken Menschen mit 39 Wiederholungen im Durchschnitt mit 66 Jahren
(Stefan Rehder: Gott spielen – Im Supermarkt der Gentechnik, Pattloch, München, 2007)

·         Die derzeit geltende Selbstverpflichtung der Versicherungswirtschaft, auf genetische Untersuchungen bei Vertragsabschlüssen zu verzichten, soll über 2011 hinaus um möglicherweise 5 Jahre verlängert werden
(GID 185 Dezember 2007 S.42)

·         Bundesärztekammer zum Gendiagnostikgesetz: http://www.baek.de/page.asp?his=0.7.47.6907

·         Ropers, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin:
Veränderungen in schätzungsweise 15.000 der menschlichen Gene können zu Krankheiten führen, aber nur ungefähr 2.500 dieser Gene sind identifiziert;
In unserer Bevölkerung dürfte das Gesamtrisiko für rezessive Krankheiten bis zu 0,5% betragen – das entspricht der Häufigkeit von Chromosomenanomalien bei Nachkommen älterer Mütter
(Der Spiegel 44-2010 S.130)

·         Gentest verrät Haarfarbe
Mit einem neuen Gentest können Ermittler mit einiger Sicherheit die Farbe des Haupthaares aus der Erbsubstanz DNA herauslesen. Das berichtete ein Team um Professor Manfred Kayser, den Leiter der Abteilung für Forensische Molekularbiologie am Medizinischen Zentrum der Erasmus-Universität Rotterdam. Die Resultate sind im Journal Human Genetics veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigten, dass sich aus der DNA-Information mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent ermitteln lasse, dass eine Person rote Haare hat. Eine ähnlich hohe Genauigkeit gelte für die Aussage, dass die DNA von einem Menschen mit schwarzen Haaren stamme. Die neue Methode erlaube es zudem, ähnliche Haarfarben - wie Blond und Dunkelblond oder Rot und Rotblond - zu unterscheiden.
(taz 7.1.2011 S.18)

·         Mukoviszidose: Bluttest statt Gentest;
Mit einem Bluttest könnte künftig die Diagnose der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose bei Kindern günstiger und vermutlich auch genauer als mit dem bislang gebräuchlichen Gentest festgestellt werden. An der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg wurde der neue Test, bei denen zwei Proteine im Blut der Neugeborenen gemessen werden, bei hunderttausend Babies angewandt und mit dem Ergebnis des Gentests verglichen. Dabei war der biochemische Test hinsichtlich der Entdeckungsrate der Krankheit nach Aussage der Forscher überlegen. Sie fordern nun, ein flächendeckendes Screening mit dem Bluttest einzuführen. Über die Nachricht dürften sich auch Ärzte ohne Zusatzausbildung für Humangenetik freuen, die nach Inkrafttreten des Gendiagnostikgesetzes das Aus für die Gentestung in ihrem Haus befürchteten. Für Mukoviszidose gibt es bislang keine Heilung, aber symptomatische Therapien, die vor allem im frühen Stadium der Krankheit Linderung erzielen können.
(Ärzte Zeitung, 20.04.11) (mf) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/206/kurz-notiert-mensch-und-medizin )

 

 

 

E) Pränantale Diagnostik

·         Q: TV ZDF 11.2.96 Mona Lisa - das perfekte Kind
- Ärzte sind verpflichtet, bei Schwangeren über 35 Jahre pränatale Diagnostik zu empfehlen; zunehmend auch Frauen unter 35 und ohne bekanntes Risiko; Qualitätsprüfung des Kindes, Schwangerschaft auf Probe
- Chorionzottenbiopsie ab 10. Woche, Gewebe aus der Plazenta, 0,5-1,5% Fehlgeburtsrisiko
- Amniozentese ab 14. Woche - 1%
- Triple-Test Blutentnahme ab 16. Woche
- neuer §218:
*keine embryopathische Indikation mehr (Abbruch bis Ende der Schwangerschaft möglich), Frist früher: 22. Woche
* Abbruch ab 20. Woche: Geburt zum Tode
* Frage nur noch: ist das Kind der Mutter zumutbar?
- in Frankreich: gezielte Tötung im Mutterleib mit Spritze zulässig; juristisch in D. auch, strafrechtlich erlaubt,, wird auch praktiziert (bei Zwillingen: einer schwere Behinderung, auch selektive Mehrlingsreduktion)

·         Q: Das Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- S. 67: derzeitige Problemfelder bei der genet. Beratung und pränatalen Diagnostik:
* Bevölkerungseugenik (welche Eigenschaften wünschenswert, wie befördern und behindern?)
* Beschränkung der Autonomie der Betroffenen (Behinderte "verhindern")
* Zulässigkeit aktiver Beratung (Suche nach Betroffenen, "Zwangs-Aufklärung" - Recht auf Nicht-Wissen)
* Reichweite der pränatalen Diagnostik (wonach wird gesucht?)
* Schutz der genetischen Daten

·         Q: Domdey, H. u.a.: Gentechnologie, Ev. Presseverband für Bayern, München 1990
- S.93: Chorea Huntington Nervenkrankheit, Beginn meist um das 45. Lebensjahr, Patienten leiden unter schnellen, unwillkürlichen, oft bizarren unkontrollierbaren Muskelzuckungen, bald Sprachstörungen und allgemeine psychische Veränderungen, fortschreitender Persönlichkeitsabbau mit zunehmendem geistigen Verfall, innerhalb weniger Jahre pflegebedürftig, letzte Lebensjahre völlige geistige Umnachtung, Tod nach 12-13 Jahren Krankheitsdauer, keine kausale Therapie bekannt
- S.94 Cystische Fibrose CF wird autosomal-rezessiv vererbt, d.h. beide Eltern müssen Merkmalsträger sein, Risiko 25%

·         Q: Ludger Weß (Hrsg.) Schöpfung nach Maß: perfekt oder pervers?, Oberursel 1995
- Dilemma: Schicksale von Menschen werden mit wiss. Autorität vorausgesagt
- im Falle pränataler Diagnostik müssen Eltern Entscheidungen über den "Lebenswert" ungeborener Kinder treffen
- seit 1984 sind Ärzte verpflichtet, Schwangere ab 35 Jahren auf mögliche Diagnosen hinzuweisen; 80% nutzen das (Amniozentese)
- Amniozentese: Fehlgeburtsrisiko 1%, Risiko Down Syndrom 0,25%
- Chorionzottenbiopsie 7.-10. Woche; Ergebnisse innerhalb von 1-2 Tagen; 2% Fehlgeburtenrisiko
- zystische Fibrose: durchschn. Lebenserwartung 27 Jahre
- es gibt dreimal so viele Wissenschaftler, die an der Gentherapie der ADA-Krankheit arbeiten, als es ADA-Patienten auf der ganzen Welt gibt

·         Günter Altner: Leben in der Hand des Menschen, Darmstadt 1998, S.126:
14.7.33 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses verkündet:
gesetzliche Grundlage für zwangsweise Sterilisierungen bei
- angeborenem Schwachsinn
- Schizophrenie
- zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein
- erblicher Fallsucht
- schwerem Alkoholismus

·         FP 1./2.8.98: über 290000 Menschen in Sachsen schwerbehindert; in 81% der Fälle ist Behinderung auf eine Krankheit zurückzuführen, bei 9% der Betroffenen war das Leiden angeboren, in 4% Unfälle als Ursache

·         Ökotest-Magazin 8/98 S.55:
* ob Ultraschall, Bluttest oder Fruchtwasseruntersuchung - die meisten Schwangeren lassen ihr Kind schon vor der Geburt auf mögliche Krankheiten oder Missbildungen untersuchen
* 97% der Kinder werden gesund geboren
* Down-Kinder können ein durchaus erfülltes Leben verbringen
* eine von 100 Frauen verliert ihr Kind nach der Amniozentese
* FISH-Schnell-Test mit Flureszenz, Neuralrohrdefekte nicht erkennbar
* TRIPLE-Test: ein spezielles kindliches Eiweiß, zwei mütterliche Hormone, Alter der Frau: Risikoabschätzung, ordnet der Risikogruppe viel mehr Schwangere zu, als tatsächlich betroffen sind: von 1000 untersuchten Schwangeren  haben 40 ein erhöhtes Risiko für ein Kind mit Neuralrohr-Defekt (z.B. offener Rücken) - tatsächlich betroffen sind nur 2 Kinder; 100 Schwangere haben erhöhtes Risiko für Down-Syndrom - betroffen sind höchstens 2 Kinder; ein weiteres Kind wird eine der beiden Krankheiten haben und wird im test nicht als erhöhtes Risiko erkannt

·         ZDF 29.4.98 ODYSSEE 3000 Frankensteins Kinder: / danach Diskussion
* in der Kombination der modernen Fortpflanzungsmedizin mit der Gentherapie liegt der Sprengstoff für die Zukunft; Krankheiten heilen, Menschen verbessern
* USA Fortpflanzungsklinik: „In Zukunft wird kein Embryo mehr verwendet, den wir nicht getestet haben“; „Wir können Ihnen ein Kind liefern, das frei ist von Mongolismus, von Muskelschwäche...“
* Vater des ersten Retortenbabys (Edwards): „Die Ethik muss sich dem technischen Fortschritt anpassen“
* Max Frisch: „Es gibt einen menschlichen Maßstab, man kann ihn nicht verändern, man kann ihn nur verlieren“

·         ARTE 9.7.98 Menschen nach Maß - der Griff nach dem Erbgut
* Film GATTACA: „Sie möchten doch für Ihr Kind den bestmöglichen Start...“
* Gefahr: Instrumentalisierung des Menschen, Mensch wird gezeugt als Mittel für Zwecke anderer Menschen, Mensch wird benutzt...
* Barth EKD: oft bemüht: Menschen in Notlage (Knochenmarksspende, Organspende) das rechtfertigt noch nicht Klonierung, zu simpler Mechanismus: Hilfe um jeden Preis
* Illusion vom leidfreien Leben voller Glück
* genetische Selektion von Mitarbeitern in US-Firmen: höheres Risiko für Allergien, für best. Krebsarten
* unser Zukunft wird bestimmt vom Zufall und vom Dollar;
  BARTH: domestizierter Kapitalismus!
  SEEDS: ethische Entscheidungen trifft in Amerika der Markt
  Medikament für krankhafte Kleinwüchsigkeit: zu wenig echte Patienten da - man definiert die letzten drei Prozent eines Jahrgangs als zu klein - und schafft Markt mit hunderttausenden!
* „Wir müssen schauen, ob es dem Baby gut geht“ - aber wenn es ihm schlecht geht, darf es nicht leben
* FISH-Test zahlreiche, aber nicht alle numerischen Chromosomenanomalien nachweisbar
* Abtreibung im 8. Monat: Nadel ins Herz des Kindes, Salzlösung gespritzt
* Gentechnik ist auf Eugenik hin angelegt
  im Labor etwas zu beseitigen ist leichter als einen Zigeuner zu ermorden
  wir beseitigen nicht Erbkrankheiten, sondern Erbkranke
* 1931 Aldous Huxley: Brave New World
  Klonierung nach dem Bukowski-verfahren (aus 1 Embryo werden 96)

·         GID 125/126 4/98 S.59:
* Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik
* in der Schwangerschaftsvorsorge werden reiehnweise Untersuchungen durchgeführt, die nicht der Gesunderhaltung des Ungeborenen dienen, sondern der gezielten Suche nach Schädigungen, für die es keine Therapie gibt
* PD: 1991 40000, 1994 60000
* Aufklärungspflicht der Ärzte und Zustimmung des Patienten vor jeder therapeutischen oder diagnostischen Maßnahme - hier häufig nicht eingehalten
* oft erst in akut problematischer Situation überhaupt von anderen Möglichkeiten der Beratung erfahren
* Beratung sollte frei sein
  von Interessen wirtschaftlicher Art (Labor, Forschung)
  von Interessen juristischer Art (Absicherung gegen Haftungsschäden)

·         taz 28.5.98:
* 14.7.33: Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses
* schwachsinnige, depressive, suchtkranke Menschen auch gegen ihren Willen unfruchtbar machen; 350000 Menschen als rassisch minderwertig eingestuft, 6500 bei Sterilisationen gestorben

·         Publik-Forum 2/98 S.13: 1996 160 Spätabbrüche bei 130000 Abbrüchen gesamt

·         B3 18.2.98 Im Griff der Gene - unser Erbgut- Bürde für das Leben
* DNS - Symphonie des Lebens auf 46 Chromosomen; 2 Millionstel Millimeter dünn, 1,5 Meter lang;
  100000 Gene
* > 5000 monogen bedingte Erbkrankheiten, ca. 500 davon können routinemäßig getestet werden;
  solche Webfehler kann man zwar feststellen, aber kaum reparieren
* fragiles X-Syndrom:
  häufigste bekannte Ursache für erbliche geistige Behinderung (Verhaltensstörungen, längliches Gesicht, große Ohren) ; seit 1991 Gentest möglich: Wiederholungen einer kurzen Gen-Sequenz; Protein wird nicht hergestellt, fehlt im Gehirn; keine Aussage über Schwere der Erkrankung (evtl. nur leichte Lernbehinderung);
USA: Versicherungen verweigern Aufnahme in Versicherung oder Behandlung
brit. Wissenschaftler rechnet vor: 1 Kind X-Syndrom kostet > 2Mill.DM/Lebenszeit; 1 Screening-Test kostet je vermiedenem Fall nur 270000 DM
* krank
à behindert à vermeidbar?
* Risiko für behindertes Kind 3%, wird durch PD kaum vermindert
* Verhaltens-genetik (???) bis heute keine Beweise gesehen!
  Zwillingsforschung:
  durchschnittlich 42% der „großen 5 Persönlichkeitsmerkmale“ in der Erbsubstanz verwurzelt:
  - Emotionalität
  - Gewissenhaftigkeit
  - Verträglichkeit
  - Offenheit für Erfahrungen
  - Geselligkeit

·         Dr. Kobelt, Chemnitz, Vortrag Chemnitz 23.4.96
- allg. Fehlbildungsrisiko Neugeborener 1-2%; Chromosomenfehlbildung <1%
- FISH-Test (Fluoreszenz-in-Situ-Hybridisation)
  künstl. DANN-Stück lagert sich am Chromosom an, dann Fluoreszenz-Test: Sonde leuchtet

·         Dr. Kobelt, Chemnitz, Gespräch 15.5.98:
- Triple-Test: erhöht nur Angst bei Frauen(Wahrscheinlichkeit kann präzisiert werden, Angst vor einer errechneten Zahl)
- wertungsfrei, nicht-direktiv beraten - das kann ich nicht; manchmal hole ich einen Psychologen dazu)
- Mukoviszidose: Tests auf 10 wichtigste Mutationen erfassen 90% der Fälle
- Trisomie 21:
  a) freie Trisomie 21 = Zufallsmutation, Chromosomenfehlverteilung, 90% der DOWN-Fälle
  b) Translokation 14/21 (oder 21/21 oder 22/21): Chromosom 21 angeheftet an Chr. 14, dann erbliche
  = familiäre Weitergabe

·         FRAUENARZT, 4/98, S.650:
Stellungnahme von mehreren gynäkol. Gesellschaften zu Schwangerschaftsabbruch nach Pränatal-Diagnostik
- Ziel: Diagnose möglichst frühzeitig stellen, vor Erreichen der Lebensfähigkeit; als Grenze der L. werden heute 24 Wochen nach letzter Periode oder 22 Wochen nach der Konzeption angenommen
- nach den neuesten sonographischen Screening-Studien werden nur wenige Fehlbildungen vor 20 Wochen p.c. erkannt, auch von erfahrenen Pränataldiagnostikern  können versch. Fetale Fehlbildungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht zweifelsfrei abgeklärt werden (z.B. Mikrozephalie, Hydrozephalus, Herzfehler, Nierenfehlbildungen), dies ist nur durch eine Verlaufsbeobachtung möglich, eine verlässliche Diagnose kann erst nach 2 oder 3 Untersuchungen gestellt werden
- Methoden der vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung:
  ist der Fetozid eine der möglichen Methoden; kein prinzipieller Unterschied im Fall einer selektiven Tötung bei Mehrlingsschwangerschaft; auch Gabe wehenauslösender Medikamente aktive Tötung

·         Mukoviszidose
700 verschiedene Mutationen des Gens; die gleiche Mutation kann zum Tod in der frühen Kindheit führen oder den Patienten älter als 30 Jahre werden lassen
(Spiegel 14/98 S.210)

·         etwa 5500 Erbkrankheiten sind schon bekannt
(Stern 27/2000 S.59ff)

·         bei den Nazis Eugenik gegen die Interessen des Individuums durchgesetzt, während jetzt eugenische Selektion gegen private Interessen verhindert wird; es gibt Länder, in denen all das viel „liberaler“ gehandhabt wird (USA, England), ohne daß man ihnen gleich einen Trend ins Barbarische nachsagen möchte;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)

·         drei obligatorische Ultraschalluntersuchungen, optionaler Bluttest bei der Mutter (Triple-Test), im Verdachtsfall auf Wunsch Punktion des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) oder Untersuchung des Fruchtwassers (Amniozentese) gehören heute zum Standardangebot gynäkologischer Praxen;
nach Schätzungen treiben in D. 90% der Mütter ihr Down-Syndrom-Kind ab;
nun gilt nicht die Mißbildung des Kindes, sondern die Belastung der Schwangeren durch ihr Kind als legaler Abtreibungsgrund, das Gesetz öffnet einen breiten Interpretationsspielraum, weder muß sich die Schwangere beraten lassen noch eine Wartezeit zwischen Diagnose und Abbruch einhalten, Wegfall der bis 1995 geltenden Frist der 22. Woche wirft die meisten Konflikte auf;
offiziell gemeldete Spätabtreibungen nach der 23. SSW von 26 Fällen 1995 auf 175 1999 gestiegen; die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher;
durch den Fetozid geraten Ärzte nicht in das Dilemma, ein atmendes Baby behandeln zu müssen; der F. ist der humanere Weg, das Kind leidet weniger;
Münsteraner Wissenschaftler fragten Frauen, was sie täten, wenn ein pränataler test ergeben würde, daß ihr Kind zu Übergewicht neigt. Ein Fünftel zog eine Abtreibung in Betracht;
Ehepaare, die sich beim Gynäkologen verhalten wie Konsumenten, die sich mit einem Techniker über die Gefahren eines neuen Autos unterhalten. Sie erwarten von der Ärztin ein Gütesiegel auf ein gesundes Kind.;
Triple-Test: Befragung von 9000 Schwangeren - fast die Hälfte der Frauen hätte, als ihnen Blut abgenommen wurde, noch nicht einmal erfahren, wozu der Test überhaupt dient
(Die Zeit 29.12.99 S.37)

·         Triple-Test
durch Einbeziehung von AFP in die Risikobeurteilung ist ein Serummarker für fetale Verschlußstörungen (Neuralrohr- und Bauchwanddefekte) verfügbar;
ermöglicht die Risikospezifikation, nicht jedoch die Diagnose für best. Chromosomenstörungen (Trisomie 18 und 21) und für fetale Verschlußstörungen
(Dtsch.Ärzteblatt 9/2000 S.A-532f.)

·         Down-Syndrom Netzwerk Deutschland e.V.
Äußerung anläßlich der Entschlüsselung des Erbgutes von Chromosom 21:
Menschen mit Down-Syndrom leben mit uns. Sie haben ihren Platz in der Gesellschaft, den nur sie ausfüllen können. Menschen mit Down-Syndrom sind nicht krank - außer bei Grippe und Beinbruch, wie andere Menschen auch. Das Netzwerk macht darauf aufmerksam, daß die Trisomie 21 keine vererbbare oder ererbte Krankheit ist. Daß Menschen mit Down-Syndrom besondere Hilfe benötigen, soll nicht verschwiegen werden. Aber das tun andere Menschen auch. Darüber hinaus haben Menschen mit Down-Syndrom keine Schmerzen, die den Ausdruck „leiden“ rechtfertigen. Menschen mit Down-Syndrom machen unserer Gesellschaft deutlich, daß es außer „schneller, höher, weiter und Erfolg um jeden Preis“ noch andere Lebensqualitäten gibt. Menschen mit Down-Syndrom sollten als Personen anerkannt, akzeptiert und gefördert werden. Alle Ansätze, die zum Ziel haben, Menschen mit Down-Syndrom möglichst früh in der Schwangerschaft zu erkennen und am Leben zu hindern, lehnen wir ohne Wenn und Aber ab.
(GID 140/2000 S.33)

·         Mukoviszidose 750 verschiedene genetische Defekte erkannt
(GID 139/2000 S.34)

·         Staatsanwaltschaft untersucht einen Schwangerschaftsabbruch im sächsischen Zittau in der 29. Woche; Fötus soll nach dem Abbruch noch Lebenszeichen von sich gegeben haben
(FP 30.6.99)

·         der französische Maler Henri Toulouse-Lautrec wurde aufgrund seiner Osteogenesis imperfecta früh zum Krüppel;
der amerik. Präsident Abraham Lincoln litt, so vermuten Wissenschaftler, am Marfan-Syndrom, einem Gen-Defekt, der Herzkrankheiten auslösen kann;
beide wären nach genetischer Beratung womöglich nie zur Welt gekommen
(GEO-Wissen Sex..., S.76)

·         Linus Geisler: Beethoven litt an wohl angeborener Taubheit
(TV-BR3 Magazin Stolperstein 2.1.99)

·         Der bekannte Jazzpianist Michel Petrucciani ist mit 36 Jahren gestorben, er litt an der angeborenen Glasknochenkrankheit
(FP 7.1.99)

·         Nobelpreisträger James D. Watson:
hat sich für eine genetische Untersuchung und die Abtreibung erbgeschädigter Kinder ausgesprochen;
in der FAZ warnte Watson davor, „im Namen Gottes unnötige persönliche Tragödien geschehen zu lassen.“ Künftig gelte es möglicherweise als „unmoralisch“, wenn Eltern „die Geburt von Kindern mit gravierenden genetischen Defekten“ zulassen würden.
GID 142 10-11/2000 S.26

·         Symposium Fortpflanzungsmedizin Bundesgesundheitsministerium 5/2000;
BM Andrea Fischer: Die Möglichkeit, individuelles Leid zu verhindern, bedeute keine Rechtfertigung dafür, auch alles Machbare zu tun. Durch die neuen Techniken könne ein Klima entstehen, das den perfekten Menschen immer mehr zur Norm werden lasse und es schließlich als rechtfertigungsbedürftig erscheinen lasse, wenn ein behindertes Kind zur Welt kommt.“
Dtsch. Ärzteblatt 22/2000 S.A-1503

·         Bundesdrucksache aus dem Jahr 1999:
geheime „Erfolgsstatistik“ der selektiven pränatalen Diagnostik: Zahl der Neugeborenen mit Spina bifida von 1973 bis 1990 von 18,6 auf 7,7 je 100000 reduziert, bei Down-Syndrom von 13,5 auf 8,7
Dtsch. Ärzteblatt 21/2000 S. A-1456

·         Behinderter erhält Entschädigung für Geburt
(Frankreich, Arzt hatte Rötel-Erkrankung bei der Mutter nicht erkannt, Junge nach Fehldiagnose schwer behindert zur Welt gekommen, Entschädigung für den 17-jährigen
Freie Presse 18./19.11.2000

·         „Ich kann mir sogar vorstellen, dass Fortpflanzung auf natürlichem Weg irgendwann als verantwortungslos gilt, so wie es jetzt als verantwortungslos gilt, wenn eine Frau während ihrer gesamten Schwangerschaft auf vorgeburtliche Tests und Untersuchungen verzichtet. ... man sagt: wie konntest du so leichtsinnig sein... warum hast du nicht dafür gesorgt, dass du ein Kind ohne Erbkrankheiten bekommst?“ (Gregory Stock, Reproduktionsmediziner, Kalifornien)
“... werden Föten mit zystischer Fibrose abgetrieben, obwohl die Kinder normal intelligent sind und 30 Jahre alt werden können.... ein kalifornisches Gericht hat festgestellt, ein mit Gendefekt geborenes Kind habe das Recht, seine Eltern zu verklagen, weil sie auf Gentests verzichtet und nicht abgetrieben haben...“ (Lori Andrews, Ethikerin, Chicago)
Öko-Test Magazin, 12/2000 S.16ff.

·         Spätabbrüche (nach 22. SSW): Information der Eltern über mögliche Lebendgeburt, falls dies der Fall ist, werden die Kinder gewärmt und genährt, ein Kinderarzt ist bei der Geburt dabei;
in Bethel auch ein Kind mit Down-Syndrom abgetrieben (Altersindikation)
Renate Schernus (Bielefeld): Pränataldiagnostik in evangelischen Krankenhäusern?, Vortrag 13.7.2000 Hannover

·         wurden vor 10 Jahren pro 1000 Lebendgeburten 49,6 vorgeburtliche Chromosomenuntersuchungen vorgenommen, waren es acht Jahre später schon 95,7 Analysen;
die Wahrscheinlichkeit für eine 35-jährige Frau, ein Kind mit DOWN-Syndrom zu bekommen, liegt bei 1: 365, die Gefahr, das Kind durch den Test beziehungsweise durch eine nachfolgende Fehlgeburt zu verlieren, liegt um ein Vierfaches höher;
dass das Krankheitsbild beim Down-Syndrom sich sehr unterschiedlich ausprägen kann und nur etwa jedes zehnte der betroffenen Kinder lebenslang auf Hilfe angewiesen ist;
etwa 80% aller Frauen im Risikoalter lassen sich in Deutschland pränatal untersuchen, Humangenetiker schätzen, dass bei einer Down-Diagnose in 98% aller Fälle abgetrieben wird;
bei einer qualifizierten Beratung ist die Wahrscheinlichkeit um ein Sechsfaches höher, dass die Schwangerschaft ausgetragen wird
(taz 9.3.2001)

·         Mukoviszidose ist so weit verbreitet, dass diese Krankheit einen Vorteil für heterozygote Träger haben muss (das sind Menschen mit einem gesunden und einem kranken M.-Gen); Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass diese Genkombination sie vor dem Tod durch Cholera schützt. Diese Krankheit war früher weit verbreitet und damit ein wichtiger Evolutionsfaktor.
(bild der wissenschaft 10/2000 S.30)

·         etwa 90% der Frauen, bei denen eine Schädigung des Fötus festgestellt wurde, entscheiden sich für eine Beendigung der Schwangerschaft;
Nippert: zeigen die Erfahrungen mit der PD, dass es fast unmöglich ist, diagnostische Verfahren auf wenige Fälle zu begrenzen; die Technik selbst habe die Neigung, sich von einer Ausnahmediagnostik zu einem screening-Verfahren auszuweiten
(Das Parlament 11/2001 S.4)

·         Diakonisches Werk der EKD
Problem Spätabtreibungen; für Änderung des Abtreibungsrechtes kein Handlungsbedarf; zu erwägen Änderung der Mutterschaftsrichtlinien (pränataldiagn. Verfahren, die nach nicht therapierbaren Erkrankungen und Fehlbildungen suchen, aus der allgemeinen Schwangerenvorsorge herausnehmen); Selbstverpflichtung der Ärzte, keine Spätabtreibungen nach PD mehr vorzunehmen; Beratungsangebote (freiwillig) vor PD-Untersuchungen
(epd-wochenspiegel 27/01 S.16)

·         CDU Bundestagsfraktion zum Problem der Spätabtreibungen:
bessere Beratungsangebote (bereits vor Anwendung der PND; Kostenübernahme durch die Krankenkassen erst nach erfolgter Beratung)
Änderungen bei der ärztlichen Haftung (keine Schadenersatzansprüche bei mangelhafter Diagnostik oder fehlgeschlagener Abtreibung)
vom Gesetzgeber müsse klargestellt werden, dass nur die Gefährdung des Lebens der Schwangeren oder deren schwerwiegende seelische Beeinträchtigung als Grund für die zeitlich unbefristete Abtreibung in Frage kommt, eine absehbare Behinderung sei allein kein Grund
(epd-wochenspiegel 28/01 S.13)

·         Spätabbruch: durch Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass eine festgestellte mögliche Behinderung des Kindes Grund genug sein kann, die Frau in ihrer psychischen Gesundheit zu gefährden
(taz 5.7.01)

·         Hertha Däubler-Gmelin:
Rechtmäßig ist der Schwangerschaftsabbruch nicht, sondern nur straflos.
Und danach ist ein Schwangerschaftsabbruch nur rechtmäßig, wenn eine Indikation, also eine Kollision von Rechtsgütern vorliegt. Es reicht eben nicht, obwohl man das in der Öffentlichkeit hören kann, dass das Ungeborene eine genetische Belastung oder Krankheit hat. Die embryopathische oder eugenische Indikation ist bewusst abgeschafft, es geht immer um Gesundheit oder Leben der Mutter.
man sagte, die PND solle sowieso nur für ganz wenige Fälle gelten. Das ist bekanntlich anders gekommen. Von den „einigen wenigen“ Fällen sind wir jetzt auf 87000 Anwendungen im Jahr gekommen.
(Die Zeit 26.7.01 S.4)

·         Birgit Dembski, Geschäftstelle Mukoviszidose e.V.:
Bei der M. bedingt ein genetischer Defekt, dass der Transport von Chlorid-Ionen und Wasser in den Zellen nicht funktioniert – mit gravierenden Folgen: ein zähes Sekret verstopft die Zellgänge von Bronchien, Pankreas und Leber. Das Gewebe dieser Organe wird dadurch fortschreitend zerstört.
Mukoviszidose ist auch heute noch eine schwer wiegende Erkrankung. Sie verläuft progressiv. Der Betroffene muss von klein auf Tag für Tag an seiner Gesundheit arbeiten: Tabletten schlucken, inhalieren, krankengymnastische Übungen absolvieren, um die Lunge von zähem Sekret zu reinigen, später regelmäßige intravenöse Antibiotikabehandlung akzeptieren. Die Lebenserwartung ist begrenzt. Manche Patienten versterben bereits im Kindesalter.
in den letzten 15 Jahren immense Behandlungsfortschritte, Autorin ist 46 Jahre alt, berufstätig, verheiratet;
40% der Patienten heute über 18 Jahre alt, durchschnittliche Lebenserwartung bei 32 Jahren, 75% der Betroffenen über 18 Jahre sind in Ausbildung oder arbeiten
(taz 31.5.01)

·         Interview Präses Kock:
bei der PND haben wir im Abtreibungsgesetz eine große Lücke. Jedes Jahr werden 600 Kinder in einem Stadium abgetrieben, in dem sie lebensfähig wären und nur dadurch „erledigt“ werden, dass man sie liegen lässt.
(taz 13.6.01)

·         Pränatale Diagnostik soll nur in besonderen Fällen und nur auf den nach umfassender Beratung erklärten Willen der Schwangeren hin durchgeführt werden... Spätabtreibungen lehnen wir ab... Im Rahmen pränataler Diagnostik ist das Recht der Eltern auf Nichtwissen zu akzeptieren...Beratungen bei pränataldiagnostischen Methoden sollten zur Pflicht werden.
(Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik 3/2001)

·         Gynäkologe wegen Totschlags angeklagt
soll im April 1999 die Schwangerschaft einer 29-jährigen abgebrochen haben, ohne dass dabei eine Notsituation bestanden habe;
der Arzt soll den 29 Wochen alten Fötus, bei dem zuvor eine körperliche Behinderung festgestellt worden war, durch Kaiserschnitt auf die Welt geholt und... anschließend erstickt haben;
erst 10 Minuten nach der Abnabelung habe die eigene Atmung eingesetzt, zwei weitere Ärzte hätten dann das Kind reanimieren und den Kreislauf stabilisieren können, nachdem der Gynäkologe dies bemerkte, soll er das Kind so lange am Atmen gehindert haben, bis es tot war;
der von der Mutter offenbar gewünschte Schwangerschaftsabbruch war bereits in zwei Kliniken in Berlin und Dresden abgelehnt worden;
der jetzt angeklagte Chefarzt kam bei der Untersuchung der Schwangeren zu dem Ergebnis, dass der Fötus so stark missgebildet ist, dass er nicht lebensfähig sein würde;
ihm droht Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren
(Freie Presse 5./6.5.01)

·         Oberlandesgericht Celle: Down-Syndrom – Arzt muss zahlen
zu Schadenersatz verurteilt, weil Patientin Kind mit Down-Syndrom zur Welt brachte;
der Arzt hatte die Patientin nicht darauf hingewiesen, dass ein Gendefekt unter anderem nur mit einer umfassenden Blutuntersuchung der Schwangeren ausgeschlossen werden könne;
es sei heute gängige Rechtssprechung, so das Gericht, dass nicht das Kind, wohl aber der Unterhalt für das Kind ein Schaden für die Eltern ist
(Freie Presse 19.4.01)

·         rettende pränatale Diagnose
bei schwerer angeborener Fehlbildung des Herzens früher Tod des Kindes abzuwenden durch chirurgischen Eingriff – Chancen der Kinder am größten, wenn die Fehlbildung bereits im Mutterleib erkannt wird
(FAZ 28.3.01)

·         95 % der Schwerbehinderungen, mit denen Menschen heute leben, sind Folge von Krankheiten oder Unfällen. Nur 5 % sind angeboren. Und davon ist nur ein Bruchteil vor der Geburt erkennbar.
(chrisma 11/2000 S.16)

·         Zypern betreibt seit 1976 freiwillige Eugenik;
Thalassämie (Mittelmeeranämie; Mangel an roten Blutkörperchen, chronische Müdigkeit, deformierte Knochen und Organschäden, endet ohne Behandlung tödlich, häufig schon im frühen Kindesalter); Krankheit ist auf Zypern besonders häufig (jeder 7. ist Träger des defekten Gens, jährlich etwa 70 kranke Kinder geboren), wird bekämpft durch Gendiagnostik und Abtreibung;
Vorteil diese Gens früher: Malariaerreger vermehren sich nur in gesunden roten Blutkörperchen, Träger des Thalassämie-Gens starben nicht an Malaria; seit 1948 ist Zypern malariafrei;
seit 1976 hat sich fast jeder Zypriote selbst einem Test unterzogen, um seinen Krankheitsstatus zu kennen; seit 1978 jährlich 200 Pränataldiagnostiken und 50 Abtreibungen; seit 1983 verlangt die Kirche von Heiratswilligen ein Zertifikat, dass sie „informiert“ sind;
pro Jahr werden nur noch 2 Kinder mit der Krankheit geboren;
Ausweitung auch auf andere Erbkrankheiten? Nein, Kriterien: hohe Verbreitung, absolute Tödlichkeit;
seit kurzem auch PID in Anwendung
(Die Zeit 15.2.01 S.33)

·         Stephan Kruip Mukoviszidose, 36 Jahre alt, arbeitet als Physiker, hat drei Kinder;
seit 10 Jahren neue Enzympräparate, Antibiotika und spezielle Atemübungen für M.-Patienten;
Kruip eigentlich unfruchtbar; Kinder gezeugt durch ICSI nach Entnahme von Hodengewebe;
seine Söhne sind gesund (tragen ein gesundes Gen von der Mutter, das die Krankheit überdeckt) und wahrscheinlich selbst fruchtbar
(Der Spiegel 36/2001 S. 80)

·         kaum ein Kind kommt heute auf die Welt, ohne dass es eine mehrstufige Qualitätskontrolle durchlaufen hat;
“Wir wollen doch sicher sein, dass Ihr Baby gesund ist“;
Ultraschalluntersuchungen, verschiedene Bluttests der Mutter, im Verdachtsfall Punktion des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) oder Analyse des Fruchtwassers (Amniozentese) gehören heute zum Angebot fast jeder gynäkologischen Praxis;
bereits die erste Untersuchung, der Ultraschall ab der 10.Schwangerschaftswoche, dient dazu, Hinweise auf mögliche Behinderungen des Fötus zu entdecken. Dabei glauben die meisten Eltern, da werde nur ein Babyfoto fürs Album gemacht...;
die 200 bis 800 Spätabtreibungen pro Jahr in Deutschland (genaue Zahlen kennt niemand) geschehen, weil die Fruchtwasseruntersuchung erst zwischen der 14.und 17. Woche erfolgen kann;
CDU: die heutige Praxis der PND entspricht nicht dem Geist des §218; Vorschlag: Regelung um einen Passus ergänzen: „Ein embryopathischer Befund allein ist keine Gefahr für die Mutter im Sinne von §218“;
Untersuchungen Fruchtwasser und Chorionzottenbiopsie:
1976           1796 Fälle
1982           15888
derzeit        rund 80000 pro Jahr; heute geht jeder zehnten Geburt eine Amniozentese voraus, oft ohne Beratung;
rund eine von hundert Amniozentesen endet mit einem Abort. die Wahrscheinlichkeit, durch die Untersuchung eine Behinderung zu entdecken, ist geringer;
90% der Paare, die die Diagnose Down-Syndrom erfahren, entscheiden sich für einen Abbruch;
ungefähr ein Fünftel aller Frauen über 35 Jahre entscheiden sich gegen den Eingriff, Sie müssen per Unterschrift bezeugen und bestätigen, dass ihr Arzt sie auf die möglichen Folgen der Weigerung hingewiesen hat;
mittlerweile hat sich der TRIPLE-TEST so weit etabliert, dass selbst Kritiker der Methode wie Verbandspräsident Bender unsicher sind, ob sie nicht verpflichtet sind, die zweifelhafte Blutanalyse anzubieten;
Zurzeit verdrängt eine neue Prüfmethode den TRIPLE-TEST. Dabei prüft der Gynäkologe die Dicke der Nackenfalte des Fötus auf einem speziellen Ultraschall. In Kombination mit zwei Blutwerten rechnet ein Computerprogramm das Behinderungsrisiko aus;
das Vertrauen in die PND ist groß, zu groß. Viele Frauen glauben, wenn die Ärzte beim Test nichts gefunden haben, ist ihr Kind gesund
(Die Zeit 2.8.01 S.23)

·         vor 10 Jahren pro 1000 Lebendgeburten 49,6 vorgeburtliche Chromosomenuntersuchungen vorgenommen; acht Jahre später schon 95,7 Analysen
(GID 148 – 10/11-2001 S. 3)

·         Paradigmenwechsel zu beobachten, wonach bei behinderten Kindern nicht mehr der Abbruch der Schwangerschaft ethisch begründet werde, sondern der Nichtabbruch (Verweis auf Gerichtsurteile in Frankreich)
(epd-wochenspiegel 51/52-2001 S.14)

·         in zwei Fällen sprachen im November 2001 in Frankreich Gerichte behinderten Kindern das Recht auf millionenschwer Entschädigungen zu; in den Urteilen ist die Rede von „dem Schaden, geboren worden zu sein“; zahlen sollen die GynäkologInnen, die bei vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen nicht erkannten, dass die Kinder das Down-Syndrom bzw. eine Mehrfachbehinderung infolge einer Röteln-Erkrankung der Mutter haben würden; Versicherungen erhöhten nach der letztinstanzlichen Verkündigung der Urteile die Prämien für GynäkologInnen um ein Vielfaches; viele Gynäkologen streiken und führen keine Ultraschalluntersuchungen mehr durch
(taz 3.1.02)

·         Am Anfang: PND nur als Ausnahme;
konzeptionell standen 1976, als die PND in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wurde, folgende Aspekte im Vordergrund:
+ Beschränkung auf bestimmte Diagnosen, anfangs Chromosomenstörungen (numerische, aber auch strukturelle), wenig später Neuralrohrdefekte,
+ Beschränkung auf bestimmte Nutzerinnengruppen: Frauen mit hohem genetischen Risiko und Frauen ab 38 (später 35) Jahre,
* Einhaltung besonderer Qualitätsstandards (Beratung vor und nach jeder PND)
(GID Spezial 2, 2001, Eugenik - gestern und heute, S. 16f)

·         In Deutschland laut offizieller Statistik jährlich zwischen 100 und 200 Spätabtreibungen; Montgomery (Marburger Bund) schätz 800 Abbrüche nach der 20. Schwangerschaftswoche
(Idea-Spektrum 4/2002 S.21)

·         Welttrend: gut beratene Schwangere lassen viel weniger Gentests vornehmen als Unberatene;
Margot von Renesse (MdB) stellte neue gesetzliche Regelungen für die ausgeuferte pränatale Diagnostik in Aussicht: sie solle es ohne flankierendes Beratungsangebot nicht mehr geben
(taz 1.3.02)

·         Fall einer Spätabtreibung nach pränataler Diagnostik in Zittau:
Schwangerschaft entwickelt sich zunächst normal; Erkrankung der Mutter; im Diakonissenkrankenhaus Dresden Ultraschall: Feststellung, dass große Röhrenknochen des Kindes extrem verkürzt sind; Verdachtsdiagnose „Zwergenwuchs“; zum Abbruch geraten (6. Monat); nächste Untersuchung Uniklinik Dresden: zusätzlich Klumpfüße; Charite Berlin: zusätzlich tatzenförmige Hände, geistige Behinderung; aber Abbruch kann leider hier nicht durchgeführt werden; Chefarzt in Zittau nimmt Abbruch vor, vorrangig wegen Blutungen, die bei der Mutter aufgetreten sind; später molekulargenetisches Gutachten bestätigt Diagnose des Arztes: Kind litt an genetisch bedingter Skelettmissbildung, die unweigerlich zum Tod führt – entweder bereits vor der Geburt oder kurz danach
(Spiegel 6/2002 S.56ff)

·         Abbruchraten bei einer pränatal diagnostizierten und nicht besonders schweren Chromosomenstörung:
Beratung durch Humangenetiker: 35,5 %
Beratung durch andere Ärzte: 71,9%
(GID 150/2002 S.17)

·         Schadenersatz für behindertes Kind; Kind war mit schweren Fehlbildungen an Armen und Beinen zur Welt gekommen; Ärztin hätte die Eltern während der Schwangerschaft über die Behinderung informieren müssen; weil die Eltern sich dann nach eigenen Angaben zu einer Abtreibung entschlossen hätten, Ärztin verurteilt: voller Unterhalt für das Kind und 10000 Euro Schmerzensgeld für die Mutter
(epd wochenspiegel 26/2002 S.15)

·         Diagnoseirrtum der Gynäkologin: Ultraschalluntersuchung 20. Woche Messung des Oberschenkelknochens Abweichung von 5 Millimetern fehlinterpretiert
(Freie Presse Chemnitz 19.6.02)

·         dass unabhängig von ihrem Alter heute jede Frau, welche die Vorsorge in einer gynäkologischen Praxis durchführen lässt, mit Pränataldiagnostik konfrontiert wird;
Pränatale genetische Diagnostik zielt darauf ab, numerische oder strukturelle Chromosomenfehler bzw. Einzelgendefekte des Embryos/Fetus zu identifizieren.
1999 bereits 800  diagnostizierbare Dispositionen;
Chorionzottenbiopsie: üblicherweise  11.-12. SSW, Abortrisiko 2-4%, diagnostische Genauigkeit 97,5-99,6%, Risiko Verunreinigung durch mütterliche Zellen 1,9-3,8%;
Amniozentese: 15.-17. SSW, 15-20 ml Fruchtwasser, darin 2% lebende fetale Zellen, Abortrisiko 0,5-1%, diagnostische Genauigkeit 99,4-99,8%;
Bundesärztekammer hatte als Altergrenze zunächst 38 Jahre festgelegt, später 35 Jahre, heute wird keine untere Altersgrenze mehr eingehalten;
Indikationen heute: Altersindikation (Frauen ab 35a): 78%, psychologische Indikation (Angst vor einem behinderten Kind): 18%, auffälliger Befund nach Ultraschall oder Triple-Test: 4%;
1998 75255 fetale Chromosomenanalysen durchgeführt (davon 62642 Amniozentesen); d.h. annähernd jede 10 Schwangerschaft invasive Untersuchung des Ungeborenen;
wenn eine Schwangere keinen Ultraschall wünscht, kann der Arzt die Pauschale nach dem Mutterpass nicht abrechnen, muss Einzelgebühren aufführen, was für ihn in der Regel ungünstiger ist;
Schere zwischen PND und vorher erfolgter Beratung öffnet sich weiter: in Westdeutschland PND zwischen 1991 und 1995 von 40000 auf 60000 Untersuchungen angestiegen, Anzahl der genetischen Beratungen im gleichen Zeitraum lediglich von 17000 auf 21000 gewachsen;
Ultraschall: 11.-14. SSW sog. „Nackentransparenz“ gemessen, Nackenfalten-Dicke über 3 mm ist eng mit erhöhtem Risiko für Trisomie 21 assoziiert und hat meist invasive PND zur Folge;
der sog. Triple-Test wird seit 1992 gegen die Empfehlungen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften in der Schwangerenvorsorge eingesetzt; Test erfolgt(e) häufig ohne vorherige Information der Schwangeren, führt häufig zu falsch-positiven Ergebnissen und zum (anschließenden) Einsatz invasiver Verfahren; nach Schmidtke Triple Test bei 25-50% aller Schwangerschaften;
Erster Senat des Bundesverfassungsgerichtes zu Unterhaltspflicht bei fehlgeschlagener genetischer Beratung: Das Ziel des ärztlichen Beratungs- oder Behandlungsvertrages, die Vermeidung der Zeugung eines erbgeschädigten Kindes, sei rechtmäßig. Nicht einmal moralische Bedenken seine hier angebracht, denn der Wunsch der Eltern, die Zeugung eines Kindes vom Ergebnis der genetischen Beratung abhängig zu machen, sei in hohem Maße von elterlicher Verantwortung geprägt.;
Viele Schwangere werden bis heute nicht ausreichend darüber aufgeklärt, welcher Sinn und Nutzen und welche Risiken mit den verschiedenen Methoden der PND verbunden sind und dass sie die Durchführung der einzelnen, im Mutterpass vorgesehenen Untersuchungen ablehnen können. Es kann auch nicht übersehen werden, dass vielfach wirtschaftliche Gesichtspunkte zu einer aufgedrängten PND führen.;
70-80% der Schwangerschaften werden als Risikoschwangerschaft definiert;
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.67f)

·         Faktisch ist es allerdings inzwischen so, dass die vorgeburtliche Diagnostik durchaus zu einer Routinemaßnahme geworden ist…
In der Öffentlichkeit wird... oft behauptet, eine durch PND festgestellte Behinderung des Embryos (oder Fötus) stelle nach geltendem Recht eine legale und damit auch gesellschaftlich anerkannte Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch dar... Eine legale Abtreibung von genetisch erkrankten Embryonen oder Föten ist nicht möglich wegen deren zu erwartender Behinderung, sondern nur auf Grund einer Gefahr für das Leben oder den Gesundheitszustand der Schwangeren...
immer wieder anzutreffende Behauptung, der Schwangerschaftsabbruch werden auf Grund der derzeitigen Rechtslage in den ersten 12 Wochen ohne jede Indikation rechtlich akzeptiert. Tatsache ist vielmehr, dass ein solcher Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig – also gerade nicht akzeptiert – ist, aber um des insgesamt erhofften besseren Lebensschutzes für Embryonen willen unter bestimmten Voraussetzungen straffrei bleibt...
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.24f.)

·         CDU: Im Jahr 2000 habe es 154 Fälle gegeben, wo der Abbruch einer Schwangerschaft zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem die Föten teilweise schon lebensfähig waren
(Das Parlament 15.7.02)

·         viele Ärzte fürchten juristische Konsequenzen bei nicht erkannten Schädigungen. Im Falle der Spätabtreibungen haben sie einen juristischen Spagat auszuführen: Kommt das Kind lebend zur Welt, hat es Personenstatus und Anspruch auf lebenserhaltende Maßnahmen, der Mutter gegenüber hat sich der Arzt jedoch zu einem Abbruch mit einem toten Kind verpflichtet... der Fetozid, also die Tötung des Fötus im Mutterleib, etwa durch eine Herzinjektion mit Kaliumchlorid, ist eine Methode, den juristischen Spagat zu umgehen.
(Das Parlament 29.7.02)

·         Abtreibungen in Deutschland 2000:
134600, davon 2000 nach der 12. SSW, 154 nach der 22. SSW (sog. Spätabtreibungen);
schon wegen einer bloßen Hasenscharte haben Ärzte noch in der 32. Woche abgetrieben;
(Der Spiegel 25/2002 S.58)

·         Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe will Spätabtreibungen neu regeln, Papier vorgestellt, Gesetzvorschlag: ein Zusatz zum §218 solle festhalten, dass eine Mutter nur abtreiben darf, wenn eine Gefahr für das Leben der Mutter besteht oder das Ungeborene voraussichtlich nicht lebensfähig sein wird, eine Kommission soll mit entscheiden, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind
(taz 17.9.02)

·         dass allenfalls 10% aller Behinderungen genetisch bedingt sind und von diesen nur ein Teil vorgeburtlich diagnostizierbar ist, alle übrigen Behinderungen sind Ausdruck unseres ganz normalen Lebensrisikos
(Die Zeit 17.10.02 S.18)

·         3% aller Kinder kommen behindert zur Welt
2% werden während der Schwangerschaft oder im Verlauf der Geburt geschädigt
1% sind genetisch bedingte Behinderungen
90% aller Behinderungen entstehen im Verlauf des späteren Lebens
(Schwanger sein – ein Risiko? Kirchner-Asbrock Hrsg. Sichtwechsel eV Düsseldorf, Verlag Selbstbestimmtes Leben, 1998, S.15)

·         Der Tripletest ist inzwischen weitgehend ersetzt durch den so genannten Ersten Trimestertest, d.h. im ersten Drittel der Schwangerschaft, meist in der 11. bis 13. Woche, wird das Blut der Schwangeren auf eine Reihe von Werten untersucht, das statistische Ergebnis der Nackenfaltenmessung dazugerechnet und daraus die Risikozahl ermittelt
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.48)

·         Spätabbrüche in Deutschland: 2000 – 154, 2001 - 177
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.59)

·         Bayerischer Landesbischof Friedrich:
verbesserte Beratungspraxis bei PND, besonders bei Spätabbrüchen; die vom Bund geplanten Neonatal-Zentren mit verpflichtender interdisziplinärer Beratung sind zu begrüßen
(VELKD-Informationen 9.12.02)

·         britische Polizei ermittelt gegen einen Arzt, der bei einer im 6. Monat schwangeren Frau eine Abtreibung vornahm, weil die Frau kein Kind mit Lippenspalte gebären wollte; nach der 24. Woche darf in Großbritannien ein Fötus nur bei schwerwiegenden Erkrankungen abgetrieben werden, das geschieht laut offiziellen Statistiken rund hundertmal im Jahr
(GID 155/2002-2003 S.30)

·         lediglich rund 5% der Schwerbehinderungen (ab einem Grad von 50%) sind angeboren; von diesen können zur Zeit etwa 0,5% durch PND erkannt werden
(GID Spezial Nr. 3 Dez. 2002 S.35)

·         Ultraschallbilder: „Nackentransparenz“ein winziger schwarzer Fleck im Nacken des Embryos, der trotzdem zwei, drei Millimeter zu groß ist, deutet auf einen möglichen genetischen Defekt hin, eines von zehn Kindern mit diesem Befund wird mit dem Down-Syndrom geboren;
Down-Syndrom: schwerwiegendste Folge ist eine Unterentwicklung des Gehirns (IQ 70), betroffen vor allem das abstrakte Denken und die Sprachentwicklung; zu den gravierendsten körperlichen Mängeln gehören Herzfehler (40-50% der Fälle), Missbildungen des Magen-Darm-Traktes sowie Hör- und Sehschäden; Lebenserwartung liegt inzwischen bei über 60 Jahren;
Frühförderung wichtig; viele können in Grundzügen lesen und schreiben lernen, Grenzen: Abitur, Studium, Führerschein; eigene Familie und Kinder: fast nie; ein selbständiges Leben nur in ganz wenigen Ausnahmefällen;
90% aller Frauen, die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten, entscheiden sich für eine Abtreibung
(Der Spiegel ½ S. 56ff)

·         Mutterschaftsrichtlinien u.a.: wenn sich im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge Anhaltspunkte für ein „genetisch bedingtes Risiko“ ergeben, ist die Schwangere über die Möglichkeiten einer humangenetischen Beratung und/oder Untersuchung aufzuklären;
über die Vorgaben der Mutterschaftsrichtlinien hinaus benennen die Richtlinien der Bundesärztekammer zur pränatalen Diagnostik die Objektivierung und den Abbau von Befürchtungen und Sorgen der Schwangeren sowie die Hilfestellung bei der Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch einer Schwangerschaft als Ziele der pränatalen Diagnostik (11);

·         im Rahmen des sog. Ersttrimester-Screenings werden Ultraschall- und Blutuntersuchung miteinander kombiniert; in der 11. bis 13. SSW p.m. wird aus den Ergebnissen der Ultraschalluntersuchung des Fetus sowie aus der Bestimmung von Protein- und Hormonkonzentrationen im mütterlichen Blut das individuelle Risiko für eine chromosomale Fehlverteilung (Aneuploidie) errechnet;
da das Ersttrimester-Screening das Risiko von Neuralrohrfehlentwicklungen nicht erfasst, wird der sog. AFP-Test in der 16.-18. SSW p.m. häufig zusätzlich durchgeführt; Konzentration eines Proteins untersucht, das vom Fetus produziert wird und in den mütterlichen Blutkreislauf gelangt; erhöhte Konzentration deutet auf die Möglichkeit des offenen Rückens (Spina bifida) oder einer schweren Hirnfehlbildung (Anenzephalie) beim Ungeborenen hin; der Ausprägungsgrad der Fehlbildung bzw. die Therapierbarkeit lassen sich in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung abschätzen;
beim sog. Triple-Test werden, ebenfalls in der 16.-18. SSW p.m. die Konzentrationen dreier Substanzen im mütterlichen Blut untersucht; unter zusätzlicher Berücksichtigung des Alters der Mutter und der Schwangerschaftsdauer lässt sich das Risiko für eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) beim Kind abschätzen;
Chorionzottenbiopsie: ab 10. bis 12. SSW p.m.; Plazentagewebe
Amniozentese: ab 14. bis 19. SSW p.m.; Fruchtwasser
Fetalblutpunktion: fetales Blut aus der Nabelschnur
die (bei diesen drei Methoden) gewonnenen Zellen können durch eine Darstellung der Chromosomen (Karyotypisierung) mikroskopisch auf chromosomale Fehlverteilungen oder strukturelle Chromosomenveränderungen und mittels molekulargenetischer oder biochemischer tests auf monogene Erkrankungen untersucht werden; chromosomale Fehlverteilungen lassen sich auch  in einem Schnelltest (sog. Interphase-Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, Interphase-FISH) erkennen, in der Regel ist jedoch eine Bestätigung durch eine Chromosomendarstellung erforderlich;
nach einer Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese  stehen vollständige Untersuchungsergebnisse erst zwei bis drei Wochen später zur Verfügung, weil die gewonnenen Proben fetalen Gewebes so gering sind, dass sie für die Diagnose zunächst vermehrt (kultiviert) werden müssen;
Abortrisiko nach Chorionzottenb. 2-4% bei Zugang durch den Gebärmutterhals und 1-2% bei Zugang durch die Bauchdecke;
Fetalblutpunktion Abortrisiko >1%;
Amniozentese Fehlgeburtsrisiko 0,5-1% (11ff)

·         Chromosomenstörungen:
Numerische Chromosomenstörungen sind in der Regel nicht vererbt, sondern entstehen bei der Reifung der Keimzellen. Alle autosomalen Monosomien und die meisten Trisomien sind vorgeburtlich letal. Demgegenüber ist die Trisomie 21 mit dem Leben vereinbar. Neugeborene mit anderen Trisomien, z.B. Trisomie 13 oder 18, sind zwar lebensfähig, haben aber schwerste Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen.
Strukturelle Chromosomenstörungen können erblich sein und sind wie eine monogen erbliche Krankheit durch PND oder PID diagnostizierbar. Strukturelle C. können „balanciert“ sein, d.h. das genetische Material ist nur umverteilt, aber weder vermehrt noch vermindert [z.B. fehlt ein Stück, das eigentlich zu Chromosom 7 gehört, an diesem Chromosom, hängt aber zusätzlich an Chromosom 14 JK]. Sie sind äußerlich nicht erkennbar und kommen in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von etwa 1:500 vor. Für Kinder eines Elternteiles mit einer balancierten C. besteht das Risiko [50% JK] eines unbalancierten chromosomalen Status [nach der Neu-Verteilung der Chromosomen bei der Befruchtung fehlt an einem Chromosom ein Teil-Stück völlig oder ist an einem Chromosom zuviel vorhanden JK], der meist mit schweren und multiplen Fehlbildungen sowie schweren zentralnervösen Störungen verbunden ist. Die überwiegende Anzahl dieser Störungen ist mit einer normalen Embryonalentwicklung nicht vereinbar, sodass die meisten betroffenen Embryonen frühzeitig sterben. (21)

·         Spätabbrüche:
Um zu verhindern, dass das Kind nach Durchführung des Abbruchs lebt, wird bei derartigen Spätabbrüchen zuvor meist ein Fetozid durchgeführt [d.h., das Kind wird bereits im Mutterleib getötet JK] (24)

·         Schwangerschaftsabbrüche:
Die genaue Zahl der Abbrüche nach einer PND kann man nur schätzen; sie liegt zwischen 2 und 4 Prozent der registrierten Schwangerschaftsabbrüche überhaupt.
Die seit 1996 geltende „medizinische Indikation“ umfasst – anders als die vorher geltende „embryopathische Indikation“ – auch solche Fälle, bei denen der Schwangerschaftsabbruch nur aufgrund deiner Erkrankung der Mutter durchgeführt wird:
Der Anteil medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbrüche war in den Jahren von 1996 bis 2000 insgesamt leicht rückläufig. Der Anteil der Abbrüche, die noch nach dem Beginn der 23 SSW p.c. vorgenommen werden, ist in etwa konstant.
Zahlen aus Tabelle V im Anhang:

Jahr

Schwangerschafts-Abbrüche

embryopathische
Indikation

medizinische-
Indikation

Spätabbrüche

1995

97937

668

4897

26

1996

130899

0

4818

159

1998

131795

0

4338

175

2000

134609

0

3630

154

 (Seite 26)

·         Rechtmäßig kann ein mit Einwilligung der Schwangeren durchgeführter Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer medizinischen Indikation oder einer kriminologischen Indikation sein... Beide Indikationen sind „nach ärztlicher Erkenntnis“ zu beurteilen (Konfliktberatung nicht vorgeschrieben); (35f)
die frühere embryopathische Indikation, die heute in der medizinischen Indikation aufgegangen ist und jährlich zu über 1000 Schwangerschaftsabbrüchen führt (71)

·         Inanspruchnahme der PND in Deutschland:
1999: 770744 Lebendgeburten, Chorionzottenbiopsie 4310, Amniozentese 67320, Fehlgeburten als Komplikation nach PND (geschätzt bei einem Abortrisiko von 1% lt. Bundesärztekammer) ca. 700;
Indikationen für Inanspruchnahme der PND in Deutschland (Anteil in %):
erhöhtes mütterliches Alter 71,4 %, auffälligre Triple-Test 11,6%, psychische Indikation 8,3%, auffälliger Ultraschallbefund 0,8%, hohes Risiko für monogen bedingte Erkrankung 3,0%, Elter Träger einer balancierten Chromosomenstörung 1,3%, vorheriges Kind mit Chromosomenstörung 3,6%;
etwa 20% der Frauen lehnen die Durchführung einer invasiven PND ab, obwohl sie ein erhöhtes Risiko haben;
(26f)

·         Einfluss auf eine Ausweitung des Angebotes zur PND können auch finanzielle Erwägungen der Ärzte... haben;
ein weiterer Grund könnte die Befürchtung von Ärzten sein, haftungsrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn sie die Schwangere nicht ausführlich aufgeklärt oder die Indikation zu einer invasiven PND abgelehnt haben (38)

·         Zahl der diagnostizierbaren genetisch bedingten Erkrankungen gegenwärtig mit über 1500 angegeben (aus dem Votum gegen PID 49);
zur Zeit können etwa 1700 monogen erbliche Merkmale auf ein bestimmtes Gen zurückgeführt werden (aus dem Votum für PID 60)

·         aus dem Votum gegen Zulassung der PID:
eine invasive PND sollte nur durchgeführt werden, wenn die nicht-invasive Diagnostik Auffälligkeiten ergeben hat und die Frau dies ausdrücklich verlangt;
vor und nach PND umfassende Beratung; Bedenkzeit für die Entscheidung über Schwangerschaftsabbruch;
Spätabbrüche nur bei einer unmittelbaren Gefahr für Leben der Mutter oder wenn der Fetus an einer unbehandelbaren Erkrankung oder Entwicklungsstörung leidet, bei der nach der Geburt entsprechend den anerkannten Regeln der Medizin keine lebenserhaltenden Maßnahmen ergriffen würden (53)

·         aus dem Votum für begrenzte Zulassung der PID:
bei PND muss Beratung angeboten werden;
Spätabbrüche gleicher Vorschlag wie unter Votum gegen PID s.o. (55f)

·         (Nationaler Ethikrat: Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der Schwangerschaft“, 23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die Druckfassung, verschickt am 24.1.03)

·         PND angebotsindizierte Nachfrage, wobei in der Praxis die Standards des informed consent in der Regel nicht erfüllt sind; heute ist nahezu jede schwangere Frau mit der Entscheidung für oder gegen PND konfrontiert;
selektive PND soll als Einzelfallangebot vorgehalten werden;
(Diakonie Korrespondenz 02/03: Jeder Mensch ist zum Bild Gottes geschaffen, März 2003, S.9ff)

·         Naziterror 100000 Morde an behinderten Menschen; 350000 Zwangssterilisationen; bis 1992 jährlich etwa 1000 Zwangssterilisationen in Deutschland (Frauen mit geistiger Behinderung);
jährlich in D. 100 bis 300 „verunglückte“ Spätabtreibungen, bei denen lebensfähige Kinder mit Behinderung geboren werden;
nur bei 0,5% der geborenen Kinder liegt eine Schädigung vor, die durch vorgeburtliche Diagnostik hätte festgestellt werden können
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“ 17.2.03, S.3)

·         Trisomie 21 in 92-95% der Fälle „freie Trisomie“, entsteht bei der Teilung der Ei- oder Samenzelle und ist nicht erblich;
die restlichen 5-8% sind entweder Mosaik-Trisomien (neben Zellen mit den üblichen 46 Chromosomen sind solche mit einer Trisomie, also mit 47 Chromosomen, vorhanden) oder sogenannte Translokationen (das Chromosom 21 ist mit einem anderen Chromosom verbunden). Die letztere Form kann spontan entstehen, aber auch von Vater oder Mutter vererbt worden sein – im Einzelfall nur durch Chromosomenuntersuchung zu klären
(Faltblatt: Menschen mit Down-Syndrom,  AK Down-Syndrom e.V.)

·         Screening auf Mukoviszidose ist der erste Gentest, der werdenden Eltern in den USA routinemäßig angeboten wird; mindestens 900 verschiedene Mutationen des Fibrose-Gens treten auf; kommerzielle Gentests umfassen aber nur die häufigsten Veränderungen in der DNA; z.B. tritt die sogenannte 5T-Mutation bei 5% der Bevölkerung auf, aber nur in Verbindung mit der sehr seltenen Mutation R117H führt sie zum Krankheitsausbruch bei der betroffenen Person; aus Kostengründen haben mehrere Anbieter des Tests aber nur eine Mutation gesucht und trotzdem Mukoviszidose-Warnung gegeben
(GID 158 6/7-2003 S.19)

·         Kopenhagener Krankenhausgesellschaft will jährlich mehrere Millionen Kronen sparen; pro Jahr würden in der Region K. 12 Kinder mit Down-Syndrom geboren; zehn von diesen Kindern könnte man mit Hilfe eines Screenings frühzeitig erkennen und dann abtreiben; zehn kranke Kinder würden die Gesellschaft ansonsten 2 Mill. Kronen pro Jahr kosten
(GID 158 6/7-2003 S.20)

·         angemessene genetische Beratung im Bereich vorgeburtlicher genetischer Diagnostik wird in Deutschland bereits heute mit stetig sinkender Zahl in nur weniger als 20% der Diagnosen durchgeführt (vor und nach PND);
Diejenigen Fälle, in denen sich aus der PND vorgeburtlich oder direkt nach der Geburt therapeutische Konsequenzen ergeben, sind derzeit statistisch gesehen im Vergleich zu der Zahl der Diagnosen von Krankheiten und Behinderungen noch gering. Dies gilt insbesondere für die genetische Diagnostik von Erbkrankheiten. Die Folge ist, dass überwiegend wissentlich Diagnose ohne Therapiemöglichkeit für das diagnostizierte „Objekt“ betrieben wird. Das ist ein ethisches Novum in der Medizin, denn diagnostische Verfahren sind üblicherweise ethisch nur zu rechtfertigen, wenn auf ihrer Basis dem Wohl des diagnostizierten „Objekts“ gedient werden kann. Die faktische Konsequenz der PND von Krankheiten ist meist die Abtreibung, also nicht die Therapie des Trägers einer Krankheit, sondern seine Tötung.;
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000, S.74, 114ff)

·         genetische Analyse von Spontanaborten hat ergeben, dass mehr als 70% dieser nicht lebensfähigen Föten mikroskopisch sichtbare gravierende Veränderungen auf der Chromosomenebene aufwiesen
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.42)

·         eine Auswahl der Embryonen z.B. nach morphologischen Kriterien mit dem Ziel, nur den „besten“ Embryo zu übertragen, ist in Deutschland nicht erlaubt;
ein wesentliches Kriterium für die Gesundheit eines Kindes und eventuell seine Lebenserwartung sind Fehlbildungen, d.h. angeborene morphologische Defekte, die verschiedene Organe betreffen können. In internationalen Studien sind sie bei 5% aller Neugeborenen zu finden, davon sind ca. 20% (d.h. 1% der Neugeborenen JK) als so schwer einzustufen, dass sie die normale Körper- und Organfunktion einschränken oder die Lebenserwatung herabsetzen und sowohl der chirurgischen und/oder kosmetischen Korrektur bedürfen (Herzfehler, offener Rücken, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Störungen der ableitenden Harnwege);
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S. 111)

·         Man nimmt an, dass möglicherweise 50% der Embryonen aneuploid sind (d.h. einen anormalen Chromosomensatz haben JK);
da  diese Embryonen nur eine sehr reduzierte Implantations- und Entwicklungsfähigkeit haben, ist eine erniedrigte Schwangerschaftsrate die Folge;
Eine weitere Folge ist die erhöhte Abortrate, denn auch nach der Implantation führt der größte Teil der aneuploiden Embryonen zum Abort, so dass schließlich bei der Geburt nur 0,6% aller menschlichen Lebewesen aneuploid sind
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.129)

·         Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat Reform des §218 im Blick auf Spätabtreibungen gefordert; Lebensfähigkeit des Ungeborenen als zeitliche Grenze muss wieder eingeführt werden; 500 Gramm, 22. Schwangerschaftswoche
(Der Sonntag Sachsen 6.7.03)

·         Spina bifida, „offener Rücken“, „Spaltwirbel“:
eines von 1000 Ungeborenen betroffen; 20% der Kinder sterben bis zum 5. Lebensjahr
Spalt, an den Rändern rot gezackt, klafft am Rücken; drei Lendenwirbel nicht zusammengewachsen; Fruchtwasser umspült die frei liegenden Nervenstränge und verschlimmert den Defekt jeden Tag; Gefahr: könnte querschnittsgelähmt und geistig behindert zur Welt kommen; zudem könnte sich das Hirnwasser stauen und den weichen Schädel zu einem großen Ballon formen (Wasserkopf);
(Der Spiegel 28/2003 S.156)

·         Mukoviszidose: in neun von zehn Fällen verläuft diese Erbkrankheit tödlich (Lunge versagt ihren Dienst)
(taz 30.7.03)

·         Australien: in gynäkologischen Abstrichen, die für die Krebsvorsorge entnommen wurden, bereits in der 5. Schwangerschaftswoche Zellen des Embryos gefunden; damit könnte ein genetischer Test im Vergleich zu der üblichen Fruchtwasseruntersuchung früher, preiswerter und ohne weitere Gefahren durchgeführt werden; Testergebnis nach wenigen Tagen; noch 2-3 Jahre bis zur Praxisreife
(GID 159 7/8-2003 S.33)

·         1976 übernahmen die Krankenkassen die Kosten für Fruchtwasserpunktion – damals 1796 Anwendungen; heute rund 80000 pro Jahr
(Die Zeit 1.10.03 S.40)

·         Down-Syndrom: Häufigkeit 1:650; Gesichtszüge stark verändert, rundes Gesicht mit flachem Profil und mongoloiden Lidachsen, oft geistige Retardierung (IQ 20-50), Infektanfälligkeit, Herzfehler, Darmverschluss beobachtet;
Mukoviszidose: in 70% der Fälle Verlust von drei Basen auf dem Chromosom 7, was zum Fehlen einer Aminosäure (von 1400) führt; etwa jeder 22. ist davon Betroffen, jedes 2000. Kind erkrankt; durchschnittliche Lebenserwartung lag früher zwischen 20 und 30 Jahren, können heute dank verbesserter Therapieverfahren auch 60 Jahre und älter werden
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was verraten unsere Gene? 82 Seiten S. 9)

·         Australien: der in der Krebsvorsorge übliche Abstrich von Zellen aus dem Gebärmutterhals soll künftig auch Auskunft über Erbkrankheiten eines ungeborenen Kindes geben
(Spiegel 31/03 S.128)

·         fast völlige Ausrottung der Thalassaemia in Sardinien; in verschiedenen Teilen von Italien ist die T. mit einem 905igen Rückgang innerhalb von wenigen Jahren durch ein öffentliches genetisches Beratungs-Programm und pränatale Diagnosedienste, begleitet von einer wirksamen Aufklärungskampagne, unter Kontrolle gebracht worden;
in Frankreich konnte z.B. in den letzten Jahren die Geburt von trisomischen Kindern um die Hälfte gesenkt werden; andererseits haben durch die Fortschritte in der medizinisch unterstützten Fortpflanzung und der neonatalen Versorgung (Entbindung nach 25-26 Wochen; Kinder, die nur wenige hundert Gramm wiegen) die Geburtsrisiken zugenommen; insgesamt ist die Zahl der geburtsbedingten Behinderungen tatsächlich angestiegen;
Dabei ist überhaupt nicht sicher, ob der Begriff „Eugenik“ hier der richtige Ausdruck ist. Die Eugenik ist ja eigentlich das Ergebnis eines gezielten Programms zur Verbesserung einer Rasse oder einer Spezies. Dies gilt jedoch nicht für die Einzelfälle, die wir behandelt haben, bei denen die Absicht darin besteht, dem Unglück zu entgehen.;
wollte man Eltern eine Entscheidung aufzwingen, die nicht ihre eigene ist und mit der sie nicht umgehen können, wäre das ein Staat oder eine Gesellschaft, die eine parallele Haltung zu der „traditionellen“ Eugenik einnimmt, mit der die Fortpflanzung und das Familienleben kontrolliert werden sollen.
(Konferenz Europ. Kirchen; Arbeitsgruppe über Bioethik 2003: Gentests und prädiktive Medizin)

·         Schwangerschaftsabbrüche Sachsen 2003: nur 2% auf Grund einer „medizinischen Indikation“ vorgenommen
(Freie Presse Chemnitz 7.4.04)

·         Umfrage Uni Münster 1157 Frauen, die vorgeburtliche Diagnostik hatten vornehmen lassen, ob die bei einer entsprechenden Diagnose vor der Geburt einem Schwangerschaftsabbruch zustimmen würden

Störung

vermutlich
Abbruch

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
(geringe bis mittlere Ausprägung)

10,5%

schwerer „offener Rücken“

84,8%

Anenzephalie

96,4%

Zystische Fibrose

49,5%

Chorea Huntington

63,1%

Prädisposition für Alzheimer
(Betroffenheitsrisiko 100%)

35,7%

Down-Syndrom

60,8%

Muskeldystrophe (Typ Duchenne)

76,4%

genetisch bedingtes Übergewicht

18,9%

(Bundeszentrale für Politische Bildung: Gentechnik, 1999, S.132)

·         in Großbritannien in den letzten 8 Jahren 26 Abtreibzungen wegen Hasenscharte oder Gaumenspalten; Behandlungsmöglichkeiten (chirurgische Korrektur, Kieferchirurgie, Sprachtherapie) fast immer erfolgreich
(GID 162/2004 S.28)

·         Fruchtwasseruntersuchungen: 1976, als die Krankenkassen die Kosten übernahmen – 1.796 Fälle; 1982: 15.888; zur Zeit rund 80.000 Diagnosen pro Jahr erstellt
(Das Parlament 14.6.04 S.12)

·         Gerichtsverfahren in Großbritannien; nachdem Ärzte bei einem Fötus eine Hasenscharte und Gaumenspalte diagnostiziert hatten, führten sie eine Spätabtreibung durch in einem Entwicklungsstadium, in dem das Baby als Frühgeborenes mit großer Wahrscheinlichkeit überlebt und sich normal entwickelt hätte;
eines von 700 Babys kommt mit einer nicht geschlossenen Oberlippe, mit einer Spalte in der Mittellinie des weichen Gaumens oder – in den schlimmsten Fällen – mit einem Bruch im harten Gaumen zur Welkt; Ursache ist vermutlich eine Kombination von genetischen und nichtgenetischen Faktoren (z.B. Rauchen während der Schwangerschaft erhöht das Risiko); schon im 19. Jahrhundert wurden diese Missbildungen chirurgisch korrigiert, heute behandelt man sie obendrein kieferorthopädisch und sprachtherapeutisch, das dauert manchmal, bis Jugendliche erwachsen sind, ist aber fast immer erfolgreich;
dennoch führten britische Kliniken in den letzten 8 Jahren 26 Abtreibungen wegen Gaumenspalten und Wolfsrachen durch, zwei davon nach der 24. Schwangerschaftswoche
(Die Zeit 11.12.03 S.40)

·         Die früher als „erblicher Veitstanz“ bezeichnete Huntington-Krankheit führt nach zuvor unbeeinträchtigter Gesundheit mit Beginn meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr nach jahrelang fortschreitenden Bewegungsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und Demenz zum Tode. Ursächlich sind krankhafte Verlängerungen tandemartig wiederholter DNA-Triplettstrukturen im Huntington-Gen auf Chromosom 4;
das Grundrisiko für ein Kind eines gesunden, nicht blutsverwandten Elternpaares für irgendeine Form angeborener Krankheit oder Behinderung liegt bei etwa 3-4%, davon stellen nicht-genetische Probleme wie Geburtsschäden oder mütterlicher Alkoholmissbrauch den Löwenanteil;
die Humangenetiker in Deutschland haben sich darauf verständigt, nach Fruchtwasseruntersuchungen den werdenden Eltern das Geschlecht des Kindes nicht vor der 14. SSW mitzuteilen, um einem Missbrauch dieser Information für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Fristenlösung vorzubeugen;
die Lebenserwartung eines neugeborenen Kindes mit Down-Syndrom ist seit 1929 von 9 auf über 50 Jahre angestiegen; verbesserte medizinische und pädagogische Betreuung ermöglicht es fast jedem von ihnen, Lesen und Schreiben zu lernen;
Mukoviszidose: jedes zweitausendste Neugeborene hat Gen von beiden Eltern ererbt, was zum klinischen Bild der rezessiv erblichen M. führt; dabei führen Veränderungen in der Struktur eines den Salzhaushalt regulierenden Proteins zur Eindickung von Körpersekreten vor allem in Lunge und Verdauungstrakt; im für dieses Protein codierenden Gen sind inzwischen über tausend verschiedene Einzelmutationen bekannt, diese verursachen unterschiedlich schwere Funktionsstörungen des Proteins mit der Folge unterschiedlicher Symptomatik, ob sich die Krankheit bereits bei der Geburt als Darmverschluss durch einen Schleimpfropf manifestiert oder aber erst nach Jahren durch hartnäckige Infekte in den mit Schleim belegten Atemwegen, wird dadurch beeinflusst, welche Einzelmutationen individuell vorliegen; Verlauf und Prognose der Krankheit werden wesentlich durch konsequente Medikamententherapie und persönliches Verhalten des Patienten mitbestimmt; überraschen vor wenigen Jahren die Erkenntnis, dass bei ansonsten völlig gesunden Männern mit unerfülltem Kinderwunsch reinerbige Mutationen in bestimmten Abschnitten des Mukoviszidose-Gens häufig sind, diese führen zu einem angeborenen Verschluss der Samengänge, aber nicht dem klassischen Krankheitsbild der M.; der deutsche Philosoph Karl Jaspers (wurde 86 Jahre alt) war chronisch lungenkrank und litt möglicherweise an einer mild verlaufenden M.;
Mukoviszidose in Europa vergleichsweise häufig, mutiertes Gen bewirkt bessere Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Typhus-Erregern in Darmzellen;
etwa die Hälfte der Schwangerschaften endet (in den ersten Tagen) mit einer Fehlgeburt aufgrund einer Chromosomenfehlverteilung des werdenden Kindes;
nicht nur in den Keimzellen, sondern auch in den Körperzellen finden Chromosomenfehlverteilungen statt – jeder von uns besitzt eine große Zahl von Körperzellen mit Trisomien der verschiedensten Chromosomen, darunter auch Chromosom 21, überspitzt, aber biologisch korrekt formuliert hat folglich JEDER Mensch ein Mosaik-Down-Syndrom
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.63, 69, 113, 133, 140, 150, 157)

·         Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (15/3948); Ziel: Spätabtreibungen erschweren;
PND soll mit einervorausgehenden, umfassenden Beratung durch einen fachkundigen Arzt verbunden sein, außerdem soll medizinische Beratung „in angemessener Weise“ um eine psycho-soziale Komponente erweitert werden; Krankenkassen sollen Kosten für PND nur dann übernehmen, wenn die Schwangere sich in der vorgeschriebenen Weise hat beraten lassen; über das Vorliegen einer „medizinischen Indikation“ im Zusammenhang mit der Behinderung eines ungeborenen Kindes soll ein interdisziplinär besetztes Kollegium aus Frauenheilkundlern, Kinderheilkundlern, Psychologen und Humangenetikern entscheiden; bei Vorliegen einer medizinischen Indikation sollen vor einem Schwangerschaftsabbruch drei Tage Bedenkzeit eingehalten werden, sofern nicht das Leben der werdenden Mutter akut gefährdet ist;
Angaben des Statist. Bundesamtes: im Jahr 2003 bei insgesamt 128.030 gemeldeten Schwangerschaftsabbrüchen 217 nach der 23. Woche erfolgt
(Das Parlament 1.11.04)

·         Antrag 15/4148 der Koalitionsfraktionen im Bundestag;
Schwangere so umfassend und wertfrei informieren, dass sie eine eigenverantwortliche Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch treffen können; den betroffenen Frauen und Paaren neben dem ärztlichen Aufklärungsgespräch eine unabhängige psychosoziale Beratung anbieten, dabei Kooperation und Vernetzung der mit der Thematik befassten Berufsgruppen; Richtlinie der Bundesärztekammer zur pränatalen Diagnostik soll überarbeitet werden – insbesondere adäquate Aufklärung und Beratung vor PND sowie danach gewährleisten; nach Ansicht der Angeordneten begründet die Datenlage zur medizinischen Indikation keinen gesetzlichen Handlungsbedarf
(Das Parlament 15.11.04)

·         Muskeldystrophie: bei gesunden Menschen wird auf einem bestimmten Gen eine bestimmte Sequenz 5-30x wiederholt, im defekten Gen finden sich Hunderte oder Tausende solcher Wiederholungen (367)
Huntington-Gen: im Chromosom 4 wird eine bestimmte Bausteinfolge zu oft wiederholt (CAG); 10 bis 35 mal ist in Ordnung; darüber ist mit sicherem Ausbruch der Krankheit zu rechnen: 39 Wiederholungen ---> Erkrankung im Alter von durchschnittlich 66 Jahren, 40 Kopien: 59 Jahre, 41 Kopien 54 Jahre, 50 CAG-Sequenzen: 27 Jahre (468)
4 bis 7% aller lebend geborenen Kinder kommen mit körperlichen Fehlbildungen zur Welt; Herzfehler 1%, Chromosomenstörung 0,5%; Mutation im Erbgut 1%; 2,5% weisen eine Fehlbildung aufgrund mehrerer Faktoren auf (369)
mittlerweile 14.000 monogen vererbte Krankheiten bekannt, bei mehr als der Hälfte ist das verantwortliche Gen lokalisiert, einige so selten, dass nur  zwei oder drei Fälle auf der ganzen Welt beobachtet wurden (369)
(Detlev Ganten u.a.: Leben., Natur, Wissenschaft; Eichborn Ffm. 2003)

·         Spätabtreibungen: knapp 3% aller Abtreibungen nach der 12. SSW, 2003 waren es 2044 Spätabbrüche, davon 217 nach der 22. SSW
(Das Parlament 21.2.05)

·         Teilt ein Arzt der Schwangeren die Laborwerte nach Fruchtwasseruntersuchung zu spät mit, kann er haftbar gemacht werden (Unterhaltsaufwand für das behinderte Kind + 10000 Euro Schmerzensgeld); Oberlandesgericht Saarbrücken: regulierungspflichtiger Behandlungsfehler
(GID 168/2005 S.39)

·         Bundesvereinigung Lebenshilfe: Ultraschall fördert Selektion; Bestrebungen, in die vorgeburtliche Untersuchung regelmäßig die Nackenfaltenmessung aufzunehmen, seien abzulehnen; Gefahr, dass vorgeburtliche Diagnostik... hauptsächlich zur Selektion behinderten Lebens genutzt werde
(taz 29.7.05)

·         Röteln können vor allem Ungeborenen gefährlich werden, wenn deren Mütter sich mit dem Virus infizieren; so kamen in den USA 1964 und 1965 nach einem Ausbruch der Krankheit mehr als 15.000 Babys taub oder blind zur Welt, etwa genauso viele starben kurz vor oder nach der Geburt; inzwischen sind in den USA fast 93% aller Kinder unter 2 Jahren geimpft; anders in Deutschland: Impfrate unter 30%, jährlich 30000 bis 120000 Infektionen, 30-50 Kinder mit Rötelschäden kommen zur Welt
(bdw 8/2005 S.39)

·         Feinultraschall 20. SSW, Kind mit Tetrasomie 12p; viele sterben ganz früh in der Schwangerschaft; „er hat mit dem Armgefuchtelt und sich umgedreht“ (Mutter); „Ihr Kind ist nicht lebensfähig“ (Arzt);
2003: 128.030 Schwangerschaftsabbrüche, 2.044 zwischen 13. und 23. Woche, 217 später, vermutlich liegen die tatsächlichen Zahlen höher;
Kinder mit offenem Rücken: manche dieser Kinder sind querschnittsgelähmt, andere können sich normal bewegen;
in der 14. Woche misst der Arzt die Nackenfalte des Kindes: 2,5 mm; das ist breiter als normal, kann Hinweis auf einen Herzfehler oder auf eine Trisomie sein
(taz 17.2.05)

·         (S. 164) S. Graumann: so wird etwa von Seiten der Behindertenbewegung, soweit mir die einschlägigen Stellungnahmen bekannt sind, kein Abtreibungsverbot „behinderter Föten“ gefordert ... Rechte von betroffenen Frauen und Paaren werden respektiert ... gefordert wird verantwortungsvoller Umgang mit den Möglichkeiten der PND ... umfassende Beratung
(Ethik in der Medizin, Heft 3/2003: Behinderung und Medizinethik)

·         von 120.000 Abtreibungen jährlich werden nur rund 2.000 Eingriffe zwischen der 13. und 23. Woche und 200 Abbrüche jenseits der 23. Woche gemacht
(taz 23.12.05)

·         Bundesvereinigung Lebenshilfe hat vor Ausweitung der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerenvorsorge gewarnt (Nackenfaltenmessung = Hinweis auf Down-Syndrom JK); Gefahr, dass vorgeburtliche Diagnostik Frauen verunsichere und hauptsächlich zur Selektion behinderten Lebens genutzt werde
(taz 29.7.05)

·         „Ziel der Ärzteschaft ist eine Verhinderung von Schwangerschaftsabbrüchen jedweder Art.“ (Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe);
Spätabbrüche – davon spricht man, denn die Lebensfähigkeit des Kindes ab der 22./23. Woche gegeben ist und die Tötung des Kindes – der Fetozid – vor dem Abbruch erfolgen muss;
gestritten wird dabei nicht um die Fälle, in denen das Leben der Mutter durch Schwangerschaft oder Geburt gefährdet ist, sondern um die, in denen eine absehbare schwere seelische Belastung der Mutter, beispielsweise durch eine Behinderung des Kindes, attestiert wird;
Bundesärztekammer und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wollen in Kürze ein gemeinsames Positionspapier vorlegen: unter anderem sollten bei Abtreibung nach medizinischer (wie jetzt schon nach sozialer) Indikation eine Beratungspflicht und mehrtägige Bedenkzeit vor dem Abbruch vorgeschrieben werden, „Das Kind ist bei medizinischer Indikation weniger geschützt als sonst“, Haftungspflicht des Arztes bei falscher Diagnosestellung oder einem Überleben des Kindes nach einer Abtreibung mindern;
2005: 124.023 Abbrüche insgesamt, davon 3.177 nach medizinischer Indikation; nach der 23. Woche 171 Abbrüche; es wird allerdings von einer gewissen Dunkelziffer bei Schwangerschaftsabbrüchen ausgegangen
(Das Parlament 20.3.06 S.3)

·         Studie 1999: Abtreibungsrate bei Trisomie 21 92%
(GID 175 April/Mai 2006 S.54)

·         Zahl der Krankheiten, für die die Mediziner einen genetischen Hintergrund gefunden haben, seit 1970 von 1.600 auf 16.000 Störungen verzehnfacht
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.13)

·         Deutschland 2005: mehrere hundert Föten nach dem dritten Monat abgetrieben, 171 nach der 23. Schwangerschaftswoche
(Spiegel 34/2006 S. 20)

·         Großbritannien zwischen 1996 und 2004 mindestens 20 Schwangerschaftsabbrüche wegen Klumpfuß im Ultraschall (nachgeburtlich behebbar); weitere Abtreibungen wegen überzähligen Fingern; in GB Schwangerschaftsabbruch bis unmittelbar vor der Geburt zulässig bei Vorliegen einer „ernsthaften Behinderung“
(GID 177 8/9-2006 S.41)

·         Dass wir Menschen nicht vor jeder Empfängnis und Geburt zittern müssen, ob das Kind, das kommen wird, missgestaltet sein wird oder nicht, verdanken wir der biologischen Selektion mit ihrer ambivalenten Wirkweise. Sie sorgt mit einer unglaublich hohen Wahrscheinlichkeit dafür, dass Deformiertes oder Nicht-Lebensfähiges zugunsten des (wahrscheinlich) Lebensfähigen aus dem Entwicklungsgeschehen ausgeschieden wird. Insofern ist diese Form von Selektion selbst ein staunenswerter Teil des Lebens.
(Klaus-Peter Jörns: Notwendige Abschiede – Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum, Gütersloh 2004, S. 214)

·         USA: Empfehlung des Kollegs der Geburtshelfer und Gynäkologen: danach soll künftig allen Schwangeren, unabhängig von ihrem Alter, ein Frühscreening auf Trisomie 21 angeboten werden; bisher routinemäßiger Test erst bei Frauen ab 35. Lebensjahr üblich; dabei hat sich gezeigt, dass sich im Falle eines positiven Testergebnisses (Vorliegen der Störung) 90% der Betroffenen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden; Gruppe von Eltern mit Down-Syndrom-Kindern wollen mit eigenen positiven Erfahrungen gegensteuern – Treffen mit Kindern ermöglichen
(GID 182 Juni 2007 S.41)

·         (93) wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt, muss isch in Deutschland eigentlich nur über zwei Bausteine seiner Ernährung lebenslang Gedanken machen: Jod und Folsäure. Vom Jod gibt es in Mitteleuropa zu wenig in der Nahrung, weshalb jodiertes Speisesalz zum Backen verwendet wird und auch im Supermarkt die Auswahl dominiert.
Zu wenig Folsäure führt zu einem erhöhten Spiegel der Aminosäure Homocystein im Blut, die wiederum ein Risikofaktor für Arteriosklerose ist. Bei Schwangeren steigt zudem die Gefahr einer Missbildung des Kindes infolge des Folsäuremangels der Mutter (Gefahr, dass Kind einen Neuralrohrdefekt hat)
(Spiegel spezial „Besser essen besser leben“ 5/2005)

·         8,6 Millionen behinderte Menschen leben in Deutschland, 6.7 Millionen von ihnen gelten als schwerbehindert
(Ökotest 2/07 S.67)

·         (3) Die meisten Schwangeren erwarten ein gesundes Kind; in nur etwa 5% der Schwangerschaften ist mit einer kindlichen Fehlbildung oder Erkrankung zu rechnen;
erste Berichte über Entnahme von Fruchtwasser während des zweiten Schwangerschaftsdrittels 1966 publiziert; Anfang der 80er Jahre Entnahme von Zotten des Chorion;
zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche (SSW) kann ein sog. „Ersttrimester-Screening“ durchgeführt werden, beinhaltet eine Ultraschalluntersuchung, bei der der gesamte Embryo detailliert untersucht wird, besonderer Augenmerk liegt auf der Messung der „Nackentransparenz“, einer Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich des Feten; in Kombination mit einer Hormonuntersuchung im Blut der Mutter (Eiweißstoff PAPP-A und Schwangerschaftshormon: freies ß-hCG so Seite 44) und dem Alter der Schwangeren kann eine Risikoabschätzung für eine kindliche Chromosomenstörung erfolgen (individuelle Berechnung);
ab 11./12. SSW Chorionzottenbiopsie möglich;
ab 14./15. SSW kann Fruchtwasseruntersuchung erfolgen; mittels einer feinen Nadel durch die Bauchdecke der Mutter 10-15 ml Fruchtwasser aus der Fruchthöhle entnommen;
ab 20. SSW Punktion der kindlichen Nabelschnur;
der Anteil der Schwangeren, die älter sind als 35, hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt;
Recht auf Nichtwissen, z.B. durch Ablehnung einer Ultraschalluntersuchung;
(7) Befragung Schwangerer;
über 70% der Schwangeren hatten zusätzlich zu den drei in den Mutterschaftsrichtlinien empfohlenen Ultraschalluntersuchungen mindestens eine weitere zum Ausschluss von Fehlbildungen;
über 40% ließen die Transparenz der Nackenfalte messen;
29% ließen Ersttrimester-Test durchführen;
Fruchtwasseruntersuchung: 11,5%;
Chorionzottenbiopsie: 3,3%;
nur 15% der Frauen haben ganz auf PND verzichtet;
(33) Dr. Klaus König, Berufsverband der Frauenärzte e.V.:
wenn wir eine Kampagne machen, etwa bei der Brustkrebsprävention, dann suchen wir Prominente, die das vermitteln und in jeder Talkshow noch anfügen, dass es wichtig ist, so geht das...;
Wir Gynäkologen machen ja selbst psychosomatische Beratung, wir sind dafür ausgebildet. Wir haben das in der Weiterbildungsordnung stehen. Für die Schwangerenbetreuung und auch um über den Fehlbildungsultraschall aufzuklären, brauchen wir keine externen Beratungsstellen. – Heißt das, dass auch im Falle einer diagnostizierten Fehlbildung durch Amniozentese im späteren Verlauf der Schwangerschaft und einem evtl. folgenden Abbruch der Schwangerschaft die Beratung vom Gynäkologen geleistet werden kann? – Richtig.;
zu den Hebammen ist zu sagen, dass sie gar nicht gelernt haben, eine Schwangerschaft vollständig nach den Mutterschaftsrichtlinien zu betreuen. Sie können keinen Ultraschall machen, deshalb stehen sie ihm kritisch gegenüber, sie können keine weitere Abklärung selber machen ...;
Wir haben in Deutschland die ärztliche Schwangerenbetreuung ... Risikoschwangerschaften dürfen auf keinen Fall von der Hebamme betreut werden ;
(38) Pränataldiagnostik hat aus der Zeit des geduldigen Wartens eine Zeit der aktiven Einflussnahme und Entscheidungen gemacht. Aus dem schicksalhaften Annehmen des Kindes, so wie es ist, wurde das Angebot, mithilfe von PND Einfluss zu nehmen oder sogar ein Kind abzulehnen, wenn schon vor der Geburt schwerste Schäden zu erkennen sind;
Ultraschalluntersuchung in der 20. SSW als „Organ-Ultraschall“; explizit zum Erkennen von Fehlbildungen gedacht;
bei 2-4% der Neugeborenen werden geistige und/oder körperliche Behinderungen festgestellt;
in ca. 1% der Fälle wird durch den Eingriff bei der Fruchtwasseruntersuchung eine Fehlgeburt ausgelöst;
(43) Nackenfalte ist eine Wasseransammlung im oberen Rückenbereich; auch Nackenödem oder Nackentransparenz (NT) genannt; entwickelt sich zwischen der 9. und 14, Woche, verschwindet dann wieder; je größer die Nackenfalte, desto größer die statistische Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit einer Chromosomenabweichung zur Welt kommt (Trisomie 121, seltener Trisomien 13 oder 18, oder Abweichungen der Geschlechtschromosomen);
der Ersttrimester-Test ist keine vorgeburtliche Diagnose, sondern eine Wahrscheinlichkeitsberechnung oder Risikoabschätzung; als Ergebnis erfährt die Frau eine Risikozahl, etw: 1:500; diese besagt, dass von 500 Frauen gleichen Alters, die die gleichen Blutwerte und die gleiche Nackenfaltendicke aufweisen, eine Frau ein Kind mit einem Down-Syndrom zur Welt bringen würde; ab einer Wahrscheinlichkeit von 1:300 wird einer Frau empfohlen, prüfen zu lassen, ob ihr Kind das eine von den 300 ist oder nicht (z.B. durch Fruchtwasseruntersuchung);
Problem bei allen statistischen Verfahren ist die Unsicherheit der Ergebnisse: Das Frühscreening hat eine „Falsch-Positiv-Rate“ von über 5%, d.h. mindestens 5 von hundert Frauen erhalten beunruhigende Werte, lassen eine Fruchtwasseruntersuchung machen und stellen dann fest, dass ihr Kind nicht betroffen ist; einige Frauen erhalten ein „Falsch-negatives“ Ergebnis, lassen keine weiteren Untersuchungen machen und bringen dann doch ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt;
Ersttrimestertest ist wie der Triple-Test keine Kassenleistung;
der Test eröffnet bei positivem Befund keine therapeutischen Möglichkeiten;
zum Zeitpunkt der Messung der Nackentransparenz (Ultraschall 15 Minuten) misst das Ungeborene vom Scheitel bis zur Sohle 4,5 bis 8,4 cm; die zu messende Nackenverdickung liegt im Zehntelmillimeterbereich;
den Wahrscheinlichkeitsaussagen liegen Werte aus einer britischen Studie an 100.000 Schwangeren zugrunde;
der Test wird in Deutschland seit 2002 von einem privaten Verein angeboten, unabhängig von den ärztlichen Standesorganisationen und Krankenkassen; ist nicht Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien; kostet 100 bis 150 Euro; bei einem flächendeckenden Screening stehen in Deutschland rund 700.000 Kundinnen pro Jahr zur Verfügung;
(52) in der gynäkologischen Praxis sind in der Vorsorgepauschale pro Quartal 58 Minuten Beratungszeit vorgesehen;
bei etwa 3% der Frauen Gewissheit: unser Kind ist krank oder behindert;
(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Zeitschrift FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung, Heft 1-2007 „Pränataldiagnostik“; 70 Seiten; kostenlos unter: order.bzga.de)

·         Individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) müssen beim Arzt selbst aus der eigenen Tasche bezahlt werden; von 100 abgerechneten Leistungen entfielen 2007 21 (Platz 1) auf Ultraschall an ungeborenen Kindern („Baby-TV“ in der Schwangerschaft)
(bdw 2/2008 S.49)

·         Bei Diagnose Down-Syndrom 90% Entscheidung der Eltern für Abbruch der Schwangerschaft;
etwa 200 Kinder pro
Jahr in Deutschland Abtreibung nach der 22. Schwangerschaftswoche
(ZEIT 13.3.08 S.35)

·         Erst-Trimester-Test;
ultraschallgestützte Vermessung der Nackenfalte des Ungeborenen, kombiniert mit Labortests und dem „Basisrisiko Alter“, um die übliche Suche nach Trisomie 21 und anderen Normabweichungen zu effektivieren; nach eienr Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kaufen derzeit 29% der Schwangeren den Test;
grobe Schätzung: bei einem Nackentransparenz-Screening bei 1000 Frauen wären 7 Fälle von Chromosomen-Anomalien zu erwarten; 5 davon könnten durch die Diagnostik entdeckt werden, zwei blieben unerkannt; mit einem „positiven“ Testergebnis wären 53 Frauen konfrontiert
(GID 188 Juni 2008 S.6f.)

·         In Deutschland durchschnittlich 7 Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren; in Schweden nur 1x vorgesehen und auch so gehandhabt; mütterliches „Risiko“ wird in D. bei 70-80% aller Schwangerschaften festgestellt;
(GID 188 Juni 2008 S.11)

·         Italien: bei 115.000 untersuchten Fällen von Chorionzottenbiopsien und Fruchtwasseruntersuchungen nur 50% der möglichen Chromosomenanomalien entdeckt; auch bei Trisomie 21 nicht hundertprozentig gewiss
(GID 188 Juni 2008 S.39)

·         Allgemeinmediziner zahlen für die ärztliche Berufshaftpflicht ein paar hundert Euro Jahresprämie;
Geburtshelfer und Chirurgen gelten mittlerweile als unkalkulierbare Hochrisikogruppen, zahlen die höchsten Beiträge unter Medizinern, Jahressummen bis zu 20.000 Euro sind keine Seltenheit; Fall Frauenarzt 66.000 Euro pro Jahr; USA geburtshilfliche Gynäkologen bis 200.000 Dollar pro Jahr für Haftpflicht;
“Schwangere behandeln wir hier nicht“
(Spiegel 10-2008 S.66)

·         Österreich: „Kind als Schaden“;
wegen einer Behinderung ihres Kindes, die in der Schwangerschaft übersehen worden war, haben Eltern Schadensersatzanspruch in Höhe der Lebenshaltungskosten zugesprochen bekommen; Österreichischer Oberster Gerichtshof; schwere Form von spina bifida (Spaltbildung der Wirbelsäule), Eltern hätten bei Kenntnis Abbruch vornehmen lassen
(GID 187 April 2008 S.44)

·         Bundestagsdebatte zu Spätabbrüchen
Christel Humme, SPD:
behindertes Leben schützen … das wollen wir auch… Sie meinen, das erreichen zu können, wenn Sie Spätabbrüche vermeiden. 80% der Spätabbrüche werden vorgenommen, weil das Ungeborene nicht lebensfähig ist. Diesen Kindern fehlt ein lebenswichtiges Organ, sie haben kein Gehirn, es fehlen beide Nieren,oder das Herz ist schwer geschädigt. Die Kinder sind dem Tod geweiht;
(anderer Beitrag weist darauf hin, dass erkannte Behinderungen des Kindes ohnehin NICHT Kriterium sein können/dürfen, da ausschließlich eine medizinische Indikation, also Gefahr für Leib und Leben oder Psyche der Mutter Begründung für einen Abbruch sein darf)
(Das Parlament 52/2008 Debattendokumentation S.2)

·         in Großbritannien kommen wieder mehr Kinder mit Down-Syndrom zu Welt als in den Jahren nach Einführung von Früherkennungstests, mit denen die Behinderung bereits während der Schwangerschaft festgestellt werden kann; für 2006 verzeichneten die Statistiken für England und Wales 749 derartige Geburten, 1989, im Jahr der Einführung der Pränataltests, waren es 717 gewesen, in den Jahren dazwischen war die Zahl deutlich unter 600 Geburten gesunken; ausschlaggebend für die Entscheidung vieler Eltern, das Kind nicht abtreiben zu lassen, ist einer Umfrage zufolge der Eindruck, dass solche Kinder heute mit besseren Zukunftschancen rechnen können als noch vor 20 Jahren, außerdem sahes sie sich durch die Hilfe von Freunden und Familie  in ihrem Entschluss bestätigt
(Spiegel 49/2008 S.162)

·         um festzustellen, ob ein ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat, reicht nach einem Verfahren aus Kalifornien eine Blutprobe der Mutter; im Blutserum befinden sich auch Erbgutschnipsel des Fötus; ab 14. Schwangerschaftswoche untersucht, bisher erst 400 Proben untersucht, aber kein einziger Fehler im Ergebnis; kein Risiko der Untersuchung für das Kind wie bei Fruchtwasseruntersuchung oder Chorionzottenbiopsie
(taz 17.10.08,
GID 190 Oktober 2008 S.26)

·         Gesetz zu Spätabtreibungen; am 13.5.09 im Bundestag verabschiedet;
Sofern vorgeburtliche Untersuchungen ergeben, dass das Kind geistig oder körperlich behindert ist, hat der Arzt die schwangere Frau über medizinische und psychosoziale Aspekte der Behinderung zu beraten. Er soll dabei Kollegen einbeziehen, die sich mit der Behinderung des Kindes auskennen. Außerdem hat der Arzt die werdende Mutter  auf die Möglichkeit einer weiteren psychosozialen Beratung hinzuweisen. Sofern die Schwangere es möchte, soll er Kontakt zu Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen vermitteln. Zwischen Diagnose und der schriftlichen Feststellung, dass die Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch gegeben ist, müssen mindestens drei Tage liegen. Bei einem Verstoß gegen eine der Vorschriften muss der Arzt mit einem Bußgeld von 5.000 Euro rechnen. ;
Spätabtreibungen: Schwangerschaftsabbrüche nach der 22. oder 23. Woche, ab denen ein Kind meist als lebensfähig gilt;
das am 13.5.09 verabschiedete Gesetz bezieht sich aber auf alle Fälle der medizinischen Indikation;
im Jahr 2008 wurden 231 Schwangerschaften nach der 23. Woche abgebrochen, dazu kamen 2100 Abbrüche zwischen der 13 und der 23. Woche
(Das Parlament 18./25.5.09 S.6)

·         2008: 115.000 gemeldete Schwangerschaftsabbrüche, davon rund 3000 aufgrund einer medizinischen Indikation, 230 davon nach der 22. Woche abgebrochen
(Freie Presse Chemnitz 14.5.09 S.6)

·         Abtreibungen in Deutschland 2008 gesamt: 114.484;
davon aufgrund medizinischer Indikation nach der 12. Woche: 2.100;
Spätabtreibungen nach der 22. Woche: 231;
(Der Spiegel 26-2009 S.128)

·         rund 10.000 Babys kommen jedes Jahr in Deutschland mit alkoholbedingten körperlichen oder geistigen Schäden zur Welt (in 2.000 Fällen schwere Störungen);
Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für körperliche und geistige Schäden bei Kindern (BZgA);
12 bis 15 % der werdenden Mütter trinken einmal oder mehrfach im Monat
(taz 9.9.09 S.06)

·         Jedes Jahr kommen in Deutschland 4000 Babys zur Welt, deren Gehirn durch Alkohol dauerhaft geschädigt ist
(Spiegel 37-2009 S.122ff)

·         in Großbritannien liegt die Rate von Schwangerschaftsabbrüchen nach positiver Diagnose für das Vorliegen eines Down-Syndroms bei 92%
(GID Nr.193 4-2009 S.32)

·         96 Prozent aller Kinder kommen gesund zur Welt!;
heute nehmen 85% der Schwangeren private Zusatzleistungen in Anspruch;
1970er Jahre 171 Fruchtwasseruntersuchungen (in einem Jahr? JK); 2004: 61.000;
die PND sucht gezielt nach Auffälligkeiten beim Ungeborenen;
die Kasse bezahlt drei Ultraschalluntersuchungen (in der 8.-12.; 18.-22.; 28.-32. Woche).
Etwa 40% der Frauen lassen heute zudem die Nackenfalte ihres Babys messen. Ist sie verdickt, kann das ein Hinweis auf ein Down-Syndrom oder einen Herzfehler sein. Um die Erkennungsrate zu erhöhen, wird die Nackentransparenz mit einem Blutwert kombiniert, der Hormon- und Eiweißwerte bestimmt. Der Computer errechnet aus den Werten, dem Alter der Frau und der Dauer der Schwangerschaft und weiteren Befunden ein statistisches Risiko. Der so genannte Ersttrimester-Test zeigt also an, wie wahrscheinlich es ist, dass das Kind z.B. das Down-Syndrom haben kann;
Bei der Amniozentese wird Fruchtwasser durch die Bauchdecke der Frau entnommen, die gewonnenen Zellen werden einer Chromosomenanalyse unterzogen. „Das Verfahren bringt zwar Klarheit, birgt aber auch die seltene Gefahr einer Fehlgeburt“ … von 1000 Schwangeren verlieren 5 bis 10 Frauen nach der Fruchtwasseruntersuchung ihr Kind;
Schon heute brechen mehr als 90% der Frauen, die mittels PND die Diagnose Down-Syndrom bekommen, die Schwangerschaft ab;
(Das Parlament 8.11.2010, S.7)

·         Fortschritt der Genomdiagnostik: Mit einer neuen Technik können die Erbinformationen eines Fötus (ungeborenes Kind im Mutterleib JK) vollständig entschlüsselt werden, ohne jedes Risiko für Mutter und Kind – eine Blutprobe der Schwangeren genügt. Wollten bisher Eltern ein genetisches Risiko ausschließen, blieb nur die Fruchtwasseruntersuchung – mit begrenzter Aussagekraft und verbunden mit dem Risiko einer Fehlgeburt;
mehr als 10% der Schwangeren entscheiden sich gegen jede vorgeburtliche Untersuchung; die Mehrheit entscheidet anders: wird vor der Geburt ein Down-Syndrom festgestellt, entscheiden sich in Deutschland 9 von 10 Schwangeren für eine Abtreibung;
In der Summe der individuellen Entscheidungen zehntausender Paare pro Jahr findet in D. eugenisches Handeln längst statt. Nicht im Sinne eines – ebenso irrwitzigen wie aussichtslosen – staatlich verordneten Menschenzuchtprogramms. Wohl aber als Eugenik von unten, bei der werdende Elternallein für sich die Frage beantworten: Soll dieses, ihr gerade erst gezeugtes Kind leben? Oder soll es besser nicht geboren werden, weil es schwer krank oder behindert wäre?
Die Eltern, die betroffenen Familien – sind sie nicht ohnehin die Einzigen, denen das Recht dieser schweren Gewissensentscheidung zusteht?;
Wer anders denkt, möge sich jetzt für Verbote aussprechen --- Alle anderen zwingt der biotechnische Fortschritt dazu, sich zu dem zweifellos heiklen Bekenntnis durchzuringen: JA, wir sind eine Gesellschaft, die es toleriert, wenn in ihrer Mitte gegen schwer kranke, behinderte Föten entschieden wird.

Ein paar Milliliter Blut der Schwangeren werden künftig genügen, um das neue Leben zu inspizieren;
Am Bodensee hat der Probelauf für die Prophetie aus dem Mutterblut bereits begonnen. Drei Tage lang laufen die Decoder in den Laboren der Konstanzer Firma LifeCodexx, um die Erbmoleküle eines Ungeborenen zu vermessen. »Dann braucht der Computer noch einmal drei Tage, um das Ergebnis auszurechnen«, sagt Vertriebschef Martin Burow. Bei LifeCodexx beschränkt sich die Suche zunächst auf die wichtigste Frage, die viele zukünftige Eltern umtreibt: Leidet unser Kind am Downsyndrom (Trisomie 21) und wird deshalb geistig behindert und körperlich beeinträchtigt zur Welt kommen?
Zum Jahresende, spätestens im Frühjahr 2012 wird der Bluttest für Schwangere in Deutschland verfügbar sein. »Das Interesse ist riesengroß«, schwärmt Burow. »Mit unserer Methode kann sich die Mutter Gewissheit verschaffen, ohne dass sie ihr Kind riskiert.«;
Bislang können sie das Downsyndrom nur mit einer Fruchtwasseruntersuchung zweifelsfrei ausschließen. Mehr als 31.000 solcher Amniozentesen haben deutsche Krankenkassen 2009 bezahlt. Doch in einem von hundert Fällen führt der Eingriff, bei dem der Arzt Fruchtwasser durch die Bauchdecke der Schwangeren entnimmt, zu einer Fehlgeburt. Nun steht erstmals ein nicht invasiver und damit gefahrloser Test zur Verfügung.;
Gerade hat sich der Bundestag nach langer kontroverser Debatte dazu durchgerungen, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Ausnahmefällen zuzulassen. Während Ärztefunktionäre und Politiker noch diskutieren, wann der Gentest bei den im Labor gezeugten Embryonen erlaubt sein soll, schickt sich die Humangenetik an, auch auf das konventionell gezeugte Leben im Mutterleib zuzugreifen – mit einem komplikationsfreien Verfahren, das zudem früh in der Schwangerschaft zum Einsatz kommt. Amniozentesen werden in der Regel zwischen der 14. und 16. Woche durchgeführt. Die neue Technik erlaubt es, die Erbdaten des Fötus bereits vor der 10. Schwangerschaftswoche komplett auszulesen;
Tatsächlich ist auf Dauer kaum vorstellbar, dass die genetische Untersuchung des Fötus auf Trisomie 21 beschränkt bleiben wird. Schon jetzt lassen sich damit weitere Erbschäden entdecken: körperliche Erbleiden wie Mukoviszidose, Muskelschwund oder Blutarmut sowie neuropsychiatrische Befunde wie ein drohender Autismus. Mit dem Einstieg in die genomische Fortpflanzungsmedizin nähern sich die Zeiten ihrem Ende, in denen gesunder Nachwuchs eine Gnade war – und ein behindertes Kind ein hinzunehmendes Schicksal;
Zurzeit erprobt LifeCodexx, eine Tochter der deutschen Sequenzierfirma GATC, die Technik in der Schwangerschaftsvorsorge. Zusammen mit einer Reihe deutscher Perinatalzentren erkundet das Unternehmen die Leistungsfähigkeit des Verfahrens bei 500 Schwangeren mit einem Risiko für das Downsyndrom. Schon technisch sei das Unterfangen nicht trivial, versichert Burow: »Und Sie müssen genug fötale Erbmoleküle gewinnen und sie in einem großen Überschuss an mütterlicher DNA analysieren.« Beim Bundesforschungsministerium findet die Idee Anklang: Annette Schavans Haus fördert die Entwicklung mit rund 300.000 Euro;
Dass der Bluttest die Chromosomenfehler zuverlässig entdecken kann, ist ohnehin bereits bewiesen. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte Los Forscherteam im British Medical Journal die Ergebnisse einer Untersuchung an 753 Schwangeren präsentiert. Alle Frauen galten aufgrund ihres Alters und der Befunde im Ultraschall als Hochrisikopatientinnen. Los Verfahren entdeckte bei den untersuchten Frauen sämtliche 86 Föten mit Trisomie 21. Er verhandelt derzeit mit der Regierung in Hongkong, um sein Screening auf Wunsch allen Frauen zur Verfügung stellen zu können. Unter den Bedingungen eines klinischen Tests, sagt er, koste die Untersuchung etwa 700 Dollar. Wie teuer sie für die Paare sein wird, ist jedoch noch offen;
Tatsächlich werden auch beim herkömmlichen Trisomie-Screening per Ultraschall, das jeder Schwangeren über 35 Jahren angeboten wird, über 90 Prozent der vorhandenen Trisomien als verdächtig identifiziert. Nach dem Verdacht allerdings müssen die Mediziner zur Bestätigung der Diagnose die riskante Amniozentese durchführen. Die soll nach den Vorstellungen des Unternehmens durch den Bluttest ersetzt werden. »Wir wollen ihn allen Frauen anbieten, wenn eine Risikoschwangerschaft festgestellt wird«, sagt Burow, »das kann auch eine 18-Jährige sein.« Bislang will die Firma ihre Untersuchungen auf die Entdeckung des Downsyndroms beschränken. Höchstens eine Ausweitung auf die anderen schweren Chromosomenstörungen Trisomie 13 und 18 sei denkbar, heißt es in Konstanz

(DIE ZEIT 18.8.2011 S.1,31 http://www.zeit.de/2011/34/01-Test-Erbgut-Kinder ; http://www.zeit.de/2011/34/M-Trisomie )

·         Entwicklung eines Schwangerentests, mit dem ohne Risiko für die werdende Mutter mit hoher Treffersicherheit festgestellt werden kann, ob das heranreifende Kind ein Downsyndrom, auch Trisomie 21 genannt, hat. Mit 230.000 Euro hatte Schavans Ministerium das Entwicklungsprojekt der Konstanzer Sequenzierfirma GATC und deren Tochter Lifecodexx unterstützt. Für den Test sind lediglich 10 Milliliter Blut aus der Armvene der Mutter notwendig. Da in dem Blutkreislauf der Mutter auch DNA-Fragmente des Fötus zirkulieren, kann mittels einer DNA-Sequenzierung und einer Computerauswertung festgestellt werden, ob in dem fetalen Genom das Chromosom Nr. 21 dreifach vorhanden ist;

in den Niederlanden läuft bereits die klinische Erprobung der Verfahrens, Trefferquote: 100 Prozent;
Hildburg Wegener: Das Gesetz zur begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik besagt, dass Embryonen nur gezielt, also auf Grund einer vorliegenden Diagnose oder begründeten Vermutung, genetisch untersucht werden dürfen. Das müsste eigentlich auch auf die neue Technik angewendet werden. Und das Gendiagnostikgesetz legt fest, dass vor einer genetischen Untersuchung über jede einzelne Krankheit, die dabei festgestellt werden könnte, vorher genetisch beraten werden muss. Auch das müsste der Ausweitung der (Anwendung der JK) neuen Technik eigentlich Grenzen setzen.
(taz 2.9.2011 S.18; Der Sonntag, Sachsen, 16.10.2011 S.3)

·         Dem Team um Dennis Lo aus Hongkong, dem es gelungen ist, die komplette fötale DNA zu isolieren (siehe vorherige Nachricht), hat einen nicht-invasiven Bluttest für das Down-Syndrom (Trisomie 21) entwickelt. Jedenfalls berichten die Forscher, dass man mit ihrer Methode bei einem Neugeborenen das Vorhandensein des Down-Syndroms mit großer Sicherheit diagnostizieren kann. Dafür werden DNA-Abschnitte des Fötus analysiert, die im Blut der werdenden Mutter zirkulieren. Die Verhinderung des Down-Syndroms ist zur Zeit - faktisch - eines der Hauptziele der standardmäßig durchgeführten Pränataldiagnostik. Ein sicherer Nachweis einer Trisomie 21 erfordert aber eine Untersuchung des fötalen Chromosomensatzes. Dazu muss eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden - ein für die Mutter belastender und für den Fötus riskanter Eingriff. Mit der neuen Methode könnten zukünftig 98 Prozent der riskanten Pränataldiagnostiken überflüssig gemacht werden, so die Forscher. Nach Angaben von Lo gelang es, in einer Gruppe von 753 schwangeren Frauen aus Hongkong, Großbritannien und den Niederlanden mit hohem Down-Syndrom-Risiko alle 86 betroffenen Föten zu entdecken - es gab also kein einziges sogenanntes falsch-negatives Resultat, das den Betroffenen eine falsche Sicherheit vorgegaukelt hätte. Nur in 2,1 Prozent der Fälle führte die neue Methode zu einem Fehlalarm, so dass erst die Untersuchung des Fruchtwassers die Chromosomenstörung eindeutig ausschließen konnte. Die neue Entwicklung lässt die Alarmglocken klingeln: Ein altes Ziel der Eugeniker rückt in greifbare Reichweite: die „Ausmerzung“ des früher so genannten Mongolismus. Schon heute ist Trisomie 21 neben sozialen Gründen einer der häufigsten Gründe für eine Abtreibung. Mit der neuen Technik könnte sich der Testautomatismus in der gynäkologischen Praxis dramatisch verschärfen.
(Süddeutsche Zeitung, 13.01.11) (kris) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/204/kurz-notiert-mensch-und-medizin )

·          

 

 

 

F) Präimplantationsdiagnostik

·         GID 125/126 4/98 S.49:
* Prä-Implantations-Diagnostik: Gencheck eines Embryos zugelassen in USA, Großbrit., Belgien, Niederlande
* folgenschwere Verschiebungen:
  a) Indikation für IVF nicht Unfruchtbarkeit, sondern Wunsch nach einem gesunden Kind
  b) Frau wird Abtreibung erspart, aber sie hat Belastung der IVF

·         GEO Wissen Sex S.62
- genetische Prä-Implantations-Gen-Diagnostik,
„Ich glaube, daß künftig die meisten Leute die IVF-Technik nicht wählen werden, weil sie ein Fruchtbarkeitsproblem haben, sondern wegen der Möglichkeit, Embryonen genetisch zu selektieren;
- Kosten: 1 IVF-Behandlung + Labor = 10000 $
- S.74: Maler Henri de Toulouse-Lautrec wurde wegen angeborener Osteogenesis imperfecta frühzeitig zum Krüppel; amerik. Präsident Abraham Lincoln vermutet: Marfan-Syndrom (Gendefekt macht herzkrank)

·         evtl. bei IVF keine Schwangerschaft angestrebt = „Bedingte Zeugung“;
Embryonenschutzgesetz verbietet PID an totipotenten Zellen; nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gelten Zellen nach Abschluß des Acht-Zell-Stadiums als nicht mehr totipotent;
Indikation: nur bei hohem Risiko für eine bekannte und schwerwiegende, genetisch bedingte Erkrankung;
keine Indikation: Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, Alter der Eltern, spät manifestierende Erkrankungen in der Regel nicht;
PID erfordert assistierte Reproduktion - ist damit eine zusätzliche Indikation für a.R.;
Embryonen, die nicht transferiert werden, dürfen nicht kultiviert, kryokonserviert oder anderweitig verwendet werden;
((Down-Syndrom taucht nicht auf))
(Bundesärztekammer: Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik, Dtsch,. Ärzteblatt 9/2000 S.A-525)

·         PID ist ein medizinisches Selektionsverfahren, denn es ist ausschließlich entwickelt worden, um festzustellen, ob ein Embryo vorab definierten genetischen Anforderungen genügt;
überzählige Embryonen werden produziert;
diskriminierend;
ausschließlich die Maßstäbe und Interessen anderer kommen zur Geltung;
Selektionsspektrum (was gehört dazu???)
(taz 26.5.00)

·         PID in Europa:
zulässig 10 Länder (GB, DK, NO, S, IT, SP, F, BE, ND, GR
Nein: PORT, ÖST, SCHWEIZ
(Dtsch. Ärzteblatt 9/2000 S. A-507)

·         Belgien und GB seit 1991
(Spiegel 9/2000 S.211)

·         ein entscheidender Unterschied zwischen PID und PD besteht für mich in dem Umstand, daß die PD in der Regel eine JA-NEIN-Entscheidung zu einem einzelnen Kind darstellt. Dagegen ermöglicht die PID in der Regel eine Auswahl aus einer größeren Zahl an Embryonen (zur Zeit durch das ESchG beschränkt auf drei).
(Dtsch.Ärzteblatt 17/2000 S.A-1131)

·         an einem im Reagenzglas gezeugten Embryo wird nach drei tagen in einem Kulturmedium die Biopsie von einem oder zwei Blastomeren vorgenommen; sie werden molekulargenetisch untersucht
(Dtsch.Ärzteblatt 9/2000 S.A-505)

·         Bundesgesundheitsministerium
bei der PID wird die Eizelle zunächst nur zu diagnostischen Zwecken künstlich befruchtet;
ein genetisch kranker Embryo (=Mensch im frühen Stadium seiner Entwicklung) wird geopfert, um einem unbelasteten Embryo zum Leben zu verhelfen;
(Dtsch.Ärzteblatt 10/2000 S.A-586)

·         BÄK:
von einem schematisierten Indikationskatalog Abstand nehmen;
Eugenik der Nazis war staatlich evrordneter Rassenwahn, Zwang...; Begehren nach PID freiwilliges Begehren eines Paares aus berechtigter individueller Sorge heraus, intensiver Beratungsprozeß
(Dtsch.Ärzteblatt 17/2000 S.A-1137)

·         Bei der PID geht es um eine Zeugung unter Vorbehalt mit der erklärten Absicht, den Embryo bei pathologischem Befund zu vernichten
(GID 140/2000 S.38)

·         britische Behörden haben einem Elternpaar verboten, bei der künstlichen Befruchtung das Geschlecht des Kindes zu wählen
taz 19.10.2000

·         USA August 2000: erstmals entstand durch künstliche Befruchtung ein Baby nach Maß, als Organspender für die kranke Schwester;
1 Dutzend Embryonen in der Retorte gezeugt, genetischer Test: Passung von Gewebemerkmalen, Auswahl des geeignetsten Embryos, Austragen, Geburt eines Sohnes;
Sekunden nach der Geburt Gewinnung von Nabelschnurblut und Übertragung von Zellen daraus auf die blutarme Schwester;
erstmals Auswahl aufgrund von Merkmalen, die nicht für das zu gebärende Kind das Beste sind, sondern für eine andere Person;
Spiegel 41/2000 S.270

·         jede Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung ist eine pränataldiagnostische Maßnahme;
die Präimplantationsdiagnostik ist nur im weiteren Sinne ein pränatalmedizinisches Verfahren, da sie vor Beginn der Schwangerschaft ansetzt;
das englische Kürzel PGD wird bevorzugt (preimplantation genetic diagnosis), da PID im Englischen schon anders als medizinische Abkürzung belegt ist und der Hinweis „genetic“ eine Eingrenzung des diagnostischen Verfahrens signalisiert;
der mittels IVF entstandene Embryo befindet sich drei Tage in einem Kulturmedium, danach erfolgt die Biopsie von einer oder zwei Blastomeren, an denen die molekulargenetische Untersuchung mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) vorgenommen wird;
bei der zur Diagnostik entnommenen Blastomere handelt es sich nach dem 8-Zell-Stadium nicht mehr um eine totipotente Zelle;
da das Ergebnis der Gendiagnostik nach etwa 3-8 Stunden vorliegt, bedarf es keiner Kryokonservierung des in Warteposition befindlichen Embryos;
als Alternative zur PGD wird die Untersuchung des Polkörpers der nicht befruchteten Eizelle diskutiert, sie läßt lediglich eine indirekte Aussage über den genetischen Status der Eizelle zu;
von der erfolgreichen Anwendung einer PGD berichteten erstmals Handyside et.al 1992;
Konflikt Embryonenschutzgesetz und §218? Die Tötung eines Embryos in vivo (im Mutterleib) ist straffrei und rechtswidrig. Die Tötung eines Embryos in vitro (im Reagenzglas) ist rechtswidrig und strafbewehrt.;
(Dtsch. Ärzteblatt 18/2000 S.A-1213G)

·         Überschrift: „Baby vor unheilbarer Krankheit bewahrt“
Kind gezielt im Mutterleib auf Erbkrankheiten untersucht worden, jetzt gesund geboren,
ein Elternteil ist Träger einer vererbbaren unheilbaren Leberkrankheit, vor der das Kind so bewahrt wurde;
Freie Presse 16.11.2000

·         BK Schröder:
es müsse zudem diskutiert werden, ob es Gründe für die Zulassung der in vielen EU-Ländern bereits praktizierten Präimplantationsdiagnostik in Deutschland gibt
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.9)

·         Montgomery (Marburger Bund) für Verbot der PID (Einstampfen des Debattenpapiers der Bundesärztekammer); Forschungsministerin Bulmahn befürwortet genetische Untersuchungen in vitro
(taz 23.2.2001)

·         Ministerin Däubler-Gmelin gegen PID
(taz 1.3.2001)

·         Bundesgesundheitsministerin Schmidt für PID
(epd Wochenspiegel 6/2001 S.8)

·         bisher rund 200 PID-Babys weltweit; 29 Zentren; Test auf 35 Erbkrankheiten möglich;
Verfahren in Brüssel bisher rund 400x durchgeführt, 75 Kinder geboren, 30 Schwangerschaften dauern noch an;
(Spiegel-Reporter 1/01 S.25ff)

·         Diskussionspapier für die CDU Deutschlands (Rüttgers): „Die CDU lehnt die PID nicht grundsätzlich ab“.
(Der Spiegel 10/2001 S.46)

·         in den letzten Jahren sind nur 20 Paare nach Brüssel zur Behandlung gefahren;
Diederich (Lübeck): Das ganze Paket (mit einem Zyklus IVF) kostet 8-10000 Mark. Bei geschätzten etwa 100 Fällen pro Jahr ist das kein so großes Geschäft.
(GID 143 S.34ff)

·         96% der Schwerbehinderten werden erst im Laufe ihres Lebens schwerbehindert, etwa durch einen Unfall
Henri de Toulouse-Lautrec und Frederic Chopin wären durch die PID aussortiert worden. Der Maler wurde aufgrund seiner angeborenen Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit) früh zum Krüppel, bei dem Komponisten vermuten die Wissenschaftler eine Mukoviszidose.
(Broschüre Mukoviszidose und Genet(h)ik, Mukoviszidose e.V.)

·         Humangenetiker Henn /Saarbrücken (Sachverständiger Enquete-Komm. Bundestag):
für Einsatz der PID in engen Grenzen; hohes Risiko für schwere Erbkrankheiten, intensive genetische Beratung Pflicht, Anwendung an wenigen nichtkommerziellen Zentren, mit 50-100 Paaren pro Jahr zu rechnen
(epd-wochenspiegel 26/2001 S.12)

·         stellvertr. CSU-Vors. Horst Seehofer: PID in engen Grenzen vertretbar;
SPD-Präsidium: PID nach geltender Rechtslage nicht erlaubt, Embryonenschutzgesetz soll vor Herbst 2002 nicht geändert werden
(epd-wochenspiegel 27/01 S.9)

·         Brüsseler Klinik, PID im Angebot:
Jedes zehnte Paar, das in Brüssel Rat und Hilfe sucht, kommt aus der Bundesrepublik
(taz 10.7.01)

·         Bundesärztekammer:
Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik
strenge Grenzen:
sehr restriktiver Einsatz der Methode
Absage an jede Art eugenischer Selektion
Anwendung nur bei anamnestisch stark belasteten Paaren
Pflicht zu ausführlicher Beratung
nur bei hohem Risiko für bekannte und schwerwiegende monogen bedingte Erbkrankheiten oder Chromosomen-störungen
(keine Indikation für PID sind Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, Alter der Eltern, Sterilitätstherapie, spät manifestierende Krankheiten)
Untersuchungen dürfen nur an nicht mehr totipotenten Zellen durchgeführt werden
keine anderweitige Verwendung für nicht übertragene Embryonen zulässig
Prüfung jedes Einzelfalles durch zwei Kommissionen der Ärztekammern (Land und Bund)
(Dtsch. Ärzteblatt 9/2000 S.A-525)

·         Diskussion in Frankreich zur Frage der Bewertung von Behinderungen überraschendes Ergebnis: bis auf die Querschnittsgelähmten haben alle französischen Behindertenverbände es „als empörend bezeichnet, den Frauen unnötiges Leid aufzubürden, das die PID ihnen ersparen könnte“;
ähnlich auch Patienten und Eltern der Deutschen Mukoviszidose-Vereinigung in ihrer Erklärung vom 24.9.2000: „Betroffene Eltern, die einen Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur mit der PID die Chance auf ein weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein will diese Eltern mit ihren Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine gelassen sehen.“
(Das Parlament 8.7.01)

·         Auswertung der Daten von 26 PID Zentren zwischen 1993 und 2000
886 Paare; 123 Geburten von 162 Kindern;
für jede der Geburten durchschnittlich 74 Eizellen befruchtet, 11 Embryonen transferiert;
in 132 Fällen zusätzlich invasive pränatale Diagnostik, um PID-Ergebnis zu überprüfen; dabei 4 Fehldiagnosen entdeckt; 7 weitere Abtreibungen; 9 Föten wegen Mehrlingsschwangerschaften getötet
(Die Welt 6.4.01)

·         PID in Frankreich: 7 Kinder geboren, nur bei unheilbaren Krankheiten, eng definierte Liste
Belgien: 60 Kinder geboren; Kosten 7000 DM
Großbritannien etwa 10 Paare pro Jahr;
Griechenland 4 Fälle 2000
(Mail Kordecki 31.5.01)

·         Deutscher Ärztetag nicht eindeutig gegen PID, fordert Klärung, ob rechtlich erlaubt;
Bundesvorstand der CDU:PID wird nicht grundsätzlich abgelehnt, es müsse enge Grenzen geben
(taz 25.5.01)

·         Bischof Huber:
so könne etwa der „bedachtsame Einsatz“ der umstrittenen vorgeburtlichen Diagnostik an Embryonen, die im Reagenzglas erzeugt wurden, in vielen Fällen das menschliche Leben fördern
(epd-wochenspiegel 21/01 S.5)

·         weltweit etwa 500 Kinder nach PID geboren
(taz 28.5.01)

·         Die Methode der PID birgt erhebliche Möglichkeiten des Missbrauchs: Stichworte wie „Eugenik“, „Selektion“ und „Designerkind“ deuten diesen Missbrauch an. Die Bischofskonferenz der VELKD lehnt zum gegenwärtigen Zeitpunkt angesichts dieser Missbrauchsmöglichkeiten eine gesetzliche Zulassung der PID ab.
(Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik 3/2001)

·         Bundestagspräsident Thierse:
mit Überlegungen zur PID noch nicht zu Ende: so wenig es ein Recht auf ein gesundes Kind gebe, so wenig gebe es die Pflicht, „sehenden Auges“ ein schwer behindertes Kind zu gebären
(epd-wochenspiegel/ost24/2001 S. 10)

·         Humangenetiker Bartram Heidelberg: PID solle auf Fälle beschränkt sein, in denen die Frau bereits ein behindertes Kind habe oder ein solches abgetrieben habe
(epd-wochenspiegel 24/2001 S.8)

·         französische Biopolitik: geplantes Gesetz ähnlich wie in Großbritannien: keine Herstellung von Embryonen nur für Forschungszwecke, aber zulässige Forschung an überzähligen Embryonen, Zulassung des therapeutischen Klonens, Einberufung eines Kontrollkommitees;
Geburt des ersten Kindes nach PID vor einem halben Jahr: Indikation: die Mutter hatte bereits drei Kinder durch eine tödliche Krankheit verloren
(Die Zeit 23.5.01 S.38)

·         noch 2001 wird erstes europäisches „Designerbaby“ zur Welt kommen; in Großbritannien Kind im Reagenzglas in der Erwartung gezeugt, dass Stammzellen aus seinem Nabelschnurblut eingefroren werden sollen, um evtl. bei Wiederauftraten der Leukämie seines 4 Jahre älteren Bruders eingesetzt zu werden; Auslese in Großbritannien verboten; vorgenommen in Chicago/USA; 2 Versuchsreihen mit je 11 Embryonen, jetzt Schwangerschaft eingestellt, Kosten etwa 100000 Mark
(taz 19.10.2001)

·         es ist kosteneffizient, rechnet ein US-Reproduktionsmediziner vor, 2-3000 Dollar zusätzlich zu den Kosten einer künstlichen Befruchtung zu zahlen, wenn ich dadurch die Einpflanzung eines Embryos mit Mukoviszidose vermeiden kann, der später sehr hohe Pflegekosten verursachen würde
(taz 19.10.2001)

·         hier steht eine Ethik der unbedingten Menschenwürde gegen eine Ethik der Heilungsinteressen
(Bericht des Diakonischen Werkes der EKD an die EKD-Synode November 2001 S. 13ff)

·         Vorsitzender der Ethikkommission amerikanischer Reproduktionsmediziner: es sei akzeptabel, bei künstlicher Befruchtung das Geschlecht des Wunschkindes auszuwählen;
bedeutet ethische Kehrtwende für US-Medizin
(Der Spiegel 41/2001 S.201)

·         Lübecker Altbischof Kohlwage befürwortet Einsatz von PID bei Vorliegen schwerer genetischer Vorbelastungen und intensiver Beratung
(epd-wochenspiegel ost 41/2001 S.6)

·         Andrea Fischer und Margot von Renesse:
ihm Bereich von Fortpflanzung, Schwangerschaft und Geburt können nur solche ethischen Bewertungen Bestand haben, die weder das vorgeburtliche Leben noch die Frau, die seiner Entwicklung mit der eigenen Person dient, rechtlich dem Interesse des jeweils anderen völlig unterwerfen.... zu den Grundregeln unseres Zusammenlebens gehört es, dass Gesetze niemals über Lebensinteressen des einen zugunsten des anderen einfach hinweggehen und ihn zum bloßen Instrument eines fremden Interesses machen dürfen. Niemand kann rechtlich gezwungen werden, einem anderen sein Schicksal zu opfern, mögen solche Pflichten auch zu bei uns vorhandenen weltanschaulichen, insbesondere religiösen Traditionen gehören. Das Gesetz kann solch anspruchsvolle Pflichten weder auferlegen noch mit Sanktionen erzwingen... Aus ihrer Verantwortung können weder die künftigen Eltern noch die sie betreuenden Ärzte entlassen werden... Antwort des Gesetzgebers kann sicher nicht bestehen in einem Katalog kasuistisch aufgezählter Erbkrankheiten, die das Leben oder Zusammenleben vermeintlich unzumutbar belasten.... Über menschliches Leben kann nicht ohne weiteres verfügt werden. PID nimmt jedoch die Verwerfung von geschädigten Embryonen in Kauf. Die Entscheidung darüber, ob dies hingenommen werden kann, muss der Gesetzgeber treffen... Vorschlag: Regelung ähnlich wie beim Schwangerschaftsabbruch: Konstruktion „rechtswidrig, aber straffrei“
(Die Zeit 29.3.01 S.6)

·         künftig Ausweitung der Indikationen für PID? Positionspapier der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin: Sollte künftig bei PID ein Fehler in der Chromosomenausstattung festgestellt werden, Embryo nicht übertragen;
die überwiegende Mehrzahl aller befruchteten Eizellen (60-80%) ginge in Abhängigkeit vom elterlichen Alter verloren – Studien sprächen dafür, dass die falsche Chromosomenausstattung für den Verlust verantwortlich sei;
(GID 146 – 6-7 2001 S. 31)

·         so kommt doch in größere Begründungsnot, wer bereits vom Zeitpunkt der Befruchtung an für einen Schutz (des Embryos) argumentiert, der keinerlei Abwägungen mit anderen Schutzgütern mehr zulässt (Mieth/Tübingen; Bezug auf existierende Abtreibungspraxis)
(GID 146 – 6-7 2001 S. 11)

·         Ich bin gegen ein striktes Verbot der PID. Für schwerste Erbkrankheiten sollte sie zugelassen werden. ... Wir sollten nicht mit Prinzipienreiterei den konkreten Konfliktfall niederreiten und sagen: wen es trifft, der tut mir Leid.
(Der Spiegel 50/2001 S. 228ff., Interview mit Richard Schröder)

·         Die Debatte um die PID begann in Deutschland im Jahr 1995. Damals stellte sich ein Ehepaar an der Universitätsklinik Lübeck vor, das 1990 nach der Geburt ein Kind infolge einer schweren Mukoviszidose-Erkrankung verloren hatte. Eine daraufhin erfolgte genetische Diagnostik ergab ein Wiederholungsrisiko von 25%. Das Paar wünschte sich ein weiteres Kind, ließ jedoch im Laufe der Schwangerschaft eine Pränataldiagnostik durchführen. Nachdem die Untersuchung eine Mukoviszidose-Erkrankung ergeben hatte, wurde ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt. Eine dritte Schwangerschaft endete in gleicher Weise. Vor diesem Hintergrund ging das Paar den Weg der künstlichen Befruchtung und wünschte die Durchführung einer PID. Dies wurde von der Ethikkommission der Universität Lübeck allerdings mit Verweis auf die deutsche Rechtslage abgelehnt.
Für die psychisch belastende Situation dieses Paares und den daraus resultierenden Wunsch nach Testung des in vitro heranwachsenden Lebens habe ich Verständnis. Ethik ist meines Erachtens immer nur dann menschlich, wenn sie nicht abstrakt argumentiert, sondern auch den konkreten Einzelfall mit einbezieht.
(Online-Forum Präimplatationsdiagnostik 16.02.01 Helga Kühn-Mengel MdB, SPD-Fraktion)
http://www.bundestag.de/forum/enquete_medizin_archiv/01kuehnmengel.html

·         Stellungnahme Elisabeth Gosselaar, Interessengemeinschaft Fragiles X e.V.:
Wenn man z.B. schon ein Kind mit dem fragilen - X – Syndrom hat und wünscht sich ein zweites Kind, weiß aber, dass die Wahrscheinlichkeit, wieder ein betroffenes Kind zu bekommen, bei 50% liegt, so ist es doch naheliegend, dass Eltern die PID einer Abtreibung vorziehen... hier spielt man einen erwachsenen, kranken Menschen gegen einen Zellhaufen aus;
mehr als die Hälfte der Teilnehmer der Bürgergruppe –darunter alle Frauen – sprach sich in der Abschlusserklärung gegen PID aus
(Deutsches Hygienemuseum Dresden, Bürgerkonferenz: Streitfall Gendiagnostik, Materialband 26.11.01)

·         Der Mukoviszidose e.V. als Selbsthilfevereinigung der Eltern und Patienten teilt die schweren Bedenken gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID).
Aber: Betroffene Eltern, die einen Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur mit der PID die Chance auf ein weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein will diese Eltern mit ihren Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine gelassen sehen.
(Erklärung des Mukoviszidose e.V. vom 24.9.2000 zur möglichen Einführung der PID)

·         Familie Großbritannien; zunächst vier Kinder, eines davon hat Beta-Thalassämie“ (Blutkörperchen binden nicht genug Sauerstoff, ohne Behandlung Lebenserwartung 10 Jahre, mit Transfusionen und Medikamenten Chance auf ein paar Jahre mehr); Eltern haben auf natürlichem Weg 5. Kind gezeugt, in der Hoffnung, dass es ein geeigneter Knochenmarksspender für Stammzellen sein würde; hat die gewünschten Eigenschaften nicht; mit PID soll nun ein Embryo ausgewählt werden, der die gewünschten Spendereigenschaften hat (Chance 1:3); nach der Geburt würden ihm Stammzellen entnommen und auf das kranke Kind transplantiert; Chance, dass er völlig gesund wird, liegt bei 90%
(Der Spiegel 2/2002 S.100ff)

·         7.1.5 Von der Untersuchung befruchteter Embryonen ist die getrennte genetische Untersu- chung der Keimzellen vor der Befruchtung zu unterscheiden.Unter bestimmten Vorausset- zungen ist diese Untersuchungsmethode ethisch durchaus vertretbar,da hierbei keine Embry- onen selektiert werden.Allerdings lassen sich auf diese Weise nur Eizellen untersuchen (Pol- körper-Analyse*),nicht aber Spermazellen,weil diese hierbei zerstört würden.Die prädikti- ve* Untersuchung von Eizellen ist ethisch dann vertretbar,wenn es darum geht,die Übertra- gung einer Erbkrankheit zu verhindern,nicht jedoch,wenn sie dazu dienen sollte,andere Ei- genschaften und Dispositionen zu selektieren,d.h.der Idee der Menschenzüchtung Vorschub leisten sollte.
(Verantwortung für das Leben; Eine evangelische Denkschrift zu Fragen der Biomedizin; Im Auftrag des Evangelischen Oberkirchenrats A.und H.B.der Evangelischen Kirche A.und H.B.in Österreich erarbeitet von Ulrich H.J.Körtner in Zusammenarbeit mit Michael Bünker; Wien 2001)

·         „Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages Recht und Ethik der modernen Medizin“ Abstimmung zur PID: 16 dagegen, 3 dafür
(Die Zeit 28.2.02 S.31)

·         Britische Behörde genehmigt, dass mit Hilfe von PID ein Kind gezeugt und so ausgewählt wird, dass es später mit einer Knochenmarkstransplantation das Leben seines kranken Bruders retten kann (tödliche Blutkrankheit Thalassaemie)
(epd wochenspiegel 9/2002 S. 21)

·         Immer mehr Ehepaare in Deutschland drängen nach PID; die Rat Suchenden seien weit davon entfernt, Wünsche nach dem „Designerbaby“ mit bestimmten Eigenschaften zu äußern, es gehe ihnen um Entscheidungshilfen aus Sorge um die Gesundheit des Kindes
(epd wochenspiegel 7/02 S.14)

·         Nach Schätzung des Gesundheitsministeriums pilgern jedes Jahr mehr als 100 Paare über die Grenze, um ihren in der Petrischale erzeugten Embryo auf schwere Erbkrankheiten wie Chorea Huntington, Mukoviszidose oder Duchenne-Muskeldystrophie untersuchen zu lassen
(Spiegel 6/02 S.42)

·         Bestimmte Merkmale eines Kindes wie Geschlecht, Körpergröße und Augenfarbe könnten von den Eltern ausgesucht werden.
(epd-wochenspiegel 12/02 S.3)

·         Kardinal Lehmann: Der Weg zum „Designerkind“ sei nicht mehr weit
(ideaSpektrum 12/02 S.7)

·         Polkörperdiagnose; eine juristisch unanfechtbare Genprüfung im Reagenzglas setzt sich durch; Test erfolgt extrem frü: an einer Eizelle, in die erst vor kurzem ein Spermium eingedrungen ist; das Erbgut von Vater und Mutter hat sich noch nicht vereinigt, deshalb genießt diese besamte Eizelle auch noch nicht den strengen Schutz eines Embryos (nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz); Polkörperdiagnostik ist damit eine kaum anfechtbare Variante der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik;
die Polkörper schnürt die Eizelle während ihrer Ausreifung (Zellteilung bei der Bildung der Eizelle) und nochmals nach dem Eindringen der Samenzelle ab; enthalten komplette Kopien des Erbmaterials der Eizelle;
weltweit Geburt von mehr als 100 Kindern nach Polkörperdiagnostik; Anwendungen auch in Deutschland seit 2002: Uniklinik Bonn Chromosomenfehler, Lübecker Uni-Frauenklinik Mukoviszidose;
(Die Zeit 21.3.02 S.31)

·         Nach den britischen haben nun auch die australischen Behörden den Eltern todkranker Kinder die Erzeugung von Designer-Babys erlaubt; Embryos durch künstliche Befruchtung erzeugen, dann den Embryo mit dem am besten geeigneten Genmaterial aussuchen; dieses Kind wird ausgetragen, dann der Plazenta Stammzellen entnehmen, die zur Behandlung der Geschwister verwendet werden; die kranken Kinder haben schwere Blutkrankheiten, die normalerweise alle tödlich enden
(FR 17.4.02)

·         lesbisches Paar USA, beide taub, lassen in der Retorte Embryos zeugen (mit Hilfe von taubem Samenspender), und wählen anschließend die Embryonen aus, die die Taubheit geerbt haben
(Die Zeit 25.4.02 S.1, 27)

·         üblicherweise am 3. Tag nach einer künstlichen Befruchtung 1-2 Zellen entnommen;
Untersuchung mit PCR oder FISH;
allgemeine mikroskopische Chromosomenuntersuchung ist nicht möglich;
Fehlerrate: 7-36% bei Einzelgendefekten wie Mukoviszidose oder Sichelzellenanämie;
genetische Indikationen für PID sind in der Praxis unter anderem: Muskeldystrophie Typ Duchenne, Hämophilie A (Bluterkrankheit), Charcot-Marie-Tooth-Krankheit, Beta-Thalassämie (Mittelmeeranämie), Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), Retinopathia Pigmentosa, Sichelzellanämie, Mukoviszidose (Vererbungsrisiko 25 bzw. 50%);
Numerische Chromosomenanomalien meist tödlich, keine Einnistung in die Gebärmutter oder Spontanabort 6.-12. SSW, alle Monosomien, alle Trisomien außer 13-18-21, aber selbst bei diesen intrauterine Verlustrate 60-80%;
noch 1997 wurden international über 70% aller Präimplantationsdiagnosen an Polkörpern und nicht an Embryonen bzw. embryonalen Zellen durchgeführt; Auch bei der Polkörperdiagnostik ist der Selektionsgedanke nicht von der Hand zu weisen;
weltweit sind bis Mai 2001 693 Kinder nach PID geboren worden;
in den vergangenen 5 Jahren sollen etwa 45 deutsche Paare in Brüssel eine PID in Auftrag gegeben haben;
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.84f)

·         Eine diagnostische Variante und ethische Alternative zur PID, die Polkörperdiagnostik, untersucht sog. Polkörper, die bei zwei asymmetrischen Reifeteilungen der Eizelle – vor und nach der Befruchtung – entstehen. Diese enthalten dasselbe genetische Material wie die Eizelle.... in Deutschland die P. rechtlich zulässig und wird vereinzelt im Rahmen von klinischen Studien angewendet...
Besteht  bei einem Paar die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein krankes oder behindertes Kind  geboren würde, so bleibt die Möglichkeit, dass das betroffene Paar auf ein eigenes leibliches Kind verzichtet. Dies erscheint als eine harte Konsequenz... diese Möglichkeit wäre aber gegenüber einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Vernichtung des Embryos, der durch Befruchtung in vitro entstanden ist, ethisch eindeutig vorzugswürdig. Die Erzeugung von Embryonen „auf Probe“ und die Vernichtung von Embryonen mit einer nachgewiesenen genetischen Erkrankung steht in klarer Spannung zur christlichen Wahrnehmung des vorgeburtlichen menschlichen Lebens...
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 26f)

·         USA: PID bei Frau mit genetischer Veranlagung für seltene Form von Alzheimer (bricht schon in jungen Jahren aus, Schwester mit 38 Jahren erkrankt);
(GID 151 4-5/2002 S.29)

·         Uni Bonn; erstmals vor einer künstlichen Befruchtung Polkörperdiagnostik; gesunde von anormalen Eizellen getrennt; mit der verwendeten Methode kann die Erfolgsrate bei der Reagenzglasbefruchtung gerade im Fall älterer Frauen deutlich erhöht werden; Chromosomenfehler bestimmt; 1 gesundes Mädchen geboren, 5 Frauen noch schwanger
(GID 151 4-5/2002 S.31)

·         in den meisten europäischen Ländern – außer in Österreich, der Schweiz und Irland – sowie in den USA, Israel und einigen asiatischen Ländern ist die PID, z.T. mit Einschränkungen, zulässig
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.38)

·         Vorsitzender des Nationalen Ethikrates Simitis: für klare Grenzen der PID ausgesprochen; möglicherweise akzeptieren, wenn sie beschränkt und an scharfe Bedingungen geknüpft werde
(epd-Wochenspiegel 2/03 S.6)

·         Bayerischer Landesbischof Friedrich:
gegen Zulassung der PID  (Embryonen werden getötet „behinderte, kleine Menschen“; Beschränkung auf enge Grenzen nicht durchsetzbar und kontrollierbar;)
auch die Zulässigkeit der In-vitro-Fertilisation noch einmal überdenken;
(VELKD-Informationen 9.12.02)

·         Bericht des PID-Komitees derEuropäischen Gesellschaft für Reproduktion und Embryologie; Daten von 25 Fortpflanzungszentren; 3 Zentren gaben an, per PID eine Geschlechtsauswahl vorzunehmen
(GID 155/2002-2003 S.29)

·         Kollek: die entscheidende Frage ist, ob sich die Methode auf solche schweren Schicksale begrenzen lässt
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.25)

·         Totipotenz: Versuche an Schafen, Kaninchen und Schweinen haben gezeigt, dass nach einer künstlichen Befruchtung der Eizelle bis zum 8-Zell-Stadium mit entnommenen einzelnen Zellen eine Trächtigkeit und Geburt eines neuen Tieres induziert werden kann (im 8-Zell-Stadium nur noch mit einer Erfolgsrate von 10 %); mit einer aus dem 16-Zell-Stadium isolierten Blastomere ist so etwas bislang überhaupt nicht gelungen; man vermutet, dass auch beim Menschen die Zellen spätestens des 16-Zell-Stadiums sämtlich nicht mehr totipotent sind, bis zum 8-Zell-Stadium können es jedoch zumindest einige von ihnen sein; auch Zellverbände (z.B. mehrere Zellen gemeinsam) können „totipotent“ sein, selbst wenn es die einzelne Zelle nicht ist (z.B. Teilung von frühen Embryonen bis zur Ausbildung des Primitivstreifens à eineiige Zwillinge) (10)

·         Als Präimplantationsdiagnostik wird die genetische Untersuchung von Embryonen bezeichnet, die wenige Tage alt sind und durch extrakorporale Befruchtung erzeugt wurden. Für die Übertragung in die Gebärmutter der Frau werden von mehreren Embryonen diejenigen ausgewählt, bei denen bestimmte Chromosomenstörungen bzw. Mutationen mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden können. (14)

·         üblicherweise werden dem Embryo drei Tage nach der Befruchtung, wenn der Embryo aus 6-10 Zellen besteht, ein bis zwei Zellen (Blastomeren) entnommen; ein Viertel der Zellmasse des Embryos kann zu diesem Zeitpunkt entnommen werden, ohne dass die Entwicklung des E. langfristig beeinflusst wird;
die molekulargenetische und chromosomale Diagnostik erfolgt je nach Fragestellung durch verschiedene Varianten der Polymerasekettenreaktion (PCR) oder die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH); FISH vor allem bei der Geschlechtsbestimmung (X-Chromosom-gekoppelte genetisch bedingte Erkrankungen) und der Suche nach chromosomalen Fehlverteilungen;
das Hauptproblem der FISH liegt darin, dass verschiedene Zellen eines Embryos unterschiedliche Chromosomenmuster aufweisen können (Mosaikbildung); es wurde gezeigt, dass bei etwa 18 Prozent der Embryonen eine solche Mosaikbildung vorliegt; das bedeutet, dass in solchen Fällen eine Diagnose einer einzelnen Zelle einen Schluss auf die Konstitution der übrigen Zellen nicht zulässt (15)

·         Polkörper-Untersuchungen:
Die reife Eizelle (wie auch das Spermium) ist haploid (von gr. haplo = einfach), sie enthält also jedes Chromosom nur einmal. Um vom diploiden zum haploiden Zustand zu gelangen, findet in zwei Reifeteilungen eine komplizierte Sequenz von Chromosomenverdopplung und anschließender Reduzierung statt. Vor der ersten Reifeteilung verdoppelt sich die DNA jedes Chromosoms, die Zelle enthält also vier Kopien jedes Gens. Die duplizierten Chromosomen (Chromatiden) tauschen Abschnitte aus (Rekombination, Crossing over). Dadurch gelangen Gene, die ursprünglich auf Grund ihrer väterlichen und mütterlichen Herkunft auf (den) verschiedenen Chromosomen eines Paares lagen, auf ein „neu kombiniertes“ Chromosom, die Erbanlagen werden also durchmischt. Nach diesem Genaustausch trägt jede der vier Chromatiden eine unterschiedliche Kombination von Varianten eines Gens (Allelen). Jede der vier entsprechenden Chromatiden ist somit einzigartig. Bei den beiden Reifeteilungen werden drei der vier Chromatiden in sog. Polkörper abgegeben. In der ersten Reifeteilung kurz vor dem monatlichen Eisprung der Frau entsteht der erste Polkörper durch Abschnürung eines haploiden Satzes von Chromosomen mit je zwei Chromatiden; der Polkörper kann sich anschließend noch einmal teilen. Die Eizelle behält den anderen haploiden Chromosomensatz. In der zweiten Reifeteilung erfolgt eine Trennung der Chromatiden: eine von ihnen bleibt in der Eizelle, während die andere mit dem zweiten Polkörper abgeschnürt wird. Letzteres geschieht erst nach Eindringen des Spermiums in die Eizelle. Die Polkörper nehmen an der weiteren Entwicklung nicht teil und gehen zugrunde; (6f)
Polkörper-Untersuchungen:
eine genetische Untersuchung kann nicht nur an embryonalen Zellen, sondern... auch an den Polkörpern durchgeführt werden; der erste Polkörper entsteht kurz vor dem Eisprung und enthält einen der beiden Chromosomensätze der Mutter; der andere mütterliche Chromosomensatz verbleibt in der Eizelle; aus der Untersuchung des Polkörpers kann deshalb auch auf bisher aufgetretene Fehler bei der Chromosomenverteilung geschlossen werden;
Zuverlässigkeit der Ergebnisse mit der bei embryonalen Zellen vergleichbar;
Einsatz der Methode durch ESchG zeitlich begrenzt (nur enges Zeitfenster vor der Kernverschmelzung);
bei der P.-Diagnostik fehlt die Möglichkeit, chromosomale Veränderungen zu diagnostizieren, die erst nach der Polkörperbildung auftreten (solche machen nur <5% aus); die genetische Aussage ist außerdem auf das Erbmaterial der Mutter beschränkt;
in Deutschland wird die Polkörperdiagnostik an einigen Universitätskliniken sowie mittlerweile zunehmend auch von privaten Laboratorien angeboten (16)
Die Untersuchung dieser Polkörper ist vom ESchG nicht verboten, weil dessen Bestimmungen erst von der Kernverschmelzung an greifen. (34)

·         internationale Erfahrungen PID:
Fehldiagnosen 3-4%;
zur Absicherung der Diagnose in fast der Hälfte der Fälle eine invasive PND durchgeführt (19)

·         bei multifaktoriell vererbten Eigenschaften (mehrere Gene beteiligt + Umwelteinflüsse) würden viele Embryonen zur Untersuchung benötigt; die PID ist schon aus diesem Grund nicht geeignet zur gezielten Auswahl von Kindern mit bestimmten multifaktoriell erblichen Merkmalen (z.B. Augenfarbe, Haarfarbe, Körpergröße, Intelligenz) oder zum Ausschluss multifaktoriell bedingter Krankheiten (z.B. Diabetes mellitus, psychische Erkrankungen); ein weiterer Grund ist, dass Gene, die diese Eigenschaften beeinflussen, zum größten Teil bisher nicht bekannt sind; (20)

·         PID international (Europa):
gesetzlich erlaubt: 4 Länder,
nicht gesetzlich geregelt und zulässig: 9 Länder,
gesetzlich verboten: 4 Länder
Frankreich: keine Indikationsliste, drei speziell zugelassene Zentren
Großbritannien: keine Indikationsliste, 5 Zentren mit Behandlungsgenehmigung
Niederlande: Status eines Forschungsprojekts, eine Uniklinik;
die Frage der Totipotenz der bei der PID entnommenen Zellen ist in den drei Ländern kein Diskussionsgegenstand (28f)

·         als Indikationen für PID werden von Ärzten angegeben:
strukturelle Chromosomenfehler 21,6%,
Chromosomenfehlverteilungen 19,5%,
autosomal rezessiv vererbte Erkrankungen 18,6%,
autosomal dominant vererbte Erkrankungen 16,3%,
X-chromosomal vererbte Erkrankungen 18,8%,
Geschlechtswahl 4,4%

·         geschätzte Zahlen für mögliche Inanspruchnahme von PID in Deutschland:
a) sehr restriktive Bedingungen (bereits erkranktes Kind geboren): 80-100 Paare pro Jahr
b) auch Paare, die schon vor der ersten Schwangerschaft von genetischem Risiko wissen: etwa 600 Paare pro Jahr
c) bei bereits geborenen Kindern mit einer Chromosomenstörung: ca. 5600 (31)

·         gegenwärtig lassen nach inoffiziellen Schätzungen jährlich etwa 50-100 Paare aus Deutschland eine PID im Ausland durchführen (32)

·         Um eine Verlagerung der PND – und im Falle der Zulassung auch der PID – in den „Service“-Bereich zu vermeiden, muss zur Selbstbestimmung der Eltern die Bindung an die Zielsetzung des ärztlichen Handelns, an Heilung, Linderung und Prävention von Krankheit, hinzutreten. (33)

·         (Nationaler Ethikrat: Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der Schwangerschaft“, 23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die Druckfassung, verschickt am 24.1.03)

·         drei Zielrichtungen bei PID:
a) Qualitätsprüfung von Embryonen (Auswahl derer, die die besten Entwicklungschancen haben)
b) Vermeidung genetisch bedingter Aborte (durch Chromosomenstörungen bedingt)
c) Frühdiagnose von Erbkrankheiten
(Die Zeit 23.1.03 S.25)

·         Organisationen der Ärzte im Bereich der Reproduktionsmedizin fordern nicht mehr Zulassung der PID, möchten aber Embryonen unter dem Mikroskop „morphologisch“ untersuchen und aussuchen dürfen; es gibt Juristen, die meinen, dass das ESchG das bei liberaler Auslegung zulasse
(taz 4.4.03)

·         PID stellt ein Instrument der Selektion von Embryonen dar, mit dessen Hilfe sowohl individuelle genetische Risiken als auch allgemeine chromosomale Risiken „für Einnistung und erfolgreiches Austragen der Frucht identifiziert werden können“;
dem Hinweis auf die Polkörperdiagnostik mit IVF als Alternative für betroffene Paare können wir uns ... angesichts der mit der P. letztlich auch verbundenen Intention der Auslese nicht anschließen;
(Diakonie Korrespondenz 02/03: Jeder Mensch ist zum Bild Gottes geschaffen, März 2003, S.10ff)

·         in Sheffield/England erstes “Designer-Baby” (erstes menschliches Ersatzteillager) geboren; Stammzellen des Jungen sollen seinen vierjährigen Bruder von einer seltenen Form der Blutarmut heilen; ohne diese Therapie würde er höchstens 30 Jahre alt werden; Auswahl eines für diesen Zweck gezeugten Embryos war verboten worden; Eltern hatten daraufhin in den USA 10 Embryos untersuchen lassen, zwei wiesen eine Verträglichkeit von 98% (mit Merkmalen des kranken Jungen auf; wurden der Mutter eingepflanzt, 1 überlebte
(taz 20.6.03)

·         britisches Berufungsgericht hat Weg zur Zeugung eines Babys frei gemacht, das seinem kranken Geschwister als Rohstofflieferant dienen soll (Stammzellübertragung aus dem Knochenmark)
(GID 158 6/7-2003 S.21)

·         Die ethische Rechtfertigung für eine IVF besteht in der Bejahung des Rechtes auf ein Kind. Im Falle der PGD (=PID) wird dieses Recht ausgeweitet zu einem Recht auf ein gesundes Kind unter Einschluss des rechtes auf die Selektion (Tötung) eines kranken Embryos.
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000, S.125)

·         Die Antizipation dieses schweren Konfliktes erfolgt für Eltern (die schon ein genetisch und auf den Tod hin schwer krankes Kind haben) aus der erlebten Wirklichkeit
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S. 101)

·         Vorschlag, dass ein Paar, das eine erbliche Belastung für den eigenen Nachwuchs fürchtet, doch adoptieren solle... so gut wie unmöglich, weil kein Jugendamt Eltern eines behinderten Kinde ein weiteres zu Adoption geben würde;
auch der Verzicht auf leibliche Kinder erscheint vielen, die eine PID grundsätzlich ablehnen, als zumutbare Alternative... Ich habe Zweifel, ob die Frage der Zumutbarkeit von außen beurteilt werden kann und darf
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.299)

·         bei PID werden aus einem Embryo (8Zellen) 1 oder zwei Zellen entnommen für Untersuchung des Erbgutes;
immer häufiger auch zur Verbesserung der Behandlung von Sterilität eingesetzt (Auswahl sich gut entwickelnder Embryonen nach IVF); beobachtet: Schwangerschafts-Erfolgsrate solcher ausgewählter Embryonen nicht besser; ein möglicher Grund: auch im 8-Zell-Stadium schon Differenzierung der Zellen, („nicht mehr ein Haufen gleicher Zellen“); weitere Gründe: Bohren eines großen Lochs in die Schutzhülle des Embryos erforderlich (nicht nur mechanische Barriere?), manchmal zwischenzeitlich Tieffrieren der Embryonen, bis Untersuchungsergebnis vorliegt;
Polkörperchendiagnostik als (ethisch und gesundheitlich unproblematischere) Alternative?; in Bonn werden solche (erlaubten) Untersuchungen durchgeführt, getestet wird auf Anomalien bei der Verteilung der Chromosomen 13, 16, 18, 21 und 22
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Montag, 26. Mai 2003, Nr. 121)

·         Großbritannien: PID erlaubt zur Erkennung schwerer Krankheiten oder von spontan auftretenden Chromosomendefekten:
Belgien: Gesetz sieht vor: PID zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten zulässig; Selektion nach nicht-pathologischen Merkmalen gilt als „Eugenik“ und wird abgelehnt;
Dänemark: Untersuchungen bei Risiko schwerer Erbkrankheiten und zur Vermeidung chromosomaler Defekte zulässig; Screening auf Chromosomenschäden und Geschlechtswahl werden abgelehnt
Frankreich: PID nur zur Vermeidung schwerer genetischer Krankheiten erlaubt
(GID 160 Okt/Nov2003 S.30ff)

·         Dänemark: Ergänzung zum 7 Jahre alten Gesetzt zur künstlichen Befruchtung verabschiedet: künftig ist es zulässig, dass Eltern selbst bestimmen können, aus welcher von mehreren künstlich befruchteten Eizellen sich ein Embryo entwickeln soll; bisher bestand diese Möglichkeit nur, wenn eine Risiko bestand, dass eine schwere Erbkrankheit weitergegeben wird; konkreter Fall: 5jähriger Sohn schwere Knochenmarkserkrankung; Hilfe nur noch möglich, wenn ein Geschwisterkind mit den „richtigen“ Gewebeeigenschaften Knochenmark spendet;
in Norwegen soll das gerade erst verabschiedete Gesetz aus den gleichen Gründen geändert werden und bisher verbotene Gentests an Eizellen zulässig machen
(taz 2.4.04)

·         mit Hilfe der Transplantation von blutbildenden Stammzellen in USA vier Kinder mit Fanconi-Anämie geheilt; Stammzellen aus dem Nabelschnurblut der neugeborenen Geschwister der erkrankten Kinder gewonnen; Geschwister mit Hilfe von PID ausgewählt
(GID 162/2004 S.27)

·         Frankreich: neues Bioethikgesetz: PID soll zulässig sein bei „schweren genetischen Krankheiten“, auch, um Geschwister auszuwählen als Spender für Nabelschnurblut
(GID 162/2004 S.39)

·         Bischof Huber: PID: also kriegen wir eine Erweiterung der IVF, um dann diese vorgeburtliche Diagnostik anwenden zu können, ... eine Praxis, die auf dem Grundsatz der Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben beruht
(Publik-Forum 16/2003 S.49)

·         Im Rahmen einer zweijährigen Chicagoer Studie haben Reproduktionsmediziner fünf Elternpaaren zu Kindern verholfen, die als Stammzellspender für ihre erkrankten Geschwister dienen sollen.;
bei Umfragen in den USA gaben 61% an, dass eine PID zu befürworten sei, wenn damit einem Geschwisterkind geholfen werden soll;
57% sprachen sich gegen eine Anwendung der PID zur Geschlechtsbestimmung aus
(GID 164/2004 S.32)

·         Gesetzentwurf der FDP: PID zulassen in Einzelfällen, aufgrund der genetischen Disposition der Eltern oder eines Elternteils, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit vorliegt, nach Billigung durch eine Ethikkommission
(GID 164/2004 S.45)

·         8 reproduktionsmedizinische Zentren haben bei der DFG Antrag für ein Forschungsprojekt eingereicht, soll klären, ob die Erfolgschancen der IVF durch die so genannte Polkörperdiagnostik erhöht werden kann; dabei wird nicht das Erbgut des Embryos untersucht (in Deutschland verboten), sondern das Erbgut in den Polkörperchen, die die Eizelle unmittelbar nach der Befruchtung abschnürt; man würde dann als defekt erkannte Eizellen nicht implantieren; im Verlauf der Studie sollen über tausend Paare an einem Screening auf 5 Chromosomen teilnehmen
(GID 163/2004 S.30)

·         in Großbritannien will ein Hospital in London die Erlaubnis einholen, künstlich befruchtete Embryonen vor der Übertragung auf die Mutter nach Krebsgenen zu untersuchen (PID)
(taz 30.7.04)

·         Unis Marburg, Gießen und Heidelberg;
Befragung von 162 genetischen Hochrisikopaaren und 149 Paaren einer Kontrollgruppe; 89% der Hochrisikogruppe (73% der Kontrollgruppe) für eine Legalisierung der PID; 37% der Hgruppe (20% Kgruppe) waren der Auffassung, dass PID für alle genetischen Erkrankungen zulässig und die Entscheidung über die Legitimität den betroffenen Familien überlassen werden sollte
(Dtsch. Ärzteblatt 101 Heft 6 S.A327)

·         Behörde in Großbritannien hat zugelassen, dass unter strengen Auflagen mehrere Embryonen hergestellt werden, um darunter solche auszuwählen, die geeignete Knochenmarksspender für erkrankte Geschwisterkinder sein könnten; nach PID der Mutter einpflanzen
(Freie Presse Chemnitz 27.7.04)

·         einem 5-jährigen Jungen sind in Großbritannien erfolgreich Stammzellen seines einjährigen Bruders übertragen worden; dieser war als passender Spender gezeugt und als Embryo ausgewählt worden; lebensbedrohliche Blutkrankheit Diamond-Blackfan-Anämie; Behandlung (PID) in den USA, da Verfahren damals noch in GB verboten war
(Freie Presse Chemnitz 29.7.04)

·         erstmals in Deutschland Kind geboren, bei dem durch Polkörperdiagnostik eine schwere Erbkrankheit ausgeschlossen werden konnte;
PKD wird zu einem Zeitpunkt durchgeführt, zu dem die Kerne von Ei- und Samenzelle noch nicht verschmolzen sind – fällt damit nicht (wie ein EMBRYO nach der Kernverschmelzung) unter den Schutz des Embryonenschutzgesetzes; Polkörper spalten sich bei den letzten Reifeteilungen bei der Bildung der Eizelle ab; an ihnen lässt sich nur das mütterliche Erbgut prüfen;
auch bei PKD wird ausgewählt = Selektion;
(Die Zeit 30.9.04 S.39)

·         allein in Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Norwegen und USA nach PID bisher mindestens 1600 Kinder zur Welt gekommen
(Das Parlament 26.7./2.8.04)

·         Australien erstmals PID eingesetzt, ohne dass genetische Merkmale getestet wurden; rhesus-negative Frau kann bei rhesus-positivem Kind Antikörper gegen dieses Merkmal entwickeln; Frau hatte schon ein Kind mit hämolytischer Anämie geboren; bei erneuter Schwangerschaft 12 Embryonen getestet, drei rhesus-negative übertragen
(GID 168/2005 S.34)

·         in Großbritannien dürfen Embryonen durch PID auch aufgrund eines erhöhten Darmkrebsrisikos aussortiert werden (bei Eltern mit familiärer adenomatöser Polyposis FAP), Krankheit wird dominant vererbt (50% Wahrscheinlichkeit)
(GID 167/2004 S.36)

·         Gesetzentwurf Spanien: unter bestimmten Bedingungen erlaubt, durch künstliche Befruchtung ein Kind zu erzeugen, das als Spender von Rückenmark (Knochenmark? JK) einem todkranken Geschwisterkind das Leben retten kann; „Designer-Baby“
(taz 10.2.05)

·         S.12: Das Recht auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 GG besteht nicht absolut ... Gegenüber unmittelbar nach der Befruchtung existierendem Leben ist die Schutzpflicht (des Staates) geringer als nach erfolgter Nidation;
Die künstliche Befruchtung durch IvF und die Methode der PID verstoßen nicht gegen die Menschenwürde des Kindes;
verstoßen (auch) nicht gegen §1 Abs. 1 Nr.2 des ESchG, denn Ziel ist die Herbeiführung der Schwangerschaft zur Geburt eines Kindes, das nicht mit einem bestimmten Gendefekt belastet ist;
S.59: Eine Erkrankung ist schwerwiegend, wenn die Krankheit nicht behebbar ist, also dem Kind entweder nur kurze Überlebenschancen gibt oder schwere oder irreparable körperliche oder geistige Schäden mit sich bringt;

(Präimplantationsdiagnostik, Bericht der Bioethik-Kommission des Landes Rheinland-Pfalz, 20.7.1999)

·         Australien PID bereits seit 7 Jahren erlaubt
(GID 165/2004 S.45)

·         Nach Großbritannien erlaubt auch Belgien „Designerbabys“: Geschwisterkinder werden durch PID im Reagenzglas so ausgewählt, dass sie nach der geburt lebensrettende Zellen für ein bereits geborenes, schwer krankes Geschwisterkind liefern können;
in Israel darf PID auch genutzt werden, um das Geschlecht des Wunschkindes vorab zu bestimmen (nicht nur, wenn geschlechtsgebundene Erbkrankheit befürchtet wird, auch zur Familienplanung)
(taz 20.5.05)

·         Bayerische Staatsregierung beruft eigenen Ethikrat; der gibt Mitte 2003 seine Empfehlungen zur PID ab; mit überwältigender Mehrheit (10:2) für eine begrenzte Zulassung der PID, Ministerpräsident Stoiber für Beibehaltung des PID-Verbots, Information der Öffentlichkeit erst Monate später
(taz 16.1.04)

·         (S.213) W. Lübbe: bei der PID wird nicht nur beim Akt der Diagnose, sondern auch bei der Selektion selbst kein Embryo getötet; der Akt der Selektion besteht, anders als im Falle der Abtreibung, in der Unterlassung, nämlich im Verzicht auf die Implantation; dass eine Frau eine Implantation jederzeit verweigern kann, ist unstrittig; Verweigerung wird nicht als Tötung durch Unterlassen bestraft; mir ist nicht einmal eine Position bekannt, die den Schritt der Verweigerung der Implantation nach durchgeführter IvF mit einer Begründungs- und Beratungspflicht verknüpfen möchte; wenn eine Frau die Möglichkeit der PID in Anspruch nehmen möchte, dann tut sie in bestimmter Hinsicht nichts anderes als das, was wir alle tun, wenn wir jemanden in unseren Nahbereich zulassen und dabei in Orientierung an den uns zugänglichen Informationen selektiv vorgehen; an das Diskriminierungsverbot ist unmittelbar nur der Staat gebunden, Private nicht; niemand ist verpflichtet, au Jahre hinaus seine private Freiheit aufzugeben, um einem anderen Menschen das Leben zu retten
(Ethik in der Medizin, Heft 3/2003: Behinderung und Medizinethik)

·         Nationale Ethikkommission der Schweiz plädiert für Genehmigung der PID in zwei Fällen:
a) Paare, bei denen bekannte genetische Risiken für eine schwere Erbkrankheit bestehen
b) Paare, die wegen Kinderlosigkeit künstliche Befruchtung durchführen lassen
keine Eugenik, keine nicht krankheitsgebundenen Merkmale
(GID 173 Dez05/Jan06 S.38)

·         ist es nicht auszuschließen, dass eines Tages versucht werden könnte, (von einem Embryo JK) abgespaltene menschliche Zellen auf vorhandene genetische Defekte zu untersuchen ...
Künftig Genomanalysen an totipotenten embryonalen Zellen durchzuführen, wird allenfalls dann vertretbar sein, wenn aufgrund konkreter Anhaltspunkte damit gerechnet werden muss, dass das Kind an schwerwiegenden – von §218 a Abs.2 Nr.1 StGB erfassten – genetischen Defekten leiden werde.
(Gentechnologie Chancen und Risiken 6 In-vitro.Fertilisation, Genomanalyse und Gentherapie; Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe von BMF und BMJ, J. Schweitzer Verlag, München 1985, S.40)

·         Spanien: Herstellung so genannter Designerbabys soll unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt werden; als potenzielle Gewebespender für kranke Geschwisterkinder;
aus mehreren im Reagenzglas gezeugten Embryonen werden die ausgewählt, die eine Veranlagung für eine genetisch bedingte Erkrankung nicht haben und als kompatibler Gewebespender für ein krankes Geschwisterkind geeignet wären;
rund 150 Familien in Spanien warten auf Zulassung;
in USA, Belgien, Großbritannien bereits zugelassen;
(GID 175 April/Mai 2006 S.57)

·         etwa 400 bis 500 Paare in Deutschland, die sich Kinder wünschen, aber Träger einer bekannten schweren Erbkrankheit sind;
es gehe darum, den großen Schmerz über tote Embryonen im Mutterleib, schwere und schwerste Behinderungen und großes jahrelanges Leid der Kinderwunschpaare präventiv zu vermeiden, wo es vermeidbar ist;
über PID könnte die Zahl der erfolgreichen Geburten um mindestens 50% gesteigert werden (schwere Chromosomenstörungen, die während der Schwangerschaft vom Körper der Mutter abgestoßen würden, frühzeitig aussortieren)
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.13)

·         USA:
fast die Hälfte aller Fruchtbarkeitskliniken, die PID durchführen, bietet auch die Möglichkeit der Geschlechtsselektion an;
PID in den USA inzwischen bei jedem 20. Versuch einer künstlichen Befruchtung;
in zwei Dritteln der Fälle Suche nach chromosomalen Abweichungen;
12% zum Ausschluss bestimmter genetischer Erkrankungen;
3% Suche nach Embryonen mit Veranlagung für bestimmte geschlechtsgebundene Erkrankungen;
42% der Kliniken machen PID auch aus nicht-medizinischen Gründen
(GID 178 10/11-2006 S.43)

·         auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe fordern Mediziner eine angepasste Auslegung des Embryonenschutzgesetzes: Zulassung der Tiefkühlung für Embryonen und (mikroskopische) Auswahl derer, die die besten Entwicklungschancen haben
(GID 178 10/11-2006 S.43)

·         Interview mit Irmgard Nippert, Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung über Erfahrungen mit PID in europäischen Ländern; www.zeit.de/2007/05/pid;
erhitzte Debatte um PID; es haben bisher eher die Befürworter der PID recht behalten;
von unkontrollierter Ausweitung kann keine Rede sein; in Großbritannien zwischen 1990 und 2004 rund 500 Behandlungszyklen und 100 geborene Kinder;
Frankreich etwa 100 PID-Behandlungen pro Jahr mit 10-20 Geburten;
in Belgien kommt PID inzwischen bei rund 50 monogen bedingten Erkrankungen zum Einsatz, z.B. Mukoviszidose oder Muskeldystrophien; für spät (oder gar nicht) ausbrechende Krankheiten nur 1 Test: auf erblichen Brustkrebs;
für einen generellen Babycheck oder die Tendenz zur genetischen Verbesserung (so genannte Designer-Babys) gibt es auch nach 15 Jahren Erfahrung mit PID nicht den geringsten Hinweis;
dass Kinder gezielt in die Welt gesetzt werden, um mit ihren Zellen das Leben eines Geschwisterkindes zu retten, - dieses Verfahren wird nicht wahllos angewandt, sondern vorsichtig mit Fall-zu-Fall-Entscheidung, Konsultation von Ethikkommissionen, beschränkt sich auf wenige Fälle;
in Belgien kommen etwa die Hälfte der behandelten Paare aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland; vielleicht ein paar Dutzend im Jahr
(ZEIT 25.1.07 S.37)

·         US-Mediziner Jeffrey Steinberg;
Geschlechtsselektion durch Präimplantationsdiagnostik; Trefferquote 100 %; Neonlichtmikroskop;
täglich etwa 3 Selektionen, pro Jahr 1000; 18480 Dollar pro Selektion;
ich greife nicht ein, ich wähle nur aus;
S. ist Jude; der Rabbi akzeptiert die Geschlechtswahl, der jüdische Glaube hat kein Problem damit, der Rabbi sagt nur: „Geht und vermehrt euch.“, er sagt nicht, wie wir das machen sollen;
60 % der Kunden aus dem Ausland;
(ZEIT 22.2.07 S.37)

·         Norwegen, Fall eines Jungen mit der genetisch bedingten Erkrankung Thalassämie (rote Blutkörperchen in ihrer Funktion beschränkt, selbst bei Behandlung verringerte Lebenserwartung); Heilung bisher nur über Knochenmarkstransplantation möglich; Eltern aus der Türkei möchten ein zweites Kind zeugen, dessen Knochenmark für eine Spende geeignet ist; Auswahl über PID; war bisher in Norwegen verboten; in Zukunft soll ein Ethikkomitee über Einzelfälle entscheiden
(taz 2.2.07)

·         Gerichtsentscheid Berliner Sozialgericht:
die gesetzlichen Krankenkassen müssen nicht für einen im Ausland durchgeführten, hierzulande jedoch verbotenen Gentest bezahlen; PID wegen der Befürchtung einer Frau, einen vererblichen Gendefekt an ihre Kinder weiterzugeben
(taz 8.6.07)

·         in Großbritannien sollen im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf eine genetische Veranlagung für Brustkrebs getestet werden; Zulassung gilt als sicher; die getesteten Gene führen mit 20 bis 65 % Wahrscheinlichkeit tatsächlich zur Erkrankung;
Großbritannien bereits genehmigt Gentest als PID, der auf erbliche Disposition für Schwäche der Augenmuskeln (starkes Schielen); also keinesfalls eine lebensbedrohliche Beeinträchtigung;
Schweden: erstmals Auswahl eines Embryos für Gewebespende für Geschwisterkind; Nabelschnurblut-Stammzellen sollen entnommen werden; unheilbare Erkrankung: Blindheit, Taubheit, vorzeitiger Tod
(GID 182 Juni 2007 S.40)

·         PID führt nach einer belgischen Studie nicht zu mehr Missbildungen bei den späteren Neugeborenen; allerdings deuten Ergebnisse auf eine möglicherweise erhöhte Säuglingssterblichkeit hin
(Die Zeit 28.6.07 S.32)

·         niederländische Forscher:
nach PID führten 25 % der Fälle zu einer Schwangerschaft;
ohne PID waren es 37 %;
womöglich schädigt die frühe Zellentnahme manche Embryonen so, dass sie sich nicht richtig einnisten können
(Spiegel 28/2007 S. 136, GID 183/2007 S.32)

·         (33) 2004 wurden mindestens 222 Mehrlinge im Mutterleib abgetötet, die durch IvF entstanden waren; „abnormale Entwicklung: gezielt durch Spritze ins Herz getötet; aber auch unselektiv werden Mehrlinge entfernt (Befürchtete Schäden für Mutter und Kinder); bei zulässiger PID wäre Selektion von überlebensfähigen Embryonen vorher möglich
(GID 183/2007)

·         Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften fordert, PID zuzulassen; Untersuchung verbessert Schwangerschaftsrate bei IvF;
jährlich sollen knapp 1000 europäische Paare mit Kinderwunsch für eine im eigenen Land nicht angebotene oder verbotene Behandlung ins Ausland fahren (PID, Eizellspende)
(GID 184/07 S.34)

·         Jährlich knapp 1000 Fälle in Europa, in denen Eltern PID in einem Nachbarland durchführen lassen;
Online-Umfrage bei 53 PID-Zentren, 36 haben Behandlung ausländischer Paare bejaht: Spanien 332 Fälle, Belgien 127, Tschechien 110, Zypern 150;
(Deutsches Ärzteblatt 21.9.07 S. A2558)

·         Haben Gehörlose ein Recht auf gehörlose Designerbabys? Das sonst so libereale Großbritannien will es ihnen per Gesetz verwehren. Kritiker halten dies für Eugenik.
es gibt einen Gesetzentwurf, nach dem, wenn ein freiwilliger Gentest (PID) ergibt, dass ein Embryo ernsthafte genetische Schäden aufweist, dieser ausrangiert werden muss; von Staats wegen darf nur erbgesunder Nachwuchs zum Zuge kommen; z.B. anzuwenden im Fall der erblichen Veranlagung zur Gehörlosigkeit
(Spiegel 18-2008 S.154)

·         In Italien dürfen Paare, die mit Erbkrankheiten vorbelastet sind, im Reagenzglas gezeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersuchen lassen; damit PID nicht mehr generell verboten (so seit 2003)
(taz 2.5.08)

·         Keine Angst vor dem Designer-Baby
In Großbritannien Zulassung durch das Parlament (mit 179 Stimmen Mehrheit), dass so genannte „savior siblings“ („Rettungs-Zwillinge“) gezeugt und im Labor ausgewählt werden dürfen; mehrere Eizellen werden künstlich befruchtet und der Embryo, der die größte genetische Übereinstimmung mit dem kranken Geschwisterkind hat, wird in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt; nach der Geburt kann das Kind Zellen aus der Nabelschnur oder aus dem Rückenmark spenden, mit denen das kranke Geschwisterkind geheilt werden kann;
bei bestimmten Erkrankungen (Leukämie) sind genau kompatible Spender von Knochenmark nötig;
natürlich instrumentalisiert man ein Kind, wenn man es aus mehreren Embryonen so auswählt, dass es genetisch zum Geschwisterkind passt; aber es geht schließlich um Kinder, wie sie auch zufällig hätten zur Welt kommen können; schon Erfahrungen in GB mit 6 solchen savior siblings; die jetzt erteilte Genehmigung formuliert enge Grenzen
(taz 21.5.08)

·         Baby als Organspender;
dürfen Eltern mit einem kranken Kind künftig ein „Helfer-Geschwisterchen“ erzeugen lassen, das genetisch zum ersten, kranken Kind passt und Gewebe oder Organe spenden kann;
(später:) das zweite Kind kann dann z.B. Knochenmark spenden, um das Leben des ersten zu retten
(Freie Presse Chemnitz 21.5.08)

·         Bei erblich bedingter Brustkrebsgefahr sollen niederländische Eltern zukünftig unter künstlich gezeugten Embryonen die nicht von der Erkrankung betroffenen auswählen können
(taz 28.5.08)

·         In England von 1990 bis 2004 rund 100 Kinder nach PID geboren;
Kind, das künstlich gezeugt und per PID gezielt ausgewählt wurde, um Blut oder Gewebe zur Übertragung für ein erkranktes Geschwisterkind zur Verfügung zustellen:
„das Kind würde auf jeden Fall leiden, wenn es seinem Geschwister nicht helfen könnte und dieses sterben müsste“;
andere Stimme: es macht schon einen Unterschied für das Spenderkind, ob nur Nabelschnurblut benötigt wird, eine Blutspende ausreicht oder ob häufige Punktionen des Knochenmarks notwendig sind oder gar größere Operationen
(ZEIT 29.5.08 S.35)

·         Britische Wissenschaftler haben einen neuen Embryonencheck entwickelt, der es ermöglichen soll, IVF-Embryonen nach allen bekannten genetisch bedingten Eigenschaften zu untersuchen, die als Krankheit oder Anomalie gelten; derzeit 15.000 genetisch bedingte „Fehlentwicklungen“ gekannt; Kosten je Test auf 1500 britische Pfund geschätzt;
Methode noch nicht anwendungsreif, Zustimmung der Behörde in GB unklar
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.44)

·         britisches Unterhaus stimmt der Auswahl von Embryonen zu, um kranke Geschwister zu retten; Ärzte suchen nach künstlicher Befruchtung den Embryo aus, der einem lebensbedrohlich erkrankten Geschwisterkind am besten helfen kann; (genetisch passendes) Nabelschnurblut oder Knochenmark können nach der Geburt übertragen werden
(taz 24.10.08)

·         erstmals in Spanien „Designer-Baby“ geboren; nach IvF Embryonen ausgewählt, damit das so gezeugte Kind Nabelschnublut spenden kann für Rückenmarkstransplantation; sechs Jahre alter Bruder hat Beta-Thalassämie; Heilungschancen 70 bis 90%
(taz 17.10.08)

·         In London Januar 2009 Mädchen geboren, bei dem durch PID ausgeschlossen worden war, dass es Trägerin des Brustkrebsgens BRCA1 sein könnte; das Gen ist für 5-10% aller Fälle von Brustkrebs verantwortlich und lässt die Krankheit mit bis zu 80%iger Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch kommen;
(GID 192 Februar 2009 S.27)

·         US-amerikanische Kliniken werben neuerdings damit, via PID den Teint (Hautfarbe), das Geschlecht, die Augenfarbe und die Haarfarbe eines Kindes vorherbestimmen zu können; Hautfarb-Test umstritten – gilt als technisch nicht möglich
(GID 192 Februar 2009 S.27)

·         Umfrage USA: 42% der befragten 415 Kliniken boten PID für nicht medizinisch begründete Geschlechtsauswahl an
(GID 192 Februar 2009 S.30)

·         ist es ethisch vertretbar, Kinder als potenzielle Gewebespender für kranke ältere Geschwister im Reagenzglas zu zeugen und zu selektieren?
zwischen Ethik der Würde und Ethik des Helfens
(Der Sonntag Sachsen 12.7.09 S.3)

·         Die Ausweitung der Grauzone. Tagtäglich verstoßen Mediziner hierzulande gegen das Embryonenschutzgesetz. Juristen billigen diese Praxis – und die Politik schaut weg.
Elternpaar wünscht sich ein zweites Kind. Allerdings hatten sie bereits eine schwerbehinderte Tochter und wussten, dass ein zweites krankes Kind ihre Kräfte übersteigen würde. Über den Rudniks schwebte die Diagnose „chromosomale Translokation“. Bei dieser Erbkrankheit sitzen die Träger der Erbgutes an der falschen Stelle, meist sind Teile von zwei Chromosomen vertauscht. Betroffene Menschen können damit in der Regel zwar gut leben (wenn die Translokation „ausbalanciert“ ist, also in der Summe alle notwendigen Chromosomen-Teile in der Summe in der normalen Anzahl vorhanden sind JK), aber nur selten gesunde Kinder bekommen.
Die Eltern baten einen Arzt, gesunde Embryonen auszuwählen …
Der Mediziner Stiftler ließ sich nicht davon schrecken, dass eine solche Präimplantationsdiagnostik (PID) nach herkömmlicher Rechtsauffassung in Deutschland verboten ist (bis zu drei Jahre Haft) …
Im Falle der Rudniks sowie für zwei weitere Paare mit ähnlicher Diagnose befruchtete er insgesamt 8 Eizellen, kontrollierte sie mithilfe der PID – und pflanze keinen einzigen Embryo in den jeweiligen Mutterleib ein., alle Zellen hatten sich als schadhaft erwiesen, er ließ sie absterben und schüttete sie anschließend weg …
Stiftler zeigte sich Anfang 2006 selbst an; nach mehrjähriger komplizierter Rechtssuche – die Staatsanwaltschaft wollte die Anzeige gar erst nicht zur Verhandlung bringen – übernahm das Berliner Landgericht den Fall und sprach Stiftler im Mai 2009 frei;
nach Recherchen der ZEIT steht fest: auch in Deutschland werden seit Jahren Embryonen ausgewählt und einer Qualitätsprüfung unterzogen. In Dutzenden von Fertilitätspraxen bleiben Embryonen übrig, werden zur späteren Verwendung auf Eis gelegt oder – in vielen Fällen – vernichtet.;
führende Medizinrechtler interpretieren die alten restriktiven Regelungen (z.B. Auslegung des Embryonenschutzgesetzes ESchG) neu; manche argumentieren, das ESchG verbiete gar nicht grundsätzlich die PID, sondern nur den Gencheck kurz nach der Befruchtung; bei der PID im frühen Stadium werden totipotente Zellen (die grundsätzlich selbst noch die Fähigkeit haben, sich zu einem eigenständigen Menschen zu entwickeln) abgetrennt und untersucht, Stiftler dagegen untersuchte pluripotente Zellen in einem späteren Stadium (die nur noch unterschiedliche Organe bilden können, aber die Totipotenz verloren haben); Rechtsprofessorin Frommel hält das für vergleichbar mit der gängigen vorgeburtlichen Diagnostik (Fruchtwasseruntersuchung) und deshalb für erlaubt;
Das ESchG erwähnt die PID nicht, weil es diese Technik bei der Verabschiedung des Gesetzes noch gar nicht gab; das heutige PID-Verbot in Deutschland fußt lediglich auf einer Auslegung des Gesetzes;
Im Ausland setzt sich zunehmend der so genannte Single-Embryo-Transfer (SET) durch. Unter mehreren befruchteten Eizellen fahnden die Mediziner nach den erfogversprechndsten und setzen nur diese in den Mutterleib ein. Die restlichen (gesunden JK) Embryonen werden eingefroren, kranke verworfen.;
Medizinrechtler Taupitz: es sein keiner Frau zuzumuten, einen Embryo ohne Chance auf Entwicklung austragen zu müssen. Im bislang einzigen Prozess in Deutschland gegen einen Mediziner, der mehr als die drei (vom ESchG) befruchtet hatte, kam das Amtgericht im bayerischen Wolfratshausen zum gleichen Schluss. Der Richter gab im April 2008 dem Arzt recht … er argumentierte ganz pragmatisch: Die neue Praxis schone die behandelten Frauen, schmälere das Risiko von Mehrlingsgeburten und sei auch „im Interesse der Versichertengemeinschaft“, weil sie Kosten spare.
(Die ZEIT, 16.7.09 S.29f.)

·         in London Januar 2009 ein Mädchen geboren, be idem durch PID ausgeschlossen worden war, Trägerin des Brustkrebsgens BRCA-1 zu sein;
das mutierte BRCA-1-Gen ist für 5 bis 10% aller Brustkrebsfälle verantwortlich und lässt (bei Vorhandensein) die Krankheit mit bis zu 80%iger Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch kommen
(GID Nr.192 2-2009 S.27)

·         Umfrage bei 415 Reproduktionskliniken in den USA: 42% boten PID für nicht medizinisch begründete Geschlechtsauswahl an
(GID Nr.192 2-2009 S.30)

·         vergangene Woche hatte der Bundesgerichtshof in einem überraschenden Urteil festgestellt, dass die PID entgegen landläufiger Rechtsauffassung gar nicht verboten sei; aus dem Embryonenschutzgesetz lasse sich ableiten, dass Embryonen auf schwere genetische Defekte getestet werden dürften, bevor sie der Mutter eingepflanzt würden
(Spiegel 28-2010 S.15)

·         am 6. Juli 2010 hat der BGH einen Frauenarzt vom Vorwurf einer Verletzung des ESchG freigesprochen; das Gericht folgte dabei den Anträgen von Verteidigung und Bundesanwaltschaft;
er hatte 2005 und 2006 bei drei Paaren eine künstliche Befruchtung durchgeführt; in allen Fällen wies einer der Partner eine genetische Belastung auf; eine der Frauen hatte bereits eine behinderte Tochter, eine andere drei Fehlgeburten; der Arzt untersuchte die künstlich befruchteten Eizellen auf genetische Defekte; die Patientinnen entschieden sich dafür, nur die gesunden Eizellen zu implantieren;
die Richter: das ESchG sei nicht grundsätzlich gegen Maßnahmen zur Vermeidung von genetischen Risiken; so ist eine Geschlechtswahl der Samenzelle ausdrücklich zugelassen, um schwere Erbkrankheiten zu vermeiden;
in Deutschland werden etwa 7.500 Kinder jährlich mit Hilfe der Reproduktionsmedizin gezeugt; nur in 50 bis 100 Fällen liegen eindeutige Hinweise auf schwere genetische Risiken vor, nur in diesen Fällen dürfte die PID nunmehr straflos sein; ausgeschlossen sind z.B. die Auswahl der Augenfarbe oder des Geschlechtes
(Freie Presse Chemnitz 15.7.2010 S.A5; taz 7.7.2010 S.5)

·         Insgesamt, schätzen wir Humangenetiker, wird es in Deutschland etwa 500 PID-Untersuchungen pro Jahr geben
(Spiegel 28-2010 S.117)

·         Reproduktionsmediziner:
in höchstens 300 Fällen pro Jahr ist PID angezeigt;
in den drei Urteilsfällen lagen sogenannte Translokationen vor, das heißt, bei einem Elternteil ist ein Stück eines Chromosoms abgebrochen und hat sich an ein anders angelagert;
PID ist immer dann angezeigt, wenn es bei vorangegangenen Schwangerschaften schon einen schicksalhaften Verlauf gab;
(taz 13.7.2010 S.6)

·         Im Humangenetischen Institut im Uni-Klinikum Lübeck werden gerade Mitarbeiter gesucht für den „Aufbau einer Gruppe zur Präimplantationsdiagnostik“; auch in Regensburg Erprobung;
CDU lotet aus, ob es vielleicht besser sei, strenge Kriterien für die PID festzulegen, statt mit einem Verbot im Parlament zu scheitern
(Spiegel 40-2010 S.148)

·         Forderung aus der CDU nach einem befristeten Verbot von Gentests an Embryos bei künstlicher Befruchtung
(taz 14.10.2010 S.1)

·         Moratorium, bis Rechtssicherheit besteht, auch für SPD denkbar, auch Bundesärztekammer kann sich ein M. vorstellen;
(taz 14.10.2010 S.3)

·         erste PID 1989, britischer Embryologe Handyside; entnahm einigen drei Tage zuvor künstlich gezeugten Embryonen jeweils 1 Zelle; Geburt von zwei gesunden Zwillingen;
PID wird heute in rund 60 Ländern weltweit angewandt; in Europa fast flächendeckend; so praktizieren gerade viele katholische Länder in Europa einen liberalen Umgang mit dem Erbgutcheck;
(Spiegel 43-2010 S.180)

·         Die PID selektiert nicht nach „lebenswert“ und „nicht lebenswert“. Sie gibt Auskunft darüber, was lebensfähig ist – und was todgeweiht. … Schwangerschaften, die tödlich enden würden, gar nicht erst entstehen lässt;
auch die viel beschworenen Versuche, mit Hilfe von PID angeblich Menschen nach Maß züchten zu wollen, sind ausgeblieben: Zur Bestimmung von Augen- oder Haarfarbe taugt PID in Ermangelung des dazu nötigen Wissens schlicht nicht.;,
(taz 25.10.2010 S.12)

·         Befürworter eines Totalverbots der PID im Bundestag; in einem Ende Dezember veröffentlichten Eckpunktepapier warnten sie davor, dass PID sozialen Druck auf Eltern behinderter Kinder auslösen könnte, und “eine Selektion menschlichen Lebens allein aufgrund einer schweren Erkrankung oder Behinderung wieder in die deutsche Rechtsordnung eingeführt“ werde. In der gesellschaftlichen Debatte wird diese Position unterstützt von der katholischen Kirche, von manchen evangelischen Bischöfen …
(Der Sonntag, 16.1.2011 S.2)

·         „Dürfen künstlich gezeugte Embryonen genetisch getestet werden?“ Beiträge PRO und CONTRA zur Zulassung der PID in Mitteldeutschen Kirchenzeitungen:
http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/11/25/durfen-kunstlich-gezeugte-embryonen-genetisch-getestet-werden/

·         Parteitag der Bundes-CDU; 51,1% für Beibehaltung des NEINS zur PID (denkbar knapp);
Peter Hintze (für Zulassung): PID sei in vielen EU-Ländern erlaubt, von nirgendwo sei leichtfertiger Missbrauch bekannt; Hubert Hüppe vehement für Beibehaltung des Verbots, weil sonst ein Dammbruch drohe;

Berliner Gynäkolge Matthias Bloechle, der PID anbietet: „Es gibt Tausende genetischer Defekte, da kann man nicht blind irgendwelche Erkrankungen untersuchen. PID ist eine gezielte Diagnostik auf eine gezielte Erkrankung.“;

Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht bietet eine Übersicht zum Umgang mit PID in Europa. Danach sind die Gentests in Italien verboten, in Finnland bislang gar nicht gesetzlich geregelt, dafür aber in Großbritannien bis zum 14. Tag der Embryo-Entwicklung zulässig. In den meisten Ländern mit PID-Erlaubnis gibt es jedoch Einschränkungen: PID in Dänemark nur zulässig bei bekanntem erheblichem Risiko der Übertragung einer schwerwiegenden Erbkrankheit, oder um schwerwiegende Chromosomenanomalien aufzudecken oder auszuschließen. Seit 2004 ist PID zudem erlaubt, damit ein geeignetes Spender-Geschwisterkind für ein bereits geborenes, aber todkrankes Kind geboren werden kann. Ärzte in Dänemark müssen die PID innerhalb eines Monats einer staatlichen Stelle melden. In Frankreich ist PID nur in Ausnahmefällen zugelassen: Ein Arzt aus einem multidisziplinären Zentrum für pränatale Diagnostik muss dazu ein "hohes Risiko der Übertragung einer besonders ernsthaften, unheilbaren genetischen Erkrankung" bestätigen. Die Durchführung der PID erfolgt in Fachzentren für Pränataldiagnostik - nach der Bewertung durch eine Ethikkommission.
PID hat im europäischen Ausland weder zur Massennachfrage noch zu einer hierzulande häufig befürchteten Menschenzucht geführt. Nach Angaben der Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE) wurde PID im Jahr 2007 nach bislang vorliegenden Zahlen europaweit 6.822-mal durchgeführt. Erfasst wurden dabei Daten aus 17 Ländern, wobei die ESHRE selbst Zweifel an der Vollständigkeit erhebt. In 3.746 Fällen erfolgte ein Embryonen-Transfer in den Mutterleib. Knapp die Hälfte dieser Transfers war erfolgreich, die PID führte in diesen Fällen also zu Schwangerschaften (1.817). Tatsächlich geboren wurden 898 Kinder.
(taz 17.11.2010 S.02)

·         … lehnen die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und die Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD) jede Zulassung der Präimplatationsdiagnostik (PID) ab  ….
PID unterzieht menschliches Leben einer Qualitätskontrolle und unterscheidet damit letztendlich zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben …
(Pressemitteilung 15.11.2010)

·         zur Erinnerung:
Bundesärztekammer 24.2.2000: Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik:
http://baek.de/page.asp?his=0.7.45.3274.3277

·         Theologisch erscheint es also möglich, aus der grundsätzlichen Ablehnung der PID unterschiedliche Folgerungen zu ziehen: Entweder das radikale Verbot der PID oder ihre Zulassung unter streng begrenzten Ausnahmeregeln …;
auch wenn in der Arbeitsgruppe eine große Einmütigkeit darin besteht, dass der Schutz des werdenden Lebens und der Menschenwürde gewahrt werden muss, bleibt ein Dissens bei der Betrachtung von Einzelschicksalen …
geht es bei der PID um positive Selektion …
(Studie aus der Evangelischen Kirche von Westfalen 2003 zur Präimplnatationsdiagnostik: http://www.krause-schoenberg.de/gent_ekvw_studie_pid.html)

·         Jörg Schäfer (48), Sozialpädagoge, selbst ein Mensch mit Behinderung:
“Meine Mutter, die mich sehr liebt, sagte einmal:’Hätte ich gewusst, dass du behindert bist, hätte ich dich abgetrieben.“ Wir sind froh, dass es anders gekommen ist;
Reproduktionsmediziner: Der Laie denkt, das Gebilde, das wir Embryo nennen, könne perfekt untersucht werden. Das ist aber technisch nicht möglich. Man kann die häufigsten Erkrankungen diagnostizieren, etwa 200, mehr nicht
(taz 6./7.11.2010 S.14);
Frau, die nach PID ein Kind bekam:
zwei Fehlgeburten, dann Feststellung eines Gendefekts bei der Mutter; weitere Fehlgeburt nach künstlicher Befruchtung; dann PID, gesunde Tochter geboren

·         Er sehe "die Gefahr eines Dammbruchs", warnte in seiner Weihnachtsbotschaft der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, "wenn sich der Mensch zum Herrn über andere Menschen macht und bestimmt, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht." Doch nicht nur der Vorsitzende der Deutschen Katholiken, auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe bot das Fest den willkommenen Anlass, um zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) Stellung zu nehmen. In der Ärzteschaft, glaubt er, habe sich die Stimmung verändert. Er rechnet damit, dass sich der nächste Ärztetag "für die Zulassung der PID in engen Grenzen" aussprechen wird. …
eine medizinische Prozedur, von der, je nach Indikation, höchstens 100 bis 200 Paare pro Jahr betroffen sein werden …
Der "Entscheidungsfalle" allerdings, in die Frauen, wie die Soziologin Silja Samerski in ihrem kürzlich erschienenen gleichnamigen Buch zeigt, bei der Pränataldiagnostik geraten, entgehen sie auch durch die PID nicht. Sie müssen sich aktiv zu einem "Risiko"-Embryo im Reagenzglas verhalten, ihn gegebenenfalls "verwerfen" und damit zum Ausdruck bringen, dass "solche" Menschen unerwünscht sind. …
Vielleicht erklärt diese Überforderung in Sachen Selbstbestimmung, weshalb auch der Vizepräsident der Bundesärztekammer und PID-Skeptiker, Ulrich Montgomery, die Indikationen für eine PID von einer Ärztekommission überwacht sehen will. Wenn die Ärzte schon, wie sein Kollege Hoppe formuliert, eher Ratgeber als Führer der Patienten sind, dann beanspruchen sie doch zumindest die Deutungshoheit darüber, was "krank" und "gesund" ist.
(taz 28.12.2010 S.12)

·         Evangelischer Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich: die PID überschreite die Grenze des ethisch Verantwortbaren, Gott allein sei Herr über Leben und Tod, Menschen dürften sich niemals anmaßen, menschlichem Leben das Lebensrecht abzusprechen
(Der Sonntag, 14.11.2010 S.2)

·         Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider: Ich habe persönlich darum geworben, dass wir nicht einfach den Beschluss des Rates von 2003 (sprach sich gegen PID aus JK) wiederholen, sondern uns noch einmal mit dem Thema auseinandersetzen
(Der Spiegel 46-2010 S.32)

·         Der Deutsche Ethikrat arbeitet derzeit an einer Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID) und hat sich zum Ziel gesetzt, diese Anfang März 2011 vorzulegen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Rat am 16. Dezember 2010 in einer öffentlichen Anhörung über die Regulierung und Praxis der PID in Belgien, Großbritannien und Frankreich sowie über aktuelle Entwicklungen der genetischen Untersuchung von Embryonen informiert.
Zu Beginn berichtete Luca Gianaroli, Vorsitzender der Europäischen Fortpflanzungsmedizingesellschaft ESHRE (European Society of Human Reproduction and Embryology) über den Stand der Entwicklung der PID, soweit er sich in dem seit über zehn Jahren geführten Register der ESHRE widerspiegelt. In dem Register werden die Daten aus 57 von etwas über 100 Zentren weltweit gespeichert und ausgewertet. Seit 1999 bis zum letzten Berichtszeitraum (Behandlungsjahr 2007) wurden ca. 28.000 Behandlungszyklen durchgeführt und 4.047 Kinder nach einer Untersuchung im Embryonalstadium geboren. In ca. 99,5 Prozent aller Fälle wurden die zu untersuchenden Zellen am dritten Tag entnommen. Aufgrund ihres angenommenen Potenzials, sich zu einem eigenständigen Embryo zu entwickeln, ist dies in Deutschland verboten. Insgesamt steige jedoch das Interesse, die Untersuchung an Blastozysten, also etwa am fünften Tag der Embryonalentwicklung durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt könnten mehr Zellen entnommen werden, die zudem nur zur späteren Bildung der Plazenta bestimmt seien.
Zur Praxis der PID in Belgien erläuterte der Fortpflanzungsmediziner Paul Devroey, das Verfahren für die Genehmigung jeder Diagnostik sei schwierig, aber transparent. Eine PID werde an sieben lizenzierten IVF-Zentren in Kooperation mit einem humangenetischen Zentrum durchgeführt. Zusätzlich bedürfe sie einer Beratung des Paares und positiver Evaluation des Falls durch einen Fortpflanzungsmediziner, einen Genetiker, einen Psychologen sowie bei Bedarf eines Ethikkomitees. Eine offizielle Liste zugelassener Indikationen gebe es nicht.
Aus Großbritannien berichtete Emily Jackson, Juristin und Vizevorsitzende der Fortpflanzungsmedizinbehörde HFEA (Human Fertilisation and Embryology Authority). Die HFEA ist in Großbritannien für die Vergabe von Lizenzen zuständig, die Zentren benötigen, um PID anbieten zu können. Sie entscheidet auch darüber, welche genetisch und chromosomal bedingten Störungen überhaupt für eine PID zulässig sind. Bei dem Beratungsverfahren werde die Situation des Paares berücksichtigt und der Rat verschiedener Experten wie Mediziner und Patientengruppen herangezogen. Bei besonders umstrittenen Diagnosemöglichkeiten – wie z. B. der Untersuchung auf Brustkrebsrisikogene – werde auch die Öffentlichkeit verstärkt in den Beratungsprozess einbezogen. Wenn ein Test aber erst einmal anerkannt sei, könne jedes lizenzierte Zentrum ihn einsetzen, ohne für jeden Einzelfall eine Genehmigung der HFEA einzuholen.
Patrick Gaudray, Genetiker und Mitglied des Französischen Ethikrates, erläuterte das französische Modell, bei dem der PID enge Grenzen gesetzt sind, die nur im Rahmen von Novellierungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes geändert werden können. Derzeit darf die PID nur in drei lizenzierten Zentren durchgeführt werden und nur bei Familien, die bereits von einer schweren und unheilbaren genetisch bedingten Krankheit betroffen seien. Eine Liste konkreter Krankheitsanlagen, die untersucht werden dürfen, gebe es nicht, stattdessen finde eine Überprüfung jedes Einzelfalles im Rahmen eines festgelegten Verfahrens statt.
Im Unterschied zu Frankreich lassen Belgien und Großbritannien auch die Suche nach Chromosomenstörungen zu, die nicht bereits im Genom der Eltern vorliegen, sondern erst während der Keimzellbildung oder Befruchtung entstehen. Solche Screening-Untersuchungen wurden nach dem von Gianaroli vorgestellten aktuellsten ESHRE-Datensatz 2007 in knapp 64 Prozent aller PID-Fälle und damit sehr viel häufiger eingesetzt als Diagnosen konkret vererbter Krankheitsanlagen. Devroey, Jackson und Gianaroli betonten jedoch, dass inzwischen vorliegende Untersuchungen gezeigt hätten, dass durch das Screening die Geburtenrate entgegen früheren Erwartungen nicht verbessert werde. Deshalb müsse dieser Ansatz nach wie vor als experimentell gelten, wenngleich es Hinweise gebe, dass neuere Untersuchungsmethoden künftig bessere Ergebnisse erzielen könnten.
Ethikratsmitglieder und die zahlreich bei der Anhörung anwesenden Mitglieder des Deutschen Bundestages stellten den Experten im Anschluss weiterführende Fragen. Von besonderem Interesse waren dabei die Zahl der für eine PID verwendeten Embryonen. Diese liegt zumeist deutlich über den vom deutschen Embryonenschutzgesetz für die Zeugung nach herrschender Auffassung maximal erlaubten drei Embryonen pro IVF-Zyklus. Weiteres Thema waren die Details des Entscheidungsprozesses für oder gegen die Untersuchung bestimmter genetischer Krankheitsursachen. Aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweisen an die Präimplantationsdiagnostik und ihre Bewertung komme es darauf an, so die Experten, in einem demokratisch legitimierten Verfahren zu einer Entscheidung zu kommen, die der jeweiligen Gesellschaft und den unterschiedlichen Positionen gerecht werde.
Weitere Informationen zur Anhörung sind unter http://www.ethikrat.org/veranstaltungen/anhoerungen/praeimplantationsdiagnostik abrufbar. (http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung-11-2010)

·         Die drei großen deutschen Wissenschaftsakademien haben ein eindeutiges Votum für eine gesetzliche Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Nach der gemeinsam von der Nationalakademie Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften vorgelegten Stellungnahme soll die PID nur bei schweren Erbkrankheiten zulässig sein. In jedem Fall soll eine individuelle Entscheidung herbeigeführt werden. Zuständig dafür soll eine Kommission sein, der alle Anträge für eine PID vorzulegen sind …
Nach den Vorstellungen der Expertengruppe soll der Embryonencheck im Reagenzglas nur bei schweren Erbkrankheiten vorgenommen werden. Ein "Verdacht allein reicht noch nicht aus" … Um die PID anzuwenden, müsste in der Familie schon ein schwerer Fall einer genetisch bedingten Erbkrankheit aufgetreten sein …
Einschränkungen soll es trotz geben: Nicht zum Einsatz kommen soll die PID etwa um sogenannte Aneuploidien zu verhindern; das sind genetische Störungen, bei denen die Chromosomenzahl von der Norm abweicht. Die bekannteste davon ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt …
So ist auch nach dem BGH-Urteil nicht jede PID zulässig. Zum einen befasste sich das BGH nur mit schweren Erbkrankheiten. Und es stellte in der Urteilsbegründung auch besonders heraus, dass die PID nur durchgeführt werden dürfe, wenn die dem Reagenzglasembryo entnommenen Zellen nicht mehr totipotent, also voll entwicklungsfähig sind. Die Expertengruppe der Wissenschaftsakademien geht davon aus, dass dies bereits während des vierten Teilungszyklusses der Fall ist - wenn der Embryo in das 16-Zell-Stadium übergeht …

(taz 21.1.2011 S.18)

·         Dem ursprünglich deutlich strafferen Zeitplan für die parlamentarischen Beratungen folgend hat der Vorstand der Bundesärztekammer im Februar 2011 eine aktuelle Positionsbestimmung auf der Grundlage einer Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Beirats in Form eines Memorandums (http://baek.de/downloads/Memorandum-PID_Memorandum_17052011.pdf) vorgenommen, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen und der darauf basierenden veränderten Einschätzung der PID vom ablehnenden Beschluss des 105. Deutschen Ärztetages aus dem Jahr 2002 abweicht.

Maßgebliche Eckpunkte und Erwägungen dieses Memorandums sind:
+ Die ethische Abwägung spricht für eine Zulassung der PID in engen Grenzen und unter kontrollierten Voraussetzungen. Unter Gesichtspunkten der Zumutbarkeit für die Frau und des Entwicklungsstandes des vorgeburtlichen Lebens ist die In-vitro-Befruchtung mit PID in bestimmten Fällen ethisch weniger problematisch als eine mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch. Gegen die Befürchtung eines Dammbruchs spricht die internationale Erfahrung. Aus ethischer Sicht fallen die Persönlichkeitsrechte und das Selbstbestimmungsrecht der Frau bzw. des Paares, ihre Gewissensfreiheit sowie ihre Gewissensverantwortung – auch mit Blick auf das erhoffte Kind – ins Gewicht.
+ Eine Eingrenzung der Indikationsstellung ist erforderlich. Die PID soll nur für Erkrankungen durchgeführt werden, für die bei einem Paar ein hohes genetisches Risiko bekannt ist. Keine Indikationen für PID sind Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, höheres Alter der Eltern sowie reproduktionsmedizinische Maßnahmen im Allgemeinen.
+ Um die Patientenautonomie zu wahren und eine authentische, verantwortungsbewusste Entscheidung zu ermöglichen, bedarf es umfassender Information und Aufklärung sowie kompetenter Beratung.
+ Unbeschadet des Erfordernisses, die Belange der Reproduktionsmedizin in einem umfassend angelegten Fortpflanzungsmedizingesetz zu regeln, sollte eine Regelung der PID Anlass geben, § 1 Abs. 1 Nr. 5 Embryonenschutzgesetz (ESchG) dahingehend abzuändern, dass dem Arzt aufgegeben wird, die Zahl der zu befruchtenden Eizellen so festzulegen, dass das Risiko des Entstehens überzähliger Embryonen geringer ist als das Risiko, keine ausreichende Anzahl transfergeeigneter Embryonen zur Verfügung zu haben.
+ Im Fall einer gesetzlich bestimmten Zulassung der PID wäre von der Bundesärztekammer eine (Muster-)Richtlinie zur Durchführung der PID zu erarbeiten, insbesondere zum Indikationsspektrum, zur personellen und apparativen Ausstattung, zur medizinischen und psychosozialen Beratung sowie zur Festlegung der erforderlichen Zahl danach qualifizierter durchführender Zentren.
+ Bei den Landesärztekammern wären behandlungsunabhängige PIDKommissionen einzurichten, die die Qualitätssicherung der PID gewährleisten. Der zuständigen Kommission wären die einzelnen Behandlungsfälle in anonymisierter Form vorab zur Beurteilung vorzulegen. Die bei den einzelnen Kommissionen der Landesärztekammern erhobenen Daten zur Qualitätssicherung wären in einem zentralen Register in anonymisierter Form zusammenzuführen.

In Anerkennung der umsichtigen und sorgfältigen ethischen Abwägungen, die in dem Memorandum zur Präimplantationsdiagnostik deutlich zum Ausdruck kommen, spricht sich der Deutsche Ärztetag angesichts der Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung für die Zulassung der PID in engen Grenzen und unter kontrollierten Verfahrensvoraussetzungen aus.

(Beschlussprotokoll des 114 . Deutschen Ärztetages 31.5.-3.6.2011, Beschluss zur Präimplantationsdiagnostik; http://baek.de/downloads/114Beschlussprotokoll20110608.pdf;
Text des ausführlichen Memorandums der Bundesärztekammer zur Präimplantationsdiagnostik:
http://baek.de/downloads/Memorandum-PID_Memorandum_17052011.pdf)

·         Interview mit Peter Hintze, evangelischer Theologe und Parlamentarischer Staatssekretär, zur PID;
Für mich ist es eine Christenpflicht, zur Abwendung von Tot- und Fehlgeburten wie auch zur Abwendung schwerster Schwangerschaftskonflikte aus erblichen Ursachen die PID zuzulassen
(Der Sonntag, Sachsen, 23.1.2011 S.2)

·         Der Arzt Matthias Bloechle machte als erster Arzt in Deutschland Gentests an künstlich gezeugten Embryonen (PID);
“Jede Form von Medizin ist ein Eingriff in die Schöpfung“;
Bloechle ist Jahrgang 1962, das älteste von vier Kindern aus einem schwäbischen Pastorenhaushalt;
Bei jener Patientin aus Bayern, die sich 2005 an ihn wendet, offenbart sich schnell, was optimal für sie wäre: ein gesundes Kind. Mitte 20 ist sie erst, hat aber schon vier Schwangerschaften hinter sich. Und vier Fehlgeburten. Nach der zweiten stellen die Ärzte bei ihr daheim fest, dass sie einen genetischen Defekt in sich trägt. Für sie selbst ist das ungefährlich. Aber einem leiblichen Kind, das den Defekt erbt, nimmt er jede Überlebenschance.
S
ie solle es halt lassen, bekommt sie von ihren Ärzten zu hören. Oder ein Kind adoptieren. Matthias Bloechle spart sich die schlechten Ratschläge. Er weiß, dass er ihre letzte Hoffnung ist. Seine Praxis ist schon damals weit über die Berliner Grenzen hinaus bekannt - für ihre Erfolgsraten, aber auch für ihre Toleranz: Bloechle und seine Kolleginnen behandeln fast jeden Kinderwunsch, egal ob von verheirateten oder nicht verheirateten oder lesbischen Paaren oder Singles. Die persönliche Freiheit, sie wiegt schwerer als jede rechtliche Grauzone. Soll er derjenige sein, der das bisherige Scheitern eines Lebensentwurfs besiegelt?;
I
m Sommer 2010 spricht ihn der Bundesgerichtshof frei. Seither steht die Republik in dieser Frage kopf - und er unter Beschuss. Der Vorwurf, er, der Arzt, selektiere, spiele sich zum Entscheider über Leben und Tod auf, hat ihn getroffen. "Ich entscheide nicht darüber, was lebenswertes Leben ist und was nicht", sagt er. "Die PID gibt Auskunft darüber, was lebensfähig ist und was todgeweiht." Anders ausgedrückt: Die PID helfe, Schwangerschaften, die ohnehin tragisch enden würden, erst gar nicht entstehen zu lassen. Das, sagt Bloechle, sei der Unterschied zu der in Deutschland erlaubten Pränataldiagnostik im Mutterleib: "Da sehen Sie plötzlich am Ultraschall, dass das Kind schwer krank ist, und dann muss entschieden werden, ob das Kind, das prinzipiell lebensfähig ist, ausgetragen wird oder nicht.“;
Er kann sich nicht vorstellen, dass die radikalen PID-Gegner eine Mehrheit finden: "Keine Frau würde bei der PID von einem nicht eingepflanzten Embryo sprechen, keine von einem ungeborenen Kind.“;
Was er jetzt sagt, ist ihm wichtig: "Drei meiner Kinder sind Töchter." Kunstpause. "Ich möchte nicht, dass die eines Tages vorgeschrieben bekommen, mit wem, wie, wann und ob sie Kinder bekommen wollen.“

(taz 12./13.3.2011 S.23)

·         Text des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 6.7.2010 wegen Verstoßes gegen das Embryonenschutzgesetz (Zulassung der PID): http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=52897&linked=urt&Blank=1&file=dokument.pdf

·         Deutscher Ethikrat legt Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik vor
PRESSEMITTEILUNG 03/2011; Berlin, den 8. März 2011

Der Ethikrat stellt darin den Sachstand und die ausschlaggebenden Argumente von Befürwortern und Gegnern einer Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) umfassend dar.
Vor dem Hintergrund aktueller technischer und rechtlicher Entwicklungen beschreibt der Ethikrat die derzeitige Praxis und die neuen Möglichkeiten der genetischen Diagnostik an Embryonen. Er geht auf die unterschiedlichen Positionen und Argumente zum Status und Schutz des Embryos ein und diskutiert die wichtigsten sozialethischen Aspekte.
Ausgehend von diesen Überlegungen entwickeln die Ratsmitglieder zwei alternative Vorschläge zu einer gesetzlichen Regelung der PID.

Eine Gruppe von 13 Mitgliedern des Deutschen Ethikrates hält die PID unter bestimmten Einschränkungen für ethisch gerechtfertigt, weil die PID einen Weg eröffnet, einen rechtmäßigen Schwangerschaftsabbruch nach Pränataldiagnostik gemäß medizinischer Indikation zu vermeiden, und auch Paaren eine Chance auf Hilfe bietet, die aus genetischen Gründen wiederholte Fehl- oder Totgeburten erlebt haben. In beiden Fällen sprechen gewichtige Gründe des Gesundheitsschutzes der Frau für die Zulassung der PID.
Voraussetzung für die Durchführung der PID ist ein hohes medizinisches Risiko. Dieses liegt vor,
+ wenn bei den Eltern nachweislich eine erbliche Anlage vorhanden ist, die bei Vererbung auf das Kind zu einer schweren Krankheit oder Behinderung führen würde und im Falle ihrer Feststellung durch pränatale Diagnostik wegen einer Gefährdung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der betreffenden Frau Anlass für eine medizinische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch wäre,
+ wenn bei den Eltern nachweislich ein hohes Risiko vorhanden ist, eine Chromosomenstörung oder anderweitige Mutation zu vererben, die eine extra-uterine Lebensfähigkeit des Embryos ausschließt oder
+ wenn bei den Eltern nach wiederholten Fehlgeburten oder vergeblichen Behandlungsversuchen der assistierten Reproduktion nach eingehender medizinischer Abklärung ein hohes Risiko für Reifungsstörungen der Keimzellen gegeben ist, sodass ein Großteil der entstehenden Embryonen extra-uterin nicht lebensfähig ist.
Unzulässig und gesetzlich zu verbieten ist die Durchführung der PID nach Ansicht dieser Ratsmitglieder hingegen
+ zur Feststellung des Geschlechts eines Embryos, es sei denn, diese hat das Ziel, die Geburt eines Kindes mit einer folgenschweren, geschlechtsgebunden vererbten genetischen Anomalie zu vermeiden,
+ wenn sie mit dem Ziel der Auswahl eines Embryos für die Spende von Zellen, Geweben, oder Organen für einen anderen Menschen erfolgen soll,
+ wenn sie ohne eine der oben angeführten Indikationen etwa zur Vermeidung eines allein wegen des Alters der Frau vermuteten Risikos von Chromosomenstörungen beim Embryo erfolgen soll und
+ bei spätmanifestierenden Krankheiten.
Die Befürworter einer begrenzten Zulassung der PID empfehlen, dass der Gesetzgeber diese Kriterien festlegt, jedoch keinen Katalog einzelner Krankheiten oder Behinderungen aufstellt, bei denen eine PID infrage kommt.
Sie schlagen außerdem bundeseinheitlich festzulegende Verfahrensregeln für die Durchführung der PID vor. Die Indikationsstellung soll nach Feststellung des genetischen Risikos und Beratung durch einen Humangenetiker, nach ärztlicher Beratung durch einen Reproduktionsmediziner und nach psychosozialer Beratung durch eine nach Schwangerschaftskonfliktgesetz anerkannte Beratungsstelle gemeinsam durch die an der Beratung beteiligten Experten sowie einen Vertreter der IVF-Kommission der Landesärztekammer erfolgen.
Die Befürworter dieses Konzepts wollen mit der begrenzten Zulassung der PID einen Wertungswiderspruch zum bestehenden gesetzlichen Schutzkonzept während der Schwangerschaft vermeiden.

Eine Gruppe von elf Mitgliedern des Ethikrates vertritt die Auffassung, dass die Durchführung der Präimplantationsdiagnostik ethisch nicht gerechtfertigt ist und verboten werden sollte,
+ weil der in vitro gezeugte Embryo aufgrund seiner künstlichen Erzeugung einer besonderen Verantwortung unterliegt, die es verbietet, ihn zu erzeugen, um ihn im Falle unerwünschter Eigenschaften zu verwerfen,
+ weil der selektive Blick auf die durch gezieltes menschliches Handeln erzeugten Embryonen und die Bereitschaft zu ihrer eventuellen Verwerfung die PID grundlegend von der Situation des Schwangerschaftsabbruchs aufgrund medizinischer Indikation nach Pränataldiagnostik unterscheidet,
+ weil mit der PID eine embryopathische Indikation wieder eingeführt würde, also die Erlaubnis, menschliches Leben aufgrund unerwünschter Eigenschaften zu verwerfen, die aus der Schwangerschaftskonfliktregelung ausdrücklich gestrichen wurde,
+ weil gravierende Folgen für den Embryonenschutz absehbar sind, insbesondere indem eine hohe Anzahl von „überzähligen“ Embryonen entstehen würde, von denen niemand weiß, wie mit ihnen umzugehen wäre,
+ weil eine Begrenzung auf wenige Fallgruppen oder schwere Erkrankungen nicht einzuhalten ist, vielmehr eine Ausweitung der Indikationen und Anlässe für die Anwendung der PID absehbar ist, wie dies auch in anderen Staaten, die die PID zugelassen haben, bereits erfolgt ist,
+ weil die technische Entwicklung chipgestützter Diagnosetechniken einen breiteren Einsatz der PID für die gleichzeitige Diagnostik einer Vielzahl von genetischen Abweichungen oder Krankheitsveranlagungen in absehbarer Zeit wahrscheinlich macht,
+ weil sich der Druck auf genetisch belastete Eltern, die sich keiner PID unterziehen wollen, und auf Menschen mit Behinderung, insbesondere mit genetisch bedingten Behinderungen, erhöhen könnte und dies Bemühungen um Integration und Inklusion zuwiderlaufen würde.
Nach Auffassung der Unterzeichner dieses Votums müssen die Sorgen und Wünsche von genetisch belasteten Paaren ernst genommen werden. Eine Einführung der PID rechtfertigen sie aber nicht. Vielmehr ist eine bessere Beratung und Unterstützung betroffener Paare oder Familien sicherzustellen; ebenso ist zu prüfen, ob ihre Belastung durch den Einsatz anderer Verfahren gemildert werden kann.

In einem Sondervotum spricht sich ein Ratsmitglied dafür aus, die PID zur Identifikation von entwicklungsfähigen Embryonen zu erlauben und dafür eine verbindliche Indikationsliste zu erstellen.
(Deutscher Ethikrat, Stellungnahme zur Zulassung der PID, 8.3.2011; Pressemitteilung: http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2011/pressemitteilung-03-2011; ausführlicher Text der Stellungnahme: http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-praeimplantationsdiagnostik.pdf )

·         Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vom 15.2.2011;
bleibt der Rat dabei, dass die PID verboten werden sollte;
Wenn sich der Rat der EKD erneut dafür ausspricht, Grenzen der Verfügbarkeit über menschliches Leben anzuerkennen und die PID zu verbieten, dann geschieht das in dem Bewusstsein des Dilemmas, dass auch das Verbot der PID anderen Menschen nicht oder kaum Erträgliches zumuten kann;
Unter den Mitgliedern des Rates gibt es unterschiedliche Meinungen zur Bewertung von Konstellationen, bei denen die Anwendung der PID nicht die Funktion hätte, zwischen behinderten und nicht behinderten Embryonen zu unterscheiden, sondern die Aufgabe, lebensfähige Embryonen zu identifizieren. Die hier angesprochenen Fälle unterscheiden sich von anderen dadurch prinzipiell, dass es nicht um die Frage von Krankheit und Gesundheit, von behindert und nicht behindert, von „lebenswert“ und „nicht lebenswert“ geht, sondern um Lebensfähigkeit und Lebensunfähigkeit. Nur in diesen Fällen würde die IVF in Verbindung mit der PID allein dem Ziel dienen, Leben zu ermöglichen. Es gilt deshalb zu bedenken, ob eine Zulassung der PID mit dem Ziel verantwortbar ist, lebensfähige Embryonen zu identifizieren. Liegt bei Eltern eine solche genetische Veranlagung vor, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Embryo schon während der Schwangerschaft lebensunfähig ist, könnte die Möglichkeit eingeräumt werden, die PID zuzulassen. Für diese Fälle müssten Verfahren gefunden werden, die eine angemessene Begleitung und Beratung der Eltern sicherstellen und einen Missbrauch des eröffneten Weges verhindern. Dieses halten einige der Mitglieder des Rates für ethisch vertretbar.
Andere machen ihre ablehnende Haltung deutlich: Sie sehen die Gefahr, dass Leben unterschiedlich bewertet wird. Auch das Leben mit einem noch nicht geborenen Kind ist ein Leben in Beziehung und insofern wertvoll. Es ist nicht an uns zu bewerten, was dies werdenden Eltern bedeutet. Zugleich besteht die Sorge einer späteren Ausweitung der Ausnahme, wie dies bei der Pränatalen Diagnostik geschehen ist.
Gleichwohl tragen alle Mitglieder des Rates diese Erklärung in wechselseitigem Respekt für die jeweiligen Überzeugungen gemeinsam.
Der Rat der EKD gibt diese Erklärung im Respekt vor der Freiheit der Gewissensentscheidung der Einzelnen ab. Er ruft dazu auf, in persönlicher Verantwortung ein eigenes ethisches Urteil zu bilden.
(Text der Stellungnahme: http://www.ekd.de/presse/pm40_2011_verbot_pid.html )

·         Ad-hoc-Stellungnahme 18. Januar 2011
Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (für die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften)
“Präimplantationsdiagnostik (PID) – Auswirkungen einer begrenzten Zulassung in Deutschland“
Wesentliche Empfehlungen
Auf Grund gleichgelagerter Konfliktsituationen für die Frau sollte unter einschränkenden und definierten Bedingungen eine PID gesetzlich zugelassen und die damit verbundenen Folgen für den Embryo vom Gesetzgeber der PND (pränatale Diagnostik, GenDG) und dem Schwangerschaftsabbruch (§ 218 StGB) gleichgestellt werden. Diese Gleichstellung sollte sich auf eine begrenzte PID-Zulassung an nicht-totipotenten Zellen des Embryos in vitro beschränken, während gleichzeitig erhebliche einschränkende Voraussetzungen empfohlen werden. So darf die Untersuchung nur bei Paaren durchgeführt werden, für deren Kinder medizinisch-objektiv ein hohes Risiko des Ausbruchs einer bekannten und schwerwiegenden monogenen Krankheit oder einer erblichen Chromosomenstörung besteht oder mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist. Für die Zulässigkeit der PID sollte keine Altersgrenze für den Krankheitsausbruch festgelegt werden.
Die PID darf nicht für staatlich oder gesellschaftlich definierte Ziele verwendet werden, die außerhalb des Wohls des betroffenen Paares liegen. Dieses Verbot sollte weiterhin gelten für eine Wunschregulierung der Zusammensetzung genetischer Anlagen von Kindern nach dem Willen der Eltern, für eine Geschlechtsbestimmung ohne genetischen Krankheitsbezug, für die Nutzung von Embryonen für Forschungszwecke und für Untersuchungen auf neu entstandene, also nicht erbliche Chromosomenstörungen (Aneuploidie-Screening). Zudem sollte eine Sachverständige Stelle benannt werden, die Ausführungsbestimmungen bzw. Richtlinien zur Durchführung der PID erlässt.
Die PID sollte nur an wenigen dafür von der benannten Sachverständigen Stelle zugelassenen und regelmäßig kontrollierten Einrichtungen durchgeführt werden dürfen. Die PID sollte nur durchgeführt werden dürfen, wenn sie auf begründeten Antrag hin von der benannten Sachverständigen Stelle zugelassen wurde. Neben einem PID-Gesetz und einer möglichen Änderung des Gendiagnostik-Gesetzes wäre auch an die Verabschiedung eines Fortpflanzungsmedizingesetzes zu denken.
(Pressemitteilung: http://www.leopoldina.org/de/politik/empfehlungen-und-stellungnahmen/nationale-empfehlungen/praeimplantationsdiagnostik-pid.html?cHash=703d3a797d69b124e11246d2f2ed5e7d&no_cache=1&sword_list[0]=pid;
Text der Stellungnahme: http://www.leopoldina.org/fileadmin/user_upload/Politik/Empfehlungen/Nationale_Empfehlungen/stellungnahme_pid_2011_final_a4ansicht.pdf )

·        Interview mit der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zur Präimplantationsdiagnostik
SPIEGEL: Was hat Sie umgestimmt?
Schröder: Hauptsächlich ein inzwischen schon klassisches Gedankenexperiment des Harvard-Philosophen Michael Sandel. Dabei geht es um die Frage, ob man aus einem brennenden Krankenhaus entweder 20 Embryonen in Petrischalen oder einen einzigen Säugling retten würde. Nicht immer liegt man mit seiner Intuition richtig, aber wer befruchtete Eizellen für vollwertige Menschenleben hält, der müsste die Auffassung vertreten, dass es ethisch richtig wäre, den Säugling liegen zu lassen und die befruchteten Eizellen zu retten.
SPIEGEL: Wie würden Sie dann Embryonen definieren?
Schröder: Beim Wort Embryo sehen viele vor ihrem geistigen Auge wahrscheinlich einen Embryo in der zwölften Schwangerschaftswoche. Wir reden bei der PID aber über Achtzeller. Das muss man sich einfach klarmachen. Diese Achtzeller haben zwar das Potential zur Menschwerdung - tatsächlich ein Mensch können sie aber nur werden, wenn sie sich in eine Gebärmutter einnisten. Wenn man sie bereits als Mensch ansieht, müsste man auch die Spirale und die Pille danach verbieten - denn auch die verhindern die Einnistung. Und das wäre meiner Ansicht nach ebenfalls falsch.;
Die Frage, ob jetzt menschliches Leben vor oder nach der Einnistung in die Gebärmutter beginnt, kann man auch als Christ so oder so beantworten. Für mich ist es eine Frage der Nächstenliebe, den Paaren zu helfen, die sich ein Kind wünschen, aber in deren Familien es schwere Erbkrankheiten gibt.;
Die Kommissionen sollten auf jeden Fall nicht nur mit Medizinern besetzt sein, sondern auch mit Psychologen und Experten aus anderen relevanten Disziplinen. Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn sich die Kirchen an den PID-Kommissionen beteiligen würden.;
Ich habe mit vielen Eltern behinderter Kinder die Erfahrung gemacht, dass sie mit unglaublicher Liebe und bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit ihr Kind pflegen, aber eigentlich nie andere Eltern verdammen, die sagen, dass sie eine solche Situation nicht ertragen könnten.
durch unseren Antrag ausgeschlossen. Darin ist glasklar geregelt, dass die Ärzte nur diejenigen Krankheiten testen dürfen, für die eine genetische Disposition der Eltern festgestellt wurde. Ein verdachtsunabhängiges Screening ist nicht möglich. Wir wollen ja gerade keinen Embryonen-TÜV.;
SPIEGEL: Was soll mit den überzähligen Embryonen passieren, wenn sie im Zuge der PID aussortiert werden? Wären die für die Stammzellforschung interessant?
Schröder: Das würde dem deutschen Stammzellgesetz widersprechen. Im Moment käme das also gar nicht in Frage.
SPIEGEL: Man kann Gesetze aber auch ändern. Mit diesen Embryonen stünden der Forschung hochinteressante Modelle von seltenen Erbkrankheiten zur Verfügung.
Schröder: Ich weiß, dass man darüber diskutieren kann, ob man den Eltern die Möglichkeit gibt, die befruchteten Eizellen der Forschung spenden zu dürfen. Ich bin selbst ja auch der Stammzellforschung gegenüber aufgeschlossen. Aber darum geht es nicht in der aktuellen Debatte.
SPIEGEL: Hätten Sie die PID denn für sich in Erwägung gezogen, wenn bei Ihrem Nachwuchs ein Risiko bestanden hätte?
Schröder: Das ist eine sehr intime Frage, die ich nur so beantworten will, dass man nicht alles tun muss, was der Gesetzgeber möglich macht. Das eigene private Werturteil kann sich von dem unterscheiden, was erlaubt ist.;
… ich habe auch sehr böse Briefe bekommen. Manchmal von Menschen, die selbst das Glück hatten, zwei oder drei gesunde Kinder zu haben. Von ihnen zu hören, dass Paare auf Kinder verzichten sollten, wenn das Risiko einer Erbkrankheit besteht, kommt mir manchmal doch sehr unbarmherzig vor.;
SPIEGEL: Müssen Sie befürchten, dass die Union ihrer Kernwählerschaft zu viel zumutet, wenn Ihr PID-Antrag durchkommt?
Schröder: Konservativ sein heißt ja nicht, einfach auf seinen Positionen zu verharren, sondern es heißt, auch Dinge zu verändern, um Werte zu erhalten. Der Wunsch von Eltern, lebensfähige Kinder bekommen zu können, das ist eines der konservativsten Anliegen überhaupt.
(Der Spiegel 21-2011 S.26)

·        Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat den Kirchen einen „moderateren Ton“ in der Debatte um die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) nahe gelegt.;
Schneider sprach sich für eine Ausnahme vom generellen Verbot der OID aus, wenn es nicht um die Frage von lebenswertem oder lebensunwertem Leben gehe, sondern um die Frage der Lebensfähigkeit, so etwa bei der erhöhten Gefahr einer Totgeburt. „Ich finde, es tut uns Kirchen nicht gut, wenn wir behaupten, etwas zu wissen, was wir gar nicht wissen können, nämlich wann und wie menschliches Leben wirklich beginnt.“
(Der Sonntag, Sachsen, 1.5.2011 S.2)

·        Nüchtern betrachtet, gibt es Erkrankungen, die mit hoher Sicherheit während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt zum Tod führen und durch die PID im Embryonalstadium ausgeschlossen werden können. Den Eltern nicht die Möglichkeit zu geben, sich und ihrem Kind dieses Schicksal zu ersparen, ist in diesen eindeutigen Fällen schlicht unethisch.
(Reproduktionsmediziner Elmar Breitbach in Spektrum der Wissenschaft 14.4.2011: http://wissenschaft-online.de/artikel/1069198 )

·        Beitrag Joachim Krause PRO Zulassung der PID
(„Der Sonntag“ (Sachsen) und „Glaube und Heimat“ (Thüringen), 28.11.2010; http://www.krause-schoenberg.de/gent_pid_JK_PRO_kirchenzeitungen-11-2010.htm )

·         Eine Entscheidungshilfe zur PID für unentschlossene Bundestagsabgeordnete;
Auch für die PID-Befürworter ist der Embryo nicht wertlos. Für sie genießt der Keimling jedoch keinen absoluten Schutz, sondern nur einen abgestuften. Damit der Zellhaufen leben kann, braucht er nämlich die Mutter, die ebenfalls Rechte hat. Erst nach der Einnistung in die Gebärmutter kann der Embryo weiterreifen. Und selbst zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Embryonen nicht überlebensfähig. Biologen gehen davon aus, dass rund 70 Prozent aller befruchteten Eizellen während der ersten Wochen wieder absterben – meist ohne dass die Frau es überhaupt bemerkt.;
Per PID lässt sich die Geburt von Kindern mit Genschäden verhindern. Die Zahl bestimmter Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten würde deshalb zurückgehen. Insgesamt würde es jedoch nicht weniger Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung geben. Von den etwa 1,5 Millionen Fällen schwerer Behinderung in Deutschland haben nur rund zehn Prozent genetische Ursachen. Und selbst von diesen lassen sich die wenigsten vor der Geburt diagnostizieren. Die meisten Behinderungen entstehen bei der Geburt oder später durch einen Unfall.;
Ohnehin ist die Aussicht begrenzt, mithilfe der PID ein Kind zu bekommen. Aus den weltweit insgesamt 27.000 PID-Verfahren zwischen 1992 und 2007 gingen rund 5.000 Kinder hervor. Die Erfolgsrate liegt damit pro Behandlung bei weniger als 20 Prozent.;
Die meisten Behindertenverbände wie etwa die Lebenshilfe wollen die Genauswahl im Labor verhindern. Denn auch wer nur wenige Jahre zu leben habe oder ein Dasein mit schweren Einschränkungen friste, könne glücklich sein. Wer den Optimismus mancher Menschen erlebt hat, die wissen, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leiden, kann daran nicht zweifeln.
Aber nicht alle Betroffenen – und vor allem nicht alle Angehörigen – lehnen die PID ab. So pflegen zwar viele Eltern liebevoll und bis zur Erschöpfung ihre kranken Kinder, möchten aber kein weiteres behindertes Kind. Auch unter den Behinderten selbst finden sich Gegner und Befürworter, etwa unter den Glasknochenkranken. Hier gibt es Frauen, die eine PID explizit wünschen, weil sie aus eigener Leidenserfahrung keinem Kind das gleiche Schicksal aufbürden wollen
(DIE ZEIT 30.6.2011 S.42)

·         „Die Würde in vitro“
Um die Achtung und den Schutz der befruchteten Eizelle, um die es geht, wird sonst wenig Aufhebens gemacht. Die Hälfte aller befruchteten Eizellen geht ab, bevor sie sich in der Gebärmutter einnisten können. Das wird vom Menschen weder verursacht, noch kann es von ihm verhindert und verboten werden. Aber das Sterben und der Tod dieses menschlichen Lebens, dem menschliche Würde zu eigen sein soll, werden auch nicht betrauert: keine Reden, keine Klagen, keine Messen …;
Zahllose befruchtete Eizellen gehen ab, weil eine Spirale die Einnistung verhindert. Hier ist nicht mehr die Natur die Ursache, sondern der Mensch, und die Zerstörung des menschlichen Lebens und die Antastung der menschlichen Würde, die in der Zerstörung des menschlichen Lebens liegen soll, könnten verboten werden. Zwar wird die Verwendung eines Intrauterinpessars, also einer Spirale, von manchen moralisch verurteilt. Aber ein rechtliches Verbot wird von niemandem erwogen …;
Auch nach der Einnistung gehen befruchtete Eizellen ab, und die Ursache ist teils die Natur und teils der Mensch. Ein Fünftel aller befruchteten Eizellen geht nach der Einnistung von selbst ab, und hier wird manchmal auch getrauert, nicht über Leben und Würde, aber über die Enttäuschung eines Kinderwunsches. Außerdem kann die Schwangere den Embryo abtreiben, nachdem sie an einer Beratung teilgenommen und eine dreitägige Bedenkzeit eingehalten hat. Wieder wird von niemandem ein Verbot erwogen, das zum Schutz des Lebens und der Würde des Embryos den Schwangerschaftsabbruch erschweren und die Freiheit der Schwangeren einschränken würde …
Am Schutz von Leben und Würde des auf natürliche Weise gezeugten Embryos zeigt sich der Gesetzgeber wenig interessiert …;
Aber ohne Entscheidung geht es nur da, wo die Natur sich überlassen ist. Sich überlassen lässt sie befruchtete Eizellen vor oder nach der Einnistung abgehen; sie wählt aus, welche befruchteten Eizellen tauglich und welche untauglich sind. Wenn die Zeugung nicht mehr natürlich, sondern künstlich geschieht, sind Entscheidungen unvermeidlich. Die Frau, der die Eizelle entnommen wurde, muss entscheiden, ob ihr die befruchtete Eizelle eingepflanzt oder nicht eingepflanzt werden soll. Wird nach der Einpflanzung diagnostiziert, dass die Geburt eines behinderten Kinds bevorsteht, muss sie entscheiden, ob sie der Belastung der Behinderung gewachsen ist oder die Schwangerschaft abbrechen soll. Das Recht lässt beide Entscheidungen ebenso zu, wie es die Pränataldiagnostik zulässt, die die Entscheidung über Abbruch oder Nicht-Abbruch vorbereitet …;
Besonders augenfällig werden die Ungereimtheiten im Fall der Frau, die über 35 Jahre alt ist, die nach In-vitro-Fertilisation und ohne Präimplantationsdiagnostik schwanger wurde und der wie allen über 35 Jahre alten Schwangeren zur Pränataldiagnostik geraten wird, zu der häufig der riskante Eingriff der Amniozentese gehört. Dabei wird geprüft, was auch schon bei der Präimplantationsdiagnostik hätte geprüft werden können - nun aber mit dem Risiko, dass der Eingriff zum Abbruch der Schwangerschaft eines gesunden Kindes führt …;
Dazu kommt das Erschrecken darüber, dass der Bereich dessen, was dem Menschen unverfügbar ist, weil es in der Macht des Schicksals steht oder in der Hand Gottes liegt, schwindet. Dass Kinderlosigkeit nicht mehr über Paare verhängt ist, dass Kinder nicht nur in vivo, sondern auch in vitro gezeugt und nicht nur von der eigenen Mutter, sondern auch von einer anderen Frau ausgetragen werden können, dass bei Kindern vieles, was immer ein Geheimnis war, nicht mehr ein Geheimnis ist, sondern diagnostiziert und prognostiziert werden kann und dass Kinder vorstellbar sind, die designt und geklont sind …;
Dreist ist der Paternalismus, den sich der Gesetzgeber mit allen drei vorliegenden Regelungsentwürfen anmaßt. Ob er mit dem einen Entwurf die Präimplantationsdiagnostik überhaupt verbieten oder ob er sie mit den anderen Entwürfen mehr oder weniger engen Indikationen-Regimen und Kontrollen durch Ethikkommissionen unterwerfen will - ihn leitet die Vorstellung von verantwortungslosen Eltern, die es zu gängeln gilt …;
Die Tests, irritierend für den Mann und schmerzhaft für die Frau, die hormonelle Stimulation, das Absaugen der Eizellen unter Narkose, die Risiken, die für die Frau mit beidem verbunden sind, die Übertragung der befruchteten Eizellen, die mehrfache Wiederholung der Prozedur, weil nicht einmal bei einem Drittel der befruchteten und übertragenen Eizellen eine Schwangerschaft entsteht und es nicht einmal bei einem Fünftel zur Geburt kommt - all das nehmen Eltern und nimmt besonders die Frau auf sich, weil sie sich ein Kind wünschen: nicht ein Designerkind mit blondem Haar und blauen Augen, nicht ein Kind mit diesem statt jenem Geschlecht, sondern einfach ein gesundes Kind. Ein Kind, das wie alle Kinder ist und es nicht immer einfach haben wird, Störungen überwinden und auswachsen muss, vielleicht auch auf die eine oder andere Weise gezeichnet bleibt, aber letztlich ein erfülltes und glückliches Leben haben kann. Manche Eltern werden sich nach der Präimplantationsdiagnostik gegen die Übertragung entscheiden. Aber wer es sich mit der künstlichen Befruchtung so schwergemacht hat, macht es sich mit der Entscheidung nicht leicht, sondern trifft sie gewissenhaft und sorgfältig …
(Der Spiegel 23-2011 S.30ff.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79051505.html )

·         Holländischer Genetiker Geraedts:
(zur Anwendung der PID) In den Niederlanden hatten wir 2008 eine Debatte, ob wir mit der PID auch genetisch bedingte Krebserkrankungen wie Brustkrebs diagnostizieren dürfen. 85 Prozent der Bevölkerung haben sich dafür ausgesprochen. Seither machen wir das, wenn die Paare es wünschen
(taz 8.7.2011 S.3)

·         im Deutschen Bundestag verabschiedeter „Gesetzentwurf zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik“:
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/054/1705451.pdf

·         Frankreich: erstes „Rettungsgeschwisterkind“;
Ende Januar ist auch in Frankreich in einem Pariser Vorort ein so genanntes „Rettungsgeschwisterkind“ zur Welt gekommen. Um für das erste Kind der Familie, das an der lebensbedrohlichen Beta-Thalassämie leidet, eine/n StammzellspenderIn zur Verfügung zu stellen, entschieden sich die Eltern für das präimplantationsdiagnostische Verfahren (PID), bei dem mehrere Embryonen erzeugt und ihre genetischen Eigenschaften untersucht werden. Auf diese Weise soll ein Geschwisterkind entstehen, das nicht nur selbst kein Träger der Erbkrankheit ist, sondern auch genetisch zu dem älteren Kind passt. Im konkreten Fall soll das Nabelschnurblut des nun geborenen Jungen der Stammzelltherapie des älteren Bruders dienen. PID für die Erzeugung solcher so genannter „Rettungsgeschwister“ einzusetzen, ist in Frankreich seit 2006 erlaubt. In Großbritannien, USA, Spanien und Belgien wurde das Verfahren bereits angewandt.
(Financial Times Deutschland, 08.02.11) (shm) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/205/kurz-notiert-mensch-und-medizin )

·          

 

 

 

 

G) Genetischer Fingerabdruck

·         Zug-Mörder Glauchau nach 4 Jahren überführt
DNA-Analyse; zufällige Übereinstimmung 1:31 Millionen
(FP Weihnachten 1999)

·         Sachsen führt Gen-Datei ein; insgesamt sollen 40000 Personen erfaßt werden
(FP 17.1.2000)

·         Hund hatte Mann lebensgefährlich verletzt; über DNA des Hundes im Speichel von der Jacke des Opfers Halter gefunden
(Berliner Zeitung 28.7.00)

·         Genprofil in der Regel aus Körperzellen, die aus einer Speichel- oder Blutprobe stammen; dabei sind vor allem die 97% Erbsubstanz interessant, die nicht aus Genen bestehen; aus diesem Füllstoff lassen sich unverwechselbare Merkmale herausfiltern; Wahrscheinlichkeit zufälliger Übereinstimmung: 1:100 Mill. - 1:100 Mrd
(Spiegel 30/2000)

·         Mordfall Adolph: Speichel des Täters an einer Zigarettenkippe am Tatort
(FP 19.4.00, 7.7.2000)

·         Nachweis an Zellen aus dem mumifizierten Herzen: der 1795 gestorbene Junge war tatsächlich Ludwig XVII:
(taz 20/21.4.00)

·         Spur der Kartoffelpest 1845-47
(Spiegel 10/2000 S.204)

·         Mordfall Adolph: Zigarettenkippe am Tatort gefunden, Speichelprobe mit Polizeidatenbank verglichen, mit DNA des Täters identisch, DNA-Probe routinemäßig entnommen (saß wegen schweren Raubes ein)
Freie Presse 7.7.2000

·         beim genetischen Fingerabdruck werden keine (echten, wirksamen) Gene untersucht;
damit werden bei solchen Untersuchungen keine Informationen gewonnen, die etwa Aussagen zu gesundheitlichen Fragestellungen ermöglichen;
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.80)

·         feinste Haarschuppen oder Härchen reichen aus;
Strafprozessordnung schreibt vor, dass nur uncodierte Stellen der DNS analysiert werden dürfen, also der Bereich, der keine Information über Erbgut, Krankheiten oder individuelle Merkmale trägt;

·         aber Kriminalisten hätten auch Interesse am codierten Bereich: Hinweise über Haut-, Haar- oder Augenfarbe, Statur des Täters
(Der Spiegel 42/2001 S.60ff)

·         Gendiagnostik Rechtsmedizin; in nichtkodierenden Bereichen der menschlichen Erbsubstanz (keine GENE) gibt es neben abgeschalteten Pseudogenen eine besondere Form von DNA-Abschnitten, die sich aus Blöcken repetitiver (=sich wiederholender) Sequenzen zusammensetzen.; werden je nach Länge als „Minisatelliten“ (Multi- oder Einzellokus-Systeme mit Repeat-Länge von 15 bis 50 Basen) und „Mikrosatelliten“ (Short Tandem Repeats, STRs mit Repeatlänge von 2 bis 5 Basen) bezeichnet; aufgrund ihrer einfachen Struktur und kurzen Länge STRs für forensische DNA-Analyse gerade alten Spurenmaterials beonders gut geeignet; die genetische Variabilität dieser Systeme beruht auf der tatsache, dass die Anzahl der Wiederholungen für jeden einzelnen dieser Genorte von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist; Mutationen bleiben hier erhalten, Unterschiede von Mensch zu Mensch hier um Vielfaches größer als bei funktionell aktiven Genen;
in der DNA-Datei werden die Untersuchungsergebnisse in Form von 16 Zahlen gespeichert, die den acht untersuchten Genorten zugeordnet werden
(Dtsch. Ärzteblatt 28.1.05 S. A184)

·         wenn man nur die 8 Genorte der deutschen DNA-Analysedatei (DAD) betrachtet, könnte man einen Menschen nicht eindeutig identifizieren (ganze Erdbevölkerung mit einbezogen); ab 12 Genorten kann von einem einzigartigen Profil gesprochen werden (nur eineiige Zwillinge identisch);
Kosten für DNA-Diagnostik in der Kriminalistik in einem Privatlabor eine Analyse für 100 bis 200 Euro, in Landeskriminalämtern vermutlich höher
(GID 170/2005 S.14)

·         für einen genetischen Fingerabdruck stammen alle erfassten Teilstücke der menschlichen DNS aus Bereichen, die keine Gene enthalten; sie sind kurz (short) und bestehen aus einer Grundeinheit, die sich immer wiederholt (repeat); diese short tandem repeats (STRs) sind von Mensch zu Mensch verschieden lang, weil die Grundeinheit unterschiedlich oft wiederholt wird;
in den Laboren der Kriminalbiologen werden acht SRTs analysiert; da das menschliche Erbgut alle Informationen doppelt enthält (einmal vom Vater, einmal von der Mutter), besteht das Ergebnis aus 16 Werten; für die Geschlechtsbestimmung wird zusätzlich ein Merkmalssystem untersucht, das nur in zwei Varianten vorkommt;
statistische Wahrscheinlichkeit für zufällige Übereinstimmung von acht STRs unter mehreren Billiarden Menschen nur 1 x zu erwarten;
deutsche Richter fordern eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 99,8%, um eine Vaterschaft als praktisch erwiesen anzuerkennen;
seit acht Jahren ist es möglich, auch aus alter oder stark geschädigter DNA genetische Fingerabdrücke zu erzeugen;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.7)

·         Gendiagnostik-Gesetz verabschiedet;
Genetische Untersuchungen dürfen nur mit Einwilligung der zu untersuchenden Person und ausschließlich von Ärzten vorgenommen werden.
Erlauben Untersuchungen eine Voraussage über die Gesundheit der untersuchten Person oder eines ungeborenen Kindes, ist eine Beratung vor und nach der Untersuchung vorgeschrieben.
Die vorgeburtliche genetische Diagnostik wird auf rein medizinische Zwecke beschränkt. Bei der Untersuchung dürfen nur Eigenschaften festgestellt werden, die die Gesundheit des ungeborenen Kindes vor oder (direkt, unmittelbar JK) nach der Geburt beeinträchtigen können. Zulässig sind vorgeburtliche Untersuchungen etwa auf das Down-Syndrom, aber nicht pränatale Tests zu Krankheiten, die erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausbrechen können.
Auch Vaterschaftstests sind nur zulässig, wenn die zu untersuchende Person eingewilligt hat.
Ferner dürfen Versicherungsunternehmen von Kunden keine genetischen Untersuchungen oder Auskünfte über bereits vorgenommene Tests verlangen. Geht es allerdings um Versicherungssummen ab 300.000 Euro, müssen die Ergebnisse schon erfolgter Untersuchungen der Versicherung vorgelegt werden.
Arbeitgeber sollen ebenfalls keine genetischen Untersuchungen von Mitarbeitern fordern dürfen. Auch wird ihnen die Verwendung der Ergebnisse von Tests untersagt, die in anderem Zusammenhang vorgenommen wurden. Verwenden dürfen sie Informationen aus Gentests indes, wenn dies aus Arbeitsschutzgründen erforderlich ist.
(Das Parlament 27.4./4.5.09 S.1ff.)

·        


H) Gentherapie

·         Q: SPIEGEL 13/1996 S.194ff.
- den Gentherapeuten ist bis heute noch kein einziger Heilerfolg geglückt: über 100 Therapieversuche mit 600 Patienten - in keinem Fall konnte das Leiden behoben oder auch nur gelindert werden

·         Q: Das Parlament 10.3.95
- Gentherapie angeborener Fehler versucht, gesunde, funktionsfähige satt kranker Gene in die Zelle einzuschleusen
- zwei andere Verfahren versuchen, zu verhindern, daß das bereits vorhandene Gen sich ausprägt und Eiweißmoleküle herstellt: kurze synthetische Einzelketten aus im Prinzip den gleichen Grundbausteinen wie DNA (Oligonukleotide) binden an bestimmte Abschnitte der Zell-DNA und hindern sie daran aktiv zu werden
* Triplex-Verfahren: Oligonukleotid bindet als "dritter Partner" an den DNA-Doppelstrang und verhindert Transkription
* Antisense-Verfahren: greift einen Schritt weiter an, ein synthetischer Gegen-Strang verhindert, daß das m-RNA-Molekül seine Botschaft loswerden kann

·         neue Krebsstrategien:
a) Selbstmord:
Tumorzellen sind unsterblich, weil bei ihnen wichtige Gene geschädigt sind, die gefährliche Zellen normalerweise in den Selbstmord schicken (Apoptose); Strategie: intaktes Gen p53 in Tumorzellen einschleusen
b) Chemotherapie:
gesunde Knochenmarkszellen werden vor der Chemotherapie mit einem Resistenz-Gen versehen, das sie unempfindlich macht gegen Chemotherapeutika;
(bdw 5/2000 S.72)

·         wird zusätzliche Erbanlage in eine Körperzelle eingebracht: „somatische Gentherapie“,
wird ein Gen in eine Keimbahnzelle (Ei- und Samenzellen, Vorstufen davon, totipotente embryonale Zellen der ersten Entwicklungsstufen) eingeschleust: „Keimbahntherapie“;
Voraussetzungen für Erfolge:
a) detaillierte Kenntnis der menschlichen Erbanlagen
b) Übertragungssysteme müssen verbessert werden (Mikro-Injektion direkt in den Zellkern; Liposomen - Kügelchen mit fremdem Erbmaterial durchdringen Zellmembranen: Elektroporation: Elektroschock öffnet kurzzeitig Membran; Partikel-Kanone Schrotschuß; nackte DANN in den Körper injizieren; künstliche Chromosomen 1997; Viren als Gen-Taxis - Integration nach dem Zufallsprinzip, mögliche Störung von Wirtsgenen
c) Gen muß in der Zelle korrekt und zuverlässig arbeiten
d) Möglichkeiten zur Regulation der Tätigkeit des Gens in der Zelle finden
(VFA: Heilen mit Genen)

·         gezielte Konstruktion des menschlichen Erbgutes;
Ziele:
a) Heilung, Therapie, was Krankheits- und Leidensdruck voraussetzt
b) Steigerung von Fähigkeiten (enhancement)
(Dtsch. Ärzteblatt 6/2000 S. A-302)

·         Veränderung des Erbgutes ohne therapeutische Motivation
(Barth, EKD: epd-wochenspiegel 27/2000 S.4)

·         Jens Reich: ich habe einen weiteren Begriff von Gentherapie. Meiner Ansicht nach würden die sinnvolleren Gentherapien nicht darin bestehen, im Genom herumzuarbeiten, ... ein Beispiel wäre, ein wild gewordenes Krebsgen zu hemmen, ohne gleich das ganze Genom zu ändern
(grün und bündig Juni 2000 S.8f)

·         Gentherapie:
Heilende Gene können mit Hilfe von Genfähren (meist modifizierte Viren) in den Zellkern gebracht werden.. Dort übernehmen sie die Funktion defekter Gene. Künftig sollen fehlerhafte Gene in den Keimzellen oder frühen Embryonen punktgenau gegen die intakte Kopie ausgtauscht werden. Die Reparatur vererbt sich auf kommende Generationen. Menschen könnten auf diese Weise auch mit einzelnen zusätzlichen Genen ausgestattet werden.
Künstliche Chromosomen:
Künstliche Menschenchromosomen müssen an den beiden Enden Schutzkappen, so genannte Telomere, enthalten. In der Mitte benötigen sie eine Ankerstruktur, das so genannte Zentromer. Zwischen diese Strukturen können künftig Tausende von Genen geladen werden. Bringt man solche Kunstchromosomen in die Zelle, werden sie bei den Zellteilungen verdoppelt und an die Tochterzellen weitergegeben; sie könnten sich auch auf folgende Generationen vererben.
(die Maus Lucy 10/99 hat ein zusätzliches Chromosom; wenn man derzeit ein einzelnes Gen in fremdes Erbgut einschleust, kann es versehentlich lebenswichtige Gene lahmlegen)
Der Spiegel 15/2000 S.172ff.

·         neue Strategie: zusätzliches gesundes Gen + notwendige Regulatorgene in ein zusätzliches Chromosom einbauen;
weitere Versuche: Stammzellen aus dem Knochenmark eines Patienten entnehmen, mit Viren im Labor verändern, dann wieder einsetzen;
da bei Übertragung mit Viren oft falsche Zellen erreicht werden oder die Immunabwehr die Eindringlinge ausschaltet: Überdosis an Viren (so Todesfall Jesse Gelsinger USA);
(ZDF 16.1.02 Bublath; Gene: zerstörte Hoffnungen?)

·         genveränderte Mäuse, die ein krebshemmendes Eiweiß im Übermaß produzieren (p53), altern deutlich schneller;
Sichelzellanämie: bei Mäusen gelungen, das gesunde Gen in das rote Knochenmark (gemeint sicher: K.-Zellen JK) einzubringen; heilendes Gen nicht natürliche For, sondern gentechnisch hergestellte Variante (sonst nur bei Ungeborenen vorhanden))
(GID 150/2002 S.30f)

·         Heilung von sieben Kindern mit angeborener Abwehrschwäche / Reparatur von Blutstammzellen / Erfolg auch noch nach 3 Jahren
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. März 2002)

·         zwei Kinder geheilt, die an angeborener schwerer Immunschwäche litten;
Virus als Gentaxi, funktionierendes ADA-Gen in Blutstammzellen aus dem Knochenmark der Babys eingebaut, per Injektion zurück
(GID 153, 8-9/2002 S.27)

·         in Paris Kind nach Gentransfer (Retrovirus) an Leukämie erkrankt, leidet an angeborener Immunschwäche (SCID); nach Chemotherapie auf dem Weg der Besserung
(GID 154/2002 S. 26)

·         in Amsterdamer Krankenhaus sollen erstmals gentechnisch veränderte Bakterien im menschlichen Körper freigesetzt werden; chronische Darmentzündung Morbus Crohn; Milliarden von gentechnisch veränderten Bakterien schlucken – Mikroorganismen sollen im Darm als lebnde Arzneifabriken ein entzündungshemmendes Protein herstellen
(GID 154/2002 S. 29)

·         erneut Rückschlag für Gentherapie; bei einem zweiten gentherapeutisch behandelten Patienten in Frankreich Leukämie-ähnliche Erkrankung aufgetreten; Verwendung retroviral modifizierter Blutstammzellen
(taz 17.1.03)

·         seit 12 Jahren werden klinische Versuche mit der somatischen Gentherapie durchgeführt; bis heute wurden weltweit rund 4000 Patienten gentherapeutisch behandelt, etwa 260 davon in Deutschland; bei den meisten dieser Versuche wurden keine therapeutischen Erfolge erzielt; um Gene in Zellen des Patienten einzuschleusen, werden als „Vektoren“ meist Viren verwendet, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie ein neues Gen in die Zellen des Patienten einschleusen können, sie können die Zellen zwar infizieren, sich selbst aber nicht vermehren und keine Krankheiten verursachen; damit das neue Gen korrekt funktioniert, müsste es allerdings an der „richtigen“ Stelle eingebaut werden können, das ist jedoch mit den derzeitigen Techniken nicht erreichbar;
die meisten Gentherapie-Studien zielen mittlerweile nicht mehr auf Erbkrankheiten, sondern auf andere chronische Krankheiten und Krebserkrankungen; dabei wird nicht das ursprüngliche Ziel der Gentherapie verfolgt, Gendefekte zu „reparieren“, sondern therapeutisch wirksame Stoffe im Körper selbst zu produzieren;
(GID 155/2002-2003 S.33)

·         chinesische Gesundheitsbehörden lizensierten im Oktober eine Therapie zur Behandlung bestimmter Tumore im Hals- und Kopfbereich; diese Tumorarten lassen sich in 60% der Fälle auf eine Veränderung des Gens p53 zurückführen, das (hier) ein unkontrolliertes Zellwachstum auslöst; bei der Behandlung wird dem Patienten ein therapeutisches Virus gespritzt („Gendicine“), in das ein gesundes p53-Gen geschleust wurde, die Viren sollen als Vehikel die rettenden Gene in die kranken Zellen transportieren; Behandlung kostet 300 €; klinische Studie: dreimal höhere Heilungsquote im Vergleich zu einer herkömmlich behandelten Vergleichsgruppe (nur Strahlentherapie)
(Freie Presse Chemnitz 27.11.03)

·         University of California in San Diego: Alzheimer-Patienten wurden gentechnisch veränderte Körperzellen direkt ins Gehirn eingepflanzt; Zellen vorher im Labor mit Genen für Herstellung eines Proteins ausgestattet, das den Zelltod hemmt und Bildung von Nervenzellen anregt; bei einigen Patienten geistiger Verfall verlangsamt; verbesserter Stoffwechsel um die transplantierten Zellen herum nachweisbar
(SPIEGEL 17/2005 S.162)

·         zum weltweit ersten Mal haben Mediziner in Frankfurt / Main erwachsene Patienten (Männer 25 und 26 Jahre alt) mit gentherapeutischen Methoden erfolgreich behandelt; angeborene Immunschwäche septische Granulomatose (in D. etwa 100 Patienten bekannt); zeitlebens Bedrohung durch Pilz- und Bakterieninfektionen; in blutbildende Stammzellen mit Hilfe von Viren intakte Kopie des gesunden Gens eingefügt; 50 Tage nach der Genbehandlung waren bestehende Infektionen beseitigt;
gleicher Eingriff 11 Monate später auch bei einem 5-jährigen Jungen in Zürich;
(Freie Presse Chemnitz 3.4.06, Zeit 6.4.06 S.44)

·         einer der Patienten nach (zunächst) erfolgreicher Gentherapie gestorben (Darmdurchbruch und Blutvergiftung): es ist nicht ausgeschlossen, dass es einen Zusammenhang mit der Gentherapie gibt (sagt einer der Leiter der Studie); es könnte aber auch keinen Zusammenhang geben
(taz 5.5.06; Zeit 24.5.06 S.50)

·         Urteil des Landgerichts München: unverheiratete Väter dürfen die Abstammung des Kindes ohne Wissen der Mutter genetisch prüfen lassen;
Probe mit Wattestäbchen aus der Wangeninnenseite genügt; Kosten zwischen 400 und 750 Euro; Diagnosesicherheit über 99%;
Bundesregierung will Test im Gesetz nur zulassen, wenn alle Beteiligten zustimmen;
aber Verwertungsverbot für rechtswidrig erstellte Tests ist derzeit nicht geplant, wer Gewissheit will, muss dann eben Bußgeld oder Strafe zahlen
(taz 11.7.03; Spiegel 30/2003 S. 21, taz 13.8.03)

·         bei DNA-Analysen in der Kriminalistik werden zwar nicht-codierende Anteile der Erbsubstanz untersucht (95%, die keine Gene enthalten); dort werden 8 Abschnitte untersucht
aber das Geschlecht der Testpersonen wird seit Jahren regelmäßig mit erfasst; auch Hinweise auf die Rasse und auf bestimmte Krankheiten (z.B. numerische Anomalien in der Chromosomenverteilung) werden erkannt;
in den Niederlanden Gesetz, wonach auch Hinweise auf die Haar-und Augenfarbe genutzt werden dürften (noch Zukunftsmusik – die Forschung ist noch nicht so weit
(Der Spiegel 28/2003 S.65; 15/2003 S.78)

·         genetische Fingerabdrücke werden von „short tandem repeats“ STRs genommen; sich ständig wiederholende DNA-Abschnitte, bei denen es sich nicht um echte Gene handelt, sondern um „Genschrott“ ohne Inhalt; Länge etwa 150 Basenpaare;
Rothaarigkeit lässt sich bestimmen
(Bild der Wissenschaft 6/2003 S.34)

·         Vaterschaftstests:
für ein paar hundert Euro kann sich jedermann bei DNA-Testlabors Klarheit über seine Vaterschaft erkaufen;
wer der Erzeuger ist, lässt sich heute genetisch belegen, wer der Vater ist steht im Gesetz, der Trauschein gilt praktisch als Vaterschaftsnachweis;
schätzungsweise jedes 10. Kind ist ein Kuckuckskind;
in Deutschland 50000 Tests pro Jahr, 40 Mill.Euro Umsatz; in jedem 4. bis 5. Fall Kuckuckskind;
DNA Tests Kriminalistik:
DNA-Fingerabdruck: ein Set von 8 Zahlenpaaren, jede der Zahlen im Code steht für das, was die Genetiker „Short Tandem Repeat“ (STR) nennen, einen Abschnitt der Erbsubstanz, in dem sich kurze DNA-Sequenzen mehrmals hintereinander wiederholen – wie oft, das verraten die Zahlen des Fingerabdruck-Codes; untersucht werden verschiedene STR-Regionen; Wahrscheinlichkeit für eine zufällige Übereinstimmung bei 2 Personen liegt bei 1 zu 300 Milliarden; Test verraten nichts über äußere Erscheinung oder gar Persönlichkeit des Täters
(Spiegel 4/2005 S.40ff)

·         erfolgreiche Gentherapie-Studie bei Parkinson: 12 Probanden, bei denen sich Symptome mit herkömmlichen Medikamenten nicht mehr lindern ließen, das Gen für ein bestimmtes Enzym (ist an der Herstellung eines Botenstoffs beteiligt) ins Gehirngewebe gespritzt, als Träger dienten Adenoviren;
bessere Beweglichkeit, Krankheitssymptome um 40% reduziert
(GID 179 Dez06/Jan07 S.32)

·         Gentherapie – schwieriger Neustart;
in Paris heilten Ärzte Kinder mit Gentherapie von der tödlichen erblichen Immunschwäche SCID; weltweit 20 Kinder therapiert, fast alle von ihnen sind heute, viele Jahre nach der Therapie, gesund; ein Kind starb an Nebenwirkungen;
Trick: sie entnahmen den Kranken Stammzellen und therapierten diese Zellen im Labor; Knochenmarksstammzellen – können ein Menschenleben lang Zellen mit den heilenden Genen produzieren;
im Labor lässt sich vor der Zelltransplantation überprüfen, ob die Genübertragung gelungen ist;
Allmählich scheint die Gentherapie die Erwartungen, die man seit 20 Jahren an sie richtet, zu erfüllen
(bdw 3/07 S.26ff)

·         Frankreich: Gentherapie für Kinder mit der Nervenkrankheit ALD entwickelt; galt bisher als unheilbar; entschärfte Version des HI-Virus als Trojanisches Pferd eingesetzt; korrigiertes Gen ins Knochenmark erkrankter Kinder geschleust, so sollen fehlerhafte Erbinformationen ausgetauscht werden; ALD wird durch seltenen Gendefekt auf dem X-Chromosom verursacht
(taz 2.11.07)

·         Amerikanische Forscher verhalfen farbenblinden Totenkopfäffchen zum vollen Farbensehen, indem sie Gene in die Photorezeptorzellen der Netzhaut pflanzten. Dies zeige, dass es dem Gehirn von Primaten möglich ist, eine sensorische Fähigkeit neu zu erlernen und zu verarbeiten, und zwar über die plastische Phase des Gehirns in den ersten Lebensjahren hinaus. Sie hoffen, die Gentherapie lasse sich auch dazu nutzen, ähnliche Sehfehler beim Menschen zu behandeln;
die Forscher injizierten ein menschliches L-Opsin-Gen unter die Netzhaut der farbenblinden Affen
(Die Zeit 17.9.09 S.44; taz 18.9.09 S.18)

·                      

 

 

I) somatische Gentherapie

·         Bewertung: wie konventionelle Therapie, prüfen, ob die Methode sicher ist, ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird und der Patient nach Aufklärung frei zustimmt
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)

·         Gentherapie für Bluterkrankheit Hämophilie B
bei weltweit rund 80000 Betroffenen ist das Gen für den Blutgerinnungsfaktor IX defekt. Mit Hilfe des so genannten Adeno-associated Virus (AAV) als Genfähre wurde ein intaktes Gen in die Skelettmuskelzellen der Patienten eingeschleust – mit Erfolg: sechs von 9 Testpersonen in den derzeit laufenden klinischen Studien bilden seitdem anhaltend den Faktor IX; die Konzentration des Faktors IX im Blut ist für einen nachhaltigen therapeutischen Erfolg noch zu gering
(Bild der Wissenschaft 4/2001 S.8)

·         Unbeabsichtigte Verschleppung durch Gentherapie
Bei einem Patienten, der sich einer Gentherapie unterzogen hatte, entdeckten Wissenschaftler der Stanford-Universität bei Kontrolluntersuchungen Spuren des als Gentaxi verwendeten Virus in der Samenflüssigkeit; Die Experten halten das Risiko, daß gentherapeutisch behandelte Patienten unbeabsichtigt fremdes Erbmaterial an ihre Nachkommen weitergeben könnten, für eher gering. Männliche Patienten werden grundsätzlich dazu angehalten, Kondome zu verwenden
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. Januar 2002, Nr. 5, Seite 34)

·         Versuche zur Herstellung eines Präparates für Hämophilie-B-Kranke (COAGULIN B); mit Adenoviren Gerinnungsfaktoren produzierende Gene in Muskelzellen geschleust; in der Samenflüssigkeit (nicht in den Samenzellen) eines Probanden Gensequenzen des Adenovirus gefunden
(taz 1.2.02)

·         Gentherapie gegen Parkinson;
USA; ein Gen zur Ankurbelung des Stoffwechsels in bestimmte Hirnregionen eingebracht; mithilfe eines „entschärften“ Virus; bei 9 von 12 Patienten Verbesserung der Symptome
(GID 185 Dezember 2007 S.29)

·         erste Erfolge bei erblichen Erblindungen und anderen Augenkrankheiten erzielt;
mit Virenbestandteilen als Gen-Fähren injizierten Mediziner den Patienten die korrekte Version dess Gens unter die Netzhaut, die Pigmentzellen konnten daraufhin das korrekte Sehpigment herstellen; vor allem jüngere Patienten profitierten davon (8-11 Jahre); Ergebnisse nach 1 Jahr weiter stabil
(taz 4.7.2010 S.18)

·         erstmals konnte einem an der erblichen Blutkrankheit Beta-Thalassämie leidenden Patienten mittels einer Gentherapie geholfen werden;
ein 18-jähriger Patient erhielt Blutstammzellen, bei denen das fehlerhafte Gen (nicht genügend Produktion von Hämoglobin) ersetzt worden war. Die Blutstammzellen kamen von dem Patienten selbst, um das neue Gen in die Zellen einzuschleusen, nutzen die Forscher eine von dem AIDS-Virus abgeleitete Gen-Fähre;
Patient muss seit über 2 Jahren keine Bluttransfusion mehr erhalten;
es sei noch nicht ganz sicher, ob nicht ein „bösartiger“ Nebeneffekt eintrete
(taz 17.9.2010 S.18)

·          

 

J) Keimbahn-Gen-Therapie

·         das Unterlassen einer K. sei unter Umständen „verwerflich“, wenn man damit Generationen von der Bluterkrankheit heilen könne (evangelischer Theologieprofessor Neutestamentler Heidelberg Klaus Berger)
(epd-wochenspiegel 26/2000 S.7)

·         (Erbkrankheit theoretisch zu heilen, indem alle kranken Zellen repariert werden);
Die Therapie der Keimbahn dagegen müßte nur an einer von vielen Keimzellen gelingen, die zudem noch kein Embryo mit seinem Lebensrecht ist, so daß eine mißlungene Operation keine Tötung eines Organismus, sondern nur die mißlungene Benutzung einer einzelnen Zelle darstellt;
K. derzeit noch im tierexperimentellen Stadium; man kann prognostizieren, daß sie einmal technisch einfacher und sicherer werden könnte als jede Körperzelltherapie;
gentechnisch veränderte Merkmale können heute schon bei Mäusen durch ein Stoffwechselsignal angeschaltet werden: so könnte theoretisch ein Mensch bei einem Merkmal, das sich erst im Erwachsenenalter ausprägen muß, selbst entscheiden, ob er der in der Keimbahn seiner Eltern vorbereiteten Genveränderung für deine Person zustimmen möchte oder nicht;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)

·         der evangelische Theologieprofessor Klaus Berger (Heidelberg) befürwortete Eingriffe in die menschliche Keimbahn, wenn es um lebensverkürzende schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose oder Bluterkrankheit gehe;
(epd-Wochenspiegel 51/52/2000 S.8)

·         verbietet sich aus drei Gründen:
nicht ausgereift, zu hohes Risiko
zur Entwicklung ist verbrauchende Embryonenforschung nötig
Gefahr des Missbrauchs zur Menschenzüchtung
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)

·         USA gelungen, zwei entscheidende Bausteine von Chromosomen zu klonieren: Zentromere, die bei der Zellteilung die für die Weitergabe der verdoppelten Chromosomen an die Tochterzellen sorgen, und Telomere, die beide Enden eines Chromosoms abschließen; zwischen diese Bausteine neue Erbgut eingebaut und künstliche Chromosomen geschaffen, die allerdings nur 1/20 so groß sind wie das kleinste natürliche menschliche Chromosom
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.130ff)

 

K) Grüne Gentechnik

·         Q: Das Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- S.34: Herbizidresistenz: Problem der unbekannten Stoffwechselprodukte bei Aufnahme und Abbau durch Tiere und Pflanzen
- S.36: ökologische Gleichgewichte geraten durch Freisetzungen evtl. aus den Fugen (Geschwindigkeit evolutionärer Prozesse weit übertroffen, natürliche Gegenspieler?)
- S.44: Freisetzung von GVO: Umweltbereich: Abbau von Schadstoffen, Beseitigung von Schwermetallen, biologische Schädlingsbekämpfung

·         Q: TV "Herren der Schöpfung" 25.3.93
- Petunienversuch Köln 1990: wenige Petunien sollten weiß blühen (springende Gene?); fast alle waren weiß!; Leiter des Versuchs: "Das verstehen wir überhaupt nicht."

·         Q: Besuch AGU bei KWS (Kleinwanzlebener Saatzucht Tochterfirma PLANTA, Wetze bei Goslar) 11.10.93
- Basta-Resistenz-Gen ist in Rhizomania-Rüben aus züchterischen Gründen drin (neben Antibiotikum-Resistenz notwendig als Marker-Gen, um veränderte Pflanzen erkennen und selektieren zu können), seit 1991 gibt es Methoden grundsätzlich ohne Resistenz-Gen, aber bisher nicht für Zuckerrüben
- Virushüllen-Produktion: nicht vergleichbar mit Impfung, Pflanzen haben kein Immunsystem!

·         Q: Barabara Weber, Öko-Inst. Freiburg 9/93
- Niedersachsen: ausgerechnet die normalen Hanfpflanzen, die den Pollenflug der Zuckerrüben bremsen sollten, wuchsen nicht so schnell wie vorgesehen
- drei neue Gene:
* Hüllprotein des Rübenadernvergilbungsvirus
* Resistenzgen gegen Antibiotikum Kanamycin (Verwendung auch in der Tier- und Humanmedizin)
* Resistenzgen gegen Totalherbizid BASTA
- unerwünschte Verbreitung möglich? - kreuzbar mit anderen Kulturformen sowie Wildform, Aufnahme der veränderten Gene durch Bodenmikroorganismen (dort auch Krankheitserreger), Verunkrautungspotential der Zuckerrübe: Samen bleiben 10 a keimfähig, aus Rübenstücken können sich ganze Pflanzen regenerieren, Z-Rüben sind bedingt winterhart

 

·         (Ohne Quelle: eigene Zusammenstellung JKrause etwa 1996)

Kritische Begleitung von Freisetzungsversuchen gentechnisch veränderter Pflanzen

0. in OECD-Ländern von 1986 bis 1992 850 Freisetzungsversuche auf 1106 Versuchsflächen; 73% davon (618 total) in USA und Kanada, in Deutschland bis 1992: 2 Versuche (BAYERN: Gentechnik S. 126; BMfG: Gentechnik S.18)

1. Grundsätzliche Anfragen:
- Fragen nach dem Sinn und Ziel zu stellen und nach der Verantwortbarkeit der eingesetzten Mittel;
Sind die Versuche überhaupt not-wendig?
Welche "Not" soll damit "gewendet" werden?
Ist weitere Produktivitätssteigerung plausibel, da ohnehin in der EU und Deutschland Überschußproduktion in der Landwirtschaft?
- Begründung fragwürdig?:
* Argument dafür: krankheitsresistente Pflanzen züchten, um Chemikalieneinsatz drastisch zu verringern, damit ökologische Belastungen verringern -
Chemiefirmen würden sich damit selbst bedeutenden Markt beschneiden!;
es werden aber mehrheitlich gar nicht krankheits- sondern herbizidresistente Pflanzen in Freisetzungsversuchen getestet (international bis 1993: 58% aller Freilandversuche - BAY S.128) bzw. auch patentrechtlich geschützt (neue Märkte schaffen, Abhängigkeiten der Saatgut-Käufer von bestimmten Chemikalien programmiert?);
erreichte Resistenzwirkungen wahrscheinlich nur kurzfristige Lösungen: Schadorganismen passen sich schnell an
- Argumente dafür: Leistungssteigerung, Kostenminderung -
nach Auswirkungen auf Märkte, Agrarstruktur, Landschaft, Pflanzengesundheit, Produktqualität, Verbraucherakzeptanz wird selten gefragt
- Argument dafür: Hunger in der Dritten Welt verringern -
das Hungerproblem ist in erster Linie ein Problem mangelnder Beschäftigung und Kaufkraft der Armen und nicht ein Problem global fehlenden Nahrungsmittelangebots

2. Risiken für Landwirtschaft (agrarsoziale Bedenken)
- Weg weg von der bäuerlichen Produktion hin zur industriellen Landwirtschaft, zum Bioreaktor; Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen wird behindert
- Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gehen verloren;
- "Gentechnologie ... ist für die Entwicklung einer flächendeckenden, sozial- und umweltverträglichen Landbewirtschaftung nicht notwendig" (Studie des Aussschusses für den Dienst auf dem Lande der EKD - 1994: "Bio- und Gentechnologie in der Landwirtschaft")
- Entstehen von Monopolen in Züchtung und Landwirtschaft wird begünstigt, Abhängigkeit der Landwirte und kleinen Zuchtbetriebe von großen multinationalen Saatgut- und Agrokonzernen (BAY S.79)

3. Risiken durch Gentechnik
- Gentransfer / Auskreuzen (Übergehen der neuen Eigenschaften durch natürliche Vermehrungsmechanismen wie z.B. Pollenflug; Transfer der rekombinanten DNA durch Befruchtung) auf verwandte Kulturformen und Wildkräuter sowie auf Bodenmikroorganismen (Übertragung auf nicht-sexuellem Weg);
- Verwilderungsgefahr: unerwünschte, nicht rückholbare Ausbreitung der gentechnisch erzielten Eigenschaften schwer kalkulierbar (z.B. ungewollte Resistenz von Wildpflanzen, Entstehung neuer robuster Unkräuter, d.h. Pflanzen, die ohne menschliche Pflege überlebensfähig sind und sich im Ökosystem schnell durchsetzen)
- mögliche nicht gewollte Folgen (auf Wohlbefinden und Gesundheit von Menschen und Tieren, z.B. Allergien, toxische Wirkungen) durch Inhaltsstoffe in Produkten aus gentechnisch veränderten Pflanzen; oft mehrere Gene verändert, Veränderung eines Gens kann mehrere Wirkungen haben
- Patentierung:
Sortenschutz mit seinem "Landwirteprivileg" wird ausgehebelt (Erntegut von geschützten Sorten darf erneut zur Aussaat verwendet werden), "Züchtervorbehalt" gefährdet (geschützte Sorten dürfen bisher frei zur Weiterzucht verwendet werden)
Landwirtschaft ist auf Hochleistungs-Saatgut und die dafür maßgeschneiderten "Hilfsstoffe" (z.B. bestimmte Pestizide) alternativlos angewiesen,
besonders Dritter Welt drohen neue Abhägigkeiten und schwer tragbare Lizenzgebühren

4. veränderte Gene bei Freisetzungsversuchen
4.1. Schädlingsresistenz
a) Bakterienart bacillus thuringiensis produziert Eiweißstoffe, die für bestimmte Fraßschädlinge (z.B. Schmetterlingsraupen und Fliegenlarven) giftig sind; Gene für diese Toxine in Nutzpflanzen übertragen; zusätzlich Regulations-Sequenzen, damit das Bakteriengift nur bei Fraßbefall produziert wird; erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingsbefall nachgewiesen; unklar, ob Schädlinge Resistenzen entwickeln
b) gentechnische Strategie gegen Virusbefall: Beobachtung, daß Pflanzen, die mit einer vergleichsweise harmlosen Virus-Variante infiziert sind, gegen stärker pathogene Formen derselben oder verwandter Viren resistent sind; entscheidender Faktor für diesen Schutzmechanismus ist das Hüllprotein des Virus; Gen zur Herstellung dieses Hüllproteins wird gentechnisch in Nutzpflanzen eingebracht; Anwendung z.B. gegen Rhizomania (="Wurzelbärtigkeit") der Zuckerrübe
4.2. herbizidresistente Pflanzen
Resistenzgene gegen Herbizide werden auf Nutzpflanzen übertragen; stammen aus Mikroorganismen, die entweder Herbizide abbauen können oder selbst herbizide Substanzen produzieren und sich vor den eigenen Stoffwechselprodukten schützen müssen;
4.3. Pflanzen mit verbesserten Qualitätseigenschaften
nachwachsende Rohstoffe; z.B. Stärke aus Kartoffeln für Papierherstellung, Chemikalien, Pharmazeutika, Klebstoffe, Textilbereich, Kunststoffe; natürliche Kartoffel enthält zwei Stärkekomponenten: Amylose und Amylopektin, Trennung schwierig; Ziele der Gentechnik: nur noch eine Stärkekomponente (95% Amylopektin erreicht) und gleichzeitig weniger aber größere Knollen (15-30% mehr Trockenmasse erreicht)

·         Q: Das Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- Ziele der Genübertragung bei Pflanzen:
* Ertragssteigerung
* Qualitätsverbesserung (Anpassung von Nährstoffgehalt, Stärke, Zucker, Fettsäuren, Wirkstoffen, Haltbarkeit an industrielle Verwertung bzw. Verbraucherwünsche)
* Resistenzerwerb (Umweltfaktoren wie Kälte, Dürre, hoher Salzgehalt, Schädlinge, Herbizide)

·         Q: HH Böhm:
- Einspruch gegen Freisetzungsversuche weniger wegen der ökologischen Risiken als wegen der langfristigen sozio-ökon. Folgen für die Landwirtschaft

·         Q: taz 18.3.96:
- mit Gen der Paranuß neu-gestylte Sojabohnen (Ziel: Aminosäuren Methionin und Zystein fehlen der Sojabohne; Gen der Paranuß implantiert, das Eiweiß herstellt, beide AS im Protein 2s-Albumin enthält): starke allergische Reaktionen bei Hauttests

·         Q: Spiegel 12/96 S.104ff.
- in letzter Zeit häufen sich Indizien dafür, daß sich manipuliertes Erbgut leichter in der Umwelt verbreitet als bisher angenommen:
* Dänemark: in Raps eingebaute Gene können leicht auf verwandte Wildpflanzen überspringen (Basta-Resistenz Hoechst); Raps ist eine Kreuzung aus Rübsamen und Kohl, läßt sich leicht rückkreuzen: schon nach zwei Generationen erhielten die Forscher fortpflanzungsfähige Rübsamen-Wildpflanzen, die die Basta-Resistenz vom Raps geerbt hatten; evtl. könnten auch alle Kohlsorten über Pollen "angesteckt" werden...
* Schottland: Rapspollen können noch in zweieinhalb km Entfernung andere Pflanzen befruchten

·         Q: FP 21.2.96
- erster Gent.-Test auf Sachsens Feldern - Gaußig südwestlich von Bautzen
- Firma Hoechst Schering AgrEvo GmbH will herbizidresistente Zuckerrüben, Mais und Raps pflanzen

·         Q: taz 6./7.4.96
- * EU-Kommission läßt genmanipulierte Soja in Europa zu, ohne Kennzeichnung
* resistent gegen Totalherbizid "Round Up" des US-Multis Monsanto
* in den USA sollen 10% der Anbaufläche mit dieser Sojasorte besät werden
* Öl muß auch nach der geplanten Novel-Food-Richtlinie nicht gekennzeichnet werden, da veränderte Erbinformation im Öl nicht nachweisbar

·         Q: Sachstandsbericht Dr. Kordecki AGU-Sitzung Müritzsee 4.-6.3.96
- Patentierung:
* zur Zeit drei Patente beim EPA auf Säugetiere erteilt
* Patentierungsrichtlinie EU: am 1.3.95 erster Entwurf der Kommission vom Europ. Parlament abgelehnt
* jetzt Veränderungen:
  a) Keimbahntherapie beim Menschen ausgeschlossen
  b) Landwirteprivileg (Weiterzucht für Nutzung im eigenen 
     Betrieb) auch für Tiere
  c) klare Grenze soll gezogen werden zwischen Erfindungen
     (patentierbar) und Entdeckungen (nicht p.);
     keine Patentierung von Menschen und Teilen des menschl.
     Körpers
  aber sehr unscharf formuliert!
- Novel-Food- Verordnung:
* Zulassung neuartiger Lebensmittel und Lebensmittelzutaten
* BRD im Ministerrat gegen vorliegenden Entwurf, da Kennzeichnung nicht ausreichend
* EU-Kommission hat vor wenigen Tagen erstmals in Europa eine gentechnisch veränderte auch für die Lebensmittelproduktion relevante Nutzpflanze zum Anbau freigegeben: "Basta"-resistenter Raps (belgische Firma Plant Genetic Systems); statt vorgesehener Kennzeichnung "manipuliert zur Herbizidresistenz" nur Aufschrift "herbizidresistent"; (Brief Hennig/Bayern:) es ist schwer zu begreifen, daß Vermarktung ermöglicht wird, obwohl andernorts in Europa noch Sicherheitsrisiken der Freisetzung an Gen-Raps erforscht werden

·         ZDF 10.5.98 „Machtspiele“ (MONSANTO)
* 1997 USA: 12,2 Mio ha gent. Veränderte Kulturpflanzen (bei Mais 14%, Soja 20%, Baumwolle 21%, Raps 42%) - Deutschland gesamt 12 Mio ha Ackerfläche!
* MONSANTO-SLOGAN: Food-health-hope, in Grün/Gold (aus grün mach Gold!)
* Technik: Beschuss von Pflanzenteilen ais speziellen Patronen mit Goldstaub-Partikeln, fremde Gene drauf, Blatt wird nach Beschuss zerteilt, wächst dann auf Nährboden mit Antibiotika
* Motto des Konzern-Chefs: „A good plan violently (brutal, leidenschaftlich, ohne Zögern) executed now is better than a perfect plan next week.“
* ein Ziel: 2003 farbige Baumwolle

·         taz 12.8.98:
Störfall Kartoffel: gentechnisch veränderte Kartoffeln bei Verfüttern an Ratten: Wachstumsstörungen und Schädigung Immmunsystem

·         bild der wissenschaft 8/98, S.102:
Pflanzen gentechnisch sterilisieren: in zweiter Generation nicht mehr keimfähig;
Ziel: keine unerlaubte Nachzucht
Gefahr: Übertragung der Sterilität durch Pollenflug auf andere Sorten (das wäre der große Unfall der Gentechnik!)

·         taz 6./7.6.98:
Antibiotikaresistenzen; Forschungsergebnisse Deutschland: Bakterien übernehmen Resistenzgene aus gentechnisch veränderten Pflanzen

·       Spektrum der Wissenschaft, 5/98 S.96:
Mais- oder Hirsezünsler in Europa beheimatete Schmetterlingsart, bedeutendster Maisschädling, Bt-genmanipulierte Pflanzen als GIFT, Population müßte um 98% reduziert werden,  nach bisherigen Erfahrungen USA nur 90% Wirkungsgrad erreicht, bisher bilden 1-5% der Pflanzen das Gift nicht

·         Publik-Forum 1/98 S.10
* niedersächsisches Landesamt für Ökologie: gentechnisch veränderter Raps gibt seine Eigenschaften an andere Pflanzen in der Umgebung weiter
* Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau: Bt-Genmais macht nicht nur Schädlingen, sondern auch Nützlingen (Fraßfeinde des Maiszünslers) den Garaus

·         GID 128 8/98 S.5
gentechnisch veränderte Zitterpappel in Schleswig-Holstein blüht bereits im dritten Jahr (normal: erst nach 7-14 J.); Gen verursacht u.a. Kleinwuchs

·         GID 128 8/98 S.13
- MONSANTO
Sojafelder ROUNDUP-Resistenz: 10-30% weniger Herbizide
Forschung „zweite Generation“: Raps mit veränderter Fettsäurezusammensetzung oder Baumwolle, die blauen Farbstoff für Jeans selbst bildet
- Europäer könnten (teurere) gentechnikfreie Soja für 1999er Ernte bestellen
- Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen USA (ha 1998)
Soja 40%, Mais 30%, Baumwolle 43%, Kartoffeln 5%, Raps (Kanada) 40%

·         BMU Umweltgutachten 1998 Kurzfassung S.33
herbizidresistente Pflanzen lassen weder nennenswerte wirtschaftliche Vorteile noch erhebliche ökologische Veränderungen erwarten;
Beobachtung der Auskreuzung auf Wildarten trotzdem über die gesetzlich vorgeschriebene Versuchsbeobachtung hinaus gefordert;
der Zustand der relativen Unbedenklichkeit könnte sich schon bald ändern, wenn in Zukunft Fremdgene eingesetzt werden sollten, die mehr umweltrelevante Eigenschaften ausweisen und ein Überleben unter extremen Umweltbedingungen wie Hitze, Kälte, Trockenheit, Nährstoffmangel oder Salzstress ermöglichen. Solche transgenen Pflanzen oder die ihnen vermittelten Eigenschaften werden sich erfolgreich einbürgern und ausbreiten

·         UBA fordert seit Jahren Verzicht auf Antibiotika-Resistenzgene in Pflanzen; das Robert-Koch-Inst. hat sich dieser Position angeschlossen;
Schädlingsresistenzen oder Widerstand gegen Umweltstressoren wie Kälte, Trockenheit, salz evtl. Verbesserung der Überlebensfähigkeit von Pflanzen in der natürlichen Umwelt;
BT-Mais: zwar Rückgang des Zünsler-befalls um 90%, aber trotzdem Einsatz von Insektiziden gegen andere Mais-Schädlinge;
Maispflanzen scheiden Toxin in wesentlichen Mengen über die Wurzeln aus; könnte erhebliche Auswirkungen auf Boden-Organismen und - funktionen haben(UBA Jahresbericht 1999 S.80ff.)

·         Weniger Spritzmittel?
(Tappeser: GID 137/99 S.25)

·         Grüne G. bringt den Bauer keinen Profit
(Strodthoff: Kreuzschnabel 8-Nov./99 S.19)

·         Juli 1999 empfahl US-amerikanische Tochter der Deutschen Bank, sich von Aktien an gentechnik-Unternehmen zu trennen; Grund: Ablehnung von Gen-Food durch den Verbraucher
(Ökologie und Landbau 1/2000 S.24)

·         Deutscher Bundestag, Bericht des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (DS14/1716 vom 4.10.99):
Bericht stellt ausdrücklich fest, daß ein flächendeckender Wandel zu einer nachhaltigen Landwirtschaft von zentraler Bedeutung für eine dauerhafte Erhaltung der Biodiversität wäre. Die Prinzipien des ökologischen Landbaus könnten hierbei wichtige Leitlinien liefern.
(Forum 58 Januar 2000 S.55)

·         agrobacterium tumefaciens - neues Gen wird irgendwo eingebaut, stört manchmal die Wirkung anderer Gene
(arte 9.5.00 Archimedes)

·         Reis für Allergiker
Story dazu GID 123/Dez.97/S.14f.

·         Rolf Jähnichen, Landwirtschaftsminister Sachsen, kritisiert Form der Genzüchtung
grundsätzlich für gentechnische Forschung in der Landwirtschaft;
kritisch zur Züchtung herbizidresistenter Nutzpflanzen;
Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel würde letztlich wieder ansteigen;
sein Haus wird sich an Freilandversuchen dieser Art nicht beteiligen
(FP 30.12.97)

·         Saatgutunternehmen KWS produziert ungewollt doppelt-resistente Rüben (gegen LIBERTY und ROUNDUP resistent); Pollenflug im Gewächshaus?
GID 142 10-11/2000 S.15

·         24.8.2000 Inkrafttreten der neuen europäischen Bio-Verordnung für Lebensmittel;
jetzt neben Regelungen für pflanzliche Nahrungsmittel auch Mindeststandards für Tierhaltung;
Gentechnik ist in BIO-Produkten untersagt
GID 142 10-11/2000 S.41

·         der Anteil gentechnisch veränderter Pflanzen am Weltmarkt wird für das Jahr 2000 auf 10% geschätzt
Das Parlament 22.9.2000

·         Bacillus thuringiensis (Bt): inzwischen kennt man über 300 Stämme, die unterschiedliche, gegen ganz bestimmte Insektenlarven gerichtete Toxine produzieren
Dtsch. Ärzteblatt 28-29/2000 S.A1971

·         „Die Behörde ist im Verfahren an die Genehmigungsvoraussetzungen des § 16 Abs. 1 GenTG gebunden. Im Rahmen dieser gesetzlichen Bestimmung sind allgemeine, politische, ethische, religiöse, soziale, sozioökonomische, ökonomische, psychologische oder gesellschaftliche Gesichtspunkte nicht zu berücksichtigen.“
Robert-Koch-Institut Berlin, Bescheid zum Antrag der Deutschen Saatveredlung Lippstadt-Bremen GmbH ... auf Genehmigung von Freisetzungen ... mit gentechnisch veränderten Rapspflanzen ... am Standort Planitz ... (9.8.1996)

·         Gensoja als Futterersatz für das verpönte Tiermehl?
“... keine Lösung ... Hier würden wir von einem Risiko ins nächste schlittern.“
Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann
Taz 12.12.2000

·         Gentechnisch veränderte Mikroorganismen Einsatz in der Landwirtschaft
Gentechnik-Nachrichten Spezial Nr.5 (25.10.2000 Mail Kordecki)

·         Beatrix Tappeser: (S. 10f. Herbizide) die alten Herbizide sind ökologisch und gesundheitlich als viel problematischer einzustufen als die so genannten modernen Herbizide... der unbestreitbare Fortschritt in der industrialisierten Landwirtschaft der letzten zehn Jahre, bestimmte veraltete, sehr problematische Herbizide ausgemustert zu haben...
Dokumentation Heinrich-Böll-Stiftung Nr.5: Grüne Gentechnologie, Mai 2000, S.

·         erstmals das komplette Erbgut einer Pflanze entschlüsselt: Kraut namens Ackerschmalwand
(Der Spiegel 51/2000 S.239)

·         Inst. für Pflanzengenetik Gatersleben: gelungen, Spinnengene in das Erbgut von Tabak- und Kartoffelpflanzen zu schleusen, Eiweiße, aus denen die Tragfäden bestehen,
(Berliner Zeitung, Wissenschaftsbeilage, 31.1.2001)

·         Malaysia: Gummibaum, der menschliches Eiweiß herstellt, Gen für ein menschliches Bluteiweiß, das auf Intensivstationen verwendet wird, Kautschuk ist nach Abtrennung des Eiweißes an die Gummiindustrie verkäuflich
(taz 23.2.01)

·         2000: 44 Mill. Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit angebaut; = + 11% gegenüber 1999;
1996 erstmals Anbau, 6 Länder; 2000 13 Länder;
74% herbizidtolerant, 19% insektenresistent, 7% beides
(GID 144 S.18)

·         Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) Bericht 2001
Probleme der Menschheit können dramatisch gemindert werden durch konsequente und entwicklungsorientierte Nutzung neuer Technologien ... bis zur genetischen Optimierung der Landwirtschaft;
Potenzial der Biotechnologie riesig, Tropenkrankheiten bekämpfen, Einsatz bei Schwierigkeiten von Ackerbau und Viehzucht, höhere Erträge und größerer Nährwert,
(taz 11.7.01)

·         US-Umweltschutzbehörde EPA empfiehlt den amerikanischen Landwirten seit einiger Zeit, mindestens 20% ihrer Anbaufläche mit herkömmlichen Sorten zu bestellen, damit sich Insekten, die nicht gegen Bt-Proteine resistent sind, weiterhin entwickeln können;
Monsanto meistverkauftes Herbizid ROUNDUP Branchenführer: Hälfte des Umsatzes im vergangenen Jahr- 2,6 Mrd. $;
Bt-Baumwolle wird bis zur Ernte  nur zweimal besprüht, herkömmliche Baumwolle achtmal;
Roundup ist biologisch nicht so gut abbaubar, wie der Konzern behauptet;
durchschlagendes Argument in der Öffentlichkeit zugunsten der Biotechnologie: weniger Pestizide im Essen. (Monsantos Strategie: den Verbraucher davon überzeugen, dass der Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel weniger schädlich sei als der Verzehr von Nahrungspflanzen, die mit Herbiziden besprüht wurden);
Entwicklung einer transgenen Pflanzensorte kostet 200 bis 400 Millionen Dollar und dauert zwischen 7 und 10 Jahren
(taz 10.7.01 Beilage Le Monde diplomatique S.10)

·         Trefferquote beim Einbau fremden Erbgutes in Pflanzenzellen gering: 1:10000;
nach Angaben des Herstellers schneller Abbaubarkeit von Glyphosat im Boden und die Unmöglichkeit der spontanen Resistenzbildung bei Unkräutern postuliert – beide Angaben sind inzwischen widerlegt: die Halbwertzeit im Boden kann Jahre betragen, und das Auftreten resistenter Unkräuter wurde inzwischen auch von der Industrie bestätigt;
Entgegen den Zielvorgaben von Wissenschaft und Industrie hat die schnelle Kommerzialisierung von transgenen Nutzpflanzen der ersten Generation keinen nachgewiesenen ökologischen Vorteil erbracht; ob ökologische Nachteile durch gentechnisch induzierte Antibiotika-, Herbizid- oder Insektizid-Resistenzen auftreten, wurde nicht ausreichend erforscht;
(Nahrungsmittel zwischen Natur und Retorte, GSF München 2000, S. 64ff.)

·         sowohl bei Agrobakterium als auch bei der Genkanone steigt die Erfolgsrate selten über 1:10000 pro Zelle
(EIBE Informationseinheit 9, 2000, S.3)

·         Präsident des Bundesamtes für Naturschutz fordert Verbot der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft
(taz 1./2.9.01)

·         Durchbruch bei Genpflanzen;
Uni Münster und Uni Freiburg,
bisher Gefahr: unkontrollierte Weitergabe von gentechnisch verändertem Erbgut über Pollenflug (Zellkerne männlicher Zellen);
jetzt: Veränderung des Erbguts nicht in den Zellkernen, sondern in Chloroplasten (tausende in jeder Zelle, außerhalb des Zellkerns, werden nur von der „Mutterpflanze“ an die Frucht oder den Samen weitergegeben und sind in männlichen Pollen nicht enthalten); Methode: neue Gene auf Goldkügelchen aufgebracht und in Chloroplasten „geschossen“;
jetzt erreicht: genügend hohe Konzentration der gentechnisch neu produzierten Stoffe auch in Früchten von Tomaten (bisher vor allem nur in Blättern)
(taz 3.9.01)

·         Mais-Pollen – Einfluss auf Larven des Monarch-Falters
neue Studien, Risiko kleiner als angenommen, Larven müssten Pollenmengen aufnehmen, die in der Natur selten vorkommen
(AP 27.8.01)

·         China: Gene aus Pflanzen, die auf stark salzbeeinflussten Standorten wachsen (z.B. Mangroven) erfolgreich in Tomaten, Auberginen, Chili eingepflanzt; weitere Vorhaben: Reis und Wein
(AGNET 11.7.01)

·         Bericht der EU-Kommission: genetisch veränderte Pflanzen für menschliche Gesundheit und Umwelt weitestgehend ungefährlich; gelte auch für aus ihnen gewonnene Lebensmittel; wegen genauerer Techniken und strengerer amtlicher Überwachung Produkte wahrscheinlich sogar sicherer als konventionelle Pflanzen und Lebensmittel; Ergebnis von 400 Projekten zur Biosicherheit über 15 Jahre
(dpa Oktober 2001)

·         2001 wurde weltweit auf 50 Mill. Hektar GVO-Pflanzen ausgesät (+ 6 Mill. ha gegenüber 2000);
USA: bei Baumwolle und Soja 2001 deutlich mehr transgenes Saatgut; den meisten Farmern bringen die herbizid- und insektenresistenten Sorten offenbar zählbare Vorteile; anders bei Mais in USA – hier stagnieren die bestellten Flächen
(TransGen-Informationsdienst 23/ 22.10.01)

·         Salztoleranter Gentech-Raps mit guten Erträgen
wachsen bei 200 MilliMol Kochsalz, die jede normale Nutzpflanze abtöten (zum Vergleich: Meerwasser hat 530 MilliMol)
(Berliner Zeitung 17.10.01)

·         einige wenige große Konzerne beherrschen den weltweiten Saatgutmarkt;
knapp zwei Dutzend dominieren 50% des globalen Saatgutmarktes, darunter Monsanto, Pioneer und Novartis
(GID 147 – 8-9 2001 S. 19)

·         93 % der US-Amerikaner fordern Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln; 57 % würden diese dann eher nicht kaufen;
68 % der Sojabohnen in USA gentechnisch verändert – im Vorjahr waren es noch 54%
(GID 147 – 8-9 2001 S. 18)

·         Gentech-Tomaten in USA gezüchtet, die problemlos auf salzhaltigen Böden wachsen können, bei Salzgehalten, die normalerweise jedes Wachstum ausschließen; Salzabbau wurde mit nur einem Gen in Gang gesetzt, das aus der Ackerschmalwand stammt;
(GID 147 – 8-9 2001 S. 15)

·         Anbau von Gentech-Soja steigert Pestizideinsatz;
Daten des US-Landwirtschaftsministeriums, beim Anbau von Roundup-Ready-Soja Herbizideinsatz durchschnittlich 11,4% höher als beim Anbau konventioneller Sorten,in einigen Fällen sogar bis30% höher, außerdem mit RRSoja ein 5-10% niedrigerer Ertrag erzielt
(GID 146 – 6-7 2001 S. 19)

·         „Goldener Gen-Reis für die Armen“;
Interview mit dem Miterfinder Potrykus (ETH Zürich); kein Allheilmittel; 200-300 Gramm täglich reichen, um Tagesbedarf an Vitamin A zu decken; derzeit wird die neue Eigenschaft auf lokale Reissorten übertragen, wird in 5 Jahren die Bauern vor Ort erreichen; es wird Tausende lokale Sorten geben; 70 Patente genutzt, Einigung mit den Patentträgern: erst wenn ein Landwirt mehr als 10000 Dollar pro Jahr verdient, werden Lizenzgebühren verlangt, ansonsten Anwendung kostenlos; ausschließlich mit öffentlichen Mittel entwickelt (statt 100 Millionen Dollar, wie oft fälschlich behauptet, nur 2,6 Millionen); P. ist nicht glücklich, dass nun Industrie mit im Boot sitzt; Greenpeace Opposition grundsätzlich, sachlich nicht zu begründen;
technisch: 2 Gene aus Narzissen, eines aus einem Bakterium übertragen, Reis stellt selbst Provitamin A her, goldgelbe Färbung des Reiskorns als Nebeneffekt
(Natur&Kosmos 11/2001 S.58ff.)

·         Durchbruch in der Gentechnik der Pflanzen in Münster und Freiburg: neue Proteine in hoher Konzentration in Früchten von Tomaten; können trotz ihrer Fortpflanzungsfähigkeit die veränderten Gene nicht unerwünscht über Pollen weiter geben; neues Erbgut wurde nicht in Zellkern, sondern in Chloroblasten der Zellen eingeführt (C. sind kleine Zellorganellen mit eigener DNS außerhalb des Zellkerns, die zu Tausenden in jeder Zelle arbeiten); Erbgut dieser Bausteine wird nur von der „Mutterpflanze“ (über weibliche Zellen) an Frucht oder Samen weitergegeben und ist in männlichen Pollen nicht enthalten; können also über Pollenflug nicht weiter verbreitet werden
(GID 148 – 11/12-2001 S. 15)

·         US-Forscher haben weit entfernt von Genmais-Anbaugebieten künstlich verändertes Erbgut in traditionellen Maissorten gefunden...  Entdeckung fremder Gene in Pflanzen aus dem mexikanischen Bergland... Bt-Gene und RoundupReady-Resistenz-Gene
(taz 30.11.01)

·         weltweit 2001 gentechnisch veränderte Pflanzen auf 52,6 Mill. ha angebaut (+19% gegenüber Vorjahr); Ausweitung vor allem in (Entwicklungs)Ländern des Südens (Verdopplung der Fläche gegenüber Vorjahr);
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2002, Nr. 9, Seite 38)

·         Positive Bilanz des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen durch ISAAA/USA
(Global Review of Commercialized Transgenic Crops: 2000", by Clive James ISAAA Briefs No. 23-2001)

·         Bauernverband führte Forum zur grünen Gentechnik in Deutschland durch;
“diffuse Ängste“; Umfrage in der EU Dez. 2001: 71% gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, 60% befürchten negative Umweltauswirkungen;
40 Mill t Ölsaaten wie Raps und Soja jährlich nach Europa importiert, zumindest teilweise gentechnisch verändert; 50-60% der Futtermittel inzwischen mit verändertem Soja versetzt; USA und Argentinien Anbaufläche von Gensoja auf 74 bzw 99 % der gesamten Anbaufläche
(taz 28.2.02)

·         2001 + 19% weltweite Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen im Vergleich zu Vorjahr; 52,6 Mill ha; Zahl der nutzenden Landwirte von 3,5 auf 5,5 Mill gestiegen;
USA: Landwirte 1996 bis 2001 bei gentechnisch verändertem Mais Verluste (Erträge nicht wie erwartet gestiegen, Export schwierig)
(GID 150/2002 S.20)

·         2002 werden in D. auf rund 1600 Hektar 50 Tonnen Genmais ausgebracht; für drei der Genmaislinien gibt es eine Zulassung als Lebensmittel, alle anderen können als Futtermittel verbraucht werden
(taz 26.4.02)

·         vier Fünftel der Konsumenten in Europa wollen keine genmanipulierten Lebensmittel im Einkaufswagen; bei Testkäufen greifen sie die Gennahrung oft trotzdem, sofern sie billiger ist
(Die Zeit 25.4.02 S.18)

·         Studie USA (von gentechnikfreundlichen Institutionen gefördert): durch mod. Biotechnologie mehr geerntet, mehr verdient, Pestizidverbrauch um 80000 Tonnen verringert;
Studie des US-Landwirtschaftsministeriums: „handfeste“ Vorteile für Farmer, Einkommen gestiegen, Pestizideinsatz verringert
(GID 153, 8-9/2002 S.17)

·         Ziel: Pflanzen hitzebeständig machen; in Genom der Ackerschmalwand ein Extra-Gen eingebracht, das die Xantophyll-Synthese anregt; Pflanzen bei 2 Wochen 40 Grad Temperatur grüner und gesünder als unveränderte Exemplare
(bild der wissenschaft 10/02 S.9)

·         weltweit bislang über 10000 Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderte Pflanzen gemeldet; Anbaufläche 2001 weltweit 52,6 Mill Hektar; davon Soja 63%, Mais 19%, Baumwolle 13% Raps 5% (=99%); 77% der Pflanzen herbizidresistent;
Glyphosat und Glufosinat wirken auch gegen Boden-Mikroorganismen;
(Ökologie und Landbau, 4/02 S.32ff)

·         Interview Künast; nicht endlos JA-Nein-Debatte führen: der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen findet derzeit bereits auf 50 Mill Hektar statt; Kennzeichnung muss kommen, mit so niedrigen Werten für zugelassene gentechnische Verunreinigungen wie nur irgend möglich, auch Abstands- und Haftungsregelungen fehlen noch; ich will Wahlfreiheit für Verbraucher und Landwirte sichern
(taz 17.9.02)

·         Lebensmittel aus gentechnisch verändertem Mais von Monsanto seien für VerbraucherInnen ebenso sicher wie Produkte aus konventionellen Maislinien – zu diesem Ergebnis kam eine weitere wissenschaftliche Begutachtung durch den Lebensmittelausschuss der EU;
die Industrie rechnet damit, dass die kommerzielle Nutzung von Gentechnik-Weizen ab 2005 stattfinden könnte;
schon für 2003 war die Einführung herbizidresistenten Sommerweizens in Kanada geplant gewesen;
(GID 152/2002 S.14, 17)

·         einer von 1000 Deutschen leidet an Zöliakie (Verdauungsstörung, die auf Gluten reagiert); seit drei Jahren wird in Deutschland daran geforscht, das Gluten-Eiweiß auszuschalten oder “umzupolen“, das in allen Getreidesorten vorkommt
(GID 152/2002 S.19)

·         gentechnisch veränderte Bt-Sonnenblumen geben ihre neuen Gensequenzen an verwandte Wildpflanzen weiter; Nachkommen zeigten außerdem eine 50%ige Steigerung der Samenproduktion
(GID 154/2002 S.15)

·         Bt-Mais in Spanien; Der Bt-Mais ist für die Bauern attraktiv, weil er durch mehr Ertrag und eingesparte Spritzmittelkosten zusätzlichen Gewinn verspricht. Eine jüngst erschienene Studie des britischen Agrarberaters Graham Brookes über den Anbau von Bt-Mais in Spanien beziffert die Einkommenssteigerung der Landwirte auf durchschnittlich 150 Euro pro Hektar im Vergleich mit herkömmlichem Mais. Auch aus ökologischer Sicht zeigt der spanische Bt-Mais, entgegen der Befürchtungen von Umweltschutzverbänden, bislang keine Nachteile. Der Ökologe Ramón Albajes von der Universität Lleida untersucht in den Maisfeldern von Lérida, ob das Bt-Gift in den Pflanzen neben dem Maiszünsler auch anderen Insekten schadet. "Unseren Forschungen nach gibt es keine entscheidenden Risiken für die Natur", sagt er. Für die Sorge, der Maiszünsler könnte gegen das Bt-Gift resistent und damit zu einem noch gefährlicheren Schädling werden, fand Albajes im Feld ebenfalls noch keine Bestätigung. Graham Brookes zufolge berichten Bauern sogar von positiven Umweltfolgen des Bt-Maises. Beim Einsatz herkömmlicher Spritzmittel würden nicht nur Maiszünsler, sondern auch viele Nützlinge vernichtet. Das führe dazu, dass der Mais stärker von Spinnmilben befallen wird, denen die Bauern dann mit einer weiteren Giftdusche zu Leibe rücken. Durch den Anbau des Bt-Maises können diese Belastungen für die Umwelt vermieden werden.
(Berliner Zeitung,04.10.02)

·         USA fordern von Europäern, ihr Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu beenden;
Dem könne man keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse über mögliche Gesundheitsgefahren entgegenstellen, meint EU-Verbraucherkommissar David Byrne. Wir können dieses Moratorium nicht ewig halten, es ist Zeit, sich zu bewegen.. Auch EU-Umweltkommissarin Wallström befand, das Moratorium sei illegal und ungerechtfertigt.
... gilt in Amerika die Devise: Die Grüne Gentechnik ist sicher – jedenfalls so lange, bis irgendwo etwas passiert. In Europa dagegen herrscht der Vorsorgegedanke: So lange nicht ganz sicher ist, dass nichts passieren kann, wird die Technik verboten.
(Die Zeit 19.9.02 S.33)

·         Europaparlament hat am 21.11. mit großer Mehrheit einem Strategiepapier der EU-Kommission zugestimmt: darin wird auch die Aufhebung des seit mehr als vier Jahren bestehenden EU-weiten Zulassungsstopps für gentechnisch veränderte Organismen bis zum Ende 2003 gefordert;
wirtschaftspolitischer Sprecher der SPE-Fraktion: wir können uns nicht weiter wie bisher aus ideologischen Gründen von der technologischen Entwicklung abkoppeln und uns von gezielt geschürten Kampagnen unter Druck setzen lassen.
(Das Parlament 9./16.12.02)

·         Forscher aus USA und Korea haben eine Reissorte so verändert, dass sie ihre Erträge auch unter Kälte, Trockenheit und Salzwasserbedingungen hält; hoffen, durch Kreuzungen mit lokalen Sorten auf 20% Ertragssteigerung; ein Zucker (Trehalose) konserviert bereits unter natürlichen Bedingungen die Pflanzenzellen bei Stress; jetzt zwei zusätzliche Trehalosegene eingebaut, dazu ein Schaltergen, das die Zuckerproduktion erst anlaufen lässt, wenn die Pflanze wirklich unter Stress steht; es wird also keine artfremde Eigenschaft eingebaut, sondern ein bereits vorhandener Zucker mit konservierenden Eigenschaften in einer wesentlich höheren Konzentration erzeugt; eine Erfindung, die durchaus in vielen Gegenden dem Reisanbau zu wesentlich höheren und konstanteren Erträgen verhelfen könnte;
die Forschungsergebnisse sollen öffentlich zugänglich sein und nicht an einen Saatgutkonzern verkauft werden
(taz 27.11.02)

·         in der mexikanischen Wüste gibt es einen Überlebenskünstler, einen Moosfarn, der extreme Trockenheit überlebt; Ursache, Gen, das den Zucker Trehalose herstellt; schützt wie bei Hefe die Pflanze vor dem Trockentod; mexikanische Forscher haben neues Gen erfolgreich in die Ackerschmalwand eingebaut; vertrocknen lassen, nach 2 Wochen wieder normal lebensfähig;
(aol-newsbote, 10.12.02)

·         Australien gentechnisch verändertes Gras entwickelt, das bei bis zu 95% von betroffenen Allergikern keinen Heuschnupfen auslösen soll; in Pollen Gehalt der beiden Hauptallergene um die Hälfte reduziert
(GID 155/2002-2003 S.22)

·         BERLIN, 10. Dezember. Nach den jüngsten Beschlüssen der EU zum Umgang mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln drängen CDU und CSU im Bundestag auf eine zügige Markteinführung von Gen-Food in Deutschland. Das bestehende Moratorium für die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) müsse „schnellstmöglich“ aufgehoben werden, heißt es in einem Antrag zur Biotechnologie, den die Unionsfraktion nächste Woche beschließen will. In dem Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt, spricht sich die Union ferner für die Nutzung gentechnisch veränderter Tiere aus, so lange „ethische Aspekte“ dabei berücksichtigt werden.
(Berliner Zeitung, 11.12.02)

·         Der Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen wie Mais, Soja und Raps in den USA und Kanada war in den letzten sechs Jahren ein wirtschaftliches Desaster. Studie von Bioland-Organisation und Greenpeace; Ernten nicht höher ausgefallen, Saatgutkosten aber gestiegen, immer mehr Unkräuter gegen Spritzmittel resistent;
(bild der wissenschaft 12/2002 S. 11)

·         „Verunreinigung“ durch Gensoja in Brasilien; Aktivistin für Gentechnikfreiheit: Mais ist eine Pflanze mit einer offenen Befruchtung über Bestäubung, die hier in vielen Varietäten wächst, wenn wir hier illegalen Genmais angepflanzt hätten, wäre das eine irreversible Katastrophe;
Soja kommt aus Asien, hat in Brasilien keine wilden, nahe verwandten Sorten, Soja hat geschlossene Befruchtung (Bestäubung nur sehr selten), Verunreinigung könnte völlig reversibel gemacht werden
(taz 28.3.03)

·         Antrag der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag: Bundesregierung soll sich für die unverzügliche Aufhebung des seit 1999 bestehenden de-facto-Moratoriums für alle Neuzulassungen von gentechnisch veränderten Lebensmittel auf EU-Ebene einsetzen;
den ursprünglichen Bedenken und Argumenten gegen die Zulassung sei mittlerweile die Grundlage entzogen
(Das Parlament 14./22.4.03 S.6)

·         Baumwolle, die durch gentechnische Veränderungen gegen Schädlinge resistent ist (Bt-Baumwolle gegen Baumwollkapselwurm); in Indien in einer Feldstudie untersucht; kann in den Tropen weitaus höhere Erträge bringen als herkömmliche Sorten; Ernte fiel um 80% höher aus; trotz höherer Kosten für Saatgut konnten Bauern ihre Einkünfte verfünffachen; mögliche Ursache für bessere Befunde als in USA oder Kanada: dort werden nur 12% der Ernte vom Kapselwurm vernichtet, in Indien und anderen tropischen Ländern 50-60%
(Bild der Wissenschaft 5/03 S.12)

·         weltweit werden derzeit mehr als 22 Millionen Hektar der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet und zertifiziert
(zum Vergleich: derzeit erfolgt Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit auf über 50 Mill. ha; JK)
(Ökologie&Landbau 2/2003 S.41)

·         Indien: „Protato” gentechnisch veränderte Kartoffelsorte (ein Gen des Amaranth eingeführt); enthält ein Drittel mehr Proteine als herkömmliche Kartoffeln; kommerzieller Anbau wird wahrscheinlich innerhalb von 6 Monaten zugelassen werden; Kartoffel soll an staatlichen Schulen kostenlos Millionen von Kindern zur Verfügung gestellt werden; Kartoffel Billiger im Vergleich zu Hülsenfrüchten
(taz 12.6.03)

·         Japan: gentechnisch veränderter Reis soll Insulinproduktion des Körpers bei Diabetespatienten anregen und Insulin-Spritzen überflüssig machen; soll in 1-2 Jahren auf den Markt kommen
(GID 158 6/7-2003 S.14)

·         Kontrolle der Samenkeimung durch eine „Zwei-Komponenten gentechnische Veraenderung“
Kanadische Forscher haben ein gentechnisches Verfahren entwickelt, welches die ungewollte Weitergabe von Transgenkonstrukten ueber Generationen hinweg verhindern soll. Die Wissenschaftler der "Agriculture and Agri-Food Canada" setzten Tabakpflanzen ein "Seed lethal"-System (SL) ein, das Samen der Pflanze keimungsunfaehig macht. Das SL-System aus Erbanlagen des Bodenbakteriums Agrobacterium tumefaciens, wird dabei durch eine Bindungsstelle fuer einen Repressor ergaenzt. Repressoren besitzen spezifische Bindungsstellen an der DNA und verhindern dadurch das Ablesen eines bestimmten DNA- Abschnittes. Das entsprechende Repressorgen aus dem Bakterium Escherichia coli wurde in eine zweite GV-Tabaklinie eingefuegt. Anschließend wurden durch Kreuzen beide Genkonstrukte in einer GV- Pflanze vereinigt. Diese transgenen Pflanzen selber bleiben fortpflanzungsfaehig. Beim Auskreuzen werden die Gene mit hoher Wahrscheinlichkeit voneinander getrennt. Der Repressor wird nicht mehr hergestellt. Somit wird das SL-System aktiv, und die Pflanzen produzieren sterile Samen
(gentechnik nachrichten 42 Mai 2003)

·         Bei Fürstenfeldbruck wird eine neue Genkartoffel angepflanzt, die der Altersblindheit vorbeugen soll;
BALTICA, kleinwüchsige rötliche Minikartoffeln; 5 Universitäten und 2 Forschungsinstitute beteiligt, 11 Mill. Euro bisher;
das in der Kartoffel natürlicherweise vorhandene Carotinoid Zeaxanthin wird nicht mehr abgebaut, sondern vielmehr angereichert;
soll nun die Schöpfung bereichern, indem ihr Verzehr im alternden Menschenkörper allerlei Oxidationsprozesse verzögert, also verschleißbedingte Stoffwechselstörungen, möglicherweise gar der Krebsvorbeugung dient und, vor allem, der sogenannten Altersblindheit einen Riegel vorschiebt.;
drei Großforschungsprojekte beitragen, die die rot-grüne von der schwarz-gelben Bundesregierung übernommen hat. Neben der Kartoffel, die das Augenlicht erhalten soll, entwickeln Wissenschaftler mit Steuergeldern Multifunktionskarotten, die, mit einem manipulierten Carotinoidmix wiederum Krebs und Altersblindheit vorbeugen könnten; als nette Dreingabe entfaltet das Gemüse sogar eine "Sonnenschutzwirkung wie Sonnencreme", sagt Rudolf Straub. Ein weiteres Projekt soll Raps die eigentlich Fischölen innewohnenden segensreichen Fettsäuren einhauchen; der Raps mit dem optimerten Ölmix beugt, einem Medikament gleich, Herz- und Kreislauferkrankungen vor. Schließlich arbeiten Wissenschaftler auch an einem segensreichen Gengetreide für Menschen, die auf die natürlichen Kleberbestandteile des Korns mit der Darmkrankheit Zöliakie reagieren und deshalb zeitlebens auf allerlei bröseligen Brotersatz aus Reis oder Mais zurückgreifen müssen
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3. März 2003, Nr. 13, Seite M1, Münchner Seiten)

·         Antrag der CDU/CSU im Bundestag (15/1216): grüne Gentechnik erforschen und einsetzen, um weltweite Ernährungssituation zu verbessern
(Das Parlament 7.7.03)

·         Greenpeace: Soja als Eiweißfutter (Ersatz seit BSE Krise 2000): 60-70% gentechnisch verunreinigt;
2002 58,7 Mill. Ha gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit (62% Soja; 21% Mais; 12% Baumwolle; 5% Raps);
International Council of Science (ein Club von Forschungsgesellschaften aus über 100 Ländern) legte im Juni 2003 eine Studie vor: die derzeit verfügbaren Gen-Lebensmittel sind so sicher oder so unsicher wie herkömmliches Essen;
(Die Zeit 3.7.03 S.28)

·         EU-Kommission Studie zu Ernteerträgen, Pestitzideinsatz und finanziellen Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA veröffentlicht: „Die berücksichtigten Untersuchungen lassen keine abschließende Beurteilung der Vorteile des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf der –hier untersuchten – Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe zu.“
(GID 159 7/8-2003 S.9)

·         „Terminator-Technologie“: verhindern, dass Saatgut in der nächsten Generation keimfähig ist;
GURT: genetic use restriction technologies;
a) in Pflanzen wird ein Gen eingebaut, das nach Zugabe einer chemischen Substanz wirksam wird und ein Gift bildet, das die Samen am Keimen hindert
b) Samen werden durch gentechnischen Eingriff von vornherein keimunfähig gemacht (ein Unterbrecher-Gen wird hinter einen Promotor eingebaut, der zur Zeit der Keimung aktiv ist; dazu noch zwei weitere zusätzliche Gene); durch Zugabe einer organischen Substanz wird die Blockade gelöst und die Keimung ist wieder möglich
(GID 159 7/8-2003 S.28)

·         USA: 40 Mill. ha der Ackerfläche (fast die Hälfte des gesamten Farmlandes) mit gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt
(SPIEGEL ONLINE 9.7.2003)

·         Staatssekretär Catenhusen (Forschungsministerium): bisher gibt es für Gesundheitsrisiken für den Verbraucher keine Belege; Risiken eher im ökologischen als im gesundheitlichen Bereich
(Die Zeit 9.10.03 S.38)

·         Erbgut eines insektenvernichtenden Bakteriums entschlüsselt; könnte zu einer großflächigen Insektenvernichtung beitragen
(taz 6.10.03)

·         Brasilien hat auf Druck der Sojabauern Anbau von gentechnisch verändertem Soja zunächst für 1 Jahr erlaubt; Bauern begründen dies mit bis zu einem Drittel geringeren Anbaukosten
(taz 29.9.03)

·         Britische Großstudie: herbizidresistenter Ölraps, -Mais und –Zuckerrüben untersucht; im Fall von Raps und Rüben werden Unkräuter viel stärker verdrängt als im konventionellen Vergleichssystem; beim Mais dagegen ist eine spätere Anwendung des Spritzmittels möglich, was netto geringere Umweltwirkung bringt
(taz 17.10.03)

·         zur gleichen Studie:
bei Sommerraps und Zuckerrrüben deutliche Abnahme der Artenvielfalt; bei Mais Ansteigen der Vielfalt (Vergleich war aber konventioneller Anbau mit Atrazin-Einsatz als Herbizid)
(Gentechnik-Nachrichten Extra-Ausgabe 10/03)

·         in Pillnitz bei Dresden (und Quedlinburg) Freilandversuche mit genetisch veränderten Apfelbäumen (20 Jahre, 10000 Bäume) vom Verbraucherschutzministerium untersagt
(Freie Presse Chemnitz 25./26.10.03)

·         Untersuchung in 10 US-Bundesstaaten: jeder 5. Landwirt hält beim Anbau von Bt-Mais die Vorgabe nicht ein, einen Teil der Flächen mit normalem Mais zu bepflanzen (Vermeiden der Durchsetzung von Bt-resistenten Insekten-Populationen
(taz 12.9.03)

·         in einer südafrikanischen Pflanze Gen für Trockenresistenz gefunden, in Ackerschmalwand übertragen, überlebte Trockenphase von 16 statt normalerweise von nur 12 Tagen
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)

·         Uni Bonn; Grünalgen werden auf Schwefeldiät gesetzt; Entzug des Schwefels in der Nahrung führt u.a. zur Aktivierung der Hydrogenase, die Alge produziert dann über einen Zeitraum von 6 Tagen Wasserstoff; genveränderte Grünalgen: Hydogenase-Gen mehrfach eingebracht; eine der gentechnisch veränderten Algen produzierte dreifache Wasserstoffmenge; 1 Kubikmeter Algenkultur: 7,45 kWh pro Tag Wasserstoffproduktion; über Brennstoffzellen (Wirkungsgrad 40%, 300 Betriebstage) könnten daraus jährlich 870 kWh Strom und Wärme erzeugt werden; für ein Privathaus mit 4 Personen zur Eigenversorgung 5-7 Kubikmeter Algenkultur ausreichend
www.botanik.uni-bonn.de/physbiopla/happed.html
(Energiedepesche März 2002 S.38)

·         weltweit 7 Mill Bauern, die gentechnisch veränderte Nutzpflanzen anbauen, davon wirtschaften 85% auf kleiner Fläche in Entwicklungsländern
(GID 162/2004 S.19)

·         dass alle „fremd“ und „künstlich“ eingebrachten Gene, z.B. auch die Resistenzgene, aus der Natur kommen, sie wurden z.B. in Bodenbakterien gefunden, es sind also keine neu konstruierten Gene
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.189)

·         Markergene mit Antibiotikaresistenz überflüssig?
Aart van Bel und Michael Knoblauch vom Institut für Botanik der Universität Gießen haben dieses als Mikroinjektion bezeichnete Verfahren nun durch eine Reihe von technischen Kunstgriffen wesentlich verbessert. Die Gießener Forscher injizieren das zur Genmanipulation verwendete Erbmaterial nicht wie üblich in Protoplasten, also "nackte" Zellen, sondern in Zellen mit Zellwand. Das erleichtert die Regeneration ganzer Pflanzen. Für die Injektion verwenden sie speziell geformte Kapillaren mit äußerst feiner Spitze. Die Mündungsweite der Kapillaren, mit denen man Gene in tierische Zellen injiziert, ist zehnmal so groß. Außerdem haben die Forscher einen Druckgenerator entwickelt, der verhindert, daß die Zellen nach dem Einstechen der Kanüle Druck verlieren und einen Teil ihres Zellinhaltes in die Kanüle pressen. Pflanzliche Zellen haben, anders als tierische, einen hohen Innendruck. Sie platzen normalerweise wie ein Luftballon, wenn sie angestochen werden. Den Erfolg der Mikroinjektion verfolgen van Bel und Knoblauch mit zwei Farbstoffen, die zusammen mit der Erbinformation in die Zelle injiziert werden. Einer der beiden Farbstoffe markiert die neuen Gene und zeigt, was nach der Injektion mit ihnen geschieht. Der zweite verteilt sich in der ganzen Zelle und hilft, die manipulierten Zellen später wiederzufinden. Deshalb kann man auf das Markergen verzichten. Die Mikroinjektion könnte demnach etliche der Bedenken zerstreuen, die von Gegnern der grünen Gentechnik vorgebracht werden.   hka.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. März 2004, Nr. 59, Seite N2)

·         1996 säten Farmer in den USA die ersten gv-Pflanzen aus; Anbaufläche 2002 58,7 Mio. Hektar (entspricht mehr als der 1,5-fachen Gesamtfläche Deutschlands); ¾ der 2002 ausgesäten gv-Pflanzen besitzen Herbizidresistenz; 17% Insektenresistenz durch Bt-Toxin; weitere 8% Kombination aus Herbizidresistenz und Insektenresistenz;
EU importiert jährlich etwa 30 Mio Tonnen Soja und Sojaschrote; der Anteil von Sojaschroten mit einem GVO-Anteil unter 1% an der Gesamteinfuhr in die EU beträgt ca. 5%;
bei der Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Pflanzen hat sich weltweit das Konzept der „Substanziellen Äquivalenz“ durchgesetzt; vereinfacht wird dabei das GVO-Lebensmittel unter zwei Blickwinkeln untersucht:
a) das zusätzlich gebildete Protein wird bewertet (Verträglichkeit – nach ähnlichen Verfahren wie bei der Prüfung von Zusatzstoffen; schädliche Einwirkungen beim Verfüttern an versuchstiere?; heute ist es auch möglich, bei einem neu in die Nahrung eingeführten Protein abzuschätzen, ob es Allergien auslösen kann)
b) Überprüfung, ob der übrige Teil des Lebensmittels mit einem vergleichbaren, bekannten und erfahrungsgemäß sicheren Produkt übereinstimmt;
Stimmen gentechnisch verändertes und konventionelles Produkt im Rahmen der natürlichen Schwankungsbereiche überein, sind sie substanziell äquivalent und gelten beide gleichermaßen als sicher. ... In der Zulassungspraxis orientieren sich Behörden und Expertengremien weitgehend am Konzept der Substanziellen Äquivalenz. Es hat sich aus ihrer Sicht bewährt. Obwohl seit Jahren gv-Pflanzen in vielen Ländern angebaut und zu Lebensmitteln verarbeitet werden, sind bisher keine offenkundigen gesundheitlichen Schäden beobachtet worden. Danach sind im Vergleich zu herkömmlichen Produkten keine besonderen Risiken erkennbar
(Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Diskurs Grüne Gentechnik, Broschüre 2003)

·         Bei neuen Pflanzen stehen sich solche mit Input- und Output-Eigenschaften gegenüber. Erstere beziehen sich auf die agronomischen Eigenschaften, zum Beispiel Insekten-, Herbizid-, Virus- und Pilz-Resistenzen. Output-Eigenschaften beziehen sich auf die Qualität des Ernteproduktes: veränderter Gehalt an bestimmten Fetten, Vitaminen usw.
(Gen-ethisches Netzwerk, Faltblatt 5/2004: Zukunftsmusik)

·         Gensoja-Anbau in Brasilien; „Im Vergleich zum herkömmlichen Anbau spare ich ein Drittel der Produktionskosten“ sagt der Landwirt ...; Einmal im Jahr spritze er seine Felder mit dem Monsanto-Pflanzengift ROUNDUP. Noch wird es besser mit dem Unkraut fertig als herkömmliche Herbizide, die bereits drei- oder viermal angewendet werden müssen;
Argentinien: auf dem Land floriert die Wirtschaft dank dem Geschäft mit genetisch manipulierten Sojabohnen, kurbelt die Wirtschaft des ganzen Landes an (2003 40% der gesamten Exporterlöse durch Soja); Bauern geben für Produktion Pesos aus und verkaufen Soja für Dollar, Einkünfte verdreifacht; BSE-Krise in Europa, die zum verbot der Verfütterung von Tiermehl (als Eiweißlieferant) führte, ließ die weltweite Soja-Nachfrage explodieren
(taz 26./27.6.04)

·         Knapp die Hälfte des Importsojas (in D.) ist gentechnisch verändert
(Die Zeit 24.6.04 S.22)

·         Gentechnik im Weinbau
deutsches Institut für Rebenzüchtung in Siebeldingen arbeitet an der Entwicklung von transgenen Reben, die dem Mehltau und der durch Viren verursachten Reisigkrankheit widerstehen; erste 50 Flaschen in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Anfang 2004 abgefüllt
Kanadische Winzer hantieren mit Frostschutzgenen
(bdw 2/2004 S.24ff)

·         In Kalifornien soll erstmals Gentech-Reis zur Produktion von Medikamenten großflächig angebaut werden; Reispflanzen mit zwei menschlichen Genen ausgestattet: in den Körnern produzieren sie die Substanzen Lactoferrin und Lysozym, normalerweise sind diese beiden antibakteriellen Wirkstoffe in der Muttermilch zu finden, sie schützen Kleinkinder vor Infektionserkrankungen wie z.B. Durchfall, Mittelohrentzündungen oder Meningitis;; Arzneistoffe sind noch nach dreijähriger Lagerzeit wirksam ohne Kühlung (wichtig für Entwicklungsländer); Erlaubnis zum Anbau auf 50 Hektar war schon erteilt, jetzt soll doch erst ein Genehmigungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung stattfinden
(taz 7.5.04)

·         Erhöhter Pestizidverbrauch beim Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA; Untersuchung für die Jahre 1996 bis 2003 (zunächst Reduktion, seit 2001 Zunahme)
(GID 161/2004 S.18)

·         Uni Würzburg: mit Hilfe von sterilen Pollen soll unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen verhindert werden; bei Tomaten und Tabak gelungen, ein Enzym auszuschalten
(taz 12.11.04)

·         Papier: „Grüne Gentechnik taugt nicht zur Hungerbekämpfung“ Juli 2004
www.brot-fuer-die-welt.de/druckversion/2730_DEU_Druckversion.htm

·         Maiswurzelbohrer, Schädling aus USA, über Belgrad eingeschleppt (Kosovokrieg), inzwischen im Elsass angekommen, vier Kilometer vor der deutschen Grenze; gentechnisch veränderter Bt-Mais gegen den Käfer wird seit letztem Jahr in den USA angebaut
(taz 23.8.04)

·         Gensoja-Anbau in Brasilien, Farmerin: Soja bringt schnelles Geld und macht viel weniger Arbeit als Ökolandbau
(taz 16./17.10.2004)

·         Agrochemiekonzerne sollen zwischen 1997 und 1999 für 18 Mrd US$ Saatgutfirmen aufgekauft haben; das Resultat ist, dass die vier größten Agrochemiekonzerne auch die größten Saatgutkonzerne sind: DuPont, Monsanto, Syngenta, Bayer;
weltweit nehmen GV-Pflanzen derzeit etwa 5% der landwirtschaftlichen Anbaufläche ein;
weltweit auf dem Markt befinden sich folgende GV-Pflanzen: Raps, Reis, Mais, Soja, Baumwolle, Kürbis, Papaya, Zuckerrübe, Kartoffeln, Tomaten, in der Entwicklung befinden sich: Äpfel, Bananen, Mango, Ananas. Gerste, Süßkartoffel;
Bt-Pflanzen: Bt-Gen bisher in den Zellkern der Nutzpflanzen eingeführt, jetzt in der Forschung: Einführung in Chloroplasten – toxisches Eiweiß wird dann nur in den Pflanzenteilen ausgeschüttet, wo es benötigt wird, Gefahr der Auskreuzung wird reduziert, da sich Gene der Chloroplasten (nur) durch die Eizelle und nicht über die Pollen vererben;
niederländische Studie zum tatsächlichen Herbizideinsatz bei Verwendung von GV-Pflanzen in den USA: Ergebnisse variieren zwischen Rückgang um 40% und Anstieg von 7%; Studie der Landwirtschaftsbehörde der USA: bei GV-Soja in den Jahren 1997 und 1998 Rückgang des Herbizideinsatzes um 10%;
China, Indien, Argentinien: höheres Nettoeinkommen von Kleinbauern beim Anbau von Bt-Baumwolle; in Sambia nur kurzfristig Kostenvorteil
(Welthungerhilfe: Grüne Gentechnik, Chancen und Risiken ...; Mai 2004)

·         Risikoforscher Ortwin Renn:
Die Ablehnung der Grünen Gentechnik hat wenig mit dem Glauben zu tun, man werde nach dem Genuss einer modifizierten Tomate tot umfallen. Das Nein der Gegner speist sich aus der Furcht vor unabsehbaren Späteffekten, Zweifeln am gesellschaftlichen Nutzen, Angst vor der Irreversibilität der Veränderungen, Aversion gegen die menschliche Hybris und dem allgemeinen Verdacht gegen Konzerninteressen. Aufklärungskampagnen laufen ins Leere - wo Vertrauen fehlt, fordert der Verbraucher „Nullrisiko“.
(Die Zeit 13.5.04 S.36)

·         USA: Einführung gent. veränderter Nutzpflanzen hat zu gesteigertem Verbrauch an Pestiziden geführt; bei BT-Insektenresistenz Reduktion der Spritzmittel um 5%, bei Herbizidtoleranten Pflanzen Anstieg um 5%; hier werden zudem neue Unkräuter bedeutsamer, oder die alten Unkräuter entwickeln Resistenzen
(GID 167/2004 S.21)

·         seit 1987 wird die so genannte biolistische Transformation („Genkanone“) verwendet; kleine Gold- oder Wolframpartikel werden mit einer DNA-Lösung benetzt, in eine Druckkammer gebracht und im Vakuum mit hoher Geschwindigkeit auf Pflanzenzellen „geschossen“; Partikel verbleiben in der Pflanzenzelle; DNA löst sich von den Trägerpartikeln und kann in den Zellkern eindringen; so gelang erstmalig Transformation von wichtigen einkeimblättrigen Pflanzen (1988 Reis, 1990 Mais, 1992 Weizen)
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.7)

·         „moralische Codes“ der Kontrahenten, die verhindern, dass es zum gegenseitigen Verstehen kommen kann: Fokussieren die einen ihre Bejahung der Technologie mit Argumenten aus den Bereichen Gesundheit, Vernunft und Wohlstand, so tun dies ihre Kritiker mit spezifischen Vorstellungen von Natur, Macht und Gefährdung; ...
Wenn zwischen den Beteiligten Übereinstimmung darin besteht, dass durch verantwortungsbewussten Einsatz moderner Technologien die Ernährung gegenwärtig lebender und nachkommender Generationen sicher gestellt werden soll, dann ist anhand sachlich allgemein nachvollziehbarer Gründe zu klären, ob (auch) die Grüne Gentechnik ein geeignetes mittel ist dieses Ziel zu erreichen. Daran mag sich die Klärung der Frage anschließen, ob diese Technologie weltweit und überall in derselben Weise zur Anwendung kommen soll.
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.13f.)

·         Pflanzenbiotechnologie: Eingriff unserer Vorfahren in die natürliche Evolution (durch Auswahl und Züchtung JK); beim Weizen stiegen die Erträge von mageren 300 Kilogramm  pro Hektar auf durchschnittlich über 7 Tonnen (7000 Kilogramm);
die Produktionssteigerung ruhte im 20.Jahrhundert gleichmäßig auf den drei Säulen Züchtung, Agrochemie und Agrartechnik.
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.18)

·         praktisch alle wichtigen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und insgesamt mehr als 150 verschiedene Pflanzenarten sind – zumindest im Stadium der Forschung – bereits erfolgreich gentechnisch modifiziert worden
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.27)

·         USA seit 1994 zugelassen: gentechnisch veränderte Rapssorte mit 40% Laurinsäure im Samenöl; diese Fettsäure kommt im konventionellen Raps so gut wie nicht vor; kann in der Industrie zur Herstellung von Detergenzien z.B. für Haarwaschmittel, aber auch im Nahrungsmittelsektor für die Schokoladenherstellung verwendet werden; Gen aus dem kalifornischen Lorbeerbaum übertragen; 2000 Anbau auf 70.000 Hektar
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.41)

·         Im Jahr 2000 wurde in den USA durch den Anbau von gentechnisch verändertem Soja, Raps, Baumwolle und Mais der Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln schätzungsweise um 20.000 Tonnen reduziert;
in China konnten im Jahr 2001 durch den Anbau transgener Pflanzen 78.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel (PSM) eingespart werden – entspricht einer Abnahme um 25%;
Indien Anbausaison 2001/2002: bei Bt-Baumwolle PSM-Reduzierung teilweise 70%; Erträge im Durchschnitt um 80% gestiegen;
Einführung herbizidtoleranter Kulturpflanzen in USA: Fläche mit einer pfluglosen bzw. reduzierten Bodenbearbeitung konnte um 35% ausgedehnt werden; Bodendecker; ohne diese neuen Anbaumethoden würden in den USA durch Niederschläge und Windverwehungen jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen mehr Erde von den Feldern abgetragen werden; Einsparung von 1,2 Milliarden Litern Treibstoff für verminderte Bodenbearbeitung
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.47f)

·         China: Reis gegen Insektenbefall genetisch verändert; drei Testläufe über zwei Jahre; Bauern erhielten das Saatgut zum selben Preis wie konventionelles; Erprobung unter Alltagsbedingungen; bei Aussaat, Bewässerung, Pestizideinsatz keinerlei Hilfe-Hinweise durch Genforscher, Entscheidung trafen Bauern nach Gespür und Erfahrungen; 6-9% höherer Ertrag; Pestizideinsatz: 2 kg je Hektar – konventionelle Kollegen 7x so häufig gespritzt, zehnfach höherer Verbrauch; China nun bereit, als erstes Land der Erde den kommerziellen Anbau von GM-Reis zu erlauben
(Die Zeit 4.5.05 S.40)

·         EU-Kommissarin für Landwirtschaft: „Die Möglichkeit von offiziellen genfreien Regionen gibt es im EU-Recht zur Zeit nicht“
(taz 8.4.05)

·         niederländische Studie zu tatsächlichem Herbizideinsatz bei Verwendung von gentechnisch veränderten Sojapflanzen in der USA; zwischen Rückgang der Herbizidmenge um 40% und Anstieg um 7%; Studie in den USA: 1997 und 1998 Herbizideinsatz um 10% gesunken; ...
Studien in China, Indien und Argentinien zeigen ein höheres Nettoeinkommen von Kleinbauern, die Bt-Baumwolle anbauen (geringere Kosten für Pflanzenschutzmittel, Dünger und Arbeitskräfte)
(BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde, Wittenberg, Nr.74/2005 S.T4, T10)

·         Udo Pollmer, Lebensmittelexperte:
die Alternative zur Gentechnik in der Pflanzenzüchtung sind künstliche Gene aus dem Atomkraftwerk; Mutationszüchtung vor der Gentechnik: ein Sack Getreide wurde ins Atomkraftwerk gefahren und bestrahlt, damit Missbildungen entstanden; davon waren vielleicht 2 Pflnazen zu gebrauchen; sie wurden dann in normale Sorten eingezüchtet, das waren künstliche Gene aus der Atomwirtschaft, so wurden alle Nutzpflanzen verändert; Mutationszüchtung wird nicht mehr angewandt, aber ohne Gentechnik kehrt die Mutationszüchtung zurück; ist zwar aufwändiger für die Saatgutindustrie, aber es gibt keinerlei rechtlichen Rahmen, man muss keine Experimente mit Ratten durchführen ...; auch Biobauern sind auf Sorten mit künstlich im AKW erzeugten genen angewiesen (Resistenzgene gegen neue Krankheiten und Schädlinge);
auch normale Kreuzungen können gefährlich sein, es muss für alle Züchtungsmethoden vergleichbare Maßstäbe geben, nicht nur für die Gentechnik
(taz 23.6.05)

·         Mutationszüchtung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, genetische Variationen zu erzeugen, Erbgut wurde auch durch Hitze, Kälte oder Chemikalien verändert; Mutationszüchtung und klassische Verfahren simulieren nur natürliche Prozesse
(taz 25./26.6.05)

·         Uni Würzburg; Versuche, um zu verhindern, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen durch Auskreuzungen unkontrolliert verbreiten; für Tomaten und Tabak Verfahren entwickelt, mit dem die Pollen gezielt sterilisiert werden, in den männlichen Blütenteilen gibt es eine spezialisierte Zellschicht, deren einzige Aufgabe es ist, die heranwachsenden Pollen mit Nährstoffen zu versorgen; in dieser Zellschicht ist das Enzym Invertase aktiv; Invertase wurde so verändert, dass sie – nur in dem gewünschten Bereich – nicht mehr funktioniert, Pollen reifen nicht mehr, Impotenz, neue Methode soll jetzt an Raps und Weizen getestet werden
(bdw 2/2005 S.6)

·         Im Elsass soll genveränderter Wein angepflanzt werden, Erlaubnis vom Pariser Landwirtschaftsministerium erteilt, Experiment über vier Jahre, Schutz vor der Reisigkrankheit (Viruserkrankung, die von Fadenwürmern in der Erde übertragen wird
(taz 9./10.7.05)

·         in Guinea (Westafrika) begann vor 5 Jahren eine leise Revolution; Reis der neuen Sorte NERICA (Kreuzung von asiatischen Hochleistungssorten mit robusten afrikanischen Reispflanzen) erzielte Ertragssteigerungen bis zu 250%, selbst ohne teure Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger oder Bewässerungssysteme (Züchtung offenbar ohne Gentechnik JK);
“Golden Rice“: Angesichts der Mangelernährung (Vitamin A) sieht FAO-Direktor Jacques Diouf in diesem Reis „den möglicherweise bedeutsamsten Durchbruch in der Gentechnik“;
für die bereits sehr hochentwickelte Landwirtschaft in Industrieländern verspricht die Gentechnik weniger Produktivitätsgewinn
(Das Parlament 12.1.04 S.11)

·         Der Markt, der bisher weitgehend an Deutschland vorbeigeht, ist groß: Nach Angaben von Bayer-Crop-Science-Chef Friedrich Berschauer entfallen bereits rund 5 Milliarden Euro des 30 Milliarden Euro ausmachenden Umsatzes der Pflanzenschutzbranche auf die grüne Biotechnologie (einschließlich Saatgut). Der weltweite Marktanteil von gentechnisch verändertem Saatgut liegt nach Verbandsangaben bei rund 16 Prozent. Die Steigerungsraten beim Anbau liegen jährlich zwischen 10 und 20 Prozent. Weltweit werden bereits mehr als 80 Millionen Hektar mit gentechnisch verändertem Saatgut angebaut, und zwar weitgehend außerhalb Europas. Rund 80 Prozent der Anbauflächen liegen in den Vereinigten Staaten und Argentinien.
(FAZ 18.10.05 S.22)

·         Italienische Forscher fanden bei Fütterungsversuchen mit Schweinen Bruchstücke des synthetischen Gens der Gentech-Maissorte MON810 aus dem Hause Monsanto in Blut, Leber, Milz und Nieren. Jetzt stellt sich die Frage, welche Auswirkungen synthetische DNA aus gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln auf Mensch und Tier haben könnte.
(E-Mail Von: GeNPost liste@gen-ethisches-netzwerk.de)

·         S.27f: 2005 in Sachsen auf 8 Flächen = 64 Hektar Anbau von gentechnisch verändertem Mais;
Maiszünsler vernichtet weltweit 7% der Maisernte (Bohrfraß); in einzelnen Gebieten Deutschlands Verluste bis 30%
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 2005)

·         S.8: 1994 mit der „Flavr Savr – Tomate“ erste gentechnisch veränderte Pflanze auf dem Markt, derzeit dürfen weltweit über 100 verschiedene gentechnisch veränderte Nutzpflanzen in Verkehr gebracht werden
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 2005)

·         Gentechnikmoratorium Schweiz:
Initiativtext für die Aufnahme in die Bundesverfassung:
“Die schweizerische Landwirtschaft bleibt für die Dauer von fünf Jahren nach Annahme dieser Verfassungsbestimmung gentechnikfrei. Insbesondere dürfen weder eingeführt noch in Verkehr gebracht werden:
a) gentechnisch veränderte vermehrungsfähige Pflanzen, Pflanzenbestandteile und Saatgut, welche für die landwirtschaftliche, gartenbauliche oder forstwirtschaftliche Anwendung in der Umwelt bestimmt sind;
b) gentechnisch veränderte Tiere, welche für die Produktion von Lebensmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestimmt sind.“
(GID 172 Okt/Nov05 S.49)

·         Australien; über 10 Jahre Forschung, um Erbsen gentechnisch resistent zu machen gegen Erbsenkäfer; nicht nur Insekten wird der Garaus gemacht; beim Verfüttern an Mäuse: Immunsystem reagiert stark; Einatmen von Erbsenmehl-Aerosol: viele Mäuse erkrankten an Lungenentzündung; eine Erklärung: bei den heutigen Verfahren werden synthetische genetische Konstrukte an zufälliger Stelle in ein unbekanntes Genom integriert; gentechnisch veränderte Pflanzen bilden mitunter Stoffe, mit denen niemand gerechnet hat; das Anti-Käfer-Gen, das die Erbsen für Käferlarven unverdaulich macht, stammte aus einer für Säugetiere gut verträglichen Bohnensorte; die Zellen der Erbsen jedoch produzierten den Abwehrstoff der Bohnen in einer leicht veränderten Form (es werden einige andere Zuckermoleküle an das Eiweißmolekül angehängt als in der Bohnenzelle);
(Der Spiegel 50/2005 S.158; taz 25.11.05)

·         Januar 2005: Bangladesh (Agrarministerium und Bangladesh Rice Research Institute teilen mit, dass eine lokal entwickelte Reissorte gentechnisch verändert worden sei (Produktion von Beta-Karotinoiden, Vorstufe von Vitamin A = „Golden Rice“); Zulassungserteilung für Anbau wird erwartet
(GID 172 Okt/Nov05 S.26)

·         S.38: Haftung für Schäden durch gentechnisch veränderte Organismen:
a) Personen- und Sachschäden –
hier haftet der Betreiber, Höchstbetrag 85 Mill Euro, muss Deckungsvorsorge treffen;
b) wirtschaftliche Nutzungsbeeinträchtigungen -
wenn z.B. die Ernte des Nachbarn verunreinigt ist, unverkäuflich wird; auch wenn der potenzielle Verursacher alle Vorsorgemaßnahmen getroffen hat (Abstände, Reinigung der Maschinen), haftet er, wenn der Verursacher nicht zu ermitteln ist, haften alle GVO-Anbauer in der Umgebung
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 2005)

·         Indien: Prototyp einer gentechnisch veränderten Kartoffel „made in India“: Protato (nicht Schädlingsresistenz, sondern höherer Nährwert); Gen aus der Amaranth-Pflanze übertragen; 45% höherer Proteingehalt als normale Kartoffeln; Pflanze patentiert, aber zur Nutzung für jedermann freigegeben;
Alternative Hülsenfrüchte (enthalten viel mehr Proteine als Kartoffeln)? – Institutsdirektor: „sind für die Armen schlicht zu teuer!“
Untersuchungen eines Stuttgarter Forschers zu gentechnisch veränderter Baumwolle: Ertrag bei Feldversuchen stieg auf 150 untersuchten indischen Farmen im Durchschnitt um 80%;
Banane ist mit 40 Mill Tonnen Jahresproduktion Indiens wichtigste Nutzpflanze; nur ungeschlechtliche Vermehrung möglich; kann Schädlingen (Pilzen) kaum etwas entgegen setzen; auf konventionellem züchterischem Weg lassen sich Bananen kaum verändern; Gentechnik soll genutzt werden, um schädlingsresistente Banane zu entwickeln
(bdw 10/05 S.18)

·         Brasilien als Agrarexporteur; Johanna Döbereiner gelang es vor 30 Jahren, ein Bakterium zu finden, dass sich mithilfe des Blattgrüns in den Pflanzen-Zellen gierig den Stickstoff aus der Luft holt; Bakterium mit Sojasamen zusammengebracht Erträge wie bisher ohne ein Gramm Dünger!; Nominierung für Nobelpreis;
Brasilien Marktführer beim Export von Soja, 20 Mill. Tonnen = 10 Mrd. Dollar pro Jahr, allein 2001 Anbaufläche um 50% erhöht, 2015 sollen 32 Mill. Tonnen Soja verschifft werden (Europa verlangt seit BSE nach Tierfutter aus Soja);
Soja mal mit, mal ohne Gentechnik;
Brasilien nutzt heute rund 40% mehr Ackerfläche als vor 20 Jahren, holt außerdem 150% mehr Ernte als früher aus dieser Fläche;
eine Tonne Zucker produzieren sie für 160 Dollar, in Europa kostet es das Dreifache;
(Zeit 4.5.06 S.36ff)

·         im Iran dürfen als erstem Land gentechnisch veränderte Reispflanzen angebaut werden (2005 500 bis 1000 Bauern); Reis hat ein für Schädlinge giftiges Bt-Gen
(taz ?? 2006)

·         „grüne Biotechnologie“ (sicher bisher ohne Gentechnik JK) in China; Ertragsoptimierung von Nutzpflanzen;
Reiserträge in China haben sich von etwa 5,7 Milliarden Tonnen 1950 auf 19,47 Milliarden Tonnen im Jahr 2000 vervierfacht (dafür 2004 Welternährungspreis an Direktor des Zentrums für Hybridreis);
Chinas Landwirtschaft profitiert doppelt von der Genmanipulation. Eine Massenreissorte ist im Versuchsstadium für den Reisstängelbohrer, dessen Larven die Pflanze von innen auffressen, ungenießbar geworden. Dadurch wuchsen die Ernteerträge um 6-9 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Bedarf an Pestiziden.
“Auch in China regeln Vorschriften, was die Biotechniker dürfen und was nicht“
(bdw 10/06 S.98)

·         Golden Rice für Indien; wird 2007 in Indien getestet; Marktreife in ca. 5 Jahren;
Ökonom: Vitamin-A-Mangel ließe sich dadurch um maximal 60% reduzieren, das ist deutlich besser als bisherige Hilfen (z.B. Vitaminpillen); jährlich bis zu 40.000 tote Kinder weniger; zwar sinkt der Beta-Carotin-Gehalt durch Lagerung und Kochen (bis zu 80% Verlust); aber die übrigen 20% würden trotzdem helfen
(Focus 43/2006 Perspektiven)

·         in Spanien Anbauversuche (noch keine Vermarktung); dabei sollen NICHT gentechnisch veränderte Zitronenbaum-Reiser (Äste) auf einen gentechnisch veränderten Stamm gepfropft werden;
die Pflanze muss nach EU-Recht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, aber ob auch die Frucht als Genprodukt gekennzeichnet werden muss, ist nicht ganz klar
(taz 13.10.06)

·         BASF will 2007 in Brandenburg gentechnisch veränderte Kartoffeln für Stärkeproduktion anbauen lassen; rechnet mit EU-Zulassung für Sorte „Amflora“ noch 2006;; Kartoffel enthält fast ausschließlich nur eine Stärke-Art (Amylopektin)
(taz 27.10.06)

·         in Deutschland (2006? JK) Anbau von 950 Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen: Erbsen, Kartoffeln, Sommergerste
(taz 15.9.06)

·         USA Forschungsprogramm für Biokraftstoffe; 250 Mill $; Ziel: 2030 mindestens 30% der für Transporte notwendigen Energie aus Biokraftstoffen
(GID 177 8/9-2006 S.22)

·         dänische Wissenschaftler haben ein System in Pflanzen eingebaut, mit dem sich diese selbst mit Stickstoff versorgen können
(GID 177 8/9-2006 S.22)

·         beim Einsatz der „Genkanone“ zur Einführung neuer Gene in Pflanzenzellen nehmen nur einige wenige von mehreren tausend Zellen das fremde Gen auf;
bei Verwendung von agrobacterium landen die neuen Gene in 35 bis 58% der Fälle innerhalb funktionierender gensequenzen
(GID 178 10/11-2006 S.38ff)

·         Versicherungswirtschaft in Deutschland sieht in der nächsten Zeit keine Möglichkeit, die Gefahren der Agro-Gentechnik zu versichern; Gründe: fehlende praktische Erfahrungen bei der Koexistenz, Erprobungsanbau (streng kontrolliert und kleine Flächen) nicht 1:1 übertragbar; diese derzeitige Regelung sei aber nicht so zu verstehen, dass sich „die Versicherungswirtschaft“ dauerhaft der Versicherung von Gentechnikrisiken verschließen werde“
(GID 178 10/11-2006 S.56)

·         Bundestag:
derzeit etwa 373.000 Hektar Maisanbaufläche vom Maiszünsler befallen (gesamt: 1,7 Millionen; d.h. 22% befallen); befallene Fläche 1999: 387.000 Hektar
(GID 179 12-2006,1-2007 S.22)

·         Die Gentechnik erobert den Weinbau. Sie macht das Getränk milder und schützt die Reben - ist aber umstritten.
Der Präzedenzfall heißt ML01 und stammt aus den USA: Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die erste gentechnisch veränderte Weinhefe, die von der US-Kontrollbehörde FDA für den kommerziellen Einsatz zugelassen worden ist. In diesem Jahr werden erstmals Weine auf den Markt kommen, bei denen die Gärung mit ML01 unterstützt wurde. Für die Verbraucher in Amerika ist das allerdings kaum erkennbar. Denn in den USA müssen die zugehörigen Weinflaschen nicht extra gekennzeichnet werden.
Nun fürchten Winzer weltweit hitzige Diskussionen über Gen-Wein. Als erstes reagierte das Australian Wine Research Institute, ein Sprachrohr der australischen Weinindustrie. Es gab mit Hinweis auf ML01 eine Erklärung heraus, dass bei der Herstellung australischer Weine vorläufig keine gentechnisch veränderten Organismen eingesetzt würden.
Von der Sorge ums Image abgesehen ist ML01 für Winzer durchaus interessant. "Mit der transgenen Hefe ML01 spart man Zeit bei der Weinbereitung" ,sagt Manfred Großmann, Leiter des Fachbereiches Mikrobiologie der Forschungsanstalt Geisenheim. Denn ML01 vergärt nicht nur wie die natürlichen Weinhefen der Gattung Saccharomyces cerevisae den Fruchtzucker im Most zu Alkohol. Sie wandelt zugleich Apfel- in Milchsäure um, wodurch der Wein runder und weniger sauer schmeckt. ...
Nicht nur die Weinhefen drohen sich durch die Gentechnik zu verändern. Seit Jahren arbeiten weltweit Forschergruppen daran, auch Weinstöcke zuoptimieren. Die meisten Versuche zielen darauf ab, die Pflanzen gegen schädliche Pilze resistent zu machen. In Würzburg und Siebeldingen wachsen seit 1999 auf kleinen Versuchsflächen Riesling-Reben, die in ihrem Erbgut Gene aus Gerstenpflanzen tragen. Diese transgenen Weinstöcke produzieren in ihren Blättern Eiweißstoffe, die sie vor dem Befall von Mehltau-Pilzen schützen. Die Langzeitversuche laufen bis 2009, dann sollen die transgenen Pflanzen gerodet und vernichtet werden. Bis dahin studieren die Forscher, ob sich die neuen Gene auf den Geschmack des Weines auswirken und inwieweit die transgenen Weinstöcke ihre Umwelt beeinflussen.
(Berliner Zeitung, 30.08.2006)

·         Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit nutzen Pflanzenforscher und -züchter derweil erfolgreich neu-modische Verfahren jenseits der umstrittenen Grünen Gentechnik. "Smart Breeding" - "clevere Züchtung"-  heißt das Schlagwort. Und dabei werden durchaus Hightech-Methoden  verwendet, auch molekularbiologische, die sich letztlich der Gentechnik  bedienen. Die Züchter bauen aber keine neuen Gene in ihre Pflanzen ein,  sondern nutzen die gentechnischen Methoden, um aus ihren Kreuzungen  schnell die vielversprechendsten herauszusuchen; von MONSANTO eingeführt
(Süddeutsche Zeitung,10. August 2006, Nr. 183, Seite 18, Wissen

·         US-Forscher Charles Arntzen; zunächst Versuche mit der „Impfbanane“; es ist nicht gelungen, ein als Antigen wirkendes Protein in der Banane auszubilden; ab 1998 Versuche mit Kartoffeln, diese „Biofabrik“ produzierte erfolgreich Impfstoffe gegen Cholera-Bakterien sowie den Durchfall-Erreger Norwalk-Virus, klinische Versuche erfolgreich, Problem: Knolle musste roh verzehrt werden, Kochen zerstört Impfstoff; heute ist die Tabakpflanze das Idealgewächs des Forschers, seit 4 Jahren Züchtung von genetisch veränderten Tabakpflanzen, produzieren Impfstoffe gegen Cholera, Hepatitis C sowie pathogene E.coli-Stämme, auch gegen Pestverursacher und Ebola-Virus, erste Versuche an Mäusen erfolgreich; Anwendung: der Patient bekommt eine handelsübliche Tablettenkapsel,mit dem getrockneten Pflanzensaft
(bdw 2/07 S.110)

·         Debatte im Bundestag zur Regierungserklärung Klimaschutz;
EU-Beschluss: bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 20% gesenkt werden, die Energieeffizienz um 20% gesteigert werden und der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch soll auf 20% gesteigert werden;
Reiche (CDU): Biomasse-Pflanzen müssen leistungsfähiger sein; grüne Bio- und Gentechnologie unverzichtbar;
(Das Parlament 30.4.07)

·         Bienensterben in USA und Deutschland;
Deutscher Berufsimkerbund (DBIB): „wichtigste Ursachen: Pestizide und Einsatz von Gentechnik“;
USA: Bestäubungsindustrie; 1,2 Millionen Bienenvölker werden jährlich nach Kalifornien transportiert, um Mandel- und Obstplantagen zu bestäuben; die Wanderimker sind wenig am Honig interessiert, ihr Geld verdienen sie mit Prämien pro Volk; Honig ist kaum verkäuflich, weil viele Pestizide eingesetzt werden und die Bienen vorbeugend mit Antibiotika behandelt werden;
deutsche und amerikanische Ursachen-Forscher: als Hauptverursacher gelten Varroa-Milbe und Bakterien, Viren oder Pilze; Elektrosmog und gentechnisch veränderte Organismen sind „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Ursache auszuschließen“;
(ZEIT 24.5.07 S.39; taz 25.5.07)

·         Bioenergie fördert Gentechnik;
für Landwirte sind Bioenergien ein gutes Geschäft: Landet ihr Mais im Tiertrog, bekommen sie rund 400 Euro je Hektar, geht er in die Biogasanlage, sind es tausend Euro;
lange Zeit waren 70% der Deutschen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft; das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat jüngst ermittelt, dass nun knapp 70% der Deutschen für Genmais sind, wenn daraus Ökostrom wird
(taz 28./29.4.07)

·         gentechnisch veränderte Soja in Argentinien;
16 Millionen Hektar; seit 2000 verdoppelt; 42 Millionen Tonnen; fast alles stammt aus genmanipuliertem Saatgut (Roundup Ready von Monsanto); Direktsaatverfahren: stracks (ohne Pflügen) in den frisch geernteten Stoppelacker eingedrückt;
die Sojabohne hat Reichtum gebracht;
mit der Verdopplung der Getreideproduktion hat sich der Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln verdoppelt und der von Dünger verfünffacht – in 15 Jahren;
Vertreter einer kritischen Umweltorganisation: Es gibt einen Konsens in der Wissenschaft darüber, dass transgene Soja die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigt
rund 500 US-Dollar Verdienst pro Hektar, doppelt so viel wie mit Viehzucht; 30-35 Tonnen je Hektar;
(ZEIT 19.4.07 S.32)

·         Forschungsleiter des Nahrungsmittel-Multis Nestle (Werner Bauer): Wir werden in Europa vorerst kein Genfood vermarkten, wenn es der Konsument nicht will, werde ich es ihm nicht servieren
(Spiegel 14/2007 S.78)

·         gentechnisch veränderter Reis mit neu eingefügten Proteinen zur Bekämpfung von Durchfallerkrankungen darf im US-Bundesstaat Kansas auf gut 1000 Hektar angepflanzt werden;
in St. Louis/ Missouri Versuch, Süßkartoffeln gentechnisch so zu verändern, dass sie unempfindlich gegen bestimmte Viren sind; Nahrungsmittel in Afrika;
gentechnisch veränderte Süßbananen sollen von Belgien nach Uganda importiert werden, um dort Freilandversuche durchzuführen; Pflanzen sollen resistent sein gegen eine Virus- und eine Bakterienkrankheit; Erwartung: deutlich weniger Verluste durch Schädlinge und Krankheiten (derzeit bis 50%); Bananen werden in 80 Ländern angebaut und sind die am vierthäufigsten konsumierte Nahrungspflanze der Welt
(GID 182, Juni 2007, S.22f.)

·         (96) Anteil der Bevölkerung, der gentechnisch veränderte Lebensmittel befürwortet lt. Eurobarometer 58.0/2002: Spanien 74 %, Großbritannien 63, Deutschland 48, Griechenland 24;
Forsa-Umfrage 2004: Würden Sie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel kaufen? JA 29 %, NEIN 68 %
(Spiegel spezial „Besser essen besser leben“ 5/2005)

·         Grüne Gentechnik – im Dschungel der Vorurteile
Daten 2006:
102 Millionen Hektar weltweit; entspricht knapp 8% der landwirtschaftlich genutzten Fläche weltweit;
10,3 Millionen Bauern in 22 Ländern;
90% der Bauern, die auf Gentechnik setzen, sind Kleinbauern in Entwicklungsländern;
Länder: USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien, China;
Pflanzen: vorrangig Soja, Mais, Baumwolle, Raps;
zwei Konzepte:
A) Herbizidresistenz 68% Soja, Mais, Raps, Baumwolle
B) Insektenresistenz: 19% Baumwolle, Mais
Rest überwiegend Pflanzen mit beiden Eigenschaften;
Schäden für den Verbraucher waren in der Praxis bislang nicht festzustellen;
grüne Gentechnik beeinträchtigt die Umwelt auf jeden Fall nicht so stark wie die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz von Insektiziden;
Bundesamt für Verbraucherschutz ... (BVL) hat im April 2007 Monsanto den Verkauf von Saatgut der Maissorte MON810 vorerts untersagt; Monsanto muss Monitoring-Plan vorlegen (Konzern muss während des Anbaus Untersuchungen durchführen z.B. über den Verbleib des Bt-Toxins in der Umwelt und dessen Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, erst wenn BVL Plan akzeptiert hat, darf Monsanto wieder genverändertes Saatgut verkaufen; die Einschränkung gilt auch für die Bt-Maissorten, die andere Firmen in Lizenz auf Monsantos Patent produzieren; Begründung des Verbots z.B. wegen des Nachweises, dass das Bt-Gift nicht nur den Maiszünsler tötet, sondern im Boden auch Trauermückenlarven schädigt;
unerwartet, dass das Bt-Konzept bis heute gehalten hat und sich keine Resistenzen beim Maiszünsler entwickelt haben; Konzept: A) Hochdosis (sofortige Tötung) B) in den USA müssen bis zu 50% der Fläche mit normalem Mais bestellt werden, in Deutschland bei Flächen über 5 Hektar 20% konventioneller Mais;
bislang werden längst nicht alle Toxine des Bacillus thuringiensis genutzt; weitere Bakterien sollen genutzt werden;
90% aller gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit tragen Monsanto-Technologie;
in Kanada und USA dominiert BayerCropScience (Leverkusen) unter dem Namen LibertyLink die Herbizidtoleranz bei Raps;
in Deutschland ist bisher keine herbizidresistente Pflanze zugelassen;
die genveränderten Agrarpflanzen haben den Einsatz von Herbiziden tatsächlich um bis zu 40% sinken lassen (Marländer, Institut für Zuckerrübenforschung, Uni Göttingen);
konservierende Bodenbearbeitung: Landwirte verzichten auf den Pflug, lassen Stängel und Pflanzenreste nach der ernte auf dem Acker, schützende Deckschicht verringert Erosion, bindet mehr organische Substanz im Boden;
in USA Unkräuter mit Resistenzen gegen Totalherbizid Glyphosat; Monsanto entwickelt nun Nutzpflanzen, die gegen ein zweites Herbizid resistent sind (Dicamba);
in Feldern mit herbizidtolerantem Raps verminderte sich Artenvielfalt von Unkräutern und Insekten um mindestens 30%;
smart breeding: herkömmliche Züchtung neuer Eigenschaften, aber schnellere Selektion der gelungenen Exemplare mit Hilfe von Gentechnik (molekulargenetische Methoden);
Golden Rice: 2005 kreierten die Forscher einen Reis, der eine praxistaugliche Menge an Beta-Karotinen bildet (Vorstufe von Vitamin A; Mangelernährung bei Kindern in Entwicklungsländern); Einwand bleibt: kuriert wird lediglich das Symptom, nicht die Ursache – Armut. Der Bedarf an Vitamin A ließe sich nämlich durch viele Lebensmittel decken, die aber unerschwinglich teuer sind;
“keine Toten und keine neuen Allergien“; es ist nirgends ein Fall dokumentiert, wo Verbraucher durch die Grüne Gentechnik einen Nachteil gehabt hätten (Buhk, Bundesamt für Verbraucherschutz BVL);
in Kanada stießen die Tester auf Raps-Pflanzen, die zwei Herbizidresistenzen aufwiesen, kein Hersteller produziert sie so, müssen durch wilde Kreuzungen entstanden sein
(bdw 8/2007 S.44ff)

·         der Westliche Maiswurzelbohrer ist der größte Maisschädling in den USA und Teilen Osteuropas; USA: für Insektizide und Ernteausfälle 1 Mrd. Dollar Schäden pro Jahr;
Käfer jetzt erstmals in Baden-Württemberg gefunden; wahrscheinlich über Flughafen Lahr eingeschleppt;
5-8 mm groß; Weibchen legt im Sommer bis zu 1000 Eier etwa 30 cm tief in die Erde um Maiswurzeln herum; kalte Winter mit Temperaturen unter minus 10 Grad überleben die Eier nicht;
Fruchtwechsel kann den Schädling ausrotten bzw. unter Kontrolle halten
(taz 26.7.07)

·         Agrargenossenschaft Radeburg (bei Moritzburg) hat auf 37 ha gentechnisch veränderten Mais der Sorte MON810 angebaut;
in vergangenen Jahren hat der Maiszünsler 5 bis 10 % der Maisbestände vernichtet;
Mehrkosten: 20 Euro mehr für das Saatgut je Hektar; wird durch Mehrerträge locker ausgeglichen
(Freie Presse Chemnitz 21./22.7.07)

·         (5) Maiszünsler-Bekämpfung durch Einhalten der Fruchtfolge (der Zünsler überwintert auf den Feldern und benötigt im Folgejahr dieselbe Frucht, wieder Mais), das Häckseln und tiefe Umpflügen;
2007 Anbau Bt-Mais: Frankreich 19.000 ha, Spanien 60.000 ha;
(9) MONSANTO-Mais LY038 soll mit höherem Anteil an der Aminosäure Lysin die Futterqualität verbessern;
Syngenta-Mais 3272: dessen neue hitzestabile Amylase soll die Herstellung von Ethanol aus Mais (Biogas) erleichtern;
(28) in Australien Freisetzung von gentechnisch verändertem Weizen: soll mit weniger Wasser wachsen können
(GID 183/2007)

·         seit März 2007 in Sachsen-Anhalt auf einer Versuchsfläche Anbau von gentechnisch veränderten Erbsen, die gegen bestimmte Infektionskrankheiten gerichtete Antikörper produzieren; sollen, ins Futter von Schweinen gemischt, ein idealer Eratz für Antibiotika sein, die seit 2006 nicht mehr vorbeugend gegeben werden dürfen
(Ökotest 5/07 S.50)

·         Testergebnis: Babynahrung von Milupa und Humana enthält Gen-Soja-Anteile von 0,1 bis 0,2 %;
USA Anteil Gensoja inzwischen über 90%; Argentinien 98%;
(Ökotest 10/2007 S.23, 28ff)

·         Novelle des Gentechnikgesetzes :
Verbraucher können in Zukunft erfahren, ob Tiere mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden; in Milch, Fleisch nicht nachweisbar; Bauern, die kein gv Futter einsetzen, können das dem Verbraucher durch die Kennzeichnung als „gentechnikfrei“ mitteilen;
Christel Happach-Kasan (MdB FDP): im Oderbruch richtet der Maiszünsler durchaus Schäden an, das Brandenburgische Landesamt für Verbraucherschutz ... hat festgestellt, dass dort der Bt.Mais-Anbau finanzielle Vorteile gebracht hat;
beim Bt-Mais hat sich herausgestellt, dass sie einen geringeren Gehalt an Pilzgiften haben als herkömmliche Sorten (in Mexiko treten durch solche Pilzgifte vermehrt Fehlgeburten auf);
(Das Parlament 22.10.07)

·         Firma Südwestsaat GbR in Rastatt (BaWü) ist es gelungen, mit konventionellen Methoden eine Maissorte mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer zu entwickeln; die Resistenz liegt auf mehreren Genen verteilt; Wirkung vermutlich durch antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(GID 184/07 S.25; http://www.saaten-union.de/index.cfm/nav/407/article/3201.html )

·         Bayer Crop Science entwickelt intensiv Saatgut und Pflanzenschutzmittel für die Agrotreibstoffpflanze Jatropha; Samen bestehen zu mehr als 30% aus Öl; Bayer: Gefahr einer Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln bestehe allerdings nicht, da J. so genügsam sei, dass sie auch auf Böden wachse, wo Lebensmittel nicht gedeihen würden; Anbau auf Grenzertragsböden Chance für Landwirte
(taz 22.1.08)

·         BAYER stattet Sojapflanzen mit Resistenz gegen 3 verschiedene Herbizide gleichzeitig aus: Glyphosat (Monsanto Basta), HPPD-Hemmer und das firmeneigene Liberty (Gluphosinat)
(GID 185 Dezember 2007 S.21)

·         Anteil Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007: Soja 64%, Baumwolle 43%, Mais 24%, Raps 20%;
indische
Bauern ernteten dank der Bt-Baumwolle ein gutes Drittel mehr; im Schnitt zahlten sie 41% weniger für Pflanzenschutzmittel; ihr Gewinn sei trotz höherer Saatgutpreise um fast 70% gestiegen (Terry Raney, FAO);
nur 4 Pflanzen (Baumwolle, Mais, Raps und Soja) und 2 gentechnisch eingefügte Eigenschaften (Insektenresistenz und Herbizidtoleranz) machten bislang über 99% aller Gentech-Gewächse aus;
(Der Spiegel 17-2008 S.150ff.)

·         BASF will seit 8 Jahren gentechnisch veränderte Kartoffeln „AMFLORA“ (nur noch Produktion einer Stärkeart in den Zellen, Einsatz für technische Zwecke) anbauen; droht jetzt mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof wegen Untätigkeit der EU (bisher keine Entscheidung über Zulassung);
20-30 Millionen Euro jährlich könnten mit den Lizenzen verdient werden, Europas Stärkeindustrie und Landwirte hoffen auf zusätzliche Erlöse von rund hundert Millionen Euro;
BASF hat in den letzten 10 Jahren 1 Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen gesteckt, für AMFLORA allein zweistelliger Millionenbetrag; der Markt für Pflanzen des neuen Typs wird von BASF auf 50 Mrd. Dollar im Jahr 2025 geschätzt;
(DIE ZEIT 24.4.08 S.35)

·         Chinesische Forscher haben ein Gen im Reis entdeckt, das mehrere zentrale Eigenschaften wie den Ertrag steuert, auch Höhe der Pflanzen, Blühzeit
(taz 6.5.08)

·         Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB):
These von der
Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen wird bezweifelt, Nutzen ist nicht eindeutig erwiesen; die meisten dazu durchgeführten Untersuchungen seien extrem unsicher; Ergebnisse wegen lokaler Spezifika nicht übertragbar; meist zu kleine Stichproben;
(taz 29.4.08)

·       Interview mit Philip von dem Bussche, Vorstandssprecher beim niedersächsischen Saatgutzüchter KWS;
Dem Hunger auf der Welt kann man nicht nur mit Gentechnik begegnen, das wäre Unsinn. Hunger ist nicht nur ein Züchtungsproblem, sondern ein Problem der Verteilung, eine ökonomische, eine politische Frage;
sind die Anforderungen an uns als Pflanzenzüchter schnell beschrieben: unsere neuen Pflanzensorten müssen Jahr für Jahr etwa 2% Ertragszuwachs bringen;
wenn es nichts zu verteilen gibt, hilft mehr Verteilungsgerechtigkeit leider auch nicht weiter
(ZEIT 30.4.08 S.44)

·       Bt-Baumwolle; Anbaugebiete in USA (Mississippi und Arkansas); Larven des Baumwollkapselbohrers, die mit Bt-Toxin gefüttert wurden, vertrugen zwischen 50 und 1000 mal mehr von dem Gift als solche, die nie damit in Berührung gekommen waren; ab einer zehnfach erhöhten Dosis (die vertragen wird ? JK) sprechen Forscher von Resistenz; erster Nachweis einer im Freiland entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanze
(bdw 5-2008 S.7)

·       Maisschädling Maiswurzelbohrer 2007 erstmals in Deutschland an 8 Standorten in Süddeutschland gesichtet; in USA seit 1950er Jahren – verursacht Kosten von 1 Mrd US-$ pro Jahr; in Europa erstmals 1992 Region um Belgrad (vermutlich mit Nahrungsmitteltransporten der US-Truppen eingeschleppt; besonders betroffen inzwischen Ungarn, Rumänien, Slowenien; Weibchen legen im Spätsommer Eier an Maiswurzeln ab, im nächsten Frühjahr fressen Larven an den Wurzeln;
Saaten-Union aus Isernhagen bei Hannover hat jetzt gentechnikfrei eine resistente Maissorte züchten können; seit 2002 Feldversuche in Ungarn; 2010 Zulassung?;
bei Vergleichssorten 50-100% Schäden, bei der neuen Sorte nur geringer Befall; Wirkung durch antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(Saaten-Union GmbH Isernhagen; 26.9.07, renate.wegert@saaten-union.de)

·       In Baden-Württemberg wurden 2007 starke Ernteausfälle durch den Westlichen Maiswurzelbohrer verzeichnet; um die Fundstellen mussten 2008 eine Befalls- und eine Sicherheitszone eingerichtet werden
(ZEIT 21.5.08 S.37)

·       In Deutschland militanter Protest gegen die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen; damit befestigen die Kritiker das, was sie beklagen:
da sich Forschungsinstitute kaum noch an neue Versuche wagen, wird die Monopolstellung jener Unternehmen noch gefestigt, die heute die Regeln des Marktes bestimmen;
da die Versuchsfelder zerstört werden, bleibt jene Forschung aus, die zu besseren als den heute kritisierten Pflanzen führen könnte;
wir haben die Technik per se verdammt, bevor wir ihre Optionen nachhaltig geprüft haben
(ZEIT 21.5.08 S.33)

·       Bienensterben am Oberrhein; Vergiftung durch das chemische Pflanzenschutzmittel Clothianidin; soll den Maiswurzelbohrer bekämpfen; wird der Beize zugemengt, mit der Saatgutfirmen die Körner für die Maissaat behandeln und derart gegen den Bösewicht „impfen“ (giftig machen); wahrscheinlich zu wenig Haftmittel zugegeben, sodass sich Teile des Giftstoffes als Abriebstaub lösten; Sä-Maschinen arbeiten z.T. mit Luftdruck;
(Alternative: gentechnisch veränderter Bt-Mais JK)
(Das Parlament 9./16.6.08)

·       Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen Impfstoffe produzieren; derzeit werden 29 solcher Medikamente in klinischen Studien getestet (wohl weltweit JK); bei Anbau im Freiland Auskreuzen der Eigenschaft verhindern: Containment (räumliche Abgrenzung von anderen Pflanzen) oder Confinement (ökologische Abgrenzung: nur Pflanzen anbauen, die in dieser Gegend sonst nicht vorkommen, sich selbst bestäuben oder sich durch gentechnische Eingriffe nicht mehr fortpflanzen können = „Terminator-Technologie“); Gefahr bei der Bildung von (fremden, zusätzlichen) Proteinen in Lebewesen: Nicht alle diese Proteine werden einheitlich gebildet. Wie sie letztlich aussehen, hängt von den Produktionsbedingungen ab, also Temperatur, Licht oder Ernährung der Pflanzen; Unterschiedliche Formen der Proteine können wiederum Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Medikaments haben
(taz 20.6.08)

·       Sojabohne;
stammt ursprünglich aus Asien;
USA mehr als 85 Millionen Tonnen pro Jahr, Brasilien 50, Argentinien 38;
90% werden an Tiere verfüttert;
(ZEIT 26.6.08 S.22)

·       USA: jeder Liter Biotreibstoff mit 15 Cent staatlich subventioniert; die meisten Bundesstaaten haben Mindestmengen für Beimischung von Ethanol verordnet (10 bis 20%); Farmer fährt mit 85% Ethanol im Benzin, sämtliche US-Hersteller liefern dafür modifizierte Automodelle, vier kompatible japanische Autos, kein einziger geeigneter europäischer Wagen;
gentechnisch veränderte Maissorten liefern bis zu einem Fünftel höhere Erträge
(ZEIT 26.6.08 S.13ff.)

·       Züchtung des gentechnikfreien Gentech-Apfels;
Dresden-Pillnitz;
in das Erbgut eines Apfelpflänzchens wurde ein Gen der Birke eingebaut; dieses gaukelt dem Pflänzchen vor, es wäre bereits erwachsen; folglich treibt es bereits im Alter von wenigen Wochen Blüten; damit können im Abstand von nur einem Jahr immer neue Kreuzungsschritte durchgeführt werden (das wäre bei normalen Apfelbäumen erst möglich, wenn sie nach einigen Jahren erstmals blühen); die Forscher hoffen, bekannte Resistenzgene etwa gegen die Bakterienkrankheit Feuerbrand auf diese Weise künftig schneller in ertragreiche Apfelsorten einkreuzen zu können; wenn das Ziel erreicht ist, soll das Frühblüher-Gen (aus der Birke) einfach wieder aus der Apfelsorte herausgekreuzt werden; das Ergebnis wäre ein Apfelbaum, der zwar durch Genmanipulation entstand, am Ende aber (wieder) gentechfrei ist; „die besten Resistenzgene finden wir im Apfel selbst“, dann müssen wir dieses Apfel-Gen nur in andere Apfelsorten einbauen
(Der Spiegel 50/2008 S.164ff)

·       seit 2008 werden in den USA in größerem Umfang Zuckerrüben angebaut, die gegen das Herbizid Roundup (Monsanto) resistent sind;
KELLOGS verwendet solchen Zucker;
US-amerikanische Verbraucherorganisationen rufen zum Boykott von gentechnisch verändertem Zucker (? JK) auf;
die nach Europa exportierten Produkte von Kellogs seien frei von Zutaten aus gv-Rohstoffen, weil die öffentliche Akzeptanz dort geringer sei als in den USA
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.30)

·       Das katholische Bistum Magdeburg hat angekündigt, seine Beteiligung am Biopark in Gatersleben aufzugeben. „Es kann nicht die Aufgabe der katholischen Kirche sein, die grüne Gentechnik voranzutreiben“, so Bistumssprecher Lazar … die kircheneigene GeroAG hatte sich im Jahr 2005 mit einem Tochterunternehmen, der Futura GmbH, mit 49% am Biopark Gatersleben beteiligt …
3 Millionen Euro hat die Futura GmbH bislang in den Biopark investiert, zusätzliche 13 Millionen stammten aus Fördermitteln der Landeskasse.
Die Verträge laufen noch bis 2022, deshalb ist ein Ausstieg der katholischen Kirche nur möglich, wenn ein Käufer gefunden wird, der alle Verpflichtungen der Futura GmbH übernimmt
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.52)

·       „Genmarkergestützte Züchtung“;
ist keine Gentechnik im eigentlichen Sinn, sondern konventionelle Pflanzenzüchtung, die auf Erkenntnissen der Genforschung beruht. Statt die Fähigkeiten einer Pflanze nur von außen zu beurteilen, suchen Forscher im Erbgut gezielt nach nützlichen Eigenschaften, um die Züchtung neuer Sorten zu verbessern … schon im Labor lässt sich erkennen, ob eine Pflanze ein bestimmtes Gen besitzt, das ihr eine bestimmte Fähigkeit verleiht … Ist das der Fall, kann sie zur Züchtung eingesetzt werden, ohne vorher aufwändig getestet werden zu müssen (Eigenschaften normalerweise erst an der erwachsenen Pflanze ausgeprägt und zu erkennen JK)
(ZEIT-Wissen Heft 1/2009, S.13)

·       Australien; erneut Freisetzung von gentechnisch verändertem Weizen genehmigt;
50 verschiedene Sorten, die aufgrund einer gentechnischen Veränderung eine Trockenheits-Toleranz besitzen sollen; in den vergangenen Jahren sollen die gentechnisch veränderten Weizenpflanzen Mehrerträge von bis zu 20% erbracht haben
(GID 189 August 2008 S.24f)

·       Uni Wien; Fütterungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais MON810 und NK603; deutliche Hinweise darauf, dass das die Fruchtbarkeit von Mäusen beeinträchtigen kann; erst in der dritten Generation sind laut Studie zum ersten Mal „statistisch signifikante“ Unterschiede bei der Anzahl der Nachkommen aufgetreten (im Vergleich zu einer Kontrollgruppe); auch in der 4. Generation weniger Nachkommen; Experten halten es für dringend erforderlich, diese ersten Ergebnisse durch weitere Studie abzusichern
(taz 14.11.08)

·       Ist genmanipuliertes Saatgut schuld am Selbstmord Tausender indischer Bauern?
Forscher des unabhängigen International Food Policy Research Institute (IFPRI):
die Selbstmordrate indischer Bauern bewegt sich seit vielen Jahren auf nahezu konstantem Niveau, unabhängig davon, wie viel  konventionelle oder manipulierte Baumwolle sie anpflanzten;
die ab 2002

·       eingeführten Gensorten gedeihen jetzt auf rund 80% aller Anbauflächen und haben offenbar nicht zu einer Epidemie von Selbsttötungen geführt; Ursache des Pflanzer-Elends seien vielmehr Dürren und miserable Bewässerungsanlagen, vor allem aber der Mangel an staatlicher Unterstützung, etwa in Formbilliger Kredite;
insgesamt, so resümierten die IFPRI-Forscher, sei die Gen-Baumwolle für Indien und seine Bauern sogar ein Erfolg; das Land habe seine chronisch schwache Ernte innerhalb von 5 Jahren fast verdoppeln und sich vom Baumwoll-Importeur zum zweitgrößten Exporteur wandeln können; die Einkommen der meisten Landwirte hätten sich dabei positiv entwickelt; ihr Verbrauch an Pestiziden habe wegen der schädlingsresistenten Pflanzen um ein Drittel abgenommen;
Grafiken: Entwicklung von 1998 bis 2006 für die Selbstmordrate (schwankt zwischen 16.000 und 18.000 pro Jahr) und die Anbaufläche gentechnisch veränderter Baumwolle (Anstieg von 0 2002 auf 4 Millionen Hektar 2006)
(Spiegel 47/2008 S.156)

·       80% aller weltweit geernteten Genpflanzen landen im Futter;
(taz 26.9.08)

·       Maiszünsler in Deutschland;
der Schmetterling stammt aus den wärmeren Regionen Europas und wurde um 1910 in die USA eingeschleppt;
hat in Deutschland wenig natürliche Feinde;
in D. 2005 etwa 370000 ha befallen, das entsprach 22 % der gesamten Maisanbaufläche;
Ausbreitung inzwischen bis zur Ostseeküste;
jährlicher Schaden 11-12 Mill. Euro
(Internetseite www.transgen.de 2.10.08)

·       Anbauflächen in Millionen Hektar:
Fläche für biologischen Ackerbau: 2000 weltweit 7,5, Europa 3; 2007 Welt 30,5, Europa 7
Fläche für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen: 1996 Welt 1,7; 2007 Welt 114
(National Geografik: Planet Erde 2008, S.46f.)

·       in namentlicher Abstimmung hat der Bundestag am 13.5.09 entschieden, den Antrag der Grünen, den Anbau von genverändertem Mais zu stoppen (!6/11919) abzulehnen – von 502 anwesenden Abgeordneten stimmten 391 (78% JK) für die in einer Beschlussvorlage des Landwirtschaftsausschusses (16/12841) empfohlene Ablehnung des Antrages; 78 lehnten ab, 33 Enthaltungen;
das im Antrag geforderte Anbauverbot für die genveränderte Maissorte MON 810 hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner indes schon am 14.April 2009 verhängt
(Das Parlament 18./255.09 S.10)

·       auf Kuba werden gentechnisch veränderte Maispflanzen getestet, im dortigen staatlichen Zentrum für Gen- und Biotechnik entwickelt; giftig für den wichtigsten Schädling auf dem Inselstaat, eine Mottenart; produzieren ein Gift des Bacillus thuringiensis (FR-Bt1), zunächst Anbau auf 50 ha
(GID 193 April 2009 S.25)

·       im März 2009 hat die EU-Kommission den Import des von Bayer Crop Science entwickelten gv-Raps T45 zugelassen; ist resistent gegen das Breitbandherbizid Glufosinat (soll von der EU höchstwahrscheinlich vom Markt genommen werden)
(GID 193 April 2009 S.42)

·       grundlegender Artikel über MONSANTO;
USA derzeit bei Mais 80%, bei Soja 92%, bei Baumwolle 86% aller Pflanzen gentechnisch verändert;
Spritzmittel ROUNDUP trug 2008 noch rund ein Drittel zum 6-
Milliarden-Dollar-Gewinn des Konzerns bei;
zusammen mit der BASF will Monsanto Pflanzen erforschen, die selbst bei Trockenheit oder Kälte hohe Erträge liefern;
(ZEIT 26.3.09 S.28)

·       Verbot von MON 810 durch Landwirtschaftsministerin in Deutschland;
zehn Forschungsinstitute protestieren in einer gemeinsamen
Erklärung gegen das Genmais-Verbot (u.a. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsrat)
(taz 20.4.09 S.6)

·       US-Regierung Kritik am deutschen Anbauverbot für Mon 810;
der deutsche Kurs zerstöre das Vertrauen in staatliche Zulassungsverfahren für Lebensmittel jeder Art, sowohl die zuständigen US-Behörden als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa hätten Mon 810 mehrfach überprüft, sie seien zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass von dem schädlingsresistenten Mais keinerlei Gefahr ausgehe
(Spiegel 19-2009 S.20)

·       das Landwirtschaftsministerium in München hat einen zehnjährigen Langzeitversuch unter anderem mit MON 810 auf 5 Staatsgütern vorzeitig abgebrochen – ein Versuchsjahr fehlt noch
(taz 23.4.09 S.02)

·       2008 erreichten gentechnisch veränderte Rüben in den USA einen Marktanteil von 59%, obwohl sie erst zwei Jahre zuvor eingeführt worden waren;
Andreas Graner, Direktor des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (IPK): berichtet von Studien, wonach auf Genmais-Äckern die Artenvielfalt sogar höher sei, weil gezielt (nur) der Maiszünsler
bekämpft werde. „Wenn Sie spritzen, sind viel mehr Organismen betroffen … Es gibt keine fachlichen Gründe für ein Verbot.“
(Freie Presse Chemnitz 15.4.09 S.4)

·       Landwirtschafts-Ministerin Aigner erlaubt Anpflanzung von Gen-Kartoffeln der Sorte AMFLORA zu Forschungszwecken auf 20 Hektar; von der Amflora-Kartoffel des BASF-Konzerns gehe „keine Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt aus“, erklärte Aigner;
(Freie Presse Chemnitz 28.4.09 S.6)

·       auf einer Fläche von 2700 Quadratmetern wird in Zabeltitz in Sachsen (auch nach dem Verbot der Maissorte Mon 810) ein herbizidresistenter Mais des Herstellers Pioneer ausgesät
(Freie Presse Chemnitz 28.4.09 S.6)

·       seit dem ersten deutschen Freisetzungsversuch 1990 … hat es in kaum einem anderen Land so viel, so gute und so kritische Risikoforschung gegeben wie hier. Ihre Ergebnisse indes werden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen …
Aber manchmal wird die Forschung auch gerade deshalb ignoriert (oder diskreditiert), weil sich beim genauen Hinsehen viele Ängste als unbegründet werweisen, Einwände im Wandel der Technik gegenstandslos wurden …
Dabei wäre genau das
umgekehrte Signal richtig: Forschung für die besseren Pflanzen von morgen, Konkurrenz für Monsanto …
(ZEIT 23.4.09 S.12)

·       2 Millionen Tonnen Kartoffelstärke produzieren Europas Landwirte im Jahr;
25 Millionen Euro Lizenzgebühr im Jahr verspricht sich BASF von AMFLORA;
die Industriekartoffel Amflora wurde in Schweden entwickelt, auf Wunsch der europäischen Stärkeindustrie; Biologen haben das Gen für die
Amylosesynthese einfach noch einmal umgekehrt in das Erbgut der Pflanze eingebaut. Das Gen und sein Spiegelbild inaktivieren sich gegenseitig;
Swedish Board of Agriculture 2004 zu Amflora: „Kein Risiko“.
Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa 2005: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Amflora negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt haben könnte.“
Biologische Bundesforschungsanstalt in Braunschweig: „Unbedenklich.“
die EU-Kommission wartet nun auf ein drittes Gutachten der Efsa, nachdem die Behörde schon zwei Mal grünes Licht gegeben hat;

in den USA sind 70 gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell zugelassen; in Europa nur eine (Mon 810-Mais);
(ZEIT 19.3.09 S.33)

·       vergangene Woche hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erneut eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffel AMFLORA der BASF ausgestellt; negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt seien den derzeitigen Erkenntnissen zufolge unwahrscheinlich“; mehrheitlich meinte das Gremium, es bestehe keine Gefahr für die Übertragung des Antibiotikums-Resistenz-Gens von der Kartoffel auf Bakterien; zwei Wissenschaftler im Gremium: zwar „unwahrscheinlich, aber Folgen bislang unabsehbar“
doch angesichts der EU-weiten Widerstände gegen Gentech-Pflanzen (in den letzten Jahren keine Mehrheiten im Ministerrat erreicht) wird die EU-Kommission die Amflora-Zulassung nicht weiter betreiben;
(taz 19.6.09 S.18)

·       BUND: deutsche Landwirte verfüttern jährlich 5 Millionen Tonnen Soja an ihre Tiere
(taz 9./10.5.09 S.19)

·       Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln genehmigt; 2009 bis 2012 Anbau in Mecklenburg-V. und Sachsen-A.; eine soll einen Impfstoff gegen Kaninchenseuche erzeugen, die andere Eiweißproduktion für Bauchemie und Waschmittelindustrie
(taz 9./10.5.09 S.07)

·       BASF und MONSANTO haben Maispflanzen entwickelt, die angeblich nur wenig Wasser benötigen; Gen aus dem Bakterium Bacillus subtilis (cspB-Gen) hilft, lange Trockenperioden zu überstehen; von 2012 an sollen Bauern den trockentoleranten Mais anbauen können
(taz 12.6.09 S.18)

·       von weltweit 114 Millionen Hektar Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen 2007 befanden sich 49 Mill. ha in Schwellen- und Entwicklungsländern;
in Indien hat 2008 der Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle um 20% zugenommen (auf knapp 7 Mill. ha = drei Viertel der Anbaufläche);
Unkräuter verursachen weltweite Ernteverluste von 14%; Insekten etwa 15% und Pilze etwa 13%;
erhebliche Vorteile gegenüber klassischen Anbaumethoden zeigen sich z.B. in Indien bei der Verwendung von Bt-Baumwolle: reduzierte Anwendung von Insektiziden, höhere Ernteerträge und höhere Einkommen der Landwirte;
Trockentoleranz als Ziel: weltweit müssen knapp 80% der Agrarflächen regelmäßig bewässert werden; 80% des Weltwasserverbrauchs; mit Gentechnik im Labor schon Erfolge; in drei bis 7 Jahren Marktreife;
“Öko-Gentechnik“ (!?) = transgene Pflanzen, die einen integrierten Pflanzenschutz ohne Umweltbelastung aufweisen;
(Beitrag von Frank Kempken; Uni Kiel)
weltweit 2006 rund 30,4 Mill. ha weltweit unter zertifizierter ökologischer Bewirtschaftung
(Aus Politik und Zeitgeschichte; 6-7/2009 Welternährung, S.22ff., 29)

·       (22.07.2009) Das derzeit in Deutschland geltende vorläufige Anbauverbot für gentechnisch veränderten Mais MON810 wird von der Zentralen Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS) als "wissenschaftlich nicht begründet" erachtet. Das nach dem Gentechnik-Gesetz zuständige Expertengremium hatte sich erneut mit der Umweltsicherheit von MON810-Mais beschäftigt.
(info@trangen.de)

·       in Schweden werden in Gebieten mit häufig vom Frühjahrshochwasser überschwemmten Wiesen jährlich mehrere tausend Hektar wegen des massiven Auftretens von Mücken Spritzungen aus der Luft mit dem Bekämpfungsmittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) durchgeführt; aus Bakterien gewonnen, Verfahren auch in Deutschland in den Rheinauen üblich;
Untersuchungen in Südfrankreich zeigte jetzt, dass das Bakterium (sein Gift JK) nicht so selektiv ist wie behauptet und dass neben den Larven der Schnaken auch andere Zweiflügler getötet werden; die Studie weist auch auf das Risiko der Entwicklung von Resistenzen gegen BTI hin
(taz 20.7.09 S.9)

·       Forscher in Frankreich haben herausgefunden, dass vier getestete ROUNDUP-Varianten (Totalherbizid von MONSANTO) Zellen aus menschlichen Nabelschnurvenen binnen 24 Stunden töten (auch in geringen Konzentartionen, wie sie regelmäßig als Rückstände in Lebensmitteln oder Tierfutter vorkommen); dafür machen die Forscher nicht den Hauptwirkstoff Glyphosat verantwortlich, sondern Zusatzstoffe wie Tallowamin (verändern die Durchlässigkeit der menschlichen Zellen und verstärken die Giftigkeit von Glyphosat);
MONSANTO: österreichische Zulassungsbehörde Ages meint, dass sich Ergebnisse wie die aus dieser Studie (Versuche mit isolierten Zellen) kaum auf komplexe Organismen wie Menschen übertragen lassen;
Bundesagrarministerium bat schon im Herbst 2008 Hersteller von ROUNDUP, auf Tallowamin als Beistoff zu verzichten
(taz 7.7.09 S.8)

·       Interview mit Kumi Naidoo, neuer Chef von Greenpeace International;
Frage: Die Gentechnik hat den „Goldenen Reis“ hervorgebracht, der unterernährte Kinder mit Vitamin A versorgen und vor der Erblindung bewahren könnte. Was hat ein afrikanischer Greenpeace Chef dagegen?
Antwort: Über diese Frage habe ich ein ganzes Wochenende lang nachgedacht. Ich habe keine naturwissenschaftliche Erfahrung, und deshalb will ich auch alle unsere wissenschaftlichen Positionen noch einmal untersuchen. Wir müssen sichergehen, keine neue, richtige Entwicklung zu verpassen.
(Spiegel 49-2009 S.147)

·       zwei US-Farmer reisen durch Deutschland, US-Botschaft hat Reise organisiert;
zeigen Statistiken: Genmais mit eingebautem Gift gegen einen Schädling habe 2006 in den USA die Produktionskosten um 324 Millionen Dollar gesenkt, Rund 290 Millionen Kilogramm Pestizidwirkstoffe seien dank Gentechnik vermieden worden; ein Mitarbeiter der Grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken zitierte eine Studie, nach der in den USA nicht weniger, sondern rund 145 Millionen Kilogramm mehr Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt wurden (und wie sieht es bei Schädlingsbekämpfungsmitteln aus ? JK)
(taz 21./22.11.09 S.07)

·       Deutsche Pflanzengenetiker (UNI Halle) haben den bei einigen Maissorten verlorengegangenen Duftabwehrmechanismus mit Hilfe von Gentechnik wieder „eingebaut“. Dieser „Hilferuf“ lockt Feinde von Wurzelschädlingen an … Folge des Verlustes dieser Fähigkeit (durch züchterische Auslese) seien enorme Ernteausfälle durch den Maiswurzelbohrer in Nordamerika;
der Duftstoff (E-beta-Caryophyllen EßC) werde auch im Wurzelbereich produziert, locke Nematoden an, winzige Würmer, die die schädlichen Larven des Maiswurzelbohrers vernichteten;
Freilandstudien: 60% weniger Maiswurzelbohrer, weniger Wurzelschäden; handelübliche Insektizide wirkten nicht besser
(taz 7.8.09 S.18, bild der wissenschaft 11-2009 S.10)

·       Nina Fedoroff kämpft im Auftrag von US-Außenministerin für die globale Verbreitung der Gentechnik;
Zeit: Die Mehrheit der Gentechnikkritiker richtet sich weniger gegen die Forschung als gegen die Macht über Bauern und Wissenschaft, die der Besitz von Patenten großen Konzernen verleiht.
Fedoroff: An dieser Macht sind weniger die Patente schuld als die Obsession, alles kontrollieren zu wollen. Wir haben einen derart komplizierten Test- und Genehmigungsapparat hervorgebracht, dass jetzt die einzigen Organisationen, die das Geld für die notwendigen Verfahren aufbringen können, die großen Konzerne sind. Eine Tragödie! …
Die Firmen sind nicht so schlimm, wie man sie immer darstellt, sie haben Kunden und ein Image zu verlieren …
Zeit: Ohnehin meinen viele, zumindest die derzeitigen GVO (gentechnisch veränderten Organismen) passten eher als Rationalisierungstechnologie in kapitalintensive Agrarsysteme auf großen Landflächen als auf kleinbäuerliche  Strukturen ärmerer Länder.
Fedoroff: Komischerweise sind 90 Prozent der 13 Millionen Farmer in Entwicklungsländern, die GVO anpflanzen, Kleinbauern. Besonders bei Baumwolle sind die Zuwachsraten rasant. Oft hat sich die Ernte fast verdoppelt.
(Die ZEIT, 13.8.09, S.29)

·       (S.22ff) in Indien hat der Anbau gentechnisch veränderte Baumwolle 2008 um 20% gegenüber dem Vorjahr zugenommen (jetzt 7 Millionen Hektar);
2008 wurde in Indien bereits 3 Viertel der Baumwollproduktion mit transgenen Bt-Sorten erzielt;
(S.29) 2006 rund 30,4 Millionen Hektar weltweit unter zertifizierter ökologischer Bewirtschaftung; globaler Markt auf 38,6 Mrd. US-Dollar beziffert
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“, Heft 6-7/2009, Welternährung)

·       Zehntausende Bauern in Indien hätten sich in den vergangenen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen das Leben genommen …
der indische Landwirtschaftsexperte Surinder Sud beurteilt in einem gerade erschienenen Buch die hohe Selbstmordquote der indischen Bauern als neues Phänomen und führt sie auf Ernteausfälle nach ausgebliebenen Monsunregen und Kreditaufnahmen für Brunnen zurück
(Die Zeit 1.10.09 S.27)

·       in Kuba werden gentechnisch veränderte Maispflanzen getestet, in einem staatlichen Zentrum entwickelt;
giftig für
den wichtigsten Schädling des Inselstaates, die Mottenart Spodoptera frugiperda; Pflanzen produzieren ein Gift des bodenlebenden Bakteriums Bacillus thuringiensis (FR-Bt1)
(GID Nr.193 4-2009 S.25)

·       US-Gentechnikkonzern Monsanto hat die Zulassung einer gentechnisch veränderten Maissorte beantragt, die trockenresistent ist
(GID Nr.193 4-2009 S.26)

·       USA; durch gentechnische Eingriffe ist es gelungen, bei BAUMWOLLE ein Gift im Samen der Pflanze unschädlich zu machen, es führt bei Menschen und manchen Tieren zu Herz- und Leberschäden, Rinder können dagegen die Presskuchen gut verdauen; damit wäre Baumwolle als Nahrungsmittel für Menschen nutzbar; bereits die jetzt weltweit angebaute Baumwolle enthält genug Proteine, um damit 500 Millionen Menschen ernähren zu können;
(taz 4.12.09 S.18)

·       Suche nach Ursache für das weltweite Massensterben der Bienen in den letzten Jahren;
US-Forscher: Eiweiß-Produktion bei den Bienen ist durch Viren gestört; Ribosomen werden durch sie zur Herstellung
viraler Proteine gezwungen, das schwächst die Immunabwehr der Bienen
(bild der wissenschaft 12-2009 S.13)

·       (Seite 9) rund 20 km2 Land benötigt ein Jäger und Sammler für seine Ernährung, heute reicht eine solche Fläche, um mehr als 9000 Menschen satt zu machen;
(14) Weizenerträge in Deutschland (dt/ha): um 1800 10,3; 1930 18,4; 2000 bis 2007 im Mittel 74,3 – Spitzenerträge 120;
Die Steigerung der Erträge geht mit deutlichen Verbesserungen ackerbaulicher Produktionstechniken wie Bodenbearbeitung, Düngung oder Pflanzenschutz einher. Hohe Erträge sind jedoch nur mit modernen leistungsfähigen Sorten zu erzielen. 25 bis 35% … hat die Züchtung zum Ertragsfortschritt beigetragen.;
(19) Seit vielen Jahren verändert der Mensch das Erbgut von Pflanzen freilich auch auf andere Weise: Durch Bestrahlen oder den Einsatz bestimmter Chemikalien lassen sich Veränderungen im Erbgut hervorrufen (Mutationen), die zu neuer Variation führen. Die Fusion zellwandloser isolierter Zellen (Protoplasten) ermöglicht es zudem, die Gene nicht kreuzbarer Arten zu kombinieren. All diese Verfahren stellen Eingriffe in das Genom einer Pflanze dar. Die Gentechnik ist nur ein weiteres Verfahren zur Veränderung des Erbguts einer Pflanze, mit dessen Hilfe sich gezielt genetische Variation erzeugen lässt. So können vor allem monogen vererbte Eigenschaften zielgerichtet übertragen werden – ohne die Begleitung durch unerwünschte Nebeneffekte. Grundsätzlich neu ist zudem, dass mit gentechnischen Verfahren auch Erbgut von nicht verwandten Organismen in Pflanzen eingeführt werden kann.;
(26) Molekulare Marker zur Beschleunigung der Züchtung:
Mit modernen Verfahren der Biotechnologie lassen sich Gene gleichsam sichtbar machen und genetische Fingerabdrücke oder Genkarten erstellen, die zeigen, auf welchem Chromosom und an welcher Stelle sich ein Gen befindet. Man kann mit molekularbiologischen Verfahren auch bestimmte Abschnitte des Erbguts gezielt markieren und erkennbar machen. Dadurch wird es beispielsweise möglich, frühzeitig zu erkennen, ob Pflanzen ein erwünschtes Allel tatsächlich enthalten;
(29) verschiedene Arten des Gentransfers:
a) Transformation mit Agrobacterium tumefaciens (veränderte Agrobacterium-Kulturen infizieren Pflanzen oder Gewebe)
b) Druckluft-Genkanone (Metallpartikel werden mit DNA beladen und in Zellen bzw. Gewebe „geschossen“)
c) Protoplasten-Transformation (Zugabe von DNA zu Pflanzenzellen ohne Zellwand, Regeneration ganzer Pflanzen);
Inzwischen hat sich der Gentransfer mit der bakteriellen Genfähre für die meisten Kulturpflanzen zu einem Routineverfahren entwickelt. Nur bei den Getreidearten wird vorwiegend die „Genkanone“ angewandt, doch auch hier setzt sich der Gentransfer mit Hilfe der Agrobakterien immer mehr durch. Da die Effizienz der Transformation allerdings recht gering ist, werden die Zielgene in der Regel zusammen mit einem Selektionsmarker in die Pflanzenzelle eingeführt.
Bei allen Verfahren wird die fremde DNA durch nicht-homologe (illegitime) Rekombination in das pflanzliche Genom integriert: Das Transgen wird an nicht vorhersagbaren Stellen des pflanzlichen Erbguts eingebaut. Dies kann die Ausprägung der gewünschten Eigenschaft nachteilig beeinflussen und darüber hinaus unerwünschte Mutationen auslösen.;
(31) Plasidentransformation
wenige Erbinformationen befinden sich nicht im Zellkern, sondern in Plastiden und Mitochondrien; Plastiden werden bei den meisten Nutzpflanzen nur mütterlich vererbt; wenn dort eine neue Eigenschaft „eingebaut“ ist, wird die Ausbreitung über Pollen minimiert;
(32) Um nach einer Genübertragung aus einer Vielzahl von Zellen diejenigen herauszufinden, die das fremde Gen tatsächlich in ihr Erbgut aufgenommen haben, überträgt man gleichzeitig ein zusätzliches Markergen. Derzeit sind etwa 50 Markergene bekannt … Visuelle Marker zählen dazu, fluoreszierende Proteine zum Beispiel, die im Mikroskop beobachtet werden können. Als positive Selektionsmarker bezeichnet man solche, die es der transformierten Zelle ermöglichen, auf Medien zu wachsen, die für unveränderte Zellen keine hinreichende Nährstoffversorgung bieten oder toxische Substanzen wie Antibiotika oder Herbizide enthalten. Tatsächlich werden Markergene, die eine Resistenz gegen Antibiotika oder Herbizide enthalten, häufig verwendet. …
Der völlige Verzicht auf Markergene hat sich als außerordentlich aufwendig erwiesen. Denn wenn alle Zellen in einem Gewebeverband die Möglichkeit haben, zu einer Pflanze heranzuwachsen, nutzen zuerst die unbeeinträchtigten Zellen diese Chance und hemmen zugleich die Regeneration benachbarter Zellen. Offensichtlich geht die Aufnahme eines Transgens mit einer Einschränkung des Regenerationsvermögens einher – in aller Regel jedenfalls regenerieren ohne ein Selektionsmittel nur die unveränderten Zellen.;
(39) Ziele bei der Züchtung gentechnisch veränderter Pflanzen:
Das Streben der Forscher geht … in fünf Richtungen:
Zum einen versucht man, Pflanzen besser zu wappnen gegen Krankheiten oder Schädlinge, Hitze oder Kälte, Trockenheit oder salzige Böden, kurz gegen Stressfaktoren der unterschiedlichsten Art.
Um die unliebsame Konkurrenz der Unkräuter auszuschalten und damit die Erträge zu sichern, werden Nutzpflanzen zudem mit gentechnischen Verfahren widerstandsfähig gemacht gegenüber bestimmten Herbiziden.
Zum dritten will man Pflanzen so ausstatten, dass sie besonders hochwertige Nahrungs- und Futtermittel liefern und dazu beitragen, mangelhafte Ernährung zu vermeiden.
Pflanzen dienen indes nicht nur zur Ernährung, sondern seit alter Zeit auch als Heilpflanzen; nun will man sie gezielt dazu anregen, pharmazeutisch interessante Substanzen, z.B. pflanzliche Impfstoffe, zu erzeugen.
Nicht zuletzt produzieren Pflanzen auch Rohstoffe verschiedenster Art – und auch diese Fähigkeit lässt sich mit Hilfe der Gentechnik steigern, abwandeln und optimieren.;
(41) Bacillus thuringiensis (Bt)
Dieses Bakterium ist in der Natur weit verbreitet und hat sich auf Insektenlarven spezialisiert, die an Pflanzen parasitieren. Es produziert ein Eiweiß, das sogenannte Bt-Toxin, das für einige parasitische Insektenlarven giftig ist, andere Lebewesen jedoch nicht schädigt.;
(44) Totalherbizide
relativ schnell abbaubare und damit vergleichsweise umweltverträgliche Wirkstoffe, die zentrale Stoffwechselwege aller Pflanzen blockieren;
Toleranz gegenüber Herbiziden lässt sich auf zweierlei Weise erzielen. Eine Strategie nutzt den Weg der Entgiftung, indem das eingesetzte Herbizid im Stoffwechsel der Pflanze in einen ungiftigen Metaboliten (ein ungiftiges Stoffwechselprodukt JK) überführt und die Pflanze so geschützt wird.
Die zweite setzt hingegen auf ein geeignetes Enzym, das nach der Genübertragung eben jenen Schritt im Stoffwechsel übernimmt, der durch das Herbizid gehemmt wird. Der erste Weg wird beispielsweise bei der Entgiftung des Wirkstoffs Glufosinat beschritten. Glufosinat, enthalten in einem Totalherbizid mit dem Handelsnamen BASTA, bewirkt die Hemmung eines Schlüsselenzyms der Pflanzen, der Glutamin-Synthesase, die im pflanzlichen Stickstoff-Stoffwechsel für die Glutamin-Synthese und Entgiftung von Ammoniak zuständig ist. Wird diese Entgiftung unterbrochen oder gehemmt, erleiden die Zellen massive Schäden und die Pflanze stirbt ab. In der Natur wird Glufosinat von dem Bodenbakterium Streptomyces spec. gebildet, das zu seinem eigenen Schutz auch das sogenannte PAT-Enzym (Phosphinothricin-N-Acetyl-Transferase) produziert, das den Wirkstoff sehr spezifisch in eine biologisch unwirksame Form überführt. Führt man das dafür zuständige Gen in Pflanzen ein, verleiht es auch ihnen eine zuverlässige Resistenz gegen Glufosinat.
Der zweite Weg wird genutzt, um Nutzpflanzen tolerant gegenüber dem Totalherbizid Glyphosat zu machen. Glyphosat, der Wirkstoff der Herbizids ROUNDUP, wird vor allem über die Blätter aufgenommen und in Spross und Wurzel verteilt. Glyphosat hemmt ein Enzym, die EPSP-Synthase (5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase), dem bei Pflanzen eine Schlüsselfunktion für die Synthese aromatischer Aminosäuren zukommt. Können diese lebenswichtigen Aminosäuren nicht gebildet werden, stellt die Pflanzen das Wachstum ein und stirbt schließlich ab. Verglichen mit vielen anderen Herbiziden gilt Glyphosat als umweltfreundlich: Es ist biologisch relativ schnell abbaubar und für Mensch und Tier nicht toxisch, weil diese den betroffenen Syntheseweg, den sogenannten Shikamatweg, gar nicht besitzen.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Nutzpflanzen mit einer gentechnisch vermittelten Toleranz gegenüber dem Wirkstoff Glyphosat, unter anderem Zuckerrüben, Raps, Soja, Baumwolle und Mais. Sie alle enthalten ein Gen aus dem weit verbreiteten Bakterium Agrobacterium tumefaciens, das den Bauplan für eine leicht abgewandelte EPSP-Sythase bereitstellt. Dieses bakterielle Enzym ist gegenüber Glyphosat unempfindlich, kann aber im Stoffwechsel die Funktion des pflanzlichen Enzyms übernehmen, sodass die gentechnisch veränderten Pflanzen eine Behandlung mit Glyphosat ohne größere Schäden überstehen.;
Von den weltweit 125 Millionen Hektar, auf denen 2008 gentechnisch modifizierte Nutzpflanzen angebaut wurden, waren mehr als 75 Millionen  Hektar mit herbizidtoleranten Pflanzen besetzt … ist die mit Abstand häufigste Eigenschaft gentechnisch veränderter Pflanzen;
(49) Pharmazeutisch relevante Inhaltsstoffe - von gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt;
Herstellung von Antigenen als Impfstoffe, um Immunantwort des Organismus zu provozieren;
in jüngster Zeit konnte für eine Reihe unterschiedlicher Antigene – etwa das Hepatitis-B-Virus-Oberflächenantigen, das Norwalkvirus-Kapsidprotein oder das Choleratoxin – gezeigt werden, dass sie sich nicht nur in Pflanzen herstellen lassen, sondern dass der Verzehr des transgenen Pflanzenmaterials auch eine Antwort im Immunsystem hervorruft;
(52) Nachwachsende Rohstoffe
Züchter bemühen sich seit Jahren um die Entwicklung von Kartoffeln, die vorzugsweise nur eine (der zwei in Kartoffeln gebildeten) Stärkeart produzieren, vorzugsweise Amylopektion, das als Rohstoff für Kleister und Bindemittel wirtschaftlich ist …
Durch den Einsatz der Antisense-Strategie ist es nun gelungen, die Bildung von Amylose (der unerwünschten Stärkeart) in Kartoffeln drastisch zu vermindern: Ein Stärke-Synthasegen, das an der Produktion von Amylose beteiligt ist, wird ausgeschaltet, indem man eine Kopie dieses Gens in umgekehrter Orientierung (Antisense) in eine zur Stärkeproduktion geeignete Kultursorte einführt. Dadurch stellen die transgenen Kartoffelknollen nur noch weniger als ein Fünftel der ursprünglichen Menge an Amylose her – das Amylopektion kann nun leichter gereinigt werden. …
Spinnseide beispielsweise kann (noch in der experimentellen Phase) von transgenen Tabak- und Kartoffelpflanzen produziert werden;
(67) Gefahren durch Antibiotika-Resistenzgene?
Horizontaler Gentransfer von anderen Organismen in Bakterien;
Bakterien haben verschiedene Verfahren zum Austausch von Erbinformationen entwickelt: die Transformation (Aufnahme von DNA aus der Umgebung), die Transfektion ((Aufnahme von DNA über Viren) und die Konjugation (Aufnahme von DNA aus einem Bakterium derselben oder einer anderen Art über eine Cytoplasmabrücke);
Der horizontale Gentransfer unter Beteiligung von Transgenen aus gentechnisch veränderten Pflanzen ist also ein rein hypothetischer Prozess, der trotz zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen bisher unter naturnahen Bedingungen noch nie beobachtet werden konnte; in Laborexperimenten unter sehr artifizellen Bedingungen Frequenz von etwa 10-13 beobachtet, also in einem von 10 Billionen Fällen (besonders aufnahmefreudige Bakterien eingesetzt und reine DNA verwendet), unter natürlichen Bedingungen sollte die Übertragungsfrequenz geringer als 10-20 sein);
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Gentransfers aus Pflanzen auf Bakterien sehr gering ist, so ist er nicht gänzlich auszuschließen. Die meisten Antibiotika-Resistenzgene, die zur Selektion transgener Pflanzen verwendet werden, kommen in der Natur sehr häufig vor;
(68) Die Zahl der Unkrautarten, die gegenüber konventionellen Herbiziden resistent sind, liegt deutlich höher als die jener Arten, die gegen Glyphosat … unempfindlich geworden sind.;
(72) Betriebswirtschaftliche Aspekte
Der rasche weltweite Anstieg des Anbaus transgener Pflanzen lässt vermuten, dass die Landwirte von der Anwendung der Technologie wirtschaftlich profitieren;
in den USA hat die Herbizidtoleranz zu einer geringfügigen Reduktion in der eingesetzten Herbizidmenge geführt. In Argentinien und Brasilien hingegen wurde der Herbizideinsatz durch die transgene Technologie deutlich ausgedehnt. Dafür wurde die Intensität der Bodenbearbeitung zurückgefahren, mechanisch Unkrautbekämpfungsmethoden durch Glyphosat-Anwendung ersetzt, oft Direktaussaat: Böden werden gar nicht mehr bearbeitet;
USA finanziell kaum Unterschiede, aber Entscheidung für trangene Sorten wegen vereinfachter Unkrautbekämpfung;
in Argentinien auf nur etwa 1/3 der Sojafläche formal gekauftes Saatgut; Zusatzgewinn durch neue Technologie von durchschnittlich 23 US-Dollar je Hektar
besonders bei Bt-Baumwolle wird teilweise mehr als die Hälfte der sonst üblichen Insektizidmenge eingespart; in Indien im Durchschnitt Ertragssteigerungen um mehr als 30%; das Beispiel Bt-Baumwolle zeigt, dass die Gentechnik durchaus auch für den Kleinbauernsektor geeignet ist;
(79) Die Gentechnik darf nicht als Allheilmittel für die Probleme in Entwicklungsländern missverstanden werden, sondern kann nur Teil einer breiteren Entwicklungsstrategie sein.
(90) Weder Teufelszeug noch Wundermittel
Mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung mit dem Anbau gentechnisch veränderter Sorten zeigen: Die von Kritikern postulierten negativen Folgen für Umwelt, Tier und Mensch sind in keinem Fall eingetreten …
Bei der Bewertung der Grünen Gentechnik werden freilich häufig unerwünschte Effekte ins Feld geführt, die gar nicht für gentechnisch veränderte Pflanzen spezifisch sind, sondern die moderne Landwirtschaft generell kennzeichnen (z.B. Entwicklung resistenter Unkräuter …); Schutzrechte und Monopole, ökonomische Nachteile für ärmere Länder und Beeinträchtigungen jener Landwirte, die gentechnisch veränderte Pflanzen nicht nutzen wollen oder können … nicht die Technik an sich ist gut oder böse, sozial, gerecht oder unmoralisch – diese Kategorien betreffen allein den Umgang mit ihr. Das gilt für die Gentechnik genauso wie für andere Techniken
auch. Betrachtet man aber jene Sorgen und Ängste, die sich tatsächlich ganz speziell auf die Grüne Gentechnik und ihre Folgen beziehen – die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen zum Beispiel, die Übertragung der neu eingeführten Gene auf andere Organismen des Lebensraumes oder die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen – so belegen die bisherigen Ergebnisse der Forschung unzweifelhaft: Diese spezifischen Risiken sind mit entsprechenden Maßnahmen und Sicherheitsstandards durchaus beherrschbar. Die Furcht vor unabsehbaren Folgen gentechnischer Veränderungen an Pflanzen hat sich als überzogen erwiesen.;
(93) Gentechnische Methoden gelten derweil in fast allen Bereichen der Lebenswissenschaften für unverzichtbar, seien es Botanik oder Zoologie, Mikrobiologie oder Medizin, Landwirtschaft oder Umweltwissenschaften. Sie erlauben zuvor ungeahnte Einblicke in das Zusammenwirken der Gene bei der Entwicklung der Lebewesen und bei der Evolution der Arten. Die Forderung nach „gentechnikfreien Zonen“ ist – von den wirtschaftlichen Realitäten einmal ganz abgesehen – deshalb eine groteske Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse in der Wissenschaft.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Grüne Gentechnik, Wiley-Verlag Weinheim, 2010)

·       (23.12.2009) Die Unternehmen Monsanto und Dow Agro Science wollen einen gemeinsam entwickelten gentechnisch veränderten "Super-Mais" in den USA auf den Markt bringen. 2010 soll die Anbaufläche dort bereits 1,6 Millionen Hektar betragen. Der Mais mit dem Markennamen SmartStax besitzt Resistenzen gegen zahlreiche Schädlinge sowie gegen zwei Herbizid-Wirkstoffe.
Der SmartStax-Mais (MON89034 x TC1507 x MON88017 x DAS-59122-7) ist eine Kreuzung verschiedener gv-Maislinien und besitzt mehrere neue, gentechnisch vermittelte Merkmale: Er produziert sechs verschiedene Varianten des Bt‑Proteins, die gegen die wichtigsten Schädlinge im Maisanbau gerichtet sind, darunter Insekten wie den Maiszünsler und Käfer wie den Maiswurzelbohrer. Dazu kommen Resistenzen gegen zwei Wirkstoffe zur Unkrautbekämpfung: Glyphosat (Roundup) und Glufosinat (Liberty).
Inzwischen haben mehrere aus Sicht der USA wichtige Agrarexportländer wie Australien, Neuseeland, Japan, Korea und Taiwan den Import von SmartStax-Mais erlaubt. Damit ist die Nachfrage nach dem neuen Mais in den USA sprunghaft gestiegen. Die beiden Unternehmen Monsanto und Dow Agro Science planen, SmartStax-Saatgut bereits zur kommenden Anbauperiode auf den Markt zu bringen. Sie rechnen mit einer Anbaufläche von mindestens 1,6 Millionen Hektar.
(http://www.transgen.de/aktuell/1144.doku.html )

·       BASF-Tochterfirma Plant Science und Saatgutunternehmen KWS Saat AG gaben Kooperation bekannt; Ziel sei Entwicklung von Zuckerrüben mit einem Mehrertrag von 15%; sollen höhere Zucker- und Energieerträge liefern und widerstandsfähiger gegen Trockenheit sein; 2020 sollen die neuen Sorten zur Verfügung stehen; KWS ist globaler Marktführer bei Zuckerrrübensaatgut
(taz 21.1.2010 S.18)

·       Indische Forscher haben gentechnisch veränderte Tomaten gezüchtet, die bis zu 45 Tage fest bleiben und sich somit besser lagern lassen; Unterdrückung von zwei Enzymen, die bei der Reifung der Tomaten vermehrt auftreten;
schnelles Weichwerden von Obst und Gemüse soll dazu führen, dass 35 bis 40% der indischen Ernte verloren gehen;
(taz 5.2.2010 S.18)

·       sieben Aktivisten reißen in Mecklenburg die Genkartoffel Amflora von BASF aus; der Konzern schickt Polizisten und 30 Mitarbeiter; Feld teilweise zerstört;
Amflora ist in EU-Europa zum Anbau zugelassen;
BASF: die Nutzung der Kartoffel bringt gesamtwirtschaftliche Mehreinnahmen von ein- bis zweihundert Millionen Euro jährlich;
(taz 30.7.2010 S.8, 10./11.7.2010 S.2)

·       Klage soll den von der EU-Kommission genehmigten kommerziellen Anbau der Genkartoffel AMFLORA stoppen;
könnte die Gesundheit gefährden; der Kartoffel wurde auch ein Gen eingepflanzt, das sie gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin unempfindlich macht; diese sogenannten Marker waren notwendig, um Amflora-Zellen im Labor von normalen Kartoffeln zu unterscheiden; Kritiker befürchten aber, dass sich die Antibiotika-Resistenz auf Bakterien überträgt;
Aktivisten begründen: Freisetzungs-Richtlinie der EU verbietet seit 2004 Genpflanzen mit Antibiotika-Resistenz-Markergenen; Allerdings geht das nicht so eindeutig aus der Richtlinie hervor. Artikel 4 schreibt zwar vor, solche Marker bis 2004 vom Markt zu verbannen, das gilt dem Wortlaut nach aber nur für Marker, „die schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelot haben können.“. Genau das bestreiten EU-Kommission und BASF jedoch. „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und andere Institutionen haben Amflora überprüft und sie für sicher erklärt“, sagte Kommissionssprecher Vincent der taz. So sei es extrem unwahrscheinlich, dass sich das Resistenzgen auf ein Bakterium überträgt. Es komme auch jetzt schon in Boden, Menschen und Tieren vor. Außerdem hätten die betroffenen Antibiotika nur geringe Bedeutung für die Medizin.
(taz 12./13.5.2010 S.9)

·       Chemiekonzern BASF hat Zulassung für eine weitere Gentechkartoffel in Europa beantragt; die neue Pflanze heiße AMADEA und liefere wie die bereits zugelassene Sorte AMFLORA reine Amylopektionstärke; das Unternehmen prüfe auch, ob die neue Knolle im Unterschied zu AMFLORA auch in der Lebensmittelbranche eingesetzt werden kann;
(taz 1.9.2010 S.8)

·       Nachdem auf schwedischen Äckern, auf denen die BASF-Kartoffel AMFLORA angebaut war, auch Pflanzen der nicht zugelassenen Sorte AMADEA entdeckt wurden, hat Mecklenburg-Vorpommern die Nutzung der in MeckPomm angebauten AMFLORA-Kartoffeln voresrt gestoppt; Verdacht auf Verunreinigungen müsste erst geklärt werden
(taz 9.9.2010 S.8)

·     Anmerkungen zum Flyer Nr. 18 aus der Reihe „Akzente“ der Ev. Kirche von Westfalen „Verzicht auf Amflora“
+ Grundsätzlich richtig finde ich die Begrenzung der vorliegenden Stellungnahme auf den konkreten „Einzelfall“, auf die gentechnisch veränderte Kartoffelsorte AMFLORA mit den eingebauten Antibiotika-Resistenzmarkern.
+ Zentrale Forderung in der Stellungnahme ist, dass „auf Anbau und Einsatz der gentechnisch veränderten Kartoffeln mit diesem Resistenzmarker verzichtet werden sollte“. Gemeint ist konkret ein Antibiotika-Resistenzmarker, der die Pflanzen im züchterischen Selektionsprozess gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin resistent macht.
Damit ist die Verzichtsforderung aber auch in der Schwerpunktsetzung vorrangig auf das Vorhandensein dieser Antibiotika-Resistenzmarker begründet. Was würde es bedeuten, wenn gentechnisch veränderte (AMFLORA-)Kartoffeln, die vorrangig die Stärkeart Amylopektin erzeugen, OHNE Antibiotika-Resistenzmarker gezüchtet und eingesetzt werden?
+ Mir liegen Antragsunterlagen der BASF Plant Science GmbH aus dem Jahre 2007 vor.
Damals sollten an zehn Standorten in Deutschland, unter anderem in Nerchau-Golzern in Sachsen, Freisetzungsversuche mit verschiedenen gentechnisch veränderten Kartoffel-Sorten durchgeführt werden.
+ Zum einen handelte es sich um Zuchtlinien mit verändertem Stärke-Stoffwechsel, analog zu AMFLORA (der Sorten-Name taucht in dem Dokument nicht auf). Dabei werden – jeweils mit der gleichen Zielstellung, die Produktion der unerwünschten Stärkeart Amylose zu unterbinden - drei unterschiedliche gentechnische Veränderungen vorgenommen, jeweils mit dem Ziel, spiegelbildliche Kopien von Erbgut „abzulesen“; in der Folge der Nutzung dieser Antisense-Technik wird in der Kartoffel 1 bisher vorhandener Eiweißstoff nicht mehr gebildet (es wird also kein neues, bisher nicht vorhandenes Protein zusätzlich hergestellt).
+ In einer weiteren Anwendung sollten 2007 Kartoffeln getestet werden, bei denen eine ganz andere Eigenschaft zusätzlich eingebaut worden ist: Das Gen aus einer Wildkartoffel wurde zusätzlich eingebaut, um der gentechnisch veränderten Kartoffel zusätzlich eine neue Eigenschaft zu verleihen: eine Resistenz gegen eine wichtige Kartoffelkrankheit, gegen den Pilz Phytophtora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule.
Diese Zielstellung ist eine völlig andere als bei AMFLORA. Hier würden manche der dort verwendeten kritischen Argumente NICHT greifen (z.B.: „Stärkeindustrie braucht das nicht“).
+ Hochinteressant ist aber vor allem, dass in dem BASF-Antrag von 2007 ausgesagt wird, dass „alle (hier aufgeführten) gentechnisch veränderten Kartoffellinien das ahas Gen (acetohydroxyacid synthase oder acetolactate synthase) enthalten … Die Expression des Gens vermittelt in Gewebekultur eine Toleranz gegen den herbiziden Wirkstoff Imazamox und dient als Selektionsmarker.“
Hier wurden also unter anderem AMFLORA-analoge Stärkekartoffeln gezüchtet, die die umstrittenen Antibiotika-Resistenzmarker gar nicht enthalten!
Gegen diese Züchtungen, die offenbar auch 2007 schon anbaureif waren, geht aber die zentrale Argumentationslinie der Stellungnahme völlig ins Leere.
+ Noch ein Hinweis zu einem ganz anderen Gesichtspunkt:
In der Stellungnahme wird unter Punkt 3.4. auf „Gentechnikfreie Alternativen“ verwiesen. Benannt werden „herkömmlich gezüchtete“ oder „herkömmliche“ Stärkekartoffeln als Alternative zu den gentechnisch erzeugten Varianten.
“Herkömmliche Züchtung“ – das klingt völlig harmlos und vertraut. Meiner Ansicht nach ist aber auch hier kritische Distanz notwendig.
In einer Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft wird eines der verwendeten Verfahren beschrieben (andere sind mir nicht bekannt): http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/12/super-kartoffel.jsp. Beim „Tilling“ werden die Pflanzenzellen aggressiven Chemikalien ausgesetzt, die das Erbgut durcheinanderbringen und Mutationen hervorrufen. Das geschieht praktisch im Schrotschussverfahren, ungezielt, und was herauskommt, unterliegt wohl im Wesentlichen Zufallskriterien (ein anderes Verfahren, das in der „herkömmlichen“ Pflanzenzüchtung oft eingesetzt wird, ist die hochdosige Bestrahlung der Zellen durch Röntgenstrahlen oder radioaktive Substanzen nach dem Motto: „Mal sehen, was herauskommt“). Im hier berichteten konkreten Fall der Züchtung einer stärkeoptimierten Kartoffel hat man 2748 Mutationsversuche durchgeführt, von denen einer eine Kartoffelpflanze hervorbrachte, die vorrangig das gewünschte Amylopektin erzeugt. „Die Amylose-Gene sind ausgeschaltet“ – es handelt sich also um das gleiche Endergebnis wie bei der AMFLORA-Kartoffel (abgesehen von den Markergenen).
1. Was passiert, wenn solche – nicht mit gentechnischen Methoden, aber doch in ihrer Erbsubstanz, d.h. genetisch veränderten – Kartoffeln auf dem Acker wachsen, in die Nahrungsketten gelangen ? Haben wir dann nicht ähnliche Verunreinigungsprobleme wie sie für AMFLORA kritisch diskutiert werden?
2. Ist es nicht verharmlosend, hier von „herkömmlichen“ oder „herkömmlich gezüchteten“ Pflanzen zu sprechen. Ihr Erbgut wird durch massive Eingriffe von außen (Chemikalien oder Strahlung) gestört und durcheinandergebracht (Mutationen) in der Hoffnung, dass irgendwo auch von uns gewünschte nützliche Veränderungen auftreten. Die Pflanze ist durch die Mutation genetisch eine andere als ihre Artgenossen. Und woher wissen wir, ob nicht auch an einer zweiten oder dritten Stelle im Erbgut – unerkannt - Veränderungen eingetreten sind, die Probleme bedeuten könnten?

An Rückmeldungen zu diesen Überlegungen bin ich sehr interessiert.
(Joachim Krause, krause.schoenberg@t-online.de )

·       Österreich zieht Studie über Langzeitfolgen von gentechnisch verändertem Mais zurück;
die Studie 2008 hatte großes Aufsehen erregt, da einige der mit gentechnisch verändertem Mais gefütterten Mäuse weniger Nachkommen zur Welt brachten;
bereits im Oktober 2009 hatte die österreichische Regierung bei der EU-Kommission erklärt, dass es den mit der Studie beauftragten Wissenschaftlern nicht gelungen sei, eine „zufrieden stellende statistische Auswertung der Daten“ vorzulegen, eine solche werde auch nicht mehr erwartet;
Mäuse waren mit einer Diät gefüttert worden, die zu einem Drittel aus gentechnisch verändertem Mais NK603xMON810 bestand
(www.transgen.de/aktuell/1167.doku.html gelesen 29.3.2010)

·       60 militante französische Umweltschützer haben 70 genveränderte Rebstöcke des nationalen Instituts für landwirtschaftliche Forschung zerstört
(taz 17.8.2010 S.8)

·       sechs Zerstörer eines Feldes mit gentechnisch veränderten Weizenpflanzen in Gatersleben müssen sich vor Amtsgericht Aschersleben verantworten; Schaden 245.000 Euro; Landgericht hatte sie schon zu Schadenersatz von 142.000 Euro verurteilt; Urteil vom Oberlandesgericht Naumburg kassiert
(taz 29.9.2010 S.8)

·       Landgericht Gießen hatte einen der bekanntesten Gentechnikgegner Deutschlands zu einer 6-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt; hatte 2006 mit 3 Mitstreitern gentechnisch veränderte Gerste auf einem Versuchsfeld der Giessener Universität zerstört; er trat jetzt die Strafe an
(taz 23.9.2010 S.9)

·       Bundesverfassungsgericht Karlsruhe erklärt in einem Urteil die im deutschen Gentechnikgesetz getroffenen Regelungen für verfassungskonform;
klargestellt,
dass der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft „grundsätzlich zugelassen ist und nach dem Willen des Gesetzgebers möglich bleiben soll“; Weil diese Technik aber „in die elementaren Strukturen des Lebens eingreift“ und sich die Folgen solcher Eingriffe –„wenn überhaupt“ – nur schwer rückgängig machen lassen, trifft den Gesetzgeber nach Auffassung des Gerichts eine besondere Schutz- und Sorgfaltspflicht „für wichtige Werte von Verfassungsrang wie des Lebens und der Gesundheit von Menschen und der Umwelt“
(Freie Presse Chemnitz 25.11.2010 S.4)

·       Genbank in Gatersleben; minus 15 Grad Celsius, rund 27.000 Weizensorten, im Kühlraum bleibt ein Weizenkorn 50 Jahre lang keimfähig, dann muss es erneut ausgesät werden; viele Tausend Pflanzensorten pro Jahr werden auf kleinen Parzellen im Freiland aufgefrischt (Handverlesene Kontrolle bei der Ernte, damit keine unerwünschten Kreuzungen dabei sind);
2008 zerhackten sechs Aktivisten symbolisch genmanipulierte Weizenpflänzchen auf dem Gaterslebener Acker; IPK forderte 200.000 Euro Schadenersatz; Urteil, so milde, dass es fast an einen Freispruch grenzt: maximal 30 Tagessätze á 20 Euro je Angeklagten (zwischen 200 und 600 Euro)
(Der Spiegel 48-2010 S.154; taz 26.11.2010 S.08)

·       Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA befürwortet die Zulassung eines gentechnisch veränderten Mais, mit acht zusätzlich eingefügten Genen. Der Mais mit der Markenbezeichnung „SmartStax“, der in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen werden soll, produziert sechs verschiedene Bt-Insektengifte. Zudem ist er gegen zwei Unkraut­vernichtungs­mittel resistent gemacht worden. Er wurde von den Firmen Monsanto und Dow AgroSciences durch Kreuzung verschiedener gentechnisch veränderter Pflanzen entwickelt. Auf diese Weise hergestellte Gen-Pflanzen werden auch als „Stacked Events“ bezeichnet. In den USA und Kanada ist SmartStax bereits für den Anbau zugelassen.
Die EFSA hat sich für die Zulassung von SmartStax ausgesprochen, ohne Tests zur Überprüfung der gesundheitlichen Risiken der Pflanzen mit dieser Genkombination zu verlangen. Sie stützt ihre Empfehlung im Wesentlichen auf die Risikobewertung der Ausgangspflanzen, die für die Kombinationskreuzungen verwendet wurden.
(http://www.testbiotech.de/node/422 )

·       AVEBE und BASF Plant Science starten F&E-Kooperation für gentechnisch optimierte Amylopektinstärke-Kartoffeln
- Ziel ist eine nachhaltigere Produktion von Stärkekartoffeln und Stärkeverarbeitung
- Gemeinsame Entwicklung von pilzresistenten Amylopektinstärke-Kartoffeln für europäische Landwirte
Der Kartoffelstärkeproduzent AVEBE, Foxhol, Niederlande und das Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen BASF Plant Science, Limburgerhof, Deutschland, haben heute (14. Dezember 2010) eine Forschungs- und Entwicklungskooperation im Bereich Pflanzenbiotechnologie angekündigt. Die Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen in der biotechnologischen Entdeckung sowie in der Züchtung gentechnisch veränderter Kartoffeln mit dem Ziel, Landwirten moderne und pilzresistente Stärkekartoffelsorten zur Verfügung zu stellen. Sie beginnen mit der Entwicklung einer Amylopektinstärke-Kartoffel, die gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent sein wird. Die Kraut- und Knollenfäule stellt für Landwirte in Europa ein großes Problem dar. Die Unternehmen erwarten, dass die ersten Sorten ab 2019 auf dem Markt verfügbar sein werden.
(BASF Newsletter, 14.12.10)

·       Trockenheit in Indien – 17.000 Bauern begehen Selbstmord
Nach der schlimmsten Trockenheit seit Jahrzehnten haben sich in Indien 17.368 Landwirte das Leben genommen
(kein Bezug auf Gentechnik-Anwendung JK)
(taz 18.1.2011 S.10)

·       Prof. Reinhard Szibor: „Gentechnik und Kirche: Angstdebatte mit vielfach widerlegten Behauptungen“
Interview und ausführliches
Memorandum
(Der Sonntag, Sachsen, 30.10.2011; Memorandum – www.krause-schoenberg.de/gent_Prof_Szibor_Interview_Gruene_Gentechnik_30-10-2011.htm )

·       Chemiekonzern BASF und Nahrungsmittelkonzern Cargill wollen gemeinsam Produkte mit gentechnisch verändertem Rapsöl entwickeln; Das Rapsöl enthalte größere Mengen der als lebensnotwendig geltenden Omega-3-Fettsäuren; Ziel sind Nahrungsmittel, die das neue Öl enthalten
(Freie Presse Chemnitz 3.11.2011 S.6)

·       deutscher Chemiekonzern BASF hat Zulassung einer gentechnisch veränderten Kartoffelsorte beantragt;
Sorte FORTUNA soll als Lebensmittel für Menschen und als Futtermittel für Tiere genutzt werden;
Forschung seit 2003, 6 Jahre in
Feldversuchen getestet;
soll 2024 oder 2015 auf den Markt kommen;
gentechnisch Schutz gegen die Kraut- und Knollenfäule eingebaut
(Freie Presse Chemnitz 1.11.2011 S.6; taz 1.11.2011 S.2)

·       gentechnisch veränderte Kartoffelsorte FORTUNA (BASF);
Ein Ausbruch der Kartoffelfäule kann auch heute bis zu 15% der Ernte kosten. Darum setzen Bauern Pflanzenschutzmittel gegen die Fäule ein. In Deutschland fahren sie in der Anbausaison bis zu 16-mal mit der Giftspritze aufs Feld. Biobauern bekämpfen
Phytophthora mit umweltbelastenden Kupferverbindungen. ;
bei FORTUNA wurden zwei Gene aus einer mexikanischen Wildkartoffel in eine zur Pommes-Herstellung beliebte Kultursorte eingebaut. Die Übertragung der natürlichen Resistenzen auf ertragreiche Kultursorten hatten Züchter zuvor 50 Jahre lang vergeblich versucht.
(DIE ZEIT 10.11.2011 S.41)

·       erstmals haben chinesische und US-amerikanische Forscher aus gentechnisch verändertem Reis menschliches Albumin (HSA) gewonnen; das Eiweiß reguliert die Flüssigkeitsverteilung zwischen Blut und Körpergewebe, zudem übernimmt es im Blut den Molekültransport;
in der Medizin ist HSA Bestandteil von Impfstoffen und Medikamenten, die bei Leberkrankheiten, in der Dialyse oder bei schweren Verbrennungen zum Einsatz kommen;
bislang konnte das Eiweiß nur aus dem Blutplasma menschlicher Spender gewonnen werden und war daher notorisch knapp;
nun sei es gelungen, 2,75 Gramm HSA aus einem Kilogramm Reis zu produzieren – kosteneffizient ist die Erzeugung bereits bei 0,1 Gramm Albumin je Kilogramm Reis
(Freie Presse Chemnitz 7.11.2011 S.1)

·       Die französische Justiz hat das Anbauverbot für Genmais kassiert, das die Regierung vor dreieinhalb Jahren verhängt hatte. Das Landwirtschaftsministerium habe nicht beweisen können, dass der Genmais ein besonderes Risiko für die Gesundheit oder die Umwelt bedeute, so der Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht. Der Europäische Gerichtshof hatte Frankreich im September aufgefordert, sein MON-810-Anbauverbot auf eine neue juristische Grundlage zu stellen. (afp)
(taz 29.11.2011 S.2)

·       Mit einer Vergleichszahlung von mehr als einer halben Milliarde Euro an amerikanische Reisbauern will Bayer CropScience einen jahrelangen Rechtsstreit um gentechnisch veränderten Reis beenden.;
Bayer CropScience bietet allen US-Landwirten, die zwischen 2006 und 2010 Langkornreis angebaut haben, eine außergerichtliche Einigung an. Dafür stünden bis zu 750 Millionen
Dollar bereit, das sind derzeit rund 516 Millionen Euro. Die betroffenen Bauern haben nun 90 Tage Zeit, ihre Ansprüche geltend zu machen;
Bayer CropSciene hatte durch den Kauf einer US-Firma, die den Genreis testweise angepflanzt hatte, auch die Verantwortung für deren Produkte übernommen. 2005 waren Spuren davon in Lieferungen von kommerziellem Langkornreis aus dem Süden der USA entdeckt worden. Die Europäische Union verhängte daraufhin Importbeschränkungen für amerikanischen Reis, obwohl der Reis als unbedenklich eingestuft worden war. Wegen der Einnahmeausfälle verklagten Bauern, Händler und Unternehmen Bayer CropScience deshalb auf Schadensersatz
(taz 4.7.2011 S.9)

·       Bei der Erforschung neuer Weizensorten will der Chemiekonzern Bayer in den kommenden Jahren auf Gentechnik verzichten. Das Unternehmen wolle Weizensorten entwickeln, die Hitze und Trockenheit besser aushalten können, ohne dabei gentechnische Veränderungen vorzunehmen, so die Agrarchemiesparte. Durch die Verwendung spezieller Zuchttechniken, die es Züchtern ermöglicht, eine Vielzahl von Samen nach gewünschten Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit zu untersuchen, könne der Konzern neue Sorten schneller entwickeln
(taz 30.11.2011 S.8)

·       Feldzerstörungen erreichen offenbar neue Qualität;
Täter zerstören in Mecklenburg und Sachsen-Anhalt Gentech-Pflanzen - und halten Polizei zufolge einen Wächter in Schach;
An beiden Orten gingen die Täter nach Polizeiangaben arbeitsteilig und
sehr professionell vor. Gemeinsam ist den Taten auch, dass sie sich gegen Freilandversuche im Auftrag der Universität Rostock richteten. Die ausführenden Firmen teilten mit, die Hochschule habe dort Kartoffeln zur Herstellung eines Impfstoffs und von Bioplastik sowie einen pilzresistenten Weizen getestet. Der Schaden betrage mindestens 350.000 Euro
(taz 12.7.2011 S.7; taz 15.7.2011 S.19)

·       „Ökoterror . Die Gegner der grünen Gentechnik werden gewalttätig“
Es ist fast ein Ritual: Auf die Aussaat folgt der Angriff. Wann immer jemand in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, werden Felder zerstört. Gentechnikgegner reißen Getreide und Kartoffeln aus der Erde oder zertrampeln den Acker. Sie zerstören damit nicht nur einen Teil der Ernte oder ein paar Quadratmeter Anbaufläche: Weil die meisten Aussaaten offene wissenschaftliche Fragen beantworten sollen, vernichten die Aktionen die Arbeit von Jahren. Anfang vergangener Woche wurden in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zwei Versuchsstandorte zerstört. Der Schaden wird auf jeweils 250.000 Euro geschätzt.
Diesmal nahm die Auseinandersetzung jedoch eine neue, eine gewalttätige Dimension an. Die Angreifer waren vermummt und bewaffnet. Sie drohten den Sicherheitskräften am Feldrand mit körperlicher Gewalt, erzwangen die Herausgabe von Handys und Akten. Die Anzeige lautet nicht nur auf Landfriedensbruch und Sachbeschädigung, sondern auf räuberische Erpressung.;
Dass es gerade sie (universitäre Einrichtungen) traf, ist neben der erschreckenden Bereitschaft zur Gewalt das zweite bemerkenswerte Detail der aktuellen Überfälle. Fast alle Universitäten haben sich mit ihren Experimenten wieder ins Gewächshaus zurückgezogen, wo sie Grundlagenforschung an Modellpflanzen betreiben. Es ist den Gegnern gelungen, die unabhängige akademische Forschung an gentechnisch veränderten Nutzpflanzen von deutschen Feldern
zu vertreiben. Nun werden offenbar gezielt die letzten universitären Pflanzengenetiker im Freiland attackiert.
Die Eskalation zeigt zunächst: Viel zu lange hat der Rechtsstaat die Attacken auf die Forschungsfreiheit als Kavaliersdelikte behandelt. Den Tätern fehlt, das zeigen die Bekennerschreiben, jegliches Unrechtsbewusstsein
(DIE ZEIT 21.7.2011 S.29)

·       Interview mit Prof. E.-L. Winnacker;
Was wäre der GAU der Grünen Gentechnik? Eine Art Superunkraut, das die Welt überwuchert? Eine Störung des natürlichen Gleichgewichts? Die Verbreitung von Genen zwischen Nutzpflanzen und anderen Pflanzen? Das Auftreten unbekannter Allergien? All das und vieles mehr ist in Hunderten von Umweltverträglichkeitsprüfungen intensiv untersucht worden, ohne dass es bisher einen einzigen ernst zu nehmenden Hinweis darauf gibt, von gentechnisch veränderten Pflanzen gingen besondere Risiken für Mensch und Umwelt aus.;
Im Glauben, beim Einsatz der Grünen Gentechnik jede Vermischung vermeiden zu müssen, hat der Gesetzgeber Regeln für den Anbau eingeführt. Sie schreiben definierte Mindestabstände zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und solchen mit konventionellen Pflanzen vor. Je nach Feldfrucht sind es zwischen 150 und 300 Meter. Einen zuverlässigen Schutz kann jedoch auch das nicht gewährleisten. Selbst wenn etwa die relativ schweren Maispollen vom Wind in der Regel nicht allzu weit getragen werden, können Bienen mit ihrer Pollenfracht solche Distanzen mit Leichtigkeit überwinden.;
Viele Aspekte der grundsätzlichen Kritik an der Weiterentwicklung der
Landwirtschaft werden fälschlicherweise mit der Gentechnik verknüpft. Die Gefährdung der Biodiversität, die Förderung großagrarischer Strukturen auf Kosten kleinräumiger Landwirtschaft, die fehlende Weiterentwicklung ökologischer Anbaumethoden – all das wird der Gentechnik zur Last gelegt, obwohl hier ursächlich keine Zusammenhänge bestehen. Es bedarf ganz offenbar eines Sündenbockes. Und nichts bietet sich dafür besser an als die Grüne Gentechnik.;
Wer den Welthunger nur für ein Verteilungsproblem hält, argumentiert zynisch. Natürlich gibt es Verteilungs- und Zugangsprobleme, aber es gibt auch einen echten Mangel an Lebensmitteln, verursacht durch Klimawandel, die wachsende Weltbevölkerung und den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern.
(DIE ZEIT 10.11.2011 S.41)

·       Es gibt sie schon, die Wunderpflanze. Sie kann Menschen vor Blindheit bewahren, vor Mangelernährung, vor dem Hungertod. Golden Rice heißt sie, der Name ist im eigentlichen wie im übertragenen Sinn treffend. Die Reiskörner sind gelb, denn die Pflanze produziert Carotin, das lebensnotwendige Provitamin A. An Vitamin-A-Mangel sterben täglich weltweit 6.000 Menschen. 250 Millionen Vorschulkinder leiden unter der Mangelernährung, 250.000 Kinder pro Jahr erblinden, die Hälfte von ihnen stirbt ein gutes Jahr später.
Doch der rettende Reis hat ein Akzeptanzproblem. Die Menschen in den Entwicklungsländern sind strahlend weiße Körner gewohnt, gelben trauen sie nicht so recht. Vor allem aber ist Golden Rice eine gentechnisch veränderte Pflanze. Seine segensreiche Eigenschaft hat ihm der heute emeritierte Schweizer Professor Ingo Potrykus eingebaut. Darum wird die Pflanze von Gentechnik-
Kritikern bekämpft, die auch in Ländern wie China und Indien an Einfluss gewinnen. Das Argument dort: Warum sollten Menschen in Entwicklungsländern essen, was die Deutschen mehrheitlich nicht auf dem Teller haben wollen – Gen-Food?
(DIE ZEIT 16.6.2011 S.26)

·       mindestens 925 Millionen Menschen hungern, und 578 Millionen davon leben in Asien und ernähren sich vorwiegend von Reis;
das International Rice Research Institute IRRI hat schon einmal die Menschheit vor einer Katastrophe bewahrt; zu Beginn der 1970er Jahre; Hochertragssorte entwickelt (IR8), mit der der Ernteertrag bei Reis verdoppelt werden konnte; Grüne Revolution; innerhalb von 40 Jahren stieg die Reisproduktion von 318 auf über 700 Millionen Tonnen; mehr als die Hälfte der über tausend neuen Reissorten stammen aus den Labors von IRRI;
vor kurzem eine Sorte entwickelt, die besonders für Hochwassergebiete wie Bangladesh geeignet ist, sie kann Überschwemmungen überstehen und selbst unter Wasser mehr als 2 Wochen überleben; die Züchter setzen auf gentechnisch modifizierten Reis;
Dobermann (Dr. Rice) will noch in diesem Jahr den genetisch
modifizierten „Golden Rice“ auf den philippinischen Markt bringen
(Der Spiegel 38-2011 S.108)

·       Was die Etiketten verstecken - "Ohne Gentechnik" bedeutet oftmals doch "mit", denn die Kennzeichnungspflicht ist lückenhaft;
Immer wieder spricht sich in Umfragen eine deutliche Mehrheit der Deutschen gegen die Anwendung von Gentechnik aus. Viele dürften sie für eine exotische Nischentechnologie halten, auf die man in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion genauso gut verzichten könnte. Schließlich scheint im Lebensmittelregal nichts davon anzukommen. Dem widersprechen Schätzungen von Experten: 50, 60 oder gar 80 Prozent aller Artikel in einem typischen Supermarkt seien bei irgendeinem Herstellungsschritt mit der Technologie in Berührung gekommen;
in Wahrheit weiß es niemand so richtig. »Dazu haben wir keine Angaben«, sagt der Sprecher von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner und fügt hinzu: Eine Analyse müsse wohl ganz unten beginnen, »also bei Vitaminen, Zucker, Milch, Tierfutter...«;
Als Konsequenz aus dem Honigurteil des EuGH könnte die Auswahl schrumpfen. Der Nulltoleranzidee folgend, hatten die Luxemburger Richter im Sinne eines Augsburger Imkers geurteilt: Enthält Honig auch nur einen einzigen Pollen einer hierzulande nicht zugelassenen, genveränderten Sorte, dann darf er ohne eigene Zulassung nicht verkauft werden. Nichts zu tun hat das Urteil mit Gesundheitsrisiken (darauf gab es keine Hinweise) und der Möglichkeit, dass der Pollen sich noch verbreiten könnte (kann er definitiv nicht);
Keine einzige genetisch veränderte Speisesorte besitzt derzeit diese Zulassung, nur eine Industriefrucht. Es ist die Kartoffel Amflora, die allerdings nur für die chemische Industrie angebaut werden soll;
Die Käsetheke – Aus Milch kann erst Käse werden, wenn das Milcheiweiß aus der restlichen Flüssigkeit ausfällt. Dieser künstlichen Verdauung half man früher mit natürlichen Verdauungssäften auf die Sprünge, mit dem Magensaft von Kälbern (Lab), der das Enzym Chymosin enthält. Inzwischen wird dieses überwiegend synthetisch erzeugt, und zwar mithilfe genetisch veränderter Mikroben;
Als Produktionshilfsstoff muss Lab nicht in der Zutatenliste auftauchen. Diese Stoffe stammen auch bei anderen Lebensmitteln – vor allem industriell erzeugten – oft aus weißer Gentechnik;
Die Fleischtheke – Beim Kauf von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch springt bei manchen Verpackungen wie auch bei Milchprodukten das Siegel »Ohne Gentechnik« ins Auge. Mit diesem Etikett wollte die Bundesregierung mehr Transparenz schaffen, doch die Kennzeichnung ist umstritten, weil sie Ausnahmen zulässt: So dürfen Rinder bis zu 12 Monate vor ihrer Schlachtung mit transgenen Pflanzen gefüttert werden. Bei Schweinefleisch sind es vier Monate, bei Hähnchen zehn Wochen Karenzzeit.
Jederzeit dürfen Fleisch-, Milch- und Eierlieferanten zudem Zusatzstoffe ins Futter mischen, die aus dem Bioreaktor stammen, um Ernährungsmängel bei der Mast auszugleichen. Zufällige Verunreinigungen des Futters mit zugelassenen und als sicher befundenen Gentechniksorten, etwa mit importierter Soja, werden bis zu einer gesetzlich festgelegten Grenze von 0,9 Prozent toleriert. Hinzu kommt, dass alle Nutztiere mit gentechnisch erzeugten Medikamenten und Impfstoffen fit gehalten werden dürfen. Somit können an der Fleischtheke und im Milchregal nicht nur die grüne und die weiße, sondern auch die »rote Gentechnik« vertreten sein;
Eine Viertelmillion verschiedener Produkte stehen in deutschen Lebensmittelgeschäften, jedes Jahr kommen Zehntausende hinzu;
Dennoch bleibt Spielraum für Ungewissheit. Jährlich führt die EU 35 Millionen Tonnen Soja ein, doch eine absolute Trennung zwischen transgenen und anderen Bohnen ist bei der Verarbeitung nicht möglich (in solchen Fällen greift die 0,9-Prozent-Regel). Daher finden sich auch in als »gentechnikfrei« deklarierten Produkten sehr geringe Mengen gentechnisch veränderter Soja – bundesweit. 2008 war bereits gut ein Viertel der Nahrungsmittel betroffen.
Die Getränkeecke – Vom herkömmlichen Saft bis hin zum exotischen Fruchtsaftgetränk, oft wird die Natürlichkeit betont. Doch auch bei ihrer Herstellung kann Gentechnik eingesetzt worden sein. Etwa beim Auspressen der Früchte, wenn mittels Enzymen die Zellwände zerstört werden, um mehr Saft aus Apfel, Traube und Co. herauszupressen. Die Enzyme Pektinase, Cellulase oder Xylanase können allesamt von gentechnisch veränderten Mikroben stammen. Zusätzlich werden Amylasen eingesetzt, um trübe Säfte klar werden zu lassen.
Auch Vitamin C ist nicht immer natürlichen Ursprungs. Es wird in unbekanntem Maße bereits kommerziell von transgenen Mikroorganismen hergestellt. Die Vitamine B2 und B12 stammen sogar fast ausschließlich von Gentechnik-Bakterien. Vitamin E wird oft aus genetisch veränderter Soja gewonnen;
Die süße Quengelware – Schokoriegel, Bonbons und Eiscreme enthalten Zucker, der oft aus Zuckerrüben hergestellt wird. Die Pflanze ist 2009 weltweit auf mehr als 4,3 Millionen Hektar angebaut worden, 11 Prozent davon waren genetisch verändert. In der EU ist das nicht erlaubt, der Import von gv-Rüben aus Nordamerika – ihr Anteil beträgt dort 95 Prozent – hingegen schon. Einige US-Produkte mit Gen-Süße finden sich daher auch in deutschen Supermärkten. Sie müssen allerdings gekennzeichnet werden – unabhängig davon, ob genveränderte Stoffe der Rübe im Endprodukt nachgewiesen werden können;
(Die Zeit 15.9.2011 S.49 - http://www.zeit.de/2011/38/Gentechnik-Kennzeichnung )

·       rund 1 Million Tonnen Glyphosat (z.B. in „Roundup“) wurden 2010 weltweit verkauft;
2 Milliarden Dollar Umsatz hat Monsanto 2010 allein mit Roundup gemacht;
USA: 9 von 10 Sojabohnen und die meisten Maispflanzen stehen im Glyphosat-Regen;
in Deutschland ist die Chemikalie Bestandteil von 69 Pflanzenschutzmitteln;
ob von Glyphosat Gefahr ausgeht, ist noch strittig
(der Spiegel 25-2011 S.118)

·       Die Bundesregierung hält die Zulassung des weltweit am meisten verkauften Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat trotz neuer Hinweise auf mögliche Gefahren für gerechtfertigt. Die Untersuchungen, die Risiken etwa für Embryonen nahelegen, würden von unrealistischen Bedingungen ausgehen, heißt es in einer der taz vorliegenden Antwort des Agrarministeriums auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Ebner.;
haben vor allem die Grünen in den vergangenen Wochen auf Studien beispielsweise des argentinischen Medizinprofessors Andrés Carrasco am Forschungsinstitut Conicet in Buenos Aires hingewiesen. Er hatte Frosch- und Hühnerembryonen dem Pestizid ausgesetzt und danach Missbildungen festgestellt.
Doch nach Meinung der Bundesregierung, die im Auftrag der EU Daten über Glyphosat sammelt, ist das kein Beweis dafür, dass die Chemikalie gesundheitsschädlich ist. Denn die Argentinier hatten die Tierembryonen direkt in ein Glyphosat-getränktes Bad getaucht oder ihnen die Substanz gespritzt - die schützende Plazenta wurde also umgangen. Das Agrarministerium schreibt deshalb, die Versuche hätten unter "extrem unphysiologischen Bedingungen" stattgefunden. Die Studien berücksichtigten auch nicht, dass Säugetiere Stoffe anders verarbeiten als Reptilien und Vögel.
Die Regierung versucht auch den Vorwurf zu entkräften, sie wisse schon seit Jahren von besorgniserregenden Studien über Glyphosat. Zwar sei in diesen Untersuchungen "über vereinzelte Befunde am Herzen berichtet" worden - aber nur "nach Verabreichung von unrealistisch hohen Dosierungen";
Positiver bewertet die Regierung Analysen des französischen Molekularbiologen Gilles-Eric Séralini. Er hatte menschliche Zellen Glyphosat ausgesetzt. Viele starben ab. Das ist auch für das Agrarministerium ein Hinweis auf "toxische Wirkungen" von Glyphosat-haltigen Mitteln - auch wenn das Problem offenbar nicht von dem Wirkstoff, sondern von Beistoffen wie dem Netzmittel Tallowamin verursacht worden seien. Doch aus "Erfahrungen am Menschen auf Basis des jahrzehntelangen Einsatzes glyphosathaltiger Herbizide oder aus epidemiologischen Studien" ergäben sich keine Hinweise auf Gefahr für Menschen
(taz 7.10.2011 S.9)

·       Vandana Shiva kritisiert den Gentech-Giganten Monsanto. Der Anbau ursprünglicher Baumwolle sei unmöglich geworden. Das Saatgutmonopol habe 250.000 Bauern in den Selbstmord getrieben;
Wenn Sie in ein Saatgutgeschäft im Bundesstaat Kerala gehen, werden Sie dort nur Gentech-Baumwolle unter den verschiedenen Markennamen von Firmen finden, die der US-Hersteller Monsanto aufgekauft hat. Die Bauern müssen die Gentech-Baumwolle kaufen, weil nichts anders mehr angeboten wird.;
Hat die Einführung der Gentechnik den Bauern geschadet?
Wegen des Saatgutmonopols haben sich 250.000 Bauern in Indien umgebracht. Die Suizide häufen sich in den Baumwollregionen, besonders seit der Einführung der Gentech-Baumwolle im Jahr 2002. Damals sind die Kosten für Saatgut drastisch gestiegen. Deshalb machen die Bauern Schulden, die sie oft nicht mehr bedienen können - viele bringen sich dann um;
Die Konzerne sagen, Gentech-Saatgut sei teurer, aber dafür verschaffe es den Bauern höhere Gewinne.
Nirgendwo hat die Gentechnik den Ertrag einer Pflanze erhöht. In Indien haben sie versprochen, dass Gentech-Pflanzen 1.500 Kilogramm pro Acre (0,4 Hektar) bringen. Und jetzt mussten sie zugeben: Es sind 400 bis 500 Kilogramm. Unseren Daten zufolge sind es nur 300 bis 400 - im Durchschnitt.
(taz 2.9.2011 S.4)

·       Die Biotech-Lobbygruppe ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) berichtet, dass es in China große Fortschritte bei der Entwicklung gentechnisch veränderter (gv) Weizenlinien gebe. Bei einem Treffen des Programms „Abiotic-tolerant GM Wheat New Variety Development“ in der Akademie für Agrarwissenschaften von Shijiazhuang, das bereits im Juni mit mehr als 60 TeilnehmerInnen stattfand, habe der leitende Wissenschaftler des Programms, Youzhi Ma über den Fortschritt des Projekts berichtet. „Viele trockentolerante gentechnisch veränderte Weizenlinien sind in den vergangenen zwei Jahren entwickelt worden. Die Gene, die bei der gentechnischen Veränderung genutzt werden, stammen aus Soja und Weizen. Die geistigen Eigenzumsrechte liegen bei uns selbst.“ Bisher seien 46 gv-Weizenlinien in Pilotversuchen ausprobiert worden. Vier Linien seien im Anschluss auch im Freiland getestet worden.
(http://news.agropages.com, 23.06.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/208/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel)

·       Das nächste EuGH-Urteil: Nationale Anbauverbote für Gentechnik-Mais MON810 nur bei "offensichtlicher Gefahr";(08.09.2011)
EU-Mitgliedsstaaten können EU-weit zugelassene Gentechnik-Pflanzen nur verbieten, wenn die "Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt offensichtlich gefährdet sind". Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem heute verkündeten Urteil enge Grenzen für nationale Alleingänge
gesteckt. Danach dürften sich die von den Regierungen in Deutschland und Frankreich verfügten Anbauverbote für gentechnisch veränderten Bt-Mais MON810 kaum aufrecht erhalten lassen. Für deren Überprüfung sind nationale Gerichte zuständig.
(http://www.transgen.de/aktuell/1639.doku.html )

·       In einem Gewächshaus des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und angewandte Ökologie in Aachen wachsen gentechnisch veränderte (gv) Tabakpflanzen, in denen Medikamente gegen die Immunschwäche HIV produziert werden sollen. Die Wirksamkeit dieser Medikamente wird nun am Klinischen Forschungszentrum der Universität von Surrey (Großbritannien) in einer Studie getestet. Nach Darstellung der online-Ausgabe der britischen Tageszeitung Guardian sei das Besondere an dieser Forschung jedoch der Nachweis, dass die so genannten monoklonalen Antikörper überhaupt in Pflanzen produziert werden könnten. Die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich eine deutlich verbesserte und effizientere Herstellung der Stoffe. Der Koordinator des Projekts, Julian Ma von der T. Gearge Universität in London, betont die Bedeutung der Zulassung für klinische Studien. Diese sei eine Anerkennung, dass es möglich sei, mo¬no¬klonale Antikörper in Pflanzen mit der gleichen Qualität herzustellen wie über die bekannten konventionellen Produktionswege. Die Entwicklung des HIV-Impfstoffs ist Teil des von der Europäischen Union geförderten Projektes Pharma Planta.
(Guardian online, 19.07.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel )

·       EU: Nulltoleranz gefallen
Nach jahrelangem politischen Gezerre hat sich die Gentech-Lobby in Brüssel durchgesetzt. In der EU werden in Zukunft Spuren nicht zugelassener gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Futtermitteln toleriert. Das hat die Europäische Kommission am 24. Juni entschieden. Umgesetzt wird die Regelung in Form eines Grenzwertes von 0,1 Prozent, der nur auf Futtermittel angewendet wird. Die Nachrichtenagentur Reuters behauptet, es gebe in der EU auch eine Mehrheit für einen entsprechenden Grenzwert für Spuren von in der EU nicht
zugelassenen GVO in Lebensmitteln, die Kommission plane jedoch nicht, einen Vorschlag in dieser Sache vorzulegen. Welche Länder diese Mehrheit bilden oder was die Basis dieser Behauptung ist, dazu schweigt die Nachrichtenagentur.
(Reuters, 24.06.11; siehe dazu auch das MEMO/11/451 vom 24.06.11 der EU-Kommission, http://ec.europa.eu) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel )

·       Eine dem US-Landwirtschaftsministerium nachgeordnete Behörde hat einen neuen gentechnisch veränderten Mais des Schweizer Saatgut- und Chemiekonzerns Syngenta zugelassen. Der Mais mit der Bezeichnung 3272 produziert das Enzym Alpha-Amylase, das eine spätere Verarbeitung der geernteten pflanzlichen Rohstoffe zu Ethanol erleichtern soll. Das Enzym zersetzt Stärke zu Zucker.
(USDA-APHIS, www.aphis.usda.gov; NAMA PM, www.namamillers.com; FoE-US PM, www.foe.org; alle 11.02.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/204/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel )

·       Ein neuer Schädling: Der Maiswurzelbohrer ist kaum zu stoppen
In den europäischen Maisanbaugebieten müssen sich die Landwirte auf einen neuen Schädling einstellen. Auch in Deutschland ist der Maiswurzelbohrer angekommen, seit 2007 zunächst in Süddeutschland, 2010 auch in Nordrhein-Westfalen. 2011 hat sich in Baden-Württemberg die Zahl der in den aufgestellten Fallen gefundenen Käfer verfünffacht. Der Schädling in ist der Oberrheinebene inzwischen großflächig verbreitet. Das Ziel, ihn auszurotten und seine Ansiedlung zu verhindern, ist nicht mehr erreichbar. Nun gilt es, geeignete Bekämpfungsstrategien zu finden. Doch das scheint schwierig, denn die ideale Lösung gibt es nicht. 
Eine optimale Bekämpfungs-Strategie gibt es derzeit nicht.
+ Fruchtwechsel: Wenn nicht mehr Mais auf Mais angebaut wird, kann man damit zwar den Befall deutlich reduzieren. Ausrotten lässt sich der Schädling allein durch Fruchtwechsel nicht. Ein Teil der Käfer-Eier überlebt auch zwei Jahre im Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt. Einige Larven fressen auch an bestimmten Gräsern und sind daher nicht auf Maispflanzen angewiesen.
+ Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung verbindlich vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen verfrachtet wurde.  Da der Beiz-Wirkstoff für Bienen giftig ist, kam es am Oberrhein zu einem Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe (Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt.
+ Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen können. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind teure Spezialfahrzeuge erforderlich.
+ Gentechnisch veränderter Mais. In den USA werden schon seit einigen Jahren gv-Maissorten angebaut, die vor allem in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante des Bt‑Proteins bilden, die gezielt gegen den Maiswurzelbohrer gerichtet ist.Das Konzept ist von dem auch in Europa zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt, bei dem das Protein gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In Europa ist die Zulassung von Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz zwar beantragt, eine Zulassung jedoch noch nicht in Sicht. In Deutschland hat sich ein großes, öffentlich gefördertes Forschungsprojekt damit beschäftigt, ob ein Anbau dieser Bt-Mais-Variante schädliche Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität haben könnte. Untersucht wurde vor allem, ob es negative Einflüsse auf das Bodenleben gibt.
(http://www.transgen.de/anbau/btkonzept/992.doku.html )

·       Baumwollanbau in Indien: Über 90 Prozent mit Gentechnik - Deutlich weniger Insektizide;
(28.07.2011) In Indien hat sich gentechnisch veränderte Baumwolle weitgehend durchgesetzt. Nach Angaben der Regierung in Neu Dehli wird 2011 eine Fläche von 9,8 Millionen Hektar damit bewirtschaftet. Acht Jahre nach der Markteinführung entfallen fast neunzig Prozent der indischen Baumwollproduktion auf gv-Sorten. Die Landwirte können mit ihnen deutlich höhere Erträge bei geringerem Insektizideinsatz erzielen. Dadurch sind die vor allem bei Kleinbauern verbreiteten Vergiftungen zurückgegangen.
Mit einer Gesamtfläche von nunmehr 11,1 Millionen Hektar ist Indien der weltweit größte Baumwollerzeuger. Wie bisher in jedem Jahr seit der Markteinführung 2002 ist auch 2011 der auf gentechnisch veränderte Sorten entfallende Anteil erneut auf nunmehr knapp 90 Prozent (9,85 Millionen Hektar) gestiegen, ein Zuwachs von zwei Prozent (0,5 Mio ha) gegenüber 2010. Gleichzeitig legte die in Indien produzierte Gesamtmenge an Baumwolle um mehr als 30 Prozent zu.
Baumwolle wird in Indien überwiegend von Kleinbauern angebaut, die eine Fläche bis zu drei Hektar bewirtschaften. Gerade sie können mit schädlingsresistenten Bt-Baumwollsorten ihre wirtschaftliche Situation deutlich verbessern, wie eine von dem Göttinger Agrarökonom Matin Qaim zwischen 2002 und 2009 in Indien durchgeführte repräsentative Studie ergab.
Zwar müssen die Bauern für gv-Sorten weit mehr als das Doppelte bezahlen wie für konventionelles Saatgut. Da gv-Baumwolle durch das in der Pflanzen gebildete Bt Protein über die ganze Vegetationsperiode gegen die wichtigsten Schädlinge geschützt ist, lag jedoch der Ernteertrag um durchschnittlich 37 Prozent höher. Auch die Kosten für die chemische Schädlingsbekämpfung sanken um 40 Prozent. Unter dem Strich erzielten indische Kleinbauern durch Bt-Baumwolle pro Hektar einen durchschnittlichen Mehrgewinn von 135 US-Dollar.
In einer weiteren, gerade erschienenen Studie nach haben Qaim und sein pakistanischer Kollege Shazad Kouser den Insektizideinsatz im indischen Baumwollanbau und ihre Folgen für den Zeitraum zwischen 2002 und 2008 genauer untersucht. Demnach ist mit zunehmendem Anbau von Bt-Baumwolle der Gebrauch von Insektiziden um 50 Prozent zurückgegangen, bei der Gruppe der besonders giftigen Insektizide sogar um 70 Prozent.
Gerade Kleinbauern können es sich oft nicht leisten, Insektizide sachgemäß aufzubringen: Sie verwenden Handspritzen, es fehlt an Schutzkleidung und sie greifen oft zu billigen, besonders toxischen Mitteln. Dadurch sind gerade Kleinbauern von den gesundheitlichen Folgen des Insektizideinsatzes auf ihren Baumwollfeldern betroffen. Die Auswertung der Daten, so Qaim und Kouser, "zeigt klar, dass mit Bt-Baumwolle die Zahl der Vergiftungen durch Insektizide bei den Kleinbauern in Indien zurückgegangen ist." Wenn man die inzwischen gestiegene Anbaufläche berücksichtige, werden durch Bt-Baumwolle "vorsichtig geschätzt" jährlich 2,3 Millionen Fälle von Insektizid-Vergiftungen vermieden.
Qaim und Kouser weisen darauf hin, dass Bt-Baumwolle nicht in jedem Fall das einzige Mittel sei, um die Insektizidmengen zu reduzieren. In einigen Regionen werde mehr gespritzt als nötig. Zudem fehle es den indischen Landwirten oft an Wissen und Erfahrung, um Konzepte des integrierten Pflanzenschutzes anzuwenden.
(http://www.transgen.de/aktuell/1632.doku.html )

·       Kritische Auseinandersetzung mit dem „Fall Percy Schmeiser gegen MONSANTO“
(http://gute-gene-schlechte-gene.de/mythen-und-legenden-teil-2/#more-480 )

·       Kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle in Indien und Selbstmorde von Bauern“
(http://gute-gene-schlechte-gene.de/mythen-und-legenden-teil-3/#more-486 )

 

 

 

L) Freisetzung und Anbau

·         Wissenschaftler aus Jena finden in Darmmikroben von Honigbienen genetisches Material, das aus veränderten Pflanzengenomen stammt (Juli 2000)

·         bei Novellierung der EU-Freisetzungsrichtlinie drei wesentliche Punkte im EU-Parlament abgelehnt:
Freisetzung so genannter Antibiotika-Resistenzgene wird nicht verboten
keine Haftpflicht für Gentech-Industrie
keine generelle Unterbindung der Gen-Transfers
(e-mail kordecki 2.5.00)

·         Illegaler Genraps auf Sachsens Feldern
(FP Pfingsten 2000)

·         in Kanada augewilderter Raps entdeckt, der gegen drei Herbizide resistent ist
(GID 139/2000 S.25)

·         Uni Jena: Raps-Gene für Herbizidresistenz im Genom von Bakterien und Hefen gefunden, die im Bienendarm leben
Ökologie und Landbau 116/ 4/2000 S.76

·         Evangelische Kirche von Westfalen 4.10.2000 Rundschreiben des Landeskirchenamtes:
Empfehlung zur Mustervertragsänderung Pachtverträge:
“Der Pächter verpflichtet sich, kein gentechnisch verändertes Saat und Pflanzgut auf der Pachtfläche aufzubringen.“

·         14.2.01 EU-Parlament neue Richtlinie zur Freisetzung genetisch veränderter Organismen bestätigt, damit rechtskräftig,
völliger Verzicht auf Antibiotikaresistenzen (Ende 2004 kommerziell, Ende 2008 Versuche mit GVO);
lückenlose Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit;
Veröffentlichung der Standorte für Versuche und kommerziellen Anbau
(Das Parlament 23.2.2001)

·         Studie für UBA:
bislang gezüchtete transgene Pflanzen sind keine Superunkräuter, keine verbesserten Ausbreitungseigenschaften;
allerdings sollten bestimmte transgene Eigenschaften wie Toleranz gegen Trockenheit, gegen hohe Salz- oder Aluminiumgehalte besonders kritisch betrachtet werden;
Herbizidresistenz verringert (vielleicht) unter den nordamerikanischen Bedingungen (trockenere Felder, weniger Unkräuter) den Herbizideinsatz, Experten halten in Deutschland eine mehrmalige Herbizidanwendung mit nachteiligen Wirkungen auf Flora und Fauna für wahrscheinlich
(UMWELT BMU 2/2000 S.71)

·         Greenpeace: in Sachsen-Anhalt gentechnisch verunreinigter Bienenhonig durch Versuchsfeld
(taz 8.7.02)

·         In den USA ist ein Kampf ausgebrochen zwischen den Firmen, die Gentechnik für den Nahrungsmittelanbau nutzen und der Industrie, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Pflanzen Medikamente herstellen will (gene farming); die Nahrungsmittelhersteller sind besorgt, dass bald die Fähigkeit zur Herstellung von Enzymen, Antikörpern oder Hormonen unkontrolliert auf Nahrungspflanzen übertragen werden könnte
(The Wall Street Journal, USA, Nov 5, 2002

·         die durch Pollen erfolgende Übertragung von gentechnisch veränderten Eigenschaften kann verhindert werden; “zytoplasmatische männliche Sterilität”: es werden 80% gentechnisch veränderte und männlich sterile Pflanzen und 20% unveränderte (über Pollen fruchtbare) Pflanzen angebaut; die Bestäubung wird für alle Pflanzen durch die „normalen“ Pollen bewirkt
(AgBiotechNet, by Boy Feil and Peter Stamp, edited and sent by Agnet, Canada, Nov 4, 2002)

·         Versuche mit Bt-Mais im Labor; Auskreuzen auf verschiedene Linien der Wildpflanze Rübsen erfolgreich, in 5 von 11 Versuchen produzieren Nachkommen Insektengift in erheblichen Konzentrationen; für das Auskreuzen im Freiland müssten allerdings mehrere Bedingungen erfüllt sein: beide Arten müssten nahe beieinander stehen und zur selben Zeit blühen, zudem sei nicht sicher, ob die Hybrid-Nachkommen fortpflanzungsfähig seien
(taz 7./8.12.02; dpa 12/02)

·         in vielen Laboren wachsen die Arzneimittellieferanten der Zukunft: Pharmapflanzen, die mittels Gentechnik hochwirksame pharmazeutische Substanzen wie etwa menschliche Antikörper zur Bekämpfung von Tumoren, Impfstoffe gegen Malaria oder gegen den HI-Virus in ihrem Inneren anreichern; im US-Staat Nebraska mussten die Behörden die Vernichtung von Pflanzen anordnen, weil sie mit einem pharmazeutischem Wirkstoff verunreinigt werden; an diesem Punkt erübrigt sich jede Grenzwertdiskussion
(taz 30.11.02)

·         ab Mai 2004 gelten für alle EU-Staaten verbindliche Verordnungen zur Genehmigung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel; auch gültig für Zusatzstoffe und Aromen, im Regelfall nicht gültig für Enzyme;
alle Gentech-Produkte müssen gekennzeichnet sein, unabhängig davon, ob die Veränderung im Endprodukt nachweisbar ist:
gilt nicht für Tiere, die mit gentechnisch verändertem Futter ernährt wurden;
Bundesinstitut für Risikobewertung: derzeit 30 bis 100% Gen-Soja im Tierfutter keine Seltenheit;
Rückverfolgbarkeit (Dokumentation) vom Saatgut auf dem Acker bis zum Fertigprodukt auf dem Teller;
Schwellenwert für „zufällige oder technisch unvermeidbare“ Spuren von gentechnisch veränderten Organismen: 0,9%
(taz 3.7.2003)

·         Untersuchung: Entstehung von resistenten Insekten auf Feldern mit Bt-Mais seltener in der Natur als bisher angenommen; nicht einmal minimaler Anstieg an Resistenzen zu verzeichnen
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)

·         amerikanisch Umweltbehörde EPA kalkuliert, dass eine Resistenz selbst bei 100%igem Anbau von Bt-Mais sich erst nach 7 bis 15 Jahren einstellt
(GID 160 Okt/Nov2003 S.19)

·         transgener Raps bestäubt noch Pflanzen in 26 km Entfernung; über Jahre hinweg Durchwuchs auf den Feldern (Samen im Boden);
Mais Einzelfall: Bestäubung über 650 m Entfernung;
(Gentechnik-Nachrichten Extra-Ausgabe 10/03)

·         sächsische Bauernverbände wollen sich der Gentechnik auf ihren Feldern nicht verschließen, raten ihren Mitgliedern jedoch derzeit vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab (Absatzschwierigkeiten, offene Fragen im Gentechnikgesetz)
(Freie Presse Chemnitz 2.2.04)

·         FDP fordert in einem Antrag im Bundestag, den Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Apfelsorten in Pillnitz und Quedlinburg wie ursprünglich geplant in diesem Jahr zu beginnen;
(Das Parlament 2./9.2.04)

·         geplante Freisetzungsversuche in Sachsen-Anhalt; der Markt will diese Produkte nicht; Syngenta pflanze eine Maissorte an, die giftig ist für einen Schädling namens Maiszünsler; der M. spielt aber in Sachsen-Anhalt so gut wie keine Rolle
(Der Spiegel 4/2004 S. 80)

·         staatlich veräppelte Forschung: gentechnisch veränderte Apfelbäume sollten die Schäden durch Feuerbrand, Mehltau und Schorf reduzieren und Pestizide überflüssig machen; Freisetzung der Bäume wurde verboten;
die Resistenz-Gene gegen drei der wichtigsten Schädlinge im Obstbau wurden in vielen verschiedenen Kombinationen in das Erbgut eingeschleust; im Freilandversuch sollte über mehrere Jahre geprüft werden, ob dsie halten, was Vortests im Labor versprochen hatten; die Zentrale Kommission für biologische Sicherheit ZKBS sah keine Risiken und gab grünes Licht, das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft untersagte den Versuch ohne eine Begründung anzugeben;
alle konventionell erzeugten feuerbrandresistenten Apfelsorten aus Pillnitz versagen in Geschmack und Haltbarkeit;
Bäume sollten so geschnitten werden, dass sie nur an wenigen Trieben blühen; diese würden mit Tüten umhüllt; drittens sollte ein Netz die Bäume ganz abdecken, viertes mehrere Reihen normaler Apfelbäume die genveränderten Gehölze umringen;
wenn doch ein Gen-Tech-Pollen eine fremde Blüte erreicht? „Dann entsteht im Kerngehäuse des heranwachsenden Apfels ein Kern mit dem resistenten Erbgut. Das Fruchtfleisch jedoch gehört zum weiblichen Blütenteil und bleibt unverändert; Milliarden Apfelkerne gehen in der freien Natur spurlos zugrunde; und kein Mensch zieht aus Apfelkernen unbekannter Güte Bäume groß
(Die Zeit 4.12.03 S.31)

·         Studie des UBA zum Vergleich gentechnischer Lösungsansätze gegenüber Lösungen der konventionellen bzw. ökologischen Landwirtschaft:
Unkrautbekämpfung im Raps, Insektenbefall bei Mais, Rizomania-Befall bei Zuckerrübe, Kartoffel mit veränderter Stärkezusammensetzung, Mehltaubefall bei Wein – in jedem der 5 Fälle existieren Lösungsansätze, die technisch und ökologisch machbar und entwicklungsfähig sind und den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen ersetzen können;
Biologische Bundesanstalt Untersuchung: Bt-Mais: Larven des Tagpfauenauges bleiben nach Pollenaufnahme in ihrer Entwicklung zurück und weisen eine höhere Sterblichkeit auf
(Jahresbericht Umweltbundesamt 2002 S. 101; 103)

·         dänische Regeln für „Koexistenz“: Abstandsflächen, Pufferzonen, Fruchtwechsel einhalten; Vorschriften zur Reinigung von Sämaschinen; jede Aussaat bei Behörde melden, Nachbarn informieren; Landwirte müssen vorher einen Kurs zur „guten fachlichen Praxis“ absolviert haben; für Unfälle (Verunreinigungen) wird Kompensationsfonds eingerichtet;
Greenpeace: Bestäubung bei Raps noch in 26 km Entfernung möglich; zehnjähriges Überleben von Rapssamen im Boden
(taz 9.3.04)

·         In der Fachzeitschrift Nature Biotechnology erschien im September 2003 ein Kurzartikel mit dem Titel "Resistance to Bt toxin surprisingly absent from pests". Darin wurde die Frage aufgeworfen, warum Schadinsekten an Bt-Kulturen nach siebenjaehrigem Anbau noch keine Resistenzen entwickelt haben, die wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Studien geben aber Anlass zur Sorge, dass sich Resistenzen doch ausbreiten können
(Gentechnik-Nachrichten 49)

·         Studien und Modellberechnungen deuten darauf hin, dass in der Regel ein Schwellenwert von 1% mit geeigneten bekannten Maßnahmen einzuhalten sein dürfte. Dies gilt für den beschlossenen Schwellenwert bei Lebensmitteln und Futtermitteln von 0,9%. Sollte jedoch der Schwellenwert für Saatgut bei 0,1% liegen, würde er in der Praxis nur schwer zu erreichen sein.;
Auskreuzungsrate bei Mais: 10 Meter Entfernung – im Mittel 1% Auskreuzungsrate; nach 50 Meter generell unter 1%
(Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Diskurs Grüne Gentechnik, Broschüre 2003)

·         bereits bei der Agrarministerkonferenz in Rostock im letzten Jahr hat sich die große Mehrheit der Fachminister für die Einführung eines Schwellenwertes für Saatgut eingesetzt, der sich an der technischen Nachweisgrenze orientiert
(Das Parlament 3.5.04)

·         im Test fanden Forscher in den USA Auskreuzungen von gentechnisch verändertem Flechtstraußgras bis zu 20 km vom Ursprungsfeld entfernt
(taz 22.9.04)

·         Ergebnis der Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais in Deutschland 2004 auf 30 Feldern (Bt-Mais, insgesamt 300 ha); ein Trennstreifen von 20 Metern zwischen normalem und „Gen-Mais“ reicht aus, dass der EU-Schwellenwert für Verunreinigungen (0,9%) keinesfalls überschritten wird
(taz 25.11.04)

·         Anbaufläche gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit: 2004 um 20 % auf 81 Mill. Hektar gestiegen; 8,25 Mill. Landwirte in 17 Ländern;
(GID 168/2005 S.40)

·         nach dem neuen Gentechnikgesetz (1.2.05 in Kraft) können in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden; Standortregister für Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland: www.bvl.bund.de/gentechnik/index.htm
(taz 5./6. u. 8.2.05)

·         Pollen von Straußgras können sich über mehr als 20 Kilometer ausbreiten
(taz 7.1.05)

·         Parlamentarische Versammlung des Europarates hat die Regierungen der 46 Mitgliedstaaten zur Anwendung klarer Regeln unter angemessener Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips aufgefordert:
Wahlfreiheit der Verbraucher sicherstellen;
für striktere Regulierung der Kennzeichnung von tierischen Produkten bei Verwendung von gentechnisch veränderten Futtermitteln;
Kennzeichnung von Saatgut ab technischer Nachweisgrenze von 0,1% Verunreinigungen;
Farmer müssen langfristig in der Lage sein, ihr eigenes Erntegut zur Aussaat zu verwenden (Abhängigkeit von großen Saatgutunternehmen reduzieren);
klare Regeln für die Haftung gefordert;
regionale Zusammenschlüsse zu GVO-freien Zonen sollen möglich sein;
Langzeit-Monotoring zwingend notwendig;
gentechnisch veränderte Tiere nicht in offenen Herden halten; keine Käfighaltung von Fischen in offenen Gewässern;
die Parl. Versammlung stuft das Gesundheitsrisiko bei den gegenwärtigen GVO als gering ein;
in Moskau Kontaminationen in 30% der Lebensmittel, obwohl in Russland kein Anbau gent. veränderter Pflanzen stattfindet (Folge von US-Importen 2003?)
(Das Parlament 21.2.05)

·         Erprobungsanbau gent. veränderter Mais 2004 Deutschland; Uni Halle-Wittenberg: Abstand von 20 Metern zu Nachbarfeldern reicht aus, um den Verunreinigungsgrenzwert von 0,9% einzuhalten (ab da wäre Kennzeichnung notwendig); Auskreuzungen in einem Streifen von bis zu 10 Metern mit 1,3% angegeben; zwischen 20 und 30 Metren 0,4%; 50 bis 60 Meter 0,35%;
(GID 167/2004 S.19)

·         Niederlande Grundregeln für Mindestabstände verabschiedet: Kartoffeln 3 Meter, Zuckerrüben 1,5 Meter, Mais 25 Meter (bei Nachbarschaft zu BIO-Betrieben: 10, 3 und 250 Meter Abstand)
(GID 167/2004 S.20)

·         Monsanto wird in Kooperation mit einem deutschen Futtermittelhändler die Körnermais-Ernte 2005 der Nachbarn von Gentech-Landwirten aufkaufen
(GID 168/2005 S.17)

·         Befruchtung bei Raps mit transgenen Pollen bis 300 Meter Entfernung; Befruchtungserfolg liegt aber bereits in nur 6 Metern Entfernung bei unter 0,5 %; der eigene Pollen des nichttransgenen Rapses wird in der selben Blüte wie die Narben gebildet und kommt dem transgenen Pollen bei der Befruchtung bevor;...
seit April 2004 gilt für gentechnikfreie Produkte ein Schwellenwert von 0,9% Beimengung von Transgenen für die Kennzeichnung; die Vorschriften für gentechnische Anteile am Saatgut unterliegen nationalem Recht. Für normales Saatgut regelt das Saatgutverkehrsgesetz die Reinheit. Bei Raps und Weizen liegt die Grenze bei zwei Prozent Beimischung, bei Gräsern bei bis zu 15% und bei der leicht rein zu haltenden vegetativ vermehrten Kartoffel bei unter 0,05%
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.25)

·         Erprobungsanbau Bt-Mais in Deutscjhland 2004:
Körnermais: nach 20 Metern liegt der Bt-Anteil durch Pollenflug unter den zugelassenen 0,9%;

·         Aufruf zum Ausreißen von gentechnisch veränderten Pflanzen am 30./31.7.05 in Hohenstein/Märkische Schweiz;
40 Hektar, darin ein Streifen von 10 ha gentechnisch verändertem Mais (Monsantos MON 810), 30 Meter breiter Gürtel aus herkömmlichen Pflanzen (Monsanto empfiehlt 20 m); dem Landwirt Piprek hat im vergangenen Jahr der Maiszünsler ein Drittel der Ernte zerstört; knapp 90 Euro bezahlt Piprek pro Hektar für die normale Maissaat, der manipulierte Mais kostet 23 Euro mehr, dafür kalkuliert Piprek 40 Euro weniger für die Insektizide; der Protestant P. hat auch im zweifelnden Kirchenkreis darüber gesprochen; jede brandenburgische Kuh frisst 2 kg Sojaschrot am Tag, davon sind 60% genmanipuliert; die Ernte kauft die MärkischeKraftfutter GmbH als Viehfutter auf
(Gendreck weg – freiwillige Feldbefreiung; Faltblatt 6. Auflage 27.6.05; taz 3.6.05)

·         USA: die Pollen von gentechnisch verändertem Flechtstraußgras legen eine Entfernung von über 20 km zurück und können dort andere Arten genetisch verändern
(bdw 12/2004 S.9)

·         Uni Halle 2004: Feldversuch Mais, bereits ein Abstand von 20 Metern reiche aus, um eine Vermischung von normalem und gentechnisch verändertem Mais zu vermeiden
(bdw 2/2005 S.6)

·         Terminator-Technologie „präsentiert sich in neuen Kleidern“: nun als Methode, die die Auskreuzung gentechnisch veränderter Eigenschaften verhindern soll; die Technologie kann aber nicht die Auskreuzung selbst, sondern nur die Bildung keimfähiger Samen verhindern; müsste 100%ig funktionieren (was nicht der Fall ist); Ernten von Nachbarfeldern bei Auskreuzung nicht mehr zu gebrauchen: Verlust der Keimfähigkeit im Saatgut für das Folgejahr
(Gen-ethisches Netzwerk Faltblatt Terminator-Technologie, Dez. 05)

·         EU führt jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen Soja ein (überwiegend aus Argentinien, Brasilien, USA); in Rumänien Anbau von gentechnisch veränderter Soja offiziell auf 60.000 Hektar, in Wirklichkeit wohl auf 90% der gesamten Sojaanbaufläche von 140.000 ha (= 126.000 ha JK)
(taz 27.10.05)

·         Studie der Firma PG Economics Ltd. London: „GM crops: the global socio-economic and environmental impact – the first nine years 1996-2004”;
Erfahrungen von Farmern aus 18 Ländern (8,25 Millionen Farmer, davon 90% in Entwicklungsländern);
gentechnisch veränderte Pflanzen haben einen signifikanten, positiven Einfluss auf Wirtschaftlichkeit und Umwelt, führen zu einer Verminderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und reduzieren die damit verbundenen Umweltauswirkungen um 14%;
merkliche Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit (verringerter Treibstoffeinsatz, vermehrte C-Bindung im Boden durch verringerte oder verbesserte Bodenbearbeitung);
insgesamt 6% weniger Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu 1996 eingesetzt (stärkster Rückgang der Umweltauswirkungen bei Soja und Baumwolle: 19 bzw. 17%);
erhöhtes Einkommen der Farmer (plus 3-4% des Gesamtwertes der Weltproduktion bei den 4 Hauptpflanzen; Soja 17 Mrd Dollar Gewinne in den letzten 9 Jahren);
indirekte Vorteile: größere Flexibilität, weniger Bodenbearbeitung, stabilere Erträge und verbesserte Produktqualität;
KOMMENTAR von GENET kritisch;
(E-Mail von GENET Oktober 2005)

·         in Sachsen Anbau von Genmais auf drei Flächen zurückgezogen (20 ha)
(taz 16.5.06)

·         Versicherung gegen Schäden durch gentechnisch veränderte Pflanzen ist nicht machbar: Die fremde Erbsubstanz verbreite sich theoretisch „mit einer Wahrscheinlichkeit von 1“, erklärt Katrin Rüter vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Und sagt: „Wir versichern auch kein Grundstück gegen Hochwasser, das im Wasser liegt.“
(taz 22./23.4.06)

·         Uni Gießen Freisetzung von Gerste außerhalb des Labors; 5000 Pflanzen auf 12 Quadratmeter; Risikoforschung: herausfinden, ob die Pflanzen einen Einfluss auf die Umwelt haben; zwei Sorten Gerste – eine macht Pflanzen widerstandsfähig gegen Pilze, andere produziert Enzym, das den Mälzvorgang beim Brauen verbessern soll
(taz 26.4.06 und 2.5.06)

·         in Sachsen 2005 auf 8 Flächen (64 ha) Anbau von „bt-Mais“ MON 810;
Maiszünsler vernichtet weltweit 7% der Maisernte, in Deutschland in den letzten Jahren in einzelnen Gebieten Verluste von 30%;
seit 2004 werden in Sachsen keine Freilandversuche mehr durchgeführt
(Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: „Gentechnik – genial oder gefährlich?“, 2005, S.27f, 47)

·         (Le Monde diplomatique vom 13.4.2006, S. 23; beilage zur taz; artikel über gensoja in argentinien: http://www.taz.de/pt/2006/04/13/a0064.1/text )

·         weltweiter Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen 2005: 90 Millionen Hektar
(ISAAA)

·         Studie zu Umweltwirkungen von gentechnisch verändertem Mais auf Schmetterlinge;
Pollen von Bt-Mais Bt176 (in der EU zugelassen, Deutschland derzeit nur Anbau zu Forschungszwecken); besonders empfindlich Larven der Kohlmotte (tödliche Dosis 8 Pollenkörner); ähnlich empfindlich wie der zu bekämpfende Maiszünsler sind der „Kleine Fuchs“ und das Tagpfauenauge (tödliche Dosis 30-60 Pollenkörner), andere deutlich unempfindlicher (150 bis über 500 Pollenkörner);
dazu subletale Effekte wie verringertes Gewicht; besondere Empfindlichkeit von jungen Larven;
negative Effekte auf empfindliche Arten wie Kohlmotte sind mindestens im Umkreis von 32 Metern von Bt176-Maisfeldern nicht auszuschließen;
Rat: nur Zulassung von Maislinien mit geringem Toxingehalt in Pollen, Mantelsaat um Bt-Maisfelder, Mindestabstände zu Naturschutzgebieten
(Umwelt BMU 12/2006 S. 691, www.bfn.de/09/090203.htm#gentechnik )

·         Volksabstimmung in der Schweiz; 55% Zustimmung; auf Schweizer Feldern dürfen zumindest bis Ende 2010 keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden;
(taz 28.11.06)

·         Anhörung im Bundestag: Mindestabstand bei Mais?
Raiffeisenverband 50 Meter (vor wenigen Monaten noch: 20 Meter ausreichend);
Landwirtschaftsministerium: 150 Meter;
Heink (TU Berlin): 250 Meter
(taz 27.10.06)

·         EU-Kommission wird 2006 keinen Saatgutgrenzwert für gv Material erlassen; nach aktuellem Recht gilt als Grenzwert 0,1% (Nachweisgrenze); Saatgutbranche erwartet „handhabbaren“ Wert von 0,5%
(GID 177 8/9-2006 S.22)

·         In China mindestens bis 2007 keine Zulassung für kommerziellen Anbau von gv Reis
(GID 177 8/9-2006 S.24)

·         BUND in Brandenburg distanziert sich von Aktionen zur „Feldbefreiung“, Zerstörung von Feldern mit gv Pflanzen
(GID 177 8/9-2006 S.37)

·         weltweit 9 (USA: 6) Unkräuter resistent gegen Herbizid RONDUP von Monsanto;
die resistenten Exemplare können mit anderen Herbiziden erfolgreich bekämpft werden;
(GID 177 8/9-2006 S.22)

·         gentechnisch verändertes Strausgras (für Golfplätze) als erste Pflanze in den USA außerhalb von Versuchsflächen gefunden – in der Natur etabliert?
(GID 178 10/11-2006 S.27)

·         im US-Staat Kansas darf US-Unternehmen gentechnisch veränderten Reis zur Herstellung pharmakologisch wirksamer Stoffe anbauen; dort gibt es keinen sonstigen Anbau von Reis
(GID 178 10/11-2006 S.56)

·         Die Biene ... als Risikofaktor – sie wird zum suspekten Wesen mit Gentechnik an den Beinchen, das zu unerwünschter Auskreuzung führt
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.17)

·         Amtsgericht Zehdenick hat 8 Gentechnikgegner wegen Sachbeschädigung verurteil; Teilnahme an so genannter „Feldbefreiung“; Maisfeld besetzt und Pflanzen ausgerissen; 10 Tagessätze zwischen 14 und 40 Euro (pro Tag);
Anbauer von Genmais beim Prozess: wirtschaftliche Vorteile, Maiszünsler kann 30-40 % der Ernte vernichten
(taz 12.1.07)

·         Im vergangenen Jahr hat die landwirtschaftliche Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen erneut zugenommen. Die Anbauflächen stiegen 2006 weltweit um 12 auf nunmehr 102 Millionen Hektar. Wie aus dem jährlich im Januar erscheinenden ISAAA-Statusbericht hervorgeht, haben 10,3 Millionen Landwirte in 22 Ländern gv-Soja, Mais, Raps und Baumwolle eingesetzt. Auf kleinere Flächen werden gv-Papayas, Alfalfa (Luzerne), Zucchinis (Squash) und Reis angebaut. Gegenüber 2005 nahmen die Anbauflächen für gv-Pflanzen 2006 um noch einmal 12 Millionen Hektar zu. Die Länder mit den größten GVO-Flächen sind USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien und China. Den stärksten prozentualen Zuwachs gab es in Indien. Dort stiegen die Anbauflächen für gv-Baumwolle um 1,3 Millionen Hektar auf 3,8 Millionen Hektar. Auf die USA entfallen gut die Hälfte der globalen GVO-Flächen. Dort sind noch einmal 4,8 Millionen Hektar hinzugekommen, die mit gv-Pflanzen bewirtschaftet werden.
(http://www.transgen.de/gentechnik/pflanzenanbau/531.doku.html)

·         EU-Kommission, Bericht über (finanzielle) Auswirkungen der Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit;
kann Farmern ökonomische Vorteile bringen durch Einsparungen bei Herbiziden, Pestiziden – in der Regel nicht aber durch höhere Erträge;
Erträge bei Baumwolle nach Untersuchungen in China, Argentinien, Indien und Südafrika zwischen 10 und 87 % höher als bei konventioneller Baumwolle;
in Spanien Mais 5% höherer Ertrag;
(eMail GENET Meyer 5.1.07 http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=EN_NEWS&ACTION=D&SESSION=&RCN=26856)

·         aus einer Antwort der Bundesregierung zum Maiszünsler;
Der Clou der Antwort findet sich in den angehängten Statistiken: Trotz gestiegenen Anbaus von Mais ist die als vom Maiszünsler "befallen" eingestufte Fläche zwischen 1999 und 2005 deutlich zurückgegangen - ganz ohne Monsanto.
Das unansehnliche Tier ist seit 70 Jahren in Deutschland heimisch, besonders in Bayern und Baden-Württemberg, wo man sich mit ihm auch schon seit Jahrzehnten arrangiert. Die wichtigste Maßnahmen zu seiner Kontrolle sind Fruchtwechsel (keine Monokulturen), sauberes Häckseln und Unterpflügen nach der Ernte. Der bayrische und deutsche Oberbauer Gerd Sonnleitner beispielsweise erklärt jedem, der es hören will, gerne, daß man bei einer anständigen Bewirtschaftung seiner Maisfelder einen Bt-Mais überhaupt nicht braucht. Ausserdem gibt es natürliche Feinde (Schlupfwespen und natürliche Bt-Kulturen) zu seiner Bekämpfung und ein weniger wirksames Pestizid.
Wer freilich durch "pfluglose Bearbeitung" des Bodens, praktisch den Ersatz des Pflügens durch Herbizid-Einsatz und leichtes Grubbern und kurze Fruchtfolgen, Mais auf Mais anbaut, der züchtet auch den Zünsler heran. Das tun beispielsweise viele landwirtschaftliche Großbetriebe in den neuen Bundesländern, so wie ihre amerikanischen Kollegen im mittleren Westen. Je mehr Mais für die Verfeuerung angebaut wird, desto gröber werden auch die Bewirtschaftungsmethoden. Nachbarn solcher Flächen leiden darunter. Denn der Zünsler läßt sich nur flächendeckend bekämpfen. "Dein Problem, kannst ja auch auf Gentechnik umsteigen," wird darauf wohl bald die Antwort der LPG-Fürsten im Oderbruch sein, die jetzt mit aktiver Unterstützung von Monsanto und seinem dortigen Partner "Märka"[3] den Bt-Mais ausprobieren.
Die Biologische Bundesanstalt, ihres Zeichens gar kein Feind der Gentechnik, rechnet den Schaden durch Maiszünsler auf rund 10 Millionen Euro im Jahr hoch. Zum Vergleich: Wildschäden kosten in Deutschland 50 Millionen, der Umsatz mit Mais bewegt sich bei einer halben Milliarde
(eMail saveourseeds, am Montag, 04.12.2006; http://taz.de/blogs/saveourseeds/2006/12/04/die-schreckliche-wahrheit-ueber-den-mais-zuensler/

·         Monsanto Genmais MON810; Bt-Insektenresistenz; 2007 Anbau auf rund 2000 ha in Deutschland; zugelassen nur als Futtermittel und zur Verarbeitung in der Lebensmittelindustrie (??? wohl nur für technische Zwecke, z.B. Biogasanlagen JK)
Bundesamt für Verbraucherschutz hat ein vorläufiges Handelsverbot für das MON810-Saatgut ausgesprochen;
Greenpeace-Untersuchungen: Konzentration des Insektengiftes in 600 Maisproben schwankt um das Hundertfache; in manchen Proben überhaupt kein Bt-Toxin zu finden;
Verwaltungsgericht Augsburg: Imker hat durchgesetzt, dass in der Nähe seiner Bienenstöcke (1200 bis 2200 Meter) keine MON810-Pflanzen blühen dürfen; er habe Anspruch darauf, dass seine Honigernte absolut frei bleibt von gentechnisch veränderten Pollen; Betreiber des Ackers muss Mais vor der Blüte ernten oder Blütenstände abschneiden; der Gentechnik-Anbauer muss weichen und nicht der Imker, wenn Koexistenz nicht möglich ist;
(taz 12./13.5.07)

·         MON810
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Bescheid an Monsanto, es bestehe ein berechtigter Grund zu der Annahme, dass der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt; Seehofer: kein Anbaustopp, aber künftig Verpflichtung für die Bauern, ein modernes Monitoring zu machen;
Brandenburger Agrarministerium: faktisch bedeutet das, dass der Mais nicht mehr verkauft werden darf
(taz 10.5.07)

·         MON810
Landkreis Märkisch-Oderland untersagt einem Landwirt den Anbau von Genmais MON810 in einem Naturschutzgebiet, muss unterpflügen; Anweisung des Landwirtschaftsministeriums: Risiko für seltene Schmettterling;
(taz 26./27.5.07)

·         Anbau gentechnisch veränderter Kartoffeln; AMFLORA, produziert nur eine Stärkeart, für technische Zwecke;
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigte Anbau der Kartoffeln auf 155 ha; nicht für Vermarktung, nur experimenteller Anbau; Verarbeitung erfolgt in einer kontrollierten Stärkefabrik;
Marker-Gen verleiht der Pflanze eine Resistenz gegen mehrere Antibiotika, die in der Humanmedizin und in der Tierzucht eingesetzt werden
(taz 29.5.07)

·         BASF darf gentechnisch veränderte AMFLORA-Kartoffeln vorerst in Deutschland nicht anbauen; enthalten als Marker auch ein Resistenzgen gegen das in der Humanmedizin eingesetzte Antibiotikum Kanamycin, nach der Eu-Freisetzungsrichtlinie dürfen kommerziell genutzte Gentechpflanzen jedoch solche Gene nicht enthalten;
Leserbrief Joachim Krause dazu:
“Zu früh gefreut?
Ich habe in den Antragsunterlagen der BASF geblättert und darin keine Angaben entdeckt, die auf eine Kanamycin-Resistenz der zur Auspflanzung vorgesehenen gentechnisch veränderten AMFLORA-Kartoffeln hinweisen. Da ist von einem anderen Marker-Gen die Rede, nämlich einer Herbizidresistenz gegen den Wirkstoff "Imazomax". Vielleicht sind für die Versuche in Deutschland die Kartoffelsorten gar nicht vorgesehen, die die EU jetzt prüfen lassen will.“ Antwort des Autors: so ist es.
(taz 16.3.07)

·         AMFLORA-Kartoffel: BASF hat auch die Nutzung in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie beantragt, so könnten Kartoffelreste verfüttert werden, doch bei Verbrauchern soll die Genstärke nicht ankommen;
europäische Lebensmittelbehörde Efsa hat inzwischen ihre Unbedenklichkeitsbescheinigung für das Resistenzgen gegen Antibiotika bestätigt, damit grundsätzlich zur Anpflanzung freigegeben
(taz 21./22.4.07)

·         MON 810
in der EU dürfte sich der Anbau 2007 verdoppeln auf 120.000 ha;
Österreich und Ungarn haben nationales Verbot durchgesetzt, gegen den Protest der EU-Kommission;
Anbaufläche gent. veränderter Pflanzen in Spanien 70.000 ha;
(ZEIT 19.4.07 S.33)

·         Bienensterben
Forschungsprojekt Uni Halle 2001 bis 2004: Wirkung von Pollen von gentechnisch verändertem Mais auf Bienen; Bt-Mais; eine toxische Wirkung von Bt-Mais auf gesunde Honigbienen konnte zwar nicht nachgewiesen werden: doch als Versuchsbienen zufällig noch von Parasiten befallen wurden, starben sie signifikant stärker; möglicherweise habe das Bakteriengift im Mais die Darmoberfläche der Bienen verändert und sie geschwächt; die Konzentration des Giftes im Versuch war allerdings zehnmal höher als in normalen Bt-Maispollen; über recht langen Zeitraum von sechs Wochen verabreicht
(Spiegel 12/07 S.59)

·         § 8 (2) Dem Pächter sind gentechnische Arbeiten und die Verwendung von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder aus solchen bestehen, auf den Pachtgrundstücken strikt untersagt. Gentechnische Arbeiten sind die Erzeugung gentechnisch veränderter Organismen und deren Verwendung, Vermehrung, Lagerung, Zerstörung oder Entsorgung sowie der innerbetriebliche Transport und zwar auch dann, wenn dafür eine behördliche Genehmigung vorliegt. Dem Pächter ist damit insbesondere die Ausbringung gentechnisch veränderten Saatgutes verboten.
(Evangelische Landeskirche Bayern; neuer Pachtvertrag der Pfründestiftung)

·         Gentechnisch veränderter Mais hat in diesem Jahr auf einem Versuchsfeld der Firma Monsanto in Nordrhein-Westfalen erstmals überwintert. Im Jahr 2006 ausgesäter Gentech-Mais wuchs aufgrund des milden Winters im Frühjahr 2007 unplanmäßig erneut auf den betroffenen Feldern. Damit muß ein wichtiger Grundsatz der Risikoabschätzung bei der Verbreitung von gentechnisch verändertem Mais zu den Akten gelegt und die Frage der Koexistenz auf dem Maisacker völlig neu bedacht werden.
Bericht des Umweltamtes Arnsberg unter: www.haerlin.org/Mais_Durchwuchs.pdf
(http://taz.de/blogs/saveourseeds/2007/07/03/durchwuchs-gentech-mais-ueberwintert-erstmals-in-deutschland/ )

·         eigene Beobachtung JKrause 6.7.07: auf einem Weizenfeld wachsen in erheblichem Umfang Kartoffeln durch, im letzten Jahr angebaut, milder Winter?, Ernterückstände wegen schwieriger Bedingungen?

·         Probleme mit und für gentechnisch veränderten Mais MON810
27.4.07
Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an MONSANTO, dass dieser Mais so lange nicht mehr an Landwirte verkauft werden darf, bis es für diesen Mais einen Beobachtungsplan gibt (z.B. Untersuchung der Ausbreitung des Bt-Toxins in der Umwelt, Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, Änderung der Pestizidausbringung)
4.5.2004
Bayerisches Verwaltungsgericht Augsburg ordnet an, dass der Freistaat Bayern Mais-Versuchspflanzen am Blühen hindern muss (abmähen oder männliche Blüten abschneiden), um Imker zu schützen, dessen Bienenstöcke 1500 bis 2200 Meter entfernt liegen
16.5.2007
Landkreis Märkisch Oderland erlässt Verfügung: Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Naturschutzgebiet verboten; Schutz dort lebender Tiere, besonders Schmetterlinge
(GID 182, Juni 2007, S.33)

·         Anbau der Gentech-Kartoffel Amflora (BASF); das Gentechnik-Gesetz unterscheidet nicht eindeutig zwischen wissenschaftlichen Freisetzungen und dem kommerziellen Anbau; für experimentelle Freisetzungen gibt es keine Flächenbegrenzungen; BASF beantragte großflächigen Freisetzungsversuch, der nur national genehmigt werden muss; kommerzieller Anbau müsste von EU entschieden werden
(taz 28.6.07)

·         BAYER Amflora-Kartoffel: EU-Agrarminister keine einheitliche Meinung zur Zulassung; EU-Kommission entscheidet: Anbau ist genehmigt
(taz 18.7.07)

·         eine Brandenburger Verpächterin von Ackerland kämpft gegen ihren Pächter, der auf ihrem Land auf 18 Hektar Genmais (MON810) anbaut; müssen Eigentümer informiert werden? Greenpeace vertritt Klage der Verpächterin
(taz 18.6.07; 22.6.07)

·         Klage von Greenpeace gescheitert
(taz 18.7.07)

·         gentechnisch veränderte AMFLORA-Kartoffeln der BASF in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Fläche von über 20 Hektar ausgebracht; aber „versehentlich“ auf dem falschen Acker; muss nun vernichtet werden
(taz 7./8.7.07)

·         gentechnisch veränderte Raps;
Raps ist ein enger Verwandter von Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl oder Wirsing; sogar Radieschen seien durch Auskreuzungen gefährdet; Rapssamen könne bis zu 15 Jahren keimfähig im Boden überdauern
(taz 6.9.07)

·         Bienenforscherin Elke Genersch zu Bienensterben und Gentechnik;
es gibt gerade jetzt zu genmanipulierten Pflanzen extrem gute Studien; zeigen, dass es keine negativen Effekte gibt, die schlimmer sind als die Effekte der Pestizide; in der Praxis zu vergleichen: Felder mit Pestizidanwendung ODER mit Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen; und da schneiden die GVO-Felder besser ab, was die Effekte auf die Nichtzielorganismen betrifft;
das Toxin, das jetzt in den Zellen von MON810 gebildet wird, wurde vorher tonnenweise auf den Feldern gespritzt;
Imker behandeln ihre Waben mit einem Pulver, das Bacillus thuringiensis enthält;
“normale Züchtung“ (ohne Gentechnik) arbeitet mit mutagener Strahlung, um Mutanten zu erzeugen, völlig ungerichtet; kein Mensch guckt nach, was die Strahlen alles kaputtgemacht haben
(taz 27.8.07)

·         Urteil Amtsgericht Neuruppin:
die Verpächterin (Eigentümerin) eines Ackers kann von ihrem Pächter nicht die Vernichtung der Genmais-Pflanzen fordern; nicht vertragswidrig verhalten, im Vertrag Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht ausgeschlossen; auch gesetzlich nicht verboten
(taz 29.8.07)

·         (27,42) Imker in Bayern hatte gerichtlich in erster Instanz durchgesetzt, dass gentechnisch veränderter Mais in der Nähe seiner Bienenstöcke nicht blühen durfte (Pollen);
der Verwaltungsgerichtshof München entschied (21.6.07), dass der Freistaat Bayern (Betreiber des Versuchsfeldes) keine Rücksicht auf den Imker nehmen muss;
(GID 183/2007)

·         BMELV: Monsanto hat den geforderten Monitoringplan für MON810 vorgelegt;
bei Ernte von
gentechnisch verändertem Mais in Brandenburg Beschädigung der Erntemaschine durch Steine, die an den Maispflanzen befestigt waren; 30.00 Euro Schaden
(GID 184/07 S.23)

·         USA vermutlich 2008 kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Zuckerrüben (Resistenz gegen ROUNDUP Monsanto); Mehrkosten 60 Euro je ha; bei mittlerem Unkrautbefall herkömmliche Bewirtschaftung günstiger;
Firma Südwestsaat GbR in Rastatt (BaWü) ist es gelungen, mit konventionellen Methoden eine Maissorte mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer zu entwickeln; die resistenz liegt auf mehreren Genen verteilt; Wirkung vermutlich durch antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(GID 184/07 S.25)

·         In 120 Ländern wird derzeit „BIO“ angebaut, weltweite Fläche von rund 5 Millionen Hektar 1996 auf 31 Millionen ha 2005 gestiegen
(Spiegel 36/07 S.35ff)

·         Saatguthersteller KWS plant Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben an vier deutschen Standorten; widerstandsfähig gegen bestimmtes Pflanzenschutzmittel; in USA, Kanada und Japan sind Genrüben bereits zugelassen
(taz 28.11.07)

·         Minister Seehofer hat mit Zustimmung des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) das Handelsverbot für Gentech-Mais MON810 aufgehoben; Konzern hat wie verlangt einen vollständigen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen des Genmais-Anbaus vorgelegt;
(taz 7.12.07)

·         Gentechnisch veränderte Kartoffeln AMFLORA; vereinzelte Exemplare sind nach der Ernte auf dem Acker verblieben; keine Sicherheitsvorkehrungen mehr; sollen „auswintern“ (erfrieren) …;
nur noch knapp die Hälfte der gut 10 Millionen (Tonnen? JK) Kartoffeln in Deutschland sind Speisekartoffeln;
(taz 4.1.08)

·         Jetzt hat er auch Deutschland erreicht: Der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) wurde in diesem Jahr erstmals an acht Standorten in Süddeutschland gesichtet.
In den USA ist der Käfer schon seit den 50er Jahren der am meisten gefürchtete Schädling und verursacht dort Kosten von mehr als 1 Milliarde US$ pro Jahr. In Europa wurde er erstmals 1992 in der Region um Belgrad entdeckt, wo er vermutlich mit den Nahrungsmitteltransporten für die US-Truppen in das ehemalige Jugoslawien eingeschleppt wurde. Seitdem erobert er Schritt für Schritt Europa. Besonders betroffen sind Ungarn, Rumänien und Slowenien. Befall wird auch in Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz gemeldet.
Die Weibchen legen im Spätsommer ihre Eier an den Maiswurzeln ab. Im nächsten Frühjahr fressen die Larven dann an den Wurzeln der neu ausgesäten Maispflanzen, stören die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und schädigen somit die Pflanzen massiv. Eingerollte Blätter und Lager sind die erkennbaren Schadbilder.
In den USA sind seit drei Jahren gentechnisch veränderte Sorten im Anbau, die in Europa jedoch nicht zugelassen sind. Eine konventionell erzeugte, resistente Maispflanze wäre die eleganteste Möglichkeit zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers.
Dies ist jetzt einem Team von Züchtern der SAATEN-UNION GmbH gelungen.
Seit 2002 werden im Süden Ungarns umfangreiche Feldversuche mit resistenten Maissorten durchgeführt; Zulassung 2010 erwartet;
„Die Ergebnisse sind spektakulär“, beschreibt Dr. Peter Goertz, Maiszüchter der SÜDWESTSAAT GbR (Saaten-Union), die Untersuchungen. Während bei den Vergleichssorten Schäden durch den Maiswurzelbohrer von 50 –100 % auftreten, gibt es bei den resistenten Hybriden nur einen geringen Befall. Die Bestände zeigen kein Lager, die Wurzeln sind gesund. Die Züchter wissen, dass die Resistenzeigenschaft auf mehreren Genen liegt, was von Vorteil für den Erhalt der Resistenz ist. Sie vermuten, dass die Larven durch antibiotische Ausscheidungen der Wurzeln abgestoßen werden.
(SAATEN-UNION GmbH, Kommunikation & Service, Renate Wegert, Eisenstraße 12, 30916 Isernhagen HB, Tel. (0511) 72666-243 /-0, renate.wegert@saaten-union.de)

·       Anmeldungen für Anbau von gentechnisch verändertem Mais MON810;
+ Deutschland: 3975 ha (jetzt 96 % der angemeldeten Flächen in Ostdeutschland; Vorjahr 2684 ha)
+ Sachsen: 1035 ha (jetzt 26 % aller in D. angemeldeten Flächen; 2007 556 ha; Gesamtackerfläche Sachsen 721.000 ha)
+ Agrargenossenschaft Radeburg will auf 117 ha Mais anbauen; Mehrkosten für Saatgut 10 Euro pro ha; in der Vergangenheit regelmäßig 10-15 % der konventionellen Maisbestände durch Maiszünsler geschädigt;
+ Landesbauernverband Sachsen: Anbau wird nicht empfohlen, weil die Haftungsfrage sehr unglücklich geregelt ist; selbst wenn ein Landwirt alle Anbauregeln befolgt, trägt er bei Verunreinigungen auf Nachbarfeldern das volle Haftungsrisiko; da zahlt auch keine Versicherung; das Siegel „ohne Gentechnik“ besagt nur, dass keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwendet wurden, ob aber Zusatzstoffe gentechnisch produziert wurden (Aminosäuren, Enzyme) ist ausgeklammert – das ist Verbrauchertäuschung
+ in Frankreich im letzten Jahr Anbau auf 22.000 ha, für dieses Jahr Anbauverbot
(Freie Presse Chemnitz 1.2.08)

·       Schweden: auch 10 Jahre nach Ende der Bewirtschaftung mit gentechnisch verändertem Raps auf Versuchsfeld noch Samen gentechnisch veränderter Pflanzen in keimfähigem Zustand; zwischendurch immer wieder gepflügt, ausgerissen, andere Früchte angebaut; 38 Pflanzen gefunden, 10 davon mit der gent. Veränderten Eigenschaft;
(taz 15.4.08)

·       Universität Rostock hat Freisetzung von gentechnisch verändertem Sommerweizen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt und in der Schweiz beantragt; Weizen soll gegen den Stinkbrand, eine Pilz-Infektion, resistent sein;
(GID 186 Februar 2008 S.22)

·       Urteil Oberlandesgericht Brandenburg/Havel: ein Agrarbetrieb als Pächter darf gentechnisch veränderten Bt-Mais auch ohne Zustimmung der Verpächterin anbauen;
jedoch im konkreten Fall hat der Pächter sich nachträglich einverstanden erklärt, eine Verbotsklausel in den Pachtvertrag aufzunehmen
(GID 186 Februar 2008 S.22)

·       In Gebieten nördlich von Tschernobyl, die wegen radioaktiver Belastung nicht für Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden dürfen, soll Getreide zur Bioethanolerzeugung angebaut werden: rund 6,5 Millionen Hektoliter für den europäischen Markt; auch Einsatz von gentechnisch verändertem Getreide vorgesehen
(GID 186 Februar 2008 S.23)

·       Die katholische Kirche in Bayern hat den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf ihren Flächen verboten „Aufgrund der vielfältigen Risiken und dem derzeitigen Kenntnisstand und der Tatsache, dass sich die Schöpfung selbst ausgestaltet, ist die Anwendung der grünen Gentechnik auf landwirtschaftlichem Freiland grundsätzlich abzulehnen“
(GID 186 Februar 2008 S.43)

·       Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007;
Fläche von 102 Millionen Hektar 2006 auf 114 Mill. Ha gestiegen;
Soja, Mais, Baumwolle, Raps; …
USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien China; …
(www.transgen.de)

·       Anbau gentechnisch veränderter Mais Vorhaben Deutschland 2008;
4342 ha, davon Brandenburg 47%; Sachsen 24%; Mecklenburg-V. 21%, Sachsen-Anhalt 6 %
(www.greenpeace.de)

·       Untersuchung in Arizona / USA: Larven des Baumwollkapselbohrers gefunden, die zwischen 50- und 1000-mal mehr des Bt-Toxins vertrugen als solche, die noch nie mit dem Gift in Berührung gekommen waren; erster Nach weis einer im Freiland entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanze
(bdw 5-2008 S.7)

·       Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007:
114 Millionen Hektar; bereits 43% der damit bestellten Ackerflächen liegen in Schwellen- und Entwicklungsländern;
Anteil der gentechnisch veränderten Pflanzen an der Gesamtanbaufläche der Pflanzen: Soja 64%; Baumwolle 43%; Mais 24%; Raps 20%;
Indische Bauern ernten dank der Bt-Baumwolle ein gutes Drittel mehr (Terri Raney; FAO); im Schnitt zahlen sie 41% weniger für Pflanzenschutzmittel; ihr Gewinn sei trotz höherer Saatgutpreise um fast 70% gestiegen;
nur 4 Pflanzen (Baumwolle, Mais, Raps und Soja) und zwei gentechnisch eingefügte Eigenschaften (Insektenresistenz und Herbizidtoleranz) machen bislang über 99% aller Gentech-Gewächse aus; „und diese Sorten sind sicher nicht für Kleinbauern bestimmt“ (Raney, FAO);
“Die Gentech-Industrie versucht uns weiszumachen, dass wir ihre Gentech.Pflanzen brauchen, um die Ernährung unserer Bevölkerung sicherzustellen; Wie können wir solche Aussagen glauben, wenn ein Großteil der Ernte an Tiere verfüttert oder zu Biosprit verarbeitet wird?“ (Bassey, Friends of the Earth Nigeria);
Darin liegt das Grundproblem: Neue Pflanzensorten sind vor allem dann ein gutes Geschäft, wenn sie globale Märkte bedienen und auf großen Flächen wachsen. Im Kampf gegen den Hunger jedoch sind eher Pflanzen gefragt, die an lokale Verhältnisse von Boden, Klima und Infrastruktur angepasst sind und gleichzeitig eine öffentlich zugängliche, auch für Kleinbauern bezahlbare Ressource bleiben.;
inzwischen wird mit gentechnischen Ansätzen auch in Südafrika (Mais mit Resistenz gegen das verheerende Maisstreifenvirus), Uganda (Bananen mit erhöhter Widerstandskraft gegen eine Pilzinfektion); an Reis (China, Iran, Feldversuche „goldener Reis“ Philippinen) gearbeitet;
(Spiegel 17-2008 S.150)

·       INI Rostock darf gentechnisch veränderten Weizen an zwei Standorten bis 2010 freisetzen; Sommerweizen, resistent gegen den Pilz Weizenflugbrand; Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erwartet keine schädlichen Einflüsse, verlangt Sicherheitsabstand von 50 Metern zu anderen Weizenfeldern, Anbaugelände muss eingezäunt werden
(taz 14.5.08)

·       Genmais verboten
In der bei Dresden gelegenen „Moritzburger Kleinkuppenlandschaft“ darf vorläufig kein gentechnisch veränderter Mais angebaut werden. Das Verwaltungsgericht Dresden bestätigte am 9. Mai ein entsprechendes Verbot des Landratsamtes Meißen. Dieses hatte einer Agrargenossenschaft untersagt, bei Berbisdorf Genmais anzubauen. Eine Beschwerde gegen das Verbot lehnte das Gericht ab. Nach seiner Ansicht ist nicht geklärt, ob Toxine des Mais-Pollens einer in der Nähe lebenden Schmetterlingsart, dem geschützten Ameisen-Bläuling, schaden können. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht erhoben werden.
(Der Sonntag Sachsen 18.5.08 S.5)

·       Unternehmen Pioneer dar eine neue Genmais-Sorte in Deutschland testen; BVL genehmigte Anbau im sächsischen Zabeltitz und an drei anderen Standorten; 2008 bis 2011, Fläche von maximal 1,2 ha je Standort
(Freie Presse Chemnitz 23.4.08)

·       Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen; auf öffentlichen Druck hin Verzicht auf Freisetzungsversuche MON810;
der betroffene Forscher weist in seiner jüngsten Arbeit nach, dass der gentechnisch veränderte Mais nicht nur dem Maiszünsler widersteht, sondern auch eine geringere Belastung an Pilzgiften aufweist (weniger Pilzbefall an Fraßstellen ? JK)
(ZEIT 30.4.08 S.43)

·       Im niedersächsischen Laase haben Gentechnik-Gegner frisch ausgesäten Mais wieder eingesammelt
(taz 21.5.08)
(Erneutes) Einsammeln von gentechnisch verändertem Maissaatgut in Laase
(taz 26.5.08)

·       Das Verwüsten von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen soll in Frankreich künftig eine Straftat sein; Nationalversammlung beschloss Gesetz
(taz 22.5.08)

·       EUROPOL hat eine Aktion von Gentechnikgegnern in Portugal als „terroristisch“ eingestuft
(GID 188 Juni 2008 S.51)

·       In Bayern wurden von den Bauern 92% der ursprünglich für 2008 angemeldeten Genmais-Flächen zurückgezogen; Druck, massive persönliche Angriffe; derzeit in Deutschland noch Anbau von Genmais auf fast 3.700 ha
(taz 13.6.08)

·       Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland liegt 2008 bei 3.200 Hektar, 2007 waren es 2.700 ha; es handelt sich fast ausschließlich um Mais der Sorte MON810 von Monsanto
(GID 189 August 2008 S.24)

·       Spanien 2007: Anbau von gentechnisch verändertem Mais auf rund 75.000 Hektar
(GID 189 August 2008 S.27)

·       Gentechnik-Gegner haben nahe Moritzburg bei einer Zerstörungsaktion offenbar das Feld verwechselt, auf zwei Hektar Maispflanzen zertreten; Unbekannte beschädigten in den vergangenen Wochen bereits Genmais-Felder bei Dresden und im Kreis Meißen; verursachten bis zu 20.000 Euro Schaden
(Freie Presse 17.9.08)

·       die Landesanstalt für Landwirtschaft des Freistaates Sachsen hat Ergebnisse über den Ertrag, die Wirtschaftlichkeit und agronomische Daten des Anbaus von gentechnisch verändertem, insektengiftigem Bt-Mais veröffentlicht. Demnach lohne sich der Einsatz … wenn so Verluste von 300 kg je Hektar bei Körnermais und 2000 kg je ha bei Silomais vermieden werden könnten; insgesamt sei der Anbau von Bt-Mais nur bei hohem Zünslerbefall sinnvoll
(GID 190 Oktober 2008 S.18 --- hundertseitiger Bericht unter www.sachsen.de , dort weiter zu den Publikationen der Landesanstalt für Landwirtschaft)

·       Imker gegen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das Freisetzungsversuch genehmigt hatte; die Genehmigung eines Versuches mit gentechnisch verändertem Mais auf einem Feld im bayerischen Kitzingen im vergangenen Jahr war rechtmäßig; Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Braunschweig 11.2.09; wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass gentechnisch veränderter Pollen im Honig kaum nachweisbar und nicht giftig für den Menschen sei, sei er überhaupt im Honig enthalten, sei er nicht vermehrungsfähig; der Mais der Linie 98140 enthält Gene des Bakteriums Bacillus licheniformis, das Brot oder Fruchtsaft verdirbt, diese sollen die Pflanze widerstandsfähig machen gegenüber 2 Unkrautvernichtungsmitteln; Firma Pioneer testet die Pflanzen an 4 Standorten in Deutschland und hat Zulasung als Lebensmittel- und Futterpflanzen in Brüssel beantragt
(taz13.2.09S.9)

·       (Verbote für Mais MON 810 in verschiedenen europäischen Ländern)
Dass die zuständigen Lebensmittelwächter der European Food Safety Authority in Parma dem strittigen Gentech-Mais Unbedenklichkeit bescheinigen, wird dabei geflissentlich ignoriert. Ebenso wird verdrängt, dass zwei weitere genmodifizierte Maissorten das Prüfverfahren der Behörde bestanden haben und zugelassen werden müssen. Wenn sie ihren eigenen Regeln folgt, kann die EU-Kommission also gar nicht anders, als den Anbau von Mon810-Mais mit einem Machtwort europaweit durchzusetzen – auch wenn es zur Zerreißprobe mit einzelnen Landespolitikern kommt. „Wir Europäer haben das schärfste wissenschaftliche Zulassungsverfahren in der Welt, aber wir trauen ihm nicht“, sagt Natali Moll vom Bioindustrieverband EuropaBio in Brüssel. Moll ist Lobbyistin. Recht hat sie trotzdem.
(ZEIT 5.3.09 S.35)

·       Kitzingen, Betrieb mit 2000 Mastschweinen, Mais als Futter; 2006 Maiszünsler 40% Ernteverlust trotz Pestizideinsatzes
(Spiegel 10-2009 S.68)

·       BASF will – nach Erteilung der Anbaugenehmigung für die gentechnisch veränderte Stärkekartoffel „Amflora“ – im nächsten Jahr auch die Genehmigung für die gentechnisch veränderte Frittenkartoffel „Fortuna“ beantragen;
Die Kartoffel sei mit Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule ausgestattet. Diese Eigenschaft sei in die Pflanze aus dem Erbgut von Wildkartoffeln aus Lateinamerika eingebaut worden. Bereits auf dem Wege der konventionellen Züchtung habe man versucht, europäische Kartoffelsorten mit der Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule auszustatten, habe jedoch hohe Ertragseinbußen hinnehmen müssen. Dies soll bei Fortuna nicht der Fall sein. Die BASF rechnet damit, dass mit dem konventionellen Anbau der Fortuna ab 2015 begonnen werden kann. Bei Feldversuchen seien ein Abstand von 10 m zu konventionellen Kartoffeln eingehalten und eine sichtbare Trennlinie gezogen worden. Für den kommerziellen Anbau gebe es in diesem Punkt noch keine Regeln.;
die BASF hat mittlerweile auch eine zweite Gentechnik-Kartoffel in Planung, die nur Amylopektin-Stärke bildet. Wie „Amflora“ soll auch sie für industrielle Anwendungen dienen, die Pülpe allerdings auch als Tierfutter herhalten können.
(http://www.raiffeisen.com/news/artikel/30214760 )

·       EU-Kommission: die gentechnisch veränderte Kartoffel „Amflora“ (BASF) darf nach einem 13 Jahre währenden Zulassungsverfahren künftig europaweit angebaut werden; ist zur Gewinnung von Industriestärke bestimmt, wobei die anfallenden Abfälle auch als Futtermittel verwendet werden dürfen; Kartoffel enthält eine Antibiotikaresistenz; strenge Auflagen: weder auf dem Acker noch bei Ernte oder Transport darf Amflora mit anderen Kartoffeln in Berührung kommen, im Folgejahr dürfen keine „normalen“ Kartoffeln auf einem Amflora-Acker angebaut werden, erlaubt ist letztlich doch eine unbeabsichtigte Verschmutzung traditioneller Kartoffelprodukte bis 0,9%;
die niederländische Firma Avebe hat eine (nicht gentechnisch veränderte) Kartoffelsorte auf den Markt gebracht, deren Stärke zu 99% aus dem von der Industrie begehrten Amylopektin bestehen soll;;
(taz 3.3.2010 S.1,2)

·       „Bedenklich daran ist, dass die Amflora gegen zwei Antibiotika widerstandsfähig ist. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Medikamente nicht mehr wirken, wenn man Amflorabestandteile zu sich nimmt.“
Leserbrief dazu von J.Krause:
Als eine Gefahr, die möglicherweise von der "Genkartoffel" Amflora ausgeht, werden seit langem die enthaltenen Antibiotika-Resistenzen kritisch diskutiert. Wenn aber der Autor schreibt, dass "nicht auszuschließen ist, dass diese Medikamente nicht mehr wirken, wenn man Amflorabestandteile zu sich nimmt", ist das schlicht falsch. Wenn überhaupt, dann müssten die neuen Gene aus der Kartoffel von Bakterien aufgenommen werden, und wenn diese wiederum Krankheitserreger sind und sich im menschlichen Organismus zu schaffen machen, dann und nur dann könnte es sein, dass die Bakterien resistent geworden sind gegen Antibiotika, und diese nicht mehr wirken. Das Essen von Kartoffeln jedenfalls bewirkt diesen Effekt NICHT. Dass Bakterien fremdes Erbgut in ihr eigenes Erbgut "einbauen" können, ist erwiesen, dass Antibiotikaresistenzen auf diesem Wege wirksam aufgenommen worden sind, wird immer wieder befürchtet, ist aber bisher nie nachgewiesen worden.
Joachim Krause
(taz 3.3.2010 S.12)

·       in Indien sind Schädlinge aufgetaucht, die gegen das Gift der gentechnisch veränderten Baumwollsorte resistent sind; nach nur 8 Jahren Anwendung sind mutierte Schädlinge aufgetaucht, gegen die das in den Pflanzen produzierte Gift nicht (mehr) wirkt; die Baumwoll-Sorte Bollgard produziert ein spezielles Gift, das unter anderem die gefürchtete Rosarote Baumwollkapselraupe abtöten soll; in vier von neun Bezirken des Bundesstaates Gujarat ist die Raupe seit vergangenem Jahr resistent gegen dieses Gift; es handelt sich um Bt-Pflanzen (Gen zur Produktion des Giftes stammt aus dem Bacillus thuringiensis);
Saatguthersteller MONSANTO: Solche Resistenzen sind vorhersehbar; die indischen Landwirte hätten sich nicht exakt genug an die speziellen Anbauvorschriften gehalten, die das Entstehen von Resistenzen verzögern soll (Bestellung eines Teils der Flächen mit nicht gentechnisch veränderten Baumwoll-Sorten JK);
Lösung aus Sicht von Monsanto ist die Baumwollsorte „Bollgard II“, die seit 2002 in den USA verkauft wird; produziert neben dem Bt-Gift noch einen weiteren, ähnlichen Giftstoff (damit soll die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Resistenzen vermindert werden); in den USA sind bisher keine resistenten Schädlinge aufgetreten;
Monsanto arbeitet inzwischen an einer Sorte Bollgard III, die drei Giftstoffe absondern soll
(taz 23.3.2010 S.09)

·       EU-Kommission will künftig die einzelnen Mitgliedsstaaten selbst entscheiden lassen, ob sie den Anbau von Genmais und Co. auf eigenem Boden erlauben
(Freie Presse Chemnitz 14.6.2010 S.7)

·       die Bundesländer der BRD sollen nach Vorstellungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums künftig selber über die Abstände zwischen Äckern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und naturbelassenen Pflanzen entscheiden; bundesweit gelten derzeit z.B. 150 m Abstand bei Mais;;
einzig bei Kartoffeln schlägt das Ministerium einen bundesweit gültigen Abstand von 10 m vor und drängt darauf, das entsprechende Bestimmungen vor der nächsten Anbauperiode umgesetzt werden sollen; außerdem solle nach dem Anbau von gentechnisch veränderten Kartoffeln eine Pause von 2 Jahren eingelegt werden;
(taz 20.9.2010 S.8)

·       mit gentechnisch veränderten Sorten verunreinigtes Mais-Saatgut des Herstellers Pioneer Hi-Bred in Niedersachsen ausgesät; in mindestens 6 weitere Bundesländer verkauft;
im herkömmlichen Saatgut einzelne Körne der gentechnisch veränderten Sorte NK 603 entdeckt;
in der EU für kommerziellen Anbau nicht zugelassen; daher „Null-Toleranz“;
Mais dieser Sorte (herbizidresistent) darf seit 2004/2005 als Lebens- und Futtermittel in die EU eingeführt werden;
(taz 8.6.2010 S.4)

·       in aus den USA importierten Schokoriegeln, z.B. Butterfinger“, > 84 bis 100 % gentechnisch veränderte Soja enthalten (zulässig wären Verunreinigungen von < 0,9%);
Hersteller NESTLÈ: illegal aus den USA eingeführt, wo es keine Kennzeichnungspflicht gibt;
Greenpeace-Expertin Töwe räumt ein, dass die wesentlichen Gefahren gentechnischer Produktion in Umwelt-, nicht in Verbraucherrisiken bestehen, etwa „dass angebaute veränderte Arten nicht mehr aus der Natur zurückzuholen sind“
(taz 27.5.2010 S.8; Freie Presse Chemnitz 3.6.2010 S.4)

·       in USA an 288 Standorten entlang einer Stecke von 5000 km am Straßenrand 406 Rapspflanzen eingesammelt; überlebten schon seit mehreren Generationen;
85% wiesen eine Herbizidresistenz auf entweder gegen Glyphosat (Monsanto) oder Glufosinat (Bayer);
entdeckt wurden auch Rapspflanzen, die beide Resistenzgene besaßen, müssen sich also gekreuzt haben;
weltweit gebe es etwa 40 Arten, die als Kreuzungspartner für Raps in Frage kommen
(taz 13.8.2010 S.18)

·       US-Gericht hat den Anbau von gentechnisch veränderten Zucker4rüben des Konzerns Monsanto vorerst verboten; Zulassung zurückgenommen, bis umfassendere Studien zu den Umweltauswirkungen vorliegen; gilt nur für Neupflanzungen; schon auf einer Fläche von 400.000 ha gesäte Monsanto-Rüben dürfen nach der ernte verwendet werden; in den USA sind 95 % aller Zuckerrüben gentechnisch verändert, liefern etwa die Hälfte des Zuckerbedarfes des Landes
(taz 16.8.2010 S.8)

·       Thüringen ist das erste deutsche Bundesland im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen. Auf der achten Konferenz des Netzwerks in Wien unterzeichnete vorgestern Staatssekretär Hartmut Schubert die Charta der europaweiten Initiative, der damit 52 Regionen angehören
(Freie Presse Chemnitz 25.11.2010 S.4)

·       Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in einigen europäischen Ländern 2010 in Hektar:
Mais: Spanien 67.726; Tschechien 4680, Portugal 5500, Slowakei 1740, Polen 3500, Rumänien 823;
Kartoffeln (Amflora) Tschechien 150, Schweden 80, Deutschland 15
(www.transgen.de)

·         (09.11.2010) Das Vorhaben der EU-Kommission für eine Re-Nationalisierung beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verstößt gegen die von der EU unterzeichneten Welthandelsverträge (WTO). Das ist das Ergebnis eines lang erwarteten Gutachtens des juristischen Dienstes des Europäischen Rates. …
Ökonomische Begründungen für ein Anbauverbot sind mit dem WTO-Vertrag generell nicht vereinbar, da diese als unzulässige Handelshemmnisse gelten. Als mögliche Gründe blieben allenfalls ethische Bedenken, so Äußerungen von EU-Offiziellen. Auch diese würden vor dem Europäischen Gerichtshof oder dem WTO-Schiedsgericht jedoch kaum Bestand haben. Die Tatsache, dass große Mengen an gv-Pflanzen importiert und in der EU als Tierfutter verwendet werden, ließe sich kaum mit einem ethisch begründeten Anbauverbot dieser gv-Pflanzen vereinbaren.
Auf Zweifel an der Sicherheit einer gv-Pflanze kann sich ein nationales Anbauverbot nicht berufen, da alle Sicherheitsaspekte von gv-Pflanzen in dem weiterhin EU-weit verbindlichen  Zulassungsverfahren berücksichtigt werden, an dem alle EU-Staaten mitwirken. 
(http://www.transgen.de/aktuell/1235.doku.html )

·         BASF wird in diesem Jahr wieder gentechnisch veränderte Kartoffeln der Sorte AMFLORA in Sachsen-Anhalt anbauen, Üplingen, 2 Hektar; gleichzeitig Verzicht auf erneuten Anbau in Zepkow (MeckPomm)
(taz 1.2.2011 S.08, Freie Presse Chemnitz 2.2.2011 S.7)

·         In diesem Frühjahr werden mehr gentechnisch modifizierte Pflanzen denn je auf den Äckern der USA sprießen: Am Freitag bewilligte das Landwirtschaftsministerium in Washington den kontrollierten Anbau von "Roundup Ready"-Zuckerrüben - obwohl eine richterlich angeordnete Umweltverträglichkeitsstudie nicht abgeschlossen ist. Die Sorte wurde vom deutschen Hersteller KWS gemeinsam mit dem US-Konzern Monsanto entwickelt.
Das Ministerium begründete die Entscheidung mit "Nachschubengpässen": 90 Prozent der in den USA angebauten Zuckerrüben sind genmanipuliert. Monsanto liefert das speziell auf die Pflanzen abgestimmte Unkrautvernichtungsmittel "Roundup" gleich mit.;
… mit Bedingungen: Bis zum Abschluss der Studie muss es Sicherheitsabstände rund um Äcker mit Genrüben geben. In einigen Regionen dürfen sie gar nicht eingesetzt werden.
Für die Biotechnologie-Industrie ist es trotzdem der zweite große Erfolg binnen einer Woche. Schon Ende Januar hatte die US-Regierung eine uneingeschränkte Aussaat von gentechnisch manipuliertem Alfalfa-Sprossen bewilligt. Die Pflanze wird als Winterfutter für Kühe benutzt. Vilsack selbst hat auf einen Sicherheitsabstand von acht Kilometern rund um Gen-Alfalfa-Äcker verzichtet - obwohl sein Ministerium in einer Studie vor Kreuzungen mit anderen Pflanzen warnte.
(taz 7.2.2011 S.08)

·         Der US-Chemiekonzern Monsanto will ab diesem Frühjahr eine Gentech-Zuckerrübe in Ostdeutschland unter freiem Himmel testen. Das Unternehmen habe einen Freilandversuch beantragt, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Die Rüben sollten in Nienburg (Saale) wachsen. Bis 24. Februar könnten Einsprüche eingelegt werden. Die USA hatten den Anbau der Rübe H7-1 unter Auflagen am Freitag genehmigt. Sie ist widerstandsfähig gegen das Pestizid Roundup.
(taz 8.2.2011 S.08)

·         Behörde geht Zweifeln an der These nach, dass Pflanze außer Schädlinge Marienkäfer tötet
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veranstaltet am heutigen Mittwoch ein Streitgespräch zwischen Wissenschaftlern, das zur Aufhebung des deutschen Gentechmais-Verbots beitragen könnte. Angelika Hilbeck von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich soll in Berlin auf Kritik an einer der Studien antworten, mit deren Hilfe das BVL 2009 den Anbau der Maissorte MON810 untersagte. Das verlautete aus mit der Sache vertrauten Kreisen.;
Hilbecks Untersuchung zufolge tötet das Gift, das die Pflanze gegen Schädlinge produziert, auch den Nützling Zweipunkt-Marienkäfer.;
Hilbeck hatte in ihrer Studie 2008 berichtet, dass das Gift aus der Bakterienart Bacillus thuringiensis (Bt) die Todesrate von Marienkäfer-Larven erheblich erhöhe. MON 810 produziert Bt, um die Insektenart Maiszünsler zu bekämpfen. Die Wissenschaftlerin hatte für ihr Experiment Mehlmotteneier mit Bt besprüht und diese den Larven zu fressen gegeben. Die Larven hätten die Schalen aufgebrochen, um den Inhalt der Eier zu fressen. So hätten sie auch das Bt auf der Schale zu sich genommen.;
Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, die dem Schweizer Staat gehört, dagegen bezweifelt in seiner Gegenstudie vom Juli 2010, dass die Larven in Hilbecks Versuchsaufbau überhaupt das BT auf der Schale gefressen haben. Seine eigenen Experimente hätten gezeigt, dass das Bt ungefährlich für die Larven sei. In einem Versuch fütterte er sie mit Spinnmilben, die Bt-Mais gefressen hatten. In einem anderen mit einer Zuckerlösung, die Bt enthielt, wie der Biologe in einem Fachartikel schreibt.;
Der Spinnmilbenversuch von Romeis beweise nicht die Ungefährlichkeit des Bt, erklärte Hilbeck weiter. Zum einen komme das Gift in den Spinnmilben in geringeren Konzentrationen vor als in den direkten Fütterungsstudien. Das Gift könnte im Körper der Spinnmilben so verändert werden, dass es den Larven nicht schadet. Auch das Experiment mit der Zuckerlösung lässt die Forscherin nicht gelten. "Wir haben die Larven neun bis zehn Tage mit Bt gefüttert, Romeis dagegen an einzelnen Tagen und dann erst nach einer Erholungspause wieder." Das sei ein fundamentaler Unterschied und führe zu anderen Ergebnissen, die ihre Studien ergänzten, aber nicht widerlegten.
(taz 9.2.2011 S.09)

·         Honig darf nicht verkauft werden, wenn er Pollen des gentechnisch veränderten Mais MON 810 enthält - selbst wenn die Verunreinigungen äußerst gering sind. Das folgt aus dem Schlussantrag von Generalanwalt Yves Bot im sogenannten Imker-Prozess am Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Meist folgen die Richter des EuGH den Gutachten des unabhängigen Generalanwalts. Das deutsche Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik begrüßte den Schlussantrag, den das Gericht am Mittwoch veröffentlichte.
Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren der Hobbyimker Karl-Heinz Bablok aus Kaisheim bei Augsburg. Zu seinem Ärger führte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft zwei Kilometer von seinen Bienenstöcken Anbauversuche mit dem Mais MON 810 des US-Herstellers Monsanto durch. Bablok verlangte Unterlassung oder zumindest Schutzmaßnahmen. Doch die Forscher meinten, dass Bienen sich eh nicht für Maispollen interessierten. Um das Gegenteil zu beweisen, postierte Bablok seine Bienen im Abstand von 500 Metern zu den Versuchsfeldern und ließ anschließend Pollen und Honig untersuchen. Ergebnis: Im Honig fanden sich geringe Mengen genveränderten Mais-Erbguts.;
Derzeit ist der Streit zwar etwas entschärft, weil die Anbauzulassung des Genmais seit 2009 in Deutschland ausgesetzt ist. "Der Streit hat aber grundsätzliche Bedeutung", sagt Thomas Radetzky vom Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik, "das Gutachten des Generalanwalts ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Nulltoleranz: Jede geringste GVO-Verunreinigung macht ein Lebensmittel dann zum GVO-Lebensmittel, mit allen Folgen."
(taz 10.2.2011 S.08)

·         die weltweite Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen sei 2010 gegenüber 2009 um 10% auf 148 Millionen Hektar gewachsen (ISAAA), das entspreche mehr als dem Sechsfachen der Landesfläche Großbritanniens, damit sei der Gentech-Anteil an der gesamten Anbaufläche der Welt von 9 auf 10% gewachsen;
in Europa allerdings schrumpften die Genfelder um 3% auf 91.438 Hektar
(taz 24.2.2011 S.08)

·         Weltweit sind Bienenvölker bedroht, davor warnte jetzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) in Genf. In Europa und den USA gingen die Bienenbestände in den letzten Jahren um bis zu ein Drittel zurück, im Nahen Osten sogar um 85 Prozent. Laut Unep betrifft das Bienensterben vor allem die Nordhalbkugel.
ImkerInnen berichteten in den letzten Jahren immer wieder von ungewöhnlichen Verlusten im Winter. Der Unep-Bericht trägt die Erkenntnisse der verschiedenen Länder zusammen und verleiht der Problematik so eine globale Dimension.
Der Rückgang hat laut Unep verschiedene Ursachen. Ein Grund ist der Einsatz von Insektengiften und die chemische Behandlung von Saatgut in der Landwirtschaft. Dieses Saatgut ist mit nikotinhaltigen Nervengiften belastet. Die Bienen nähmen diese über Wasser auf und würden in einen Rauschzustand mit Todesfolge versetzt, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerverbands.
Außerdem macht der Klimawandel den Insekten zu schaffen. Sie finden weniger Nahrung, weil aufgrund veränderte Blühzeiten und Niederschlagsmengen die Pollen für die Bienen zu früh im Jahr fliegen. Als weiteren Grund nennt Unep den zunehmenden Artenschwund und die eintönige Landschaft durch große Monokulturen. Lebensräume und Nahrungsgrundlagen der Bienen würden zerstört. Sie ernährten sich einseitig. Ein geschwächtes Immunsystem sei die Folge, die Bienen würden anfälliger für Schädlinge.
(Gentechnisch veränderte Pflanzen werden NICHT als – mögliche – Ursache erwähnt … JK)
(taz 12./13.3.2011 S.08)

·         Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg:
Honig mit Pollen von Gentechpflanzen ohne Zulassung als Lebensmittel (die keine Zulassung als L. haben JK) darf nicht mehr in der EU verkauft werden.;
Nach einer Schätzung der taz auf Grund von Branchenzahlen kommt der meiste Honig für den deutschen Verbrauch aus Nord- und Südamerika. Dort sind Gentechnikpflanzen stärker verbreitet als in Europa. Deshalb fand die Zeitschrift ÖKOTEST 2009 in fast der Hälfte aller getesteten Honige Genpollen.;
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert, dass zwischen Gentechfeldern und Bienenstöcken mindestens 5 Kilometer Abstand vorgeschrieben werden, denn so weit sei der Flugradius von Bienen auf der Nahrungssuche;
Das Urteil wird Gentechnik-Gegnern zufolge auch Pläne der EU-Kommission zurückwerfen, die derzeit gültige Regel aufzuweichen, wonach nicht zugelassene Gentech-Zutaten in Lebensmitteln auch in geringsten Konzentrationen verboten sind. Im Juli hatte die EU schon die Nulltoleranz solcher Gentechpflanzen in Futtermitteln gekippt und einen Grenzwert von 0,1% erlassen

Sind Teile von Gentechpflanzen im Honig gesundheitsschädlich? Das behaupten im konkreten Fall noch nicht einmal die Gentechnikgegner. Schon weil die Konzentrationen von gentechnisch verändertem Pollen im Honig sehr gering sind
(taz 7.9.2011 S.2)

·         Antibiotika versagen;
In Europa sind immer mehr Krankheitserreger widerstandsfähig gegen Antibiotika, die als letztes Mittel bei Infektionen dienen. Das zeigen Daten, die das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Donnerstag veröffentlicht hat. Die EU-Kommission erklärte, Antibiotika-Resistenzen seien "zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsproblem" geworden. Jährlich sterben in Europa 25.000 Patienten der Weltgesundheitsorganisation zufolge deswegen, weil die Medikamente nicht gegen die Bakterien wirken;
Eine Ursache der steigenden Resistenzen ist laut ECDC, dass 50 Prozent der Antibiotikagaben in Krankenhäusern "unangebracht" sein können. Auch der Einsatz von Antibiotika bei Tieren erhöht die Gefahr von Resistenzen, wie die Europäische Lebensmittelbehörde bereits seit Langem warnt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Nordrhein-Westfalen ergab, dass die meisten Masthähnchen während ihres kurzen Lebens die Medikamente bekommen - offenbar auch, damit sie schneller wachsen. Weil die Agrarindustrie zusehends mehr Tiere auf engem Raum hält, werden dort Mutationen der Erreger und damit Antibiotika-Resistenzen wahrscheinlicher;
(gentechnisch veränderte Bakterien werden NICHT benannt JK)
(taz 18.11.11 S.8)

·         Tatsächlich halten viele Fachleute die Einhaltung der für absolute Reinheit nötigen Sicherheitsabstände für schwer kontrollierbar. Honigbienen, die für die Bestäubung von zwei Dritteln aller Nutzpflanzen wichtig sind (und damit einen Beitrag für die Landwirtschaftserträge von gut 22 Milliarden Euro leisten), suchen in einem Umkreis von durchschnittlich zwei Kilometern nach Nektar und Pollen. Mais ist für Bienen zwar wenig attraktiv, weil die Blüten keinen Nektar enthalten, aber als Pollenlieferant wird er gelegentlich von den Insekten besucht. Die Bienen selbst werden von den gentechnisch veränderten Pollen mit ihren Inhaltsstoffen, etwa dem schädlingsabtötenden Bt-Toxin, nicht geschädigt. Das hat die vom Bund geförderte Biosicherheitsforschung gezeigt. Auch der Mensch muss keine Gesundheitsgefahren fürchten -- jedenfalls gibt es keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse, die das nahelegen.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.09.2011 Seite 4)

·        

 

 

 

M) Gentechnik in Nahrungsmitteln

·         Q: taz 13.3.96:
- EU-Parlament: gentechnisch hergestellte oder veränderte Lebensmittel müssen (nur) dann gekennzeichnet werden, wenn Chemiker einen Unterschied zum Original nachweisen können
- Kennzeichnung auch, wenn nur ein "agronomisches Merkmal" betroffen ist (z.B. Pestizidresistenz bei Rüben), auch für Lebensmittelzusätze

·         Q: taz 24.4.95
- ab 1.7.95 in der Schweiz Bewilligungspflicht für Gentech-Lebensmittel
- Österreich hat als zweites Land der Welt außer Österreich (dort seit Anfang 1995 noch strengere Regelungen) derartiges Gesetz
- zugelassene Lebensmittel, Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe, die selbst gentechnisch veränderte Organismen sind oder daraus gewonnen werden, müssen als "GVO-Erzeugnis" gekennzeichnet werden
- ausgenommen sind Erzeugnisse, die vom Organismus abgetrennt und vom Erbmaterial gereinigt wurden

·         epd wochendienst 33/98 S.11:
NESTLÉ ab 9/98 Schokoriegel mit Vermerk „aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt“ auf deutschem Markt

·         taz 25./26.6.98:
gentechnisch veränderte Lebensmittel, Spezialnahrung für Krankenhäuser, durch NESTLÉ auf dem Markt

·         taz 11./12.7.98
Bundesrat erlaubt Kennzeichnung „ohne Gentechnik“

·         Stiftung Warentest: 82 Lebensmittel getestet, die Mais oder Soja enthielten, in 31 Proben gentechnisch verändertes Material, in keinem Fall gekennzeichnet, drei Produkte >1% (FP, taz 28.7.00)

·         Biosafety-Protokoll:
Import von gentechnisch veränderten Organismen: behördliche Genehmigung des Einfuhrlandes vorgeschrieben;
Lebensmittel-Kennzeichnungs-Pflicht
(FP 29.5.00)

·         Verstöße gegen Kennzeichnungspflicht in Deutschland derzeit ohne Strafe; Beamte im Bundesgesundheitsministerium brüten immer noch über Katalog von Sanktionen, im Herbst soll Referentenentwurf vorliegen, solange dieser nicht Gesetz ist, können die zuständigen Ordnungsämter Verstöße praktisch nicht ahnden, dafür müssen diese aber eigene Untersuchungen durchführen, nötige Mitarbeiter und Laborkapazitäten fehlen
Spiegel 32/2000 S.18

·         NOVARTIS läßt sich von Zulieferern seit 30.6. garantieren, daß keine gentechnisch veränderten Organismen in Lebensmitteln eingesetzt werden;
„pragmatische Entscheidung“: Lebensmittel von N. würden derzeit von Gentechnik nicht profitieren, weil die Kunden keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel haben wollten, würden sie auch nicht eingesetzt; man habe aber keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen Gentechnik in Lebensmitteln
taz 4.8.2000

·         tatsächliches Risiko für Monarchfalter durch Bt-Mais-Pollen? auch anderthalb Jahre später keine präzise Aussage;
Entdeckung von Spuren von StarLink-Mais in Lebensmitteln, diese Sorte ist wegen potenzieller Allergiegefahr nicht für menschlichen Verzehr zugelassen, Verunreinigungen überall (Auskreuzungen, Vermischung), große Rückrufaktionen, Märkte schrumpfen, Rückschlag – ohne dass irgendjemand weiß, ob der Verzehr von StarLink-Mais tatsächlich gefährlich ist;
“Jahrzehntelang haben uns die Firmen einzureden versucht, dass ihre Pestizide gar nicht so schlimm seien... jetzt teilen uns die selben Firmen mit, die Pestizide seien eben doch derart gefährlich, dass wir Genpflanzen brauchen, die einen geringeren Pestizideinsatz ermöglichen – halten die uns eigentlich für blöde?“
(Der Spiegel 4/2001 S.178ff)

·         gentechnisch hergestelltes Chymosin ersetzt (in der Käseproduktion) das Labferment, das traditionell aus den Mägen von ausschließlich zu diesem Zweck geschlachteten neugeborenen Kälbern gewonnen wurde
(Nahrungsmittel zwischen Natur und Retorte, GSF München 2000, S. 74)

·         heute sind in den USA fünf gentechnisch veränderte Tomatenvarietäten auf dem Markt;
seit 1990 ist gentechnisch hergestelltes Chymosin in den USA für die Käseherstellung zugelassen, inzwischen werden mehr als 70% des amerikanischen Käses damit produziert, in der EU ist die Verwendung von Chymosin in allen Mitgliedsstaaten, außer Frankreich und Österreich, erlaubt, seit März 1997 ist gentechnisch hergestelltes Chymosin auch in Deutschland für die Käseproduktion zugelassen,
(AID Broschüre 1376/2000: Gentechnik im Einkaufskorb)

·         Bereitschaft zum Kauf gentechnisch hergestellter Lebensmittel (Erhebung 2002):
ja                           West 5 Ost 7
eventuell                 West 22 Ost 17
eher nicht               West 35 Ost 35
überhaupt nicht       West 39 Ost 41
(BMU: Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2002“, S.104)

·         Soja bewirkt bei manchen Menschen Allergien; eine wichtige Ursache: ein Eiweißstoff (hergestellt durch das P34-Gen); jetzt mit Hilfe von Gentechnik dieses Eiweiß ausgeschaltet: das dafür verantwortliche Gen wurde mehrfach in das Erbgut eingebracht; Zelle deutet die „Überdosis“ als Gefahr (Virusinfektion) und schaltet alle derartigen Gene ab; Gefahr: später doch wieder unbeabsichtigtes Anschalten?; an der Abschaltung zweier weiterer Gene wird gearbeitet
(dpa 29.9.02)

·         Das Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI) hat zwei modifizierte indische Reissorten gezuechtet, die in den naechsten drei Jahren in Indien getestet und angebaut werden sollen. Der Indische Rat fuer Landwirtschaftsforschung (ICAR) foerdert den Provitamin A und Iod enthaltenden Goldenen Reis, der zusaetzlich noch eine Krankheitsresistenz exprimiert. Umweltschuetzer argumentieren dagegen, eine gute Vermarktung von unpoliertem Reis, der das wichtigste Grundnahrungsmittel fuer die arme Bevoelkerung war, bevor der weiße Reis offensiv auf den Markt gedrueckt wurde, haette das Geld und die Energie sparen koennen, die fuer die Entwicklung des Goldenen Reises verschwendet wurden
(www.checkbiotech.org 21.10.02).

·         US Bauern bauen Pharmaceuticals an: In den USA wird zum ersten Mal Mais angebaut, der Lipase produziert. Dieses Protein soll Mukoviszidose-Patienten bei der Verdauung helfen. Das sogenannte Gen-Pharming wird als neuer Weg zur Senkung der Produktionskosten von Medikamenten und zur Einkommenssteigerung von Bauern beworben
(Soybean Digest, USA 24.10.02 zitiert aus GENET 23.10.02).

·         Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung Jahresbericht 2001: fast jedes zehnte soja- oder mais-haltige Lebensmittel enthielt Substanzen gentechnischen Ursprungs; eine Kennzeichnung lag bei keinem der Produkte vor, obwohl einige weit mehr als 1% gentechnisch veränderte Bestandteile enthielten
(taz 30.11./1.12.02)

·         EU-Landwirtschaftsminister haben sich im GVO-Kennzeichnungsstreit geeinigt
Nach langen und schwierigen Verhandlungen haben sich die EU-Landwirtschaftsminister auf einen Kompromiss hinsichtlich eines Vorschlages zur Kennzeichnung von GV-Lebens- und Futtermitteln geeinigt. Dieser Vorschlag beinhaltet folgende Punkte:
- Künftig sollen neben GV-Lebensmitteln auch GV-Futtermittel gekennzeichnet werden. Das heißt, in Zukunft soll es eine Kennzeichnungspflicht für GV-Futtermittel geben, und die Vermarktung von GV-Futtermitteln soll einer Genehmigungspflicht unterliegen.
- Künftig sollen Lebens- und Futtermittel als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen, wenn sie mehr als 0,9% gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten. Eine Kennzeichnung soll auch erfolgen müssen, wenn die gentechnisch veränderten Bestandteile im Endprodukt nicht mehr nachweisbar sind. Dies ist z.B. der Fall bei hochraffinierten Speiseölen. Die Kennzeichnungspflicht soll nicht gelten, wenn das Produkt unbeabsichtigt mit zugelassenen GVO verunreinigt wurde, und die Verunreinigung unter 0,9% beträgt.
- In einer Übergangsfrist sollen Lebensmittel unbeabsichtigte Beimischungen von nicht zugelassenen GVO enthalten dürfen, wenn die Verunreinigung maximal 0,5% beträgt und das entsprechende GVO von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als risikolos bewertet wurde. Diese Übergangsregelung soll auf drei Jahre beschränkt sein, danach sollen keine Beimischungen mehr von nicht zugelassenen GVO toleriert werden.
- Es soll ein zentrales Zulassungsverfahren für neue GVO eingerichtet werden. Zulassungsanträge sollen künftig den national zuständigen Behörden vorgelegt werden, die wissenschaftliche Bewertung soll jedoch zentral durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erfolgen.
Der dänische Antrag auch Produkte von Tieren zu kennzeichnen, die gentechnisch verändertes Futter erhielten, wie z.B. Käse, Eier, Fleisch, ist abgelehnt worden. Die endgültige Verabschiedung des Kennzeichnungs-Vorschlages erfordert eine gemeinsame Entscheidung von Ministerrat und Europäischem Parlament, so dass nun noch das Europäische Parlament über den Vorschlag abstimmen muss. Die Rückverfolgbarkeit von GVO entlang des gesamten Produktionsprozesses ist eine Voraussetzung für eine funktionierende Kennzeichnungsregelung. Die Verabschiedung einer Regelung über ein entsprechendes System wird derzeit von den EU-Umweltministern diskutiert
(Pressemitteilung der Europäischen Präsidentschaft, Dänemark, 28.11.02, zitiert aus GENET 29.11.02; Pressemitteilung Greenpeace International, 20.11. 02; http://www.biosicherheit.de).

·         einige Ländern setzen weiter auf transgene Pflanzen. Ihre Anbauflächen sind auch 2002 erneut gestiegen – auf nunmehr 58 Millionen Hektar. Das geht aus ersten, noch vorläufigen Zahlen hervor.
(http://www.transgen.de/link.php?link=Anwendung/Pflanzen/anbauglobal_02.html)

·         genmanipulierte Pflanzen könnten bald mit einer DNA-Sequenz eindeutig gekennzeichnet werden (Sorte, Hersteller, Datum der Aussaat...); spezifisches Stück DNA bei sonstiger Gen-Veränderung zusätzlich mit „anhängen“
(Die Zeit 20.2.03 S.34)

·         Ministerin Künast: zulässiger Schwellenwert für Verunreinigung durch gentechnisch veränderte Bestandteile in Nahrungsmittel gilt nur für unbeabsichtigte oder zufällige Beimengungen; bei bewusster Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen oder daraus hergestellten Erzeugnissen ist die Kennzeichnung obligatorisch – egal wie gering deren Anteil ist
(Der Spiegel 13/2003 S.179)

·         Indien; gentechnisch veränderte Kartoffeln; ein Drittel mehr Proteine + hoher Anteil an essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin; bereits letzte Testphase, sollen demnächst Regierungs-Zulassung erhalten
(bild der wissenschaft 3/03 S.8)

·         Zunahme von Allergien und Unverträglichkeiten: etwa 8% der Kinder und 3% der Erwachsenen leiden bereits an einer solchen Immunreaktion (bezogen auf Lebensmittel?JK)
(Das Parlament 7.7.03)

·         Hiltrud Breyer (Europaparlament): 90% der Sojaprodukte enthalten inzwischen GVO; bei Öl und Zucker 100%
(Das Parlament 7.7.03)

·         Untersuchung in Großbritannien: Patienten mit künstlichem Darmausgang aßen genmanipulierte Soja; verdaute Nahrung wurde am Ende des Dünndarms untersucht; bis zu 3,7% der eingeschleusten DNA-Schnipsel überlebten zwar die Passage durch den Verdauungstrakt, aber ins menschliche Erbgut wurde die Sequenz nicht eingebaut
(Der Spiegel 4/2004 S.120)

·         Kennzeichnung: Landwirt müsste ab sofort wissen, ob er gentechnisch veränderte Futtermittel (zumeist Gensojaschrot) an seine Tiere verfüttert, zur Auskunft darüber ist er nicht verpflichtet;
Kennzeichnung Lebensmittel: müssen AUS gentechnisch veränderten Organismen hergestellt sein, nicht nur MIT deren Hilfe: so muss eine Bäckerhefe, die auf Nährstoffen aus genveränderter Maisstärke wächst, nicht gekennzeichnet werden, das gilt auch für Glutamat oder Vitamin C oder B12, die häufig mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert werden
(taz 17./18.4.04)

·         Schweden: Bier mit 10% gentechnisch verändertem Mais von Monsanto gebraut (MON810; Bt-Resistenz); von einem Bauern im deutschen Oderbruch komme der genmodifizierte Mais; schon im ersten Monat seien 1500 Liter des Bieres nach Deutschland gegangen
(taz 20.4.04)

·         EU-Agrarminister haben Bt11-Mais (Syngenta Schweiz) als Lebensmittel zugelassen; laut EU-Kommission warten 9 Genlebensmittel auf die Genehmigung: 7x Mais, 1x Zuckerrübe, 1x Soja
(taz 27.4.04)

·         Versuche mit insektizidresistentem Mais MON863;  festgestellt, dass bei Ratten eine Zunahme von wissen Blutkörperchen und Nierenbeschwerden bei Männchen sowie erhöhter Blut-Zuckerspiegel bei Weibchen auftrat
(taz 24./25.4.04)

·         in Deutschland 70% der Verbraucher gegen Gentechnik im Essen; ebenso hoch ist der Anteil der deutschen Bauern, die gentechnikfrei wirtschaften wollen
(Der Spiegel 16/04 S.94)

·         In der EU besteht ein großer Bedarf an eiweiß- und energiereichen Futtermitteln, der durch die Einfuhren von Getreide, Ölsaaten und anderen Futtermitteln, insbesondere aus den USA und Südamerika gedeckt wird. In den USA wurden 2003 auf über 80 Prozent der Soja-Anbauflächen gentechnisch veränderte Sojapflanzen, in Argentinien auf 99 Prozent und in Brasilien auf 35 Prozent angebaut. Die EU importiert jährlich über 20 Mio. t Sojabohnen, allein Deutschland importiert ca. 4 Mio. t Sojabohnen und 2,6 Mio. t Sojaschrot. GVO- und konventionelle Agrarprodukte werden in den wichtigsten Exportländern in der Regel nicht getrennt erfasst, transportiert und vermarktet. GVO-freie Futtermittel sind deshalb auf den internationalen Rohstoffmärkten kaum verfügbar.
(@grar.de Aktuell - 19.03.2004)

·         Stellungnahme der BMA zu Gesundheitsgefahren durch gentechnisch veränderte Nahrungsmittel:
das Potenzial gentechnisch veränderter Nahrungsmittel, ernsthafte gesundheitliche Schäden hervorzurufen, ist sehr gering;
aber viele Fragen sind noch nicht ausreichend beantwortet:
langfristige Wirkung auf menschliche Gesundheit und Umwelt;
Allergiepotenzial;
Wirkung neuartiger Nahrungsmittel nicht nur auf „normale, gesunde Erwachsene“, sondern auf besonders gefährdete Gruppen (Ungeborene, Kleinkinder, Alte, chronisch Kranke);
Gen-Übertragung im Magen-Darm-Trakt;
Auswirkungen auf die Umwelt (Fall-zu-Fall-Prüfung wichtig!);
Selektion von Superunkräutern;
wichtiger als das Vorliegen akuter Gefährdungen: das Fehlen von Argumenten für die Vorteile der Einführung von GVO in Nahrungsmitteln
(British Medical Association, Board of Science and Education, März 2004)

·         Greenpeace warnt vor Produkten von „Müller-Milch“, weil dort genmanipuliertes Tierfutter eingesetzt werde;
Greenpeace darf Produkte der Firma Müller nicht mehr als „Gen-Milch“ bezeichnen, entschied das Kölner Landgericht; durch wissenschaftliches Gutachten davon überzeugt, dass der „Einsatz von gentechnisch manipulierten Futtermitteln nicht zur Veränderung der Milch führt“, die Behauptungen von Greenpeace seien daher falsch
(taz 17.5.04; 24.6.04)

·         Die Verfügungsklägerin (= Müller-Milch) behauptet, daß sich in den tierischen Produkten selbst bei Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel keine Hinweise mehr auf diese wiederfinden. So bleibe die DNA der Milch von Kühen, die gentechnisch verändertes Futter erhalten haben, gegenüber der DNA von Milch von solchen Kühen, die nicht mit solchen Futter gefüttert worden seien, unverändert. Dazu legt sie zwei Berichte vor (Anlagen Ast. 5 und 6), die einmal von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und einmal von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft stammen. Die Verfasser beider Stellungnahmen kommen jeweils zu dem Ergebnis, daß eine Veränderung der tierischen Nahrungsmittel durch die Fütterung von gentechnisch veränderten Futtermitteln nicht auftritt bzw. bislang nicht nachgewiesen wurde. 95 Prozent des in der EU hergestellten Mischfutters sei von gentechnisch veränderten Bestandteilen betroffen.
... Der Antrag zu I ist begründet. Bei den beanstandeten Äußerungen – dem Ausdruck „Gen-Milch“, der Behauptung, in den Produkten der Verfügungsklägerin sei Gentechnik enthalten, und der Frage „Gen-Milch Skandal bei der Müller-Partei“ – handelt es sich um Tatsachenbehauptungen, die im Rahmen des einstweiligen Verfügungsverfahrens als unwahr anzusehen sind.
... Bei dieser Sachlage hat die Verfügungsklägerin glaubhaft gemacht, daß nach unumstrittener wissenschaftlicher Erkenntnis der Einsatz gentechnisch manipulierter Futtermittel nicht zu Veränderungen der Milch führt. Um diese Einschätzung zu widerlegen, hätte der Verfügungsbeklagte (= Greenpeace) mindestens ebenso fundierte wissenschaftliche Stellungnahmen zu dieser Frage vorlegen müssen. Zu berücksichtigen ist auch, daß bei einer Interessenabwägung hier das Interesse der Verfügungsklägerin überwiegt, daß sie nicht in Verbindung mit dem Vorwurf von Genmanipulation und genveränderter und damit für den Menschen möglicherweise schädlicher Inhalte ihrer Produkte gebracht wird. Denn in diesem Fall ist klar, daß die Verfügungsklägerin sich nicht nur im Rahmen der rechtlichen Vorschriften hält, sondern darüber hinaus der Verbraucher der Produkte der Verfügungsklägerin mit genveränderten Substanzen überhaupt nicht in Berührung kommt.
(aus dem Gerichtsurteil Greenpeace gegen Müller-Milch)

·         (gentechnik-kritischer Artikel) Das Problem der Gentech-Gegner: Ihre Warnungen gründen sich bisher auf Vermutungen und Befürchtungen. Zwar gibt es Studien, die Nachteile in Tierversuchen nachweisen oder nahe legen. Doch eine direkte Gefahr für den Menschen ist bislang nirgends nachgewiesen.
(taz 8./9.5.04)

·         Kennzeichnung
Die zentrale Grundregel, die hinter der neuen Kennzeichnung steht, ist relativ banal: Alles, was aus GVO ist oder selbst ein GVO ist (bzw. war) muss gekennzeichnet werden. Alles, was mit Hilfe oder unter Einsatz von GVO hergestellt wurde, aber selber keiner ist oder war oder aus einem solchen besteht, muss nicht gekennzeichnet werden.
(GID 163/2004 S.41)

·         Gentechnik, über Artgrenzen hinweg: nun können Gene von Nüssen in Sojapflanzen, Gene von Fischen in Tomaten und sogar Gene vom Menschen ins Schwein eingesetzt werden;
in den USA 5 gentechnisch veränderte Tomatenvarietäten auf dem Markt;
seit 1990 gentechnisch hergestelltes Chymosin für die Käseherstellung zugelassen, inzwischen mehr als 70% des amerikanischen Käses damit produziert, in der EU Verwendung solchen Chymosins in allen Staaten außer in Frankreich und Österreich erlaubt, bereits in Großbritannien, Portugal, Irland und Dänemark verwendet, seit März 1997 auch in Deutschland zugelassen;
(Gentechnik im Einkaufskorb, AID, 1376/2000)

·         jährlich bezieht die EU etwa 30 Millionen Tonnen Soja und Sojaschrote;
der Anteil von Sojaschroten mit einem GVO-Anteil unter 1% an der Gesamteinfuhr in die EU beträgt ca. 5%;
(Bundesministerium für Verbraucherschutz...: Diskurs Grüne Gentechnik, 2003)

·         Greenpeace: deutscher Lebensmittelmarkt praktisch gentechnikfrei; 4 Produkte gefunden
(taz 27.7.04)

·         Lebensmittelüberwachung Landkreis Chemnitzer Land: von 67 Brotaufstrich-Proben wurde in 5 Nuss-Nougat-Cremes, die als Emulgator Lecitin enthielten, gentechnisch veränderter Soja nachgewiesen; die Konzentration lag deutlich über dem erlaubten prozentualen Anteil
(Freie Presse Chemnitz 7.10.04)

·         in Düsseldorf gentechnisch veränderte Papayas aus Hawaii verkauft; nicht zugelassen; vorher schon in Bayern und Rheinland-Pfalz festgestellt
(taz 23.11.04)

·         Zusammenfassung:
Dieser Bericht untersucht auf der Grundlage vorhandener wissenschaftlicher Literatur die potenzielle Gefährdung der Verbraucher beim Verzehr von Produkten gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) im Hinblick auf Giftigkeit, Krebserregung und Auslösung von Allergien sowie die Auswirkungen des Verzehrs der Fremd-DNA, darunter auch der DNA von Antibiotika-Resistenzgenen. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass beim Verzehr von Lebensmitteln aus in der EU zugelassenen GVO ein erhöhtes Gesundheitsrisiko gegenüber dem Verzehr von Produkten aus konventionellem Anbau nicht besteht, dass im Gegenteil in einzelnen Fällen Lebensmittel aus GVO den konventionellen Lebensmitteln in Bezug auf die Gesundheit sogar überlegen sind.
(Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Kommission Grüne Gentechnik, Memorandum 25.8.2004:“Gibt es Risiken für den Verbraucher beim Verzehr von Nahrungsmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen?“)

·         in vielen Restaurants, Kantinen und Imbissbuden werden nach Recherchen von Greenpeace gentechnisch veränderte Sojaöle verwendet; auf den Speisekarten befinden sich keine entsprechenden Hinweise (wäre aber seit April 2004 vorgeschrieben)
(taz 11.1.05)

·         Umfrage in Deutschland: bei 44% kommt Gentechnik in Lebensmitteln überhaupt nicht in Frage, vor drei Jahren waren es hierzulande zwei Drittel
(GID 168/2005 S.20)

·         Sojabohnen enthalten von Natur aus nur geringe Mengen an Methionin (essentielle Aminosäure, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss); es wurden transgene Pflanzen mit erhöhtem Methioningehalt hergestellt; in diesen wurde – nach Übertragung eines Gens der Paranuss - das Methionin-reiche 2S-Albumin der Paranuss hergestellt; die immunologische Charakterisierung dieser Sojabohnen mit Seren von Paranussallergikern ergab jedoch, dass es sich bei dem transgenen Protein um ein potentes Allergen handelte, das seine Allergenität auch im Umfeld einer anderen Pflanze (in diesem fall die Sojabohne, nicht verliert; diese transgenen Sojabohnen wurden daher nicht vermarktet; ...
für Hersteller transgener Organismen stellt eine allergene Genquelle ein Ausschlusskriterium dar, sodass dieser ... Fall in der Praxis nur selten vorkommt ...
Ansätze, die natürliche Allergenität von Pflanzen mit gentechnischen Methoden zu reduzieren; „Antisense-Strategie“, bei der ein Gen in umgekehrter Richtung in den Wirtsorganismus eingebaut wird (stellt ein spiegelbildliches RNA-Molekül her, das sich chemisch an die „Allergie-RNA“ bindet, die dadurch nicht abgelesen werden kann JK); die Expression eines Allergens in transgenem Reis konnte so auf 15% der ursprünglichen Menge reduziert werden
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.52, 58)

·         Gentechnisch veränderte Lebensmittel stellen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO keine Gefahr für den Menschen dar. In einer gestern veröffentlichten Studie hieß es, veränderte Lebensmittel seien nicht gefährlicher als konventionelle.
(taz 24.6.05, GID 170/2005 S.19)

·         Fast-Food-Kette Mc-Donalds bestellte gentechnisch veränderte Kartoffeln ab; Bierbrauer Anheuser-Busch wehrte sich gegen eine Anpflanzung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Nähe der eigenen Felder, damit das Bier rein bleibe
(Die Zeit 29.12.05 S.26)

·         EU-Kommission (in einem 300-Seiten-Papier, das an die WHO geht, um Argumente im Streit mit den USA und Argentinien über Gentech-Importe zu liefern):
„Es gibt keinen eindeutigen, uneingeschränkten, wissenschaftlich klaren Grenzwert, um zu entscheiden, ob ein Gentech-Produkt sicher ist oder nicht.“
“Es ist ein begründeter und rechtmäßiger Standpunkt,“ dass Genpflanzen nicht angebaut werden sollten, „bevor alle Auswirkungen auf den Boden bekannt sind.“
(taz 19.4.06)

·         Lüneburg: Werden Bio-Schweine unwissentlich mit gentechnisch verändertem Futter versorgt, darf ihr Fleisch nicht mehr als Ökoprodukt verkauft werden. Das geht aus einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Lüneburg hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Bei einem Ökobauern hatte eine Biozertifizierungsstelle kleinste Spuren gentechnisch verändertes Soja im Futter entdeckt. Seine Entscheidung begründete das Gericht mit dem Schutz des Verbrauchervertrauens in Bioprodukte.
(Hannoversche Allgemeine Zeitung 12.5.07)

·         EU einigt sich auf einheitliches Biosiegel;
auch Spuren gentechnisch veränderter Organismen sind in Bio-Lebensmitteln nun ausdrücklich zugelassen; hierbei gilt der bisher schon für konventionelle Lebensmittel vorgeschriebene Höchstwert von 0,9 Prozent;
eine Verunreinigung etwa durch Pollenflug von Genfeldern muss bis zu einer Höhe von 0,9 % nicht auf der Verpackung gekennzeichnet werden;
Bio-Produkte dürfen nach der EU-Verordnung Enzyme oder synthetische Vitamine enthalten, die mit genetisch veränderten Bakterien erzeugt wurden (Verwendung z.B. in der Käseherstellung)
(Freie Presse Chemnitz 13.6.07)

·         Nachdem sich die Gentechnikkonzerne jahrelang grundsätzlich gegen eine Kennzeichnung ausgesprochen hatten, fordern sie jetzt (im Zusammenhang mit der Novelle zum Gentechnikgesetz): Alles müsse in Lebensmitteln angegeben werden. Auch gentechnisch hergestellte Enzyme oder Zusatzstoffe wie Vitamine. Die Strategie ist klar: Dann müsste vermutlich einem Großteil der Produkte im Supermarkt ein Gentech-Label aufgeklebt werden …
(taz 14.1.08)

·         Der Bundestag hat eine neue Kennzeichnung für gentechnikfreie Produkte beschlossen. Im Februar muss der Bundesrat der Neuregelung noch zustimmen. Die Kennzeichnung "ohne Gentechnik" soll in Zukunft auf tierischen Erzeugnissen wie Milch, Fleisch, Eier und Käse stehen dürfen, wenn die Tiere kein genverändertes Futter erhalten haben. Erlaubt bleiben allerdings Zusätze wie Vitamine und Enzyme, die durch gentechnische Verfahren gewonnen wurden. Voraussetzung ist, dass es keine Alternativen gibt. Tatsächlich stecken nicht nur im Tierfutter, sondern auch in vielen Lebensmitteln Zusätze, bei deren Produktion die Gentechnik eine Rolle spielt.
95 Prozent des Vitamin C werden heute mithilfe der "weißen Gentechnik" hergestellt, schätzt Professor Klaus-Dieter Jany vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe. "Die weiße Gentechnik spielt in der Lebensmittelherstellung eine große Rolle, das wird nur in Deutschland nicht thematisiert."
Einige weitere Beispiele: Zur Käseherstellung etwa verwendete man früher Lab aus Kälbermägen - heute produzieren Mikroorganismen die nötigen Enzyme. Mehr als 80 Prozent aller in der Lebensmittelherstellung genutzten Enzyme werden mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen erzeugt. "Die Produktion einiger Enzyme lässt sich konventionell kaum bewerkstelligen", sagt Jany. "Auch Aminosäuren, die Grundbausteine von Eiweißen, werden von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt." Um sich die Dimension klarzumachen: Im Jahr werden weltweit etwa 800.000 Tonnen Lysin produziert, der größte Teil von Mikroben.
Im Supermarkt ist die Gentechnik also längst angekommen, allerdings nur indirekt. Weiße Gentechnik bedeutet, dass veränderte Mikroorganismen bestimmte Substanzen produzieren - Vitamine und Enzyme etwa. Die eingesetzten Mikroben sind nicht immer gentechnisch verändert- aber häufig. Die Bakterien, Pilze oder Hefen gelangen selbst nicht in die Lebensmittel, nur die Stoffe, die sie erzeugt haben. Aus diesem Grund müssen die Produkte auch nicht gekennzeichnet werden. Das im Bakterienbottich erzeugte Vitamin C unterscheidet sich nicht von dem aus der Zitrone gepressten oder chemisch synthetisierten.
Die Technologie spielt nicht nur bei der Herstellung von Lebensmitteln eine Rolle, sondern auch bei der Synthese von Arzneiwirkstoffen. In Zukunft wollen Forscher mittels weißer Gentechnik unter anderem Bakterien züchten, die zum Beispiel Ölteppiche auf dem Meer verspeisen oder Kunststoffe abbauen. Einige Wissenschaftler haben dafür ambitionierte Pläne -wie Genforscher Craig Venter, der ein komplett im Labor erzeugtes Bakterium herstellen will. Ein Bakteriengenom hat er bereits zusammengebaut - die lebendige Mikrobe gibt es indes noch nicht. Meist setzen Biotechnologen den Mikroorganismen einfach ein Gen ein, welches die Produktion des gewünschten Stoffes steuert, oder sie effizienter werden lässt.
Die Vorteile der "weißen" Technologie in der heutigen Produktion liegen klar auf der Hand: Sie löst in vielen Fällen aufwendige chemische Prozesse ab, die nicht nur mehr Kosten verursacht haben, sondern auch die Umwelt stärker schädigten. Vitamin B2 wurde bis Anfang der 90er-Jahre in einem komplexen achtstufigen Verfahren chemisch synthetisiert. BASF entwickelte ein Verfahren, in dem der Pilz Ashbya gossypi das Vitamin direkt aus Pflanzenöl erzeugt. Dies soll die Abfälle um 95 Prozent reduziert haben, die Kohlendioxid-Emission um ein Drittel und den Rohstoffverbrauch um 60 Prozent. Dass damit auch die Produktionskosten sinken, versteht sich von selbst.
Laut Jany errechnete der Konzern Boehringer Mannheim (heute Roche Diagnostics) vor Jahren, wie der Einsatz einer gentechnisch veränderten Hefe die Herstellungskosten eines Medikamentenwirkstoffs reduzierte und die Umweltbilanz verbesserte. Die Produktionskosten sanken von 160.000 DM auf 9000, die produzierten Abfälle und Abwässer von 200 Tonnen auf 40. Und der Energieverbrauch der Produktion war um 80 Prozent geringer.
Während die "grüne Gentechnik", die Veränderung von Pflanzen stark umstritten ist, schätzen auch deren Kritiker meist den Mikroben-Einsatz: "Die weiße Gentechnik ist weniger problematisch als die grüne, weil sie in einem geschlossenen System stattfindet und gut kontrolliert werden kann", sagt etwa Andreas Eickelkamp, Pressesprecher von Foodwatch. Die Organisation tritt für Verbraucherrechte und Transparenz des Lebensmittelmarkts ein. Eine "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung trotz des Einsatzes weißer Gentechnik sieht die Organisation daher nicht als Problem. "
Klaus-Dieter Jany kritisiert den Ansatz allerdings: "Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Hinweis 'Ohne Gentechnik' falsch, wenn bei der Produktion gentechnisch veränderte Mikroorganismen eingesetzt wurden", sagt der Biotechnologie-Experte. "Eine Kennzeichnung 'Ohne gentechnisch veränderte Pflanzen' oder 'Ohne gentechnisch veränderte Futtermittel' hätte ebenso einen Markt für gentechnikfreie Futterpflanzen geschaffen."
(Stern 25.1.08 - http://www.stern.de/wissenschaft/natur/608940.html)

·         Nicht nur im Tierfutter, auch in vielen Lebensmitteln stecken Zusätze, die gentechnisch hergestellt wurden;
95% des Vitamin C werden heute mithilfe „weißer Gentechnik“ hergestellt;
mehr als 80% aller in der Lebensmittelherstellung verwendeten Enzyme; weltweit z.B. 800.000 Tonnen Lysin, der größte Teil durch gentechnisch veränderte Mikroorganismen produziert;
Vitamin B2 wurde bis Anfang der 1990er Jahre in einem 8-stufigen Verfahren chemisch synthetisiert; BASF-Verfahren nutzt Pilz, der das Vitamin direkt aus Pflanzenöl erzeugt; 95% weniger Abfälle, ein Drittel weniger CO2-Emissionen, 60% weniger Rohstoffverbrauch;
(Stern 25.1.08)

·         Österreich: auch in Babynahrung (Milupa, Hipp) in sechs von zehn Proben gentechnisch veränderte Soja nachgewiesen (0,41 bzw. 0,23%)
(GID 188 Juni 2008 S.27)

·         Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ ist möglich für Rind- und Schweinefleisch, wenn die Tiere nur die letzten 12 bzw. 4 Monate kein Futter mit gentechnisch veränderten Bestandteilen erhalten haben; außerdem dürfen dem Tierfutter Aminosäuren und Vitamine, die von gentechnisch veränderten Mikroorganismen erzeugt worden sind, zugesetzt werden
(GID 192 Februar 2009 S.22)

·         Studie der TU München zur Verfütterung von Genmais MON 810 an Rinder; 18 Milch-Kühe zwei Jahre lang mit großen Mengen Genmais gefüttert; weder im Blut noch in der Milch gentechnisch veränderte Bestandteile - Reste des fremden Erbgutes zu finden; auch Milchleistung, Kondition und Gewicht im Vergleich zu einer Vergleichsgruppe von Tieren kein Unterschied
(taz 1.4.09 S.9)

·         Käseherstellung; nur noch 35% des Käses werden weltweit mit tierischem Labferment produziert (bewirkt die Gerinnung der Milch); Alternativen: Ersatzenzyme aus Schimmelpilzen oder gentechnisch hergestelltes Chymosin
(Die ZEIT 13.8.09 S.31)

·         Uni München; Kühe mit Gen-Mais MON810 gefüttert, wurde von Kühen ebenso verdaut wie herkömmlicher Mais, in der Milch fanden sich keinerlei transgene (gentechnisch veränderte) Komponenten
(bild der wissenschaft 6-2009 S.10)

·         54% der EU-Bürger wollen keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel (Eurobarometer-Umfrage);
(taz 1.2.2011 S.04)

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N) Gentechnik und 3. Welt

·         E-Länder fordern Gentechnik
(taz 2.3.00)

·         FAO bekannte sich in ihrer ersten Erklärung zur Biotechnologie zum Einsatz der gentechnik in der Landwirtschaft; Blick auf wachsende Weltbevölkerung; entscheidende Rolle bei der umweltgerechten Entwicklung
(taz 16.3.00)

·         Gentechnik und Ernährungssicherung in der Dritten Welt
Gentechnik kann das Hungerproblem nicht lösen, da sie eine technologische Antwort auf ein Problem ist, dessen Ursachen in erster Linie sozialer, politischer und ökonomischer Natur sind;
Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag 1996: die prognostizierten gentechnisch optimierten Pflanzen, die zur Bekämpfung des Hungers in der Welt beitragen sollen, werden noch Jahrzehnte auf sich warten lassen, falls sie überhaupt realisiert werden können;
könnten wohl nur auf industriell produzierenden Groß-Plantagen genutzt werden;
gefürchtete Nutzung der Gentechnik: gentechnischer Ersatz für Naturstoffe
(Ökologie und Landbau 1/2000 S.18)

·         Äußerung Vandiva Shina: kein gent. verändertes Getreide für Zyklon-Opfer...

·         Direktor des Int. Inst. für pflanzliche Gen-Ressourcen: Gentechnik -Nutzung ist für 3. Welt Frage von Leben und Tod; bisher keine ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigung bekannt, die auf gent. veränderte Organismen zurückginge
(2 e-mails kordecki)

·         Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums: an die These, die Gentechnik könne den Welthunger besiegen, glaube heutzutage niemand mehr ernsthaft; bestenfalls könne die Technologie dazu einen Beitrag leisten
GID 142 10-11/2000 S.20

·         Monsanto bietet Gen-Reis gebührenfrei zum Anbau an; Golden Rice, eine gentechnisch veränderte Reissorte mit besonders viel Beta-Carotin, gebührenfrei für Anbau und Forschung freigegeben; gegen den in der 3.Welt verbreiteten Vitamin-A-Mangel (250 Mill. Menschen betroffen, Sehstörungen, Erblindung, geschwächtes Immunsystem)
taz 7.8.2000 / Die Welt 9.8.2000

·         Ohne Bio- und Gentechnologie wird sich die explodierende Weltbevölkerung nicht ernähren lassen (Präsident der Internationalen Vereinigung von Agrarökonomen, Joachim von Braun, in Berlin)
E-Mail Kordecki 22.8.2000

·         Evangelischer Entwicklungsdienst hat sich gegen einen unverantwortlichen Einsatz der Gentechnik in armen Ländern gewandt; Kritik: WTO verpflichtet Mitgliedsländer, auf Saatgut Patente zu erteilen; arme Bauern könnten dadurch in Abhängigkeit und Not geraten
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.19

·         Ismail Serageldin, Vizepräsident der Weltbank und Vorsitzender der Cosultative Group on International Agricultural Research (CGIAR): „ Die Biotechnologie wird entscheidenden Anteil an der Expansion der landwirtschaftlichen Produktivität im 21. Jahrhundert haben. Wenn sie wohlüberlegt und unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt wird, kann sie eine enorme Hilfe dabei sein, der Herausforderung zu begegnen, bei gleich bleibender Land- und Wassermasse drei Milliarden Menschen mehr ernähren zu müssen, von denen 95 Prozent in den armen Entwicklungsländern leben werden.“
Dtsch. Ärzteblatt 28-29/2000 S.A1971

·         Golden rice soll in Ländern der 3.Welt verbreiteten Vitamin-A-Mangel lindern; vier Gene eingeschleust, Provitamin A wird produziert und gespeichert, Forscher übergaben Reis an Internationales Reisforschungsinstitut, Entwicklungsländer sollen keine Lizenzgebühren bezahlen
(taz 23.1.01)

·         mit herkömmlichen Züchtungsmethoden Hirse mit hohem Gehalt an Beta-Karotin gezüchtet;
evtl. geeignet für Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels in der 3. Welt; Gegenstück zum gentechnisch produzierten „Goldenen Reis“, der heftig bekämpft wird wegen seiner transgenen Herkunft, den damit verbundenen Unwägbarkeiten und der Rolle multinationaler Konzerne bei seiner Entwicklung und Kommerzialisierung
(GID 153, 8-9/2002 S.18)

·         Die Weigerung der Regierung Sambias, Genmais zur Versorgung der Hungernden des Landes anzunehmen, sei „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte der US-Botschafter bei der zuständigen UN-Unterorganisation FAO
(taz 7./8.12.02)

·         vier der weltweit größten Agrokonzerne wollen ihre patentierten Technologien (auch gentechnisch veränderte Sorten) kostenfrei afrikanischen Bauern und Wissenschaftlern zur Verfügung stellen
(GID 157 April/Mai 2003, S.36)

·         Welternährungsorganisation der UN: Biotechnologie wird bei der Reduktion der Hungersituation (bis 2015) nur eine untergeordnete Rolle spielen
(GID 157 April/Mai 2003, S.20)

·         Generaldirektor des International Food Policy Research Institute in Washington:
nicht fehlende Gentechnik, falsche Politik verursacht gegenwärtig den Hunger;
Gentechnik kann langfristig den Hungernden helfen:
Pflanzen entwickeln, die längere Dürreperioden überstehen (Hirse, Mais);
Pflanzen, die gegen Schädlinge resistent sind (virusresistente Süßkartoffel);
Inhaltsstoffe in Pflanzen einbringen, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind (Vitamin A);
gentechnisch veränderte Baumwolle hat in China und Indien bereits die Einkommen von Kleinbauern erhöht, außerdem werden dort weniger Pestizide gespritzt
(Die Zeit 3.7.03 S.28)

·         Bt-resistente Baumwolle, Feldversuch in Indien: 80% höhere Erträge, trotz höherer Kosten Verfünffachung der Einkommen der Bauern;
in Indien werden 50-60% der Ernte vom Kapselwurm vernichtet, in den USA nur etwa 12%
(Bild der Wissenschaft 5/2003 S.12)

·         Monsanto-Herbizid Roundup Weltmarktanteil von 90%, Umsatz 2001: 2,4 Mrd US-Dollar;
im Süden von Brasilien (trotz Verbot) Anbau von Gen-Soja; Argument der Bauern: rund 30% niedrigere Produktionskosten; noch genügt eine Anwendung von Roundup
(taz 27.6.03)

·         Vatikan eröffnet Konferenz  zu der Frage, ob biotechnologisch erzeugte Nahrungsmittel eine Rolle im Kampf gegen den Hunger in der Dritten Welt spielen können
(The Guardian UK 10.11.03)

·         Internationales Reisforschungsinstitut IRRI: Gene des „Goldenen Reises“ jetzt erfolgreich in mehrere in Südostasien populäre Reissorten eingeschleust; „dies ist eine der wichtigsten Entwicklungen unseres Instituts, und sie wird einen dramatischen Einfluss haben, wenn sie in 3 – 4 Jahren auf die Felder kommt“; Studie von Kritikern: der Verzehr von 300 Gramm dieses Reises decke nur 20% des Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Vitamin A; Vitamin-A-Mangel: weltweit leiden mehr als 100 Millionen Kinder daran, jedes Jahr erblinden 250000 bis 500000, die Hälfte davon sterben innerhalb von 12 Monaten; in Asien und Afrika sterben pro Jahr 600000 Schwangere im Zusammenhang mit Vitamin-A-Mangel
(taz 2.1.04)

·         Buntzel-Cano (Evang. Entwicklungsdienst): Es müsste sich um sehr überzeugende Innovationen handeln, bei denen die Vorteile der Grünen Gentechnik für die Entwicklungsländer unmittelbar auf der Hand liegen, um die verschärften Risiken einzugehen ... noch nicht in Sicht ... solange die Gentechnik den Entwicklungsländern nicht viel zu bieten hat ... ist sie keine wirkliche Option
(BRIEFE Kirchliches Forschungsheim Wittenberg 70/2004 S.T10)

·         UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO): Jahresbericht bis zum Jahr 2030 müssten zusätzlich 2 Mrd. Menschen ernährt werden; Gen-Pflanzen seien eine Chance, weil sie höhere Erträge böten und beispielsweise mit Eiweißen angereichert werden könnten, aber der Risiken für die Umwelt und die Nahrungsmittelsicherheit bewusst sein, noch wissen wir nur wenig über die langfristigen Folgen
(taz 18.5.04)

·         In der Katholischen Kirche Deutschlands herrscht Unstimmigkeit (zur Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft). Bischöfe wie Kardinal Meisner und Nikolaus Schwerdtfeger sowie der Moraltheologe Johannes Ritter, seines Zeichens Mitglied der Enquete-Kommission (des Bundestages) „Ethik und Recht in der modernen Medizin“ unterstützen die Theorie von der grünen Gentechnik als Lösung für das Welthungerproblem. Man solle, so Ritter, die Augen vor der Grünen Gentechnik nicht verschließen.
(GID 163/2004 S.43)

·         „Goldener Reis 2“: enthält bis zu 23 mal mehr Provitamin A (statt bei Golden Rice 1 1,6 Mikrogramm pro Gramm Reis jetzt bis zu 37); das Gen, das ursprünglich aus Narzissen gewonnen worden war, wurde durch ein entsprechendes Gen aus Mais ersetzt; das könnte den Tagesbedarf eines Kindes decken;
umstritten: reicht der Provitamin A-Gehalt? übersteht das Provitamin A das Kochen? wird es absorbiert und in Vitamin A umgewandelt? gibt es gesundheitliche Gefährdungen für Verbraucher?
Fragen sollen 2005 geklärt werden
(New Scientist Großbritannien 27.3.05)

·         in den Entwicklungsländern werden hauptsächlich Genbaumwolle, Gensoja und Genmais angebaut. Das ist nicht das, was die Armen in diesen Ländern essen.
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.9)

·         katholischer Erzbischof Meisner hält die grüne Gentechnik für „vielleicht“ geeignet, „den Hunger in der Welt wirksamer als bisher zu bekämpfen.“
(taz 7.10.03)

·         Ausführlicher Artikel zum „Golden Rice“; gentechnisch veränderte Reissorten sollen die Dritte Welt mit Vitamin A versorgen;
Knapp drei Milliarden Menschen weltweit ernähren sich von Reis;
Zwei deutschen Forschern, unterstützt von Universitäten in Zürich und Freiburg, war es gelungen, einen Reis zu entwickeln, der Betacarotin enthält, eine Vorstufe des lebenswichtigen Vitamin A; Betacarotin wird deshalb auch Provitamin A genannt. Sie hatten ihm Gene eingebaut, die im Reis nicht vorkommen, das war das Revolutionäre daran. Parminder Virk, 50 Jahre alt, soll den Genreis jetzt in lokale Sorten einkreuzen, er soll die Revolution weitertragen in die Dritte Welt, dorthin, wo die Menschen an Vitamin-A-Mangel leiden, weil der Reis, den sie essen, zwar alles Mögliche, aber leider kein Vitamin A enthält.
Virk, so sehen es seine Forscherkollegen, ist ein Pionier. Virk, sagen seine Gegner, ist ein Handlanger, ein nützlicher Idiot der Gentechnik-Industrie.;
Die Syngenta-Leute haben dem Reis das Gen einer Maispflanze eingesetzt. Mais produziert Betacarotin, deshalb sind seine Körner gelb. Der Reis, den Virk züchtet, wird ebenfalls gelb sein. Es ist ein besonderer Reis, kein Züchter der Welt würde ihn durch bloßes Kreuzen hinbekommen. 2011, spätestens 2012 soll der "Goldene Reis" auf den Philippinen zugelassen werden, Bangladesch soll kurz darauf folgen - für viele Menschen auf der Erde ein Segen, für fast ebenso viele eine Bedrohung.
Mit dem Goldenen Reis nämlich steht die Nahrungsmittelproduktion an einer Schwelle: Zum ersten Mal soll die gentechnische Veränderung einer Nutzpflanze nicht den Erzeugern zugutekommen, sondern den Konsumenten.
Das ist der Fortschritt, den diese Revolution verspricht. Denn Vitamin A unterstützt das Knochenwachstum und fördert die Sehkraft, es hält Haut und Schleimhäute gesund und macht den Körper damit widerstandsfähig gegen Infektionen. Mehrere hundert Millionen Menschen leiden weltweit unter Vitamin-A-Mangel, viele von ihnen werden blind, etwa zwei Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen.
Jetzt werde mit dem Goldenen Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel der Erde gentechnisch verändert, auf eine Weise, die irreversibel sei: Das ist die Gefahr, die die Gegner beschwören, eine Gefahr, behaupten sie, die zum Fluch werden könnte.
Der Goldene Reis, in diesem Punkt sind sich beide Seiten ausnahmsweise einig, ist ein Anfang, ein Türöffner. Längst wird in Forschungslaboren überall auf der Welt daran gearbeitet, dem Reis auch andere Gene einzusetzen, Gene, die ihn Eisen aufnehmen lassen oder Zink, die ihn immun machen gegen Insekten wie den gefräßigen Reisstengelbohrer oder gegen die gefürchtete Weißblättrigkeit.
Wenn die Menschen den Goldenen Reis akzeptieren, heißt es, dann ist vieles möglich.
"Die Menschen in Europa haben genug zu essen", sagt er. "Sie brauchen den Goldenen Reis nicht. Warum sollten sie sich darüber ernsthaft Gedanken machen?" Virk lächelt fein. "Ihr in Europa habt doch gar keine Ahnung, was Menschen anderswo wirklich brauchen."
Über 10 000 Kilometer von Virk entfernt, in einem klimatisierten Büro am Hamburger Hafen, organisiert Jan van Aken den Kampf gegen den Goldenen Reis, den er aus Prinzip "gelben Reis" nennt. Der Zellbiologe ist bei Greenpeace International für Gentechnik zuständig. Für van Aken war der Goldene Reis von Anfang an "eine Scheißidee".;
Leider kommt Betacarotin in der Natur im Reiskorn nicht vor. Es gibt darum keine Möglichkeit, den gewünschten Effekt durch Kreuzungen zu erzielen. Also kamen Beyer und Potrykus auf die Idee, sich die notwendigen Gene für diese Enzyme bei anderen Organismen zu holen. Ihre Wahl fiel auf die Osterglocke, Narcissus pseudonarcissus, und auf ein Gen des Bakteriums Erwinia uredovora.
Der Weg, auf dem dieser Transfer passiert, ist kompliziert, man muss ihn nicht vollständig verstanden haben, um trotzdem der Meinung zu sein, dass den beiden etwas Aufregendes gelungen ist: ein Reis, der die Menschen in der Dritten Welt nicht nur satt, sondern gesund machen würde. Es gab damals nicht wenige unter Beyers und Potrykus' Kollegen, die davon überzeugt waren, dass eine solche Leistung den Nobelpreis verdient hätte.;
Um den Beta-Carotin-Gehalt zu erhöhen, wurde später das Gen der Osterglocke durch ein Maisgen ersetzt. Der Gehalt an Betacarotin stieg um das 23fache, aber die Skepsis blieb.;
Wobei noch zu klären ist, ob die Menschen tatsächlich ihren kompletten Tagesbedarf über den Reis decken müssen. Oder wie viel Betacarotin notwendig ist, um überhaupt eine Wirkung zu haben.
Ihn störe, in Europa, in Deutschland, die grundsätzliche Einstellung zu Risiken, sagt Beyer. Organisationen wie Greenpeace nutzten die allgemeine Risikoscheu und schüfen ein Klima der Nervosität. Niemand frage nach dem Nutzen einer gentechnischen Veränderung.
2003 trat das sogenannte Cartagena-Protokoll in Kraft, ein Abkommen zwischen mehr als 140 Staaten, es soll den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen regeln. Beyer hat sich den Text genau angesehen. "Das Wörtchen ,risk' taucht darin 48-mal auf, das Wort ,benefit' ein einziges Mal, in der Einleitung", ruft er. "Das ist doch Wahnsinn.";
(gentechnikkritischer Bauernfunktionär auf den Philippinen:)
Für Medina ist der Goldene Reis ein "trojanisches Pferd", der Versuch von weltweit tätigen Konzernen, die Gentechnik zu etablieren. Das Image der Gentechnik-Konzerne sei schlecht, sagt er. Goldener Reis sei gut, jedenfalls behaupten das seine Erfinder. Die Konzerne hofften, dass sich ihr Image bessere, wenn der Goldene Reis auf den Markt käme.
Dabei, sagt Medina, ist nicht der Mangel an Vitamin A das größte Problem, sondern die Armut in der Dritten Welt. Selbst wenn die Menschen genügend Vitamin A erhielten, könnte ihr Organismus damit nichts anfangen, weil sie gleichzeitig zu wenig Fett bekämen. Fett ist vor allem in Fleisch vorhanden, und arme Menschen, sagt Medina, können sich Fleisch nun einmal nicht leisten.
Er hat gehört, dass der Goldene Reis Bauern umsonst zur Verfügung gestellt werden soll, die im Jahr weniger als 10 000 Dollar verdienen, das sind fast alle, die bei Masipag organisiert sind. Er hat auch gehört, dass Syngenta dafür auf Patent- und Lizenzgebühren verzichten will.
Medina misstraut solchen Meldungen, weil er Firmen wie Syngenta misstraut. Die Grüne Revolution, die seit den sechziger Jahren in den Ländern der Dritten Welt zu höheren Erträgen, aber auch zu höheren Kosten für Dünger und Pestizide führte, hat bei den Bauern ein tiefes Misstrauen gegen europäische und amerikanische Konzerne hinterlassen, gegen Konzerne überhaupt.;
Der Goldene Reis ist nicht für den europäischen Markt entwickelt worden, sagt Medina. Er sei der Versuch des Nordens, die Probleme des Südens zu lösen. "Sind die Menschen in der Dritten Welt die Versuchskaninchen für die Erste Welt?"
Länder wie die Philippinen, sagen die Kritiker des Goldenen Reises, hätten den Vitamin-A-Mangel inzwischen unter Kontrolle. Zweimal im Jahr würden den Menschen Vitamin-A-Tabletten verabreicht, es gebe kaum noch Blinde und viel weniger Tote als noch vor Jahren. Außerdem enthielten genug einheimische Pflanzen Vitamin A. Man müsse den Menschen einfach erklären, wie man Obst und Gemüse zu Hause anbauen kann.;
(Familie in Manila:)
Joselito Monico, der Vater, arbeitet als Bote, am Tag verdient er rund 100 Pesos, umgerechnet 1,60 Euro. Das reicht für Reis, sagt Joselito, und ab und an für galungo, den billigsten Fisch auf dem Markt.
Dominador, der älteste seiner Söhne, ist 16 und sieht aus, wie 9; Jefferson, der Neunjährige, hat die Statur eines Vierjährigen.
Bekommen sie Vitamin A von der Regierung? Keine Ahnung, sagt Joselito Monico. "Bei uns war niemand."
Bauen sie Gemüse in einem eigenen Garten an?
"Wir wohnen im zweiten Stock."
Auf den Philippinen hat im vergangenen Jahr eine Aktion gegen Genreis gestartet. Greenpeace-Mitglieder verteilen Aufkleber, Prominente wie die "Miss Philippinen 2007" werben dafür, dass Restaurants nur Reis verwenden, der gentechnisch nicht verändert wurde.
Die Monicos haben von dieser Kampagne nichts mitbekommen. Sie waren noch nie in einem Restaurant, das Wort Gentechnik sagt ihnen nichts, von Greenpeace haben sie noch nie gehört.
Würden Sie Reis essen, der Vitamine enthält, selbst wenn dieser Reis gelb wäre?
"Wir würden alles essen", sagt Joselito Monico und blickt seine Frau an. "Egal welche Farbe. Hauptsache, wir überleben."
(Spiegel 48/2008 S.90 ff. – ganzer Text: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=62236053&top=SPIEGEL )

·         WHO: weltweit erblinden weltweit jährlich 250.000 bis 500.000 Kinder, weil sie nicht ausreichend mit Vitamin A versorgt sind, die Hälfte stirbt innerhalb von 12 Monaten;
Gentechnisch veränderter „Goldener Reis“ soll dieses Problem lösen, unterstützt vor allem von der Bill Gates- und der Rockefeller-Stiftung;
laut Magazin „Science“ räumen die Spezialisten der WHO der Ausgabe von Vitaminpillen, der Anreicherung von normalen Lebensmitteln mit Vitamin A und der Unterrichtung der Menschen im Anbau von Karotten und speziellem Gemüse mehr Aussicht auf Erfolg ein als dem Einsatz der Gentechnik
(GID 192 Februar 2009 S.23ff.)

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O) Gen-Ethik

·         Q: Prof. Wahl, Lehrstuhl f. öffentl. Recht Freiburg, Sitzung der AGU 12.10.93
- ob ein bestimmtes Handeln erwünscht oder sozialverträglich ist oder nicht, wird nicht im GenTG entschieden
- GenTG sagt grundsätzliches JA zur Gentechnik, ABER sie muß sicher genug sein
- längst (positives) EU-Recht dazu da, das hat Vorrang sogar vor unserer Verfassung; wir haben nicht die Option "auszusteigen"
- in den USA lockerer: nicht der Weg ist interessant, sondern das Produkt - gibt es da Gefahren?
- Anhörungsverfahren ist nicht der Ort, das Gesetz zu ändern (Fundamental-Kritik an der Gentechnik), sondern es anzuwenden

·         Q: EKD: Einverständnis mit der Schöpfung, Gütersloh 1991
- Ethik ist zu verstehen als die Wahrnehmung von Begründungspflichten für das menschliche Handel. Sie formuliert Prüffragen und Kriterien, über die sich ein verantwortliches Handeln Rechenschaft ablegen muß. Sie gibt darin aber auch Auskunft über das, was zu tun und zu unterlassen, was zu fördern und was zu verhindern ist.
- Ethik in der technologischen Zivilisation kann keine Gesinnungsethik sein (ich habs doch gut gemeint), sondern muß Verantwortungsethik sein (nicht die guten Absichten, sondern die guten Folgen meines Handelns sind ausschlaggebend)
- allgemeine ethische Perspektiven:
* Abschätzung möglicher Folgen (auch für Alternativen)
* Risiko-Bewertung: die Unsicherheit ist gegen die Not-wendigkeit und gegen den Vorteil, so zu handeln, abzuwägen.
* Kosten gegen Nutzen abwägen
* Einbeziehung von Alternativen (auf anderem Weg mit geringerem Risiko und zu geringeren Kosten gleiches Ergebnis?)
- Wiederermächtigung der Laien: sich widersprechende Expertenmeinungen, z.T. interessengeleitet - technologiepolitische Richtungsentscheidungen dürfen nicht den Experten überlassen bleiben; die Politiker und Bürger müssen entscheidungsfähig werden und bleiben und dürfen sich diese Kompetenz nicht streitig machen lassen
- in der Biologie vollzieht sich gegenwärtig der einschneidende Übergang, der sich in Chemie und Physik schon früher vollzogen hat: von der beschreibenden Erkenntnis der Naturvorgänge zu deren Veränderung und Nutzung, also zur Ingenieurwissenschaft
- Unterscheidung der Gentechnik von konventioneller Züchtung:
* möglich, Artgrenzen zu überschreiten (biologische Grenzen, die sich im Laufe der Evolution entwickelt und zu der uns bekannten Vielfalt von Lebensformen geführt haben, werden durchlässiger gemacht oder überwunden)
* viele genetische Veränderungen (Erbeigenschaften) können gleichzeitig übertragen werden
* was in der natürlichen Umwelt viele Generationen lang dauern würde, kann im Labor in sehr kurzer Zeit herbeigeführt werden
* künstliche Gene können hergestellt werden (bisher unbekannte Eigenschaften oder Produkte)
- die ethische Problematik beginnt nicht erst beim Menschen!
- Ängste: was wird diese Forschung und erst recht ihre Anwendung für Folgen haben? welche Auswirkungen der in Angriff genommenen Projekte sind zu erwarten? Mit welchen unbeabsichtigten Konsequenzen und Nebenwirkungen ist zu rechnen? welcher Mißbrauch ist möglich?
- nicht Problemlösung sondern Problembeschreibung, Schärfung des Gewissens, Mahnung, daß das Verhältnis des Menschen zur Natur weiterer Klärung bedarf
- definierte Stücke des Erbmaterials können isoliert und in neue Wirtszellen übertragen werden, isoliert bezieht sich auf Größe und Nukleinsäure-Sequenz, weniger auf alle Informationen über Eigenschaften und physiologische Funktion (schon im Spenderorganismus)
- PRO und CONTRA zur GENTECHNIK - falsche Alternativen
* Natur           oder    Kultur
(es gibt keine von der Kultur unberührte Natur, und es gibt keine von der Natur unberührte Kultur)
* natürlich       oder    künstlich
(ich möchte auf manches künstlich gemachte - technische Krücken - nicht verzichten)
* Evolution ohne  oder    Evolution durch
  Menschen                den Menschen
(heile, gute Natur? Mensch nur als Störfaktor? was ist lebensförderlich, Erhaltung der Möglichkeiten der Vielfalt)
* Anthropozentrik oder    Physiozentrik
(ausschließlicher Blickwinkel: Nutzen für den Menschen - Eigenwert, eigenes Lebensrecht der Natur)
* umfassende      oder    Handlungsverzicht
  Verantwortung
* Fortschritts-   oder    Fortschritts-
  förderung                  verweigerung
(wie wird Fortschritt definiert, woran gemessen?)
* Freiheit        oder    Grenzen
* Heilsweg        oder    Katastrophe
- allgemeine Perspektiven für das menschliche Handeln gegenüber der Natur
* Respekt vor dem Gegebenen
(die Natur ist von Menschen nicht geschaffen, sondern sie ist ihnen gegeben; sie begegnet ihnen in der ihr eigenen Lebendigkeit und Stimmigkeit und nötigt ihnen in ihrer sinnhaften Fülle Bewunderung und Dank ab),
* Eigenwert und Eigenrecht der Mitgeschöpfe (nicht nur unter dem Interesse des Nutzwertes betrachten; Material, Verfügungsmasse),
* Solidarität mit den Mitgeschöpfen
(Menschen leben als Lebewesen unter anderen Lebewesen; das eine lebt mit dem anderen und von dem anderen)
(neuzeitlicher Umgang mit der Natur: Machbarkeit, Machen, untertan machen, ausbeuten)

·         Q: Das Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- S.76: Kriterien bei Anwendung der Gentechnik:
* Macht (über die Um-Welt)
* Reduktionismus (was interessiert mich jetzt)
* Nützlichkeitsprinzip (was hat einen Nutzen - für mich, hier und jetzt)
* Zweckmäßigkeit
* Leistungsprinzip (Mengen)
* Qualitätsveränderung
* Vorhersagbarkeit
* Zeitverkürzung
- S.77: Albert Schweitzer:
"Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will."
" Gut ist: Leben erhalten, Leben fördern, entwicklungsfähiges Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Böse ist: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten."

·         Q: Bild der Wissenschaft 2/87
- Überschrift zu einem Text von K.-L- Winnacker: "Der achte Tag der Schöpfung"

·         Q: Ethik und Gentechnologie, Gesellschaft Gesundheit und Forschung, Frankfurt/Main 1988
- Dimensionen der Verantwortung in der Gen-Technik (Hans Jonas)
* Ambivalenz der Wirkungen (in der Regel hat Technik immer eine bedrohliche Seite, die langfristig das letzte Wort haben könnte),
* Zwangsläufigkeit der Anwendung (Wissen und Technik mit dem Ziel der Anwendung),
* Sachzwänge (Wachsende Zahl von Menschen, Bedürfnisse-Ansprüche wachsen, Eigendynamik)
* globale Ausmaße in Raum und Zeit (Neigung zur Maßlosigkeit, Trennung der Wirkungen von der Tätigkeit, Bühne ist die Erde, Wirkungen für zukünftige Geschlechter),
* Anthropozentrik der bisherigen Ethik wird durchbrochen (nicht mehr nur Menschen, Menschheit als Gegenstand von Verantwortung, jetzt beansprucht die gesamte Biosphäre Aufmerksamkeit),
* metaphysische Fragen (hat Leben einen Wert und Sinn?, Aufgabe des Menschen in der Welt?)
- der Hexenmeister kann's nicht mehr stoppen, da die Schöpfungen der neuen Technik nicht mehr Besen, sondern neue Lebewesen sind
- Gaben der Pandora, zu denen keine Not, nur der prometheische Trieb drängt

·         Aldous Huxley: Schöne neue Welt 1932 erschienen
(Le Monde diplomatique / taz Februar 2000 S.20)

·         gentechnische Veränderung von Pflanzen und Tieren verstößt nicht gegen den Willen Gottes;
so die Berater des Papstes in Sachen Life Sciences, die Vatican Pontifical Academy for Life; die Vorteile sind größer als die Risiken; Ablehnung weiter bei menschlichem Klonen und künstlicher Befruchtung
(GID 138/2000 S.18)

·         Kriterien Gentechnik - Vorsicht:
wenn man zwar helfen will und kann, aber dabei anderes Leben zerstört wird
(Dietrich Mendt, Lückendorfer Arbeitskreis Januar 2000)

·         Sloterdijk: Alles nur ein Scherz
(taz 24.3.2000)

·         Zum Wesen des Menschen gehört seine Unvollkommenheit, ebenso wie seine wenigstens potenzielle Fähigkeit, über sich selbst hinauszuwachsen.
(Ernst Benda in: Leben als Gottes Bild, Woche für das leben 2000, S. 16)

·         Peter Sloterdijk Rede in Elmau (Die Zeit 16.9.99) Überschrift „Regeln für den Menschenpark“
Anthropotechniken als Kombination von Züchtung, Zähmung und Erziehung;
Zoobewohner und Zooleiter in einem platonischen Zoo;
Züchtung wird gesteuert von einer Elite;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)

·         Gentechnik löst Christentum ab; nachdem das Christentum und der Glaube an Gott die Menschen ebenso enttäuscht habe wie die Utopie einer kommunistischen Gesellschaft, werde nun die Gentechnik als „Prinzip Hoffnung angesehen; weltweite Euphorie, „auch in Deutschland ganz und gar kindliche Begeisterung um die Doppelhelix ausgebrochen“
epd-Wochenspiegel 41/2000 S.3

·         Symposium Fortpflanzungsmedizin Bundesgesundheitsministerium 5/2000;
BM Andrea Fischer: Die Möglichkeit, individuelles Leid zu verhindern, bedeute keine Rechtfertigung dafür, auch alles Machbare zu tun. Durch die neuen Techniken könne ein Klima entstehen, das den perfekten Menschen immer mehr zur Norm werden lasse und es schließlich als rechtfertigungsbedürftig erscheinen lasse, wenn ein behindertes Kind zur Welt kommt.“
Fischer will in einem neuen Fortpflanzungsmedizingesetz die Präimplantationsgendiagnostik PGD verbieten. Auch der Genehmigung einer Eizellspende stehe sie nach wie vor skeptisch gegenüber.
Dtsch. Ärzteblatt 22/2000 S.A-1503

·         Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer:
Was aus der Sicht des Einzelnen ein Fortschritt ist, kann Konsequenzen haben, die die Gesellschaft womöglich ganz grundlegend verändern. ... Die Möglichkeit, individuelles Leid zu verhindern, kann nicht rechtfertigen, alles zu tun: Denn auch daraus kann wieder Leid entstehen.
grün&bündig 2000 S.7

·         Bischof Huber Berlin: Warnung vor falscher Wissenschaftsgläubigkeit, die junge Generation wachse heute in einer Atmosphäre auf, in der ihre Identität mit ihrer genetischen Ausstattung gleichgesetzt werde; der Mensch werde nur noch als Naturwesen und nicht mehr als sittliche Person wahrgenommen, eine solche Auffassung trage dazu bei, genetische Defekte verantwortlich zu machen, wenn das Leben nicht in der vorhergesehenen Weise gelinge
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.8

·         Geschworenengericht in Norwich/Großbritannien hat entschieden, daß Greenpeace rechtmäßig gehandelt habe, als im Juli 99 ein Feld mit genmanipuliertem Mais zerstört wurde; Berufung auf ein Gesetz von 1971, wonach Eigentum zerstört werden darf, wenn dadurch anderes Eigentum geschützt wird; Argumentation von Greenpeace: die Maispollen würden angrenzende Felder „genetisch verschmutzen“
taz 26.9.2000

·         EU-weite Umfrage zur Gentechnik; 35% der Befragten stimmten der Aussage zu „herkömmliche Tomaten haben keine Gene“
GID 141 8-9/2000 S.42

·         Interview mit Peter Sloterdijk: Elternliebe statt Wettrüsten
eine wissenschaftliche Subkultur in den USA will die Leistungsfähigkeit des Menschen durch genetische „Verbesserung“ steigern;
es muß vermieden werden, daß dadurch ein weltweites biologisches Wettrüsten ausgelöst wird;
nach dem Prinzip Elternliebe sollte im Einzelfall - und nur mit therapeutischen Motiven - über Embryotest, Gentherapie und dergleichen entschieden werden
bild der wissenschaft 10/2000 S.40ff.

·         Jens Reich: Genetische Qualitätskontrollen von Menschen, geborenen wie ungeborenen, sollten tabu bleiben. Menschliche Embryonen dürfen wir nicht einsetzen - seien die Ziele auch noch so nobel. Der Eingriff in die menschliche Keimbahn darf kein Forschungsziel sein und muß verboten bleiben.
Die Zeit 29.7.2000 S.1

·         die normative Kraft des Fiktiven; sie zeigt, dass der anscheinend glaubensindifferente moderne Mensch vielleicht doch derjenige ist, der am meisten glaubt, weil er keine Alternativen dazu hat.;
1. Welchen Raum geben wir dem natürlichen Zufall?
Wir haben (bisher) dem natürlichen Zufall bei der Reproduktion des Menschen, zumindest was das „Sosein“ des Menschen betrifft, Raum gelassen. Wir haben Menschen nicht gezüchtet, obwohl wir es, auch mit konventionellen Methoden, in der Pflanzen- und Tierzucht weit gebracht haben
2. In welcher Welt wollen wir in Zukunft leben?
3. Wann ist der Mensch ein Mensch ?
Wie gehen wir auf die Nicht-, Noch-nicht- oder Nicht-mehr-Artikulationsfähigen ein?
Stammtisch: Es geschieht ohnehin, die anderen tun es auch, wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer, wenn es schon getan werden muss, dann mache ich es besser als andere...
Dietmar Mieth: Ethik angesichts der Beschleunigung der Biotechnik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 33-34/2000 (Beilage zu DAS PARLAMENT)

·         ehemaliger CDU-Forschungsminister Rüttgers möchte 7 Grenzpfähle einschlagen:
wo Gendiagnostik die Selektion von Menschen beabsichtige
wo die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken beabsichtigt wird
wo das Klonen von Menschen beabsichtigt ist
wo in die menschliche Keimbahn eingegriffen wird
wo eugenische Ziele verfolgt werden
wo genetische Daten zur Diskriminierung führen
wo Patente zu Nutzungsrechten am menschlichen Körper führen
(taz 14.12.00)

·         EU-Parlament setzt Kommission für Humangenetik ein;
soll Vorschläge für europaweite Gesetzgebung zur Biotechnologie erarbeiten;
Klonen, DNA-Analyse, vorgeburtliche Diagnostik
(epd Wochenspiegel 4/2001 S.22)

·         Wenn eine Gesellschaft sich in der überwiegenden Mehrheit darin einig ist, bestimmte Dinge nicht zu tun (zum Beispiel zu morden, einen Hammer als Mordwerkzeug zu benutzen), wird man zwar nicht ausschließen können, dass trotzdem Einzelne dies Spielregeln nicht einhalten (also doch morden), aber man kann dann andere nützliche und akzeptierte Anwendungen bestimmter Techniken zulassen (Hammer nicht verbieten, die meisten nehmen ihn, um Nägel einzuschlagen)
(Diskussion im Deutschlandfunk März 2001)

·         Gedankenexperiment des Rechtsphilosophen Reinhard Merkel:
es brennt in einem biologischen Labor – wen würde sie retten: ein lebendes Baby oder 10 Embryonen in einem Reagenzglas?
(taz 17./18.2.01)

·         Gentechnik-Papst E.-L. Winnacker:
Kennen Sie den Witz über den Beginn des Lebens? Wenn ein Katholik gefragt wird, beginnt das Leben mit der Fusion von Ei- und Samenzelle. Für einen Nichtgläubigen beginnt das Leben, wenn sich das Ei in die Gebärmutter einnistet. Und wenn Sie den Rabbi fragen, der sagt Ihnen: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot.“
(Die Zeit 28.12.00 S.2)

·         wider die Vernunft, wenn 134600 Tötungen von eingenisteten Embryonen (im Jahr 2000) akzeptiert werden, aber gleichzeitig die streng kontrollierte Verwendung einiger hundert nicht eingenisteter Embryos zum Zweck hochrangiger Forschung zum Schritt über den Rubikon zu erklären, also als rechtswidrige Tötung menschlichen Lebens zu behandeln;
§218:“Handlungen, deren Wirkung vor Abschluss der Einnistung des befruchteten Eis in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch.“ wieso ist das legitim und verfassungskonform, wenn doch schon die befruchtete Eizelle den Beginn menschlichen Lebens ausmachen soll?
(Der Spiegel 24/2001 S.42, Peter Glotz)

·         „Der Judaismus begrüßt generell jede Entwicklung der medizinischen Technik, wenn es darum geht, Leben zu retten oder Probleme der Befruchtung zu lösen“, stellte der höchste Rabbiner klar
(Der Spiegel 24/2001 S.216)

·         in unserer Gesellschaft werden, ohne jeden moralischen Protest, abgestorbene oder abgetötete Föten als Medizinabfälle behandelt, in der kirchlichen Praxis werden Föten weder getauft noch christlich begraben, in der abendländischen Tradition beginnt für die Kirche wie für den Staat das Personsein mit der Geburt, deshalb wäre es ein Kulturbruch, für Föten Menschenwürde und Grundrechte zu postulieren;
Nach dem Recht in der Bundesrepublik beginnt der strafrechtliche Schutz ungeborenen Lebens nicht mit der Befruchtung, sondern mit der Einnistung des Eis in den Mutterleib;
die Behauptung, bei der Auswahl des einzusetzenden Eis (PID) stünden, anders als beim Schwangerschaftsabbruch, keine Rechte der Frau zur Abwägung, halte ich für sophistisch. Die den natürlichen Zeugungsvorgang zerreißende – rechtlich zulässige – Befruchtung in vitro stellt die Frau doch nicht rechtlos.;
darüber, dass es nach unserem kulturellen Selbstverständnis keine Menschenzüchtung geben darf, besteht Übereinstimmung, nicht aber darüber, ob für den gentechnischen Ausschluss von Erbkrankheiten eine Ausnahme gemacht werden darf
(Spiegel 27/01 S.40, Horst Ehmke)

·         Rede von Hubert Markl, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
so viel Neues und Unverstandenes die ureigensten Privatentscheidungen von Essensauswahl bis Kinderwunsch, von Lebensversicherung bis Arbeitsplatz betrifft...
wie groß das Verlangen vieler nach klaren Wegweisungen und Grenzziehungen ist, möglichst aus berufenem Mund und möglichst unbezweifelbar in ewigen Werten und Wahrheiten verankert...
die Stellungnahme jüdischer Religionslehrer besonders überzeugend... sie weist nämlich der Tatsache, dass sich der Mensch nur in engster Verbindung zu einem mütterlichen Körper entwickeln kann, eine besondere Bedeutung für die Menschwerdung zu;
“Willkür“ bedeutet tatsächlich nichts anderes als den Willen zur Urteilskraft und zur „Kür“, d.h. zur Auswahl zwischen Entscheidungsalternativen;
mich schrecken sozialethische Argumente der Art, es könne die Stimmung in der Bevölkerung für oder gegen Behinderte beeinflussen, wenn es Müttern frei überlassen wird, solche schweren Entscheidungen zu treffen. Nicht nur deshalb, weil sich hier andere anmaßen, nach ihrem Gutdünken anstelle der Eltern und vor allem der Mütter zu entscheiden. Dabei wird nämlich verkannt, dass die allermeisten Behinderungen sowieso nicht angeboren sind und dass selbst von den angeborenen Fällen auch künftig sehr viele keineswegs früh erkannt werden können.;
dass Eltern keinen Rechtsanspruch auf ein gesundes Kind haben- allerdings sehr wohl ein Menschenrecht, danach zu streben!;
Wann beginnt das Leben? Zweifellos sind Ei- und Samenzelle ebenfalls bereits lebendig, ebenfalls mit einem menschlichen Genom ausgestattet und ebenfalls genetisch jeweils ganz und gar individuell... der neue Mensch ist nicht fertig in der Zygote... e3r kann aus ihr werden und zwar nur unter bestimmten Bedingungen, für die die Verbindung zum Mutterorganismus absolut konstitutiv ist.;
dass sich nur ein Bruchteil befruchteter Eier tatsächlich im Uterus einnisten kann... schon von Natur aus dazu dient, um möglichst nur gesunde und voll entwicklungsfähige Keime zur Entwicklung kommen zu lassen. Die eigentliche „biologische Entscheidung“ zur Menschwerdung fällt daher tatsächlich mit der Einnistung des Keimes im Uterus, nicht schon mit der Befruchtung... früh abortierende Embryonen besonders häufig von genetischen Anomalien betroffen;
die alleinige Fixierung des Menschenwesens auf den Besitz eines Satzes menschlicher Gene und die als hochmoralisch bewertete willenlose Hinnahme jedes Zufallsunglücks in der Beschaffenheit dieses Gensatzes, den Gipfel eines Biologismus bedeutet, der den Menschen tatsächlich zum reinen Biowesen degradiert und ihm genau das abspricht, was ihn eigentlich erst zum Menschen macht: seine kulturbedingende Entscheidungsfreiheit.;
Empfehlungen der DFG zur Stammzellforschung als Mitglied des Senats und im Namen der Max-Planck-Gesellschaft aus voller Überzeugung zugestimmt;
es müsse sich erst erweisen, ob solche Stammzellen tatsächlich ein hohes therapeutisches Potential haben, ehe man an eine Lockerung...kann doch nur dadurch entsprochen werden, dass an Zellkulturen geforscht wird;
eine nur der Erkenntnissuche verpflichtete Grundlagenforschung ist nicht auf Forschung an Menschenembryonen angewiesen... es sind ausschließlich medizinisch-therapeutische Forschungsziele zur Heilung schwer erkrankter Menschen, die in der Güterabwägung für oder gegen Forschung mit me4nschlichen Embryonen vorgebracht werden können und von Gesetzgeber und Verfassungsgericht abzuwägen sind;
(Die Welt 23.6.01)

·         Beginn menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle?
wie ist die zeitliche Zählung bei Langzeit-Gefrierkonservierung ?
(idea spektrum 29/30-01 S.4)

·         Warum erlaubt Israel Embryonenforschung?
die Frage, wann das Leben beginne, wird bei Juden anders beantwortet als bei Christen, die Rabbiner hätten nach der Entdeckung des Mikroskops entschieden, dass nur das beachtet werden müsse, was man mit dem bloßen Auge sehen könne, ein Embryo im Vier- oder 16-Zellenstadium sei aber mit dem Bloßen Auge nicht erkennbar, deshalb dürfen nach jüdischem Recht Embryonen im frühen Stadium, die bei der Erzeugung im Reagenzglas überschüssig seien, für die Forschung verwendet werden
(idea spektrum 25/01 S.16)

·         Hertha Däubler-Gmelin
Fortschritt ist nicht alles, was möglich ist, sondern das, was dem Menschen dient. „Heilen und Helfen“ sollten wir deshalb als Ziel festlegen. Das schließt dann Selektieren, Züchten und Klonen als Ziele aus...
liegt jetzt die Darlegungslast bei der Wissenschaft. Sie muss erklären, warum sie auf dem Weg zum besseren Heilen von Krankheiten nicht den Weg der Forschung an adulten Stammzellen oder an tierischen Embryonen gehen kann.
Die Biomedizinkonvention (des Europarates) verbietet in ihrem Artikel 18 das Erzeugen von Embryonen zu Forschungszwecken.
(Die Zeit 26.7.01 S.4)

·         Debatte des Bundestages zu Gentechnik und Bioethik 31.5.01
Ohne die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter gibt es keine Menschwerdung. Ohne die positive Entscheidung der Frau wird aus der befruchteten Eizelle kein Mensch.;
Diskussion in Frankreich zur Frage der Bewertung von Behinderungen überraschendes Ergebnis: bis auf die Querschnittsgelähmten haben alle französischen Behindertenverbände es „als empörend bezeichnet, den Frauen unnötiges Leid aufzubürden, das die PID ihnen ersparen könnte“;
ähnlich auch Patienten und Eltern der Deutschen Mukoviszidose-Vereinigung in ihrer Erklärung vom 24.9.2000: „Betroffene Eltern, die einen Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur mit der PID die Chance auf ein weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein will diese Eltern mit ihren Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine gelassen sehen.“;
Eine Grundregel der philosophischen Ethik lautet: „Der mögliche Missbrauch verbietet nicht den rechten Gebrauch.“ – Zum rechten Gebrauch gehören Grenzen.;
Kantische Philosophie: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen niemals bloß als Mittel brauchest.“
(Das Parlament 8.7.01)

·         Deutscher Ärztetag gegen Forschung mit embryonalen Stammzellen;
Diskussionspapier des Bundesvorstandes der CDU: lehnt Erzeugung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken und zu therapeutischen und gewerblichen Zwecken ab, ebenso die verbrauchende Embryonenforschung
(taz 25.5.01)

·         statistisch reift nur jeder vierte Embryo wirklich zu einem Kind heran. Drei von vier befruchteten Eizellen werden, häufig schon zu Beginn der Schwangerschaft, vom Körper der Mutter abgestoßen, und dies vor allem dann, wenn der Embryo Chromosomenstörungen aufweist
(Spiegel 20/01 S.251)

·         60-80% der befruchteten Eizellen gehen (in Abhängigkeit vom elterlichen Alter) verloren
eine Ursache: falsche Chromosomenausstattung
(taz 11.5.01)

·         Beratungsgremien der Bundesregierung zur Bioethik:
Nationaler Ethikrat (Bundeskanzler)
Enquetekommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ (Bundestag)
Ethikbeirat (Bundesgesundheitsministerium – berufen von Andrea Fischer)
(taz 3.5.01)

·         Ian Wilmut, biologischer Vater von DOLLY:
Manchmal stellen Gesellschaften etwas einfältige Regeln auf. In Deutschland durfte zunächst auch keine Forschung zur Retortenbefruchtung gemacht werden, die Prozedur wurde in England entwickelt und wird heute in Deutschland überall genutzt.
(Die Zeit 8.3.01 S.43)

·         ... Postulat eines allmächtigen Schöpfers... es darf wohl angenommen werden, dass auch eine Evolution im Genlabor, so sie denn möglich werden sollte, Teil des großen Plans ist – so es ihn gibt.
(SZ 22.8.01)

·         Horrorvision oder Aussicht auf das gelobte Land?

·         in pluralistischen Gesellschaften werden auch moralische Fragen mehrheitlich entschieden; die Entscheidungen in Großbritannien, Frankreich, Italien für die Embryonenforschung sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels, der auch in Deutschland längst begonnen hat;
nach jüdischem Glauben wird der Embryo oder Fetus nicht als eigenständige SEELE angesehen, sondern als Teil der Mutter
(Die Zeit 3.5.01 S.41ff)

·         Margot von Renesse: es geht um „Gut gegen Gut“; den Respekt vor den Maßstäben und den Argumenten nicht gegenseitig absprechen
(Die Zeit 23.5.01 S.3)

·         Reinhard Merkel:
Verfassungsberatungen des Parlamentarischen Rates 1949: Antrag, das „ungeborene Leben“ ausdrücklich in den Schutzbereich der Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes einzubeziehen, damals mit großer Mehrheit abgelehnt;
wäre der Embryo Träger von Lebensgrundrecht und Menschenwürde, so dürfte er in keinem noch so singulären Konflikt, dessen Entstehung nicht er, sondern die Konfliktpartei zu vertreten hat und in den er durch diese zwangsinvolviert ist, getötet werden (gemeint ist der Schwangerschafts-Konflikt zwischen Mutter und Kind);
Überlegungsmodell: vier Wochen verbleibende Lebenszeit bei einem Todkranken dürfen nicht aktiv abgekürzt werden; aber wenn bei einem Embryo im Reagenzglas ein schwerer Defekt festgestellt wird, der nach Einpflanzung in den Uterus nur 4 Wochen Lebenszeit bedeutet und dann das sichere Absterben – der Erhalt dieser Lebensspanne unter den konkreten Bedingungen erscheint unsinnig
(Die Zeit 13.6.01 S.25)

·         Michael Naumann:
niemand vermag logisch zu beweisen, warum eine Ansammlung mikroskopisch winziger embryonaler Zellen als Mensch zu gelten habe, es sei denn, wir erhöben die Potenzialität des Embryos, ein ganzer Mensch zu werden, mit rational nicht widerlegbaren, also Glaubensargumenten in den Stand unantastbarer und absoluter Menschenwürde
(Die Zeit 21.7.01 S.9)

·         zwischen Stammzellen und Stammaktien
(Die Zeit 5.7.01 S27)

·         Was steht im Zentrum?
christlich-kantianische Ethik: die als Selbstzweck verstandene Würde einer jeden menschlichen Person;
utilitaristische Ethiken: Glück und Wohlergehen der meisten
(Die Zeit 16.8.01 S.32)

·         als Schwerpunktthema für die 7. Tagung der 9. Synode der EKD wurde festgelegt:
“Was ist der Mensch?“
(Präsidium der EKD-Synode, 11/2001)

·         5.Tagung der 9. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
Bückeburg 2001
Drucksache Nr. 10/2001
Entschließung der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik
vom 23. Oktober 2001
„Die Generalsynode schließt sich der Stellungnahme der Bischofskonferenz der VELKD zu Fragen der Bioethik vom 13. März 2001 an. Wir unterstreichen den Grundsatz, dass bereits der menschliche Embryo eine Würde hat, die unantastbar und unverfügbar ist. Deshalb muss der Embryo allen willkürlichen Zugriffen entzogen sein. Von diesem Grundsatz her lehnen wir die verbrauchende Embryonenforschung, das Klonen von Menschen sowie Keimbahn­manipulationen ab. Wegen der großen Missbrauchsmöglichkeiten lehnen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine gesetzliche Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab.“

·         erstes Retortenbaby in Deutschland April 1982 in Erlangen geboren;
die katholische Kirche sprach damals von einer Manipulation, die „schlimmer als die Atombombe“ sei;
(epd-wochenspiegel 37/2001 S.14)

·         In der Diskussion über Behinderung, Krankheit und Eugenik kann man das Leiden verharmlosen oder idealisieren. Gerecht wird man den betroffenen Menschen damit nicht.
(GID Spezial 2, 2001, Eugenik - gestern und heute, S. 40)

·         Eugen Drewermann:
Er spricht dem Embryo im frühen Entwicklungsstadium die „unbedingte“ Würde ab. „Unbedingte Schutzwürdigkeit im Rahmen von Gesetz und Moral scheint mir erst gegeben, wenn eine Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, zum Beispiel von Schmerz, in der Embryonalentwicklung vorliegt. Das ist etwa in der Zeit vom 4. Monat der Fall.“
(Publik-Forum 16/2001 S.25)

·         Peter Gruss, Stammzellforscher und Präsident der MPG:
Die befruchtete Eizelle ist für mich noch kein Humanum mit Seele...
eher die Gastrulation, die Einschnürung des embryonalen Zellhaufens nach dem 14. Tag, entscheidendes Ereignis in der Entwicklung... Und dazu ist die Einnistung in die Gebärmutter, der Kontakt mit mütterlichem Gewebe notwendig.
(Die Zeit, 22.11.01 S.45)

·         Utilitarismus – Nützlichkeitskalkül, entwickelt im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, Ziel: gerechtere und menschlichere soziale Verhältnisse;
die Formel, der Staat solle das „größte Glück der größten Zahl“ verwirklichen
(Publik-Forum 16/2001 S.15)

·         Menschenrecht auf Erbgut (Alexander S. Kekulé): Die Ergänzung der Menschenrechte, etwa als Zusatzvereinbarung zu den UNO-Menschenrechtspakten, könnte konkret lauten:
„Jeder Mensch hat das Recht auf natürliches Erbgut. Niemand darf nachfolgende Generationen durch Eingriffe in die Keimbahn um dieses Recht bringen. Niemand darf auf Grund seiner Erbanlagen benachteiligt werden.“
(Der Spiegel 46/01 S.206f)

·         von den kirchlichen Veröffentlichungen des vergangenen Jahres fanden Stellungnahmen zur Biotechnologie, Stammzellenforschung und Pränataler Diagnostik die größte Resonanz. Von allen Medienbeiträgen zur Gentechnologie kamen 38,5% aus dem Raum der Kirchen...
(Idea-Spektrum 3/2002, S.28)

·         Ablehnung weniger monotheistisch als christlich begründet; so befürworten einige orthodoxe jüdische Thoragelehrte explizit das Klonen... als Form der menschlichen Vermehrung, allerdings nur bei Unfruchtbarkeit, da es einer künstlichen Befruchtung vorzuziehen sei, dort besteht Risiko eines zufälligen Inzests, der als schwere Sünde gilt
(taz 21.1.02)

·         Menschen? Ach nein, das sind ja Fleischklopse..
Die Worte des Propheten Mohammed können einen strengen Embryonenschutz nicht begründen Zu den Charakteristika des Islam gehöre es, daß er der wissenschaftlichen Forschung keine Restriktionen auferlege und auch nicht dem technologischen Fortschritt, sondern Forschung und Fortschritt willkommen heiße und tolerant sei gegenüber allem, das Nutzen verspreche und der Menschheit nütze.
Entscheidend für die Frage nach der Statthaftigkeit genetischer Manipulationen ist vielmehr für alle Autoren die Frage, ob sie im Interesse der Menschheit (maslaha) geschehen. Erst wenn Manipulationen bloße Spielerei (abath al-hayat) sind oder unlauteren Zwecken dienen, werden sie als Eingriff in die Befugnisse Gottes aufgefaßt. daß - anders als es von zahlreichen europäischen Denkern gesehen wird - nach islamischer Mehrheitsmeinung der Zweck über die Verwerflichkeit der Handlung entscheidet für die Bewertung;
entscheidend ist das Ergebnis. Hier liegt der eigentliche Unterschied in der islamischen und der christlich-humanistischen Perspektive. ein dem Propheten Mohammed zugeschriebener Ausspruch, nach dem der Mensch nach der Befruchtung "vierzig Tage Samen, vierzig Tage Knoten, vierzig Tage Fleischklumpen" sei. Im Islam herrscht weiterhin eine ältere, am Sicht- und Spürbaren sich orientierende Auffassung vor, die die Verwendung von Mikroskopen in der Wissenschaft sozusagen noch nicht wahrhaben möchte. So gelten Bewegungen des Embryos im Mutterleib als Zeichen für den Beginn menschlichen Lebens;
Zur Zeit dominiert im sunnitischen Islam die Auffassung, die den Beginn menschlichen Lebens bei vierzig Tagen nach der Befruchtung ansetzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 20. Dezember 2001, Nr. 296 Seite 56)

·         EU-Kommissar Busquin antwortete auf die Frage, warum keine Gegner der Embryonenforschung eingeladen worden seien, mit der Begründung, dass es hauptsächlich um wissenschaftliche Aspekte gehe und bei den Diskussionen über die ethischen Fragen ein ausgewogenes Panel zusammengestellt worden sei (in diesem Panel saß eben kein grundsächlicher Gegner der Embryonenforschung). Busquin fügte dann hinzu, dass die EU-Kommission "keine Taliban" eingeladen habe.
"Dies ist eine unglaubliche Entgleisung. Der Kommissar scheint damit die Gegner der Embryonenforschung mit dem verbrecherischen Regime der Taliban auf eine Stufe zu stellen.
(Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=1380)

·         begnadete Demagogen, die die Verwendung von ES-Zellen als „Kannibalismus“ oder „Inzest“ brandmarken...
vorsichtiger Gebrauch des Menschenwürde-Arguments. Allzu schnell heißt sonst die Botschaft: Wer anders denkt, tritt die Würde des Menschen mit Füßen... In vielen Ländern, von denen die meisten mit mehr Recht als wir in Anspruch nehmen können, Kulturnationen mit demokratischer Tradition zu sein, ist embryonale Stammzellforschung inzwischen zugelassen: England, Schweden, Frankreich, USA, Australien, Israel...
Dass die Kultur der Menschlichkeit ins Rutschen gerät, wenn einige hundert übriggebliebene Embryonen für die Herstellung von Stammzelllinien verwendet werden (statt sie anders zu vernichten) ist unwahrscheinlich. Jedes Jahr werden in Westeuropa vermutlich eine Million Föten abgetrieben, ohne dass dies den sonstigen Umgang mit menschlichem Leben erkennbar tangiert hätte...
(Die Welt 25.1.02)

·         Die Päpstliche Akademie für das Leben hat in einer Erklärung vom August 2000 nicht nur die In-vitro-Fertilisation kategorisch abgelehnt, sondern auch jede fremdnützige, verbrauchende Forschung an Embryonen, jegliches Klonen, sei es zu reproduktiven oder therapeutischen Zwecken, sowie die Präimplantationsdiagnostik...
Könnte denn jemand auch nur von Ferne einen Schwangerschaftsabbruch im dritten Monat tolerieren, wenn er ernstlich davon überzeugt wäre, dass dieser der Tötung eines geborenen Kindes gleichzusetzen ist?...
Was zunächst die so genannten „überzähligen“ Embryonen aus der IVF betrifft, so handelt es sich bei ihnen weder um Leben eines existierenden noch eines werdenden Menschen, da die äußeren Voraussetzungen dafür fehlen, dass aus ihnen ein Mensch hervorgehen kann (insbesondere die Einnistung in die Gebärmutter einer Frau) . Somit ist das Kriterium nicht erfüllt, in dem die Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens begründet wird, nämlich dass es das Leben eines Menschen ist...
therapeutisches Klonen... auch bei der totipotenten Zelle, die aus der Verpflanzung eines Kernes einer Hautzelle in eine entkernte Eizelle entsteht und die bis zur Gewinnung von Stammzellen einige Teilungen durchläuft, handelt es sich nicht um einen werdenden Menschen, da auch beim Th. Klonen die äußeren Voraussetzungen nicht gegeben sind dafür, dass ein Mensch entstehen kann. Genetische Potenzialität ist nicht gleichbedeutend mit dem Werden eines Menschen...
(Zeitzeichen 1/2002 S.8ff)

·         Brief DBK und EKD an Bundestagsabgeordnete: „Methoden, die die Vernichtung embryonaler Menschen vorsehen, inakzeptabel“...
Jüngel hält es für problematisch zu behaupten, das menschliche Leben sei vom Zeitpunkt der Befruchtung an ein „embryonaler Mensch;
Kollek: Die jüdische Ethik geht offensichtlich davon aus, dass der Fötus erst um den dritten Monat herum im Mutterleib beseelt wird und davor als Wesen, das unter dem Schutz der Menschenwürde steht, nicht existiert.
(Das Parlament 1.2.02)

·         Soziologe van den Daele (Nationaler Ethikrat): In Israel wird der Embryo zum Beispiel erst ab dem 40. Tag nach der Zeugung geschützt, bei uns ist der Lebensbeginn mit der Verschmelzung des Erbguts von Ei- und Samenzelle definiert. Aber warum eigentlich nicht vier Stunden vorher, kurz vor der Kernverschmelzung, wenn das Spermium schon die Eizelle befruchtet hat?“ Solche so genannten Vorkernstadien entstehen in Deutschland zu Tausenden bei der künstlichen Befruchtung. Achtlos werden sie weggeworfen; sie kümmern niemanden – und doch steckt in ihnen schon das Potenzial menschlichen Lebens....
CDU-MDB Pflüger: Uns geht es darum, einige wenige embryonale Stammzellen zu nutzen, die nie mehr Mensch werden können... Menschliches Leben beginnt für mich mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Aber – es ist menschliches Leben, es ist noch kein Mensch. Es ist nicht geboren, und es hat keine Mutter.
(Der Spiegel 5/2002 S.172ff)

·         Kardinal Meisner: „Man darf nicht durch Heilen töten“
(Freie Presse 30.1.02)

·         Meisner: „Barbarei“; Importbefürworter wollten „von der Tötung kleiner Menschen“ profitieren
(Der Spiegel 5/2002 S.172ff)

·         „Babys sind keine Ersatzteillager“
(ARD Wort zum Sonntag 3.2.02)

·         Prof Gerhardt (Uni Berlin, Philosoph, Mitglied im Nationalen Ethikrat)
Wenn jemand in Deutschland die Forschung an embryonalen Stammzellen mit dem Argument verteidige, dass die Ergebnisse das Leben anderer bessern oder retten könnten, so werde ihm beschieden: kein noch so hehrer Zweck heilige die Mittel. Steht hingegen ein Schwangerschaftsabbruch zur Entscheidung, muss man, wie Bischof Huber sagt, Kompromisse machen. Das nannte man früher Doppelmoral.
Rede von Bundespräsident Rau: faule Allianz von Biologismus und moralischer Anmaßung: Aus einem biologischen Faktum der Verschmelzung von Ei und Samenzelle machte er ein moralisches Prinzip.
(Die Zeit 14.2.02 S.28)

·         „Am Embryonenschutz konsequent festhalten!“
bedauert die Bundestagsentscheidung vom 30.1.02 zur Zulassung des Imports menschlicher embryonaler Stammzellen;
Grundsatz, das Lebensrecht und den Lebensschutz menschlicher Embryonen von Anfang an zu gewährleisten;
der Rat sieht in Forschung, Technik und ärztlicher Kunst gute Gaben Gottes, die in verantwortlicher Weise zu nutzen dem Menschen aufgetragen ist;
die PID ist mit dem Grundsatz des Schutzes menschlicher Embryonen von Anfang an nicht vereinbar;  das Risiko, dass die ursprünglich intendierte enge Begrenzung nicht durchgehalten werden kann, ist außerordentlich groß ((Erfahrungen der Pränataldiagnostik); der Rat plädiert dafür, dieses Risiko gar nicht erst einzugehen
(Erklärung des Rates der EKD zum Fortgang der bioethischen Debatte vom 22.2.02)

·         die fundamentale Frage, wann das menschliche Leben beginnt, findet in Israel eine ganz eigene Antwort: Es gibt eine Strömung in der jüdischen Philosophie, die sagt, dass dem Embryo erst nach 49 Tagen Leben eingehaucht wird;
entscheidend aber ist die Festlegung, dass der Embryo außerhalb des Mutterleibs nach jüdischem Glauben prinzipiell nicht als eigenständige Seele gilt; bevor der Mutter die befruchtete Eizelle eingepflanzt wird, kommt ihr nach jüdischem Verständnis keine Menschenwürde zu
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.25)

·         in der britischen Gesetzgebung maßgebende Ansicht:
das Menschsein beginnt mit der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter 14 Tage nach der Befruchtung (Beginn der Schwangerschaft; wechselseitige Beziehung zwischen Mutter und Kind)
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.72)

·         Hubert Markl: beim Menschen gehen mehr als die Hälfte der befruchteten Eizellen vor der Einnistung verloren; frühzeitige natürlich stattfindende (gottgewollte?) Auslese von nicht entwicklungsfähigen Keimen (Chromosomenabweichungen); die eigentliche biologische Entscheidung zur Menschwerdung fällt daher tatsächlich mit der Einnistung des Keimes in den Uterus, nicht schon mit der Befruchtung
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.42)

·         ob sich die Gegner der Embryonenforschung nicht ebenfalls der Naturalisierung schuldig machen – und zwar deshalb, weil sie Krankheiten als etwas Gegebenes betrachten, als eine Fügung der Natur, die nur zu erleiden, aber nicht zu heilen ist
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.97)

·         Behindertenverbände eröffnen Etikinstitut (Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft) www.imew.de
(epd-wochenspiegel 10/2002 S.14)

·         Deutsche Evangelische Allianz zur Bundestagsentscheidung Stammzellimport 30.1.02:
“Verfall der Moral“; setzt „jahrzehntelange menschenverachtende Rechtsentwicklung“ gegenüber ungeborenen Mensch fort
(epd-wochenspiegel 6/2002 S.7)

·         Mensch ist immer Subjekt, nicht Objekt (nicht Mittel zum Zweck);
Grundgesetz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Zustandsbeschreibung oder Absichtserklärung?;
Methode der ethischen Urteilsbildung:
3 Kriterien:
a) Achtung der Menschenwürde (ist gegeben und zu wahren)
b) Heilung von Krankheiten einzelner Patienten (als ärztliches Ethos; Abzuwehren: Heilung späterer Generationen)
c) Öffentlichkeit der Forschung (nur so Kontrolle möglich)
3 Perspektiven:
a) Ziele des Vorhabens (nach den 3 Kriterien s.o. abfragen)
b) Methode (akzeptabel?)
c) absehbare und nicht absehbare Folgen?
3 Fälle:
a) gentechnische Herstellung von Humaninsulin
b) „Entschlüsselung“ des Humangenoms
c) Präimplantationsdiagnostik (hier schon Ziele unterschiedlich bewertet: HILFE oder SELEKTION?; nicht klar definiert: EMBRYO, TOTIPOTENZ, BEGINN MENSCHLICHEN LEBENS;
zum Lebensbeginn: jüdische Tradition: in der Halacha(?) steht: „Embryo ist bis zum 40. Tag Wasser“, absoluter Schutz des Lebens beginnt erst nach der Geburt (wenn 10 cm des Kopfes zu sehen sind, gilt der Mensch als geborener Mensch)
(Barbara Hepp, Ev. Akademie Berlin, am 9.2.02 in Chemnitz)

·         In zahllosen Hinsichten spielen wir bereits Gott, wenn wir impfen und Krankheiten behandeln. In vielen Lebensbereichen verhalten wir uns nicht passiv angesichts der Natur. Und „Natur“ ist für den gesunden Menschenverstand schwerlich eine moralische Norm.;
unterscheiden zwischen der BEHANDLUNG genetischer Defekte und der OPTIMIERUNG der normalen genetischen Ausstattung; eine faire Gesundheitsversorgung würde allen Bürgern die Behandlung der genetischen Defekte gewähren, die sie signifikant unter das Niveau normaler Gattungsfunktionen sinken lassen, Optimierung der Genausstattung wie zusätzliche Intelligenz sollten aber illegal sein, weil sie die Chancengleichheit verletzen;
(Die Zeit 27.3.02 S.43)

·         S.17 Eberhard Jüngel: legt es nahe, zwischen menschlichem Leben und dem Leben eines werdenden Menschen kategorial zu unterscheiden; Die befruchtete menschliche Eizelle bedarf der Mutter, um sich zu einem Menschen entwickeln zu können. Schon deshalb halte ich die Behauptung, das menschliche Leben sei vom Zeitpunkt der Befruchtung an ein „embryonaler Mensch“ für höchst problematisch.
S.43ff Wolfgang Schäuble: wenn ich die Forschung an embryonalen Stammzellen als durch die Unantastbarkeit der Menschenwürde ausgeschlossen ansehen würde, dann darf ich nicht sagen. versuchen wir es doch erst einmal mit adulten Stammzellen und hinterher schauen wir mal;
mir sind keine Beispiele bekannt, dass in der Geschichte Erkenntnisse nicht allgemein genutzt wurden, auch wenn sie auf noch so fragwürdige Weise einst gewonnen wurden;
beim Embryonenschutzgesetz haben wir noch den Fehler gemacht, den Beginn des Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle definieren zu wollen;
dass wir auf die gesetzliche Definition von naturwissenschaftlichem Erkenntnisstand wie etwa Beginn und Ende des Lebens verzichten und uns auf die notwendige Regelung von Rechtsfolgen beschränken sollten;
ich glaube nicht, dass der Mensch Gott wirklich ins Handwerk pfuschen könnte, und mein Verständnis von der Geschöpflichkeit des Menschen ist gerade nicht, dass der Mensch großzügig und freiwillig darauf verzichtet, Gott ins Handwerk zu pfuschen. So klein ist Gott nicht, dass er auf diese menschliche Großzügigkeit angewiesen wäre.;
S.49ff Detlef Ganten: das wichtigste Ziel der ES-Zell-Forschung sind grundlegende Erkenntnisse über das Leben; die Bedeutung der ES-Forschung darf und kann nicht auf deren Anwendungspotenzial reduziert werden;
S.58 Wolfgang Huber: mit der Frage konfrontiert, was mit den „überzähligen Embryonen“ geschehen soll... die Aufgabe, sie auf würdige Weise zu „beseitigen“, stellt sich in jedem Fall
S.61 Günter Stock: was mich überhaupt irritiert an der ganzen Diskussion ist, wie biologistisch Geisteswissenschaftler an dieser Stelle argumentieren. Die Verschmelzung zweier Genome macht noch keine Person und macht noch kein unmittelbares Leben
(epd-dokumetation 9/2002: Bioethik und Gentechnik (5): Zum Bild Gottes geschaffen... EKD-Kongress)

·         S.8 Die PID würde als Mittel zur Selektion embryonaler Menschen genutzt.... ein menschliches Lebewesen nach den Kriterien „lebenswert“ und „lebensunwert“ auszusortieren;
S.27: Theologiegeschichtlich war man sogar unsicher, ab wann ein Embryo im strikten Sinn überhaupt ein Mensch sei. Vordenker abendländischer Ethik wie Aristoteles oder Thomas von Aquin meinten, dies sei erst recht spät der Fall, nämlich mit der Einstiftung einer Geistseele am 40., 80. oder 90. Tag nach der Befruchtung.;
(Woche für das Leben 2002, Arbeitsheft „Von Anfang an das Leben wählen statt auswählen“)

·         Allensbach Umfrage Herbst 2001; 44% der Deutschen meinen, dass Nutzen der Gentechnik deren Risiken überwiegt ((1998: 25%); überwiegend Risiken sehen 19% (1998: 34%); 14% glauben an sichere Beherrschbarkeit, 70% haben Zweifel (hier wenig Änderung seit 1996)
(taz 7.6.02)

·         ...dass neuere und bessere Therapien und sogar die Ausrottung bestimmter Krankheiten weder Krankheit als solche noch gar den Tod aus der Welt schaffen können. Aber das ändert nichts daran, dass die Heilung oder Linderung von Krankheiten einen erstrebenswerten Zugewinn an Lebensqualität bedeutet....
damit wird Heilungserwartung faktisch zur (fehlgeleiteten) Heilserwartung und umgekehrt werden Krankheit und Tod zur absoluten Bedrohung und Infragestellung des menschlichen Daseins...
Solange die Forschung an menschlichen Embryonen nur die Chance auf verbesserte Heilmethoden eröffnet, aber offen bleibt, ob die hiermit verbundenen Hoffnungen gerechtfertigt sind, ob andere ethisch und rechtlich unproblematische Methoden nicht den gleichen Erfolg zu erreichen geeignet sind und wann die Anwendung neuer Heilmethoden möglich ist, ist die Vernichtung eines menschlichen Embryos auch zu hochrangigen Forschungszwecken nicht gerechtfertigt...
Menschenwürde ... ist nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person, sondern die Würde des Menschen als Gattungswesen (Bundesverfassungsgericht)...
Teilweise geht es um Entscheidungen, bei denen jede Option mit einem Dilemma behaftet ist und bei denen nicht mit letzter Sicherheit auszumachen ist, welche das geringere Übel darstellt. Bei manchen anderen Problemen geht es nicht einfach um die Alternative zwischen richtig oder falsch, gut oder böse, sondern um Konflikte, für die eine Regelung gefunden werden muss und bei denen jede „Lösung“ moralische Skrupel auf sich ziehen kann...
steht die evangelische Ethik in einem kritischen Verhältnis zu einer Prinzipienethik, die den einzelnen Menschen ausschließlich nach allgemeinen Regeln behandelt wissen will...
Die entscheidende Frage ist, ob im Blick auf den menschlichen Embryo in jedem Fall unterstellt werden kann bzw. unterstellt werden muss, dass er Mensch ist. Aus der hier dargelegten Perspektive des christlichen Glaubens ist es am angemessensten, im Blick auf den Embryo von einem sich (zur Geburt hin) entwickelnden Menschen bzw., für den Fall der Mehrlingsbildung, von sich entwickelnden Menschen zu sprechen...
eine Auffassung: Ihr zufolge handelt es sich bei jedem Embryo um einen sich entwickelnden Menschen, unabhängig von den tatsächlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an ist demnach von der Entwicklung eines Menschen auszugehen...
andere Auffassung: betont demgegenüber die konstitutive Bedeutung der Entwicklungsmöglichkeiten. Nach dieser Auffassung kann von einem sich entwickelnden Menschen nur gesprochen werden, wenn die äußeren Umstände für eine Entwicklung gegeben sind.... Bei der Mehrzahl der Embryonen, die verschwenderisch auf natürlichem oder gezielt auf künstlichem Wege entstehen, kann davon nicht die Rede sein, will die äußeren Bedingungen für eine Entwicklung, insbesondere die Einnistung in die Gebärmutter einer Frau, nicht gegeben sind. Im Blick auf alle diese Embryonen kann aus faktisch-empirischen Gründen nicht von sich entwickelnden Menschen gesprochen werden...
beide Auffassungen haben ersichtlich ihre Probleme und fordern zu Rückfragen heraus. Im Blick auf die erste stellt sich die Frage, ob es wirklich plausibel ist, alle Embryonen, auch jene, bei denen es niemals zur Einnistung gekommen ist oder kommen wird, als sich entwickelnde Menschen mit Gottebenbildlichkeit und Menschenwürde zu betrachten. Sie muss sich weiterhin fragen lassen, ob sie bereit ist, die praktischen Konsequenzen zu ziehen, die sich aus dieser Sicht zu ergeben scheinen: Zurückhaltung gegenüber nidationshemmenden Verhütungsmethoden sowie gegenüber der In-vitro-Fertilisation wegen derer Folgeprobleme; Lebensschutz für Embryonen von der Befruchtung an. Die zweite Auffassung muss sich fragen lassen, ob sie nicht ungewollt einer fast unbegrenzten Verfügbarmachung und Verdinglichung menschlichen Lebens für technologische Zwecke Vorschub leistet. Wenn die technischen Arrangements so getroffen sind, dass kein Mensch entstehen kann,... was spricht dann gegen die Erzeugung von Embryonen in vitro für die medizinische Forschung?...
in der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD (=Verfasser der Studie) Dissense: unterschiedliche Sichtweise des Embryos zwischen Befruchtung und Nidation, die daraus abgeleiteten Konsequenzen hinsichtlich der Frage der Freigabe sog. überzähliger Embryonen für die Forschung, hinsichtlich der ethischen Zulässigkeit von PID und hinsichtlich der Zustimmung zum sog. therapeutischen Klonen
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 20f., 42)

·         Sonderausschuss des britischen Oberhauses: Embryonen haben erst ab 14. Tag nach der Befruchtung umfassenden Schutz, vorher Forschung möglich (dafür auch extra Erzeugung zulässig; therapeutisches Klonen gebilligt)
(GID 151 4-5/2002 S.44)

·         China: Auffassung weit verbreitet, der Mensch sei erst mit der Geburt eine zu schützende Person; die Mehrheit der Chinesen glaubt, dass Föten noch keine Seele haben; Mensch wird vor allem als Sozialwesen zum Menschen; weil Embryonen noch in keinerlei Kommunikation mit der Gesellschaft stehen, fällt ihnen auch keine große Schutzwürdigkeit zu
(Der Spiegel 25/2002 S.162)

·         Das utilitaristische Modell geht von der Prämisse aus, dass der Mensch danach strebt, Leiden zu vermeiden und Glück zu vermehren.
(Das Parlament 29.7.02)

·         Autor Fukuyama (Das Ende des Menschen): So ziemlich alle zivilisierten Länder haben das Klonen von Menschen verboten. Natürlich wird es trotzdem Leute geben, die das machen. Es gibt ja auch Mörder, obwohl das Morden verboten ist. Und trotzdem ist das Verbot sinnvoll. Wahrscheinlich ist es tatsächlich nicht möglich, die Forschung zu begrenzen... Wichtiger ist, dass man die Anwendung von Forschungsergebnissen begrenzt. Nicht alles, was erforscht wird, muss angewendet werden. Zum Beispiel könnte Deutschland durchaus Atombomben bauen. Aber Deutschland baut keine Atombomben. Diese Selbstbeschränkung funktioniert also.
(Spiegel 21/02 S.122ff)

·         „Was ist der Mensch?“, einfache und gleichzeitig komplexe Antwort: Der Mensch ist viel mehr als die Summe seiner Gene. Er kann sich selbst und andere erkennen, er ist ein vernunftbegabtes Wesen, das zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Der Mensch mit seiner Fähigkeit, den Nächsten zu lieben, mitzufühlen, ein Gewissen zu haben und ihm auch bewusst zu folgen, ist eben viel mehr als ein bloßes biologisches Konstrukt.
(EKD-Synode Timmendorfer Strand 3.11.02 Rede von Bildungsministerin Bulmahn)

·         Prof. Tanner, Uni Halle (Theologie): Es gebe keine biblisch-theologische Grundlage dafür, den Anfang menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle gleichzusetzen... Weder Theologen noch Juristen oder Naturwissenschaftler sind in der Lage, exakt zu definieren, wann menschliches Leben beginnt.... Tanner distanzierte sich auch von der „Verteufelung“ biotechnologischer Forschung, die in Kirchen weit verbreitet sei. Gerade die christlichen Kirchen trügen in der Diskussion zu einer „Kultur des Misstrauens“ bei, wenn sie Wissenschaftlern pauschal wirtschaftliche Interessen oder Eitelkeit unterstellten.
(epd-wochenspiegel ost 44/02 S.7)

·         gibt es eine wachsende Zahl von katholischen Moraltheologen, die darüber nachdenken, ob ein Embryo in den sehr frühen Stadien nur als eine individuelle menschliche Einheit zu sehen sei mit dem Potenzial, sich zu einer menschlichen Person zu entwickeln. Der moralische Status eines Embryos wäre dann nicht mehr der einer „Person“ und er könnte für bestimmte Forschungszwecke genutzt werden....
jüdischer Rabbi bei einer Anhörung: Embryonen, die in einer Petrischale entstehen, fallen ... nicht unter dieses jüdische Gesetz, weil sie nicht Teil einer Frau wären und somit auch nicht das Potenzial hätten, zu einem Menschen heranzuwachsen. Folglich könnten tiefgefrorene Embryonen für die Entwicklung von embryonalen Stammzellen genutzt werden.
(GID 152/2002 S.8f)

·         Gesetz vom 25.4.2002 zum Import von Stammzellen: 360 JA, 190 NEIN, 9 Enthaltungen;
Meinungsumfrage dimap April 2002: für 76% der Befragten beginnt ein neuer Mensch mit der Verschmelzung von Ei- und Samen-Zelle, für Stammzellimport 24%, dagegen 69%, 83% gegen das Klonen von Menschen, 13% dafür, 52% für Zulassung der PID, 39% dagegen
(GID 152/2002 S.24f)

·         Ganten: immer wieder dieses „Wehret-den-Anfängen“-Argument, wonach jeder vorsichtige Schritt angeblich zum Dammbruch, Pietätsverlust oder zur biologischen Manipulation des gesamten Menschengeschlechts führen könne...
Kollek: ... das Argument habe ich noch nicht gehört
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.25)

·         Enquete-Kommission des Deutschen Budestages  „Recht und Ethik der modernen Medizin“ wird wahrscheinlich fortgeführt werden
(Das Parlament 23./30.12.02)

·         vom Bundesforschungsministerium mit 1 Million Euro gefördertes interdisziplinäres Forschungsprojekt in Freiburg gestartet, das den „moralischen und rechtlichen Status des Embryos außerhalb des Mutterleibes genauer klären will“;
Frage, ob der Schutz des Embryos nicht gegen den Nutzen abzuwägen sei, den die Forschung etwa auf medizinischem Weg haben kann
(epd-Wochenspiegel 51/52-02 S.12)

·         die Möglichkeiten der Gentechnik nicht in Bausch und Bogen verwerfen: Positiv sei sie bei der Manipulation von Bakterien zu bewerten, durch die heute in Deutschland genügend Insulin für alle Diabetiker produziert werden könne. Genversuche an menschlichen Embryonen lehnte der Wissenschaftler ab
(ideaSpektrum 41/02 S.20)

·         an Uni in Jena Thüringer Ethik-Zentrum gegründet; Problemstellungen durch moderne Gentechnik
(epd-Wochenspiegel 49/02 S.10)

·         Bischof Huber:
“assistierte Reproduktion: Verfahren hat für alle, die sich seiner bedienen, so gravierende Belastungen und so problematische Auswirkungen zur Folge, dass es gute Gründe dafür gibt, von seiner Inanspruchnahme abzuraten; Reproduktionsmedizin als „Produktion“ von Leben;
warum ist es um die Möglichkeit der Adoption so still geworden?;
Von denen, die eine Freigabe der Embryonenforschung befürworten, wird in der Regel die Einnistung in den Uterus der Mutter als Grenze fremdnütziger Eingriffe gewertet. Doch ob die wissenschaftliche Entwicklung diese Grenze auf Dauer achten wird oder ob nicht eines Tages auch das Heranwachsen eines Kindes in einem künstlichen Uterus möglich wird, muß wohl offen bleiben. Insofern kann man nicht einmal sicher sein, ob diese von den Befürwortern einstweilen anerkannte Grenze der Nidation auf Dauer Bestand haben wird.;
Bei der PID würde zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterschieden
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstag, 11. Januar 2003, Nr. 9 Seite 41, Feuilleton)

·         Votum für Verbot der PID (7 Mitglieder des Nationalen Ethikrates):
spricht einiges dafür, den Schutzbeginn sogar auf den Zeitpunkt vorzuverlegen, in dem der zweite Polkörper aus der befruchteten Eizelle abgestoßen wird (43)
Embryonenadoption, die nach geltendem Recht nicht verboten ist (43)
(geschriebene oder sich in der Praxis entwickelnde Indikationsliste): damit wird über die Betroffenen [lebende Behinderte mit den betreffenden Erkrankungen JK] ein Unwerturteil gefällt; (44)
Diagnosemöglichkeiten, die nicht zur Verwerfung von Embryonen führen, weil sie schon vor der Kernverschmelzung eingesetzt werden können. So etwa die Untersuchung von unbefruchteten Eizellen oder die Polkörperdiagnose... letztere würde sich allerdings auf den ersten Polkörper zu beschränken haben... Zur Vermeidung bestimmter geschlechtsgebundener, genetisch bedingter Erkrankungen wäre auch eine Spermiensortierung in Betracht zu ziehen (44)

·         Ergänzendes Votum (2 Mitglieder)
grundsätzlich für Verzicht auf Elternschaft im Konfliktfall;
aber die Gewissensentscheidung des Individuums muss frei sein und kann nicht durch staatliches Strafgesetz erzwungen werden (54)

·         Votum für begrenzte Zulassung (15 Mitglieder)
PID nur ausnahmsweise zulassen;
für Paare mit hohem Risiko, ein Kind mit einer schweren und nicht wirksam therapierbaren genetisch bedingten Erkrankung oder Behinderung zu bekommen;
Paare mit hohem Risiko für Vererbung einer Chromosomenstörung, die dazu führt, dass der Embryo außerhalb des Mutterleibes nicht lebensfähig wäre;
für unfruchtbare Paare auch Zulassung, wenn durch Untersuchung auf Chromosomenstörungen die Erfolgsrate der Sterilitätstherapie deutlich gesteigert und die Anzahl übertragener Embryonen mit dem Risiko von Mehrlingsschwangerschaften verringert werden kann;
gesetzliche Regelung sollte auch für Polkörperdiagnostik gelten;
bei jeder PID angemessene Beratung;
Durchführung der PID nur in wenigen lizensierten Zentren (55ff);
der Abbruch einer Schwangerschaft nach PND ist auch rechtmäßig, wenn sich in der Vorausschau auf die Zeit nach der Geburt eine unzumutbare Belastung für die Frau ergibt (56);
ob die Übertragung so genannter überzähliger Embryonen auf eine andere Frau als die genetische Mutter (sog. Embryonenadoption) unter ethischen und rechtlichen Gesichtspunkten eine adäquate und tatsächlich umsetzbare Lösung zu ihrer lebenserhaltenden Verwendung ist, bedarf weiterer gesellschaftlicher Diskussion (57);
Die Polkörperdiagnostik sollte denselben Begrenzungen und Kontrollen unterworfen werden wie die PID an Blastomeren. Bleibt die P. ungeregelt, kann sie als Screening-Untersuchung bei jeder assistierten Reproduktion auch in Deutschland angewendet werden, und zwar ohne Qualitätskontrolle und ohne Transparenz durch statistische Erfassung. Die P. als Alternative zu einer PID an Blastomeren zu empfehlen, ist darüber hinaus insbesondere bei rezessiv vererbten Erkrankungen ethisch problematisch, da 50% der als betroffen diagnostizierten Vorkernstadien, bei denen sich die Krankheit aufgrund des nicht betroffenen väterlichen Gens gar nicht manifestieren würde, dennoch verworfen würden. (58);
eine kategoriale Differenz zwischen dem strikten Schutz geborener Menschen und dem erst wachsenden Schutz, wie er dem vorgeburtlichen Leben von der Rechtsordnung zuteil wird; Schwangerschaftsabbrüche in den ersten 12 Schwangerschaftswochen nach einer Fristenlösung mit Beratungspflicht – das alles wäre unerklärlich und widersprüchlich, wenn dem ungeborenen Leben, zumal im allerfrühesten Entwicklungsstadium, der ebenso strikte Schutz zukommen müsste wie geborenen Menschen (63f);
Die Entwicklung des menschlichen Lebens lässt abgesehen von der Befruchtung durchaus Zäsuren erkennen wie die Nidation, die Geburt und den Tod. Daneben gibt es weniger trennscharfe Übergangsphasen, z.B. die Ausbildung der menschlichen Gestalt oder der Empfindungsfähigkeit und die extra-uterine Lebensfähigkeit. Beide Arten von Zäsuren können – jedenfalls im Konfliktfall – Anlass für moralische und rechtliche Abstufungen sein [vergleiche z.B. die Diskussion zum „Hirntod“ bei Organtransplantationen JK] (64)
Bei strikter Anerkennung des Potenzialitätsarguments und der darus gezogenen Schlussfolgerungen dürften auch jene Nidationshemmer, die zur Abtötung befruchteter Eizellen führen, nicht zugelassen sein. Und es müsste dann auch illegitim sein, Eizellen im Vorkernstadium „auf Vorrat“ zu kryokonservieren und sie nach Abschluss der Behandlung zu vernichten, weil die Frau keine weitere Schwangerschaft wünscht – wie es aber vieltausendfach auch in Deutschland geschieht. (64);
Embryonen, bei denen letale Chromosomenstörungen vorliegen, verfügen überhaupt nicht über das Potenzial, sich zu einem vollständigen Menschen zu entwickeln. Dies gilt für einen sehr hohen Prozentsatz auch bei der natürlichen Zeugung. Ein Aneuploidie-Test, mit dessen Hilfe derartige Embryonen identifiziert werden können, kann auch vom Standpunkt eines uneingeschränkten Lebensschutzes nicht als illegitim angesehen werden (65);
Bei Embryonen in vivo, also im Mutterleib, beginnt der strafrechtliche Schutz erst nach der Nidation [vgl. §218(1) JK]; selbst für den Zeitraum nach der Nidation hat das Bundesverfassungsgericht einen abgestuften Schutz des Fetus für verfassungsrechtlich akzeptabel gehalten, denn sonst hätte es nicht billigen können, dass bis zum Abschluss von 12 Schwangerschaftswochen ein Abbruch nach der eigenen Entscheidung der Schwangeren möglich ist, danach aber nur dann, wenn (vom Arzt bestätigte) bestimmte im Gesetz näher aufgeführte Voraussetzungen erfüllt sind (65);
PID ist vorrangig verbunden mit der Absicht, eine Schwangerschaft herbeizuführen und damit neuem menschlichem Leben zur Geburt zu verhelfen; der Hauptzweck ist nicht Selektion (66);
PID bedeutet nicht Eugenik verstanden als individuelle Auswahl des besten unter mehreren Embryonen oder verstanden als Versuch einer Beeinflussung des kollektiven menschlichen Genpools; es handelt sich nicht um eine unzulässige Instrumentalisierung für bestimmte Vorstellungen der Eltern, der Gesellschaft oder des Staates, sondern vielmehr um die Untersuchung auf ein Merkmal zum („negativen“) individuellen Ausschluss schwerer genetisch bedingter Krankheiten oder fehlender Entwicklungs- und Lebensfähigkeit... Gegen die („positive“) Schaffung von Menschen nach Maß wäre in der Tat einzuwenden, dass über bisher unverfügbare Merkmale des Menschen disponiert und damit das Verhältnis zwischen den Generationen unerträglich belastet würde; der Gefahr einer missbräuchlichen Anwendung der PID muss durch klare Verbote und Kontrollen ihrer Einhaltung begegnet werden (Vorbilder z.B. im Verbot der entgeltlichen Adoption oder des Organhandels);
... Versuch von Eltern, die spätere körperliche, geistige oder charakterliche Entwicklung des Kindes in genetischer Hinsicht zu beeinflussen... Eine solche Merkmalsauswahl steht hier aber nicht zur Diskussion. Weder ist sie – abgesehen von der Geschlechtswahl – gegenwärtig technisch möglich, noch wäre sie moralisch vertretbar. Zur Diskussion steht allein der gezielte Ausschluss schwerer genetisch bedingter Krankheiten und Behinderungen sowie der Ausschluss fehlender Entwicklungs- und Lebensfähigkeit des Embryos (66f);
Auch die Behinderten und ihre Verbände plädieren nur selten für ein umfassendes Verbot (der PND)... Dieses würde nämlich im Ergebnis schwangere Frauen von Rechts wegen zwingen, behinderte Feten notfalls gegen ihren Willen auszutragen ... Er würde überdies dazu führen, dass Frauen zwar (nach Beratung) einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen dürfen, wenn der Fetus gesund ist, diesen aber austragen müssen, wenn bei ihm die Anlage zu einer Krankheit oder Behinderung diagnostiziert wird (72);
Furcht vor einer Ausweitung der PID hin zum „Designerbaby“ (Dammbruchargument):
Unsere gesamte Rechtsordnung beruht letztlich auf der Prämisse, dass klare gesetzliche Verbote, obwohl sie im Einzelfall durchbrochen oder umgangen werden, wirksame Instrumente der Verhaltenssteuerung sind. Zudem verliert eine sachlich richtige Argumentation nicht dadurch an Legitimation, dass ein Missbrauch nicht völlig ausgeschlossen werden kann (73)

·         (Nationaler Ethikrat: Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der Schwangerschaft“, 23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die Druckfassung, verschickt am 24.1.03)

·         Definition Embryo:
“Embryo ist bereits jede menschliche totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag.“
(Stammzellgesetz vom 18.6.2002 §3 (4))

·         2. Kongress „Frauen gegen Gen- und Reproduktionstechnologien“ (1989):
Resolution:
“Wir Frauen lehnen die Erforschung und Anwendung der Gen- und Fortpflanzungstechnologien ab.“
“...bei jedem gentechnischen Experiment geht es darum, Lebewesen als profitable Molekülmaschinen neu zu konstruieren.“
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 369)

·         Wenn nämlich jedem menschlichen Lebewesen ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein „Recht auf Leben“ zukomme, dann müsse (mit Ausnahme des Falles einer Gefährdung des mütterlichen Lebens) auch jeder Schwangerschaftsabbruch von diesem Zeitpunkt an als strikt verboten gelten
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 134)

·         unklar, warum dem Potenzialitätsargument zufolge nur das Potenzial des Verschmelzungsproduktes, nicht aber das Potenzial seiner Komponenten, also das Potenzial von Ei- und Samenzelle, moralischen Schutz verdient
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 139)

·         Die Griechen hatten zwei Ausdrücke für Leben: zoe, womit sie physisches oder biologisches Leben bezeichneten, und bios, womit sie gelebtes Leben meinten
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 158

·         Jürgen Ebach:
Bibel Exodus 21, 22+23: „Wenn Männer raufen und dabei eine Schwangere stoßen, sodass sie eine Fehlgeburt hat...“;
es handelt sich nicht um Tötung von Leben; es entsteht nur ein materieller Schaden;
nach jüdischer Glaubensauffassung hat ein Embryo vor dem 40. Tag noch kein Leben;
bei der Erfindung des Mikroskops war im Judentum zu klären, ob beim Trinken von Wasser nicht Millionen von (bisher nicht sichtbaren) unreinen Lebewesen verzehrt werden (Verstoß gegen die Speisevorschriften?); da aber der Grundsatz gilt, dass Gebote nicht gegen das Leben gerichtet sein können, die Aufnahme von Trinkwasser aber dem Leben dient, erfolgte die Festlegung in der HALACHA: Was man nicht mit dem bloßen Auge sehen kann, ist von geringer(er) Bedeutung...; nach diesem Kriterium wird auch der Umgang mit Embryonen und mit Stammzellen aus dem Geltungsbereich des Lebens ausgeschlossen;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Christian Link:
Gottebenbildlichkeit – das, was heute Menschenwürde meint;
wir sollen uns kein Bild von Gott machen, damit ist aber auch der Mensch nicht definierbar;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Wolfgang Huber:
Verunsicherung im Gespräch mit Juden (Wir haben überhaupt keine Probleme mit Embryonen, Stammzellforschung und all dem – solange es in irgendeiner Form dem Leben dient);
wenn die Nidation (Einnistung des Embryos in die Gebärmutter einer Frau) als entscheidende Zäsur für das Menschsein benannt wird – was wird aus dem Argument, wenn es eine künstliche Gebärmutter gibt?;
“Wir zwingen doch eine Frau nicht, dass sie bei Verbot der PID ein Kind mit einer schweren Erbkrankheit haben muss (da bleibt ihr doch die PND), aber an bestimmten Stellen müssen wir eben klar NEIN sagen“;
für Huber PID durchaus denkbar, wenn anschließend eine Therapie erfolgreich möglich ist
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Klaus Tanner:
Theologen haben keine Kompetenz zu sagen,: adulte Stammzellen sind besser geeignet;
sie können aber sagen: adulte Stammzellen sind weniger problematisch;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Walther Rothschild (jüdischer Rabbiner):
Ihr Christen geht unheimlich angstbesetzt mit dem Thema um!;
zum Beginn des Lebens, Embryonenforschung usw. gibt es in der Bibel keine eindeutigen Zitate;
im Judentum beginnt das Leben mit der Geburt (wenn der Kopf den Mutterleib verlassen hat, oder mit dem ersten Atemzug – wie das Leben nach jüdischem Verständnis mit dem letzten Atemzug endet; wenn in den ersten drei Tagen ein Kind stirbt, gilt es als nicht geboren);
bei Lebensgefahr für die Mutter beim Geburtsvorgang darf der Fetus zerschnitten werden;
Konzept: es gibt potenzielles Leben (ist noch nicht vollkommen) und volles Leben;
Status eines Fetus: Bibel Exodus 21, 22ff: wenn Männer eine Schwangere stoßen und das Kind abgeht, ist das eine zivilrechtliche Sache (Schadensersatz zahlen), keine strafbare Handlung;
Status des Embryo: nach dem TALMUD ist ein Embryo bis zum 40.Tag nur Wasser (hat keine Form; der Frau ist ihre Schwangerschaft auch noch nicht bewusst);
man darf bei der IVF übrig gebliebene Embryonen wegwerfen, man darf sie weiter verwenden, an ihnen forschen, aber man darf Embryonen nicht gezielt für solche Zwecke herstellen;
Stammzellen, das sind Einzelteile, kein gestalteter Mensch;
bis zur Geburt hat der Fetus weniger Rechte als die Mutter
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Sabiha El-Zayat (Muslimin, Gynäkologin):
Koran 32. Sure 7-9; 23. Sure, 12-16: Phasen, Stadien der Menschwerdung werden geschildert, es wird kein Zeitpunkt für den Lebensbeginn festgesetzt (erst Ton, dann Flüssigkeit, dann Embryo als Tropfen, dann Fötus mit Knochen und Fleisch...); Zuordnung von 3 x 40 Tagen zu den Stufen;
entstehendes Leben ist in die Verantwortung der Frau gegeben;
Entscheidungen werden im Judentum wie bei den Muslimen pragmatisch und kasuistisch getroffen (wenn ein Problem konkret auftritt, gibt es eine konkrete Entscheidung für die Lebenspraxis)
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Podium mit Wolfgang Schäuble, Andrea Fischer, Wolfgang Wodarg:
Wodarg:
in den USA können derzeit 40-60 verschiedene Erbkrankheiten gleichzeitig getestet werden mit PID;
bei der PND sterben an den Nebenwirkungen mehr (gesunde) Feten als gleichzeitig (erb-)kranke gefunden werden
Schäuble:
sehr skeptisch, was der Straf-Gesetzgeben sinnvoll regeln kann; keine Änderung des § 218 (so auch Fischer);
der Beginn des Lebens ist (auf Drängen der Kirchen) im Embryonenschutzgesetz mit der Kernverschmelzung definiert worden (einem naturwiss. Befund); „Wenn sich immer alle an die Regeln gehalten hätten, die die römisch-katholische Kirche vorgab, wüsste die römisch-katholische Kirche noch heute nichts von der Verschmelzung von Ei- und Samenzellen!“;
auf das Argument: Leben ohne Verbindung zur Mutter (Einnistung des Embryos in die Gebärmutter) ist kein richtiges menschliches Leben – wenn es eines Tages eine künstliche Gebärmutter gibt?; ABER: wollen / können wir bei solcherart entstandenen Homunkuli überhaupt von Menschen reden?;
Fischer:
Krankenkassen geben nur 300 Mill €/Jahr für Reproduktionsmedizin aus;
problematisches Argument der Gegner der Forschung mit embryonalen Stammzellen: Mit ES-Zellen geht das überhaupt nicht! – das heißt doch: wenn es dann doch Heilungsmöglichkeiten auf dieser Basis gibt, wäre ich dafür (?);
Diskussion:
Church of Scotland: Nur ein Embryo, der ein Mensch werden soll, ist auch ein Mensch (andere Bewertung bei anderer Zielstellung, z.B. Erzeugung eines Embryos für therapeutisches Klonen)
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen Herausforderung“)

·         Nobelpreisträger James Watson 1998 beim Symposium „Engineering the Human Germ Line“:
“Wenn wir bessere Menschen machen können, warum sollten wir nicht? Die Evolution kann verdammt grausam sein, und trotzdem heißt es, dass wir ein perfektes Genom besitzen, dass es irgendwie heilig ist. Das ist völliger Blödsinn! Ich möchte mal wissen, woher diese Idee eigentlich stammt.“
(Die Zeit 20.2.03 S.35)

·         James Watson:
Gentherapie? Wer Erbkrankheiten verhindern will, muss die Schwangerschaft abbrechen und nicht irgendwas mit der DNS anstellen...
Das eigentliche ethische Problem der Genforschung ist doch, dass wir unser Wissen nicht schnell genug anwenden, um so das Glück der Menschen zu mehren – und das alles nur, weil die Leute von Religion, von Got und von dem heiligen Leben reden.
(Spiegel 9/2003 S. 168ff)

·         Winnacker: hat mit Besorgnis registriert, dass „Biologismus pur zur neuen Religion geworden“ ist
(Spiegel 9/2003 S. 168)

·         Das geht auf die wesentliche theologische Diskussion zurück, wann das Leben beginnt. Obwohl es dazu im Judentum sehr verschiedene Meinungen gibt, dominiert doch die aus der Halacha kommende Ansicht, dass ein Embryo in den ersten 40 Tagen wie Wasser ist – mit anderen Worten: Er ist kein Mensch. Man kann ihn in diesen ersten 40 Tagen zerstören oder abtreiben. Das heißt nicht, dass es kein ethisches Dilemma gibt. Aber die Grenzen sind sehr viel flexibler als im christlichen Bereich, besonders in einem katholischen Kontext, wo das Leben mit der Befruchtung der Eizelle beginnt. Dieser grundsätzliche theologische Unterschied spiegelt sich in gesellschaftlichen Ansichten und der Politik wieder.
Und dann kommt noch ein talmudischer Lehrsatz hinzu: Alles, was man mit bloßem Auge nicht sehen kann, ist ethisch irrelevant. Dieser Satz setzt sich mit der Möglichkeit unkoscherer Mikrolebewesen im Wasser auseinander. Man muss es ja trinken, um zu leben. Also wird es als prinzipiell koscher definiert. Eine Mehrheit jüdischer Rabbinen ist heute der Meinung, im Problem der Wasser-Mikroben den Präzedenzfall zur Entscheidung der Stammzellenfrage gefunden zu haben. Verboten bleibt allerdings die Züchtung von Embryonen, um Stammzellen zu gewinnen, weil sie voraussetzt, dass man dem Mutterleib absichtlich menschliches Leben entnimmt, ohne es wieder zurückpflanzen zu wollen; das käme nach jüdischem Verständnis der von Gott bestraften Samenverschwendung des Onan gleich. Zu all dem muss man wissen, das jüdische Rechts- und Religionsverständnis geht von der Annahme aus, dass es für alle Probleme, die je noch auftauchen könnten, einen Präzedenzfall im Talmud oder in der Tora (den fünf Büchern Mose) gebe. Christen glauben umgekehrt, ein "heiliger Geist" teile ihnen von ihrem "kommenden Gott" her immer noch neue Erkenntnisse mit.
(Quelle: Internet)

·         Stammzellenforschung aus Sicht der jüdischen Medizinethik:
Der Erwerb und die Erweiterung von Wissen, welches der Menschheit zur Vermeidung und Heilung von Krankheiten dienen kann, werden von der jüdischen Religion erlaubt, wenn nicht sogar verlangt;
Bis zur Geburt wird der Embryo als Teil der Mutter und nicht als eigenständige Person angesehen, erlangt Personenstatus erst, wenn der größere Teil von ihm geboren ist;
besitzt der Präembryo (wie er nach künstlicher Befruchtung entsteht) vor der Implantation in den Uterus...einen Sonderstatus, da er sich einerseits außerhalb des Mutterleibes befindet und dort sowieso nicht lebensfähig ist und er sich andererseits auch eindeutig weniger als 40 Tage entwickelt hat, kann ein solcher Präembryo nicht weiter verwendet werden, so kann seine Zerstörung halachisch zulässig sein;
ein anerkannter Entscheidungsträger hat in Einzelfällen prädisponierter Familien PID zur Verhinderung genetischer Krankheiten und die anschließende Zerstörung von befruchteten Eizellen erlaubt;
das Bioethics Advisory Committee der Israel Academy of Science and Humanities (auch Rabbiner): auch das therapeutische Klonen kann in Betracht gezogen werden, da beim Kerntransfer kein Embryo im herkömmlichen Sinne entstehen würde
(Neue Züricher Zeitung 6.4.02)

·         CDU/CSU hat eigenen „wissenschaftlichen Beirat für Fragen der Bio-und Gentechnologie“ berufen
(GID 157 April/Mai 2003, S.37)

·         Rabbiner Rotschild:
(wie) können 2000 und 3000 Jahre alte Texte relevant werden für Fragestellungen, die 10 oder 20 Jahre alt sind?;
biblische Texte stammen aus einer dörflichen Umgebung, Krankenhäuser usw. gab es nicht;
Leben in der Bibel:
a) Ruach (Atem)
b) Nephesch (Lebenskraft, Tiere haben sie: bewegen, fliehen, paaren; Pflanzen vielleicht (nicht))
c) Neschama (Seele, unterscheidet den Menschen vom Tier, verbunden mit Person, Humor, Liebe);
daraus folgen drei Definitionen, wann Leben beginnt;
Ruach
à Geburt (vorher nur potenzielles Leben, im Zweifelsfall Leben der Mutter retten)
Nephesch
à Bewegung (des Kindes) beginnt viel früher (bis 40 Tage: Wasser; später: wie ein Fisch...);
Neschama
à kehrt mit der Ruach ein und aus;
Unterschied von Theorie (Lehre) und (Lebens-) Praxis:
“Ein Paar kommt zum Rabbiner und sagt ihm: wir haben ein Kind. Da sagt man: „Maseltow!“ (herzlichen Glückwunsch) und nicht: Es hat die Augen vom Postboten...“
Barbara Konrad (kath. Standpunkt):
es gibt im katholischen Verständnis
a) die Lehre
und es gibt
b) das sittliche Empfinden (des einzelnen; sein Gewissen kann im Konfliktfall anders entscheiden als die Lehre)
(ÖKT 2003, Zur Diskussion um Lebensanfang und Lebensende, TU Hauptgebäude, 30.5.03, 15 Uhr)

·         James Watson (26.9.2000 FAZ):
Eine zeitgemäße Ethik könne den Menschen nicht mehr länger als Geschöpf Gottes begreifen, sondern allein als Produkt des Genoms. Und die Genforschung biete so ungeheure Möglichkeiten, dass es einfach unverantwortlich wäre, das Schicksal der Menschheit länger der unsicheren Gnade Gottes anzuvertrauen, anstatt es in die eigene Hand zu nehmen.
(Der Sonntag 13.4.03)

·         Hertha Däubler-Gmelin:
erwähnt insbesondere zwei Felder, die künstliche Befruchtung und die Verfahrensweise bei einem Hirntod [als Voraussetzung zu einer Organentnahme], auf denen sich die Kirchen in Deutschland nach ihren Worten „unglaublich zurückgehalten“ hätten. Ein wenig lustig macht sie sich über die Bedenken von Theologen über das Gesetz ... zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei dem einige Wortführer „richtig Schaum vor dem Mund“ gehabt hätten
(Der Sonntag 15.6.03)

·         In China gräbt man ... nach konfuzianischen Handreichungen für die Bioethik und stellt fest, dass das Menschsein an die Geburt, den Eintritt in die Gemeinschaft gebunden ist.
(Die Zeit 22.5.03 S.36)

·         Ulrich Körtner:
... stereotype Zitation von Gen. 1,26, die kurzschlüssige Gleichsetzung der Gottebenbildlichkeit mit dem seinerseits klärungsbedürftigen Personbegriff und seine umstandslose Übertragung auf Blastozysten sind kaum das Ergebnis solider Exegese;
wissenschaftliche biblische Exegese weist darauf hin, dass der Gedanke der Gottebenbildlichkeit kein Allgemeingut biblischen Denkens ist, sondern sowohl im Alten Testament... als auch im Neuen Testament eine theologische Spitzenaussage ist, die... eine allenfalls marginale Rolle spielt...;
die von den Kirchen in Deutschland eingenommene Position, wonach mit der Kernverschmelzung von Ei- und Samenzelle bereits ein neues menschliches Individuum, ein Mensch bzw. eine menschliche Person existiert, lässt sich allein auf biblischer Grundlage gar nicht hinreichend begründen. Sie lässt sich aber auch naturwissenschaftlich bzw. embryologisch nicht zwingend begründen... ist eine legitime, jedoch keineswegs die einzig mögliche Position im Streit um den ... Staus.. von Embryonen;
wer freilich die Charakterisierung von Embryonen als „Zellhaufen“ kritisiert... sollte selbstkritisch einräumen, dass auch die in kirchlichen Stellungnahmen anzutreffende Sprachregelung ... „embryonale Menschen“... Sprachpolitik ist;
wer isolierten Zygoten (in vitro) in vollem Umfang Menschsein zuspricht, ohne z.B. den gesetzlichen Zwang zu ihrem Transfer zwecks Schwangerschaft oder ein Verbot von Nidationshemmern zu fordern, verwickelt sich in gravierende Widersprüche.;
(ÖKT 2003, Biomedizin am Lebensanfang, Universität der Künste, 31.5.03, 16 Uhr)

·         Wer von Menschen geboren ist... ist und bleibt in seinem leiblichen Leben bis zu dessen Tod Mensch und Person... Alles von Menschen gezeugte und geborene Leben hat bis zum Tode an dieser Personenwürde teil.
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000, S.173)

·         Ethik verschafft uns kein ruhiges Gewissen. Ethische Diskussion schafft Unruhe und stört, indem sie die Herrschaft des Faktischen unterbricht und uns zwingt, für unser Tun und Lassen Verantwortung zu übernehmen... Dies setzt voraus, dass wir uns ein Urteil selbst bilden inmitten aller Uneindeutigkeit und Ambivalenz.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.13)

·         Zu schnell tendieren nicht Betroffene dazu, den konkret Betroffenen das individuelle Selbstbestimmungsrecht zu beschränken, verlangen von ihnen das Einhalten prinzipieller Regeln und bürden ihnen enorme Belastungen auf, die sie bei sich selbst nicht zu tragen bereit wären. Eine fundamentalistische Moral kann sehr erbarmungslos sein.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S. 116)

·         Eine traditionelle christliche, auch von der katholischen Kirche bis ins 19., ja ins 20. Jahrhundert vertretene Antwort lautete, der Embryo werde erst am 80. oder 90. Tag von Gott mit einer Geistseele versehen und sei erst von diesem relativ späten Zeitpunkt an tatsächlich ein Mensch. Die Sicht, dass der Embryo von vorneherein, von der Befruchtung der Eizelle an, „als“ Mensch anzusehen und zu schützen ist, ist geistesgeschichtlich jüngeren Ursprungs und lässt sich beispielhaft auf das Preußische Allgemeine Landrecht von 1794 zurückführen. Diesem gemäß kommen „die allgemeinen Rechte der Menschheit... auch den ungeborenen Kindern schon von der Zeit ihrer Empfängnis“ an zu.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.251)

·         Hält der Staat bestimmte Verhaltensweisen für nicht schutzwürdig, dann trägt er die Begründungslast. D.h. er muss begründen, wieso ein bestimmtes Verhalten nicht zulässig sein soll... Die in der biopolitischen Debatte verbreitete Frage: „Darf die PID zugelassen werde?“ ist daher, grundrechtlich betrachtet, eine falsche Frage. Richtigerweise muss die Frage lauten: „Darf die PID verboten werden?“
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2003, S.266)

·         Embryonenschutz:
ist das eine Frage kultureller Unterschiede und damit zu akzeptieren und auszuhalten;
oder ist das eine Menschenrechtsfrage, und dann wie Sklaverei, Folter, Unterdrückung der Frau nicht zu akzeptieren???
(Nationaler Ethikrat, Jahrestagung 23.10.03 Berlin, Der Umgang mit vorgeburtlichem Leben in anderen Kulturen)

·         Gedeckt von eugenischen Gesetzen verstümmelten US-Ärzte bis in die 70er Jahre des 20.Jahrhunderts über 60000 Männer und Frauen durch Sterilisation...
erstes Gesetz zur Zwangssterilisation Indiana 1907; 32 weitere Bundesstaaten folgten; Modellgesetz für die Zwangssterilisation von „Geistesschwachen“ übersetzten Hitlers Rassenhygieniker ins Deutsche und verwendeten Teile daraus für ihr eigenes Eugenik-Gesetz
(Spiegel 5/04 S.132)

·         die Glaubenskrieger haben verloren, es lebe der Individualismus;
Lehre aus britischen Feldversuchen mit gentechnisch verändertem Mais, Raps und Rüben; zwei schädigen nachweislich (unter den lokalen Bedingungen) die Umwelt, einem (Mais) schrieben die Wissenschaftler ein vorsichtiges „unbedenklich“ ins Zeugnis; also: weder generell Teufelszeug noch garantiert harmlos; gestritten werden muss und darf um jeden Einzelfall; es kann unter drei Produkten das eine geben, das seinen Zweck korrekt erfüllt
(Die Zeit 23.10.03 S.27)

·         man wird genveränderte Saaten und Produkte nicht bis ins Letzte für unbedenklich erklären können. Für das Fortbestehen eines minimalen Restrisikos sind allerdings auch die Umweltschützer verantwortlich. Sie haben gerade Feldexperimente, die der Untersuchung von ökologischen Gefahren wie Auskreuzungs- und Verbreitungsrisiken dienten, immer wieder zerstört
(Die Zeit 15.4.04)

·         Platon, nach 387 v.Chr. in: Politeia: „es müssen die besten Männer den besten Weibern möglichst oft beiwohnen, und die schlechtesten Männer den schlechtesten Weibern möglichst selten, und die Kinder der einen muss man aufziehen, die der anderen aber nicht, wenn die Herde möglichst vorzüglich sein soll“;
ethisch und praktisch bedeutsam ist dabei nicht die Frage, wann das menschliche Leben beginnt – dass dies mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bei der Befruchtung geschieht, ist weithin unumstritten – sondern OB überhaupt und wenn ja, mit welcher BEGRÜNDUNG und zu welchem ZEITPUNKT der Schwangerschaft es getötet werden darf
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.131, 160)

·         das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Recht auf Leben gilt laut einem Urteilsspruch des Straßburger Gerichtshofes für Menschenrechte NICHT für Föten und Embryonen;
es müsse auf nationaler Ebene entschieden werden, wann das Recht auf Leben beginne, da es in dieser Frage keinen wissenschaftlichen oder juristischen Konsens gebe
(GID 165/2004 S.46)

·         Volksabstimmung in der Schweiz: 67% stimmten FÜR die Verwendung bis zu 7 Tage alter Embryonen in der pharmazeutischen Forschung; damit ein Gesetz aus dem Jahre 2003 bestätigt;
die Schweizer Kirchen hatten sich unterschiedlich positioniert
(taz 29.11.04; Der Sonntag 28.11.04)

·         Stammzellforschung (ES) Japan: buddhistische Religionsführer sorgen für ethischen Rückhalt; wir haben unsere Priester um ihre Meinung gefragt und sie antworten, wenn es den Menschen zugute komme, sei diese Forschung legitim

·         als ... dehnbar erweisen sich daoistische und konfuzianische Lehren. Aus dem Gegenwarts-Konfuzianismus, der sonst große Stücke auf die harmonische „Einheit von Mensch und Natur“ hält, kommt das Argument, der chinesische Mensch sei dem westlichen auf dem Gebiet der neuen Technologien sogar überlegen: Als freier „Mitschöpfer des Universums“ nämlich habe er nicht eine ihm vorgegebene göttliche Schöpfung zu achten und sich somit nicht mit westlichen Entwicklungshemmnissen herumzuschlagen
(NZZ 20.2.04)

·         Ev. Arbeitskreis der CDU/CSU: therapeutisches Klonen wie in Korea oder Großbritannien: entscheidende Grenzüberschreitung zur völligen Verzwecklichung und Instrumentalisierung des Menschen vollzogen, Europa steht jetzt ethisch am Scheidewege
(Evangelische Verantwortung September(?) 2004 S.12)

·         Bioethik: „Zufluchtsort Einfluss suchender Theologen“
(GID 166/2004 S.34)

·         70 Vertreter von Kirchen aus 22 europäischen Ländern;
betreffend PND und PID gab es keine Übereinstimmung über den Gebrauch dieser Techniken; Übereinstimmung: kein sozialer Druck, keine Diskriminierung bei Ablehnung, keine Selektion bei nicht-medizinischen Gründen (was ist medizinisch?); dem menschlichen Embryo kommt Respekt und ein gewisser Grad an Schutz zu (the human embryo is entitled to respect and to some degree of protection); große Meinungsunterschiede in bezug auf den moralischen Status des Embryo und Forschung an und therapeutische Nutzung von embryonalen Stammzellen; reproduktives Klonen generell abgelehnt; lebhafte Kontroverse zu überzähligen Embryonen;
(Konferenz Europäischer Kirchen, Konsultation Straßburg 27.-29.11.03 Menschliches Leben in unserer Hand? Kirchen und Bioethik, Ergebnispapier)

·         Buddhistische Autoritäten: reproduktives Klonen vertretbar, therapeutisches Klonen abzulehnen; reprod. Klonen auf Dauer global nicht zu bannen
(Dtsch. Ärzteblatt 1.4.05 S. A892)

·         US-Forscher: Deutschland sei Weltmarktführer in Bioethik. Die Vereinigten Staaten hingegen seien „Weltmarktführer in der Biotechnologie“.
(Der Spiegel 34/2005 S. 76)

·         S. 27ff, Prof. Hans Mohr: 1975 Asilomar-Konferenz über (Gefahren im Umgang mit) rekombinante® DNA; von den Wissenschaftlern selbst Richtlinien aufgestellt für gentechnologisches Arbeiten und die Entwicklung von sicheren Vektoren und Bakterienstämmen; dann in den wichtigen Forschungsnationen in Kraft gesetzt; Philosophen und Theologen waren an dem ethischen Unternehmen nicht beteiligt. Sie hatten seinerzeit das neue Zielgebiet noch gar nicht entdeckt.;
von den Medien und den Kirchen geschürte Phantomdebatte;
(Kongress: Die Zukunft des Menschen“, Stuttgart 8./9.7.2002, Dokumentation)

·         Papst Benedikt XIV.: Embryonen sind von Anfang an, also auch vor der Einnistung in die Gebärmutter, als unbedingt schützenswertes Leben zu betrachten; menschliches Leben beginnt im Moment der Empfängnis und muss von Anfang an respektiert und geschützt werden; Befruchtung im Reagenzglas wird grundsätzlich abgelehnt, weil nicht alle dabei entstehenden Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt werden
(GID 175 April/Mai 2006 S.55)

·         UNESCO „Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte“, kostenlos bestellbar beiDeutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstr. 16, 53115 Bonn

·         Philosoph Volker Gerhardt: „So ungeheuer die Herausforderung durch das Neue auch ist: schlimmer als die Vergangenheit war, kann die Zukunft kaum werden.“
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.1)

·         im Judentum und im Islam fehlen zentrale Autoritäten, die definieren könnten, welchen Standpunkt DAS Judentum usw. einnimmt;
im Islam wird das Verbot der Manipulation der Schöpfung sowie die „Reinhaltung“ der Abstammungslinien höher bewertet als der Embryo selbst (was aber nicht heißt, dass jede andere Verwendung erlaubt wäre);
mehrheitlich geht man im Islam wie im Judentum davon aus, dass der Embryo erst am 40. Tag beseelt wird;
der Embryo ist im jüdischen Talmud vor dem 40. Tag der Schwangerschaft „pures Wasser“; Embryo wird mehrheitlich bei den Rabbinern bis zum Zeitpunkt der Implantation (Einnistung in die Gebärmutter JK) als vogelfrei betrachtet, kann hergestellt, verworfen, der Forschung zugeführt werden;
auch danach wird er von vielen Rabbinern nicht als eigenständiges Wesen, sondern als Teil der Mutter betrachtet;
Anders als die medizinische Gentechnik findet die GRÜNE GENTECHNIK in den Weltreligionen bislang kaum Beachtung; keine grundsätzlichen schöpfungstheologischen Einwände; Kritik ist nichttheologischer Natur und richtet sich gegen Verunreinigung von Saatgut, Kennzeichnung, Haftungsregelungen usw
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.5)

·         Antrag im Bundestag: Bundestag soll das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom Juli 1932 ächten;
bis 1939 in Deutschland ungefähr 290.000 bis 300.000 Zwangssterilisationen, 1939 bis 1945 noch einmal etwa 60.000; etwa 5000 bis 6000 Frauen und 600 Männer an den Folgen des Eingriffs gestorben
(Das Parlament 18./27.12.06)

·         Wilfried Härle: Menschenwürde – zentrales Element des christlichen Menschenbildes;
guter Grundsatzartikel
(Evangelische Verantwortung 2/2006, http://www.eak-cducsu.de/contentsystem/upload/ev/10_2_2006-12_58_49-EAK-EV-02-2006.pdf )

·         Umfrage zur PID;
PID bislang in Deutschland verboten;
Enquete-Kommission des Bundestages lehnte PID mit 16 gegen 3 Stimmen entschieden ab;
Nationaler Ethikrat empfahl eine streng begrenzte Zulassung solcher tests;
befragte Bürger viel offener: zwei Drittel der Befragten würden PID zur Diagnose schwerwiegender chronischer Krankheiten zulassen
(ZEIT 26.10.06 S.54)

·         im Zusammenhang mit der Diskussion des Embryonenschutzgesetzes 1990 ...
damals formierte sich das uns heute in bioethischen Fragen geläufige Bündnis zwischen Konservativen und Grünen, während die (damals noch in der Minderheit operierenden) sozialdemokratischen und liberalen Modernisierungsagenten das Lob der Forschungsfreiheit sangen und für weitergehende Liberalisierung der Fortpflanzungstechniken eintraten ... Am Ende stellten sich die Grünen dann doch gegen den Regierungsentwurf ... der nachgeschobene grüne Entschließungsantrag, die gesamte Embryonenforschung und künstliche Befruchtung zu verbieten, scheiterte
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.10)

·         In einer ersten ursprünglichen Bedeutung bezeichnet nämlich das griechische Wort Ethos das, was man üblicherweise und immer tut.
(ZEIT 21.9.06 S.46)

·         ISLAM;
Vorschlag Irans bei den Verhandlungen der UNO über ein weltweites Verbot der Klontechnik im Herbst 2003, die Entscheidung zu vertagen, wobei man sich auf das Rechtsgutachten eines ägyptischen Mufti stützte, der sich permissiv (unter Einhaltung von Regeln zustimmend JK) zur Technik des therapeutischen Klonens geäußert hatte;
der sunnitische Islam kennt weder eine mit der päpstlichen Kurie vergleichbare Lehrautorität noch einen Klerus. Die religöse Autorität liegt in den Händen von Schriftgelehrten ... bei der rechtlichen Handhabe von Problemen, die nicht in Koran und Sunna geregelt werden, können diese Schulen, nicht nur untereinander, sondern auch innerhalb, voneinander abweichende Rechtsauffassungen vertreten
Umgang mit ungeborenem Leben:
Von den verschiedenen Stellen im Koran zur Entstehung menschlichen Lebens bildet Sure 23,12-14 bis in heutige Bioethikdebatten hinein den zentralen Bezugspunkt in der Auslegungsgeschichte des sunnitischen Islam: „Wir (Gott JK) haben doch den Menschen aus einer Portion Lehm geschaffen. Hierauf machten wir ihn zu einem Tropfen (a) in einem festen Behälter. Hierauf schufen wir den Tropfen zu einem Blutklumpen (b); diesen zu einem Fleischklumpen (c) und diesen zu Knochen. Und wir bekleideten die Knochen mit Fleisch. Hierauf ließen wir ihn als neues Geschöpf entstehen.“; Zur Bestimmung des genauen Zeitpunktes der Beseelung stützen sich die Theologen auf die Sunna des Propheten, wonach die drei Entwicklungsstufen (a-c) jeweils 40 Tage umfassen und im Verlauf der Rechtsauslegung die Lehre von der Beseelung am 120. Schwangerschaftstag dominierte;
die einzig mögliche Generalisierung besteht in der Aussage, dass ein Schwangerschaftsabbruch nach der Beseelung, spätestens also ab dem 4. Monat verboten ist.;
künstliche Befruchtung im ehelichen Kontext weitgehend zugelassen;
Das Hauptproblem besteht in potenziellen Unklarheiten bezüglich der genealogischen Einordnung des gezeugten Kindes. Die wesentliche Voraussetzung dafür ist das Bestehen eines rechtlich gesicherten Ehevertrages, denn der Schutz klarer Abstammungslinien gehört zu den fünf unumstößlichen Grundintentionen der Scharia. Die Verwendung von Fremdsperma zur Befruchtung einer Frau wird daher in verschiedenen Stellungnahmen analog zu dem als gravierend eingestuften Vergehen des Ehebruchs gesehen.;
in den meisten islamischen Ländern ist der Umgang mit „überzähligen“ Embryonen gesetzlich noch nicht geregelt;
Klonen:
Den Warnungen vor menschlicher Kompetenzüberschreitung und Widernatürlichkeit steht das Argument gegenüber, dass die Klontechnik nichts weiter als die Entdeckung einer bis dato unbekannten Fortpflanzungsform darstelle, die sich mithin im Rahmen göttlicher Vorsehung bewege. Zudem werde für das Klonen lediglich auf bereits existente Materialien zurückgegriffen, es könne daher nicht mehr als Schöpfungsakt geltend gemacht werden ...; ein weiteres Argument, das 1997 vorübergehend aufkam, wies auf die Geburt Jesu ohne biologischen Vater hin (Koran 19,20-22; 21,91), wonach ungeschlechtliche Fortpflanzung grundsätzlich möglich und die Vermischung des Genmaterials zweier Personen nicht die einzig legitime Art der Fortpflanzung sei. Dem wurde wiederum das Argument gegenüber gestellt, dass die vaterlose Erschaffung von Jesus als göttliches Wunder und daher keinesfalls als ein Präzedenzfall anzusehen sei.;
gab die Fiqh-Akademie der Organisation of Islamic Conference (OIC) 1997 bekannt, dass reproduktives Klonen zu verbieten sei, da es die verwandtschaftliche Beziehungen auflöse, wohingegen therapeutisches Klonen zu erlauben sei, da es der Menschheit potenziell nütze;
dem Embryo wird in einigen Rechtsgutachten bereits ab dem Zeitpunkt der Befruchtung Schutzwürdigkeit zuerkannt
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament; 26-27/2007 S.32ff.)

·         (50) (JUDENTUM)
Im Talmud wird der Embryo, der im Mutterleib heranwächst, bis zum 40. Tag nach der Befruchtung als „pures Wasser“ betrachtet. Denn nach jüdischer Auffassung wird er erst zu diesem Zeitpunkt (von Gott) beseelt;
Bis zum Zeitpunkt der Geburt sieht die Mehrheit der Rabbiner den Embryo/Fetus allerdings nicht als eigenständiges Wesen an sondern lediglich als „Teil der Mutter“, also einen Teil ihres Körpers ;
Nach dem Talmud erlangt der Embryo erst dann den vollen Status als Person und hat damit dieselben (Lebens-)Rechte wie die Mutter, sobald während des Geburtsvorgangs „der größere Teil (des Fetus) bereits geboren ist“;
als Sonderfall gilt ein bei der In-vitro-Fertilisation erzeugter Embryo. Denn er hat als solcher nicht den im Talmud beschriebenen Status, ein Teil der Mutter zu sein. Da er weder allein überlebensfähig ist und sich dazu noch deutlich weniger als 40 Tage seit seiner Befruchtung entwickelt hat, muss er gemäß verschiedener rabbinischer Autoritäten auch nicht geschützt werden
(Materialien für den Dienst in der Evangelischen Kirche von Westfalen, 1/2007; „Ethische Überlegungen zur Forschung mit menschlichen Embryonalen Stammzellen“)

·         Der Protestantismus hat mit der Verantwortungsethik, der idealtypisch die Gesinnungsethik gegenübergestellt wird und die die Verantwortbarkeit der Folgen von Handlungen und Entscheidungen intendiert, eine bedeutende ethische Theorie entwickelt, die weit über den protestantischen und christlichen Bereich hinaus Verbreitung findet. Die Wurzeln der Verantwortungsethik reichen zurück in die antike Vorstellung des Bürgers im Gemeinwesen. Das Christentum hat den Gedanken der Verantwortung vor Gott und dem Gewissen hinzugefügt; die Neuzeit gab der Idee vom verantwortlichen Regieren in den Verfassungen ein rechtliches Gefüge. Diese drei Traditionslinien ergänzen und korrigieren sich gegenseitig.
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament; 6/2007 S.35)

·         Judentum:
„Seid fruchtbar und mehret euch“ – dieser Satz steht in der Genesis – für orthodoxe jüdische Gläubige ist er die erste Mizwa: das höchste Gebot;
Israel hat die meisten Unfruchtbarkeitskliniken pro Einwohner und mit Abstand die höchste Rate an künstlichen Befruchtungen pro Million Einwohner im Jahr;
so erlaubt Israel die Leihmutterschaft (Zustimmung eines Komitees erforderlich;
Samenbanken stehen Singelfrauen und Lesben offen;
nach dem Tod darf einem Mann Sperma entnommen werden, damit seine Frau sich befruchten lassen kann;
PID ist Routineprozedur;
Israel hält den Weltrekord für Gentests vor und während der Schwangerschaft: 14 sind bei nichtorthodoxen Frauen üblich;
selbst kleinere Abweichungen von der Norm führen häufig zur Abtreibung (z.B. Kieferlippengaumenspalte, die im Ultraschall auffällt);
die ersten Retortenbabys wurden in der Presse bejubelt; in Deutschland verstieg sich der Augsburger (katholische) Bischof zu der Behauptung, die Manipulation an Ei- und Samenzelle sei „schlimmer als die Atombombe“;
“Zionismus und Eugenik waren Kinder derselben Zeitperiode“, sagt Raphael Falk, emeritierter Genetikprofessor ... Die Zionisten propagierten den gesunden und starken muscle jew, als Gegenbild zum unterdrückten Diasporajuden. „In der Praxis der Gentests lebt dieser Wunsch nach dem „besseren Menschen“ weiter“, sagt die Politologin Prainsack.;
Embryonen außerhalb des weiblichen Körpers sind nach jüdischem Verständnis keine menschlichen Wesen, sondern ein besonderer Stoff, mit dem es achtsam umzugehen gilt; Achtsamer Umgang kann auch bedeuten, die Embryonen für die Forschung zu verwerten

Islam:
medizinischen Neuerungen gegenüber zunächst grundsätzlich offen;
Mohammed: „Gott hat keine Krankheit ohne deren Medizin geschaffen“;
Technische Erfindungen werden daher lediglich als eine weitere Entdeckung von Gottes Willen angesehen.;
Behinderung als Abtreibungsgrund (Iran, Jordanien)? Akzeptiert, es muss sich aber um eine „schwere“ Behinderung handeln
(Zeit 6.9.07 S.17ff)

·         Leserbrief Pfarrer Pierel, Aue:
“Wir beerdigen auch Embryonen … Kinder von der 4. bis zur 12. Schwangerschaftswoche … schon seit rund zehn Jahren bieten wir diesen Dienst auf unserem Friedhof an … spricht nichts dagegen, sogar die bei der künstlichen Befruchtung angefallenen überzähligen und zur Zeit gefrorenen befruchteten Eizellen in unserer Kindergruft … zu beerdigen“
(Freie Presse Chemnitz 20.2.08)

·         Alexander S. Kekule, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie in Halle/Saale;
Embryo und Menschenwürde; Nicht Zellhaufen, sondern Menschen müssen geschützt werden;
besitzt die Blastozyste, eine mit bloßem Auge kaum sichtbare Kugel aus rund 180 Zellen, die sich vom 7. Tag an in die Gebärmutterwand einnisten würde, die volle Menschenwürde, mit allen Konsequenzen? Ist die Blastozyste ein Mensch?
Gedankenexperiment eines Philosophen: Es brennt in einem Labor, dort befinden sich 1 Kind und ein Reagenzglasständer mit hundert Blastozysten; jeder vernünftige Mensch würde natürlich zuerst dem Kind helfen; wir würden auch einen Bewusstlosen retten, obwohl er keine Schmerzen empfindet, oder einen Schwerkranken, der ohnehin bald sterben muss; die zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzte Spirale tötet den frühen Embryo bei der Einnistung in die Gebärmutter im Alter von 7 bis 14 Tagen; im Zusammenhang mit IVF werden weltweit hunderttausende „überzählige“ Embryonen vernichtet, die nicht in die Gebärmutter eingepflanzt werden konnten;
die Würde des Nächsten gründet nicht auf irgendeine kirchlich vorgegebene Doktrin, sondern auf die unmittelbare Erfahrung des anderen als Person, also als ein vernunftbegabtes Subjekt derselben Art; wir erkennen die Menschenwürde auch in Alzheimerpatienten im Spätstadium, in ungeborenen Kindern oder von Geburt an schwer Geschädigten, weil sie eine Person waren, sein werden oder bestimmungsgemäß sein sollten; Basis der Menschenwürde ist letztlich die Zugehörigkeit zur Familie der Menschen, die Schicksalsgemeinschaft der biologischen Art: Jeder von uns könnte auch der andere sein. Wir helfen dem Nächsten, weil er einer von uns ist;
Für eine Blastozyste im Labor empfindet der Mensch dagegen keine Empathie und keine Nächstenliebe, weil sie nicht dem Archetyp entspricht, den wir vom anderen als Spiegelbild des Selbst in uns tragen;
Die Zellen im Reagenzglas sind zwar menschliches Leben (human life) aber keine Person (human beeing). Wir sollten ihnen trotzdem eine Art von „Würde“ zubilligen – etwa so wie einem Menschen entnommenen Organen, wie Leichen oder auch höheren Tieren. Die einzigartige und unantastbare Menschenwürde besitzen Blastozysten jedoch nicht.
(ZEIT 31.1.08 S.10)

·         Drogen, Umweltverschmutzung, Genmanipulation sowie soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit werden vom Vatikan als neue Sünden betrachtet
(taz 11.3.08)

·         Erbsenwürde;
seit 1992 steht in der schweizerischen Bundesverfassung der Begriff von der „Würde der Kreatur“, die zu achten sei. Gemeint ist damit auch die Flora ; kein anderer Staat hat eine solche Norm im Grundgesetz;
zehn Jahre brauchte die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im außerhumanen Bereich (EKAH) für ihren Bericht, der die Tragweite des Verfassungsartikels klären sollte. Der ethische Befund lautet: Pflanzen haben Würde, ihre grundlose Schädigung ist moralisch unzulässig.;
Das bedeutet, der Schweizer Bauer darf weiter Futter mähen, aber Pflanzen nicht willkürlich in Grund und Boden treten;
für Gentechnik bedeutet das: die zentrale Fähigkeit zur Fortpflanzung muss gewahrt bleiben; aber kernlose (sterilisierte) Tomaten, Trauben, Orangen weiterhin zulässig – weil die Beeinträchtigung begründbar sei;
(ZEIT 30.4.08 S.43)

·         Beitrag Jens Reich:
Genomik und Epigenomik schaffen die informatorischen Voraussetzungen, Genkonstruktion und Stammzellzüchtung die Werkzeuge, um unsere Konstitution (die des Menschen JK) zu verändern …
Auch ich habe diesen Widerwillen gegen das Künstliche … kommen mir aber Zweifel, ob man, technische Machbarkeit in einigen Jahrzehnten als gegeben voraussetzend, ein „vernünftiges Enhancement“ des menschlichen Körpers überzeugend begründet ablehnen kann.
(ZEIT 19.3.08 S.38)

·         Die „Rheinauer Thesen“ wurden im September 2008 in der Schweiz verabschiedet
Rechte der Pflanzen; z.B.
Recht auf Fortpflanzung (d.h. z.B. keine Terminator-Technologie); Recht auf Eigenständigkeit; Recht auf Evolution; Recht auf Überleben der eigenen Art; Recht, nicht patentiert zu werden
(GID 190 Oktober 2008 S.21 --- siehe auch www.blauen-institut.ch )

·         Medizinethiker Taupitz:
(Zulassung der Keimbahn-Gentherapie zu Heilzwecken) „ob nicht gerade die wissentliche Weitergabe von einer Erbkrankheit an die Nachkommen gegen deren Menschenwürde verstößt, wenn es Möglichkeiten gibt, ein Leben frei von schwerem Leid zu ermöglichen“;
“Dammbruchargumente verkennen das Differenzierungsvermögen einer Gesellschaft“; dass der Gesetzgeber mit der Abtreibung die Tötung ungeborenen Lebens in bestimmten Fällen nicht unter Strafe stelle,  führe nicht dazu, dass die Tötung von Menschen akzeptiert werde. Den Versuch, „ein für allemal festzuschreiben, was erlaubt ist, läuft auf Moralimperialismus hinaus“.
Letztlich müsse der Gesetzgeber Antworten finden. Dieser solle aber „in dubio pro libertate“ entscheiden, im Zweifel für die Freiheit, die Freiheit der Forschung
(Das Parlament 26.4.2010 S.9)

·         Das Buch von
Karl Binding und Alfred Hoche: „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens – ihr Maß und ihre Form“
erschien 1922 im Felix-Meiner-Verlag in Leipzig in der 2. Auflage;
In einer Rezension in der Zeitschrift der Zentralstelle für Volkswohlfahrt heißt es: „Hoffentlich finden die von hohem sittlichen Geiste und Verantwortungsgefühl getragenen Anregungen der beiden Gelehrten allenthalben Beachtung und führen zur befreienden Tat.“

·          

 

 

 

 

P) Patentierung

·         umstrittenes Embryonen-Patent von Uni Edinburgh zurückgezogen, umfaßt nicht mehr die mögliche Manipulation von menschlichen Embryonen
(taz 5.5.00)

·         Justizministerin Däubler-Gmelin zur Kritik an Bio-Patenten: Bedenkliche Praxis
Spiegel 38/2000 S.78f.

·         Evangelischer Entwicklungsdienst hat sich gegen einen unverantwortlichen Einsatz der Gentechnik in armen Ländern gewandt; Kritik: WTO verpflichtet Mitgliedsländer, auf Saatgut Patente zu erteilen; arme Bauern könnten dadurch in Abhängigkeit und Not geraten
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.19

·         1980 USA Gericht erteilt das erste Patent auf einen gentechnisch veränderten Organismus, ein erdölfressendes Bakterium
(bdw 4/2003 S.28)

·         Der US-Chemiekonzern Monsanto hat ein europäisches Patent auf Melonen aus konventioneller Züchtung erhalten. Die Kammer, das höchste interne Gericht des Europäischen Patentamtes, hatte im Dezember 2010 entschieden, dass herkömmliche Züchtungsmethoden NICHT patentierbar sind, aber sehr wohl die Pflanzen und Tiere, die aus diesen Verfahren entstehen.
(taz 19.5.2011 S.08)

 

 

 

 

 

Q) Klonen

·         Klonierung:

- "Prozeß der asexuellen Vermehrung zur Herstellung identischer Nachkommen in beliebiger Anzahl"
("Das Leben ist eine Gabe Gottes", Kassel 1990, S.119)

- a) In-vitro-Neukombination von DNA und deren Vermehrung in Wirtszellen
b) Erzeugung genetisch identischer Zellen (Mehrlinge) durch Zellteilung oder Kerntransplantation
("Gentechnik", Bayer. Staatsminist. f. Landesentwickl. und Umweltfragen, 1994, S.158

- Vervielfachung von DNA-Fragmenten (Kleine Enzyklopädie Leben, Leipzig 1981, S.22)
- Zellkulturen tierischer oder pflanzlicher Zellen: bei Anwendung bestimmter Klonierungstechniken können sich geeignete Zellen in entsprechenden Nährmedien und Kulturgefäßen zu makroskopisch sichtbaren Kolonien aus­wachsen, die jeweils eine einheitliche Nachkommenschaft, einen Klon, darstellen (Kleine Enzyklopädie Leben, Leipzig 1981, S.366)

- experimentelle Erzeugung genetisch identischer Individuen
(Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, S.228)

- "Die Klonierung von Menschen - Horrorvision der Zukunft?" (Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, Kapitel­überschrift S.213f);
wie das Ergebnis aussehen wird, hat uns die Natur bereits vorge­macht: Identisch aussehende Zwillinge aus einer einzigen Eizelle hervorgegangen;

- griechisches Wort "klon" bedeutet Schößling oder Zweig; Klonen ist Fortpflanzung ohne Befruchtung (asexuelle Reproduktion, Parthenogenese; Parthenogenetische Fort­pflanzung ist in der Natur bei Pflanzen und niederen Tieren weit verbreitet (Drohnen bei Bienen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern, durchtrenn­ter Regenwurm regeneriert sich zu zwei neuen); gelungen: Krallenfrosch 1952 (Darmwandzelle), Mäuse 1979 (64-Zellen-Stadium); Denk-Schema Rinder
(Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, S.152f.)

- Klon: Bakterien- oder Zellkolonie, die sich durch Teilung aus einer einzigen Zelle bildet. Alle Zellen dieser Kolonie besitzen eine identische genetische Ausstattung
("Gentechnik", Bayer. Staatsminist. f. Landesentwickl. und Umweltfragen, 1994, S.158)

- Klon: Kolonie genetisch einheitlicher Zellen, die sich von einer einzigen Zelle herleiten (bei Bakterien und Hefen); bei höheren Lebewesen: genetisch identische Nachkommen ("Gute Argumente Gen­technologie?", München 1990, S.119)

- viele Pflanzen können sich auf vegetativem Wege, d.h. von ein­zelnen sog. somatischen oder Gewebszellen aus (Knospen, Ableger), zu neuen Individuen netwickeln... identischer Geno­typ... solche Individuen werden auch als Klone bezeichnet; Wort wird hier anders verwendet als in der Gentechnologie (Zellen oder Organismen, die einheit­liche Population von rekombinierten DNA-Molekülen aufweisen);
als Verfahren auch: Kerntransplantation
(Enquete-Komm. "Chancen und Risiken der Gentechnologie", Bonn 1987, S. 9f.)

- Bild der Wiss. 6/97 S.64:
Pflanzen können Klone, genetisch identische Kopien ihrer selbst erzeugen (Erdbeerausläufer, Wurzeltriebe, Kartof­felknollen, Weinpflanzen aus Stecklingen);
auch bei Einzellern ist Klonen Standard;
Knospung bei Hohltieren und Bandwürmern, Schwämme, Manteltiere oder Moostiere klonen sich;
Ausnahme bei höheren Tieren: Parthenogenese (Jungfernzeugung) Nachkommen aus Eizellen ohne Befruch­tung mit Samenzellen (Wasserflöhe, Würmer, viele Insek­ten, unbefruchtete Trut­hahneier); bei Säugetieren bisher nicht nachgewiesen;
echte Klone gelegentlich auch nach sexueller Vermehrung: befruchtete Zelle teilt sich in erbgleiche Embryonen (eineiige Zwillinge); 1981 erste geklonte Rinder­embryonen, 1993 Jerry Hall 17 menschliche Embryonen durch Embryonenteilung

- Jens Reich: in Bild der Wissenschaft 11/97 S. 65: "Krebstod...ein Mensch soll nicht sterben müssen, weil ein enthemmter Zellklon nach einem genetischen Unfall plötzlich macht, was er will."

- Klon: Gruppe genetisch identischer Nachkommen einer Zelle, einer Pflanze oder eines Tieres (? für AGU AG Gent.)

- Klonierung von Säugetieren durch Zellkerntransfer:
undifferenzierte Emryonalzellen, je nach Art 3.-9. Tag: Schaf 1986, Rind 1987, Kaninchen 1990; Klonmäuse von 1979 noch immer umstritten (Spiegel 32/97 S.144);
Affen 1997 (FP 3.3.97)

- Ziele der Klonierung bei Säugetieren:
* gene-pharming (Produktion in Milchdrüsen: Eiweißstoffe als Medi­kamente: z.B. Alpha-1-Antitrypsin gegen Mukovis­zidose; Bestand­teile des Blutplasmas)
* Xenotransplantation (transgene Schweine; kopflose Frösche 10/97; hirntote "Eigenklone" als Reserve...))
* Leistungssteigerung
* Tierversuche (identische Lebewesen besserer Vergleich)
* Erhaltung von Arten (vom Aussterben bedrohte)

·         Q: Ludger Weß (Hrsg.) Schöpfung nach Maß: perfekt oder pervers?, Oberursel 1995
- Vervielfältigung (Klonen) und Identität
Jerry Hall (USA): aus 17 Embryonen im 2-8-Zell-Stadium 48 Mehrlinge erzeugt, die sich in Nährlösung bis zu 3x weiter teilten; nicht-entwicklungsfähige Abfall-Embryonen verwendet (starben nach 6 Tagen ab)
Hall: wollte lediglich ethische Debatte herbeiführen und Verbesserung der Erfolgsrate bei IVF erreichen

·         Q: Ethik und Gentechnologie, Gesellschaft Gesundheit und Forschung, Frankfurt/Main 1988
- Hans Jonas S.19: Zitat FAUST: "Doch wollen wir des Zufalls künftig lachen"
- Weg zum Homunkulus:
a) rekombinante DNA an Keimzellen (Gefahr: den Pfad konservativer genetischer Reparatur verlassen und den Pfad schöpferischer Arroganz beschreiten)
b) Vervielfältigung von Musterindividuen (Dichter, Denker, Forscher, Führer, Spitzensportler, Schönheitssieger, Heilige und Helden - Mozart und Einstein, Hitler und Lenin, Mutter Theresa und Albert Schweitzer) durch Klonierung von Körperzellen; das Verbrechen, das an den Klon-Sprößlingen selbst begangen wird

·         taz 7.7.98
aus Eileiterzellen einer ausgewachsenen Kuh zwei weibliche Kälber

·         Spektrum der Wissenschaft 7/98 S.8:
Dolly: Fusion einer vollständigen Euterzelle (nicht nur des Kerns) mit der Eizelle

·         FP 15.7.98:
Seed: Klonen ist künstliche Form der Unsterblichkeit, verlorenen Menschen ersetzen, unfruchtbaren Paaren helfen,

·         epd Wochenpiegel 30/98, S.14:
Seed: Klonen zuerst geeignet für unfruchtbare Paare und Frauen nach der Menopause

·         Dtsch. Ärzteblatt 50/97 S.A-3403:
Beschreibung Wilmut zu DOLLY-Erfolg; und möglichen Anwendungen; als erste Hürde mußte der Kerntransfer gelingen. Dabei wird in den perivitellinen Raum einer entkernten, unbefruchteten Eizelle ein Donorzellkern mit dem neuen Genom eingebracht, beide werden durch einen „Stromstoß“ fusioniert

·         SPIEGEL 29/98 S.142: 
Klone: ein identischer Zwilling kommt zeitversetzt zur Welt

·         taz 24.8.98:
Kalb in Japan aus Hautzelle eines erwachsenen Rindes geklont, 3 Tage nach Geburt gestorben

·         taz 24.7.98:
22 Mäuse als Klone einer erwachsenen Maus geboren

·         SPIEGEL 31/98 S.176:
50 Mäuseklone in Honululu, z.T. Klone von Klonen von Klonen; Erbgut aus Zellen in der Nähe der Eierstöcke, Einsetzen in entkernte Eizelle, Chemikalien regen Zellteilung an

·         taz 13./14.6.98:
DOLLY: In Einleitung und Schluß seiner NATURE-Publikation schrieb Wilmut von Zellkerntransfer, im technischen Teil beschrieb er eine Zell-Fusion (Zelle mit Kern mit Zelle ohne Kern verschmolzen)

·         GID 128 8/98 S.8
Nature: Nachprüfung: DOLLY war kein Laborfehler
japan. Universität: 2 Kälber nach der Dolly-Methode  aus Eierstockzellen einer frisch geschlachteten Kuh

·         Inst. Technik-Theologie-Naturwissenschaften hält therapeutisches Klonen für ethisch vertretbar, nicht aber reproduktives Klonen
(GID 138 /2000 S.27)

·         britische Regierung plant Gesetz, Klonen menschlicher Embryonen im Frühstadium zu erlauben, „der wichtige Nutzen, der sich aus dieser Forschung ergeben kann, überwiegt alle anderen Erwägungen; zunächst nur für wiss. Zwecke, möglicherweise später auch für Entwicklung menschlicher Organe für Transplantation
(taz 31.7.00)

·         schon Januar 2000 Patent in Großbritannien für Klonverfahren a la Dolly ausdrücklich auch für menschliche Embryonen bis 140 Zellen; z.B. gedacht: Parkinson-Therapie: aus gesunder Körperzelle Embryo-Stammzell-Kultur, dann Züchtung von Hirnzellen, die Dopamin produzieren
(bdw 5/2000 S.104)

·         mehrere hundert gentechnisch manipulierte Schafe in Neuseeland, schottische Firma PPL Therapeutics, mit menschlichem Gen ausgestattet, sollen zur Entwicklung einer Therapie gegen Mukoviszidose eingesetzt werden, die DNS wurde bereits Mitte der 80er Jahre aus der Blutprobe einer dänischen Frau gewonnen
(taz10.7.2000)

·         drei geklonte Schafe bei PPL Therapeutics in Edinburgh 1 Jahr alt;
nach Dolly-Methode geklont; ein fremdes Gen gezielt an einer bestimmten Stelle in die DNS eingefügt;;
das gezielte Verfahren ist effektiver - zeigt sich an der Milch (im Vergleich zu POLLY, die Gen für menschlichen Blutgerinnungsfaktor erhalten hatte, dort ungezielter zufälliger Einbau);
im März erfolgreich geklonte Ferkel vorgestellt (Möglichkeit für Xenotransplantation, jetzt auch mit Möglichkeit, Antigene abzuschalten)
(e-mail kordecki 10.7.2000)

·         erstmals Kalb von geklonter Kuh geboren (damit Fruchtbarkeit belegt)
(FP 11.7.00)

·         China Ziege geklont, andere Technik als Dolly: Ohrzellen, Kern isoliert und in entkernte Eizelle eingepflanzt;
wollen demnächst vom Aussterben bedrohte Tiere wie Pandas oder Süßwasserdelphine klonen
(taz 24/25.6.00)

·         Australische Wissenschaftler wollen 134 Jahre nach seinem Aussterben das Erbgut des tasmanischen Tigers klonen
(Spiegel 19/2000 S.277)

·         Klon-Kälber USA/Kanada:
haben anfangs typische Zeichen von fortgeschrittenem Alter (kurze Telomere);
nach zwei Monaten kehrt sich der Prozeß um, und 5-10 Monate nach der Geburt längere Telomere als normale Kälber gleichen Alters;
Überkompensation der Defekte am Anfang???:
Körperzellen der Tiere teilen sich im Durchschnitt 93 mal (normal: 61 mal);
(GID 140/2000 S.31)

·         Versuch zum Klonen von Menschen gelungen;  Südkorea; Embryo erzeugt, der sich teilte, Versuch abgebrochen
(FP 17.12.98)
2005: FÄLSCHUNG!!!

·         Klone bei Mäusen altern normal: keine verkürzten Telomere festgestellt; allerdings ging die Erfolgsrate beim Klonen in jeder Generation zurück - nach 5 bzw. 6 Generationen kein überlebendes Exemplar
GID 142 10-11/2000 S.27

·         Hält Klonen jung?
Bisher galt: Geklontes stirbt allenfalls früher, nicht später. Gleichsam als Mitgift tragen Klone, gewonnen aus erwachsenen Tieren, immer auch das Alter des Spenders in sich. Gradmesser für die Jugendlichkeit waren die so genannten Telomere, molekulare Kappen, die auf den Enden der Chromosomen sitzen und sie vor zerstörerischen Angriffen schützen. Bei jeder Zellteilung werden die Schutzkappen kürzer, bis sie schließlich so kurz sind, daß die Zellen altern und sterben. Dollys Telomere waren 19 Einheiten lang, 24 wären normal gewesen.
Forscher in Worchester USA ließen Kuhzellen sich so häufig teilen, bis sie kurz vor dem Exitus standen, danach nach Dolly-Methode 6 Klone hergestellt - die Telomere der sieben bis 12 Monate alten Kälber waren nicht kürzer, sondern sogar länger als bei Kontrolltieren (63 statt 51 Einheiten lang);
Zellen teilten sich auch bis zu 50% häufiger;
„Die Daten lassen den Schluß zu, daß durch Klonen die Lebensspanne von Körperzellen wieder voll hergestellt - sogar verlängert werden kann.“
„Die Eizelle ist offensichtlich die verjüngende Umgebung, die das Baby jung macht.“
ein Erwachsener könnte dann durch geklonte körpereigene Zellen 70 Jahre jüngeres Gewebe erhalten...
Die Zeit 4.5.2000 S.44

·         Universität Wisconsin USA: nahmen entkernte Eizellen von Kühen und füllten sie mit dem Erbgut von Schafen, Ratten, Schweinen und sogar Rhesusaffen, damit sei es gelungen, bei Leihkühen eine Schwangerschaft einzuleiten; bisher nur Fehlgeburten;
Kuheier lassen sich aus Schlachthöfen billig in großer Zahl beschaffen
taz 21.1.98

·         Patent für Mensch-Tier-Mischwesen beantragt;
australische Biotech-Firma Stem Cell Sciences; Patentantrag vor zwei Jahren bei der Weltpatentorganisation der UNO in Genf eingereicht;
konkrete Experimente vorgestellt, bei denen Mischwesen aus Mensch und Tier hergestellt wurden; in Anlehnung an die DOLLY-Methode menschliche Zellkerne in zuvor entleerte Eizellhüllen übertragen; neu: nicht artgleiche Eihüllen verwendet, sondern Eihüllen von Schweinen, da in den entkernten Eihüllen noch Zellbestandteile zurückbleiben, unter anderem die Mitochondrien, die eine eigene DNA besitzen, entsteht ein genetisches Zwitterwesen;
in Deutschland sind Versuche zur Herstellung von genetischen Mischwesen nach dem Embryonenschutzgesetz verboten
taz 6.10.2000

·         Zellkerne von menschlichen Föten in Eizellen von Schweinen implantiert; die Forscher hätten die so entstandenen Wesen eine Woche lang wachsen lassen (bis zur Größe von 32 Zellen)
Freie Presse Chemnitz 6.10.2000

·         Firmen haben Patent zurückgezogen
taz 11.10.2000

·         Wäre therapeutisches Klonen statthaft, wenn man dazu keine menschliche Eizelle entkernen müßte, sondern beispielsweise, die einer Kuh?
Die Zeit 25.5.2000 S.18

·         Klonen für Transplantation:
Züchtung komplexer Organstrukturen, wie Niere oder Herz, nur auf sehr lange Sicht gelingen könnte, eher sei ein Fortschritt in der Entwicklung von Zellen, die Schäden in bereits existierenden Organen reparieren können, zu erwarten;
Risiken: Tumorentwicklung nach Übertragung der embryonalen Zellen? Eizelle mit Mitochondrien - eigene Erbsubstanz, Abstoßungsprobleme?
Zusammenfassung der Empfehlungen der britischen Expertengruppe zur Embryonenforschung S.30
GID 142 10-11/2000 S.29ff.

·         Das Klonverbot lt. Protokoll des Europarates tritt nach Unterschrift durch 5 Staaten am 1.3.2001 in Kraft
das Protokoll verbietet das reproduktive Klonen von Menschen: untersagt „jede Intervention, die auf das Schaffen eines menschlichen Wesens abzielt, das identisch mit einem anderen, lebenden oder toten menschlichen Wesen ist“. Das Klonen von Körpergewebe oder Organen ist jedoch nicht untersagt.
taz 24.11.2000

·         Vierbeinige Fabriken:
transgene Ziegen produzieren in ihrer Milch das Protein Anti-Thrombin III (ATIII): für Operationen am offenen Herzen, um tödliche Blutgerinnsel zu vermeiden (bisher aus Spenderblut – knappe Ressource);
PPL Therapeutics Schottland melkt einen Wirkstoff gegen Zystische Fibrose;
Holland arbeitet daran, Blutgerinnungs-Faktor VIII aus der Milch transgener Kühe zu gewinnen;
transgenes Schwein scheidet Fremdproteine über Ejakulat aus;
bereits eine Kuh oder ein Schaf könnten Medikamente für mehrere Mill. Dollar im Jahr produzieren;
Risiken: Tierprodukte könnten tierische Erreger enthalten (z.B. Prionen), Allergien auslösen
Ian Wilmut zur Technik der Herstellung von Tieren, die sowohl transgen als kloniert sind (POLLY 1997): bisher musste man die Gene in viele befruchtete Eizellen einzeln injizieren, selten gewünschtes Ergebnis, es ist viel einfacher, Gene in Zellen einzuführen, die in einer Zellkultur leben, man kann dann auch leicht feststellen, wo die genetische Veränderung funktioniert, 1. gentechnische Veränderung an Zellkultur-Zellen, 2. dann Zellkern von gelungenen transgenen Exemplaren in Eizelle überführen (Klonierung), noch 1 Woche Kultur als Embryo, Kontrolle, dass es wirklich geklappt hat, dann 3. Einsetzen in Leihmutterschaf; in Zukunft Veränderungen direkt in Euterdrüsenzellen vornehmen (daran direkt zu erkennen, ob die Wirkstoffe tatsächlich in die Milch gehen)
bild der wissenschaft 12/2000 S.24ff.

·         Jens Reich:
für Dolly wurden 273 Föten verbraucht, ehe ein gesundes Lämmchen entstand; wenn jemand Menschen klonen wollte, wäre, was sicher gelänge, „viele, viele schwerst geschädigte Kinder“
(taz 22.12.00)

·         nach Ansicht von Bundeskanzler Schröder sollte das Verbot der Verwendung embryonaler Stammzellen so lange nicht gelockert werden, bis mögliche Alternativen ausführlich erprobt worden sind;
Schröder plädierte für eine Überprüfung des deutschen Embryonenschutzgesetzes, angesichts der rasanten gentechnischen und medizinischen Entwicklung dürfe es keine ideologischen Scheuklappen und grundsätzlichen Verbote geben;
es müsse zudem diskutiert werden, ob es Gründe für die Zulassung der in vielen EU-Ländern bereits praktizierten Präimplantationsdiagnostik in Deutschland gibt
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.9)

·         Schröder:
Nur wer die Welt erforscht, kann sie gestalten.
Dialog suchen – vorbehaltlos und ergebnisoffen
(taz 21.12.00)

·         Schröder lehnt das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken ab
(FP 22.12.00)

·         Schröder:
keine Restriktionen erlassen, die spätere Chancen verbauen
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)

·         Bischof Karl Lehmann:
auch ein guter Zweck wie die Heilung von Krankheiten könne nicht das Töten von Embryonen rechtfertigen
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.3)

·         britische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium: Die Vorstellung, Babys zu klonen, ist völlig unannehmbar; wenn die Embryonenforschung aber für die Verhütung akzeptabel ist, dann muss das auch für schwere Krankheiten gelten; dazu zählen Krebs, Herzkrankheiten, Alzheimer, Parkinson
(taz 21.12.00 S.1)

·         Nach dem Gesetz zur künstlichen Befruchtung von 1990 war es in Großbritannien erlaubt, mit bis zu 14 Tage alten Embryonen zu forschen, aber nur zum Zwecke der Verbesserung der künstlichen Befruchtung
(taz 21.12.00)

·         Präsident der Bundesärztekammer Hoppe hat das therapeutische Klonen von Embryonen scharf verurteilt; „Verbrauch ganz junger Menschen“, furchtbarer Sieg des Kommerz über ethische Grundsätze(FP 21.12.00)

·         therapeutisches Klonen: Hoffnung für den querschnittsgelähmten US-Schauspieler Christopher Reeve („Superman“) oder den an Parkinson erkrankten Boxer Muhammad Ali;
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)

·         Regine Kollek (Vorsitzende Ethik-Beirat des BGM):
Embryo und Menschenwürde? Ich würde nicht so weit gehen, ihm die volle Menschenwürde zuzuschreiben; Potenzial, ein Mitglied der menschlichen Gemeinschaft werden zu können;
“therapeutisches Klonen“? Begriff ist falsch und irreführend: Zum einen wird der Embryo dabei vernichtet. Zum anderen weiß kein Mensch, ob das Verfahren jemals therapeutische Wirkung haben wird.
Ist das, was beim Verschmelzen einer Eizelle mit einer Körperzelle eines Patienten entsteht, überhaupt mit einem natürlich gezeugten Embryo vergleichbar? berechtigte Frage; nachdem dieses Klonprodukt angefangen hat, sich zu teilen, muss man wohl davon ausgehen, dass daraus im Zweifelsfall ein ganzer Mensch entstehen könnte;
(Spiegel:) die gesamte ethische Kontroverse entzündet sich an diesem vermeintlichen Potenzial.  Bislang hat aber noch niemand einen derartigen Zellhaufen in eine Gebärmutter zurückverpflanzt
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)

·         italienischer Reproduktionsmediziner Severino Antinori: „Wir werden mit einem internationalen Wissenschaftlerteam noch in diesem Jahr beginnen, einen Menschen zu klonen.“;
Kollegen aus Europa, Japan, Amerika dabei;
10 kinderlose Paare ausgewählt; geklont werden nur die Männer;
Erfolgsquote derzeit bei 700 : 1 (Tierversuche); wir brauchen Eizellen von 200 Frauen;
“Die Bibel hilft immer im Leben.“
(Der Spiegel 6/2001 S.204ff)

·         Feichtinger, Fortpflanzungsmediziner aus Österreich: „Die Deutschen tun gerade so, als gehe es darum, eine Atombombe zu zünden. Dabei soll beim Klonen kein Leben vernichtet, sondern welches geschaffen werden.“
Schema für praktische Durchführung des reproduktiven Klonens: 1 Mensch als „Kopiervorlage“, 40 Spenderinnen lassen sich 400 Eizellen entnehmen, daraus entwickeln sich höchstens 50 Embryonen, 50 Leihmütter bekommen die Embryonen eingesetzt, etwa 10 von ihnen werden schwanger, 1 Klon kommt (gesund) zu Welt;
Interesse: sterile Paare hoffen auf Nachwuchs, verwaiste Eltern wollen tote Kinder klonen, Schwule und Lesben träumen von ungeschlechtlicher Fortpflanzung;
Beobachtungen an geklonten Tieren: einerseits gewisse Wesensverwandtschaften (z.B. Fressverhalten), andererseits: Kühe schwarze Flecken an unterschiedliche Stellen;
Erfolgsbilanz: Rinder 2%, Schafe und Schweine 0,4 bis 1,2%, Maus <1% der manipulierten Eizellen;
Problem möglicherweise: in erwachsenen Körperzellen sind viele Gene aktiv, die alle in Ruhezustand versetzt werden müssen;
Chimären:
Australien: Kerne aus fötalen Menschenzellen in entkernte Eizellen von Schweinen; bis zum 32-Zell-Stadium weiter entwickelt, dann weggeworfen,
USA: Zellkern aus einer menschlichen Mundzelle verschmolzen mit Eizelle einer Kuh, Kuh-Mensch-Hybrid teilte sich 5x, verkümmerte dann
(Der Spiegel 10/2001 S.208ff)

·         Ian Wilmut (Erzeuger von DOLLY) warnt: viele Fehlversuche mit tödlichem Ausgang sind im Tierversuch unvermeidlich (äußerlich perfektes Lamm endlich geklont, dann mussten wir es einschläfern – was wäre, wenn es sich um ein Kind handelte?)
(taz 10./11.3.2001)

·         Klonen zur Erhaltung seltener Tierarten, erster Versuch: südostasiatischer GAUR wächst im Leib einer Kuh heran
(GEO 1/2001 S.177)

·         Klon-Ochse geboren; lebte nur zwei Tage; an Ruhr erkrankt, Zusammenhang zum Klonen wird für unwahrscheinlich gehalten
(taz 15.1.01)

·         In der Europäischen Menschenrechtscharta ist ein Zusatzprotokoll in Kraft getreten, das das Klonen von „menschlichen Wesen“ verbietet: „Untersagt ist jeder Eingriff, der zum Ziel hat, ein menschliches Wesen zu schaffen, das genetisch identisch ist mit einem anderen lebenden oder toten menschlichen Wesen.“; „Begriff „menschliches Wesen“ ist in der nationalen Gesetzgebung näher zu definieren
Deutschland bisher nicht unter den Unterzeichnerländern
(epd Wochenspiegel 10/2001 S.11)

·         EMNID-Umfrage: Menschen klonen, um kinderlosen Paaren zu helfen? JA 5%, NEIN 93%
(Der Spiegel 7/2001 S.20)

·         in Japan Gesetz, das Klonen von Menschen oder Mischwesen aus Mensch und Tier verbietet; 206000 DM Geldstrafe, bis zu 10 Jahren Haft
(GID 144 S.26)

·         Klonen verbietet sich aus zwei Gründen:
dem Klon wird die Mischung väterlicher und mütterlicher Erbanlagen vorenthalten;
der Mensch wird als Mittel zum Zweck instrumentalisiert
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)

·         Ian Wilmut (biol. Vater von DOLLY):
reproduktives Klonen: ekelhaft, entsetzlich, Totgeburten und Missbildungen, in krimineller Weise verantwortungslos;
therapeutisches Klonen: energisch dafür
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.31)

·         US-Repräsentantenhaus Gesetzentwurf: Geldstrafen in Millionenhöhe und bis 10 Jahre Gefängnis, wer Menschen klont oder mit Produkten arbeitet, die aus dem Klonen menschlicher Zellen hervorgegangen sind; kein Unterschied zwischen reproduktivem und therapeutischem Klonen;
Großbritannien: therapeutisches Klonen explizit per Gesetz zugelassen;
die im Herbst (2000) beschlossene europäische Grundrechte-Charta enthält ein Verbot des „reproduktiven Klonens von Menschen“. Auch die Bioethik-Konvention des Europarats enthält ein Klonverbot. Beide Regelwerke lassen aber das therapeutische Klonen zu, bei dem Ersatzgewebe für Kranke gezüchtet werden soll, Diesen Bereich zu regeln ist den Nationalstaaten überlassen.;
Schweiz: Situation ähnlich wie in Deutschland, dort wird über ein Forschungsvorhaben diskutiert, bei dem importierte Stammzelllinien genutzt werden sollen:
In Frankreich soll die Forschung mit Embryonen zugelassen werden. Gesetzentwurf der französischen Regierung: genutzt werden dürfen nur „überzählige“ Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung übrig bleiben, Herstellung von E. eigens für Forschungszwecke soll verboten bleiben;
russische Regierung Gesetzentwurf für Verbot des Klonens von Menschen, auch Einfuhr von geklonten menschlichen Embryonen soll verboten, auf 5 Jahre befristet;
Japan: Regierungsausschuss für grundsätzliches Klonverbot, auch therapeutisches Klonen rechtswidrig, für Stammzellforschung nur „übriggebliebene“ Embryonen
(taz 2.8.01)

·         17 erwachsene geklonte Kühe geben Milch, alle sind Klone einer Hochleistungskuh
(Spiegel 31/01 S.159)

·         Klonen Kostet zwischen 15000 und 25000 $ je Kuh, könnte auf 5000$ bei Millionen Fällen sinken
bei geklonten Rindern viele Missbildungen beobachtet
(New Scientist, Großbritannien, 17.5.01)

·         britische Forscher haben erstmals fünf gentechnisch veränderte Schweine geklont, wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verpflanzung von Tierorganen in Menschen
(dpa April 01)

·         drei Forscher kündigten auf einer Tagung der US-Akademie der Wissenschaften an, noch in diesem Jahr Menschen klonen zu wollen, Beginn innerhalb der nächsten 60 Tage; italienischer Arzt Antinori, amerikanischer Prof. Zavos, Sektenanhängerin Boisselier
(taz 9.8.01)

·         Gaddafi / Lybien hat dem italienischen Mediziner Antinori seine volle Unterstützung beim Klonen eines Menschen angeboten; Klinik, Reisekosten und Aufenthalt, im Erfolgsfall Belohnung von mehreren Millionen Dollar; Telefongespräch von israelischem Geheimdienst abgehört
(taz 13.8.01)

·         wirklicher Aufwand für Klonen von Menschen bei derzeitigem Stand der Technik:
1 Mensch als Kopiervorlage, 40 Eizellspenderinnen (jede spendet nach Hormonbehandlung durchschnittlich 10 Eizellen), 400 Eizellen werden entkernt und mit fremdem Erbgut bestückt, höchstens 1/8 entwickeln sich zu Embryonen, 50 Leihmütter lassen sich Embryonen einpflanzen, 10 von ihnen werden tatsächlich schwanger, 1 Leihmutter bringt ein geklontes Kind zur Welt, ob gesund, ist fraglich;
Erfahrungen mit Tieren: Kopien können sich von ihren Vorbildern unterscheiden (z.B. Fellzeichnung bei Rindern), viele Missbildungen (Abstoßung schon vor der Geburt), Immundefekte, abnormale Gelenke, unterentwickelte Gefäße, Lämmer mit erhöhtem Geburtsgewicht, bei Rindern aus max. 2% der Eizellen Nachfahren, bei Schafen und Schweinen nur bei 0,4 bis 2%, bei Mäusen weniger als 1%;
Schwierigkeit: in erwachsenen Zellen sind eine Fülle von Genen aktiv, diese müssen bei der Reprogrammierung in embryonalen Ruhezustand versetzt werden – hier sind viele Fehler möglich;
Australien: menschliche Zellkerne aus fötalen Zellen in entkernte Ei-Zellen von Schweinen: es wuchsen Chimären-Embryonen aus Schwein und Mensch; bis zum 32-Zell-Stadium weiter, dann weggeworfen;
USA: Zelle aus der menschlichen Mundschleimhaut mit Eizelle einer Kuh verschmolzen, teilte sich 5x, dann verkümmert
(Der Spiegel 10/2001 S.210)

·         Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard: In Wirklichkeit geht das Klonen auch bei Tieren nicht. Wenn 400 Klone sterben müssen, bis eine DOLLY überlebt, dann können Sie doch nicht sagen: „Es geht!“ Inzwischen sagen selbst die Schöpfer von DOLLY: „Um Gottes Willen, Finger weg! Wir werden es nicht besser hinkriegen.“
(Der Spiegel 41/2001 S. 204)

·         Bundesregierung will sich nicht für ein internationales Verbot des therapeutischen Klonens von Menschen einsetzen; stattdessen soll Bundestag sich mit der Technik befassen
(AFP 28.9.01)

·         US-Forscher klonen menschliche Embryonen
Firma Advanced Cell Therapy (ACT); mehrere Embryonen hergestellt; keiner überlebte länger als 5 Tage; Frauen für 3000 bis 5000 Dollar pro Person insgesamt 71 Eizellen abgekauft; erste Methode á la Dolly: 19 Versuche, 3 Embryonen, einer bis zum 6-Zell-Stadium; zweite Methode: Anregung von 22 Eizellen, die sich ohne Befruchtung entwickelten, 6 überlebten 5 Tage
(taz 27.11.01)

·         UN-Generalversammlung hat eine von Deutschland und Frankreich eingebrachte Resolution gegen das reproduktive Klonen von Menschen verabschiedet – zielt auf Erarbeitung einer „Internationalen Konvention zum Verbot des reproduktiven Klonens von Menschen“ ab
(epd-wochenspiegel 48/01 S.23)

·         geklonte Mäuse, Erbgut stimmt zwar überein, aber unterscheidet sich in der Regulation der Gene, werden nur unzuverlässig ein- und ausgeschaltet
(GID 147 – 8-9/2001 S. 22)

·         Klonen inzwischen erfolgreich bei Schafen, Schweinen, Ziegen, Rindern und Mäusen;
in 95-97% aller Fälle sterben die geklonten Tiere vor der Geburt;
die Tiere, die geboren werden, sind oft sehr massig, haben deformierte Schädel und viele innere Entwicklungsstörungen
(GID 146 – 6-7 2001 S. 5)

·         der Vatikan stimmt der Transplantation von Tierorganen auf den Mensch (Xenotransplantation) zu; Risiken durch Tierexperimente ausschließen; auch sollten alternative Therapien wie die Entwicklung von Organen aus Stammzellen von Erwachsenen nicht vernachlässigt werden
(GID 148 11/12-2001 S.26)

·         In Italien Mufflon nach der Dolly-Methode geklont; DNS von toten Tieren in entkernte Eizellen von Hausschafen eingebracht; ein gesundes Junges geboren
(GID 149 Dez.2001/Jan2002 S. 35)

·         Dolly hat im Alter von 5 ½ Jahren Gelenkentzündung (Arthritis) bekommen; selten in diesem Alter; insgesamt gibt es weltweit mehrere Hundert geklonte Schafe, Schweine, Kälber oder Ziegen; Wilmut: „Dolly ist in jeder anderen Hinsicht absolut gesund. Und sie hat 6 gesunde Lämmer geboren.“; eine Vermutung: Alter (Schäden) der geklonten Zellen mit „vererbt“; eine mögliche Folge: Auswirkungen auf Xenotransplantation mit Nutzung der Klontechnik (vorgeschädigte Organe)
(taz 5./6.1.02)

·         2 Teams in USA berichten über erfolgreiches Klonen von Ferkeln, bei denen ein Gen stillgelegt wurde, das zu Abstoßungsreaktionen beim Menschen führt
(taz 4.1.02)

·         britische Regierung hat Gesetzentwurf im Parlament eingebracht, danach drohen jedem, der das (reproduktive) Klonen von Menschen plant, hohe Strafen
(Berliner Zeitung 23.11.2001)

·         offenbar ist es möglich, geklonte Tiere zu erzeugen, die gesund sind und sich normal fortpflanzen;
30 geklonte Rinder über mehrere Jahre untersucht; keine genetischen Defekte festgestellt, Stoffwechsel und Immunsystem normal; einige Rinder haben bereits gesunde Kälber geboren
(Berliner Zeitung 23.11.2001)

·         Zavos/US-Forscher hat schon 3000 Anfragen von Paaren, die ein Klonbaby möchten; Kosten gegenwärtig auf 50-60000 Dollar geschätzt, erster Versuch in 1-3 Monaten
(taz 3.12.01)

·         Gesunde Mäuse-Klone - Reprogrammierung doch nicht fehlerhaft?
Viele Mißbildungen, die beim Klonen von Tieren durch Kerntransfer beobachtet wurden, sind nach Ansicht japanischer Forscher nicht auf ein gestörtes genetisches Imprinting und damit auf eine gestörte Reprogrammierung des Spender-Erbgutes zurückzuführen. Vielmehr seien einfach für diese Zwecke ungeeignete Zellen verwendet worden;
Versuche mit 150 Mäuseembryonen, 92% der geborenen Tiere gesund;
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 11. Januar 2002, Nr. 9 Seite 38)

·         Geklonte Rinder entwickeln sich normal, Studie 24 Rinder bis zur Geschlechtsreife
(Berliner Zeitung vom 23.11.2001)

·         Schwedens Regierung will die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erlaubnis des Therapeutischen Klonens sowie zur Forschung an embryonalen Stammzellen schaffen.
(taz 30.1.02)

·         „Die zweite Schöpfung“
Das Ebenbild eines ausgewachsenen Lebewesens zu schaffen, gehörte lange ins Reich der Science-Fiction;
mit Dolly war es gelungen, die Zelldifferenzierung zurückzudrehen, Säugerzellen zu „re-programmieren“;
“Kerntransfer“ ist ein irreführender Begriff, denn in der Regel übertragen Forscher nicht nur Kerne, sondern komplette Drüsen-, Haut-, Muskel- oder sonstige Zellen; einschwieriges Unterfangen: es gilt, die Spenderzelle so unter die Zona pellucida zu injizieren, dass sie in einer der beiden sichelförmigen Ausbuchtungen festklemmt, die sich in der Eizelle nach dem Heraussaugen ihrer ursprünglichen DNS gebildet haben; angeregt durch einen kurzen Stromstoß verschmelzen Zytoplast und Spenderzelle binnen 10 bis 20 Minuten;
die Zellen werden vor dem Transfer in eine Art „Winterschlaf“ versetzt, indem ihnen Nährstoff entzogen werden;
bei Rindern: nur etwa 15 bis 25 von 100 übertragenen Blastozysten entwickeln sich zu lebenden Rindern; die große Mehrzahl endet als Fehl- oder Missgeburt; selbst die wenigen Kreaturen, die bis zum errechneten Geburtstermin überleben, sterben häufig nach dem ersten Atemzug;
fast alle Klontiere werden schwergewichtiger geboren als natürlich gezeugte Artgenossen;
“Wer angesichts aller bisher vorliegenden Daten an das Klonen von Menschen denkt, ist wahnsinnig“ (Wolf, Uni München, Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht);
bisher Lebensgeburten bei Klonen von Schaf, Kuh, Schwein, Ziege, Maus; keine Lebendgeburten bei Kaninchen, Katze, Hund, Primaten, Mensch
(Geo 2/02 S.63ff)

·         erste geklonte Katze geboren
(Freie Presse Chemnitz 16./17.2.02)

·         in Großbritannien ist ab sofort therapeutisches Klonen unter strikten Auflagen erlaubt; Sonderausschuss des Oberhauses hat zugestimmt
(taz 1.3.02)

·         auch beim therapeutischen Klonen könnte es zu Abstoßungsreaktionen beim Empfänger kommen: die entkernte Eizelle enthält „fremdes“ Erbgut in den Mitochondrien
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.11)

·         Kühe wie Katze beweisen es: Die Klontechnik entwickelt sich weiter. Damit könnte ein wichtiger Einwand gegen das Menschenklonen bald bedeutungslos werden – die Warnung vor dem horrende4n Embryonenverbrauch, vor Fehlgeburten und entsetzlichen Missbildungen.
(Die Zeit 21.2.02 S.31)

·         in Frankreich erstmals Kaninchen geklont
(taz 5.4.02)

·         Vermutungen um erste menschliche Klonschwangerschaft (italienischer Arzt Antinori, Wahrheitsgehalt umstritten)
(taz 8.4.02)

·         Singapur macht Weg frei für therapeutisches Klonen
(taz 22.6.02)

·         Wissenschaftler San Francisco haben seit 1999 versucht, menschliche Embryonen zur Stammzellgewinnung zu klonen; keine eindeutigen Ergebnisse
(taz 31.5.02)

·         USA; durch therapeutisches Klonen gewonnenes Gewebe erfolgreich Kühen eingepflanzt; Herz- und Nierengewebe aus embryonalen Stammzellen gezüchtet; ES-Zellen durch therapeutisches Klonen aus Hautzellen gewonnen; keine Abwehrreaktionen des Körpers gegen die Transplantate
(Freie Presse Chemnitz 4.6.02)

·         gezeigt, dass Entwicklungsprozesse umkehrbar bzw. reprogrammierbar sind. Damit werden Abgrenzungen von Totipotenz und Pluripotenz unscharf, Die Technik des Klonens ermöglicht es, Prozesse der Entstehung von Leben zu stimulieren, ohne dass eine Verschmelzung von Ei- und Samenzelle nötig ist...
Während weitestgehende Einigkeit hinsichtlich der ethischen Verwerflichkeit des reproduktiven Klonens besteht, gehen die Auffassungen hinsichtlich der ethischen Verantwortbarkeit der Gewinnung von embryonalen Stammzellen durch Klonierung auseinander...
(wenn das Ziel der Erzeugung eines Embryos gerade nicht die Hervorbringung eines Menschen ist...)
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 31f.)

·         Singapur: therapeutisches Klonen zugelassen, reproduktives Klonen verboten
(GID 153, 8-9/2002 S.28)

·         Klonen bisher erfolgreich mit Schafen, Mäusen, Kühen, Schweinen, Ziegen, Kaninchen, Katzen;
für Affen und Menschen bisher keinen wissenschaftlichen Bericht über Erzeugung lebensfähiger Embryonen aus Körperzellen;
(bdw 9/2002 S.30)

·         für Klonkatze CC 87 Embryonen benötigt; dafür 188 Eizellhüllen mit Körperzellen verschmolzen
(GID 151 4-5/2002 S.28)

·         Wilmut („Schöpfer“ von DOLLY) will jetzt auch menschliche Embryozellen klonen (Therapeutisches Klonen mit behördlicher Genehmigung, zB um Herzmuskelzellen zur Infarkttherapie herzustellen);
betonte ausdrücklich, dass er niemals beabsichtige, Menschen zu klonen, das sei unethisch, außerdem hätten praktisch alle von seinem Team geklonten Tiere Gendefekte, die sich auch körperlich bemerkbar machten
(taz 14.10.02)

·         Alternative zum Klonen?
a) herkömmliches Klonen: aus Eizelle wird Erbgut abgesaugt (haploider, einfacher Chromosomensatz); dann wird Körperzellkern eines Spenders mit diploidem (=doppeltem, väterlichen und mütterlichem) Chromosomensatz eingebracht; Zellteilung wird künstlich angeregt; biologische Kopie des Spenders der Körperzelle entwickelt sich
b) DNS wird wie bei a) aus der Eizelle entfernt, dann wird Zellkern einer Körperzelle und eine Samenzelle zugegeben; Eizelle halbiert den Chromosomensatz des Körperzellkerns und schleust die Hälfte der Chromosomen aus; danach verschmilzt der „Rest“ mit dem Spermium zu einem kompletten Chromosomensatz; teilt sich
c) DNS der Frau wird in der Eizelle belassen, zusätzlich wird Körperzellkern zugefügt; Eizelle schleust Hälfte der Körperzell-Chromosomen aus; die andere Hälfte verschmilzt mit den Erbinformationen der Eizelle zu einem kompletten Chromosomensatz...;
“Haploidisierung“; hier vermischt sich das Erbmaterial zweier Personen, wodurch wie bei der normalen Zeugung ein neuer Mensch entsteht
(Der Spiegel 37/02 S. 154ff)

·         Lizenzen für das Klonen zur Gewinnung von ES-Zelllinien vergibt die britische Human Embryology and Fertility Authority unter der Voraussetzung, dass
- Alternativen für das Forschungsprojekt nicht in Frage kommen
- bereits vorhandene Zelllinien dafür nicht genutzt werden können
- neu gewonnene Stammzelllinien in der staatlichen Stammzellbank deponiert werden
(GID 152/2002 S.5)

·         in Frankreich erstmals Kaninchen geklont
(GID 152/2002 S.27)

·         neue Klontechnik Dänemark: Eizellen werden zunächst in zwei Hälften zerteilt, die sich schnell wieder verschließen; mit einer Färbung wird ermittelt, in welcher Hälfte sich der Zellkern befindet; diese wird entfernt; zwei zellkernlose Hälften werden mit einer Zelle aus einem erwachsenen Tier unter Verwendung eines kurzen elektrischen Stromimpulses vereinigt; Verfahren im Vergleich zur „Dolly-Methode“ billiger und leichter zu erlernen; in Australien bereits Kalb geboren
(GID 154/2002 S.16)

·         Jaenisch (MIT USA): etwa 95% aller bisher geklonten Tiere sind abnorm; viel zu dick, können nicht richtig atmen, haben Herzprobleme, leiden unter Kreislaufstörungen, selbst Teile des Gehirns können fehlen, sterben noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt
(Der Spiegel 2/03 S.88ff)

·         keine Einigung über Klonverbot bei der UNO erzielt; Beschluss um ein Jahr vertagt; Vatikan und USA wollten umfassendes Klonverbot; Deutschland und Frankreich wollten zunächst nur reproduktives Klonen verbieten, therapeutisches Klonen zur Forschung mit Stammzellen aber zulassen (letzteres wäre international eher konsensfähig gewesen, weil viele Staaten, wie Großbritannien, Japan, China sich diese Option offen halten wollen)
(taz 22.11.02; Die Zeit 14.11.02 S.41)

·         Raelianer-Sekte (Wissenschaftlerin Boisselier) teilte in USA angebliche Geburt des ersten geklonten Babys in den USA am 26.12.02 mit; Mädchen EVE, Kaiserschnitt; Sekte will 10 geklonte Embryos eingepflanzt haben, 5 davon gingen durch Fehlgeburten verloren, vier weitere Klon-Babys würden demnächst geboren;
in Europa nächste Geburt erwartet (Junge)
(Freie Presse Chemnitz + taz 28./29.12.02, taz 4./5.1.03)

·         drei Menschen-Kopierer: Anfang August 2001 waren sie vor der Academy of Sciences in Washington aufgetreten und verlacht worden: Französin Boisselier, Italiener Antinori, US-Amerikaner Zavos, als sie erklärt hatten, im Jahr 2002 den ersten Menschen kopieren zu wollen
(taz  30.12.02)

·         Interview mit dem Gynäkologen und angeblichen Klonforscher Antinori
(Die Zeit 5.12.02 S.35)

·         US-Fortpflanzungsmediziner Zavos: weltweit wetteifern 5 Forschungsteams um die Geburt des ersten Klon-Babys; er verwende die gleichen Methoden wie beim Klonschaf Dolly;
Boisselier (Clonaid): derzeit zwei Klon-Schwangerschaften in den USA, zwei in Asien, eine in Europa (nicht in Deutschland)
(GID 155/2002-2003 S.29)

·         gemeinsamer Antrag der Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen und CDU/CSU präsentiert; soll dem Bundestag zur Abstimmung vorgelegt werden; jedes Klonen mit menschlichen Embryonen, unabhängig von der dazu genutzten Technik, ist unvereinbar mit der Menschenwürde; es soll nicht mehr zwischen reproduktivem und therapeutischem Klonen unterschieden werden; die Bundesregierung wird aufgefordert, sich bei den Vereinten Nationen nun auch für ein Verbot des therapeutischen Klonens einzusetzen
(taz 18./19.1.03)

·         Bundesregierung will im Frühjahr internationale Konferenz einberufen; Ziel: weltweites Klonverbot
(Freie Presse Chemnitz 11./12.1.03)

·         in Frankreich soll reproduktives Klonen von Menschen künftig als „Verbrechen gegen die Menschenwürde“ geächtet und schwer bestraft werden, Gesetzesvorlage der Regierung noch in diesem Monat ins Parlament;  Drohung: bis 20 Jahre Haft, niemals verjähren lassen, in Frankreich auch Klonverbrechen strafbar, die außerhalb des Landes begangen werden
(taz 11./12.1.03)

·         Klonverbot (z.B. im deutschen Embryonenschutzgesetz) schützt nicht den Klon, sondern gebietet es, verboten geklonte Embryonen absterben zu lassen; wer Klonen verbieten will, gebietet, dass der Zufall die Fortpflanzung bestimmt; wer absoluten Lebensschutz für jeden einzelnen Embryo fordert, müsste konsequenterweise gegen totales Klonverbot sein
(taz 18./19.1.03)

·         Stanford-Universität USA kündigt an, embryonale Stammzellen zu klonen; von Spender mit 12 Mill. Dollar unterstützt; Krebs- und Stammzellforschung; das Schaffen menschlicher Stammzelllinien sei nicht das Gleiche wie Klonen
(Freie Presse Chemnitz 12.12.02)

·         In Europa besteht ein solches Verbot bereits seit fünf Jahren: Am 12. Januar 1998 hatten 19 der damals 40 Mitgliedsländer des Europarats ein entsprechendes Zusatzprotokoll zur Bioethik- Konvention (Europäische Konvention über Menschenrechte und Biomedizin) unterzeichnet. Es ist das weltweit erste völkerrechtlich verbindliche Abkommen über das Verbot des Klonens von Menschen.
   Deutschland gehört bislang nicht zu den Unterzeichnern, weil es die gesamte Bioethik-Konvention als unzureichend kritisiert. Das Embryonenschutzgesetz stellt aber hier zu Lande jede Form des Klonens von Menschen unter Strafe.
   Das Zusatzprotokoll zur Bioethik-Konvention verbietet „jeden Eingriff, der darauf gerichtet ist, ein menschliches Lebewesen zu erzeugen, das mit einem anderen lebenden oder toten menschlichen Lebewesen genetisch identisch ist“. Es lässt keine Ausnahme zu, unterscheidet allerdings zwischen dem reproduktiven Klonen zur Fortpflanzung und dem so genannten therapeutischen Klonen für medizinische Vorhaben. Bei letzterem werden durch Klonen Embryonen erzeugt, die für Behandlungszwecke nutzbare Zellen liefern, aber nicht zu einem ganzen Menschen heranwachsen.
Das am 1. März 2001 in Kraft getretene Protokoll haben bislang 29 der derzeit 44 Europaratsmitglieder unterzeichnet und 10 von ihnen ratifiziert
(AOL-Newsbote, 09.01.03)

·         Bundestag spricht sich mit großer Mehrheit dafür aus, weltweit sowohl das reproduktive als auch das therapeutische Klonen zu verbieten; Bundesregierung soll gemeinsam mit Frankreich bei der UNO aktiv werden
(taz 21.2.03)

·         Dolly eingeschläfert; 5.7.96 geboren; brachte sechs gesunde Lämmer zur Welt; Mai 1999 Feststellung: verkürzte Telomere (Endstücke der Chromosomen); Anfang 2002 Arthritis; jetzt fortschreitende Lungenkrankheit bekommen
(Spiegel 8/2003 S. 124, taz 17.2.03)

·         angeblich Ende Januar in China Klonbaby geboren, durch chinesische Ärztin, Angaben von Antinori
(Freie Presse Chemnitz 17.2.03)

·         Raelianer: eine Japanerin habe das dritte geklonte Baby zur Welt gebracht
(taz 24.1.03)

·         Australien erstes Klonschaf knapp drei Jahre nach seiner Geburt unerwartet gestorben
(taz 8./9.2.03)

·         neuseeländische Forscher haben Rinderzellen erst im Labor gentechnisch verändert, sodass sie mehr Kasein in der Milch produzieren, 11 Embryonen wurden geklont, neun Tiere mit der neuen Eigenschaft wurden geboren
(taz 28.1.03)

·         Klone sind keine perfekten Kopien; zwar haben Klone miteinander alle Gene in ihren Zellkernen gemein, doch aus seinen Genen macht offenbar jedes Individuum etwas anderes; genidentische Tire haben verschiedene Fellfarben, unterschiedliches Verhalten; Klonen ist eine Form der Reproduktion, keine Wiederauferstehung; viele Eigenschaften werden im Mutterleib festgelegt (Lage in der Gebärmutter, Nährstoffversorgung, Wanderung von Zellen), Umwelt prägt den Organismus schon vor der Geburt
(Der Spiegel 13/2003 S.190f)

·         Wilmut: Klonen bei Tieren geringe Effizienz, 1-2% der erzeugten Embryonen werden geboren, einige sterben anschließend;
die Effizienz ist bei Verwendung von Zellkernen aus Fibroblasten und embryonalen Stammzellen noch am höchsten, weil die DNS in diesen Zellen noch wenig differenziert bzw. am leichtesten in das totipotente Stadium zurückzutransformieren ist;
Ursachen für geringe Effizienz: Veränderungen in der Genregulierung (Imprinting, Methylierungsmuster), Verkürzung der Telomere, Übertragung somatischer Mutationen
(GID 157 April/Mai 2003, S.3f)

·         574 Versuche durchgeführt, um Rhesusaffen nach der Dolly-Methode zu klonen; 33 Embryonen eingepflanzt, keine Schwangerschaft erzielt; Ursache: Chromosomen werden nicht gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt;
(Berliner Zeitung, 11.04.2003)

·         Maria Böhmer MdB:
das therapeutische Klonen sehe ich bisher als Grundlagenforschung an und spreche daher lieber vom Forschungsklonen
(Die Zeit 8.5.03 S.27)

·         US-Universität: 716 Versuche, um Rhesusaffen zu klonen; kein Erfolg (die Chromosomen ordnen sich nicht richtig an); damit könnte sich auch mit menschlichen Zellen das therapeutische Klonen als schwierig erweisen und das reproduktive Klonen als unmöglich
(Die Zeit 16.4.03 S.31)

·         erste Kuh in Afrika geklont (Südafrika); Ohrzellen der ergiebigsten Milchkuh Südafrikas (78 Liter pro Tag)
(taz 9.5.03)

·         Peter Gruss (Präsident der Max-Planck-Gesellschaft): Klone – Traum oder Alptraum? Wir wollen keine Menschen kopieren;
interessanter Übersichtsartikel in der FAZ 14.5.03 S. N1;
Dolly: der Kern einer Euterzelle wurde durch die Zellflüssigkeit einer Eizelle so reprogrammiert, dass ein vollständiger Organismus entstehen konnte, die Körperzelle konnte in den Zustand der größten Potenzialität, der Totipotenz, zurückgeführt werden;
Dass die Reprogrammierung jedoch nur in Ausnahmefällen vollständig und ausreichend gelingt, zeigt die geringe Erfolgsrate bei Klonierungsversuchen, das Spektrum der Schäden reicht von „large offspring Syndrom“, einer Übergröße bei Embryonen oder Föten, bis zu Lungenentzündung, Kreislaufkollaps, Fettsucht, Arthritis, Krebs und Lebernekrose bei geborenen Tieren;
bevor die Steuerungsprozesse nicht bekannt sind, die den Körperzellkern umprogrammieren, können schädliche Effekte... auch beim „therapeutischen Klonen“ nicht ausgeschlossen werden;
die Weltgesundheitsorganisation hat 1997 eine Resolution verabschiedet, die das Klonen zur Replikation menschlicher Individuen als ethisch nicht akzeptabel erklärt;
(FAZ 14.5.03 S. N1)

·         erfolgreiche Klonierung eines südostasiatischen Wildrinds; Zellkerne eines 1980 verstorbenen Bateng-Rinds, die eingefroren waren, wurden in gewöhnliche Kuheizellen eingeführt; Embryonen wurden 30 Kühen eingepflanzt, 16 Schwangerschaften, zwei Geburten (1 wegen Übergewicht eingeschläfert)
(GID 158 6/7-2003 S.21)

·         "Mit den gegenwärtigen Methoden ist das Klonen ein Lotteriespiel", sagte Harry Griffin, Roslin-Forscher und Kollege des Dolly-Schöpfers Ian Wilmut. Laut Griffin schafften es nur 1 bis 2 Prozent der geklonten Tierembryos, das Licht der Welt zu erblicken. Dabei spielt es durchaus eine Rolle, welcher Art das Tier angehört. So sprach Eckhard Wolf, Leiter des Lehrstuhls für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie am Münchner Genzentrum und Vater des Klonkalbs Uschi, bei Rindern von einer Erfolgsquote zwischen 10 und 25 Prozent. Oft sind die angeblich identischen Klon-Kreationen schon mit bloßem Auge zu unterscheiden. Copycat zum Beispiel hat fast nichts mit ihrem genetischen Double gemein. Ihr Fell ist grau und weiß gescheckt, das Original hat ein goldbraun-weißes Fell. Und auch beim Verhalten gibt es Unterschiede. Experimente mit Schweinen zeigten, dass geklonte Ferkel durchaus verschiedenartig agieren. Woher kommen all diese Unterschiede? "Die Ursache hierfür liegt in der Genaktivität", sagte Griffin. Ob Gene an- oder abgeschaltet sind, regulieren unter anderem winzige chemische Gruppen, die sich an das Erbgut heften. Diese so genannten Methylgruppen inaktivieren die Gene. In der Erbsubstanz von natürlich gezeugten Embryonen sind andere Gene methyliert und damit abgeschaltet als in der DNA der Klone. Heiner Niemann vom Institut für Tierzucht und Tierverhalten in Neustadt, Mariensee, präsentierte in Berlin Ergebnisse, wonach bei jungen geklonten Embryonen ein Gen, das das Wachstum reguliert, inaktiv war. Bei natürlich gezeugten Embryonen ist dieses Gen angeschaltet. Dies könne eine Ursache für die teils abnormal großen Klontiere sein, sagte Niemann. Einen weiteren Grund für die Verschiedenartigkeit sieht Wolf in der Ausstattung der Eizelle, in die die DNA des Originals eingebracht wird. Zwar befreien die Klonkünstler die Eizelle vor dem Kerntransfer von deren Erbgut. Die so genannten Mitochondrien bleiben jedoch in den Eizellen. Mitochondrien aber besitzen ein eigenes Erbgut. Auf diese Weise könne die Eizelle über die Eigenarten des Klontiers mitbestimmen, sagte Wolf.  Große Bedeutung haben diese Ergebnisse (das Fehlschlagen des Klonens bei Rhesusaffen) auch für menschliche Klonversuche. Da die Eizellen der Rhesusaffen den menschlichen gleichen, halten es Experten wie Wolf für wahrscheinlich, dass mit der jetzigen Technik kein Menschenklon erschaffen werden kann. Allerdings warnt Wolf davor, sich in der Diskussion um die Reproduktion des Menschen auf technische Hürden zu verlassen. "700 Affeneier sind nicht wenige", sagte er. Aber im Vergleich zu der Anzahl von Eiern, die verbraucht wurden, bis die ersten Klontiere auf der Welt waren, seien es auch nicht viele. "Ich will nicht ausschließen, dass Klonen beim Menschen irgendwann funktioniert." Eine mögliche Methode lieferte Wolf gleich mit: Man könne das Erbgut des Originals zuerst in die Eizelle einbringen, die Zelle danach zur Teilung anregen und erst dann die Eizellen-DNA entfernen.
(Berliner Zeitung, 19.05.03

·         erstes geklontes Pferd in Italien geboren; Hautzelle einer Haflingerstute, die dann auch das geklonte Fohlen austrug (genetischer Zwilling);
unreife Eizellen im Labor gereift, 22 Embryonen, vier Schwangerschaften;
damit bisher 9 Säugetierarten geklont
(taz 7.8.03; Berliner Zeitung 07.08.03

·         ausgestorbener Pyrenäen-Steinbock ließ sich nicht klonen;  Versuche mit 300 Embryonen; Bergziegen als Leihmütter; zwei waren trächtig geworden, Fehlgeburten
(taz 8.7.03)

·         Japan: vor 5 Jahren weltweit erstmals Rinder geklont; bis Februar 2003 336 Klonrinder; Regierung hofft auf Deklaration der Unbedenklichkeit für den menschlichen Verzehr; besonders begehrte Spitzenrinder (rot-weiß marmoriertes Fleisch; bis 360000 Euro pro Kuh)
(Der Spiegel 23/2003 S.174)

·         Dolly wurde eingeschläfert wegen Tumor in der Lunge (war aber durch Virus ausgelöst)
(Bild der Wissenschaft 5/2003 S.106)

·         Dolly ist offenbar nicht an Spätfolgen des Klonens gestorben, sondern an einem Virus, das Lungentumore verursacht
(Die Zeit 25.9.03 S. 35)

·         in Italien erstes Pferde-Fohlen geklont; in über 500 Eizellen neuen Zellkern eingefügt, vier Schwangerschaften
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)

·         erstmals gelungen, Ratten im Fötenstadium zu klonen; von 129 geklonten Embryonen  drei geboren; wichtig wegen der Eignung von Ratten als Versuchsmodelle
(GID 160 Okt/Nov2003 S.26)

·         Generalversammlung der UN verschiebt Entscheidung zu Verbot des Klonens von Menschen um 2 Jahre bis 2005;
(New Scientist UK 7.11.2003)

·         Korea: erstmals Stammzell-Linie durch therapeutisches Klonen gewonnen:
242 Eizellen (von 16 Spenderinnen) entkernt; Zellkerne aus Körperzellen (Eierstockzellen) der gleichen Spenderinnen eingesetzt; 30 entwickeln sich zu Blastozysten (5 Tage alt; 200 Zellen); daraus 20 Stammzellkulturen angelegt; eine Linie geeignet zur Züchtung verschiedener Zelltypen;
wenn Ei-Zelle und Zellkern von verschiedenen Frauen stammen: zwar Blastozysten, aber keine Stammzellen; bei Verwendung von männlichen Zellkernen nicht einmal Blastozysten entwickelt;
da die erfolgreich hergestellten Stammzellen nur das Erbgut einer einzelnen Person enthalten, würde sie vermutlich nicht abgestoßen, wenn man sie in deren Körper einpflanzte
(Die Zeit 19.2.04 S.34; Freie Presse Chemnitz 13.2.04; Spiegel 8/04 S.120; Mitteilung R. Knüppel für AGU März 2004; taz 13.2.04)
2005: FÄLSCHUNG!!!

·         Zusatzprotokoll zum Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin (Europarat):
Zusatzprotokoll über das Verbot des Klonens von menschlichen Lebewesen:
Artikel 1:
“Verboten ist jede Intervention, die darauf gerichtet ist, ein menschliches Lebewesen zu erzeugen, das mit einem anderen lebenden oder toten menschlichen Lebewesen genetisch identisch ist. Im Sinne dieses Artikels bedeutet der Ausdruck „menschliches Lebewesen, das mit keinem anderen menschlichen Lebewesen genetisch identisch ist“, ein menschliches Lebewesen, das mit einem anderen menschlichen Lebewesen dasselbe Kerngenom gemeinsam hat.“
(Bundeszentrale für Politische Bildung: Gentechnik, 1999, S.104)

·         Chinesin klonte im Sommer 2003 einen menschlichen Embryo, verwendete aber nicht eine menschliche Eizelle, sondern die eines Kaninchens; der Embryo, ein Mischwesen aus Mensch und Hasentier, teilte sich bis ins Blastozystenstadium; dann gelang es, Stammzellen zu entnehmen; ....
menschliche Eizelle enthält mütterliche Mitochondrien – das könnte beim therapeutischen Klonen dazu führen, dass dieses „fremde“ Erbmaterial doch vom Immunsystem bekämpft werden könnte
(Spiegel 8/04 S.120)

·         Wilmut (Erzeuger von DOLLY) will therapeutisches Klonen für die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) versuchen;
als Lösung für die Eizellenknappheit spricht er sich dafür aus, Eizellen von Kühen zu verwenden
(GID 163/2004 S.29)

·         Schöler als Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin in Münster eingeführt;
Plädoyer für „therapeutisches Klonen“;
von dem moralisch untragbaren reproduktiven Klonen trennen; therap. Klonen muss nicht zwangsläufig der Weg zum repr. Klonen sein; seine Versuche haben gezeigt, dass (bei Mäusen) einzelne geklonte Zellen ihr genetisches Material fehlerhaft reprogrammieren (Oct4-Gen, wichtig für Pluripotenz); bei der Addition von 2-3 Mäuseembryonen im Vierzellstadium wesentlich bessere Aktivierung dieses Gens und anderer wichtiger Gene; wenn nur durch solche extremen Kunstgriffe das (repr.) Klonen möglich wird, kann man auch sichere biol. Schranken aufbauen, sodass die Gewinnung von embryonalen Stammzellen möglich wird, aber die Weiterentwicklung des Embryos blockiert wird;
auch Nährmedium spielt wichtige Rolle: auch darüber könnte man steuern, dass der Embryo realistische Entwicklungschancen nur bis zum Stadium der Blastozyste besitzt
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 7.4.04 S.N1)

·         Wilmut (“Schöpfer“ von Dolly) will mit seinem Klonverfahren Embryonen mit dem Erbgut von Patienten mit der degenerativen Nervenkrankheit ALS (Amytrophe Lateralsklerose) herstellen, um daraus embryonale Stammzellen zu gewinnen und daran die Krankheitsursachen zu untersuchen;
“das Klonen verspricht einen so großen Nutzen, dass es unmoralisch wäre, es nicht zu nutzen“;
als Lösung für die Eizellenknappheit beim therapeutischen Klonen spricht er sich dafür aus, Eizellen von Kühen zu verwenden
(GID 163/2004 S.28)

·         Frankreich verbietet explizit das reproduktive Klonen (als Verbrechen gegen die menschliche Gattung eingestuft)
(taz 10./11.7.04)

·         Im US-Bundesstaat Florida wurde nach der Geburt des Schafes Dolly jegliche Art des Klonens irgendeines Lebewesens verboten, bis jemand darauf hinwies, dass solch ein Verbot eine quietschende Vollbremsung sämtlicher medizinischer Forschung mit Zellkulturen, ja selbst landwirtschaftlicher Experimente bedeuten würde
(Die Zeit 6.5.04 S.16)

·         USA: Klon eines preisgekrönten Bullen erneut erfolgreich geklont (bereits vor 4 Jahren); bisher war das serielle Klonen nur bei Mäusen geglückt
(taz 25.5.04; GID 164/2004 S.34)

·         schon bald nach der Geburt wurde in Dollys Erbgut verkürzte Telomere entdeckt; just diese Schutzkappen an den Enden der Chromosomen gelten als Gradmesser für die Lebenserwartung; also Beweis der Lebenszeitverkürzung durch das Klonverfahren a la Dolly?
zwei deutsche Forscher haben überprüft, wie sich verschiedene Erzeugungswege bei Säugetieren auf die Telomerlänge auswirken; gleichgültig, ob Mäuse oder Rinder auf natürliche Weise, durch künstliche Befruchtung im Reagenzglas (IVF) durch Klonen aus fötalen oder erwachsenen Zellen entstanden sind – die Telomerlängen der Tiere sind gleich; Dollys verkürzte Telomere waren offenbar die Ausnahmen, nicht die Regel; das Enzym Telomerase stellt die Lebensuhr zu einem präzisen Zeitpunkt wieder auf Start, und zwar dann, wenn der Embryo in die so genannte Blastozyste übergeht; dann bringt die Telomerase die Telomere auf eine Standardlänge für das spätere Leben (auch bei den deutlich verkürzten Telomeren nach dem Klonen aus alten Zellen);
Dolly starb an einer in Schottland bekannten Schafkrankheit (Virusinfektion, Lungenentzündung, Antibiotikabehandlung nicht möglich, durch Viren verursachte Tumore in der Lunge, eingeschläfert)
“Das zelluläre Programm, das die „Lebensuhr“ eines Menschen bei der Geburt zurückstellt, soll auch beim Klonen funktionieren.“
(Die Zeit 19.5.04 S.36; GID 164/2004 S.30)

·         Der Wert des Klonens – eine Warnung vor übereilten Verdikten
Drei Gründe für Ablehnung des therapeutischen Klonens oft genannt:
1. für jeden Patienten müssten eigene embryonale Stammzellen neu hergestellt werden – das ist aber gerade der Grund, weshalb die Methode erforscht wird, um an Ersatzzellen heranzukommen, die genetisch mit den Zellen des Patienten übereinstimmen;
2. Notwendigkeit der Eizellspende – es könnte sein, dass das in Zukunft nicht erforderlich ist ( a)  Zellkern einer Patientenzelle in pluripotente Stammzelle implantieren, um daraus vielleicht leichter gewünschte Zellart zu züchten; b) Eizellen aus Stammzellen herstellen)
3. therapeutisches Klonen eröffnet den Weg zur Erzeugung geklonter Menschen – lässt sich biologisch und juristisch klar umgrenzen; eine versehentliche Einpflanzung einer Blastozyste in die Gebärmutter (Voraussetzung für jede Weiterentwicklung zum Menschen) kann es nicht geben; ist schon heute in Deutschland und in Korea eine Straftat
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.3.04 S.39; Detlev Ganten)

·         Wir verwenden ... die Begriffe „Forschungsklonen“ und „Fortpflanzungsklonen“ statt der eingeführten Begriffe „therapeutisches Klonen“ und „reproduktives Klonen“, um nicht den Eindruck zu erwecken, als ginge es heute schon um entwickelte therapeutische Optionen.;
weltweit besteht unter seriösen Wissenschaftlern Einigkeit darüber, dass das Fortpflanzungsklonen zumindest auf der Basis des heutigen Forschungsstands nicht vertretbar ist ...
aber wenn sich die Erfolgsquoten entscheidend verbessern ließen, die Entwicklung der geklonten Babys sich besser kontrollieren ließen, die Risiken erheblich vermidert werden könnten ...?
Die Argumente gegen das Fortpflanzungs-Klonen müssen schon grundsätzlicher Natur sein ...
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament, B23-24/2004 S.23)

·         Londoner Naturgeschichtemuseum beginnt, Erbgut und Gewebeproben von Tieren einzufrieren, die in der Wildnis als ausgestorben gelten; jeweils Pärchen werden „gerettet“; Duplikate gehen an zwei weitere Institute (USA, Australien); eines Tages sollen die Tiere per Klontechnik wieder entstehen
(Der Spiegel 32/2004 S.114)

·         Meinungsbildung im Nationalen Ethikrat in Deutschland:
Klonen zu Fortpflanzungszwecken und Klonen zu biomedizinischen Forschungszwecken (Stellungnahme 13.9.2004)

a) Klonen zu Fortpflanzungszwecken:

Votum: „Der NER spricht sich einstimmig für ein weltweites Verbot des Klonens von Menschen zu Fortpflan­zungszwe­cken ... aus. Ebenso einmütig ist der NER der Auffassung, dass das Klonen von Menschen zu Fort­pflanzungszwecken nicht nur mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Forschung, sondern unbedingt abgelehnt werden muss.“

Argumente (Auswahl):

·         Beim Klonen zu Fortpflanzungszwecken wird die genetische Ausstattung absichtlich von Dritten so festgelegt, dass sie mit derjenigen eines bereits lebenden oder verstorbenen Menschen identisch ist. Damit verstößt das Fortpflanzungsklonen gegen das Selbstverständnis und die grundlegenden Werte einer Gesellschaft, die sich auf die Achtung der Unverfügbarkeit jedes Menschen gründet.

·         Wenn Fortpflanzungsklonen von dem Ziel bestimmt wird, Menschen herzustellen, die den Vorstellungen und Er­wartungen ihrer „Produzenten“ entsprechen ... kommt es zu einer mit dem Respekt vor der Menschenwürde unvereinbaren Instrumentalisierung.

·         Klonen zu Fortpflanzungszwecken ist mit dem Bestreben verbunden, das Kopieren vorhandener Genome zu nut­zen, um Menschen mit bestimmten gewünschten genetischen Eigenschaften auszustatten. Gefördert und verwirklicht wird damit der Versuch einer positiven Eugenik.

·         Klonen zu Fortpflanzungszwecken verletzt mit der absichtlichen Festlegung der genetischen Ausstattung den Re­spekt vor der freien Entfaltung der Persönlichkeit und der Selbstbestimmung des Einzelnen. Diese müssen schon zu einem Zeitpunkt gesichert sein, zu dem die Ausübung der Selbstbestimmung noch nicht möglich ist.

·         Fortpflanzungsklonen verletzt die im menschlichen Selbstverständnis verankerte Vorstellung davon, wie Men­schen entstehen sollen.

·         Fortpflanzungsklonen führt zur Auflösung bislang selbstverständlicher Verwandtschafts- und Generationenver­hältnisse. Beziehungen mit zentraler Bedeutung für die soziale Identifikation werden so unklar.

·         Klonexperimente ... unter den gegenwärtigen Bedingungen ... hoher Verbrauch an Eizellen; gesundheitliches Ri­siko für Frauen, Gefahr von Instrumentalisierung und Kommerzialisierung

·         Fortpflanzungsklonen im Tierversuch bisher mit hohem Risiko schwerster Gesundheitsschäden und Fehlbildun­gen verbunden; hohe Rate an Fehlgeburten

·         zumindest in der Forschungsphase wären Menschenversuch unumgänglich

b) Klonen zu Zwecken der biomedizinischen Forschung:

Votum A): Beibehaltung des Verbots des Forschungsklonens (5 Unterzeichner)

Votum B): Begrenzte Zulassung des Forschungsklonens (12 Unterzeichner)

Votum C): Verbot des Forschungsklonens zum gegenwärtigen Zeitpunkt (5 Unterzeichner)

Gemeinsame Empfehlung zum Forschungsklonen:

„Der Nationale Ethikrat verständigt sich – unbeschadet der dargestellten divergierenden Voten – auf die Emp­fehlung, das Forschungsklonen in Deutschland gegenwärtig nicht zuzulassen.“

·         Klonen:
Definition
: Ein Klon ist eine Kolonie genetisch einheitlicher Zellen oder Organismen, die sich von einer einzigen Zelle herleiten (Fortpflanzung ohne Befruchtung).
Unter dem Vorgang des Klonens versteht man im wissenschaftlichen Sprachgebrauch die ungeschlechtliche Vermehrung von Zellen oder Organismen, wobei genetisch identische In­dividuen (also mehrere Zellen bzw. Lebewesen mit der gleichen Ausstattung an Erbgut) ent­stehen.

·         Reproduktives Klonen
Definition
: Als Klonen zu Fortpflanzungszwecken – auch „re­produktives“ Klonen genannt – bezeichnet man ein Verfahren, das letztlich auf die Herbeiführung einer Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes gerichtet ist, dessen Erbgut mit dem eines Spenders identisch ist.

·         Therapeutisches Klonen
Definition
: Als Klonen zu biomedizinischen Forschungszwecken – auch „therapeutisches“ oder „experimentelles“ Klonen genannt – wird ein Verfahren bezeichnet, bei dem nicht die Herbeiführung einer Schwangerschaft angestrebt wird, sondern die Herstellung einer Blastozyste (ein Stadium in der Entwicklung eines Embryos), aus der etwa am vierten Tag „embryonale Stammzellen“ für Forschungszwecke oder für Therapieversuche entnommen werden.

·         Großbritannien: Behörden haben erstmals Wissenschaftlern das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken erlaubt (Diabetesforschung); therapeutisches Klonen war schon seit 2001 erlaubt;
der Forscher mit der Klon-Lizenz kommt von der Universität München
(Freie Presse Chemnitz , taz 12.8.04; Der Spiegel 34/2004 S.17)

·         Wissenschaftler der Harvard University USA wollen landesweit als erste durch Forschungsklonen menschliche Stammzellen herstellen (private Forschungseinrichtungen sind von dem Verbot der Förderung solcher Forschung durch die Bush-Regierung nicht betroffen)
(taz 22.10.04)

·         Verhandlungen der UNO zu einer vertraglichen Regelung eines Klonverbots sind gescheitert; Rechtsausschuss verabschiedete stattdessen einen Vorschlag für eine nicht bindende Deklaration (einzelne Staaten werden aufgefordert, mit Gesetzen auf nationaler Ebene jede Form der Forschung an der Reproduktion von menschlichem Leben durch Klonen zu verbieten); zwar waren sich die 191 UN-Mitgliedsstaaten in ihrer Ablehnung des reproduktiven Klonens einig, unüberbrückbare Unterschiede gab es aber zum therapeutischen Klonen;
(taz 22.11.04, FP 20./21.11.04, Die Welt 22.11.04)

·         Argentinien; in Kuhzellen das menschliche Gen für Wachstumshormon eingeführt; aus den Zellen Kuh geklont; produzieren in ihrer Milch menschliches Wachstumshormon; 15 dieser Tiere könnten den weltweiten Hormonbedarf decken; Wachstumshormon früher aus Leichen gewonnen, derzeit aufwändig in Bakterienkulturen hergestellt;
pro Liter Milch 5 Gramm des Hormons;
(taz 7.1.05; GID 168/2005 S.33)

·         USA erstmals ein auf Bestellung geklontes Heimtier verkauft worden: 9 Wochen alter Kater für 50.000 Dollar; geklont aus einer Katze (Geschlecht? wohl auch ein Kater - JK), die nach 17 Jahren gestorben war
(taz 24./25.12.04)

·         Erzeuger des Klonschafs Dolly (Wilmut) darf jetzt auch menschliche Embryonen klonen; Aufsichtsbehörde erteilte Erlaubnis; W. will durch therapeutisches Klonen die seltene Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose erforschen
(Freie Presse Chemnitz 9.2.05)

·         Forscher in Südkorea dürfen offiziell (neues Bioethikgesetz) embryonale Stammzellen herstellen und daran forschen
(taz 14.1.05)

·         UNO; eine von den USA forcierte Empfehlung gegen das Klonen von Menschen durchgesetzt; Regierungen werden weltweit aufgefordert, alle Formen des menschlichen Klonens zu untersagen; auch therapeutisches Klonen soll damit verboten werden; die Empfehlung ist unverbindlich
(taz 21.2.05)

·         Frankreich Gesetz: Klonen Verbrechen gegen die Menschheit; auch therapeutisches Klonen verboten
(GID 165/2004 S.43)

·         Beratungsgremium in Japan empfiehlt Zulassung für therapeutisches Klonen
(GID 165/2004 S.35)

·         Buchbesprechung Kolata: Das geklonte Leben; der aus Dänemark stammende Reproduktionstechniker Stehen Willadsen habe, lange bevor das Schaf Dolly entstand, schon Rinder geklont, hat es nicht publiziert, aber Zeugen bestätigen es; es könnten schon Menschen geklont worden sein, unbeabsichtigt; bei ICSI werden bewegungsunfähige Spermien gezielt in Eizellen eingebracht; wenn aber fälschlicherweise eine sehr ähnliche Körperzelle injiziert wird, könnte das Ei seinen eigenen Zellkern ausstoßen, und dann wüchse ein Embryo heran, der rein väterliches Erbgut trägt, ein Klon!
(Die Zeit 15.1.1998)

·         UN-Vollversammlung hat Regierungen weltweit zu einem vollständigen Klonverbot aufgefordert, allerdings handelt es sich um eine nicht bindende Deklaration
(taz 9.3.05)

·         britische Kliniken bieten bis zu 1400 Euro an rumänische Frauen für eine Eizellenspende; EU-Parlament will Resolution verabschieden, die Kommission und Mitgliedsstaaten auffordert, dagegen vorzugehen
(taz 9.3.05)

·         in England erstmals in Europa menschliche Embryonen geklont; 11 Frauen Eizellen entfernt, den Eizellen DNA aus den Stammzellen eines Embryos eingepflanzt; 3 Embryos überlebten im Labor 3 Tage, einer 5 Tage
(Freie Presse Chemnitz 21./22.5.05)

·         Südkorea: Tiermediziner Hwang: Menschen sollen mit dieser Methode nicht geklont werden, muss verboten werden!; 11 Stammzell-Linien erzeugt; geklont aus Haut-Zellen von Patienten (männlich, weiblich, zwischen 2 und 56 Jahren alt); 9 Querschnittsgelähmte, 1 x Diabetes, 1x angeborene Immunschwäche; erfolgreich nur bei Eizellen, deren Spenderinnen jünger als 30 Jahre waren; vor einem Jahr: aus 242 Eizellen + Erbmaterial aus Körper-Zellen der Spenderinnen 1 Embryo erzeugt; diesmal aus 185 Eizellen durchschnittlich 17 Eizellen für eine Stammzell-Linie; wenigstens 10 Jahre werde es noch dauern, bis das „therapeutische Klonen“ dem ersten Patienten zugute kommen könnte ...
Zellen enthalten wahrscheinlich dieselben genetischen Defekte wie die Patienten mit Erbkrankheiten und sind daher nicht direkt zur Heilung einsetzbar
(taz 20.5.05; 21./22.5.05)
2005: FÄLSCHUNG!!!

·         südkoreanische Stammzelllinien nicht auf tierischen, sondern auf menschlichen Nährzellen gezüchtet
(Berliner Zeitung 20. Mai 2005)

·         EKD: Klonversuche in Südkorea und Großbritannien ethisch nicht akzeptabel
(Der Sonntag 29.5.05)

·         Chronik des Klonens und der Forschung mit embryonalen Stammzellen bei Tieren und Menschen
(Die Zeit 25.5.05 S.30)

Jahr

Art

Ereignis – Details

Kommentar

1902

Salamander

Spemann: Klonen durch Teilung (Abschnürung) eines Embryos

 

1952

Frosch

Briggs und King: Übertragen von Zellkernen aus Embryo­nen in ent­kernte Eizellen

aus 104 Versuchen 27 Kaul­quappen, kein Frosch

1986

Schaf, Rind

Willadsen: überträgt Zellkern aus in entkernte Eizelle; Lamm geboren; später auch Kälber

Erbgut aus embryonalen Zellen

1994

Mensch

Hall: Klonen durch Zerteilen menschlicher Embryonen

nicht entwicklungsfähige Emb­ryonen; Produkte zerstört

1996

Schaf

Wilmut: Klonschaf DOLLY aus Eu­terzellen

277 Eizellen; 1 erfolgreich ge­klontes Exemplar

1997

Schaf

Wilmut: geklontes Schaf POLLY, vorher Erbgut verän­dert

(Ziel: mensch­liches Gen zur Arzneimittelgewin­nung)

1997

Mensch

Thomson: erfolgreiche Züch-tung menschlicher embryonaler Stammzellen im Labor

aus „überzähligen“
Emb­ryonen aus der künstli­chen Befruchtung

1998

Maus, Rind

USA: Klonkalb; Klonmäuse

„Dolly-Methode“ funktio­niert
(Stand 2004:10 Säugetierarten)

1999

Maus

Brüstle: nervengeschädigte Mäuse mit embryonalen Maus-Stammzellen geheilt

 

2002

Mensch

Deutscher Bundestag erlaubt Im­port menschlicher embry­onaler Stammzellen

Bedingung: Gewinnung der Zellen vor dem 1.1.2002

2003

Mensch

Thomson: gezieltes Aus-schalten oder Ersetzen kranker Gene in menschlichen ES-Zellen

 

2003

Maus

Schöler: aus ES-Zellen von Mäusen Eizellen gezüchtet

evtl. später Eizellspenden nicht mehr nötig

2004

Mensch

Hwang Woo Suk: Gewinnung menschlicher ES-Zellen aus ge­klontem Embryo

242 Eizellen, Zellkerne aus Hautzellen der Eizellspen­de­rinnen, 1 stabile Zell-Linie
2005: FÄLSCHUNG!!!

2005

Mensch

Hwang Woo Suk: ES-Zellen aus ge­klonten Embryonen

Erbgut aus Hautzellen von Pa­tienten; 185 Ei­zellen, 11 stabile Zell-Linien (Spenderinnen < 30 Jahre)
2005: FÄLSCHUNG!!!

2005

Primaten

bisher konnte kein Affe ge­klont werden

grundsätzliche Schwierigkeit auch beim Men-schen?

 

·         erstmals haben Klone von Wildtieren gesunde Junge zur Welt gebracht (2 Wildkatzen, 8 Junge, auch der Vater ist ein Klon); Potenzial, vom Aussterben bedrohte Tierarten zu retten; auch Experimente wie in „Jurassic Park“, in dem längst ausgestorbene Tiere wieder zum Leben erweckt wurden,, halten Experten inzwischen grundsätzlich für möglich;
(taz 23.8.05,)

·         Paläogenetik; Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik: Jurassic Park vorerst Science-Fiction, theoretisch sei nun aber die Neuerschaffung ausgestorbener Kreaturen immerhin vorstellbar;
DNA-Moleküle überdauern bestenfalls 60.000 Jahre in versteinerten Knochen;
aber die Urgene stecken noch immer in jedem neuzeitlichen Genom;
durch Vergleiche mit heute lebenden Arten das Urgenom (des ersten echten Säugers Eomalia) errechnen; dann große Abschnitte chemisch synthetisieren und mit gentechnischen Verfahren in Mäuse verfrachten
(Die Zeit 7.7.05 S.29)

·         Kanada: erstmals gelungen, Insekten zu klonen, 800 Versuche – 5 erwachsene Tiere
(bdw 2/2005 S.7)

·         Südkorea (Institut, in dem auch erstmals menschliche Embryonen geklont wurden): afghanischen Hirten-HUND geklont, 1500 Eizellen, 1095 geklonte Embryonen, 123 Leihmütter-Hündinnen, 3 Schwangerschaften, 1 Fehlgeburt, 1 Klon starb kurz nach der Geburt
(Freie Presse Chemnitz 4.8.05, Der Spiegel 32/2005 S.119, Die Zeit 4.8.05 S.31)

·         bisher geklont: Schaf, Maus, Rind, Ziege, Schwein, Kaninchen, Katze, Maultier, Pferd, Ratte, seltenes Wildrind, Hund
(taz 5.8.05)

·         zusätzlich geklont: Hirsch
(Der Spiegel 32/2005 S.119)

·         Klonkater und 2 geklonte Katzen zeugen erfolgreich natürlichen Nachwuchs (8 Kätzchen, 5 überleben)
(GID 172 Okt/Nov05 S.31)

·         Klonforscher Hwang-Woo Suk (Korea) als Betrüger und Fälscher entlarvt:
Freiwilligkeit der Eizell-Spenderinnen in Zweifel gezogen: 2 waren Untergebene Mitarbeiterinnen, 20 hatten für ihre Eizellen je rund 1200 Euro bekommen;
bei Überprüfungen wurde jetzt kein Beweis dafür gefunden, dass er jemals überhaupt menschliche Stammzellen geklont hat;
es gibt damit nun auch keinen Beleg mehr dafür, dass es möglich ist , aus Patientenzellen „maßgeschneiderte“ Stammzellen für die Therapie einer Krankheit herzustellen;
der geklonte Hund „Snuppy“ ist nach Prüfung aber wirklich ein echter Klon
(Spiegel 51/05 S.144; taz 11.1.06; taz 13.1.06)

·         deutscher Staatsbürger Miodrag Stojkovic (Tiermediziner) klont in Großbritannien menschliche Embryonen;
ist dort erlaubt, wenn eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde vorliegt; Mehrheit der Bevölkerung unterstützt solche Projekte;
über 80% der Patientinnen der benachbarten Fruchtbarkeitsklinik spenden überschüssige Eizellen und Embryonen für die Forschung;
im Mai 2005 hat S. mit seinem Team erstmals menschliche Embryonen geklont; diese Klone überlebten nur wenige Tage, zu kurz, um Stammzellkulturen aus ihnen zu gewinnen;
Ziele seiner Forschung: aus geklonten Stammzellen neue Bauchspeicheldrüsenzellen für Diabetiker züchten, dabei an den geklonten Zellen genetische Veranlagung für Diabetes genauer erforschen, molekulare Mechanismen verstehen, die beim Klonen eine Körperzelle in den embryonalen Zustand zurückverwandeln
(Die Zeit 1.9.05 S.36)

·         S.34: Eine weitere Form des Klonens besteht in der Übertragung von Zellkernen. Hierbei soll die Empfängerzelle die genetische Information des fremden Zellkerns übernehmen.
(Gentechnologie Chancen und Risiken 6 In-vitro.Fertilisation, Genomanalyse und Gentherapie; Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe von BMF und BMJ, J. Schweitzer Verlag, München 1985)

·         Klon-Star Wilmut (Schaf Dolly) gestand ein, dass sein Anteil an Dolly lediglich ein Drittel betragen habe, die anderen zwei Drittel habe sein damaliger Institutskollege Professor Keith Campbell geleistet (er wurde in den Publikationen zu Dolly immer als Mitautor aufgeführt, aber nach Wilmut); Wilmut hat die Experimente nicht durchgeführt, aber das Forscherteam geleitet;
zwei Techniker des Instituts reklamieren, dass sie eigentlich die Hauptarbeiten bei der Entwicklung von Dolly geleistet hätten (bei der Publikation kamen sie nur in einer Fußnote vor)
(taz 17.3.06)

·         Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (Zeko) setzt sich dafür ein, dass auch in Deutschland menschliche Stammzellen aus geklonten Embryonen herstellbar sein müssen; Mehrheit in der Zeko tritt sowohl beim Embryonenschutz als auch bei der Eizellspende für ein abgestuftes Modell ein, frühe Embryonen sollen demnach ethisch unterschiedlich bewertet werden, je nachdem, wie sie gewonnen wurden und ob ihre Entwicklungsfähigkeit eingeschränkt ist;
Eizellen: blastozysten-ähnliche Strukturen verwenden, die unfähig (gemacht worden) sind, sich zu einem ganzen menschlichen Organismus zu entwickeln? (es entsteht zwar menschliches Leben = human life, aber kein menschliches Wesen = human beeing); überzählige E. aus der IvF verwenden?; E. aus entfernten Eierstöcken nutzen?; es gehört zum Selbstbestimmungsrecht einer Frau, über Eizellspende zu entscheiden;
Zeko will vom „Forschungsklonen mit dem Ziel therapeutischer Anwendungen“ sprechen;
Abstufung bei Zuerkennung von Menschenwürde und Lebensschutz in frühen Phasen der Entwicklung eines Embryos entspräche der verbreiteten moralischen Intuition und den vielfältigen Regelungen des geltenden (Abtreibungs-)Rechts;
auch der Bioethiker des Max-Delbrück-Zentrums (Tannert, Berlin) möchte alle Embryonen „außerhalb des Mutterleibes“ als „Quasi-Embryonen“ umdefinieren und so der Forschung zugänglich machen;
(taz 31.3.06;
www.zentrale-ethikkommission.de/10/20ForschKlonen,html )

·         sieben Forschungsteams – drei in den USA, drei in Europa und eins in China – kündigten an, patientenspezifische Stammzellen aus geklonten Embryos herzustellen (darunter auch Dolly-Schöpfer Wilmut); die einzige gesicherte Erkenntnis aus den Versuchen des Südkoreaners Hwang besagt: Erfolge wird es nur geben, wenn die Kloner für die Experimente sehr frische Eizellen von Frauen unter 30 Jahren benutzen können, innerhalb einer Stunde nach der Entnahme aus dein Eierstöcken; d.h. viele Eizellen werden benötigt, aber Eizellspende ist umstritten; Ausweg aus dem Dilemma: Spende überzähliger Eizellen aus Fruchtbarkeitsbehandlungen
(Zeit 24.5.06 S.45)

·         China: Geburt eines Klonkalbs gemeldet, das gegen BSE resistent sein soll;
auch eine Arbeitsgruppe an der LMUni in München arbeitet an BSE-resistenten Rinder (Produktion von Prionen ausgeschaltet)
(taz 28.4.06)

·         französische Biotech-Firma hat weltberühmte Sportpferde geklont; für einen Erfolg hunderte von Eizellen nötig; von 12 Stuten wurden 3 trächtig, 2 verfohlten, 1 erfolgreiche Geburt;
Kosten für eine Kopie: 250.000 Euro
bisher weltweit geklont: Schafe, Rinder, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Ratten, Mäuse, Katzen, Hunde;
viele männliche Turnierpferde werden kastriert und können daher keinen Nachwuchs zeugen;
(Spiegel 9/2006 S.140ff)

·         Fälschungen des südkoreanischen Klonforschers Hwang; die in Misskredit geratenen Forscher versuchen, die Echtheit ihrer 2004 geklonten menschlichen Zelle zu beweisen, eine Analyse ergab, dass die Zelle tatsächlich Gene „vom Vater und der Mutter“ (des Spenders des Zellkerns JK) aufweise; die Untersucher der Fälschung hatten gemeint, es sei hier Jungfernzeugung aufgetreten; noch offen
(GID 175 April/Mai 2006 S.39)

·         USA geklonte menschliche Embryonen bis zum 6-Zell-Stadium; 2004 erster Menschenklon in Großbritannien; auch Belgier melden erste Klonerfolge
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.14)

·         Erfolgsquoten beim Klonen von Tieren: Rinder bis zu einem Drittel, Schafe 5-10%, Schweine 1-6%, Ziegen 3-7%;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.14)

·         australische Parlament hat Weg für das therapeutische Klonen freigemacht; seit 2002 bestehendes Verbot zur Nutzung gespendeter Ei- und Körperzellen für medizinische Forschung aufgehoben
(taz 7.12.06)

·         südkoreanische Forschergruppe hat erneut erfolgreich drei Hunde geklont
(taz 22.12.06)

·         US-Lebensmittelbehörde FDA sieht keinen Unterschied zwischen normaler Milch und Fleisch von Nutztieren und Produkten aus geklonten Tieren; Entscheidung veröffentlicht, bis April können dazu noch Stellungnahmen eingereicht werden;
texanische Firma will geklonte Kühe und Schweine vermarkten, Steaks und Schinken sollen saftiger und herzhafter sein als derzeitige Produkte; Kühe sollen mehr Milch geben, Klonverfahren wie bei Schaf DOLLY;
andere Unternehmen kombinieren die DOLLY-Methode mit gentechnischen Eingriffen: Tier trägt dann auch neue artfremde Gene, z.B. das Omega-3-Schwein enthält besonders hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die als gesundheitsfördernd gelten (dafür wurden 1.633 Schweineembryonen geklont, 10 geborene Ferkel, nur 6 hatten das gewünschte Gen, 2 wegen Herzfehlers getötet)
(taz 30.12.06)

·                     USA Rinder geklont, denen der potenzielle Erreger von BSE fehlt; zunächst an isolierten Zellen von Holsteiner Rindern gezielt das Gen ausgeschaltet, das für die Prionen zuständig ist, die bei BSE krankhaft verändert sind; aus veränderten Zellen nach der DOLLY-Methode 12 Rinder geklont, 3 für Forschungszwecke getötet; übrige sollen nun infiziert werden; Tiere sind mittlerweile 2 Jahre alt
(taz 3.1.07; Freie Presse Chemnitz 3.1.07, ZEIT 4.1.06, )

·                     in den USA werden bereits über 500 Klonkühe gemolken; Milchleistung nur knapp über dem Durchschnitt;
beim Klonen von Pferden nach der DOLLY-Methode 500 bis 1000 Eizellen nötig, um eine einzige erfolgreiche Schwangerschaft zu erreichen;
Klonforscher gefragt: Wie weit prägen Gene ein Wesen? Darüber haben wir ziemlich genaue Vorstellungen. Zu 30 bis 35 % sind die Gene verantwortlich, was wir sind und was wir tun. Der Rest ist die Umwelt.
(Die Zeit 15.2.07 S.56)

·                     Gesetzentwurf der britischen Regierung, erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen die Herstellung von Tier-Mensch-Embryonen für die Stammzellforschung; „echte“ Hybride  - durch Verschmelzung von menschlichen und tierischen Keimzellen – sind weiterhin verboten; es wäre aber erlaubt, zu Forschungszwecken tierische bzw. Zellen in menschliche Embryonen oder menschliche DNA in tierische Eizellen einzubringen; einzige Bedingung ist, dass die entstehenden „zytoplasmatischen Hybride“ nur 14 Tage am Leben gelassen und nicht zur Herbeiführung einer Schwangerschaft verwendet werden; Gesetz ist Reaktion auf die Ankündigung britischer Forscher, wegen des hohen Bedarfs an Eizellen beim Klonen auf Hasen- oder Kuh-Eizellen auszuweichen
(GID 182 Juni 2007 S.41)

·                     USA: erstmals gelungen, embryonale Stammzellen aus Affen-Embryos zu gewinnen
(taz 22.6.07)

·                     österreichischer Biologe Karl Illmensee befürwortet in einem Fachjournal das Klonen von Menschen; berichtet von einem Experiment, bei dem er einen geklonten Em