weitere infos genetik gentechnik
Fakten,
Meinungen, Bewertungen
zu
Gentechnik, Genetik, Fortpflanzungsmedizin, Klonen, Stammzellforschung usw.
(Sammlung
von den 1990er Jahren bis 2012 © Joachim Krause, Hauptstr. 46, 08393 Schönberg )
A) Hier können die einzelnen Zusammenstellungen nach dem Datum ihrer Erstellung eingesehen werden, aktuellste Sammlungen zuletzt:
19.7.2000
, 1.8.2000,
1.11.2000
, 21.12.2000
, 4.1.2001
, 12.3.2001
, 7.8.2001
, 8.8.2001
, 11.9.2001
, 26.10.2001
, 7.1.2002
, 23.1.2002
, 24.1.2002
, 6.2.2002
, 5.3.2002
, 30.4.2002
, 3.7.2002 , 27.8.2002 , 21.11.2002 , 20.1.2003 , 4.2.2003 , 26.2.2003 , 17.4.2003 , 24.6.2003 , 27.8.2003
, 24.11.2003
, 28.4.2004
, 16.7.2004
, 30.11.2004
, 3.3.2005
, 2.6.2005, 2.9.2005, 20.1.06, 21.1.06, 30.5.06, 18.8.06, 2.1.2007, 7.6.2007, 20.7.2007, 7.11.2007, 1.2.2008, 20.5.08, 10.7.08, 7.1.09, 26.6.09, 16.12.09, 27.1.2010, 30.3.2010, 27.10.2010, 21.1.2011, 17.6.2011, 2.12.2011, 7.3.2012 (Nachtrag
„historischer“ Fakten aus den 1990er Jahren)
B) In der folgenden Zusammenfassung sind alle bisher
erfassten "Lesefrüchte" in einer Datei vereinigt.
Sie sind nach den gleichen Stichworten sortiert wie in den
Einzelerfassungen.
Die gesuchten Stichworte können auch direkt angeklickt werden; darunter sind
die erfassten Beiträge in der Regel chronologisch aufgelistet (älteste Einträge
zuerst, letzte Eintragungen farbig markiert am Ende).
Es kann allerdings vorkommen, dass etwas, was (eigentlich oder auch) unter
„Gesetze“ fällt, hier unter einem anderen Sachstichwort, z.B. „Klonen“, zu
finden ist.
Fakten zu
Genetik / Gentechnik
Zusammenstellung aller Einzel-Sammlungen
vom 19.7.2000 bis 7.3.2012
die Sammlung wird
fortlaufend aktualisiert, die aktuellsten Einträge befinden sich jeweils am
Ende der Zusammenstellung zu den einzelnen Stichworten und sind farbig
gekennzeichnet
am 7.3.2012 wurde die
Sammlung ergänzt um ältere Fakten aus den 1990er Jahren, die jeweils zu Beginn
der einzelnen Stichworte ROT eingefügt wurden
© Joachim Krause, Hauptstr.
46, 08393 Schönberg
C) Gentechnik in der
Humanmedizin
M) Gentechnik in
Nahrungsmitteln
R) Stammzellen und
Embryonenforschung
U) IVF, Schwangerschaft,
Eizellspende
W) Gentechnik militärische
Nutzung
Grundsätzliches:
·
Definitionen können
nicht wahr oder falsch sein, sondern allenfalls angemessen, zweckmäßig oder
plausibel.
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 302)
·
Wolfgang Huber:
Argumente werden nicht gezählt, sondern gewogen
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
einige Definitionen:
·
Die Medizin ist
der Prototyp einer Wissenschaft, die ihre Einheit in der Vielfalt ihrer
Disziplinen von den Zielen her gewinnt, auf die sie gerichtet ist. Diese Ziele
sind die Erkennung, Therapie und Heilung, Linderung sowie Verhütung von
körperlicher und psychischer Krankheit. Die Medizin als Wissenschaft steht in
einer instrumentellen Beziehung zu diesen Zielen. Sie stellt Mittel bereit –
diagnostische, therapeutische, präventive – zu deren Erreichung. Dieser
instrumentelle Charakter wird durch die naturwissenschaftliche Ausrichtung der
modernen Medizin verstärkt.
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe
für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 39)
·
Biotechnologie:
ganz allgemein der Einsatz biologischer Systeme im Rahmen technischer Prozesse
und industrieller Produktion
Gentechnologie:
Anwendung spezieller molekularbiologischer Methoden zur Änderung der
genetischen Eigenschaften von Organismen
FARBENLEHRE der Gentechnik:
Die Anwendung gentechnischer Methoden in der Pflanzenzüchtung, die Nutzung
gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft und im
Lebensmittelsektor wird als GRÜNE GENTECHNIK bezeichnet;
Bei der ROTEN GENTECHNIK handelt es sich um medizinische Anwendungen –
etwa die Entwicklung neuartiger Arzneimittel sowie diagnostischer und
therapeutischer Verfahren;
Bei der GRAUEN bzw. WEISSEN GENTECHNIK geht es um die Nutzung
gentechnisch veränderter Mikroorganismen zur Herstellung von Enzymen oder
Feinchemikalien für industrielle Zwecke, in der Mikrobiologie und der Umweltschutztechnik
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen
und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.2)
·
Q:
SPIEGEL 13/1996 S.194ff.
- Weltkongreß der Genom-Forscher
- schon für rund 700 erbliche Krankheiten wurden auslösende Gene lokalisiert,
allein auf X-Chromosom Gene von über 200 Erbkrankheiten
- vor allem US-Wissenschaftler klären menschl. Erbgut im Eiltempo auf
- in wenigen Jahren werden sämtliche drei Milliarden Gen-Bausteine der menschl.
Erbsubstanz entschlüsselt sein
- Einzelgene bestehen aus bis zu 300000 Nukleotiden
- die rund 100000 Erbinformationen, die alle Körperfunktionen des Menschen
steuern, beanspruchen nur drei Prozent des DNS-Bandwurms
- an die 30000 Gene glauben Wissenschaftler mittlerweile geortet zu haben
·
Q:
Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- Vermutung: 4500 monogen bedingte vererbte Krankheiten
- Mensch 50-100000 Gene; davon bisher für 4000 Position im Genom bestimmt
- im Human Genom Project sollen nicht nur alle Gene kartiert, sondern auch alle
3 Mrd. Basenpaare sequenziert werden (bisher 10 Mill.)
·
GID
128 8/98 S.5
Genetischer Code nicht einheitlich?
1993 Hefepilz baut häufig statt Leucin Serin ein
„ungenau“ arbeitende t-RNA in Bäckerhefe eingebaut: funktioniert und bewirkt
bes. Resistenz gegenüber Hitze, Schwermetallen, Antibiotika...
·
jede zweite
Krebserkrankung soll auf einen Ausfall des Gens p53 zurückgehen; Pharmakonzern
Pfizer erfolgversprechende Tierversuche, Gen zu reparieren (hier: Eiweiß soll
korrekte Form einnehmen)
(GID 138/2000 S.29)
·
Titel: Der
(fast) unsterbliche Mensch / Den Göttern gleich
Zellmechanismen, die zum Altern (Sterben) beitragen:
a) Verschleiß
in den Mitochondrien entstehen frei Radikale, schädigen M. und greifen andere
Zellstrukturen an;
b) verkürzte Enden
an den Enden der Chromosomen als Schutzkappen Telomere; verkürzen sich bei
jeder Zellteilung, wirken wie eine innere Uhr; ab best. kritischer Länge keine
weiteren Zellteilungen mehr
c) defekte Gene
Enzym Helicase öffnet DNS-Doppelstrang, Basen-Fehler können korrigiert werden;
bei defekter Helicase unterbleibt die Korrektur
(Spiegel 17/2000 S. 159/180)
·
vollständiges
Erbgut des Menschen besteht aus etwa 6,6 Mrd. DNS-Bausteinen
(GEO 2/2000 S.164)
·
p53 Wächter-Gen
Eiweiß kontrolliert ordentliche Zellteilung:
a) kleine Fehler werden repariert
b) zu große Fehler: Selbstzerstörungsprogramm für die Zelle wird eingeleitet
bei Mutationen von p53: entartete Zellteilung möglich, Krebs, 1 Zelle reicht;
60% aller Krebsfälle p53-Störung
·
Durchmesser
einer Tierzelle im Mittel 20 Mikrometer;
Durchmesser DNS-Molekül Doppelhelix 3 x 10-9 m;
Gedankenspiel - Vergrößerungsfaktor 1:100000:
1 Mensch 170 km lang;
1 Zelle 2 m Durchmesser
DNS-Molekül-Faden einer Zelle: 170 km lang, 0,3 mm dick
·
einzelne
Menschen weisen Abweichungen auf, durchschnittlich aller 500 Buchstaben = 10
Mill. Abweichungen ziemlich willkürlich über den Text verstreut; das macht den
genetischen Unterschied zwischen Individuen aus; Mann und Frau unterscheiden
sich in einem Chromosom, in 2% der gesamten Information; der Unterschied zwischen
Menschenmann und Schimpansenmännchen beträgt nur etwa 1,6 Prozent
(bdw 2/2000 S.44; Jens Reich)
·
väterliche
mitochondriale DNS befindet sich (selten) auch noch im Acht-Zell-Stadium in
embryonalen Zellen; also nicht nur mütterliche Vererbung!
(GEO 3/2000 S.188)
·
Doppelhelix, in
sich verdrillte (Strick-)Leiter; die Sprossen der Leiter bilden je zwei Basen,
die Holme (die Stricke) bestehen aus Phosphat- und Zuckermolekülen; die beiden
Basen fügen sich paßgenau ineinander (verhaken sich perfekt), sie sind
„komplementär“; stets bilden A und T sowie C mit G eine Leitersprosse; zum
Ablesen der Gene oder zur identischen Verdopplung der DANN wird die Doppelhelix
wie ein Reißverschluß geöffnet und ein neues Molekül mit komplementärer
Basenfolge ergänzt
·
überall
Proteine: Strukturproteine in Sehnen, Knorpeln, Knochen; Transportproteine
befördern lebenswichtige Moleküle, z.B. Sauerstoff; Enzyme sind verantwortlich
für biochemische Reaktionen;
Werkzeuge, Boten- und Baustoffe des Lebens
·
Humangenom-Projekt:
zunächst nur bekannt: ein durchlaufender genetischer text ohne Komma; der
nächste, entscheidende Schritt wird sein, den vorliegenden Text auch zu
verstehen, welche Funktion kommt den schätzungsweise 80-100000 menschlichen
Genen zu?
·
entschlüsseltes
Erbgut:
Virus 1977: 5375 Basenpaare
Bakterium Haemophilus influenzae 1995
Bäckerhefe 1996: 6000 Gene (viele mit Genen des Menschen identisch!)
Fadenwurm Caenorhabditis elegans 1998: 959 Zellen, 6 Chromosomen, 100 Mill.
Basenpaare
·
SNIP´s:
genetische Variation: ein einzelner Nukleotidbaustein ist verändert; beim
Menschen etwa aller tausend Basenpaare ein Nukleotid
(VFA: Gene und Genom)
·
Fruchtfliege
Drosophila monogaster 13601 Gene 180 Mill. Basenpaare
von 289 Genen, die Mediziner für Krankheiten beim Menschen verantwortlich
machen, gibt es 177 entsprechende Varianten bei der Fruchtfliege
(Spiegel 13/2000 S.286)
·
genetische
Sprache ist - bis auf wenige Ausnahmen - für alle Lebewesen gültig; eine
bestimmte Buchstabenfolge wird immer in das gleiche Protein übersetzt, Insulin
entsteht in entsprechend veränderten Pflanzen-, Hefe- und Bakterienzellen
(VFA: Gentechnik)
·
270 Zellarten
beim Menschen
(taz 14.7.2000 S.17)
·
Menschliches
Genom 30000-150000 Gene
(taz 27.6.00)
·
kleinstes
menschliches Chromosom entschlüsselt, Chr. 21 hat 225 Gene, von denen 127
eindeutig identifiziert sind;
Gesamtzahl menschlicher Gene wohl unter 40000
(FP 9.5.00)
·
Chr. 21: 33
Mill. DNS-Bausteine
(taz 9.5.00)
·
nur rote
Blutkörperchen enthalten keine genetischen Informationen;
die Chromosomen selbst sind nur so etwas wie Behälter;
würde man die DNS aller 46 Chromosomen einer Zelle aneinander reihen, zwei
Meter lang; Strang aber nur 1/500000 mm dick;
(Stern 27/2000 S.59ff)
·
Doppelfäden der
DNS, die sich im Kern jeder Körperzelle zusammenknäueln, enthalten Anweisungen
für alles, was Leben ausmacht;
menschliche Erbgut-Sequenz entschlüsselt: was Forscher bis jetzt geleistet
haben, sieht wie ein Text in einer fremden Sprache aus, in dem die Wörter nicht
getrennt sind, Punkt wie Komma fehlen und (sinnvolle) Sätze durch lange
Strecken sinnlosen Gebrabbels unterbrochen werden. Die Wissenschaftler sehen
den genetischen Bauplan des Menschen, verstanden haben sie ihn noch nicht.;
nur drei bis 5 % der DNS-Fäden enthalten die wertvollen Erbinformationen, der
Rest ist vielleicht nichts als eine Art Biomüll;
(Spiegel 26/2000 S.78ff.)
·
Tomate eines der
28 Gene für Größe der Frucht isoliert; hohe Übereinstimmung der
Aminosäure-Sequenz mit einem Gen, das beim Menschen Krebs entstehen lassen
kann
GEO 10/2000 S.213
·
selbst
„schlechte“ Gene haben gute Seiten... z.B. Mukoviszidose: Menschen, bei denen
auf beiden Chromosomensätzen das entsprechende Gen defekt ist, leiden unter
einer schweren Stoffwechselkrankheit. Unbehandelt sterben sie schon als
Kinder. Die Krankheit ist aber so weit verbreitet, daß sie einen Vorteil für
heterozygote Träger haben muß. Das sind Menschen mit einem gesunden und einem
kranken M.-Gen. Experimente an Mäusen haben gezeigt, daß diese Genkombination
sie vor dem Tod durch Cholera schützt. Diese Krankheit war früher weit
verbreitet und damit ein wichtiger Evolutionsfaktor.
bild der wissenschaft 10/2000 S.30
·
zunehmende
Unsicherheit, was unter einem GEN überhaupt zu verstehen ist...
bis vor einigen Jahren ein GEN als ein Abschnitt auf der DNA definiert, der die
Information für ein Protein enthält; inzwischen weiß man aber, daß bei vielen
Genen ein Teil der zunächst abgelesenen Information nachträglich wieder
entfernt wird; darüber hinaus wurden überlappende GENE und
GENE innerhalb anderer Gene gefunden; kann ein Gen nicht mehr als ein Abschnitt
auf der DNA definiert werden...
GID 141 8-9/2000 S.5
·
Wer ist
eigentlich der Mensch, dessen Erbgut im Humangenomprojekt entschlüsselt wurde?
Im öffentlichen Projekt: nicht ein einzelner Mensch, sondern ein „Mosaikmensch“
aus 13 Männern und Frauen;
bei CELERA: 5 US-Bürger (2 weiße Männer und drei Frauen: afrikanischer,
mexikanischer und chinesischer Herkunft), dazu ein anonymer Spender;
zwei menschliche Individuen sind zu 99,9% genetisch identisch; das ergibt
Abweichungen in 3 Millionen „Buchstaben“;
der Pferdespulwurm verpackt sein Erbgut in zwei Chromosomen, der Natterfarn
verteilt es auf rekordverdächtige 630; selbst bei Säugetieren starke
Schwankungen: der urtümliche Muntjak-Hirsch hat sechs Chromosomen, Schimpanse
48
GEO 9/2000 S.59
·
im Mai saß in
einer Kneipe in Cold-Spring-Harbor USA die High Society der Humangenetiker
zusammen; Wette um die Gesamtzahl der menschlichen Gene: Gebote zwischen 27462
und 200000
GID 141 8-9/2000 S.39
·
Telomerase,
Hoffnungsträger vieler Mediziner und Altersforscher, ist in die Kritik geraten;
das so genannte Unsterblichkeits-Enzym kann ein Onkogen aktivieren (Onkogene
können Entstehung von Krebs begünstigen oder sogar selbst auslösen):
[Enzym Telomerase „repariert“, verlängert die Telomere, die Schutzkappen auf
den Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden]
bild der wissenschaft 10/2000 S.9
·
die 100000 Gene
des Menschen produzieren zirka 20 Millionen verschiedene Proteine;
Längst ist das einstige Dogma der Molekularbiologie - ein Gen kodiert für ein
Protein - hinfällig. Denn häufig werden die frisch produzierten Proteine in
kleinere Teile zerschnitten, und die übernehmen ganz unterschiedliche
Funktionen. Zudem verknüpfen Zellenzyme neue Eiweiße mit unterschiedlichen
Zuckermolekülen, beladen sie mit Phosphaten oder Metallionen. Das wiederum verändert
die Eigenschaften der Eiweiße drastisch.
Die Zeit 13.7.2000 S.33
·
Basenpaare im
Erbgut verschiedener Organismen;
Mycoplasmen sind die einfachsten bisher bekannten Lebewesen (Parasiten in
Pflanzen und Tieren);
Mycoplasma genitalium besitzt nur 517 Gene;
|
Lebewesen |
Basenpaare |
|
|
Mycoplasmen |
1 x 106 |
1 x 106 |
|
Bakterien |
4,2 x 106 |
4,2 x 106 |
|
Hefen |
1,3 x 107 |
13 x 106 |
|
Schleimpilze |
5,4 x 107 |
54 x 106 |
|
Würmer |
8,0 x 107 |
80 x 106 |
|
Insekten |
1,4 x 108 |
140 x 106 |
|
Vögel |
1,2 x 109 |
1200 x 106 |
|
Amphibien |
3,1 x 109 |
3100 x 106 |
|
Säugetiere |
3,3 x 109 |
3300 x 106 |
Die Zeit 19.4.2000 S.38
·
künstliche Chromosomen,
die man zusätzlich in den menschlichen Körper schleusen könnte;
dorthinein die gewünschten zusätzlichen Gene einbringen;
wenn der so veränderte Mensch die Autotherapie nicht nutzen will, schaltet er
die zusätzlichen Gene eben nicht an (z.B. Schalter in Form eines Medikamentes);
es könnten molekulare Scheren mit verpackt werden, die bei der Reifung von Ei-
und Samenzellen jedes zusätzliche künstliche Erbstück wieder entfernen, damit
künftige Generationen nicht mit veralteten Genen herumlaufen müssen...
Die Zeit 25.5.2000 S.18
·
das Dogma „ein
Gen à ein Protein“ gilt
nicht mehr;
TU Dresden, Vortragsreihe Biotechnologie – Zukunft der Menschheit? Prof. Claus
Bartram, Heidelberg, 16.11.2000 „Prädiktive Diagnostik – Chancen und Probleme“
·
Wette der Elite
der Erbgutforscher: wie viele Gene hat der Mensch? Antworten zwischen 27462 und
312462; Hoffnung, es im Jahre 2003 zu entscheiden
(Der Spiegel 1/2001 S.68)
·
Zelle hat sich
als der Welt komplexeste Maschine entpuppt; gleichzeitig werden in jeder Zelle
Tausende unterschiedlicher Eiweiße in exakt kontrollierten Mengen hergestellt,
maßgerecht zurechtgeschneidert und –gefaltet, in abgemessene Portionen gepackt
und an genau vorgegebene Adressen befördert; müssen ihr Tun sorgfältig
abstimmen mit Milliarden von Schwesterzellen;
Fadenwurm Caenorhabditis elegans; besteht aus genau 959 Zellen; hat knapp 20000
Gene
(Der Spiegel 50/2000 S.148ff.)
·
210 bekannte
Typen menschlicher Körperzellen
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)
·
der Mensch hat
nur doppelt so viele Gene wie die Fruchtfliege, kaum 300 mehr als die Maus,
fünfmal so viel wie die Hefe;
statt der vermuteten 80000 bis 100000 Gene nur rund 30000;
Craig Venter: „Wir sind nicht fest verdrahtet...Es gibt einfach nicht genug
Gene, um die These von der biologischen Bestimmung des Menschen
aufrechtzuerhalten.“:
3% des Genoms sind Gene; Rest: sich häufig wiederholende Abfolgen, deren
Bedeutung weitgehend ungeklärt ist (Steuerung von zeitlicher Entwicklung?);
(taz 12.3.2001)
·
Familie der sog.
7-Transmembran-Rezeptoren, lassen sich mit Briefkästen vergleichen, über die
die Zelle Informationen aus dem Körper empfängt;
im Schnitt unterscheiden sich zwei Menschen nur in jedem 1250. Gen-Buchstaben
(Der Spiegel 8/2001 S.209)
·
Mensch 32000 bis
39000 Gene; Fadenwurm 18000, Ackerschmalwand 26000,;
menschliche Gene können, anders als bei Wurm oder Fliege, nicht nur ein Protein
herstellen, sondern durchschnittlich drei, manche sogar Tausende, ;
das Genom des Menschen besitzt laut Venter die Fähigkeit, etwa 250000
verschiedene Proteine herzustellen;
(taz 1.3.2001)
·
Versuche, ein
drittes Basenpaar in die DNA einzufügen; die zum Leben unbedingt nötigen
Sequenzen ließen sich von Synthesemaschinen künstlich herstellen: künstliches
Leben;
(bild der wissenschaft 1/2001 S.100ff)
·
Telomerase
(Unsterblichkeitsgen) kann ein Onkogen aktivieren (Brustkrebsvariante, an der
in den USA jährlich 70000 Frauen sterben);
beim Wurm h.elegans verhindert ein Gen die Eiablage, das beim Menschen mit
verantwortlich ist für Alzheimer
(bild der wissenschaft 10/2000 S.9)
·
Schweiz:
Mutation auf Gen 21 Ursache für angeborene Taubheit
(Sächsische Zeitung 12.1.2001)
·
Y-Chromosom des
Menschen hat mehr als 2 Dutzend Gene, X-Chromosom über 2000
(GID 143 S.33)
·
Schätzung, dass
es etwa für die Hälfte aller Hefe-Gene und für 60% bei der Fruchtfliege ein
menschliches Pendant gibt, ebenso für rund 80% aller Erbanlagen des
Zebrafisches und für 95% bei der Maus;
ein DNS-Abschnitt kann die Blaupause für mehrere Eiweiße sein;
weniger als 2% aller Erbgut-Buchstaben ergeben einen sinnvollen Text;
während in einer Nervenzelle Zehntausende Gene aktiv sind, reichen einem roten
Blutkörperchen ganze 500
(Das Parlament 11/2001 S.5)
·
jedes Gen hat
auch seinen Sinn. Es gibt Hinweise, dass Genträger durch das Mukoviszidose-Gen
gegen Cholera resistent sind, würde die Häufigkeit des Auftretens erklären
(Arbeitskreis Leben mit Mukoviszidose, Folien PID 9/2000 Folie 7)
·
das längste
menschliche Gen überspannt 2,4 Millionen Basen (Bauplan für Muskelprotein
Dystrophin), besteht allerdings größtenteils aus nichtcodierender DNA;
Rekordhalter bei codierenden Sequenzen: Gen für Muskelprotein Titin (178
Exons, größtes enthält 17106 Basen);
das alte Dogma: „Ein Gen für ein Protein“ gilt nicht mehr; die bruchstückhafte
Zusammensetzung menschlicher Gene ermöglicht es, viele verschiedene Proteine
aus demselben Gen zu bilden, indem Exons wie Filmschnipsel unterschiedlich
kombiniert werden; für jedes Gen gibt es einige alternative „Lesarten“ (trifft
auf mind. 35% der menschlichen Gene zu);
Hox-Cluster, die die normale Entwicklung steuern, enthalten nur 2% wiederholte
Elemente;
(Die Zeit 15.2.01 S.31ff)
·
einige wenige
Gene für hohes Alter verantwortlich, auf Chromosom 4 entdeckt
(Freie Presse Chemnitz 28.8.01)
·
Gene silencing
(gezieltes Abschalten von Genen) als schnellerer Weg zur Identifizierung der
Gen-Funktionen;
RNA interference (RNA-Einmischung, RNAi);
in Säugetierzellen jetzt auch Erfolge durch Verwendung kürzerer
(doppelsträngiger) RNA´s, die die Umsetzung der Zell RNA durch chemische
Anlagerung verhindern
(BioMedNet News 27.7.01)
·
Weizen besteht
durch Kreuzung von Getreidesorten aus drei verschiedenen Gräsern und hat von
drei weiteren Pflanzen Chromosomenanteile
(dpa August 2001)
·
Eric Lander ((in
seinem Inst. 1/3 des menschlichen Erbguts entschlüsselt):
Der letzte Satz in unserer Veröffentlichung zum Humangenom lautet: Je mehr wir
über das Erbgut lernen, desto mehr Fragen tun sich auf. Das ist die einzige
wahre Aussage, die wir im Moment über seine Arbeitsweise machen können. Ich
entdecke mehr und mehr Rätsel im Genom...;
repetitive DNA – Schrott im Erbgut? – es gibt nichts Triviales im menschlichen
Erbgut.;
Zahl der Gene etwa 35000;
als hätte die Evolution mit Bauklötzen gespielt, nur etwa 7% der genetisch
gesteuerten Proteinfunktionen sind echte Neuerfindungen in der Geschichte der
Wirbeltiere bis zu uns Menschen, der Rest beruht auf Verdoppelung und
Neukombination alter Gene – offenbar ein machtvoller Mechanismus
(Die Zeit 23.8.01 S.25)
·
Günter Blobel:
Modell: Zelle als Großstadt, Briefträger verteilen die Stoffe über
Postleitzahlen; 20000 verschiedene Arten von Eiweißmolekülen besitzt jede
Zelle, eine Milliarde insgesamt; jede Eiweißsorte ist für eine andere
Zellfunktion zuständig; die Zelle muss ständig neue Eiweiße machen, und sie
muss sie an die richtigen Stellen schicken; deshalb hat jede Zelle
Postleitzahlen, einen Code – diese Codes weisen den Eiweißmolekülen den Weg
(Freie Presse 28.11.01)
·
beim Menschen
enthält das Zellplasma der Eizelle 13 proteinkodierende Gene der
mitochondrialen DNA, die aber mit etwa 0.01 bis 0,02 Prozent nur einen winzigen
Teil des Gesamtgenoms des Menschen ausmachen
(Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Recht und Ethik der modernen
Medizin“, Teilbericht Stammzellforschung, 12.11.01, S.33)
·
Die 30000 bis
40000 Gene, die der Mensch wahrscheinlich in seinen Zellen trägt, können allein
nicht erklären, wie die ungeheure Komplexität des Lebens entsteht; nicht im
Genom liegt „Biotechs nächster heiliger Gral“, sondern im Proteom, der
Gesamtheit der Eiweißmoleküle mit all ihren Eigenschaften und Funktionen;
Forschungsrichtung heißt: Proteomik; die meisten Eiweiße lagern sich mit
anderen der vielleicht Zehntausende Mitglieder zählenden Familie der Proteine
zu Verbänden zusammen; gefunden: Multiprotein-Verbände aus 1440 Eiweißen;
Proteinteams durchschnittlich 12, höchstens 83 Eiweiße;
(Der Spiegel 3/2002 S. 168)
·
wenig bekannt
über Wirkung der Eiweiße, die ja auch Gene an- und abschalten; die Produkte der
Gene, die Proteine, bergen das eigentliche Geheimnis; ein Botenmolekül (m-RNS)
dient als Bauvorlage für verschiedene Proteine, die dann wiederum zu Komplexen
zusammentreten
(ZDF 16.1.02 Bublath; Gene: zerstörte Hoffnungen?)
·
Vor Tumoren
geschützt und doch krank
Eiweiß "p53" schützt vor Krebs, hat aber Nebeneffekte;
Genveränderte Mäuse, die ein Krebs hemmendes Eiweiß im Übermaß produzieren,
sind zwar besser vor Tumoren geschützt als genetisch normale Vergleichstiere.
Doch gleichzeitig altern sie offenbar schneller.
(Berliner Zeitung vom 8.1.2002)
·
Das Erbgut DNA
setzt sich aus vier Bausteinen zusammen - abgekürzt als A,T,G und C. Jeweils
zwei Bausteine bilden ein Paar. Die etwa 3,2 Milliarden Paare des menschlichen
Genoms reihen sich zu einer Kette auf. Die Kette besteht nicht aus einem
durchgehenden Strang, sondern verteilt sich auf die Chromosomen. Außer den Geschlechtschromosomen
"X" und "Y" besitzt der Mensch 22 weitere Chromosomen. Sie
sind der Größe nach nummeriert - Chromosom "22" ist das kleinste.
(Berliner Zeitung 20.12.2001)
·
4.1.10 Die
Totipotenz vom Embryonen ist demnach für sich genommen kein hinreichendes
objektives Kriterium für das Vorhandensein eines neuen Menschen. Einerseits
lässt sich im Gedankenexperiment durchspielen, dass man aus einer Blastozyste
vorübergehend eine totipotente einzelne Zelle entfernt und nach einer Weile
reimplantiert. Eine substanzontologische Betrachtungsweise des Embryos gerät in
diesem Fall in Konfusionen, weil sie annehmen müsste, dass mit der Entnahme
einer Zelle aus der Blastozyste ein weiterer Embryo – d..h.ein werdender Mensch
– entstanden ist,, der mit der Reimplantation der Zelle verschwindet bzw.
“stirbt ”.Sodann besteht inzwischen – zumindest prinzipiell – die
Möglichkeit,, jede Körperzelle eines Menschen in eine totipotente Zelle zurückzuverwandeln.
Dadurch vermehren sich die argumentativen Konfusionen. Dies spricht nicht gegen
einen umfassenden Embryonen- schutz,wohl aber gegen seine substanzontologische
Begründung,die der Totipotenz die Hauptlast der Argumentation zumutet.
8.10 Zu klären ist auch die derzeit strittige Frage,ob es sich bei embryonalen
Stammzellen tatsächlich nur um pluripotente oder aber doch noch um totipotente
Zellen handelt,die sich wie der Embryo,dem sie entnommen wurden,noch immer zu
einem vollständigen Menschen entwickeln könnten.Hierfür gibt es einige Indizien
aus der Forschung an Embryonen von Affen,denen bislang nicht weiter
nachgegangen wurde.Die Argumentation der DFG aber stützt sich stark darauf,dass
Totipotenz für embryonale Stammzellen auszuschließen sei. Die Frage der
Toti-bzw.Pluripotenz bedarf der Klärung,weil im Sinne der Beweislastum-kehr
nicht das Verbot,sondern die Zulassung der Forschung an embryonalem Gewebe in
be- sonderer Weise begründungsbedürftig ist.
(Verantwortung für das Leben; Eine evangelische Denkschrift zu Fragen der
Biomedizin; Im Auftrag des Evangelischen Oberkirchenrats A.und H.B.der
Evangelischen Kirche A.und H.B.in Österreich erarbeitet von Ulrich H.J.Körtner
in Zusammenarbeit mit Michael Bünker; Wien 2001)
·
zentralasiatische
Kröte hat in jeder Zelle einen dreifachen Chromosomensatz;
bei der Produktion der Keimzellen drittelt das Männchen seine dreifachen
Erbgutstränge; das Weibchen tut das zunächst auch, verdoppelt aber nach dieser
Phase noch einmal einen seiner Chromosomensätze; auf diese Weise stecken in den
Nachkommen zwei Drittel mütterliche und ein Drittel väterliche Gene
(Die Zeit 21.2.02)
·
für das Leben im
Eiswasser sind antarktische Fische mit einem fabelhaften Frostschutzmechanismus
gerüstet: Sie produzieren in der Leber einen Cocktail spezieller Eiweiß-Zucker-Verbindungen.
Diese so genannten Glykopeptide heften
sich an die Oberfläche mikroskopischer Eiskristalle und verhindern deren
weiteres Wachstum. Die molekulare Gefrierbremse funktioniert bis –2,7 Grad
Celsius
(Die Gene dafür wurden meiner Kenntnis nach in der Vergangenheit in Pflanzen
eingebracht, deren Früchte damit gegen Frühfröste unempfindlich wurden, JK)
(GEO 3/2002 S.210)
·
DNA von
Agrobacterium tumefaciens komplett entschlüsselt; Genom besteht aus vier
Teilen: je einem ringförmigen und einem linearen Chromosom und zwei
ringförmigen Plasmiden;
At kann 600 verschiedene Pflanzenarten infizieren (Wucherungen bilden sich =
Gallen; Pflanze produziert andere Zucker, die dem Bakterium als Nahrung
dienen);
(GID 150/2002 S.20)
·
ein Mensch hat
etwa 100 Billionen Zellen
(Fax Detlef Ganten an JK 11.4.02)
·
Genom von Reis
ist fast komplett entschlüsselt
(Berliner Zeitung vom 5.4.2002)
·
bisher waren 21
Aminosäuren als Bausteine für Proteine von Lebewesen bekannt; jetzt Aminosäure
Nr. 22 Pyrrolysin in einem Einzeller entdeckt
(Der Spiegel 22/2002 S.165)
·
primitivstes
Wesen der Welt entdeckt; Bakterie in 120 m Tiefe auf dem Meeresgrund; bei knapp
100 Grad; Erbgut wahrscheinlich weniger als 500000 Basenpaare; etwa 400 Gene
(Der Spiegel 19/2002 S.?)
·
Reisgenom entschlüsselt,
mit 45000 bis 56000 bzw. 42000 bis 63000 Genen mehr als der Mensch (30000 bis
40000); 41 ärmste Länder dürfen Ergebnisse für sich kostenfrei nutzen
(GID 151 4-5/2002 S.16)
·
Genom des
wichtigsten Malaria-Erregers bald entschlüsselt
(GID 151 4-5/2002 S.29)
·
Zwillingsforschung:
dass die charakterlichen Unterschiede mindestens zu 40 bis 50% von der Umwelt
geprägt werden;
(Spiegel 8/2002 S. 186)
·
Jeder Biologe
weiß, dass die winzigen Kraftwerke in den Zellen von Säugetieren, Mitochondrien
genannt, nur von der Mutter vererbt werden. Zwar besitzen auch Spermien
Mitochondrien, doch diese werden - so steht es in jedem Lehrbuch - mit dem
Schwanzteil bei der Befruchtung der Eizelle abgestoßen. So sicher waren sich
einige Biologen dieser Regel, dass sie gar die Evolutionsgeschichte der
Menschheit darauf aufbauten: Die Afrika-These, wir stammen alle von einer
Urmutter aus Afrika ab, hatte vor allem durch die genetischen Untersuchungen
der Mitochondrien und deren weltweite Verteilung Auftrieb bekommen. Mediziner
an der Kopenhagener Universitätsklinik haben jetzt das Dogma gekippt. Sie
fanden erstmals einen Menschen, dessen Mitochondrien zum großen Teil vom Vater
stammen.
(taz 30.8.2002)
·
DNAH11 heißt ein
Gen auf Chromosom 7, das entscheidend dazu beiträgt, dass bei der Entwicklung
von Embryonen die inneren Organe ihren richtigen Platz zugewiesen bekommen.
(taz 21.8.02)
·
300 bis 500
Millionen Menschen infizieren sich jährlich mit Malaria, 1 bis 2 Millionen
sterben daran; seit 1996 Entzifferung der Gensequenz des Malariaerregers,
jetzt Datenbank mit 25 Mill. Bausteinen im Internet; Wissenschaftler in Gießen
haben Genschnipsel aufgespürt, der einen Stoffwechselschritt bewirkt, der im
menschlichen Organismus nicht vorkommt; ein Wirkstoff, der diesen Mechanismus abschalten
würde, schadet den Erregern, aber nicht den menschlichen Zellen...; Problem:
Malaria ist eine Krankheit der Armen, Konzerne scheuen Entwicklungskosten von
mindestens 500 Mill. US-Dollar für Medikament;
auch Genom des Überträgers (Stechmücke Anopheles) inzwischen vollständig
entschlüsselt
(Die Zeit 22.8.02 S.29; 10.10.02)
·
Telomere sind
Endstücke der Chromosomen, umhüllen die Enden wie Kappen bei Schnürsenkeln und
halten sie zusammen, bestehen aus sich ständig wiederholenden DNA-Sequenzen und
sind für die Verdopplung der Chromosomen vor einer Zellteilung unverzichtbar;
da bei diesem Prozess aber jedes Mal ein Stück der TELOMERE VERLOREN GEHT;
VERMUTETEN Biologen in den 90er Jahren, dass in diesen Strukturen unsere
Lebensuhr tickt; für Zellen, die sich stark vermehren, (Haut, Darmschleimhaut,
Leber) stimmt das auch, sie sterben, wenn ihre Chromosomen-Enden aufgebraucht
sind und werden durch andere ersetzt;
aber dass Telomere damit die Lebensspanne eines höheren Organismus wie des
Menschen bestimmen, ist inzwischen widerlegt
(bild der wissenschaft 11/02 S.28)
·
für den Menschen
gibt es nicht nur 30000, sondern 40-50000 Gene; lieber von Gen-Orten sprechen:
ein solcher Genort stellt viele verschiedene Produkte her, wir kennen viele
Beispiele, wo ein Gen 5 verschiedene Produkte macht; man weiß fast nichts über
die Abschnitte neben den eigentlichen Genen, die Kontrollregionen, sie entscheiden
darüber, ob ein Gen Aktiv ist und welches Produkt am Ende entsteht;
(Die Zeit 10.10.02 S.34)
·
Andre Reis,
Deutsches Humangenom-Projekt: kündigte für Frühjahr 2003 die vollständige
Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes an, bisher seien mehr als 90% der
Sequenz erforscht
(epd-wochenspiegel ost 40/02 S. 11)
·
bisher hieß es,
98,5% des menschlichen Genoms seien mit dem Erbgut des Schimpansen identisch;
Forscher Kalifornien: wenn auch Einschübe und Verluste in den Genabschnitten
berücksichtigt werden, beträgt der Abstand zwischen Affe und Mensch 5%
(taz 27.9.02)
·
in den letzten
500 Jahren 60 Geburten von Nachkommen von Maultieren dokumentiert; eigentlich
unfruchtbar; Pferde haben 32 Chromosomenpaare, Esel nur 31; Maultiere haben
danach 63 Chromosomen – eine ungerade Zahl, die sich nicht in Paare teilen
lässt; bei einer Geburt in Marokko wird jetzt geprüft, ob das Muttertier (Maultier)
bei der Paarung mit einem Eselshengst vielleicht nur seine Esels-Chromosomen
vererbt hat
(Der Spiegel 43/02 S.215)
·
Genmutation bei
Fruchtfliege beschrieben, die die Lebensdauer des Tieres etwa verdoppelt; das
veränderte Langlebigkeitsgen bremst die Umwandlung von Eiweißen, Fetten und
Kohlenhydraten in Energie
(taz 30.10.02)
·
entschlüsselte
Genome:
|
Art |
Chromosomen |
Basenpaare |
Anzahl |
Jahr der |
|
Mensch |
23 |
3286 Mill |
30-40000 |
2001 |
|
Maus |
20 |
2700 Mill |
30000 |
2002 |
|
Fruchtfliege |
4 |
317 Mill |
13500 |
2000 |
|
Ackerschmalwand |
5 |
125 Mill |
26000 |
2000 |
|
Reis |
12 |
466 Mill |
50000 |
2002 |
|
Bäckerhefe |
16 |
13 Mill |
6500 |
1996 |
|
E-coli K12 |
1 |
4,6 Mill |
4400 |
1997 |
|
Fadenwurm |
männl. 5 / |
97 Mill |
20000 |
1998 |
(GEO
Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.162ff))
·
Genom des
Menschen:
8% Heterochromatin;
53% der DNS vielfach kopierte, ständig wiederholte Sequenzen;
13,5% nicht zuzuordnen;
25,5% Gene, davon 24% Introns und nur 1,5% Exons (proteincodierende Regionen)
die Zelle schreibt zunächst unterschiedslos informationstragende Exons und die
dazwischen liegenden Introns in RNS um; erst ein Zellwerkzeug, das Spleißosom,
trennt dann die Introns heraus und fügt die Exons zusammen; die sinnvollen
Abschnitte eines menschlichen Gens umfassen im Mittel nur 1000 bis 2000
Basenbausteine, die sinnlosen Einsprengsel können ein Vielfaches ausmachen
(Beispiel: Bauplan für Muskeleiweiß Dystrophin steckt in 14000 Basen von
insgesamt 2,4 Millionen des entsprechenden Gens); die Zellen können die Exons
in unterschiedlicher Weise miteinander kombinieren (aus „kreisen“ die Wörter
Kreis, Reise, Reis, Eis, reisen, Krise bilden);
rund 60% der menschlichen Gene bieten eine Vorlage für zwei oder mehr Proteine;
nicht mehr: „ein Gen = ein Protein“, sondern: „Gen ist Sinneinheit im Genom,
die für ganze Proteinfamilien zuständig ist“;
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.46ff)
·
Bauplan des
menschlichen Chromosoms Nr. 14 entziffert; 1050 Gene und Genfragmente; mehr als
60 Gene, die Krankheiten auslösen können; 87.410.661 Basenpaare
(taz 3.1.03)
·
Craig Venter
will (mit finanziert vom US-Energieministerium mit drei Millionen Dollar) einen
einzelligen Organismus aus Einzelbausteinen künstlich erzeugen, der die
Mindestzahl von Genen besitzt, die für ein eigenständiges Leben notwendig sind,
der sich teilen und selbst reproduzieren könne;
die Arbeit könnte die Fähigkeit der USA verbessern, existierende biologische
Waffen zu entdecken und zu bekämpfen
(taz 22.11.02)
·
ein
hervorragendes Buch für das Verstehen der Grundlagen von Genetik und Gentechnik
(nicht nur für Kinder!!!): Was ist Was? Band 111: „Die Gene“, Tesloff Nürnberg,
2001, 48 Seiten, 16,80 DM
·
wissenschaftlich
bestätigt: Maultiermutter in Marokko hat echtes Fohlen geboren, eigentlich
passen die Chromosomensätze nicht, Pferde haben 64, Esel 62 Chromosomen (taz
7.2.03)
·
James Watson:
Kenntnis des Genoms: Bisher haben wir ein Buch aufgeschlagen, aber das können
wir noch nicht lesen. Bis wir es vollständig verstehen, kann es noch 500 Jahre
dauern
(Spiegel 9/2003 S. 168)
·
Wolfgang
Schäuble: eineiige Zwillinge haben nicht den gleichen Fingerabdruck
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
vor 50
Jahren Struktur der DNS entdeckt;
Jens Reich:
dass man heute das Genom lebender Organismen wie mit einem Textverarbeitungsprogramm
bearbeiten kann: Textbausteine aufsuchen und identifizieren, kopieren, löschen,
korrigieren, entwerfen und optimieren. Genauer gesagt: es waren Erfindungen
nicht des Menschen, sondern von Bakterien: Nahezu alle Gentechnologie beruht
nämlich heute auf biochemischen Werkzeugen, die von diesen winzigen Zauberern
der Überlebenskunst erfunden und vom Menschen lediglich in einer Art geistigen
Diebstahls fürs Labor adaptiert wurden.
(Die Zeit 20.2.03 S.31)
·
In
frühhistorischer Zeit muss eine furchtbare Seuche über Europa gezogen sein.
Überlebt haben damals offenbar vor allem Menschen mit einem Genfehler, der vor
dem unbekannten Erreger schützt. Dieses defekte CCR5-Gen ist noch immer in der
nordeuropäischen Bevölkerung weit verbreitet. Das hat auch heute noch Folgen:
die CCR5-Variante bietet nämlich auch einen gewissen Schutz vor einer
Ansteckung mit HIV.
(Die Zeit 20.2.03 S.34)
·
durch gezielte
Ausschaltung einzelner Gene für Wachstum und Energiestoffwechsel können
Genetiker dem natürlichen Tod von Würmern, Fliegen und Mäusen Einhalt
gebieten; Mäuse leben ein Viertel länger, Würmer doppelt so lange
(Die Zeit 23.1.03 S.23)
·
Jede der etwa
100 Billionen Zellen des menschlichen Körpers enthält im Zellkern 23
Chromosomenpaare mit der Erbsubstanz DNS (Desoxyribonukleinsäure). Die
Erbsubstanz wiederum liefert das genetische Programm zur Steuerung aller
Lebensfunktionen der Zellen. Dazu gehören: Zellteilung; Funktion von Nerven,
Sinnesorganen und Muskeln; Erhaltung der Stabilität von Knochen und Bindegewebe;
Energiegewinnung aus der Nahrung; Immunabwehr; Bildung, Transport und Abbau
von biologisch wichtigen Molekülen; Signalübertragung und die Regulation aller
dieser Vorgänge. Die zellulären Funktionen der verschiedenen Gewebe sind mit
dem Ziel eines harmonischen Zusammenwirkens des Gesamtorganismus aufeinander
abgestimmt.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.5)
·
Neben den
Chromosomen im Zellkern („nukleäres Genom“) befindet sich in den Mitochondrien,
die in großer Zahl im Zytoplasma der Zelle vorkommen, ein weiteres Genom
(„mitochondriales Genom“), das aus einer ringförmigen DNA besteht. Es enthält
16569 Basenpaaare mit insgesamt 37 Genen... ;
äußerst selten führen Mutationen auch einmal zu einer funktionellen
Verbesserung;
Vergleich der Genome zweier Menschen: 0,1% d.h. 3 Millionen Sequenzunterschiede
(Reihenfolge der Basenpaare);
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.7ff)
·
früher: 1 Gen à 1 Boten-RNA à 1 Protein
ABER: im Genom herumspringende Gene, Gene die sich vielfach wiederholen, Gene
deren codierende Teile (Exons) immer wieder von den nicht codierenden Introns
unterbrochen werden (zwar wird ganze Gensequenz abgelesen, aber die Introns
später herausgeschnitten)
(bild der wissenschaft 4/03 S.26)
·
Prof. Ganten:
vor 1 Jahr publiziert: vor 100000 Jahren gab es Veränderungen im menschlichen
Erbgut; 1 Gen hat sich so verändert (Chromosom 14, 1 Aminosäure ausgetauscht),
dass Feinmotorik im Gesicht, für Sprache usw. möglich geworden ist; Beginn der
Kulturfähigkeit des Menschen
(ÖKT 2003, Religion und Wissenschaft, Französische Friedrichstadtkirche,
30.5.03, 10.30 Uhr)
·
die Entzifferung
des menschlichen Erbgutes ist nach 15 Jahren Arbeit praktisch abgeschlossen,
die Human-Genom-Organisation (HUGU) hat die endgültige Reihenfolge aller rund
3 Milliarden Bausteine des Erbgutes in ihren Datenbanken gespeichert
(taz 11.4.03)
·
Mücken, die
den Malaria-Erreger oder das gefürchtete West-Nil-Virus übertragen, werden
durch eine winzige Mutation in ihrem Erbgut unempfindlich gegen Insektengifte
(ein einziger Genbaustein ist ausgetauscht)
(taz 9.5.03)
·
RNA trägt nicht
nur Kopien der DNA im Zellkern zu den Ribosomen, wo nach dem Bauplan Proteine
hergestellt werden;
RNA entscheidet auch, welche Gene abgelesen werden (organisiert die
„Verpackung“ der Erbinformation, das Heterochromatin);
andere RNA verhindert, dass Gene ihren Platz im Chromosom verlassen (beim
„Gen-Sprung“ könnten andere Gene beschädigt werden);
diese zusätzlichen Funktionen werden von sehr kleiner RNA durchgeführt, die
bisher als uninteressanter „Zellschrott“ galt
(Bild der Wissenschaft 6/2003 S.40)
·
Progerie:
frühzeitige Alterung im Zeitraffer; in einem Gen 1 Buchstabe (Base) verändert
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20. April 2003, Nr. 16)
·
durch
(sanften) Druck, der auf Fruchtfliegen von außen ausgeübt wurde, wurden Gene aktiviert, die
das Ausbilden der Bauchorgane steuern
(Spiegel 39/03 S.178)
·
Untersuchung
2001: Erbgut von Mensch und Schimpanse unterscheidet sich um 1,24%, Schimpanse
und Gorilla um 1,63%, Mensch und Orang Utan um 3,08%
(GEO 9/03 S.122ff)
·
Insulin-Gen
enthält nur 2 Introns, das Dystrophin-Gen 78 (nur 1% der Gesamtlänge sind
kodierende Sequenzen);
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was
verraten unsere Gene? 82 Seiten S.8)
·
RNA-Interferenz,
RNAi:
gezielt einzelne Gene ausschalten (genauer: die Produktion der codierten
Eiweiße verhindern);
natürlicher Vorgang: nicht immer sind Proteine, die in den Ribosomen produziert
werden, für die Zelle nützlich (unkontrollierte Produktion im Übermaß oder
Proteine, deren Bau von Viren veranlasst wird); Zellen fangen die unerwünschte
Boten-RNS ab, ehe der Bau der Proteine beginnt; Regulierungsgene senden
doppelsträngige RNS in die Zellen, diese Moleküle werden gehäckselt; kleine
RNS-Schnipsel werden in Blockereinheiten eingebaut; lagern sich an gesuchte
Boten-RNS an und blockieren Eiweißsynthese;
man kann künstlich solche RNS-Suchsequenzen im Labor zusammenbauen und
losschicken: z.B. gegen Grippevirus oder Erreger der Kinderlähmung im Labor
bereits erfolgreich
(Der Spiegel 50/03 S.190)
·
Mitochondrien-DNA:
(mtDNA) ist ein kleines ringförmiges DNA-Molekül mit ungefähr 16600
Basenpaaren; jedes Mitochondrium enthält 5-10 mtDNA-Moleküle, und eine Zelle
kann Hunderte oder Tausende Mitochondrien haben
(EIBE Einheit 2 DNA Profilanalyse, 2000, S.8)
·
nach dem Genom
von Mensch und Maus nun das Genom der Ratte bekannt:
25000 Gene; nahezu alle Gene, die bei der Entstehung von Krankheiten beim
Menschen eine Rolle spielen, so oder mit ähnlicher Struktur auch bei der Ratte
gefunden
(taz 2.4.04)
·
Entwicklung von
affenähnlichen Vorfahren zum Menschen durch Mutation an einem Gen?
MYH16 produziert bei Affen ein Protein, das ihnen zwischen Schädel und Kiefer
zwei extrastarke Muskeln wachsen lässt; ermöglicht 10x stärkeres Zubeißen als
beim Menschen; Mutation vor 2,4 Mill Jahren: Kaumuskel verschwindet, aber
Schädel wird nun nicht mehr zusammengeschnürt, sondern zum Wachstum befreit
(größeres Gehirn)
(Der Spiegel 14/04 S.175)
·
Forscher
MPI-Leipzig: wollen Nachweis erbracht haben, dass FOXP2, ein wahrscheinlich für
die Steuerung der Sprechmuskulatur notwendiges Gen, nur beim modernen Menschen
vorkommt, nicht aber bei Menschenaffen oder Mäusen
(taz 13.2.04)
·
ein Gen aus
einer Zelle im Innenohr von Hühnern kann 576 verschiedene Proteine produzieren;
Rekord: ein Gen der Fruchtfliege, das bis zu 38000 verschiedene
Proteinvarianten erzeugen kann
(GID 162/2004 S.35)
·
vor einigen
Jahrzehnten glaubte man, dass die Erbanlagen nur zu 30% den Menschen bestimmen,
heute, dass sich Gene und Umwelteinfluss etwa die Waage halten
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.163)
·
der Lurch besitzt
in seiner DNS 30x so viele Bausteine wie der Mensch
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.223)
·
Beim RNA-Editing
wird das von der DNA abgelesene ursprüngliche RNA-Transkript nicht bloß
auseinander geschnitten und Teile davon neu zusammengesetzt, wie das beim
Genspleißen der höheren Organismen der Fall ist. Vielmehr werden bestimmte
Nukleotide mit Hilfe von Leit-RNAs und Enzymen aus der Sequenz herausgeschnitten
und durch andere Nukleotide ersetzt, bevor die Messenger-RNA in ein Protein
übersetzt wird. Bei diesem Vorgang geht die ursprüngliche Komplementarität zum
Genort auf der DNA, von dem die RNA abgeschrieben wurde, verloren ... Wo ist
das Gen? Wo ist die Information? ...
(GID-Spezial Nr.4 Dezember 2003 S.38)
·
Fadenwurm c.
elegans; Lebenserwartung von 20 auf durchschnittlich 124 Tage gesteigert; ein
Gen verändert, das es dem Wurm ermöglicht, bei mangelndem Nahrungsangebot oder
Stress in eine Art Starre zu verfallen (bis zu 2 Monate) – diese
Lebensverlängerung nun auch ohne Starre erreicht; zusätzlich
Fortpflanzungssysteme entfernt, was Lebensspanne um weitere 60% erhöhte (Effekt
nicht auf Unfruchtbarkeit, sondern Veränderungen in der Übertragung hormoneller
Signale zurückzuführen)
(bdw 1/2004 S.17)
·
Detlev Ganten:
wir wissen bei konservativer Schätzung, dass bei einer Zellteilung (beim
Menschen) ungefähr 12 Ablesefehler passieren; nicht viel, bezogen auf die 3
Milliarden Einzelbausteine, die jedes Mal kopiert werden müssen; aber ein
Mensch hat 100 Billionen Zellen, also 12 x 100 Billionen Ablesefehler in nur
einem Menschen; das bedeutet, das Genom, das von Vater und Mutter kommt, ist
dann nicht nur in der befruchteten Eizelle, sondern in jeder Zelle wieder
anders
(Publik-Forum 16/2003 S.48)
·
speziell die für
grundlegende Funktionen der Zellen verantwortlichen „Haushaltsgene“ und ihre
Produkte sind von der Bierhefe bis zum Menschen weitgehend gleich aufgebaut;
das Protein Cytochrom C ist sogar zwischen MENSCH und Schimpanse vollständig
identisch, unterscheidet sich zum Rhesusaffen aber in einer, zum Wal in 10
Aminosäuren;
die funktionell wichtigen Abschnitte der DNA stimmen bei Schimpansen und
Menschen zu 99,4% überein und zeigen damit eine größere genetische Nähe des
Sch. zum Menschen als zu anderen Menschenaffen; eine neue Namensgebung beginnt
sich folgerichtig durchzusetzen: Schimpanse (Pan troglodytes) uns Bonobo (Pan
paniscus) werden neuerdings in brüderlicher Weise als Homo troglodytes und Homo
paniscus bezeichnet;
gut ein Zehntel unserer menschlichen DNA besteht aus Retrotransposons, verstümmelten
Resten von Viren, die sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte in unser Erbgut
eingeschlichen haben; viele Gene des Menschen haben sich ursprünglich in
Bakterien entwickelt;
gegenüber der DNA von Chromosomen des Zellkerns zeichnet sich die der Mitochondrien
durch eine ungenauere Fehlerkorrektur bei der Vererbung und deshalb durch eine
zehnfach höhere Mutationsrate aus;
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht
arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.14ff.,
58)
·
das menschliche
Genom liegt jetzt beinahe vollständig entziffert vor
(Freie Presse Chemnitz 29.10.04)
·
Schnabeltier
(Australien) besitzt 10 Geschlechts-Chromosomen
(Der Spiegel 45/2004 S.172)
·
Anzahl der Gene:
Mensch 20-25.000 (3,3 Mrd. Basenpaare); Wurm C.elegans 19.500; Pflanze
Ackerschmalwand 27.000 (115 Mill. Basenpaare)
(taz 21.10.04)
·
genetischer Code
relativ flexibel: die meisten Aminosäuren sind nämlich nicht durch drei Basen
eines Tripletts definiert, sondern bereits durch die beiden ersten, die dritte
Base ist in diesen Fällen variabel; betrifft eine Mutation die dritte Base
eines Tripletts, codiert das Codon in der Regel weiterhin die gleiche
Aminosäure
(NZZ 24.4.03)
·
siRNA small
interfering RNA; neu entdeckte (2001), besonders kleine RNA-Spezies steuert das
Werden der Organismen, wehrt Virenattacken auf das Erbgut ab und reguliert die
Aktivität der Gene (wie oft ein Gen abgelesen wird); nur 21 bis 23 Basenpaare
lang; Boten-RNA wird damit blockiert; inzwischen wird mit maßgeschneiderten
künstlichen Schnipseln gesucht
·
wissenschaftliche
Experten der Rockefellerstiftung in den 30er Jahren des 20. Jh.: „We can hope
to breed, in the future, superior men“ (Züchtung des Übermenschen) (234);
Ebene der RNS-Moleküle als eigenständige Schicht, die mitbestimmt, was mit der
gegebenen genetischen Information (DNS) passiert und welche Proteine dabei
entstehen; Vorschlag: Genotyp à Ribotyp à Phänotyp (256)
Lehrbuch der Molekularbiologie 2000:
“Ein Gen ist eine identisch reduplizierte Nukleotidsequenz, die entweder in
eine Ribonukleotidsequenz ohne Messenger-Funktion oder in diejenigen
Abschnitte einer reifen Messenger-RNA transkribiert wird, die ein spezifisches
Polypeptid kodieren“ (260);
Polymerasekettenreaktion:
DNS besteht aus zwei Strängen, die durch Wärme getrennt werden können. Aus
einem Einzelstrang können Zellen einen Doppelstrang machen, und zwar mit Hilfe
eines molekularen Katalysators, der den Namen Polymerase trägt. Nun stellt die
Natur dieses Werkzeug in einer Form zur Verfügung, die miterhitzt werden kann.
Wer ein gegebnes (doppelsträngiges) Stück DNS vermehren will, fügt neben den
notwendigen Rohmaterialien etwas von der stabile Polymerase zu, und dann kann
es losgehen. Die Temperatur wird erhöht, zwei Einzelstränge entstehen. Die
Temperatur wird gesenkt, zwei Doppelstränge entstehen. Die Temperatur wird
erhöht, vier Einzelstränge entstehen, die erneut ergänzt werden: die
Temperatur wird gesenkt, vier Doppelstränge entstehen. ... Wenn dies rasch
genug geschieht, kann man in einer Stunde ein DNS-Molekül so oft kopieren, dass
es für eine Analyse ausreicht. (266);
Anders als die entsprechenden Gen-Einheiten zum Beispiel bei einem Wurm oder
einer Fliege verfügen menschliche Zellen über die Fähigkeit, aus einem Gen
nicht nur ein Protein, sondern mehrere (verschiedene JK) solcher aktiver
Substanzen anzufertigen. (268);
das Gen für Mukoviszidose schützt in Kindheit und Jugend gegen Asthma (339)
(EP Fischer: Die andere Bildung – was man von den Naturwissenschaften wissen
sollte, Ullstein 2003, S.234)
·
beim erwachsenen Menschen etwa 350 unterschiedlich spezialisierte
Zelltypen, die sämtlich über die gleiche Bibliothek verfügen;
gebraucht wird in allen Zellen die in den „Haushalts-Genen“ gespeicherte
Allgemeinliteratur (Anleitungen für überall benötigte Alltagsproteine);
in den spezialisierten Zellen dürfen nur die genetischen Informationen für die
spezielle Aufgabe gelesen werden, und das auch nur zu bestimmten Zeitpunkten;
der ganze große Rest der völlig überausgerüsteten Bibliothek muss ständig unter
Verschluss stehen;
Steuerung des Bauplans bei Drosophila:
Das Muttertier sondert vier Substanzen ab, die im Ei strategisch wichtige
Punkte besetzen, damit wird dreidimensionales Koordinatensystem festgelegt
(vorn/hinten, oben/unten); nach der Befruchtung lösen diese Signalstoffe im Ei
eine Nachrichtenkaskade aus, bestimmte Gene werden aufgespürt, aufgeweckt und
angeknipst, legen erste Grobeinteilung des Insekts fest, Kaskade erreicht ihren
Höhepunkt, wenn die sog. HOX-Gene (homöotische G.) eingeschaltet werden -
steuern die Ausbildung vergleichbarer Körperteile entlang der Längsachse;
HOX-Gene bei allen Lebewesen grundsätzlich gleich (Zahl verschieden:
Fruchtfliege 8 Mensch 38; eingesetztes menschliches Hox-Gen steuert auch
Entwicklung des Kopfes einer Fliege);
Mensch: erst am 6. bis 8.Tag nistet sich Blastozyste in der Gebärmutter ein; in
dieser Phase Starschuss zur Musterbildung: vermutlich lagern sich Signalstoffe
an bestimmte Rezeptoren an und betätigen Klingelknopf, über den sie die ersten
Entwicklungsgene aktivieren, diese definieren dann das Grundmuster des
zukünftigen Organismus, ob die Stoffe von der Mutter stammen oder benachbarte
Zellen sich absprechen, ist unklar;
Zellteilung: 7-8 Stunden, Kopiervorgang der DNA beginnt an 30000 Punkten des
Zellfadens gleichzeitig, 50-60 Bausteine pro Sekunde; nicht nur der gesamte
Datenbestand muss weitergegeben werden, Zellen müssen auch die gesamte
Leseanweisung mitgeteilt bekommen, welche Gene genutzt werden sollen /dürfen
und welche nicht
(GEO 1/1996 S. 82f)
Kopieren des Erbmaterials bei der Teilung einer menschlichen Zelle: 8 Stunden,
an 10.000 Startpunkten gleichzeitig; im Durchschnitt am Ende zwei bis drei
Kopierfehler erhalten (353,367)
jedes Gen Bauplan für mehrere Proteine; 30000 Gene; 1 Million Eiweiße (354)
für die Farbe des Fells einer Maus sind 63 voneinander unabhängige Gene
verantwortlich (355)
Genom von zwei Menschen unterscheidet sich im Durchschnitt in jedem 1000.
Baustein (3 Mill. Basenpaare); liegen z.T. außerhalb von Genen, oder der
Buchstabe verändert das codierte Gen nicht; nur 40.000 davon führen wirklich zu
molekularen Unterschieden (in Genen) (357)
Dickdarmzellen leben 10 Tage, rote Blutkörperchen 120 Tage, Knochenzellen 10
Jahre, Nervenzellen ein ganzes Leben lang (361)
(Detlev Ganten u.a.: Leben., Natur, Wissenschaft; Eichborn Ffm. 2003)
·
DNS-Replikation Geschwindigkeit rund 500 Nukleotide je Sekunde;
bei der Verdopplung werden jeweils beide DNS-Stränge kopiert, der eine „vorwärts“
(das geht kontinuierlich), der andere rückwärts (das geht nur stückweise; die Einzelteile müssen durch das Enzym
DNS-Ligase zu einem durchgehenden Strang verbunden werden);
Es müssen nicht nur Informationen weitergegeben werden, die die Erhaltung der Form
und der Funktionen eines Organismus beinhalten, sondern auch der gesamte Bau-
und Entwicklungsplan für den zukünftigen Organismus (Struktur und
Anordnung der Proteine);
(Lesch/Müller: Big Bang zweiter Akt – Auf den Spuren des Lebens im All,
Bertelsmann München 2003, S.63; 140)
·
genetischer Code
ist nicht (immer) universell: 1985 entdeckt: bei verschiedenen Ciliaten
(Wimpertierchen) werden die STOPPCODONS UAA und UAG von t-RNA-Molekülen
abgelesen; sie codieren jeweils die Aminosäure Glutamin
(Schrödel, Lehrbuch Biologie Sek. II 1995 S. 195)
·
Gene überschreiten Grenzen zwischen den Arten auch auf natürliche Weise;
im Erbgut eines Süßwasserpolypen aktives Pflanzengen entdeckt, stammt von einer
Alge, mit der das Nesseltier in Symbiose lebt
(Die Zeit 25.5.05)
·
Überwindung von Art- und Gattungsgrenzen ohne Anwendung
gentechnischer verfahren: Beispiel: Zucht der Gattungshybride Triticale.,
einer Kreuzung aus Weizen und Roggen
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S. 6)
·
normale Kartoffelsorten besitzen einen vierfachen Chromosomensatz
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.42)
·
zur Zeit sind bereits mehr als 100 Genome von Baktrien, Archaeen,
Pflanzen, Tieren und Mensch sequenziert (Basensequenz der DNA in der
Reihenfolge entschlüsselt JK) und über 100 weitere sind in Bearbeitung; weitere
Informationen im Internet: http://eutils.ncbi.nlm.nih.gov/Genomes/index.html;
die Bakterie E.coli hat 17% ihrer Gene in den letzten 100 Millionen Jahren
durch horizontalen Gentransfer erworben (von anderen Lebewesen übernommen);
...
DNA-Fragmente von Pflanzen sind zwei und mehr Jahre in Böden nachweisbar;
können von Bakterien aufgenommen werden ...
Modellversuche weisen darauf hin, dass ein Gentransfer von Pflanzen auf
Mikroorganismen prinzipiell möglich ist und wohl auch während der Evolution
stattgefunden hat
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.60ff, 81)
·
Genomgrößen:
|
Organismus |
Genomgröße |
Anzahl |
|
Bakteriophage
(Lambda) |
48.000 |
70 |
|
Bakterium
(Escherichia coli) |
4.600.000 |
4.300 |
|
Bäckerhefe
Saccharomyces cerevisiae) |
12.500.000 |
6.200 |
|
Fadenwurm
(Caenorhabditis elegans) |
97.000.000 |
19.100 |
|
Ackerschmalwand
(Arabidopsis thaliana) |
125.000.000 |
25.000 |
|
Fruchtfliege
(Drosophila melanogaster) |
180.000.000 |
14.100 |
|
Reis (Oryza sativa) |
430.000.000 |
40.000
- 60.000 |
|
Maus (Mus musculus) |
2.500.000.000 |
30.000 |
|
Mais (Zea mays) |
2.500.000.000 |
50.000 |
|
Mensch
(Homo sapiens) |
2.900.000.000 |
20.000 – 25.000 |
|
Weizen
(Triticum aestivum) |
16.500.000.000 |
50.000 |
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung;
Magazin des GSF Neuherberg, 2004/2005, S.66)
·
Mensch nur 20- 25.000 Gene
(bdw 2/2005 S.12)
·
Prof. Hans Mohr S.30:
Gattungshybrid zwischen Roggen und Weizen, TRITICALE, ohne erkennbare Skrupel
auch im ökologischen Landbau eingesetzt, obwohl bei der Herstellung (um 1980)
ganze Genome gemischt wurden
(Kongress: Die Zukunft des Menschen“, Stuttgart 8./9.7.2002, Dokumentation)
·
Epigenetik
Entzifferung der rund 25.000 Gene des Menschen, in denen die wesentlichen
Erbinformationen gespeichert sind, genügt nicht, um das Geschehen in Zellen und
Organen des Menschen vollständig zu erklären;
den Forschern wurde klar, dass eine übergeordnete Instanz in der Zelle die
Funktion der Gene kontrolliert (Epigenetik; epi = über);
man weiß z.B., dass Enzyme chemische Gruppen an die Erbsubstanz DNA anheften,
die dann wie molekulare Schalter wirken, sie entscheiden darüber, welche Gene
zu welchem Zeitpunkt im Organismus abgelesen werden; der Einfluss ist immens –
diese Kontrolleure entscheiden darüber, ob sich aus einer unreifen Zelle des
Embryos eine Muskel-, Blut- oder Leberzelle entwickelt;
manche Bausteine der DNA können mit so genannten Methylgruppen bestückt werden
(Methylierung), dadurch wird das benachbarte Gen ausgeschaltet, bei Bedarf
entfernt die Zelle die Methylierung wieder und reaktiviert das Gen;
schon am Anfang des Lebens spielt die Epigenetik eine wichtige Rolle, wenn sich
das befruchtete Ei in die Gebärmuttereingenistet hat, werden zunächst alle
vorhandenen Methylgruppen entfernt und neu platziert
(Berliner Zeitung 20.4.05)
·
Erbsubstanz von Reis entschlüsselt, 389 Millionen Basenpaare,
schätzungsweise mehr als 37.500 Gene
(taz 12.8.05)
·
Gen-Synthese beim Regensburger Unternehmen Geneart;
erfindet Gene, die in der Natur nicht vorkommen;
soll ein Gen von einem Menschen in Coli-Bakterien eingepflanzt werden, muss man
es vorher in die „Bakteriensprache“ übersetzen; der menschliche Gen-Code für
Insulin und die Coli-Variante unterscheiden sich etwa in jedem 6. Buchstaben;
würde man das menschliche Gen für Insulin geradewegs in das Coli-Bakterium
einsetzen, würde es nur mehr schlecht als recht Insulin produzieren, weil das
Bakterium mit dem menschlichen Bauplan nicht viel anfangen kann; Gene von
Bakterien sind in einer anderen Sprache geschrieben als die von Viren oder Menschen;
alle Organismen nutzen zwar die gleichen biochemischen Buchstaben –A,C,G,T – um
ihr Erbgut niederzuschreiben, aber sie haben alle einen eigenen genetischen
„Dialekt“ – verwendet z.B. der Mensch UGA für einen Befehl, würde ein Einzeller
stattdessen UAG benutzen;
eines der ersten gentechnisch hergestellten Medikamente, das Wachstumshormon
Somatropin gegen Zwergwuchs, wird bis heute mithilfe eines künstlichen Gens
hergestellt;
mittlerweile fließen die Gene kostengünstig aus modernen Automaten; in diesen
Synthesemaschinen werden die Basen wie Glieder einer Kette miteinander
verknüpft; in vier bis fünf Wochen lassen sich mehr als eine Million verschiedener
synthetischer Gene fertigen; ein Basenpaar kostet inzwischen nur noch etwa 1,50
Euro;
zur Zeit rund 10 verschiedene Enzyme in Waschmitteln, mittlerweile werden sie
fast nur noch über künstliche Gene in ausgewählten Mikroorganismen hergestellt;
z.B. natürliche Enzyme nicht hitzbeständig – Einbau von Sequenzen aus
Bakterien, die in Geysiren bei 100 Grad überleben
(bdw 9/2005 S.36ff)
·
Bakterium entdeckt in 120 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund bei Island,
das in einer knapp 100 Grad heißen Schwefelbrühe prächtig gedeiht; mit Durchmesser
von nur 400 Millionstel Millimetern eines der kleinsten Lebewesen der Welt;
offenbar nur lebensfähig, wenn es auf einem wesentlich größeren anderen
Bakterium sitzt; Zahl der Basenpaare im Erbgut unter 500.000 (400 Gene)
(Der Spiegel 19/2002 Wissenschaft)
·
Labormaschine ermöglicht es, Erbgut hundertmal so schnell wie bisher zu
entschlüsseln; 99% Genauigkeit, bis zu 25 Mill. DNA-Basenpaare in 4 Stunden
(Die Zeit 4.8.05 S.31)
·
Mikrobe an Schloten auf dem Meeresgrund vermehrt sich noch bei 113 Grad Celsius;
für das leben im Eiswasser sind antarktische Fische mit einem
Frostschutzmechanismus gerüstet: sie produzieren in der Leber einen Cocktail
spezieller Eiweiß-Zucker-Verbindungen, diese Glykopeptide heften sich an die
Oberfläche mikroskopischer Eiskristalle und verhindern deren weiteres
Wachstum, Gefrierbremse funktioniert bis –2,7 Grad Celsius
(GEO 3/2002 S.210)
·
(S.38) Proteine: Baustoffe und Werkzeuge;
(39) rund 50 Millionen Körperzellen gehen in 1 Sekunde zugrunde, ebenso viele
entstehen durch Teilung (200 g pro Tag); Lebensdauer Schleimhaut Dünndarm 3-5
Tage, Haut 19 Tage, Leber 7 Monate, manche weiße Blutkörperchen mehrere Jahre,
Knochenzellen 25-30 Jahre, Nervenzellen lebenslang; massereichste Zellen sind
Eizellen (100-120 Mikrometer, die kleinsten die Spermien mit 3-5 Mikrometer
(72) rote Blutkörperchen, 25 Billionen, ohne Zellkern, Lebensdauer 120 Tage, in
jeder Sekunde werden im Knochenmark 2 ½ Millionen ersetzt; Leukozyten haben
Zellkern, Lebensdauer wenige Stunden bis Jahre
(Geo kompakt Nr.2: Das Wunder Mensch, 2005)
·
S.10: 2003 Genome von über 100 Arten entziffert;
S.17: das menschliche Genom enthält vermutlich nur etwa 30000 Gene und nicht –
wie vorher angenommen – 100.000 oder gar 200.000; damit unterscheiden wir
uns in der Anzahl der Gene nicht sonderlich von der Taufliege Drosophila mit
ihren rund 20.000 Genen. der menschliche Organismus nutzt allerdings das
begrenzte Repertoire in trickreicher Weise. Er kann daher hunderttausende
Proteine produzieren, unter anderem, da die Zellen die Struktur der fertigen
Proteine nachträglich modifizieren. .. die wahren Geheimnisse des Lebens sind
jedoch nicht in der DNA-Sequenz, sondern in der komplexen Interaktion der
unterschiedlichen biologischen Moleküle zu suchen ...
Gesamtheit der Boten-RNS = Transkriptom à Transkriptomik
Gesamtheit der Proteine = Proteom à Proteomik;
S.52: Wer sagt, das menschliche Genom enthalte etwa 27.000 Gene, meint damit
solche für Proteine
S.21: genetischer Codegrundsätzlich arbeitet die Proteinsynthese selbst bei
Organismen, die so verschieden sind wie Menschen und Bakterien, nach denselben
Regeln, und das seit Milliarden von Jahren (im Wesentlichen unverändert);
doch inzwischen kennen die Genetiker mindestens 16 Varianten, bei denen
einzelne Codons abweichende Bedeutungen haben, sie finden sich verstreut auf
ganz verschiedenen Ästen im Stammbaum des Lebens, auch bei den Varianten stehen
drei Basen für eine Aminosäure, aber die Zuordnung divergiert: wo fast alle
Lebewesen CUG mit Leucin übersetzen, interpretieren es einige Arten der
Pilzgattung Candida als Befehl zum Einbau von Serin... In den Mitochondrien der
Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae stehen vier der sechs Tripletts, die
üblicherweise Leucin bedeuten, für Threonin;
S.23: bei der Sichelzellanämie verändert eine Genmutation ein einzelnes Codon
der Hämoglobin-Beta-Kette von GAG in GUG. Dadurch wird statt des hydrophilen
(wasserfreundlichen JK) Glutamats das hydrophobe (wasserabweisende JK) Valin
eingefügt. Die so entstandenen wasserabweisenden Punkte an der Oberfläche haben
die Tendenz, sich zusammenzulagern. Folglich verklumpen die Hämoglobinmoleküle
... sodass sich die roten Blutkörperchen sichelartig verformen.;
S.24: bauen Vertreter aus allen drei großen Organismenreichen ((Archaea,
bakterien und Eukaryoten) dort, wo sich das Stoppcodon UGA befindet, vereinzelt
Selenocystein (chemisch modifiziertes Cystein) in ihre Proteine ein (21.
Aminosäure satt üblicherweise 20!); manche Archaea und Bakterien interpretieren
das Stoppcodon UAG als Anweisung der (22.!) Aminosäure Pyrrolysin (cehmisch
modifiziertes Lysin).;
S.25: die Codewörter für die Zuordnung derselben Aminosäure werden von
Bakterien und Säugetieren nicht gleich häufig benutzt; für Arginin überwiegen
im menschlichen Genom z.B. AGA und AGG, die Bakterie e.coli verwendet AGA nur
sehr selten und macht bei der Übersetzung (Translation) oft Fehler; kennt man
diese Präferenzen, kann man eine Version des Gens konstruieren, die in
verschiedenen Organismen gleich verlässlich funktioniert;
S.26ff: Das verkannte Genom-Programm – Der Schlüssel zum Verständnis von
Embryonalentwicklung und Evolution könnte in einem bisher wenig erforschten
Regulationssystem liegen, das sich auf RNA stützt – statt auf Proteine.;
Seit fast einem halben Jahrhundert besteht nunmehr das zentrale Dogma der
Molekularbiologie. Es besagt, dass von genetischer Information, die in der
DNA-Sequenz gespeichert ist, zunächst spezielle Arbeitskopien aus RNA erstellt
werden – und diese dienen dann als Matrizen für die Produktion des jeweiligen
Proteins aus Aminosäurebausteinen. Auch in der alten Formel „ein Gen – ein
Protein“ drückte sich die vorherrschende Ansicht aus, Gene kodierten im
Allgemeinen für Eiweißstoffe. Entsprechend mussten Proteine, neben ihrer
Funktion etwa als Strukturelemente und Enzyme, auch die Hauptrolle bei der
Regulation der Gne selbst spielen.. Die(se) Schlussfolgerung beruht vorwiegend
auf Studien an Bakterien ... und anderen einzelligen Lebewesen ohne Zellkern..
Für diese Organismen ... ist sie sogar nach wie vor im Wesentlichen korrekt.
Deren DNA umfasst nämlich fast ausschließlich Proteingene, flankiert von
Steuersequenzen ...
beschreibt das zentrale Dogma die Molekularbiologie der Eukaryoten (=
zellkerntragenden Lebewesen JK) nur sehr unzureichend. Proteine spielen zwar
durchaus auch dort eine Rolle bei der Genregulation, doch parallel dazu
existiert ein zweites, bisher übersehenes Regulationssystem,. Es basiert auf
RNAs, die direkt mit der DNA, anderen RNAs sowie Proteinen interagieren;
Bauanweisungen für Proteine bei Eukaryoten nicht als zusammenhängender Text im
Erbgut festgelegt, verteilen sich auf mehrere Abschnitte, diese so genannten
Exons (die „aus“-gelesen werden JK) sind durch teils sehr lange
dazwischengeschobene DNA-Sequenzen getrennt („Ein“schübe, Introns JK), die keine
Proteininformation tragen; die Einschübe werden im Zellkern zunächst mit
abgelesen, aber dann aus der langen primären RNA-Abschrift herausgeschnitten,
ein als Spleißen bezeichneter Prozess fügt dabei die RNA-Exons zu einer
durchgehenden Bauanweisung, der Boten-RNA, zusammen; erst diese Arbeitskopie
(S.36: reife Boten-RNA) verlässt den Zellkern in Richtung Proteinfabriken; ein
durchschnittliches menschliches Proteingen besteht zu mindestens 95% aus
Introns; evolutionärer Schrott, funktionsloser Müll???
weniger als 1,5% der menschlichen DNA trägt Baupläne für Eiweiße, trotzdem wird
der größte Teil des Rests in RNA umgeschrieben; Befunde legen nahe, dass bei
komplexen Lebewesen ein Großteil. bei Säugern vielleicht sogar die Mehrzahl der
Gene nicht für Proteine kodiert, sondern RNAs mit direkten regulatorischen
Aufgaben bereitstellt; die von diesen RNAs übermittelten Informationen könnten
entscheidend für die Entwicklung vom Ei zum reifen Organismus sein und auch in
der Evolution eine wesentliche Rolle spielen;
bei Säugetieren konnten inzwischen Tausende von RNAs identifiziert werden, die
nicht der Proteinsynthese dienen, so genannte nicht kodierende RNAs. Mindestens
die Hälfte, vielleicht sogar mehr als drei Viertel aller Genabschriften fallen
in diese Kategorie;
Zellen haben die Wahl, welche Proteine (aus einem Gen) gebildet werden sollen;
beim Spleißen (Herausschneiden von Introns) gibt es oft Wahlmöglichkeiten,
durch alternatives Spleißen lassen sich – trotz gleicher genetischer
Ausstattung – unterschiedliche Repertoirs an RNAs und Proteinen erzeugen (S.34:
dabei wird die molekulare Abschrift eines so genannten Mosaikgens zerlegt und
zu Bauanweisungen für zwei oder mehr verschiedene Proteine zusammengesetzt);
(S.37: dabei kann ein Exon ausgelassen werden, oder ein Intron bleibt
erhalten); ein Gen kann dadurch eben mehr als nur eine Sorte Protein erzeugen;
es entstehen dabei nicht für Proteine kodierende RNAs und auch Intron-RNAs, die
direkt bei der Genregulation mitwirken;
S.34ff: Jede DNA-Sequenz, von der eine RNA-Version abgeschrieben wird, ist per
Definition ein Gen, nicht unbedingt aber (die Bauanleitung JK) für ein Protein.
Aus einem kleinen Grundbestand von proteincodierenden Genen kann eine Zelle ein
viel größeres Sortiment an Eiweißstoffen herausholen, indem sie Teile der
abgeschriebenen rohen Bauanweisung zu unterschiedlichen fertigen Versionen
zusammenspleißt...
Dass hochkomplexe Organismen mit so wenig Genen auskommen, verdanken sie dem
alternativen Spleißen und seiner Choreografie. Von ihr hängt ab, wann wo welche
Arten von Proteinen entstehen...
ein menschliches Proteingen ist durchschnittlich 28.000 Basenpaare lang,
verteilt im Mittel auf 8,8 Exons und 7,8 Introns;
mindestens 15% aller Genmutationen, die zu Erbkrankheiten und vermutlich auch
zu manchen Formen von Krebs führen, beeinträchtigen das Spleißen von
Primärabschriften;
im Durchschnitt wird jedes der menschlichen Gene in seiner RNA-Form auf mehr
als drei verschiedene Arten gespleißt;
die fast identischen Gene von Mensch und Schimpanse produzieren zwar in den
meisten Geweben weitgehend die gleichen Proteine. In Teilen des menschlichen
Gehirns sind jedoch einige Gene aktiver und andere liefern durch alternatives
Spleißen erheblich abweichende Proteine;
Mutationen in den Introns können (zufällig) neue Spleißstellen schaffen, das
bisherige Intron zum Exon machen; es gibt danbn unter Umständen sowohl die alte
funktionsfähige Variante des Proteins und zusätzlich eine neue; das menschliche
Erbgut enthält potenziell 25.000 Intronstellen, aus denen durch eine
Punktmutation ein Exon werden könnte;
S.42ff: Regulationsmechanismen
damit nur die benötigten Gene abgelesen werden, gibt es in der DNA Abschnitte
mit Regulatorfunktion, nur dann wird das Gen abgeschrieben, wenn sich in der
regulatorischen Region ein aktivierender Proteinkomplex angelagert hat;
wenn virale Gene in die Zelle eindringen und sich der Proteinsynthesemaschine
bemächtigen wollen, unterbindet das Interferon-System brachial jede
Genexpression (alle Maschinen werden gestoppt);
RNA-Interferenz: potenziell gefährliche RNA-Abschriften von Genen werden
zerstört;
S.50ff: zentrales Dogma der der molekularen Genetik: DNA erzeugt RNA, RNA
erzeugt Protein – und Proteine erledigen praktisch alle relevanten Aufgaben in
der Biologie.
Begriff des GENS war schon lange unscharf formuliert; Um Unklarheiten zu
vermeiden, verwenden wir den Begriff des Gens möglichst gar nicht mehr: wir
nennen jeden DNA-Abschnitt, der (in RNA abgeschrieben, also) transkribiert
wird, eine Transkriptionseinheit.; bei Mäusen Zahl solcher Einheiten auf 70.000
bis 100.000 geschätzt, etwa bei der Hälfte könnte es sich um
Transkriptionseinheiten handeln, die nicht für Proteine kodieren;
S.58: dritter Bestandteil der genomischen Maschinerie: epigenetische
Informationen in den Proteinen und niedermolekularen Substanzen, welche die DNA
umgeben oder dort gebunden sind (griechisch epi bedeutet auf, nach);
epigenetische Marker (chemische Markierungen auf der DNA, außerhalb der
DNA-Sequenz, auch an den die DNA umhüllenden Proteinen) werden ständig neu
gesetzt und entfernt; z.B. Methylierung: Methylgruppe CH3- verankert
sich – vorwiegend an Cystein; deckt
damit die DNA ab, kann nur noch schwerer abgelesen werden, werden
„stummgeschaltet“; auch das Verpackungsgerüst der vielfach verknäuelten DNA
kontrolliert den Zugang zu den Genen;
(Spektrum der Wissenschaft, Dossier: Das neue Genom, 1/2006)
·
Nationales Genomforschungsnetz (NGFN) Bonn: Übereinstimmung Erbgut Mensch
und Schimpanse 98,7%; untersucht auch Aktivität von 21.000 Genen in Herz, Leber,
Niere, Hoden und Gehirn; im Hoden mehr als 1/3 der Gene unterschiedlich aktiv,
im Gehirn die wenigsten Unterschiede; Unterschiede sind noch immer 10x so groß
wie zwischen zwei Menschen;
(Freie Presse Chemnitz 1.9.05)
·
Das menschliche Genom enthält etwa 3,2 Milliarden „Bausteine“ (zumeist als
zweifache Kopie). Sie bilden etwa 25.000 Gene und enthalten eine noch
unbekannte, sicher aber viel höhere Anzahl regulatorischer Elemente. ... Bei
zwei nicht miteinander verwandten Menschen stimmen etwa 99,9% ihrer Bausteine
überein
(Nationaler Ethikrat: Prädiktive Gesundheitsinformationen bei
Einstellungsuntersuchungen, Stellungnahme 16.8.05, Druckfassung A4)
·
Genom Schimpanse entschlüsselt: etwa aller 80 Buchstaben Abweichung zum
Genom des Menschen; 35 Millionen Mutationen, aber nicht einmal 1% davon führt
zur Herstellung mutierter Proteine (Rest liegt in nicht codierenden Abschnitten
der Erbsubstanz); Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass nur wenige Gene
entscheidend für die Menschwerdung waren; der gemeinsame Urahn war dem
Schimpansen viel ähnlicher als dem heutigen Menschen;
schneller verändert beim Menschen: a) Transkriptionsfaktoren, die zuständig
sind für Entwicklungsprozesse; b) im Genom des Menschen finden sich häufiger
Verdopplungen von Genen oder Genabschnitten (eine Kopie funktioniert normal
weiter, die andere kann frei mutieren); c) Aktivität von Genen im Gehirn hat
sich beim Menschen in den letzten 6 Mill Jahren deutlich mehr verändert als
beim Schimpansen;
familiäre Mikroenzephalie, eine erblich bedingte Entwicklungsstörung, bei
Betroffenen wächst das Hirn nur auf die Hälfte der normalen Größe; dabei ist
eines von zwei Genen defekt (könnten eine Rolle spielen bei der Teilung der
Vorläufer von Nervenzellen;); genetischer Regler, der das Hirn anschwellen ließ?;
ein Gen, bei dem kleinste Defekte ausreichen, um Artikulation und
Sprachvermögen des Menschen erheblich zu beeinträchtigen; nur an zwei Stellen
unterscheiden sich Menschen- und Schimpansenvariante; wahrscheinlich erst im
verlauf der letzten 200.000 Jahre Veränderungen vollzogen
(Spiegel 36/05 S.142)
·
bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Enden der Chromosomen, die so
genannten Telomere; diese Sequenzen sind so etwas wir die Lebensuhr einer
Körperzelle: je kürzer die Chromosomenenden sind, desto weniger Teilungen kann
sie noch vollziehen; Großbritannien: 1100 Frauen im Alter zwischen 18 und 78
Jahren untersucht, Telomerlänge bestimmt: bei jungen Frauen 7500 Basenpaare
lang, mit jedem Lebensjahr Verlust von 27 Basenpaaren
(bdw 12/05 S.37)
·
Manche Gene beim Menschen haben – je nachdem, wie man sie aus der Erbmasse schneidet
– 20 oder 30 Varianten (d.h. aus ihnen können ebenso viele verschiedene Eiweiße
abgeleitet werden);
in einer einzelnen Zelle arbeiten bis zu 40.000 verschiedene Proteine;
über ihre endgültige Gestalt und ihre Funktion entscheidet nicht nur die in den
Genen festgelegte Abfolge der Aminosäuren, sondern das gesamte Zellmilieu mit
all seinen Eiweißen und anderen Bestandteilen;
Mikro-RNAs (19-25 Basenpaare) haben nichts mit Eiweißproduktion zu tun, steuern
die Aktivität anderer Gene; es soll fast 2.000 davon im menschlichen Erbgut
geben;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.3)
·
normalerweise sterben Zellen nach etwa 50 Zellteilungen ab,
nur Krebszellen teilen sich unaufhörlich weiter und sind potenziell
unsterblich;
ein wichtiges Programm für das Uhrwerk der Zellen: besteht aus etwa tausend
aneinender gereihten, identischen Kopien einer kurzen DNA-Sequenz TTAGGG, das
Programm ist in den Chromosomen gespeichert, sitzt an deren Enden und bildet
die so genannten Telomere,, diese Endstücke halten wie die Plastikkappen an
Schnürsenkeln das „Ausfransen“ der Enden; Telomere werden bei jeder Zellteilung
kürzer; kritischer Punkt nach etwa 50 Zellteilungen erreicht, dann wird der
Zelltod eingeleitet
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.18)
·
Bisher überhaupt nur ein Fall bekannt geworden, wo ein Mensch sowohl vom
Vater als auch von der Mutter die Mitochondrien mitbekommen hatte
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.17)
·
EMNID-Umfrage: rund die Hälfte der Befragten waren überzeugt, dass
gentechnikfreie Nahrungsmittel keine Gene enthalten
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.8)
·
Mendel´sche Vererbungsgesetze widerlegt?;
Frankreich: bei genetisch veränderten Mäusen eine Erbanlage per RNA auf die
nächste Generation übertragen;
in der DNA von Mäusen wurde das so genannte Kit-Gen verändert (zuständig für
gepunktete Schwanzfärbung); genetisch manipulierte Tiere wurden mit normalen
Mäusen gepaart; alle Nachkommen hatten gepunktete Schwänze, auch wann manche
Tiere keines der veränderten Kit-Gene besaßen; Erklärung: die veränderten
Kit-Gene produzierten riesige Mengen übergroßer RNA, diese fand sich auch in
den Spermien der genetisch veränderten Mäuse; wenn RNA aus mutierten Zellen
direkt in normale Mäuseembryonen injiziert wurde, hatten die geborenen Tiere
gepunktete Schwänze
(taz 26.5.06)
·
Vorfahren von heutigen Menschen und Schimpansen haben Millionen von
Jahren nebeneinander gelebt und sich vermutlich auch gepaart; beide Arten
gingen wohl erst vor 1,2 Millionen Jahren endgültig getrennte Wege; bisherige
Annahme: seit 6,5 bis 7,2 Millionen Jahren keine gemeinsamen Nachkommen mehr
gezeugt;
(taz 19.5.06)
·
Kreuzungen von Schimpansen und Menschen bis vor gut 2
Millionen Jahren
(Zeit 18.5.06 S.37)
·
Genabfolge des Chromosoms Nr.1 beim Menschen vollständig
entziffert; darauf 3141 der etwa 25.000 menschlichen Gene; über 350 Krankheiten
stehen mit Veränderungen auf diesem Chromosom in Verbindung
(Freie Presse Chemnitz 19.5.06)
·
Mensch 100.000 Milliarden (100 Billionen) Zellen, jede hat
etwa 1/100 mm Durchmesser, Anatom erkennt mehr als 200 Zelltypen;
der so grundverschiedene Entwicklungsprozess bei Taufliegen wird von den
weithin gleichen, zumindest artverwandten Steuermolekülen und Steuersignalwegen
geregelt wie bei Säugetieren, z.B. steuern evolutionär eng verwandte
Regulatorgene die Ausbildung der doch grundverschiedenen Augenanlagen bei
Insekten und Säugern
(Zeit 5.1.06 S.31)
·
These erhärtet, dass HIV ursprünglich vom Affen auf den Menschen
übertragen wurde: Urform des Aids-Erregers bei wildlebenden Schimpansen im
Süden Kameruns gefunden
(bdw 8/2006 S.7)
·
für Unterschied zwischen Affen und Menschen möglicherweise ein Gen
verantwortlich; Entwicklung des menschlichen Gehirns durch Veränderungen in Gen
HAR1F; 18 Unterschiede zum
gleichen Gen bei Schimpansen; Veränderungen in wenigen Millionen Jahren
erfolgt, dieser Teil des menschlichen Genoms 70 x so schnell verändert wie der
Rest;
(Freie Presse Chemnitz 18.8.06; ZEIT 17.8.06 S.30)
·
Verwirrende „Stammbäume“:
Genom von Bakterien, Pilzen, Viren ist extrem instabil; Gene wandern häufig von
einem in den nächsten Organismus = „lateraler Gentransfer“; nahe Verwandte
unterscheiden sich oft in ihrer Erbinformation; und deshalb verzweigt sich die
Ahnenreihe der Mikroben nicht wie bei einem Baum, sondern entwickelt sich durch
die Aufnahme spezifischer Erbbausteine teilweise sogar wieder zurück. Es
entstehen Büsche, Ringe, Kreise mit Ästen und andere seltsame Gebilde
(taz 1.9.06)
·
kleinstes bisher bekanntes Genom entschlüsselt, Bakterie Carsonella
ruddii besitzt nur 159662 Basenpaare und 182 Gene; Bakterien haben
normalerweise mehrere Millionen Basenpaare;diese Bakterien können nur in
Symbiose mit Blattflöhen überleben, auf die die Bakterien im Laufe der
Evolution einen Teil ihrer Erbinformation übertragen haben („natürliche
Gentechnik“; Gene für den Aufbau der Zellhülle und den Stoffwechsel); Die
Bakterien liefern im Gegenzug Aminosäuren, die die Flöhe nicht selbst
herstellen können
(bdw 1/2007 S.9)
·
über 50% aller menschlichen Gene kodieren Struktur, Stoffwechsel und
Funktion des Gehirns
(bdw 9/2006 S.31)
·
erstmals Erbgut eines Baumes vollständig kartiert (Westliche
Balsampappel); 485 Millionen Basenpaare, nach Ackerschmalwand und Reis dritte
entschlüsselte Pflanze
(bdw 12/06 S.7)
·
(496f) Gregor
Mendel ... hatte am Philosophischen Institut von Olmütz und an der Wiener
Universität Physik und Mathematik studiert und betrieb seine Arbeiten mit
strenger wissenschaftlicher Disziplin; Bibliothek im Kloster in Brünn 20.000
Bände;
Mendels Beobachtungen nicht völlig unbeachtet: Eintrag in der Encyclopedia
Britannica und Zitate beim deutschen Forscher Focke
(Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, Goldmann München 2004)
·
(156)
Chromosomen: q28 ??? der Buchstabe q drückt dabei aus, dass es sich um den
langen Arm des Chromosoms handelt (der kurze wird mit p nach dem französischen petit
bezeichnet), und mit der Zahl werden mikroskopisch sichtbare Banden abgezählt;
(201) jeder neu gebildete menschliche Embryo weist etwa hundert Veränderungen
(Mutationen) auf, die es bei seinen Eltern nicht gab. Nur einige davon – etwa
drei bis vier – werden unmittelbar die Wirkung von Proteinen beeinflussen ...
Wir Menschen sind alle Mutanten.
(204) Embryo = „das drinnen Keimende“
Fötus oder Fetus = „Junges“;
(208) Embryo: ab 32 Zellen geht es bei der Teilung mit „krummen“ Ergebnissen
wie 58 und 107 weiter; E. sucht am 5. Tag seines Vorhandenseins einen festen
Platz in der Gebärmutter;
(214) am 13. Tag Übergang vom Anheften zum Einnisten
(220f) Zellhaufen an sich haben natürlich keine Seele, wohl aber Zellhaufen,
die der menschlichen Wahrnehmung zugänglich sind, und das trifft vor allem von
dem Augenblick an zu, in dem aus dem Embryo ein Fötus wird. Er wird nicht von
Gott beseelt, sondern von dem Menschen, der sich ihm zuwendet, Und die Frage,
wann menschliches Leben – mit der dazugehörenden Würde – beginnt, kann unter
dieser Vorgabe von jedem einzelnen Menschen beantwortet werden. Es beginnt
dann, wenn das sich regende Leben die Formen zu erkennen gibt, die unsere
Wahrnehmung als menschenähnlich deutet.
Entwicklung des Menschen ab Eizelle (199ff);
(234) Die Entwicklung eines Organismus geht natürlich regelmäßig und
naturgesetzlich vonstatten. Aber damit ist sie noch lange nicht programmiert.
Die Welt und das Leben stecken voller regelmäßiger Abläufe, die ohne
Programmierung auskommen, und es wird vorgeschlagen, diesen Begriff aus der
Welt der Computer ad acta zu legen, da er das Denken mehr behindert als
fördert.;
(243) das ABC des Lebens, besser: das ATGC des Lebens;
(246) die Veränderung in einem homeotischen Gen führt dazu, dass zum Beispiel
die Maschinerie, die ein Bein herstellen soll, dort in Schwung gebracht wird,
wo eigentlich eine Antenne nötig ist. Tatsächlich gibt es Fliegen, denen Beine
aus dem Kopf wachsen ... kein Genetiker hätte sich ein solches Wesen in seinen
wildesten Träumen ausdenken können;
dass die Genvariationen zu einer Fehlidentifizierung des Körpersegments führen,
was dann die Anfertigung von gebrauchfähigen Organen am falschen Ort nach sich
zieht;
(250) Nicht nur Insekten verfügen über eine Homeobox. Der entsprechende
Genbereich konnte bei Würmern, Fröschen, Mäusen und zuletzt auch im Menschen
gefunden werden. Das Überraschende dabei war nicht nur, dass in der Entwicklung
von Wirbeltieren und Wirbellosen ein gemeinsames Prinzip erkennbar wurde,
sondern dass homeotische Gene auch dort funktionierten, wo sich – auf den
ersten Blick – keine Körpersegmente erkennen ließen.
Wenn man genauer hinschaut, erkennt man natürlich, dass Menschen innerlich sehr
wohl Segmente erkennen lassen, und zwar die berühmten Rippen ... auffallend
häufige Fehlbildungen an dieser Stelle. Etwa einer von 10 Erwachsenen hat eine
andere Rippenzahl (als die normalen 12 auf jeder Seite ... das Muster, das zu
dieser Bildung führt, wird dadurch gestört, dass eines der homeotischen Gene
des Menschen nicht funktioniert)
(253) Erklärung für die Ähnlichkeiten in der Embryonalentwicklung, die Fische,
Salamander, Hühner, Kaninchen und Menschen zeigen; dass Organismen für ihre
Entwicklung sehr eng miteinander verwandte Gene benutzen, um die (An- JK)
Ordnung ihrer Teile festzulegen;
(254) die homeotischen Gene enthalten Informationen über Proteine, die in der
Lage sind, Einfluss auf die Art und Weise zu nehmen, mit der (andere) Gene
genutzt werden.; Proteine von homeotischen Genen dienen als molekulare Schalter
und aktivieren oder deaktivieren andere Gene.;
alle homeotischen Gene treten als Block (Cluster) auf, liegen in einer
bestimmten Reihenfolge aufgereiht (manchmal auf einem Chromosom, beim Menschen
auf vier verteilt;
(264) Gene spulen keine Programme ab, Gene reagieren vielmehr kreativ. Die
Gesamtheit der Gene – das Genom – verfügt über Kreativität.;
(292f) Huxley: „Schöne neue Welt“; hier werden zuerst Menschen geklont, aber es
entscheiden nicht nur die so festgelegten Gene - der „neue“ Mensch kommt erst
danach durch Gehirnwäsche und andere Arten der Konditionierung zustande;
(382) Aus dem ursprünglich so übersichtlichen Grundgedanken, dass ein Gen ein
Protein macht, ist heute die feinere Einsicht geworden, dass ein Gen-Stück ein
Protein-Teil macht – ein Exon kodiert eine Domäne ...;
(457) 2004 wurde bekannt, dass der väterliche Same mehr als nur seine Hälfte
zum gesamten Genom in Form von DNA-Molekülen liefert. Er stellt zudem einzelne
Stränge aus RNA für den Nachwuchs bereit; z.B. Funktion beim Anschalten der
Gene
(Ernst Peter Fischer: Die Bildung des Menschen - was die Naturwissenschaften über uns wissen;
Ullstein Berlin 2006)
·
(40) Ribosomen
haben nur ca. 25 nm Durchmesser, sind mit Lichtmikroskop nicht zu erkennen;
eine einzige Leberzelle des Menschen enthält bis zu 10 Millionen Ribosomen;
(73) Apollo 12 bringt vom Mond Geräte zurück, die dort 2 ½ Jahre gewesen waren:
darauf Bakterienkolonie entdeckt, die überlebt hatte!
(Hansjürg Geiger: Auf der Suche nach Leben im Weltall, Wie Leben entsteht und
wo man es finden kann, Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart 2005)
·
(10) Hox-Gene
sind bei Insekten unter dem Namen Homeobox-Gene für die Segmentierung des
Körpers zuständig. Die Hox-Gene steuern sowohl bei Wirbellosen als auch bei den
Wirbeltieren den Aufbau des Körpers entlang der Achse vom Kopf zum Körperende
... Die homeobox ist ein so genanntes Motiv im Erbmolekül DNS, das 180 Bauteile
oder Basen lang ist. Drei Basen bestimmen eine Aminosäure, die Bauteile der
Eiweiße, also ist das Produkt der homeobox, die so genannte homeodomain, etwa
60 Aminosäuren lang. Nur bei den Wirbeltieren spricht man von Hox-Genen.
(219) Hox-Gene gibt es nur bei Metazoen, höheren Tieren mit verschiedenen
Zelltypen und Geweben wie Ringelwürmern, Krebsen, Insekten und Wirbeltieren.
Diese Gene stammen von den so genannten Hoemeobox-Genen ab, die es auch bei
Einzellern und Pflanzen gibt. Die Hox-Gene sind in Gruppen entlang eines oder
mehrerer Chromosomen angeordnet. Bei Schwämmen gibt es nur ein Gen, vier oder
fünf bei den Cnidaria, sechs bis zehn Gene bei den meisten anderen Tierstämmen,
aber bis zu 39 Gene in vier Gruppen bei den Säugetieren. ...
(220) (Veränderung von Gliedmaßen und Bauplänen möglich) ... In dieser
komplexen Abfolge von genetischen Schaltern können in jedem Schritt
Erbänderungen auftreten, deren Folgen von den klassischen Modellen der
Evolutionsgenetik nicht erfasst werden können.;
In langen geologischen Zeiträumen sind die massiven Änderungen der Erde ebenso
ein Motor der Evolution wie Umbauten in der genetischen Architektur.;
(228) Manche Gene werden von den Eltern mit einem chemischen „Etikett“
versehen, das die Tätigkeit des Gens im Nachwuchs steuert;
(229) Nicht nur Gene verursachen die Ähnlichkeit von Eltern und Nachwuchs.
Manipulation der Umwelt, chemische Markierung des Erbmoleküls oder die
Weitergabe von symbiontischen Mikroorganismen tragen ebenfalls zur Ähnlichkeit
aufeinander folgender Generationen bei.;
(232) Geschlechtsbestimmung der Organismen; oft genetische Ursache (Männer beim
Menschen XY, Frauen XX; bei Vögeln und Schmetterlingen umgekehrt);
Viele Eidechsen, Schildkröten und alle Krokodilarten lösen das Problem der
Geschlechtsbestimmung dagegen völlig anders. Die Umweltbedingungen bestimmen,
welche Individuen männlich oder weiblich werden. Welche Umweltbedingung
verantwortlich ist, ist artspezifisch: Temperatur, Nahrungsangebot oder
Bevölkerungsdichte. bei manchen Arten entwickeln sich Eier bei hohen
Temperaturen zu Männchen, bei niedrigen zu Weibchen, bei anderen ist es
umgekehrt und bei wieder anderen gibt es bei mittleren Temperaturen Männchen
und bei hohen und niedrigen Extremtemperaturen Weibchen.;
(240) Und nicht nur Erbmoleküle haben die Fähigkeit, sich im Laufe einer
Zellteilung selbst zu vermehren – sie benötigen sowieso die (innere JK)
Umwelt der Zelle, um dies zu bewerkstelligen. Auch Zellmembranen werden
vererbt. Neue Zellmembranen können nur mit Hilfe anderer Zellmembranen
aufgebaut werden.
(Thomas P. Weber: Darwin und die neuen Biowissenschaften, DuMont Köln, 2005)
·
Paläogenomik:
zwei Forschergruppen haben die ersten Teile des Neandertaler-Genoms
entschlüsselt; 38.000 Jahre alte Knochensplitter; 65.000 bzw. 8 Millionen
Basenpaare isoliert; Zuordnung in die richtige Reihenfolge durch Vergleich mit
der DNA von Mensch und Schimpanse
(Spiegel 47/06 S.180)
·
Klonforscher gefragt: Wie weit prägen Gene ein Wesen? Darüber haben wir
ziemlich genaue Vorstellungen. Zu 30 bis 35 % sind die Gene verantwortlich, was
wir sind und was wir tun. Der Rest ist die Umwelt.
(Die Zeit 15.2.07 S.56)
·
(151) dass das
Karyoplasma des Zellkerns die Funktion der Fortpflanzung und Vererbung besorgt.
Diese Ansicht hatte ich zuerst 1866 ... ausgesprochen ...später genauere
empirische Bestätigung durch ... Strasburger , Hertwig u.a. ... Die
verwickelten feineren Verhältnisse, welche diese Forscher bei der Zellteilung
aufdeckten, führten zu der Annahme, dass der färbbare Bestandteil des
Zellkerns, das „Chromatin“, die eigentliche Erbmasse sei, das materielle
Substrat der „Vererbungsenergie“. Weismann fügte nun zu dieser Erkenntnis die
Annahme, dass dieses Keimplasma vollkommen von den übrigen Substanzen der Zelle
gesondert lebe, und dass letztere (- das Somaplasma -) die durch Anpassung
erworbenen neuen Eigenschaften nicht auf das Keimplasma übertragen können;
gerade auf dieser Annahme beruht seine Opposition gegen die progressive
Vererbung oder die „Vererbung erworbener Eigenschaften“. Die Verteidiger der
letzteren, zu denen ich gehöre, nehmen an, .... dass eine teilweise Mischung
beider Plasmaarten eintritt.
(153) Darwin war von der hohen Bedeutung der „Vererbung erworbener
Eigenschaften“ und insbesondere von der Erblichkeit funktioneller Anpassungen
ebenso fest überzeugt wie Lamarck und wie ich selbst; er schrieb ihnen nur
einen beschränkteren Wirkungskreis zu als Lamarck.
(151) Mutation (bedeutet bei Haeckel noch Makro-Mutation, d,h. Mechanismus für
plötzliches Auftreten neuer Arten JK)
(Ernst Haeckel: Die Lebenswunder, Alfred Kröner Verlag Stuttgart 1906)
·
nicht Schäden an
der DNA, sondern an Proteinen, die für ihre Reparatur zuständig sind, sind
möglicherweise entscheidend für die negativen Folgen von Strahlung; in manchen
strahlungsresistenten Bakterien sind diese wichtigen Proteine besonders
geschützt
(ZEIT 22.3.07 S.52)
·
die weiße
Hautfarbe entstand erst vor 5300 bis 6000 Jahren, lange nach der Ankunft des
modernen Menschen in Europa; zwei Varianten eines Gens für die Produktion eines
Eiweißes in den Melaninkörperchen der Pigmentzellen der Haut; Folge eines
Austauschs einer Aminosäure führt zu Defekt und hellerer Haut
(ZEIT 26.4.07 S.41)
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Genom des Rhesusaffen
entschlüsselt; 93% Übereinstimmung mit dem des Menschen
(GID 181 4/2007 S.38)
·
(357) Die DNA,
die ein Organismus geerbt hat, bestimmt die Ausprägung spezifischer Merkmale,
indem sie der Zelle die Synthese gewisser Proteine vorschreibt. DNA ist also nicht
der Bauplan eines Lebewesens, sonder der Bauplan seiner Baustoffe
(Strukturproteine) und Bauarbeiter (Enzyme, Transportproteine, regulatorische
Proteine). Proteine sind das Bindeglied zwischen Genotyp und Phänotyp.;
(359) Ein-Gen-ein-Polypeptid-Hypothese (z.B. besteht Hämoglobin-Molekül aus
zwei Arten von Polypeptiden);
(365) die Transkription verläuft bei Eukaryoten mit einer Geschwindigkeit von
rund 60 Nucleotiden je Sekunde;
ein einzelnes Gen kann gleichzeitig von mehreren Molekülen der RNA-Polymerase
transkribiert werden, die wie Lastwagen in einem Konvoi hintereinander über die
DNA fahren.;
(368) Man kennt eine Reihe von Genen, die zwei oder mehr Polypeptide codieren,
je nachdem, welche Segmente beim RNA-Spleißen als Exons behandelt werden.
alternatives Spleißen als Erklärung dafür, weshalb der Mensch mit vergleichbar
wenigen Genen auskommt (nur doppelt so viele wie die Fruchtfliege);
Introns erhöhen die Wahrscheinlichkeit potenziell vorteilhafter
Crossing-over-Ereignisse (bei der Chromosomen-ver-teilung JK);
(369) tRNA als „Adapter“ zwischen Aminosäure und mRNA;
tRNA-Molekül als Spielkarte mit dem „Nucleinsäurewort“ (Anticodon) auf der
einen Seite und dem entsprechenden „Proteinwort“ (Aminosäure) auf der anderen
Seite;
jedes tRNA-Molekül kann wiederholt verwendet werden;
es gibt durchschnittlich etwa 45 verschiedene tRNA-Moleküle;
(374) eine ganze Gruppe von Ribosomen wandern simultan hintereinander an
demselben mRNA-Molekül entlang;
(375) das Protein Insulin wird zunächst als ein durchgehendes Polypeptid
synthetisiert, dann wird dessen Mittelteil enzymatisch entfernt, und das
zurückbleibende aktive Hormon besteht aus zwei Polypeptidketten, die durch
Disulfidbrücken zusammengehalten werden.;
(381) Definition:
Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA, der zur Herstellung eines RNA-Moleküls
benötigt wird.
(Neil A. Campbell / Jane B. Reece: Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
Heidelberg Berlin, 6. Auflage, 2003)
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Vorschrift „ein
Gen ergibt ein Produkt“ gilt nicht mehr;
entgegen früherer Annahmen sind die Schalter für das Ablesen von Genen diesen
nicht nur vorgeschaltet, sondern auch dahinter zu finden; das, was bisher
häufig als JUNK-DNA bezeichnet wurde, ist nicht einfach nur „Müll“: diese
Sequenzen werden in den Zellen auch abgelesen, müssen also eine Funktion haben
(taz 15.6.07)
·
Krebszellen
haben „falsche“ Anzahl von Chromosomen (Aneuploidie, mehr als normal) und
Chromosomen mit Strukturanomalien;
etwa die Hälfte aller bekannten krebserregenden Stoffe – darunter Asbest,
Nickel, bestimmte Hormone – lösen keine Schäden an den Genen aus, sondern
greifen massiv die Chromosomen an oder stören deren Verteilung bei der
Zellteilung;
je bösartiger ein Tumor ist, desto mehr Chromosomen enthält die einzelne
Krebszelle und desto schwerer ist der Chromosomenschaden;
(bdw 8/2007 S.33)
·
Maus-Gen macht
Fliegenauge:
Fliege und Mensch können unterschiedlicher nicht sein. Doch ihre Gene sind sich
so ähnlich, dass sich eine Gen-Mutation des Insekts, die zum Verlust der
Komplexaugen führt, mit dem intakten Säugetier-Pendant kurieren lässt. Was in
Säugern die Entwicklung des Linsenauges induziert, stößt bei der Fliege die
Entwicklung eines kompletten Komplex-Auges an. Und zwar nicht nur am Kopf,
sondern in jedem Gewebe, in dem das betreffende Gen experimentell eingeschaltet
wird, sodass dieser Fliege auch an den Antennen kleine, sehfähige Augen wachsen
können. Offenbar haben sich nicht nur das Gen, sondern auch wesentliche Teile
des nachgeschalteten frühen Entwicklungsprogramms seit über 500 Millionen
Jahren kaum verändert
(bdw 7/2007 S.31)
·
Das komplette Genom des Genetikers James Watson wurde im Mai 2007
entziffert; Prozess dauerte nicht einmal 3 Monate;
von der Auffassung trennen, dass menschliche DANN aus einer relativ kleinen
Zahl von aktiven Genen besteht, in denen die lebensnotwendigen Informationen
für den Bau von Proteinen stecken, und dass diese Gene durch lange Abschnitte
inaktiver, unnützer Sequenzen voneinander getrennt sind; tatsächlich sind diese
Sequenzen keinesfalls DNA-Müll, sondern sie enthalten unzählige regulatorische Einheiten,
die den Gegen sagen, wann und wo sie aktiv werden sollen
(bdw 9/2007 S.22)
·
US-Forscher
Craig Venter hat bis März 2007 sechs Millionen neue Gene aus Meereslebewesen
bekanntgegeben, damit die Zahl aller bis dahin bekannten Gene mal eben
verdoppelt
(Spiegel 44/07 S.173)
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Noch im
Paradies, so sagt die Bibel, bekam Adam den Auftrag, für jedes Tier unter dem
Himmel einen Namen zu finden. Es muss eine höllische Aufgabe gewesen sein, die
Adam aber offenbar mühelos meisterte. Ähnliches vermag heute niemand mehr:
Schon bei den Vögeln wird es schwierig, niemand kennt alle Schmetterlinge, und
kein Sterblicher wird je alle Arten von Ameisen aufzählen können ... Zauberhaft
ist die Artenvielfalt – aber mit rund 1,8 Millionen bekannten und viel mehr
unbekannten Arten ...;
der Kanadier Paul Hebert will die Arten anhand ihrer Gene ordnen;
Bestimmung über ihre Erbsubstanz; dazu reicht ihm die Kenntnis eines einzigen
Gens namens COI (Cytochrom-c-Oxidase I); alle Tiere der Welt haben es, doch
offenbar hat fast jede Art ein anderes;
COI ist Teil des Erbgutes der Mitochondrien; kurzer Abschnitt mit rund 650
Basen-Bausteinen; charakteristisches Muster für jede Art zu finden: „Barcode
des Lebens“; globale Datenbank BOLD geplant (Barcode of Life Data Systems);
für Pflanzen müssten andere Gen-Ausweise gefunden werden
(Spiegel 40/07 S.166)
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Erbgut der Hauskatze entziffert; 20.285 mutmaßliche Gene
(taz 2.11.07)
·
James Watson (ein Erklärer der Struktur der DNS);
hatte erklärt, Schwarzafrikaner hätten eine geringere Intelligenz als Hellhäutige;
das ist wissenschaftlich durch nichts belegbar;
Watson hat seine eigene DNS entziffern lassen; Entschlüsseler fanden auch
heraus, dass er eine genetisch bedingte Disposition für Alzheimer-Erkrankung
hat; außerdem: Watsons genetische Struktur ähnelt auffällig der von Asiaten und
- noch krasser - der von Schwarzafrikanern; er wurde als (in seiner Sprache)
„Neger“ mit hellem Teint enthüllt;
Biomediziner Eric Kandel (Nobelpreis 2000): „Intelligenz ist Arbeit, Training
und Erfahrung, also immer umweltgeprägt. Unsere Gene sind gar nichts, außer man
nutzt sie.“
(taz 13.12.07)
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Durch Kreuzungen verschiedener Fische (Höhlensalmler), die seit Millionen
Jahren blind zur Welt kommen, aus weit entfernten
Höhlen; bereits in der ersten Generation konnten einige Fische sehen;
Fische haben nicht alle denselben
genetischen Defekt, sondern sind aus unterschiedlichen Gründen blind geworden, und er betrifft nicht das gesamte Sehorgan;
Funktion durch Mutationen einiger Schlüsselgene deaktiviert;
neu: genetische Entwicklungen, die Millionen von Jahren gedauert haben, lassen
sich in kürzester Zeit rückgängig machen; Defekte kein irreparabler Schaden;
(taz 18.1.08)
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(22) Zahl der verschiedenen Proteine beim Menschen wird auf rund 500.000
geschätzt
(Stefan Rehder: Gott spielen – Im Supermarkt der Gentechnik, Pattloch, München,
2007)
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Universität Mainz; Genome mehrerer hundert Tierarten analysiert; bei
allen Arten ist nur ein geringer Teil des Genoms für die Lebenserwartung
zuständig; im mitochondrialen Genom, das nur von der Mutter vererbt wird und
aus meist 13 Genen besteht, die alle mit Energiegewinnung, Atmung und
Sauerstoffverbrauch zu tun haben; Tiere mit besonders stabilem chemischem
Aufbau dieser Gene –etwa Riesenschildkröten- leben deutlich länger als solche,
die einen weniger stabilen Aufbau besitzen; durch Messung der genetischen
Stabilität des mitochondrialen Genoms lässt sich die maximale Lebenserwartung
einer Tierart bestimmen
(bdw 3-2008 S.13)
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Eisenspeicherkrankheit, Hämochromatose:
eine der häufigsten erblichen Stoffwechselstörungen, jeder 8. Europäer hat
Veranlagung dafür; auf Chromosom Nr.6 ist eine Punktmutation (1 falsche Base in
der DNS): statt Aminosäure Cystein wird an einer Stelle Thymin hergestellt; das
im Auftrag des Gens hergestellte Membran-Protein büßt seine Funktion ein;
“Überfall auf Boten-RNS“:
1. aus doppelsträngiger RNS macht ein Proteinkomplex mit dem Namen „Dicer“
(Häcksler) kurze siRNS-Stücke (small interfering RNA);
2. an die Schnipsel lagert sich ein weiterer Protein-Baustein an;
3. der Proteinkomplex spaltet nun die siRNS in Einzelstränge;
4. das aus siRNS und Protein zusammengesetzte Molekül wirkt als „Slicer“
(Schlitzer): es erkennt eine passende Stelle auf einem Boten-RNS-Molekül, das
gerade zum Ribosom unterwegs ist, zerlegt diese mRNS und bringt so das Gen zum
Schweigen;
mit ihrer Hilfe entscheidet die Zelle, welche genetischen Informationen nach
der Abschrift von der DNS (Transkription) überhaupt in Proteine umgesetzt
werden sollen und welche nicht = „posttranskriptionelle Genregulation“
(bdw 3-2008 S.36ff)
·
Erbgut in
Auflösung
Das Genom galt als unveränderlicher Bauplan des Mensche, der zu Beginn des
Lebens festgelegt wird. … In Wirklichkeit sind unsere Erbanlagen in ständigem
Wandel begriffen;
das Erbgut eines jeden ist in beständigem Umbau begriffen. Die
Folge: Jeder Organismus, jeder Mensch, selbst jede Körperzelle ist ein
genetisches Universum für sich;
das Genom ist kein stabiler Text;
die jüngsten Erkenntnisse zeigen mehr denn je, dass der Mensch ein Produkt
genetischer Prozesse ist. Aber auch, dass diese Prozesse mit vielen
Freiheitsgraden ausgestattet sind. Sie bilden ein offenes System, in dem
keineswegs alles vorbestimmt ist;
genaue Analysen zeigen nun: keine Zelle gleicht der nächsten;
Umweltbedingungen können sich im Erbgut niederschlagen, und auch eineiige
Zwillinge sind nicht, wie bisher angenommen, identische Kopien voneinander;
bis vor wenigen Monaten galt die Annahme, dass sich das Erbgut zweier
beliebiger Menschen nur in etwa einem Promille (0,1 %) aller DNA-Bausteine unterscheidet;
vom wahren Ausmaß der Differenzen überrascht: In nahezu jedem zweiten Gen (von
Craig Venter) stießen die Forscher auf Unterschiede zwischen den mütterlichen
und väterlichen Genkopien … stellten zudem zuhauf sogenannte Inversionen (ganze
Abschnitte der Erbmoleküle in neuer Reihenfolge eingebaut) oder Deletionen
(Erbinformationen sind verschwunden) fest; andere Abschnitte hatten sich aus
ihrer Umgebung herausgelöst und umgedreht wieder eingefügt;
Unzutreffend ist auch die bisherige Überzeugung, jedes Gen existiere in der
Regel nur zweimal im Erbgut (einmal im väterlich, einmal im mütterlich ererbten
Satz der Chromosomen). In Wahrheit unterliegen zahlreiche Erbinformationen
einem Vervielfältigungsprozess und existieren in bis zu 16 Kopien in einem Zellkern.
Bei mindestens 1500 menschlichen Genen wurden bisher solche Kopievarianten
(CNVs = copy number variants) entdeckt; jeder Mensch weist sein eigenes
CNV-Profil auf; CNV-Muster unterscheidet sich selbst in den Körperzellen eines
bestimmten Menschen von dem anderer Zellen;
vervielfältigen sich so etwa Gene für die Produktion von Signalstoffen oder für
deren Empfängermoleküle, verändern sich die Kommunikationssysteme des
Organismus; CNVs beeinflussen die Genaktivität;
um den wahren Umfang der Baumaßnahmen im Genbestand zu ermitteln, wurde nun das
„1000 Genomes Project“ gestartet. Im Verlauf von drei Jahren soll das Erbgut
von 1000 Menschen aus aller Welt sequenziert werden;
das Wechselspiel im Menschengenom vermag nicht nur die individuellen
Eigenheiten des Einzelnen zu erklären, es produziert auch das genetische
Sortiment, aus dem die Evolution den Menschen weiter formt. Das macht einen
weiteren verstörenden Befund verständlich: Die Spezies homo sapiens unterliegt
offenbar einer Turboevolution. Hunderte Bereiche im Erbgut haben sich weit
schneller gewandelt als bei anderen Primaten. … dass die Zivilisation seit
Beginn der Jungsteinzeit die menschliche Evolution um das 100-fache
beschleunigt haben muss;
noch bevor die Frage beantwortet werden konnte, was in unserer DNA uns
menschlich mache (im Unterschied etwa zur DNA von Schimpansen), stand die
nächste Frage im Raum: Was in meiner DNA macht mich zu mir?; alles deutet auf
eine bestürzende Antwort hin: Ich bin viele;
zumindest physisch erscheint der Mensch nicht länger als Individuum, sondern
als Verband egoistischer Zellkolonien. Bei bis zu 10 % aller Erbanlagen – und
vielleicht weit mehr – ist entweder nur die mütterliche oder nur die väterliche
Variante aktiv („autosomale monoallelische Expression“); davon sind besonders
häufig Gene betroffen, die im Verlauf der Menschwerdung einer beschleunigten
Evolution unterlagen, und solche mit wichtiger Funktion im zentralen
Nervensystem;
selbst die biologische Identität des Individuums steht wohl zur Disposition;
„Ich mag die Idee, dass wir Mosaiken sind“;
Auch soziale und materielle Außenfaktoren können einen Menschen auf dem Umweg
über die Biologie prägen – indem sie seine Genfunktionen verändern. Durch
sogenannte epigenetische Prozesse können offenbar Stress oder Folter,
Ernährungsmangel oder Liebesentzug bis in den Zellkern hinein wirken;
auch die Biowissenschaftler rätseln nun über the dark matter of the genome, die
dunkle Materie des Erbguts. Finden könnten sie das dunkle Geheimnis in jenem
Teil des Erbguts, den sie bisher als Müll abgetan haben, als „Junk-DNA“.
Relevant waren für sie nur jene wenigen Prozent des Genoms, die als Gene
herkömmlicher Definition die nötigen Informationen für den Aufbau der Eiweiße
in den Zellen enthalten. Der Rest galt als evolutionärer Schrott; inzwischen
hat sich herausgestellt, dass diese vermeintliche Müllhalde des Genoms wichtige
biologische Funktionen erfüllt. In ihr verbirgt sich offenbar der gesamte
hochkomplexe Steuerungsapparat, der die Aktivität der Gene reguliert und koordiniert;
vor allem sogenannte microRNAs, eine bis vor kurzem unbekannte Klasse von
Erbinformationen, regeln eine Vielzahl von Entwicklungs- und
Krankheitsprozessen
(DIE ZEIT 12.6.08 S.33f.)
·
Erstmals Genom einer Frau vollständig entziffert
(Dresdner Neueste Nachrichten 10.6.08)
·
Gewalt-Erfahrungen in der Kindheit: epigenetische Unterschiede zu
Nicht-Opfern: Genaktivität durch das Ereignis verändert
(GID 188 Juni 2008 S.39)
·
Die gesamte Population von Epithelzellen des Magen-Darm-Traktes wird
Woche für Woche komplett erneuert werden, verändern ihre chemische Zusammensetzung ständig,
sodass nach einigen Monaten nahezu alle Moleküle des Körpers durch neu
gebildete ersetzt sind … warum altert ein Körper, der sich in Wahrheit ständig neu synthetisiert?
(ZEIT 19.3.08 S.38)
·
Alterungsprozess / Verschleiß eines Organismus an Telomeren erkennbar; T.
sind die Endstücke des auf den Chromosomen aufgespulten DNA-Fadens; werden beim
Menschen bei jeder Zellteilung um etwa 20 Basenpaare kürzer
(bdw 8/2008 S.37)
·
amerikanisch-russisches Forscherteam hat das Erbgut des Mammuts zu weiten
Teilen entziffert; etwa 80 % rekonstruiert;
(taz 21.11.08)
·
Erstmals Erbgut eines Käfers entschlüsselt; Mehlkäfer besitzt 16.000 Gene
(bdw 6-2008 S.12)
·
Forschungen am Weizmann-Institut in Israel;
Das Genom ganzer Organismen wurde durchgescannt und in Datenbanken gespeichert;
Was haben wir jetzt? Nur eine Inventarliste des Lebens, was fehlt, ist die
Betriebsanleitung;
drei DNA-Abschnitte gefunden, die am Wachstum von Pflanzen beteiligt sind;
Überraschung: sie sind keine Wachstums-, sondern Stopp-Faktoren; Wachstum ist
der Grundzustand, damit es aufhört, wird es von der Pflanze aktiv gehemmt; wird
das Wetter ungünstig, kann eine Pflanze ihr Wachstum in jedem Alter stoppen;
Versuche, Evolution im Computer zu simulieren; immer bleibt die Evolution
stecken; Lösung: wechselnde
Umweltbedingungen, die Ziele wechseln ständig, weil die Umgebung sich ständig
ändert; wechselnde Bedingungen in die Computermodelle eingeführt (aller 20
Generationen mal trockener, mal feuchter), Folge: die Evolution beschleunigte
sich drastisch – bis zu 1 Milliarde mal schneller als zuvor
(bdw 6-2008 S.19ff)
·
Etwa 1 Trillion
verschiedener Proteine gibt es auf der Erde
(Korrektur nach Rückfrage beim Autor: er
hat britische trillions gemeint, die unseren deutschen Billionen = 10 hoch 12 entsprechen JK)
(Die Zeit 31.12.08 S.32)
·
Die codierenden
DNA-Abschnitte müssen … komplexere Aufgaben wahrnehmen (nicht nur Information für 1 Protein JK) den rein rechnerischen Rekord
bei multifunktionalen Genen hält die Fruchtfliege: Hier werden einem einzelnen
Gen bis zu 38.000 verschiedene Gen-Produkte, das heißt Eiweiße (Proteine)
zugeordnet …
am spektakulärsten ist wohl die Entdeckung, dass Stoffe, die lange Zeit für
passive Botenstoffe gehalten wurden, in Wahrheit die Funktion der Gene
bestimmen, auswählen und verändern können: Heute weiß man, dass die RNA
keineswegs immer zuerst in ein Protein umgesetzt werden muss, um wirksam zu
werden. Sie kann vielfältige direkte biologische Wirkungen haben. Sie kann die
Aktivität der DNA steuern, Gene stilllegen oder andere RNA und die daraus
resultierenden Gen-Produkte verändern. …
Es sind gerade die Gen-Strukturen, die bisher für inaktive „Junk“- oder
„Nonsense“-DNA gehalten wurden und die über 90% des menschlichen Erbgutes
ausmachen, denen jetzt eine entscheidende Rolle zugeordnet wird. Sie stellen
RNA-Sequenzen her, die das komplexe Geschehen der Zellregulation auf
verschiedenen Ebenen steuern …
(2007:) das menschliche Erbgut wird in Gänze genutzt; Junk-DNA gibt es nicht.
Für die allermeisten Abschnitte gibt es verschiedene Abschriften, die so
genannten RNA-Transkripte. Zudem sind die einzelnen Abschnitte im Erbgut nicht
klar voneinander abgegrenzt, sondern werden jeweils überlappend abgelesen, ein
DNA-Abschnitt kann sich in seiner Funktion mit einem benachbarten DNA-Abschnitt
überschneiden …
Übersetzung der DNA-Information in Proteine mit dem Zwischenschritt der
RNA-Synthese als Botenstoff … ursprünglich nahm man an, dass dies die einzige
Art der Gen-Regulierung ist. Dabei ging man von Beobachtungen an Bakterien aus,
bei denen dies für die Mehrzahl der DNA-Abschnitte auch tatsächlich gilt. Doch
bei höheren Lebewesen wird nur ein relativ kleiner Teil der DNA auf diese Weise
genutzt. So dient nur etwa 1 bis 2 Prozent Heute gehen Wissenschaftler davon
aus, dass die codierenden Bereiche der DNA für durchschnittlich 5 bis 6, im
Ausnahmefall für bis zu mehrere Tausend verschiedene Proteine die Informationen
liefern …
2003 wurde in der Fachzeitschrift Nature Genetics ein Artikel veröffentlicht,
demzufolge die Änderung eines einzigen – für den Geruchssinn wichtigen – Gens
bei der Fruchtfliege zu Auswirkungen auf die Aktivität von 530 anderen Genen
geführt hat. Betroffen sind das Immunsystem, das Zellskelett und andere
Stoffwechselfunktionen …
Genmanipulierte Bakterien (Einzeller) können in einem geschlossenen System mit
einer gewissen Zuverlässigkeit dazu gebracht werden, Substanzen wie
Arzneimittelgrundstoffe zu produzieren. Möglicherweise sind Bakterien aufgrund
ihrer natürlichen Fähigkeit, einzelne Gene auszutauschen, für derartige
Verfahren tatsächlich wesentlich besser geeignet als andere Lebensformen …
(GID Spezial Nr.8 Dezember 2008: Gen in der Krise – Daten im Rausch, S.10ff.)
·
„Epigenetik“ …
Es handelt sich im Prinzip … um eine molekularbiologische Wissenschaft, die
sich im Wesentlichen mit drei Gruppen von Molekülen beschäftigt, die innerhalb
der Zelle die Genregulation beeinflussen: mit Methylgruppen und Enzymen für die
Methylierung, mit Histonen, Acetyltransferase und Deacetylase, sowie mit
kleinen RNA-Molekülen (sRNA). Gemeinsam ist diesen Molekülen, dass sie die
genetische Sequenz der DNA nicht verändern, aber die Genexpression beeinflussen
können. Diese Wirkung ist unabhängig von Zellteilungen und kann sogar von einer
auf die andere Generation übertragen werden. Es handelt sich also um die
Vererbung der Genexpression oder eines Phänotyps, die nicht auf der genetischen
Sequenz beruht.
Die Bindung einer Methylgruppe (aus einem Kohlenstoffatom und drei
Wasserstoffatomen – CH3) an den Cytosinrest der genetischen Sequenz vermag die
Genexpression zu unterdrücken, indem sie die Transkription der DNA verhindert.
In ähnlicher Weise kann die Acetylierung und Deacetylierung von Histonen die
Information des Chromatins beeinflussen. Histone sind Proteine, um die sich die
DNA wie um eine Spule herumwindet und die dadurch dem Chromatin seine Struktur
verleihen. Wird eine Acetylgruppe hinzugefügt oder abgezogen, verändert dies
die Wicklungsstärke der DNA um die Histone und mittelbar die Genexpression,
weil die Gne dadurch besser bzw. schlechter für die Expression zugänglich sind
(GID Spezial Nr.8 Dezember 2008: Gen in der Krise – Daten im Rausch, S.42ff.)
·
die beiden
Stränge des menschlichen Erbguts werden, anders als bisher gedacht, nicht nur
in eine Richtung abgelesen (Science, Vorabveröffentlichung). Diese Entdeckung
ist deswegen überraschend, weil die Abfolge der Basen in der DNA nur in einer
Richtung Sinn ergibt. Die verkehrten DNA-Transkripte könnten dazu dienen, den
Strang für das echte Ablesen bereitzuhalten. (? JK)
(Die ZEIT 11.12.2008 S.48)
·
US-Forscher
haben nachgewiesen, dass Viren sich in der menschlichen DNA fest einbauen
können und sogar vererbbar sind; Herpesviren bei Babys in Haarwurzelzellen gefunden,
bei denen zumindest 1 Elternteil selbst befallen war; offenbar infiziert der
Virus den Vorläufer einer Ei- oder Samenzelle, wenn diese Zellen es zur
Befruchtung schaffen, entsteht ein Lebewesen mit einer Kopie des Virus in jedem
Zellkern
(bdw 1/2009 S.9)
·
Tatsächlich
mehren sich die Zweifel, ob die Gene im Verlauf der Evolution wirklich die
Regie geführt haben. Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass sie keineswegs die allein bestimmende Rolle,
möglicherweise nicht einmal die entscheidende gespielt haben. "Unser Blick
war viel zu sehr auf die Gene allein konzentriert", erklärt Carroll. Er
fragt sich, ob die tatsächlichen Stellschrauben der Evolution nicht an ganz
anderen Stellen zu finden sind.
Besonders eine Entdeckung beschäftigt die Forscher: Bei der Untersuchung von
Embryonen sind sie auf eine Art Bausatz gestoßen, der sich im Erbgut eines
jeden Tieres findet. Er besteht aus einigen hundert Genen, die allesamt rund
600 Millionen Jahre alt sind. Über diesen unermesslich langen Zeitraum wurde der
genetische Masterplan zur Konstruktion von Tierkörpern fast unverändert von
Kreatur zu Kreatur weitergegeben.
Einige der Bausatzgene lassen im Embryo Gliedmaßen wachsen - ganz egal, ob es
nun Fischflossen, Adlerschwingen oder Fliegenbeine sind. Andere wiederum
steuern die Bildung von Augen - und zwar gleichermaßen die Facettenaugen der
Käfer, die Linsenaugen der Tintenfische oder die Schlitzaugen der Chinesen.
Verblüffend aber ist, dass sich diese Gene im Verlauf der Evolution kaum
verändert haben. Aus Flossen wurden Beine, Arme oder Flügel, einfache
Pigmentflecken entwickelten sich zu Fliegen- oder Menschenaugen. Doch die
Bausatzgene, die diesen Prozess steuern, blieben gleich. Es veränderte sich nur
die Art und Weise, wann und wo im Organismus sie angeschaltet werden.
Ähnlich wie sich aus einigen wenigen Legosteinen eine kaum begrenzte Vielzahl
verschiedener Fahrzeuge, Gebäude oder Figuren bauen lässt, so schuf die Natur
offenbar neue Organismen, indem sie einige wenige Bausatzgene auf immer neue
Weise an- und abschaltete, regulierte und kombinierte. Dieses komplexe
Regelungs-Netzwerk wollen die Forscher jetzt entflechten.
Das Erbgut von rund 50 Tierarten ist derzeit bekannt. …
Ende vergangenen Jahres erst wurde eine Skizze großer Teile des Mammut-Genoms
publik gemacht. In diesem Jahr ist dann, wenn alles nach Plan läuft, der
Neandertaler dran …
Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin zum Beispiel hat schon sehr früh das
Interesse der Evolutionsbiologen auf sich gezogen. Das Ur-Wirbeltier, so viel
wissen sie aus Gen-Vergleichen, besaß ein einzelnes Hämoglobin, dessen Funktion
darin bestand, das Gewebe mit Sauerstoff zu beliefern.
Vor einer halben Jahrmilliarde etwa wurde dieses Gen dupliziert. Seither hat es
sich in verschiedenen Varianten im Erbgut verbreitet. Deshalb verfügt der
menschliche Fötus heute über ein spezielles Hämoglobin, das ihm hilft, seinen
extrem hohen Sauerstoffbedarf zu decken. Herz- und Skelettmuskel wiederum
greifen auf ein anderes Molekül zurück - auch dieses hervorgegangen aus einer
Globin-Kopie.
Eine zweite Klasse von Proteinen, über die inzwischen sehr viel bekannt ist,
sind die Opsine. Ihnen verdankt der Mensch, dass er sehen kann.
Dicht gepackt finden sich diese Moleküle in den zapfenförmigen Lichtdetektoren
der Netzhaut. Drei Arten dieser Zapfen stellen dabei jeweils unterschiedliche
Opsine her, von denen jedes auf Licht etwas anderer Wellenlängen reagiert.
Die Natur hat ihre Geschöpfe sehr unterschiedlich mit solchen Zapfen-Opsinen
ausgestattet - mit gewaltigen Folgen für das Sehvermögen. Eine winzige Änderung
an der richtigen Stelle zum Beispiel kann bewirken, dass das Molekül plötzlich
auf ultraviolettes Licht anspricht. Bei vielen Vögeln ist genau das der Fall:
Die volle Federpracht männlicher Blaumeisen und Stare etwa, die deren Weibchen
nachweisbar erregt, ist für den Menschen völlig unsichtbar …
Erst die Vorfahren des Menschen erlernten dann wieder, was deren Urahnen
verloren hatten: Vor etwa 30 Millionen Jahren entstand im Erbgut irgendeines
Primaten eine neue Opsin-Variante, die das Farbensehen verbesserte. All seine
Nachfahren - darunter Meerkatzen, Paviane, Schimpansen und der Mensch - erbten
sie. Deshalb können sie Rot von Grün gut unterscheiden.
Was damals geschah, konnten die Forscher sogar im Labor nachvollziehen: Sie
bauten einer Maus ein menschliches Opsin-Gen ins Erbgut ein - und siehe da, sie
konnte einen rot und einen grün markierten Futterspender auseinanderhalten,
während ihre Artgenossen blind für den Unterschied sind. Vermutlich könnte eine
ähnliche einfache Gen-Manipulation dem Menschen die Augen für die Schönheit der
UV-Welt öffnen. …
… wie einige wenige Bauplangene, auf immer wieder andere Weise angesteuert,
solche Muster hervorbringen können. Er ist dabei auf ein unerhört komplexes
Netzwerk von genetischen Schaltern gestoßen. Und er ist überzeugt: Dies ist die
eigentliche Steuerzentrale der Evolution. Die Schalter, von denen Carroll
spricht, liegen in Regionen des Erbguts, denen die Wissenschaftler lange wenig
Beachtung geschenkt haben. Sie interessierten sich nur für jene Passagen des
DNA-Texts, die im genetischen Code abgefasst sind. Seit dieser Mitte der
sechziger Jahre geknackt wurde, waren diese Teile des Erbguts leicht zu lesen:
Sie enthalten Instruktionen zur Herstellung von Proteinen.
Doch nach diesem Code sind gerade einmal 1,5 Prozent des menschlichen Genoms
verschlüsselt. Die anderen "nichtcodierenden" 98,5 Prozent sind
größtenteils wirr und unverständlich. Die Forscher taten sie als bloßen
DNA-Müll ab - als bedeutungslosen Buchstabensalat, der sich eben im Laufe der
Jahrmillionen angesammelt habe.
Inzwischen jedoch sind die Forscher ins Grübeln geraten. Riesige Wüsten im
Erbgut haben sie entdeckt, in denen sich nicht ein einziges Gen findet. Und
doch wurden diese Regionen des DNA-Texts über viele Jahrmillionen hin
verblüffend wenig verändert. Warum, so fragt sich, sind sie so gut erhalten,
wenn sie wirklich nur sinnloser Abfall sind?
Seit die Forscher diesen vermeintlichen Müll näher unter die Lupe nehmen,
entdecken sie, dass manche dieser Textpassagen von Schaltern übersät sind, die
Gene an- und abschalten können. Bei jedem Gen, so zeigt sich nun, wetteifern
mehrere, nicht selten Dutzende solcher Schalter um ihren Einfluss.
Und noch etwas spricht dafür, dass die nichtcodierenden Regionen wichtiger sind
als lange geglaubt. Von ihnen erhoffen sich die Genforscher die Antwort auf
eine Rätselfrage, die ihnen schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet: Wieso
eigentlich hat der Mensch nur so wenige Gene?
Letzte Einigkeit über die genaue Anzahl der Menschengene ließ sich noch immer
nicht herstellen. Die Schätzungen schwanken, aber derzeit gilt ein Wert um etwa
22 000 als wahrscheinlich. Das ist kaum mehr, als der einen Millimeter lange
Fadenwurm (20 000 Gene) und die primitive Seeanemone (18 000 Gene) vorzuweisen
haben, und sogar etwas weniger als der Wert der Maus (23 000 Gene).
Mensch und Wurm in derselben Liga - wie ist so etwas möglich?
Diese Zahlen erlauben nur eine Deutung: Die Gene allein spiegeln die
Komplexität eines Organismus nur ungenügend wider. Wenn aber nicht in den
Genen, wo ist das Geheimnis der Komplexität dann verborgen?
Gerade ist eine US-amerikanische Forschergruppe auf ein wesentlich besseres Maß
gestoßen - und zwar in den nichtcodierenden Regionen. Die Wissenschaftler
untersuchten sogenannte miRNA, eine erst vor wenigen Jahren entdeckte Art von
kleinen Steuermolekülen, die in vielfältiger Weise eingreifen in die
Regulierung des Zellstoffwechsels.
Forscher zählten schlicht ab und stellten fest: 677 dieser Schnipsel finden
sich beim Menschen, die Maus liegt mit 491 schon deutlich dahinter. Der
Fadenwurm bringt es gerade einmal auf 154 miRNA, die Seeanemone ist mit 40 ganz
abgeschlagen. Im Großen und Ganzen geben diese Zahlen recht gut das Maß von
Komplexität wieder, das Biologen diesen Organismen zubilligen. …
(microRNA (micros = griech. klein), abgekürzt miRNA oder miR,
sind kurze, hoch konservierte, nicht kodierende RNA-Moleküle, die eine wichtige
Rolle in dem komplexen Netzwerk der Genregulation, insbesondere beim
Gen-Silencing (Stilllegen von Genen) spielen. MicroRNAs regulieren die
Genexpression hochspezifisch auf post-transkriptionalem Level. microRNAs weisen
im Allgemeinen eine Größe von 21 bis 23 Nukleotiden (nt) auf.
(Quelle: Wikipedia))
Und tatsächlich gibt es experimentelle Befunde, die diese Sicht stützen:
Craig Venter zum Beispiel, der Tausendsassa, der schon mit der Entschlüsselung
des Menschengenoms für Furore sorgte, interessiert sich inzwischen auch für die
nichtcodierenden Bereiche. Bei Mensch und Hai hat er sie verglichen und dabei gezielt
nach Abschnitten gesucht, die in beiden Arten fast identisch sind. Sein
Argument: Wenn sie sich in den rund 500 Millionen Jahren, die beide Arten
voneinander trennen, nicht verändert haben, dann müssen sie biologisch wichtig
sein.
Verblüffend häufig wurde Venter fündig: Etwa 5000 Stellen im Erbgut spürte er
auf, die sich bei Mensch und Hai gleichen. Besonders interessant dabei:
Bevorzugt liegen sie in der Nähe von Werkzeugen aus dem Genbaukasten. Das
spricht dafür, dass sie deren Schalter sind.
Für besonderes Aufsehen aber sorgte ein Ergebnis aus Kalifornien: Von
Datenbanken lud die Evolutionsforscherin Katherine Pollard sich die
DNA-Sequenzen von Maus, Ratte, Huhn, Schimpanse und Mensch herunter und
verglich sie miteinander. In den endlosen Ketten der Buchstaben A, G, T und C
ließ sie ihren Computer speziell nach solchen Passagen fahnden, die sich bei
all diesen Tieren gleichen, beim Menschen jedoch auffällige Veränderungen
aufweisen. Diese, so ihre Vermutung, haben dann höchstwahrscheinlich etwas mit dem
menschlichen Sonderweg zu tun.
Insgesamt 49 solcher Regionen spürte Pollard auf. Nur zwei davon erwiesen sich
als Gene, die Bauanleitungen für Proteine enthalten. Alle anderen 47 liegen im
nichtcodierenden Bereich.
Einer der 49 Hot Spots der menschlichen Evolution stach besonders hervor, HAR1
hat Pollard ihn getauft. Bei Huhn und Schimpanse, deren evolutionäres Schicksal
sich vor mehr als 300 Millionen Jahren schied, ist dieses DNA-Stückchen bis auf
zwei Abweichungen identisch; Mensch und Schimpanse hingegen, die gerade einmal
sieben Millionen Jahre Stammesgeschichte trennen, unterscheiden sich in 18 der
HAR1-Buchstaben.
300 Millionen Jahre lang muss dieses Erbgutstückchen also von der Evolution
sorgfältig beibehalten worden sein. Dann aber, in der kurzen Zeit der
Menschwerdung, häuften sich plötzlich 18 Mutationen an. Was nur war da
geschehen?
Die kalifornischen Forscher fanden heraus, dass das rätselhafte Stück des
Gentexts nur von der siebten bis zur neunzehnten Schwangerschaftswoche in
Aktion tritt, und zwar in Zellen, die eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung der sechs Großhirnschichten des
Menschen spielen.
Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass die Wissenschaftler dem Geheimnis des
explosiven Hirnwachstums des Menschen schon sehr nahe gekommen sind?
(Spiegel 4-2009 S.98ff. – gesamter
Text: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=63637476&top=SPIEGEL)
·
Der Bausatz des Lebens;
Dienen die Gene gleichsam als Fertigungsvorschrift für den Organismus wie der
Konstruktionsplan des Architekten bei der Errichtung eines Gebäudes, sind
Proteine die Ziegelsteine, der Mörtel und die Stahlträger, aus denen das Haus
in Wahrheit besteht;
derzeit Biodaten von etwa 20.300 humanen Eiweißen gehortet, dazu kommen fast
14.000 so genannte Iso-Formen, menschliches Proteom könnte mehr als
hunderttausend Eiweiße umfassen;
zu jedem Protein lässt sich (anhand der Aminosäure-Sequenz) auch ein Gen im
Erbgut finden;
neulich konnten Wissenschaftler in einem Arbeitsgang 4400 Eiweiße aus
Hefezellen identifizieren; bei ihnen gilt die „Ein Gen macht ein Protein“-Regel
noch weitgehend;
beim Menschen sind mehrere Eiweiße aus einem Bauplan durch Modulkombination
herstellbar;
inzwischen kann man auch sehr seltene Eiweißmoleküle in einer Zelle finden
(weniger als 100 pro Zelle; manche anderen schwimmen millionenfach in einer
Zelle);
eben wurden 12.000 Eiweiße des Fadenwurms analysiert (die Hälfte des
Gesamtinventars) und dabei sogar die jeweiligen Mengen der Proteine bestimmt;
Gegenüberstellung mit gleichartigen Eiweißen der Fruchtfliege ergab: obwohl
durch 600 Millionen Jahre Evolution getrennt, waren die Mengen, die von einem
großen Teil der Eiweiße gebildet wurden, nahezu gleich groß. Ein klarer
Hinweis, dass die Dosis der Proteine in den Zellen ebenso wichtig ist wie ihr
Aufbau … wichtige Aufgabe: in Zukunft nicht nur den Aufbau, sondern auch die
Molekülzahl der Zelleiweiße ermitteln
(ZEIT 26.3.09 S.35)
·
Bleiben nach den
großen Einsichten im Jahrhundert der Biologie überhaupt noch grundsätzliche
Fragen offen? Ganz sicher genug, um Generationen von Evolutionsforschern
herauszufordern. So wissen wir zwar viel über den Partner des Genoms in der
lebenden Zelle, den Stoffwechsel, aber viel zu wenig, um die Wechselwirkung
zwischen beiden auch nur annähernd zu durchschauen. Gegenwärtig scheint es noch
so, als würde die im Erbgut gespeicherte Information alles steuern. Doch
erstens trifft die Annahme, dass jedem Gen eine Eigenschaft zukommt, nicht so
direkt zu, wie anfänglich angenommen, und zweitens kann das Genom nur tätig
werden, wenn ein Stoffwechsel stattfindet. Im Virus ist das Genom inaktiv,
weder lebendig noch tot. Zu arbeiten fängt es erst an, wenn eine passende
»Wirtszelle« gefunden ist.
Spiegelt sich darin womöglich der Ursprung des Lebens? Hatten sich vor rund
vier Milliarden Jahren »Informationsträger« mit »Stoffwechslern«
zusammengefunden und so die erste Zelle und das Leben hervorgebracht – stand
eine Symbiose am Anfang? Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Forschungen liegt
klar aufseiten der Informationsträger. Sie sind die Vorstufen des Erbgutes.
Aber wie differenziert sie auch ausgebildet sein mögen, sie benötigen einen
Stoffwechsel, um »lebendig« zu werden. Umgekehrt braucht der Stoffwechsel nicht
unbedingt ein Genom zur Steuerung. Das zeigen unsere roten Blutkörperchen. Sie
haben keinen Zellkern mit Genom, bleiben aber nach ihrer Bildung rund 100 Tage
lebensfähig. Sie sollten viel gründlicher untersucht werden.
(Evolutionsbiologe Reichholf, ZEIT 18.9.08 S.41 ---
gesamter Text unter http://www.zeit.de/2008/39/N-Evolution?page=all)
·
USA, neue
Bestimmung der Anzahl der Gene: Maus: 20.210, Mensch 19.042; 15.178 Gene sind
bei Maus und Mensch funktional verwandt und stammen von einem gemeinsamen
Vorläufer ab (Trennung vor 90 Millionen Jahren)
(taz 29.5.09 S.18)
·
DFG-Forschungszentrum
für Regenerative Therapie Dresden: Mithilfe eines bestimmten Gens (smp) können
Zebrafische nach dem Verlust von Körperteilen Gewebe nachbilden, etwa wächst
Schwanzflosse nach
(taz 16.1.09 S.18)
·
das Genom des
Rindes ist entschlüsselt; 22.000 Gene; Kuh ist näher mit dem Menschen als mit
Mäusen und Ratten verwandt
(Freie Presse Chemnitz 24.4.09 S.12; bdw 7-2009 S.10)
·
nicht nur die
genetische Verwandtschaft, sondern auch eine Kette von Fossilien belegen die
Abstammung der Wale von landlebenden Huftieren (z.B. Nilpferde);
(bdw 7-2009 S.48)
·
mit Kaiserschnitt entbundene Kinder haben ein erhöhtes Krebs- oder
Asthma-Risiko, Ursache ist vermutlich eine veränderte Genregulation;
schwedische Forscher entdeckten an weißen Blutkörperchen chemische
Veränderungen an den Grundbausteinen der Erbsubstanz; drei bis fünf Tage nach
der Geburt nicht mehr feststellbar, dann vergleichbar wie bei normalen
Geburten; veränderte Methylisierung (regelt Aktivität einzelner Gene)
(taz 3.7.09 S.18)
·
internationales Wissenschaftlerteam will Genome von 10.000
Wirbeltierarten komplett entschlüsseln („Genome 10k“);
neuer Blick au die Entstehung der Arten, welche genetischen Mechanismen ließen
aus einem gemeinsamen Vorfahren der Wirbeltiere, der vor etwa 500 bis 600
Millionen Jahren lebte, die heutige Artenvielfalt entstehen?;
welche DNA-Abschnitte sind bei allen Tieren gleich, welche haben sich
verändert, ver4doppelt, verkürzt? Welche sind für wichtige Proteine
verantwortlich, welche nichts als Erbgut-Müll?
derzeit sind neben dem Erbgut des Menschen Erbinformationen von rund 30
Säugetierarten und 24 weiteren Wirbeltierarten analysiert; für die erste
Rohfassung des menschlichen erbgutes brauchten Forscher 10 Jahre, Kosten: rund
300 Millionen US-Dollar;
das Projekt „Genome 10k“ soll nach rund 5 Jahren abgeschlossen sein und 50
Millionen Dollar kosten;
Erbgut von Mammut und Neandertaler größtenteils entschlüsselt;
(Spiegel 49-2009 S.144ff)
·
dass der Mensch keineswegs nur die ausführende Marionette seines erbgutes
ist – im Gegenteil, jede einzelne Zelle entscheidet, was sie aus ihren Genen
macht, sie hat dafür eine Vielzahl von Schaltern uns sinnreichen Mechnismen;
welche davon betätigt werden, hängt auch davon ab wie viel der Mensch zu essen
hat, ob er raucht oder wie viel er sich bewegt. Und manchmal scheint die
Schalterstellung, die sich aus Umwelt und Lebenserfahrung ergeben hat, sogar vererbt
zu werden
(Spiegel 30-2009, S.107)
·
irische Forscher konnten drei Gene identifizieren, die ausschließlich
beim Menschen vorkommen; im Schimpansen-Genom fehlen sie, beim Menschen
hingegen erfüllen sie eine Aufgabe; es ist das erste Mal, dass menscheneigene
Gene gefunden wurden, die sich nicht wenigstens auf Vorläuferversionen im Genom
anderen Tiere zurückverfolgen lassen
(Die Zeit, 10.9.09, S.40)
·
die Protein-Faltung in den menschlichen Körperzellen entscheidet über
Krankheiten, Alter und Tod;
knapp ein Jahrzehnt nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat sich
gezeigt, dass die Hoffnung auf die allumfassende Erklärungskraft der Gene
überzogen war. Inzwischen offenbart sich nin immer mehr Fällen, dass nicht die
Information der Gene, sondern eher die dreidimensionale Faltung der Proteine
über Wohl und Wehe im menschlichen Körper bestimmt;
“Protein“ aus dem griechischen „proteios“ = an erster Stelle stehend;
schätzungsweise 100.000 verschiedener Proteine im menschlichen Körper;
eine falsche Proteinfaltung führt beispielsweise bei Mukoviszidose-Patienten
dazu, dass der Schleim ihrer Bronchien zäher ist ;
junge, frische Zellen haben Mechanismen, um mit fehlgefalteten Molekülen
umzugehen; Ausschussware wird von den Proteinfabriken der Zelle normalerweise umgehend
ausgesondert; Außerdem gibt es diverse Aufpasser, so genannte Chaperone (Engl.:
Anstandsdamen), die dafür sorgen, dass halb fertige Zwischenstufen sich nicht
(mit anderen Proteinvorstufen) verknäulen, sondern am Ende immer die richtige
Form finden;
erst strauchelt die Qualitätskontrolle des Proteins, dann erst folgt die
Instabilität des Erbgutes; die DNA braucht die Proteine, um sich zu
vervielfältigen
(Die Zeit 10.9.09 S.33f)
·
US-Forscherteam;
einem (einzigen) Eiweiß verdanken wir Menschen die Entwicklung der Sprache; die
Menschen- und die Affenvariante (bei Schimpansen) dieses Schlüsseleiweißes
arbeiten trotz ähnlichen Aufbaus unterschiedlich; Bauplan ist in einem Gen
namens FOXP2 gespeichert, das den Beinamen „Sprachgen“ trägt; die menschliche Variante
des Gens unterscheidet sich nur in zwei Bausteinen von der des Schimpansen;
gerade diese Veränderung könnte jedoch eine feinere motorische Kontrolle der
Gesichtsmuskeln, eine größere Flexibilität des Gehirns und damit die Basis für
Sprache gelegt haben
(Freie Presse Chemnitz 12.11.09 S.1)
·
im Laufe des
Lebens weicht auch das Erbgut eineiiger Zwillinge voneinander ab;
abhängig vom Lebensstil werden Gene ein- oder ausgeschaltet;
Welches Schicksal menschliche Zellen nehmen, hängt davon ab, welche Gene im Laufe
ihrer Entwicklung wie aktiv sind. Teils wird das durch Steuerungs-Gene
reguliert, die in den auf 46 Chromosomen verteilten … DNA-Strang integriert
sind. Doch seit einigen Jahren zeigt sich immer deutlicher: Entscheidende
Einflüsse auf die Genaktivität kommen von außen, von molekularen
Steuermechanismen, die nicht in der DNA selbst stecken, sondern vielmehr auf
ihr. Solche epigenetischen Faktoren kontrollieren die Genomfunktion, indem sie
beispielsweise Gene anschalten oder stilllegen. Die DNA sei wie ein Tonband,
auf dem Informationen gespeichert sind … Doch ein Tonband nützt uns ohne
Abspielgerät rein gar nichts. Die Epigenetik befasst sich mit dem Abspielgerät
…;
Als „Anschalter“ fungieren die Acetylgruppen; hängen sich an die
Histon-Proteine, um diese ist die DNA gewickelt, sind die Histone acetyliert,
geben sie die DNA zum Ablesen frei;
als epigenetische „Abschalter“ wirken Methylgruppen; binden an bestimmte
Sprossen der DNA-Strickleiter und verhindern das Ablesen der Gene;
persönliche Erfahrungen und Umwelteinflüsse schlagen sich im epigenetischen
Muster individuell nieder (Unterschiede auch bei eineiigen Zwillingen);
Während die Genetik über Millionen von Jahren wirkt, verändert die Epigenetik
Organismen innerhalb einer Generation;
Epigenetische Veränderungen sind metastabil, sie entstehen schneller, sind aber
auch leichter wieder rückgängig zu machen als Veränderungen der Gene selbst;
4000 menschliche Gene untersucht: bei mehr als 300 davon wird mal nur das eine
(väterliche), mal nur das andere (mütterliche) Allel abgelesen, manchmal werden
beide verwendet (hochgerechnet auf alle 20-25.000 Gene des Menschen: bei 1000
Genen nur ein Allel „in Betrieb“ genommen)
(bild der wissenschaft 6-2009 S.18ff)
·
(Nur) in einer
bestimmten Phase der Zellteilung (Metaphase) liegen die DNA-Fäden als
mikroskopisch gut sichtbare „Wäscheklammern“ vor (in der Mitte eine
Einschnürung, dort sind die vier Arme verbunden, zu beiden Seiten gehen
unterschiedlich lange Arme ab)
(bild der wissenschaft 6-2009 S.42ff)
·
Springende oder
auch mobile genetische Elemente … „Transposons“ … nutzen die zelleigene
Maschinerie gelegentlich dazu, sich selbst zu kopieren, und die Kopien bauen
sich dann an x-beliebiger Stelle im Genom neu ein; einige wenige Elemente
schneiden sich auch wieder aus der DNA aus, um weiter zu wandern;
Je nachdem, wo die springenden Gene auf ihrem Ziel-Chromosom landen, hat das
unterschiedliche Folgen:
a) Stellen, wo keine Gene sitzen, in der Regel keine Auswirkungen für den
Organismus
b) mitten in Genen, wo sie kodierende Sequenzen (Exons) zerstören; mögliche
Folge: krankhafter oder tödlicher Ausfall lebenswichtiger Gene
c) mitten in Genen, aber neben Exons; können dann später in der Evolution
selbst zu Exons werden, also die Funktion eines Gens verändern oder erweitern;
derzeitiger Kenntnisstand: nur 5% unseres Genoms haben überhaupt eine Funktion;
mindestens 45% unseres Genoms gehen auf mobile genetische Elemente zurück,
waren einmal mobil oder sind es noch;
unsere Gene sind “Inseln“ in einem Meer von springenden Elementen …;
vor gut drei Milliarden Jahren: kleine RNA-Schnipsel, die sich selbst kopieren
konnten, waren die erste Erbsubstanz in einfachsten Zellen. Erst später
„erfand“ die Evolution als Sicherungskopie der Erbsubstanz die DNA. Ihr Vorzug:
Sie ist stabiler als RNA, und bei der Vermehrung schleichen sich nicht so oft
Fehler ein;
Springende Elemente schaffen gute Voraussetzungen für genetische Variabilität,
wie es kein anderer Mechanismus vermag. Sie tun dies zum einen, indem sie
Kopien von Genen im Genom verstreuen. Gelegentlich nehmen mobile Elemente bei
ihrer Wanderung benachbarte Gene oder Teile von Genen quasi huckepack an einen
neuen Ort mit. Zum anderen kann eine Reverse Transkriptase auch manchmal
„irrtümlich“ vorbeischwimmende mRNA eines Gens in einen DNA-Doppelstrang
umschreiben, der sich dann später ins Genom integriert …
Keinesfalls erlauben mobile genetische Elemente eine zielgerichtete Evolution
….Transposons agieren blind, rein zufällig im Genom … Darwin ist nach wie vor
gültig
(bild der wissenschaft 9-2009 S.38ff)
·
Springende Gene
klären die Säuger-Evolution;
seit wenigen Jahrzehnten helfen molekulare Techniken, die Struktur der
Stammbäume durch Vergleich des Erbgutes zu ergründen; Punktmutationen treten
auf und werden vererbt; eines solche Punktmutation kann jedoch auch unabhängig
von der ersten Veränderung ein zweites Mal auftreten oder es kann zu einer
Rückmutation kommen; es gibt also stammesgeschichtlich informative und
stammesgeschichtlich irreführende Daten; je längere Zeiträume der Evolution untersucht
werden, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit solcher irreführender
Mutationen im Datensatz, wodurch sich das Risiko erhöht, einen falschen
Stammbaum zu rekonstruieren;
von Studie zu Studie, von Gen zu Gen unterscheiden sich die Säugetierstammbäume
gewaltig;
das Bauplanbuch des Menschen namens Erbgut besteht nur zu etwa 1,5% aus
Bauplänen, den Eiweiß-kodierenden Genen. Die Springenden Gene oder
Retrotransposons machen hingegen mehr als 40% aus;
Springende Gene tragen ihren Namen, weil sie nicht nur an ihrer festen Position
im Erbgut an die Nachkommen vererbt werden. Sie vermehren sich vielmehr auch
innerhalb eines einzigen Genoms. Dabei wird zunächst das Springende Gen durch
Enzyme kopiert. Diese Kopie wird dann an einer anderen Stelle wieder (zusätzlich JK) eingefügt. Die Stelle, an
der diese Kopie eingefügt wird, ist zufällig. Ist die Kopie des Springenden
Gens an der neuen Position fixiert, wird sie mit dem restlichen Genom an die
Nachfahren weitervererbt. Über lange Zeit teilen sich dann mehrere Arten oder
gar ganze Artengruppen diese Kopie an einer bestimmten Stelle im Erbgut. Alle
Arten, die nicht vom Vorfahren abstammen, in dessen Genom sie eingefügt wurden,
tragen sie dementsprechend nicht. Die Zufälligkeit des Einbaus ist dabei
entscheidend: Da das gesamte Genom (des
Menschen JK) etwa 3 Milliarden „Buchstaben“ enthält, ist es praktisch
ausgeschlossen, dass ein Springendes Gen zweimal an genau die selbe Stelle im
Genom eingefügt wird. Sprich: Alle Träger derselben Kopie des Gens an derselben
Stelle im Erbgut müssen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen;
Die Daten liefern zweifelsfreie Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der
heutigen Säuger.
(bild der wissenschaft plus; Klaus-Tschira-Preis für verständliche
Wissenschaft, Die Preisträger 2008, 2009, S.20ff.)
·
Firma GENEART
aus Regensburg ist in nur 10 Jahren zum Weltmarktführer im Bereich der „Synthetischen Biologie“ aufgestiegen;
dort können Sie Gene kaufen, die Sie in der Natur nicht finden; in einer
Fertigungshalle werden von Automaten, nicht größer als ein Bürokopierer,
vollautomatisch sogenannte Oligonukleotide hergestellt, kurze Genschnipsel aus
40 bis 50 Informationseinheiten (die Basenbausteine A, T, G und C werden genau
in der vorgegebenen Reihenfolge aneinander gehängt); in einem weiteren Schritt
werden die „Oligos“ zu größeren Einheiten vereinigt; meist entstehen Gene aus
tausend nis viertausend Bausteinen; 190 Mitarbeiter, Verarbeitung von 3
Millionen genetischer Buchstaben pro Monat; eine Gefahr: dass jemand z.B.
Pockererreger-Virus in Auftrag gibt …
(Freie Presse Chemnitz 6.1.10 S.A2)
·
Etwa 3000
künstliche Gene pro Monat werden im Labor der Firma Geneart hergestellt.
Forschungsinstitute auf der ganzen Welt, die US-amerikanische Gesundheitsbehörde,
die Max-Planck-Gesellschaft, aber auch die Pharmaindustrie gehören zu ihren
Kunden. "Praktisch jeder der großen Konzerne hat schon bei uns
bestellt", sagt Geneart-Chef Ralf Wagner. Und er hat allen Grund, stolz zu
sein: Etwa jedes zweite Kunstgen weltweit kommt aus Regensburg.;
Rund 20 Dollar kostete seinerzeit (vor 10 Jahren) jeder einzelne DNA-Buchstabe;
Die Regensburger Biotech-Pioniere haben damit eine Entwicklung angestoßen, die
schon in der Computertechnik ihr unerhörtes Potential bewiesen hat: Bekannt
unter dem Namen "Moores Gesetz", gilt dort seit knapp 50 Jahren die
Dynamik exponentiellen Wachstums. Doppelte Rechenkraft, doppelter
Speicherplatz, und das zum halben Preis: So heißt dort immer aufs Neue die
Devise.
Wie die Herstellung von Mikrochips, so beruht auch das Schreiben künstlicher
Gene auf einer Technik, die wie geschaffen ist für unbegrenztes Wachstum. Schon
ist der Preis eines DNA-Buchstaben auf unter 40 Cent gefallen.
Zwar ist die genetische Manipulation von Organismen eine längst vertraute
Routinetechnik. Schließlich hatten die Molekularbiologen schon vor gut 30
Jahren molekulare Scheren gefunden, mit denen sich Erbgutstränge zerteilen
lassen - und umgehend begonnen, im Erbgut herumzuschnippeln. Längst haben sie
Fisch- und Quallengene in Getreidepflanzen geschleust und Darmbakterien
beigebracht, menschliches Insulin oder Hepatitis-Impfstoff herzustellen.
Doch mit solchen Kabinettstückchen wollen sich die Synthetischen Biologen nicht
länger begnügen. Ihnen schwebt weit Radikaleres vor.
Sie wollen nicht nur hier und dort ein Gen von Tier zu Tier transferieren oder
auf gut Glück den einen oder anderen Genbaustein austauschen. Ihr Ziel ist es,
selbst die Sprache der Natur zu lernen. Sie wollen völlig neue Gene
konstruieren, Stoffwechselpfade bisher unbekannter Art im Erbgut programmieren
- und am Ende schließlich Lebensformen schaffen, wie sie die Natur selbst nie
hervorgebracht hat. ;
Medikamente zum Nulltarif, sauberes Benzin und rechnende Organismen;
Materialien, die sich selbst reparieren, und Bakterien, die Treibhausgase in
Baustoff verwandeln: Den denkbaren Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt.
Irgendwann, so verkünden die kühnsten der Visionäre, würden sie auch genetische
Programme schreiben, mit denen sich nicht nur die Natur, sondern sogar die
Evolution des Menschen selbst steuern ließe.;
(Genforscher Craig Venter:)
im Jahre 2001, hatte er die Gensequenz des Menschen buchstabiert. Diesmal
möchte er der Erste sein, der in einer Petrischale den Funken des künstlichen Lebens
zündet.
Im Jahrestakt rückt er diesem Durchbruch näher: Vor gut zwei Jahren gelang es
ihm erstmals, das Erbgut eines Bakteriums in ein andersartiges zu übertragen.
"Wir haben die Software ausgetauscht und dadurch den alten Organismus
ausgelöscht und einen anderen erschaffen", so beschrieb er seinen Triumph.
Ein Jahr später machte Venter Schlagzeilen, als er erstmals das vollständige
Erbgut eines primitiven Bakteriums synthetisiert hatte. Aus Genen, die er teils
aus Regensburg bezog, setzte er sämtliche 582 970 Basenpaare des Bakteriums
Mycoplasma genitalium zusammen.
Im Jahr 2009 schließlich räumte er die womöglich letzte Hürde auf dem Weg zum
Kunstwesen beiseite. Venters erster Versuch, das Kunstchromosom in ein
Bakterium zu pflanzen, war nämlich gescheitert. Ähnlich wie ein menschlicher
Körper fremde Organe abstößt, so schien auch das Wirtsbakterium das künstliche
Erbgut als fremd zu erkennen und zu zerstückeln.
Nun aber stellten die Forscher um Venter fest, dass sich das Erbgut durch
sogenannte Methylierung vor diesen Attacken schützen lässt. Deshalb wollen sie
ihr Kunstchromosom mit Methylkappen wappnen. "Damit sollte der letzte
Schritt zur Vollendung unseres Projekts gelungen sein", erklärt
Nobelpreisträger Hamilton Smith, einer von Venters Mitarbeitern.
Schon im nun anbrechenden Jahr könnte es so weit sein: Erstmals würde sich dann
in einem Labor tote Materie in lebendige Kreatur verwandeln. "Die
Evolution geht damit, von Menschenhand geleitet, weiter", verkündet
Genpionier Venter.
Freilich behauptet auch er nicht, dass sein Kunstorganismus, falls seine
Herstellung wirklich klappen sollte, von Grund auf neues Leben ist. Nicht nur,
dass sich Venter des genetischen Codes und damit der Sprache der Natur bedient.
Er braucht auch den komplexen Mix aus Protein-, Fett- und Zuckermolekülen, den
das künstliche Erbgut im Zellkörper des bakteriellen Wirts vorfindet. "Wir
greifen also auf mehr als drei Milliarden Jahre Evolution zurück", gibt
Venter zu.;
(Harvard-Forscher Jack Szostack, Nobelpreis Medizin 2010, will verstehen, wie
das Leben auf der Erde einst entstanden ist:)
Szostak wendet sich damit einem jener drei großen Schöpfungsmomente zu, die wie
kaum etwas anderes von jeher die Wissenschaftler in ihren Bann gezogen haben.
Es handelt sich um jene drei Vorgänge in der Geschichte des Kosmos, im Verlaufe
deren völlig Neuartiges geschaffen wurde: Am Anfang allen Daseins vor rund 13,7
Milliarden Jahren entstand im Urknall die Materie. Im jüngsten Kapitel der
Universumsgeschichte dann verwandelte sich das Geschwätz von Neuronen
unvermittelt in Menschengeist.
Dazwischen aber, gleichsam zur kosmischen Halbzeit, begannen auf einem kleinen
Planeten namens Erde ein paar Moleküle zu leben. Sie hatten sich zu Organismen
zusammengeschlossen, die fähig waren, sich zu wandeln und sich so ihrer
Umgebung anzupassen. Und indem sie so um ihr Überleben kämpften, indem sie
Nahrung suchten, vor Gefahren flohen und stets nach Vermehrung strebten, war
plötzlich ein Zweck, ein Sinn, eine Bestimmung in die Welt gekommen. Wie nur
war das möglich gewesen? War hier ein der Materie eigener Drang erwacht, den
sie seit ihrer Entstehung im Urknall in sich getragen hatte? Oder verdankt das
Leben seine Existenz einem einzigartigen Zufall?
Unweigerlich stoßen bei Fragen wie diesen Wissenschaft und Religion
aufeinander. Denn es geht zugleich auch darum, ob die Wissenschaft die
alleinige Hoheit für die Welterklärung für sich beanspruchen kann - oder ob
noch Raum bleibt für etwa Göttliches.
Auch Szostak weiß: "Die exakten Umstände, unter denen das Leben entstanden
ist, sind möglicherweise für immer für die Wissenschaft verloren." Denn
nicht nur das Drehbuch des Dramas ist verschollen, auch die Bühne, auf der es
sich abgespielt hat, liegt weitgehend im Dunkeln.;
Als gesichert kann nur gelten, dass der Planet hektischer als heute um seine
Achse trudelte; ein Erdtag dauerte womöglich nicht länger als sechs Stunden.
Auch stand der Mond deutlich größer am Nachthimmel und schleppte eine
entsprechend mächtigere Flutwelle mit sich.
Vor allem aber stand die Urerde unter heftigem Beschuss. Schätzungen zufolge
schlugen allein 15 gigantische Himmelskörper ein, die groß genug waren, um
ganze Weltmeere verdampfen zu lassen; 4 von ihnen maßen gar mehr als 300
Kilometer im Durchmesser. Zum Vergleich: Der Meteorit, der vor 65 Millionen
Jahren den Dinosauriern den Garaus machte, war 30-mal kleiner und wog gerade
einmal ein 30000stel.
Zwischen den Einschlägen aber könnte es frostig gewesen sein. Denn die Sonne
schwächelte, ihre Strahlkraft war um etwa ein Drittel geringer als heute; zudem
dürfte der Staub zerborstener Meteoriten den Himmel immer wieder verdunkelt
haben. Gut möglich deshalb, dass sich dicke Eispanzer auf die Urozeane legten.
Und irgendwo inmitten dieses Spektakels soll das junge Leben gekeimt haben?
Nicht das Paradies, sondern vielmehr die Hölle soll seine Geburtsstätte gewesen
sein?
Als der Münchner Patentanwalt Günter Wächtershäuser in den achtziger Jahren
eine urzeitliche Schwefel-Eisen-Chemie ersann, aus der Leben hervorgegangen
sein könnte, rückten die Schwarzen Raucher, die entlang der mittelozeanischen
Rücken ihre brühend heiße Mineralfracht ins Tiefenwasser speien, in den
Mittelpunkt des Interesses.
Inzwischen gelten die gutmütigeren Verwandten dieser heißen Quellen, die
Hydrothermalquellen vom sogenannten Lost-City-Typ, als plausiblere Brutstätten
des Urlebens. Auch sie finden sich am Ozeanboden, nur dass hier das Wasser mit
moderateren Temperaturen aus dem Gestein schießt. Zudem sind die Schlote von
einem Labyrinth feiner Kavernen und Kanäle durchzogen, die den Urorganismen als
Heimstatt gedient haben könnten. ;
(Forscher aus Heidelberg und Barcelona:)
hatten sich vorgenommen, genau zu erfassen, was eigentlich das Minimum ist,
dessen es bedarf, um lebendig zu sein.
Auf der Suche nach einem möglichst unkomplizierten Lebewesen entschieden sie
sich für das Bakterium Mycoplasma pneumoniae, das mit rund 816 000
Genbuchstaben zu den schlichtesten eigenständig lebensfähigen Geschöpfen zählt.
Diese Mikrobe unterzogen die Forscher einer radikalen Molekular-Anatomie.
Gründlich wie bei keinem Organismus zuvor vermaßen sie all ihre Gene, stellten
fest, wann diese aktiv sind und wann sie abgeschaltet werden, wie die einzelnen
Proteine miteinander wechselwirken und welche chemischen Reaktionen sie antreiben.
Stück für Stück offenbarte sich den Wissenschaftlern dabei ein vielmaschiges
Geflecht von 189 Stoffwechselreaktionen, die von insgesamt 129 Enzymen
gesteuert werden. Rund 200 molekulare Maschinen zählten die Forscher, 178
jeweils aus mehreren Proteinen zusammengesetzte Eiweißgebilde spürten sie auf.
Vor allem aber verblüffte die Forscher, wie flexibel dieses Regelwerk auf seine
Umgebung zu reagieren vermag. Je nachdem welchen Nähr- oder Signalstoffen die
Mikrobe begegnet, kann sie an einer Vielzahl von Stellschrauben die Wirkung
einzelner Gene herauf-, die anderer hingegen herunterregeln.
Und das soll nun die einfachste Form allen Lebens sein?
Die Lücke zwischen der archaischen Chemie auf der Urerde und den ersten
Lebensformen heutiger Bauart zu schließen ist auch deshalb so schwierig, weil
in der Übergangsphase eine Form von Leben existiert haben muss, dessen
Überbleibsel vollständig getilgt sind.
Während nämlich sämtliche heutigen Bewohner der Erde ihr Erbgut in Form von
DNA-Strängen aufbewahren, war den ersten lebendigen Kreaturen diese
Molekülsorte höchstwahrscheinlich fremd. Stattdessen nutzten sie vermutlich
einen chemischen Verwandten der DNA, die sogenannte Ribonukleinsäure RNA.
Vor allem eine Eigenschaft dieses Moleküls fasziniert die Forscher: Es
vereinigt Eigenschaften von Proteinen und DNA in sich und damit beider
wichtigen Gruppen von Biomolekülen. Wie die DNA so taugt auch die RNA als
Träger genetischer Information. Gleichzeitig aber kann ein RNA-Molekül, genauso
wie ein Protein, gezielt ganz bestimmte chemische Reaktionen vorantreiben.
Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass, ehe die ersten modernen Lebewesen
die Bühne betraten, ihre einfacheren Vorfahren eine weniger komplizierte
"RNA-Welt" bevölkerten, in der RNA-Moleküle die Aufgabe von Genen und
Proteinen gleichermaßen übernahmen. ;
Als besonders bedeutsam gilt die Entdeckung eines britischen Teams. Den
Wissenschaftlern der University of Manchester gelang es, einen Weg zu finden,
wie unter den Bedingungen der Urerde die Bausteine der RNA entstanden sein
könnten. Jahrzehntelang hatten sich ihre Kollegen vergebens bemüht, dieses
Rätsel zu knacken.
Gleichzeitig tüftelten Gerald Joyce und seine Kollegen am Scripps Research
Institute im kalifornischen La Jolla so lange mit RNA-Molekülen herum, bis sie
zwei Exemplare mit außergewöhnlichen Eigenschaften gefunden hatten: Jedes der
beiden ist fähig, eine Kopie des jeweils anderen zu verfertigen.
Indem sie sich also wechselseitig herstellen, pflanzen sich diese RNA-Kreaturen
gleichsam fort. "Wir haben unsterbliche Moleküle", verkündet Joyce.
Zwar sei es sicher verfrüht, sie lebendig zu nennen, lebensähnlich aber seien
sie immerhin.
(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68525307.html;
Titel: Die Schöpfung im Labor)
·
(156) … dass nur
schätzungsweise ein Zehntel Prozent unserer Gene für das erkennbare Äußere
zuständig sind, der Rest für die „inneren Werte“.
(345) So schön das Bild von der Doppelhelix als unendlich verschlungenem
Schlangenpaar ist, so fatal sind die Missverständnisse aus der Buchmetapher.
Die „Schrift“ aus den vier „Buchstaben“ A, T, C und G ist in Wahrheit nur eine
Vorstufe, die erst nach der Decodierung gelesen werden kann – wie die digitale
Spur auf einer Compact Disc. Erst das Programm des Dechiffriergeräts oder des
biochemischen Apparats der Zelle erweckt den Inhalt zum Leben. Die Daten sind
verschlüsselt wie in einer Morseschrift. Die eigentlichen „Wörter“ finden sich
erst auf der Ebene der Eiweiße, die ihre komplexen Funktionen dem Aufbau aus
wenig mehr als zwanzig unterschiedlichen Aminosäuren verdanken. Die Schrift hat
also nicht vier, sondern über zwanzig Buchstaben.
(S. 346) Offenbar können aus einem Gen auch unterschiedliche Eiweiße
hervorgehen. Außerdem können sich Gene aus DNA-Abschnitten zusammensetzen, die
aus unterschiedlichen Regionen des Genoms stammen. Sie können unterbrochen
sein, im Genom hin und her springen, durch chemische Anhängsel kurzzeitig oder
dauerhaft aktiviert oder deaktiviert werden.
(349ff) lamarckistische Evolution (Vererbung erworbener Eigenschaften) … Das
kann sich bis hinunter auf die Ebene der Gene auswirken … Der gesamte
Stoffwechsel – und damit der biologische Kern unseres Seins – hängt davon ab,
ob sie (die Gene) „ein-„ oder „ausgeschaltet“ sind. …
epigenetische Muster können sich offenbar auf Kinder und über mehrere
Generationen auf deren Nachkommen übertragen
…
dass ein Organismus ohne jede genetische Veränderung oder Mutation sein Genom
auf eine Umwelt einstellen kann – was die Macht der Gene weiter beschneidet. …
besagt auch, dass der Lebensstil der Eltern weitaus mehr Einfluss auf das
Gedeihen ihrer Nachwuchses hat als bis vor Kurzem angenommen
(392) Mikroorganismen üben einen so starken Selektionsdruck aus (als Krankheitserreger, als Symbiosepartner
JK), dass sie entscheidend zur Evolution der Arten beitragen
(394) Vermutlich hat sich während der Evolution auch das gesamte Genom mehrfach
verdoppelt, mindestens dreimal seit Beginn der Wirbeltiere. Dadurch lassen sich
Sprünge im evolutionären Fortschritt noch besser verstehen …
Dank eines von Zellen eingesetzten Verfahrens, „Splicing“ genannt, kann ihre
Maschinerie denselben Abschnitt (der
Erbsubstanz JK) auf sehr viele unterschiedliche Weisen „lesen“. Bei der
Fruchtfliege sind mehrere Tausend unterschiedliche Eiweiße entdeckt worden, die
alle von einem Gen abstammen. Beim Menschen werden bis zu sechzig Prozent aller
Gene diesem Typus zugeordnet;
Das Konzept „Gen“ verliert mehr und mehr seine Bedeutung. Nach Ansicht der
amerikanischen Wissenschaftshistorikerin Evelyn Fox Keller spielen Gene heute
in der Biologie eine ähnliche Rolle wie das ptolemäische Weltbild in der
Astronomie vor Kopernikus
(396) „Mastergene“, die das gesamte Geschehen auf einer nächsten
(übergeordneten) Ebene kontrollieren. Sie hören auf Namen wie „hox“ oder „pax“,
aktivieren als „Kerne“ ganze Regelkreise, haben sich in Hunderten Millionen
Jahren während der Evolution fast unverändert erhalten und werden mitunter auch
als Teil eines gemeinsamen „genetischen Werkzeugkastens“ des Tierreichs
betrachtet. Acht von ihnen finden sich in nahezu allen untersuchten
Mehrzellern.
Ob die Flügel einer Fliege oder die Arme eines Menschen, ihr Aufbau wird
eingeleitet durch die Aktivierung eines solchen Mastergens. Um neue komplexe
Formen hervorzubringen, braucht es statt Mutationen oft nur die Modifizierung
vorhandener Gene und Entwicklungspläne … so lassen sich einmal mehr auch jene
Sprünge in der Evolution erklären, mit denen Kreationisten ihre Kritik an
Darwin untermauern. Fische etwa besitzen bereits die genetischen Anlagen für
Gliedmaßen, die beim Übergang auf das Land „nur“ aktiviert werden müssen.
(Jürgen Neffe: Darwin – das Abenteuer des Lebens, Goldmann München 2010)
·
Leipziger
Institut für Evolutionäre Anthropologie; 40.000 Jahre altes Neandertaler-Erbgut
zu 70% sequenziert; Vergleich mit Genomen von 5 unserer Zeitgenossen (China,
Frankreich, Papua-Neuguinea, Südafrika, Westafrika); Ergebnis: nicht Afrikaner,
wohl aber Europäer, Asiaten und Papua-Neuguineaner tragen heute zwischen 2 und
4 % Neandertaler-Erbgut in sich; Homo sapiens und Neandertaler hatten Sex
miteinander und gemeinsame Nachkommen;
Unterschiede zwischen modernen Menschen und Neandertalern vor allem in Genen,
die mit kognitiven Funktionen zusammenhängen, mit dem Stoffwechsel, der
Entwicklung des Schädels und des Brustkorbs;
erstmalige Sequenzierung des menschlichen Erbguts 2000 dauerte 13 Jahre und
kostete 1,5Milliarden Euro;
Heute erbringen die Forscher in Leipzig diese Leistung innerhalb 1 Woche für
5000 Euro
(taz 7.5.2010 S.18)
·
die Gene steuern
uns, aber auch wir steuern die Gene, durch unseren Lebensstil;
äußere Einflüsse können Gene chemisch verändern und sie auf diese Weise an- und
ausschalten. Körperliche Aktivität, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen
und soziale Faktoren prägen das Erbgut.
Neben dem Inhalt der Gene, der Abfolge der DNA-Bausteine, trägt das Erbgut eine
übergeordnete Ebene von Informationen. Diese epigenetischen (auf den Genen
liegenden) Mechanismen steuern das Verhalten von Genen. Die Epigenetik stellt
das lange gesuchte Scharnier dar, über das die Umwelt auf die Erbanlagen
wirkt.;
An immer mehr Beispielen erkennen Forscher, wie die Umwelt dem Erbgut ihren
Stempel aufdrückt. Babys, die von der Mutter liebevoll gestreichelt werden,
sind darum offenbar als Erwachsene gegen Stress gefeit, wie es eine Ende Juli
veröffentlichte epidemiologische Studie bestätigt hat. Menschen, die
meditieren, verändern tatsächlich die Architektur ihres Gehirns. Heimkinder,
die in eine Adoptionsfamilie kommen, blühen auf. Und eineiige Zwillinge können
in ihrem Verhalten grundverschieden sein.;
Die epigenetischen Informationen (zu denen verschiedene chemische Veränderungen
des Erbguts zählen) werden von den Zellen sogar auf die Tochterzellen
weitergegeben - der Körper hat ein Gedächtnis. Das Körpergedächtnis kann
allerdings verblassen und überschrieben werden, weil die epigenetischen
Inschriften löschbar sind. Die Prägungen an den Genen beruhen auf umkehrbaren
chemischen Reaktionen;
Die Gene sind kein Schicksal, sondern wunderbar wandelbar - diese bahnbrechende
Erkenntnis der Epigenetiker räumt auf mit alten Vorstellungen. Lange hielten
Biologen die Gene für fixiert: Nur durch Änderungen der Abfolge der DNA-Bausteine,
durch Mutationen, könnten neue Eigenschaften entstehen - darunter Talente,
Verhaltensweisen und Anfälligkeiten für Krankheiten.;
Es gibt rund 7000 dieser monogenen Erbkrankheiten; ihre Verbreitung in der
Bevölkerung ist allerdings sehr gering.;
Die vielbeschworene genetische Anfälligkeit für Krebs wird überschätzt; die
Umwelt ist weitaus wichtiger.;
"Die neuere Forschung legt nahe, dass diese Gene wahrscheinlich gar nicht
existieren oder, wenn sie es denn doch tun, dass sie wahrscheinlich keinen nennenswerten
Einfluss auf die Häufigkeit von Krebs haben.";
Manche Gene in Krebszellen trugen kleine chemische Markierungen, sogenannte
Methylgruppen. Durch die Methylierung wird ein Gen selbst nicht verändert -
jedoch wird es dadurch abgeschaltet. Das bedeutet: Die Methylierung kann die
Wirkung eines Gens verändern, ohne dessen Inhalt zu verändern.;
Damals hielten Biologen die Methylierung für ein Phänomen, das nur in der
frühesten Phase des Lebens eine Rolle spielt. Wenn der Samenfaden die Eizelle
befruchtet und der Embryo entsteht, dann werden fast alle Methylgruppen im
Erbgut gelöscht - in diesem Zustand gleichen die Zellen unbeschriebenen
Blättern. Reift der Körper heran, werden in den entstehenden Geweben nun ganz
bestimmte Gene gezielt eingeschaltet: Auf diese Weise entwickeln sich manche
Zellen zu Nervenzellen, andere zu Leberzellen, wieder andere zu Herzzellen -
und das, obwohl alle Zellen das gleiche Erbgut haben.
(Spiegel 32-2010 S.111ff.)
·
ein Biologe
fahndet nach DNA-Abschnitten, die bei so verschiedenen Organismen wie Mensch
und Ackerschmalwand in ähnlicher Form vorhanden sind – auch wenn sie in beiden
Arten verschiedene Wirkung haben. So beeinflussen Gene, die beim Menschen mit
der Entstehung von Brustkrebs zu tun haben, das Geschlecht der Nachkommen von
Würmern; Erbgutabschnitte, die bei Pflanzen die Wahrnehmung der Schwerkraft
steuern, stehen beim Menschen in Zusammenhang mit einer Erbkrankheit, und was
bei Mäusen die Bildung von Blutgefäßen lenkt, kann auch über das Wachstum von
Hefezellen bestimmen.
(Der Spiegel 14-2010 S.107)
·
Uni Tübingen;
erstmals künstlich eine Nacktschnecke gezüchtet; Zugabe von Platin bewirkte bei
Embryonen einer Süßwasserschnecke, dass diese keine äußere Schale entwickelten,
sondern eine kleinere, innere; Beeinflussung war nur innerhalb einer kurzen
Zeitspanne von bis zu 2 Tagen möglich; es gibt in der Natur Schnecken sowie
Tintenfische mit inneren Schalen;
eine geringfügige Modifikation eines Signals kann zu einer sprunghaften
Veränderung des Organismus führen
(taz 15.10.2010 S.18)
·
schmerzhafte
medizinische Eingriffe bei frühgeborenen Babys hinterlassen langfristig Spuren;
sie zeigten noch im Alter von 11 bis 16 Jahren eine stärkere Gehirnreaktion auf
schmerzhafte Reize als reif geborene Kinder
(taz 15.10.2010 S.18)
·
Forscher aus
Italien und USA haben das Genom des Kultur-Apfels entschlüsselt (wie der Apfel
vor etwa 4000 Jahren erstmals im Nahen Osten auftauchte); etwa 742 Millionen
Basenpaare lang
(taz 30.8.2010 S.2)
·
erstmals
komplettes Genom der Braunalge entschlüsselt; 16.000 Gene;
im Laufe der Erdgeschichte hat sich aus Einzellern 5 x unabhängig voneinander
komplexes vielzelliges Leben entwickelt. Aus diesen 5 Linien sind die Tiere,
die Pflanzen, die Pilze, die Rotalgen und die Braunalgen unabhängig voneinander
entstanden;
die Wissenschaftler konnten jetzt die Theorie widerlegen, dass Braunalgen aus
einer Verschmelzung von photosynthetisch inaktiven, farblosen Zellen mit einer
einzelligen Rotalge entstanden. Stattdessen gehen Braunalgen aus einer Fusion
einer Grünalge mit einer Rotalge hervor.
(taz 4.7.2010 S.18)
·
Team um
Genforscher Craig Venter hat ein lebensfähiges Bakterium entstehen lassen,
dessen Erbgut künstlich hergestellt wurde;
die Gensequenz eines Bakteriums (Mycoplasma) im Labor analysiert, im Labor
synthetisiert und dann in ein anderes Bakterium eingepflanzt; dieser Organismus
hat das Erbgut übernommen, sein eigenes abgestoßen, und mit den neuen
Erbinformationen neue Stoffe produziert;
der katholische Erzbischof Bruno Forte von der Päpstlichen Theologenkommission
sprach von „Aufmerksamkeit und Sympathie der Kirche“ für diese gentechnischen
Experimente. Glaube und wissenschaftliche Vernunft stünden nicht im Gegensatz
zueinander. Die Entdeckung solle für einen besseren Umweltschutz und wirksamere
medizinische Therapien eingesetzt werden
(Freie Presse Chemnitz, Pfingsten 2010, S.1; taz 22.5.2010 S.10)
·
US-Wissenschaftler
fanden in 80 Millionen Jahre altem Fossil eines Dinosauriers noch intakte
Proteine, Sequenz der Nukleinsäuren ermöglichte Zuordnung zu Stammbäumen; bisher
ging man davon aus, dass Proteine nach spätestens 1 Million Jahren durch
Mineralien ersetzt sind
(bild der wissenschaft 8-2010 S.15)
·
ANTIBIOTIKA-RESISTENZEN
- Veränderte Darmbewohner
Antibiotika beeinflussen die Darmflora wesentlich dauerhafter als bisher
vermutet wurde. Schon nach kurzer Einnahme solcher Medikamente tragen nützliche
Darmbewohner bis zu zwei Jahre lang Resistenzgene. Während dieser Zeitspanne
könnten sie diese Abwehrmechanismen auch an bakterielle Krankheitserreger
weitergeben, warnen Forscher des schwedischen Instituts zur Kontrolle von
Infektionskrankheiten. Bislang ging man davon aus, dass der Einfluss von
Antibiotika auf die normalen Darmbewohner nur von kurzer Dauer sei. "Die
langfristige Präsenz von Resistenzgenen in Darmbewohnern steigert jedoch das
Risiko drastisch, dass sie an gefährliche Mikroben weitergereicht werden, die
den Darm durchlaufen und sich zu neuen Stämmen resistenter Bakterien entwickeln
können", schreiben die Forscher in der Zeitschrift Microbiology. Die
Wissenschaftler verweisen auch darauf, dass bakterielle Krankheitserreger immer
häufiger gegen die bisher verfügbaren Mittel immun sind.
(taz 12.11.2010 S.18)
·
Amerikanische Wissenschaftler haben eine Entdeckung gemacht, die
bisherige biologische Erkenntnisse auf den Kopf stellt: Bakterien, die sich von
giftigem Arsen ernähren. Es handelt sich um Leben - aber um eine bisher völlig
unbekannte Art. Die Forscher aus den USA sind verwirrt, aber auch
hoffnungsfroh: Mit den neuen Erkenntnissen lässt sich außerirdisches Leben
womöglich besser aufspüren.
Die Wissenschaftler, die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA
unterstützt wurden, haben zwar keine Aliens entdeckt, aber durchaus eine
wissenschaftliche Sensation: Bisher gilt unter Biologen die eiserne Regel, dass
das Leben auf der Erde aus sechs chemischen Elementen besteht: Phosphor,
Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff. Das für Menschen
hochgiftige Arsen zählte nicht zu diesen Stoffen.
Jetzt fanden die Forscher, die ihre Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin
"Science" darlegen, im kalifornischen Salzsees Mono Lake Bakterien,
die anstelle von Phosphor das giftige Schwermetall "verdauen". Die
Bakterien bauen Arsen in Fette, Proteine und sogar in ihr Erbgut ein, berichten
die NASA-Wissenschaftler. Damit wurde erstmals belegt, dass einer der zentralen
Bausteine allen irdischen Lebens durch ein anderes Element ersetzt werden kann
(http://nachrichten.t-online.de/nasa-findet-komplett-neue-lebensform-auf-der-erde/id_43623880/index)
·
vor 2 Jahren
Fingerknochen eines Urmenschen in der Denisova-Höhle im sibirischen
Altai-Gebirge entdeckt; am Leipziger Max-Planck-Institut Genom entschlüsselt;
es handelt sich um eine bisher unbekannte Menschenform; demnach trennte sich
vor 200.000 bis 300.000 Jahren die Denisova-Linie von der des Neandertalers,
besiedelte von Arabien aus den Festlandsteil Asiens
(Freie Presse Chemnitz 24.12.2010 S.3)
·
Das größte im
Meer lebende Virus besitzt ein Genom von etwa 730.000 Basenpaaren, das
übertrifft das Erbgut mancher Einzeller;
das größte bisher bekannte Virus (Mimivirus) hat 1,2 Millionen Basenpaare
(bild der wissenschaft 1-2011 S.10)
·
Wie würde ein
Außerirdischer die Spezies Mensch beschreiben? Etwa so …
“Die irdische Lebensform besteht aus 988 verschiedenen Spinnentieren,
100.000.000.000.000 (einhundert Billionen) Bakterien, 1 Mensch, etwa 70 Amöben
und manchmal bis zu 500 Madenwürmern.“;
Nachdem die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts nicht, wie erhofft, die
Erklärung für viele Krankheiten brachte, setzen die Forscher jetzt ihre
Hoffnung in die Erforschung des Ökosystems Mensch.;
(bild der wissenschaft 6-2011 S.19)
·
DIE AUFERSTEHUNG DES MONSIEUR LAMARCK
Organismen können erworbene
Eigenschaften vererben. Das erinnert an eine längst beerdigte
Evolutionstheorie: den Lamarckismus;
Die Epigenetik beschäftigt sich per Definition mit
molekularbiologischen Informa- tionen, die Zellen speichern und an ihre
Tochterzellen weitergeben, ohne dass sie im Erbgut enthalten sind.
Epigenetische Strukturen können Gene dauerhaft ein- oder ausschalten. Das von
ihnen festgelegte Gen-Aktivierungsmuster entscheidet über die Identität einer
Zelle. Es bestimmt zum Beispiel, ob sie eine Nerven-, Haut- oder Blutzelle ist.
Über eine Veränderung dieser Epigenome reagieren Zellen auch auf
Umwelteinflüsse. Durch eine bleibende Umprogrammierung bestimmter Gehirnzellen
kann ein frühkindliches Trauma einen Menschen zum Beispiel später im Leben anfällig
für Depressionen machen. Oder eine Überernährung im Mutterleib kann
Stoffwechselzellen so verändern, dass Menschen im Alter eher zu Typ-2-Diabetes
neigen.;
Eva Jablonka, Genetikerin und Philosophin in Tel Aviv, sammelt seit Langem
solche Belege für die Existenz der epigenetischen Vererbung. Nun hat sie eine
Übersicht publiziert: Bei 13 Einzellern, 6 Pilzarten, 15 Pflanzen- und 10
Tierarten haben Forscher inzwischen mehr als 100 vererbbare Merkmale gefunden,
die nicht genetischen, sondern epigenetischen Ursprungs sind. Das Leinkraut
kommt zum Beispiel mit zwei verschiedenen Blütenformen vor, manche Petunien
haben weiße Blüten, und die Ackerschmalwand gibt es auch im Zwergenformat –
alles nur aufgrund epigenetischer Unterschiede.;
Karin Buiting aus der Arbeitsgruppe des Essener Genetikers Bernhard Horsthemke
entdeckte 2003, dass manche Patienten mit Prader-Willi-Syndrom – einer schweren
Entwicklungsstörung – eine natürliche epigenetische Veränderung der Großmutter
väterlicherseits übernommen haben, die normalerweise von den Keimzellen des
Vaters überschrieben wird. „Dies ist einer der ersten klaren Belege dafür, dass
epigenetische Informationen auch beim Menschen vererbt werden können“, sagt
Horsthemke.;
Gar nicht nachvollziehen kann Walter zudem, dass manche Forscher und viele
Medien bereits die Lamarckschen Ideen reanimieren: „Mit Lamarckismus hat
Epigenetik gar nichts zu tun. Die Genetik liefert die Grundbaupläne. Und die
Epigenetik sorgt für eine gewisse Modulation, die unter Umständen mehrere
Generationen anhalten kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
(bild der wissenschaft 3-2011 S.36ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32548185
)
·
Das Genom der Kartoffel ist entschlüsselt; Reihenfolge von 86% der
844.000 Basenpaare umfassenden DNS; mehr als 39.000 proteincodierende Gene;
die meisten Kartoffelsorten besitzen einen vierfachen Chromosomensatz
(Freie Presse Chemnitz 11.7.2011 S.1)
·
Lasst sie
Menschen sein!
die Linien der Vorfahren heutiger Schimpansen und Menschen kreuzten sich noch
über Millionen Jahre hinweg ziemlich regelmäßig. Vielleicht waren die Gruppen
auch nie komplett getrennt. Einiges spricht dafür, dass sie sich bis heute
miteinander fortpflanzen könnten;
der genetische Unterschied ist also je nach Zählweise größer oder kleiner. Die
publizierten Werte schwanken entsprechend um den Faktor 10, nämlich zwischen
6,4 und 0,6 Prozent. Am häufigsten wird ein Wert um 1,5% genannt, in dem sich
Schimpansen und Menschen unterscheiden – während übrigens durchschnittlich 2
bis 4 % zwischen einem Menschenmann und einer Menschenfrau liegen!;
Was hat das alles mit der Frage zu tun, ob Schimpansen und Bonobos in HOMO
umbenannt werden sollten? Ganz einfach: Auch der letzte gemeinsame Vorfahr von
Zebras und Pferden lebte vor 4 bis 6 Millionen Jahren, das Erbgut dieser
Huftiere differiert um etwa 1,5% - und sie gehören zu derselben Gattung:
„Equus“. Ähnlich verhält es sich mit Tigern und Löwen, die zur Gattung
„Panthera“ zählen.;
kaum war ein Merkmal definiert, das die „Sonderstellung“ des Menschen begründen
sollte, so fand sich bereits ein Affe, der sich nicht darum scherte – ob es
sich um Werkzeugherstellung handelte, Zukunftsplanung, Zahlenverständnis, das
Sich-Erkennen im Spiegel, Selbstmedikation, sprachliches Kommunizieren,
politisches Agieren oder Empathie.
Somit liegt der Fall ganz klar: Schimpansen sollten in HOMO TROGLODYTES
umbenannt werden und Bonobos in HOMO PANISCUS. Diese Klassifikation ist
wissenschaftlich die einzig haltbare.
(bild der wissenschaft 10-2011 S.20ff.)
·
Nach der
Entschlüsselung der menschlichen Erbsubstanz wollen Forscher jetzt die Gene
aller Mikroorganismen in und auf dem Menschen entziffern. Im größten
Lebensraum, dem Darm, sind die Bakterien nützlicher als gedacht;
Wie würde ein Außerirdischer die Spezies Mensch beschreiben? Etwa so, vermutet
Wissenschaftsautor Jörg Blech: „Die irdische Lebensform besteht aus 988
verschiedenen Spinnentieren, 100 000 000 000 000 (in Worten: hundert Billionen)
Bakterien, 1 Mensch, etwa 70 Amöben und manchmal bis zu 500 Madenwürmern.“ Der
Mensch ist ein Mischwesen, ein „Superorganismus“, meint der US-amerikanische
Genetiker und Nobelpreisträger Joshua Lederberg. Auf jede menschliche Zelle
kommen zehn Bakterienzellen;
Nachdem die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts nicht, wie erhofft, die
Erklärung für viele Krankheiten brachte, setzen die Forscher jetzt ihre
Hoffnung in die Erforschung des Ökosystems Mensch;
(bild der wissenschaft 6-2011 S.19)
·
Forschungsfelder wie Soziobiologie und evolutionäre Psychologie haben ein
eher deterministisches Verständnis von der Rolle der Gene. Welchen Einfluss
könnten epigenetische Erklärungsansätze auf diese Forschungsfelder nehmen?
Stellt die Epigenetik die alten Forschungsansätze in Frage oder führen sie in
eine Phase der „Modernisierung“ deterministischer Forschungsprogramme?;
Ja, die Modelle der Soziobiologie und der evolutionären Psychologie werden sich
als nicht mehr haltbar erweisen. Die Epigenetik spielt eine wichtige Rolle für
die Evolution, doch der Reihe nach: Das „alte Denken“ war, dass der
evolutionäre Prozess mitsamt der Entwicklung neuer Arten darauf beruhte, dass
rein zufällig entstandene Mutationen von der natürlichen Selektion ausgewählt
werden. Was neuerdings deutlich wird, ist die Tatsache, dass biologische
Systeme ein eigenes Veränderungspotential haben, welches deutlich über das
hinausgeht, was unter dem Stichwort „Zufall“ abgetan werden kann. Immer deutlicher
zeigt sich, wie Recht die Nobelpreisträgerin Barbara McClintock hatte, die
erkannte, dass biologische Systeme auf schwere ökologische Stressoren mit einer
Selbstveränderung ihres Genoms reagieren können. Diese Veränderungen geschehen,
wie wir heute wissen, nicht wahllos, sondern beinhalten Genduplikationen, die
vor allem solche Gene betreffen, die stark in Gebrauch sind. Doch was hat das
alles mit Epigenetik zu tun? Nun, die molekularen Werkzeuge, mit denen
Organismen ihren genetischen Apparat umbauen, werden, solange keine schweren
Stressoren vorliegen, durch epigenetische Mechanismen gehemmt. Schwere
Stressoren haben zur Folge, dass diese Blockierung gelöst wird und transposable
elements, welche den Umbau des Genoms in Angriff nehmen können, sozusagen wie
Hunde von der Leine gelassen werden.
(http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/interview-joachim-bauer/epigenetik-ende-gen-determinismus
)
·
Ein Forschungsteam der ETH Zürich und des Institute for Systems Biology
Seattle hat erstmals das Proteom eines Menschen kartiert. Die Forschungsgruppe
unter der Leitung von Professor Aebersold hat mittels Massenspektroskopie
20.300 Proteine identifiziert. Die Daten sind im Internet über die Datenbank
des von der Forschungsgruppe aufgebauten „Peptidatlas“ frei zugänglich. Sie
sollen als „Gold-Standard“, das heißt als Referenzda¬tensatz für die
Erforschung weiterer Proteome, dienen. Finanziert wird der Proteom-Atlas durch
das US National Health Institute und Forschungsgelder der EU. Die jetzt als
Referenzdaten festgelegten Proteomdaten sollen es ForscherInnen in Zukunft
ermöglichen, Anzahl und Art der Proteine in einer Zellprobe mit
Massenspektroskopie zu bestimmen. Das Referenzproteom ist eine methodische
Vor¬aussetzung, um die einzelnen Proteine in einer beliebigen Zelle schnell und
eindeutig zu identifizieren. Wie schon beim Genom wird damit aber auch ein
Standard festgelegt, von dem aus Abweichungen bestimmt werden.
(ethlife.ethz.ch, 21.09.10; peptideatlas.org, 23.11.10) (vlx) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/203/kurz-notiert-mensch-und-medizin
)
·
Q:
Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- neue Dimension der Gentechnik:
A) es können einzelne genetisch bedingte Eigenschaften übertragen werden (bei
herkömmlicher Züchtung stets gesamtes elterliches Genom, gezielte
Neukonstruktion)
B) die Übertragung kann auch über Artgrenzen hinweg erfolgen (Ressource ist
genetische Information aller Organismen, natürliche Artgrenzen /
Befruchtungsbarrieren haben Bedeutung verloren)
[C) Beschleunigung: Zeitaufwand für Zuchtverfahren wird erheblich vermindert;
bessere Kontrollierbarkeit, z.B. Auswahl gewünschter Eigenschaften schon in
frühen Entwicklungsstadien; Zielausrichtung evolutionärer Prozesse]
- Erbinformation:
escherichia coli: 4,2 Mill. Basenpaare
Mensch : 3,3 Mrd. Basenpaare
Weizen : 17 Mrd.
Basenpaare
- Proteine als Bausteine und Werkzeuge der Zelle: Strukturproteine (Haare,
Nägel), Enzyme als Biokatalysatoren, Antikörper, Transportproteine
(Hämoglobin), Hormone
- bei Bakterien Übertragung von Genen von einer Art auf die andere in der
Natur:
a) Konjugation (Zusammenlagern zweier Bakterienzellen, Plasmid wandert über
Brücke; z.B. Träger einer Resistenz)
b) Transduktion (Phagen = Viren übertragen ihre DNA in die der Bakterienzelle;
in best. Fällen wird Phagen-DNA wieder selbständig, "aus Versehen"
angrenzende Bereiche der Bakterien-DNA mit "eingepackt", bei nächster
Infektion Übertragung)
c) Transformation (bestimmte Bakterienarten können freie DNA durch ihre
Zellwand aufnehmen)
- Plasmide als Vektoren:
* verändert, sodaß sie sich nicht mehr selbständig auf andere Zellen ausbreiten
können, und daß sie sich stark in ihrer Zelle vermehren; Marker eingebaut, an
denen sie erkannt werden können (Z.B. Antibiotikaresistenz)
- Restriktionsenzyme als molekulare Scheren (zerschneiden eigentlich Fremd-DNA
zur "Verdauung"), mit deren Hilfe DNA in definierte kleinere
Bruchstücke zerlegt wird
- gentechnische Ziele in der Pflanzenzüchtung: Ertragssteigerung,
Qualitätsverbesserung, Anpassung an Standort- und Haltungsbedingungen,
verminderte Anfälligkeit gegen Krankheiten
* Pflanzengesundheit verbessern: Widerstandskraft - Resistenzen gegen
Schädlinge, gegen Stressfaktoren wie Hitze, Trockenheit, salzige und saure
Böden
[* Ertragssteigerung
* Ernährungs- und Verarbeitungsqualität
* Anbau-Eigenschaften]
- Krebsmaus: genetisch so verändert, daß sie mit großer Wahrscheinlichkeit
Krebs entwickelt; patentiert
- rBST (Hormon : rekombinantes bovines Somatropin)
zur Steigerung der Milchproduktion bei Kühen, wirkt streng artspezifisch;
[FORUM 46 S.21: Leistungssteigerung 10-30 %, Auswirkungen auf Milchmarkt,
Agrarstruktur, Tiergesundheit, Milchqualität, Verbraucherakzeptanz ?, S 31:
etwa 15% der Milchkühe in den USA erhalten Injektionen mit diesem Hormon, 50%
des USA-Käses sollen aus rBST-Milch hergestellt sein, Gelenkerkrankungen,
Euterentzündungen, Zusammensetzung der Milch geändert?]
angesichts der Überschußproduktion in Europa notwendig?
- Flavr Savr - Tomate [FORUM 46 S.32]
* "Aroma-Retter"
* in der reifen Frucht werden „ätherische Öle, Geruchs- und Geschmacksstoffe
gebildet, das Gewebe wird weicher, da das Enzym Galacturonidase das Pektin der
Zellwände abzubauen beginnt, das Gen zur Produktion dieses Enzyms wurde
blockiert, Kanamycin-(Antibiotikum)-Resistenz-Gen zusätzlich drin zur Kontrolle
- Produktion menschlicher Proteine durch transgene Tiere angestrebt:
transferiertes Gen wird mit Kontrollregion versehen, damit das Protein
aussschließlich in der Milchdrüse produziert und in die Milch abgegeben wird
- Lebensmittelproduktion:
a) gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe:
Enzyme pflanzlichen und tierischen Ursprungs werden von Mikroorganismen
erzeugt; M. werden getötet, aufwendige Reinigung: keien Rückstände im Produkt,
das naturidentisch ist (z.B. Labferment Chymosin ursprünglich aus Kälbermagen
gewonnen als Milchgerinnungsmittel in der Käseherstellung)
b) Fermentationsorganismen
verbleiben im Produkt, werden mit verzehrt
- Gentechnik-Gesetz hat
Schutzzweck (Menschen, Tiere, Pflanzen, Sachgüter, Umwelt)
Förderzweck
Das Gentechnikgesetz gilt für gentechnische Anlagen, gentechnische Arbeiten,
die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen und das
Inverkehrbringen von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen
enthalten oder aus solchen bestehen
- Haftungregelungen GenTG:
Betreiber ist verpflichtet, Schaden zu ersetzen, auf 160 Mill. DM beschränkt
- Sicherheitsstufen:
S1 : kein Risiko
S2 : geringes Risiko
S3 : mäßiges Risiko
S4 : hohes Risiko oder begründeter Verdacht
·
Q:
Vortrag Borgwardt / SMU Chemnitz 26.3.96
- Dr. Herbert Borgwardt, Windmühlenstr.43, 01257 Dresden, Tel.d. 0351/5642152
p.0351/2840050
- Gentechnik-Gesetz 1.7.90
- Novellierung ("auf Druck der Industrie") 16.12.93;
Vereinfachungen:
* Fristverkürzungen (S1 1 Monat, max. 3 Monate)
* Anmeldung statt Genehmigung bei gewerblichen S1-Verfahren
* Wegfall des Erörterungstermins bei Freisetzungen [Einwendungen der
Öffentlichkeit sind trotzdem möglich]
- Freisetzungsversuche Sachsen:
* Gaußig bei Bautzen ("großer Sturm"); Bockelwitz zwischen Mügeln und
Leisnig an der Autobahn (dort kein Interesse der Bevölkerung)
* agrevo schickt Antragsunterlagen an Robert-Koch-Inst., SMU, Landesamt f.U+G
* SMU hat Acker besichtigt (Landschaftsschutzgebiet), Eigentumsverhältnisse
überprüft (Umkreis 2 km "betroffen"?), Bodengutachten,
Pflanzenpopulationen erfaßt
* vereinfachtes Genehmigungsverfahren, d.h. anderswo in Europa gleiche Versuche
schon gelaufen
* Raps, Zuckerrüben, Mais;
agrevo Resistenz BASTA; MONSANTO (?) eigenes Totalherbizid
- "mit ein bis zwei Ernten ist alles wieder rein, was in die Forschung
gesteckt wurde"
- auf Frage, ob vor Ort geprüft wird, ob auch so gearbeitet wird, wie's im
Antrag steht:
* ... das können wir in Sachsen nicht
* wir sehen uns die Unterlagen genau an
* Vertrauen: a) Genehmigung für andere Versuche würde der Betreiber sicher auch
erhalten, warum also illegal?; b) veränderter Versuch mit Gefängnis bedroht,
also hohes Risiko...
·
Q: TV
"Herren der Schöpfung" 25.3.93
- GVO = gentechnisch veränderte Organismen
- "grüne Genforschung": Pflanzen
- "rote Genforschung": Tiere
- transgene Tiere, Pflanzen: fremde Erbanlagen eingebaut
- transgene Tiere: menschl. Erbanlage in befruchtete tierische Eizelle
- Schafe sollen Blutgerinnungsfaktor VIII produzieren, Mäuse können das schon
- eine manipulierte Kuh könnte den deutschen Bedarf an Faktor VIII decken
- Riesenschweine USA: menschl. Wachstumsgen eingesetzt
·
Q: Der
Mensch: Geschöpf oder Schöpfer?, VELKD-Texte 41/1991
- Chimären: Mischwesen, aus Zellen verschiedener Herkunft werden Protoplasten
hergestellt und dann miteinander fusioniert (Tomoffel, Schiege, Schaf-Rind
bereits gelungen)
- Bakterium "Agrobakterium tumefaciens" wird verwendet, um fremde
Gene in Pflanzen einzuführen: befällt verletzte Wurzelzellen und schleust Teile
seiner DNA (Ti-DNA = tumor-induzierende DNA) in die Pflanzenzelle ein, bewirkt
a) Produktion bestimmter für die Bakterie wichtige Substanzen (Aminosäuren, die
sie selbst nicht herstellen kann) und b) starke tumorartige Vermehrung der
befallenen Zellen (Wurzelhalsgalle), zur Einschleusung flankierende
DNA-Abschnitte nötig, jedes beliebige Gen läßt sich schleusen, wenn es von
diesen flankierenden Sequenzen eingerahmt ist (TI-Plasmid als Vektor), bisher
nur bei zweikeimblättrigen Pflanzen erfolgreich
- Erfolgsrate der Einschleusung von Fremdgenen per Mikroinjektion in
befruchtete Eizellen (Beispiel eines Versuchs 1987 mit Rindern): 1161
Injektionen, 126 Kälber, 7 neue DNA eingebaut, 1 Tier Information genutzt
·
Q: taz
19.7.95
- in Deutschland werden Lebensmittel mit gentechnisch manipulierten Enzymen
hergestellt (keine Kennzeichnungspflicht); Käse, der mit einem gentechn.
gewonnenen Enzym hergestellt wurde, könne hier gekauft werden
·
Q:
Öko-Mitteilungen Freiburg 3/94 S. 4ff.
- rBST der Firma MONSANTO (USA) darf seit Februar in USA injiziert werden, 15%
der Milchkühe bekommen die Hormonspritze
- transgene Organismen (Bakterien, Hefen oder Pilze) erzeugen Enzym Chymosin
zur industriellen Käsebereitung: Marktanteil USA 50%, Großbritannien, Italien
20 %
- Novo Nordisk (Dänemark) liefert auch nach Deutschland ein Enzym (Novamyl),
das Backmischungen beigemengt wird, um das Altbacken-werden zu verzögern
·
-
Kontrolle kompliziert; 100%ige Reinigung nicht möglich - Bruchstücke der
Organismen und ihrer DNA in den Produkten;
kritische Wissenschaftler befürchten z.B. Zunahme von Allergien, Veränderung
von Inhaltsstoffen, Nährwerten und Verdaulichkeit, Ausbreitung von resistenten
Krankheitserregerbild der wissenschaft 6/98 S.12: Akzeptanzstudie Gentechnik
* 74 % setzen große Hoffnungen auf medizinische und pharmazeutische Anwendungen
* 76 % lehnen Veränderung von Lebensmitteln oder Nutzpflanzen ab
* Akzeptanz lässt sich nicht durch Wissen erzeugen
* Menschen mit höherer Bildung eher kritisch eingestellt
* nicht Wissen gaben die Befragten als Meßlatte an, sondern vor allem
moralische und ethische Maßstäbe
·
Dtsch.
Ärzteblatt 12/98 S.A-645
Biotechnologie Marktvolumen Europa Mrd DM 1995: 79; 2005 297, davon
Agrar 119 Mrd DM, Ernährung 69, Gesundheit und Pharma 63, Chemikalien 24,
Materialien 14, Umwelt 8
·
GID
124 2/98 S.4
- Gentech-Chymosin für Käseherstellung wird jetzt auch in Deutschland
produziert; Einsatz bereite
seit März 1997 zugelassen
- jede dritte Kuh in USA mit rBST behandelt, Milchleistung 10-15% steigern
·
Journal
für Deutschland 2/3 - 96 S.11
EMNID-Umfrage Jugendliche;
Zukunftstechnologien PRO: 92% Solarenergie, 29% Kernenergie, 14% gentechn.
Veränderte Lebensmittel, Gentechnik gesamt 2/3 als Risiko begriffen - 37% als
Chance
·
lumineszierender
Tabak: Gen einer Meeresqualle übertragen; alle Tabakzellen bilden nun das
Eiweiß Aequuorin, das einen bläulichen Lichtblitz aussendet, wenn es mit
Ca-Ionen in Kontakt kommt
(GEO 11/99 S.113)
·
Geburtsjahr der
Gentechnik 1973: erstmals gelungen, ein Gen aus einem Organismus
herauszuschneiden und in einen anderen einzufügen;
·
eine bestimmte
Art Chromosom im Bakterium, ein Plasmid, wird aufgeschnitten, das Gen eines
anderen Organismus wird an den Schnittstellen eingeklebt; die neu-kombinierte
DNA kann in eine Wirtszelle, etwa in Bakterien, Hefen, Insekten- oder
Säugerzellen eingeführt werden, diese produzieren nun das Fremdprotein, dessen
Bauanleitung in dem eingefügten Gen niedergeschrieben ist, in großen Mengen
·
praktische
Hilfmittel wie „Text-Schneider“ und „Text-Kleber“, Restriktionsenzyme und
DNA-Ligasen;
Textschneider erkennen spezifische Buchstabenfolge und trennen Moleküle dort
auf, etwa 400 Scheren bekannt;
Ligasen können ein Textfragment mit einem anderen verbinden, Ursprung völlig
gleichgültig, Textschnipsel aus der Bibel mit einem Satz aus der
Steuererklärung...
(VFA Gentechnik)
·
Abfolge von über
drei Mrd. Chemischer Buchstaben, die sich in den 23 menschlichen Chromosomen
aneinander reihen
·
jedes Gen
enthält den Befehl, irgendein Eiweiß zu bauen, das im Körper irgendeine
Funktion hat;
in einigen Zellen sind 40000 Gene gleichzeitig aktiv, und jedes kann auf jedes
andere einwirken;
·
Maus namens Lucy
ist seit Oktober 1999 das erste Säugetier mit einem künstlichen Chromosom
(durch Einbau neuer Gene in eigene zusätzliche Chromosomen, die auch vererbt
werden, wäre die Gefahr des Einbaus an falschen oder schädlichen Stellen zu
vermeiden
(Spiegel 15/2000 S.172ff)
·
Kaninchen und
Mäuse mit Leuchtgen einer Qualle; leuchten im „Schwarzlicht“ grün;
als Kunstobjekt vorgesehen
(Spiegel 26/2000 S.114)
·
Emnid-Umfrage
Deutschland September 2000:
34% positiv zu Gentechnik in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion
64% positiv zu G. in Medizin und Pharmazie;
für den Verbraucher müsse die Frage nach dem konkreten Nutzen eindeutig
beantwortet werden; Grund für die eher geringe Akzeptanz sei vor allem „
mangelnde Information über Auswirkungen“ und „fehlendes Vertrauen in die
handelnden Akteure“
GID 142 10-11/2000 S.40; epd-Wochenspiegel Ost 38/2000 S.11
·
Gensprung vom
gentechnisch veränderten Mais zum Hähnchen; Bt-Mais gefüttert, nach der
Schlachtung in Organen und Muskelfleisch typische Sequenzen der Mais-DNA
gefunden
(GID 143 S.26)
·
40-50% der
Lebensmittelenzyme von GVO produziert; fast 100% bei der enzymatischen
Stärkeverzuckerung(Das Parlament 11/2001 S.8)
·
Gatersleben bei
Magdeburg: Spinnengen in Tabakpflanzen eingeschleust;
Ziel: extrem reißfestes Synthetikgarn;
kanadische Forscher hatte das verantwortliche Gen schon früher isoliert und in
die Milchdrüsen von Ziegen eingebaut; Chemiekonzern DuPont experimentiert mit
Bakterien und Hefe, in deren Zellen das Spinnensekret heranreifen soll
(Spiegel 14/01 S.188)
·
Nanopartikel als
Gentaxi, Genfähre; kleinste Silikapartikel, auf die sich DNA aufrollen lässt
wie Spaghetti; schmuggelten bei Ratten DNA erfolgreich ins Zellinnere
(Die Zeit 21.2.02 S.33)
·
Mais, der ein
Speichereiweiß produziert, das besonders viel von der lebensnotwendigen
Aminosäure Methionin enthält; Forscher suchten die Stelle im Erbgut, die den
Bauplan für dieses Eiweiß enthält, und veränderte die Signalsequenzen in den
Erbgutregionen daneben; der Mais produziert dasselbe Eiweiß wie vorher – aber
wir haben sozusagen die Regler etwas aufgedreht, sodass er mehr davon herstellt
(Der Spiegel 26/02 S.167)
·
Sicherheitsmaengel
bei Chloroplastentransformationen: Gene springen in den Zellkern
Die Wissenschaftler Chung, Ayliffe und Timmis haben untersucht, wie stabil
Fremd-Gene im Chlorplasten verbleiben. Chloroplasten sind die Zellorganellen,
in denen die Photosynthese statt findet. Die Chloroplasten besitzen ein eigenes
Erbgut, das allerdings nur wenige Gene umfasst, die bei der Photosynthese eine
Rolle spielen. Das Chloroplasten-Erbgut wird in den meisten Pflanzen nicht wie
das Erbgut der Zelle ueber den Pollen weitervererbt. Der Grund dafuer ist, dass
in der Regel nur wenige Chloroplasten im Pollen vorhanden sind, die beim
Verschmelzen mit der Eizelle abgetoetet werden. Aus diesem Grund werden solche
GVO als besonders sicher bewertet, da die gentechnische Veraenderung von
Chloroplasten die Auskreuzung auf andere Kulturen oder auf nahe verwandte
Wildarten verhindert. Chung et al. (2003) untersuchten GV-Tabakpflanzen, in
deren Chloroplasten ein Gen eingebracht worden war, das fuer Resistenz gegen
das Antibiotikum Kanamyzin codiert. Dieses Neomycin-Phosphotransferasegen ist
kernspezifisch, d.h. Nachfahren aus Pollen der GV-Tabakpflanzen konnten nur
dann auf Antibiotikum-haltigen Naehrmedium ueberleben, wenn das Gen in den
Zellkern transferiert worden war. Die Wissenschaftler untersuchten 250.000
Nachfahren, die aus einer Befruchtung mit dem Pollen der GV-Tabakpflanze auf
Wildtabakpflanzen entstanden waren. Bei 16 Saemlingen fanden sie Resistenz
gegen das Antibiotikum Kanamycin, d.h. in einem von 16.000 Faellen wandert das
in den Chloroplasten eingebrachte Gen in den Zellkern.
Chloroplasten-Transformationen sind bisher routinemaeßig an Tabakpflanzen und
Tomatenpflanzen gelungen. Chung et al. weisen anhand ihrer Ergebnisse
daraufhin, dass weiterer Forschungsbedarf dazu besteht, wie stabil sich Gene in
Chloroplasten ueber Generationen hinweg verhalten.
(Gentechnik Nachrichten)
·
GMO übersetzt?
genetically manipulated organism (so in offiziellen Regierungsdokumenten in
Australien), genetically modified o. (auch in Deutschland wurde aus GMO à GVO (gentechnisch veränderter O.; in einigen
englischsprachigen Ländern auch sprachliche Abrüstung zu GEO = genetically
engineered o.
(Die Zeit 30.10.03)
·
es gibt
Versuche, Schweine genetisch so umzuprogrammieren, dass sie menschliches
Hämoglobin erzeugen
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.139)
·
der genetische Code ist ein Triplettcode (drei Nukleotide auf der DNA
kodieren für eine Aminosäure) und ist mit wenigen Ausnahmen in allen Organismen
gleich; die meisten Aminosäuren werden mit 2 bis 6 verschiedenen Codons
verschlüsselt; verschiedene
Arten „bevorzugen“ (Präferenz) bestimmte Tripletts (von mehreren Alternativen);
wenn ein Fremdgen (eines anderen Organismus) eingebaut wird, wird evtl. ein Gen
schlecht in ein Protein übersetzt (es stehen zu wenig t-RNA-Moleküle für den
Transport zur Verfügung); es ist daher sinnvoll, die Sequenz des Fremdgens an
die Gegebenheiten des Wirtsorganismus anzupassen, d.h. Codons geringer
Präferenz durch Codons mit hoher Präferenz zu ersetzen
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.20)
·
Bakterien und Pilze sind im Vergleich zu Säuger- und Insektenzellen zwar
robuster, als Produktionssysteme für Säugerproteine jedoch nur bedingt geeignet,
weil eine korrekte Prozessierung und Faltung der rekombinanten Proteine oftmals
nicht stattfindet;
Pflanzenzellen besser geeignet: korrekte Prozessierung und Faltung,
kostengünstige Produktion; durch anderen Stoffwechsel können Substanzen, die z.B.
für tierische Zellen toxisch wären, problemlos angereichert werden; auch gute
Trennung von (grundsätzlich ähnlichen) Substanzen tierischer und pflanzlicher
Herkunft möglich; ...
Tabak sehr geeignet, weil er sich gentisch leicht verändern lässt, preiswert zu
kultivieren ist und mit 50-80 Tonnen je Hektar und Jahr die höchste
Biomasseproduktion hat; ist zudem keine Nahrungs oder Futterpflanze;
damit die Produktion pharmazeutischer Proteine in Pflanzen wirtschaftlich ist,
muss Anteil von 0,2% rekombinantem Protein am löslichen Gesamtprotein
vorliegen; ...
in Pflanzen produzierte pharmazeutische Proteine (Beispiele):
Erythropoietin (Blutbildungshormon) Tabak (Suspensionskultur)
Hämoglobin (Blutersatzlösung) Tabak (Saatgut)
Interferon (Multiple Sklerose) Kartoffel, Tabak
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.33ff.; 37)
·
Nachweis von transgenen Pflanzen: qualitative PCR-Tests ermöglichen eine
Ja/Nein-Aussage über das Vorhandensein von GVO; es wird auf DNA-Sequenzen
getestet, die typischerweise in gentechnisch modifizierten Pflanzen eingebracht
werden; zu nennen insbesondere der Promotor 35S aus dem Blumenkohlmosaikvirus
und der Terminator NOS aus dem Bodenbakterium A. tumefaciens; diese Sequenzen
dienen als Regulationselemente (Ein- bzw. Aus-Schalter);
Nachweisgrenze abhängig von der DNA-Menge, die extrahiert werden kann; bei
Saatgut und Rohstoffen wie Mehl: 0,01% erreichbar; bei hoch verarbeiteten
Proben wie Maisstärke Nachweisgrenze 0,1-0,3% und höher
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.56)
·
S.9: nahezu 100%
der Waschmittelenzyme werden mit gentechnischen Methoden hergestellt
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft 2005)
·
Bioalkohol als
Treibstoff für Autos; Vergärung von pflanzlichem Material;
Institute in Frankfurt/M. und Lund/Schweden: die für die Vergärung verwendete
Bäcker- oder Bierhefe wurde „veredelt“; konnte bisher die Zuckerarten Xylose
und Arabinose, die bei der Spaltung der Hemizellulose entstehen, nicht
vergären; jetzt in die Hefe zusätzlich 5 fremde Gene eingebaut (3 aus
Bakterien, 2 aus einer anderen Hefe) und drei eigene Gene der Hefe zusätzlich
„optimiert“; erreichter Wirkungsgrad von 30-40% bei der Produktion von Etanol
nun auch aus Pentosen (bisher nur aus Hexosen) ist noch steigerungsfähig
(FAZ 12.10.05)
·
Termiten-Darm
ist einer der effizientesten Bioreaktoren, die es auf der Erde gibt; extrem
fein zerkleinertes Holz wird innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen verdaut;
in 1 Miroliter Darmvolumen drängen sich etwa 10 Millionen Bakterien und
Zehntausende von Einzellern; Gesamtheit des genetischen Materials aller
Darmsymbionten soll isoliert werden, Suchen nach den wirksamen Gensequenzen,
anschließend einschleusen in Kolibakterien, die die erhofften Wirkstoffe in
Reinform produzieren; damit effizientere Biogas- oder Ethanolherstellung aus
Biomasse
(SPIEGEL 37/05 S.188)
·
biotechnische
Produktion von Vitamin B2 schnitt bei 5 von 6 Ökobilanz-Wirkungskategorien
besser ab als das klassisch-chemische Herstellungsverfahren
(Umwelt BMU 9/2005 S.488)
·
Uni Bielefeld
und Uni Queensland / Australien: Grünalge gentechnisch so verändert, dass sie
die sechsfache Menge gegenüber der Naturform an Wasserstoff produziert;
Bioreaktor soll 2010 fertig sein; Grünalgenkraftwerk von der Größe der
Dachfläche eines Einfamilienhauses würde genügen, um den Haushalt mit Strom zu
versorgen
(bdw 12/05 S.7)
·
dänische Biotechnologie-Firma hat die Pflanze Ackerschmalwand
gentechnisch so verändert, dass sich ihre Blätter in der Nähe von Sprengstoffen
(Stickstoffdioxid = TNT; Schwermetalle) drei bis sechs Wochen nach der Aussaat
rot färben („Red Detect“); soll zur Suche von Landminen eingesetzt werden und
nächstes Jahr auf den Markt kommen
(taz 24.3.06)
·
Uni Lund Schweden: Hefetyp gentechnisch verändert, kann jetzt neben Glukose auch
die Pentosezucker Arabinose und Xylose effektiv vergären; Ziel:
Bioalkoholherstellung aus pflanzlichen Reststoffen (Stroh, Holz)
(bild der wissenschaft 3/2006 S.13)
·
Uni Rostock will
im Sommer erstmals in Deutschland (bisher nur in USA, Kanada und Frankreich
solche Versuche) so genannte Pharmapflanzen im Freiland anbauen; zwei
Kartoffelvarianten mit Gensequenzen von Krankheitserregern (Cholerabakterium
und Erreger des hämorraghischen Kaninchenfibers = Chinaseuche); mit den
Pflanzen sollen eines Tages Impfstoffe produziert werden;
15 Genpflanzen-Medikamente werden bereits in klinischen Studien getestet;
voraussichtlich bald erste Zulassung in Frankreich (Genmais stellt Präparat für
Mukoviszidose-Patienten bereit);
(taz 3.3.06; 17.5.06)
·
zwei Eiweiße als
Vakzine zur Impfung gegen Pest eingesetzt; Eiweiße getrennt und als
Fusionsprotein in gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gezüchtet;
Meerschweinchen injiziert, bei späterem Kontakt mit dem Pesterreger überlebten
drei Viertel der Tiere (normalerweise immer tödlich)
(bild der wissenschaft 4/06 S.25)
·
so werden heute
mehr als 90% der in Lebensmitteln und Waschmitteln verwendeten Enzyme
gentechnisch hergestellt
(Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: „Gentechnik –
genial oder gefährlich?“, 2005, S.30)
·
USA: in
Tabakpflanzen erfolgreich Vakzine für die Immunisierung gegen Anthrax und
Borreliose hergestellt; notwenige Gene in das Chloroplasten-Genom der
Tabakpflanzen eingeschleust, auf 0,4 ha könnten 360 Millionen Dosen des
Anthrax-Vakzins produziert werden
(GID 174 Feb/März 2006 S.24)
·
Gendoping:
genetische Information für das Hormon Erytropoietin (EPO) wird über Trägerviren
direkt in die Zellkerne von Muskelzellen eingeschleust; Muskelzellen
produzieren vermehrt EPO, was die Bildung roter Blutkörperchen anregt, dadurch
vermehrter Sauerstoffumsatz möglich
(GID 174 Feb/März 2006 S.31)
·
„Synthetische
Biologie“
Bakterien;
a) Beseitigung „überflüssiger“ DNA (nur lebensnotwendige Teile des Genoms
bleiben erhalten)
b) Neuprogrammierung; schon heute stehen (z.B. am MIT in Boston
800)verschiedene Abschnitte der DNA zur Verfügung, die sich wie standardisierte
Bauteile verwenden lassen (z.B. Befehl für Herstellung eines bestimmten
Proteins zu einem bestimmten Zeitpunkt)
(Spiegel 33/2006 S.126)
·
Umweltbundesamt 2002:
“Eine gentechnisch übertragene Gensequenz muss also als eine
genetische Information verstanden werden, deren Kontext in unkontrollierter
Weise verändert wurde“
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.30)
·
(363)
Tabakpflanze exprimiert ein Gen aus dem Glühwürmchen, das zur Aussendung von
Licht führt
(Neil A. Campbell / Jane B. Reece: Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
Heidelberg Berlin, 6. Auflage, 2003)
·
US-Forscher
Craig Venter hat Patentantrag für ein vollständig synthetisch hergestelltes
Lebewesen, ein Bakterium, eingereicht;
soll als ausbaufähige Plattform z.B. zur kostengünstigen Produktion von
Wasserstoff oder Ethanol dienen;
Ausgangspunkt war ein parasitisch lebendes einfaches Bakterium, dem zahlreiche
Gene fehlen, um selbständig leben zu können; Venter schaltete noch weitere 100
Gene ab; dann stellte er den aus rund 380 Genen bestehenden „Minimalorganismus“
aus DNA-Schnipseln komplett neu im Labor synthetisch her
(taz 15.6.07)
·
Hans-Josef Fell
MdB:
Bereits seit vielen Jahren setzt man bei einigen biotechnologischen Verfahren
Enzyme ein, die von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Bei
der Produktion von Wasch- und Reinigungsmitteln, Vitaminen und Medikamenten
geht ohne gentechnisch hergestellte Enzyme wenig. Aber auch in der
Lebensmittel-, Textil-, Papier-, Druck- und Kosmetikindustrie werden sie
bereits angewandt. Zumeist werden den Mikroorganismen dabei nicht „fremde“ Gene
übertragen, sondern es wird ihnen ihr eigenes Gen mehrfach eingebaut
/Multi-Copy-Organismen), damit sie das gewünschte Enzym in großer Menge
bilden.;
War der Einsatz gentechnisch hergestellter Enzyme noch in den 1980er Jahren
sehr umstritten, ist er inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Warum? Weil für
die Arbeit in geschlossenen Systemen (contained use) der Labors und
Industrieanlagen sehr hohe Sicherheitsstandards gelten. Gentechnisch veränderte
Organismen dürfen nicht in die Umwelt gelangen ... Diese weiße Biotechnologie
können wir beherrschen und somit auch verantworten.
(profil:Grün; Bündnis90/Die Grünen im Bundestag; Magazin 12/2004, S.14)
·
US-Forscher
Craig Venter hat erstmals ein künstliches Chromosom hergestellt (381 Gene; aus
dem Genom eines Bakteriums die „unnötigen“ Gene – etwa 1/5 - entfernt);
soll neue Möglichkeiten bei der Entwicklung neuer Energiequellen und im Kampf
gegen die globale Erwärmung erschließen;
in der letzten Stufe soll das Chromosom in eine lebende Zelle transportiert werden
(mit einem echten Bakteriengenom ist das anderen Forschern schon gelungen)
(Augsburger Allgemeine 8.10.07 S.1; Spiegel 44/07 S.173)
·
Synthetische
Biologie versucht, Lebewesen neu zu konstruieren;
“Entwerfen und Konstruieren neuer biologischer Bauteile, Bauteilgruppen und
Systeme sowie das Überarbeiten (redesign) existierender natürlicher
biologischer Systeme für nützliche Zwecke“;
bereits 1400 Bioteile mit klar zugewiesener Funktionalität sind bereits
verfügbar, darunter Gene für einzelne Eiweiße oder bestimmte Bindungsstellen
innerhalb der Zelle; ein Lego-Baukasten für Biologen;
Frage nach dem „minimalen Genom“ (elementare Grundausstattung, in die dann
gezielt Zusatzfunktionen eingebaut werden sollen)
(taz 10.8.07)
·
BASF nutzt
winzigen Pilz Ashbya gossypii; war Schädling bei Baumwollpflanzen;
jetzt produziert er aus Sojaöl Vitamin B2;
zuvor musste das Vitamin in 8 Schritten chemisch hergestellt werden (Hitze,
Druck); Pilz arbeitet bei Normaltemperatur, Abfallmenge sank um 95 %;
um neue Gene zu kreieren, werden die Gene, aus denen Enzyme hervorgehen, einer
Unzahl von wahllosen Mutationen unterworfen; tausende Varianten, Roboter suchen
die besten aus, die weiter mutiert werden, bis das Ergebnis zufrieden stellt;
Enzyme in einem Bioreaktor erzeugen aus Stärke Wasserstoff (Energieträger der
Zukunft?) – 13 Enzyme, die von Kaninchen, hitzeliebenden Mikroben, Spinat
stammen
(Spiegel 31/2007 S.126)
·
Synthetische Biologie:
Craig Venter hatte 2003 bekannt gegeben, dass es seine Wissenschaftler erstmals
geschafft hätten, in nur zwei Wochen aus künstlich hergestellten
Genstücken ein Virus zu bauen (5386 Basenpaare); konnte sich in das Genom von
Bakterien einbauen, sich dort reproduzieren und die Wirte töten;
Ende Mai 2007 Patentantrag für ein künstlich hergestelltes Bakterium; 350 bis
max. 450 Gene; 30 bis 130 weniger als das als Vorbild gewählte natürlich
vorkommende Bakterium; einige Gene sollen zusätzlich eingefügt werden, die es
dem künstlichen Bakterium ermöglichen, in einer Umgebung, die die notwendigen
Nährstoffe enthält, autonom zu leben und sich fortzupflanzen
(GID 183/2007 S.36ff)
·
Impfbanane gegen Cholera? „Es ist uns nicht gelungen, ein als Antigen
wirkendes Protein in der Banane auszubilden“;
seit 1998 Versuche mit der wesentlich besser geeigneten Kartoffel; Impfstoffe
gegen Cholera-Bakterien, das Norwalk-Virus (Durchfallerrreger); Haken: die
Knollen mussten roh verzehrt werden; Kochen zerstört den hitzeempfindlichen
Impfstoff;
seit 4 Jahren züchtet Charles Arntzen mit Tabakpflanzen; Impfstoffe gegen
Cholera, Hepatitis C und pathogene Stämme des Bakteriums e.coli; 2005
Vakzin-Produktion gegen Erreger der Pest; erste Versuche mit Impfstoff gegen
das Ebola-Virus verliefen bei Mäusen erfolgreich;
Patient erhält Impfstoff durch Einnehmen des getrockneten Pflanzensaftes
(bdw 2/07 S.110)
·
Frankfurt/Main:
Forscher haben künstliche – am Computer entwickelte und aus DNA-Bausteinen
hergestellte – Gene in Hefezellen eingebracht; damit können die Hefezellen
jetzt auch Pflanzenabfälle zu Ethanol (Biotreibstoff) vergären; Ertragssteigerung
um 25%, Geschwindigkeit der Umsetzung um mehr als 25% gestiegen
(taz 23.11.07)
·
Aroma- oder
Resistenz-Gene aus alten Apfelsorten könnten viel schneller mittels
Gen-Transfer ins Erbgut der Kultursorten eingeschleust werden; „Cisgenetik“
heißt dieser neue Ansatz, Im Unterschied zur Transgenetik wird die
Artenschranke nicht überschritten; es werden nur Apfel-Gene auf Äpfel
übertragen, keine Gene aus völlig anderen Pflanzenarten, Tieren oder gar
Bakterien;
dazu „smart breeding“ = molekularbiologische Tests, welche Eigenschaften sich
nach Kreuzungen/Eingriffen wirklich im Erbgut befinden
(bdw 12/2007 S.26f)
· Hochsicherheitslabor der
Sicherheitsstufe 4 erstmals in Deutschland eröffnet (Marburg); dort dürfen auch
gentechnisch veränderte hochgefährliche Erreger (Ebola-, Lassa-, Marburg-Viren)
erforscht werden;
Ende Januar 2008 wird ein zweites Labor der Sicherheitsstufe 4 am Hamburger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin eröffnet;
Robert-Koch-Institut Berlin soll 2011 ebenfalls ein Labor der Stufe 4 erhalten
(taz 7.12.07)
· Aus chemisch synthetisch
hergestellten Erbgut-Bausteinen haben Wissenschaftler um den US-Genforscher
Craig Venter das komplette Erbgut eines Bakteriums nachgebaut; das künstliche Chromosom
sei erheblich umfangreicher als zuvor zusammengebaute DNA-Abschnitte; wird als
wichtige Voraussetzung angesehen, um lebensfähige künstliche Bakterien
herzustellen und kommerziell zu nutzen, z.B. zur Herstellung von
Biokraftstoffen;
innerhalb von 5 Jahren ganze Industrie umkrempeln;
die Märkte seien Milliarden und Milliarden von Dollar schwer;
(taz 25.1.08; Freie Presse Chemnitz 25.1.08)
·
Japanischer
Konzern will im kommenden Jahr die erste blau blühende Rose auf den Markt
bringen;
15 Jahre Züchtungsarbeit; Veilchen-Gen
eingeschleust, Farbe derzeit noch eher violett als marineblau;
auch andere Eigenschaften von Blumen werden weltweit verändert: Blütenfarbe,
anderer Duft, längere Haltbarkeit, Resistenz gegen Krankheiten, Kälte,
Trockenheit
(Spiegel 8-2008 S.140f)
·
Universität in
Texas/USA; einige Gene aus dem Erbgut eines Darmbakteriums entfernt; dadurch
konnte die Wasserstoffproduktion des Bakteriums im Vergleich zum natürlichen
Zustand um etwa das 140-fache gesteigert werden; notwendig ist ausschließlich
die ausreichende Versorgung mit Zucker
(GID 186 Februar 2008 S.43)
·
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:
biotechnologische Produktion von Stoffen durch Mikroorganismen in großen
Mengen; z.B. Fermenter, Stahltank, 500 Kubikmeter Volumen;
z.B. Produktion von L-Lysin, eine von 20 Aminosäuren, aus denen alle Proteine
aufgebaut sind; essentielle Aminosäure, d.h. der Mensch und viele Tiere haben
verlernt, diese Aminosäure im eigenen Körper herzustellen, weil sie über die
Nahrung geliefert wird;
das Bakterium Corynebacterium glutamicum stellt es für den Eigengebrauch noch
selbst her; gentechnisch verändert, produziert mehr, als es selbst benötigt;
weltweit werden so (gentechnisch) pro Jahr 800.000 Tonnen hergestellt;
Verwendung vor allem als Zusatz zum Tierfutter; zwei Gramm pro Kilogramm
reichen, damit das Futter den doppelten Nährwert hat; zusätzlich verwertet das
Tier mit L-Lysin angereichertes Futter viel besser und gibt weniger Exkremente
ab;
Alternative chemische Synthese? Aufwendiger, teurer, wenn man das reine
linksdrehende Molekül will;
ein Problem: Bakterien „verlernen“ auch schnell wieder, denn sie teilen sich
jede Stunde oder noch schneller, und die Produzenten der von uns gewünschten Stoffe
sind (durch vermehrten, für sie selbst unnötigen Stoffwechsel JK) gegenüber den
ursprünglichen Zellen; deshalb haben wir zusätzliche Techniken zur so genannten
Wachstumsentkopplung entwickelt
(ZEIT 21.5.08 S.7)
·
gen- und
biotechnische Verfahren sollen helfen, umweltfreundliche Kraftstoffe aus
Pflanzenresten zu gewinnen;
durch synthetische Biologie sollen Einzeller, die von Natur aus Zuckermoleküle
in Alkoholumwandeln können, umprogrammiert und ihre Stoffwechselwege optimiert
werden;
z.B. soll Bierhefe mit neuen Gensequenzen ausgestattet werden (am Computer
entworfen), die zusätzliche Enzyme liefern, mit denen bisher unverdauliche
Zuckerarten wie Xylose oder Arabinose (Bestandteile der reichlich vorhandenen
Zellulose) in einen Biotreibstoff umwandeln; z.B. auch statt Ethanol den
höherwertigen Biokraftstoff Butanol produzieren (liefert rund 1 Drittel mehr
Energie wie Ethanol);
(Die Zeit 16.7.09 S.33)
·
vermutlich noch
dieses Jahr werden die ersten Freilandversuche mit gentechnisch veränderten
Moskitomännchen durchgeführt; derzeit Test in Netzkäfigen in Südindien; die
gentechnisch manipulierten Mücken Aedes aegypti sollen dazu beitragen,
Infektionen mit dem Erreger des Dengue-Fiebers einzudämmen; die Männchen können
sich zwar noch paaren, aber die aus den Eiern schlüpfenden Larven werden durch
das eingeschleuste Gen getötet;
das eingebaute Killergen wird durch Verfütterung des Antibiotikums Tetrazyklin
deaktiviert; so wird sicher gestellt, dass das Gen nur bei Fehlen von
Tetrazyklin im Freiland aktiv ist;
jährlich erkranken weltweit etwa 50 Millionen Menschen am Denguefieber; 20.000
sterben; einen Imfstoff oder ein Medikament gibt es nicht;
ähnliche Versuche laufen in den USA mit gentechnisch veränderten
Baumwollkapselraupen;
an mehreren Forschungsinstituten wird an sterilen Malariamückenmännchen
gearbeitet; in Göttingen hat man Mittelmeerfruchtfliegen ein „Abschaltbares“
Gen mit tödlicher Wirkung eingebaut
(taz 24.7.09 S.18)
·
Turbo-Züchtung ohne Gentechnik - Mutationen werden
durch Chemikalien ausgelöst
Fraunhofer-Gesellschaft erntete im
Herbst 2009 100 Tonnen einer auf neue Art gezüchteten Kartoffel;
produziert hochreine Stärke; in ihrem Erbgut sind nur die Gene aktiv, die die
Bildung von Amylopektin auslösen, während die Amylose-Gene ausgeschaltet sind;
„Bisher enthielten Kartoffeln immer beide Stärkearten. Die Industrie musste das
Amylopektin von der Amylose abtrennen – ein energie- und kostenintensives
Verfahren", erklärt Prüfer. Da Tilling-Kartoffeln nur Amylopektin
enthalten, entfällt dieser Prozessschritt. Allein in Deutschland benötigt die
Papier- und Klebstoffindustrie jährlich 500 000 Tonnen hochreines Amylopektin.
Dazu kommen der Bedarf der Lebensmittelbranche und der Textilindustrie -
letztere nutzt die Stärke, um Garne vor dem Weben zu glätten.;
Tilling - die Abkürzung steht für
"Targeting Induced Local Lesions In Genoms" - ist ein
Züchtungsverfahren, mit dem die Forscher der Evolution auf die Sprünge helfen.;
Allerdings wird die natürliche Mutationsrate beschleunigt: "Mit Hilfe von
Chemikalien lässt sich schnell eine große Anzahl von Mutanten gewinnen",
sagt Jost Muth vom IME, der an der Entwicklung der neuen Stärke-Kartoffel
beteiligt war. "Wir arbeiten hier mit natürlichen Prinzipien: In der Natur
löst das Sonnenlicht Veränderungen im Erbgut aus. Mit Chemie erreichen wir
dasselbe, nur schneller.";
Im Labor am IME werden die mutierten Samen zum Keimen gebracht. Sobald die
ersten Blätter erscheinen, ist Erntezeit: Die Forscher nehmen eine Blattprobe,
brechen die Zellstrukturen auf, isolieren das Genom und analysieren es.
Innerhalb weniger Wochen lässt sich auf diese Weise herausfinden, ob eine
Mutation die gewünschten Eigenschaften hat.; 2748 Keimlinge mussten untersucht
werden, bis derjenige identifiziert war, der ausschließlich die
Stärkekomponente Amylopektin produziert.;
"Die neuen Kartoffeln lassen sich wie gewohnt in den Fertigungslinien
verarbeiten", berichtet Muth. "Besondere Maßnahmen sind nicht
notwendig, weil die Tilling-Kartoffeln ganz normale Züchtungen sind, die kein
gentechnisch verändertes Material enthalten."
(8.12.09; Weitere Informationen: http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/12/super-kartoffel.jsp,
http://www.ime.fraunhofer.de/
)
·
MPI für
Evolutionäre Anthropologie in Leipzig;
Mäuse mit der menschlichen Variante des Gens FOXP2 ausgestattet, unterscheidet
sich in 2 Aminosäuren von der Maus-Form; wird beim Menschen mit der Sprachfähigkeit
assoziiert;
genveränderte Tiere gesund, aber verändertes Verhalten: hielten sich häufiger
in der Gruppe auf, erkundeten seltener allein die Umgebung; außerdem war das
Piepsen der Mäuse mit dem menschlichen Gen tiefer
(bild der wissenschaft 9-2009 S.8)
·
L-Lysin ist eine
essentielle Aminosäure, d.h. Menschen und Tiere benötigen sie für ihre
Ernährung, haben aber verlernt, sie selbst herzustellen und müssen sie mit der
Nahrung aufnehmen; das Bakterium Corynebakterium glutamicum stellt sie für den
Eigengebrauch noch her; mithilfe gentechnischer Methoden stellen solche
Bakterien in einem Fermenter L-Lysin her; weltweit werden so inzwischen 800.000
Tonnen pro Jahr hergestellt;
Verwendung vor allem als Zusatz im Tierfutter; zwei Gramm pro Kilogramm Futter
reichen, damit das Futter den doppelten Nährwert hat; Tiere verwenden Futter
viel effizienter, weniger Exkremente werden ausgeschieden
(ChemieNews, Initiative Chemie im Dialog, 2009, S.66)
·
normalerweise
holen Hefen aus 1000 kg Stroh 200 Liter Ethanol heraus, Könn(t)en sie aber
Xylose und Arabinose zusätzlich vergären, produzieren sie zusätzlich rund 140
Liter;
Um Hefen zu Arabinose-Verwertern zu machen, wurden (nachdem der Versuch nicht
gelungen war, Gene aus Bakterien zu übertragen) künstliche Gene hergestellt (dem
Vorbild der bakteriellen Gene nachempfunden, optimal dem Stoffwechsel der Hefen
angepasst) und in Hefen eingebaut, mit Erfolg: Die gentechnisch veränderten
Hefen wandeln Arabinose vollständig in Ethanol um;
die Methoden der synthetischen Biologie werden auch genutzt, um Hefen zu
konstruieren, die aus den verschiedenen Zuckerarten Butanol machen (Butanol hat
höheren Energiegehalt als Ethanol, ist weniger korrosiv und nimmt weniger
Wasser auf)
(bild der wissenschaft 8/2008 S.92ff)
·
Das
Darmbakterium Escherichia coli kann Biodiesel produzieren. US-Forscher hatten
den Mikroorganismus gentechnisch so verändert, dass er aus Fetten, die er
normalerweise speichert, mit selbst produziertem Alkohol Fettsäuremethylester
–also Biodiesel – herstellen kann. Dafür wurden die Bakterien mit Traubenzucker
„gefüttert“.
(bild der wissenschaft 4-2010 S.10)
·
·
Q:
Chancen und Risiken der Gentechnologie, Bericht der Enquete-Komm. des Dtsch.
Bundestages 1987, S. 118
- Humaninsulin seit 1981 in USA auf dem Markt, Alt-BRD 1200000 Diabetiker,
400.000 auf Verabreichung von Insulin angewiesen, bisher 20% Insulin aus
Schweine-Bauchspeicheldrüsen, Rest Rinder
·
Dtsch.
Ärzteblatt 6/98 S.A285: Erythropoietin
* EPO aus der Niere steuert die Neubildungsrate von Erythrozythen
* seit 10 Jahren gentechnisch hergestelltes rhEPO (Säugetierzellkulturen)
* im Unterschied zu h-Insulin ist hier erstmals eine therapeutische Anwendung
möglich (nicht Ersatz herkömmlicher Quellen, z.B. tierisches Serum)
·
Medikament zur
Verhinderung von Blutgerinnseln in gent. veränderten Ziegen hergestellt;
1 Tier könnte im Jahr Medikamente für 58 Mill. DM erzeugen
(Spiegel 5/2000 S.180)
·
etwa 3000
monogenetische (Ein-Gen-) Krankheiten sind bekannt, Mukoviszidose,
Muskelschwund, Chorea Huntington
(VFA: Gene und Genom)
·
menschliches
Wachstumshormon: früher aus den Hirnanhangsdrüsen menschlicher Leichen
gewonnen, für Behandlung eines Patienten über 1 Jahr: 70 Leichen
·
EPO seit 1985 aus
Säugetierzellen; Patienten mit chronischem Nierenversagen, die an chronischer
Blutarmut leiden (Bluttransfusionen werden erspart), 30-50% der heute weltweit
300000 Dialysepatienten werden mit gent. hergest, EPO behandelt
·
Enzym DNAse I:
Behandlung von Mukoviszidose zugelassen: Verflüssigung des Schleims
(VFA: Gentechnik)
·
Humaninsulin aus
Bakterien: erste Versuche 1978, Zulassung 1982
bewußt herbeigeführte Veränderung der Erbsubstanz, um Proteine für
therapeutische Zwecke zu optimieren; bestimmte Bausteine werden gegen andere
Nukleotide ausgetauscht;
1996 eine Insulin-Variante mit schnellerem Wirkbeginn und kürzerer Wirkdauer
zugelassen; 2 Aminosäuren verändert: (S.19)
(VFA: Gentechnik)
·
PCR: einzelne
DNA-Stückchen vervielfältigen (Spermium, Haar, Blutspur, Gewebe einer Mumie,
Erbkrankheiten an einer einzelnen Zelle testen, Spuren von Krankheitserregern
(Viren, Bakterien, Parasiten im Blut finden);
Arbeitsschritte: Trennen, Koppeln, Kopieren immer wieder
a) DNS-Doppelstränge trennen: durch erhitzen - zwei Einzelstränge
b) ein künstlich im Labor hergestelltes DNS-Stück („Primer“), das nur zu einem
ganz bestimmten Stück des Einzelstranges paßt, koppelt sich an und
identifiziert ihn dadurch
c) das Enzym Polymerase verlängert den Primer, so daß zu jedem DNS-Einzelstrang
wieder der genau gegengleiche Strang entsteht;
alle drei Schritte sind temperaturabhängig und lassen sich als Kettenreaktion
wiederholen: nach 30 Verdopplungen 1 Mrd. Kopien
(VFA: Gentechnik)
·
in der EU 400
Arzneimittel auf Basis von 48 gentechnisch hergestellten Wirkstoffen in
Anwendung; Weltmarkt für diese Medikamente 1998: 10 Mrd. DM
(Catenhusen, epd-wochenspiegel 28/2000 S.8)
·
mehrere hundert
gentechnisch manipulierte Schafe in Neuseeland, schottische Firma PPL
Therapeutics, mit menschlichem Gen ausgestattet, sollen zur Entwicklung einer
Therapie gegen Mukoviszidose eingesetzt werden, die DNS wurde bereits Mitte der
80er Jahre aus der Blutprobe einer dänischen Frau gewonnen
(taz10.7.2000)
·
etwa 17% der
Umsätze auf dem Welt-Pharma-Markt werden mit rekombinanten Arzneimitteln
erzielt
(GID 140/2000 S.10)
·
Transplantationen:
gentechnische Untersuchung verschiedener Hormone, die am Immunsystem beteiligt
sind (Zytokine): rund ein Drittel der Transplantierten kann auf Medikamente zur
Unterdrückung der Immunabwehr verzichten, da sie die kritischen Zytokine nicht
in sich tragen
(GID 140/2000 S.31)
·
Monsanto: Tabak
wurde ein gen implantiert, das Somatropin, ein bisher extrem teures Hormon zur
Behandlung von Kleinwüchsigkeit, in Mengen herstellt
(Der Spiegel 26/2000 S.78ff)
·
1999 waren in
Deutschland 59 gentechnisch hergestellte Arzneimittel auf dem Markt, davon 5
aus deutscher Produktion
Das Parlament 22.9.2000
·
Impfstoff , der
Immunität gegen einen Virus bewirkt, gentechnisch in Kartoffeln eingebaut (rohe
Kartoffeln müssen zwei- bis drei Mal gegessen werden); Norwalk-Virus,
verantwortlich für Lebensmittelinfektionen; 19 von 20 Testpersonen positive
Immunantwort
GID 141 8-9/2000 S.33
·
gentechnisch
hergestelltes Insulin
1. Insuman Rapid und Insuman Basal von Hoechst Marion Roussel Deutschland
Frankfurt: „mit dem körpereigenen Insulin identisch“ („Humaninsulin“)
2. Humalog von Lilly France: „Insulinmolekül leicht verändert, Wirkung setzt
rascher ein“
3. Lantus von Aventis Pharma Deutschland Frankfurt: „dem Humaninsulin sehr
ähnlich; zeigt lang anhaltende und gleichmäßige Wirkung“
(versch. Beipackzettel)
·
lieber von
Gen-Unterschieden, als von Gen-Defekten sprechen;
Neurofibromatose: Ursache großes Gen auf Chromosom 17; ständig neu wachsende
gutartige Tumore (Entstellungen, Operationen);
Brustkrebs: Mutter und Schwester daran gestorben; Gen-Test ergibt: Gene BRCA1
und BRCA2 mit Veranlagung dafür bei Patientin vorhanden; 70-80%iges Risiko der
Erkrankung; OP Brüste und Gebärmutter entfernt;
SCA: Gendefekt; bricht spät aus, Patienten wirken wie betrunken;
Down-Syndrom: willensstark; größere gesundheitliche Probleme als andere Kinder
(z.B. schwerer Herzfehler); Diagnose 10.-13 Schwangerschaftswoche Ultraschall
Nackenfalte zu sehen (Flüssigkeitsansammlung); Ultraschall später: körperliche
Auffälligkeiten; 90% der Eltern entscheiden bei der Diagnose DS auf Abbruch der
Schwangerschaft; Diagnose Fruchtwasserentnahme: klare, gelbliche Flüssigkeit;
Betroffene gezeigt; Mitwirkung in Film, Lernen von Texten; stundenlange
Konzentration;
Mukoviszidose: 50 verschiedene Medikamente einnehmen + Inhalation + Atem- und
Hüpf-Therapie; im Notfall steht Sauerstoffgerät bereit; schmächtige
Erscheinung; 30-40 Jahre Lebenserwartung
(RTL 20.1.02 Glück mit Fehlern)
·
Gene produzieren Antikörper gegen Spermien, diese
Gene in Mais-Zellkerne eingepflanzt,
(The Observer - London 9-9-01)
·
Verwirklicht
wird die Patientenautonomie durch das Prinzip des informed consent, also der
informierten Zustimmung. Dieses Prinzip besteht aus zwei Grundannahmen:
1. Der Patient muss selbst entscheiden, welche Behandlungen er eingehen will
und wie sie durchgeführt werden sollen. Er und niemand anders, auch nicht der
behandelnde Arzt, hat über Ob und Wie einer medizinischen Behandlung zu
entscheiden und verleiht den mit ihr verbundenen Eingriffen in seine
Körperintegrität Legitimation und Rechtmäßigkeit.
2. Eine wirksame Entscheidung als Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes setzt
notwendig umfassende Aufklärung über Diagnose, Heileingriff, Risiken, Folgen
und Alternativen voraus. Nur wenn der Patient weiß, worum es geht, wird er
überhaupt in die Lage versetzt, eine ernstzunehmende und zu respektierende
Entscheidung zu treffen.
(GID 150/2002 S.16)
·
britische
Wissenschaftler haben Gen entdeckt, das für 70% aller bösartigen Formen von
Hautkrebs verantwortlich ist (in Melanomen als Mutation vorkommt)
(epd wochenspiegel ost 25/2002 S.23)
·
geklonte und
genetisch manipulierte Kälber in USA produzieren in ihrem Blut menschliche
Antikörper; ein künstliches Chromosom mit dem gesamten menschlichen
Antikörpererbgut eingeschleust
(Die Zeit 15.8.02)
·
Uni Gießen:
gentechnisch veränderte Karotte stellt Impfstoff gegen Hepatitis B her;
drastische Kostensenkung möglich;
in USA schon über 300 Versuche Freiland mit Pflanzen zur Produktion von
Pharmazeutika: zB Wachstumshormon, Blutgerinnungsmittel; am häufigsten genutzte
Pflanze ist Mais – ein Betreiber schätzt, dass 2010 weltweit 10% der Maisernte
der Medikamentenproduktion dienen werden
(GID 153, 8-9/2002 S.29)
·
Amsterdam;
Freisetzungsversuch genehmigt; 12 Patienten; jeder soll Milliarden von
gentechnisch veränderten Bakterien schlucken; Milchsäure-Bakterien so
verändert, dass sie einen Botenstoff (Interleukin-10) herstellen, der
Entzündungen abklingen lässt; Krankheit: chronische Darmentzündung Morbus Crohn;
(Der Spiegel 31/2002 S.121)
·
gentechnisch
hergestelltes Insulin: Kritiker: häufigstes Problem Unterzuckerung;
gentechnisch hergestelltes Insulin ist billiger herzustellen; Hersteller
behaupten: sicherer, weil keine Gefahr durch Tierkrankheiten
(GID 151 4-5/2002 S.29)
·
in Puerto Rico
Feldversuche mit so genannten Pharmapflanzen angelaufen; Mais, Gerste, Soja,
Reis und Tabak so manipuliert, dass sie Impfstoffe und andere Pharmazeutika,
menschliche Antikörper, aber auch Enzyme für die Industrie und Laborchemikalien
produzieren; seit 1991 mindestens 300 solcher Versuche bewilligt, ohne dies
öffentlich zu machen
·
eine bestimmte
Art von gentechnisch hergestelltem Erythropoietin (EPO) hat bei Patienten
lebensbedrohliche Anämie hervorgerufen
(United Press International, Nov 2, 2002)
·
gentechnisch
hergestelltes Erythropoietin (EPO) schützt Patienten mit Niereninsuffizienz vor
einer drohenden Blutarmut; in Deutschland bekommen derzeit 87% der
dialysepflichtigen Patienten mit Nierenversagen ein EPO-Präparat gespritzt (160
Millionen Euro pro Jahr); im November 2002 Alarm: das Mittel Eprex ruft u.U.
bei Nierenkranken als Nebenwirkung eine dauerhafte Blutarmut hervor; sind
gentechnisch hergestellte Medikamente von verschiedenen Herstellern wirklich identisch?; in Bioreaktoren geht es beileibe
nicht so exakt zu wie in den Chemieanlagen der konventionellen Pharmaindustrie
(lebende Zellen); den Zellen in den Bioreaktoren werden athletische Leistungen
abgetrotzt: bis zu 40% ihrer gesamten Eiweißsynthese dienen der Herstellung des
Pharmawirkstoffs; zuweilen bilden sie falsch gefaltete Eiweiße oder bauen sie
wieder ab;
EPO ist ein körpereigenes Hormon, das in der Niere gebildet wird und die
Produktion der roten Blutkörperchen im Knochenmark ankurbelt. Fällt bei einer
Nierenschädigung die Hormonproduktion aus oder ist reduziert, kommt es zu einem
Mangel an roten Blutkörperchen, der Patient fühlt sich matt und schwach. Der
zugeführte Wirkstoff EPO soll den Hormonmangel kompensieren und der Blutarmut
entgegenwirken.
der Wirkstoff für Erypo/Eprex wird in Kulturen von gentechnisch veränderten
Hamsterzellen produziert,;
(Die Zeit 12.12.02 S.35; GID 155/2002-2003 S.36)
·
Oelck (früher
AgrEvo); arbeitet an der Produktion von Pharmastoffen in Pflanzen; es wäre
sicherer, wenn man manche pharmazeutischen Wirkstoffe in ausgesprochenen
Nicht-Nahrungsmittelpflanzen herstellen würde; bisher aber fast alle Versuche
im Bereich „Molecular Farming“ mit gängigen Nahrungspflanzen wie Mais, Soja
oder Kartoffeln; bei diesen Pflanzen ist man in Forschung und Züchtung sehr
weit, sie lassen sich auf dem Feld anbauen
(GID 155/2002-2003 S.10)
·
„Krankheitsgene“
mit positiven Nebenwirkungen bekannt: so schützt die Sichelzellenanämie vor
Malaria, und der Gendefekt, der Mukoviszidose verursacht, vor Typhus und Cholera
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.167)
·
wenn die
Schutzkappen am Ende der Chromosomen, die so genannten Telomere abgenutzt sind,
steigt bei älteren Menschen das Sterberisiko; Verkürzung Ursache oder Folge der
Krankheiten?
(Die Zeit 6.2.03 S.31)
·
zur Zeit beträgt
der Anteil gentechnisch hergestellter Wirkstoffe, die in Deutschland auf dem
Markt sind, 9,6%; in der klinischen Erprobung beträgt der Anteil 25,9%
(Bild der Wissenschaft 8/03 S.23)
·
Diabetes; in D. fünf
Millionen Betroffene, davon 300000 Typ I, 4,8 Mill. Typ II; weltweit 1985 30
Mill, derzeit etwa 194 Mill, in 20 Jahren werden 330 Mill erwartet;
Typ I jugendlicher D.: Ursache wahrscheinlich Autoimmunschädigung; tritt häufig
zwischen 11. und 15. Lebensjahr auf, Patienten müssen sich zeitlebens Insulin
spritzen;
Typ II sog. Altersdiabetes: am Anfang der Krankheit fehlt nicht Insulin – im
Gegenteil produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr I., Zellen können das I.
nicht mehr richtig verwerten;
um 1930 Gewinnung von Insulin aus Hunden und Anwendung am Menschen;
kritisches zum gentechnisch hergestellten Humaninsulin: nicht besser als
Schweineinsulin, Kunstinsuline („Insulinanaloge“ – in D. drei auf dem Markt –
einzelne Bausteine gegenüber dem natürlichen Insulin verändert) nicht in
langfristigen Studien getestet (Krebs?), deutsche Diabetes-Gesellschaft
bestreitet Risiken;
(Die Zeit 20.11.03 S.11ff)
·
Diabetes
jährlich 7,7 Mrd. Euro Behandlungskosten;
Insulinproduktion bei einem gesunden Erwachsenen: etwa 2 Gramm pro Tag; Insulin
hat die Aufgabe, die Aufnahme von Glukose in die Zellen von Fettgewebe, Organen
und Muskeln zu beschleunigen, dadurch wird Glukose aus dem Blut entfernt und
der Blutzuckerspiegel gesenkt; um seine Aufgabe zu erfüllen, bindet das Insulin
an spezielle Strukturen auf den Zelloberflächen – dadurch wird die Zellmembran
für Glukose durchlässiger, die Tür zur Zelle wird sozusagen aufgeschlossen;
Diabetes Typ I: allergische Abwehrreaktion gegen die eigene Bauchspeicheldrüse;
weiße Blutkörperchen greifen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an;
1921 Insulin entdeckt, 1922 erstmals mit Extrakt erfolgreich Menschen
behandelt, 1923 Nobelpreis;
neues gentechnisch hergestelltes Humaninsulin-Analogon: Insulin glargin =
Basalinsulin mit kontinuierlicher Wirkdauer über 24 Stunden; bei diesem
Analogon wurde inn der A-Kette an Position 21 Asparagin gegen Glycin
ausgetauscht und die B-Kette am Carboxylende um 2 Arginine verlängert
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was verraten
unsere Gene? 82 Seiten S.45)
·
Insulinmolekül
besteht aus einer 21 Aminosäuren langen A-Kette, welche über 2 Disulfidbrücken
mit der 30 Aminosäuren langen B-Kette verbunden ist
(Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 257. Auflage 1994, S. 726)
·
seit Markteinführung
des Humaninsulins als erstem gentechnisch hergestelltem Therapeutikum im Jahr
1982 stieg die Zahl rekombinanter Arzneimittel in Deutschland bis 2000 auf rund
60 zugelassene Medikamente mit 42 verschiedenen Wirkstoffen; derzeit 250
Präparate in verschiedenen Stadien der klinischen Prüfung; langfristig 20-25%
aller zukünftigen Medikamente aus gentechnischer Produktion
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was
verraten unsere Gene? 82 Seiten S.72)
·
Multiple
Sklerose; Behandlung u.a. mit entzündungshemmenden Botenstoffen wie
Beta-Interferonen (unterdrücken die Schübe oder zögern sie zumindest hinaus);
Der Wirkstoff von BETAFERON ist Interferon beta-1b; dieses Protein wird
gentechnisch hergestellt und ähnelt dem Interferon, das im menschlichen Körper
zur Regulierung des Immunsystems beiträgt
(Ökotest 10/03 S.78; Infomaterial Betaferon/Schering)
·
in Deutschland
leiden etwa 5 Millionen Menschen an unterschiedlichen Diabetesformen; den Etat
der Krankenkassen belastet die Krankheit jährlich mit 20 Milliarden Mark
(Die Zeit 24.2.2000 S.39)
·
gentechnische
Herstellung von Humaninsulin:
das verantwortliche Gen wurde aus dem Produkt, dem Protein, rekonstruiert; dazu
wurde die DNS aus der Abfolge der Eiweißbausteine „rückübersetzt“; durch diese
Methode war das für die Insulinproduktion verantwortliche DNS-Stück schon von
den störenden Introns befreit
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.129)
·
derzeit in
Deutschland 106 gentechnisch hergestellte Arzneimittel auf dem Markt, 14 aus
heimischer Produktion, kein Akzeptanzproblem mehr
(taz 2.9.04)
·
gentechnisch
hergestellte Medikamente in Deutschland (Anteile):
auf dem Markt 9,6%
in der Zulassung 12,2%
in Zulassungsstudien..19,9%
in Erprobungsstudien 25,9%
(bild der wissenschaft 8/04 S.23)
·
Virotherapie:
genmanipulierte Viren zerstören Krebszellen;
gentechnisch veränderte Viren spüren Tumorzellen auf, dringen in diese ein,
vermehren sich, zerstören dabei die Krebszellen, dabei werden neue Viren
freigesetzt, so wird der Tumor selbst zur Produktionsstätte von
„Tumor-Medikamenten“,. Nachschub stoppt erst, wenn letzte Krebszelle vernichtet
ist, Restviren werden durch körpereigene Enzyme zerlegt und entsorgt;
in den USA derzeit 20 Studien Phase II;
Adenoviren bevorzugt: vermehren sich schnell und integrieren ihr Erbgut
grundsätzlich nicht in das der befallenen Wirtszelle;
evtl. auch Viren zusätzlich gentechnisch verändern, dass sie entweder mehr
„Andockstellen“ nutzen können oder gezielt zusätzliche Eiweiße produzieren, die
Stoffwechsel der Tumorzellen lahm legen;
Zukunft der Virotherapie in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie
(NZZ 11.11.04)
·
immer mehr
Pharmafirmen stellen die Produktion von tierischem Insulin ein; eine kleine
Minderheit von Diabetikern (in Deutschland 400) reagiert auf Humaninsulin mit
schweren allergischen Reaktionen (bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen);
gilt auch für da humanidentische Insulin, das mithilfe von Gentechnik
hergestellt wird; gefährdete Patienten sollen importiertes tierisches Insulin
bekommen
(taz 25.2.05)
·
tierisches
Insulin wird knapp; in Deutschland wird tierisches Insulin für Diabetiker nicht
mehr angeboten (Gewinnerwartungen für Hersteller zu gering, bei Studien für
Neuzulassung zu hoher Aufwand); rund 400 Menschen reagieren mit Allergien bis
hin zu Lebensgefahr auf körperidentisches Insulin („Humaninsulin“, das
gentechnisch hergestellt wird JK); Ausweg wäre die Anerkennung als „Orphan
Drugs“ (Medikamente für sehr seltene Erkrankungen – hier gelockerte
Zulassungskriterien); dann Import z.B. aus England oder der Schweiz möglich
(taz 29.4.05)
·
Humalog 100
E/ml: Wirkstoff ist Insulin lispro; dies ist eine im Labor hergestellte Form
menschlichen Insulins, seine Wirkung setzt rascher ein als die des menschlichen
Insulins, da das Insulinmolekül leicht verändert wurde
(Beipackzettel von HUMALOG – Hersteller: Eli Lilly)
·
letzter deutscher Hersteller von tierischem Insulin (Berlin
Chemie AG) stellt Produktion ein; neues Zulassungsverfahren zu teuer, mindestens 400 Menschen in D. darauf angewiesen
(Unverträglichkeit, Unterzuckerung bei gent. Insulin), jetzt: Import aus dem
Ausland;
vor 1982 reagierten 12% der Behandelten allergisch auf tierisches Insulin
(„Humaninsulin“ für sie wurde halbsynthetisch aus Schweineinsulin hergestellt)
(GID 170/2005 S.38)
·
weltweiter
Umsatz mit rekombinanten Biopharmazeutika 2004: etwa 45 Milliarden Dollar = 4%
des globalen Pharmamarktes, derzeit Wachstum um 40% pro Jahr;
Anteil Biopharmazeutika aus transgenen Pflanzen: Optimisten schätzen für USA
2011 Umsatz von 2,2 Mrd Dollar und 2013 weltweit 40 Mrd Dollar;;
nach sehr optimistischen Schätzungen verursacht die Nutzung transgener Pflanzen
zur Medikamentenproduktion lediglich ein Hundertstel bis ein Tausendstel der
Kosten, die bisher für ein pharmazeutisches Protein, etwa aus Hefe- oder
Säugetierzellen, kalkuliert werden; Kosten für maisbasiertes Pharmaprotein z.B.
10-100 Dollar je Gramm, herkömmlich 1000 Dollar je Gramm;
Problem: Pharmaproteine aus transgenen Pflanzen besitzen eine andere Struktur
als aus Hefe- oder Säugetierzellen (bedeutet zusätzliche Risikoprüfung);
noch keine Medikamente aus transgenen Pflanzen auf dem Markt; in den USA ein
Reis zugelassen, der zwei Substanzen produziert (bisher kein kommerzieller
Anbau erlaubt worden); klinische Erprobung Stufe III für einen
Anti-Karies-Antikörper
(GID 173 Dez05/Jan06 S.34)
·
USA: Versuche,
gentechnisch veränderte Pflanzen zur Produktion hochwirksamer Arzneistoffe
unterirdisch in stellgelegten Bergwerken anzubauen
(Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/r4/artikel/20/20588/1.html)
·
S.8: in
Deutschland sind gegenwärtig 106 gentechnologische Arzneimittel auf dem Markt;
derzeit befinden sich in den USA mehr bio- und gentechnologisch entwickelte
Produkte in der klinischen Prüfung als „klassisch“ produzierte
S.11: 2003 gent. erzeugte Arzneimittel Umsatz 1,7 Mrd Euro = 8,6% des
Gesamtmarktes deutscher Arzneimittel
S.12: Impfstoffe z.B. gegen Kinderlähmung, Keuchhusten, Wundstarrkrampf,
Diphterie, Röteln und Hepatitis werden gentechnisch hergestellt
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft 2005)
·
in einer
weltweiten Datenbank sind inzwischen 17.000 Störungen und Krankheiten mit
Gen-Bezug erfasst; 1976 waren es erst 1.700; nur ganz selten werden neue
Krankheiten entdeckt, aber bereits bekannte immer weiter aufgeschlüsselt
(taz 25.8.06)
·
in Deutschland wird seit 2005 kein tierisches Insulin mehr hergestellt
und vertrieben; nur noch gentechnische Produktion
(GID 178 10/11-2006 S.62)
·
seit Ende der 1990er Jahre Insulinanaloga; dabei verschiedene Aminosäuren
gegenüber dem natürlichen Insulinmolekül des Menschen ausgetauscht;
beim Humaninsulin von Hoechst stammt die (originale) genetische Information für
die Herstellung von Makaken, einer Affenart, deren Insulin-Aminosäurefrequenz
derjenigen des Menschen entspricht;
tierische Insuline zunehmend vom Markt verdrängt; für rund 400
Diabetespatienten, die auf Humaninsulin mit schweren Unverträglichkeiten
reagieren, schwierige Lage;
Humaninsulin ist ein synthetisches Insulin, das auf der Grundlage der humanen
Insulin-Aminosäuresequenz von gentechnisch veränderten Mikroorganismen
produziert wird. Fehlfaltungen und Verunreinigungen des Insulins könnten dessen
Wirkung im Körper herabsetzen, Erkrankungen bzw. eine Immunabwehr zur Folge
haben.;
Mikroorganismen besitzen die Proteine für die (richtige) Proteinfaltung nicht
(GID 179 12-2006,1-2007 S.12)
·
USA; Gen p53 hat
die Aufgabe, die Teilung defekter Zellen zu verhindern (Reparatur von
DNA-Schäden oder „Selbstmordprogramm“ starten JK); fällt dieser Schutz weg, ist
oft Krebs die Folge; Mäuse konstruiert, in denen sich p53 mit einem genetischen
Trick auf Wunsch angeschaltet werden kann; Resultat: in kurzer Zeit bildeten
sich die Tumore bei den Mäusen zurück
(taz 26.1.07)
·
im Oktober 2006
wurde ein Impfstoff gegen humane Papilloma-Viren zugelassen; verspricht fast
hundertprozentigen Schutz gegen zwei krebserregende
Viren(Gebärmutterhalskrebs); gentechnisch hergestelltes Hülleneiweiß von 4
Viren;
(GID 180 2-3/2007 S. 4)
·
Diabetes:
Deutschland derzeit 7,4 Millionen Erkrankte (9% der Bevölkerung betroffen); in
den 1960er Jahren waren es lediglich 0,6%;
Typ I: Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr; Immunsystem
klassifiziert die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse als
„fremd“ und zerstört gezielt die Beta-Zellen;
“Insulin ist der Schlüssel, der (spezielle) Türen in den Körperzellen
aufschließt, damit energiespendender Zucker in sie eintreten kann“
1922 erstmals Injektion von Rinderinsulin bei einem Patienten;
1923 industrielle Gewinnung von Rinderinsulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe
1955 Entschlüsselung der Aminosäuresequenz von Rinderinsulin
1982 erstes gentechnisch hergestelltes Humaninsulin, 1983 technische
Herstellung
1996 erstes Insulin-Analogon: nach menschlichem Vorbild gentechnisch
hergestellte Insuline, deren Eigenschaften durch „Umbauten“ im Molekül
verbessert wurden
durch Transplantationen kann im Idealfall die Insulinproduktion des Körpers
wiederhergestellt werden, bis 2004 weltweit mehr als 23.000 Transplantationen,
¾ in den USA
(bild der wissenschaft plus, Beilage zu Heft 10/2007 Diabetes)
·
Designer-Embryo
mit drei Eltern;
britische Forscher, Ziel: Weitergabe von Erbkrankheiten verhindern, die über
die (nur über die mütterliche Eizelle weitergegebenen) Mitochondrien vererbt
werden;
in einer Eizelle befinden sich etwa 100.000 Mitochondrien, für
Energieversorgung der Zelle zuständig; M. besitzen eigenes Genom (17.000
Basenpaare, 37 Gene);
Forscher übertrugen den Zellkern aus einem frühen Embryo in eine zuvor
entkernte Embryonenhülle, die aber noch „ihre“ ursprünglichen Mitochondrien
enthielt;
der sich daraus entwickelnde Embryo besaß nun die Kern-DNA des ersten Embryos
und das Mitochondrien-Genom des zweiten Embryos, hat somit 2 genetische Mütter
und einen genetischen Vater;
in der klinischen Anwendung soll später die Kern-DNA in eine Spender-Eizelle
übertragen werden
(taz 8.2.08)
·
Argentinien; Klonkuh nach dem Dolly-Verfahren hergestellt; menschliche
DNA in ihr Erbgut eingeschleust; mit der Milch soll Insulin produziert und
abgegeben werden; vermutlich mindestens 30% billiger als Insulin aus bakterieller
Produktion; 25 geklonte Kühe könnten den Insulinbedarf für alle 1,5 Millionen
argentinischen Diabetiker abdecken
(Spiegel 9-2008 S.65)
·
Das Anti-Thrombose-Mittel ATryn ist dasc erste in Deutschland zugelassene
Arzneimittel, das über gentechnisch veränderte Tiere gewonnen wurde; Wirkstoff
aus der Milch von Ziegen, denen ein Gen zur Produktion des Proteins eingebaut
wurde; interessant: kein Blockbuster, sondern Mittel für eine seltene Krankheit
(GID 188 Juni 2008 S.38)
·
Rekombinante Arzneimittel (= gentechnisch hergestellt) mach nach Angaben
des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller VFA mit 3,13 Milliarden Euro bereits
12 % des Arzneimittelumsatzes in deutschen Apotheken und Krankenhäusern aus
(GID 187 April 2008 S.28)
·
von Ärzten
millionenfach verordnet, stellt sich nun heraus, dass das Analoginsulin Lantus
das Krebswachstum fördern kann, Daten von fast 130.000 deutschen Diabetikern
wurden ausgewertet; knapp 3.500 Krebsfälle pro Jahr könnten auf Lantus
zurückzuführen sein;
Analoginsuline sind gentechnisch hergestellte Varianten des normalen Insulins
(einzelne Aminosäure-Bausteine gegenüber dem normalen menschlichen Insulin
verändert bzw. vertauscht, um Wirkung des Insulins zu verändern – besonders
schnell oder verzögernd wirksam);
Umsätze mit Lantus 2009 geschätzt: 3 Mrd. Euro;
wahrscheinlich löst Lantus zwar keinen Krebs aus, aber wirkt wie eine Art
Dünger auf bereits vorhandene bösartige Zellen; bislang ist ein ursächlicher
Zusammenhang nicht exakt belegt;
auch die behaupteten Vorteile der Insulin-Analoga generell sind umstritten (der
nicht mehr nötige Ess-Spritz-Abstand etwa)
(Der Spiegel 27-2009 S.104)
·
Designerinsulin
Glargin, Handelsname Lantus;
der Konzern Sanofi-Aventis erzielte damit 2008 weltweit einen Umsatz von 2,45
Mill. Euro; das Produkt ist 35 bis 60% teurer als vergleichbare Humaninsuline;
allein in Deutschland injizieren sich 400.000 Menschen täglich Glargin unter
die Haut; nur einmal – als Grundmedikation (das ist der Vorteil des
Langzeitinsulins), bei Humaninsulin muss 2 x täglich gespritzt werden, in
beiden Gruppen kommt noch je eine Spritze nach jeder Mahlzeit dazu (der
Unterschied beläuft sich also auf 4 oder 5 Spritzen jeden Tag, man erspart sich
beim Langzeitinsulin 365 Spritzungen im Jahr)
(Die Zeit 2.7.09 S.35)
·
USA; erste klinische Tests geplant (in 1 bis 3 Jahren) zum Einsatz von
Tiergewebe beim Menschen (Xenotransplantation);
Insulin-produzierende Zellen von Schweinen beim Menschen einsetzen, um damit
Diabetes zu behandeln;
Schweine sind gentechnisch so verändert, dass ihnen ein Molekül an der
Zelloberfläche fehlt, das vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt und
abgestoßen würde;
zusammenarbeit mit anderem Institut, in dem Schweine durch gentechnische
Eingriffe ungewöhnlich viele Insulin-produzierende Zellen in der
Bauchspeicheldrüse besitzen
(GID Nr.192 2-2009 S.28)
·
US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat das Anti-Thrombose-Mittel ATryn
der Firma GTC Biotherapeutics zugelassen;
der Wirkstoff wird aus der Milch von Ziegen gewonnen, denen ein Gen zur
Produktion des gewünschten Eiweißes (Antithrombin) eingepflanzt wurde, und wird
zur Vermeidung von Thrombosen verschrieben;
Firma unterhält eine Herde von 200 genetisch modifizierten Ziegen; die Menge
des Wirkstoffs, die aus der Milch einer Zige im Jahr gewonnen werden kann,
entspricht einer Anzahl von 90.000 Blutspenden;
eine Zellkultur-Fabrik (Hamsterzellen; für andere Arzneimittel) kostet
Millionen Dollar, Ziegen auf der Wiese deutlich weniger
(GID Nr.192 2-2009 S.38)
·
Aktuelle Richtlinien und Stellungnahmen der Bundesärztekammer zu
Fortpflanzungsmedizin und vorgeburtlicher Diagnostik mit weiteren LINKS zu den
Texten: http://www.baek.de/page.asp?his=0.6.3287
·
Nur mit Hilfe
von Gentechnik können Pharmaunternehmen künstliche Antikörper produzieren, die
vom Patienten nicht abgestoßen werden;
Sie haben ein völlig neues und ziemlich exotisches Produktionssystem für
Antikörper entwickelt: Mooszellen, genauer: Zellen des Kleinen
Blasenmützenmooses (Physcomitrella patens). „Mooszellen haben viele Vorteile“,
sagt der Biologe Gilbert Gorr, wissenschaftlicher Berater und bis vor Kurzem
Forschungsleiter der 1999 gegründeten Firma. „Sie sind einfach zu kultivieren,
zuverlässig und kostengünstig. Sie brauchen eigentlich nur Wasser, Mineralien
und Licht zum Wachsen. Und: Es gibt keine Pflanzenviren, die auf den Menschen
übertragbar sind.“;
Außerdem lassen sich Mooszellen genetisch einfach manipulieren. Im Gegensatz zu
höheren Pflanzen und auch zum Menschen haben Moose nur einen einfachen
Chromosomen-Satz. Wenn die Forscher die Gen-Information für einen speziellen
Antikörper in Mooszellen einbauen, können sie die Zellen anschließend sofort
benutzen. Sie müssen die Pflanzen nicht erst kreuzen, wie es bei Tabakpflanzen
nötig wäre, die ebenfalls als Biopharma-Produzenten genutzt werden. Die
Mooszellen wachsen als freischwimmende Zellen in Biofermentern und geben die
Antikörper in die Nährlösung ab. Die Biotechniker können sie dann relativ
einfach herausfischen und reinigen.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.26)
·
Gemessen an der
Zahl aller auf dem Markt befindlichen Medikament, beläuft sich der Anteil der
gentechnisch hergestellten bislang nur auf fünf Prozent, allerdings ist die
Tendenz steigend. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass einige Präparate von
mehreren Herstellern, andere nur in leicht abgewandelter Kombination vom selben
oder verschiedenen Unternehmen hergestellt und dann als jeweils neues
Medikament gerechnet werden. So sollen nach Ankündigung der vfa-Vorsitzenden
Cornelia Yzer allein bis 2013 „zehn neue Medikamente gegen rheumatische
Erkrankungen“ auf den Markt kommen. In dieser Strategie der „individualisierten
Medizin“ sehen die Firmen ohnehin das höchste Potential zur
Wachstumssteigerung. Abgesehen von solchen Mitteln, die Entzündungsprozesse
blockieren sollen, sind gentechnische Arzneien vor allem in der Krebstherapie,
Diabetes und im Impfbereich präsent (Hepatitis B- und HPV-Impfung).
Wachstumshormone und Blutgerinnungsfaktoren gehören ebenfalls traditionell zu
den gentechnisch hergestellten Arzneien.
(Spiegel online, 02.08.10; vfa.de, 11.03.11; FAZ, 06.05.11) (mf) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/206/kurz-notiert-mensch-und-medizin
)
·
·
Q:
Gentechnik, Bayerisches Umweltministerium 1/94
- Genom-Diagnose
Anwendung nur, wenn auch Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen; Ablehnung:
Einstellungsuntersuchungen, Versicherungsschutz; Freiwilligkeit wahren
·
Dtsch.
Ärzteblatt 1-2/98, S.A-32: Morbus Huntington
* Problemfaktoren
praktisch absolute Diagnosesicherheit
durch Gentest
„unbeabsichtigte“ Mituntersuchung von
Eltern und Verwandten
Manifestationsalter und Verlauf?
Keine kausale TherapieFISH-Test
(Fluoreszenz-in Situ-Hybridisierung): Gensonde wird mit Fluoreszenz-Farbstoff
markiert, lagert sich an Chromosom an
(bdw 2/2000 S.49)
·
SPIEGEL
17/98 S.38 Gen-Datenbank
Haut, Haare, Knochen Verstorbener, 10 Jahre alte Zigarettenkippe;
DNS-Abdruck verrät die Verwandtschaft
·
Dtsch.
Ärzteblatt 22/98 S.A-1396
Richtlinien zur Diagnostik der genetischen Disposition für Krebserkrankungen
·
Bild der
Wissenschaft 3/98 S.35
- max. 10% der Krebs-Todesfälle auf ererbte genetische Vorbelastung
zurückzuführen
- etwa 5-10% aller Brustkrebserkrankungen gehen auf Vererbung zurück; 2
BRCA-Gene - aber nur bei 1/3 der brustkrebskranken Frauen nachweisbar
·
Präkonzeptions-
oder Präfertilisations-Diagnostik;
im Rahmen des ESchG zulässig;
Gen-Untersuchung an Polkörperchen, die von weiblichen Eizellen gebildet werden:
während der Reifeteilung wir die eine Hälfte des Genoms in das P. gepackt =
eine verkümmerte Zelle, die sich zwischen der Eizelle und dem Eihäutchen
befindet; Erbgut kann untersucht werden
Regine Kollek, taz 23.2.2000)
·
Vaterschaftstests,
Kriminalistik: Informationen gewinnt man aus sinnleeren Abschnitten des Genoms,
weil dort die größten Abweichungen ohne gesundheitliche Folgen möglich sind;
bei Neigung zu Mehlstaubasthma sollte man keine Bäcker-Lehre beginnen;
Farbenblinde dürfen nie Pilot werden
(bdw 2/2000 S.44; Jens Reich)
·
Senatskommission
der DFG:
prädiktive Tests ausschließlich im Gesundheitsbereich anwenden;
darf nur erfolgen, wenn der Betroffene zugestimmt hat, zuvor ausführlich
aufgeklärt wurde;
Recht auf Nichtwissen
nicht bei Kindern und Jugendlichen, wenn es sich um eine erst bei Erwachsenen
auftretende Krankheit handelt
am Arbeitsplatz nur bei unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit oder bei
Gefahr erheblicher Gefährdung anderer Personen
(VFA: Gene und Genom)
·
prädiktive
Diagnostik: Voraussage über künftige Erkrankungen oder gesundheitliche Risiken;
zusätzliches Wissen macht Entscheidungen nötig, wo vorher keine nötig waren;
Freiwilligkeit der Inanspruchnahme von Gendiagnostik;
Recht auf Nichtwissen der eigenen genetischen Ausstattung,
Recht auf Selbstbestimmung, welche genetischen Daten über einen selbst erhoben
werden
(Barth, EKD: epd-wochenspiegel 27/2000 S.4)
·
von etwa 10000
menschlichen Genen ist die Funktion bekannt (bei 100000 - 140000 Genen);
(Spiegel 15/2000 S.172ff)
·
nur von 5000 der
etwa 100000 menschlichen Proteine weiß man, welche Funktion sie im Körper
haben;
etwa 200 spezialisierte Zelltypen;
(MPI für Molekulare Zell-Biologie und Genetik, Das Leben unter der Lupe, 2000?,
S.13)
·
Versicherer in
Frankreich droht mit Kündigung der Lebensversicherung, weil Patientin nicht auf
Huntington hingewiesen hat (1997)
USA Fluggesellschaften lassen schwarze Angestellte auf Sichelzellenanämie
testen; auch ohne ihr Wissen;
geschätzt USA 30% aller Einstellungen genetische Tests;
Februar 2000: frz. Versicherer kündigt an, für Eltern behinderter Kinder
Policen zu verdoppeln, nach Protesten einstweilen zurückgestellt
(Le Monde diplomatique / taz Mai 2000 S.1/12)
·
Dr. Kobelt
(genetische Beratung):
wir können Diagnosen stellen, aber keine individuellen Prognosen (für den
Krankheitsverlauf) machen;
Schwergrad von Erbkrankheiten in der Regel nicht aus dem Erbgutbefund heraus
abzuschätzen;
Mukoviszidose: 30 der 800 bekannten Mutationen des Gens werden in der Diagnose
routinemäßig erfaßt (damit etwa90% der Erkrankungsfälle erfaßt);
eindeutige gezielte Suche nach spezifischen Genen für Erbkrankheiten erst
möglich, wenn ein Krankheitsfall in der Familie bekannt ist;
Down-Syndrom: normale Häufigkeit 1:700, bei Alter der Mutter von 35 Jahren:
1:350 - nur wegen dieser Verdopplung ab 35 Jahren für das Risiko wird eine
unangemessene Hektik entfaltet;
Fall: Frau 25 Jahre alt, Triple-Test i.O., Ultraschall i.O., trotzdem wird Kind
mit Down-Syndrom geboren...;
derzeit für >200 Krankheiten genetische Untersuchungen verfügbar;
6000 monogen bedingte Krankheiten;
(Synode Sachsen, Sitzung Sozial-ethischer und Diakonischer Ausschuß 12.7.2000
Leipzig)
·
irreführende
Meldung der letzten Tage: „London erlaubt Gentest für Krankenversicherungen“;
in den USA dürfen in einigen Bundesstaaten Versicherungen und Arbeitgeber
genetische Untersuchungen verlangen, bevor sie eine Versicherungspolice
ausstellen oder einen neuen Mitarbeiter einstellen; bei Vorliegen der Anlagen
für eine Erbkrankheit z.B. Verweigerung des Vertragsabschlusses oder höhere
Prämien möglich;
so weit ist es in Großbritannien noch nicht!-
lediglich zwei Testverfahren für Chorea-Huntington-Krankheit amtlich bestätigt;
Versicherungen dürfen den Test nicht verlangen, aber wie bisher schon nach dem
Ergebnis bereits durchgeführter genetischer Untersuchungen fragen (so auch
Regelung in Deutschland)
taz 20.10.2000
·
Euphorie
angesichts der Entschlüsselung des menschlichen Genoms: FAZ druckt 6 Seiten
Gensequenzen – recherchiert: 1 Pseudogen und Rest Non-sense-Sequenzen!;
Sloterdijk weiß nicht, wovon er spricht!;
monogene Krankheiten: 3-5% aller Krankheiten;
klassische monogene Krankheit ist Mukoviszidose, zähes Sekret verstopft die
Lunge (in anderen Fällen auch stärker Bauchspeicheldrüse betroffen oder
Samenwege verstopft), führt im Erwachsenenalter zum Tode, >900 Allele, Karl
Jaspers hatte milde Form dieser Krankheit;
Alpha-1-Antotrypsin: bei Fehlen: Lungenemphysem, Tod mit etwa 50 Jahren, nur
80% der Träger erkranken (Umweltfaktoren?);
prädiktive, präsymptomatische Diagnostik: Vorhersagbarkeit einer Krankheit bei
einem noch Gesunden;
spät manifestierende Erbgänge: Beispiel Chorea Huntington, 1:10000, im 40./50.
Lebensjahr einsetzend, ungewöhnliche Bewegungsabläufe, Persönlichkeitsverlust;
Erfahrung: die meisten Behinderten erleben
- trotz Leid und Todesnähe – ihr Leben als lebenswert;
Illusion bei den Nazis wie bei den Behinderten-Verbänden: man könnte/würde
durch Tötung/Abtreibung Behinderter die Erbkrankheiten loswerden
TU Dresden, Vortragsreihe Biotechnologie – Zukunft der Menschheit? Prof. Claus
Bartram, Heidelberg, 16.11.2000 „Prädiktive Diagnostik – Chancen und Probleme“
·
Interview
Catenhusen: Bundesregierung will Zwangs-Gentests verbieten, Kranken- und
Lebensversicherungen sowie Arbeitgeber dürfen vor Vertragsabschluß keine
Gentests verlangen
Öko-Test Magazin 1/01 S.8
·
Gesamtverband
der Deutschen Versicherungswirtschaft: Momentan und in absehbarer Zukunft
werden die Versicherungsunternehmen weder Gentests als Mittel der
Risikodifferenzierung verlangen noch ausdrücklich nach durchgeführten Gentests
fragen.“ Der Verband weist aber gleichzeitig auf die vorvertragliche
Anzeigepflicht hin. Nach dieser erwarten die Unternehmen „die Offenlegung
gesundheitsrelevanter Informationen, ohne dass nach deren Herkunft
unterschieden wird.“ Ein versicherter, der das Ergebnis seines Gentests kennt,
muss dieses auch der Versicherung mitteilen.
Deutsches Ärzteblatt 43/2000 S.A2818
·
USA: Ehepaar mit
2-jähriger Mukoviszidose-Tochter will zweites Kind, Versicherung übernimmt
Krankheitskosten nicht, wenn auch das zweite Kind mit M. zur Welt kommt
(Arbeitskreis Leben mit Mukoviszidose, Folien PID 9/2000 Folie 9)
·
Stimmt
Behauptung (Regine Kollek), dass bei M. 3-5% der Merkmalsträger nicht krank
werden?
Nein. Merkmalsträger erkranken immer, zeigen aber u.U. nur leichte Symptome,
Erkrankung wird manchmal erst im Erwachsenenalter festgestellt (z.B. wenn
Männer sich wegen Zeugungsunfähigkeit untersuchen lassen); bei den häufigen und
schweren Mutation im CF-Gen immer auch deutliche Erkrankung; bei seltenen
Mutationen oder zwei verschiedenen Mutationen auf den beiden 7er Chromosomen
unter Umständen teilweise Funktion des Gens möglich
(Telefongespräch mit Dr. Harter, Mukoviszidose e.V. 5.7.01)
·
13. Symposium
für genetische Pädiatrie in Chemnitz
Erkennen von seltenen genetisch bedingten Erkrankungen an geborenen Menschen
oft nur durch Genetiker möglich; klinische Erfahrung (Foto – Erkennen des
Syndroms);
Gefahr falscher Behandlung; Familie des Kranken möchte wissen, ob und in
welcher Größenordnung Wiederholungsrisiko besteht
(Freie Presse 10.7.01)
·
Gesetzentwurf
der Grünen zur Gendiagnostik
nur ein Arzt darf einen Gentest verschreiben;
nur zugelassene Gentests, freier Verkauf untersagt,
unerlaubte Gentest, rechtswidrige Weitergabe und Verwertung genetischer Daten
unter Strafe gestellt;
Verbot von Gentests bei Einstellungen (Ausnahmen, z.B. Flugpiloten –
Veranlagung für Ohnmachten?);
Versicherungen dürfen nicht nach einem Gentest fragen oder ihn anordnen (aber
wenn der Versicherungsnehmer bei Abschluss eines Vertrages Kenntnis von einer
Erbkrankheit hat, darf er das nicht verschweigen;
Recht auf Nichtwissen;
(taz 23.5.01)
·
Positionspapier
des BMGesundheit
seit 1988 Moratorium der Versicherer, keine Genomanalysen zu verlangen, doch
liegt ein Test vor, müssen die Ergebnisse vor Vertragsabschluss mitgeteilt
werden;
BMGes will diese Praxis verbieten;
niemand darf wegen seiner erblichen Veranlagung diskriminiert werden, nur
spezialisierter Arzt darf Diagnostik durchführen, über Weitergabe der
Ergebnisse entscheidet der Patient allein;
Versicherungen laufen Sturm;
In Österreich, Frankreich oder Belgien hat ein solches Verbot bislang keine
praktischen Auswirkungen
(Berliner Zeitung 11.6.01)
·
Gesundheitsdaten
von Arbeitnehmern, für Kranken- und Lebensversicherungen?
dürfen weder verlangt noch angenommen noch sonst wie verwertet werden
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen
Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)
·
in Deutschland
bietet die genetische Familienberatung, die sich vor allem an werdende Eltern
richtet, derzeit rund 30 Gentests an. Es sind Tests auf sehr seltene
Erkrankungen, von denen oft unter 10000 Menschen betroffen ist. Insgesamt gibt
es erst für rund 500 der etwa 7000 bekannten Erbkrankheiten Gen-Tests.
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.80)
·
genaue
Krebstherapie erst möglich, wenn Krebsart genau bekannt ist;
auf einem speziell entwickelter Biochip aus den USA können die Aktivitäten von
rund 12000 Genen pro Tumorzelle abgefragt und archiviert werden
(taz 7.9.01)
·
das durch
Gentests erlangte Wissen bleibt nicht auf den Getesteten beschränkt, sondern es
werden immer auch Informationen über erbverwandte Dritte erlangt
(Das Parlament 19.10.01 S.2)
·
das
DNA-Identifizierungsmuster als solches enthält keinerlei Hinweis auf die
Persönlichkeit des Spurenverursachers
(Das Parlament 5./12.10.01)
·
Geschäft mit
Abstammungstests boomt: Wer ist wirklich mein Vater?; 5-10% aller Kinder sind
„Kuckuckskinder“, stammen von anderen Vätern; private Labors bieten Tests an;
datenschutzrechtliche und persönliche Probleme
(Die Zeit 19.7.01 S.30; 11.10.01 S.67)
·
Tumordiagnostik
mit Genchips
Die Therapie von Tumoren hängt entscheidend von der Art der Geschwulst ab. Es
kommt daher darauf an, das Gewebe möglichst genau zu charakterisieren. Todd R.
Golub vom Genomforschungszentrum des Massachusetts Institute of Technology in
Cambridge ist es gelungen, mit Genchips 78 Prozent der von ihnen untersuchten
Tumorproben richtig zu klassifizieren. Bei den Analysen wurden mehr als 1600
Gene berücksichtigt
(Frankfurter Allgemeine Zeitung Mittwoch, 02. Januar, Nr. 1 Seite N1)
·
bis zum Jahr
2005 seien alle monogen bedingten Erbkrankheiten diagnostizierbar
(taz 1.3.02)
·
Der Handel mit
Gentests hat sich zu einem florierenden Zukunftsmarkt entwickelt, der weltweit
bereits rund 1,3 Mrd. US-Dollar umsetzt. Für 2005 wird mit einem weltweiten
Umsatz von über 6 Mrd. US_Dollar gerechnet.;
Wird eine Person positiv auf Chorea Huntington getestet, deren Großvater an
dieser Krankheit erkrankt ist, dann steht damit fest, dass der
dazwischenliegende Elternteil ebenfalls ... an dieser Krankheit erkranken wird.
(GID 150/2002 S.15)
·
Eisenspeicherkrankheit
Haemochromatose; USA 41000 Personen untersucht, 152 hatten von beiden
Elternteilen mutierte Version des Gens geerbt, lediglich ein Patient zeigte
klare Symptome der Krankheit,
(GID 150/2002 S.28)
·
englische
Kosmetikkette bietet weltweit ersten frei verkäuflichen Erbgut-Check an;
9 Gene werden getestet, dann (allgemeine) Ratschläge für das Verhalten gegeben
(Spiegel 13/02 S. 190)
·
SPD plant
Gesetz, das Gentests auch in D. erlaubt; auch Kassenpatienten soll die
Möglichkeit haben, ihre Gene auf Krankheitsrisiken untersuchen zu lassen;
niemand soll zu Gentests gezwungen werden; nur Untersuchung auf Krankheiten,
die behandelbar oder vermeidbar sind; umfassende Beratung durch Arzt
verbindlich;
(Spiegel 18/02 S. 19)
·
Kaufmännische
Krankenkasse (KKH) bietet allen Mitgliedern Test auf Erbkrankheit
Hämochromatose an; Eisen lagert sich in Geweben und Organen ab (Leber,
Bauchspeicheldrüse, Herz); Ursache: Mutation auf Chromosom 6; „Risikoperso“
ist, wer Mutation von beiden Eltern geerbt hat; jeder 400. Mitteleuropäer
„reinerbiger Anlageträger“; (nur) 9 von 10 H.-Patienten in D. sind reinerbige
Träger; nur jeder 10. wird tatsächlich (zwischen 50 und 60 Jahren) krank;
(taz 21.6.02)
·
Anhörung im
Bundestag zu Gentests;
Nach Auffassung des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen sind
Patienten, die nach einer genetischen Untersuchung wissen, dass der
Versicherungsfall bereits eingetreten sei oder unmittelbar bevorstehe, nicht
mehr versicherbar. Dabei unterscheide er zwischen diagnostischen und
prädiktiven Gentests. Habe der Antragsteller wegen klinischer Symptome einen
Gentest machen lassen, müssten die Ergebnisse dem Versicherer mitgeteilt
werden... Anders bewertet der Verband die prädiktiven Gentests, deren Auslöser
nicht Symptome oder Beschwerden sind, sondern Krankheitsfälle in der
Verwandtschaft. Sie enthüllten bestimmte Gendefekte, die irgendwann einmal zu
einer möglichen Erkrankung führen könnten – das sei eine Information, die von
den Versicherungen nicht verwendet werden dürfe. Dieser Position schloss sich
der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mit einer freiwilligen
Selbstverpflichtung bis zum Jahr 2006 an.
(Das Parlament 14.6.02)
·
Befragung USA:
550 Personen identifiziert, denen aufgrund ihrer genetischen Disposition für
eine Erkrankung ein Versicherungsvertrag oder ein Arbeitsvertrag verweigert
worden war
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.138)
·
in den USA
kommen in den nächsten Monaten Bio-Chips auf den Markt für molekulargenetische
Diagnosen, z.B. Mukoviszidose, mit bislang ungekannter Zuverlässigkeit;
Analyse soll nur noch einige Stunden statt bisher Tage dauern; können in der
Arztpraxis ausgewertet werden;
Biochips vorgestellt, auf die sich bis zu mehrere Zehntausend Gene
programmieren lassen; in Zukunft womöglich das ganze Erbgut eines Menschen auf
einem Chip auswerten
(GID 153, 8-9/2002 S.27)
·
prädiktive
(präsymptomatische) genetische Diagnostik
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 330)
·
Positionspapier
der Gesellschaft für Humangenetik (1996):
Die Abnahme der Prävalenz von genetisch bedingten Erkrankungen oder
Behinderungen in einer Bevölkerung kann ein möglicher Nebeneffekt, nicht jedoch
das primäre Handlungsziel der angewandten Humangenetik sein. Jedes überindividuelle
Handlungsziel birgt die Gefahr, dass durch die Mittel, die zur Erreichung
dieses Zieles eingesetzt werden, müssten, grundlegende Prinzipien verletzt
würden.
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 336)
·
etwa 0,5% aller Neugeborenen
weisen numerische oder strukturelle Chromosomenaberrationen auf, von denen der
größere Teil in einer elterlichen Keimzelle neu aufgetreten ist (Neumutation);
Monogen erbliche Krankheiten kommen durch die Veränderung eines einzigen Gens
zustande. Der Katalog von McKusick (OMIM) enthält gegenwärtig über 14000
Eintragungen. Jede Eintragung weist auf ein monogen erbliches Merkmal hin. Zur
Zeit sind 1700 monogen erbliche Merkmale molekulargenetisch charakterisiert.
Dies betrifft 1336 Gene;
etwa 100 Millionen Menschen sind weltweit von bestimmten Störungen der Bildung
des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der Thalassämie (autosomal rezessiv
erblich) betroffen;
beim CFTR-Gen, das bei Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose) Defekte
aufweist, sind über 950 Mutationen bekannt, deren klinische Konsequenz von
einer schweren, lebensbegrenzenden Lungenerkrankung über Verdauungsprobleme
durch Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse bis zur Unfruchtbarkeit von
Männern führt;
ein bestimmtes Krankheitsbild kann durch unterschiedliche Gendefekte
hervorgerufen werden: Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, welche über
einen fortschreitenden Sehverlust bis zur Erblindung führt, Mutationen in
mehreren Dutzend unterschiedlichen Genen können diese Augenkrankheit
hervorrufen;
selbst bei identischer Mutation in einem Gen kann das Krankheitsbild erheblich
variieren: Neurofibromatose Typ I, klinische Befunde reichen von bräunlich
pigmentierten Hautarealen über gutartige kosmetisch störende Tumoren bis zu
Skelettfehlbildungen oder bösartigen Hirntumoren;
Chorea Huntington: Risiko für die Manifestation der Krankheit von fast 100%;
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.12, 20f, 26f)
·
eineiige
Zwillinge sind für multifaktoriell erbliche Krankheiten häufig im Bereich von
40 bis 60% konkordant;
selbst wenn man alle genetischen Risikofaktoren kennt, die zusammengenommen die
genetische Disposition zu einer Krankheit ausmachen, wird die Vorhersagbarkeit
einer Krankheit maximal die Konkordanzrate eineiiger Zwillinge erreichen
können. Es wird also niemals möglich sein, mit genetischen Methoden das
Auftreten einer multifaktoriell erblichen Krankheit definitiv vorherzusagen
oder auszuschließen. Die Annahme eines genetischen Determinismus ist deshalb
falsch, entsprechende Sorgen sind unbegründet. Noch komplizierter ist die
Situation, wenn es um Funktionen des menschlichen Gehirns wie Intelligenz,
Kreativität oder sexuelle Präferenz geht... es ist offen, ob es jemals gelingen
wird, derartige Phänotypen eindeutig mit bestimmten Genen zu korrelieren.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.15f)
·
diagnostische
Chips: derzeit möglich, auf 1 cm2 Fläche mehr als 250000 verschiedene Oligonukleotide
anzuordnen;
DNA-Chips und Protein-Chips
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.19)
·
freiwilliges
Moratorium der Versicherungswirtschaft in Deutschland (zunächst bis 31.12.06):
aus Durchführung von prädiktiven genetischen Tests wird nicht zur Voraussetzung
eines Vertragsabschlusses gemacht;
Ergebnisse von aus anderen Gründen bereits durchgeführten genetischen
Untersuchungen müssen erst ab einer Versicherungssumme von 250000 Euro oder
einer Jahresrente von 30000 Euro offengelegt werden;
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Prädiktive genetische Diagnostik,
Stellungnahme März 2003, S.51f)
·
erbliche
Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) bricht nur bei 1-4% der reinerbigen
Merkmalsträger aus; die Mutationen sind häufig (1:400 in Europa); Häufigkeit
könnte Selektionsvorteil geboten haben (Überstehen von Hungerphasen,
Menstruation – Eisenverlust, Infektionskrankheiten)
(GID 159 7/8-2003 S.34)
·
1998 wurde
die DNA-Analyse-Datei beim Bundeskriminalamt eingerichtet, derzeit etwa 250000
Datensätze von erfasten Personen (Verdächtige, Straftäter) und 50000 Spuren von
Tatorten
(Die Zeit 18.9.03 S.17)
·
PCR:
minimale Spuren von unbekannter DNA zu verstärken (vervielfältigen), so dass
sie ohne Probleme nachgewiesen werden können;
zunächst braucht der Wissenschaftler als Startmoleküle kurze, spezifische
DNA-Fragmente, sog. Primer, um die Verdoppelung der Einzelstränge in Gang zu
bringen;
In der Regel PCR als Prozess in drei Stufen:
1. DNA-Doppelstränge werden bei 95 Grad Celsius aufgespalten;
2. anschließend legen sich die Primer bei Temperaturen zwischen 50 und 65 Grad
an eine bestimmte Stelle des jeweiligen DNA-Einzelstranges;
3. schließlich können sich die Nukleotide, die in der Reaktionslösung
schwimmen, bei 72 Grad an die Startmoleküle anschließen (ankoppeln)
so liegen nun zwei identische DNA-Doppelstränge statt nur einem vor;
30 bis 45 solcher Verdopplungen nacheinander, nach 20 Zyklen theoretisch 1 Mill
Kopien
(taz 31.10.03)
·
Krankheiten, die
durch ein Gen verursacht sind: bis heute sind mehr als 6500 bekannt
(Konferenz Europ. Kirchen; Arbeitsgruppe über Bioethik 2003: Gentests und
prädiktive Medizin)
·
Vaterschaftstests;
Testpakete bereits in Apotheken angeboten; Beispiel ein Labor: jährlich 3000
Aufträge, ein Test kostet 435 Euro; 150000 Euro teurer Analyseautomat;
Probenahme: Spucke, Wattestäbchen, Kaugummis, Zahnbürsten, Zugarettenkippen,
Haare, getragene Socken, schmutziges Hemd
(Der Spiegel 3/04 S.72)
·
gesunde Lehrerin
wird nicht verbeamtet, Vater leidet an der Erbkrankheit Chorea Huntington, sie
fühlt sich von den Behörden zum Gentest genötigt
(Der Spiegel 43/03 S.216)
·
Elektrophorese:
DNA-Molekül enthält zahlreiche Phosphatreste, diese sind in alkalischer Lösung
negativ geladen und wandern im elektrischen Feld zum Pluspol; wenn diese
Wanderung sich in einem Gel abspielt, werden die DNA-Moleküle gleichzeitig der
Größe nach sortiert;
DNA-Amplifizierung durch PCR:
1. Reaktionslösung auf 90-95 Grad erhitzen, DNA-Doppelstrang wird aufgetrennt
(Denaturierung);
2. Temperatur senken auf 50-60 Grad; PRIMER lagern sich an die komplementären
Sequenzen der Einzelstränge an;
3. Temp. auf 72 Grad; unter Einwirkung der DNA-Polymerase werden DNA-Stränge
verlängert
(EIBE Einheit 2 DNA Profilanalyse, 2000, S.10; 16)
·
Gentests haben
eine Fehlerquote von bis zu 2% (Studie der EU-Kommission)
(GID 161/2004 S.27)
·
nach einem
Gesetz dürfen in der Schweiz private Lebensversicherer bei hohen
Versicherungssummen (über 400.000 Schweizer Franken) Einsicht in die Ergebnisse
von Gentests verlangen
(GID 165/2004 S.43)
·
Deutschland:
Gesundheitsministerium legt Entwurf für Gentest-Gesetz vor;
endlich soll Schluss ein mit heimlichen Vaterschaftstests, genetische
Untersuchungen zur Aufklärung der Abstammung dürfen nur vorgenommen werden,
wenn alle von der Untersuchung betroffenen Personen vorab zugestimmt haben;
genetische Untersuchungen zu Forschungszwecken nur erlaubt, wenn eine
„informierte Zustimmung“ vorliegt, der Betroffene ausdrücklich und schriftlich
eingewilligt hat; bei anonymisierten Daten keine Zustimmung erforderlich; auch
Versuche an Gewebe von Säuglingen, Dementen, psychisch Kranken grundsätzlich
möglich
(taz 17.11.04)
·
New York: eine
in den ersten Lebenstagen bei Neugeborenen entnommene Blutprobe wird ab 2005
auf 44 genetisch bedingte Erkrankungen getestet, bisher waren es 11; eine Reihe
von US-Staaten hat das Neugeborenen-Screening stark erweitert, nachdem eine
Bundeskommission im Oktober 2004 eine Liste von 30 vererbbaren Erkrankungen
empfohlen hatte
(GID 167/2004 S.45)
·
bis 2011 wird in
Deutschland beim Abschluss einer Lebensversicherung kein prädiktiver Gentest
verlangt werden; freiwillige Erklärung der Versicherungswirtschaft um 5 Jahre
verlängert; allerdings wird bei sehr hohen Versicherungsleistungen eine
Auskunft über vorhandene Ergebnisse gefordert (Lebensvers. ab 250000 Euro,
Jahresrenten ab 30000 Euro)
(GID 167/2004 S.46)
·
Stellungnahme Nationaler Ethikrat:
plädiert für eine eingeschränkte Zulassung von Gentests bei Stellenbewerbern;
generell bestehe kein Unterschied zwischen Gentests und anderen medizinischen Untersuchungen;
Fragen oder Untersuchungen, die sich auf das Risiko von später auftretenden
Krankheiten beziehen, sollen nur zulässig sein. wenn sie mit einer
Wahrscheinlichkeit von über 50% in absehbarer Zeit die Arbeitsfähigkeit des
Bewerbers beeinträchtigen; normalerweise Zeitraum von 6 Monaten zu betrachten;
bei Beamten 5 Jahre; keine Einschränkungen für Tests bei Piloten oder
Busfahrern (z.B. Neigung zu Krampfanfällen)
(taz 17.8.05)
·
Polkörperdiagnostik (PKD) : Für Deutschland einzig nach dem
Embryonenschutzgesetz zulässig ist die Präfertilisationsdiagnostik, welche
methodisch die Biopsie des ersten und gegebenenfalls zweiten Polkörperchens
erfordert. Die anschließenden humangenetischen Untersuchungen müssen, bedingt
durch den vorgegebenen Zeitrahmen noch vor der Entstehung eines Embryos, das
heißt vor der Verschmelzung des männlichen und weiblichen Vorkerns, erfolgen
und abgeschlossen sein.;
das größte klinische Einsatzspektrum der PKD ist die Untersuchung von
Chromosomen-Fehlverteilungen, so geannten Aneuploidien;
dass bei Frauen über 40 Jahren bereits über die Hälfte der Eizellen bezüglich
der häufig untersuchten Chromosomen (13, 16, 18, 21, 22) auffällig sind;
bereits bei Patientinnen unter 35 Jahren können 30-40% der Eizellen aneuploid
sein;
eignet sich die PKD zur Detektion von Translokationen in Eizellen nur dann,
wenn eine maternale, balancierte Translokation vorliegt;
da die Diagnose mittels der Polymerasekettenreaktion an einer, besser zwei
Einzelzellen (erster und gegebenenfalls zweiter Polkörper) erhoben werden muss;
(Dtsch. Ärzteblatt 4.3.05 S.A587ff)
·
Biochips
kaum größer als ein Daumennagel, aber auf ihnen versteckt sich ein komplettes
Chemielabor;
bis zu einer Million Fängermoleküle drängen sich auf einem winzigen Plättchen
aus Glas oder Silizium; an einer bestimmten Position des Zellrasters befestigt, lauern sie auf Partner-Moleküle, die
in der auf den Chip aufgetragenen Lösung – z.B. Blut, Wasser oder Milch – an
ihnen vorbeischwimmen; hat ein Fänger ein Molekül erwischt, etwa einzelne
Sequenzen des Erbmoleküls DNA, lässt er es nicht mehr los; doch bei der
Partnerwahl sind die Moleküle überaus wählerisch: klebt beispielsweise eine Hälfte eines DNA-Doppelstrangs als
Fänger auf dem Chip, fischt sie aus der Mixtur verschiedenster Substanzen
zielsicher nur die jeweils andere Hälfte heraus;
optische Auswertungssysteme (Transducer): bei diesem Nachweis koppeln die
Forscher Leuchtmoleküle (Fluorophore) an die Moleküle in der Testlösung; das
Fängermolekül hält dann auch den Fluorophor fest; bei Bestrahlung mit UV-Licht
leuchtet der Fluorophor auf und verrät,
dass hier ein bestimmtes Fängermolekül das passende Gegenstück gefunden hat
(bdw 4/2005 S.100ff)
·
S.8: In der Medizin unterscheidet man begrifflich zwischen Prognose und
Prädiktion. Unter einer Prognose versteht man eine Aussage über den weiteren
Verlauf einer vergangenen oder gegenwärtig bestehenden Erkrankung. Demgegenüber
ist Prädiktion eine Aussage über das Risiko für eine Krankheit, die bisher noch
nicht ausgebrochen ist.;
Als genetische Untersuchungen werden in dieser Stellungnahme alle
Untersuchungen verstanden, die durch die Analyse dem Körper entnommener
Substanzen unmittelbar Aufschluss über die genetische Ausstattung eines
Menschen geben. Dies sind Untersuchungen von Chromosomen
(zytogenetische Analysen), DNA oder RNA (molekulargenetische Analysen) oder
Genprodukten (biochemische oder
immunochemische Analysen).;
S.9: mithilfe genetischer Untersuchungen kann eine Reihe von Krankheiten mit
einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, in einigen Fällen mit 100-prozentiger
Sicherheit vorhergesagt werden.;
S.13: Monogen erbliche Krankheiten beruhen auf Mutationen mit hoher oder sogar
100 Prozent Penetranz (= Häufigkeit der Manifestation JK). ... Der Nachweis
einer Mutation mit 100 Prozent Penetranz bedeutet, dass die Krankheit in allen
Fällen manifest wird, wenn der Betroffene nicht zuvor an einer anderen Ursache
stirbt. Eine solche 100-prozentige Penetranz besteht etwa bei der
Huntingtonschen Krankheit, ...
verschiedenen erblichen Muskelkrankheiten, Formen der erblichen Blindheit und
Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit ... (S.21: In den wenigen Fällen, bei denen der
Krankheitsausbruch mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit vorhergesagt werden
kann, bleibt immer noch der Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs unbestimmt) ...
Im Fall erblicher Dispositionen für Krebskrankheiten liegt die
Manifestationswahrscheinlichkeit für die Träger einer Mutation meist bei 50-80
Prozent ...;
multifaktorielle Krankheiten. Neben den Mutationen, die sich zwingend oder mit
hoher Penetranz phänotypisch niederschlagen, wird eine ständig zunehmende Zahl
von Mutationen bzw. Genotypen bekannt, die nur mit einer mäßigen bzw. geringen
Erhöhung eines Krankheitsrisikos verbunden sind, z.B. um den Faktor 1,2 oder 1,5.
In anderen Worten: statt 10 unter 1000 würden in diesem Fall 12 oder 15 unter
1000 Menschen erkranken;
S.37: Erhebung und Nutzung prädiktiver und prognostischer
Gesundheitsinformationen sollte bei der Einstellung ... auf solche
Informationen zu Krankheiten ... beschränkt werden, die mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit (über 50%) eintreten werden und deren Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erheblich ist;
verwertbar sein sollten nur Angaben über Krankheiten, die sich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit innerhalb eines gesetzlich oder
tarifvertraglich zu definierenden Zeitraums nach der Einstellung (z.B. in
Anlehnung an die übliche sechsmonatige Probezeit; S.45: bei Verbeamtung
5-Jahre) in nicht unerheblichem Ausmaß auf seine Eignung für den Arbeitsplatz auswirken
werden. Auf diese Informationen beschränkt sich die Pflicht des Bewerbers,
Fragen des Arbeitgebers bzw. des untersuchenden Arztes wahrheitsgemäß zu
beantworten. ...
Familienanamnese nicht zulässig
S.44: Weiter gehende Untersuchungen auf gegenwärtig symptomlose oder auf
vorhersagbare Krankheiten sind zulässig, wenn sie unter Beachtung des
Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit notwendig sind, um in der Art der Tätigkeit
liegende spezifische Risiken für
Dritte auszuschließen (z.B. bei Piloten, Busfahrern, Küchenpersonal).
(Nationaler Ethikrat: Prädiktive Gesundheitsinformationen bei
Einstellungsuntersuchungen, Stellungnahme 16.8.05, Druckfassung A4)
·
S.17: über 5000 bekannte Erbkrankheiten
(Spektrum der Wissenschaft,
Dossier: Das neue Genom, 1/2006)
·
Grüne haben Gesetzentwurf für
Gendiagnostikgesetz vorgelegt
(taz 15.9.06)
·
Verfassungsgericht: künftig hat jeder Mann einen Anspruch darauf zu
wissen, ob ein ihm „rechtlich zugeordnetes“ Kind tatsächlich von ihm abstammt;
genetische Überprüfung ist erst seit rund 5 Jahren möglich;
2004 wurden ca. 40.000 Vaterschaftstests durchgeführt;
Speichelprobe, Haarwurzeln, durchgekauter Kaugummi, Windel;
Ergebnisse sind zu 99,9 % sicher;
Preise liegen derzeit zwischen 140 und 600 Euro;
Großbritannien: 1 Kind von 25 wurde nicht vom offiziellen Vater gezeugt;
Diskussionsseite: www.vaterschaftstest-unkommerziell.de
(taz 14.2.07)
·
Stellungnahmen Nationaler Ethikrat:
„Prädiktive Gesundheitsinformationen beim Abschluss von Versicherungen“ 2/2007 http://www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_PGI_Versicherungen.pdf
“Prädiktive Gesundheitsinformationen bei Einstellungsuntersuchungen“ 8/2005
http://www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_PGI_Einstellungsuntersuchungen.pdf
·
Selbstverpflichtung der deutschen Versicherer zum Verzicht
auf die Durchführung von Gentests 11/2001:
www.gdv.de/Downloads/Pressemeldungen_2002/PM41.rtf
·
Gentestgesetz in den USA angenommen, zielt auf das Verbot genetischer
Diskriminierung ab; Versicherern ist verboten, gesunden Personen allein
aufgrund ihrer genetischen Veranlagung höhere Prämien abzuverlangen; Gentests dürfen nicht in Entscheidungen über Einstellung, Kündigung oder Beförderung von Arbeitnehmern
einfließen; Regelung soll auch Angst davor nehmen, genetische Proben für
Forschung zur Verfügung zu stellen
(GID 182 Juni 2007 S.49)
·
Kölner Firma bietet Test an, der ab der 8. Schwangerschaftswoche das Geschlecht
des ungeborenen Kindes ermittelt; bisher übliche Geschlechtsbestimmung per Ultraschall
erst ab 16. SSW; Befürchtung zu Abtreibungen innerhalb der gesetzlichen
3-Monats-Frist;
in eingeschickter Blutprobe der Mutter werden Y-Chromosomen gesucht (einzelne
Zellen des Kindes gelangen in den mütterlichen Blutkreislauf);
Treffsicherheit 99 %; Unsicherheit bei Mehrlingen und unterschiedlichem
Geschlecht:
Kosten 149 Euro, bei Fehlprognose zurück
(taz 21.9.07)
·
(224) vererbbare Krankheit Chorea Huntington (früher: Veitstanz) wird
ausgelöst durch ein einzelnes, zu oft kopiertes Basen-Triplett auf Chromosom 4
verursacht; wird das Triplett CAG mehr als 35 mal hintereinander wiederholt,
scheint der Ausbruch der Krankheit unvermeidlich, auch wenn niemand mit
Bestimmtheit sagen kann, WANN es dazu kommt; so erkranken Menschen mit 39
Wiederholungen im Durchschnitt mit 66 Jahren
(Stefan Rehder: Gott spielen – Im Supermarkt der Gentechnik, Pattloch, München,
2007)
·
Die derzeit geltende
Selbstverpflichtung der Versicherungswirtschaft, auf genetische Untersuchungen
bei Vertragsabschlüssen zu verzichten, soll über 2011 hinaus um möglicherweise
5 Jahre verlängert werden
(GID 185 Dezember 2007 S.42)
·
Bundesärztekammer zum Gendiagnostikgesetz: http://www.baek.de/page.asp?his=0.7.47.6907
·
Ropers, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin:
Veränderungen in schätzungsweise 15.000 der menschlichen Gene können zu Krankheiten
führen, aber nur ungefähr 2.500 dieser Gene sind identifiziert;
In unserer Bevölkerung dürfte das Gesamtrisiko für rezessive Krankheiten bis zu
0,5% betragen – das entspricht der Häufigkeit von Chromosomenanomalien bei
Nachkommen älterer Mütter
(Der Spiegel 44-2010 S.130)
·
Gentest verrät
Haarfarbe
Mit einem neuen Gentest können Ermittler mit einiger Sicherheit die Farbe des
Haupthaares aus der Erbsubstanz
DNA herauslesen. Das berichtete ein Team um Professor Manfred Kayser, den
Leiter der Abteilung für Forensische Molekularbiologie am Medizinischen Zentrum
der Erasmus-Universität Rotterdam. Die Resultate sind im Journal Human
Genetics veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigten, dass sich aus der
DNA-Information mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent ermitteln lasse,
dass eine Person rote Haare hat. Eine ähnlich hohe Genauigkeit gelte für die
Aussage, dass die DNA von einem Menschen mit schwarzen Haaren stamme. Die neue
Methode erlaube es zudem, ähnliche Haarfarben - wie Blond und Dunkelblond oder
Rot und Rotblond - zu unterscheiden.
(taz 7.1.2011 S.18)
·
Mukoviszidose: Bluttest statt Gentest;
Mit einem Bluttest könnte künftig die Diagnose der Stoffwechselerkrankung
Mukoviszidose bei Kindern günstiger und vermutlich auch genauer als mit dem
bislang gebräuchlichen Gentest festgestellt werden. An der
Universitäts-Kinderklinik Heidelberg wurde der neue Test, bei denen zwei
Proteine im Blut der Neugeborenen gemessen werden, bei hunderttausend Babies
angewandt und mit dem Ergebnis des Gentests verglichen. Dabei war der
biochemische Test hinsichtlich der Entdeckungsrate der Krankheit nach Aussage
der Forscher überlegen. Sie fordern nun, ein flächendeckendes Screening mit dem
Bluttest einzuführen. Über die Nachricht dürften sich auch Ärzte ohne Zusatzausbildung
für Humangenetik freuen, die nach Inkrafttreten des Gendiagnostikgesetzes das
Aus für die Gentestung in ihrem Haus befürchteten. Für Mukoviszidose gibt es
bislang keine Heilung, aber symptomatische Therapien, die vor allem im frühen
Stadium der Krankheit Linderung erzielen können.
(Ärzte Zeitung, 20.04.11) (mf) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/206/kurz-notiert-mensch-und-medizin
)
·
Q: TV
ZDF 11.2.96 Mona Lisa - das perfekte Kind
- Ärzte sind verpflichtet, bei Schwangeren über 35 Jahre pränatale Diagnostik
zu empfehlen; zunehmend auch Frauen unter 35 und ohne bekanntes Risiko;
Qualitätsprüfung des Kindes, Schwangerschaft auf Probe
- Chorionzottenbiopsie ab 10. Woche, Gewebe aus der Plazenta, 0,5-1,5%
Fehlgeburtsrisiko
- Amniozentese ab 14. Woche - 1%
- Triple-Test Blutentnahme ab 16. Woche
- neuer §218:
*keine embryopathische Indikation mehr (Abbruch bis Ende der Schwangerschaft
möglich), Frist früher: 22. Woche
* Abbruch ab 20. Woche: Geburt zum Tode
* Frage nur noch: ist das Kind der Mutter zumutbar?
- in Frankreich: gezielte Tötung im Mutterleib mit Spritze zulässig; juristisch
in D. auch, strafrechtlich erlaubt,, wird auch praktiziert (bei Zwillingen:
einer schwere Behinderung, auch selektive Mehrlingsreduktion)
·
Q: Das
Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- S. 67: derzeitige Problemfelder bei der genet. Beratung und pränatalen
Diagnostik:
* Bevölkerungseugenik (welche Eigenschaften wünschenswert, wie befördern und
behindern?)
* Beschränkung der Autonomie der Betroffenen (Behinderte
"verhindern")
* Zulässigkeit aktiver Beratung (Suche nach Betroffenen,
"Zwangs-Aufklärung" - Recht auf Nicht-Wissen)
* Reichweite der pränatalen Diagnostik (wonach wird gesucht?)
* Schutz der genetischen Daten
·
Q:
Domdey, H. u.a.: Gentechnologie, Ev. Presseverband für Bayern, München 1990
- S.93: Chorea Huntington Nervenkrankheit, Beginn meist um das 45. Lebensjahr,
Patienten leiden unter schnellen, unwillkürlichen, oft bizarren
unkontrollierbaren Muskelzuckungen, bald Sprachstörungen und allgemeine
psychische Veränderungen, fortschreitender Persönlichkeitsabbau mit zunehmendem
geistigen Verfall, innerhalb weniger Jahre pflegebedürftig, letzte Lebensjahre
völlige geistige Umnachtung, Tod nach 12-13 Jahren Krankheitsdauer, keine
kausale Therapie bekannt
- S.94 Cystische Fibrose CF wird autosomal-rezessiv vererbt, d.h. beide Eltern
müssen Merkmalsträger sein, Risiko 25%
·
Q:
Ludger Weß (Hrsg.) Schöpfung nach Maß: perfekt oder pervers?, Oberursel 1995
- Dilemma: Schicksale von Menschen werden mit wiss. Autorität vorausgesagt
- im Falle pränataler Diagnostik müssen Eltern Entscheidungen über den
"Lebenswert" ungeborener Kinder treffen
- seit 1984 sind Ärzte verpflichtet, Schwangere ab 35 Jahren auf mögliche
Diagnosen hinzuweisen; 80% nutzen das (Amniozentese)
- Amniozentese: Fehlgeburtsrisiko 1%, Risiko Down Syndrom 0,25%
- Chorionzottenbiopsie 7.-10. Woche; Ergebnisse innerhalb von 1-2 Tagen; 2%
Fehlgeburtenrisiko
- zystische Fibrose: durchschn. Lebenserwartung 27 Jahre
- es gibt dreimal so viele Wissenschaftler, die an der Gentherapie der
ADA-Krankheit arbeiten, als es ADA-Patienten auf der ganzen Welt gibt
·
Günter
Altner: Leben in der Hand des Menschen, Darmstadt 1998, S.126:
14.7.33 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses verkündet:
gesetzliche Grundlage für zwangsweise Sterilisierungen bei
- angeborenem Schwachsinn
- Schizophrenie
- zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein
- erblicher Fallsucht
- schwerem Alkoholismus
·
FP
1./2.8.98: über 290000 Menschen in Sachsen schwerbehindert; in 81% der Fälle
ist Behinderung auf eine Krankheit zurückzuführen, bei 9% der Betroffenen war
das Leiden angeboren, in 4% Unfälle als Ursache
·
Ökotest-Magazin
8/98 S.55:
* ob Ultraschall, Bluttest oder Fruchtwasseruntersuchung - die meisten
Schwangeren lassen ihr Kind schon vor der Geburt auf mögliche Krankheiten oder
Missbildungen untersuchen
* 97% der Kinder werden gesund geboren
* Down-Kinder können ein durchaus erfülltes Leben verbringen
* eine von 100 Frauen verliert ihr Kind nach der Amniozentese
* FISH-Schnell-Test mit Flureszenz, Neuralrohrdefekte nicht erkennbar
* TRIPLE-Test: ein spezielles kindliches Eiweiß, zwei mütterliche Hormone,
Alter der Frau: Risikoabschätzung, ordnet der Risikogruppe viel mehr Schwangere
zu, als tatsächlich betroffen sind: von 1000 untersuchten Schwangeren haben 40 ein erhöhtes Risiko für ein Kind mit
Neuralrohr-Defekt (z.B. offener Rücken) - tatsächlich betroffen sind nur 2
Kinder; 100 Schwangere haben erhöhtes Risiko für Down-Syndrom - betroffen sind
höchstens 2 Kinder; ein weiteres Kind wird eine der beiden Krankheiten haben
und wird im test nicht als erhöhtes Risiko erkannt
·
ZDF
29.4.98 ODYSSEE 3000 Frankensteins Kinder: / danach Diskussion
* in der Kombination der modernen Fortpflanzungsmedizin mit der Gentherapie
liegt der Sprengstoff für die Zukunft; Krankheiten heilen, Menschen verbessern
* USA Fortpflanzungsklinik: „In Zukunft wird kein Embryo mehr verwendet, den
wir nicht getestet haben“; „Wir können Ihnen ein Kind liefern, das frei ist von
Mongolismus, von Muskelschwäche...“
* Vater des ersten Retortenbabys (Edwards): „Die Ethik muss sich dem
technischen Fortschritt anpassen“
* Max Frisch: „Es gibt einen menschlichen Maßstab, man kann ihn nicht
verändern, man kann ihn nur verlieren“
·
ARTE
9.7.98 Menschen nach Maß - der Griff nach dem Erbgut
* Film GATTACA: „Sie möchten doch für Ihr Kind den bestmöglichen Start...“
* Gefahr: Instrumentalisierung des Menschen, Mensch wird gezeugt als Mittel für
Zwecke anderer Menschen, Mensch wird benutzt...
* Barth EKD: oft bemüht: Menschen in Notlage (Knochenmarksspende, Organspende)
das rechtfertigt noch nicht Klonierung, zu simpler Mechanismus: Hilfe um jeden
Preis
* Illusion vom leidfreien Leben voller Glück
* genetische Selektion von Mitarbeitern in US-Firmen: höheres Risiko für
Allergien, für best. Krebsarten
* unser Zukunft wird bestimmt vom Zufall und vom Dollar;
BARTH: domestizierter Kapitalismus!
SEEDS: ethische Entscheidungen trifft
in Amerika der Markt
Medikament für krankhafte
Kleinwüchsigkeit: zu wenig echte Patienten da - man definiert die letzten drei
Prozent eines Jahrgangs als zu klein - und schafft Markt mit hunderttausenden!
* „Wir müssen schauen, ob es dem Baby gut geht“ - aber wenn es ihm schlecht
geht, darf es nicht leben
* FISH-Test zahlreiche, aber nicht alle numerischen Chromosomenanomalien
nachweisbar
* Abtreibung im 8. Monat: Nadel ins Herz des Kindes, Salzlösung gespritzt
* Gentechnik ist auf Eugenik hin angelegt
im Labor etwas zu beseitigen ist
leichter als einen Zigeuner zu ermorden
wir beseitigen nicht Erbkrankheiten,
sondern Erbkranke
* 1931 Aldous Huxley: Brave New World
Klonierung nach dem Bukowski-verfahren
(aus 1 Embryo werden 96)
·
GID
125/126 4/98 S.59:
* Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik
* in der Schwangerschaftsvorsorge werden reiehnweise Untersuchungen
durchgeführt, die nicht der Gesunderhaltung des Ungeborenen dienen, sondern der
gezielten Suche nach Schädigungen, für die es keine Therapie gibt
* PD: 1991 40000, 1994 60000
* Aufklärungspflicht der Ärzte und Zustimmung des Patienten vor jeder
therapeutischen oder diagnostischen Maßnahme - hier häufig nicht eingehalten
* oft erst in akut problematischer Situation überhaupt von anderen Möglichkeiten
der Beratung erfahren
* Beratung sollte frei sein
von Interessen wirtschaftlicher Art
(Labor, Forschung)
von Interessen juristischer Art
(Absicherung gegen Haftungsschäden)
·
taz
28.5.98:
* 14.7.33: Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses
* schwachsinnige, depressive, suchtkranke Menschen auch gegen ihren Willen
unfruchtbar machen; 350000 Menschen als rassisch minderwertig eingestuft, 6500
bei Sterilisationen gestorben
·
Publik-Forum
2/98 S.13: 1996 160 Spätabbrüche bei 130000 Abbrüchen gesamt
·
B3
18.2.98 Im Griff der Gene - unser Erbgut- Bürde für das Leben
* DNS - Symphonie des Lebens auf 46 Chromosomen; 2 Millionstel Millimeter dünn,
1,5 Meter lang;
100000 Gene
* > 5000 monogen bedingte Erbkrankheiten, ca. 500 davon können routinemäßig
getestet werden;
solche Webfehler kann man zwar
feststellen, aber kaum reparieren
* fragiles X-Syndrom:
häufigste bekannte Ursache für erbliche
geistige Behinderung (Verhaltensstörungen, längliches Gesicht, große Ohren) ;
seit 1991 Gentest möglich: Wiederholungen einer kurzen Gen-Sequenz; Protein
wird nicht hergestellt, fehlt im Gehirn; keine Aussage über Schwere der
Erkrankung (evtl. nur leichte Lernbehinderung);
USA: Versicherungen verweigern Aufnahme in Versicherung oder Behandlung
brit. Wissenschaftler rechnet vor: 1 Kind X-Syndrom kostet >
2Mill.DM/Lebenszeit; 1 Screening-Test kostet je vermiedenem Fall nur 270000 DM
* krank à behindert à
vermeidbar?
* Risiko für behindertes Kind 3%, wird durch PD kaum vermindert
* Verhaltens-genetik (???) bis heute keine Beweise gesehen!
Zwillingsforschung:
durchschnittlich 42% der „großen 5
Persönlichkeitsmerkmale“ in der Erbsubstanz verwurzelt:
- Emotionalität
- Gewissenhaftigkeit
- Verträglichkeit
- Offenheit für Erfahrungen
- Geselligkeit
·
Dr.
Kobelt, Chemnitz, Vortrag Chemnitz 23.4.96
- allg. Fehlbildungsrisiko Neugeborener 1-2%; Chromosomenfehlbildung <1%
- FISH-Test (Fluoreszenz-in-Situ-Hybridisation)
künstl. DANN-Stück lagert sich am
Chromosom an, dann Fluoreszenz-Test: Sonde leuchtet
·
Dr.
Kobelt, Chemnitz, Gespräch 15.5.98:
- Triple-Test: erhöht nur Angst bei Frauen(Wahrscheinlichkeit kann präzisiert
werden, Angst vor einer errechneten Zahl)
- wertungsfrei, nicht-direktiv beraten - das kann ich nicht; manchmal hole ich
einen Psychologen dazu)
- Mukoviszidose: Tests auf 10 wichtigste Mutationen erfassen 90% der Fälle
- Trisomie 21:
a) freie Trisomie 21 = Zufallsmutation,
Chromosomenfehlverteilung, 90% der DOWN-Fälle
b) Translokation 14/21 (oder 21/21 oder
22/21): Chromosom 21 angeheftet an Chr. 14, dann erbliche
= familiäre Weitergabe
·
FRAUENARZT,
4/98, S.650:
Stellungnahme von mehreren gynäkol. Gesellschaften zu Schwangerschaftsabbruch
nach Pränatal-Diagnostik
- Ziel: Diagnose möglichst frühzeitig stellen, vor Erreichen der
Lebensfähigkeit; als Grenze der L. werden heute 24 Wochen nach letzter Periode
oder 22 Wochen nach der Konzeption angenommen
- nach den neuesten sonographischen Screening-Studien werden nur wenige
Fehlbildungen vor 20 Wochen p.c. erkannt, auch von erfahrenen
Pränataldiagnostikern können versch.
Fetale Fehlbildungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht zweifelsfrei abgeklärt
werden (z.B. Mikrozephalie, Hydrozephalus, Herzfehler, Nierenfehlbildungen),
dies ist nur durch eine Verlaufsbeobachtung möglich, eine verlässliche Diagnose
kann erst nach 2 oder 3 Untersuchungen gestellt werden
- Methoden der vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung:
ist der Fetozid eine der möglichen
Methoden; kein prinzipieller Unterschied im Fall einer selektiven Tötung bei
Mehrlingsschwangerschaft; auch Gabe wehenauslösender Medikamente aktive Tötung
·
Mukoviszidose
700 verschiedene Mutationen des Gens; die gleiche Mutation kann zum Tod in der
frühen Kindheit führen oder den Patienten älter als 30 Jahre werden lassen
(Spiegel 14/98 S.210)
·
etwa 5500 Erbkrankheiten
sind schon bekannt
(Stern 27/2000 S.59ff)
·
bei den Nazis
Eugenik gegen die Interessen des Individuums durchgesetzt, während jetzt
eugenische Selektion gegen private Interessen verhindert wird; es gibt Länder,
in denen all das viel „liberaler“ gehandhabt wird (USA, England), ohne daß man
ihnen gleich einen Trend ins Barbarische nachsagen möchte;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)
·
drei
obligatorische Ultraschalluntersuchungen, optionaler Bluttest bei der Mutter
(Triple-Test), im Verdachtsfall auf Wunsch Punktion des Mutterkuchens
(Chorionzottenbiopsie) oder Untersuchung des Fruchtwassers (Amniozentese)
gehören heute zum Standardangebot gynäkologischer Praxen;
nach Schätzungen treiben in D. 90% der Mütter ihr Down-Syndrom-Kind ab;
nun gilt nicht die Mißbildung des Kindes, sondern die Belastung der Schwangeren
durch ihr Kind als legaler Abtreibungsgrund, das Gesetz öffnet einen breiten
Interpretationsspielraum, weder muß sich die Schwangere beraten lassen noch
eine Wartezeit zwischen Diagnose und Abbruch einhalten, Wegfall der bis 1995
geltenden Frist der 22. Woche wirft die meisten Konflikte auf;
offiziell gemeldete Spätabtreibungen nach der 23. SSW von 26 Fällen 1995 auf
175 1999 gestiegen; die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher;
durch den Fetozid geraten Ärzte nicht in das Dilemma, ein atmendes Baby
behandeln zu müssen; der F. ist der humanere Weg, das Kind leidet weniger;
Münsteraner Wissenschaftler fragten Frauen, was sie täten, wenn ein pränataler
test ergeben würde, daß ihr Kind zu Übergewicht neigt. Ein Fünftel zog eine
Abtreibung in Betracht;
Ehepaare, die sich beim Gynäkologen verhalten wie Konsumenten, die sich mit
einem Techniker über die Gefahren eines neuen Autos unterhalten. Sie erwarten
von der Ärztin ein Gütesiegel auf ein gesundes Kind.;
Triple-Test: Befragung von 9000 Schwangeren - fast die Hälfte der Frauen hätte,
als ihnen Blut abgenommen wurde, noch nicht einmal erfahren, wozu der Test
überhaupt dient
(Die Zeit 29.12.99 S.37)
·
Triple-Test
durch Einbeziehung von AFP in die Risikobeurteilung ist ein Serummarker für
fetale Verschlußstörungen (Neuralrohr- und Bauchwanddefekte) verfügbar;
ermöglicht die Risikospezifikation, nicht jedoch die Diagnose für best.
Chromosomenstörungen (Trisomie 18 und 21) und für fetale Verschlußstörungen
(Dtsch.Ärzteblatt 9/2000 S.A-532f.)
·
Down-Syndrom
Netzwerk Deutschland e.V.
Äußerung anläßlich der Entschlüsselung des Erbgutes von Chromosom 21:
Menschen mit Down-Syndrom leben mit uns. Sie haben ihren Platz in der
Gesellschaft, den nur sie ausfüllen können. Menschen mit Down-Syndrom sind
nicht krank - außer bei Grippe und Beinbruch, wie andere Menschen auch. Das
Netzwerk macht darauf aufmerksam, daß die Trisomie 21 keine vererbbare oder
ererbte Krankheit ist. Daß Menschen mit Down-Syndrom besondere Hilfe benötigen,
soll nicht verschwiegen werden. Aber das tun andere Menschen auch. Darüber
hinaus haben Menschen mit Down-Syndrom keine Schmerzen, die den Ausdruck
„leiden“ rechtfertigen. Menschen mit Down-Syndrom machen unserer Gesellschaft
deutlich, daß es außer „schneller, höher, weiter und Erfolg um jeden Preis“
noch andere Lebensqualitäten gibt. Menschen mit Down-Syndrom sollten als
Personen anerkannt, akzeptiert und gefördert werden. Alle Ansätze, die zum Ziel
haben, Menschen mit Down-Syndrom möglichst früh in der Schwangerschaft zu
erkennen und am Leben zu hindern, lehnen wir ohne Wenn und Aber ab.
(GID 140/2000 S.33)
·
Mukoviszidose
750 verschiedene genetische Defekte erkannt
(GID 139/2000 S.34)
·
Staatsanwaltschaft
untersucht einen Schwangerschaftsabbruch im sächsischen Zittau in der 29.
Woche; Fötus soll nach dem Abbruch noch Lebenszeichen von sich gegeben haben
(FP 30.6.99)
·
der französische
Maler Henri Toulouse-Lautrec wurde aufgrund seiner Osteogenesis imperfecta früh
zum Krüppel;
der amerik. Präsident Abraham Lincoln litt, so vermuten Wissenschaftler, am
Marfan-Syndrom, einem Gen-Defekt, der Herzkrankheiten auslösen kann;
beide wären nach genetischer Beratung womöglich nie zur Welt gekommen
(GEO-Wissen Sex..., S.76)
·
Linus Geisler:
Beethoven litt an wohl angeborener Taubheit
(TV-BR3 Magazin Stolperstein 2.1.99)
·
Der bekannte
Jazzpianist Michel Petrucciani ist mit 36 Jahren gestorben, er litt an der
angeborenen Glasknochenkrankheit
(FP 7.1.99)
·
Nobelpreisträger
James D. Watson:
hat sich für eine genetische Untersuchung und die Abtreibung erbgeschädigter
Kinder ausgesprochen;
in der FAZ warnte Watson davor, „im Namen Gottes unnötige persönliche Tragödien
geschehen zu lassen.“ Künftig gelte es möglicherweise als „unmoralisch“, wenn
Eltern „die Geburt von Kindern mit gravierenden genetischen Defekten“ zulassen
würden.
GID 142 10-11/2000 S.26
·
Symposium
Fortpflanzungsmedizin Bundesgesundheitsministerium 5/2000;
BM Andrea Fischer: Die Möglichkeit, individuelles Leid zu verhindern, bedeute
keine Rechtfertigung dafür, auch alles Machbare zu tun. Durch die neuen
Techniken könne ein Klima entstehen, das den perfekten Menschen immer mehr zur
Norm werden lasse und es schließlich als rechtfertigungsbedürftig erscheinen
lasse, wenn ein behindertes Kind zur Welt kommt.“
Dtsch. Ärzteblatt 22/2000 S.A-1503
·
Bundesdrucksache
aus dem Jahr 1999:
geheime „Erfolgsstatistik“ der selektiven pränatalen Diagnostik: Zahl der
Neugeborenen mit Spina bifida von 1973 bis 1990 von 18,6 auf 7,7 je 100000
reduziert, bei Down-Syndrom von 13,5 auf 8,7
Dtsch. Ärzteblatt 21/2000 S. A-1456
·
Behinderter
erhält Entschädigung für Geburt
(Frankreich, Arzt hatte Rötel-Erkrankung bei der Mutter nicht erkannt, Junge
nach Fehldiagnose schwer behindert zur Welt gekommen, Entschädigung für den
17-jährigen
Freie Presse 18./19.11.2000
·
„Ich kann mir
sogar vorstellen, dass Fortpflanzung auf natürlichem Weg irgendwann als
verantwortungslos gilt, so wie es jetzt als verantwortungslos gilt, wenn eine
Frau während ihrer gesamten Schwangerschaft auf vorgeburtliche Tests und
Untersuchungen verzichtet. ... man sagt: wie konntest du so leichtsinnig
sein... warum hast du nicht dafür gesorgt, dass du ein Kind ohne Erbkrankheiten
bekommst?“ (Gregory Stock, Reproduktionsmediziner, Kalifornien)
“... werden Föten mit zystischer Fibrose abgetrieben, obwohl die Kinder normal
intelligent sind und 30 Jahre alt werden können.... ein kalifornisches Gericht
hat festgestellt, ein mit Gendefekt geborenes Kind habe das Recht, seine Eltern
zu verklagen, weil sie auf Gentests verzichtet und nicht abgetrieben haben...“
(Lori Andrews, Ethikerin, Chicago)
Öko-Test Magazin, 12/2000 S.16ff.
·
Spätabbrüche
(nach 22. SSW): Information der Eltern über mögliche Lebendgeburt, falls dies
der Fall ist, werden die Kinder gewärmt und genährt, ein Kinderarzt ist bei der
Geburt dabei;
in Bethel auch ein Kind mit Down-Syndrom abgetrieben (Altersindikation)
Renate Schernus (Bielefeld): Pränataldiagnostik in evangelischen
Krankenhäusern?, Vortrag 13.7.2000 Hannover
·
wurden vor 10
Jahren pro 1000 Lebendgeburten 49,6 vorgeburtliche Chromosomenuntersuchungen
vorgenommen, waren es acht Jahre später schon 95,7 Analysen;
die Wahrscheinlichkeit für eine 35-jährige Frau, ein Kind mit DOWN-Syndrom zu
bekommen, liegt bei 1: 365, die Gefahr, das Kind durch den Test beziehungsweise
durch eine nachfolgende Fehlgeburt zu verlieren, liegt um ein Vierfaches höher;
dass das Krankheitsbild beim Down-Syndrom sich sehr unterschiedlich ausprägen
kann und nur etwa jedes zehnte der betroffenen Kinder lebenslang auf Hilfe
angewiesen ist;
etwa 80% aller Frauen im Risikoalter lassen sich in Deutschland pränatal
untersuchen, Humangenetiker schätzen, dass bei einer Down-Diagnose in 98% aller
Fälle abgetrieben wird;
bei einer qualifizierten Beratung ist die Wahrscheinlichkeit um ein Sechsfaches
höher, dass die Schwangerschaft ausgetragen wird
(taz 9.3.2001)
·
Mukoviszidose
ist so weit verbreitet, dass diese Krankheit einen Vorteil für heterozygote
Träger haben muss (das sind Menschen mit einem gesunden und einem kranken
M.-Gen); Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass diese Genkombination sie vor
dem Tod durch Cholera schützt. Diese Krankheit war früher weit verbreitet und
damit ein wichtiger Evolutionsfaktor.
(bild der wissenschaft 10/2000 S.30)
·
etwa 90% der
Frauen, bei denen eine Schädigung des Fötus festgestellt wurde, entscheiden
sich für eine Beendigung der Schwangerschaft;
Nippert: zeigen die Erfahrungen mit der PD, dass es fast unmöglich ist,
diagnostische Verfahren auf wenige Fälle zu begrenzen; die Technik selbst habe
die Neigung, sich von einer Ausnahmediagnostik zu einem screening-Verfahren
auszuweiten
(Das Parlament 11/2001 S.4)
·
Diakonisches
Werk der EKD
Problem Spätabtreibungen; für Änderung des Abtreibungsrechtes kein
Handlungsbedarf; zu erwägen Änderung der Mutterschaftsrichtlinien
(pränataldiagn. Verfahren, die nach nicht therapierbaren Erkrankungen und
Fehlbildungen suchen, aus der allgemeinen Schwangerenvorsorge herausnehmen);
Selbstverpflichtung der Ärzte, keine Spätabtreibungen nach PD mehr vorzunehmen;
Beratungsangebote (freiwillig) vor PD-Untersuchungen
(epd-wochenspiegel 27/01 S.16)
·
CDU
Bundestagsfraktion zum Problem der Spätabtreibungen:
bessere Beratungsangebote (bereits vor Anwendung der PND; Kostenübernahme durch
die Krankenkassen erst nach erfolgter Beratung)
Änderungen bei der ärztlichen Haftung (keine Schadenersatzansprüche bei
mangelhafter Diagnostik oder fehlgeschlagener Abtreibung)
vom Gesetzgeber müsse klargestellt werden, dass nur die Gefährdung des Lebens der
Schwangeren oder deren schwerwiegende seelische Beeinträchtigung als Grund für
die zeitlich unbefristete Abtreibung in Frage kommt, eine absehbare Behinderung
sei allein kein Grund
(epd-wochenspiegel 28/01 S.13)
·
Spätabbruch:
durch Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass eine festgestellte mögliche
Behinderung des Kindes Grund genug sein kann, die Frau in ihrer psychischen
Gesundheit zu gefährden
(taz 5.7.01)
·
Hertha
Däubler-Gmelin:
Rechtmäßig ist der Schwangerschaftsabbruch nicht, sondern nur straflos.
Und danach ist ein Schwangerschaftsabbruch nur rechtmäßig, wenn eine
Indikation, also eine Kollision von Rechtsgütern vorliegt. Es reicht eben
nicht, obwohl man das in der Öffentlichkeit hören kann, dass das Ungeborene
eine genetische Belastung oder Krankheit hat. Die embryopathische oder
eugenische Indikation ist bewusst abgeschafft, es geht immer um Gesundheit oder
Leben der Mutter.
man sagte, die PND solle sowieso nur für ganz wenige Fälle gelten. Das ist
bekanntlich anders gekommen. Von den „einigen wenigen“ Fällen sind wir jetzt
auf 87000 Anwendungen im Jahr gekommen.
(Die Zeit 26.7.01 S.4)
·
Birgit Dembski,
Geschäftstelle Mukoviszidose e.V.:
Bei der M. bedingt ein genetischer Defekt, dass der Transport von Chlorid-Ionen
und Wasser in den Zellen nicht funktioniert – mit gravierenden Folgen: ein
zähes Sekret verstopft die Zellgänge von Bronchien, Pankreas und Leber. Das
Gewebe dieser Organe wird dadurch fortschreitend zerstört.
Mukoviszidose ist auch heute noch eine schwer wiegende Erkrankung. Sie verläuft
progressiv. Der Betroffene muss von klein auf Tag für Tag an seiner Gesundheit
arbeiten: Tabletten schlucken, inhalieren, krankengymnastische Übungen
absolvieren, um die Lunge von zähem Sekret zu reinigen, später regelmäßige
intravenöse Antibiotikabehandlung akzeptieren. Die Lebenserwartung ist
begrenzt. Manche Patienten versterben bereits im Kindesalter.
in den letzten 15 Jahren immense Behandlungsfortschritte, Autorin ist 46 Jahre
alt, berufstätig, verheiratet;
40% der Patienten heute über 18 Jahre alt, durchschnittliche Lebenserwartung
bei 32 Jahren, 75% der Betroffenen über 18 Jahre sind in Ausbildung oder
arbeiten
(taz 31.5.01)
·
Interview Präses
Kock:
bei der PND haben wir im Abtreibungsgesetz eine große Lücke. Jedes Jahr werden
600 Kinder in einem Stadium abgetrieben, in dem sie lebensfähig wären und nur
dadurch „erledigt“ werden, dass man sie liegen lässt.
(taz 13.6.01)
·
Pränatale
Diagnostik soll nur in besonderen Fällen und nur auf den nach umfassender
Beratung erklärten Willen der Schwangeren hin durchgeführt werden...
Spätabtreibungen lehnen wir ab... Im Rahmen pränataler Diagnostik ist das Recht
der Eltern auf Nichtwissen zu akzeptieren...Beratungen bei
pränataldiagnostischen Methoden sollten zur Pflicht werden.
(Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen
Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik 3/2001)
·
Gynäkologe wegen
Totschlags angeklagt
soll im April 1999 die Schwangerschaft einer 29-jährigen abgebrochen haben,
ohne dass dabei eine Notsituation bestanden habe;
der Arzt soll den 29 Wochen alten Fötus, bei dem zuvor eine körperliche
Behinderung festgestellt worden war, durch Kaiserschnitt auf die Welt geholt
und... anschließend erstickt haben;
erst 10 Minuten nach der Abnabelung habe die eigene Atmung eingesetzt, zwei
weitere Ärzte hätten dann das Kind reanimieren und den Kreislauf stabilisieren
können, nachdem der Gynäkologe dies bemerkte, soll er das Kind so lange am
Atmen gehindert haben, bis es tot war;
der von der Mutter offenbar gewünschte Schwangerschaftsabbruch war bereits in
zwei Kliniken in Berlin und Dresden abgelehnt worden;
der jetzt angeklagte Chefarzt kam bei der Untersuchung der Schwangeren zu dem
Ergebnis, dass der Fötus so stark missgebildet ist, dass er nicht lebensfähig
sein würde;
ihm droht Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren
(Freie Presse 5./6.5.01)
·
Oberlandesgericht
Celle: Down-Syndrom – Arzt muss zahlen
zu Schadenersatz verurteilt, weil Patientin Kind mit Down-Syndrom zur Welt
brachte;
der Arzt hatte die Patientin nicht darauf hingewiesen, dass ein Gendefekt unter
anderem nur mit einer umfassenden Blutuntersuchung der Schwangeren
ausgeschlossen werden könne;
es sei heute gängige Rechtssprechung, so das Gericht, dass nicht das Kind, wohl
aber der Unterhalt für das Kind ein Schaden für die Eltern ist
(Freie Presse 19.4.01)
·
rettende
pränatale Diagnose
bei schwerer angeborener Fehlbildung des Herzens früher Tod des Kindes
abzuwenden durch chirurgischen Eingriff – Chancen der Kinder am größten, wenn
die Fehlbildung bereits im Mutterleib erkannt wird
(FAZ 28.3.01)
·
95 % der
Schwerbehinderungen, mit denen Menschen heute leben, sind Folge von Krankheiten
oder Unfällen. Nur 5 % sind angeboren. Und davon ist nur ein Bruchteil vor der
Geburt erkennbar.
(chrisma 11/2000 S.16)
·
Zypern betreibt
seit 1976 freiwillige Eugenik;
Thalassämie (Mittelmeeranämie; Mangel an roten Blutkörperchen, chronische
Müdigkeit, deformierte Knochen und Organschäden, endet ohne Behandlung tödlich,
häufig schon im frühen Kindesalter); Krankheit ist auf Zypern besonders häufig
(jeder 7. ist Träger des defekten Gens, jährlich etwa 70 kranke Kinder
geboren), wird bekämpft durch Gendiagnostik und Abtreibung;
Vorteil diese Gens früher: Malariaerreger vermehren sich nur in gesunden roten
Blutkörperchen, Träger des Thalassämie-Gens starben nicht an Malaria; seit 1948
ist Zypern malariafrei;
seit 1976 hat sich fast jeder Zypriote selbst einem Test unterzogen, um seinen
Krankheitsstatus zu kennen; seit 1978 jährlich 200 Pränataldiagnostiken und 50
Abtreibungen; seit 1983 verlangt die Kirche von Heiratswilligen ein Zertifikat,
dass sie „informiert“ sind;
pro Jahr werden nur noch 2 Kinder mit der Krankheit geboren;
Ausweitung auch auf andere Erbkrankheiten? Nein, Kriterien: hohe Verbreitung,
absolute Tödlichkeit;
seit kurzem auch PID in Anwendung
(Die Zeit 15.2.01 S.33)
·
Stephan Kruip
Mukoviszidose, 36 Jahre alt, arbeitet als Physiker, hat drei Kinder;
seit 10 Jahren neue Enzympräparate, Antibiotika und spezielle Atemübungen für
M.-Patienten;
Kruip eigentlich unfruchtbar; Kinder gezeugt durch ICSI nach Entnahme von
Hodengewebe;
seine Söhne sind gesund (tragen ein gesundes Gen von der Mutter, das die
Krankheit überdeckt) und wahrscheinlich selbst fruchtbar
(Der Spiegel 36/2001 S. 80)
·
kaum ein Kind
kommt heute auf die Welt, ohne dass es eine mehrstufige Qualitätskontrolle
durchlaufen hat;
“Wir wollen doch sicher sein, dass Ihr Baby gesund ist“;
Ultraschalluntersuchungen, verschiedene Bluttests der Mutter, im Verdachtsfall
Punktion des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) oder Analyse des
Fruchtwassers (Amniozentese) gehören heute zum Angebot fast jeder
gynäkologischen Praxis;
bereits die erste Untersuchung, der Ultraschall ab der
10.Schwangerschaftswoche, dient dazu, Hinweise auf mögliche Behinderungen des
Fötus zu entdecken. Dabei glauben die meisten Eltern, da werde nur ein Babyfoto
fürs Album gemacht...;
die 200 bis 800 Spätabtreibungen pro Jahr in Deutschland (genaue Zahlen kennt
niemand) geschehen, weil die Fruchtwasseruntersuchung erst zwischen der 14.und
17. Woche erfolgen kann;
CDU: die heutige Praxis der PND entspricht nicht dem Geist des §218; Vorschlag:
Regelung um einen Passus ergänzen: „Ein embryopathischer Befund allein ist
keine Gefahr für die Mutter im Sinne von §218“;
Untersuchungen Fruchtwasser und Chorionzottenbiopsie:
1976 1796 Fälle
1982 15888
derzeit rund 80000 pro Jahr; heute
geht jeder zehnten Geburt eine Amniozentese voraus, oft ohne Beratung;
rund eine von hundert Amniozentesen endet mit einem Abort. die
Wahrscheinlichkeit, durch die Untersuchung eine Behinderung zu entdecken, ist geringer;
90% der Paare, die die Diagnose Down-Syndrom erfahren, entscheiden sich für
einen Abbruch;
ungefähr ein Fünftel aller Frauen über 35 Jahre entscheiden sich gegen den
Eingriff, Sie müssen per Unterschrift bezeugen und bestätigen, dass ihr Arzt
sie auf die möglichen Folgen der Weigerung hingewiesen hat;
mittlerweile hat sich der TRIPLE-TEST so weit etabliert, dass selbst Kritiker
der Methode wie Verbandspräsident Bender unsicher sind, ob sie nicht
verpflichtet sind, die zweifelhafte Blutanalyse anzubieten;
Zurzeit verdrängt eine neue Prüfmethode den TRIPLE-TEST. Dabei prüft der
Gynäkologe die Dicke der Nackenfalte des Fötus auf einem speziellen
Ultraschall. In Kombination mit zwei Blutwerten rechnet ein Computerprogramm
das Behinderungsrisiko aus;
das Vertrauen in die PND ist groß, zu groß. Viele Frauen glauben, wenn die
Ärzte beim Test nichts gefunden haben, ist ihr Kind gesund
(Die Zeit 2.8.01 S.23)
·
vor 10 Jahren
pro 1000 Lebendgeburten 49,6 vorgeburtliche Chromosomenuntersuchungen
vorgenommen; acht Jahre später schon 95,7 Analysen
(GID 148 – 10/11-2001 S. 3)
·
Paradigmenwechsel
zu beobachten, wonach bei behinderten Kindern nicht mehr der Abbruch der
Schwangerschaft ethisch begründet werde, sondern der Nichtabbruch (Verweis auf
Gerichtsurteile in Frankreich)
(epd-wochenspiegel 51/52-2001 S.14)
·
in zwei Fällen
sprachen im November 2001 in Frankreich Gerichte behinderten Kindern das Recht
auf millionenschwer Entschädigungen zu; in den Urteilen ist die Rede von „dem
Schaden, geboren worden zu sein“; zahlen sollen die GynäkologInnen, die bei
vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen nicht erkannten, dass die Kinder das
Down-Syndrom bzw. eine Mehrfachbehinderung infolge einer Röteln-Erkrankung der
Mutter haben würden; Versicherungen erhöhten nach der letztinstanzlichen
Verkündigung der Urteile die Prämien für GynäkologInnen um ein Vielfaches;
viele Gynäkologen streiken und führen keine Ultraschalluntersuchungen mehr
durch
(taz 3.1.02)
·
Am Anfang: PND
nur als Ausnahme;
konzeptionell standen 1976, als die PND in den Leistungskatalog der
gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wurde, folgende Aspekte im
Vordergrund:
+ Beschränkung auf bestimmte Diagnosen, anfangs Chromosomenstörungen
(numerische, aber auch strukturelle), wenig später Neuralrohrdefekte,
+ Beschränkung auf bestimmte Nutzerinnengruppen: Frauen mit hohem genetischen
Risiko und Frauen ab 38 (später 35) Jahre,
* Einhaltung besonderer Qualitätsstandards (Beratung vor und nach jeder PND)
(GID Spezial 2, 2001, Eugenik - gestern und heute, S. 16f)
·
In Deutschland
laut offizieller Statistik jährlich zwischen 100 und 200 Spätabtreibungen;
Montgomery (Marburger Bund) schätz 800 Abbrüche nach der 20.
Schwangerschaftswoche
(Idea-Spektrum 4/2002 S.21)
·
Welttrend: gut
beratene Schwangere lassen viel weniger Gentests vornehmen als Unberatene;
Margot von Renesse (MdB) stellte neue gesetzliche Regelungen für die
ausgeuferte pränatale Diagnostik in Aussicht: sie solle es ohne flankierendes
Beratungsangebot nicht mehr geben
(taz 1.3.02)
·
Fall einer
Spätabtreibung nach pränataler Diagnostik in Zittau:
Schwangerschaft entwickelt sich zunächst normal; Erkrankung der Mutter; im
Diakonissenkrankenhaus Dresden Ultraschall: Feststellung, dass große
Röhrenknochen des Kindes extrem verkürzt sind; Verdachtsdiagnose
„Zwergenwuchs“; zum Abbruch geraten (6. Monat); nächste Untersuchung Uniklinik
Dresden: zusätzlich Klumpfüße; Charite Berlin: zusätzlich tatzenförmige Hände,
geistige Behinderung; aber Abbruch kann leider hier nicht durchgeführt werden;
Chefarzt in Zittau nimmt Abbruch vor, vorrangig wegen Blutungen, die bei der
Mutter aufgetreten sind; später molekulargenetisches Gutachten bestätigt
Diagnose des Arztes: Kind litt an genetisch bedingter Skelettmissbildung, die
unweigerlich zum Tod führt – entweder bereits vor der Geburt oder kurz danach
(Spiegel 6/2002 S.56ff)
·
Abbruchraten bei
einer pränatal diagnostizierten und nicht besonders schweren
Chromosomenstörung:
Beratung durch Humangenetiker: 35,5 %
Beratung durch andere Ärzte: 71,9%
(GID 150/2002 S.17)
·
Schadenersatz
für behindertes Kind; Kind war mit schweren Fehlbildungen an Armen und Beinen
zur Welt gekommen; Ärztin hätte die Eltern während der Schwangerschaft über die
Behinderung informieren müssen; weil die Eltern sich dann nach eigenen Angaben
zu einer Abtreibung entschlossen hätten, Ärztin verurteilt: voller Unterhalt
für das Kind und 10000 Euro Schmerzensgeld für die Mutter
(epd wochenspiegel 26/2002 S.15)
·
Diagnoseirrtum
der Gynäkologin: Ultraschalluntersuchung 20. Woche Messung des
Oberschenkelknochens Abweichung von 5 Millimetern fehlinterpretiert
(Freie Presse Chemnitz 19.6.02)
·
dass unabhängig
von ihrem Alter heute jede Frau, welche die Vorsorge in einer gynäkologischen
Praxis durchführen lässt, mit Pränataldiagnostik konfrontiert wird;
Pränatale genetische Diagnostik zielt darauf ab, numerische oder strukturelle
Chromosomenfehler bzw. Einzelgendefekte des Embryos/Fetus zu identifizieren.
1999 bereits 800 diagnostizierbare
Dispositionen;
Chorionzottenbiopsie: üblicherweise
11.-12. SSW, Abortrisiko 2-4%, diagnostische Genauigkeit 97,5-99,6%,
Risiko Verunreinigung durch mütterliche Zellen 1,9-3,8%;
Amniozentese: 15.-17. SSW, 15-20 ml Fruchtwasser, darin 2% lebende fetale
Zellen, Abortrisiko 0,5-1%, diagnostische Genauigkeit 99,4-99,8%;
Bundesärztekammer hatte als Altergrenze zunächst 38 Jahre festgelegt, später 35
Jahre, heute wird keine untere Altersgrenze mehr eingehalten;
Indikationen heute: Altersindikation (Frauen ab 35a): 78%, psychologische
Indikation (Angst vor einem behinderten Kind): 18%, auffälliger Befund nach Ultraschall
oder Triple-Test: 4%;
1998 75255 fetale Chromosomenanalysen durchgeführt (davon 62642 Amniozentesen);
d.h. annähernd jede 10 Schwangerschaft invasive Untersuchung des Ungeborenen;
wenn eine Schwangere keinen Ultraschall wünscht, kann der Arzt die Pauschale
nach dem Mutterpass nicht abrechnen, muss Einzelgebühren aufführen, was für ihn
in der Regel ungünstiger ist;
Schere zwischen PND und vorher erfolgter Beratung öffnet sich weiter: in
Westdeutschland PND zwischen 1991 und 1995 von 40000 auf 60000 Untersuchungen
angestiegen, Anzahl der genetischen Beratungen im gleichen Zeitraum lediglich
von 17000 auf 21000 gewachsen;
Ultraschall: 11.-14. SSW sog. „Nackentransparenz“ gemessen, Nackenfalten-Dicke
über 3 mm ist eng mit erhöhtem Risiko für Trisomie 21 assoziiert und hat meist
invasive PND zur Folge;
der sog. Triple-Test wird seit 1992 gegen die Empfehlungen der
wissenschaftlichen Fachgesellschaften in der Schwangerenvorsorge eingesetzt;
Test erfolgt(e) häufig ohne vorherige Information der Schwangeren, führt häufig
zu falsch-positiven Ergebnissen und zum (anschließenden) Einsatz invasiver
Verfahren; nach Schmidtke Triple Test bei 25-50% aller Schwangerschaften;
Erster Senat des Bundesverfassungsgerichtes zu Unterhaltspflicht bei
fehlgeschlagener genetischer Beratung: Das Ziel des ärztlichen Beratungs- oder
Behandlungsvertrages, die Vermeidung der Zeugung eines erbgeschädigten Kindes,
sei rechtmäßig. Nicht einmal moralische Bedenken seine hier angebracht, denn
der Wunsch der Eltern, die Zeugung eines Kindes vom Ergebnis der genetischen
Beratung abhängig zu machen, sei in hohem Maße von elterlicher Verantwortung
geprägt.;
Viele Schwangere werden bis heute nicht ausreichend darüber aufgeklärt, welcher
Sinn und Nutzen und welche Risiken mit den verschiedenen Methoden der PND
verbunden sind und dass sie die Durchführung der einzelnen, im Mutterpass
vorgesehenen Untersuchungen ablehnen können. Es kann auch nicht übersehen
werden, dass vielfach wirtschaftliche Gesichtspunkte zu einer aufgedrängten PND
führen.;
70-80% der Schwangerschaften werden als Risikoschwangerschaft definiert;
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.67f)
·
Faktisch ist es
allerdings inzwischen so, dass die vorgeburtliche Diagnostik durchaus zu einer
Routinemaßnahme geworden ist…
In der Öffentlichkeit wird... oft behauptet, eine durch PND festgestellte
Behinderung des Embryos (oder Fötus) stelle nach geltendem Recht eine legale
und damit auch gesellschaftlich anerkannte Indikation für einen
Schwangerschaftsabbruch dar... Eine legale Abtreibung von genetisch erkrankten
Embryonen oder Föten ist nicht möglich wegen deren zu erwartender Behinderung,
sondern nur auf Grund einer Gefahr für das Leben oder den Gesundheitszustand
der Schwangeren...
immer wieder anzutreffende Behauptung, der Schwangerschaftsabbruch werden auf
Grund der derzeitigen Rechtslage in den ersten 12 Wochen ohne jede Indikation
rechtlich akzeptiert. Tatsache ist vielmehr, dass ein solcher
Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig – also gerade nicht akzeptiert – ist, aber
um des insgesamt erhofften besseren Lebensschutzes für Embryonen willen unter
bestimmten Voraussetzungen straffrei bleibt...
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe
für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.24f.)
·
CDU: Im Jahr
2000 habe es 154 Fälle gegeben, wo der Abbruch einer Schwangerschaft zu einem
Zeitpunkt stattfand, an dem die Föten teilweise schon lebensfähig waren
(Das Parlament 15.7.02)
·
viele Ärzte
fürchten juristische Konsequenzen bei nicht erkannten Schädigungen. Im Falle
der Spätabtreibungen haben sie einen juristischen Spagat auszuführen: Kommt das
Kind lebend zur Welt, hat es Personenstatus und Anspruch auf lebenserhaltende
Maßnahmen, der Mutter gegenüber hat sich der Arzt jedoch zu einem Abbruch mit
einem toten Kind verpflichtet... der Fetozid, also die Tötung des Fötus im
Mutterleib, etwa durch eine Herzinjektion mit Kaliumchlorid, ist eine Methode,
den juristischen Spagat zu umgehen.
(Das Parlament 29.7.02)
·
Abtreibungen in
Deutschland 2000:
134600, davon 2000 nach der 12. SSW, 154 nach der 22. SSW (sog.
Spätabtreibungen);
schon wegen einer bloßen Hasenscharte haben Ärzte noch in der 32. Woche
abgetrieben;
(Der Spiegel 25/2002 S.58)
·
Deutsche
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe will Spätabtreibungen neu regeln,
Papier vorgestellt, Gesetzvorschlag: ein Zusatz zum §218 solle festhalten, dass
eine Mutter nur abtreiben darf, wenn eine Gefahr für das Leben der Mutter
besteht oder das Ungeborene voraussichtlich nicht lebensfähig sein wird, eine
Kommission soll mit entscheiden, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind
(taz 17.9.02)
·
dass allenfalls
10% aller Behinderungen genetisch bedingt sind und von diesen nur ein Teil
vorgeburtlich diagnostizierbar ist, alle übrigen Behinderungen sind Ausdruck
unseres ganz normalen Lebensrisikos
(Die Zeit 17.10.02 S.18)
·
3% aller Kinder
kommen behindert zur Welt
2% werden während der Schwangerschaft oder im Verlauf der Geburt geschädigt
1% sind genetisch bedingte Behinderungen
90% aller Behinderungen entstehen im Verlauf des späteren Lebens
(Schwanger sein – ein Risiko? Kirchner-Asbrock Hrsg. Sichtwechsel eV
Düsseldorf, Verlag Selbstbestimmtes Leben, 1998, S.15)
·
Der Tripletest
ist inzwischen weitgehend ersetzt durch den so genannten Ersten Trimestertest,
d.h. im ersten Drittel der Schwangerschaft, meist in der 11. bis 13. Woche,
wird das Blut der Schwangeren auf eine Reihe von Werten untersucht, das
statistische Ergebnis der Nackenfaltenmessung dazugerechnet und daraus die
Risikozahl ermittelt
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der
Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.48)
·
Spätabbrüche in
Deutschland: 2000 – 154, 2001 - 177
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der
Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.59)
·
Bayerischer
Landesbischof Friedrich:
verbesserte Beratungspraxis bei PND, besonders bei Spätabbrüchen; die vom Bund
geplanten Neonatal-Zentren mit verpflichtender interdisziplinärer Beratung sind
zu begrüßen
(VELKD-Informationen 9.12.02)
·
britische
Polizei ermittelt gegen einen Arzt, der bei einer im 6. Monat schwangeren Frau
eine Abtreibung vornahm, weil die Frau kein Kind mit Lippenspalte gebären
wollte; nach der 24. Woche darf in Großbritannien ein Fötus nur bei
schwerwiegenden Erkrankungen abgetrieben werden, das geschieht laut offiziellen
Statistiken rund hundertmal im Jahr
(GID 155/2002-2003 S.30)
·
lediglich rund
5% der Schwerbehinderungen (ab einem Grad von 50%) sind angeboren; von diesen
können zur Zeit etwa 0,5% durch PND erkannt werden
(GID Spezial Nr. 3 Dez. 2002 S.35)
·
Ultraschallbilder:
„Nackentransparenz“ein winziger schwarzer Fleck im Nacken des Embryos, der
trotzdem zwei, drei Millimeter zu groß ist, deutet auf einen möglichen genetischen
Defekt hin, eines von zehn Kindern mit diesem Befund wird mit dem Down-Syndrom
geboren;
Down-Syndrom: schwerwiegendste Folge ist eine Unterentwicklung des Gehirns (IQ
70), betroffen vor allem das abstrakte Denken und die Sprachentwicklung; zu den
gravierendsten körperlichen Mängeln gehören Herzfehler (40-50% der Fälle),
Missbildungen des Magen-Darm-Traktes sowie Hör- und Sehschäden; Lebenserwartung
liegt inzwischen bei über 60 Jahren;
Frühförderung wichtig; viele können in Grundzügen lesen und schreiben lernen,
Grenzen: Abitur, Studium, Führerschein; eigene Familie und Kinder: fast nie;
ein selbständiges Leben nur in ganz wenigen Ausnahmefällen;
90% aller Frauen, die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten, entscheiden sich für
eine Abtreibung
(Der Spiegel ½ S. 56ff)
·
Mutterschaftsrichtlinien
u.a.: wenn sich im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge Anhaltspunkte für ein
„genetisch bedingtes Risiko“ ergeben, ist die Schwangere über die Möglichkeiten
einer humangenetischen Beratung und/oder Untersuchung aufzuklären;
über die Vorgaben der Mutterschaftsrichtlinien hinaus benennen die Richtlinien
der Bundesärztekammer zur pränatalen Diagnostik die Objektivierung und den
Abbau von Befürchtungen und Sorgen der Schwangeren sowie die Hilfestellung bei
der Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch einer Schwangerschaft als Ziele
der pränatalen Diagnostik (11);
·
im Rahmen des
sog. Ersttrimester-Screenings werden Ultraschall- und Blutuntersuchung
miteinander kombiniert; in der 11. bis 13. SSW p.m. wird aus den Ergebnissen
der Ultraschalluntersuchung des Fetus sowie aus der Bestimmung von Protein- und
Hormonkonzentrationen im mütterlichen Blut das individuelle Risiko für eine
chromosomale Fehlverteilung (Aneuploidie) errechnet;
da das Ersttrimester-Screening das Risiko von Neuralrohrfehlentwicklungen nicht
erfasst, wird der sog. AFP-Test in der 16.-18. SSW p.m. häufig zusätzlich
durchgeführt; Konzentration eines Proteins untersucht, das vom Fetus produziert
wird und in den mütterlichen Blutkreislauf gelangt; erhöhte Konzentration
deutet auf die Möglichkeit des offenen Rückens (Spina bifida) oder einer
schweren Hirnfehlbildung (Anenzephalie) beim Ungeborenen hin; der
Ausprägungsgrad der Fehlbildung bzw. die Therapierbarkeit lassen sich in der
Regel durch eine Ultraschalluntersuchung abschätzen;
beim sog. Triple-Test werden, ebenfalls in der 16.-18. SSW p.m. die
Konzentrationen dreier Substanzen im mütterlichen Blut untersucht; unter
zusätzlicher Berücksichtigung des Alters der Mutter und der
Schwangerschaftsdauer lässt sich das Risiko für eine Trisomie 21 (Down-Syndrom)
beim Kind abschätzen;
Chorionzottenbiopsie: ab 10. bis 12. SSW p.m.; Plazentagewebe
Amniozentese: ab 14. bis 19. SSW p.m.; Fruchtwasser
Fetalblutpunktion: fetales Blut aus der Nabelschnur
die (bei diesen drei Methoden) gewonnenen Zellen können durch eine Darstellung
der Chromosomen (Karyotypisierung) mikroskopisch auf chromosomale
Fehlverteilungen oder strukturelle Chromosomenveränderungen und mittels
molekulargenetischer oder biochemischer tests auf monogene Erkrankungen
untersucht werden; chromosomale Fehlverteilungen lassen sich auch in einem Schnelltest (sog.
Interphase-Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, Interphase-FISH) erkennen, in
der Regel ist jedoch eine Bestätigung durch eine Chromosomendarstellung erforderlich;
nach einer Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese stehen vollständige Untersuchungsergebnisse
erst zwei bis drei Wochen später zur Verfügung, weil die gewonnenen Proben
fetalen Gewebes so gering sind, dass sie für die Diagnose zunächst vermehrt (kultiviert)
werden müssen;
Abortrisiko nach Chorionzottenb. 2-4% bei Zugang durch den Gebärmutterhals und
1-2% bei Zugang durch die Bauchdecke;
Fetalblutpunktion Abortrisiko >1%;
Amniozentese Fehlgeburtsrisiko 0,5-1% (11ff)
·
Chromosomenstörungen:
Numerische Chromosomenstörungen sind in der Regel nicht vererbt, sondern
entstehen bei der Reifung der Keimzellen. Alle autosomalen Monosomien und die
meisten Trisomien sind vorgeburtlich letal. Demgegenüber ist die Trisomie 21
mit dem Leben vereinbar. Neugeborene mit anderen Trisomien, z.B. Trisomie 13
oder 18, sind zwar lebensfähig, haben aber schwerste Fehlbildungen und
Entwicklungsstörungen.
Strukturelle Chromosomenstörungen können erblich sein und sind wie eine monogen
erbliche Krankheit durch PND oder PID diagnostizierbar. Strukturelle C. können
„balanciert“ sein, d.h. das genetische Material ist nur umverteilt, aber weder
vermehrt noch vermindert [z.B. fehlt ein Stück, das eigentlich zu Chromosom 7
gehört, an diesem Chromosom, hängt aber zusätzlich an Chromosom 14 JK]. Sie
sind äußerlich nicht erkennbar und kommen in der Bevölkerung mit einer
Häufigkeit von etwa 1:500 vor. Für Kinder eines Elternteiles mit einer
balancierten C. besteht das Risiko [50% JK] eines unbalancierten chromosomalen
Status [nach der Neu-Verteilung der Chromosomen bei der Befruchtung fehlt an
einem Chromosom ein Teil-Stück völlig oder ist an einem Chromosom zuviel
vorhanden JK], der meist mit schweren und multiplen Fehlbildungen sowie
schweren zentralnervösen Störungen verbunden ist. Die überwiegende Anzahl
dieser Störungen ist mit einer normalen Embryonalentwicklung nicht vereinbar,
sodass die meisten betroffenen Embryonen frühzeitig sterben. (21)
·
Spätabbrüche:
Um zu verhindern, dass das Kind nach Durchführung des Abbruchs lebt, wird bei
derartigen Spätabbrüchen zuvor meist ein Fetozid durchgeführt [d.h., das Kind
wird bereits im Mutterleib getötet JK] (24)
·
Schwangerschaftsabbrüche:
Die genaue Zahl der Abbrüche nach einer PND kann man nur schätzen; sie liegt
zwischen 2 und 4 Prozent der registrierten Schwangerschaftsabbrüche überhaupt.
Die seit 1996 geltende „medizinische Indikation“ umfasst – anders als die
vorher geltende „embryopathische Indikation“ – auch solche Fälle, bei denen der
Schwangerschaftsabbruch nur aufgrund deiner Erkrankung der Mutter durchgeführt
wird:
Der Anteil medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbrüche war in den Jahren
von 1996 bis 2000 insgesamt leicht rückläufig. Der Anteil der Abbrüche, die
noch nach dem Beginn der 23 SSW p.c. vorgenommen werden, ist in etwa konstant.
Zahlen aus Tabelle V im Anhang:
|
Jahr |
Schwangerschafts-Abbrüche |
embryopathische |
medizinische- |
Spätabbrüche |
|
1995 |
97937 |
668 |
4897 |
26 |
|
1996 |
130899 |
0 |
4818 |
159 |
|
1998 |
131795 |
0 |
4338 |
175 |
|
2000 |
134609 |
0 |
3630 |
154 |
(Seite 26)
·
Rechtmäßig kann
ein mit Einwilligung der Schwangeren durchgeführter Schwangerschaftsabbruch
aufgrund einer medizinischen Indikation oder einer kriminologischen Indikation
sein... Beide Indikationen sind „nach ärztlicher Erkenntnis“ zu beurteilen
(Konfliktberatung nicht vorgeschrieben); (35f)
die frühere embryopathische Indikation, die heute in der medizinischen
Indikation aufgegangen ist und jährlich zu über 1000 Schwangerschaftsabbrüchen
führt (71)
·
Inanspruchnahme
der PND in Deutschland:
1999: 770744 Lebendgeburten, Chorionzottenbiopsie 4310, Amniozentese 67320,
Fehlgeburten als Komplikation nach PND (geschätzt bei einem Abortrisiko von 1%
lt. Bundesärztekammer) ca. 700;
Indikationen für Inanspruchnahme der PND in Deutschland (Anteil in %):
erhöhtes mütterliches Alter 71,4 %, auffälligre Triple-Test 11,6%, psychische
Indikation 8,3%, auffälliger Ultraschallbefund 0,8%, hohes Risiko für monogen
bedingte Erkrankung 3,0%, Elter Träger einer balancierten Chromosomenstörung
1,3%, vorheriges Kind mit Chromosomenstörung 3,6%;
etwa 20% der Frauen lehnen die Durchführung einer invasiven PND ab, obwohl sie
ein erhöhtes Risiko haben;
(26f)
·
Einfluss auf
eine Ausweitung des Angebotes zur PND können auch finanzielle Erwägungen der
Ärzte... haben;
ein weiterer Grund könnte die Befürchtung von Ärzten sein, haftungsrechtlich
zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn sie die Schwangere nicht ausführlich
aufgeklärt oder die Indikation zu einer invasiven PND abgelehnt haben (38)
·
Zahl der
diagnostizierbaren genetisch bedingten Erkrankungen gegenwärtig mit über 1500
angegeben (aus dem Votum gegen PID 49);
zur Zeit können etwa 1700 monogen erbliche Merkmale auf ein bestimmtes Gen
zurückgeführt werden (aus dem Votum für PID 60)
·
aus dem Votum
gegen Zulassung der PID:
eine invasive PND sollte nur durchgeführt werden, wenn die nicht-invasive
Diagnostik Auffälligkeiten ergeben hat und die Frau dies ausdrücklich verlangt;
vor und nach PND umfassende Beratung; Bedenkzeit für die Entscheidung über
Schwangerschaftsabbruch;
Spätabbrüche nur bei einer unmittelbaren Gefahr für Leben der Mutter oder wenn
der Fetus an einer unbehandelbaren Erkrankung oder Entwicklungsstörung leidet,
bei der nach der Geburt entsprechend den anerkannten Regeln der Medizin keine
lebenserhaltenden Maßnahmen ergriffen würden (53)
·
aus dem Votum
für begrenzte Zulassung der PID:
bei PND muss Beratung angeboten werden;
Spätabbrüche gleicher Vorschlag wie unter Votum gegen PID s.o. (55f)
·
(Nationaler Ethikrat:
Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der Schwangerschaft“,
23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die Druckfassung, verschickt am
24.1.03)
·
PND
angebotsindizierte Nachfrage, wobei in der Praxis die Standards des informed
consent in der Regel nicht erfüllt sind; heute ist nahezu jede schwangere Frau
mit der Entscheidung für oder gegen PND konfrontiert;
selektive PND soll als Einzelfallangebot vorgehalten werden;
(Diakonie Korrespondenz 02/03: Jeder Mensch ist zum Bild Gottes geschaffen,
März 2003, S.9ff)
·
Naziterror
100000 Morde an behinderten Menschen; 350000 Zwangssterilisationen; bis 1992
jährlich etwa 1000 Zwangssterilisationen in Deutschland (Frauen mit geistiger
Behinderung);
jährlich in D. 100 bis 300 „verunglückte“ Spätabtreibungen, bei denen
lebensfähige Kinder mit Behinderung geboren werden;
nur bei 0,5% der geborenen Kinder liegt eine Schädigung vor, die durch
vorgeburtliche Diagnostik hätte festgestellt werden können
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“ 17.2.03, S.3)
·
Trisomie 21 in
92-95% der Fälle „freie Trisomie“, entsteht bei der Teilung der Ei- oder
Samenzelle und ist nicht erblich;
die restlichen 5-8% sind entweder Mosaik-Trisomien (neben Zellen mit den
üblichen 46 Chromosomen sind solche mit einer Trisomie, also mit 47
Chromosomen, vorhanden) oder sogenannte Translokationen (das Chromosom 21 ist
mit einem anderen Chromosom verbunden). Die letztere Form kann spontan
entstehen, aber auch von Vater oder Mutter vererbt worden sein – im Einzelfall nur
durch Chromosomenuntersuchung zu klären
(Faltblatt: Menschen mit Down-Syndrom,
AK Down-Syndrom e.V.)
·
Screening auf
Mukoviszidose ist der erste Gentest, der werdenden Eltern in den USA
routinemäßig angeboten wird; mindestens 900 verschiedene Mutationen des
Fibrose-Gens treten auf; kommerzielle Gentests umfassen aber nur die häufigsten
Veränderungen in der DNA; z.B. tritt die sogenannte 5T-Mutation bei 5% der
Bevölkerung auf, aber nur in Verbindung mit der sehr seltenen Mutation R117H
führt sie zum Krankheitsausbruch bei der betroffenen Person; aus Kostengründen
haben mehrere Anbieter des Tests aber nur eine Mutation gesucht und trotzdem
Mukoviszidose-Warnung gegeben
(GID 158 6/7-2003 S.19)
·
Kopenhagener
Krankenhausgesellschaft will jährlich mehrere Millionen Kronen sparen; pro Jahr
würden in der Region K. 12 Kinder mit Down-Syndrom geboren; zehn von diesen
Kindern könnte man mit Hilfe eines Screenings frühzeitig erkennen und dann
abtreiben; zehn kranke Kinder würden die Gesellschaft ansonsten 2 Mill. Kronen
pro Jahr kosten
(GID 158 6/7-2003 S.20)
·
angemessene
genetische Beratung im Bereich vorgeburtlicher genetischer Diagnostik wird in
Deutschland bereits heute mit stetig sinkender Zahl in nur weniger als 20% der
Diagnosen durchgeführt (vor und nach PND);
Diejenigen Fälle, in denen sich aus der PND vorgeburtlich oder direkt nach der
Geburt therapeutische Konsequenzen ergeben, sind derzeit statistisch gesehen im
Vergleich zu der Zahl der Diagnosen von Krankheiten und Behinderungen noch
gering. Dies gilt insbesondere für die genetische Diagnostik von
Erbkrankheiten. Die Folge ist, dass überwiegend wissentlich Diagnose ohne
Therapiemöglichkeit für das diagnostizierte „Objekt“ betrieben wird. Das ist
ein ethisches Novum in der Medizin, denn diagnostische Verfahren sind
üblicherweise ethisch nur zu rechtfertigen, wenn auf ihrer Basis dem Wohl des
diagnostizierten „Objekts“ gedient werden kann. Die faktische Konsequenz der
PND von Krankheiten ist meist die Abtreibung, also nicht die Therapie des
Trägers einer Krankheit, sondern seine Tötung.;
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000,
S.74, 114ff)
·
genetische
Analyse von Spontanaborten hat ergeben, dass mehr als 70% dieser nicht
lebensfähigen Föten mikroskopisch sichtbare gravierende Veränderungen auf der
Chromosomenebene aufwiesen
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.42)
·
eine Auswahl der
Embryonen z.B. nach morphologischen Kriterien mit dem Ziel, nur den „besten“
Embryo zu übertragen, ist in Deutschland nicht erlaubt;
ein wesentliches Kriterium für die Gesundheit eines Kindes und eventuell seine
Lebenserwartung sind Fehlbildungen, d.h. angeborene morphologische Defekte, die
verschiedene Organe betreffen können. In internationalen Studien sind sie bei
5% aller Neugeborenen zu finden, davon sind ca. 20% (d.h. 1% der Neugeborenen
JK) als so schwer einzustufen, dass sie die normale Körper- und Organfunktion
einschränken oder die Lebenserwatung herabsetzen und sowohl der chirurgischen
und/oder kosmetischen Korrektur bedürfen (Herzfehler, offener Rücken,
Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Störungen der ableitenden Harnwege);
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S. 111)
·
Man nimmt an,
dass möglicherweise 50% der Embryonen aneuploid sind (d.h. einen anormalen
Chromosomensatz haben JK);
da diese Embryonen nur eine sehr
reduzierte Implantations- und Entwicklungsfähigkeit haben, ist eine erniedrigte
Schwangerschaftsrate die Folge;
Eine weitere Folge ist die erhöhte Abortrate, denn auch nach der Implantation
führt der größte Teil der aneuploiden Embryonen zum Abort, so dass schließlich
bei der Geburt nur 0,6% aller menschlichen Lebewesen aneuploid sind
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.129)
·
Deutsche
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat Reform des §218 im Blick auf
Spätabtreibungen gefordert; Lebensfähigkeit des Ungeborenen als zeitliche
Grenze muss wieder eingeführt werden; 500 Gramm, 22. Schwangerschaftswoche
(Der Sonntag Sachsen 6.7.03)
·
Spina bifida,
„offener Rücken“, „Spaltwirbel“:
eines von 1000 Ungeborenen betroffen; 20% der Kinder sterben bis zum 5.
Lebensjahr
Spalt, an den Rändern rot gezackt, klafft am Rücken; drei Lendenwirbel nicht
zusammengewachsen; Fruchtwasser umspült die frei liegenden Nervenstränge und
verschlimmert den Defekt jeden Tag; Gefahr: könnte querschnittsgelähmt und
geistig behindert zur Welt kommen; zudem könnte sich das Hirnwasser stauen und
den weichen Schädel zu einem großen Ballon formen (Wasserkopf);
(Der Spiegel 28/2003 S.156)
·
Mukoviszidose:
in neun von zehn Fällen verläuft diese Erbkrankheit tödlich (Lunge versagt
ihren Dienst)
(taz 30.7.03)
·
Australien: in
gynäkologischen Abstrichen, die für die Krebsvorsorge entnommen wurden, bereits
in der 5. Schwangerschaftswoche Zellen des Embryos gefunden; damit könnte ein
genetischer Test im Vergleich zu der üblichen Fruchtwasseruntersuchung früher,
preiswerter und ohne weitere Gefahren durchgeführt werden; Testergebnis nach
wenigen Tagen; noch 2-3 Jahre bis zur Praxisreife
(GID 159 7/8-2003 S.33)
·
1976
übernahmen die Krankenkassen die Kosten für Fruchtwasserpunktion – damals 1796
Anwendungen; heute rund 80000 pro Jahr
(Die Zeit 1.10.03 S.40)
·
Down-Syndrom:
Häufigkeit 1:650; Gesichtszüge stark verändert, rundes Gesicht mit flachem
Profil und mongoloiden Lidachsen, oft geistige Retardierung (IQ 20-50),
Infektanfälligkeit, Herzfehler, Darmverschluss beobachtet;
Mukoviszidose: in 70% der Fälle Verlust von drei Basen auf dem Chromosom 7, was
zum Fehlen einer Aminosäure (von 1400) führt; etwa jeder 22. ist davon
Betroffen, jedes 2000. Kind erkrankt; durchschnittliche Lebenserwartung lag
früher zwischen 20 und 30 Jahren, können heute dank verbesserter
Therapieverfahren auch 60 Jahre und älter werden
(GSF-Forschungszentrum Neuherberg: mensch + umwelt spezial 16/2003: Was
verraten unsere Gene? 82 Seiten S. 9)
·
Australien: der
in der Krebsvorsorge übliche Abstrich von Zellen aus dem Gebärmutterhals soll
künftig auch Auskunft über Erbkrankheiten eines ungeborenen Kindes geben
(Spiegel 31/03 S.128)
·
fast völlige
Ausrottung der Thalassaemia in Sardinien; in verschiedenen Teilen von Italien
ist die T. mit einem 905igen Rückgang innerhalb von wenigen Jahren durch ein
öffentliches genetisches Beratungs-Programm und pränatale Diagnosedienste,
begleitet von einer wirksamen Aufklärungskampagne, unter Kontrolle gebracht
worden;
in Frankreich konnte z.B. in den letzten Jahren die Geburt von trisomischen
Kindern um die Hälfte gesenkt werden; andererseits haben durch die Fortschritte
in der medizinisch unterstützten Fortpflanzung und der neonatalen Versorgung
(Entbindung nach 25-26 Wochen; Kinder, die nur wenige hundert Gramm wiegen) die
Geburtsrisiken zugenommen; insgesamt ist die Zahl der geburtsbedingten
Behinderungen tatsächlich angestiegen;
Dabei ist überhaupt nicht sicher, ob der Begriff „Eugenik“ hier der richtige
Ausdruck ist. Die Eugenik ist ja eigentlich das Ergebnis eines gezielten
Programms zur Verbesserung einer Rasse oder einer Spezies. Dies gilt jedoch
nicht für die Einzelfälle, die wir behandelt haben, bei denen die Absicht darin
besteht, dem Unglück zu entgehen.;
wollte man Eltern eine Entscheidung aufzwingen, die nicht ihre eigene ist und
mit der sie nicht umgehen können, wäre das ein Staat oder eine Gesellschaft,
die eine parallele Haltung zu der „traditionellen“ Eugenik einnimmt, mit der
die Fortpflanzung und das Familienleben kontrolliert werden sollen.
(Konferenz Europ. Kirchen; Arbeitsgruppe über Bioethik 2003: Gentests und
prädiktive Medizin)
·
Schwangerschaftsabbrüche
Sachsen 2003: nur 2% auf Grund einer „medizinischen Indikation“ vorgenommen
(Freie Presse Chemnitz 7.4.04)
·
Umfrage Uni
Münster 1157 Frauen, die vorgeburtliche Diagnostik hatten vornehmen lassen, ob
die bei einer entsprechenden Diagnose vor der Geburt einem
Schwangerschaftsabbruch zustimmen würden
|
Störung |
vermutlich
|
|
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
|
10,5% |
|
schwerer
„offener Rücken“ |
84,8% |
|
Anenzephalie |
96,4% |
|
Zystische
Fibrose |
49,5% |
|
Chorea
Huntington |
63,1% |
|
Prädisposition
für Alzheimer |
35,7% |
|
Down-Syndrom |
60,8% |
|
Muskeldystrophe
(Typ Duchenne) |
76,4% |
|
genetisch
bedingtes Übergewicht |
18,9% |
(Bundeszentrale
für Politische Bildung: Gentechnik, 1999, S.132)
·
in
Großbritannien in den letzten 8 Jahren 26 Abtreibzungen wegen Hasenscharte oder
Gaumenspalten; Behandlungsmöglichkeiten (chirurgische Korrektur,
Kieferchirurgie, Sprachtherapie) fast immer erfolgreich
(GID 162/2004 S.28)
·
Fruchtwasseruntersuchungen:
1976, als die Krankenkassen die Kosten übernahmen – 1.796 Fälle; 1982: 15.888;
zur Zeit rund 80.000 Diagnosen pro Jahr erstellt
(Das Parlament 14.6.04 S.12)
·
Gerichtsverfahren
in Großbritannien; nachdem Ärzte bei einem Fötus eine Hasenscharte und
Gaumenspalte diagnostiziert hatten, führten sie eine Spätabtreibung durch in
einem Entwicklungsstadium, in dem das Baby als Frühgeborenes mit großer
Wahrscheinlichkeit überlebt und sich normal entwickelt hätte;
eines von 700 Babys kommt mit einer nicht geschlossenen Oberlippe, mit einer
Spalte in der Mittellinie des weichen Gaumens oder – in den schlimmsten Fällen
– mit einem Bruch im harten Gaumen zur Welkt; Ursache ist vermutlich eine
Kombination von genetischen und nichtgenetischen Faktoren (z.B. Rauchen während
der Schwangerschaft erhöht das Risiko); schon im 19. Jahrhundert wurden diese
Missbildungen chirurgisch korrigiert, heute behandelt man sie obendrein
kieferorthopädisch und sprachtherapeutisch, das dauert manchmal, bis
Jugendliche erwachsen sind, ist aber fast immer erfolgreich;
dennoch führten britische Kliniken in den letzten 8 Jahren 26 Abtreibungen wegen
Gaumenspalten und Wolfsrachen durch, zwei davon nach der 24.
Schwangerschaftswoche
(Die Zeit 11.12.03 S.40)
·
Die früher als
„erblicher Veitstanz“ bezeichnete Huntington-Krankheit führt nach zuvor
unbeeinträchtigter Gesundheit mit Beginn meist zwischen dem 30. und 50.
Lebensjahr nach jahrelang fortschreitenden Bewegungsstörungen,
Persönlichkeitsveränderungen und Demenz zum Tode. Ursächlich sind krankhafte
Verlängerungen tandemartig wiederholter DNA-Triplettstrukturen im
Huntington-Gen auf Chromosom 4;
das Grundrisiko für ein Kind eines gesunden, nicht blutsverwandten Elternpaares
für irgendeine Form angeborener Krankheit oder Behinderung liegt bei etwa 3-4%,
davon stellen nicht-genetische Probleme wie Geburtsschäden oder mütterlicher
Alkoholmissbrauch den Löwenanteil;
die Humangenetiker in Deutschland haben sich darauf verständigt, nach
Fruchtwasseruntersuchungen den werdenden Eltern das Geschlecht des Kindes nicht
vor der 14. SSW mitzuteilen, um einem Missbrauch dieser Information für einen
Schwangerschaftsabbruch nach der Fristenlösung vorzubeugen;
die Lebenserwartung eines neugeborenen Kindes mit Down-Syndrom ist seit 1929
von 9 auf über 50 Jahre angestiegen; verbesserte medizinische und pädagogische
Betreuung ermöglicht es fast jedem von ihnen, Lesen und Schreiben zu lernen;
Mukoviszidose: jedes zweitausendste Neugeborene hat Gen von beiden Eltern
ererbt, was zum klinischen Bild der rezessiv erblichen M. führt; dabei führen
Veränderungen in der Struktur eines den Salzhaushalt regulierenden Proteins zur
Eindickung von Körpersekreten vor allem in Lunge und Verdauungstrakt; im für
dieses Protein codierenden Gen sind inzwischen über tausend verschiedene
Einzelmutationen bekannt, diese verursachen unterschiedlich schwere
Funktionsstörungen des Proteins mit der Folge unterschiedlicher Symptomatik, ob
sich die Krankheit bereits bei der Geburt als Darmverschluss durch einen
Schleimpfropf manifestiert oder aber erst nach Jahren durch hartnäckige Infekte
in den mit Schleim belegten Atemwegen, wird dadurch beeinflusst, welche
Einzelmutationen individuell vorliegen; Verlauf und Prognose der Krankheit
werden wesentlich durch konsequente Medikamententherapie und persönliches
Verhalten des Patienten mitbestimmt; überraschen vor wenigen Jahren die
Erkenntnis, dass bei ansonsten völlig gesunden Männern mit unerfülltem
Kinderwunsch reinerbige Mutationen in bestimmten Abschnitten des
Mukoviszidose-Gens häufig sind, diese führen zu einem angeborenen Verschluss
der Samengänge, aber nicht dem klassischen Krankheitsbild der M.; der deutsche
Philosoph Karl Jaspers (wurde 86 Jahre alt) war chronisch lungenkrank und litt
möglicherweise an einer mild verlaufenden M.;
Mukoviszidose in Europa vergleichsweise häufig, mutiertes Gen bewirkt bessere
Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Typhus-Erregern in Darmzellen;
etwa die Hälfte der Schwangerschaften endet (in den ersten Tagen) mit einer
Fehlgeburt aufgrund einer Chromosomenfehlverteilung des werdenden Kindes;
nicht nur in den Keimzellen, sondern auch in den Körperzellen finden Chromosomenfehlverteilungen
statt – jeder von uns besitzt eine große Zahl von Körperzellen mit Trisomien
der verschiedensten Chromosomen, darunter auch Chromosom 21, überspitzt, aber
biologisch korrekt formuliert hat folglich JEDER Mensch ein Mosaik-Down-Syndrom
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht
arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.63, 69,
113, 133, 140, 150, 157)
·
Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion (15/3948); Ziel: Spätabtreibungen erschweren;
PND soll mit einervorausgehenden, umfassenden Beratung durch einen fachkundigen
Arzt verbunden sein, außerdem soll medizinische Beratung „in angemessener
Weise“ um eine psycho-soziale Komponente erweitert werden; Krankenkassen sollen
Kosten für PND nur dann übernehmen, wenn die Schwangere sich in der
vorgeschriebenen Weise hat beraten lassen; über das Vorliegen einer
„medizinischen Indikation“ im Zusammenhang mit der Behinderung eines
ungeborenen Kindes soll ein interdisziplinär besetztes Kollegium aus
Frauenheilkundlern, Kinderheilkundlern, Psychologen und Humangenetikern
entscheiden; bei Vorliegen einer medizinischen Indikation sollen vor einem
Schwangerschaftsabbruch drei Tage Bedenkzeit eingehalten werden, sofern nicht
das Leben der werdenden Mutter akut gefährdet ist;
Angaben des Statist. Bundesamtes: im Jahr 2003 bei insgesamt 128.030 gemeldeten
Schwangerschaftsabbrüchen 217 nach der 23. Woche erfolgt
(Das Parlament 1.11.04)
·
Antrag 15/4148
der Koalitionsfraktionen im Bundestag;
Schwangere so umfassend und wertfrei informieren, dass sie eine
eigenverantwortliche Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch
treffen können; den betroffenen Frauen und Paaren neben dem ärztlichen
Aufklärungsgespräch eine unabhängige psychosoziale Beratung anbieten, dabei
Kooperation und Vernetzung der mit der Thematik befassten Berufsgruppen;
Richtlinie der Bundesärztekammer zur pränatalen Diagnostik soll überarbeitet
werden – insbesondere adäquate Aufklärung und Beratung vor PND sowie danach
gewährleisten; nach Ansicht der Angeordneten begründet die Datenlage zur
medizinischen Indikation keinen gesetzlichen Handlungsbedarf
(Das Parlament 15.11.04)
·
Muskeldystrophie:
bei gesunden Menschen wird auf einem bestimmten Gen eine bestimmte Sequenz
5-30x wiederholt, im defekten Gen finden sich Hunderte oder Tausende solcher
Wiederholungen (367)
Huntington-Gen: im Chromosom 4 wird eine bestimmte Bausteinfolge zu oft
wiederholt (CAG); 10 bis 35 mal ist in Ordnung; darüber ist mit sicherem
Ausbruch der Krankheit zu rechnen: 39 Wiederholungen ---> Erkrankung im
Alter von durchschnittlich 66 Jahren, 40 Kopien: 59 Jahre, 41 Kopien 54 Jahre,
50 CAG-Sequenzen: 27 Jahre (468)
4 bis 7% aller lebend geborenen Kinder kommen mit körperlichen Fehlbildungen
zur Welt; Herzfehler 1%, Chromosomenstörung 0,5%; Mutation im Erbgut 1%; 2,5%
weisen eine Fehlbildung aufgrund mehrerer Faktoren auf (369)
mittlerweile 14.000 monogen vererbte Krankheiten bekannt, bei mehr als der
Hälfte ist das verantwortliche Gen lokalisiert, einige so selten, dass nur zwei oder drei Fälle auf der ganzen Welt
beobachtet wurden (369)
(Detlev Ganten u.a.: Leben., Natur, Wissenschaft; Eichborn Ffm. 2003)
·
Spätabtreibungen:
knapp 3% aller Abtreibungen nach der 12. SSW, 2003 waren es 2044 Spätabbrüche, davon
217 nach der 22. SSW
(Das Parlament 21.2.05)
·
Teilt ein Arzt
der Schwangeren die Laborwerte nach Fruchtwasseruntersuchung zu spät mit, kann
er haftbar gemacht werden (Unterhaltsaufwand für das behinderte Kind + 10000
Euro Schmerzensgeld); Oberlandesgericht Saarbrücken: regulierungspflichtiger
Behandlungsfehler
(GID 168/2005 S.39)
·
Bundesvereinigung Lebenshilfe: Ultraschall fördert Selektion;
Bestrebungen, in die vorgeburtliche Untersuchung regelmäßig die
Nackenfaltenmessung aufzunehmen, seien abzulehnen; Gefahr, dass vorgeburtliche
Diagnostik... hauptsächlich zur Selektion behinderten Lebens genutzt werde
(taz 29.7.05)
·
Röteln können vor allem Ungeborenen gefährlich werden, wenn deren Mütter sich
mit dem Virus infizieren; so kamen in den USA 1964 und 1965 nach einem Ausbruch
der Krankheit mehr als 15.000 Babys taub oder blind zur Welt, etwa genauso
viele starben kurz vor oder nach der Geburt; inzwischen sind in den USA fast
93% aller Kinder unter 2 Jahren geimpft; anders in Deutschland: Impfrate unter
30%, jährlich 30000 bis 120000 Infektionen, 30-50 Kinder mit Rötelschäden
kommen zur Welt
(bdw 8/2005 S.39)
·
Feinultraschall 20. SSW, Kind mit Tetrasomie 12p; viele sterben ganz früh
in der Schwangerschaft; „er hat mit dem Armgefuchtelt und sich umgedreht“ (Mutter);
„Ihr Kind ist nicht lebensfähig“ (Arzt);
2003: 128.030 Schwangerschaftsabbrüche, 2.044 zwischen 13. und 23. Woche, 217
später, vermutlich liegen die tatsächlichen Zahlen höher;
Kinder mit offenem Rücken: manche dieser Kinder sind querschnittsgelähmt,
andere können sich normal bewegen;
in der 14. Woche misst der Arzt die Nackenfalte des Kindes: 2,5 mm; das ist
breiter als normal, kann Hinweis auf einen Herzfehler oder auf eine Trisomie
sein
(taz 17.2.05)
·
(S. 164) S. Graumann: so wird etwa von Seiten der Behindertenbewegung,
soweit mir die einschlägigen Stellungnahmen bekannt sind, kein
Abtreibungsverbot „behinderter Föten“ gefordert ... Rechte von betroffenen
Frauen und Paaren werden respektiert ... gefordert wird verantwortungsvoller
Umgang mit den Möglichkeiten der PND ... umfassende Beratung
(Ethik in der Medizin, Heft 3/2003: Behinderung und Medizinethik)
·
von 120.000 Abtreibungen jährlich werden nur rund 2.000 Eingriffe
zwischen der 13. und 23. Woche und 200 Abbrüche jenseits der 23. Woche gemacht
(taz 23.12.05)
·
Bundesvereinigung Lebenshilfe hat vor Ausweitung der
Ultraschalluntersuchung in der Schwangerenvorsorge gewarnt (Nackenfaltenmessung
= Hinweis auf Down-Syndrom JK); Gefahr, dass vorgeburtliche Diagnostik Frauen
verunsichere und hauptsächlich zur Selektion behinderten Lebens genutzt werde
(taz 29.7.05)
·
„Ziel der Ärzteschaft ist eine Verhinderung von Schwangerschaftsabbrüchen jedweder Art.“
(Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe);
Spätabbrüche – davon spricht man, denn die Lebensfähigkeit des Kindes ab der
22./23. Woche gegeben ist und die Tötung des Kindes – der Fetozid – vor dem
Abbruch erfolgen muss;
gestritten wird dabei nicht um die Fälle, in denen das Leben der Mutter durch
Schwangerschaft oder Geburt gefährdet ist, sondern um die, in denen eine
absehbare schwere seelische Belastung der Mutter, beispielsweise durch eine
Behinderung des Kindes, attestiert wird;
Bundesärztekammer und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
wollen in Kürze ein gemeinsames Positionspapier vorlegen: unter anderem sollten
bei Abtreibung nach medizinischer (wie jetzt schon nach sozialer) Indikation
eine Beratungspflicht und mehrtägige Bedenkzeit vor dem Abbruch vorgeschrieben
werden, „Das Kind ist bei medizinischer Indikation weniger geschützt als
sonst“, Haftungspflicht des Arztes bei falscher Diagnosestellung oder einem
Überleben des Kindes nach einer Abtreibung mindern;
2005: 124.023 Abbrüche insgesamt, davon 3.177 nach medizinischer Indikation;
nach der 23. Woche 171 Abbrüche; es wird allerdings von einer gewissen
Dunkelziffer bei Schwangerschaftsabbrüchen ausgegangen
(Das Parlament 20.3.06 S.3)
·
Studie 1999: Abtreibungsrate bei Trisomie 21 92%
(GID 175 April/Mai 2006 S.54)
·
Zahl der Krankheiten, für die die Mediziner einen genetischen
Hintergrund gefunden haben, seit 1970 von 1.600 auf 16.000 Störungen
verzehnfacht
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.13)
·
Deutschland 2005: mehrere hundert Föten nach dem dritten Monat abgetrieben,
171 nach der 23. Schwangerschaftswoche
(Spiegel 34/2006 S. 20)
·
Großbritannien zwischen 1996 und 2004 mindestens 20
Schwangerschaftsabbrüche wegen Klumpfuß im Ultraschall (nachgeburtlich
behebbar); weitere Abtreibungen wegen überzähligen Fingern; in GB
Schwangerschaftsabbruch bis unmittelbar vor der Geburt zulässig bei Vorliegen
einer „ernsthaften Behinderung“
(GID 177 8/9-2006 S.41)
·
Dass wir
Menschen nicht vor jeder Empfängnis und Geburt zittern müssen, ob das Kind, das
kommen wird, missgestaltet sein wird oder nicht, verdanken wir der biologischen
Selektion mit ihrer ambivalenten Wirkweise. Sie sorgt mit einer unglaublich
hohen Wahrscheinlichkeit dafür, dass Deformiertes oder Nicht-Lebensfähiges
zugunsten des (wahrscheinlich) Lebensfähigen aus dem Entwicklungsgeschehen
ausgeschieden wird. Insofern ist diese Form von Selektion selbst ein
staunenswerter Teil des Lebens.
(Klaus-Peter Jörns: Notwendige Abschiede – Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen
Christentum, Gütersloh 2004, S. 214)
·
USA: Empfehlung des Kollegs der Geburtshelfer und Gynäkologen: danach
soll künftig allen Schwangeren, unabhängig von ihrem Alter, ein Frühscreening
auf Trisomie 21 angeboten werden; bisher routinemäßiger Test erst bei Frauen ab
35. Lebensjahr üblich; dabei hat sich gezeigt, dass sich im Falle eines
positiven Testergebnisses (Vorliegen der Störung) 90% der Betroffenen für einen
Schwangerschaftsabbruch entscheiden; Gruppe von Eltern mit Down-Syndrom-Kindern
wollen mit eigenen positiven Erfahrungen gegensteuern – Treffen mit Kindern
ermöglichen
(GID 182 Juni 2007 S.41)
·
(93) wer gesund
ist und sich ausgewogen ernährt, muss isch in Deutschland eigentlich nur über
zwei Bausteine seiner Ernährung lebenslang Gedanken machen: Jod und Folsäure.
Vom Jod gibt es in Mitteleuropa zu wenig in der Nahrung, weshalb jodiertes Speisesalz zum Backen verwendet wird
und auch im Supermarkt die Auswahl dominiert.
Zu wenig Folsäure führt zu einem erhöhten Spiegel der Aminosäure Homocystein im
Blut, die wiederum ein Risikofaktor für Arteriosklerose ist. Bei Schwangeren
steigt zudem die Gefahr einer Missbildung des Kindes infolge des
Folsäuremangels der Mutter (Gefahr, dass Kind einen Neuralrohrdefekt hat)
(Spiegel spezial „Besser essen besser leben“ 5/2005)
·
8,6 Millionen
behinderte Menschen leben in Deutschland, 6.7 Millionen von ihnen gelten als
schwerbehindert
(Ökotest 2/07 S.67)
·
(3) Die meisten
Schwangeren erwarten ein gesundes Kind; in nur etwa 5% der Schwangerschaften
ist mit einer kindlichen Fehlbildung oder Erkrankung zu rechnen;
erste Berichte über Entnahme von Fruchtwasser während des zweiten
Schwangerschaftsdrittels 1966 publiziert; Anfang der 80er Jahre Entnahme von
Zotten des Chorion;
zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche (SSW) kann ein sog.
„Ersttrimester-Screening“ durchgeführt werden, beinhaltet eine
Ultraschalluntersuchung, bei der der gesamte Embryo detailliert untersucht
wird, besonderer Augenmerk liegt auf der Messung der „Nackentransparenz“, einer
Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich des Feten; in Kombination mit einer Hormonuntersuchung
im Blut der Mutter (Eiweißstoff PAPP-A und Schwangerschaftshormon: freies ß-hCG
so Seite 44) und dem Alter der Schwangeren kann eine Risikoabschätzung für eine
kindliche Chromosomenstörung erfolgen (individuelle Berechnung);
ab 11./12. SSW Chorionzottenbiopsie möglich;
ab 14./15. SSW kann Fruchtwasseruntersuchung erfolgen; mittels einer feinen
Nadel durch die Bauchdecke der Mutter 10-15 ml Fruchtwasser aus der Fruchthöhle
entnommen;
ab 20. SSW Punktion der kindlichen Nabelschnur;
der Anteil der Schwangeren, die älter sind als 35, hat sich in den letzten 25
Jahren verdoppelt;
Recht auf Nichtwissen, z.B. durch Ablehnung einer Ultraschalluntersuchung;
(7) Befragung Schwangerer;
über 70% der Schwangeren hatten zusätzlich zu den drei in den Mutterschaftsrichtlinien
empfohlenen Ultraschalluntersuchungen mindestens eine weitere zum Ausschluss
von Fehlbildungen;
über 40% ließen die Transparenz der Nackenfalte messen;
29% ließen Ersttrimester-Test durchführen;
Fruchtwasseruntersuchung: 11,5%;
Chorionzottenbiopsie: 3,3%;
nur 15% der Frauen haben ganz auf PND verzichtet;
(33) Dr. Klaus König, Berufsverband der Frauenärzte e.V.:
wenn wir eine Kampagne machen, etwa bei der Brustkrebsprävention, dann suchen
wir Prominente, die das vermitteln und in jeder Talkshow noch anfügen, dass es
wichtig ist, so geht das...;
Wir Gynäkologen machen ja selbst psychosomatische Beratung, wir sind dafür
ausgebildet. Wir haben das in der Weiterbildungsordnung stehen. Für die
Schwangerenbetreuung und auch um über den Fehlbildungsultraschall aufzuklären,
brauchen wir keine externen Beratungsstellen. – Heißt das, dass auch im Falle
einer diagnostizierten Fehlbildung durch Amniozentese im späteren Verlauf der
Schwangerschaft und einem evtl. folgenden Abbruch der Schwangerschaft die
Beratung vom Gynäkologen geleistet werden kann? – Richtig.;
zu den Hebammen ist zu sagen, dass sie gar nicht gelernt haben, eine
Schwangerschaft vollständig nach den Mutterschaftsrichtlinien zu betreuen. Sie
können keinen Ultraschall machen, deshalb stehen sie ihm kritisch gegenüber,
sie können keine weitere Abklärung selber machen ...;
Wir haben in Deutschland die ärztliche Schwangerenbetreuung ...
Risikoschwangerschaften dürfen auf keinen Fall von der Hebamme betreut werden ;
(38) Pränataldiagnostik hat aus der Zeit des geduldigen Wartens eine Zeit der
aktiven Einflussnahme und Entscheidungen gemacht. Aus dem schicksalhaften
Annehmen des Kindes, so wie es ist, wurde das Angebot, mithilfe von PND
Einfluss zu nehmen oder sogar ein Kind abzulehnen, wenn schon vor der Geburt
schwerste Schäden zu erkennen sind;
Ultraschalluntersuchung in der 20. SSW als „Organ-Ultraschall“; explizit zum
Erkennen von Fehlbildungen gedacht;
bei 2-4% der Neugeborenen werden geistige und/oder körperliche Behinderungen
festgestellt;
in ca. 1% der Fälle wird durch den Eingriff bei der Fruchtwasseruntersuchung
eine Fehlgeburt ausgelöst;
(43) Nackenfalte ist eine Wasseransammlung im oberen Rückenbereich; auch
Nackenödem oder Nackentransparenz (NT) genannt; entwickelt sich zwischen der 9.
und 14, Woche, verschwindet dann wieder; je größer die Nackenfalte, desto
größer die statistische Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit einer
Chromosomenabweichung zur Welt kommt (Trisomie 121, seltener Trisomien 13 oder
18, oder Abweichungen der Geschlechtschromosomen);
der Ersttrimester-Test ist keine vorgeburtliche Diagnose, sondern eine
Wahrscheinlichkeitsberechnung oder Risikoabschätzung; als Ergebnis erfährt die
Frau eine Risikozahl, etw: 1:500; diese besagt, dass von 500 Frauen gleichen
Alters, die die gleichen Blutwerte und die gleiche Nackenfaltendicke aufweisen,
eine Frau ein Kind mit einem Down-Syndrom zur Welt bringen würde; ab einer
Wahrscheinlichkeit von 1:300 wird einer Frau empfohlen, prüfen zu lassen, ob
ihr Kind das eine von den 300 ist oder nicht (z.B. durch
Fruchtwasseruntersuchung);
Problem bei allen statistischen Verfahren ist die Unsicherheit der Ergebnisse:
Das Frühscreening hat eine „Falsch-Positiv-Rate“ von über 5%, d.h. mindestens 5
von hundert Frauen erhalten beunruhigende Werte, lassen eine
Fruchtwasseruntersuchung machen und stellen dann fest, dass ihr Kind nicht
betroffen ist; einige Frauen erhalten ein „Falsch-negatives“ Ergebnis, lassen
keine weiteren Untersuchungen machen und bringen dann doch ein Kind mit
Down-Syndrom zur Welt;
Ersttrimestertest ist wie der Triple-Test keine Kassenleistung;
der Test eröffnet bei positivem Befund keine therapeutischen Möglichkeiten;
zum Zeitpunkt der Messung der Nackentransparenz (Ultraschall 15 Minuten) misst
das Ungeborene vom Scheitel bis zur Sohle 4,5 bis 8,4 cm; die zu messende
Nackenverdickung liegt im Zehntelmillimeterbereich;
den Wahrscheinlichkeitsaussagen liegen Werte aus einer britischen Studie an
100.000 Schwangeren zugrunde;
der Test wird in Deutschland seit 2002 von einem privaten Verein angeboten,
unabhängig von den ärztlichen Standesorganisationen und Krankenkassen; ist
nicht Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien; kostet 100 bis 150 Euro; bei
einem flächendeckenden Screening stehen in Deutschland rund 700.000 Kundinnen pro
Jahr zur Verfügung;
(52) in der gynäkologischen Praxis sind in der Vorsorgepauschale pro Quartal 58
Minuten Beratungszeit vorgesehen;
bei etwa 3% der Frauen Gewissheit: unser Kind ist krank oder behindert;
(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Zeitschrift FORUM
Sexualaufklärung und Familienplanung, Heft 1-2007 „Pränataldiagnostik“; 70
Seiten; kostenlos unter: order.bzga.de)
·
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) müssen beim Arzt selbst aus der
eigenen Tasche bezahlt werden; von 100 abgerechneten Leistungen entfielen 2007
21 (Platz 1) auf Ultraschall an ungeborenen Kindern („Baby-TV“ in der
Schwangerschaft)
(bdw 2/2008 S.49)
·
Bei Diagnose Down-Syndrom 90% Entscheidung der Eltern für Abbruch der Schwangerschaft;
etwa 200 Kinder pro Jahr in
Deutschland Abtreibung nach der 22. Schwangerschaftswoche
(ZEIT 13.3.08 S.35)
·
Erst-Trimester-Test;
ultraschallgestützte Vermessung der Nackenfalte des Ungeborenen, kombiniert mit
Labortests und dem „Basisrisiko Alter“, um die übliche Suche nach Trisomie 21
und anderen Normabweichungen zu effektivieren; nach eienr Studie der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kaufen derzeit 29% der
Schwangeren den Test;
grobe Schätzung: bei einem Nackentransparenz-Screening bei 1000 Frauen wären 7
Fälle von Chromosomen-Anomalien zu erwarten; 5 davon könnten durch die
Diagnostik entdeckt werden, zwei blieben unerkannt; mit einem „positiven“
Testergebnis wären 53 Frauen konfrontiert
(GID 188 Juni 2008 S.6f.)
·
In Deutschland durchschnittlich 7 Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren;
in Schweden nur 1x vorgesehen und auch so gehandhabt; mütterliches „Risiko“
wird in D. bei 70-80% aller Schwangerschaften festgestellt;
(GID 188 Juni 2008 S.11)
·
Italien: bei 115.000 untersuchten Fällen von Chorionzottenbiopsien und Fruchtwasseruntersuchungen
nur 50% der möglichen Chromosomenanomalien entdeckt; auch bei Trisomie 21 nicht
hundertprozentig gewiss
(GID 188 Juni 2008 S.39)
·
Allgemeinmediziner zahlen für die ärztliche Berufshaftpflicht ein paar
hundert Euro Jahresprämie;
Geburtshelfer und Chirurgen gelten mittlerweile als unkalkulierbare
Hochrisikogruppen, zahlen die höchsten Beiträge unter Medizinern, Jahressummen
bis zu 20.000 Euro sind keine Seltenheit; Fall Frauenarzt 66.000 Euro pro Jahr;
USA geburtshilfliche Gynäkologen bis 200.000 Dollar pro Jahr für Haftpflicht;
“Schwangere behandeln wir hier nicht“
(Spiegel 10-2008 S.66)
·
Österreich: „Kind als Schaden“;
wegen einer Behinderung ihres Kindes, die in der Schwangerschaft übersehen
worden war, haben Eltern Schadensersatzanspruch in Höhe der
Lebenshaltungskosten zugesprochen bekommen; Österreichischer Oberster
Gerichtshof; schwere Form von spina bifida (Spaltbildung der Wirbelsäule),
Eltern hätten bei Kenntnis Abbruch vornehmen lassen
(GID 187 April 2008 S.44)
·
Bundestagsdebatte zu Spätabbrüchen
Christel Humme, SPD:
behindertes Leben schützen … das wollen wir auch… Sie meinen, das erreichen zu
können, wenn Sie Spätabbrüche vermeiden. 80% der Spätabbrüche werden
vorgenommen, weil das Ungeborene nicht lebensfähig ist. Diesen Kindern fehlt
ein lebenswichtiges Organ, sie haben kein Gehirn, es fehlen beide Nieren,oder
das Herz ist schwer geschädigt. Die Kinder sind dem Tod geweiht;
(anderer Beitrag weist darauf hin, dass erkannte Behinderungen des Kindes
ohnehin NICHT Kriterium sein können/dürfen, da ausschließlich eine medizinische
Indikation, also Gefahr für Leib und Leben oder Psyche der Mutter Begründung
für einen Abbruch sein darf)
(Das Parlament 52/2008 Debattendokumentation S.2)
·
in Großbritannien kommen wieder mehr Kinder mit Down-Syndrom zu Welt als
in den Jahren nach Einführung von Früherkennungstests, mit denen die
Behinderung bereits während der Schwangerschaft festgestellt werden kann; für
2006 verzeichneten die Statistiken für England und Wales 749 derartige
Geburten, 1989, im Jahr der Einführung der Pränataltests, waren es 717 gewesen,
in den Jahren dazwischen war die Zahl deutlich unter 600 Geburten gesunken;
ausschlaggebend für die Entscheidung vieler Eltern, das Kind nicht abtreiben zu
lassen, ist einer Umfrage zufolge der Eindruck, dass solche Kinder heute mit
besseren Zukunftschancen rechnen können als noch vor 20 Jahren, außerdem sahes
sie sich durch die Hilfe von Freunden und Familie in ihrem Entschluss bestätigt
(Spiegel 49/2008 S.162)
·
um festzustellen, ob ein ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat, reicht
nach einem Verfahren aus Kalifornien eine Blutprobe der Mutter; im Blutserum
befinden sich auch Erbgutschnipsel des Fötus; ab 14. Schwangerschaftswoche
untersucht, bisher erst 400 Proben untersucht, aber kein einziger Fehler im
Ergebnis; kein Risiko der Untersuchung für das Kind wie bei
Fruchtwasseruntersuchung oder Chorionzottenbiopsie
(taz 17.10.08, GID 190 Oktober 2008 S.26)
·
Gesetz zu Spätabtreibungen; am 13.5.09 im Bundestag verabschiedet;
Sofern vorgeburtliche Untersuchungen ergeben, dass das Kind geistig oder
körperlich behindert ist, hat der Arzt die schwangere Frau über medizinische
und psychosoziale Aspekte der Behinderung zu beraten. Er soll dabei Kollegen
einbeziehen, die sich mit der Behinderung des Kindes auskennen. Außerdem hat
der Arzt die werdende Mutter auf die
Möglichkeit einer weiteren psychosozialen Beratung hinzuweisen. Sofern die
Schwangere es möchte, soll er Kontakt zu Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen
vermitteln. Zwischen Diagnose und der schriftlichen Feststellung, dass die
Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch gegeben ist, müssen mindestens
drei Tage liegen. Bei einem Verstoß gegen eine der Vorschriften muss der Arzt
mit einem Bußgeld von 5.000 Euro rechnen. ;
Spätabtreibungen: Schwangerschaftsabbrüche nach der 22. oder 23. Woche, ab
denen ein Kind meist als lebensfähig gilt;
das am 13.5.09 verabschiedete Gesetz bezieht sich aber auf alle Fälle der
medizinischen Indikation;
im Jahr 2008 wurden 231 Schwangerschaften nach der 23. Woche abgebrochen, dazu
kamen 2100 Abbrüche zwischen der 13 und der 23. Woche
(Das Parlament 18./25.5.09 S.6)
·
2008: 115.000 gemeldete Schwangerschaftsabbrüche, davon rund 3000
aufgrund einer medizinischen Indikation, 230 davon nach der 22. Woche abgebrochen
(Freie Presse Chemnitz 14.5.09 S.6)
·
Abtreibungen in Deutschland 2008 gesamt: 114.484;
davon aufgrund medizinischer Indikation nach der 12. Woche: 2.100;
Spätabtreibungen nach der 22. Woche: 231;
(Der Spiegel 26-2009 S.128)
·
rund 10.000 Babys kommen jedes Jahr in Deutschland mit alkoholbedingten
körperlichen oder geistigen Schäden zur Welt (in 2.000 Fällen schwere
Störungen);
Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für
körperliche und geistige Schäden bei Kindern (BZgA);
12 bis 15 % der werdenden Mütter trinken einmal oder mehrfach im Monat
(taz 9.9.09 S.06)
·
Jedes Jahr kommen in Deutschland 4000 Babys zur Welt, deren Gehirn durch
Alkohol dauerhaft geschädigt ist
(Spiegel 37-2009 S.122ff)
·
in Großbritannien liegt die Rate von Schwangerschaftsabbrüchen nach
positiver Diagnose für das Vorliegen eines Down-Syndroms bei 92%
(GID Nr.193 4-2009 S.32)
·
96 Prozent aller Kinder kommen gesund zur Welt!;
heute nehmen 85% der Schwangeren private Zusatzleistungen in Anspruch;
1970er Jahre 171 Fruchtwasseruntersuchungen (in einem Jahr? JK); 2004: 61.000;
die PND sucht gezielt nach Auffälligkeiten beim Ungeborenen;
die Kasse bezahlt drei Ultraschalluntersuchungen (in der 8.-12.; 18.-22.;
28.-32. Woche).
Etwa 40% der Frauen lassen heute zudem die Nackenfalte ihres Babys messen. Ist
sie verdickt, kann das ein Hinweis auf ein Down-Syndrom oder einen Herzfehler
sein. Um die Erkennungsrate zu erhöhen, wird die Nackentransparenz mit einem
Blutwert kombiniert, der Hormon- und Eiweißwerte bestimmt. Der Computer
errechnet aus den Werten, dem Alter der Frau und der Dauer der Schwangerschaft
und weiteren Befunden ein statistisches Risiko. Der so genannte
Ersttrimester-Test zeigt also an, wie wahrscheinlich es ist, dass das Kind z.B.
das Down-Syndrom haben kann;
Bei der Amniozentese wird Fruchtwasser durch die Bauchdecke der Frau entnommen,
die gewonnenen Zellen werden einer Chromosomenanalyse unterzogen. „Das
Verfahren bringt zwar Klarheit, birgt aber auch die seltene Gefahr einer
Fehlgeburt“ … von 1000 Schwangeren verlieren 5 bis 10 Frauen nach der
Fruchtwasseruntersuchung ihr Kind;
Schon heute brechen mehr als 90% der Frauen, die mittels PND die Diagnose
Down-Syndrom bekommen, die Schwangerschaft ab;
(Das Parlament 8.11.2010, S.7)
·
Fortschritt der Genomdiagnostik: Mit einer neuen Technik können die
Erbinformationen eines Fötus (ungeborenes
Kind im Mutterleib JK) vollständig entschlüsselt werden, ohne jedes Risiko
für Mutter und Kind – eine Blutprobe der Schwangeren genügt. Wollten bisher
Eltern ein genetisches Risiko ausschließen, blieb nur die
Fruchtwasseruntersuchung – mit begrenzter Aussagekraft und verbunden mit dem
Risiko einer Fehlgeburt;
mehr als 10% der Schwangeren entscheiden sich gegen jede vorgeburtliche
Untersuchung; die Mehrheit entscheidet anders: wird vor der Geburt ein
Down-Syndrom festgestellt, entscheiden sich in Deutschland 9 von 10 Schwangeren
für eine Abtreibung;
In der Summe der individuellen Entscheidungen zehntausender Paare pro Jahr
findet in D. eugenisches Handeln längst statt. Nicht im Sinne eines – ebenso
irrwitzigen wie aussichtslosen – staatlich verordneten Menschenzuchtprogramms.
Wohl aber als Eugenik von unten, bei der werdende Elternallein für sich die
Frage beantworten: Soll dieses, ihr gerade erst gezeugtes Kind leben? Oder soll
es besser nicht geboren werden, weil es schwer krank oder behindert wäre?
Die Eltern, die betroffenen Familien – sind sie nicht ohnehin die Einzigen,
denen das Recht dieser schweren Gewissensentscheidung zusteht?;
Wer anders denkt, möge sich jetzt für Verbote aussprechen --- Alle anderen
zwingt der biotechnische Fortschritt dazu, sich zu dem zweifellos heiklen
Bekenntnis durchzuringen: JA, wir sind eine Gesellschaft, die es toleriert,
wenn in ihrer Mitte gegen schwer kranke, behinderte Föten entschieden wird.
Ein paar Milliliter Blut der Schwangeren werden künftig genügen, um das neue
Leben zu inspizieren;
Am Bodensee hat der Probelauf für die Prophetie aus dem Mutterblut bereits
begonnen. Drei Tage lang laufen die Decoder in den Laboren der Konstanzer Firma
LifeCodexx, um die Erbmoleküle eines Ungeborenen zu vermessen. »Dann braucht
der Computer noch einmal drei Tage, um das Ergebnis auszurechnen«, sagt
Vertriebschef Martin Burow. Bei LifeCodexx beschränkt sich die Suche zunächst
auf die wichtigste Frage, die viele zukünftige Eltern umtreibt: Leidet unser
Kind am Downsyndrom (Trisomie 21) und wird deshalb geistig behindert und
körperlich beeinträchtigt zur Welt kommen?
Zum Jahresende, spätestens im Frühjahr 2012 wird der Bluttest für Schwangere in
Deutschland verfügbar sein. »Das Interesse ist riesengroß«, schwärmt Burow.
»Mit unserer Methode kann sich die Mutter Gewissheit verschaffen, ohne dass sie
ihr Kind riskiert.«;
Bislang können sie das Downsyndrom nur mit einer Fruchtwasseruntersuchung
zweifelsfrei ausschließen. Mehr als 31.000 solcher Amniozentesen haben deutsche
Krankenkassen 2009 bezahlt. Doch in einem von hundert Fällen führt der
Eingriff, bei dem der Arzt Fruchtwasser durch die Bauchdecke der Schwangeren
entnimmt, zu einer Fehlgeburt. Nun steht erstmals ein nicht invasiver und damit
gefahrloser Test zur Verfügung.;
Gerade hat sich der Bundestag nach langer kontroverser Debatte dazu
durchgerungen, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Ausnahmefällen
zuzulassen. Während Ärztefunktionäre und Politiker noch diskutieren, wann der
Gentest bei den im Labor gezeugten Embryonen erlaubt sein soll, schickt sich
die Humangenetik an, auch auf das konventionell gezeugte Leben im Mutterleib
zuzugreifen – mit einem komplikationsfreien Verfahren, das zudem früh in der
Schwangerschaft zum Einsatz kommt. Amniozentesen werden in der Regel zwischen
der 14. und 16. Woche durchgeführt. Die neue Technik erlaubt es, die Erbdaten
des Fötus bereits vor der 10. Schwangerschaftswoche komplett auszulesen;
Tatsächlich ist auf Dauer kaum vorstellbar, dass die genetische Untersuchung
des Fötus auf Trisomie 21 beschränkt bleiben wird. Schon jetzt lassen sich
damit weitere Erbschäden entdecken: körperliche Erbleiden wie Mukoviszidose,
Muskelschwund oder Blutarmut sowie neuropsychiatrische Befunde wie ein
drohender Autismus. Mit dem Einstieg in die genomische Fortpflanzungsmedizin
nähern sich die Zeiten ihrem Ende, in denen gesunder Nachwuchs eine Gnade war –
und ein behindertes Kind ein hinzunehmendes Schicksal;
Zurzeit erprobt LifeCodexx, eine Tochter der deutschen Sequenzierfirma GATC,
die Technik in der Schwangerschaftsvorsorge. Zusammen mit einer Reihe deutscher
Perinatalzentren erkundet das Unternehmen die Leistungsfähigkeit des Verfahrens
bei 500 Schwangeren mit einem Risiko für das Downsyndrom. Schon technisch sei
das Unterfangen nicht trivial, versichert Burow: »Und Sie müssen genug fötale
Erbmoleküle gewinnen und sie in einem großen Überschuss an mütterlicher DNA
analysieren.« Beim Bundesforschungsministerium findet die Idee Anklang: Annette
Schavans Haus fördert die Entwicklung mit rund 300.000 Euro;
Dass der Bluttest die Chromosomenfehler zuverlässig entdecken kann, ist ohnehin
bereits bewiesen. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte Los Forscherteam im
British Medical Journal die Ergebnisse einer Untersuchung an 753 Schwangeren
präsentiert. Alle Frauen galten aufgrund ihres Alters und der Befunde im
Ultraschall als Hochrisikopatientinnen. Los Verfahren entdeckte bei den
untersuchten Frauen sämtliche 86 Föten mit Trisomie 21. Er verhandelt derzeit
mit der Regierung in Hongkong, um sein Screening auf Wunsch allen Frauen zur
Verfügung stellen zu können. Unter den Bedingungen eines klinischen Tests, sagt
er, koste die Untersuchung etwa 700 Dollar. Wie teuer sie für die Paare sein
wird, ist jedoch noch offen;
Tatsächlich werden auch beim herkömmlichen Trisomie-Screening per Ultraschall,
das jeder Schwangeren über 35 Jahren angeboten wird, über 90 Prozent der
vorhandenen Trisomien als verdächtig identifiziert. Nach dem Verdacht allerdings
müssen die Mediziner zur Bestätigung der Diagnose die riskante Amniozentese
durchführen. Die soll nach den Vorstellungen des Unternehmens durch den
Bluttest ersetzt werden. »Wir wollen ihn allen Frauen anbieten, wenn eine
Risikoschwangerschaft festgestellt wird«, sagt Burow, »das kann auch eine
18-Jährige sein.« Bislang will die Firma ihre Untersuchungen auf die Entdeckung
des Downsyndroms beschränken. Höchstens eine Ausweitung auf die anderen
schweren Chromosomenstörungen Trisomie 13 und 18 sei denkbar, heißt es in
Konstanz
(DIE ZEIT 18.8.2011 S.1,31 http://www.zeit.de/2011/34/01-Test-Erbgut-Kinder ; http://www.zeit.de/2011/34/M-Trisomie
)
·
Entwicklung eines Schwangerentests, mit dem ohne Risiko für die werdende
Mutter mit hoher Treffersicherheit festgestellt werden kann, ob das
heranreifende Kind ein Downsyndrom, auch Trisomie 21 genannt, hat. Mit 230.000
Euro hatte Schavans Ministerium das Entwicklungsprojekt der Konstanzer
Sequenzierfirma GATC und deren Tochter Lifecodexx unterstützt. Für den Test
sind lediglich 10 Milliliter Blut aus der Armvene der Mutter notwendig. Da in
dem Blutkreislauf der Mutter auch DNA-Fragmente des Fötus zirkulieren, kann
mittels einer DNA-Sequenzierung und einer Computerauswertung festgestellt
werden, ob in dem fetalen Genom das Chromosom Nr. 21 dreifach vorhanden ist;
in den Niederlanden läuft bereits die klinische Erprobung der Verfahrens,
Trefferquote: 100 Prozent;
Hildburg Wegener: Das Gesetz zur begrenzten Zulassung der
Präimplantationsdiagnostik besagt, dass Embryonen nur gezielt, also auf Grund
einer vorliegenden Diagnose oder begründeten Vermutung, genetisch untersucht
werden dürfen. Das müsste eigentlich auch auf die neue Technik angewendet
werden. Und das Gendiagnostikgesetz legt fest, dass vor einer genetischen
Untersuchung über jede einzelne Krankheit, die dabei festgestellt werden
könnte, vorher genetisch beraten werden muss. Auch das müsste der Ausweitung
der (Anwendung der JK) neuen Technik
eigentlich Grenzen setzen.
(taz 2.9.2011 S.18; Der Sonntag, Sachsen, 16.10.2011 S.3)
·
Dem Team um Dennis Lo aus Hongkong, dem es gelungen ist, die komplette
fötale DNA zu isolieren (siehe vorherige Nachricht), hat einen nicht-invasiven
Bluttest für das Down-Syndrom (Trisomie 21) entwickelt. Jedenfalls berichten
die Forscher, dass man mit ihrer Methode bei einem Neugeborenen das
Vorhandensein des Down-Syndroms mit großer Sicherheit diagnostizieren kann.
Dafür werden DNA-Abschnitte des Fötus analysiert, die im Blut der werdenden
Mutter zirkulieren. Die Verhinderung des Down-Syndroms ist zur Zeit - faktisch
- eines der Hauptziele der standardmäßig durchgeführten Pränataldiagnostik. Ein
sicherer Nachweis einer Trisomie 21 erfordert aber eine Untersuchung des
fötalen Chromosomensatzes. Dazu muss eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt
werden - ein für die Mutter belastender und für den Fötus riskanter Eingriff.
Mit der neuen Methode könnten zukünftig 98 Prozent der riskanten
Pränataldiagnostiken überflüssig gemacht werden, so die Forscher. Nach Angaben
von Lo gelang es, in einer Gruppe von 753 schwangeren Frauen aus Hongkong,
Großbritannien und den Niederlanden mit hohem Down-Syndrom-Risiko alle 86 betroffenen
Föten zu entdecken - es gab also kein einziges sogenanntes falsch-negatives
Resultat, das den Betroffenen eine falsche Sicherheit vorgegaukelt hätte. Nur
in 2,1 Prozent der Fälle führte die neue Methode zu einem Fehlalarm, so dass
erst die Untersuchung des Fruchtwassers die Chromosomenstörung eindeutig
ausschließen konnte. Die neue Entwicklung lässt die Alarmglocken klingeln: Ein
altes Ziel der Eugeniker rückt in greifbare Reichweite: die „Ausmerzung“ des
früher so genannten Mongolismus. Schon heute ist Trisomie 21 neben sozialen
Gründen einer der häufigsten Gründe für eine Abtreibung. Mit der neuen Technik
könnte sich der Testautomatismus in der gynäkologischen Praxis dramatisch
verschärfen.
(Süddeutsche Zeitung, 13.01.11) (kris) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/204/kurz-notiert-mensch-und-medizin
)
·
·
GID
125/126 4/98 S.49:
* Prä-Implantations-Diagnostik: Gencheck eines Embryos zugelassen in USA,
Großbrit., Belgien, Niederlande
* folgenschwere Verschiebungen:
a) Indikation für IVF nicht
Unfruchtbarkeit, sondern Wunsch nach einem gesunden Kind
b) Frau wird Abtreibung erspart, aber
sie hat Belastung der IVF
·
GEO
Wissen Sex S.62
- genetische Prä-Implantations-Gen-Diagnostik,
„Ich glaube, daß künftig die meisten Leute die IVF-Technik nicht wählen werden,
weil sie ein Fruchtbarkeitsproblem haben, sondern wegen der Möglichkeit,
Embryonen genetisch zu selektieren;
- Kosten: 1 IVF-Behandlung + Labor = 10000 $
- S.74: Maler Henri de Toulouse-Lautrec wurde wegen angeborener Osteogenesis
imperfecta frühzeitig zum Krüppel; amerik. Präsident Abraham Lincoln vermutet:
Marfan-Syndrom (Gendefekt macht herzkrank)
·
evtl. bei IVF
keine Schwangerschaft angestrebt = „Bedingte Zeugung“;
Embryonenschutzgesetz verbietet PID an totipotenten Zellen; nach dem
derzeitigen Stand der Wissenschaft gelten Zellen nach Abschluß des
Acht-Zell-Stadiums als nicht mehr totipotent;
Indikation: nur bei hohem Risiko für eine bekannte und schwerwiegende,
genetisch bedingte Erkrankung;
keine Indikation: Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, Alter der Eltern,
spät manifestierende Erkrankungen in der Regel nicht;
PID erfordert assistierte Reproduktion - ist damit eine zusätzliche Indikation
für a.R.;
Embryonen, die nicht transferiert werden, dürfen nicht kultiviert,
kryokonserviert oder anderweitig verwendet werden;
((Down-Syndrom taucht nicht auf))
(Bundesärztekammer: Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur
Präimplantationsdiagnostik, Dtsch,. Ärzteblatt 9/2000 S.A-525)
·
PID ist ein
medizinisches Selektionsverfahren, denn es ist ausschließlich entwickelt
worden, um festzustellen, ob ein Embryo vorab definierten genetischen
Anforderungen genügt;
überzählige Embryonen werden produziert;
diskriminierend;
ausschließlich die Maßstäbe und Interessen anderer kommen zur Geltung;
Selektionsspektrum (was gehört dazu???)
(taz 26.5.00)
·
PID in Europa:
zulässig 10 Länder (GB, DK, NO, S, IT, SP, F, BE, ND, GR
Nein: PORT, ÖST, SCHWEIZ
(Dtsch. Ärzteblatt 9/2000 S. A-507)
·
Belgien und GB
seit 1991
(Spiegel 9/2000 S.211)
·
ein
entscheidender Unterschied zwischen PID und PD besteht für mich in dem Umstand,
daß die PD in der Regel eine JA-NEIN-Entscheidung zu einem einzelnen Kind
darstellt. Dagegen ermöglicht die PID in der Regel eine Auswahl aus einer
größeren Zahl an Embryonen (zur Zeit durch das ESchG beschränkt auf drei).
(Dtsch.Ärzteblatt 17/2000 S.A-1131)
·
an einem im
Reagenzglas gezeugten Embryo wird nach drei tagen in einem Kulturmedium die
Biopsie von einem oder zwei Blastomeren vorgenommen; sie werden
molekulargenetisch untersucht
(Dtsch.Ärzteblatt 9/2000 S.A-505)
·
Bundesgesundheitsministerium
bei der PID wird die Eizelle zunächst nur zu diagnostischen Zwecken künstlich
befruchtet;
ein genetisch kranker Embryo (=Mensch im frühen Stadium seiner Entwicklung)
wird geopfert, um einem unbelasteten Embryo zum Leben zu verhelfen;
(Dtsch.Ärzteblatt 10/2000 S.A-586)
·
BÄK:
von einem schematisierten Indikationskatalog Abstand nehmen;
Eugenik der Nazis war staatlich evrordneter Rassenwahn, Zwang...; Begehren nach
PID freiwilliges Begehren eines Paares aus berechtigter individueller Sorge
heraus, intensiver Beratungsprozeß
(Dtsch.Ärzteblatt 17/2000 S.A-1137)
·
Bei der PID geht
es um eine Zeugung unter Vorbehalt mit der erklärten Absicht, den Embryo bei
pathologischem Befund zu vernichten
(GID 140/2000 S.38)
·
britische
Behörden haben einem Elternpaar verboten, bei der künstlichen Befruchtung das
Geschlecht des Kindes zu wählen
taz 19.10.2000
·
USA August 2000:
erstmals entstand durch künstliche Befruchtung ein Baby nach Maß, als
Organspender für die kranke Schwester;
1 Dutzend Embryonen in der Retorte gezeugt, genetischer Test: Passung von
Gewebemerkmalen, Auswahl des geeignetsten Embryos, Austragen, Geburt eines
Sohnes;
Sekunden nach der Geburt Gewinnung von Nabelschnurblut und Übertragung von
Zellen daraus auf die blutarme Schwester;
erstmals Auswahl aufgrund von Merkmalen, die nicht für das zu gebärende Kind
das Beste sind, sondern für eine andere Person;
Spiegel 41/2000 S.270
·
jede
Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung ist eine pränataldiagnostische Maßnahme;
die Präimplantationsdiagnostik ist nur im weiteren Sinne ein
pränatalmedizinisches Verfahren, da sie vor Beginn der Schwangerschaft ansetzt;
das englische Kürzel PGD wird bevorzugt (preimplantation genetic diagnosis), da
PID im Englischen schon anders als medizinische Abkürzung belegt ist und der
Hinweis „genetic“ eine Eingrenzung des diagnostischen Verfahrens signalisiert;
der mittels IVF entstandene Embryo befindet sich drei Tage in einem
Kulturmedium, danach erfolgt die Biopsie von einer oder zwei Blastomeren, an
denen die molekulargenetische Untersuchung mittels Polymerase-Kettenreaktion
(PCR) oder Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) vorgenommen wird;
bei der zur Diagnostik entnommenen Blastomere handelt es sich nach dem
8-Zell-Stadium nicht mehr um eine totipotente Zelle;
da das Ergebnis der Gendiagnostik nach etwa 3-8 Stunden vorliegt, bedarf es
keiner Kryokonservierung des in Warteposition befindlichen Embryos;
als Alternative zur PGD wird die Untersuchung des Polkörpers der nicht
befruchteten Eizelle diskutiert, sie läßt lediglich eine indirekte Aussage über
den genetischen Status der Eizelle zu;
von der erfolgreichen Anwendung einer PGD berichteten erstmals Handyside et.al
1992;
Konflikt Embryonenschutzgesetz und §218? Die Tötung eines Embryos in vivo (im
Mutterleib) ist straffrei und rechtswidrig. Die Tötung eines Embryos in vitro
(im Reagenzglas) ist rechtswidrig und strafbewehrt.;
(Dtsch. Ärzteblatt 18/2000 S.A-1213G)
·
Überschrift:
„Baby vor unheilbarer Krankheit bewahrt“
Kind gezielt im Mutterleib auf Erbkrankheiten untersucht worden, jetzt gesund
geboren,
ein Elternteil ist Träger einer vererbbaren unheilbaren Leberkrankheit, vor der
das Kind so bewahrt wurde;
Freie Presse 16.11.2000
·
BK Schröder:
es müsse zudem diskutiert werden, ob es Gründe für die Zulassung der in vielen
EU-Ländern bereits praktizierten Präimplantationsdiagnostik in Deutschland gibt
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.9)
·
Montgomery
(Marburger Bund) für Verbot der PID (Einstampfen des Debattenpapiers der
Bundesärztekammer); Forschungsministerin Bulmahn befürwortet genetische
Untersuchungen in vitro
(taz 23.2.2001)
·
Ministerin
Däubler-Gmelin gegen PID
(taz 1.3.2001)
·
Bundesgesundheitsministerin
Schmidt für PID
(epd Wochenspiegel 6/2001 S.8)
·
bisher rund 200
PID-Babys weltweit; 29 Zentren; Test auf 35 Erbkrankheiten möglich;
Verfahren in Brüssel bisher rund 400x durchgeführt, 75 Kinder geboren, 30
Schwangerschaften dauern noch an;
(Spiegel-Reporter 1/01 S.25ff)
·
Diskussionspapier
für die CDU Deutschlands (Rüttgers): „Die CDU lehnt die PID nicht grundsätzlich
ab“.
(Der Spiegel 10/2001 S.46)
·
in den letzten
Jahren sind nur 20 Paare nach Brüssel zur Behandlung gefahren;
Diederich (Lübeck): Das ganze Paket (mit einem Zyklus IVF) kostet 8-10000 Mark.
Bei geschätzten etwa 100 Fällen pro Jahr ist das kein so großes Geschäft.
(GID
143 S.34ff)
·
96% der
Schwerbehinderten werden erst im Laufe ihres Lebens schwerbehindert, etwa durch
einen Unfall
Henri de Toulouse-Lautrec und Frederic Chopin wären durch die PID aussortiert
worden. Der Maler wurde aufgrund seiner angeborenen Osteogenesis imperfecta
(Glasknochenkrankheit) früh zum Krüppel, bei dem Komponisten vermuten die
Wissenschaftler eine Mukoviszidose.
(Broschüre Mukoviszidose und Genet(h)ik, Mukoviszidose e.V.)
·
Humangenetiker
Henn /Saarbrücken (Sachverständiger Enquete-Komm. Bundestag):
für Einsatz der PID in engen Grenzen; hohes Risiko für schwere Erbkrankheiten,
intensive genetische Beratung Pflicht, Anwendung an wenigen nichtkommerziellen
Zentren, mit 50-100 Paaren pro Jahr zu rechnen
(epd-wochenspiegel 26/2001 S.12)
·
stellvertr.
CSU-Vors. Horst Seehofer: PID in engen Grenzen vertretbar;
SPD-Präsidium: PID nach geltender Rechtslage nicht erlaubt,
Embryonenschutzgesetz soll vor Herbst 2002 nicht geändert werden
(epd-wochenspiegel 27/01 S.9)
·
Brüsseler
Klinik, PID im Angebot:
Jedes zehnte Paar, das in Brüssel Rat und Hilfe sucht, kommt aus der
Bundesrepublik
(taz 10.7.01)
·
Bundesärztekammer:
Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik
strenge Grenzen:
sehr restriktiver Einsatz der Methode
Absage an jede Art eugenischer Selektion
Anwendung nur bei anamnestisch stark belasteten Paaren
Pflicht zu ausführlicher Beratung
nur bei hohem Risiko für bekannte und schwerwiegende monogen bedingte
Erbkrankheiten oder Chromosomen-störungen
(keine Indikation für PID sind Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug,
Alter der Eltern, Sterilitätstherapie, spät manifestierende Krankheiten)
Untersuchungen dürfen nur an nicht mehr totipotenten Zellen durchgeführt werden
keine anderweitige Verwendung für nicht übertragene Embryonen zulässig
Prüfung jedes Einzelfalles durch zwei Kommissionen der Ärztekammern (Land und
Bund)
(Dtsch. Ärzteblatt 9/2000 S.A-525)
·
Diskussion in
Frankreich zur Frage der Bewertung von Behinderungen überraschendes Ergebnis:
bis auf die Querschnittsgelähmten haben alle französischen Behindertenverbände
es „als empörend bezeichnet, den Frauen unnötiges Leid aufzubürden, das die PID
ihnen ersparen könnte“;
ähnlich auch Patienten und Eltern der Deutschen Mukoviszidose-Vereinigung in
ihrer Erklärung vom 24.9.2000: „Betroffene Eltern, die einen
Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur mit der PID die Chance auf ein
weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein will diese Eltern mit ihren
Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine gelassen sehen.“
(Das Parlament 8.7.01)
·
Auswertung der
Daten von 26 PID Zentren zwischen 1993 und 2000
886 Paare; 123 Geburten von 162 Kindern;
für jede der Geburten durchschnittlich 74 Eizellen befruchtet, 11 Embryonen
transferiert;
in 132 Fällen zusätzlich invasive pränatale Diagnostik, um PID-Ergebnis zu
überprüfen; dabei 4 Fehldiagnosen entdeckt; 7 weitere Abtreibungen; 9 Föten wegen
Mehrlingsschwangerschaften getötet
(Die Welt 6.4.01)
·
PID in
Frankreich: 7 Kinder geboren, nur bei unheilbaren Krankheiten, eng definierte
Liste
Belgien: 60 Kinder geboren; Kosten 7000 DM
Großbritannien etwa 10 Paare pro Jahr;
Griechenland 4 Fälle 2000
(Mail Kordecki 31.5.01)
·
Deutscher
Ärztetag nicht eindeutig gegen PID, fordert Klärung, ob rechtlich erlaubt;
Bundesvorstand der CDU:PID wird nicht grundsätzlich abgelehnt, es müsse enge
Grenzen geben
(taz 25.5.01)
·
Bischof Huber:
so könne etwa der „bedachtsame Einsatz“ der umstrittenen vorgeburtlichen
Diagnostik an Embryonen, die im Reagenzglas erzeugt wurden, in vielen Fällen
das menschliche Leben fördern
(epd-wochenspiegel 21/01 S.5)
·
weltweit etwa
500 Kinder nach PID geboren
(taz 28.5.01)
·
Die Methode der
PID birgt erhebliche Möglichkeiten des Missbrauchs: Stichworte wie „Eugenik“,
„Selektion“ und „Designerkind“ deuten diesen Missbrauch an. Die
Bischofskonferenz der VELKD lehnt zum gegenwärtigen Zeitpunkt angesichts dieser
Missbrauchsmöglichkeiten eine gesetzliche Zulassung der PID ab.
(Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen
Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik 3/2001)
·
Bundestagspräsident
Thierse:
mit Überlegungen zur PID noch nicht zu Ende: so wenig es ein Recht auf ein
gesundes Kind gebe, so wenig gebe es die Pflicht, „sehenden Auges“ ein schwer
behindertes Kind zu gebären
(epd-wochenspiegel/ost24/2001 S. 10)
·
Humangenetiker
Bartram Heidelberg: PID solle auf Fälle beschränkt sein, in denen die Frau
bereits ein behindertes Kind habe oder ein solches abgetrieben habe
(epd-wochenspiegel 24/2001 S.8)
·
französische
Biopolitik: geplantes Gesetz ähnlich wie in Großbritannien: keine Herstellung
von Embryonen nur für Forschungszwecke, aber zulässige Forschung an
überzähligen Embryonen, Zulassung des therapeutischen Klonens, Einberufung
eines Kontrollkommitees;
Geburt des ersten Kindes nach PID vor einem halben Jahr: Indikation: die Mutter
hatte bereits drei Kinder durch eine tödliche Krankheit verloren
(Die Zeit 23.5.01 S.38)
·
noch 2001 wird
erstes europäisches „Designerbaby“ zur Welt kommen; in Großbritannien Kind im
Reagenzglas in der Erwartung gezeugt, dass Stammzellen aus seinem
Nabelschnurblut eingefroren werden sollen, um evtl. bei Wiederauftraten der
Leukämie seines 4 Jahre älteren Bruders eingesetzt zu werden; Auslese in
Großbritannien verboten; vorgenommen in Chicago/USA; 2 Versuchsreihen mit je 11
Embryonen, jetzt Schwangerschaft eingestellt, Kosten etwa 100000 Mark
(taz 19.10.2001)
·
es ist kosteneffizient,
rechnet ein US-Reproduktionsmediziner vor, 2-3000 Dollar zusätzlich zu den
Kosten einer künstlichen Befruchtung zu zahlen, wenn ich dadurch die
Einpflanzung eines Embryos mit Mukoviszidose vermeiden kann, der später sehr
hohe Pflegekosten verursachen würde
(taz 19.10.2001)
·
hier steht eine
Ethik der unbedingten Menschenwürde gegen eine Ethik der Heilungsinteressen
(Bericht des Diakonischen Werkes der EKD an die EKD-Synode November 2001 S.
13ff)
·
Vorsitzender der
Ethikkommission amerikanischer Reproduktionsmediziner: es sei akzeptabel, bei
künstlicher Befruchtung das Geschlecht des Wunschkindes auszuwählen;
bedeutet ethische Kehrtwende für US-Medizin
(Der Spiegel 41/2001 S.201)
·
Lübecker
Altbischof Kohlwage befürwortet Einsatz von PID bei Vorliegen schwerer
genetischer Vorbelastungen und intensiver Beratung
(epd-wochenspiegel ost 41/2001 S.6)
·
Andrea Fischer
und Margot von Renesse:
ihm Bereich von Fortpflanzung, Schwangerschaft und Geburt können nur solche
ethischen Bewertungen Bestand haben, die weder das vorgeburtliche Leben noch
die Frau, die seiner Entwicklung mit der eigenen Person dient, rechtlich dem
Interesse des jeweils anderen völlig unterwerfen.... zu den Grundregeln unseres
Zusammenlebens gehört es, dass Gesetze niemals über Lebensinteressen des einen
zugunsten des anderen einfach hinweggehen und ihn zum bloßen Instrument eines
fremden Interesses machen dürfen. Niemand kann rechtlich gezwungen werden,
einem anderen sein Schicksal zu opfern, mögen solche Pflichten auch zu bei uns
vorhandenen weltanschaulichen, insbesondere religiösen Traditionen gehören. Das
Gesetz kann solch anspruchsvolle Pflichten weder auferlegen noch mit Sanktionen
erzwingen... Aus ihrer Verantwortung können weder die künftigen Eltern noch die
sie betreuenden Ärzte entlassen werden... Antwort des Gesetzgebers kann sicher
nicht bestehen in einem Katalog kasuistisch aufgezählter Erbkrankheiten, die
das Leben oder Zusammenleben vermeintlich unzumutbar belasten.... Über
menschliches Leben kann nicht ohne weiteres verfügt werden. PID nimmt jedoch
die Verwerfung von geschädigten Embryonen in Kauf. Die Entscheidung darüber, ob
dies hingenommen werden kann, muss der Gesetzgeber treffen... Vorschlag:
Regelung ähnlich wie beim Schwangerschaftsabbruch: Konstruktion „rechtswidrig,
aber straffrei“
(Die Zeit 29.3.01 S.6)
·
künftig
Ausweitung der Indikationen für PID? Positionspapier der Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für
Reproduktionsmedizin: Sollte künftig bei PID ein Fehler in der Chromosomenausstattung
festgestellt werden, Embryo nicht übertragen;
die überwiegende Mehrzahl aller befruchteten Eizellen (60-80%) ginge in
Abhängigkeit vom elterlichen Alter verloren – Studien sprächen dafür, dass die
falsche Chromosomenausstattung für den Verlust verantwortlich sei;
(GID 146 – 6-7 2001 S. 31)
·
so kommt doch in
größere Begründungsnot, wer bereits vom Zeitpunkt der Befruchtung an für einen
Schutz (des Embryos) argumentiert, der keinerlei Abwägungen mit anderen
Schutzgütern mehr zulässt (Mieth/Tübingen; Bezug auf existierende
Abtreibungspraxis)
(GID 146 – 6-7 2001 S. 11)
·
Ich bin gegen
ein striktes Verbot der PID. Für schwerste Erbkrankheiten sollte sie zugelassen
werden. ... Wir sollten nicht mit Prinzipienreiterei den konkreten Konfliktfall
niederreiten und sagen: wen es trifft, der tut mir Leid.
(Der Spiegel 50/2001 S. 228ff., Interview mit Richard Schröder)
·
Die Debatte um
die PID begann in Deutschland im Jahr 1995. Damals stellte sich ein Ehepaar an
der Universitätsklinik Lübeck vor, das 1990 nach der Geburt ein Kind infolge
einer schweren Mukoviszidose-Erkrankung verloren hatte. Eine daraufhin erfolgte
genetische Diagnostik ergab ein Wiederholungsrisiko von 25%. Das Paar wünschte
sich ein weiteres Kind, ließ jedoch im Laufe der Schwangerschaft eine Pränataldiagnostik
durchführen. Nachdem die Untersuchung eine Mukoviszidose-Erkrankung ergeben
hatte, wurde ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt. Eine dritte
Schwangerschaft endete in gleicher Weise. Vor diesem Hintergrund ging das Paar
den Weg der künstlichen Befruchtung und wünschte die Durchführung einer PID.
Dies wurde von der Ethikkommission der Universität Lübeck allerdings mit
Verweis auf die deutsche Rechtslage abgelehnt.
Für die psychisch belastende Situation dieses Paares und den daraus resultierenden
Wunsch nach Testung des in vitro heranwachsenden Lebens habe ich Verständnis.
Ethik ist meines Erachtens immer nur dann menschlich, wenn sie nicht abstrakt
argumentiert, sondern auch den konkreten Einzelfall mit einbezieht.
(Online-Forum Präimplatationsdiagnostik 16.02.01 Helga Kühn-Mengel MdB,
SPD-Fraktion)
http://www.bundestag.de/forum/enquete_medizin_archiv/01kuehnmengel.html
·
Stellungnahme
Elisabeth Gosselaar, Interessengemeinschaft Fragiles X e.V.:
Wenn man z.B. schon ein Kind mit dem fragilen - X – Syndrom hat und wünscht
sich ein zweites Kind, weiß aber, dass die Wahrscheinlichkeit, wieder ein
betroffenes Kind zu bekommen, bei 50% liegt, so ist es doch naheliegend, dass
Eltern die PID einer Abtreibung vorziehen... hier spielt man einen erwachsenen,
kranken Menschen gegen einen Zellhaufen aus;
mehr als die Hälfte der Teilnehmer der Bürgergruppe –darunter alle Frauen –
sprach sich in der Abschlusserklärung gegen PID aus
(Deutsches Hygienemuseum Dresden, Bürgerkonferenz: Streitfall Gendiagnostik, Materialband
26.11.01)
·
Der
Mukoviszidose e.V. als Selbsthilfevereinigung der Eltern und Patienten teilt
die schweren Bedenken gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik
(PID).
Aber: Betroffene Eltern, die einen Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur
mit der PID die Chance auf ein weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein
will diese Eltern mit ihren Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine
gelassen sehen.
(Erklärung des Mukoviszidose e.V. vom 24.9.2000 zur möglichen Einführung der PID)
·
Familie
Großbritannien; zunächst vier Kinder, eines davon hat Beta-Thalassämie“
(Blutkörperchen binden nicht genug Sauerstoff, ohne Behandlung Lebenserwartung
10 Jahre, mit Transfusionen und Medikamenten Chance auf ein paar Jahre mehr);
Eltern haben auf natürlichem Weg 5. Kind gezeugt, in der Hoffnung, dass es ein
geeigneter Knochenmarksspender für Stammzellen sein würde; hat die gewünschten
Eigenschaften nicht; mit PID soll nun ein Embryo ausgewählt werden, der die
gewünschten Spendereigenschaften hat (Chance 1:3); nach der Geburt würden ihm
Stammzellen entnommen und auf das kranke Kind transplantiert; Chance, dass er
völlig gesund wird, liegt bei 90%
(Der Spiegel 2/2002 S.100ff)
·
7.1.5 Von der
Untersuchung befruchteter Embryonen ist die getrennte genetische Untersu- chung
der Keimzellen vor der Befruchtung zu unterscheiden.Unter bestimmten Vorausset-
zungen ist diese Untersuchungsmethode ethisch durchaus vertretbar,da hierbei
keine Embry- onen selektiert werden.Allerdings lassen sich auf diese Weise nur
Eizellen untersuchen (Pol- körper-Analyse*),nicht aber Spermazellen,weil diese
hierbei zerstört würden.Die prädikti- ve* Untersuchung von Eizellen ist ethisch
dann vertretbar,wenn es darum geht,die Übertra- gung einer Erbkrankheit zu
verhindern,nicht jedoch,wenn sie dazu dienen sollte,andere Ei- genschaften und
Dispositionen zu selektieren,d.h.der Idee der Menschenzüchtung Vorschub leisten
sollte.
(Verantwortung für das Leben; Eine evangelische Denkschrift zu Fragen der
Biomedizin; Im Auftrag des Evangelischen Oberkirchenrats A.und H.B.der
Evangelischen Kirche A.und H.B.in Österreich erarbeitet von Ulrich H.J.Körtner
in Zusammenarbeit mit Michael Bünker; Wien 2001)
·
„Enquete-Kommission
des Deutschen Bundestages Recht und Ethik der modernen Medizin“ Abstimmung zur
PID: 16 dagegen, 3 dafür
(Die Zeit 28.2.02 S.31)
·
Britische
Behörde genehmigt, dass mit Hilfe von PID ein Kind gezeugt und so ausgewählt
wird, dass es später mit einer Knochenmarkstransplantation das Leben seines
kranken Bruders retten kann (tödliche Blutkrankheit Thalassaemie)
(epd wochenspiegel 9/2002 S. 21)
·
Immer mehr
Ehepaare in Deutschland drängen nach PID; die Rat Suchenden seien weit davon
entfernt, Wünsche nach dem „Designerbaby“ mit bestimmten Eigenschaften zu
äußern, es gehe ihnen um Entscheidungshilfen aus Sorge um die Gesundheit des
Kindes
(epd wochenspiegel 7/02 S.14)
·
Nach Schätzung
des Gesundheitsministeriums pilgern jedes Jahr mehr als 100 Paare über die
Grenze, um ihren in der Petrischale erzeugten Embryo auf schwere Erbkrankheiten
wie Chorea Huntington, Mukoviszidose oder Duchenne-Muskeldystrophie untersuchen
zu lassen
(Spiegel 6/02 S.42)
·
Bestimmte
Merkmale eines Kindes wie Geschlecht, Körpergröße und Augenfarbe könnten von
den Eltern ausgesucht werden.
(epd-wochenspiegel 12/02 S.3)
·
Kardinal
Lehmann: Der Weg zum „Designerkind“ sei nicht mehr weit
(ideaSpektrum 12/02 S.7)
·
Polkörperdiagnose;
eine juristisch unanfechtbare Genprüfung im Reagenzglas setzt sich durch; Test
erfolgt extrem frü: an einer Eizelle, in die erst vor kurzem ein Spermium
eingedrungen ist; das Erbgut von Vater und Mutter hat sich noch nicht
vereinigt, deshalb genießt diese besamte Eizelle auch noch nicht den strengen
Schutz eines Embryos (nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz);
Polkörperdiagnostik ist damit eine kaum anfechtbare Variante der umstrittenen
Präimplantationsdiagnostik;
die Polkörper schnürt die Eizelle während ihrer Ausreifung (Zellteilung bei der
Bildung der Eizelle) und nochmals nach dem Eindringen der Samenzelle ab;
enthalten komplette Kopien des Erbmaterials der Eizelle;
weltweit Geburt von mehr als 100 Kindern nach Polkörperdiagnostik; Anwendungen
auch in Deutschland seit 2002: Uniklinik Bonn Chromosomenfehler, Lübecker
Uni-Frauenklinik Mukoviszidose;
(Die Zeit 21.3.02 S.31)
·
Nach den
britischen haben nun auch die australischen Behörden den Eltern todkranker
Kinder die Erzeugung von Designer-Babys erlaubt; Embryos durch künstliche
Befruchtung erzeugen, dann den Embryo mit dem am besten geeigneten Genmaterial
aussuchen; dieses Kind wird ausgetragen, dann der Plazenta Stammzellen
entnehmen, die zur Behandlung der Geschwister verwendet werden; die kranken
Kinder haben schwere Blutkrankheiten, die normalerweise alle tödlich enden
(FR 17.4.02)
·
lesbisches Paar
USA, beide taub, lassen in der Retorte Embryos zeugen (mit Hilfe von taubem
Samenspender), und wählen anschließend die Embryonen aus, die die Taubheit
geerbt haben
(Die Zeit 25.4.02 S.1, 27)
·
üblicherweise am
3. Tag nach einer künstlichen Befruchtung 1-2 Zellen entnommen;
Untersuchung mit PCR oder FISH;
allgemeine mikroskopische Chromosomenuntersuchung ist nicht möglich;
Fehlerrate: 7-36% bei Einzelgendefekten wie Mukoviszidose oder
Sichelzellenanämie;
genetische Indikationen für PID sind in der Praxis unter anderem:
Muskeldystrophie Typ Duchenne, Hämophilie A (Bluterkrankheit),
Charcot-Marie-Tooth-Krankheit, Beta-Thalassämie (Mittelmeeranämie),
Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), Retinopathia Pigmentosa,
Sichelzellanämie, Mukoviszidose (Vererbungsrisiko 25 bzw. 50%);
Numerische Chromosomenanomalien meist tödlich, keine Einnistung in die
Gebärmutter oder Spontanabort 6.-12. SSW, alle Monosomien, alle Trisomien außer
13-18-21, aber selbst bei diesen intrauterine Verlustrate 60-80%;
noch 1997 wurden international über 70% aller Präimplantationsdiagnosen an
Polkörpern und nicht an Embryonen bzw. embryonalen Zellen durchgeführt; Auch
bei der Polkörperdiagnostik ist der Selektionsgedanke nicht von der Hand zu
weisen;
weltweit sind bis Mai 2001 693 Kinder nach PID geboren worden;
in den vergangenen 5 Jahren sollen etwa 45 deutsche Paare in Brüssel eine PID
in Auftrag gegeben haben;
(Bundestag Enquete-Kommission Medizin Drucksache 14/9020 S.84f)
·
Eine
diagnostische Variante und ethische Alternative zur PID, die
Polkörperdiagnostik, untersucht sog. Polkörper, die bei zwei asymmetrischen
Reifeteilungen der Eizelle – vor und nach der Befruchtung – entstehen. Diese
enthalten dasselbe genetische Material wie die Eizelle.... in Deutschland die
P. rechtlich zulässig und wird vereinzelt im Rahmen von klinischen Studien
angewendet...
Besteht bei einem Paar die erhöhte
Wahrscheinlichkeit, dass ein krankes oder behindertes Kind geboren würde, so bleibt die Möglichkeit,
dass das betroffene Paar auf ein eigenes leibliches Kind verzichtet. Dies
erscheint als eine harte Konsequenz... diese Möglichkeit wäre aber gegenüber
einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Vernichtung des Embryos, der durch
Befruchtung in vitro entstanden ist, ethisch eindeutig vorzugswürdig. Die
Erzeugung von Embryonen „auf Probe“ und die Vernichtung von Embryonen mit einer
nachgewiesenen genetischen Erkrankung steht in klarer Spannung zur christlichen
Wahrnehmung des vorgeburtlichen menschlichen Lebens...
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe
für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f., 26f)
·
USA: PID bei
Frau mit genetischer Veranlagung für seltene Form von Alzheimer (bricht schon
in jungen Jahren aus, Schwester mit 38 Jahren erkrankt);
(GID 151 4-5/2002 S.29)
·
Uni Bonn;
erstmals vor einer künstlichen Befruchtung Polkörperdiagnostik; gesunde von
anormalen Eizellen getrennt; mit der verwendeten Methode kann die Erfolgsrate
bei der Reagenzglasbefruchtung gerade im Fall älterer Frauen deutlich erhöht
werden; Chromosomenfehler bestimmt; 1 gesundes Mädchen geboren, 5 Frauen noch
schwanger
(GID 151 4-5/2002 S.31)
·
in den meisten
europäischen Ländern – außer in Österreich, der Schweiz und Irland – sowie in
den USA, Israel und einigen asiatischen Ländern ist die PID, z.T. mit
Einschränkungen, zulässig
(Evangelische Frauenarbeit in Deutschland u.a.: Von der Würde und der
Verantwortung von Frauen, Arbeitshilfe, Frankfurt/Main 2002, S.38)
·
Vorsitzender des
Nationalen Ethikrates Simitis: für klare Grenzen der PID ausgesprochen;
möglicherweise akzeptieren, wenn sie beschränkt und an scharfe Bedingungen
geknüpft werde
(epd-Wochenspiegel 2/03 S.6)
·
Bayerischer
Landesbischof Friedrich:
gegen Zulassung der PID (Embryonen
werden getötet „behinderte, kleine Menschen“; Beschränkung auf enge Grenzen
nicht durchsetzbar und kontrollierbar;)
auch die Zulässigkeit der In-vitro-Fertilisation noch einmal überdenken;
(VELKD-Informationen 9.12.02)
·
Bericht des
PID-Komitees derEuropäischen Gesellschaft für Reproduktion und Embryologie;
Daten von 25 Fortpflanzungszentren; 3 Zentren gaben an, per PID eine
Geschlechtsauswahl vorzunehmen
(GID 155/2002-2003 S.29)
·
Kollek: die
entscheidende Frage ist, ob sich die Methode auf solche schweren Schicksale
begrenzen lässt
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.25)
·
Totipotenz:
Versuche an Schafen, Kaninchen und Schweinen haben gezeigt, dass nach einer
künstlichen Befruchtung der Eizelle bis zum 8-Zell-Stadium mit entnommenen
einzelnen Zellen eine Trächtigkeit und Geburt eines neuen Tieres induziert
werden kann (im 8-Zell-Stadium nur noch mit einer Erfolgsrate von 10 %); mit
einer aus dem 16-Zell-Stadium isolierten Blastomere ist so etwas bislang
überhaupt nicht gelungen; man vermutet, dass auch beim Menschen die Zellen
spätestens des 16-Zell-Stadiums sämtlich nicht mehr totipotent sind, bis zum
8-Zell-Stadium können es jedoch zumindest einige von ihnen sein; auch
Zellverbände (z.B. mehrere Zellen gemeinsam) können „totipotent“ sein, selbst
wenn es die einzelne Zelle nicht ist (z.B. Teilung von frühen Embryonen bis zur
Ausbildung des Primitivstreifens à eineiige Zwillinge) (10)
·
Als
Präimplantationsdiagnostik wird die genetische Untersuchung von Embryonen
bezeichnet, die wenige Tage alt sind und durch extrakorporale Befruchtung
erzeugt wurden. Für die Übertragung in die Gebärmutter der Frau werden von
mehreren Embryonen diejenigen ausgewählt, bei denen bestimmte
Chromosomenstörungen bzw. Mutationen mit großer Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden können. (14)
·
üblicherweise
werden dem Embryo drei Tage nach der Befruchtung, wenn der Embryo aus 6-10
Zellen besteht, ein bis zwei Zellen (Blastomeren) entnommen; ein Viertel der
Zellmasse des Embryos kann zu diesem Zeitpunkt entnommen werden, ohne dass die
Entwicklung des E. langfristig beeinflusst wird;
die molekulargenetische und chromosomale Diagnostik erfolgt je nach
Fragestellung durch verschiedene Varianten der Polymerasekettenreaktion (PCR)
oder die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH); FISH vor allem bei der
Geschlechtsbestimmung (X-Chromosom-gekoppelte genetisch bedingte Erkrankungen)
und der Suche nach chromosomalen Fehlverteilungen;
das Hauptproblem der FISH liegt darin, dass verschiedene Zellen eines Embryos
unterschiedliche Chromosomenmuster aufweisen können (Mosaikbildung); es wurde
gezeigt, dass bei etwa 18 Prozent der Embryonen eine solche Mosaikbildung
vorliegt; das bedeutet, dass in solchen Fällen eine Diagnose einer einzelnen
Zelle einen Schluss auf die Konstitution der übrigen Zellen nicht zulässt (15)
·
Polkörper-Untersuchungen:
Die reife Eizelle (wie auch das Spermium) ist haploid (von gr. haplo =
einfach), sie enthält also jedes Chromosom nur einmal. Um vom diploiden zum
haploiden Zustand zu gelangen, findet in zwei Reifeteilungen eine komplizierte
Sequenz von Chromosomenverdopplung und anschließender Reduzierung statt. Vor
der ersten Reifeteilung verdoppelt sich die DNA jedes Chromosoms, die Zelle
enthält also vier Kopien jedes Gens. Die duplizierten Chromosomen (Chromatiden)
tauschen Abschnitte aus (Rekombination, Crossing over). Dadurch gelangen Gene,
die ursprünglich auf Grund ihrer väterlichen und mütterlichen Herkunft auf
(den) verschiedenen Chromosomen eines Paares lagen, auf ein „neu kombiniertes“
Chromosom, die Erbanlagen werden also durchmischt. Nach diesem Genaustausch
trägt jede der vier Chromatiden eine unterschiedliche Kombination von Varianten
eines Gens (Allelen). Jede der vier entsprechenden Chromatiden ist somit
einzigartig. Bei den beiden Reifeteilungen werden drei der vier Chromatiden in
sog. Polkörper abgegeben. In der ersten Reifeteilung kurz vor dem monatlichen
Eisprung der Frau entsteht der erste Polkörper durch Abschnürung eines
haploiden Satzes von Chromosomen mit je zwei Chromatiden; der Polkörper kann
sich anschließend noch einmal teilen. Die Eizelle behält den anderen haploiden
Chromosomensatz. In der zweiten Reifeteilung erfolgt eine Trennung der
Chromatiden: eine von ihnen bleibt in der Eizelle, während die andere mit dem
zweiten Polkörper abgeschnürt wird. Letzteres geschieht erst nach Eindringen
des Spermiums in die Eizelle. Die Polkörper nehmen an der weiteren Entwicklung
nicht teil und gehen zugrunde; (6f)
Polkörper-Untersuchungen:
eine genetische Untersuchung kann nicht nur an embryonalen Zellen, sondern...
auch an den Polkörpern durchgeführt werden; der erste Polkörper entsteht kurz
vor dem Eisprung und enthält einen der beiden Chromosomensätze der Mutter; der
andere mütterliche Chromosomensatz verbleibt in der Eizelle; aus der
Untersuchung des Polkörpers kann deshalb auch auf bisher aufgetretene Fehler
bei der Chromosomenverteilung geschlossen werden;
Zuverlässigkeit der Ergebnisse mit der bei embryonalen Zellen vergleichbar;
Einsatz der Methode durch ESchG zeitlich begrenzt (nur enges Zeitfenster vor
der Kernverschmelzung);
bei der P.-Diagnostik fehlt die Möglichkeit, chromosomale Veränderungen zu
diagnostizieren, die erst nach der Polkörperbildung auftreten (solche machen
nur <5% aus); die genetische Aussage ist außerdem auf das Erbmaterial der
Mutter beschränkt;
in Deutschland wird die Polkörperdiagnostik an einigen Universitätskliniken
sowie mittlerweile zunehmend auch von privaten Laboratorien angeboten (16)
Die Untersuchung dieser Polkörper ist vom ESchG nicht verboten, weil dessen
Bestimmungen erst von der Kernverschmelzung an greifen. (34)
·
internationale
Erfahrungen PID:
Fehldiagnosen 3-4%;
zur Absicherung der Diagnose in fast der Hälfte der Fälle eine invasive PND
durchgeführt (19)
·
bei
multifaktoriell vererbten Eigenschaften (mehrere Gene beteiligt +
Umwelteinflüsse) würden viele Embryonen zur Untersuchung benötigt; die PID ist
schon aus diesem Grund nicht geeignet zur gezielten Auswahl von Kindern mit
bestimmten multifaktoriell erblichen Merkmalen (z.B. Augenfarbe, Haarfarbe,
Körpergröße, Intelligenz) oder zum Ausschluss multifaktoriell bedingter
Krankheiten (z.B. Diabetes mellitus, psychische Erkrankungen); ein weiterer
Grund ist, dass Gene, die diese Eigenschaften beeinflussen, zum größten Teil
bisher nicht bekannt sind; (20)
·
PID
international (Europa):
gesetzlich erlaubt: 4 Länder,
nicht gesetzlich geregelt und zulässig: 9 Länder,
gesetzlich verboten: 4 Länder
Frankreich: keine Indikationsliste, drei speziell zugelassene Zentren
Großbritannien: keine Indikationsliste, 5 Zentren mit Behandlungsgenehmigung
Niederlande: Status eines Forschungsprojekts, eine Uniklinik;
die Frage der Totipotenz der bei der PID entnommenen Zellen ist in den drei
Ländern kein Diskussionsgegenstand (28f)
·
als Indikationen
für PID werden von Ärzten angegeben:
strukturelle Chromosomenfehler 21,6%,
Chromosomenfehlverteilungen 19,5%,
autosomal rezessiv vererbte Erkrankungen 18,6%,
autosomal dominant vererbte Erkrankungen 16,3%,
X-chromosomal vererbte Erkrankungen 18,8%,
Geschlechtswahl 4,4%
·
geschätzte
Zahlen für mögliche Inanspruchnahme von PID in Deutschland:
a) sehr restriktive Bedingungen (bereits erkranktes Kind geboren): 80-100 Paare
pro Jahr
b) auch Paare, die schon vor der ersten Schwangerschaft von genetischem Risiko
wissen: etwa 600 Paare pro Jahr
c) bei bereits geborenen Kindern mit einer Chromosomenstörung: ca. 5600 (31)
·
gegenwärtig
lassen nach inoffiziellen Schätzungen jährlich etwa 50-100 Paare aus
Deutschland eine PID im Ausland durchführen (32)
·
Um eine
Verlagerung der PND – und im Falle der Zulassung auch der PID – in den
„Service“-Bereich zu vermeiden, muss zur Selbstbestimmung der Eltern die
Bindung an die Zielsetzung des ärztlichen Handelns, an Heilung, Linderung und
Prävention von Krankheit, hinzutreten. (33)
·
(Nationaler
Ethikrat: Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der
Schwangerschaft“, 23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die
Druckfassung, verschickt am 24.1.03)
·
drei
Zielrichtungen bei PID:
a) Qualitätsprüfung von Embryonen (Auswahl derer, die die besten
Entwicklungschancen haben)
b) Vermeidung genetisch bedingter Aborte (durch Chromosomenstörungen bedingt)
c) Frühdiagnose von Erbkrankheiten
(Die Zeit 23.1.03 S.25)
·
Organisationen
der Ärzte im Bereich der Reproduktionsmedizin fordern nicht mehr Zulassung der
PID, möchten aber Embryonen unter dem Mikroskop „morphologisch“ untersuchen und
aussuchen dürfen; es gibt Juristen, die meinen, dass das ESchG das bei
liberaler Auslegung zulasse
(taz 4.4.03)
·
PID stellt ein
Instrument der Selektion von Embryonen dar, mit dessen Hilfe sowohl individuelle
genetische Risiken als auch allgemeine chromosomale Risiken „für Einnistung und
erfolgreiches Austragen der Frucht identifiziert werden können“;
dem Hinweis auf die Polkörperdiagnostik mit IVF als Alternative für betroffene
Paare können wir uns ... angesichts der mit der P. letztlich auch verbundenen
Intention der Auslese nicht anschließen;
(Diakonie Korrespondenz 02/03: Jeder Mensch ist zum Bild Gottes geschaffen,
März 2003, S.10ff)
·
in
Sheffield/England erstes “Designer-Baby” (erstes menschliches Ersatzteillager)
geboren; Stammzellen des Jungen sollen seinen vierjährigen Bruder von einer
seltenen Form der Blutarmut heilen; ohne diese Therapie würde er höchstens 30
Jahre alt werden; Auswahl eines für diesen Zweck gezeugten Embryos war verboten
worden; Eltern hatten daraufhin in den USA 10 Embryos untersuchen lassen, zwei
wiesen eine Verträglichkeit von 98% (mit Merkmalen des kranken Jungen auf;
wurden der Mutter eingepflanzt, 1 überlebte
(taz 20.6.03)
·
britisches
Berufungsgericht hat Weg zur Zeugung eines Babys frei gemacht, das seinem
kranken Geschwister als Rohstofflieferant dienen soll (Stammzellübertragung aus
dem Knochenmark)
(GID 158 6/7-2003 S.21)
·
Die ethische
Rechtfertigung für eine IVF besteht in der Bejahung des Rechtes auf ein Kind.
Im Falle der PGD (=PID) wird dieses Recht ausgeweitet zu einem Recht auf ein
gesundes Kind unter Einschluss des rechtes auf die Selektion (Tötung) eines
kranken Embryos.
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000,
S.125)
·
Die Antizipation
dieses schweren Konfliktes erfolgt für Eltern (die schon ein genetisch und auf
den Tod hin schwer krankes Kind haben) aus der erlebten Wirklichkeit
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S. 101)
·
Vorschlag, dass
ein Paar, das eine erbliche Belastung für den eigenen Nachwuchs fürchtet, doch
adoptieren solle... so gut wie unmöglich, weil kein Jugendamt Eltern eines
behinderten Kinde ein weiteres zu Adoption geben würde;
auch der Verzicht auf leibliche Kinder erscheint vielen, die eine PID
grundsätzlich ablehnen, als zumutbare Alternative... Ich habe Zweifel, ob die
Frage der Zumutbarkeit von außen beurteilt werden kann und darf
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.299)
·
bei PID werden aus einem Embryo (8Zellen) 1 oder
zwei Zellen entnommen für Untersuchung des Erbgutes;
immer häufiger auch zur Verbesserung der Behandlung von Sterilität eingesetzt
(Auswahl sich gut entwickelnder Embryonen nach IVF); beobachtet:
Schwangerschafts-Erfolgsrate solcher ausgewählter Embryonen nicht besser; ein
möglicher Grund: auch im 8-Zell-Stadium schon Differenzierung der Zellen,
(„nicht mehr ein Haufen gleicher Zellen“); weitere Gründe: Bohren eines großen
Lochs in die Schutzhülle des Embryos erforderlich (nicht nur mechanische
Barriere?), manchmal zwischenzeitlich Tieffrieren der Embryonen, bis
Untersuchungsergebnis vorliegt;
Polkörperchendiagnostik als (ethisch und gesundheitlich unproblematischere) Alternative?;
in Bonn werden solche (erlaubten) Untersuchungen durchgeführt, getestet wird
auf Anomalien bei der Verteilung der Chromosomen 13, 16, 18, 21 und 22
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Montag, 26. Mai 2003, Nr. 121)
·
Großbritannien:
PID erlaubt zur Erkennung schwerer Krankheiten oder von spontan auftretenden
Chromosomendefekten:
Belgien: Gesetz sieht vor: PID zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten zulässig;
Selektion nach nicht-pathologischen Merkmalen gilt als „Eugenik“ und wird
abgelehnt;
Dänemark: Untersuchungen bei Risiko schwerer Erbkrankheiten und zur Vermeidung
chromosomaler Defekte zulässig; Screening auf Chromosomenschäden und
Geschlechtswahl werden abgelehnt
Frankreich: PID nur zur Vermeidung schwerer genetischer Krankheiten erlaubt
(GID 160 Okt/Nov2003 S.30ff)
·
Dänemark:
Ergänzung zum 7 Jahre alten Gesetzt zur künstlichen Befruchtung verabschiedet:
künftig ist es zulässig, dass Eltern selbst bestimmen können, aus welcher von
mehreren künstlich befruchteten Eizellen sich ein Embryo entwickeln soll;
bisher bestand diese Möglichkeit nur, wenn eine Risiko bestand, dass eine
schwere Erbkrankheit weitergegeben wird; konkreter Fall: 5jähriger Sohn schwere
Knochenmarkserkrankung; Hilfe nur noch möglich, wenn ein Geschwisterkind mit
den „richtigen“ Gewebeeigenschaften Knochenmark spendet;
in Norwegen soll das gerade erst verabschiedete Gesetz aus den gleichen Gründen
geändert werden und bisher verbotene Gentests an Eizellen zulässig machen
(taz 2.4.04)
·
mit Hilfe der
Transplantation von blutbildenden Stammzellen in USA vier Kinder mit
Fanconi-Anämie geheilt; Stammzellen aus dem Nabelschnurblut der neugeborenen
Geschwister der erkrankten Kinder gewonnen; Geschwister mit Hilfe von PID
ausgewählt
(GID 162/2004 S.27)
·
Frankreich:
neues Bioethikgesetz: PID soll zulässig sein bei „schweren genetischen
Krankheiten“, auch, um Geschwister auszuwählen als Spender für Nabelschnurblut
(GID 162/2004 S.39)
·
Bischof
Huber: PID: also kriegen wir eine Erweiterung der IVF, um dann diese
vorgeburtliche Diagnostik anwenden zu können, ... eine Praxis, die auf dem
Grundsatz der Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben beruht
(Publik-Forum 16/2003 S.49)
·
Im Rahmen
einer zweijährigen Chicagoer Studie haben Reproduktionsmediziner fünf
Elternpaaren zu Kindern verholfen, die als Stammzellspender für ihre erkrankten
Geschwister dienen sollen.;
bei Umfragen in den USA gaben 61% an, dass eine PID zu befürworten sei, wenn
damit einem Geschwisterkind geholfen werden soll;
57% sprachen sich gegen eine Anwendung der PID zur Geschlechtsbestimmung aus
(GID 164/2004 S.32)
·
Gesetzentwurf
der FDP: PID zulassen in Einzelfällen, aufgrund der genetischen Disposition der
Eltern oder eines Elternteils, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine
schwerwiegende Erbkrankheit vorliegt, nach Billigung durch eine Ethikkommission
(GID 164/2004 S.45)
·
8
reproduktionsmedizinische Zentren haben bei der DFG Antrag für ein
Forschungsprojekt eingereicht, soll klären, ob die Erfolgschancen der IVF durch
die so genannte Polkörperdiagnostik erhöht werden kann; dabei wird nicht das
Erbgut des Embryos untersucht (in Deutschland verboten), sondern das Erbgut in
den Polkörperchen, die die Eizelle unmittelbar nach der Befruchtung abschnürt;
man würde dann als defekt erkannte Eizellen nicht implantieren; im Verlauf der
Studie sollen über tausend Paare an einem Screening auf 5 Chromosomen
teilnehmen
(GID 163/2004 S.30)
·
in
Großbritannien will ein Hospital in London die Erlaubnis einholen, künstlich
befruchtete Embryonen vor der Übertragung auf die Mutter nach Krebsgenen zu
untersuchen (PID)
(taz 30.7.04)
·
Unis Marburg,
Gießen und Heidelberg;
Befragung von 162 genetischen Hochrisikopaaren und 149 Paaren einer
Kontrollgruppe; 89% der Hochrisikogruppe (73% der Kontrollgruppe) für eine
Legalisierung der PID; 37% der Hgruppe (20% Kgruppe) waren der Auffassung, dass
PID für alle genetischen Erkrankungen zulässig und die Entscheidung über die
Legitimität den betroffenen Familien überlassen werden sollte
(Dtsch. Ärzteblatt 101 Heft 6 S.A327)
·
Behörde in Großbritannien
hat zugelassen, dass unter strengen Auflagen mehrere Embryonen hergestellt
werden, um darunter solche auszuwählen, die geeignete Knochenmarksspender für
erkrankte Geschwisterkinder sein könnten; nach PID der Mutter einpflanzen
(Freie Presse Chemnitz 27.7.04)
·
einem 5-jährigen
Jungen sind in Großbritannien erfolgreich Stammzellen seines einjährigen
Bruders übertragen worden; dieser war als passender Spender gezeugt und als
Embryo ausgewählt worden; lebensbedrohliche Blutkrankheit Diamond-Blackfan-Anämie;
Behandlung (PID) in den USA, da Verfahren damals noch in GB verboten war
(Freie Presse Chemnitz 29.7.04)
·
erstmals in
Deutschland Kind geboren, bei dem durch Polkörperdiagnostik eine schwere
Erbkrankheit ausgeschlossen werden konnte;
PKD wird zu einem Zeitpunkt durchgeführt, zu dem die Kerne von Ei- und
Samenzelle noch nicht verschmolzen sind – fällt damit nicht (wie ein EMBRYO
nach der Kernverschmelzung) unter den Schutz des Embryonenschutzgesetzes;
Polkörper spalten sich bei den letzten Reifeteilungen bei der Bildung der
Eizelle ab; an ihnen lässt sich nur das mütterliche Erbgut prüfen;
auch bei PKD wird ausgewählt = Selektion;
(Die Zeit 30.9.04 S.39)
·
allein in
Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Norwegen und USA nach PID bisher
mindestens 1600 Kinder zur Welt gekommen
(Das Parlament 26.7./2.8.04)
·
Australien
erstmals PID eingesetzt, ohne dass genetische Merkmale getestet wurden;
rhesus-negative Frau kann bei rhesus-positivem Kind Antikörper gegen dieses
Merkmal entwickeln; Frau hatte schon ein Kind mit hämolytischer Anämie geboren;
bei erneuter Schwangerschaft 12 Embryonen getestet, drei rhesus-negative
übertragen
(GID 168/2005 S.34)
·
in
Großbritannien dürfen Embryonen durch PID auch aufgrund eines erhöhten
Darmkrebsrisikos aussortiert werden (bei Eltern mit familiärer adenomatöser
Polyposis FAP), Krankheit wird dominant vererbt (50% Wahrscheinlichkeit)
(GID 167/2004 S.36)
·
Gesetzentwurf
Spanien: unter bestimmten Bedingungen erlaubt, durch künstliche Befruchtung ein
Kind zu erzeugen, das als Spender von Rückenmark (Knochenmark? JK) einem
todkranken Geschwisterkind das Leben retten kann; „Designer-Baby“
(taz 10.2.05)
·
S.12: Das Recht
auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 GG besteht nicht absolut ... Gegenüber unmittelbar
nach der Befruchtung existierendem Leben ist die Schutzpflicht (des Staates)
geringer als nach erfolgter Nidation;
Die künstliche Befruchtung durch IvF und die Methode der PID verstoßen nicht
gegen die Menschenwürde des Kindes;
verstoßen (auch) nicht gegen §1 Abs. 1 Nr.2 des ESchG, denn Ziel ist die
Herbeiführung der Schwangerschaft zur Geburt eines Kindes, das nicht mit einem
bestimmten Gendefekt belastet ist;
S.59: Eine Erkrankung ist schwerwiegend, wenn die Krankheit nicht behebbar ist,
also dem Kind entweder nur kurze Überlebenschancen gibt oder schwere oder
irreparable körperliche oder geistige Schäden mit sich bringt;
(Präimplantationsdiagnostik, Bericht der Bioethik-Kommission des Landes
Rheinland-Pfalz, 20.7.1999)
·
Australien PID bereits seit 7 Jahren erlaubt
(GID 165/2004 S.45)
·
Nach Großbritannien erlaubt auch Belgien „Designerbabys“:
Geschwisterkinder werden durch PID im Reagenzglas so ausgewählt, dass sie nach
der geburt lebensrettende Zellen für ein bereits geborenes, schwer krankes
Geschwisterkind liefern können;
in Israel darf PID auch genutzt werden, um das Geschlecht des Wunschkindes
vorab zu bestimmen (nicht nur, wenn geschlechtsgebundene Erbkrankheit
befürchtet wird, auch zur Familienplanung)
(taz 20.5.05)
·
Bayerische Staatsregierung beruft eigenen Ethikrat; der gibt Mitte 2003
seine Empfehlungen zur PID ab; mit überwältigender Mehrheit (10:2) für eine
begrenzte Zulassung der PID, Ministerpräsident Stoiber für Beibehaltung des
PID-Verbots, Information der Öffentlichkeit erst Monate später
(taz 16.1.04)
·
(S.213) W. Lübbe: bei der PID wird nicht nur beim Akt der
Diagnose, sondern auch bei der Selektion selbst kein Embryo getötet; der Akt
der Selektion besteht, anders als im Falle der Abtreibung, in der Unterlassung,
nämlich im Verzicht auf die Implantation; dass eine Frau eine Implantation
jederzeit verweigern kann, ist unstrittig; Verweigerung wird nicht als Tötung
durch Unterlassen bestraft; mir ist nicht einmal eine Position bekannt, die den
Schritt der Verweigerung der Implantation nach durchgeführter IvF mit einer
Begründungs- und Beratungspflicht verknüpfen möchte; wenn eine Frau die
Möglichkeit der PID in Anspruch nehmen möchte, dann tut sie in bestimmter
Hinsicht nichts anderes als das, was wir alle tun, wenn wir jemanden in unseren
Nahbereich zulassen und dabei in Orientierung an den uns zugänglichen
Informationen selektiv vorgehen; an das Diskriminierungsverbot ist unmittelbar
nur der Staat gebunden, Private nicht; niemand ist verpflichtet, au Jahre
hinaus seine private Freiheit aufzugeben, um einem anderen Menschen das Leben
zu retten
(Ethik in der Medizin, Heft 3/2003: Behinderung und Medizinethik)
·
Nationale
Ethikkommission der Schweiz plädiert für Genehmigung der PID in zwei Fällen:
a) Paare, bei denen bekannte genetische Risiken für eine schwere Erbkrankheit
bestehen
b) Paare, die wegen Kinderlosigkeit künstliche Befruchtung durchführen lassen
keine Eugenik, keine nicht krankheitsgebundenen Merkmale
(GID 173 Dez05/Jan06 S.38)
·
ist es nicht auszuschließen, dass eines Tages versucht werden könnte,
(von einem Embryo JK) abgespaltene menschliche Zellen auf vorhandene genetische
Defekte zu untersuchen ...
Künftig Genomanalysen an totipotenten embryonalen Zellen durchzuführen, wird
allenfalls dann vertretbar sein, wenn aufgrund konkreter Anhaltspunkte damit
gerechnet werden muss, dass das Kind an schwerwiegenden – von §218 a Abs.2 Nr.1
StGB erfassten – genetischen Defekten leiden werde.
(Gentechnologie Chancen und Risiken 6 In-vitro.Fertilisation, Genomanalyse und
Gentherapie; Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe von BMF und BMJ, J.
Schweitzer Verlag, München 1985, S.40)
·
Spanien: Herstellung so genannter Designerbabys soll unter bestimmten
Voraussetzungen erlaubt werden; als potenzielle Gewebespender für kranke
Geschwisterkinder;
aus mehreren im Reagenzglas gezeugten Embryonen werden die ausgewählt, die eine
Veranlagung für eine genetisch bedingte Erkrankung nicht haben und als
kompatibler Gewebespender für ein krankes Geschwisterkind geeignet wären;
rund 150 Familien in Spanien warten auf Zulassung;
in USA, Belgien, Großbritannien bereits zugelassen;
(GID 175 April/Mai 2006 S.57)
·
etwa 400 bis 500 Paare in Deutschland, die sich Kinder wünschen,
aber Träger einer bekannten schweren Erbkrankheit sind;
es gehe darum, den großen Schmerz über tote Embryonen im Mutterleib, schwere
und schwerste Behinderungen und großes jahrelanges Leid der Kinderwunschpaare
präventiv zu vermeiden, wo es vermeidbar ist;
über PID könnte die Zahl der erfolgreichen Geburten um mindestens 50%
gesteigert werden (schwere Chromosomenstörungen, die während der Schwangerschaft
vom Körper der Mutter abgestoßen würden, frühzeitig aussortieren)
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.13)
·
USA:
fast die Hälfte aller Fruchtbarkeitskliniken, die PID durchführen, bietet auch
die Möglichkeit der Geschlechtsselektion an;
PID in den USA inzwischen bei jedem 20. Versuch einer künstlichen Befruchtung;
in zwei Dritteln der Fälle Suche nach chromosomalen Abweichungen;
12% zum Ausschluss bestimmter genetischer Erkrankungen;
3% Suche nach Embryonen mit Veranlagung für bestimmte geschlechtsgebundene
Erkrankungen;
42% der Kliniken machen PID auch aus nicht-medizinischen Gründen
(GID 178 10/11-2006 S.43)
·
auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
fordern Mediziner eine angepasste Auslegung des Embryonenschutzgesetzes:
Zulassung der Tiefkühlung für Embryonen und (mikroskopische) Auswahl derer, die
die besten Entwicklungschancen haben
(GID 178 10/11-2006 S.43)
·
Interview mit Irmgard Nippert, Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung
über Erfahrungen mit PID in europäischen Ländern; www.zeit.de/2007/05/pid;
erhitzte Debatte um PID; es haben bisher eher die Befürworter der PID recht
behalten;
von unkontrollierter Ausweitung kann keine Rede sein; in Großbritannien
zwischen 1990 und 2004 rund 500 Behandlungszyklen und 100 geborene Kinder;
Frankreich etwa 100 PID-Behandlungen pro Jahr mit 10-20 Geburten;
in Belgien kommt PID inzwischen bei rund 50 monogen bedingten Erkrankungen zum
Einsatz, z.B. Mukoviszidose oder Muskeldystrophien; für spät (oder gar nicht)
ausbrechende Krankheiten nur 1 Test: auf erblichen Brustkrebs;
für einen generellen Babycheck oder die Tendenz zur genetischen Verbesserung
(so genannte Designer-Babys) gibt es auch nach 15 Jahren Erfahrung mit PID
nicht den geringsten Hinweis;
dass Kinder gezielt in die Welt gesetzt werden, um mit ihren Zellen das Leben
eines Geschwisterkindes zu retten, - dieses Verfahren wird nicht wahllos angewandt,
sondern vorsichtig mit Fall-zu-Fall-Entscheidung, Konsultation von
Ethikkommissionen, beschränkt sich auf wenige Fälle;
in Belgien kommen etwa die Hälfte der behandelten Paare aus dem Ausland, vor
allem aus Deutschland; vielleicht ein paar Dutzend im Jahr
(ZEIT 25.1.07 S.37)
·
US-Mediziner Jeffrey Steinberg;
Geschlechtsselektion durch Präimplantationsdiagnostik; Trefferquote 100 %;
Neonlichtmikroskop;
täglich etwa 3 Selektionen, pro Jahr 1000; 18480 Dollar pro Selektion;
ich greife nicht ein, ich wähle nur aus;
S. ist Jude; der Rabbi akzeptiert die Geschlechtswahl, der jüdische Glaube hat
kein Problem damit, der Rabbi sagt nur: „Geht und vermehrt euch.“, er sagt
nicht, wie wir das machen sollen;
60 % der Kunden aus dem Ausland;
(ZEIT 22.2.07 S.37)
·
Norwegen, Fall eines Jungen mit der genetisch bedingten Erkrankung
Thalassämie (rote Blutkörperchen in ihrer Funktion beschränkt, selbst bei
Behandlung verringerte Lebenserwartung); Heilung bisher nur über
Knochenmarkstransplantation möglich; Eltern aus der Türkei möchten ein zweites
Kind zeugen, dessen Knochenmark für eine Spende geeignet ist; Auswahl über PID;
war bisher in Norwegen verboten; in Zukunft soll ein Ethikkomitee über
Einzelfälle entscheiden
(taz 2.2.07)
·
Gerichtsentscheid Berliner Sozialgericht:
die gesetzlichen Krankenkassen müssen nicht für einen im Ausland
durchgeführten, hierzulande jedoch verbotenen Gentest bezahlen; PID wegen der
Befürchtung einer Frau, einen vererblichen Gendefekt an ihre Kinder
weiterzugeben
(taz 8.6.07)
·
in Großbritannien sollen im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf eine
genetische Veranlagung für Brustkrebs getestet werden; Zulassung gilt als
sicher; die getesteten Gene führen mit 20 bis 65 % Wahrscheinlichkeit
tatsächlich zur Erkrankung;
Großbritannien bereits genehmigt Gentest als PID, der auf erbliche Disposition
für Schwäche der Augenmuskeln (starkes Schielen); also keinesfalls eine
lebensbedrohliche Beeinträchtigung;
Schweden: erstmals Auswahl eines Embryos für Gewebespende für Geschwisterkind;
Nabelschnurblut-Stammzellen sollen entnommen werden; unheilbare Erkrankung:
Blindheit, Taubheit, vorzeitiger Tod
(GID 182 Juni 2007 S.40)
·
PID führt nach einer belgischen Studie nicht zu mehr Missbildungen bei
den späteren Neugeborenen; allerdings deuten Ergebnisse auf eine möglicherweise
erhöhte Säuglingssterblichkeit hin
(Die Zeit 28.6.07 S.32)
·
niederländische Forscher:
nach PID führten 25 % der Fälle zu einer Schwangerschaft;
ohne PID waren es 37 %;
womöglich schädigt die frühe Zellentnahme manche Embryonen so, dass sie sich
nicht richtig einnisten können
(Spiegel 28/2007 S. 136, GID 183/2007 S.32)
·
(33) 2004 wurden mindestens 222 Mehrlinge im Mutterleib abgetötet, die
durch IvF entstanden waren; „abnormale Entwicklung: gezielt durch Spritze ins
Herz getötet; aber auch unselektiv werden Mehrlinge entfernt (Befürchtete
Schäden für Mutter und Kinder); bei zulässiger PID wäre Selektion von
überlebensfähigen Embryonen vorher möglich
(GID 183/2007)
·
Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
fordert, PID zuzulassen; Untersuchung verbessert Schwangerschaftsrate bei IvF;
jährlich sollen knapp 1000 europäische Paare mit Kinderwunsch für eine im
eigenen Land nicht angebotene oder verbotene Behandlung ins Ausland fahren
(PID, Eizellspende)
(GID 184/07 S.34)
·
Jährlich knapp 1000 Fälle in Europa, in denen Eltern PID in einem
Nachbarland durchführen lassen;
Online-Umfrage bei 53 PID-Zentren, 36 haben Behandlung ausländischer Paare
bejaht: Spanien 332 Fälle, Belgien 127, Tschechien 110, Zypern 150;
(Deutsches Ärzteblatt 21.9.07 S. A2558)
·
Haben Gehörlose ein Recht auf gehörlose Designerbabys? Das sonst so
libereale Großbritannien will es ihnen per Gesetz verwehren. Kritiker halten
dies für Eugenik.
es gibt einen Gesetzentwurf, nach dem, wenn ein freiwilliger Gentest (PID) ergibt,
dass ein Embryo ernsthafte genetische Schäden aufweist, dieser ausrangiert
werden muss; von Staats wegen darf nur erbgesunder Nachwuchs zum Zuge kommen;
z.B. anzuwenden im Fall der erblichen Veranlagung zur Gehörlosigkeit
(Spiegel 18-2008 S.154)
·
In Italien dürfen Paare, die mit Erbkrankheiten vorbelastet sind, im
Reagenzglas gezeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf
genetische Defekte untersuchen lassen; damit PID nicht mehr generell verboten
(so seit 2003)
(taz 2.5.08)
·
Keine Angst vor dem Designer-Baby
In Großbritannien Zulassung durch das Parlament (mit 179 Stimmen Mehrheit),
dass so genannte „savior siblings“ („Rettungs-Zwillinge“) gezeugt und im Labor
ausgewählt werden dürfen; mehrere Eizellen werden künstlich befruchtet und der
Embryo, der die größte genetische Übereinstimmung mit dem kranken
Geschwisterkind hat, wird in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt; nach der
Geburt kann das Kind Zellen aus der Nabelschnur oder aus dem Rückenmark
spenden, mit denen das kranke Geschwisterkind geheilt werden kann;
bei bestimmten Erkrankungen (Leukämie) sind genau kompatible Spender von
Knochenmark nötig;
natürlich instrumentalisiert man ein Kind, wenn man es aus mehreren Embryonen
so auswählt, dass es genetisch zum Geschwisterkind passt; aber es geht
schließlich um Kinder, wie sie auch zufällig hätten zur Welt kommen können;
schon Erfahrungen in GB mit 6 solchen savior siblings; die jetzt erteilte
Genehmigung formuliert enge Grenzen
(taz 21.5.08)
·
Baby als Organspender;
dürfen Eltern mit einem kranken Kind künftig ein „Helfer-Geschwisterchen“
erzeugen lassen, das genetisch zum ersten, kranken Kind passt und Gewebe oder
Organe spenden kann;
(später:) das zweite Kind kann dann z.B. Knochenmark spenden, um das Leben des
ersten zu retten
(Freie Presse Chemnitz 21.5.08)
·
Bei erblich bedingter Brustkrebsgefahr sollen niederländische Eltern
zukünftig unter künstlich gezeugten Embryonen die nicht von der Erkrankung
betroffenen auswählen können
(taz 28.5.08)
·
In England von 1990 bis 2004 rund 100 Kinder nach PID geboren;
Kind, das künstlich gezeugt und per PID gezielt ausgewählt wurde, um Blut oder
Gewebe zur Übertragung für ein erkranktes Geschwisterkind zur Verfügung
zustellen:
„das Kind würde auf jeden Fall leiden, wenn es seinem Geschwister nicht helfen
könnte und dieses sterben müsste“;
andere Stimme: es macht schon einen Unterschied für das Spenderkind, ob nur
Nabelschnurblut benötigt wird, eine Blutspende ausreicht oder ob häufige
Punktionen des Knochenmarks notwendig sind oder gar größere Operationen
(ZEIT 29.5.08 S.35)
·
Britische Wissenschaftler haben einen neuen Embryonencheck entwickelt,
der es ermöglichen soll, IVF-Embryonen nach allen bekannten genetisch bedingten
Eigenschaften zu untersuchen, die als Krankheit oder Anomalie gelten; derzeit 15.000
genetisch bedingte „Fehlentwicklungen“ gekannt; Kosten je Test auf 1500
britische Pfund geschätzt;
Methode noch nicht anwendungsreif, Zustimmung der Behörde in GB unklar
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.44)
·
britisches Unterhaus stimmt der Auswahl von Embryonen zu, um kranke
Geschwister zu retten; Ärzte suchen nach künstlicher Befruchtung den Embryo
aus, der einem lebensbedrohlich erkrankten Geschwisterkind am besten helfen
kann; (genetisch passendes) Nabelschnurblut oder Knochenmark können nach der
Geburt übertragen werden
(taz 24.10.08)
·
erstmals in Spanien „Designer-Baby“ geboren; nach IvF Embryonen
ausgewählt, damit das so gezeugte Kind Nabelschnublut spenden kann für
Rückenmarkstransplantation; sechs Jahre alter Bruder hat Beta-Thalassämie;
Heilungschancen 70 bis 90%
(taz 17.10.08)
·
In London Januar
2009 Mädchen geboren, bei dem durch PID ausgeschlossen worden war, dass es
Trägerin des Brustkrebsgens BRCA1 sein könnte; das Gen ist für 5-10% aller
Fälle von Brustkrebs verantwortlich und lässt die Krankheit mit bis zu 80%iger
Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch kommen;
(GID 192 Februar 2009 S.27)
·
US-amerikanische
Kliniken werben neuerdings damit, via PID den Teint (Hautfarbe), das
Geschlecht, die Augenfarbe und die Haarfarbe eines Kindes vorherbestimmen zu
können; Hautfarb-Test umstritten – gilt als technisch nicht möglich
(GID 192 Februar 2009 S.27)
·
Umfrage USA: 42%
der befragten 415 Kliniken boten PID für nicht medizinisch begründete
Geschlechtsauswahl an
(GID 192 Februar 2009 S.30)
·
ist es ethisch vertretbar, Kinder als potenzielle Gewebespender für
kranke ältere Geschwister im Reagenzglas zu zeugen und zu selektieren?
zwischen Ethik der Würde und Ethik des Helfens
(Der Sonntag Sachsen 12.7.09 S.3)
·
Die Ausweitung der Grauzone. Tagtäglich verstoßen Mediziner hierzulande
gegen das Embryonenschutzgesetz. Juristen billigen diese Praxis – und die
Politik schaut weg.
Elternpaar wünscht sich ein zweites Kind. Allerdings hatten sie bereits eine
schwerbehinderte Tochter und wussten, dass ein zweites krankes Kind ihre Kräfte
übersteigen würde. Über den Rudniks schwebte die Diagnose „chromosomale
Translokation“. Bei dieser Erbkrankheit sitzen die Träger der Erbgutes an der
falschen Stelle, meist sind Teile von zwei Chromosomen vertauscht. Betroffene
Menschen können damit in der Regel zwar gut leben (wenn die Translokation „ausbalanciert“ ist, also in der Summe alle
notwendigen Chromosomen-Teile in der Summe in der normalen Anzahl vorhanden
sind JK), aber nur selten gesunde Kinder bekommen.
Die Eltern baten einen Arzt, gesunde Embryonen auszuwählen …
Der Mediziner Stiftler ließ sich nicht davon schrecken, dass eine solche
Präimplantationsdiagnostik (PID) nach herkömmlicher Rechtsauffassung in
Deutschland verboten ist (bis zu drei Jahre Haft) …
Im Falle der Rudniks sowie für zwei weitere Paare mit ähnlicher Diagnose
befruchtete er insgesamt 8 Eizellen, kontrollierte sie mithilfe der PID – und
pflanze keinen einzigen Embryo in den jeweiligen Mutterleib ein., alle Zellen
hatten sich als schadhaft erwiesen, er ließ sie absterben und schüttete sie
anschließend weg …
Stiftler zeigte sich Anfang 2006 selbst an; nach mehrjähriger komplizierter
Rechtssuche – die Staatsanwaltschaft wollte die Anzeige gar erst nicht zur
Verhandlung bringen – übernahm das Berliner Landgericht den Fall und sprach
Stiftler im Mai 2009 frei;
nach Recherchen der ZEIT steht fest: auch in Deutschland werden seit Jahren
Embryonen ausgewählt und einer Qualitätsprüfung unterzogen. In Dutzenden von
Fertilitätspraxen bleiben Embryonen übrig, werden zur späteren Verwendung auf
Eis gelegt oder – in vielen Fällen – vernichtet.;
führende Medizinrechtler interpretieren die alten restriktiven Regelungen (z.B.
Auslegung des Embryonenschutzgesetzes ESchG) neu; manche argumentieren, das
ESchG verbiete gar nicht grundsätzlich die PID, sondern nur den Gencheck kurz nach der Befruchtung; bei der PID
im frühen Stadium werden totipotente
Zellen (die grundsätzlich selbst noch die Fähigkeit haben, sich zu einem
eigenständigen Menschen zu entwickeln) abgetrennt und untersucht, Stiftler dagegen
untersuchte pluripotente Zellen in
einem späteren Stadium (die nur noch unterschiedliche Organe bilden können,
aber die Totipotenz verloren haben); Rechtsprofessorin Frommel hält das für
vergleichbar mit der gängigen vorgeburtlichen Diagnostik (Fruchtwasseruntersuchung)
und deshalb für erlaubt;
Das ESchG erwähnt die PID nicht, weil es diese Technik bei der Verabschiedung
des Gesetzes noch gar nicht gab; das heutige PID-Verbot in Deutschland fußt
lediglich auf einer Auslegung des Gesetzes;
Im Ausland setzt sich zunehmend der so genannte Single-Embryo-Transfer (SET)
durch. Unter mehreren befruchteten Eizellen fahnden die Mediziner nach den
erfogversprechndsten und setzen nur diese in den Mutterleib ein. Die restlichen
(gesunden JK) Embryonen werden eingefroren,
kranke verworfen.;
Medizinrechtler Taupitz: es sein keiner Frau zuzumuten, einen Embryo ohne
Chance auf Entwicklung austragen zu müssen. Im bislang einzigen Prozess in
Deutschland gegen einen Mediziner, der mehr als die drei (vom ESchG) befruchtet hatte, kam das Amtgericht im bayerischen
Wolfratshausen zum gleichen Schluss. Der Richter gab im April 2008 dem Arzt
recht … er argumentierte ganz pragmatisch: Die neue Praxis schone die
behandelten Frauen, schmälere das Risiko von Mehrlingsgeburten und sei auch „im
Interesse der Versichertengemeinschaft“, weil sie Kosten spare.
(Die ZEIT, 16.7.09 S.29f.)
·
in London Januar 2009 ein Mädchen geboren, be idem durch PID
ausgeschlossen worden war, Trägerin des Brustkrebsgens BRCA-1 zu sein;
das mutierte BRCA-1-Gen ist für 5 bis 10% aller Brustkrebsfälle verantwortlich
und lässt (bei Vorhandensein) die Krankheit mit bis zu 80%iger
Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch kommen
(GID Nr.192 2-2009 S.27)
·
Umfrage bei 415 Reproduktionskliniken in den USA: 42% boten PID für nicht
medizinisch begründete Geschlechtsauswahl an
(GID Nr.192 2-2009 S.30)
·
vergangene Woche hatte der Bundesgerichtshof in einem überraschenden
Urteil festgestellt, dass die PID entgegen landläufiger Rechtsauffassung gar
nicht verboten sei; aus dem Embryonenschutzgesetz lasse sich ableiten, dass
Embryonen auf schwere genetische Defekte getestet werden dürften, bevor sie der
Mutter eingepflanzt würden
(Spiegel 28-2010 S.15)
·
am 6. Juli 2010 hat der BGH einen Frauenarzt vom Vorwurf einer Verletzung
des ESchG freigesprochen; das Gericht folgte dabei den Anträgen von
Verteidigung und Bundesanwaltschaft;
er hatte 2005 und 2006 bei drei Paaren eine künstliche Befruchtung
durchgeführt; in allen Fällen wies einer der Partner eine genetische Belastung
auf; eine der Frauen hatte bereits eine behinderte Tochter, eine andere drei
Fehlgeburten; der Arzt untersuchte die künstlich befruchteten Eizellen auf
genetische Defekte; die Patientinnen entschieden sich dafür, nur die gesunden
Eizellen zu implantieren;
die Richter: das ESchG sei nicht grundsätzlich gegen Maßnahmen zur Vermeidung
von genetischen Risiken; so ist eine Geschlechtswahl der Samenzelle
ausdrücklich zugelassen, um schwere Erbkrankheiten zu vermeiden;
in Deutschland werden etwa 7.500 Kinder jährlich mit Hilfe der Reproduktionsmedizin
gezeugt; nur in 50 bis 100 Fällen liegen eindeutige Hinweise auf schwere
genetische Risiken vor, nur in diesen Fällen dürfte die PID nunmehr straflos
sein; ausgeschlossen sind z.B. die Auswahl der Augenfarbe oder des Geschlechtes
(Freie Presse Chemnitz 15.7.2010 S.A5; taz 7.7.2010 S.5)
·
Insgesamt, schätzen wir Humangenetiker, wird es in Deutschland etwa 500
PID-Untersuchungen pro Jahr geben
(Spiegel 28-2010 S.117)
·
Reproduktionsmediziner:
in höchstens 300 Fällen pro Jahr ist PID angezeigt;
in den drei Urteilsfällen lagen sogenannte Translokationen vor, das heißt, bei
einem Elternteil ist ein Stück eines Chromosoms abgebrochen und hat sich an ein
anders angelagert;
PID ist immer dann angezeigt, wenn es bei vorangegangenen Schwangerschaften
schon einen schicksalhaften Verlauf gab;
(taz 13.7.2010 S.6)
·
Im Humangenetischen Institut im Uni-Klinikum Lübeck werden gerade
Mitarbeiter gesucht für den „Aufbau einer Gruppe zur
Präimplantationsdiagnostik“; auch in Regensburg Erprobung;
CDU lotet aus, ob es vielleicht besser sei, strenge Kriterien für die PID
festzulegen, statt mit einem Verbot im Parlament zu scheitern
(Spiegel 40-2010 S.148)
·
Forderung aus der CDU nach einem befristeten Verbot von Gentests an
Embryos bei künstlicher Befruchtung
(taz 14.10.2010 S.1)
·
Moratorium, bis Rechtssicherheit besteht, auch für SPD denkbar, auch
Bundesärztekammer kann sich ein M. vorstellen;
(taz 14.10.2010 S.3)
·
erste PID 1989, britischer Embryologe Handyside; entnahm einigen drei
Tage zuvor künstlich gezeugten Embryonen jeweils 1 Zelle; Geburt von zwei
gesunden Zwillingen;
PID wird heute in rund 60 Ländern weltweit angewandt; in Europa fast
flächendeckend; so praktizieren gerade viele katholische Länder in Europa einen
liberalen Umgang mit dem Erbgutcheck;
(Spiegel 43-2010 S.180)
·
Die PID selektiert nicht nach „lebenswert“ und „nicht lebenswert“. Sie
gibt Auskunft darüber, was lebensfähig ist – und was todgeweiht. …
Schwangerschaften, die tödlich enden würden, gar nicht erst entstehen lässt;
auch die viel beschworenen Versuche, mit Hilfe von PID angeblich Menschen nach
Maß züchten zu wollen, sind ausgeblieben: Zur Bestimmung von Augen- oder
Haarfarbe taugt PID in Ermangelung des dazu nötigen Wissens schlicht nicht.;,
(taz 25.10.2010 S.12)
·
Befürworter eines Totalverbots der PID im Bundestag; in einem Ende
Dezember veröffentlichten Eckpunktepapier warnten sie davor, dass PID sozialen
Druck auf Eltern behinderter Kinder auslösen könnte, und “eine Selektion
menschlichen Lebens allein aufgrund einer schweren Erkrankung oder Behinderung
wieder in die deutsche Rechtsordnung eingeführt“ werde. In der
gesellschaftlichen Debatte wird diese Position unterstützt von der katholischen
Kirche, von manchen evangelischen Bischöfen …
(Der Sonntag, 16.1.2011 S.2)
·
„Dürfen künstlich gezeugte Embryonen genetisch getestet werden?“ Beiträge
PRO und CONTRA zur Zulassung der PID in Mitteldeutschen Kirchenzeitungen:
http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/11/25/durfen-kunstlich-gezeugte-embryonen-genetisch-getestet-werden/
·
Parteitag der
Bundes-CDU; 51,1% für Beibehaltung des NEINS zur PID (denkbar knapp);
Peter Hintze (für Zulassung): PID sei in vielen EU-Ländern erlaubt, von
nirgendwo sei leichtfertiger Missbrauch bekannt; Hubert Hüppe vehement für
Beibehaltung des Verbots, weil sonst ein Dammbruch drohe;
Berliner Gynäkolge Matthias Bloechle, der PID anbietet: „Es gibt Tausende
genetischer Defekte, da kann man nicht blind irgendwelche Erkrankungen
untersuchen. PID ist eine gezielte Diagnostik auf eine gezielte Erkrankung.“;
Das Max-Planck-Institut für ausländisches und
internationales Strafrecht bietet eine Übersicht zum Umgang mit PID in Europa.
Danach sind die Gentests in Italien verboten, in Finnland bislang gar nicht
gesetzlich geregelt, dafür aber in Großbritannien bis zum 14. Tag der
Embryo-Entwicklung zulässig. In den meisten Ländern mit PID-Erlaubnis gibt es
jedoch Einschränkungen: PID in Dänemark nur zulässig bei bekanntem
erheblichem Risiko der Übertragung einer schwerwiegenden Erbkrankheit, oder um
schwerwiegende Chromosomenanomalien aufzudecken oder auszuschließen. Seit 2004
ist PID zudem erlaubt, damit ein geeignetes Spender-Geschwisterkind für ein
bereits geborenes, aber todkrankes Kind geboren werden kann. Ärzte in Dänemark müssen die PID innerhalb eines Monats einer staatlichen
Stelle melden. In Frankreich ist PID nur in Ausnahmefällen zugelassen:
Ein Arzt aus einem multidisziplinären Zentrum für pränatale Diagnostik muss
dazu ein "hohes Risiko der Übertragung einer besonders ernsthaften, unheilbaren genetischen
Erkrankung" bestätigen. Die Durchführung der PID erfolgt in Fachzentren
für Pränataldiagnostik - nach der Bewertung durch eine Ethikkommission.
PID hat im europäischen Ausland weder zur Massennachfrage noch zu einer
hierzulande häufig befürchteten Menschenzucht geführt. Nach Angaben der
Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE)
wurde PID im Jahr 2007 nach bislang vorliegenden Zahlen europaweit 6.822-mal
durchgeführt. Erfasst wurden dabei Daten aus 17 Ländern, wobei die ESHRE selbst
Zweifel an der Vollständigkeit erhebt. In 3.746 Fällen erfolgte ein
Embryonen-Transfer in den Mutterleib. Knapp die Hälfte dieser Transfers war
erfolgreich, die PID führte in diesen Fällen also zu Schwangerschaften (1.817).
Tatsächlich geboren wurden 898 Kinder.
(taz 17.11.2010 S.02)
·
… lehnen die
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und die Evangelischen Frauen
in Deutschland (EFiD) jede Zulassung der Präimplatationsdiagnostik (PID)
ab ….
PID unterzieht menschliches Leben einer Qualitätskontrolle und unterscheidet
damit letztendlich zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben …
(Pressemitteilung 15.11.2010)
·
zur Erinnerung:
Bundesärztekammer 24.2.2000:
Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik:
http://baek.de/page.asp?his=0.7.45.3274.3277
·
Theologisch erscheint
es also möglich, aus der grundsätzlichen Ablehnung der PID unterschiedliche
Folgerungen zu ziehen: Entweder das radikale Verbot der PID oder ihre Zulassung
unter streng begrenzten Ausnahmeregeln …;
auch wenn in der Arbeitsgruppe eine große Einmütigkeit darin besteht, dass der
Schutz des werdenden Lebens und der Menschenwürde gewahrt werden muss, bleibt
ein Dissens bei der Betrachtung von Einzelschicksalen …
geht es bei der PID um positive Selektion …
(Studie aus der Evangelischen Kirche von Westfalen 2003 zur
Präimplnatationsdiagnostik: http://www.krause-schoenberg.de/gent_ekvw_studie_pid.html)
·
Jörg Schäfer
(48), Sozialpädagoge, selbst ein Mensch mit Behinderung:
“Meine Mutter, die mich sehr liebt, sagte einmal:’Hätte ich gewusst, dass du
behindert bist, hätte ich dich abgetrieben.“ Wir sind froh, dass es anders
gekommen ist;
Reproduktionsmediziner: Der Laie denkt, das Gebilde, das wir Embryo nennen,
könne perfekt untersucht werden. Das ist aber technisch nicht möglich. Man kann
die häufigsten Erkrankungen diagnostizieren, etwa 200, mehr nicht
(taz 6./7.11.2010 S.14);
Frau, die nach PID ein Kind bekam:
zwei Fehlgeburten, dann Feststellung eines Gendefekts bei der Mutter; weitere Fehlgeburt
nach künstlicher Befruchtung; dann PID, gesunde Tochter geboren
·
Er sehe "die Gefahr eines Dammbruchs",
warnte in seiner Weihnachtsbotschaft der Freiburger Erzbischof Robert
Zollitsch, "wenn sich der Mensch zum Herrn über andere Menschen macht und
bestimmt, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht." Doch nicht
nur der Vorsitzende der Deutschen Katholiken, auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich
Hoppe bot das Fest den willkommenen Anlass, um zur umstrittenen
Präimplantationsdiagnostik (PID) Stellung zu nehmen. In der Ärzteschaft, glaubt
er, habe sich die Stimmung verändert. Er rechnet damit, dass sich der nächste
Ärztetag "für die Zulassung der PID in engen Grenzen" aussprechen
wird. …
eine medizinische Prozedur, von der, je nach Indikation, höchstens 100 bis 200
Paare pro Jahr betroffen sein werden …
Der
"Entscheidungsfalle" allerdings, in die Frauen, wie die Soziologin
Silja Samerski in ihrem kürzlich erschienenen gleichnamigen Buch zeigt, bei der
Pränataldiagnostik geraten, entgehen sie auch durch die PID nicht. Sie müssen
sich aktiv zu einem "Risiko"-Embryo im Reagenzglas verhalten, ihn
gegebenenfalls "verwerfen" und damit zum Ausdruck bringen, dass
"solche" Menschen unerwünscht sind. …
Vielleicht erklärt diese Überforderung in Sachen Selbstbestimmung, weshalb auch
der Vizepräsident der Bundesärztekammer und PID-Skeptiker, Ulrich Montgomery,
die Indikationen für eine PID von einer Ärztekommission überwacht sehen will.
Wenn die Ärzte schon, wie sein Kollege Hoppe formuliert, eher Ratgeber als Führer
der Patienten sind, dann beanspruchen sie doch zumindest die Deutungshoheit
darüber, was "krank" und "gesund" ist.
(taz 28.12.2010 S.12)
·
Evangelischer
Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich: die PID überschreite die Grenze
des ethisch Verantwortbaren, Gott allein sei Herr über Leben und Tod, Menschen
dürften sich niemals anmaßen, menschlichem Leben das Lebensrecht abzusprechen
(Der Sonntag, 14.11.2010 S.2)
·
Ratsvorsitzender
der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider: Ich habe persönlich
darum geworben, dass wir nicht einfach den Beschluss des Rates von 2003 (sprach
sich gegen PID aus JK) wiederholen, sondern uns noch einmal mit dem Thema
auseinandersetzen
(Der Spiegel 46-2010 S.32)
·
Der Deutsche
Ethikrat arbeitet derzeit an einer Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik
(PID) und hat sich zum Ziel gesetzt, diese Anfang März 2011 vorzulegen. Vor
diesem Hintergrund hat sich der Rat am 16. Dezember 2010 in einer öffentlichen
Anhörung über die Regulierung und Praxis der PID in Belgien, Großbritannien und
Frankreich sowie über aktuelle Entwicklungen der genetischen Untersuchung von
Embryonen informiert.
Zu Beginn berichtete Luca Gianaroli, Vorsitzender der Europäischen
Fortpflanzungsmedizingesellschaft ESHRE (European Society of Human
Reproduction and Embryology) über den Stand der Entwicklung der PID, soweit
er sich in dem seit über zehn Jahren geführten Register der ESHRE
widerspiegelt. In dem Register werden die Daten aus 57 von etwas über 100
Zentren weltweit gespeichert und ausgewertet. Seit 1999 bis zum letzten
Berichtszeitraum (Behandlungsjahr 2007) wurden ca. 28.000 Behandlungszyklen
durchgeführt und 4.047 Kinder nach einer Untersuchung im Embryonalstadium
geboren. In ca. 99,5 Prozent aller Fälle wurden die zu untersuchenden Zellen am
dritten Tag entnommen. Aufgrund ihres angenommenen Potenzials, sich zu einem
eigenständigen Embryo zu entwickeln, ist dies in Deutschland verboten.
Insgesamt steige jedoch das Interesse, die Untersuchung an Blastozysten, also etwa
am fünften Tag der Embryonalentwicklung durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt
könnten mehr Zellen entnommen werden, die zudem nur zur späteren Bildung der
Plazenta bestimmt seien.
Zur Praxis der PID in Belgien erläuterte der Fortpflanzungsmediziner Paul Devroey,
das Verfahren für die Genehmigung jeder Diagnostik sei schwierig, aber
transparent. Eine PID werde an sieben lizenzierten IVF-Zentren in Kooperation
mit einem humangenetischen Zentrum durchgeführt. Zusätzlich bedürfe sie einer
Beratung des Paares und positiver Evaluation des Falls durch einen
Fortpflanzungsmediziner, einen Genetiker, einen Psychologen sowie bei Bedarf
eines Ethikkomitees. Eine offizielle Liste zugelassener Indikationen gebe es
nicht.
Aus Großbritannien berichtete Emily Jackson, Juristin und Vizevorsitzende der
Fortpflanzungsmedizinbehörde HFEA (Human Fertilisation and Embryology
Authority). Die HFEA ist in Großbritannien für die Vergabe von Lizenzen
zuständig, die Zentren benötigen, um PID anbieten zu können. Sie entscheidet
auch darüber, welche genetisch und chromosomal bedingten Störungen überhaupt
für eine PID zulässig sind. Bei dem Beratungsverfahren werde die Situation des
Paares berücksichtigt und der Rat verschiedener Experten wie Mediziner und
Patientengruppen herangezogen. Bei besonders umstrittenen Diagnosemöglichkeiten
– wie z. B. der Untersuchung auf Brustkrebsrisikogene – werde auch die
Öffentlichkeit verstärkt in den Beratungsprozess einbezogen. Wenn ein Test aber
erst einmal anerkannt sei, könne jedes lizenzierte Zentrum ihn einsetzen, ohne
für jeden Einzelfall eine Genehmigung der HFEA einzuholen.
Patrick Gaudray, Genetiker und Mitglied des Französischen Ethikrates,
erläuterte das französische Modell, bei dem der PID enge Grenzen gesetzt sind,
die nur im Rahmen von Novellierungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes geändert
werden können. Derzeit darf die PID nur in drei lizenzierten Zentren
durchgeführt werden und nur bei Familien, die bereits von einer schweren und
unheilbaren genetisch bedingten Krankheit betroffen seien. Eine Liste konkreter
Krankheitsanlagen, die untersucht werden dürfen, gebe es nicht, stattdessen
finde eine Überprüfung jedes Einzelfalles im Rahmen eines festgelegten
Verfahrens statt.
Im Unterschied zu Frankreich lassen Belgien und Großbritannien auch die Suche
nach Chromosomenstörungen zu, die nicht bereits im Genom der Eltern vorliegen,
sondern erst während der Keimzellbildung oder Befruchtung entstehen. Solche
Screening-Untersuchungen wurden nach dem von Gianaroli vorgestellten
aktuellsten ESHRE-Datensatz 2007 in knapp 64 Prozent aller PID-Fälle und damit
sehr viel häufiger eingesetzt als Diagnosen konkret vererbter
Krankheitsanlagen. Devroey, Jackson und Gianaroli betonten jedoch, dass
inzwischen vorliegende Untersuchungen gezeigt hätten, dass durch das Screening
die Geburtenrate entgegen früheren Erwartungen nicht verbessert werde. Deshalb
müsse dieser Ansatz nach wie vor als experimentell gelten, wenngleich es
Hinweise gebe, dass neuere Untersuchungsmethoden künftig bessere Ergebnisse
erzielen könnten.
Ethikratsmitglieder und die zahlreich bei der Anhörung anwesenden Mitglieder
des Deutschen Bundestages stellten den Experten im Anschluss weiterführende
Fragen. Von besonderem Interesse waren dabei die Zahl der für eine PID
verwendeten Embryonen. Diese liegt zumeist deutlich über den vom deutschen
Embryonenschutzgesetz für die Zeugung nach herrschender Auffassung maximal
erlaubten drei Embryonen pro IVF-Zyklus. Weiteres Thema waren die Details des
Entscheidungsprozesses für oder gegen die Untersuchung bestimmter genetischer
Krankheitsursachen. Aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweisen an die
Präimplantationsdiagnostik und ihre Bewertung komme es darauf an, so die
Experten, in einem demokratisch legitimierten Verfahren zu einer Entscheidung
zu kommen, die der jeweiligen Gesellschaft und den unterschiedlichen Positionen
gerecht werde.
Weitere Informationen zur Anhörung sind unter http://www.ethikrat.org/veranstaltungen/anhoerungen/praeimplantationsdiagnostik
abrufbar. (http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung-11-2010)
·
Die drei großen deutschen Wissenschaftsakademien
haben ein eindeutiges Votum für eine gesetzliche Zulassung der
Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Nach der gemeinsam von der
Nationalakademie Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften
(acatech) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
vorgelegten Stellungnahme soll die PID nur bei schweren Erbkrankheiten zulässig
sein. In jedem Fall soll eine individuelle Entscheidung herbeigeführt werden.
Zuständig dafür soll eine Kommission sein, der alle Anträge für eine PID
vorzulegen sind …
Nach den Vorstellungen der Expertengruppe soll der Embryonencheck im
Reagenzglas nur bei schweren Erbkrankheiten vorgenommen werden. Ein
"Verdacht allein reicht noch nicht aus" … Um die PID anzuwenden,
müsste in der Familie schon ein schwerer Fall einer genetisch bedingten
Erbkrankheit aufgetreten sein …
Einschränkungen soll es trotz geben: Nicht zum Einsatz kommen soll die PID etwa
um sogenannte Aneuploidien zu verhindern; das sind genetische Störungen, bei
denen die Chromosomenzahl von der Norm abweicht. Die bekannteste davon ist die
Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt …
So ist auch nach dem BGH-Urteil nicht jede PID zulässig. Zum einen befasste
sich das BGH nur mit schweren Erbkrankheiten. Und es stellte in der
Urteilsbegründung auch besonders heraus, dass die PID nur durchgeführt werden
dürfe, wenn die dem Reagenzglasembryo entnommenen Zellen nicht mehr totipotent,
also voll entwicklungsfähig sind. Die Expertengruppe der Wissenschaftsakademien
geht davon aus, dass dies bereits während des vierten Teilungszyklusses der
Fall ist - wenn der Embryo in das 16-Zell-Stadium übergeht …
(taz 21.1.2011 S.18)
·
Dem ursprünglich
deutlich strafferen Zeitplan für die parlamentarischen Beratungen folgend hat
der Vorstand der Bundesärztekammer
im Februar 2011 eine aktuelle Positionsbestimmung auf der Grundlage einer
Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Beirats in Form eines Memorandums (http://baek.de/downloads/Memorandum-PID_Memorandum_17052011.pdf)
vorgenommen, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen und der darauf
basierenden veränderten Einschätzung der PID vom ablehnenden Beschluss des 105.
Deutschen Ärztetages aus dem Jahr 2002 abweicht.
Maßgebliche Eckpunkte und Erwägungen dieses Memorandums sind:
+ Die ethische Abwägung spricht für eine Zulassung der PID in engen Grenzen und
unter kontrollierten Voraussetzungen. Unter Gesichtspunkten der Zumutbarkeit
für die Frau und des Entwicklungsstandes des vorgeburtlichen Lebens ist die
In-vitro-Befruchtung mit PID in bestimmten Fällen ethisch weniger problematisch
als eine mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch. Gegen die Befürchtung eines
Dammbruchs spricht die internationale Erfahrung. Aus ethischer Sicht fallen die
Persönlichkeitsrechte und das Selbstbestimmungsrecht der Frau bzw. des Paares,
ihre Gewissensfreiheit sowie ihre Gewissensverantwortung – auch mit Blick auf
das erhoffte Kind – ins Gewicht.
+ Eine Eingrenzung der Indikationsstellung ist erforderlich. Die PID soll nur
für Erkrankungen durchgeführt werden, für die bei einem Paar ein hohes
genetisches Risiko bekannt ist. Keine Indikationen für PID sind
Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, höheres Alter der Eltern sowie reproduktionsmedizinische
Maßnahmen im Allgemeinen.
+ Um die Patientenautonomie zu wahren und eine authentische,
verantwortungsbewusste Entscheidung zu ermöglichen, bedarf es umfassender
Information und Aufklärung sowie kompetenter Beratung.
+ Unbeschadet des Erfordernisses, die Belange der Reproduktionsmedizin in einem
umfassend angelegten Fortpflanzungsmedizingesetz zu regeln, sollte eine
Regelung der PID Anlass geben, § 1 Abs. 1 Nr. 5 Embryonenschutzgesetz (ESchG)
dahingehend abzuändern, dass dem Arzt aufgegeben wird, die Zahl der zu
befruchtenden Eizellen so festzulegen, dass das Risiko des Entstehens
überzähliger Embryonen geringer ist als das Risiko, keine ausreichende Anzahl
transfergeeigneter Embryonen zur Verfügung zu haben.
+ Im Fall einer gesetzlich bestimmten Zulassung der PID wäre von der
Bundesärztekammer eine (Muster-)Richtlinie zur Durchführung der PID zu
erarbeiten, insbesondere zum Indikationsspektrum, zur personellen und
apparativen Ausstattung, zur medizinischen und psychosozialen Beratung sowie
zur Festlegung der erforderlichen Zahl danach qualifizierter durchführender
Zentren.
+ Bei den Landesärztekammern wären behandlungsunabhängige PIDKommissionen
einzurichten, die die Qualitätssicherung der PID gewährleisten. Der zuständigen
Kommission wären die einzelnen Behandlungsfälle in anonymisierter Form vorab
zur Beurteilung vorzulegen. Die bei den einzelnen Kommissionen der
Landesärztekammern erhobenen Daten zur Qualitätssicherung wären in einem
zentralen Register in anonymisierter Form zusammenzuführen.
In Anerkennung der umsichtigen und sorgfältigen ethischen Abwägungen, die in
dem Memorandum zur Präimplantationsdiagnostik deutlich zum Ausdruck kommen,
spricht sich der Deutsche Ärztetag angesichts der Notwendigkeit einer
gesetzlichen Regelung für die Zulassung der PID in engen Grenzen und unter
kontrollierten Verfahrensvoraussetzungen aus.
(Beschlussprotokoll des 114 . Deutschen Ärztetages 31.5.-3.6.2011, Beschluss
zur Präimplantationsdiagnostik; http://baek.de/downloads/114Beschlussprotokoll20110608.pdf;
Text des ausführlichen Memorandums der Bundesärztekammer zur
Präimplantationsdiagnostik: http://baek.de/downloads/Memorandum-PID_Memorandum_17052011.pdf)
·
Interview mit Peter Hintze, evangelischer Theologe und Parlamentarischer
Staatssekretär, zur PID;
Für mich ist es eine Christenpflicht, zur Abwendung von Tot- und Fehlgeburten
wie auch zur Abwendung schwerster Schwangerschaftskonflikte aus erblichen
Ursachen die PID zuzulassen
(Der Sonntag, Sachsen, 23.1.2011 S.2)
·
Der Arzt Matthias Bloechle machte als erster Arzt in Deutschland Gentests
an künstlich gezeugten Embryonen (PID);
“Jede Form von Medizin ist ein Eingriff in die Schöpfung“;
Bloechle ist Jahrgang 1962, das älteste von vier Kindern aus einem schwäbischen
Pastorenhaushalt;
Bei jener
Patientin aus Bayern, die sich 2005 an ihn wendet, offenbart sich schnell, was
optimal für sie wäre: ein gesundes Kind. Mitte 20 ist sie erst, hat aber schon
vier Schwangerschaften hinter sich. Und vier Fehlgeburten. Nach der zweiten
stellen die Ärzte bei ihr daheim fest, dass sie einen genetischen Defekt in
sich trägt. Für sie selbst ist das ungefährlich. Aber einem leiblichen Kind,
das den Defekt erbt, nimmt er jede Überlebenschance.
Sie solle es
halt lassen, bekommt sie von ihren Ärzten zu hören. Oder ein Kind adoptieren.
Matthias Bloechle spart sich die schlechten Ratschläge. Er weiß, dass er ihre
letzte Hoffnung ist. Seine Praxis ist schon damals weit über die Berliner
Grenzen hinaus bekannt - für ihre Erfolgsraten, aber auch für ihre Toleranz:
Bloechle und seine Kolleginnen behandeln fast jeden Kinderwunsch, egal ob von
verheirateten oder nicht verheirateten oder lesbischen Paaren oder Singles. Die
persönliche Freiheit, sie wiegt schwerer als jede rechtliche Grauzone. Soll er
derjenige sein, der das bisherige Scheitern eines Lebensentwurfs besiegelt?;
Im Sommer
2010 spricht ihn der Bundesgerichtshof frei. Seither steht die Republik in
dieser Frage kopf - und er unter Beschuss. Der Vorwurf, er, der Arzt,
selektiere, spiele sich zum Entscheider über Leben und Tod auf, hat ihn
getroffen. "Ich entscheide nicht darüber, was lebenswertes Leben ist und
was nicht", sagt er. "Die PID gibt Auskunft darüber, was lebensfähig
ist und was todgeweiht." Anders ausgedrückt: Die PID helfe,
Schwangerschaften, die ohnehin tragisch enden würden, erst gar nicht entstehen
zu lassen. Das, sagt Bloechle, sei der Unterschied zu der in Deutschland
erlaubten Pränataldiagnostik im Mutterleib: "Da sehen Sie plötzlich am
Ultraschall, dass das Kind schwer krank ist, und dann muss entschieden werden,
ob das Kind, das prinzipiell lebensfähig ist, ausgetragen wird oder nicht.“;
Er kann sich nicht vorstellen, dass die radikalen PID-Gegner eine Mehrheit
finden: "Keine Frau würde bei der PID von einem nicht eingepflanzten
Embryo sprechen, keine von einem ungeborenen Kind.“;
Was er jetzt sagt, ist ihm wichtig: "Drei meiner Kinder sind
Töchter." Kunstpause. "Ich möchte nicht, dass die eines Tages
vorgeschrieben bekommen, mit wem, wie, wann und ob sie Kinder bekommen wollen.“
(taz 12./13.3.2011 S.23)
·
Text des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 6.7.2010 wegen Verstoßes
gegen das Embryonenschutzgesetz (Zulassung der PID): http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=52897&linked=urt&Blank=1&file=dokument.pdf
·
Deutscher
Ethikrat legt Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik vor
PRESSEMITTEILUNG 03/2011; Berlin, den 8. März 2011
Der Ethikrat stellt darin den Sachstand und die ausschlaggebenden Argumente von
Befürwortern und Gegnern einer Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID)
umfassend dar.
Vor dem Hintergrund aktueller technischer und rechtlicher Entwicklungen
beschreibt der Ethikrat die derzeitige Praxis und die neuen Möglichkeiten der
genetischen Diagnostik an Embryonen. Er geht auf die unterschiedlichen
Positionen und Argumente zum Status und Schutz des Embryos ein und diskutiert
die wichtigsten sozialethischen Aspekte.
Ausgehend von diesen Überlegungen entwickeln die Ratsmitglieder zwei
alternative Vorschläge zu einer gesetzlichen Regelung der PID.
Eine Gruppe von 13 Mitgliedern des Deutschen Ethikrates hält die PID unter
bestimmten Einschränkungen für ethisch gerechtfertigt, weil die PID einen Weg
eröffnet, einen rechtmäßigen Schwangerschaftsabbruch nach Pränataldiagnostik
gemäß medizinischer Indikation zu vermeiden, und auch Paaren eine Chance auf
Hilfe bietet, die aus genetischen Gründen wiederholte Fehl- oder Totgeburten
erlebt haben. In beiden Fällen sprechen gewichtige Gründe des
Gesundheitsschutzes der Frau für die Zulassung der PID.
Voraussetzung für die Durchführung der PID ist ein hohes medizinisches Risiko.
Dieses liegt vor,
+ wenn bei den Eltern nachweislich eine erbliche Anlage vorhanden ist, die bei
Vererbung auf das Kind zu einer schweren Krankheit oder Behinderung führen
würde und im Falle ihrer Feststellung durch pränatale Diagnostik wegen einer
Gefährdung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der betreffenden Frau
Anlass für eine medizinische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch wäre,
+ wenn bei den Eltern nachweislich ein hohes Risiko vorhanden ist, eine
Chromosomenstörung oder anderweitige Mutation zu vererben, die eine
extra-uterine Lebensfähigkeit des Embryos ausschließt oder
+ wenn bei den Eltern nach wiederholten Fehlgeburten oder vergeblichen
Behandlungsversuchen der assistierten Reproduktion nach eingehender
medizinischer Abklärung ein hohes Risiko für Reifungsstörungen der Keimzellen
gegeben ist, sodass ein Großteil der entstehenden Embryonen extra-uterin nicht
lebensfähig ist.
Unzulässig und gesetzlich zu verbieten ist die Durchführung der PID nach
Ansicht dieser Ratsmitglieder hingegen
+ zur Feststellung des Geschlechts eines Embryos, es sei denn, diese hat das
Ziel, die Geburt eines Kindes mit einer folgenschweren, geschlechtsgebunden
vererbten genetischen Anomalie zu vermeiden,
+ wenn sie mit dem Ziel der Auswahl eines Embryos für die Spende von Zellen,
Geweben, oder Organen für einen anderen Menschen erfolgen soll,
+ wenn sie ohne eine der oben angeführten Indikationen etwa zur Vermeidung
eines allein wegen des Alters der Frau vermuteten Risikos von
Chromosomenstörungen beim Embryo erfolgen soll und
+ bei spätmanifestierenden Krankheiten.
Die Befürworter einer begrenzten Zulassung der PID empfehlen, dass der
Gesetzgeber diese Kriterien festlegt, jedoch keinen Katalog einzelner
Krankheiten oder Behinderungen aufstellt, bei denen eine PID infrage kommt.
Sie schlagen außerdem bundeseinheitlich festzulegende Verfahrensregeln für die
Durchführung der PID vor. Die Indikationsstellung soll nach Feststellung des
genetischen Risikos und Beratung durch einen Humangenetiker, nach ärztlicher
Beratung durch einen Reproduktionsmediziner und nach psychosozialer Beratung
durch eine nach Schwangerschaftskonfliktgesetz anerkannte Beratungsstelle
gemeinsam durch die an der Beratung beteiligten Experten sowie einen Vertreter
der IVF-Kommission der Landesärztekammer erfolgen.
Die Befürworter dieses Konzepts wollen mit der begrenzten Zulassung der PID
einen Wertungswiderspruch zum bestehenden gesetzlichen Schutzkonzept während
der Schwangerschaft vermeiden.
Eine Gruppe von elf Mitgliedern des Ethikrates vertritt die Auffassung, dass
die Durchführung der Präimplantationsdiagnostik ethisch nicht gerechtfertigt
ist und verboten werden sollte,
+ weil der in vitro gezeugte Embryo aufgrund seiner künstlichen Erzeugung einer
besonderen Verantwortung unterliegt, die es verbietet, ihn zu erzeugen, um ihn
im Falle unerwünschter Eigenschaften zu verwerfen,
+ weil der selektive Blick auf die durch gezieltes menschliches Handeln
erzeugten Embryonen und die Bereitschaft zu ihrer eventuellen Verwerfung die
PID grundlegend von der Situation des Schwangerschaftsabbruchs aufgrund
medizinischer Indikation nach Pränataldiagnostik unterscheidet,
+ weil mit der PID eine embryopathische Indikation wieder eingeführt würde,
also die Erlaubnis, menschliches Leben aufgrund unerwünschter Eigenschaften zu
verwerfen, die aus der Schwangerschaftskonfliktregelung ausdrücklich gestrichen
wurde,
+ weil gravierende Folgen für den Embryonenschutz absehbar sind, insbesondere
indem eine hohe Anzahl von „überzähligen“ Embryonen entstehen würde, von denen
niemand weiß, wie mit ihnen umzugehen wäre,
+ weil eine Begrenzung auf wenige Fallgruppen oder schwere Erkrankungen nicht
einzuhalten ist, vielmehr eine Ausweitung der Indikationen und Anlässe für die
Anwendung der PID absehbar ist, wie dies auch in anderen Staaten, die die PID
zugelassen haben, bereits erfolgt ist,
+ weil die technische Entwicklung chipgestützter Diagnosetechniken einen
breiteren Einsatz der PID für die gleichzeitige Diagnostik einer Vielzahl von
genetischen Abweichungen oder Krankheitsveranlagungen in absehbarer Zeit
wahrscheinlich macht,
+ weil sich der Druck auf genetisch belastete Eltern, die sich keiner PID
unterziehen wollen, und auf Menschen mit Behinderung, insbesondere mit
genetisch bedingten Behinderungen, erhöhen könnte und dies Bemühungen um
Integration und Inklusion zuwiderlaufen würde.
Nach Auffassung der Unterzeichner dieses Votums müssen die Sorgen und Wünsche
von genetisch belasteten Paaren ernst genommen werden. Eine Einführung der PID
rechtfertigen sie aber nicht. Vielmehr ist eine bessere Beratung und
Unterstützung betroffener Paare oder Familien sicherzustellen; ebenso ist zu
prüfen, ob ihre Belastung durch den Einsatz anderer Verfahren gemildert werden
kann.
In einem Sondervotum spricht sich ein Ratsmitglied dafür aus, die PID zur
Identifikation von entwicklungsfähigen Embryonen zu erlauben und dafür eine
verbindliche Indikationsliste zu erstellen.
(Deutscher Ethikrat, Stellungnahme zur Zulassung der PID, 8.3.2011;
Pressemitteilung: http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2011/pressemitteilung-03-2011;
ausführlicher Text der Stellungnahme: http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-praeimplantationsdiagnostik.pdf
)
·
Stellungnahme
des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur
Präimplantationsdiagnostik (PID) vom 15.2.2011;
bleibt der Rat dabei, dass die PID verboten werden sollte;
Wenn sich der Rat der EKD erneut dafür ausspricht, Grenzen der Verfügbarkeit
über menschliches Leben anzuerkennen und die PID zu verbieten, dann geschieht
das in dem Bewusstsein des Dilemmas, dass auch das Verbot der PID anderen
Menschen nicht oder kaum Erträgliches zumuten kann;
Unter den Mitgliedern des Rates gibt es unterschiedliche Meinungen zur
Bewertung von Konstellationen, bei denen die Anwendung der PID nicht die
Funktion hätte, zwischen behinderten und nicht behinderten Embryonen zu
unterscheiden, sondern die Aufgabe, lebensfähige Embryonen zu identifizieren.
Die hier angesprochenen Fälle unterscheiden sich von anderen dadurch
prinzipiell, dass es nicht um die Frage von Krankheit und Gesundheit, von
behindert und nicht behindert, von „lebenswert“ und „nicht lebenswert“ geht,
sondern um Lebensfähigkeit und Lebensunfähigkeit. Nur in diesen Fällen würde
die IVF in Verbindung mit der PID allein dem Ziel dienen, Leben zu ermöglichen.
Es gilt deshalb zu bedenken, ob eine Zulassung der PID mit dem Ziel
verantwortbar ist, lebensfähige Embryonen zu identifizieren. Liegt bei Eltern
eine solche genetische Veranlagung vor, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
der Embryo schon während der Schwangerschaft lebensunfähig ist, könnte die
Möglichkeit eingeräumt werden, die PID zuzulassen. Für diese Fälle müssten
Verfahren gefunden werden, die eine angemessene Begleitung und Beratung der
Eltern sicherstellen und einen Missbrauch des eröffneten Weges verhindern.
Dieses halten einige der Mitglieder des Rates für ethisch vertretbar.
Andere machen ihre ablehnende Haltung deutlich: Sie sehen die Gefahr, dass
Leben unterschiedlich bewertet wird. Auch das Leben mit einem noch nicht
geborenen Kind ist ein Leben in Beziehung und insofern wertvoll. Es ist nicht
an uns zu bewerten, was dies werdenden Eltern bedeutet. Zugleich besteht die
Sorge einer späteren Ausweitung der Ausnahme, wie dies bei der Pränatalen
Diagnostik geschehen ist.
Gleichwohl tragen alle Mitglieder des Rates diese Erklärung in wechselseitigem
Respekt für die jeweiligen Überzeugungen gemeinsam.
Der Rat der EKD gibt diese Erklärung im Respekt vor der Freiheit der
Gewissensentscheidung der Einzelnen ab. Er ruft dazu auf, in persönlicher
Verantwortung ein eigenes ethisches Urteil zu bilden.
(Text der Stellungnahme: http://www.ekd.de/presse/pm40_2011_verbot_pid.html
)
·
Ad-hoc-Stellungnahme
18. Januar 2011
Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit
acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (für die Union der
deutschen Akademien der Wissenschaften)
“Präimplantationsdiagnostik (PID) – Auswirkungen einer begrenzten Zulassung in
Deutschland“
Wesentliche Empfehlungen
Auf Grund gleichgelagerter Konfliktsituationen für die Frau sollte unter
einschränkenden und definierten Bedingungen eine PID gesetzlich zugelassen und
die damit verbundenen Folgen für den Embryo vom Gesetzgeber der PND (pränatale
Diagnostik, GenDG) und dem Schwangerschaftsabbruch (§ 218 StGB) gleichgestellt
werden. Diese Gleichstellung sollte sich auf eine begrenzte PID-Zulassung an
nicht-totipotenten Zellen des Embryos in vitro beschränken, während
gleichzeitig erhebliche einschränkende Voraussetzungen empfohlen werden. So
darf die Untersuchung nur bei Paaren durchgeführt werden, für deren Kinder
medizinisch-objektiv ein hohes Risiko des Ausbruchs einer bekannten und
schwerwiegenden monogenen Krankheit oder einer erblichen Chromosomenstörung
besteht oder mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist. Für die Zulässigkeit
der PID sollte keine Altersgrenze für den Krankheitsausbruch festgelegt werden.
Die PID darf nicht für staatlich oder gesellschaftlich definierte Ziele
verwendet werden, die außerhalb des Wohls des betroffenen Paares liegen. Dieses
Verbot sollte weiterhin gelten für eine Wunschregulierung der Zusammensetzung
genetischer Anlagen von Kindern nach dem Willen der Eltern, für eine
Geschlechtsbestimmung ohne genetischen Krankheitsbezug, für die Nutzung von
Embryonen für Forschungszwecke und für Untersuchungen auf neu entstandene, also
nicht erbliche Chromosomenstörungen (Aneuploidie-Screening). Zudem sollte eine
Sachverständige Stelle benannt werden, die Ausführungsbestimmungen bzw.
Richtlinien zur Durchführung der PID erlässt.
Die PID sollte nur an wenigen dafür von der benannten Sachverständigen Stelle
zugelassenen und regelmäßig kontrollierten Einrichtungen durchgeführt werden
dürfen. Die PID sollte nur durchgeführt werden dürfen, wenn sie auf begründeten
Antrag hin von der benannten Sachverständigen Stelle zugelassen wurde. Neben
einem PID-Gesetz und einer möglichen Änderung des Gendiagnostik-Gesetzes wäre
auch an die Verabschiedung eines Fortpflanzungsmedizingesetzes zu denken.
(Pressemitteilung: http://www.leopoldina.org/de/politik/empfehlungen-und-stellungnahmen/nationale-empfehlungen/praeimplantationsdiagnostik-pid.html?cHash=703d3a797d69b124e11246d2f2ed5e7d&no_cache=1&sword_list[0]=pid;
Text der Stellungnahme: http://www.leopoldina.org/fileadmin/user_upload/Politik/Empfehlungen/Nationale_Empfehlungen/stellungnahme_pid_2011_final_a4ansicht.pdf
)
·
Interview mit
der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zur Präimplantationsdiagnostik
SPIEGEL: Was hat Sie umgestimmt?
Schröder: Hauptsächlich ein inzwischen schon klassisches
Gedankenexperiment des Harvard-Philosophen Michael Sandel. Dabei geht es um die
Frage, ob man aus einem brennenden Krankenhaus entweder 20 Embryonen in
Petrischalen oder einen einzigen Säugling retten würde. Nicht immer liegt man
mit seiner Intuition richtig, aber wer befruchtete Eizellen für vollwertige
Menschenleben hält, der müsste die Auffassung vertreten, dass es ethisch
richtig wäre, den Säugling liegen zu lassen und die befruchteten Eizellen zu
retten.
SPIEGEL: Wie würden Sie dann Embryonen definieren?
Schröder: Beim Wort Embryo sehen viele vor ihrem geistigen Auge
wahrscheinlich einen Embryo in der zwölften Schwangerschaftswoche. Wir reden
bei der PID aber über Achtzeller. Das muss man sich einfach klarmachen. Diese
Achtzeller haben zwar das Potential zur Menschwerdung - tatsächlich ein Mensch
können sie aber nur werden, wenn sie sich in eine Gebärmutter einnisten. Wenn
man sie bereits als Mensch ansieht, müsste man auch die Spirale und die Pille
danach verbieten - denn auch die verhindern die Einnistung. Und das wäre meiner
Ansicht nach ebenfalls falsch.;
Die Frage, ob jetzt menschliches Leben vor oder nach der Einnistung in die
Gebärmutter beginnt, kann man auch als Christ so oder so beantworten. Für mich
ist es eine Frage der Nächstenliebe, den Paaren zu helfen, die sich ein Kind
wünschen, aber in deren Familien es schwere Erbkrankheiten gibt.;
Die Kommissionen sollten auf jeden Fall nicht nur mit Medizinern besetzt sein,
sondern auch mit Psychologen und Experten aus anderen relevanten Disziplinen.
Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn sich die Kirchen an den PID-Kommissionen
beteiligen würden.;
Ich habe mit vielen Eltern behinderter Kinder die Erfahrung gemacht, dass sie
mit unglaublicher Liebe und bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen
Belastbarkeit ihr Kind pflegen, aber eigentlich nie andere Eltern verdammen,
die sagen, dass sie eine solche Situation nicht ertragen könnten.
durch unseren Antrag ausgeschlossen. Darin ist glasklar geregelt, dass die
Ärzte nur diejenigen Krankheiten testen dürfen, für die eine genetische
Disposition der Eltern festgestellt wurde. Ein verdachtsunabhängiges Screening
ist nicht möglich. Wir wollen ja gerade keinen Embryonen-TÜV.;
SPIEGEL: Was soll mit den überzähligen Embryonen passieren, wenn sie im
Zuge der PID aussortiert werden? Wären die für die Stammzellforschung
interessant?
Schröder: Das würde dem deutschen Stammzellgesetz widersprechen. Im
Moment käme das also gar nicht in Frage.
SPIEGEL: Man kann Gesetze aber auch ändern. Mit diesen Embryonen stünden
der Forschung hochinteressante Modelle von seltenen Erbkrankheiten zur
Verfügung.
Schröder: Ich weiß, dass man darüber diskutieren kann, ob man den Eltern
die Möglichkeit gibt, die befruchteten Eizellen der Forschung spenden zu
dürfen. Ich bin selbst ja auch der Stammzellforschung gegenüber aufgeschlossen.
Aber darum geht es nicht in der aktuellen Debatte.
SPIEGEL: Hätten Sie die PID denn für sich in Erwägung gezogen, wenn bei
Ihrem Nachwuchs ein Risiko bestanden hätte?
Schröder: Das ist eine sehr intime Frage, die ich nur so beantworten
will, dass man nicht alles tun muss, was der Gesetzgeber möglich macht. Das
eigene private Werturteil kann sich von dem unterscheiden, was erlaubt ist.;
… ich habe auch sehr böse Briefe bekommen. Manchmal von Menschen, die selbst
das Glück hatten, zwei oder drei gesunde Kinder zu haben. Von ihnen zu hören,
dass Paare auf Kinder verzichten sollten, wenn das Risiko einer Erbkrankheit
besteht, kommt mir manchmal doch sehr unbarmherzig vor.;
SPIEGEL: Müssen Sie befürchten, dass die Union ihrer Kernwählerschaft zu
viel zumutet, wenn Ihr PID-Antrag durchkommt?
Schröder: Konservativ sein heißt ja nicht, einfach auf seinen Positionen
zu verharren, sondern es heißt, auch Dinge zu verändern, um Werte zu erhalten.
Der Wunsch von Eltern, lebensfähige Kinder bekommen zu können, das ist eines
der konservativsten Anliegen überhaupt.
(Der Spiegel 21-2011 S.26)
·
Der
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider,
hat den Kirchen einen „moderateren Ton“ in der Debatte um die Zulassung der
Präimplantationsdiagnostik (PID) nahe gelegt.;
Schneider sprach sich für eine Ausnahme vom generellen Verbot der OID aus, wenn
es nicht um die Frage von lebenswertem oder lebensunwertem Leben gehe, sondern
um die Frage der Lebensfähigkeit, so etwa bei der erhöhten Gefahr einer
Totgeburt. „Ich finde, es tut uns Kirchen nicht gut, wenn wir behaupten, etwas
zu wissen, was wir gar nicht wissen können, nämlich wann und wie menschliches
Leben wirklich beginnt.“
(Der Sonntag, Sachsen, 1.5.2011 S.2)
·
Nüchtern
betrachtet, gibt es Erkrankungen, die mit hoher Sicherheit während der
Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt zum Tod führen und durch die PID im
Embryonalstadium ausgeschlossen werden können. Den Eltern nicht die Möglichkeit
zu geben, sich und ihrem Kind dieses Schicksal zu ersparen, ist in diesen
eindeutigen Fällen schlicht unethisch.
(Reproduktionsmediziner Elmar Breitbach in Spektrum der Wissenschaft 14.4.2011:
http://wissenschaft-online.de/artikel/1069198 )
·
Beitrag Joachim
Krause PRO Zulassung der PID
(„Der Sonntag“ (Sachsen) und „Glaube und Heimat“ (Thüringen), 28.11.2010; http://www.krause-schoenberg.de/gent_pid_JK_PRO_kirchenzeitungen-11-2010.htm
)
·
Eine Entscheidungshilfe zur PID für unentschlossene
Bundestagsabgeordnete;
Auch für die PID-Befürworter ist der Embryo nicht wertlos. Für sie genießt der
Keimling jedoch keinen absoluten Schutz, sondern nur einen abgestuften. Damit
der Zellhaufen leben kann, braucht er nämlich die Mutter, die ebenfalls Rechte
hat. Erst nach der Einnistung in die Gebärmutter kann der Embryo weiterreifen.
Und selbst zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Embryonen nicht
überlebensfähig. Biologen gehen davon aus, dass rund 70 Prozent aller
befruchteten Eizellen während der ersten Wochen wieder absterben – meist ohne
dass die Frau es überhaupt bemerkt.;
Per PID lässt sich die Geburt von Kindern mit Genschäden verhindern. Die Zahl
bestimmter Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten würde deshalb zurückgehen.
Insgesamt würde es jedoch nicht weniger Menschen mit einer körperlichen oder
geistigen Beeinträchtigung geben. Von den etwa 1,5 Millionen Fällen schwerer
Behinderung in Deutschland haben nur rund zehn Prozent genetische Ursachen. Und
selbst von diesen lassen sich die wenigsten vor der Geburt diagnostizieren. Die
meisten Behinderungen entstehen bei der Geburt oder später durch einen Unfall.;
Ohnehin ist die Aussicht begrenzt, mithilfe der PID ein Kind zu bekommen. Aus
den weltweit insgesamt 27.000 PID-Verfahren zwischen 1992 und 2007 gingen rund
5.000 Kinder hervor. Die Erfolgsrate liegt damit pro Behandlung bei weniger als
20 Prozent.;
Die meisten Behindertenverbände wie etwa die Lebenshilfe wollen die Genauswahl
im Labor verhindern. Denn auch wer nur wenige Jahre zu leben habe oder ein
Dasein mit schweren Einschränkungen friste, könne glücklich sein. Wer den
Optimismus mancher Menschen erlebt hat, die wissen, dass sie an einer
unheilbaren Krankheit leiden, kann daran nicht zweifeln.
Aber nicht alle Betroffenen – und vor allem nicht alle Angehörigen – lehnen die
PID ab. So pflegen zwar viele Eltern liebevoll und bis zur Erschöpfung ihre
kranken Kinder, möchten aber kein weiteres behindertes Kind. Auch unter den
Behinderten selbst finden sich Gegner und Befürworter, etwa unter den
Glasknochenkranken. Hier gibt es Frauen, die eine PID explizit wünschen, weil
sie aus eigener Leidenserfahrung keinem Kind das gleiche Schicksal aufbürden
wollen
(DIE ZEIT 30.6.2011 S.42)
·
„Die Würde in vitro“
Um die Achtung und den Schutz der befruchteten Eizelle, um die es geht, wird sonst
wenig Aufhebens gemacht. Die Hälfte aller befruchteten Eizellen geht ab, bevor
sie sich in der Gebärmutter einnisten können. Das wird vom Menschen weder
verursacht, noch kann es von ihm verhindert und verboten werden. Aber das
Sterben und der Tod dieses menschlichen Lebens, dem menschliche Würde zu eigen
sein soll, werden auch nicht betrauert: keine Reden, keine Klagen, keine Messen
…;
Zahllose befruchtete Eizellen gehen ab, weil eine Spirale die Einnistung
verhindert. Hier ist nicht mehr die Natur die Ursache, sondern der Mensch, und
die Zerstörung des menschlichen Lebens und die Antastung der menschlichen
Würde, die in der Zerstörung des menschlichen Lebens liegen soll, könnten
verboten werden. Zwar wird die Verwendung eines Intrauterinpessars, also einer
Spirale, von manchen moralisch verurteilt. Aber ein rechtliches Verbot wird von
niemandem erwogen …;
Auch nach der Einnistung gehen befruchtete Eizellen ab, und die Ursache ist
teils die Natur und teils der Mensch. Ein Fünftel aller befruchteten Eizellen
geht nach der Einnistung von selbst ab, und hier wird manchmal auch getrauert,
nicht über Leben und Würde, aber über die Enttäuschung eines Kinderwunsches.
Außerdem kann die Schwangere den Embryo abtreiben, nachdem sie an einer
Beratung teilgenommen und eine dreitägige Bedenkzeit eingehalten hat. Wieder
wird von niemandem ein Verbot erwogen, das zum Schutz des Lebens und der Würde
des Embryos den Schwangerschaftsabbruch erschweren und die Freiheit der
Schwangeren einschränken würde …
Am Schutz von Leben und Würde des auf natürliche Weise gezeugten Embryos zeigt
sich der Gesetzgeber wenig interessiert …;
Aber ohne Entscheidung geht es nur da, wo die Natur sich überlassen ist. Sich
überlassen lässt sie befruchtete Eizellen vor oder nach der Einnistung abgehen;
sie wählt aus, welche befruchteten Eizellen tauglich und welche untauglich
sind. Wenn die Zeugung nicht mehr natürlich, sondern künstlich geschieht, sind
Entscheidungen unvermeidlich. Die Frau, der die Eizelle entnommen wurde, muss
entscheiden, ob ihr die befruchtete Eizelle eingepflanzt oder nicht
eingepflanzt werden soll. Wird nach der Einpflanzung diagnostiziert, dass die
Geburt eines behinderten Kinds bevorsteht, muss sie entscheiden, ob sie der
Belastung der Behinderung gewachsen ist oder die Schwangerschaft abbrechen
soll. Das Recht lässt beide Entscheidungen ebenso zu, wie es die
Pränataldiagnostik zulässt, die die Entscheidung über Abbruch oder
Nicht-Abbruch vorbereitet …;
Besonders augenfällig werden die Ungereimtheiten im Fall der Frau, die über 35
Jahre alt ist, die nach In-vitro-Fertilisation und ohne
Präimplantationsdiagnostik schwanger wurde und der wie allen über 35 Jahre
alten Schwangeren zur Pränataldiagnostik geraten wird, zu der häufig der
riskante Eingriff der Amniozentese gehört. Dabei wird geprüft, was auch schon
bei der Präimplantationsdiagnostik hätte geprüft werden können - nun aber mit
dem Risiko, dass der Eingriff zum Abbruch der Schwangerschaft eines gesunden
Kindes führt …;
Dazu kommt das Erschrecken darüber, dass der Bereich dessen, was dem Menschen
unverfügbar ist, weil es in der Macht des Schicksals steht oder in der Hand
Gottes liegt, schwindet. Dass Kinderlosigkeit nicht mehr über Paare verhängt
ist, dass Kinder nicht nur in vivo, sondern auch in vitro gezeugt und nicht nur
von der eigenen Mutter, sondern auch von einer anderen Frau ausgetragen werden
können, dass bei Kindern vieles, was immer ein Geheimnis war, nicht mehr ein
Geheimnis ist, sondern diagnostiziert und prognostiziert werden kann und dass
Kinder vorstellbar sind, die designt und geklont sind …;
Dreist ist der Paternalismus, den sich der Gesetzgeber mit allen drei
vorliegenden Regelungsentwürfen anmaßt. Ob er mit dem einen Entwurf die
Präimplantationsdiagnostik überhaupt verbieten oder ob er sie mit den anderen
Entwürfen mehr oder weniger engen Indikationen-Regimen und Kontrollen durch
Ethikkommissionen unterwerfen will - ihn leitet die Vorstellung von
verantwortungslosen Eltern, die es zu gängeln gilt …;
Die Tests, irritierend für den Mann und schmerzhaft für die Frau, die
hormonelle Stimulation, das Absaugen der Eizellen unter Narkose, die Risiken,
die für die Frau mit beidem verbunden sind, die Übertragung der befruchteten
Eizellen, die mehrfache Wiederholung der Prozedur, weil nicht einmal bei einem
Drittel der befruchteten und übertragenen Eizellen eine Schwangerschaft
entsteht und es nicht einmal bei einem Fünftel zur Geburt kommt - all das
nehmen Eltern und nimmt besonders die Frau auf sich, weil sie sich ein Kind
wünschen: nicht ein Designerkind mit blondem Haar und blauen Augen, nicht ein
Kind mit diesem statt jenem Geschlecht, sondern einfach ein gesundes Kind. Ein
Kind, das wie alle Kinder ist und es nicht immer einfach haben wird, Störungen
überwinden und auswachsen muss, vielleicht auch auf die eine oder andere Weise
gezeichnet bleibt, aber letztlich ein erfülltes und glückliches Leben haben
kann. Manche Eltern werden sich nach der Präimplantationsdiagnostik gegen die
Übertragung entscheiden. Aber wer es sich mit der künstlichen Befruchtung so
schwergemacht hat, macht es sich mit der Entscheidung nicht leicht, sondern
trifft sie gewissenhaft und sorgfältig …
(Der Spiegel 23-2011 S.30ff. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79051505.html )
·
Holländischer Genetiker Geraedts:
(zur Anwendung der PID) In den Niederlanden hatten wir 2008 eine Debatte, ob
wir mit der PID auch genetisch bedingte Krebserkrankungen wie Brustkrebs
diagnostizieren dürfen. 85 Prozent der Bevölkerung haben sich dafür
ausgesprochen. Seither machen wir das, wenn die Paare es wünschen
(taz 8.7.2011 S.3)
·
im Deutschen Bundestag verabschiedeter „Gesetzentwurf zur Regelung der
Präimplantationsdiagnostik“:
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/054/1705451.pdf
·
Frankreich: erstes „Rettungsgeschwisterkind“;
Ende Januar ist auch in Frankreich in einem Pariser Vorort ein so genanntes
„Rettungsgeschwisterkind“ zur Welt gekommen. Um für das erste Kind der Familie,
das an der lebensbedrohlichen Beta-Thalassämie leidet, eine/n
StammzellspenderIn zur Verfügung zu stellen, entschieden sich die Eltern für
das präimplantationsdiagnostische Verfahren (PID), bei dem mehrere Embryonen
erzeugt und ihre genetischen Eigenschaften untersucht werden. Auf diese Weise
soll ein Geschwisterkind entstehen, das nicht nur selbst kein Träger der
Erbkrankheit ist, sondern auch genetisch zu dem älteren Kind passt. Im
konkreten Fall soll das Nabelschnurblut des nun geborenen Jungen der Stammzelltherapie
des älteren Bruders dienen. PID für die Erzeugung solcher so genannter
„Rettungsgeschwister“ einzusetzen, ist in Frankreich seit 2006 erlaubt. In
Großbritannien, USA, Spanien und Belgien wurde das Verfahren bereits angewandt.
(Financial Times Deutschland, 08.02.11) (shm) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/205/kurz-notiert-mensch-und-medizin
)
·
·
Zug-Mörder Glauchau
nach 4 Jahren überführt
DNA-Analyse; zufällige Übereinstimmung 1:31 Millionen
(FP Weihnachten 1999)
·
Sachsen führt
Gen-Datei ein; insgesamt sollen 40000 Personen erfaßt werden
(FP 17.1.2000)
·
Hund hatte Mann
lebensgefährlich verletzt; über DNA des Hundes im Speichel von der Jacke des
Opfers Halter gefunden
(Berliner Zeitung 28.7.00)
·
Genprofil in der
Regel aus Körperzellen, die aus einer Speichel- oder Blutprobe stammen; dabei
sind vor allem die 97% Erbsubstanz interessant, die nicht aus Genen bestehen; aus
diesem Füllstoff lassen sich unverwechselbare Merkmale herausfiltern;
Wahrscheinlichkeit zufälliger Übereinstimmung: 1:100 Mill. - 1:100 Mrd
(Spiegel 30/2000)
·
Mordfall Adolph:
Speichel des Täters an einer Zigarettenkippe am Tatort
(FP 19.4.00, 7.7.2000)
·
Nachweis an
Zellen aus dem mumifizierten Herzen: der 1795 gestorbene Junge war tatsächlich
Ludwig XVII:
(taz 20/21.4.00)
·
Spur der
Kartoffelpest 1845-47
(Spiegel 10/2000 S.204)
·
Mordfall Adolph:
Zigarettenkippe am Tatort gefunden, Speichelprobe mit Polizeidatenbank
verglichen, mit DNA des Täters identisch, DNA-Probe routinemäßig entnommen (saß
wegen schweren Raubes ein)
Freie Presse 7.7.2000
·
beim genetischen
Fingerabdruck werden keine (echten, wirksamen) Gene untersucht;
damit werden bei solchen Untersuchungen keine Informationen gewonnen, die etwa
Aussagen zu gesundheitlichen Fragestellungen ermöglichen;
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.80)
·
feinste
Haarschuppen oder Härchen reichen aus;
Strafprozessordnung schreibt vor, dass nur uncodierte Stellen der DNS analysiert
werden dürfen, also der Bereich, der keine Information über Erbgut, Krankheiten
oder individuelle Merkmale trägt;
·
aber
Kriminalisten hätten auch Interesse am codierten Bereich: Hinweise über Haut-,
Haar- oder Augenfarbe, Statur des Täters
(Der Spiegel 42/2001 S.60ff)
·
Gendiagnostik Rechtsmedizin; in nichtkodierenden Bereichen der menschlichen Erbsubstanz
(keine GENE) gibt es neben abgeschalteten Pseudogenen eine besondere Form von
DNA-Abschnitten, die sich aus Blöcken repetitiver (=sich wiederholender)
Sequenzen zusammensetzen.; werden je nach Länge als „Minisatelliten“ (Multi-
oder Einzellokus-Systeme mit Repeat-Länge von 15 bis 50 Basen) und
„Mikrosatelliten“ (Short Tandem Repeats, STRs mit Repeatlänge von 2 bis 5
Basen) bezeichnet; aufgrund ihrer einfachen Struktur und kurzen Länge STRs für
forensische DNA-Analyse gerade alten Spurenmaterials beonders gut geeignet; die
genetische Variabilität dieser Systeme beruht auf der tatsache, dass die Anzahl
der Wiederholungen für jeden einzelnen dieser Genorte von Mensch zu Mensch sehr
unterschiedlich ist; Mutationen bleiben hier erhalten, Unterschiede von Mensch
zu Mensch hier um Vielfaches größer als bei funktionell aktiven Genen;
in der DNA-Datei werden die Untersuchungsergebnisse in Form von 16 Zahlen
gespeichert, die den acht untersuchten Genorten zugeordnet werden
(Dtsch. Ärzteblatt 28.1.05 S. A184)
·
wenn man nur die 8 Genorte der deutschen DNA-Analysedatei (DAD) betrachtet, könnte
man einen Menschen nicht eindeutig identifizieren (ganze Erdbevölkerung mit einbezogen);
ab 12 Genorten kann von einem einzigartigen Profil gesprochen werden (nur
eineiige Zwillinge identisch);
Kosten für DNA-Diagnostik in der Kriminalistik in einem Privatlabor eine
Analyse für 100 bis 200 Euro, in Landeskriminalämtern vermutlich höher
(GID 170/2005 S.14)
·
für einen genetischen Fingerabdruck stammen alle erfassten Teilstücke der
menschlichen DNS aus Bereichen, die keine Gene enthalten; sie sind kurz (short)
und bestehen aus einer Grundeinheit, die sich immer wiederholt (repeat); diese
short tandem repeats (STRs) sind von Mensch zu Mensch verschieden lang, weil
die Grundeinheit unterschiedlich oft wiederholt wird;
in den Laboren der Kriminalbiologen werden acht SRTs analysiert; da das
menschliche Erbgut alle Informationen doppelt enthält (einmal vom Vater, einmal
von der Mutter), besteht das Ergebnis aus 16 Werten; für die
Geschlechtsbestimmung wird zusätzlich ein Merkmalssystem untersucht, das nur in
zwei Varianten vorkommt;
statistische Wahrscheinlichkeit für zufällige Übereinstimmung von acht STRs
unter mehreren Billiarden Menschen nur 1 x zu erwarten;
deutsche Richter fordern eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 99,8%, um eine
Vaterschaft als praktisch erwiesen anzuerkennen;
seit acht Jahren ist es möglich, auch aus alter oder stark geschädigter DNA
genetische Fingerabdrücke zu erzeugen;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.7)
·
Gendiagnostik-Gesetz verabschiedet;
Genetische Untersuchungen dürfen nur mit Einwilligung der zu untersuchenden
Person und ausschließlich von Ärzten vorgenommen werden.
Erlauben Untersuchungen eine Voraussage über die Gesundheit der untersuchten
Person oder eines ungeborenen Kindes, ist eine Beratung vor und nach der
Untersuchung vorgeschrieben.
Die vorgeburtliche genetische Diagnostik wird auf rein medizinische Zwecke
beschränkt. Bei der Untersuchung dürfen nur Eigenschaften festgestellt werden,
die die Gesundheit des ungeborenen Kindes vor oder (direkt, unmittelbar JK) nach der Geburt beeinträchtigen können.
Zulässig sind vorgeburtliche Untersuchungen etwa auf das Down-Syndrom, aber
nicht pränatale Tests zu Krankheiten, die erst nach Vollendung des 18.
Lebensjahres ausbrechen können.
Auch Vaterschaftstests sind nur zulässig, wenn die zu untersuchende Person
eingewilligt hat.
Ferner dürfen Versicherungsunternehmen von Kunden keine genetischen
Untersuchungen oder Auskünfte über bereits vorgenommene Tests verlangen. Geht
es allerdings um Versicherungssummen ab 300.000 Euro, müssen die Ergebnisse
schon erfolgter Untersuchungen der Versicherung vorgelegt werden.
Arbeitgeber sollen ebenfalls keine genetischen Untersuchungen von Mitarbeitern
fordern dürfen. Auch wird ihnen die Verwendung der Ergebnisse von Tests
untersagt, die in anderem Zusammenhang vorgenommen wurden. Verwenden dürfen sie
Informationen aus Gentests indes, wenn dies aus Arbeitsschutzgründen
erforderlich ist.
(Das Parlament 27.4./4.5.09 S.1ff.)
·
·
Q:
SPIEGEL 13/1996 S.194ff.
- den Gentherapeuten ist bis heute noch kein einziger Heilerfolg geglückt: über
100 Therapieversuche mit 600 Patienten - in keinem Fall konnte das Leiden
behoben oder auch nur gelindert werden
·
Q: Das
Parlament 10.3.95
- Gentherapie angeborener Fehler versucht, gesunde, funktionsfähige satt
kranker Gene in die Zelle einzuschleusen
- zwei andere Verfahren versuchen, zu verhindern, daß das bereits vorhandene
Gen sich ausprägt und Eiweißmoleküle herstellt: kurze synthetische Einzelketten
aus im Prinzip den gleichen Grundbausteinen wie DNA (Oligonukleotide) binden an
bestimmte Abschnitte der Zell-DNA und hindern sie daran aktiv zu werden
* Triplex-Verfahren: Oligonukleotid bindet als "dritter Partner" an
den DNA-Doppelstrang und verhindert Transkription
* Antisense-Verfahren: greift einen Schritt weiter an, ein synthetischer
Gegen-Strang verhindert, daß das m-RNA-Molekül seine Botschaft loswerden kann
·
neue
Krebsstrategien:
a) Selbstmord:
Tumorzellen sind unsterblich, weil bei ihnen wichtige Gene geschädigt sind, die
gefährliche Zellen normalerweise in den Selbstmord schicken (Apoptose); Strategie:
intaktes Gen p53 in Tumorzellen einschleusen
b) Chemotherapie:
gesunde Knochenmarkszellen werden vor der Chemotherapie mit einem Resistenz-Gen
versehen, das sie unempfindlich macht gegen Chemotherapeutika;
(bdw 5/2000 S.72)
·
wird zusätzliche
Erbanlage in eine Körperzelle eingebracht: „somatische Gentherapie“,
wird ein Gen in eine Keimbahnzelle (Ei- und Samenzellen, Vorstufen davon,
totipotente embryonale Zellen der ersten Entwicklungsstufen) eingeschleust:
„Keimbahntherapie“;
Voraussetzungen für Erfolge:
a) detaillierte Kenntnis der menschlichen Erbanlagen
b) Übertragungssysteme müssen verbessert werden (Mikro-Injektion direkt in den
Zellkern; Liposomen - Kügelchen mit fremdem Erbmaterial durchdringen
Zellmembranen: Elektroporation: Elektroschock öffnet kurzzeitig Membran;
Partikel-Kanone Schrotschuß; nackte DANN in den Körper injizieren; künstliche
Chromosomen 1997; Viren als Gen-Taxis - Integration nach dem Zufallsprinzip,
mögliche Störung von Wirtsgenen
c) Gen muß in der Zelle korrekt und zuverlässig arbeiten
d) Möglichkeiten zur Regulation der Tätigkeit des Gens in der Zelle finden
(VFA: Heilen mit Genen)
·
gezielte
Konstruktion des menschlichen Erbgutes;
Ziele:
a) Heilung, Therapie, was Krankheits- und Leidensdruck voraussetzt
b) Steigerung von Fähigkeiten (enhancement)
(Dtsch. Ärzteblatt 6/2000 S. A-302)
·
Veränderung des
Erbgutes ohne therapeutische Motivation
(Barth, EKD: epd-wochenspiegel 27/2000 S.4)
·
Jens Reich: ich
habe einen weiteren Begriff von Gentherapie. Meiner Ansicht nach würden die
sinnvolleren Gentherapien nicht darin bestehen, im Genom herumzuarbeiten, ...
ein Beispiel wäre, ein wild gewordenes Krebsgen zu hemmen, ohne gleich das
ganze Genom zu ändern
(grün und bündig Juni 2000 S.8f)
·
Gentherapie:
Heilende Gene können mit Hilfe von Genfähren (meist modifizierte Viren) in den
Zellkern gebracht werden.. Dort übernehmen sie die Funktion defekter Gene.
Künftig sollen fehlerhafte Gene in den Keimzellen oder frühen Embryonen
punktgenau gegen die intakte Kopie ausgtauscht werden. Die Reparatur vererbt
sich auf kommende Generationen. Menschen könnten auf diese Weise auch mit
einzelnen zusätzlichen Genen ausgestattet werden.
Künstliche Chromosomen:
Künstliche Menschenchromosomen müssen an den beiden Enden Schutzkappen, so
genannte Telomere, enthalten. In der Mitte benötigen sie eine Ankerstruktur,
das so genannte Zentromer. Zwischen diese Strukturen können künftig Tausende
von Genen geladen werden. Bringt man solche Kunstchromosomen in die Zelle,
werden sie bei den Zellteilungen verdoppelt und an die Tochterzellen
weitergegeben; sie könnten sich auch auf folgende Generationen vererben.
(die Maus Lucy 10/99 hat ein zusätzliches Chromosom; wenn man derzeit ein
einzelnes Gen in fremdes Erbgut einschleust, kann es versehentlich
lebenswichtige Gene lahmlegen)
Der Spiegel 15/2000 S.172ff.
·
neue Strategie:
zusätzliches gesundes Gen + notwendige Regulatorgene in ein zusätzliches
Chromosom einbauen;
weitere Versuche: Stammzellen aus dem Knochenmark eines Patienten entnehmen,
mit Viren im Labor verändern, dann wieder einsetzen;
da bei Übertragung mit Viren oft falsche Zellen erreicht werden oder die
Immunabwehr die Eindringlinge ausschaltet: Überdosis an Viren (so Todesfall
Jesse Gelsinger USA);
(ZDF 16.1.02 Bublath; Gene: zerstörte Hoffnungen?)
·
genveränderte Mäuse,
die ein krebshemmendes Eiweiß im Übermaß produzieren (p53), altern deutlich
schneller;
Sichelzellanämie: bei Mäusen gelungen, das gesunde Gen in das rote Knochenmark
(gemeint sicher: K.-Zellen JK) einzubringen; heilendes Gen nicht natürliche
For, sondern gentechnisch hergestellte Variante (sonst nur bei Ungeborenen
vorhanden))
(GID 150/2002 S.30f)
·
Heilung von
sieben Kindern mit angeborener Abwehrschwäche / Reparatur von Blutstammzellen /
Erfolg auch noch nach 3 Jahren
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. März 2002)
·
zwei Kinder
geheilt, die an angeborener schwerer Immunschwäche litten;
Virus als Gentaxi, funktionierendes ADA-Gen in Blutstammzellen aus dem
Knochenmark der Babys eingebaut, per Injektion zurück
(GID 153, 8-9/2002 S.27)
·
in Paris Kind
nach Gentransfer (Retrovirus) an Leukämie erkrankt, leidet an angeborener
Immunschwäche (SCID); nach Chemotherapie auf dem Weg der Besserung
(GID 154/2002 S. 26)
·
in Amsterdamer
Krankenhaus sollen erstmals gentechnisch veränderte Bakterien im menschlichen
Körper freigesetzt werden; chronische Darmentzündung Morbus Crohn; Milliarden
von gentechnisch veränderten Bakterien schlucken – Mikroorganismen sollen im
Darm als lebnde Arzneifabriken ein entzündungshemmendes Protein herstellen
(GID 154/2002 S. 29)
·
erneut Rückschlag
für Gentherapie; bei einem zweiten gentherapeutisch behandelten Patienten in
Frankreich Leukämie-ähnliche Erkrankung aufgetreten; Verwendung retroviral
modifizierter Blutstammzellen
(taz 17.1.03)
·
seit 12 Jahren
werden klinische Versuche mit der somatischen Gentherapie durchgeführt; bis
heute wurden weltweit rund 4000 Patienten gentherapeutisch behandelt, etwa 260
davon in Deutschland; bei den meisten dieser Versuche wurden keine
therapeutischen Erfolge erzielt; um Gene in Zellen des Patienten einzuschleusen,
werden als „Vektoren“ meist Viren verwendet, die gentechnisch so verändert
wurden, dass sie ein neues Gen in die Zellen des Patienten einschleusen können,
sie können die Zellen zwar infizieren, sich selbst aber nicht vermehren und
keine Krankheiten verursachen; damit das neue Gen korrekt funktioniert, müsste
es allerdings an der „richtigen“ Stelle eingebaut werden können, das ist jedoch
mit den derzeitigen Techniken nicht erreichbar;
die meisten Gentherapie-Studien zielen mittlerweile nicht mehr auf
Erbkrankheiten, sondern auf andere chronische Krankheiten und
Krebserkrankungen; dabei wird nicht das ursprüngliche Ziel der Gentherapie
verfolgt, Gendefekte zu „reparieren“, sondern therapeutisch wirksame Stoffe im
Körper selbst zu produzieren;
(GID 155/2002-2003 S.33)
·
chinesische
Gesundheitsbehörden lizensierten im Oktober eine Therapie zur Behandlung
bestimmter Tumore im Hals- und Kopfbereich; diese Tumorarten lassen sich in 60%
der Fälle auf eine Veränderung des Gens p53 zurückführen, das (hier) ein unkontrolliertes
Zellwachstum auslöst; bei der Behandlung wird dem Patienten ein therapeutisches
Virus gespritzt („Gendicine“), in das ein gesundes p53-Gen geschleust wurde,
die Viren sollen als Vehikel die rettenden Gene in die kranken Zellen
transportieren; Behandlung kostet 300 €; klinische Studie: dreimal höhere
Heilungsquote im Vergleich zu einer herkömmlich behandelten Vergleichsgruppe
(nur Strahlentherapie)
(Freie Presse Chemnitz 27.11.03)
·
University of
California in San Diego: Alzheimer-Patienten wurden gentechnisch veränderte
Körperzellen direkt ins Gehirn eingepflanzt; Zellen vorher im Labor mit Genen
für Herstellung eines Proteins ausgestattet, das den Zelltod hemmt und Bildung
von Nervenzellen anregt; bei einigen Patienten geistiger Verfall verlangsamt;
verbesserter Stoffwechsel um die transplantierten Zellen herum nachweisbar
(SPIEGEL 17/2005 S.162)
·
zum weltweit ersten Mal haben Mediziner in Frankfurt / Main erwachsene
Patienten (Männer 25 und 26 Jahre alt) mit gentherapeutischen Methoden erfolgreich
behandelt; angeborene Immunschwäche septische Granulomatose (in D. etwa 100
Patienten bekannt); zeitlebens Bedrohung durch Pilz- und Bakterieninfektionen;
in blutbildende Stammzellen mit Hilfe von Viren intakte Kopie des gesunden Gens
eingefügt; 50 Tage nach der Genbehandlung waren bestehende Infektionen
beseitigt;
gleicher Eingriff 11 Monate später auch bei einem 5-jährigen Jungen in Zürich;
(Freie Presse Chemnitz 3.4.06, Zeit 6.4.06 S.44)
·
einer der Patienten nach (zunächst) erfolgreicher Gentherapie gestorben (Darmdurchbruch und
Blutvergiftung): es ist nicht ausgeschlossen, dass es einen Zusammenhang mit
der Gentherapie gibt (sagt einer der Leiter der Studie); es könnte aber auch
keinen Zusammenhang geben
(taz 5.5.06; Zeit 24.5.06 S.50)
·
Urteil des
Landgerichts München: unverheiratete Väter dürfen die Abstammung des Kindes
ohne Wissen der Mutter genetisch prüfen lassen;
Probe mit Wattestäbchen aus der Wangeninnenseite genügt; Kosten zwischen 400
und 750 Euro; Diagnosesicherheit über 99%;
Bundesregierung will Test im Gesetz nur zulassen, wenn alle Beteiligten
zustimmen;
aber Verwertungsverbot für rechtswidrig erstellte Tests ist derzeit nicht
geplant, wer Gewissheit will, muss dann eben Bußgeld oder Strafe zahlen
(taz 11.7.03; Spiegel 30/2003 S. 21, taz 13.8.03)
·
bei DNA-Analysen
in der Kriminalistik werden zwar nicht-codierende Anteile der Erbsubstanz
untersucht (95%, die keine Gene enthalten); dort werden 8 Abschnitte untersucht
aber das Geschlecht der Testpersonen wird seit Jahren regelmäßig mit erfasst;
auch Hinweise auf die Rasse und auf bestimmte Krankheiten (z.B. numerische
Anomalien in der Chromosomenverteilung) werden erkannt;
in den Niederlanden Gesetz, wonach auch Hinweise auf die Haar-und Augenfarbe
genutzt werden dürften (noch Zukunftsmusik – die Forschung ist noch nicht so
weit
(Der Spiegel 28/2003 S.65; 15/2003 S.78)
·
genetische
Fingerabdrücke werden von „short tandem repeats“ STRs genommen; sich ständig
wiederholende DNA-Abschnitte, bei denen es sich nicht um echte Gene handelt,
sondern um „Genschrott“ ohne Inhalt; Länge etwa 150 Basenpaare;
Rothaarigkeit lässt sich bestimmen
(Bild der Wissenschaft 6/2003 S.34)
·
Vaterschaftstests:
für ein paar hundert Euro kann sich jedermann bei DNA-Testlabors Klarheit über
seine Vaterschaft erkaufen;
wer der Erzeuger ist, lässt sich heute genetisch belegen, wer der Vater ist
steht im Gesetz, der Trauschein gilt praktisch als Vaterschaftsnachweis;
schätzungsweise jedes 10. Kind ist ein Kuckuckskind;
in Deutschland 50000 Tests pro Jahr, 40 Mill.Euro Umsatz; in jedem 4. bis 5.
Fall Kuckuckskind;
DNA Tests Kriminalistik:
DNA-Fingerabdruck: ein Set von 8 Zahlenpaaren, jede der Zahlen im Code steht
für das, was die Genetiker „Short Tandem Repeat“ (STR) nennen, einen Abschnitt
der Erbsubstanz, in dem sich kurze DNA-Sequenzen mehrmals hintereinander
wiederholen – wie oft, das verraten die Zahlen des Fingerabdruck-Codes;
untersucht werden verschiedene STR-Regionen; Wahrscheinlichkeit für eine
zufällige Übereinstimmung bei 2 Personen liegt bei 1 zu 300 Milliarden; Test
verraten nichts über äußere Erscheinung oder gar Persönlichkeit des Täters
(Spiegel 4/2005 S.40ff)
·
erfolgreiche Gentherapie-Studie bei Parkinson: 12 Probanden, bei denen
sich Symptome mit herkömmlichen Medikamenten nicht mehr lindern ließen, das Gen
für ein bestimmtes Enzym (ist an der Herstellung eines Botenstoffs beteiligt)
ins Gehirngewebe gespritzt, als Träger dienten Adenoviren;
bessere Beweglichkeit, Krankheitssymptome um 40% reduziert
(GID 179 Dez06/Jan07 S.32)
·
Gentherapie – schwieriger Neustart;
in Paris heilten Ärzte Kinder mit Gentherapie von der tödlichen erblichen
Immunschwäche SCID; weltweit 20 Kinder therapiert, fast alle von ihnen sind
heute, viele Jahre nach der Therapie, gesund; ein Kind starb an Nebenwirkungen;
Trick: sie entnahmen den Kranken Stammzellen und therapierten diese Zellen im
Labor; Knochenmarksstammzellen – können ein Menschenleben lang Zellen mit den
heilenden Genen produzieren;
im Labor lässt sich vor der Zelltransplantation überprüfen, ob die
Genübertragung gelungen ist;
Allmählich scheint die Gentherapie die Erwartungen, die man seit 20 Jahren an
sie richtet, zu erfüllen
(bdw 3/07 S.26ff)
·
Frankreich: Gentherapie für Kinder mit der Nervenkrankheit ALD
entwickelt; galt bisher als unheilbar; entschärfte Version des
HI-Virus als Trojanisches Pferd eingesetzt; korrigiertes Gen ins Knochenmark
erkrankter Kinder geschleust, so sollen fehlerhafte Erbinformationen
ausgetauscht werden; ALD wird durch seltenen Gendefekt auf dem X-Chromosom
verursacht
(taz 2.11.07)
·
Amerikanische
Forscher verhalfen farbenblinden Totenkopfäffchen zum vollen Farbensehen, indem
sie Gene in die Photorezeptorzellen
der Netzhaut pflanzten. Dies zeige, dass es dem Gehirn von Primaten möglich
ist, eine sensorische Fähigkeit neu zu erlernen und zu verarbeiten, und zwar
über die plastische Phase des Gehirns in den ersten Lebensjahren hinaus. Sie
hoffen, die Gentherapie lasse sich auch dazu nutzen, ähnliche Sehfehler beim
Menschen zu behandeln;
die Forscher injizierten ein menschliches L-Opsin-Gen unter die Netzhaut der
farbenblinden Affen
(Die Zeit 17.9.09 S.44; taz 18.9.09 S.18)
·
·
Bewertung: wie
konventionelle Therapie, prüfen, ob die Methode sicher ist, ob die
Verhältnismäßigkeit gewahrt wird und der Patient nach Aufklärung frei zustimmt
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen
Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)
·
Gentherapie für
Bluterkrankheit Hämophilie B
bei weltweit rund 80000 Betroffenen ist das Gen für den Blutgerinnungsfaktor IX
defekt. Mit Hilfe des so genannten Adeno-associated Virus (AAV) als Genfähre
wurde ein intaktes Gen in die Skelettmuskelzellen der Patienten eingeschleust –
mit Erfolg: sechs von 9 Testpersonen in den derzeit laufenden klinischen
Studien bilden seitdem anhaltend den Faktor IX; die Konzentration des Faktors
IX im Blut ist für einen nachhaltigen therapeutischen Erfolg noch zu gering
(Bild der Wissenschaft 4/2001 S.8)
·
Unbeabsichtigte
Verschleppung durch Gentherapie
Bei einem Patienten, der sich einer Gentherapie unterzogen hatte, entdeckten
Wissenschaftler der Stanford-Universität bei Kontrolluntersuchungen Spuren des
als Gentaxi verwendeten Virus in der Samenflüssigkeit; Die Experten halten das
Risiko, daß gentherapeutisch behandelte Patienten unbeabsichtigt fremdes
Erbmaterial an ihre Nachkommen weitergeben könnten, für eher gering. Männliche
Patienten werden grundsätzlich dazu angehalten, Kondome zu verwenden
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. Januar 2002, Nr. 5, Seite 34)
·
Versuche zur
Herstellung eines Präparates für Hämophilie-B-Kranke (COAGULIN B); mit
Adenoviren Gerinnungsfaktoren produzierende Gene in Muskelzellen geschleust; in
der Samenflüssigkeit (nicht in den Samenzellen) eines Probanden Gensequenzen
des Adenovirus gefunden
(taz 1.2.02)
·
Gentherapie
gegen Parkinson;
USA; ein Gen zur Ankurbelung des Stoffwechsels in bestimmte Hirnregionen
eingebracht; mithilfe eines „entschärften“ Virus; bei 9 von 12 Patienten
Verbesserung der Symptome
(GID 185 Dezember 2007 S.29)
·
erste Erfolge
bei erblichen Erblindungen und anderen Augenkrankheiten erzielt;
mit Virenbestandteilen als Gen-Fähren injizierten Mediziner den Patienten die
korrekte Version dess Gens unter die Netzhaut, die Pigmentzellen konnten
daraufhin das korrekte Sehpigment herstellen; vor allem jüngere Patienten
profitierten davon (8-11 Jahre); Ergebnisse nach 1 Jahr weiter stabil
(taz 4.7.2010 S.18)
·
erstmals konnte
einem an der erblichen Blutkrankheit Beta-Thalassämie leidenden Patienten
mittels einer Gentherapie geholfen werden;
ein 18-jähriger Patient erhielt Blutstammzellen, bei denen das fehlerhafte Gen
(nicht genügend Produktion von Hämoglobin) ersetzt worden war. Die
Blutstammzellen kamen von dem Patienten selbst, um das neue Gen in die Zellen
einzuschleusen, nutzen die Forscher eine von dem AIDS-Virus abgeleitete
Gen-Fähre;
Patient muss seit über 2 Jahren keine Bluttransfusion mehr erhalten;
es sei noch nicht ganz sicher, ob nicht ein „bösartiger“ Nebeneffekt eintrete
(taz 17.9.2010 S.18)
·
·
das Unterlassen
einer K. sei unter Umständen „verwerflich“, wenn man damit Generationen von der
Bluterkrankheit heilen könne (evangelischer Theologieprofessor Neutestamentler
Heidelberg Klaus Berger)
(epd-wochenspiegel 26/2000 S.7)
·
(Erbkrankheit
theoretisch zu heilen, indem alle kranken Zellen repariert werden);
Die Therapie der Keimbahn dagegen müßte nur an einer von vielen Keimzellen
gelingen, die zudem noch kein Embryo mit seinem Lebensrecht ist, so daß eine
mißlungene Operation keine Tötung eines Organismus, sondern nur die mißlungene
Benutzung einer einzelnen Zelle darstellt;
K. derzeit noch im tierexperimentellen Stadium; man kann prognostizieren, daß
sie einmal technisch einfacher und sicherer werden könnte als jede
Körperzelltherapie;
gentechnisch veränderte Merkmale können heute schon bei Mäusen durch ein
Stoffwechselsignal angeschaltet werden: so könnte theoretisch ein Mensch bei
einem Merkmal, das sich erst im Erwachsenenalter ausprägen muß, selbst
entscheiden, ob er der in der Keimbahn seiner Eltern vorbereiteten Genveränderung
für deine Person zustimmen möchte oder nicht;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)
·
der evangelische
Theologieprofessor Klaus Berger (Heidelberg) befürwortete Eingriffe in die
menschliche Keimbahn, wenn es um lebensverkürzende schwere Erbkrankheiten wie
Mukoviszidose oder Bluterkrankheit gehe;
(epd-Wochenspiegel 51/52/2000 S.8)
·
verbietet sich
aus drei Gründen:
nicht ausgereift, zu hohes Risiko
zur Entwicklung ist verbrauchende Embryonenforschung nötig
Gefahr des Missbrauchs zur Menschenzüchtung
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen
Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)
·
USA gelungen,
zwei entscheidende Bausteine von Chromosomen zu klonieren: Zentromere, die bei
der Zellteilung die für die Weitergabe der verdoppelten Chromosomen an die
Tochterzellen sorgen, und Telomere, die beide Enden eines Chromosoms
abschließen; zwischen diese Bausteine neue Erbgut eingebaut und künstliche
Chromosomen geschaffen, die allerdings nur 1/20 so groß sind wie das kleinste
natürliche menschliche Chromosom
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.130ff)
·
Q: Das
Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- S.34: Herbizidresistenz: Problem der unbekannten Stoffwechselprodukte bei
Aufnahme und Abbau durch Tiere und Pflanzen
- S.36: ökologische Gleichgewichte geraten durch Freisetzungen evtl. aus den
Fugen (Geschwindigkeit evolutionärer Prozesse weit übertroffen, natürliche
Gegenspieler?)
- S.44: Freisetzung von GVO: Umweltbereich: Abbau von Schadstoffen, Beseitigung
von Schwermetallen, biologische Schädlingsbekämpfung
·
Q: TV
"Herren der Schöpfung" 25.3.93
- Petunienversuch Köln 1990: wenige Petunien sollten weiß blühen (springende
Gene?); fast alle waren weiß!; Leiter des Versuchs: "Das verstehen wir
überhaupt nicht."
·
Q:
Besuch AGU bei KWS (Kleinwanzlebener Saatzucht Tochterfirma PLANTA, Wetze bei
Goslar) 11.10.93
- Basta-Resistenz-Gen ist in Rhizomania-Rüben aus züchterischen Gründen drin (neben
Antibiotikum-Resistenz notwendig als Marker-Gen, um veränderte Pflanzen
erkennen und selektieren zu können), seit 1991 gibt es Methoden grundsätzlich
ohne Resistenz-Gen, aber bisher nicht für Zuckerrüben
- Virushüllen-Produktion: nicht vergleichbar mit Impfung, Pflanzen haben kein
Immunsystem!
·
Q: Barabara Weber, Öko-Inst. Freiburg 9/93
- Niedersachsen: ausgerechnet die normalen Hanfpflanzen, die den Pollenflug der
Zuckerrüben bremsen sollten, wuchsen nicht so schnell wie vorgesehen
- drei neue Gene:
* Hüllprotein des Rübenadernvergilbungsvirus
* Resistenzgen gegen Antibiotikum Kanamycin (Verwendung auch in der Tier- und
Humanmedizin)
* Resistenzgen gegen Totalherbizid BASTA
- unerwünschte Verbreitung möglich? - kreuzbar mit anderen Kulturformen sowie Wildform,
Aufnahme der veränderten Gene durch Bodenmikroorganismen (dort auch
Krankheitserreger), Verunkrautungspotential der Zuckerrübe: Samen bleiben 10 a
keimfähig, aus Rübenstücken können sich ganze Pflanzen regenerieren, Z-Rüben
sind bedingt winterhart
·
(Ohne
Quelle: eigene Zusammenstellung JKrause etwa 1996)
Kritische Begleitung von Freisetzungsversuchen gentechnisch veränderter
Pflanzen
0. in OECD-Ländern von 1986 bis 1992 850 Freisetzungsversuche auf 1106
Versuchsflächen; 73% davon (618 total) in USA und Kanada, in Deutschland bis
1992: 2 Versuche (BAYERN: Gentechnik S. 126; BMfG: Gentechnik S.18)
1. Grundsätzliche Anfragen:
- Fragen nach dem Sinn und Ziel zu stellen und nach der Verantwortbarkeit der
eingesetzten Mittel;
Sind die Versuche überhaupt not-wendig?
Welche "Not" soll damit "gewendet" werden?
Ist weitere Produktivitätssteigerung plausibel, da ohnehin in der EU und
Deutschland Überschußproduktion in der Landwirtschaft?
- Begründung fragwürdig?:
* Argument dafür: krankheitsresistente Pflanzen züchten, um Chemikalieneinsatz
drastisch zu verringern, damit ökologische Belastungen verringern -
Chemiefirmen würden sich damit selbst bedeutenden Markt beschneiden!;
es werden aber mehrheitlich gar nicht krankheits- sondern herbizidresistente
Pflanzen in Freisetzungsversuchen getestet (international bis 1993: 58% aller
Freilandversuche - BAY S.128) bzw. auch patentrechtlich geschützt (neue Märkte
schaffen, Abhängigkeiten der Saatgut-Käufer von bestimmten Chemikalien
programmiert?);
erreichte Resistenzwirkungen wahrscheinlich nur kurzfristige Lösungen:
Schadorganismen passen sich schnell an
- Argumente dafür: Leistungssteigerung, Kostenminderung -
nach Auswirkungen auf Märkte, Agrarstruktur, Landschaft, Pflanzengesundheit,
Produktqualität, Verbraucherakzeptanz wird selten gefragt
- Argument dafür: Hunger in der Dritten Welt verringern -
das Hungerproblem ist in erster Linie ein Problem mangelnder Beschäftigung und
Kaufkraft der Armen und nicht ein Problem global fehlenden
Nahrungsmittelangebots
2. Risiken für Landwirtschaft (agrarsoziale Bedenken)
- Weg weg von der bäuerlichen Produktion hin zur industriellen Landwirtschaft,
zum Bioreaktor; Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen
Lebensgrundlagen wird behindert
- Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gehen verloren;
- "Gentechnologie ... ist für die Entwicklung einer flächendeckenden,
sozial- und umweltverträglichen Landbewirtschaftung nicht notwendig"
(Studie des Aussschusses für den Dienst auf dem Lande der EKD - 1994:
"Bio- und Gentechnologie in der Landwirtschaft")
- Entstehen von Monopolen in Züchtung und Landwirtschaft wird begünstigt,
Abhängigkeit der Landwirte und kleinen Zuchtbetriebe von großen multinationalen
Saatgut- und Agrokonzernen (BAY S.79)
3. Risiken durch Gentechnik
- Gentransfer / Auskreuzen (Übergehen der neuen Eigenschaften durch natürliche
Vermehrungsmechanismen wie z.B. Pollenflug; Transfer der rekombinanten DNA
durch Befruchtung) auf verwandte Kulturformen und Wildkräuter sowie auf
Bodenmikroorganismen (Übertragung auf nicht-sexuellem Weg);
- Verwilderungsgefahr: unerwünschte, nicht rückholbare Ausbreitung der
gentechnisch erzielten Eigenschaften schwer kalkulierbar (z.B. ungewollte
Resistenz von Wildpflanzen, Entstehung neuer robuster Unkräuter, d.h. Pflanzen,
die ohne menschliche Pflege überlebensfähig sind und sich im Ökosystem schnell
durchsetzen)
- mögliche nicht gewollte Folgen (auf Wohlbefinden und Gesundheit von Menschen
und Tieren, z.B. Allergien, toxische Wirkungen) durch Inhaltsstoffe in
Produkten aus gentechnisch veränderten Pflanzen; oft mehrere Gene verändert,
Veränderung eines Gens kann mehrere Wirkungen haben
- Patentierung:
Sortenschutz mit seinem "Landwirteprivileg" wird ausgehebelt
(Erntegut von geschützten Sorten darf erneut zur Aussaat verwendet werden),
"Züchtervorbehalt" gefährdet (geschützte Sorten dürfen bisher frei
zur Weiterzucht verwendet werden)
Landwirtschaft ist auf Hochleistungs-Saatgut und die dafür maßgeschneiderten
"Hilfsstoffe" (z.B. bestimmte Pestizide) alternativlos angewiesen,
besonders Dritter Welt drohen neue Abhägigkeiten und schwer tragbare
Lizenzgebühren
4. veränderte Gene bei Freisetzungsversuchen
4.1. Schädlingsresistenz
a) Bakterienart bacillus thuringiensis produziert Eiweißstoffe, die für
bestimmte Fraßschädlinge (z.B. Schmetterlingsraupen und Fliegenlarven) giftig
sind; Gene für diese Toxine in Nutzpflanzen übertragen; zusätzlich
Regulations-Sequenzen, damit das Bakteriengift nur bei Fraßbefall produziert
wird; erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingsbefall nachgewiesen;
unklar, ob Schädlinge Resistenzen entwickeln
b) gentechnische Strategie gegen Virusbefall: Beobachtung, daß Pflanzen, die
mit einer vergleichsweise harmlosen Virus-Variante infiziert sind, gegen
stärker pathogene Formen derselben oder verwandter Viren resistent sind;
entscheidender Faktor für diesen Schutzmechanismus ist das Hüllprotein des
Virus; Gen zur Herstellung dieses Hüllproteins wird gentechnisch in
Nutzpflanzen eingebracht; Anwendung z.B. gegen Rhizomania (="Wurzelbärtigkeit")
der Zuckerrübe
4.2. herbizidresistente Pflanzen
Resistenzgene gegen Herbizide werden auf Nutzpflanzen übertragen; stammen aus
Mikroorganismen, die entweder Herbizide abbauen können oder selbst herbizide
Substanzen produzieren und sich vor den eigenen Stoffwechselprodukten schützen
müssen;
4.3. Pflanzen mit verbesserten Qualitätseigenschaften
nachwachsende Rohstoffe; z.B. Stärke aus Kartoffeln für Papierherstellung,
Chemikalien, Pharmazeutika, Klebstoffe, Textilbereich, Kunststoffe; natürliche
Kartoffel enthält zwei Stärkekomponenten: Amylose und Amylopektin, Trennung
schwierig; Ziele der Gentechnik: nur noch eine Stärkekomponente (95%
Amylopektin erreicht) und gleichzeitig weniger aber größere Knollen (15-30%
mehr Trockenmasse erreicht)
·
Q: Das
Leben ist eine Gabe Gottes, Kassel 1990
- Ziele der Genübertragung bei Pflanzen:
* Ertragssteigerung
* Qualitätsverbesserung (Anpassung von Nährstoffgehalt, Stärke, Zucker,
Fettsäuren, Wirkstoffen, Haltbarkeit an industrielle Verwertung bzw.
Verbraucherwünsche)
* Resistenzerwerb (Umweltfaktoren wie Kälte, Dürre, hoher Salzgehalt,
Schädlinge, Herbizide)
·
Q: HH
Böhm:
- Einspruch gegen Freisetzungsversuche weniger wegen der ökologischen Risiken
als wegen der langfristigen sozio-ökon. Folgen für die Landwirtschaft
·
Q: taz
18.3.96:
- mit Gen der Paranuß neu-gestylte Sojabohnen (Ziel: Aminosäuren Methionin und
Zystein fehlen der Sojabohne; Gen der Paranuß implantiert, das Eiweiß
herstellt, beide AS im Protein 2s-Albumin enthält): starke allergische
Reaktionen bei Hauttests
·
Q:
Spiegel 12/96 S.104ff.
- in letzter Zeit häufen sich Indizien dafür, daß sich manipuliertes Erbgut
leichter in der Umwelt verbreitet als bisher angenommen:
* Dänemark: in Raps eingebaute Gene können leicht auf verwandte Wildpflanzen
überspringen (Basta-Resistenz Hoechst); Raps ist eine Kreuzung aus Rübsamen und
Kohl, läßt sich leicht rückkreuzen: schon nach zwei Generationen erhielten die
Forscher fortpflanzungsfähige Rübsamen-Wildpflanzen, die die Basta-Resistenz
vom Raps geerbt hatten; evtl. könnten auch alle Kohlsorten über Pollen
"angesteckt" werden...
* Schottland: Rapspollen können noch in zweieinhalb km Entfernung andere
Pflanzen befruchten
·
Q: FP
21.2.96
- erster Gent.-Test auf Sachsens Feldern - Gaußig südwestlich von Bautzen
- Firma Hoechst Schering AgrEvo GmbH will herbizidresistente Zuckerrüben, Mais
und Raps pflanzen
·
Q: taz
6./7.4.96
- * EU-Kommission läßt genmanipulierte Soja in Europa zu, ohne Kennzeichnung
* resistent gegen Totalherbizid "Round Up" des US-Multis Monsanto
* in den USA sollen 10% der Anbaufläche mit dieser Sojasorte besät werden
* Öl muß auch nach der geplanten Novel-Food-Richtlinie nicht gekennzeichnet
werden, da veränderte Erbinformation im Öl nicht nachweisbar
·
Q:
Sachstandsbericht Dr. Kordecki AGU-Sitzung Müritzsee 4.-6.3.96
- Patentierung:
* zur Zeit drei Patente beim EPA auf Säugetiere erteilt
* Patentierungsrichtlinie EU: am 1.3.95 erster Entwurf der Kommission vom
Europ. Parlament abgelehnt
* jetzt Veränderungen:
a) Keimbahntherapie beim Menschen
ausgeschlossen
b) Landwirteprivileg (Weiterzucht für
Nutzung im eigenen
Betrieb) auch für Tiere
c) klare Grenze soll gezogen werden
zwischen Erfindungen
(patentierbar) und Entdeckungen
(nicht p.);
keine Patentierung von Menschen und
Teilen des menschl.
Körpers
aber sehr unscharf formuliert!
- Novel-Food- Verordnung:
* Zulassung neuartiger Lebensmittel und Lebensmittelzutaten
* BRD im Ministerrat gegen vorliegenden Entwurf, da Kennzeichnung nicht
ausreichend
* EU-Kommission hat vor wenigen Tagen erstmals in Europa eine gentechnisch
veränderte auch für die Lebensmittelproduktion relevante Nutzpflanze zum Anbau
freigegeben: "Basta"-resistenter Raps (belgische Firma Plant Genetic
Systems); statt vorgesehener Kennzeichnung "manipuliert zur Herbizidresistenz"
nur Aufschrift "herbizidresistent"; (Brief Hennig/Bayern:) es ist
schwer zu begreifen, daß Vermarktung ermöglicht wird, obwohl andernorts in
Europa noch Sicherheitsrisiken der Freisetzung an Gen-Raps erforscht werden
·
ZDF
10.5.98 „Machtspiele“ (MONSANTO)
* 1997 USA: 12,2 Mio ha gent. Veränderte Kulturpflanzen (bei Mais 14%, Soja
20%, Baumwolle 21%, Raps 42%) - Deutschland gesamt 12 Mio ha Ackerfläche!
* MONSANTO-SLOGAN: Food-health-hope, in Grün/Gold (aus grün mach Gold!)
* Technik: Beschuss von
Pflanzenteilen ais speziellen Patronen mit Goldstaub-Partikeln, fremde Gene
drauf, Blatt wird nach Beschuss zerteilt, wächst dann auf Nährboden mit
Antibiotika
* Motto des Konzern-Chefs: „A good plan violently (brutal, leidenschaftlich,
ohne Zögern) executed now is better than a perfect plan next week.“
* ein Ziel: 2003 farbige Baumwolle
·
taz
12.8.98:
Störfall Kartoffel: gentechnisch veränderte Kartoffeln bei Verfüttern an
Ratten: Wachstumsstörungen und Schädigung Immmunsystem
·
bild
der wissenschaft 8/98, S.102:
Pflanzen gentechnisch sterilisieren: in zweiter Generation nicht mehr
keimfähig;
Ziel: keine unerlaubte Nachzucht
Gefahr: Übertragung der Sterilität durch Pollenflug auf andere Sorten (das wäre
der große Unfall der Gentechnik!)
·
taz
6./7.6.98:
Antibiotikaresistenzen; Forschungsergebnisse Deutschland: Bakterien übernehmen
Resistenzgene aus gentechnisch veränderten Pflanzen
·
Spektrum
der Wissenschaft, 5/98 S.96:
Mais- oder Hirsezünsler in Europa beheimatete Schmetterlingsart, bedeutendster
Maisschädling, Bt-genmanipulierte Pflanzen als GIFT, Population müßte um 98%
reduziert werden, nach bisherigen
Erfahrungen USA nur 90% Wirkungsgrad erreicht, bisher bilden 1-5% der Pflanzen
das Gift nicht
·
Publik-Forum
1/98 S.10
* niedersächsisches Landesamt für Ökologie: gentechnisch veränderter Raps gibt
seine Eigenschaften an andere Pflanzen in der Umgebung weiter
* Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau: Bt-Genmais
macht nicht nur Schädlingen, sondern auch Nützlingen (Fraßfeinde des
Maiszünslers) den Garaus
·
GID
128 8/98 S.5
gentechnisch veränderte Zitterpappel in Schleswig-Holstein blüht bereits im
dritten Jahr (normal: erst nach 7-14 J.); Gen verursacht u.a. Kleinwuchs
·
GID
128 8/98 S.13
- MONSANTO
Sojafelder ROUNDUP-Resistenz: 10-30% weniger Herbizide
Forschung „zweite Generation“: Raps mit veränderter Fettsäurezusammensetzung
oder Baumwolle, die blauen Farbstoff für Jeans selbst bildet
- Europäer könnten (teurere) gentechnikfreie Soja für 1999er Ernte bestellen
- Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen USA (ha 1998)
Soja 40%, Mais 30%, Baumwolle 43%, Kartoffeln 5%, Raps (Kanada) 40%
·
BMU
Umweltgutachten 1998 Kurzfassung S.33
herbizidresistente Pflanzen lassen weder nennenswerte wirtschaftliche Vorteile
noch erhebliche ökologische Veränderungen erwarten;
Beobachtung der Auskreuzung auf Wildarten trotzdem über die gesetzlich
vorgeschriebene Versuchsbeobachtung hinaus gefordert;
der Zustand der relativen Unbedenklichkeit könnte sich schon bald ändern, wenn
in Zukunft Fremdgene eingesetzt werden sollten, die mehr umweltrelevante
Eigenschaften ausweisen und ein Überleben unter extremen Umweltbedingungen wie
Hitze, Kälte, Trockenheit, Nährstoffmangel oder Salzstress ermöglichen. Solche
transgenen Pflanzen oder die ihnen vermittelten Eigenschaften werden sich erfolgreich
einbürgern und ausbreiten
·
UBA fordert seit
Jahren Verzicht auf Antibiotika-Resistenzgene in Pflanzen; das
Robert-Koch-Inst. hat sich dieser Position angeschlossen;
Schädlingsresistenzen oder Widerstand gegen Umweltstressoren wie Kälte,
Trockenheit, salz evtl. Verbesserung der Überlebensfähigkeit von Pflanzen in
der natürlichen Umwelt;
BT-Mais: zwar Rückgang des Zünsler-befalls um 90%, aber trotzdem Einsatz von
Insektiziden gegen andere Mais-Schädlinge;
Maispflanzen scheiden Toxin in wesentlichen Mengen über die Wurzeln aus; könnte
erhebliche Auswirkungen auf Boden-Organismen und - funktionen haben(UBA
Jahresbericht 1999 S.80ff.)
·
Weniger
Spritzmittel?
(Tappeser: GID 137/99 S.25)
·
Grüne G. bringt
den Bauer keinen Profit
(Strodthoff: Kreuzschnabel 8-Nov./99 S.19)
·
Juli 1999
empfahl US-amerikanische Tochter der Deutschen Bank, sich von Aktien an
gentechnik-Unternehmen zu trennen; Grund: Ablehnung von Gen-Food durch den
Verbraucher
(Ökologie und Landbau 1/2000 S.24)
·
Deutscher
Bundestag, Bericht des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
(DS14/1716 vom 4.10.99):
Bericht stellt ausdrücklich fest, daß ein flächendeckender Wandel zu einer
nachhaltigen Landwirtschaft von zentraler Bedeutung für eine dauerhafte
Erhaltung der Biodiversität wäre. Die Prinzipien des ökologischen Landbaus
könnten hierbei wichtige Leitlinien liefern.
(Forum 58 Januar 2000 S.55)
·
agrobacterium
tumefaciens - neues Gen wird irgendwo eingebaut, stört manchmal die Wirkung
anderer Gene
(arte 9.5.00 Archimedes)
·
Reis für
Allergiker
Story dazu GID 123/Dez.97/S.14f.
·
Rolf Jähnichen,
Landwirtschaftsminister Sachsen, kritisiert Form der Genzüchtung
grundsätzlich für gentechnische Forschung in der Landwirtschaft;
kritisch zur Züchtung herbizidresistenter Nutzpflanzen;
Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel würde letztlich wieder ansteigen;
sein Haus wird sich an Freilandversuchen dieser Art nicht beteiligen
(FP 30.12.97)
·
Saatgutunternehmen
KWS produziert ungewollt doppelt-resistente Rüben (gegen LIBERTY und ROUNDUP
resistent); Pollenflug im Gewächshaus?
GID 142 10-11/2000 S.15
·
24.8.2000
Inkrafttreten der neuen europäischen Bio-Verordnung für Lebensmittel;
jetzt neben Regelungen für pflanzliche Nahrungsmittel auch Mindeststandards für
Tierhaltung;
Gentechnik ist in BIO-Produkten untersagt
GID 142 10-11/2000 S.41
·
der Anteil
gentechnisch veränderter Pflanzen am Weltmarkt wird für das Jahr 2000 auf 10%
geschätzt
Das Parlament 22.9.2000
·
Bacillus
thuringiensis (Bt): inzwischen kennt man über 300 Stämme, die unterschiedliche,
gegen ganz bestimmte Insektenlarven gerichtete Toxine produzieren
Dtsch. Ärzteblatt 28-29/2000 S.A1971
·
„Die Behörde ist
im Verfahren an die Genehmigungsvoraussetzungen des § 16 Abs. 1 GenTG gebunden.
Im Rahmen dieser gesetzlichen Bestimmung sind allgemeine, politische, ethische,
religiöse, soziale, sozioökonomische, ökonomische, psychologische oder
gesellschaftliche Gesichtspunkte nicht zu berücksichtigen.“
Robert-Koch-Institut Berlin, Bescheid zum Antrag der Deutschen Saatveredlung
Lippstadt-Bremen GmbH ... auf Genehmigung von Freisetzungen ... mit
gentechnisch veränderten Rapspflanzen ... am Standort Planitz ... (9.8.1996)
·
Gensoja als
Futterersatz für das verpönte Tiermehl?
“... keine Lösung ... Hier würden wir von einem Risiko ins nächste schlittern.“
Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann
Taz 12.12.2000
·
Gentechnisch
veränderte Mikroorganismen Einsatz in der Landwirtschaft
Gentechnik-Nachrichten Spezial Nr.5 (25.10.2000 Mail Kordecki)
·
Beatrix
Tappeser: (S. 10f. Herbizide) die alten Herbizide sind ökologisch und
gesundheitlich als viel problematischer einzustufen als die so genannten
modernen Herbizide... der unbestreitbare Fortschritt in der industrialisierten
Landwirtschaft der letzten zehn Jahre, bestimmte veraltete, sehr problematische
Herbizide ausgemustert zu haben...
Dokumentation Heinrich-Böll-Stiftung Nr.5: Grüne Gentechnologie, Mai 2000, S.
·
erstmals das
komplette Erbgut einer Pflanze entschlüsselt: Kraut namens Ackerschmalwand
(Der Spiegel 51/2000 S.239)
·
Inst. für
Pflanzengenetik Gatersleben: gelungen, Spinnengene in das Erbgut von Tabak- und
Kartoffelpflanzen zu schleusen, Eiweiße, aus denen die Tragfäden bestehen,
(Berliner Zeitung, Wissenschaftsbeilage, 31.1.2001)
·
Malaysia:
Gummibaum, der menschliches Eiweiß herstellt, Gen für ein menschliches
Bluteiweiß, das auf Intensivstationen verwendet wird, Kautschuk ist nach
Abtrennung des Eiweißes an die Gummiindustrie verkäuflich
(taz 23.2.01)
·
2000: 44 Mill.
Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit angebaut; = + 11% gegenüber 1999;
1996 erstmals Anbau, 6 Länder; 2000 13 Länder;
74% herbizidtolerant, 19% insektenresistent, 7% beides
(GID 144 S.18)
·
Entwicklungsprogramm
der UN (UNDP) Bericht 2001
Probleme der Menschheit können dramatisch gemindert werden durch konsequente
und entwicklungsorientierte Nutzung neuer Technologien ... bis zur genetischen
Optimierung der Landwirtschaft;
Potenzial der Biotechnologie riesig, Tropenkrankheiten bekämpfen, Einsatz bei
Schwierigkeiten von Ackerbau und Viehzucht, höhere Erträge und größerer Nährwert,
(taz 11.7.01)
·
US-Umweltschutzbehörde
EPA empfiehlt den amerikanischen Landwirten seit einiger Zeit, mindestens 20%
ihrer Anbaufläche mit herkömmlichen Sorten zu bestellen, damit sich Insekten,
die nicht gegen Bt-Proteine resistent sind, weiterhin entwickeln können;
Monsanto meistverkauftes Herbizid ROUNDUP Branchenführer: Hälfte des Umsatzes
im vergangenen Jahr- 2,6 Mrd. $;
Bt-Baumwolle wird bis zur Ernte nur
zweimal besprüht, herkömmliche Baumwolle achtmal;
Roundup ist biologisch nicht so gut abbaubar, wie der Konzern behauptet;
durchschlagendes Argument in der Öffentlichkeit zugunsten der Biotechnologie:
weniger Pestizide im Essen. (Monsantos Strategie: den Verbraucher davon
überzeugen, dass der Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel weniger schädlich
sei als der Verzehr von Nahrungspflanzen, die mit Herbiziden besprüht wurden);
Entwicklung einer transgenen Pflanzensorte kostet 200 bis 400 Millionen Dollar
und dauert zwischen 7 und 10 Jahren
(taz 10.7.01 Beilage Le Monde diplomatique S.10)
·
Trefferquote
beim Einbau fremden Erbgutes in Pflanzenzellen gering: 1:10000;
nach Angaben des Herstellers schneller Abbaubarkeit von Glyphosat im Boden und
die Unmöglichkeit der spontanen Resistenzbildung bei Unkräutern postuliert –
beide Angaben sind inzwischen widerlegt: die Halbwertzeit im Boden kann Jahre
betragen, und das Auftreten resistenter Unkräuter wurde inzwischen auch von der
Industrie bestätigt;
Entgegen den Zielvorgaben von Wissenschaft und Industrie hat die schnelle
Kommerzialisierung von transgenen Nutzpflanzen der ersten Generation keinen
nachgewiesenen ökologischen Vorteil erbracht; ob ökologische Nachteile durch
gentechnisch induzierte Antibiotika-, Herbizid- oder Insektizid-Resistenzen
auftreten, wurde nicht ausreichend erforscht;
(Nahrungsmittel zwischen Natur und Retorte, GSF München 2000, S. 64ff.)
·
sowohl bei
Agrobakterium als auch bei der Genkanone steigt die Erfolgsrate selten über
1:10000 pro Zelle
(EIBE Informationseinheit 9, 2000, S.3)
·
Präsident des
Bundesamtes für Naturschutz fordert Verbot der grünen Gentechnik in der
Landwirtschaft
(taz 1./2.9.01)
·
Durchbruch bei
Genpflanzen;
Uni Münster und Uni Freiburg,
bisher Gefahr: unkontrollierte Weitergabe von gentechnisch verändertem Erbgut
über Pollenflug (Zellkerne männlicher Zellen);
jetzt: Veränderung des Erbguts nicht in den Zellkernen, sondern in
Chloroplasten (tausende in jeder Zelle, außerhalb des Zellkerns, werden nur von
der „Mutterpflanze“ an die Frucht oder den Samen weitergegeben und sind in
männlichen Pollen nicht enthalten); Methode: neue Gene auf Goldkügelchen
aufgebracht und in Chloroplasten „geschossen“;
jetzt erreicht: genügend hohe Konzentration der gentechnisch neu produzierten
Stoffe auch in Früchten von Tomaten (bisher vor allem nur in Blättern)
(taz 3.9.01)
·
Mais-Pollen –
Einfluss auf Larven des Monarch-Falters
neue Studien, Risiko kleiner als angenommen, Larven müssten Pollenmengen
aufnehmen, die in der Natur selten vorkommen
(AP 27.8.01)
·
China: Gene aus
Pflanzen, die auf stark salzbeeinflussten Standorten wachsen (z.B. Mangroven)
erfolgreich in Tomaten, Auberginen, Chili eingepflanzt; weitere Vorhaben: Reis
und Wein
(AGNET 11.7.01)
·
Bericht der
EU-Kommission: genetisch veränderte Pflanzen für menschliche Gesundheit und
Umwelt weitestgehend ungefährlich; gelte auch für aus ihnen gewonnene
Lebensmittel; wegen genauerer Techniken und strengerer amtlicher Überwachung
Produkte wahrscheinlich sogar sicherer als konventionelle Pflanzen und
Lebensmittel; Ergebnis von 400 Projekten zur Biosicherheit über 15 Jahre
(dpa Oktober 2001)
·
2001 wurde
weltweit auf 50 Mill. Hektar GVO-Pflanzen ausgesät (+ 6 Mill. ha gegenüber
2000);
USA: bei Baumwolle und Soja 2001 deutlich mehr transgenes Saatgut; den meisten
Farmern bringen die herbizid- und insektenresistenten Sorten offenbar zählbare
Vorteile; anders bei Mais in USA – hier stagnieren die bestellten Flächen
(TransGen-Informationsdienst 23/ 22.10.01)
·
Salztoleranter
Gentech-Raps mit guten Erträgen
wachsen bei 200 MilliMol Kochsalz, die jede normale Nutzpflanze abtöten (zum
Vergleich: Meerwasser hat 530 MilliMol)
(Berliner Zeitung 17.10.01)
·
einige wenige
große Konzerne beherrschen den weltweiten Saatgutmarkt;
knapp zwei Dutzend dominieren 50% des globalen Saatgutmarktes, darunter
Monsanto, Pioneer und Novartis
(GID 147 – 8-9 2001 S. 19)
·
93 % der
US-Amerikaner fordern Kennzeichnung von gentechnisch veränderten
Nahrungsmitteln; 57 % würden diese dann eher nicht kaufen;
68 % der Sojabohnen in USA gentechnisch verändert – im Vorjahr waren es noch
54%
(GID 147 – 8-9 2001 S. 18)
·
Gentech-Tomaten
in USA gezüchtet, die problemlos auf salzhaltigen Böden wachsen können, bei
Salzgehalten, die normalerweise jedes Wachstum ausschließen; Salzabbau wurde
mit nur einem Gen in Gang gesetzt, das aus der Ackerschmalwand stammt;
(GID 147 – 8-9 2001 S. 15)
·
Anbau von
Gentech-Soja steigert Pestizideinsatz;
Daten des US-Landwirtschaftsministeriums, beim Anbau von Roundup-Ready-Soja
Herbizideinsatz durchschnittlich 11,4% höher als beim Anbau konventioneller
Sorten,in einigen Fällen sogar bis30% höher, außerdem mit RRSoja ein 5-10%
niedrigerer Ertrag erzielt
(GID 146 – 6-7 2001 S. 19)
·
„Goldener
Gen-Reis für die Armen“;
Interview mit dem Miterfinder Potrykus (ETH Zürich); kein Allheilmittel;
200-300 Gramm täglich reichen, um Tagesbedarf an Vitamin A zu decken; derzeit wird
die neue Eigenschaft auf lokale Reissorten übertragen, wird in 5 Jahren die
Bauern vor Ort erreichen; es wird Tausende lokale Sorten geben; 70 Patente
genutzt, Einigung mit den Patentträgern: erst wenn ein Landwirt mehr als 10000
Dollar pro Jahr verdient, werden Lizenzgebühren verlangt, ansonsten Anwendung
kostenlos; ausschließlich mit öffentlichen Mittel entwickelt (statt 100
Millionen Dollar, wie oft fälschlich behauptet, nur 2,6 Millionen); P. ist
nicht glücklich, dass nun Industrie mit im Boot sitzt; Greenpeace Opposition
grundsätzlich, sachlich nicht zu begründen;
technisch: 2 Gene aus Narzissen, eines aus einem Bakterium übertragen, Reis
stellt selbst Provitamin A her, goldgelbe Färbung des Reiskorns als Nebeneffekt
(Natur&Kosmos 11/2001 S.58ff.)
·
Durchbruch in
der Gentechnik der Pflanzen in Münster und Freiburg: neue Proteine in hoher
Konzentration in Früchten von Tomaten; können trotz ihrer
Fortpflanzungsfähigkeit die veränderten Gene nicht unerwünscht über Pollen
weiter geben; neues Erbgut wurde nicht in Zellkern, sondern in Chloroblasten
der Zellen eingeführt (C. sind kleine Zellorganellen mit eigener DNS außerhalb
des Zellkerns, die zu Tausenden in jeder Zelle arbeiten); Erbgut dieser
Bausteine wird nur von der „Mutterpflanze“ (über weibliche Zellen) an Frucht
oder Samen weitergegeben und ist in männlichen Pollen nicht enthalten; können
also über Pollenflug nicht weiter verbreitet werden
(GID 148 – 11/12-2001 S. 15)
·
US-Forscher
haben weit entfernt von Genmais-Anbaugebieten künstlich verändertes Erbgut in
traditionellen Maissorten gefunden...
Entdeckung fremder Gene in Pflanzen aus dem mexikanischen Bergland...
Bt-Gene und RoundupReady-Resistenz-Gene
(taz 30.11.01)
·
weltweit 2001
gentechnisch veränderte Pflanzen auf 52,6 Mill. ha angebaut (+19% gegenüber
Vorjahr); Ausweitung vor allem in (Entwicklungs)Ländern des Südens (Verdopplung
der Fläche gegenüber Vorjahr);
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2002, Nr. 9, Seite 38)
·
Positive Bilanz
des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen durch ISAAA/USA
(Global Review of Commercialized Transgenic Crops: 2000", by Clive James
ISAAA Briefs No. 23-2001)
·
Bauernverband
führte Forum zur grünen Gentechnik in Deutschland durch;
“diffuse Ängste“; Umfrage in der EU Dez. 2001: 71% gegen gentechnisch veränderte
Lebensmittel, 60% befürchten negative Umweltauswirkungen;
40 Mill t Ölsaaten wie Raps und Soja jährlich nach Europa importiert, zumindest
teilweise gentechnisch verändert; 50-60% der Futtermittel inzwischen mit
verändertem Soja versetzt; USA und Argentinien Anbaufläche von Gensoja auf 74
bzw 99 % der gesamten Anbaufläche
(taz 28.2.02)
·
2001 + 19%
weltweite Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen im Vergleich zu
Vorjahr; 52,6 Mill ha; Zahl der nutzenden Landwirte von 3,5 auf 5,5 Mill
gestiegen;
USA: Landwirte 1996 bis 2001 bei gentechnisch verändertem Mais Verluste
(Erträge nicht wie erwartet gestiegen, Export schwierig)
(GID 150/2002 S.20)
·
2002 werden in
D. auf rund 1600 Hektar 50 Tonnen Genmais ausgebracht; für drei der
Genmaislinien gibt es eine Zulassung als Lebensmittel, alle anderen können als
Futtermittel verbraucht werden
(taz 26.4.02)
·
vier Fünftel der
Konsumenten in Europa wollen keine genmanipulierten Lebensmittel im
Einkaufswagen; bei Testkäufen greifen sie die Gennahrung oft trotzdem, sofern
sie billiger ist
(Die Zeit 25.4.02 S.18)
·
Studie USA (von
gentechnikfreundlichen Institutionen gefördert): durch mod. Biotechnologie mehr
geerntet, mehr verdient, Pestizidverbrauch um 80000 Tonnen verringert;
Studie des US-Landwirtschaftsministeriums: „handfeste“ Vorteile für Farmer,
Einkommen gestiegen, Pestizideinsatz verringert
(GID 153, 8-9/2002 S.17)
·
Ziel: Pflanzen
hitzebeständig machen; in Genom der Ackerschmalwand ein Extra-Gen eingebracht,
das die Xantophyll-Synthese anregt; Pflanzen bei 2 Wochen 40 Grad Temperatur
grüner und gesünder als unveränderte Exemplare
(bild der wissenschaft 10/02 S.9)
·
weltweit bislang
über 10000 Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderte Pflanzen gemeldet;
Anbaufläche 2001 weltweit 52,6 Mill Hektar; davon Soja 63%, Mais 19%, Baumwolle
13% Raps 5% (=99%); 77% der Pflanzen herbizidresistent;
Glyphosat und Glufosinat wirken auch gegen Boden-Mikroorganismen;
(Ökologie und Landbau, 4/02 S.32ff)
·
Interview
Künast; nicht endlos JA-Nein-Debatte führen: der Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen findet derzeit bereits auf 50 Mill Hektar statt; Kennzeichnung muss
kommen, mit so niedrigen Werten für zugelassene gentechnische Verunreinigungen
wie nur irgend möglich, auch Abstands- und Haftungsregelungen fehlen noch; ich
will Wahlfreiheit für Verbraucher und Landwirte sichern
(taz 17.9.02)
·
Lebensmittel aus
gentechnisch verändertem Mais von Monsanto seien für VerbraucherInnen ebenso
sicher wie Produkte aus konventionellen Maislinien – zu diesem Ergebnis kam
eine weitere wissenschaftliche Begutachtung durch den Lebensmittelausschuss der
EU;
die Industrie rechnet damit, dass die kommerzielle Nutzung von
Gentechnik-Weizen ab 2005 stattfinden könnte;
schon für 2003 war die Einführung herbizidresistenten Sommerweizens in Kanada
geplant gewesen;
(GID 152/2002 S.14, 17)
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einer von 1000
Deutschen leidet an Zöliakie (Verdauungsstörung, die auf Gluten reagiert); seit
drei Jahren wird in Deutschland daran geforscht, das Gluten-Eiweiß
auszuschalten oder “umzupolen“, das in allen Getreidesorten vorkommt
(GID 152/2002 S.19)
·
gentechnisch
veränderte Bt-Sonnenblumen geben ihre neuen Gensequenzen an verwandte
Wildpflanzen weiter; Nachkommen zeigten außerdem eine 50%ige Steigerung der
Samenproduktion
(GID 154/2002 S.15)
·
Bt-Mais
in Spanien; Der Bt-Mais ist für die Bauern attraktiv, weil er durch mehr Ertrag
und eingesparte Spritzmittelkosten zusätzlichen Gewinn verspricht. Eine jüngst
erschienene Studie des britischen Agrarberaters Graham Brookes über den Anbau
von Bt-Mais in Spanien beziffert die Einkommenssteigerung der Landwirte auf
durchschnittlich 150 Euro pro Hektar im Vergleich mit herkömmlichem Mais. Auch
aus ökologischer Sicht zeigt der spanische Bt-Mais, entgegen der Befürchtungen
von Umweltschutzverbänden, bislang keine Nachteile. Der Ökologe Ramón Albajes
von der Universität Lleida untersucht in den Maisfeldern von Lérida, ob das
Bt-Gift in den Pflanzen neben dem Maiszünsler auch anderen Insekten schadet.
"Unseren Forschungen nach gibt es keine entscheidenden Risiken für die
Natur", sagt er. Für die Sorge, der Maiszünsler könnte gegen das Bt-Gift
resistent und damit zu einem noch gefährlicheren Schädling werden, fand Albajes
im Feld ebenfalls noch keine Bestätigung. Graham Brookes zufolge berichten
Bauern sogar von positiven Umweltfolgen des Bt-Maises. Beim Einsatz
herkömmlicher Spritzmittel würden nicht nur Maiszünsler, sondern auch viele
Nützlinge vernichtet. Das führe dazu, dass der Mais stärker von Spinnmilben
befallen wird, denen die Bauern dann mit einer weiteren Giftdusche zu Leibe
rücken. Durch den Anbau des Bt-Maises können diese Belastungen für die Umwelt
vermieden werden.
(Berliner Zeitung,04.10.02)
·
USA fordern von
Europäern, ihr Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu
beenden;
Dem könne man keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse über mögliche
Gesundheitsgefahren entgegenstellen, meint EU-Verbraucherkommissar David Byrne.
Wir können dieses Moratorium nicht ewig halten, es ist Zeit, sich zu bewegen..
Auch EU-Umweltkommissarin Wallström befand, das Moratorium sei illegal und
ungerechtfertigt.
... gilt in Amerika die Devise: Die Grüne Gentechnik ist sicher – jedenfalls so
lange, bis irgendwo etwas passiert. In Europa dagegen herrscht der
Vorsorgegedanke: So lange nicht ganz sicher ist, dass nichts passieren kann,
wird die Technik verboten.
(Die Zeit 19.9.02 S.33)
·
Europaparlament
hat am 21.11. mit großer Mehrheit einem Strategiepapier der EU-Kommission
zugestimmt: darin wird auch die Aufhebung des seit mehr als vier Jahren
bestehenden EU-weiten Zulassungsstopps für gentechnisch veränderte Organismen
bis zum Ende 2003 gefordert;
wirtschaftspolitischer Sprecher der SPE-Fraktion: wir können uns nicht weiter
wie bisher aus ideologischen Gründen von der technologischen Entwicklung
abkoppeln und uns von gezielt geschürten Kampagnen unter Druck setzen lassen.
(Das Parlament 9./16.12.02)
·
Forscher aus USA
und Korea haben eine Reissorte so verändert, dass sie ihre Erträge auch unter
Kälte, Trockenheit und Salzwasserbedingungen hält; hoffen, durch Kreuzungen mit
lokalen Sorten auf 20% Ertragssteigerung; ein Zucker (Trehalose) konserviert
bereits unter natürlichen Bedingungen die Pflanzenzellen bei Stress; jetzt zwei
zusätzliche Trehalosegene eingebaut, dazu ein Schaltergen, das die
Zuckerproduktion erst anlaufen lässt, wenn die Pflanze wirklich unter Stress
steht; es wird also keine artfremde Eigenschaft eingebaut, sondern ein bereits
vorhandener Zucker mit konservierenden Eigenschaften in einer wesentlich
höheren Konzentration erzeugt; eine Erfindung, die durchaus in vielen Gegenden
dem Reisanbau zu wesentlich höheren und konstanteren Erträgen verhelfen könnte;
die Forschungsergebnisse sollen öffentlich zugänglich sein und nicht an einen
Saatgutkonzern verkauft werden
(taz 27.11.02)
·
in der
mexikanischen Wüste gibt es einen Überlebenskünstler, einen Moosfarn, der
extreme Trockenheit überlebt; Ursache, Gen, das den Zucker Trehalose herstellt;
schützt wie bei Hefe die Pflanze vor dem Trockentod; mexikanische Forscher
haben neues Gen erfolgreich in die Ackerschmalwand eingebaut; vertrocknen
lassen, nach 2 Wochen wieder normal lebensfähig;
(aol-newsbote, 10.12.02)
·
Australien
gentechnisch verändertes Gras entwickelt, das bei bis zu 95% von betroffenen
Allergikern keinen Heuschnupfen auslösen soll; in Pollen Gehalt der beiden
Hauptallergene um die Hälfte reduziert
(GID 155/2002-2003 S.22)
·
BERLIN, 10.
Dezember. Nach den jüngsten Beschlüssen der EU zum Umgang mit gentechnisch
veränderten Nahrungsmitteln drängen CDU und CSU im Bundestag auf eine zügige
Markteinführung von Gen-Food in Deutschland. Das bestehende Moratorium für die
Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) müsse
„schnellstmöglich“ aufgehoben werden, heißt es in einem Antrag zur
Biotechnologie, den die Unionsfraktion nächste Woche beschließen will. In dem
Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt, spricht sich die Union ferner für
die Nutzung gentechnisch veränderter Tiere aus, so lange „ethische Aspekte“
dabei berücksichtigt werden.
(Berliner Zeitung, 11.12.02)
·
Der Anbau
gentechnisch veränderter Kulturpflanzen wie Mais, Soja und Raps in den USA und
Kanada war in den letzten sechs Jahren ein wirtschaftliches Desaster. Studie
von Bioland-Organisation und Greenpeace; Ernten nicht höher ausgefallen,
Saatgutkosten aber gestiegen, immer mehr Unkräuter gegen Spritzmittel
resistent;
(bild der wissenschaft 12/2002 S. 11)
·
„Verunreinigung“
durch Gensoja in Brasilien; Aktivistin für Gentechnikfreiheit: Mais ist eine
Pflanze mit einer offenen Befruchtung über Bestäubung, die hier in vielen
Varietäten wächst, wenn wir hier illegalen Genmais angepflanzt hätten, wäre das
eine irreversible Katastrophe;
Soja kommt aus Asien, hat in Brasilien keine wilden, nahe verwandten Sorten,
Soja hat geschlossene Befruchtung (Bestäubung nur sehr selten), Verunreinigung
könnte völlig reversibel gemacht werden
(taz 28.3.03)
·
Antrag der
CDU/CSU-Fraktion im Bundestag: Bundesregierung soll sich für die unverzügliche
Aufhebung des seit 1999 bestehenden de-facto-Moratoriums für alle
Neuzulassungen von gentechnisch veränderten Lebensmittel auf EU-Ebene
einsetzen;
den ursprünglichen Bedenken und Argumenten gegen die Zulassung sei mittlerweile
die Grundlage entzogen
(Das Parlament 14./22.4.03 S.6)
·
Baumwolle, die
durch gentechnische Veränderungen gegen Schädlinge resistent ist (Bt-Baumwolle
gegen Baumwollkapselwurm); in Indien in einer Feldstudie untersucht; kann in
den Tropen weitaus höhere Erträge bringen als herkömmliche Sorten; Ernte fiel
um 80% höher aus; trotz höherer Kosten für Saatgut konnten Bauern ihre
Einkünfte verfünffachen; mögliche Ursache für bessere Befunde als in USA oder
Kanada: dort werden nur 12% der Ernte vom Kapselwurm vernichtet, in Indien und
anderen tropischen Ländern 50-60%
(Bild der Wissenschaft 5/03 S.12)
·
weltweit werden derzeit
mehr als 22 Millionen Hektar der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch
bewirtschaftet und zertifiziert
(zum Vergleich: derzeit erfolgt Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen
weltweit auf über 50 Mill. ha; JK)
(Ökologie&Landbau 2/2003 S.41)
·
Indien:
„Protato” gentechnisch veränderte Kartoffelsorte (ein Gen des Amaranth
eingeführt); enthält ein Drittel mehr Proteine als herkömmliche Kartoffeln;
kommerzieller Anbau wird wahrscheinlich innerhalb von 6 Monaten zugelassen
werden; Kartoffel soll an staatlichen Schulen kostenlos Millionen von Kindern
zur Verfügung gestellt werden; Kartoffel Billiger im Vergleich zu
Hülsenfrüchten
(taz 12.6.03)
·
Japan:
gentechnisch veränderter Reis soll Insulinproduktion des Körpers bei
Diabetespatienten anregen und Insulin-Spritzen überflüssig machen; soll in 1-2
Jahren auf den Markt kommen
(GID 158 6/7-2003 S.14)
·
Kontrolle der
Samenkeimung durch eine „Zwei-Komponenten gentechnische Veraenderung“
Kanadische Forscher haben ein gentechnisches Verfahren entwickelt, welches die
ungewollte Weitergabe von Transgenkonstrukten ueber Generationen hinweg
verhindern soll. Die Wissenschaftler der "Agriculture and Agri-Food
Canada" setzten Tabakpflanzen ein "Seed lethal"-System (SL) ein,
das Samen der Pflanze keimungsunfaehig macht. Das SL-System aus Erbanlagen des
Bodenbakteriums Agrobacterium tumefaciens, wird dabei durch eine Bindungsstelle
fuer einen Repressor ergaenzt. Repressoren besitzen spezifische Bindungsstellen
an der DNA und verhindern dadurch das Ablesen eines bestimmten DNA-
Abschnittes. Das entsprechende Repressorgen aus dem Bakterium Escherichia coli
wurde in eine zweite GV-Tabaklinie eingefuegt. Anschließend wurden durch
Kreuzen beide Genkonstrukte in einer GV- Pflanze vereinigt. Diese transgenen
Pflanzen selber bleiben fortpflanzungsfaehig. Beim Auskreuzen werden die Gene
mit hoher Wahrscheinlichkeit voneinander getrennt. Der Repressor wird nicht
mehr hergestellt. Somit wird das SL-System aktiv, und die Pflanzen produzieren
sterile Samen
(gentechnik nachrichten 42 Mai 2003)
·
Bei
Fürstenfeldbruck wird eine neue Genkartoffel angepflanzt, die der
Altersblindheit vorbeugen soll;
BALTICA, kleinwüchsige rötliche Minikartoffeln; 5 Universitäten und 2
Forschungsinstitute beteiligt, 11 Mill. Euro bisher;
das in der Kartoffel natürlicherweise vorhandene Carotinoid Zeaxanthin wird
nicht mehr abgebaut, sondern vielmehr angereichert;
soll nun die Schöpfung bereichern, indem ihr Verzehr im alternden
Menschenkörper allerlei Oxidationsprozesse verzögert, also verschleißbedingte
Stoffwechselstörungen, möglicherweise gar der Krebsvorbeugung dient und, vor
allem, der sogenannten Altersblindheit einen Riegel vorschiebt.;
drei Großforschungsprojekte beitragen, die die rot-grüne von der schwarz-gelben
Bundesregierung übernommen hat. Neben der Kartoffel, die das Augenlicht
erhalten soll, entwickeln Wissenschaftler mit Steuergeldern
Multifunktionskarotten, die, mit einem manipulierten Carotinoidmix wiederum
Krebs und Altersblindheit vorbeugen könnten; als nette Dreingabe entfaltet das
Gemüse sogar eine "Sonnenschutzwirkung wie Sonnencreme", sagt Rudolf
Straub. Ein weiteres Projekt soll Raps die eigentlich Fischölen innewohnenden
segensreichen Fettsäuren einhauchen; der Raps mit dem optimerten Ölmix beugt,
einem Medikament gleich, Herz- und Kreislauferkrankungen vor. Schließlich
arbeiten Wissenschaftler auch an einem segensreichen Gengetreide für Menschen,
die auf die natürlichen Kleberbestandteile des Korns mit der Darmkrankheit
Zöliakie reagieren und deshalb zeitlebens auf allerlei bröseligen Brotersatz
aus Reis oder Mais zurückgreifen müssen
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3. März 2003, Nr. 13, Seite M1,
Münchner Seiten)
·
Antrag der
CDU/CSU im Bundestag (15/1216): grüne Gentechnik erforschen und einsetzen, um
weltweite Ernährungssituation zu verbessern
(Das Parlament 7.7.03)
·
Greenpeace: Soja
als Eiweißfutter (Ersatz seit BSE Krise 2000): 60-70% gentechnisch
verunreinigt;
2002 58,7 Mill. Ha gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit (62% Soja; 21%
Mais; 12% Baumwolle; 5% Raps);
International Council of Science (ein Club von Forschungsgesellschaften aus
über 100 Ländern) legte im Juni 2003 eine Studie vor: die derzeit verfügbaren
Gen-Lebensmittel sind so sicher oder so unsicher wie herkömmliches Essen;
(Die Zeit 3.7.03 S.28)
·
EU-Kommission
Studie zu Ernteerträgen, Pestitzideinsatz und finanziellen Auswirkungen des
Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA veröffentlicht: „Die
berücksichtigten Untersuchungen lassen keine abschließende Beurteilung der
Vorteile des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf der –hier
untersuchten – Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe zu.“
(GID 159 7/8-2003 S.9)
·
„Terminator-Technologie“:
verhindern, dass Saatgut in der nächsten Generation keimfähig ist;
GURT: genetic use restriction technologies;
a) in Pflanzen wird ein Gen eingebaut, das nach Zugabe einer chemischen
Substanz wirksam wird und ein Gift bildet, das die Samen am Keimen hindert
b) Samen werden durch gentechnischen Eingriff von vornherein keimunfähig
gemacht (ein Unterbrecher-Gen wird hinter einen Promotor eingebaut, der zur
Zeit der Keimung aktiv ist; dazu noch zwei weitere zusätzliche Gene); durch
Zugabe einer organischen Substanz wird die Blockade gelöst und die Keimung ist
wieder möglich
(GID 159 7/8-2003 S.28)
·
USA: 40 Mill. ha
der Ackerfläche (fast die Hälfte des gesamten Farmlandes) mit gentechnisch
veränderten Pflanzen bestellt
(SPIEGEL ONLINE 9.7.2003)
·
Staatssekretär
Catenhusen (Forschungsministerium): bisher gibt es für Gesundheitsrisiken für
den Verbraucher keine Belege; Risiken eher im ökologischen als im
gesundheitlichen Bereich
(Die Zeit 9.10.03 S.38)
·
Erbgut eines
insektenvernichtenden Bakteriums entschlüsselt; könnte zu einer großflächigen
Insektenvernichtung beitragen
(taz 6.10.03)
·
Brasilien hat
auf Druck der Sojabauern Anbau von gentechnisch verändertem Soja zunächst für 1
Jahr erlaubt; Bauern begründen dies mit bis zu einem Drittel geringeren
Anbaukosten
(taz 29.9.03)
·
Britische
Großstudie: herbizidresistenter Ölraps, -Mais und –Zuckerrüben untersucht; im
Fall von Raps und Rüben werden Unkräuter viel stärker verdrängt als im
konventionellen Vergleichssystem; beim Mais dagegen ist eine spätere Anwendung
des Spritzmittels möglich, was netto geringere Umweltwirkung bringt
(taz 17.10.03)
·
zur gleichen
Studie:
bei Sommerraps und Zuckerrrüben deutliche Abnahme der Artenvielfalt; bei Mais
Ansteigen der Vielfalt (Vergleich war aber konventioneller Anbau mit
Atrazin-Einsatz als Herbizid)
(Gentechnik-Nachrichten Extra-Ausgabe 10/03)
·
in Pillnitz bei
Dresden (und Quedlinburg) Freilandversuche mit genetisch veränderten
Apfelbäumen (20 Jahre, 10000 Bäume) vom Verbraucherschutzministerium untersagt
(Freie Presse Chemnitz 25./26.10.03)
·
Untersuchung in
10 US-Bundesstaaten: jeder 5. Landwirt hält beim Anbau von Bt-Mais die Vorgabe
nicht ein, einen Teil der Flächen mit normalem Mais zu bepflanzen (Vermeiden
der Durchsetzung von Bt-resistenten Insekten-Populationen
(taz 12.9.03)
·
in einer
südafrikanischen Pflanze Gen für Trockenresistenz gefunden, in Ackerschmalwand
übertragen, überlebte Trockenphase von 16 statt normalerweise von nur 12 Tagen
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)
·
Uni Bonn;
Grünalgen werden auf Schwefeldiät gesetzt; Entzug des Schwefels in der Nahrung
führt u.a. zur Aktivierung der Hydrogenase, die Alge produziert dann über einen
Zeitraum von 6 Tagen Wasserstoff; genveränderte Grünalgen: Hydogenase-Gen
mehrfach eingebracht; eine der gentechnisch veränderten Algen produzierte
dreifache Wasserstoffmenge; 1 Kubikmeter Algenkultur: 7,45 kWh pro Tag
Wasserstoffproduktion; über Brennstoffzellen (Wirkungsgrad 40%, 300
Betriebstage) könnten daraus jährlich 870 kWh Strom und Wärme erzeugt werden;
für ein Privathaus mit 4 Personen zur Eigenversorgung 5-7 Kubikmeter
Algenkultur ausreichend
www.botanik.uni-bonn.de/physbiopla/happed.html
(Energiedepesche März 2002 S.38)
·
weltweit 7 Mill
Bauern, die gentechnisch veränderte Nutzpflanzen anbauen, davon wirtschaften
85% auf kleiner Fläche in Entwicklungsländern
(GID 162/2004 S.19)
·
dass alle
„fremd“ und „künstlich“ eingebrachten Gene, z.B. auch die Resistenzgene, aus
der Natur kommen, sie wurden z.B. in Bodenbakterien gefunden, es sind also
keine neu konstruierten Gene
(Bublath: Die neue Welt der Gene, München 2003, S.189)
·
Markergene mit
Antibiotikaresistenz überflüssig?
Aart van Bel und Michael Knoblauch vom Institut für Botanik der Universität
Gießen haben dieses als Mikroinjektion bezeichnete Verfahren nun durch eine
Reihe von technischen Kunstgriffen wesentlich verbessert. Die Gießener Forscher
injizieren das zur Genmanipulation verwendete Erbmaterial nicht wie üblich in
Protoplasten, also "nackte" Zellen, sondern in Zellen mit Zellwand.
Das erleichtert die Regeneration ganzer Pflanzen. Für die Injektion verwenden
sie speziell geformte Kapillaren mit äußerst feiner Spitze. Die Mündungsweite
der Kapillaren, mit denen man Gene in tierische Zellen injiziert, ist zehnmal
so groß. Außerdem haben die Forscher einen Druckgenerator entwickelt, der
verhindert, daß die Zellen nach dem Einstechen der Kanüle Druck verlieren und
einen Teil ihres Zellinhaltes in die Kanüle pressen. Pflanzliche Zellen haben,
anders als tierische, einen hohen Innendruck. Sie platzen normalerweise wie ein
Luftballon, wenn sie angestochen werden. Den Erfolg der Mikroinjektion
verfolgen van Bel und Knoblauch mit zwei Farbstoffen, die zusammen mit der Erbinformation
in die Zelle injiziert werden. Einer der beiden Farbstoffe markiert die neuen
Gene und zeigt, was nach der Injektion mit ihnen geschieht. Der zweite verteilt
sich in der ganzen Zelle und hilft, die manipulierten Zellen später
wiederzufinden. Deshalb kann man auf das Markergen verzichten. Die
Mikroinjektion könnte demnach etliche der Bedenken zerstreuen, die von Gegnern
der grünen Gentechnik vorgebracht werden.
hka.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. März 2004, Nr. 59, Seite N2)
·
1996 säten Farmer
in den USA die ersten gv-Pflanzen aus; Anbaufläche 2002 58,7 Mio. Hektar
(entspricht mehr als der 1,5-fachen Gesamtfläche Deutschlands); ¾ der 2002
ausgesäten gv-Pflanzen besitzen Herbizidresistenz; 17% Insektenresistenz durch
Bt-Toxin; weitere 8% Kombination aus Herbizidresistenz und Insektenresistenz;
EU importiert jährlich etwa 30 Mio Tonnen Soja und Sojaschrote; der Anteil von
Sojaschroten mit einem GVO-Anteil unter 1% an der Gesamteinfuhr in die EU
beträgt ca. 5%;
bei der Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Pflanzen hat sich
weltweit das Konzept der „Substanziellen Äquivalenz“ durchgesetzt; vereinfacht
wird dabei das GVO-Lebensmittel unter zwei Blickwinkeln untersucht:
a) das zusätzlich gebildete Protein wird bewertet (Verträglichkeit – nach
ähnlichen Verfahren wie bei der Prüfung von Zusatzstoffen; schädliche
Einwirkungen beim Verfüttern an versuchstiere?; heute ist es auch möglich, bei
einem neu in die Nahrung eingeführten Protein abzuschätzen, ob es Allergien
auslösen kann)
b) Überprüfung, ob der übrige Teil des Lebensmittels mit einem vergleichbaren,
bekannten und erfahrungsgemäß sicheren Produkt übereinstimmt;
Stimmen gentechnisch verändertes und konventionelles Produkt im Rahmen der
natürlichen Schwankungsbereiche überein, sind sie substanziell äquivalent und
gelten beide gleichermaßen als sicher. ... In der Zulassungspraxis orientieren
sich Behörden und Expertengremien weitgehend am Konzept der Substanziellen
Äquivalenz. Es hat sich aus ihrer Sicht bewährt. Obwohl seit Jahren gv-Pflanzen
in vielen Ländern angebaut und zu Lebensmitteln verarbeitet werden, sind bisher
keine offenkundigen gesundheitlichen Schäden beobachtet worden. Danach sind im
Vergleich zu herkömmlichen Produkten keine besonderen Risiken erkennbar
(Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Diskurs
Grüne Gentechnik, Broschüre 2003)
·
Bei neuen
Pflanzen stehen sich solche mit Input- und Output-Eigenschaften gegenüber.
Erstere beziehen sich auf die agronomischen Eigenschaften, zum Beispiel Insekten-,
Herbizid-, Virus- und Pilz-Resistenzen. Output-Eigenschaften beziehen sich auf
die Qualität des Ernteproduktes: veränderter Gehalt an bestimmten Fetten,
Vitaminen usw.
(Gen-ethisches Netzwerk, Faltblatt 5/2004: Zukunftsmusik)
·
Gensoja-Anbau in
Brasilien; „Im Vergleich zum herkömmlichen Anbau spare ich ein Drittel der
Produktionskosten“ sagt der Landwirt ...; Einmal im Jahr spritze er seine
Felder mit dem Monsanto-Pflanzengift ROUNDUP. Noch wird es besser mit dem
Unkraut fertig als herkömmliche Herbizide, die bereits drei- oder viermal
angewendet werden müssen;
Argentinien: auf dem Land floriert die Wirtschaft dank dem Geschäft mit
genetisch manipulierten Sojabohnen, kurbelt die Wirtschaft des ganzen Landes an
(2003 40% der gesamten Exporterlöse durch Soja); Bauern geben für Produktion
Pesos aus und verkaufen Soja für Dollar, Einkünfte verdreifacht; BSE-Krise in
Europa, die zum verbot der Verfütterung von Tiermehl (als Eiweißlieferant)
führte, ließ die weltweite Soja-Nachfrage explodieren
(taz 26./27.6.04)
·
Knapp die Hälfte
des Importsojas (in D.) ist gentechnisch verändert
(Die Zeit 24.6.04 S.22)
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Gentechnik im
Weinbau
deutsches Institut für Rebenzüchtung in Siebeldingen arbeitet an der
Entwicklung von transgenen Reben, die dem Mehltau und der durch Viren
verursachten Reisigkrankheit widerstehen; erste 50 Flaschen in der Bayerischen
Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Anfang 2004 abgefüllt
Kanadische Winzer hantieren mit Frostschutzgenen
(bdw 2/2004 S.24ff)
·
In Kalifornien
soll erstmals Gentech-Reis zur Produktion von Medikamenten großflächig angebaut
werden; Reispflanzen mit zwei menschlichen Genen ausgestattet: in den Körnern
produzieren sie die Substanzen Lactoferrin und Lysozym, normalerweise sind
diese beiden antibakteriellen Wirkstoffe in der Muttermilch zu finden, sie
schützen Kleinkinder vor Infektionserkrankungen wie z.B. Durchfall,
Mittelohrentzündungen oder Meningitis;; Arzneistoffe sind noch nach
dreijähriger Lagerzeit wirksam ohne Kühlung (wichtig für Entwicklungsländer);
Erlaubnis zum Anbau auf 50 Hektar war schon erteilt, jetzt soll doch erst ein
Genehmigungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung stattfinden
(taz 7.5.04)
·
Erhöhter
Pestizidverbrauch beim Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA;
Untersuchung für die Jahre 1996 bis 2003 (zunächst Reduktion, seit 2001
Zunahme)
(GID 161/2004 S.18)
·
Uni Würzburg:
mit Hilfe von sterilen Pollen soll unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch
veränderter Pflanzen verhindert werden; bei Tomaten und Tabak gelungen, ein
Enzym auszuschalten
(taz 12.11.04)
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Papier: „Grüne
Gentechnik taugt nicht zur Hungerbekämpfung“ Juli 2004
www.brot-fuer-die-welt.de/druckversion/2730_DEU_Druckversion.htm
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Maiswurzelbohrer,
Schädling aus USA, über Belgrad eingeschleppt (Kosovokrieg), inzwischen im
Elsass angekommen, vier Kilometer vor der deutschen Grenze; gentechnisch
veränderter Bt-Mais gegen den Käfer wird seit letztem Jahr in den USA angebaut
(taz 23.8.04)
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Gensoja-Anbau in
Brasilien, Farmerin: Soja bringt schnelles Geld und macht viel weniger Arbeit
als Ökolandbau
(taz 16./17.10.2004)
·
Agrochemiekonzerne
sollen zwischen 1997 und 1999 für 18 Mrd US$ Saatgutfirmen aufgekauft haben;
das Resultat ist, dass die vier größten Agrochemiekonzerne auch die größten
Saatgutkonzerne sind: DuPont, Monsanto, Syngenta, Bayer;
weltweit nehmen GV-Pflanzen derzeit etwa 5% der landwirtschaftlichen
Anbaufläche ein;
weltweit auf dem Markt befinden sich folgende GV-Pflanzen: Raps, Reis, Mais,
Soja, Baumwolle, Kürbis, Papaya, Zuckerrübe, Kartoffeln, Tomaten, in der
Entwicklung befinden sich: Äpfel, Bananen, Mango, Ananas. Gerste, Süßkartoffel;
Bt-Pflanzen: Bt-Gen bisher in den Zellkern der Nutzpflanzen eingeführt, jetzt
in der Forschung: Einführung in Chloroplasten – toxisches Eiweiß wird dann nur
in den Pflanzenteilen ausgeschüttet, wo es benötigt wird, Gefahr der
Auskreuzung wird reduziert, da sich Gene der Chloroplasten (nur) durch die
Eizelle und nicht über die Pollen vererben;
niederländische Studie zum tatsächlichen Herbizideinsatz bei Verwendung von
GV-Pflanzen in den USA: Ergebnisse variieren zwischen Rückgang um 40% und
Anstieg von 7%; Studie der Landwirtschaftsbehörde der USA: bei GV-Soja in den
Jahren 1997 und 1998 Rückgang des Herbizideinsatzes um 10%;
China, Indien, Argentinien: höheres Nettoeinkommen von Kleinbauern beim Anbau
von Bt-Baumwolle; in Sambia nur kurzfristig Kostenvorteil
(Welthungerhilfe: Grüne Gentechnik, Chancen und Risiken ...; Mai 2004)
·
Risikoforscher
Ortwin Renn:
Die Ablehnung der Grünen Gentechnik hat wenig mit dem Glauben zu tun, man werde
nach dem Genuss einer modifizierten Tomate tot umfallen. Das Nein der Gegner
speist sich aus der Furcht vor unabsehbaren Späteffekten, Zweifeln am
gesellschaftlichen Nutzen, Angst vor der Irreversibilität der Veränderungen,
Aversion gegen die menschliche Hybris und dem allgemeinen Verdacht gegen
Konzerninteressen. Aufklärungskampagnen laufen ins Leere - wo Vertrauen fehlt,
fordert der Verbraucher „Nullrisiko“.
(Die Zeit 13.5.04 S.36)
·
USA:
Einführung gent. veränderter Nutzpflanzen hat zu gesteigertem Verbrauch an
Pestiziden geführt; bei BT-Insektenresistenz Reduktion der Spritzmittel um 5%,
bei Herbizidtoleranten Pflanzen Anstieg um 5%; hier werden zudem neue Unkräuter
bedeutsamer, oder die alten Unkräuter entwickeln Resistenzen
(GID 167/2004 S.21)
·
seit 1987 wird die so genannte biolistische Transformation („Genkanone“)
verwendet; kleine Gold- oder Wolframpartikel werden mit einer DNA-Lösung
benetzt, in eine Druckkammer gebracht und im Vakuum mit hoher Geschwindigkeit
auf Pflanzenzellen „geschossen“; Partikel verbleiben in der Pflanzenzelle; DNA
löst sich von den Trägerpartikeln und kann in den Zellkern eindringen; so
gelang erstmalig Transformation von wichtigen einkeimblättrigen Pflanzen (1988
Reis, 1990 Mais, 1992 Weizen)
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.7)
·
„moralische Codes“ der Kontrahenten, die verhindern, dass es zum
gegenseitigen Verstehen kommen kann: Fokussieren die einen ihre Bejahung der
Technologie mit Argumenten aus den Bereichen Gesundheit, Vernunft und Wohlstand,
so tun dies ihre Kritiker mit spezifischen Vorstellungen von Natur, Macht und
Gefährdung; ...
Wenn zwischen den Beteiligten Übereinstimmung darin besteht, dass durch
verantwortungsbewussten Einsatz moderner Technologien die Ernährung gegenwärtig
lebender und nachkommender Generationen sicher gestellt werden soll, dann ist
anhand sachlich allgemein nachvollziehbarer Gründe zu klären, ob (auch) die
Grüne Gentechnik ein geeignetes mittel ist dieses Ziel zu erreichen. Daran mag
sich die Klärung der Frage anschließen, ob diese Technologie weltweit und
überall in derselben Weise zur Anwendung kommen soll.
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.13f.)
·
Pflanzenbiotechnologie: Eingriff unserer Vorfahren in die natürliche
Evolution (durch Auswahl und Züchtung JK); beim Weizen stiegen die Erträge von
mageren 300 Kilogramm pro Hektar auf
durchschnittlich über 7 Tonnen (7000 Kilogramm);
die Produktionssteigerung ruhte im 20.Jahrhundert gleichmäßig auf den drei
Säulen Züchtung, Agrochemie und Agrartechnik.
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.18)
·
praktisch alle wichtigen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und insgesamt
mehr als 150 verschiedene Pflanzenarten sind – zumindest im Stadium der
Forschung – bereits erfolgreich gentechnisch modifiziert worden
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.27)
·
USA seit 1994 zugelassen: gentechnisch veränderte Rapssorte mit 40% Laurinsäure
im Samenöl; diese Fettsäure kommt im konventionellen Raps so gut wie nicht vor;
kann in der Industrie zur Herstellung von Detergenzien z.B. für
Haarwaschmittel, aber auch im Nahrungsmittelsektor für die
Schokoladenherstellung verwendet werden; Gen aus dem kalifornischen Lorbeerbaum
übertragen; 2000 Anbau auf 70.000 Hektar
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.41)
·
Im Jahr 2000 wurde in den USA durch den Anbau von gentechnisch
verändertem Soja, Raps, Baumwolle und Mais der Verbrauch von
Pflanzenschutzmitteln schätzungsweise um 20.000 Tonnen reduziert;
in China konnten im Jahr 2001 durch den Anbau transgener Pflanzen 78.000 Tonnen
Pflanzenschutzmittel (PSM) eingespart werden – entspricht einer Abnahme um 25%;
Indien Anbausaison 2001/2002: bei Bt-Baumwolle PSM-Reduzierung teilweise 70%;
Erträge im Durchschnitt um 80% gestiegen;
Einführung herbizidtoleranter Kulturpflanzen in USA: Fläche mit einer
pfluglosen bzw. reduzierten Bodenbearbeitung konnte um 35% ausgedehnt werden;
Bodendecker; ohne diese neuen Anbaumethoden würden in den USA durch
Niederschläge und Windverwehungen jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen mehr Erde von
den Feldern abgetragen werden; Einsparung von 1,2 Milliarden Litern Treibstoff
für verminderte Bodenbearbeitung
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.47f)
·
China: Reis gegen Insektenbefall genetisch verändert; drei Testläufe über
zwei Jahre; Bauern erhielten das Saatgut zum selben Preis wie konventionelles;
Erprobung unter Alltagsbedingungen; bei Aussaat, Bewässerung, Pestizideinsatz
keinerlei Hilfe-Hinweise durch Genforscher, Entscheidung trafen Bauern nach
Gespür und Erfahrungen; 6-9% höherer Ertrag; Pestizideinsatz: 2 kg je Hektar –
konventionelle Kollegen 7x so häufig gespritzt, zehnfach höherer Verbrauch;
China nun bereit, als erstes Land der Erde den kommerziellen Anbau von GM-Reis
zu erlauben
(Die Zeit 4.5.05 S.40)
·
EU-Kommissarin für Landwirtschaft: „Die Möglichkeit von offiziellen
genfreien Regionen gibt es im EU-Recht zur Zeit nicht“
(taz 8.4.05)
·
niederländische Studie zu tatsächlichem Herbizideinsatz bei Verwendung
von gentechnisch veränderten Sojapflanzen in der USA; zwischen Rückgang der
Herbizidmenge um 40% und Anstieg um 7%; Studie in den USA: 1997 und 1998
Herbizideinsatz um 10% gesunken; ...
Studien in China, Indien und Argentinien zeigen ein höheres Nettoeinkommen von
Kleinbauern, die Bt-Baumwolle anbauen (geringere Kosten für
Pflanzenschutzmittel, Dünger und Arbeitskräfte)
(BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde, Wittenberg, Nr.74/2005 S.T4,
T10)
·
Udo Pollmer, Lebensmittelexperte:
die Alternative zur Gentechnik in der Pflanzenzüchtung sind künstliche Gene aus
dem Atomkraftwerk; Mutationszüchtung vor der Gentechnik: ein Sack Getreide
wurde ins Atomkraftwerk gefahren und bestrahlt, damit Missbildungen entstanden;
davon waren vielleicht 2 Pflnazen zu gebrauchen; sie wurden dann in normale
Sorten eingezüchtet, das waren künstliche Gene aus der Atomwirtschaft, so
wurden alle Nutzpflanzen verändert; Mutationszüchtung wird nicht mehr
angewandt, aber ohne Gentechnik kehrt die Mutationszüchtung zurück; ist zwar
aufwändiger für die Saatgutindustrie, aber es gibt keinerlei rechtlichen
Rahmen, man muss keine Experimente mit Ratten durchführen ...; auch Biobauern
sind auf Sorten mit künstlich im AKW erzeugten genen angewiesen (Resistenzgene
gegen neue Krankheiten und Schädlinge);
auch normale Kreuzungen können gefährlich sein, es muss für alle
Züchtungsmethoden vergleichbare Maßstäbe geben, nicht nur für die Gentechnik
(taz 23.6.05)
·
Mutationszüchtung ist nur eine von vielen Möglichkeiten,
genetische Variationen zu erzeugen, Erbgut wurde auch durch Hitze, Kälte oder
Chemikalien verändert; Mutationszüchtung und klassische Verfahren simulieren
nur natürliche Prozesse
(taz 25./26.6.05)
·
Uni Würzburg; Versuche, um zu verhindern, dass sich gentechnisch
veränderte Pflanzen durch Auskreuzungen unkontrolliert verbreiten; für Tomaten
und Tabak Verfahren entwickelt, mit dem die Pollen gezielt sterilisiert werden,
in den männlichen Blütenteilen gibt es eine spezialisierte Zellschicht, deren
einzige Aufgabe es ist, die heranwachsenden Pollen mit Nährstoffen zu
versorgen; in dieser Zellschicht ist das Enzym Invertase aktiv; Invertase wurde
so verändert, dass sie – nur in dem gewünschten Bereich – nicht mehr
funktioniert, Pollen reifen nicht mehr, Impotenz, neue Methode soll jetzt an
Raps und Weizen getestet werden
(bdw 2/2005 S.6)
·
Im Elsass soll genveränderter Wein angepflanzt werden, Erlaubnis vom
Pariser Landwirtschaftsministerium erteilt, Experiment über vier Jahre, Schutz
vor der Reisigkrankheit (Viruserkrankung, die von Fadenwürmern in der Erde
übertragen wird
(taz 9./10.7.05)
·
in Guinea (Westafrika) begann vor 5 Jahren eine leise Revolution;
Reis der neuen Sorte NERICA (Kreuzung von asiatischen Hochleistungssorten mit
robusten afrikanischen Reispflanzen) erzielte Ertragssteigerungen bis zu 250%,
selbst ohne teure Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger oder Bewässerungssysteme
(Züchtung offenbar ohne Gentechnik JK);
“Golden Rice“: Angesichts der Mangelernährung (Vitamin A) sieht FAO-Direktor
Jacques Diouf in diesem Reis „den möglicherweise bedeutsamsten Durchbruch in
der Gentechnik“;
für die bereits sehr hochentwickelte Landwirtschaft in Industrieländern verspricht
die Gentechnik weniger Produktivitätsgewinn
(Das Parlament 12.1.04 S.11)
·
Der Markt, der bisher weitgehend an Deutschland vorbeigeht, ist
groß: Nach Angaben von Bayer-Crop-Science-Chef Friedrich Berschauer entfallen
bereits rund 5 Milliarden Euro des 30 Milliarden Euro ausmachenden Umsatzes der
Pflanzenschutzbranche auf die grüne Biotechnologie (einschließlich Saatgut).
Der weltweite Marktanteil von gentechnisch verändertem Saatgut liegt nach
Verbandsangaben bei rund 16 Prozent. Die Steigerungsraten beim Anbau liegen
jährlich zwischen 10 und 20 Prozent. Weltweit werden bereits mehr als 80
Millionen Hektar mit gentechnisch verändertem Saatgut angebaut, und zwar
weitgehend außerhalb Europas. Rund 80 Prozent der Anbauflächen liegen in den
Vereinigten Staaten und Argentinien.
(FAZ 18.10.05 S.22)
·
Italienische Forscher fanden bei Fütterungsversuchen mit Schweinen
Bruchstücke des synthetischen Gens der Gentech-Maissorte MON810 aus dem Hause
Monsanto in Blut, Leber, Milz und Nieren. Jetzt stellt sich die Frage, welche
Auswirkungen synthetische DNA aus gentechnisch veränderten Lebens- und
Futtermitteln auf Mensch und Tier haben könnte.
(E-Mail Von: GeNPost liste@gen-ethisches-netzwerk.de)
·
S.27f: 2005 in
Sachsen auf 8 Flächen = 64 Hektar Anbau von gentechnisch verändertem Mais;
Maiszünsler vernichtet weltweit 7% der Maisernte (Bohrfraß); in einzelnen
Gebieten Deutschlands Verluste bis 30%
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft 2005)
·
S.8: 1994 mit
der „Flavr Savr – Tomate“ erste gentechnisch veränderte Pflanze auf dem Markt,
derzeit dürfen weltweit über 100 verschiedene gentechnisch veränderte
Nutzpflanzen in Verkehr gebracht werden
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft 2005)
·
Gentechnikmoratorium Schweiz:
Initiativtext für die Aufnahme in die Bundesverfassung:
“Die schweizerische Landwirtschaft bleibt für die Dauer von fünf Jahren nach
Annahme dieser Verfassungsbestimmung gentechnikfrei. Insbesondere dürfen weder
eingeführt noch in Verkehr gebracht werden:
a) gentechnisch veränderte vermehrungsfähige Pflanzen, Pflanzenbestandteile und
Saatgut, welche für die landwirtschaftliche, gartenbauliche oder
forstwirtschaftliche Anwendung in der Umwelt bestimmt sind;
b) gentechnisch veränderte Tiere, welche für die Produktion von Lebensmitteln
und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestimmt sind.“
(GID 172 Okt/Nov05 S.49)
·
Australien; über 10 Jahre Forschung, um Erbsen gentechnisch resistent zu
machen gegen Erbsenkäfer; nicht nur Insekten wird der Garaus gemacht; beim
Verfüttern an Mäuse: Immunsystem reagiert stark; Einatmen von
Erbsenmehl-Aerosol: viele Mäuse erkrankten an Lungenentzündung; eine Erklärung:
bei den heutigen Verfahren werden synthetische genetische Konstrukte an
zufälliger Stelle in ein unbekanntes Genom integriert; gentechnisch veränderte
Pflanzen bilden mitunter Stoffe, mit denen niemand gerechnet hat; das
Anti-Käfer-Gen, das die Erbsen für Käferlarven unverdaulich macht, stammte aus
einer für Säugetiere gut verträglichen Bohnensorte; die Zellen der Erbsen
jedoch produzierten den Abwehrstoff der Bohnen in einer leicht veränderten Form
(es werden einige andere Zuckermoleküle an das Eiweißmolekül angehängt als in
der Bohnenzelle);
(Der Spiegel 50/2005 S.158; taz 25.11.05)
·
Januar 2005: Bangladesh (Agrarministerium und Bangladesh Rice
Research Institute teilen mit, dass eine lokal entwickelte Reissorte
gentechnisch verändert worden sei (Produktion von Beta-Karotinoiden, Vorstufe
von Vitamin A = „Golden Rice“); Zulassungserteilung für Anbau wird erwartet
(GID 172 Okt/Nov05 S.26)
·
S.38: Haftung
für Schäden durch gentechnisch veränderte Organismen:
a) Personen- und Sachschäden –
hier haftet der Betreiber, Höchstbetrag 85 Mill Euro, muss Deckungsvorsorge
treffen;
b) wirtschaftliche Nutzungsbeeinträchtigungen -
wenn z.B. die Ernte des Nachbarn verunreinigt ist, unverkäuflich wird; auch
wenn der potenzielle Verursacher alle Vorsorgemaßnahmen getroffen hat
(Abstände, Reinigung der Maschinen), haftet er, wenn der Verursacher nicht zu
ermitteln ist, haften alle GVO-Anbauer in der Umgebung
(Gentechnik – genial oder gefährlich? Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft 2005)
·
Indien: Prototyp einer gentechnisch veränderten Kartoffel „made in
India“: Protato (nicht Schädlingsresistenz, sondern höherer Nährwert); Gen aus
der Amaranth-Pflanze übertragen; 45% höherer Proteingehalt als normale
Kartoffeln; Pflanze patentiert, aber zur Nutzung für jedermann freigegeben;
Alternative Hülsenfrüchte (enthalten viel mehr Proteine als Kartoffeln)? –
Institutsdirektor: „sind für die Armen schlicht zu teuer!“
Untersuchungen eines Stuttgarter Forschers zu gentechnisch veränderter
Baumwolle: Ertrag bei Feldversuchen stieg auf 150 untersuchten indischen Farmen
im Durchschnitt um 80%;
Banane ist mit 40 Mill Tonnen Jahresproduktion Indiens wichtigste Nutzpflanze;
nur ungeschlechtliche Vermehrung möglich; kann Schädlingen (Pilzen) kaum etwas
entgegen setzen; auf konventionellem züchterischem Weg lassen sich Bananen kaum
verändern; Gentechnik soll genutzt werden, um schädlingsresistente Banane zu
entwickeln
(bdw 10/05 S.18)
·
Brasilien als Agrarexporteur; Johanna Döbereiner gelang es vor 30 Jahren,
ein Bakterium zu finden, dass sich mithilfe des Blattgrüns in den
Pflanzen-Zellen gierig den Stickstoff aus der Luft holt; Bakterium mit
Sojasamen zusammengebracht Erträge wie bisher ohne ein Gramm Dünger!;
Nominierung für Nobelpreis;
Brasilien Marktführer beim Export von Soja, 20 Mill. Tonnen = 10 Mrd. Dollar
pro Jahr, allein 2001 Anbaufläche um 50% erhöht, 2015 sollen 32 Mill. Tonnen
Soja verschifft werden (Europa verlangt seit BSE nach Tierfutter aus Soja);
Soja mal mit, mal ohne Gentechnik;
Brasilien nutzt heute rund 40% mehr Ackerfläche als vor 20 Jahren, holt
außerdem 150% mehr Ernte als früher aus dieser Fläche;
eine Tonne Zucker produzieren sie für 160 Dollar, in Europa kostet es das
Dreifache;
(Zeit 4.5.06 S.36ff)
·
im Iran dürfen als erstem Land gentechnisch veränderte Reispflanzen
angebaut werden (2005 500 bis 1000 Bauern); Reis hat ein für Schädlinge
giftiges Bt-Gen
(taz ?? 2006)
·
„grüne Biotechnologie“ (sicher bisher ohne Gentechnik JK) in China;
Ertragsoptimierung von Nutzpflanzen;
Reiserträge in China haben sich von etwa 5,7 Milliarden Tonnen 1950 auf 19,47
Milliarden Tonnen im Jahr 2000 vervierfacht (dafür 2004 Welternährungspreis an
Direktor des Zentrums für Hybridreis);
Chinas Landwirtschaft profitiert doppelt von der Genmanipulation. Eine Massenreissorte
ist im Versuchsstadium für den Reisstängelbohrer, dessen Larven die Pflanze von
innen auffressen, ungenießbar geworden. Dadurch wuchsen die Ernteerträge um 6-9
Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Bedarf an Pestiziden.
“Auch in China regeln Vorschriften, was die Biotechniker dürfen und was nicht“
(bdw 10/06 S.98)
·
Golden Rice für Indien; wird 2007 in Indien getestet; Marktreife in ca. 5
Jahren;
Ökonom: Vitamin-A-Mangel ließe sich dadurch um maximal 60% reduzieren, das ist
deutlich besser als bisherige Hilfen (z.B. Vitaminpillen); jährlich bis zu
40.000 tote Kinder weniger; zwar sinkt der Beta-Carotin-Gehalt durch Lagerung
und Kochen (bis zu 80% Verlust); aber die übrigen 20% würden trotzdem helfen
(Focus 43/2006 Perspektiven)
·
in Spanien Anbauversuche (noch keine Vermarktung); dabei sollen NICHT
gentechnisch veränderte Zitronenbaum-Reiser (Äste) auf einen gentechnisch
veränderten Stamm gepfropft werden;
die Pflanze muss nach EU-Recht als gentechnisch verändert gekennzeichnet
werden, aber ob auch die Frucht als Genprodukt gekennzeichnet werden muss, ist
nicht ganz klar
(taz 13.10.06)
·
BASF will 2007 in Brandenburg gentechnisch veränderte Kartoffeln für
Stärkeproduktion anbauen lassen; rechnet mit EU-Zulassung für Sorte „Amflora“
noch 2006;; Kartoffel enthält fast ausschließlich nur eine Stärke-Art
(Amylopektin)
(taz 27.10.06)
·
in Deutschland (2006? JK) Anbau von 950 Hektar gentechnisch veränderte
Pflanzen: Erbsen, Kartoffeln, Sommergerste
(taz 15.9.06)
·
USA Forschungsprogramm für Biokraftstoffe; 250 Mill $; Ziel: 2030
mindestens 30% der für Transporte notwendigen Energie aus Biokraftstoffen
(GID 177 8/9-2006 S.22)
·
dänische Wissenschaftler haben ein System in Pflanzen eingebaut, mit dem
sich diese selbst mit Stickstoff versorgen können
(GID 177 8/9-2006 S.22)
·
beim Einsatz der „Genkanone“ zur Einführung neuer Gene in Pflanzenzellen
nehmen nur einige wenige von mehreren tausend Zellen das fremde Gen auf;
bei Verwendung von agrobacterium landen die neuen Gene in 35 bis 58% der Fälle
innerhalb funktionierender gensequenzen
(GID 178 10/11-2006 S.38ff)
·
Versicherungswirtschaft in Deutschland sieht in der nächsten Zeit keine
Möglichkeit, die Gefahren der Agro-Gentechnik zu versichern; Gründe: fehlende
praktische Erfahrungen bei der Koexistenz, Erprobungsanbau (streng kontrolliert
und kleine Flächen) nicht 1:1 übertragbar; diese derzeitige Regelung sei aber
nicht so zu verstehen, dass sich „die Versicherungswirtschaft“ dauerhaft der
Versicherung von Gentechnikrisiken verschließen werde“
(GID 178 10/11-2006 S.56)
·
Bundestag:
derzeit etwa 373.000 Hektar Maisanbaufläche vom Maiszünsler befallen (gesamt:
1,7 Millionen; d.h. 22% befallen); befallene Fläche 1999: 387.000 Hektar
(GID 179 12-2006,1-2007 S.22)
·
Die Gentechnik
erobert den Weinbau. Sie macht das Getränk milder und schützt die Reben - ist
aber umstritten.
Der Präzedenzfall heißt ML01 und stammt aus den USA: Hinter diesem Kürzel
verbirgt sich die erste gentechnisch veränderte Weinhefe, die von der
US-Kontrollbehörde FDA für den kommerziellen Einsatz zugelassen worden ist. In
diesem Jahr werden erstmals Weine auf den Markt kommen, bei denen die Gärung
mit ML01 unterstützt wurde. Für die Verbraucher in Amerika ist das allerdings
kaum erkennbar. Denn in den USA müssen die zugehörigen Weinflaschen nicht extra
gekennzeichnet werden.
Nun fürchten Winzer weltweit hitzige Diskussionen über Gen-Wein. Als erstes
reagierte das Australian Wine Research Institute, ein Sprachrohr der
australischen Weinindustrie. Es gab mit Hinweis auf ML01 eine Erklärung heraus,
dass bei der Herstellung australischer Weine vorläufig keine gentechnisch
veränderten Organismen eingesetzt würden.
Von der Sorge ums Image abgesehen ist ML01 für Winzer durchaus interessant.
"Mit der transgenen Hefe ML01 spart man Zeit bei der Weinbereitung"
,sagt Manfred Großmann, Leiter des Fachbereiches Mikrobiologie der
Forschungsanstalt Geisenheim. Denn ML01 vergärt nicht nur wie die natürlichen
Weinhefen der Gattung Saccharomyces cerevisae den Fruchtzucker im Most zu Alkohol.
Sie wandelt zugleich Apfel- in Milchsäure um, wodurch der Wein runder und
weniger sauer schmeckt. ...
Nicht nur die Weinhefen drohen sich durch die Gentechnik zu verändern. Seit
Jahren arbeiten weltweit Forschergruppen daran, auch Weinstöcke zuoptimieren.
Die meisten Versuche zielen darauf ab, die Pflanzen gegen schädliche Pilze
resistent zu machen. In Würzburg und Siebeldingen wachsen seit 1999 auf kleinen
Versuchsflächen Riesling-Reben, die in ihrem Erbgut Gene aus Gerstenpflanzen
tragen. Diese transgenen Weinstöcke produzieren in ihren Blättern Eiweißstoffe,
die sie vor dem Befall von Mehltau-Pilzen schützen. Die Langzeitversuche laufen
bis 2009, dann sollen die transgenen Pflanzen gerodet und vernichtet werden.
Bis dahin studieren die Forscher, ob sich die neuen Gene auf den Geschmack des
Weines auswirken und inwieweit die transgenen Weinstöcke ihre Umwelt
beeinflussen.
(Berliner Zeitung, 30.08.2006)
·
Weitgehend
unbeachtet von der Öffentlichkeit nutzen Pflanzenforscher und -züchter derweil
erfolgreich neu-modische Verfahren jenseits
der umstrittenen Grünen Gentechnik. "Smart Breeding" - "clevere
Züchtung"- heißt das Schlagwort.
Und dabei werden durchaus Hightech-Methoden
verwendet, auch molekularbiologische, die sich letztlich der
Gentechnik bedienen. Die Züchter bauen
aber keine neuen Gene in ihre Pflanzen ein,
sondern nutzen die gentechnischen Methoden, um aus ihren Kreuzungen schnell die vielversprechendsten herauszusuchen;
von MONSANTO eingeführt
(Süddeutsche Zeitung,10. August 2006, Nr. 183, Seite 18, Wissen
·
US-Forscher Charles Arntzen; zunächst Versuche mit der „Impfbanane“; es
ist nicht gelungen, ein als Antigen wirkendes Protein in der Banane
auszubilden; ab 1998 Versuche mit Kartoffeln, diese „Biofabrik“ produzierte
erfolgreich Impfstoffe gegen Cholera-Bakterien sowie den Durchfall-Erreger
Norwalk-Virus, klinische Versuche erfolgreich, Problem: Knolle musste roh
verzehrt werden, Kochen zerstört Impfstoff; heute ist die Tabakpflanze das
Idealgewächs des Forschers, seit 4 Jahren Züchtung von genetisch veränderten
Tabakpflanzen, produzieren Impfstoffe gegen Cholera, Hepatitis C sowie
pathogene E.coli-Stämme, auch gegen Pestverursacher und Ebola-Virus, erste
Versuche an Mäusen erfolgreich; Anwendung: der Patient bekommt eine
handelsübliche Tablettenkapsel,mit dem getrockneten Pflanzensaft
(bdw 2/07 S.110)
·
Debatte im
Bundestag zur Regierungserklärung Klimaschutz;
EU-Beschluss: bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 20% gesenkt werden,
die Energieeffizienz um 20% gesteigert werden und der Anteil der erneuerbaren
Energien am Primärenergieverbrauch soll auf 20% gesteigert werden;
Reiche (CDU): Biomasse-Pflanzen müssen leistungsfähiger sein; grüne Bio- und
Gentechnologie unverzichtbar;
(Das Parlament 30.4.07)
·
Bienensterben in
USA und Deutschland;
Deutscher Berufsimkerbund (DBIB): „wichtigste Ursachen: Pestizide und Einsatz
von Gentechnik“;
USA: Bestäubungsindustrie; 1,2 Millionen Bienenvölker werden jährlich nach
Kalifornien transportiert, um Mandel- und Obstplantagen zu bestäuben; die
Wanderimker sind wenig am Honig interessiert, ihr Geld verdienen sie mit
Prämien pro Volk; Honig ist kaum verkäuflich, weil viele Pestizide eingesetzt
werden und die Bienen vorbeugend mit Antibiotika behandelt werden;
deutsche und amerikanische Ursachen-Forscher: als Hauptverursacher gelten
Varroa-Milbe und Bakterien, Viren oder Pilze; Elektrosmog und gentechnisch
veränderte Organismen sind „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als
Ursache auszuschließen“;
(ZEIT 24.5.07 S.39; taz 25.5.07)
·
Bioenergie fördert
Gentechnik;
für Landwirte sind Bioenergien ein gutes Geschäft: Landet ihr Mais im Tiertrog,
bekommen sie rund 400 Euro je Hektar, geht er in die Biogasanlage, sind es
tausend Euro;
lange Zeit waren 70% der Deutschen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft; das
Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat jüngst ermittelt, dass nun knapp 70%
der Deutschen für Genmais sind, wenn daraus Ökostrom wird
(taz 28./29.4.07)
·
gentechnisch
veränderte Soja in Argentinien;
16 Millionen Hektar; seit 2000 verdoppelt; 42 Millionen Tonnen; fast alles
stammt aus genmanipuliertem Saatgut (Roundup Ready von Monsanto);
Direktsaatverfahren: stracks (ohne Pflügen) in den frisch geernteten
Stoppelacker eingedrückt;
die Sojabohne hat Reichtum gebracht;
mit der Verdopplung der Getreideproduktion hat sich der Verbrauch von
Pflanzenschutzmitteln verdoppelt und der von Dünger verfünffacht – in 15
Jahren;
Vertreter einer kritischen Umweltorganisation: Es gibt einen Konsens in der
Wissenschaft darüber, dass transgene Soja die menschliche Gesundheit nicht
beeinträchtigt
rund 500 US-Dollar Verdienst pro Hektar, doppelt so viel wie mit Viehzucht;
30-35 Tonnen je Hektar;
(ZEIT 19.4.07 S.32)
·
Forschungsleiter
des Nahrungsmittel-Multis Nestle (Werner Bauer): Wir werden in Europa vorerst
kein Genfood vermarkten, wenn es der Konsument nicht will, werde ich es ihm
nicht servieren
(Spiegel 14/2007 S.78)
·
gentechnisch veränderter Reis mit neu eingefügten Proteinen zur
Bekämpfung von Durchfallerkrankungen darf im US-Bundesstaat Kansas auf gut 1000
Hektar angepflanzt werden;
in St. Louis/ Missouri Versuch, Süßkartoffeln gentechnisch so zu verändern,
dass sie unempfindlich gegen bestimmte Viren sind; Nahrungsmittel in Afrika;
gentechnisch veränderte Süßbananen sollen von Belgien nach Uganda importiert
werden, um dort Freilandversuche durchzuführen; Pflanzen sollen resistent sein
gegen eine Virus- und eine Bakterienkrankheit; Erwartung: deutlich weniger
Verluste durch Schädlinge und Krankheiten (derzeit bis 50%); Bananen werden in
80 Ländern angebaut und sind die am vierthäufigsten konsumierte Nahrungspflanze
der Welt
(GID 182, Juni 2007, S.22f.)
·
(96) Anteil der
Bevölkerung, der gentechnisch veränderte Lebensmittel befürwortet lt.
Eurobarometer 58.0/2002: Spanien 74 %, Großbritannien 63, Deutschland 48,
Griechenland 24;
Forsa-Umfrage 2004: Würden Sie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel kaufen?
JA 29 %, NEIN 68 %
(Spiegel spezial „Besser essen besser leben“ 5/2005)
·
Grüne Gentechnik – im Dschungel der Vorurteile
Daten 2006:
102 Millionen Hektar weltweit; entspricht knapp 8% der landwirtschaftlich
genutzten Fläche weltweit;
10,3 Millionen Bauern in 22 Ländern;
90% der Bauern, die auf Gentechnik setzen, sind Kleinbauern in
Entwicklungsländern;
Länder: USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien, China;
Pflanzen: vorrangig Soja, Mais, Baumwolle, Raps;
zwei Konzepte:
A) Herbizidresistenz 68% Soja, Mais, Raps, Baumwolle
B) Insektenresistenz: 19% Baumwolle, Mais
Rest überwiegend Pflanzen mit beiden Eigenschaften;
Schäden für den Verbraucher waren in der Praxis bislang nicht festzustellen;
grüne Gentechnik beeinträchtigt die Umwelt auf jeden Fall nicht so stark wie
die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz von Insektiziden;
Bundesamt für Verbraucherschutz ... (BVL) hat im April 2007 Monsanto den Verkauf
von Saatgut der Maissorte MON810 vorerts untersagt; Monsanto muss
Monitoring-Plan vorlegen (Konzern muss während des Anbaus Untersuchungen
durchführen z.B. über den Verbleib des Bt-Toxins in der Umwelt und dessen
Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, erst wenn BVL Plan akzeptiert hat, darf
Monsanto wieder genverändertes Saatgut verkaufen; die Einschränkung gilt auch
für die Bt-Maissorten, die andere Firmen in Lizenz auf Monsantos Patent
produzieren; Begründung des Verbots z.B. wegen des Nachweises, dass das Bt-Gift
nicht nur den Maiszünsler tötet, sondern im Boden auch Trauermückenlarven
schädigt;
unerwartet, dass das Bt-Konzept bis heute gehalten hat und sich keine
Resistenzen beim Maiszünsler entwickelt haben; Konzept: A) Hochdosis (sofortige
Tötung) B) in den USA müssen bis zu 50% der Fläche mit normalem Mais bestellt
werden, in Deutschland bei Flächen über 5 Hektar 20% konventioneller Mais;
bislang werden längst nicht alle Toxine des Bacillus thuringiensis genutzt;
weitere Bakterien sollen genutzt werden;
90% aller gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit tragen
Monsanto-Technologie;
in Kanada und USA dominiert BayerCropScience (Leverkusen) unter dem Namen
LibertyLink die Herbizidtoleranz bei Raps;
in Deutschland ist bisher keine herbizidresistente Pflanze zugelassen;
die genveränderten Agrarpflanzen haben den Einsatz von Herbiziden tatsächlich
um bis zu 40% sinken lassen (Marländer, Institut für Zuckerrübenforschung, Uni
Göttingen);
konservierende Bodenbearbeitung: Landwirte verzichten auf den Pflug, lassen
Stängel und Pflanzenreste nach der ernte auf dem Acker, schützende Deckschicht
verringert Erosion, bindet mehr organische Substanz im Boden;
in USA Unkräuter mit Resistenzen gegen Totalherbizid Glyphosat; Monsanto
entwickelt nun Nutzpflanzen, die gegen ein zweites Herbizid resistent sind
(Dicamba);
in Feldern mit herbizidtolerantem Raps verminderte sich Artenvielfalt von
Unkräutern und Insekten um mindestens 30%;
smart breeding: herkömmliche Züchtung neuer Eigenschaften, aber schnellere
Selektion der gelungenen Exemplare mit Hilfe von Gentechnik
(molekulargenetische Methoden);
Golden Rice: 2005 kreierten die Forscher einen Reis, der eine praxistaugliche
Menge an Beta-Karotinen bildet (Vorstufe von Vitamin A; Mangelernährung bei
Kindern in Entwicklungsländern); Einwand bleibt: kuriert wird lediglich das
Symptom, nicht die Ursache – Armut. Der Bedarf an Vitamin A ließe sich nämlich
durch viele Lebensmittel decken, die aber unerschwinglich teuer sind;
“keine Toten und keine neuen Allergien“; es ist nirgends ein Fall dokumentiert,
wo Verbraucher durch die Grüne Gentechnik einen Nachteil gehabt hätten (Buhk,
Bundesamt für Verbraucherschutz BVL);
in Kanada stießen die Tester auf Raps-Pflanzen, die zwei Herbizidresistenzen
aufwiesen, kein Hersteller produziert sie so, müssen durch wilde Kreuzungen
entstanden sein
(bdw 8/2007 S.44ff)
·
der Westliche Maiswurzelbohrer ist der größte Maisschädling in den USA
und Teilen Osteuropas; USA: für Insektizide und Ernteausfälle 1 Mrd. Dollar
Schäden pro Jahr;
Käfer jetzt erstmals in Baden-Württemberg gefunden; wahrscheinlich über
Flughafen Lahr eingeschleppt;
5-8 mm groß; Weibchen legt im Sommer bis zu 1000 Eier etwa 30 cm tief in die
Erde um Maiswurzeln herum; kalte Winter mit Temperaturen unter minus 10 Grad
überleben die Eier nicht;
Fruchtwechsel kann den Schädling ausrotten bzw. unter Kontrolle halten
(taz 26.7.07)
·
Agrargenossenschaft Radeburg (bei Moritzburg) hat auf 37 ha gentechnisch
veränderten Mais der Sorte MON810 angebaut;
in vergangenen Jahren hat der Maiszünsler 5 bis 10 % der Maisbestände
vernichtet;
Mehrkosten: 20 Euro mehr für das Saatgut je Hektar; wird durch Mehrerträge
locker ausgeglichen
(Freie Presse Chemnitz 21./22.7.07)
·
(5) Maiszünsler-Bekämpfung durch Einhalten der Fruchtfolge (der Zünsler
überwintert auf den Feldern und benötigt im Folgejahr dieselbe Frucht, wieder
Mais), das Häckseln und tiefe Umpflügen;
2007 Anbau Bt-Mais: Frankreich 19.000 ha, Spanien 60.000 ha;
(9) MONSANTO-Mais LY038 soll mit höherem Anteil an der Aminosäure Lysin die
Futterqualität verbessern;
Syngenta-Mais 3272: dessen neue hitzestabile Amylase soll die Herstellung von
Ethanol aus Mais (Biogas) erleichtern;
(28) in Australien Freisetzung von gentechnisch verändertem Weizen: soll mit
weniger Wasser wachsen können
(GID 183/2007)
·
seit März 2007
in Sachsen-Anhalt auf einer Versuchsfläche Anbau von gentechnisch veränderten
Erbsen, die gegen bestimmte Infektionskrankheiten gerichtete Antikörper
produzieren; sollen, ins Futter von Schweinen gemischt, ein idealer Eratz für
Antibiotika sein, die seit 2006 nicht mehr vorbeugend gegeben werden dürfen
(Ökotest 5/07 S.50)
·
Testergebnis:
Babynahrung von Milupa und Humana enthält Gen-Soja-Anteile von 0,1 bis 0,2 %;
USA Anteil Gensoja inzwischen über 90%; Argentinien 98%;
(Ökotest 10/2007 S.23, 28ff)
·
Novelle des
Gentechnikgesetzes :
Verbraucher können in Zukunft erfahren, ob Tiere mit gentechnisch verändertem
Futter gefüttert wurden; in Milch, Fleisch nicht nachweisbar; Bauern, die kein
gv Futter einsetzen, können das dem Verbraucher durch die Kennzeichnung als
„gentechnikfrei“ mitteilen;
Christel Happach-Kasan (MdB FDP): im Oderbruch richtet der Maiszünsler durchaus
Schäden an, das Brandenburgische Landesamt für Verbraucherschutz ... hat
festgestellt, dass dort der Bt.Mais-Anbau finanzielle Vorteile gebracht hat;
beim Bt-Mais hat sich herausgestellt, dass sie einen geringeren Gehalt an
Pilzgiften haben als herkömmliche Sorten (in Mexiko treten durch solche
Pilzgifte vermehrt Fehlgeburten auf);
(Das Parlament 22.10.07)
·
Firma
Südwestsaat GbR in Rastatt (BaWü) ist es gelungen, mit konventionellen Methoden
eine Maissorte mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer zu entwickeln;
die Resistenz liegt auf mehreren Genen verteilt; Wirkung vermutlich durch
antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(GID 184/07 S.25; http://www.saaten-union.de/index.cfm/nav/407/article/3201.html
)
·
Bayer Crop
Science entwickelt intensiv Saatgut und Pflanzenschutzmittel für die
Agrotreibstoffpflanze Jatropha; Samen bestehen zu mehr als 30% aus Öl; Bayer:
Gefahr einer Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln bestehe allerdings nicht,
da J. so genügsam sei, dass sie auch auf Böden wachse, wo Lebensmittel nicht
gedeihen würden; Anbau auf Grenzertragsböden Chance für Landwirte
(taz 22.1.08)
·
BAYER stattet
Sojapflanzen mit Resistenz gegen 3 verschiedene Herbizide gleichzeitig aus:
Glyphosat (Monsanto Basta), HPPD-Hemmer und das firmeneigene Liberty
(Gluphosinat)
(GID 185 Dezember 2007 S.21)
·
Anteil Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007: Soja 64%, Baumwolle
43%, Mais 24%, Raps 20%;
indische Bauern ernteten dank
der Bt-Baumwolle ein gutes Drittel mehr; im Schnitt zahlten sie 41% weniger für
Pflanzenschutzmittel; ihr Gewinn sei trotz höherer Saatgutpreise um fast 70%
gestiegen (Terry Raney, FAO);
nur 4 Pflanzen (Baumwolle, Mais, Raps und Soja) und 2 gentechnisch eingefügte
Eigenschaften (Insektenresistenz und Herbizidtoleranz) machten bislang über 99%
aller Gentech-Gewächse aus;
(Der Spiegel 17-2008 S.150ff.)
·
BASF will seit 8 Jahren gentechnisch veränderte Kartoffeln „AMFLORA“ (nur
noch Produktion einer Stärkeart in den Zellen, Einsatz für technische Zwecke)
anbauen; droht jetzt mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof wegen Untätigkeit
der EU (bisher keine Entscheidung über Zulassung);
20-30 Millionen Euro jährlich könnten mit den Lizenzen verdient werden, Europas
Stärkeindustrie und Landwirte hoffen auf zusätzliche Erlöse von rund hundert
Millionen Euro;
BASF hat in den letzten 10 Jahren 1 Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung
gentechnisch veränderter Pflanzen gesteckt, für AMFLORA allein zweistelliger
Millionenbetrag; der Markt für Pflanzen des neuen Typs wird von BASF auf 50
Mrd. Dollar im Jahr 2025 geschätzt;
(DIE ZEIT 24.4.08 S.35)
·
Chinesische Forscher haben ein Gen im Reis entdeckt, das mehrere zentrale
Eigenschaften wie den Ertrag steuert, auch Höhe der Pflanzen, Blühzeit
(taz 6.5.08)
·
Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB):
These von der Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen wird bezweifelt, Nutzen ist nicht eindeutig erwiesen; die
meisten dazu durchgeführten
Untersuchungen seien extrem unsicher; Ergebnisse wegen lokaler Spezifika nicht
übertragbar; meist zu kleine Stichproben;
(taz 29.4.08)
· Interview mit Philip von
dem Bussche, Vorstandssprecher beim niedersächsischen Saatgutzüchter KWS;
Dem Hunger auf der Welt kann man nicht nur mit Gentechnik begegnen, das wäre
Unsinn. Hunger ist nicht nur ein Züchtungsproblem, sondern ein Problem der Verteilung,
eine ökonomische, eine politische Frage;
sind die Anforderungen an uns als Pflanzenzüchter schnell beschrieben: unsere
neuen Pflanzensorten müssen Jahr für Jahr etwa 2% Ertragszuwachs bringen;
wenn es nichts zu verteilen gibt, hilft mehr Verteilungsgerechtigkeit leider
auch nicht weiter
(ZEIT 30.4.08 S.44)
· Bt-Baumwolle; Anbaugebiete
in USA (Mississippi und Arkansas); Larven des Baumwollkapselbohrers, die mit
Bt-Toxin gefüttert wurden, vertrugen zwischen 50 und 1000 mal mehr von dem Gift
als solche, die nie damit in Berührung gekommen waren; ab einer zehnfach erhöhten
Dosis (die vertragen wird ? JK) sprechen Forscher von Resistenz; erster
Nachweis einer im Freiland entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer
transgenen Pflanze
(bdw 5-2008 S.7)
· Maisschädling Maiswurzelbohrer 2007 erstmals in Deutschland an 8 Standorten in Süddeutschland
gesichtet; in USA seit 1950er Jahren – verursacht Kosten von 1 Mrd US-$ pro
Jahr; in Europa erstmals 1992 Region um Belgrad (vermutlich mit
Nahrungsmitteltransporten der US-Truppen eingeschleppt; besonders betroffen
inzwischen Ungarn, Rumänien, Slowenien; Weibchen legen im Spätsommer Eier an
Maiswurzeln ab, im nächsten Frühjahr fressen Larven an den Wurzeln;
Saaten-Union aus Isernhagen bei Hannover hat jetzt gentechnikfrei eine
resistente Maissorte züchten können; seit 2002 Feldversuche in Ungarn; 2010
Zulassung?;
bei Vergleichssorten 50-100% Schäden, bei der neuen Sorte nur geringer Befall;
Wirkung durch antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(Saaten-Union GmbH Isernhagen; 26.9.07, renate.wegert@saaten-union.de)
· In Baden-Württemberg wurden
2007 starke Ernteausfälle durch den Westlichen Maiswurzelbohrer verzeichnet; um
die Fundstellen mussten 2008 eine Befalls- und eine Sicherheitszone
eingerichtet werden
(ZEIT 21.5.08 S.37)
· In Deutschland militanter
Protest gegen die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen; damit
befestigen die Kritiker das, was sie beklagen:
da sich Forschungsinstitute kaum noch an neue Versuche wagen, wird die
Monopolstellung jener Unternehmen noch gefestigt, die heute die Regeln des
Marktes bestimmen;
da die Versuchsfelder zerstört werden, bleibt jene Forschung aus, die zu
besseren als den heute kritisierten Pflanzen führen könnte;
wir haben die Technik per se verdammt, bevor wir ihre Optionen nachhaltig
geprüft haben
(ZEIT 21.5.08 S.33)
· Bienensterben am Oberrhein;
Vergiftung durch das chemische Pflanzenschutzmittel Clothianidin; soll den
Maiswurzelbohrer bekämpfen; wird der Beize zugemengt, mit der Saatgutfirmen die
Körner für die Maissaat behandeln und derart gegen den Bösewicht „impfen“
(giftig machen); wahrscheinlich zu wenig Haftmittel zugegeben, sodass sich
Teile des Giftstoffes als Abriebstaub lösten; Sä-Maschinen arbeiten z.T. mit
Luftdruck;
(Alternative: gentechnisch veränderter Bt-Mais JK)
(Das Parlament 9./16.6.08)
· Gentechnisch veränderte
Pflanzen sollen Impfstoffe produzieren; derzeit werden 29 solcher Medikamente
in klinischen Studien getestet (wohl weltweit JK); bei Anbau im Freiland
Auskreuzen der Eigenschaft verhindern: Containment (räumliche Abgrenzung von
anderen Pflanzen) oder Confinement (ökologische Abgrenzung: nur Pflanzen
anbauen, die in dieser Gegend sonst nicht vorkommen, sich selbst bestäuben oder
sich durch gentechnische Eingriffe nicht mehr fortpflanzen können = „Terminator-Technologie“);
Gefahr bei der Bildung von (fremden, zusätzlichen) Proteinen in Lebewesen:
Nicht alle diese Proteine werden einheitlich gebildet. Wie sie letztlich
aussehen, hängt von den Produktionsbedingungen ab, also Temperatur, Licht oder Ernährung
der Pflanzen; Unterschiedliche Formen der Proteine können wiederum Auswirkungen
auf die Wirksamkeit des Medikaments haben
(taz 20.6.08)
· Sojabohne;
stammt ursprünglich aus Asien;
USA mehr als 85 Millionen Tonnen pro Jahr, Brasilien 50, Argentinien 38;
90% werden an Tiere verfüttert;
(ZEIT 26.6.08 S.22)
·
USA: jeder Liter
Biotreibstoff mit 15 Cent staatlich subventioniert; die meisten Bundesstaaten
haben Mindestmengen für Beimischung
von Ethanol verordnet (10 bis 20%); Farmer fährt mit 85% Ethanol im Benzin,
sämtliche US-Hersteller liefern
dafür modifizierte Automodelle, vier kompatible japanische Autos, kein einziger
geeigneter europäischer Wagen;
gentechnisch veränderte Maissorten liefern bis zu einem Fünftel höhere Erträge
(ZEIT 26.6.08 S.13ff.)
· Züchtung des
gentechnikfreien Gentech-Apfels;
Dresden-Pillnitz;
in das Erbgut eines Apfelpflänzchens wurde ein Gen der Birke eingebaut; dieses
gaukelt dem Pflänzchen vor, es wäre bereits erwachsen; folglich treibt es
bereits im Alter von wenigen Wochen Blüten; damit können im Abstand von nur
einem Jahr immer neue Kreuzungsschritte durchgeführt werden (das wäre bei
normalen Apfelbäumen erst möglich, wenn sie nach einigen Jahren erstmals
blühen); die Forscher hoffen, bekannte Resistenzgene etwa gegen die Bakterienkrankheit
Feuerbrand auf diese Weise künftig schneller in ertragreiche Apfelsorten
einkreuzen zu können; wenn das Ziel erreicht ist, soll das Frühblüher-Gen (aus
der Birke) einfach wieder aus der Apfelsorte herausgekreuzt werden; das
Ergebnis wäre ein Apfelbaum, der zwar durch Genmanipulation entstand, am Ende
aber (wieder) gentechfrei ist; „die besten Resistenzgene finden wir im Apfel
selbst“, dann müssen wir dieses Apfel-Gen nur in andere Apfelsorten einbauen
(Der Spiegel 50/2008 S.164ff)
· seit 2008 werden in den USA
in größerem Umfang Zuckerrüben angebaut, die gegen das Herbizid Roundup
(Monsanto) resistent sind;
KELLOGS verwendet solchen Zucker;
US-amerikanische Verbraucherorganisationen rufen zum Boykott von gentechnisch
verändertem Zucker (? JK) auf;
die nach Europa exportierten Produkte von Kellogs seien frei von Zutaten aus
gv-Rohstoffen, weil die öffentliche Akzeptanz dort geringer sei als in den USA
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.30)
· Das katholische Bistum
Magdeburg hat angekündigt, seine Beteiligung am Biopark in Gatersleben
aufzugeben. „Es kann nicht die Aufgabe der katholischen Kirche sein, die grüne
Gentechnik voranzutreiben“, so Bistumssprecher Lazar … die kircheneigene GeroAG
hatte sich im Jahr 2005 mit einem Tochterunternehmen, der Futura GmbH, mit 49%
am Biopark Gatersleben beteiligt …
3 Millionen Euro hat die Futura GmbH bislang in den Biopark investiert,
zusätzliche 13 Millionen stammten aus Fördermitteln der Landeskasse.
Die Verträge laufen noch bis 2022, deshalb ist ein Ausstieg der katholischen
Kirche nur möglich, wenn ein Käufer gefunden wird, der alle Verpflichtungen der
Futura GmbH übernimmt
(GID Nr.191 – Dez. 2008, S.52)
·
„Genmarkergestützte
Züchtung“;
ist keine Gentechnik im eigentlichen Sinn, sondern konventionelle
Pflanzenzüchtung, die auf Erkenntnissen der Genforschung beruht. Statt die
Fähigkeiten einer Pflanze nur von außen zu beurteilen, suchen Forscher im
Erbgut gezielt nach nützlichen Eigenschaften, um die Züchtung neuer Sorten zu
verbessern … schon im Labor lässt sich erkennen, ob eine Pflanze ein bestimmtes
Gen besitzt, das ihr eine bestimmte Fähigkeit verleiht … Ist das der Fall, kann
sie zur Züchtung eingesetzt werden, ohne vorher aufwändig getestet werden zu
müssen (Eigenschaften normalerweise erst
an der erwachsenen Pflanze ausgeprägt und zu erkennen JK)
(ZEIT-Wissen Heft 1/2009, S.13)
·
Australien;
erneut Freisetzung von gentechnisch verändertem Weizen genehmigt;
50 verschiedene Sorten, die aufgrund einer gentechnischen Veränderung eine
Trockenheits-Toleranz besitzen sollen; in den vergangenen Jahren sollen die
gentechnisch veränderten Weizenpflanzen Mehrerträge von bis zu 20% erbracht
haben
(GID 189 August 2008 S.24f)
·
Uni Wien;
Fütterungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais MON810 und NK603;
deutliche Hinweise darauf, dass das die Fruchtbarkeit von Mäusen
beeinträchtigen kann; erst in der dritten Generation sind laut Studie zum
ersten Mal „statistisch signifikante“ Unterschiede bei der Anzahl der
Nachkommen aufgetreten (im Vergleich zu einer Kontrollgruppe); auch in der 4. Generation
weniger Nachkommen; Experten halten es für dringend erforderlich, diese ersten
Ergebnisse durch weitere Studie abzusichern
(taz 14.11.08)
·
Ist
genmanipuliertes Saatgut schuld am Selbstmord Tausender indischer Bauern?
Forscher des unabhängigen International Food Policy Research Institute (IFPRI):
die Selbstmordrate indischer Bauern bewegt sich seit vielen Jahren auf nahezu
konstantem Niveau, unabhängig davon, wie viel
konventionelle oder manipulierte Baumwolle sie anpflanzten;
die ab 2002
·
eingeführten
Gensorten gedeihen jetzt auf rund 80% aller Anbauflächen und haben offenbar
nicht zu einer Epidemie von Selbsttötungen geführt; Ursache des Pflanzer-Elends
seien vielmehr Dürren und miserable Bewässerungsanlagen, vor allem aber der
Mangel an staatlicher Unterstützung, etwa in Formbilliger Kredite;
insgesamt, so resümierten die IFPRI-Forscher, sei die Gen-Baumwolle für Indien
und seine Bauern sogar ein Erfolg; das Land habe seine chronisch schwache Ernte
innerhalb von 5 Jahren fast verdoppeln und sich vom Baumwoll-Importeur zum
zweitgrößten Exporteur wandeln können; die Einkommen der meisten Landwirte
hätten sich dabei positiv entwickelt; ihr Verbrauch an Pestiziden habe wegen
der schädlingsresistenten Pflanzen um ein Drittel abgenommen;
Grafiken: Entwicklung von 1998 bis 2006 für die Selbstmordrate (schwankt
zwischen 16.000 und 18.000 pro Jahr) und die Anbaufläche gentechnisch
veränderter Baumwolle (Anstieg von 0 2002 auf 4 Millionen Hektar 2006)
(Spiegel 47/2008 S.156)
·
80% aller
weltweit geernteten Genpflanzen landen im Futter;
(taz 26.9.08)
·
Maiszünsler in
Deutschland;
der Schmetterling stammt aus den wärmeren Regionen Europas und wurde um 1910 in
die USA eingeschleppt;
hat in Deutschland wenig natürliche Feinde;
in D. 2005 etwa 370000 ha befallen, das entsprach 22 % der gesamten
Maisanbaufläche;
Ausbreitung inzwischen bis zur Ostseeküste;
jährlicher Schaden 11-12 Mill. Euro
(Internetseite www.transgen.de
2.10.08)
·
Anbauflächen in
Millionen Hektar:
Fläche für biologischen Ackerbau: 2000 weltweit 7,5, Europa 3; 2007 Welt 30,5,
Europa 7
Fläche für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen: 1996 Welt 1,7; 2007 Welt 114
(National Geografik: Planet Erde 2008, S.46f.)
· in namentlicher Abstimmung
hat der Bundestag am 13.5.09 entschieden, den Antrag der Grünen, den Anbau von
genverändertem Mais zu stoppen (!6/11919) abzulehnen – von 502
anwesenden Abgeordneten stimmten 391 (78% JK) für die in einer Beschlussvorlage
des Landwirtschaftsausschusses (16/12841) empfohlene Ablehnung des Antrages; 78
lehnten ab, 33 Enthaltungen;
das im Antrag geforderte Anbauverbot für die genveränderte Maissorte MON 810
hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner indes schon am 14.April 2009
verhängt
(Das Parlament 18./255.09 S.10)
· auf Kuba werden
gentechnisch veränderte Maispflanzen getestet, im dortigen staatlichen Zentrum
für Gen- und Biotechnik entwickelt; giftig für den wichtigsten Schädling auf
dem Inselstaat, eine Mottenart; produzieren ein Gift des Bacillus thuringiensis
(FR-Bt1), zunächst Anbau auf 50 ha
(GID 193 April 2009 S.25)
· im März 2009 hat die
EU-Kommission den Import des von Bayer Crop Science entwickelten gv-Raps T45
zugelassen; ist resistent gegen das Breitbandherbizid Glufosinat
(soll von der EU höchstwahrscheinlich vom Markt genommen werden)
(GID 193 April 2009 S.42)
· grundlegender Artikel über
MONSANTO;
USA derzeit bei Mais 80%, bei Soja 92%, bei Baumwolle 86% aller Pflanzen
gentechnisch verändert;
Spritzmittel ROUNDUP trug 2008 noch rund ein Drittel zum 6-Milliarden-Dollar-Gewinn
des Konzerns bei;
zusammen mit der BASF will Monsanto Pflanzen erforschen, die selbst bei
Trockenheit oder Kälte hohe Erträge liefern;
(ZEIT 26.3.09 S.28)
· Verbot von MON 810 durch
Landwirtschaftsministerin in Deutschland;
zehn Forschungsinstitute protestieren in einer gemeinsamen Erklärung
gegen das Genmais-Verbot (u.a. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina,
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer Gesellschaft,
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Leibniz-Gemeinschaft,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsrat)
(taz 20.4.09 S.6)
· US-Regierung Kritik am
deutschen Anbauverbot für Mon 810;
der deutsche Kurs zerstöre das Vertrauen in staatliche Zulassungsverfahren für
Lebensmittel jeder Art, sowohl die zuständigen US-Behörden als auch die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa hätten Mon 810 mehrfach
überprüft, sie seien zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass von dem
schädlingsresistenten Mais keinerlei Gefahr ausgehe
(Spiegel 19-2009 S.20)
· das
Landwirtschaftsministerium in München hat einen zehnjährigen Langzeitversuch
unter anderem mit MON 810 auf 5 Staatsgütern vorzeitig abgebrochen – ein Versuchsjahr fehlt noch
(taz 23.4.09 S.02)
· 2008 erreichten
gentechnisch veränderte Rüben in den USA einen Marktanteil von 59%, obwohl sie
erst zwei Jahre zuvor eingeführt worden waren;
Andreas Graner, Direktor des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und
Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (IPK): berichtet von Studien, wonach auf
Genmais-Äckern die Artenvielfalt sogar höher sei, weil gezielt (nur) der
Maiszünsler bekämpft werde. „Wenn Sie spritzen, sind viel mehr
Organismen betroffen … Es gibt keine fachlichen Gründe für ein Verbot.“
(Freie Presse Chemnitz 15.4.09 S.4)
· Landwirtschafts-Ministerin
Aigner erlaubt Anpflanzung von Gen-Kartoffeln der Sorte AMFLORA zu
Forschungszwecken auf 20 Hektar; von der Amflora-Kartoffel des
BASF-Konzerns gehe „keine Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt
aus“, erklärte Aigner;
(Freie Presse Chemnitz 28.4.09 S.6)
· auf einer Fläche von 2700
Quadratmetern wird in Zabeltitz in Sachsen (auch nach dem Verbot der Maissorte
Mon 810) ein herbizidresistenter Mais des Herstellers Pioneer ausgesät
(Freie Presse Chemnitz 28.4.09 S.6)
· seit dem ersten deutschen
Freisetzungsversuch 1990 … hat es in kaum einem anderen Land so viel, so gute
und so kritische Risikoforschung gegeben wie hier. Ihre Ergebnisse indes werden
oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen …
Aber manchmal wird die Forschung auch gerade deshalb ignoriert (oder
diskreditiert), weil sich beim genauen Hinsehen viele Ängste als unbegründet
werweisen, Einwände im Wandel der Technik gegenstandslos wurden …
Dabei wäre genau das umgekehrte Signal richtig: Forschung für die besseren
Pflanzen von morgen, Konkurrenz für Monsanto …
(ZEIT 23.4.09 S.12)
· 2 Millionen Tonnen
Kartoffelstärke produzieren Europas Landwirte im Jahr;
25 Millionen Euro Lizenzgebühr im Jahr verspricht sich BASF von AMFLORA;
die Industriekartoffel Amflora wurde in Schweden entwickelt, auf Wunsch der
europäischen Stärkeindustrie; Biologen haben das Gen für die Amylosesynthese einfach noch einmal umgekehrt in das Erbgut der Pflanze eingebaut. Das
Gen und sein Spiegelbild inaktivieren sich gegenseitig;
Swedish Board of Agriculture 2004 zu Amflora: „Kein Risiko“.
Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa 2005: „Es gibt keinen Hinweis
darauf, dass Amflora negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und
Tier oder die Umwelt haben könnte.“
Biologische Bundesforschungsanstalt in Braunschweig: „Unbedenklich.“
die EU-Kommission wartet nun auf ein drittes Gutachten der Efsa, nachdem die
Behörde schon zwei Mal grünes Licht gegeben hat;
in den USA sind 70 gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell zugelassen; in
Europa nur eine (Mon 810-Mais);
(ZEIT 19.3.09 S.33)
· vergangene Woche hat die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erneut eine
Unbedenklichkeitsbescheinigung für die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffel
AMFLORA der BASF ausgestellt; negative Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit und die Umwelt seien den derzeitigen Erkenntnissen zufolge
unwahrscheinlich“; mehrheitlich meinte das Gremium, es bestehe keine Gefahr für
die Übertragung des Antibiotikums-Resistenz-Gens von der Kartoffel auf
Bakterien; zwei Wissenschaftler im Gremium: zwar „unwahrscheinlich, aber Folgen
bislang unabsehbar“
doch angesichts der EU-weiten Widerstände gegen Gentech-Pflanzen (in den
letzten Jahren keine Mehrheiten im Ministerrat erreicht) wird die EU-Kommission
die Amflora-Zulassung nicht weiter betreiben;
(taz 19.6.09 S.18)
· BUND: deutsche Landwirte
verfüttern jährlich 5 Millionen Tonnen Soja an ihre Tiere
(taz 9./10.5.09 S.19)
· Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat Freilandversuche mit
gentechnisch veränderten Kartoffeln genehmigt; 2009 bis 2012 Anbau in
Mecklenburg-V. und Sachsen-A.; eine soll einen Impfstoff gegen Kaninchenseuche
erzeugen, die andere Eiweißproduktion für Bauchemie und Waschmittelindustrie
(taz 9./10.5.09 S.07)
· BASF und MONSANTO haben
Maispflanzen entwickelt, die angeblich nur wenig Wasser benötigen; Gen aus dem
Bakterium Bacillus subtilis (cspB-Gen) hilft, lange Trockenperioden zu überstehen; von
2012 an sollen Bauern den trockentoleranten Mais anbauen können
(taz 12.6.09 S.18)
· von weltweit 114 Millionen Hektar Anbaufläche für
gentechnisch veränderte Pflanzen 2007 befanden sich 49 Mill. ha in Schwellen-
und Entwicklungsländern;
in Indien hat 2008 der Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle um 20%
zugenommen (auf knapp 7 Mill. ha = drei Viertel der Anbaufläche);
Unkräuter verursachen weltweite Ernteverluste von 14%; Insekten etwa 15% und
Pilze etwa 13%;
erhebliche Vorteile gegenüber klassischen Anbaumethoden zeigen sich z.B. in
Indien bei der Verwendung von Bt-Baumwolle: reduzierte Anwendung von Insektiziden,
höhere Ernteerträge und höhere Einkommen der Landwirte;
Trockentoleranz als Ziel: weltweit müssen knapp 80% der Agrarflächen regelmäßig
bewässert werden; 80% des Weltwasserverbrauchs; mit Gentechnik im Labor schon
Erfolge; in drei bis 7 Jahren Marktreife;
“Öko-Gentechnik“ (!?) = transgene Pflanzen, die einen integrierten
Pflanzenschutz ohne Umweltbelastung aufweisen;
(Beitrag von Frank Kempken; Uni Kiel)
weltweit 2006 rund 30,4 Mill. ha weltweit unter zertifizierter ökologischer
Bewirtschaftung
(Aus Politik und Zeitgeschichte; 6-7/2009 Welternährung, S.22ff., 29)
· (22.07.2009) Das derzeit in Deutschland geltende
vorläufige Anbauverbot für gentechnisch veränderten Mais MON810 wird von der
Zentralen Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS) als "wissenschaftlich
nicht begründet" erachtet. Das nach dem Gentechnik-Gesetz zuständige
Expertengremium hatte sich erneut mit der Umweltsicherheit von MON810-Mais
beschäftigt.
(info@trangen.de)
· in Schweden werden in Gebieten mit häufig vom
Frühjahrshochwasser überschwemmten Wiesen jährlich mehrere tausend Hektar wegen
des massiven Auftretens von Mücken Spritzungen aus der Luft mit dem
Bekämpfungsmittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) durchgeführt; aus
Bakterien gewonnen, Verfahren auch in Deutschland in den Rheinauen üblich;
Untersuchungen in Südfrankreich zeigte jetzt, dass das Bakterium (sein Gift JK)
nicht so selektiv ist wie behauptet und dass neben den Larven der Schnaken auch
andere Zweiflügler getötet werden; die Studie weist auch auf das Risiko der
Entwicklung von Resistenzen gegen BTI hin
(taz 20.7.09 S.9)
· Forscher in Frankreich haben herausgefunden, dass
vier getestete ROUNDUP-Varianten (Totalherbizid von MONSANTO) Zellen aus
menschlichen Nabelschnurvenen binnen 24 Stunden töten (auch in geringen
Konzentartionen, wie sie regelmäßig als Rückstände in Lebensmitteln oder
Tierfutter vorkommen); dafür machen die Forscher nicht den Hauptwirkstoff
Glyphosat verantwortlich, sondern Zusatzstoffe wie Tallowamin (verändern die
Durchlässigkeit der menschlichen Zellen und verstärken die Giftigkeit von
Glyphosat);
MONSANTO: österreichische Zulassungsbehörde Ages meint, dass sich Ergebnisse
wie die aus dieser Studie (Versuche mit isolierten Zellen) kaum auf komplexe
Organismen wie Menschen übertragen lassen;
Bundesagrarministerium bat schon im Herbst 2008 Hersteller von ROUNDUP, auf
Tallowamin als Beistoff zu verzichten
(taz 7.7.09 S.8)
· Interview mit Kumi Naidoo, neuer Chef von Greenpeace
International;
Frage: Die Gentechnik hat den „Goldenen Reis“ hervorgebracht, der unterernährte
Kinder mit Vitamin A versorgen und vor der Erblindung bewahren könnte. Was hat
ein afrikanischer Greenpeace Chef dagegen?
Antwort: Über diese Frage habe ich ein ganzes Wochenende lang nachgedacht. Ich
habe keine naturwissenschaftliche Erfahrung, und deshalb will ich auch alle
unsere wissenschaftlichen Positionen noch einmal untersuchen. Wir müssen
sichergehen, keine neue, richtige Entwicklung zu verpassen.
(Spiegel 49-2009 S.147)
· zwei US-Farmer reisen durch Deutschland, US-Botschaft
hat Reise organisiert;
zeigen Statistiken: Genmais mit eingebautem Gift gegen einen Schädling habe
2006 in den USA die Produktionskosten um 324 Millionen Dollar gesenkt, Rund 290
Millionen Kilogramm Pestizidwirkstoffe seien dank Gentechnik vermieden worden;
ein Mitarbeiter der Grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken zitierte eine
Studie, nach der in den USA nicht weniger, sondern rund 145 Millionen Kilogramm
mehr Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt wurden (und wie sieht es bei Schädlingsbekämpfungsmitteln aus ? JK)
(taz 21./22.11.09 S.07)
· Deutsche Pflanzengenetiker (UNI Halle) haben den bei
einigen Maissorten verlorengegangenen Duftabwehrmechanismus mit Hilfe von
Gentechnik wieder „eingebaut“. Dieser „Hilferuf“ lockt Feinde von
Wurzelschädlingen an … Folge des Verlustes dieser Fähigkeit (durch züchterische
Auslese) seien enorme Ernteausfälle durch den Maiswurzelbohrer in Nordamerika;
der Duftstoff (E-beta-Caryophyllen EßC) werde auch im Wurzelbereich produziert,
locke Nematoden an, winzige Würmer, die die schädlichen Larven des
Maiswurzelbohrers vernichteten;
Freilandstudien: 60% weniger Maiswurzelbohrer, weniger Wurzelschäden;
handelübliche Insektizide wirkten nicht besser
(taz 7.8.09 S.18, bild der wissenschaft 11-2009 S.10)
· Nina Fedoroff kämpft im Auftrag von
US-Außenministerin für die globale Verbreitung der Gentechnik;
Zeit: Die Mehrheit der Gentechnikkritiker richtet sich weniger gegen die
Forschung als gegen die Macht über Bauern und Wissenschaft, die der Besitz von
Patenten großen Konzernen verleiht.
Fedoroff: An dieser Macht sind weniger die Patente schuld als die Obsession,
alles kontrollieren zu wollen. Wir haben einen derart komplizierten Test- und
Genehmigungsapparat hervorgebracht, dass jetzt die einzigen Organisationen, die
das Geld für die notwendigen Verfahren aufbringen können, die großen Konzerne
sind. Eine Tragödie! …
Die Firmen sind nicht so schlimm, wie man sie immer darstellt, sie haben Kunden
und ein Image zu verlieren …
Zeit: Ohnehin meinen viele, zumindest die derzeitigen GVO (gentechnisch
veränderten Organismen) passten eher als Rationalisierungstechnologie in
kapitalintensive Agrarsysteme auf großen Landflächen als auf
kleinbäuerliche Strukturen ärmerer Länder.
Fedoroff: Komischerweise sind 90 Prozent der 13 Millionen Farmer in
Entwicklungsländern, die GVO anpflanzen, Kleinbauern. Besonders bei Baumwolle
sind die Zuwachsraten rasant. Oft hat sich die Ernte fast verdoppelt.
(Die ZEIT, 13.8.09, S.29)
· (S.22ff) in Indien hat der Anbau gentechnisch veränderte
Baumwolle 2008 um 20% gegenüber dem Vorjahr zugenommen (jetzt 7 Millionen
Hektar);
2008 wurde in Indien bereits 3 Viertel der Baumwollproduktion mit transgenen
Bt-Sorten erzielt;
(S.29) 2006 rund 30,4 Millionen Hektar weltweit unter zertifizierter
ökologischer Bewirtschaftung; globaler Markt auf 38,6 Mrd. US-Dollar beziffert
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“, Heft 6-7/2009,
Welternährung)
· Zehntausende Bauern in Indien hätten sich in den
vergangenen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen das Leben genommen …
der indische Landwirtschaftsexperte Surinder Sud beurteilt in einem gerade
erschienenen Buch die hohe Selbstmordquote der indischen Bauern als neues
Phänomen und führt sie auf Ernteausfälle nach ausgebliebenen Monsunregen und
Kreditaufnahmen für Brunnen zurück
(Die Zeit 1.10.09 S.27)
· in Kuba werden gentechnisch
veränderte Maispflanzen getestet, in einem staatlichen Zentrum entwickelt;
giftig für den wichtigsten Schädling des Inselstaates, die Mottenart Spodoptera
frugiperda; Pflanzen produzieren ein Gift des bodenlebenden Bakteriums Bacillus
thuringiensis (FR-Bt1)
(GID Nr.193 4-2009 S.25)
· US-Gentechnikkonzern
Monsanto hat die Zulassung einer gentechnisch veränderten Maissorte beantragt,
die trockenresistent ist
(GID Nr.193 4-2009 S.26)
· USA; durch gentechnische
Eingriffe ist es gelungen, bei BAUMWOLLE ein Gift im Samen der Pflanze
unschädlich zu machen, es führt bei Menschen und manchen Tieren zu Herz- und
Leberschäden, Rinder können dagegen die Presskuchen gut verdauen; damit wäre
Baumwolle als Nahrungsmittel für Menschen nutzbar; bereits die jetzt weltweit
angebaute Baumwolle enthält genug Proteine, um damit 500 Millionen Menschen
ernähren zu können;
(taz 4.12.09 S.18)
· Suche nach Ursache für das
weltweite Massensterben der Bienen in den letzten Jahren;
US-Forscher: Eiweiß-Produktion bei den Bienen ist durch Viren gestört;
Ribosomen werden durch sie zur Herstellung viraler Proteine gezwungen, das
schwächst die Immunabwehr der Bienen
(bild der wissenschaft 12-2009 S.13)
· (Seite 9) rund 20 km2
Land benötigt ein Jäger und Sammler für seine Ernährung, heute reicht eine
solche Fläche, um mehr als 9000 Menschen satt zu machen;
(14) Weizenerträge in Deutschland (dt/ha): um 1800 10,3; 1930 18,4; 2000 bis
2007 im Mittel 74,3 – Spitzenerträge 120;
Die Steigerung der Erträge geht mit deutlichen Verbesserungen ackerbaulicher
Produktionstechniken wie Bodenbearbeitung, Düngung oder Pflanzenschutz einher.
Hohe Erträge sind jedoch nur mit modernen leistungsfähigen Sorten zu erzielen.
25 bis 35% … hat die Züchtung zum Ertragsfortschritt beigetragen.;
(19) Seit vielen Jahren verändert der Mensch das Erbgut von Pflanzen freilich
auch auf andere Weise: Durch Bestrahlen oder den Einsatz bestimmter Chemikalien
lassen sich Veränderungen im Erbgut hervorrufen (Mutationen), die zu neuer
Variation führen. Die Fusion zellwandloser isolierter Zellen (Protoplasten)
ermöglicht es zudem, die Gene nicht kreuzbarer Arten zu kombinieren. All diese
Verfahren stellen Eingriffe in das Genom einer Pflanze dar. Die Gentechnik ist
nur ein weiteres Verfahren zur Veränderung des Erbguts einer Pflanze, mit
dessen Hilfe sich gezielt genetische Variation erzeugen lässt. So können vor
allem monogen vererbte Eigenschaften zielgerichtet übertragen werden – ohne die
Begleitung durch unerwünschte Nebeneffekte. Grundsätzlich neu ist zudem, dass
mit gentechnischen Verfahren auch Erbgut von nicht verwandten Organismen in
Pflanzen eingeführt werden kann.;
(26) Molekulare Marker zur Beschleunigung der Züchtung:
Mit modernen Verfahren der Biotechnologie lassen sich Gene gleichsam sichtbar
machen und genetische Fingerabdrücke oder Genkarten erstellen, die zeigen, auf
welchem Chromosom und an welcher Stelle sich ein Gen befindet. Man kann mit
molekularbiologischen Verfahren auch bestimmte Abschnitte des Erbguts gezielt
markieren und erkennbar machen. Dadurch wird es beispielsweise möglich,
frühzeitig zu erkennen, ob Pflanzen ein erwünschtes Allel tatsächlich
enthalten;
(29) verschiedene Arten des Gentransfers:
a) Transformation mit Agrobacterium tumefaciens (veränderte
Agrobacterium-Kulturen infizieren Pflanzen oder Gewebe)
b) Druckluft-Genkanone (Metallpartikel werden mit DNA beladen und in Zellen
bzw. Gewebe „geschossen“)
c) Protoplasten-Transformation (Zugabe von DNA zu Pflanzenzellen ohne Zellwand,
Regeneration ganzer Pflanzen);
Inzwischen hat sich der Gentransfer mit der bakteriellen Genfähre für die
meisten Kulturpflanzen zu einem Routineverfahren entwickelt. Nur bei den
Getreidearten wird vorwiegend die „Genkanone“ angewandt, doch auch hier setzt
sich der Gentransfer mit Hilfe der Agrobakterien immer mehr durch. Da die
Effizienz der Transformation allerdings recht gering ist, werden die Zielgene
in der Regel zusammen mit einem Selektionsmarker in die Pflanzenzelle
eingeführt.
Bei allen Verfahren wird die fremde DNA durch nicht-homologe (illegitime)
Rekombination in das pflanzliche Genom integriert: Das Transgen wird an nicht
vorhersagbaren Stellen des pflanzlichen Erbguts eingebaut. Dies kann die
Ausprägung der gewünschten Eigenschaft nachteilig beeinflussen und darüber
hinaus unerwünschte Mutationen auslösen.;
(31) Plasidentransformation
wenige Erbinformationen befinden sich nicht im Zellkern, sondern in Plastiden
und Mitochondrien; Plastiden werden bei den meisten Nutzpflanzen nur mütterlich
vererbt; wenn dort eine neue Eigenschaft „eingebaut“ ist, wird die Ausbreitung
über Pollen minimiert;
(32) Um nach einer Genübertragung aus einer Vielzahl von Zellen diejenigen
herauszufinden, die das fremde Gen tatsächlich in ihr Erbgut aufgenommen haben,
überträgt man gleichzeitig ein zusätzliches Markergen. Derzeit sind etwa 50
Markergene bekannt … Visuelle Marker zählen dazu, fluoreszierende Proteine zum
Beispiel, die im Mikroskop beobachtet werden können. Als positive
Selektionsmarker bezeichnet man solche, die es der transformierten Zelle
ermöglichen, auf Medien zu wachsen, die für unveränderte Zellen keine
hinreichende Nährstoffversorgung bieten oder toxische Substanzen wie
Antibiotika oder Herbizide enthalten. Tatsächlich werden Markergene, die eine
Resistenz gegen Antibiotika oder Herbizide enthalten, häufig verwendet. …
Der völlige Verzicht auf Markergene hat sich als außerordentlich aufwendig
erwiesen. Denn wenn alle Zellen in einem Gewebeverband die Möglichkeit haben,
zu einer Pflanze heranzuwachsen, nutzen zuerst die unbeeinträchtigten Zellen
diese Chance und hemmen zugleich die Regeneration benachbarter Zellen.
Offensichtlich geht die Aufnahme eines Transgens mit einer Einschränkung des
Regenerationsvermögens einher – in aller Regel jedenfalls regenerieren ohne ein
Selektionsmittel nur die unveränderten Zellen.;
(39) Ziele bei der Züchtung gentechnisch veränderter Pflanzen:
Das Streben der Forscher geht … in fünf Richtungen:
Zum einen versucht man, Pflanzen besser zu wappnen gegen Krankheiten oder
Schädlinge, Hitze oder Kälte, Trockenheit oder salzige Böden, kurz gegen
Stressfaktoren der unterschiedlichsten Art.
Um die unliebsame Konkurrenz der Unkräuter auszuschalten und damit die Erträge
zu sichern, werden Nutzpflanzen zudem mit gentechnischen Verfahren
widerstandsfähig gemacht gegenüber bestimmten Herbiziden.
Zum dritten will man Pflanzen so ausstatten, dass sie besonders hochwertige
Nahrungs- und Futtermittel liefern und dazu beitragen, mangelhafte Ernährung zu
vermeiden.
Pflanzen dienen indes nicht nur zur Ernährung, sondern seit alter Zeit auch als
Heilpflanzen; nun will man sie gezielt dazu anregen, pharmazeutisch
interessante Substanzen, z.B. pflanzliche Impfstoffe, zu erzeugen.
Nicht zuletzt produzieren Pflanzen auch Rohstoffe verschiedenster Art – und
auch diese Fähigkeit lässt sich mit Hilfe der Gentechnik steigern, abwandeln
und optimieren.;
(41) Bacillus thuringiensis (Bt)
Dieses Bakterium ist in der Natur weit verbreitet und hat sich auf
Insektenlarven spezialisiert, die an Pflanzen parasitieren. Es produziert ein
Eiweiß, das sogenannte Bt-Toxin, das für einige parasitische Insektenlarven
giftig ist, andere Lebewesen jedoch nicht schädigt.;
(44) Totalherbizide
relativ schnell abbaubare und damit vergleichsweise umweltverträgliche Wirkstoffe,
die zentrale Stoffwechselwege aller Pflanzen blockieren;
Toleranz gegenüber Herbiziden lässt sich auf zweierlei Weise erzielen. Eine
Strategie nutzt den Weg der Entgiftung, indem das eingesetzte Herbizid im
Stoffwechsel der Pflanze in einen ungiftigen Metaboliten (ein ungiftiges
Stoffwechselprodukt JK) überführt und die Pflanze so geschützt wird.
Die zweite setzt hingegen auf ein geeignetes Enzym, das nach der Genübertragung
eben jenen Schritt im Stoffwechsel übernimmt, der durch das Herbizid gehemmt
wird. Der erste Weg wird beispielsweise bei der Entgiftung des Wirkstoffs
Glufosinat beschritten. Glufosinat, enthalten in einem Totalherbizid mit dem
Handelsnamen BASTA, bewirkt die Hemmung eines Schlüsselenzyms der Pflanzen, der
Glutamin-Synthesase, die im pflanzlichen Stickstoff-Stoffwechsel für die
Glutamin-Synthese und Entgiftung von Ammoniak zuständig ist. Wird diese
Entgiftung unterbrochen oder gehemmt, erleiden die Zellen massive Schäden und
die Pflanze stirbt ab. In der Natur wird Glufosinat von dem Bodenbakterium
Streptomyces spec. gebildet, das zu seinem eigenen Schutz auch das sogenannte
PAT-Enzym (Phosphinothricin-N-Acetyl-Transferase) produziert, das den Wirkstoff
sehr spezifisch in eine biologisch unwirksame Form überführt. Führt man das
dafür zuständige Gen in Pflanzen ein, verleiht es auch ihnen eine zuverlässige
Resistenz gegen Glufosinat.
Der zweite Weg wird genutzt, um Nutzpflanzen tolerant gegenüber dem
Totalherbizid Glyphosat zu machen. Glyphosat, der Wirkstoff der Herbizids
ROUNDUP, wird vor allem über die Blätter aufgenommen und in Spross und Wurzel
verteilt. Glyphosat hemmt ein Enzym, die EPSP-Synthase
(5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase), dem bei Pflanzen eine
Schlüsselfunktion für die Synthese aromatischer Aminosäuren zukommt. Können
diese lebenswichtigen Aminosäuren nicht gebildet werden, stellt die Pflanzen
das Wachstum ein und stirbt schließlich ab. Verglichen mit vielen anderen
Herbiziden gilt Glyphosat als umweltfreundlich: Es ist biologisch relativ
schnell abbaubar und für Mensch und Tier nicht toxisch, weil diese den
betroffenen Syntheseweg, den sogenannten Shikamatweg, gar nicht besitzen.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Nutzpflanzen mit einer gentechnisch
vermittelten Toleranz gegenüber dem Wirkstoff Glyphosat, unter anderem
Zuckerrüben, Raps, Soja, Baumwolle und Mais. Sie alle enthalten ein Gen aus dem
weit verbreiteten Bakterium Agrobacterium tumefaciens, das den Bauplan für eine
leicht abgewandelte EPSP-Sythase bereitstellt. Dieses bakterielle Enzym ist gegenüber
Glyphosat unempfindlich, kann aber im Stoffwechsel die Funktion des
pflanzlichen Enzyms übernehmen, sodass die gentechnisch veränderten Pflanzen
eine Behandlung mit Glyphosat ohne größere Schäden überstehen.;
Von den weltweit 125 Millionen Hektar, auf denen 2008 gentechnisch modifizierte
Nutzpflanzen angebaut wurden, waren mehr als 75 Millionen Hektar mit herbizidtoleranten Pflanzen
besetzt … ist die mit Abstand häufigste Eigenschaft gentechnisch veränderter
Pflanzen;
(49) Pharmazeutisch relevante Inhaltsstoffe - von gentechnisch veränderten
Pflanzen hergestellt;
Herstellung von Antigenen als Impfstoffe, um Immunantwort des Organismus zu
provozieren;
in jüngster Zeit konnte für eine Reihe unterschiedlicher Antigene – etwa das
Hepatitis-B-Virus-Oberflächenantigen, das Norwalkvirus-Kapsidprotein oder das
Choleratoxin – gezeigt werden, dass sie sich nicht nur in Pflanzen herstellen
lassen, sondern dass der Verzehr des transgenen Pflanzenmaterials auch eine
Antwort im Immunsystem hervorruft;
(52) Nachwachsende Rohstoffe
Züchter bemühen sich seit Jahren um die Entwicklung von Kartoffeln, die
vorzugsweise nur eine (der zwei in Kartoffeln gebildeten) Stärkeart
produzieren, vorzugsweise Amylopektion, das als Rohstoff für Kleister und
Bindemittel wirtschaftlich ist …
Durch den Einsatz der Antisense-Strategie ist es nun gelungen, die Bildung von
Amylose (der unerwünschten Stärkeart) in Kartoffeln drastisch zu vermindern:
Ein Stärke-Synthasegen, das an der Produktion von Amylose beteiligt ist, wird
ausgeschaltet, indem man eine Kopie dieses Gens in umgekehrter Orientierung
(Antisense) in eine zur Stärkeproduktion geeignete Kultursorte einführt.
Dadurch stellen die transgenen Kartoffelknollen nur noch weniger als ein
Fünftel der ursprünglichen Menge an Amylose her – das Amylopektion kann nun
leichter gereinigt werden. …
Spinnseide beispielsweise kann (noch in der experimentellen Phase) von
transgenen Tabak- und Kartoffelpflanzen produziert werden;
(67) Gefahren durch Antibiotika-Resistenzgene?
Horizontaler Gentransfer von anderen Organismen in Bakterien;
Bakterien haben verschiedene Verfahren zum Austausch von Erbinformationen
entwickelt: die Transformation (Aufnahme von DNA aus der Umgebung), die
Transfektion ((Aufnahme von DNA über Viren) und die Konjugation (Aufnahme von
DNA aus einem Bakterium derselben oder einer anderen Art über eine
Cytoplasmabrücke);
Der horizontale Gentransfer unter Beteiligung von Transgenen aus gentechnisch
veränderten Pflanzen ist also ein rein hypothetischer Prozess, der trotz
zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen bisher unter naturnahen
Bedingungen noch nie beobachtet werden konnte; in Laborexperimenten unter sehr
artifizellen Bedingungen Frequenz von etwa 10-13 beobachtet, also in
einem von 10 Billionen Fällen (besonders aufnahmefreudige Bakterien eingesetzt
und reine DNA verwendet), unter natürlichen Bedingungen sollte die
Übertragungsfrequenz geringer als 10-20 sein);
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Gentransfers aus Pflanzen auf Bakterien
sehr gering ist, so ist er nicht gänzlich auszuschließen. Die meisten
Antibiotika-Resistenzgene, die zur Selektion transgener Pflanzen verwendet
werden, kommen in der Natur sehr häufig vor;
(68) Die Zahl der Unkrautarten, die gegenüber konventionellen Herbiziden
resistent sind, liegt deutlich höher als die jener Arten, die gegen Glyphosat …
unempfindlich geworden sind.;
(72) Betriebswirtschaftliche Aspekte
Der rasche weltweite Anstieg des Anbaus transgener Pflanzen lässt vermuten,
dass die Landwirte von der Anwendung der Technologie wirtschaftlich
profitieren;
in den USA hat die Herbizidtoleranz zu einer geringfügigen Reduktion in der
eingesetzten Herbizidmenge geführt. In Argentinien und Brasilien hingegen wurde
der Herbizideinsatz durch die transgene Technologie deutlich ausgedehnt. Dafür
wurde die Intensität der Bodenbearbeitung zurückgefahren, mechanisch
Unkrautbekämpfungsmethoden durch Glyphosat-Anwendung ersetzt, oft
Direktaussaat: Böden werden gar nicht mehr bearbeitet;
USA finanziell kaum Unterschiede, aber Entscheidung für trangene Sorten wegen
vereinfachter Unkrautbekämpfung;
in Argentinien auf nur etwa 1/3 der Sojafläche formal gekauftes Saatgut;
Zusatzgewinn durch neue Technologie von durchschnittlich 23 US-Dollar je Hektar
besonders bei Bt-Baumwolle wird teilweise mehr als die Hälfte der sonst
üblichen Insektizidmenge eingespart; in Indien im Durchschnitt
Ertragssteigerungen um mehr als 30%; das Beispiel Bt-Baumwolle zeigt, dass die
Gentechnik durchaus auch für den Kleinbauernsektor geeignet ist;
(79) Die Gentechnik darf nicht als Allheilmittel für die Probleme in
Entwicklungsländern missverstanden werden, sondern kann nur Teil einer
breiteren Entwicklungsstrategie sein.
(90) Weder Teufelszeug noch Wundermittel
Mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung mit dem Anbau gentechnisch veränderter
Sorten zeigen: Die von Kritikern postulierten negativen Folgen für Umwelt, Tier
und Mensch sind in keinem Fall eingetreten …
Bei der Bewertung der Grünen Gentechnik werden freilich häufig unerwünschte
Effekte ins Feld geführt, die gar nicht für gentechnisch veränderte Pflanzen
spezifisch sind, sondern die moderne Landwirtschaft generell kennzeichnen (z.B.
Entwicklung resistenter Unkräuter …); Schutzrechte und Monopole, ökonomische
Nachteile für ärmere Länder und Beeinträchtigungen jener Landwirte, die gentechnisch
veränderte Pflanzen nicht nutzen wollen oder können … nicht die Technik an sich
ist gut oder böse, sozial, gerecht oder unmoralisch – diese Kategorien
betreffen allein den Umgang mit ihr. Das gilt für die Gentechnik genauso wie
für andere Techniken auch. Betrachtet man aber jene Sorgen und Ängste,
die sich tatsächlich ganz speziell auf die Grüne Gentechnik und ihre Folgen
beziehen – die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen
zum Beispiel, die Übertragung der neu eingeführten Gene auf andere Organismen
des Lebensraumes oder die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen – so belegen die
bisherigen Ergebnisse der Forschung unzweifelhaft: Diese spezifischen Risiken
sind mit entsprechenden Maßnahmen und Sicherheitsstandards durchaus beherrschbar.
Die Furcht vor unabsehbaren Folgen gentechnischer Veränderungen an Pflanzen hat
sich als überzogen erwiesen.;
(93) Gentechnische Methoden gelten derweil in fast allen Bereichen der
Lebenswissenschaften für unverzichtbar, seien es Botanik oder Zoologie,
Mikrobiologie oder Medizin, Landwirtschaft oder Umweltwissenschaften. Sie
erlauben zuvor ungeahnte Einblicke in das Zusammenwirken der Gene bei der
Entwicklung der Lebewesen und bei der Evolution der Arten. Die Forderung nach
„gentechnikfreien Zonen“ ist – von den wirtschaftlichen Realitäten einmal ganz
abgesehen – deshalb eine groteske Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse in
der Wissenschaft.
(Deutsche Forschungsgemeinschaft: Grüne Gentechnik, Wiley-Verlag Weinheim,
2010)
· (23.12.2009) Die Unternehmen
Monsanto und Dow Agro Science wollen einen gemeinsam entwickelten gentechnisch
veränderten "Super-Mais" in den USA auf den Markt bringen. 2010 soll
die Anbaufläche dort bereits 1,6 Millionen Hektar betragen. Der Mais mit dem
Markennamen SmartStax besitzt Resistenzen gegen zahlreiche Schädlinge
sowie gegen zwei Herbizid-Wirkstoffe.
Der SmartStax-Mais (MON89034 x
TC1507 x MON88017 x DAS-59122-7) ist eine Kreuzung verschiedener gv-Maislinien
und besitzt mehrere neue, gentechnisch vermittelte Merkmale: Er produziert
sechs verschiedene Varianten des Bt‑Proteins, die gegen die wichtigsten
Schädlinge im Maisanbau gerichtet sind, darunter Insekten wie den Maiszünsler
und Käfer wie den Maiswurzelbohrer. Dazu kommen Resistenzen gegen zwei
Wirkstoffe zur Unkrautbekämpfung: Glyphosat (Roundup) und Glufosinat (Liberty).
Inzwischen haben mehrere aus Sicht der USA wichtige Agrarexportländer wie
Australien, Neuseeland, Japan, Korea und Taiwan den Import von SmartStax-Mais
erlaubt. Damit ist die Nachfrage nach dem neuen Mais in den USA sprunghaft
gestiegen. Die beiden Unternehmen Monsanto und Dow Agro Science planen, SmartStax-Saatgut
bereits zur kommenden Anbauperiode auf den Markt zu bringen. Sie rechnen mit
einer Anbaufläche von mindestens 1,6 Millionen Hektar.
(http://www.transgen.de/aktuell/1144.doku.html
)
· BASF-Tochterfirma Plant Science und
Saatgutunternehmen KWS Saat AG gaben Kooperation bekannt; Ziel sei Entwicklung
von Zuckerrüben mit einem Mehrertrag von 15%; sollen höhere Zucker- und
Energieerträge liefern und widerstandsfähiger gegen Trockenheit sein; 2020
sollen die neuen Sorten zur Verfügung stehen; KWS ist globaler Marktführer bei
Zuckerrrübensaatgut
(taz 21.1.2010 S.18)
· Indische Forscher haben gentechnisch veränderte
Tomaten gezüchtet, die bis zu 45 Tage fest bleiben und sich somit besser lagern
lassen; Unterdrückung von zwei Enzymen, die bei der Reifung der Tomaten
vermehrt auftreten;
schnelles Weichwerden von Obst und Gemüse soll dazu führen, dass 35 bis 40% der
indischen Ernte verloren gehen;
(taz 5.2.2010 S.18)
· sieben Aktivisten reißen in
Mecklenburg die Genkartoffel Amflora von BASF aus; der Konzern schickt
Polizisten und 30 Mitarbeiter; Feld teilweise zerstört;
Amflora ist in EU-Europa zum Anbau zugelassen;
BASF: die Nutzung der Kartoffel bringt gesamtwirtschaftliche Mehreinnahmen von
ein- bis zweihundert Millionen Euro jährlich;
(taz 30.7.2010 S.8, 10./11.7.2010 S.2)
· Klage soll den von der
EU-Kommission genehmigten kommerziellen Anbau der Genkartoffel AMFLORA stoppen;
könnte die Gesundheit gefährden; der Kartoffel wurde auch ein Gen eingepflanzt,
das sie gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin unempfindlich macht; diese
sogenannten Marker waren notwendig, um Amflora-Zellen im Labor von normalen
Kartoffeln zu unterscheiden; Kritiker befürchten aber, dass sich die
Antibiotika-Resistenz auf Bakterien überträgt;
Aktivisten begründen: Freisetzungs-Richtlinie der EU verbietet seit 2004
Genpflanzen mit Antibiotika-Resistenz-Markergenen; Allerdings geht das nicht so
eindeutig aus der Richtlinie hervor. Artikel 4 schreibt zwar vor, solche Marker
bis 2004 vom Markt zu verbannen, das gilt dem Wortlaut nach aber nur für
Marker, „die schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die
Umwelot haben können.“. Genau das bestreiten EU-Kommission und BASF jedoch.
„Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und andere
Institutionen haben Amflora überprüft und sie für sicher erklärt“, sagte
Kommissionssprecher Vincent der taz. So sei es extrem unwahrscheinlich, dass
sich das Resistenzgen auf ein Bakterium überträgt. Es komme auch jetzt schon in
Boden, Menschen und Tieren vor. Außerdem hätten die betroffenen Antibiotika nur
geringe Bedeutung für die Medizin.
(taz 12./13.5.2010 S.9)
· Chemiekonzern BASF hat
Zulassung für eine weitere Gentechkartoffel in Europa beantragt; die neue
Pflanze heiße AMADEA und liefere wie die bereits zugelassene Sorte AMFLORA
reine Amylopektionstärke; das Unternehmen prüfe auch, ob die neue Knolle im Unterschied
zu AMFLORA auch in der Lebensmittelbranche eingesetzt werden kann;
(taz 1.9.2010 S.8)
· Nachdem auf schwedischen
Äckern, auf denen die BASF-Kartoffel AMFLORA angebaut war, auch Pflanzen der
nicht zugelassenen Sorte AMADEA entdeckt wurden, hat Mecklenburg-Vorpommern die
Nutzung der in MeckPomm angebauten AMFLORA-Kartoffeln voresrt gestoppt;
Verdacht auf Verunreinigungen müsste erst geklärt werden
(taz 9.9.2010 S.8)
· Anmerkungen zum Flyer Nr. 18 aus der Reihe „Akzente“
der Ev. Kirche von Westfalen „Verzicht auf Amflora“
+ Grundsätzlich richtig finde ich
die Begrenzung der vorliegenden Stellungnahme auf den konkreten „Einzelfall“,
auf die gentechnisch veränderte Kartoffelsorte AMFLORA mit den eingebauten
Antibiotika-Resistenzmarkern.
+ Zentrale Forderung in der Stellungnahme ist, dass „auf Anbau und Einsatz der
gentechnisch veränderten Kartoffeln mit diesem Resistenzmarker verzichtet
werden sollte“. Gemeint ist konkret ein Antibiotika-Resistenzmarker, der die
Pflanzen im züchterischen Selektionsprozess gegen die Antibiotika Kanamycin und
Neomycin resistent macht.
Damit ist die Verzichtsforderung aber auch in der Schwerpunktsetzung vorrangig
auf das Vorhandensein dieser Antibiotika-Resistenzmarker begründet. Was würde es
bedeuten, wenn gentechnisch veränderte (AMFLORA-)Kartoffeln, die vorrangig die
Stärkeart Amylopektin erzeugen, OHNE Antibiotika-Resistenzmarker gezüchtet und
eingesetzt werden?
+ Mir liegen Antragsunterlagen der BASF Plant Science GmbH aus dem Jahre 2007
vor.
Damals sollten an zehn Standorten in Deutschland, unter anderem in
Nerchau-Golzern in Sachsen, Freisetzungsversuche mit verschiedenen gentechnisch
veränderten Kartoffel-Sorten durchgeführt werden.
+ Zum einen handelte es sich um Zuchtlinien mit verändertem
Stärke-Stoffwechsel, analog zu AMFLORA (der Sorten-Name taucht in dem Dokument
nicht auf). Dabei werden – jeweils mit der gleichen Zielstellung, die
Produktion der unerwünschten Stärkeart Amylose zu unterbinden - drei
unterschiedliche gentechnische Veränderungen vorgenommen, jeweils mit dem Ziel,
spiegelbildliche Kopien von Erbgut „abzulesen“; in der Folge der Nutzung dieser
Antisense-Technik wird in der Kartoffel 1 bisher vorhandener Eiweißstoff nicht
mehr gebildet (es wird also kein neues, bisher nicht vorhandenes Protein
zusätzlich hergestellt).
+ In einer weiteren Anwendung sollten 2007 Kartoffeln getestet werden, bei
denen eine ganz andere Eigenschaft zusätzlich eingebaut worden ist: Das Gen aus
einer Wildkartoffel wurde zusätzlich eingebaut, um der gentechnisch veränderten
Kartoffel zusätzlich eine neue Eigenschaft zu verleihen: eine Resistenz gegen
eine wichtige Kartoffelkrankheit, gegen den Pilz Phytophtora infestans, den
Erreger der Kraut- und Knollenfäule.
Diese Zielstellung ist eine völlig andere als bei AMFLORA. Hier würden manche
der dort verwendeten kritischen Argumente NICHT greifen (z.B.: „Stärkeindustrie
braucht das nicht“).
+ Hochinteressant ist aber vor allem, dass in dem BASF-Antrag von 2007
ausgesagt wird, dass „alle (hier aufgeführten) gentechnisch veränderten
Kartoffellinien das ahas Gen (acetohydroxyacid synthase oder acetolactate
synthase) enthalten … Die Expression des Gens vermittelt in Gewebekultur eine
Toleranz gegen den herbiziden Wirkstoff Imazamox und dient als Selektionsmarker.“
Hier wurden also unter anderem AMFLORA-analoge Stärkekartoffeln gezüchtet, die
die umstrittenen Antibiotika-Resistenzmarker gar nicht enthalten!
Gegen diese Züchtungen, die offenbar auch 2007 schon anbaureif waren, geht aber
die zentrale Argumentationslinie der Stellungnahme völlig ins Leere.
+ Noch ein Hinweis zu einem ganz anderen Gesichtspunkt:
In der Stellungnahme wird unter Punkt 3.4. auf „Gentechnikfreie Alternativen“
verwiesen. Benannt werden „herkömmlich gezüchtete“ oder „herkömmliche“ Stärkekartoffeln
als Alternative zu den gentechnisch erzeugten Varianten.
“Herkömmliche Züchtung“ – das klingt völlig harmlos und vertraut. Meiner
Ansicht nach ist aber auch hier kritische Distanz notwendig.
In einer Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft wird eines der
verwendeten Verfahren beschrieben (andere sind mir nicht bekannt): http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/12/super-kartoffel.jsp.
Beim „Tilling“ werden die Pflanzenzellen aggressiven Chemikalien ausgesetzt,
die das Erbgut durcheinanderbringen und Mutationen hervorrufen. Das geschieht
praktisch im Schrotschussverfahren, ungezielt, und was herauskommt, unterliegt
wohl im Wesentlichen Zufallskriterien (ein anderes Verfahren, das in der
„herkömmlichen“ Pflanzenzüchtung oft eingesetzt wird, ist die hochdosige
Bestrahlung der Zellen durch Röntgenstrahlen oder radioaktive Substanzen nach
dem Motto: „Mal sehen, was herauskommt“). Im hier berichteten konkreten Fall
der Züchtung einer stärkeoptimierten Kartoffel hat man 2748 Mutationsversuche
durchgeführt, von denen einer eine Kartoffelpflanze hervorbrachte, die
vorrangig das gewünschte Amylopektin erzeugt. „Die Amylose-Gene sind ausgeschaltet“
– es handelt sich also um das gleiche Endergebnis wie bei der AMFLORA-Kartoffel
(abgesehen von den Markergenen).
1. Was passiert, wenn solche – nicht mit gentechnischen Methoden, aber doch in
ihrer Erbsubstanz, d.h. genetisch veränderten – Kartoffeln auf dem Acker
wachsen, in die Nahrungsketten gelangen ? Haben wir dann nicht ähnliche
Verunreinigungsprobleme wie sie für AMFLORA kritisch diskutiert werden?
2. Ist es nicht verharmlosend, hier von „herkömmlichen“ oder „herkömmlich
gezüchteten“ Pflanzen zu sprechen. Ihr Erbgut wird durch massive Eingriffe von
außen (Chemikalien oder Strahlung) gestört und durcheinandergebracht
(Mutationen) in der Hoffnung, dass irgendwo auch von uns gewünschte nützliche
Veränderungen auftreten. Die Pflanze ist durch die Mutation genetisch eine
andere als ihre Artgenossen. Und woher wissen wir, ob nicht auch an einer
zweiten oder dritten Stelle im Erbgut – unerkannt - Veränderungen eingetreten
sind, die Probleme bedeuten könnten?
An Rückmeldungen zu diesen
Überlegungen bin ich sehr interessiert.
(Joachim Krause, krause.schoenberg@t-online.de
)
· Österreich zieht Studie
über Langzeitfolgen von gentechnisch verändertem Mais zurück;
die Studie 2008 hatte großes Aufsehen erregt, da einige der mit gentechnisch
verändertem Mais gefütterten Mäuse weniger Nachkommen zur Welt brachten;
bereits im Oktober 2009 hatte die österreichische Regierung bei der
EU-Kommission erklärt, dass es den mit der Studie beauftragten Wissenschaftlern
nicht gelungen sei, eine „zufrieden stellende statistische Auswertung der
Daten“ vorzulegen, eine solche werde auch nicht mehr erwartet;
Mäuse waren mit einer Diät gefüttert worden, die zu einem Drittel aus
gentechnisch verändertem Mais NK603xMON810 bestand
(www.transgen.de/aktuell/1167.doku.html gelesen
29.3.2010)
· 60 militante französische
Umweltschützer haben 70 genveränderte Rebstöcke des nationalen Instituts für landwirtschaftliche Forschung zerstört
(taz 17.8.2010 S.8)
· sechs Zerstörer eines
Feldes mit gentechnisch veränderten Weizenpflanzen in Gatersleben müssen sich
vor Amtsgericht Aschersleben verantworten; Schaden 245.000 Euro; Landgericht hatte sie
schon zu Schadenersatz von 142.000 Euro verurteilt; Urteil vom
Oberlandesgericht Naumburg kassiert
(taz 29.9.2010 S.8)
· Landgericht Gießen hatte
einen der bekanntesten Gentechnikgegner Deutschlands zu einer 6-monatigen
Gefängnisstrafe verurteilt; hatte 2006
mit 3 Mitstreitern gentechnisch veränderte Gerste auf einem Versuchsfeld der
Giessener Universität zerstört; er trat
jetzt die Strafe an
(taz 23.9.2010 S.9)
· Bundesverfassungsgericht
Karlsruhe erklärt in einem Urteil die im deutschen Gentechnikgesetz getroffenen
Regelungen für verfassungskonform;
klargestellt, dass der Einsatz von Gentechnik in der
Landwirtschaft „grundsätzlich zugelassen ist und nach dem Willen des
Gesetzgebers möglich bleiben soll“; Weil diese Technik aber „in die elementaren
Strukturen des Lebens eingreift“ und sich die Folgen solcher Eingriffe –„wenn
überhaupt“ – nur schwer rückgängig machen lassen, trifft den Gesetzgeber nach
Auffassung des Gerichts eine besondere Schutz- und Sorgfaltspflicht „für
wichtige Werte von Verfassungsrang wie des Lebens und der Gesundheit von
Menschen und der Umwelt“
(Freie Presse Chemnitz 25.11.2010 S.4)
· Genbank in Gatersleben;
minus 15 Grad Celsius, rund 27.000 Weizensorten, im Kühlraum bleibt ein
Weizenkorn 50 Jahre lang keimfähig, dann muss es erneut ausgesät werden; viele
Tausend Pflanzensorten pro Jahr werden auf kleinen Parzellen im Freiland
aufgefrischt (Handverlesene Kontrolle bei der Ernte, damit keine unerwünschten
Kreuzungen dabei sind);
2008 zerhackten sechs Aktivisten symbolisch genmanipulierte Weizenpflänzchen
auf dem Gaterslebener Acker; IPK forderte 200.000 Euro Schadenersatz; Urteil,
so milde, dass es fast an einen Freispruch grenzt: maximal 30 Tagessätze á 20
Euro je Angeklagten (zwischen 200 und 600 Euro)
(Der Spiegel 48-2010 S.154; taz 26.11.2010 S.08)
·
Die europäische
Lebensmittelbehörde EFSA befürwortet die Zulassung eines gentechnisch
veränderten Mais, mit acht zusätzlich
eingefügten Genen. Der Mais mit der Markenbezeichnung „SmartStax“, der in der
EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen werden soll, produziert sechs
verschiedene Bt-Insektengifte. Zudem ist er gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel
resistent gemacht worden. Er wurde von den Firmen Monsanto und Dow AgroSciences
durch Kreuzung verschiedener gentechnisch veränderter Pflanzen entwickelt. Auf
diese Weise hergestellte Gen-Pflanzen werden auch als „Stacked Events“
bezeichnet. In den USA und Kanada ist SmartStax bereits für den Anbau
zugelassen.
Die EFSA hat sich für die Zulassung von SmartStax ausgesprochen, ohne Tests zur
Überprüfung der gesundheitlichen Risiken der Pflanzen mit dieser Genkombination
zu verlangen. Sie stützt ihre Empfehlung im Wesentlichen auf die
Risikobewertung der Ausgangspflanzen, die für die Kombinationskreuzungen
verwendet wurden.
(http://www.testbiotech.de/node/422
)
·
AVEBE und BASF
Plant Science starten F&E-Kooperation für gentechnisch optimierte
Amylopektinstärke-Kartoffeln
- Ziel ist eine nachhaltigere Produktion von Stärkekartoffeln und
Stärkeverarbeitung
- Gemeinsame Entwicklung von pilzresistenten Amylopektinstärke-Kartoffeln für
europäische Landwirte
Der Kartoffelstärkeproduzent AVEBE, Foxhol, Niederlande und das
Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen BASF Plant Science, Limburgerhof,
Deutschland, haben heute (14. Dezember 2010) eine Forschungs- und
Entwicklungskooperation im Bereich Pflanzenbiotechnologie angekündigt. Die
Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen in der biotechnologischen Entdeckung sowie
in der Züchtung gentechnisch veränderter Kartoffeln mit dem Ziel, Landwirten moderne
und pilzresistente Stärkekartoffelsorten zur Verfügung zu stellen. Sie beginnen
mit der Entwicklung einer Amylopektinstärke-Kartoffel,
die gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent sein wird. Die Kraut- und
Knollenfäule stellt für Landwirte in Europa ein großes Problem dar. Die
Unternehmen erwarten, dass die ersten Sorten ab 2019 auf dem Markt verfügbar
sein werden.
(BASF Newsletter, 14.12.10)
·
Trockenheit in
Indien – 17.000 Bauern begehen Selbstmord
Nach der schlimmsten Trockenheit seit Jahrzehnten haben sich in Indien 17.368
Landwirte das Leben genommen
(kein Bezug auf Gentechnik-Anwendung JK)
(taz 18.1.2011 S.10)
· Prof. Reinhard Szibor:
„Gentechnik und Kirche: Angstdebatte mit vielfach widerlegten Behauptungen“
Interview und ausführliches Memorandum
(Der Sonntag, Sachsen, 30.10.2011; Memorandum – www.krause-schoenberg.de/gent_Prof_Szibor_Interview_Gruene_Gentechnik_30-10-2011.htm
)
· Chemiekonzern BASF und
Nahrungsmittelkonzern Cargill wollen gemeinsam Produkte mit gentechnisch
verändertem Rapsöl entwickeln; Das Rapsöl enthalte größere Mengen der als
lebensnotwendig geltenden Omega-3-Fettsäuren; Ziel sind Nahrungsmittel,
die das neue Öl enthalten
(Freie Presse Chemnitz 3.11.2011 S.6)
· deutscher Chemiekonzern
BASF hat Zulassung einer gentechnisch veränderten Kartoffelsorte beantragt;
Sorte FORTUNA soll als Lebensmittel für Menschen und als Futtermittel für Tiere
genutzt werden;
Forschung seit 2003, 6 Jahre in Feldversuchen getestet;
soll 2024 oder 2015 auf den Markt kommen;
gentechnisch Schutz gegen die Kraut- und Knollenfäule eingebaut
(Freie Presse Chemnitz 1.11.2011 S.6; taz 1.11.2011 S.2)
· gentechnisch veränderte
Kartoffelsorte FORTUNA (BASF);
Ein Ausbruch der Kartoffelfäule kann auch heute bis zu 15% der Ernte kosten.
Darum setzen Bauern Pflanzenschutzmittel gegen die Fäule ein. In Deutschland
fahren sie in der Anbausaison bis zu 16-mal mit der Giftspritze aufs Feld.
Biobauern bekämpfen Phytophthora mit umweltbelastenden Kupferverbindungen. ;
bei FORTUNA wurden zwei Gene aus einer mexikanischen Wildkartoffel in eine zur
Pommes-Herstellung beliebte Kultursorte eingebaut. Die Übertragung der
natürlichen Resistenzen auf ertragreiche Kultursorten hatten Züchter zuvor 50
Jahre lang vergeblich versucht.
(DIE ZEIT 10.11.2011 S.41)
· erstmals haben chinesische
und US-amerikanische Forscher aus gentechnisch verändertem Reis menschliches
Albumin (HSA) gewonnen; das Eiweiß reguliert die Flüssigkeitsverteilung
zwischen Blut und Körpergewebe, zudem übernimmt es im Blut den Molekültransport;
in der Medizin ist HSA Bestandteil von Impfstoffen und Medikamenten, die bei Leberkrankheiten, in der Dialyse oder bei schweren
Verbrennungen zum Einsatz kommen;
bislang konnte das Eiweiß nur aus dem Blutplasma menschlicher Spender gewonnen
werden und war daher notorisch knapp;
nun sei es gelungen, 2,75 Gramm HSA aus einem Kilogramm Reis zu produzieren –
kosteneffizient ist die Erzeugung bereits bei 0,1 Gramm Albumin je Kilogramm
Reis
(Freie Presse Chemnitz 7.11.2011 S.1)
· Die französische Justiz hat
das Anbauverbot für Genmais kassiert, das die Regierung vor dreieinhalb Jahren
verhängt hatte. Das Landwirtschaftsministerium habe nicht beweisen können, dass
der Genmais ein besonderes Risiko für die Gesundheit oder die Umwelt bedeute,
so der Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht. Der Europäische Gerichtshof
hatte Frankreich im September aufgefordert, sein MON-810-Anbauverbot auf eine
neue juristische Grundlage zu stellen. (afp)
(taz 29.11.2011 S.2)
· Mit einer Vergleichszahlung
von mehr als einer halben Milliarde Euro an amerikanische Reisbauern will Bayer
CropScience einen jahrelangen Rechtsstreit um gentechnisch veränderten Reis
beenden.;
Bayer CropScience bietet allen US-Landwirten, die zwischen 2006 und 2010
Langkornreis angebaut haben, eine außergerichtliche Einigung an. Dafür stünden
bis zu 750 Millionen Dollar bereit, das sind derzeit rund 516 Millionen
Euro. Die betroffenen Bauern haben nun 90 Tage Zeit, ihre Ansprüche geltend zu
machen;
Bayer CropSciene hatte durch den Kauf einer US-Firma, die den Genreis testweise
angepflanzt hatte, auch die Verantwortung für deren Produkte übernommen. 2005
waren Spuren davon in Lieferungen von kommerziellem Langkornreis aus dem Süden
der USA entdeckt worden. Die Europäische Union verhängte daraufhin
Importbeschränkungen für amerikanischen Reis, obwohl der Reis als unbedenklich
eingestuft worden war. Wegen der Einnahmeausfälle verklagten Bauern, Händler
und Unternehmen Bayer CropScience deshalb auf Schadensersatz
(taz 4.7.2011 S.9)
· Bei der Erforschung neuer
Weizensorten will der Chemiekonzern Bayer in den kommenden Jahren auf
Gentechnik verzichten. Das Unternehmen wolle Weizensorten entwickeln, die Hitze
und Trockenheit besser aushalten können, ohne dabei gentechnische Veränderungen
vorzunehmen, so die Agrarchemiesparte. Durch die Verwendung spezieller
Zuchttechniken, die es Züchtern ermöglicht, eine Vielzahl von Samen nach gewünschten
Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit zu untersuchen, könne
der Konzern neue Sorten schneller entwickeln
(taz 30.11.2011 S.8)
· Feldzerstörungen erreichen
offenbar neue Qualität;
Täter zerstören in Mecklenburg und Sachsen-Anhalt Gentech-Pflanzen - und halten
Polizei zufolge einen Wächter in Schach;
An beiden Orten gingen die Täter nach Polizeiangaben arbeitsteilig und sehr
professionell vor. Gemeinsam ist den Taten auch, dass sie sich gegen
Freilandversuche im Auftrag der Universität Rostock richteten. Die ausführenden
Firmen teilten mit, die Hochschule habe dort Kartoffeln zur Herstellung eines
Impfstoffs und von Bioplastik sowie einen pilzresistenten Weizen getestet. Der
Schaden betrage mindestens 350.000 Euro
(taz 12.7.2011 S.7; taz 15.7.2011 S.19)
· „Ökoterror . Die Gegner der
grünen Gentechnik werden gewalttätig“
Es ist fast ein Ritual: Auf die Aussaat folgt der Angriff. Wann immer jemand in
Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, werden Felder zerstört.
Gentechnikgegner reißen Getreide und Kartoffeln aus der Erde oder zertrampeln den
Acker. Sie zerstören damit nicht nur einen Teil der Ernte oder ein paar
Quadratmeter Anbaufläche: Weil die meisten Aussaaten offene wissenschaftliche
Fragen beantworten sollen, vernichten die Aktionen die Arbeit von Jahren.
Anfang vergangener Woche wurden in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt
zwei Versuchsstandorte zerstört. Der Schaden wird auf jeweils 250.000 Euro
geschätzt.
Diesmal nahm die Auseinandersetzung jedoch eine neue, eine gewalttätige
Dimension an. Die Angreifer waren vermummt und bewaffnet. Sie drohten den
Sicherheitskräften am Feldrand mit körperlicher Gewalt, erzwangen die
Herausgabe von Handys und Akten. Die Anzeige lautet nicht nur auf
Landfriedensbruch und Sachbeschädigung, sondern auf räuberische Erpressung.;
Dass es gerade sie (universitäre Einrichtungen) traf, ist neben der
erschreckenden Bereitschaft zur Gewalt das zweite bemerkenswerte Detail der
aktuellen Überfälle. Fast alle Universitäten haben sich mit ihren Experimenten
wieder ins Gewächshaus zurückgezogen, wo sie Grundlagenforschung an
Modellpflanzen betreiben. Es ist den Gegnern gelungen, die unabhängige
akademische Forschung an gentechnisch veränderten Nutzpflanzen von deutschen
Feldern zu vertreiben. Nun werden offenbar gezielt die letzten universitären
Pflanzengenetiker im Freiland attackiert.
Die Eskalation zeigt zunächst: Viel zu lange hat der Rechtsstaat die Attacken
auf die Forschungsfreiheit als Kavaliersdelikte behandelt. Den Tätern fehlt,
das zeigen die Bekennerschreiben, jegliches Unrechtsbewusstsein
(DIE ZEIT 21.7.2011 S.29)
· Interview mit Prof. E.-L.
Winnacker;
Was wäre der GAU der
Grünen Gentechnik? Eine Art Superunkraut, das die Welt überwuchert? Eine
Störung des natürlichen Gleichgewichts? Die Verbreitung von Genen zwischen
Nutzpflanzen und anderen Pflanzen? Das Auftreten unbekannter Allergien? All das
und vieles mehr ist in Hunderten von Umweltverträglichkeitsprüfungen intensiv
untersucht worden, ohne dass es bisher einen einzigen ernst zu nehmenden
Hinweis darauf gibt, von gentechnisch veränderten Pflanzen gingen besondere
Risiken für Mensch und Umwelt aus.;
Im Glauben, beim Einsatz der Grünen Gentechnik jede Vermischung vermeiden zu
müssen, hat der Gesetzgeber Regeln für den Anbau eingeführt. Sie schreiben
definierte Mindestabstände zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten
Pflanzen und solchen mit konventionellen Pflanzen vor. Je nach Feldfrucht sind
es zwischen 150 und 300 Meter. Einen zuverlässigen Schutz kann jedoch auch das
nicht gewährleisten. Selbst wenn etwa die relativ schweren Maispollen vom Wind
in der Regel nicht allzu weit getragen werden, können Bienen mit ihrer
Pollenfracht solche Distanzen mit Leichtigkeit überwinden.;
Viele Aspekte der grundsätzlichen Kritik an der Weiterentwicklung der Landwirtschaft
werden fälschlicherweise mit der Gentechnik verknüpft. Die Gefährdung der
Biodiversität, die Förderung großagrarischer Strukturen auf Kosten
kleinräumiger Landwirtschaft, die fehlende Weiterentwicklung ökologischer
Anbaumethoden – all das wird der Gentechnik zur Last gelegt, obwohl hier ursächlich
keine Zusammenhänge bestehen. Es bedarf ganz offenbar eines Sündenbockes. Und
nichts bietet sich dafür besser an als die Grüne Gentechnik.;
Wer den Welthunger nur für ein Verteilungsproblem hält, argumentiert zynisch.
Natürlich gibt es Verteilungs- und Zugangsprobleme, aber es gibt auch einen
echten Mangel an Lebensmitteln, verursacht durch Klimawandel, die wachsende
Weltbevölkerung und den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern.
(DIE ZEIT 10.11.2011 S.41)
· Es gibt sie schon, die
Wunderpflanze. Sie kann Menschen vor Blindheit bewahren, vor Mangelernährung,
vor dem Hungertod. Golden Rice heißt sie, der Name ist im eigentlichen wie im
übertragenen Sinn treffend. Die Reiskörner sind gelb, denn die Pflanze
produziert Carotin, das lebensnotwendige Provitamin A. An Vitamin-A-Mangel
sterben täglich weltweit 6.000 Menschen. 250 Millionen Vorschulkinder leiden
unter der Mangelernährung, 250.000 Kinder pro Jahr erblinden, die Hälfte von
ihnen stirbt ein gutes Jahr später.
Doch der rettende Reis hat ein Akzeptanzproblem. Die Menschen in den
Entwicklungsländern sind strahlend weiße Körner gewohnt, gelben trauen sie
nicht so recht. Vor allem aber ist Golden Rice eine gentechnisch veränderte
Pflanze. Seine segensreiche Eigenschaft hat ihm der heute emeritierte Schweizer
Professor Ingo Potrykus eingebaut. Darum wird die Pflanze von Gentechnik-Kritikern
bekämpft, die auch in Ländern wie China und Indien an Einfluss gewinnen. Das
Argument dort: Warum sollten Menschen in Entwicklungsländern essen, was die
Deutschen mehrheitlich nicht auf dem Teller haben wollen – Gen-Food?
(DIE ZEIT 16.6.2011 S.26)
· mindestens 925 Millionen
Menschen hungern, und 578 Millionen davon leben in Asien und ernähren sich
vorwiegend von Reis;
das International Rice Research Institute IRRI hat schon einmal die Menschheit
vor einer Katastrophe bewahrt; zu Beginn der 1970er Jahre; Hochertragssorte
entwickelt (IR8), mit der der Ernteertrag bei Reis verdoppelt werden konnte;
Grüne Revolution; innerhalb von 40 Jahren stieg die Reisproduktion von 318 auf
über 700 Millionen Tonnen; mehr als die Hälfte der über tausend neuen
Reissorten stammen aus den Labors von IRRI;
vor kurzem eine Sorte entwickelt, die besonders für Hochwassergebiete wie
Bangladesh geeignet ist, sie kann Überschwemmungen überstehen und selbst unter
Wasser mehr als 2 Wochen überleben; die Züchter setzen auf gentechnisch
modifizierten Reis;
Dobermann (Dr. Rice) will noch in diesem Jahr den genetisch modifizierten
„Golden Rice“ auf den philippinischen Markt bringen
(Der Spiegel 38-2011 S.108)
·
Was die Etiketten verstecken - "Ohne
Gentechnik" bedeutet oftmals doch "mit", denn die
Kennzeichnungspflicht ist lückenhaft;
Immer wieder spricht sich in Umfragen eine deutliche Mehrheit der Deutschen
gegen die Anwendung von Gentechnik aus. Viele dürften sie für eine exotische
Nischentechnologie halten, auf die man in Landwirtschaft und
Nahrungsmittelproduktion genauso gut verzichten könnte. Schließlich scheint im
Lebensmittelregal nichts davon anzukommen. Dem widersprechen Schätzungen von
Experten: 50, 60 oder gar 80 Prozent aller Artikel in einem typischen
Supermarkt seien bei irgendeinem Herstellungsschritt mit der Technologie in
Berührung gekommen;
in Wahrheit weiß es niemand so richtig. »Dazu haben wir keine Angaben«, sagt
der Sprecher von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner und fügt hinzu:
Eine Analyse müsse wohl ganz unten beginnen, »also bei Vitaminen, Zucker,
Milch, Tierfutter...«;
Als Konsequenz aus dem Honigurteil des EuGH könnte die Auswahl schrumpfen. Der
Nulltoleranzidee folgend, hatten die Luxemburger Richter im Sinne eines
Augsburger Imkers geurteilt: Enthält Honig auch nur einen einzigen Pollen einer
hierzulande nicht zugelassenen, genveränderten Sorte, dann darf er ohne eigene
Zulassung nicht verkauft werden. Nichts zu tun hat das Urteil mit
Gesundheitsrisiken (darauf gab es keine Hinweise) und der Möglichkeit, dass der
Pollen sich noch verbreiten könnte (kann er definitiv nicht);
Keine einzige genetisch veränderte Speisesorte besitzt derzeit diese Zulassung,
nur eine Industriefrucht. Es ist die Kartoffel Amflora, die allerdings nur für
die chemische Industrie angebaut werden soll;
Die Käsetheke – Aus Milch kann erst Käse werden, wenn das Milcheiweiß aus der
restlichen Flüssigkeit ausfällt. Dieser künstlichen Verdauung half man früher
mit natürlichen Verdauungssäften auf die Sprünge, mit dem Magensaft von Kälbern
(Lab), der das Enzym Chymosin enthält. Inzwischen wird dieses überwiegend
synthetisch erzeugt, und zwar mithilfe genetisch veränderter Mikroben;
Als Produktionshilfsstoff muss Lab nicht in der Zutatenliste auftauchen. Diese
Stoffe stammen auch bei anderen Lebensmitteln – vor allem industriell erzeugten
– oft aus weißer Gentechnik;
Die Fleischtheke – Beim Kauf von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch springt
bei manchen Verpackungen wie auch bei Milchprodukten das Siegel »Ohne
Gentechnik« ins Auge. Mit diesem Etikett wollte die Bundesregierung mehr
Transparenz schaffen, doch die Kennzeichnung ist umstritten, weil sie Ausnahmen
zulässt: So dürfen Rinder bis zu 12 Monate vor ihrer Schlachtung mit transgenen
Pflanzen gefüttert werden. Bei Schweinefleisch sind es vier Monate, bei
Hähnchen zehn Wochen Karenzzeit.
Jederzeit dürfen Fleisch-, Milch- und Eierlieferanten zudem Zusatzstoffe ins
Futter mischen, die aus dem Bioreaktor stammen, um Ernährungsmängel bei der
Mast auszugleichen. Zufällige Verunreinigungen des Futters mit zugelassenen und
als sicher befundenen Gentechniksorten, etwa mit importierter Soja, werden bis
zu einer gesetzlich festgelegten Grenze von 0,9 Prozent toleriert. Hinzu kommt,
dass alle Nutztiere mit gentechnisch erzeugten Medikamenten und Impfstoffen fit
gehalten werden dürfen. Somit können an der Fleischtheke und im Milchregal
nicht nur die grüne und die weiße, sondern auch die »rote Gentechnik« vertreten
sein;
Eine Viertelmillion verschiedener Produkte stehen in deutschen
Lebensmittelgeschäften, jedes Jahr kommen Zehntausende hinzu;
Dennoch bleibt Spielraum für Ungewissheit. Jährlich führt die EU 35 Millionen
Tonnen Soja ein, doch eine absolute Trennung zwischen transgenen und anderen
Bohnen ist bei der Verarbeitung nicht möglich (in solchen Fällen greift die
0,9-Prozent-Regel). Daher finden sich auch in als »gentechnikfrei« deklarierten
Produkten sehr geringe Mengen gentechnisch veränderter Soja – bundesweit. 2008
war bereits gut ein Viertel der Nahrungsmittel betroffen.
Die Getränkeecke – Vom herkömmlichen Saft bis hin zum exotischen
Fruchtsaftgetränk, oft wird die Natürlichkeit betont. Doch auch bei ihrer
Herstellung kann Gentechnik eingesetzt worden sein. Etwa beim Auspressen der
Früchte, wenn mittels Enzymen die Zellwände zerstört werden, um mehr Saft aus
Apfel, Traube und Co. herauszupressen. Die Enzyme Pektinase, Cellulase oder
Xylanase können allesamt von gentechnisch veränderten Mikroben stammen. Zusätzlich
werden Amylasen eingesetzt, um trübe Säfte klar werden zu lassen.
Auch Vitamin C ist nicht immer natürlichen Ursprungs. Es wird in unbekanntem
Maße bereits kommerziell von transgenen Mikroorganismen hergestellt. Die
Vitamine B2 und B12 stammen sogar fast ausschließlich von Gentechnik-Bakterien.
Vitamin E wird oft aus genetisch veränderter Soja gewonnen;
Die süße Quengelware – Schokoriegel, Bonbons und Eiscreme enthalten Zucker, der
oft aus Zuckerrüben hergestellt wird. Die Pflanze ist 2009 weltweit auf mehr
als 4,3 Millionen Hektar angebaut worden, 11 Prozent davon waren genetisch
verändert. In der EU ist das nicht erlaubt, der Import von gv-Rüben aus
Nordamerika – ihr Anteil beträgt dort 95 Prozent – hingegen schon. Einige
US-Produkte mit Gen-Süße finden sich daher auch in deutschen Supermärkten. Sie
müssen allerdings gekennzeichnet werden – unabhängig davon, ob genveränderte
Stoffe der Rübe im Endprodukt nachgewiesen werden können;
(Die Zeit 15.9.2011 S.49 - http://www.zeit.de/2011/38/Gentechnik-Kennzeichnung
)
·
rund 1 Million
Tonnen Glyphosat (z.B. in „Roundup“) wurden 2010 weltweit verkauft;
2 Milliarden Dollar Umsatz hat Monsanto 2010 allein mit Roundup gemacht;
USA: 9 von 10 Sojabohnen und die meisten Maispflanzen stehen im
Glyphosat-Regen;
in Deutschland ist die Chemikalie Bestandteil von 69 Pflanzenschutzmitteln;
ob von Glyphosat Gefahr ausgeht, ist noch strittig
(der Spiegel 25-2011 S.118)
·
Die
Bundesregierung hält die Zulassung des weltweit am meisten verkauften
Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat trotz neuer Hinweise auf mögliche Gefahren
für gerechtfertigt. Die Untersuchungen, die Risiken etwa für Embryonen
nahelegen, würden von unrealistischen Bedingungen ausgehen, heißt es in einer
der taz vorliegenden Antwort des Agrarministeriums auf eine Kleine Anfrage des
Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Ebner.;
haben vor allem die Grünen in den vergangenen Wochen auf Studien beispielsweise
des argentinischen Medizinprofessors Andrés Carrasco am Forschungsinstitut
Conicet in Buenos Aires hingewiesen. Er hatte Frosch- und Hühnerembryonen dem
Pestizid ausgesetzt und danach Missbildungen festgestellt.
Doch nach Meinung der Bundesregierung, die im Auftrag der EU Daten über
Glyphosat sammelt, ist das kein Beweis dafür, dass die Chemikalie
gesundheitsschädlich ist. Denn die Argentinier hatten die Tierembryonen direkt
in ein Glyphosat-getränktes Bad getaucht oder ihnen die Substanz gespritzt -
die schützende Plazenta wurde also umgangen. Das Agrarministerium schreibt
deshalb, die Versuche hätten unter "extrem unphysiologischen
Bedingungen" stattgefunden. Die Studien berücksichtigten auch nicht, dass
Säugetiere Stoffe anders verarbeiten als Reptilien und Vögel.
Die Regierung versucht auch den Vorwurf zu entkräften, sie wisse schon seit
Jahren von besorgniserregenden Studien über Glyphosat. Zwar sei in diesen
Untersuchungen "über vereinzelte Befunde am Herzen berichtet" worden
- aber nur "nach Verabreichung von unrealistisch hohen Dosierungen";
Positiver bewertet die Regierung Analysen des französischen Molekularbiologen
Gilles-Eric Séralini. Er hatte menschliche Zellen Glyphosat ausgesetzt. Viele
starben ab. Das ist auch für das Agrarministerium ein Hinweis auf
"toxische Wirkungen" von Glyphosat-haltigen Mitteln - auch wenn das
Problem offenbar nicht von dem Wirkstoff, sondern von Beistoffen wie dem
Netzmittel Tallowamin verursacht worden seien. Doch aus "Erfahrungen am
Menschen auf Basis des jahrzehntelangen Einsatzes glyphosathaltiger Herbizide
oder aus epidemiologischen Studien" ergäben sich keine Hinweise auf Gefahr
für Menschen
(taz 7.10.2011 S.9)
·
Vandana Shiva
kritisiert den Gentech-Giganten Monsanto. Der Anbau ursprünglicher Baumwolle
sei unmöglich geworden. Das Saatgutmonopol habe 250.000 Bauern in den
Selbstmord getrieben;
Wenn Sie in ein Saatgutgeschäft im Bundesstaat Kerala gehen, werden Sie dort
nur Gentech-Baumwolle unter den verschiedenen Markennamen von Firmen finden,
die der US-Hersteller Monsanto aufgekauft hat. Die Bauern müssen die Gentech-Baumwolle
kaufen, weil nichts anders mehr angeboten wird.;
Hat die Einführung der Gentechnik den Bauern geschadet?
Wegen des Saatgutmonopols haben sich 250.000 Bauern in Indien umgebracht. Die
Suizide häufen sich in den Baumwollregionen, besonders seit der Einführung der
Gentech-Baumwolle im Jahr 2002. Damals sind die Kosten für Saatgut drastisch
gestiegen. Deshalb machen die Bauern Schulden, die sie oft nicht mehr bedienen
können - viele bringen sich dann um;
Die Konzerne sagen, Gentech-Saatgut sei teurer, aber dafür verschaffe es den
Bauern höhere Gewinne.
Nirgendwo hat die Gentechnik den Ertrag einer Pflanze erhöht. In Indien haben
sie versprochen, dass Gentech-Pflanzen 1.500 Kilogramm pro Acre (0,4 Hektar)
bringen. Und jetzt mussten sie zugeben: Es sind 400 bis 500 Kilogramm. Unseren
Daten zufolge sind es nur 300 bis 400 - im Durchschnitt.
(taz 2.9.2011 S.4)
·
Die Biotech-Lobbygruppe ISAAA (International Service for the Acquisition
of Agri-biotech Applications) berichtet, dass es in China große Fortschritte
bei der Entwicklung gentechnisch veränderter (gv) Weizenlinien gebe. Bei einem
Treffen des Programms „Abiotic-tolerant GM Wheat New Variety Development“ in
der Akademie für Agrarwissenschaften von Shijiazhuang, das bereits im Juni mit
mehr als 60 TeilnehmerInnen stattfand, habe der leitende Wissenschaftler des
Programms, Youzhi Ma über den Fortschritt des Projekts berichtet. „Viele
trockentolerante gentechnisch veränderte Weizenlinien sind in den
vergangenen zwei Jahren entwickelt worden. Die Gene, die bei der gentechnischen
Veränderung genutzt werden, stammen aus Soja und Weizen. Die geistigen
Eigenzumsrechte liegen bei uns selbst.“ Bisher seien 46 gv-Weizenlinien in
Pilotversuchen ausprobiert worden. Vier Linien seien im Anschluss auch im
Freiland getestet worden.
(http://news.agropages.com, 23.06.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/208/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel)
· Das nächste EuGH-Urteil:
Nationale Anbauverbote für Gentechnik-Mais MON810 nur bei
"offensichtlicher Gefahr";(08.09.2011)
EU-Mitgliedsstaaten können EU-weit zugelassene Gentechnik-Pflanzen nur
verbieten, wenn die "Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt
offensichtlich gefährdet sind". Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in
einem heute verkündeten Urteil enge Grenzen für nationale Alleingänge gesteckt.
Danach dürften sich die von den Regierungen in Deutschland und Frankreich
verfügten Anbauverbote für gentechnisch veränderten Bt-Mais MON810 kaum
aufrecht erhalten lassen. Für deren Überprüfung sind nationale Gerichte
zuständig.
(http://www.transgen.de/aktuell/1639.doku.html
)
·
In einem Gewächshaus des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und
angewandte Ökologie in Aachen wachsen gentechnisch veränderte (gv)
Tabakpflanzen, in denen Medikamente gegen die Immunschwäche HIV produziert
werden sollen. Die Wirksamkeit dieser Medikamente wird nun am Klinischen
Forschungszentrum der Universität von Surrey (Großbritannien) in einer Studie
getestet. Nach Darstellung der online-Ausgabe der britischen Tageszeitung
Guardian sei das Besondere an dieser Forschung jedoch der Nachweis, dass die so
genannten monoklonalen Antikörper überhaupt in Pflanzen produziert werden
könnten. Die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich eine deutlich
verbesserte und effizientere Herstellung der Stoffe. Der Koordinator des Projekts,
Julian Ma von der T. Gearge Universität in London, betont die Bedeutung der
Zulassung für klinische Studien. Diese sei eine Anerkennung, dass es möglich
sei, mo¬no¬klonale Antikörper in Pflanzen mit der gleichen Qualität
herzustellen wie über die bekannten konventionellen Produktionswege. Die
Entwicklung des HIV-Impfstoffs ist Teil des von der Europäischen Union
geförderten Projektes Pharma Planta.
(Guardian online, 19.07.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel
)
· EU: Nulltoleranz gefallen
Nach jahrelangem politischen Gezerre hat sich die Gentech-Lobby in Brüssel
durchgesetzt. In der EU werden in Zukunft Spuren nicht zugelassener
gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Futtermitteln toleriert. Das hat
die Europäische Kommission am 24. Juni entschieden. Umgesetzt wird die Regelung
in Form eines Grenzwertes von 0,1 Prozent, der nur auf Futtermittel angewendet
wird. Die Nachrichtenagentur Reuters behauptet, es gebe in der EU auch eine
Mehrheit für einen entsprechenden Grenzwert für Spuren von in der EU nicht zugelassenen
GVO in Lebensmitteln, die Kommission plane jedoch nicht, einen Vorschlag in
dieser Sache vorzulegen. Welche Länder diese Mehrheit bilden oder was die Basis
dieser Behauptung ist, dazu schweigt die Nachrichtenagentur.
(Reuters, 24.06.11; siehe dazu auch das MEMO/11/451 vom 24.06.11 der
EU-Kommission, http://ec.europa.eu) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/207/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel
)
· Eine dem US-Landwirtschaftsministerium nachgeordnete
Behörde hat einen neuen gentechnisch veränderten Mais des Schweizer Saatgut-
und Chemiekonzerns Syngenta zugelassen. Der Mais mit der Bezeichnung 3272
produziert das Enzym Alpha-Amylase, das eine spätere Verarbeitung der
geernteten pflanzlichen Rohstoffe zu Ethanol erleichtern soll. Das Enzym
zersetzt Stärke zu Zucker.
(USDA-APHIS, www.aphis.usda.gov; NAMA PM, www.namamillers.com; FoE-US PM,
www.foe.org; alle 11.02.11) (pau) (http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/204/kurz-notiert-landwirtschaft-und-lebensmittel
)
· Ein neuer Schädling: Der Maiswurzelbohrer ist kaum zu
stoppen
In den europäischen Maisanbaugebieten müssen sich die Landwirte auf einen neuen
Schädling einstellen. Auch in Deutschland ist der Maiswurzelbohrer angekommen,
seit 2007 zunächst in Süddeutschland, 2010 auch in Nordrhein-Westfalen. 2011
hat sich in Baden-Württemberg die Zahl der in den aufgestellten Fallen
gefundenen Käfer verfünffacht. Der Schädling in ist der Oberrheinebene
inzwischen großflächig verbreitet. Das Ziel, ihn auszurotten und seine
Ansiedlung zu verhindern, ist nicht mehr erreichbar. Nun gilt es, geeignete
Bekämpfungsstrategien zu finden. Doch das scheint schwierig, denn die ideale
Lösung gibt es nicht.
Eine optimale Bekämpfungs-Strategie gibt es derzeit nicht.
+ Fruchtwechsel: Wenn nicht mehr Mais auf Mais angebaut wird, kann man damit
zwar den Befall deutlich reduzieren. Ausrotten lässt sich der Schädling allein
durch Fruchtwechsel nicht. Ein Teil der Käfer-Eier überlebt auch zwei Jahre im
Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt. Einige Larven fressen auch an
bestimmten Gräsern und sind daher nicht auf Maispflanzen angewiesen.
+ Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten
Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die
Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung verbindlich
vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden
war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen
verfrachtet wurde. Da der Beiz-Wirkstoff für Bienen giftig ist, kam es am
Oberrhein zu einem Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe
(Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt.
+ Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können
Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen
können. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide
zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind
teure Spezialfahrzeuge erforderlich.
+ Gentechnisch veränderter Mais. In den USA werden schon seit einigen Jahren
gv-Maissorten angebaut, die vor allem in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante
des Bt‑Proteins bilden, die gezielt gegen den Maiswurzelbohrer gerichtet
ist.Das Konzept ist von dem auch in Europa zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt,
bei dem das Protein gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In
Europa ist die Zulassung von Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz zwar
beantragt, eine Zulassung jedoch noch nicht in Sicht. In Deutschland hat sich
ein großes, öffentlich gefördertes Forschungsprojekt damit beschäftigt, ob ein
Anbau dieser Bt-Mais-Variante schädliche Auswirkungen auf Umwelt und
Biodiversität haben könnte. Untersucht wurde vor allem, ob es negative
Einflüsse auf das Bodenleben gibt.
(http://www.transgen.de/anbau/btkonzept/992.doku.html
)
·
Baumwollanbau in
Indien: Über 90 Prozent mit Gentechnik
- Deutlich weniger Insektizide;
(28.07.2011) In Indien hat sich gentechnisch veränderte Baumwolle weitgehend
durchgesetzt. Nach Angaben der Regierung in Neu Dehli wird 2011 eine Fläche von
9,8 Millionen Hektar damit bewirtschaftet. Acht Jahre nach der Markteinführung
entfallen fast neunzig Prozent der indischen Baumwollproduktion auf gv-Sorten.
Die Landwirte können mit ihnen deutlich höhere Erträge bei geringerem
Insektizideinsatz erzielen. Dadurch sind die vor allem bei Kleinbauern
verbreiteten Vergiftungen zurückgegangen.
Mit einer Gesamtfläche von nunmehr 11,1 Millionen Hektar ist Indien der
weltweit größte Baumwollerzeuger. Wie bisher in jedem Jahr seit der
Markteinführung 2002 ist auch 2011 der auf gentechnisch veränderte Sorten
entfallende Anteil erneut auf nunmehr knapp 90 Prozent (9,85 Millionen Hektar)
gestiegen, ein Zuwachs von zwei Prozent (0,5 Mio ha) gegenüber 2010.
Gleichzeitig legte die in Indien produzierte Gesamtmenge an Baumwolle um mehr
als 30 Prozent zu.
Baumwolle wird in Indien überwiegend von Kleinbauern angebaut, die eine Fläche
bis zu drei Hektar bewirtschaften. Gerade sie können mit schädlingsresistenten
Bt-Baumwollsorten ihre wirtschaftliche Situation deutlich verbessern, wie eine
von dem Göttinger Agrarökonom Matin Qaim zwischen 2002 und 2009 in Indien
durchgeführte repräsentative Studie ergab.
Zwar müssen die Bauern für gv-Sorten weit mehr als das Doppelte bezahlen wie
für konventionelles Saatgut. Da gv-Baumwolle durch das in der Pflanzen
gebildete Bt Protein über die ganze Vegetationsperiode gegen die wichtigsten
Schädlinge geschützt ist, lag jedoch der Ernteertrag um durchschnittlich 37
Prozent höher. Auch die Kosten für die chemische Schädlingsbekämpfung sanken um
40 Prozent. Unter dem Strich erzielten indische Kleinbauern durch Bt-Baumwolle
pro Hektar einen durchschnittlichen Mehrgewinn von 135 US-Dollar.
In einer weiteren, gerade erschienenen Studie nach haben Qaim und sein
pakistanischer Kollege Shazad Kouser den Insektizideinsatz im indischen
Baumwollanbau und ihre Folgen für den Zeitraum zwischen 2002 und 2008 genauer
untersucht. Demnach ist mit zunehmendem Anbau von Bt-Baumwolle der Gebrauch von
Insektiziden um 50 Prozent zurückgegangen, bei der Gruppe der besonders
giftigen Insektizide sogar um 70 Prozent.
Gerade Kleinbauern können es sich oft nicht leisten, Insektizide sachgemäß
aufzubringen: Sie verwenden Handspritzen, es fehlt an Schutzkleidung und sie
greifen oft zu billigen, besonders toxischen Mitteln. Dadurch sind gerade
Kleinbauern von den gesundheitlichen Folgen des Insektizideinsatzes auf ihren
Baumwollfeldern betroffen. Die Auswertung der Daten, so Qaim und Kouser,
"zeigt klar, dass mit Bt-Baumwolle die Zahl der Vergiftungen durch
Insektizide bei den Kleinbauern in Indien zurückgegangen ist." Wenn man
die inzwischen gestiegene Anbaufläche berücksichtige, werden durch Bt-Baumwolle
"vorsichtig geschätzt" jährlich 2,3 Millionen Fälle von
Insektizid-Vergiftungen vermieden.
Qaim und Kouser weisen darauf hin, dass Bt-Baumwolle nicht in jedem Fall das
einzige Mittel sei, um die Insektizidmengen zu reduzieren. In einigen Regionen
werde mehr gespritzt als nötig. Zudem fehle es den indischen Landwirten oft an
Wissen und Erfahrung, um Konzepte des integrierten Pflanzenschutzes anzuwenden.
(http://www.transgen.de/aktuell/1632.doku.html )
·
Kritische
Auseinandersetzung mit dem „Fall Percy Schmeiser gegen MONSANTO“
(http://gute-gene-schlechte-gene.de/mythen-und-legenden-teil-2/#more-480
)
·
Kritische
Auseinandersetzung mit dem Thema „Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle in
Indien und Selbstmorde von Bauern“
(http://gute-gene-schlechte-gene.de/mythen-und-legenden-teil-3/#more-486
)
·
Wissenschaftler
aus Jena finden in Darmmikroben von Honigbienen genetisches Material, das aus
veränderten Pflanzengenomen stammt (Juli 2000)
·
bei Novellierung
der EU-Freisetzungsrichtlinie drei wesentliche Punkte im EU-Parlament
abgelehnt:
Freisetzung so genannter Antibiotika-Resistenzgene wird nicht verboten
keine Haftpflicht für Gentech-Industrie
keine generelle Unterbindung der Gen-Transfers
(e-mail kordecki 2.5.00)
·
Illegaler
Genraps auf Sachsens Feldern
(FP Pfingsten 2000)
·
in Kanada
augewilderter Raps entdeckt, der gegen drei Herbizide resistent ist
(GID 139/2000 S.25)
·
Uni Jena:
Raps-Gene für Herbizidresistenz im Genom von Bakterien und Hefen gefunden, die
im Bienendarm leben
Ökologie und Landbau 116/ 4/2000 S.76
·
Evangelische
Kirche von Westfalen 4.10.2000 Rundschreiben des Landeskirchenamtes:
Empfehlung zur Mustervertragsänderung Pachtverträge:
“Der Pächter verpflichtet sich, kein gentechnisch verändertes Saat und
Pflanzgut auf der Pachtfläche aufzubringen.“
·
14.2.01
EU-Parlament neue Richtlinie zur Freisetzung genetisch veränderter Organismen
bestätigt, damit rechtskräftig,
völliger Verzicht auf Antibiotikaresistenzen (Ende 2004 kommerziell, Ende 2008
Versuche mit GVO);
lückenlose Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit;
Veröffentlichung der Standorte für Versuche und kommerziellen Anbau
(Das Parlament 23.2.2001)
·
Studie für
UBA:
bislang gezüchtete transgene Pflanzen sind keine Superunkräuter, keine
verbesserten Ausbreitungseigenschaften;
allerdings sollten bestimmte transgene Eigenschaften wie Toleranz gegen
Trockenheit, gegen hohe Salz- oder Aluminiumgehalte besonders kritisch
betrachtet werden;
Herbizidresistenz verringert (vielleicht) unter den nordamerikanischen
Bedingungen (trockenere Felder, weniger Unkräuter) den Herbizideinsatz,
Experten halten in Deutschland eine mehrmalige Herbizidanwendung mit
nachteiligen Wirkungen auf Flora und Fauna für wahrscheinlich
(UMWELT BMU 2/2000 S.71)
·
Greenpeace: in
Sachsen-Anhalt gentechnisch verunreinigter Bienenhonig durch Versuchsfeld
(taz 8.7.02)
·
In den
USA ist ein Kampf ausgebrochen zwischen den Firmen, die Gentechnik für den
Nahrungsmittelanbau nutzen und der Industrie, die mit Hilfe von gentechnisch
veränderten Pflanzen Medikamente herstellen will (gene farming); die
Nahrungsmittelhersteller sind besorgt, dass bald die Fähigkeit zur Herstellung
von Enzymen, Antikörpern oder Hormonen unkontrolliert auf Nahrungspflanzen
übertragen werden könnte
(The Wall Street Journal, USA, Nov 5, 2002
·
die
durch Pollen erfolgende Übertragung von gentechnisch veränderten Eigenschaften
kann verhindert werden; “zytoplasmatische männliche Sterilität”: es werden 80%
gentechnisch veränderte und männlich sterile Pflanzen und 20% unveränderte
(über Pollen fruchtbare) Pflanzen angebaut; die Bestäubung wird für alle
Pflanzen durch die „normalen“ Pollen bewirkt
(AgBiotechNet, by Boy Feil and Peter Stamp, edited and sent by Agnet, Canada,
Nov 4, 2002)
·
Versuche mit
Bt-Mais im Labor; Auskreuzen auf verschiedene Linien der Wildpflanze Rübsen
erfolgreich, in 5 von 11 Versuchen produzieren Nachkommen Insektengift in
erheblichen Konzentrationen; für das Auskreuzen im Freiland müssten allerdings
mehrere Bedingungen erfüllt sein: beide Arten müssten nahe beieinander stehen
und zur selben Zeit blühen, zudem sei nicht sicher, ob die Hybrid-Nachkommen
fortpflanzungsfähig seien
(taz 7./8.12.02; dpa 12/02)
·
in vielen
Laboren wachsen die Arzneimittellieferanten der Zukunft: Pharmapflanzen, die
mittels Gentechnik hochwirksame pharmazeutische Substanzen wie etwa menschliche
Antikörper zur Bekämpfung von Tumoren, Impfstoffe gegen Malaria oder gegen den
HI-Virus in ihrem Inneren anreichern; im US-Staat Nebraska mussten die Behörden
die Vernichtung von Pflanzen anordnen, weil sie mit einem pharmazeutischem
Wirkstoff verunreinigt werden; an diesem Punkt erübrigt sich jede
Grenzwertdiskussion
(taz 30.11.02)
·
ab Mai 2004
gelten für alle EU-Staaten verbindliche Verordnungen zur Genehmigung und
Kennzeichnung gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel; auch gültig
für Zusatzstoffe und Aromen, im Regelfall nicht gültig für Enzyme;
alle Gentech-Produkte müssen gekennzeichnet sein, unabhängig davon, ob die
Veränderung im Endprodukt nachweisbar ist:
gilt nicht für Tiere, die mit gentechnisch verändertem Futter ernährt wurden;
Bundesinstitut für Risikobewertung: derzeit 30 bis 100% Gen-Soja im Tierfutter
keine Seltenheit;
Rückverfolgbarkeit (Dokumentation) vom Saatgut auf dem Acker bis zum
Fertigprodukt auf dem Teller;
Schwellenwert für „zufällige oder technisch unvermeidbare“ Spuren von
gentechnisch veränderten Organismen: 0,9%
(taz 3.7.2003)
·
Untersuchung:
Entstehung von resistenten Insekten auf Feldern mit Bt-Mais seltener in der
Natur als bisher angenommen; nicht einmal minimaler Anstieg an Resistenzen zu
verzeichnen
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)
·
amerikanisch
Umweltbehörde EPA kalkuliert, dass eine Resistenz selbst bei 100%igem Anbau von
Bt-Mais sich erst nach 7 bis 15 Jahren einstellt
(GID 160 Okt/Nov2003 S.19)
·
transgener Raps
bestäubt noch Pflanzen in 26 km Entfernung; über Jahre hinweg Durchwuchs auf
den Feldern (Samen im Boden);
Mais Einzelfall: Bestäubung über 650 m Entfernung;
(Gentechnik-Nachrichten Extra-Ausgabe 10/03)
·
sächsische
Bauernverbände wollen sich der Gentechnik auf ihren Feldern nicht verschließen,
raten ihren Mitgliedern jedoch derzeit vom Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen ab (Absatzschwierigkeiten, offene Fragen im Gentechnikgesetz)
(Freie Presse Chemnitz 2.2.04)
·
FDP fordert in
einem Antrag im Bundestag, den Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten
Apfelsorten in Pillnitz und Quedlinburg wie ursprünglich geplant in diesem Jahr
zu beginnen;
(Das Parlament 2./9.2.04)
·
geplante
Freisetzungsversuche in Sachsen-Anhalt; der Markt will diese Produkte nicht;
Syngenta pflanze eine Maissorte an, die giftig ist für einen Schädling namens
Maiszünsler; der M. spielt aber in Sachsen-Anhalt so gut wie keine Rolle
(Der Spiegel 4/2004 S. 80)
·
staatlich
veräppelte Forschung: gentechnisch veränderte Apfelbäume sollten die Schäden
durch Feuerbrand, Mehltau und Schorf reduzieren und Pestizide überflüssig
machen; Freisetzung der Bäume wurde verboten;
die Resistenz-Gene gegen drei der wichtigsten Schädlinge im Obstbau wurden in
vielen verschiedenen Kombinationen in das Erbgut eingeschleust; im
Freilandversuch sollte über mehrere Jahre geprüft werden, ob dsie halten, was
Vortests im Labor versprochen hatten; die Zentrale Kommission für biologische
Sicherheit ZKBS sah keine Risiken und gab grünes Licht, das Bundesministerium
für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft untersagte den Versuch ohne
eine Begründung anzugeben;
alle konventionell erzeugten feuerbrandresistenten Apfelsorten aus Pillnitz
versagen in Geschmack und Haltbarkeit;
Bäume sollten so geschnitten werden, dass sie nur an wenigen Trieben blühen;
diese würden mit Tüten umhüllt; drittens sollte ein Netz die Bäume ganz
abdecken, viertes mehrere Reihen normaler Apfelbäume die genveränderten Gehölze
umringen;
wenn doch ein Gen-Tech-Pollen eine fremde Blüte erreicht? „Dann entsteht im
Kerngehäuse des heranwachsenden Apfels ein Kern mit dem resistenten Erbgut. Das
Fruchtfleisch jedoch gehört zum weiblichen Blütenteil und bleibt unverändert;
Milliarden Apfelkerne gehen in der freien Natur spurlos zugrunde; und kein
Mensch zieht aus Apfelkernen unbekannter Güte Bäume groß
(Die Zeit 4.12.03 S.31)
·
Studie des UBA
zum Vergleich gentechnischer Lösungsansätze gegenüber Lösungen der
konventionellen bzw. ökologischen Landwirtschaft:
Unkrautbekämpfung im Raps, Insektenbefall bei Mais, Rizomania-Befall bei
Zuckerrübe, Kartoffel mit veränderter Stärkezusammensetzung, Mehltaubefall bei
Wein – in jedem der 5 Fälle existieren Lösungsansätze, die technisch und
ökologisch machbar und entwicklungsfähig sind und den Einsatz gentechnisch
veränderter Pflanzen ersetzen können;
Biologische Bundesanstalt Untersuchung: Bt-Mais: Larven des Tagpfauenauges
bleiben nach Pollenaufnahme in ihrer Entwicklung zurück und weisen eine höhere
Sterblichkeit auf
(Jahresbericht Umweltbundesamt 2002 S. 101; 103)
·
dänische Regeln
für „Koexistenz“: Abstandsflächen, Pufferzonen, Fruchtwechsel einhalten;
Vorschriften zur Reinigung von Sämaschinen; jede Aussaat bei Behörde melden,
Nachbarn informieren; Landwirte müssen vorher einen Kurs zur „guten fachlichen
Praxis“ absolviert haben; für Unfälle (Verunreinigungen) wird
Kompensationsfonds eingerichtet;
Greenpeace: Bestäubung bei Raps noch in 26 km Entfernung möglich; zehnjähriges
Überleben von Rapssamen im Boden
(taz 9.3.04)
·
In der
Fachzeitschrift Nature Biotechnology erschien im September 2003 ein Kurzartikel
mit dem Titel "Resistance to Bt toxin surprisingly absent from
pests". Darin wurde die Frage aufgeworfen, warum Schadinsekten an
Bt-Kulturen nach siebenjaehrigem Anbau noch keine Resistenzen entwickelt haben,
die wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Studien geben aber Anlass zur Sorge, dass sich Resistenzen doch ausbreiten
können
(Gentechnik-Nachrichten 49)
·
Studien und
Modellberechnungen deuten darauf hin, dass in der Regel ein Schwellenwert von 1%
mit geeigneten bekannten Maßnahmen einzuhalten sein dürfte. Dies gilt für den
beschlossenen Schwellenwert bei Lebensmitteln und Futtermitteln von 0,9%.
Sollte jedoch der Schwellenwert für Saatgut bei 0,1% liegen, würde er in der
Praxis nur schwer zu erreichen sein.;
Auskreuzungsrate bei Mais: 10 Meter Entfernung – im Mittel 1% Auskreuzungsrate;
nach 50 Meter generell unter 1%
(Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Diskurs
Grüne Gentechnik, Broschüre 2003)
·
bereits bei der Agrarministerkonferenz
in Rostock im letzten Jahr hat sich die große Mehrheit der Fachminister für die
Einführung eines Schwellenwertes für Saatgut eingesetzt, der sich an der
technischen Nachweisgrenze orientiert
(Das Parlament 3.5.04)
·
im Test fanden
Forscher in den USA Auskreuzungen von gentechnisch verändertem Flechtstraußgras
bis zu 20 km vom Ursprungsfeld entfernt
(taz 22.9.04)
·
Ergebnis der
Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais in Deutschland 2004 auf
30 Feldern (Bt-Mais, insgesamt 300 ha); ein Trennstreifen von 20 Metern
zwischen normalem und „Gen-Mais“ reicht aus, dass der EU-Schwellenwert für
Verunreinigungen (0,9%) keinesfalls überschritten wird
(taz 25.11.04)
·
Anbaufläche
gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit: 2004 um 20 % auf 81 Mill. Hektar
gestiegen; 8,25 Mill. Landwirte in 17 Ländern;
(GID 168/2005 S.40)
·
nach dem neuen
Gentechnikgesetz (1.2.05 in Kraft) können in Deutschland gentechnisch
veränderte Pflanzen angebaut werden; Standortregister für Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen in Deutschland: www.bvl.bund.de/gentechnik/index.htm
(taz 5./6. u. 8.2.05)
·
Pollen von
Straußgras können sich über mehr als 20 Kilometer ausbreiten
(taz 7.1.05)
·
Parlamentarische
Versammlung des Europarates hat die Regierungen der 46 Mitgliedstaaten zur
Anwendung klarer Regeln unter angemessener Berücksichtigung des
Vorsorgeprinzips aufgefordert:
Wahlfreiheit der Verbraucher sicherstellen;
für striktere Regulierung der Kennzeichnung von tierischen Produkten bei
Verwendung von gentechnisch veränderten Futtermitteln;
Kennzeichnung von Saatgut ab technischer Nachweisgrenze von 0,1%
Verunreinigungen;
Farmer müssen langfristig in der Lage sein, ihr eigenes Erntegut zur Aussaat zu
verwenden (Abhängigkeit von großen Saatgutunternehmen reduzieren);
klare Regeln für die Haftung gefordert;
regionale Zusammenschlüsse zu GVO-freien Zonen sollen möglich sein;
Langzeit-Monotoring zwingend notwendig;
gentechnisch veränderte Tiere nicht in offenen Herden halten; keine
Käfighaltung von Fischen in offenen Gewässern;
die Parl. Versammlung stuft das Gesundheitsrisiko bei den gegenwärtigen GVO als
gering ein;
in Moskau Kontaminationen in 30% der Lebensmittel, obwohl in Russland kein
Anbau gent. veränderter Pflanzen stattfindet (Folge von US-Importen 2003?)
(Das Parlament 21.2.05)
·
Erprobungsanbau
gent. veränderter Mais 2004 Deutschland; Uni Halle-Wittenberg: Abstand von 20
Metern zu Nachbarfeldern reicht aus, um den Verunreinigungsgrenzwert von 0,9%
einzuhalten (ab da wäre Kennzeichnung notwendig); Auskreuzungen in einem Streifen
von bis zu 10 Metern mit 1,3% angegeben; zwischen 20 und 30 Metren 0,4%; 50 bis
60 Meter 0,35%;
(GID 167/2004 S.19)
·
Niederlande
Grundregeln für Mindestabstände verabschiedet: Kartoffeln 3 Meter, Zuckerrüben
1,5 Meter, Mais 25 Meter (bei Nachbarschaft zu BIO-Betrieben: 10, 3 und 250
Meter Abstand)
(GID 167/2004 S.20)
·
Monsanto wird in
Kooperation mit einem deutschen Futtermittelhändler die Körnermais-Ernte 2005
der Nachbarn von Gentech-Landwirten aufkaufen
(GID 168/2005 S.17)
·
Befruchtung bei Raps mit transgenen Pollen bis 300 Meter Entfernung;
Befruchtungserfolg liegt aber bereits in nur 6 Metern Entfernung bei unter 0,5
%; der eigene Pollen des nichttransgenen Rapses wird in der selben Blüte wie
die Narben gebildet und kommt dem transgenen Pollen bei der Befruchtung
bevor;...
seit April 2004 gilt für gentechnikfreie Produkte ein Schwellenwert von
0,9% Beimengung von Transgenen für die Kennzeichnung; die Vorschriften für
gentechnische Anteile am Saatgut unterliegen nationalem Recht. Für
normales Saatgut regelt das Saatgutverkehrsgesetz die Reinheit. Bei Raps und
Weizen liegt die Grenze bei zwei Prozent Beimischung, bei Gräsern bei bis zu
15% und bei der leicht rein zu haltenden vegetativ vermehrten Kartoffel bei
unter 0,05%
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.25)
·
Erprobungsanbau Bt-Mais in Deutscjhland 2004:
Körnermais: nach 20 Metern liegt der Bt-Anteil durch Pollenflug unter den
zugelassenen 0,9%;
·
Aufruf zum
Ausreißen von gentechnisch veränderten Pflanzen am 30./31.7.05 in
Hohenstein/Märkische Schweiz;
40 Hektar, darin ein Streifen von 10 ha gentechnisch verändertem Mais
(Monsantos MON 810), 30 Meter breiter Gürtel aus herkömmlichen Pflanzen
(Monsanto empfiehlt 20 m); dem Landwirt Piprek hat im vergangenen Jahr der
Maiszünsler ein Drittel der Ernte zerstört; knapp 90 Euro bezahlt Piprek pro
Hektar für die normale Maissaat, der manipulierte Mais kostet 23 Euro mehr,
dafür kalkuliert Piprek 40 Euro weniger für die Insektizide; der Protestant P.
hat auch im zweifelnden Kirchenkreis darüber gesprochen; jede brandenburgische
Kuh frisst 2 kg Sojaschrot am Tag, davon sind 60% genmanipuliert; die Ernte
kauft die MärkischeKraftfutter GmbH als Viehfutter auf
(Gendreck weg – freiwillige Feldbefreiung; Faltblatt 6. Auflage 27.6.05; taz
3.6.05)
·
USA: die Pollen
von gentechnisch verändertem Flechtstraußgras legen eine Entfernung von über 20
km zurück und können dort andere Arten genetisch verändern
(bdw 12/2004 S.9)
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Uni Halle 2004:
Feldversuch Mais, bereits ein Abstand von 20 Metern reiche aus, um eine
Vermischung von normalem und gentechnisch verändertem Mais zu vermeiden
(bdw 2/2005 S.6)
·
Terminator-Technologie
„präsentiert sich in neuen Kleidern“: nun als Methode, die die Auskreuzung
gentechnisch veränderter Eigenschaften verhindern soll; die Technologie kann
aber nicht die Auskreuzung selbst, sondern nur die Bildung keimfähiger Samen
verhindern; müsste 100%ig funktionieren (was nicht der Fall ist); Ernten von
Nachbarfeldern bei Auskreuzung nicht mehr zu gebrauchen: Verlust der
Keimfähigkeit im Saatgut für das Folgejahr
(Gen-ethisches Netzwerk Faltblatt Terminator-Technologie, Dez. 05)
·
EU führt
jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen Soja ein (überwiegend aus Argentinien,
Brasilien, USA); in Rumänien Anbau von gentechnisch veränderter Soja offiziell
auf 60.000 Hektar, in Wirklichkeit wohl auf 90% der gesamten Sojaanbaufläche
von 140.000 ha (= 126.000 ha JK)
(taz 27.10.05)
·
Studie der Firma
PG Economics Ltd. London: „GM crops: the global socio-economic and
environmental impact – the first nine years 1996-2004”;
Erfahrungen von Farmern aus 18 Ländern (8,25 Millionen Farmer, davon 90% in
Entwicklungsländern);
gentechnisch veränderte Pflanzen haben einen signifikanten, positiven Einfluss
auf Wirtschaftlichkeit und Umwelt, führen zu einer Verminderung des Einsatzes
von Pflanzenschutzmitteln und reduzieren die damit verbundenen
Umweltauswirkungen um 14%;
merkliche Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen aus
landwirtschaftlicher Tätigkeit (verringerter Treibstoffeinsatz, vermehrte
C-Bindung im Boden durch verringerte oder verbesserte Bodenbearbeitung);
insgesamt 6% weniger Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu 1996 eingesetzt
(stärkster Rückgang der Umweltauswirkungen bei Soja und Baumwolle: 19 bzw.
17%);
erhöhtes Einkommen der Farmer (plus 3-4% des Gesamtwertes der Weltproduktion
bei den 4 Hauptpflanzen; Soja 17 Mrd Dollar Gewinne in den letzten 9 Jahren);
indirekte Vorteile: größere Flexibilität, weniger Bodenbearbeitung, stabilere
Erträge und verbesserte Produktqualität;
KOMMENTAR von GENET kritisch;
(E-Mail von GENET Oktober 2005)
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in Sachsen Anbau
von Genmais auf drei Flächen zurückgezogen (20 ha)
(taz 16.5.06)
·
Versicherung
gegen Schäden durch gentechnisch veränderte Pflanzen ist nicht machbar: Die
fremde Erbsubstanz verbreite sich theoretisch „mit einer Wahrscheinlichkeit von
1“, erklärt Katrin Rüter vom Gesamtverband der deutschen
Versicherungswirtschaft. Und sagt: „Wir versichern auch kein Grundstück gegen
Hochwasser, das im Wasser liegt.“
(taz 22./23.4.06)
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Uni Gießen
Freisetzung von Gerste außerhalb des Labors; 5000 Pflanzen auf 12 Quadratmeter;
Risikoforschung: herausfinden, ob die Pflanzen einen Einfluss auf die Umwelt
haben; zwei Sorten Gerste – eine macht Pflanzen widerstandsfähig gegen Pilze,
andere produziert Enzym, das den Mälzvorgang beim Brauen verbessern soll
(taz 26.4.06 und 2.5.06)
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in Sachsen 2005
auf 8 Flächen (64 ha) Anbau von „bt-Mais“ MON 810;
Maiszünsler vernichtet weltweit 7% der Maisernte, in Deutschland in den letzten
Jahren in einzelnen Gebieten Verluste von 30%;
seit 2004 werden in Sachsen keine Freilandversuche mehr durchgeführt
(Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: „Gentechnik –
genial oder gefährlich?“, 2005, S.27f, 47)
·
(Le Monde
diplomatique vom 13.4.2006, S. 23; beilage zur taz; artikel über gensoja in
argentinien: http://www.taz.de/pt/2006/04/13/a0064.1/text
)
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weltweiter Anbau
von gentechnisch veränderten Pflanzen 2005: 90 Millionen Hektar
(ISAAA)
·
Studie zu
Umweltwirkungen von gentechnisch verändertem Mais auf Schmetterlinge;
Pollen von Bt-Mais Bt176 (in der EU zugelassen, Deutschland derzeit nur Anbau
zu Forschungszwecken); besonders empfindlich Larven der Kohlmotte (tödliche
Dosis 8 Pollenkörner); ähnlich empfindlich wie der zu bekämpfende Maiszünsler
sind der „Kleine Fuchs“ und das Tagpfauenauge (tödliche Dosis 30-60
Pollenkörner), andere deutlich unempfindlicher (150 bis über 500 Pollenkörner);
dazu subletale Effekte wie verringertes Gewicht; besondere Empfindlichkeit von
jungen Larven;
negative Effekte auf empfindliche Arten wie Kohlmotte sind mindestens im
Umkreis von 32 Metern von Bt176-Maisfeldern nicht auszuschließen;
Rat: nur Zulassung von Maislinien mit geringem Toxingehalt in Pollen,
Mantelsaat um Bt-Maisfelder, Mindestabstände zu Naturschutzgebieten
(Umwelt BMU 12/2006 S. 691, www.bfn.de/09/090203.htm#gentechnik )
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Volksabstimmung
in der Schweiz; 55% Zustimmung; auf Schweizer Feldern dürfen zumindest bis Ende
2010 keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden;
(taz 28.11.06)
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Anhörung im
Bundestag: Mindestabstand bei Mais?
Raiffeisenverband 50 Meter (vor wenigen Monaten noch: 20 Meter ausreichend);
Landwirtschaftsministerium: 150 Meter;
Heink (TU Berlin): 250 Meter
(taz 27.10.06)
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EU-Kommission wird 2006 keinen Saatgutgrenzwert für gv Material erlassen;
nach aktuellem Recht gilt als Grenzwert 0,1% (Nachweisgrenze); Saatgutbranche
erwartet „handhabbaren“ Wert von 0,5%
(GID 177 8/9-2006 S.22)
·
In China mindestens bis 2007 keine Zulassung für kommerziellen Anbau von
gv Reis
(GID 177 8/9-2006 S.24)
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BUND in Brandenburg distanziert sich von Aktionen zur
„Feldbefreiung“, Zerstörung von Feldern mit gv Pflanzen
(GID 177 8/9-2006 S.37)
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weltweit 9 (USA: 6) Unkräuter resistent gegen Herbizid RONDUP von
Monsanto;
die resistenten Exemplare können mit anderen Herbiziden erfolgreich bekämpft
werden;
(GID 177 8/9-2006 S.22)
·
gentechnisch verändertes Strausgras (für Golfplätze) als erste
Pflanze in den USA außerhalb von Versuchsflächen gefunden – in der Natur
etabliert?
(GID 178 10/11-2006 S.27)
·
im US-Staat Kansas darf US-Unternehmen gentechnisch veränderten
Reis zur Herstellung pharmakologisch wirksamer Stoffe anbauen; dort gibt es
keinen sonstigen Anbau von Reis
(GID 178 10/11-2006 S.56)
·
Die Biene ... als Risikofaktor – sie wird zum suspekten Wesen mit
Gentechnik an den Beinchen, das zu unerwünschter Auskreuzung führt
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.17)
·
Amtsgericht
Zehdenick hat 8 Gentechnikgegner wegen Sachbeschädigung verurteil; Teilnahme an
so genannter „Feldbefreiung“; Maisfeld besetzt und Pflanzen ausgerissen; 10
Tagessätze zwischen 14 und 40 Euro (pro Tag);
Anbauer von Genmais beim Prozess: wirtschaftliche Vorteile, Maiszünsler kann
30-40 % der Ernte vernichten
(taz 12.1.07)
·
Im vergangenen
Jahr hat die landwirtschaftliche Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen
erneut zugenommen. Die Anbauflächen stiegen 2006 weltweit um 12 auf nunmehr 102
Millionen Hektar. Wie aus dem jährlich im Januar erscheinenden
ISAAA-Statusbericht hervorgeht, haben 10,3 Millionen Landwirte in 22 Ländern
gv-Soja, Mais, Raps und Baumwolle eingesetzt. Auf kleinere Flächen werden
gv-Papayas, Alfalfa (Luzerne), Zucchinis (Squash) und Reis angebaut.
Gegenüber 2005 nahmen die Anbauflächen für gv-Pflanzen 2006 um noch einmal 12
Millionen Hektar zu. Die Länder mit den größten GVO-Flächen sind USA,
Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien und China. Den stärksten prozentualen
Zuwachs gab es in Indien. Dort stiegen die Anbauflächen für gv-Baumwolle um 1,3
Millionen Hektar auf 3,8 Millionen Hektar. Auf die USA entfallen gut die Hälfte
der globalen GVO-Flächen. Dort sind noch einmal 4,8 Millionen Hektar
hinzugekommen, die mit gv-Pflanzen bewirtschaftet werden.
(http://www.transgen.de/gentechnik/pflanzenanbau/531.doku.html)
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EU-Kommission,
Bericht über (finanzielle) Auswirkungen der Nutzung gentechnisch veränderter
Pflanzen weltweit;
kann Farmern ökonomische Vorteile bringen durch Einsparungen bei Herbiziden,
Pestiziden – in der Regel nicht aber durch höhere Erträge;
Erträge bei Baumwolle nach Untersuchungen in China, Argentinien, Indien und
Südafrika zwischen 10 und 87 % höher als bei konventioneller Baumwolle;
in Spanien Mais 5% höherer Ertrag;
(eMail GENET Meyer 5.1.07 http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=EN_NEWS&ACTION=D&SESSION=&RCN=26856)
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aus einer
Antwort der Bundesregierung zum Maiszünsler;
Der Clou der Antwort findet sich in den angehängten Statistiken: Trotz
gestiegenen Anbaus von Mais ist die als vom Maiszünsler "befallen"
eingestufte Fläche zwischen 1999 und 2005 deutlich zurückgegangen - ganz ohne
Monsanto.
Das unansehnliche Tier ist seit 70 Jahren in Deutschland heimisch, besonders in
Bayern und Baden-Württemberg, wo man sich mit ihm auch schon seit Jahrzehnten
arrangiert. Die wichtigste Maßnahmen zu seiner Kontrolle sind Fruchtwechsel
(keine Monokulturen), sauberes Häckseln und Unterpflügen nach der Ernte. Der
bayrische und deutsche Oberbauer Gerd Sonnleitner beispielsweise erklärt jedem,
der es hören will, gerne, daß man bei einer anständigen Bewirtschaftung seiner
Maisfelder einen Bt-Mais überhaupt nicht braucht. Ausserdem gibt es natürliche
Feinde (Schlupfwespen und natürliche Bt-Kulturen) zu seiner Bekämpfung und ein
weniger wirksames Pestizid.
Wer freilich durch "pfluglose Bearbeitung" des Bodens, praktisch den
Ersatz des Pflügens durch Herbizid-Einsatz und leichtes Grubbern und kurze
Fruchtfolgen, Mais auf Mais anbaut, der züchtet auch den Zünsler heran. Das tun
beispielsweise viele landwirtschaftliche Großbetriebe in den neuen
Bundesländern, so wie ihre amerikanischen Kollegen im mittleren Westen. Je mehr
Mais für die Verfeuerung angebaut wird, desto gröber werden auch die
Bewirtschaftungsmethoden. Nachbarn solcher Flächen leiden darunter. Denn der
Zünsler läßt sich nur flächendeckend bekämpfen. "Dein Problem, kannst ja
auch auf Gentechnik umsteigen," wird darauf wohl bald die Antwort der
LPG-Fürsten im Oderbruch sein, die jetzt mit aktiver Unterstützung von Monsanto
und seinem dortigen Partner "Märka"[3] den Bt-Mais ausprobieren.
Die Biologische Bundesanstalt, ihres Zeichens gar kein Feind der Gentechnik,
rechnet den Schaden durch Maiszünsler auf rund 10 Millionen Euro im Jahr hoch.
Zum Vergleich: Wildschäden kosten in Deutschland 50 Millionen, der Umsatz mit
Mais bewegt sich bei einer halben Milliarde
(eMail saveourseeds, am Montag, 04.12.2006; http://taz.de/blogs/saveourseeds/2006/12/04/die-schreckliche-wahrheit-ueber-den-mais-zuensler/
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Monsanto Genmais
MON810; Bt-Insektenresistenz; 2007 Anbau auf rund 2000 ha in Deutschland;
zugelassen nur als Futtermittel und zur Verarbeitung in der
Lebensmittelindustrie (??? wohl nur für technische Zwecke, z.B. Biogasanlagen
JK)
Bundesamt für Verbraucherschutz hat ein vorläufiges Handelsverbot für das
MON810-Saatgut ausgesprochen;
Greenpeace-Untersuchungen: Konzentration des Insektengiftes in 600 Maisproben
schwankt um das Hundertfache; in manchen Proben überhaupt kein Bt-Toxin zu
finden;
Verwaltungsgericht Augsburg: Imker hat durchgesetzt, dass in der Nähe seiner
Bienenstöcke (1200 bis 2200 Meter) keine MON810-Pflanzen blühen dürfen; er habe
Anspruch darauf, dass seine Honigernte absolut frei bleibt von gentechnisch
veränderten Pollen; Betreiber des Ackers muss Mais vor der Blüte ernten oder
Blütenstände abschneiden; der Gentechnik-Anbauer muss weichen und nicht der
Imker, wenn Koexistenz nicht möglich ist;
(taz 12./13.5.07)
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MON810
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Bescheid an
Monsanto, es bestehe ein berechtigter Grund zu der Annahme, dass der Anbau von
MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt; Seehofer: kein Anbaustopp, aber
künftig Verpflichtung für die Bauern, ein modernes Monitoring zu machen;
Brandenburger Agrarministerium: faktisch bedeutet das, dass der Mais nicht mehr
verkauft werden darf
(taz 10.5.07)
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MON810
Landkreis Märkisch-Oderland untersagt einem Landwirt den Anbau von Genmais
MON810 in einem Naturschutzgebiet, muss unterpflügen; Anweisung des
Landwirtschaftsministeriums: Risiko für seltene Schmettterling;
(taz 26./27.5.07)
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Anbau
gentechnisch veränderter Kartoffeln; AMFLORA, produziert nur eine Stärkeart,
für technische Zwecke;
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigte Anbau der
Kartoffeln auf 155 ha; nicht für Vermarktung, nur experimenteller Anbau;
Verarbeitung erfolgt in einer kontrollierten Stärkefabrik;
Marker-Gen verleiht der Pflanze eine Resistenz gegen mehrere Antibiotika, die
in der Humanmedizin und in der Tierzucht eingesetzt werden
(taz 29.5.07)
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BASF darf
gentechnisch veränderte AMFLORA-Kartoffeln vorerst in Deutschland nicht
anbauen; enthalten als Marker auch ein Resistenzgen gegen das in der
Humanmedizin eingesetzte Antibiotikum Kanamycin, nach der
Eu-Freisetzungsrichtlinie dürfen kommerziell genutzte Gentechpflanzen jedoch
solche Gene nicht enthalten;
Leserbrief Joachim Krause dazu:
“Zu früh gefreut?
Ich habe in den Antragsunterlagen der BASF geblättert und darin keine Angaben
entdeckt, die auf eine Kanamycin-Resistenz der zur Auspflanzung vorgesehenen
gentechnisch veränderten AMFLORA-Kartoffeln hinweisen. Da ist von einem anderen
Marker-Gen die Rede, nämlich einer Herbizidresistenz gegen den Wirkstoff
"Imazomax". Vielleicht sind für die Versuche in Deutschland die
Kartoffelsorten gar nicht vorgesehen, die die EU jetzt prüfen lassen will.“
Antwort des Autors: so ist es.
(taz 16.3.07)
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AMFLORA-Kartoffel:
BASF hat auch die Nutzung in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie
beantragt, so könnten Kartoffelreste verfüttert werden, doch bei Verbrauchern
soll die Genstärke nicht ankommen;
europäische Lebensmittelbehörde Efsa hat inzwischen ihre
Unbedenklichkeitsbescheinigung für das Resistenzgen gegen Antibiotika
bestätigt, damit grundsätzlich zur Anpflanzung freigegeben
(taz 21./22.4.07)
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MON 810
in der EU dürfte sich der Anbau 2007 verdoppeln auf 120.000 ha;
Österreich und Ungarn haben nationales Verbot durchgesetzt, gegen den Protest
der EU-Kommission;
Anbaufläche gent. veränderter Pflanzen in Spanien 70.000 ha;
(ZEIT 19.4.07 S.33)
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Bienensterben
Forschungsprojekt Uni Halle 2001 bis 2004: Wirkung von Pollen von gentechnisch
verändertem Mais auf Bienen; Bt-Mais; eine toxische Wirkung von Bt-Mais auf
gesunde Honigbienen konnte zwar nicht nachgewiesen werden: doch als
Versuchsbienen zufällig noch von Parasiten befallen wurden, starben sie
signifikant stärker; möglicherweise habe das Bakteriengift im Mais die
Darmoberfläche der Bienen verändert und sie geschwächt; die Konzentration des
Giftes im Versuch war allerdings zehnmal höher als in normalen Bt-Maispollen;
über recht langen Zeitraum von sechs Wochen verabreicht
(Spiegel 12/07 S.59)
·
§ 8 (2) Dem
Pächter sind gentechnische Arbeiten und die Verwendung von Produkten, die
gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder aus solchen bestehen, auf den
Pachtgrundstücken strikt untersagt. Gentechnische Arbeiten sind die Erzeugung
gentechnisch veränderter Organismen und deren Verwendung, Vermehrung, Lagerung,
Zerstörung oder Entsorgung sowie der innerbetriebliche Transport und zwar auch
dann, wenn dafür eine behördliche Genehmigung vorliegt. Dem Pächter ist damit
insbesondere die Ausbringung gentechnisch veränderten Saatgutes verboten.
(Evangelische Landeskirche Bayern; neuer Pachtvertrag der Pfründestiftung)
·
Gentechnisch
veränderter Mais hat in diesem Jahr auf einem Versuchsfeld der Firma Monsanto
in Nordrhein-Westfalen erstmals
überwintert. Im Jahr 2006 ausgesäter Gentech-Mais wuchs aufgrund des milden
Winters im Frühjahr 2007 unplanmäßig erneut auf den betroffenen Feldern. Damit
muß ein wichtiger Grundsatz der Risikoabschätzung bei der Verbreitung von
gentechnisch verändertem Mais zu den Akten gelegt und die Frage der Koexistenz
auf dem Maisacker völlig neu bedacht werden.
Bericht des Umweltamtes Arnsberg unter: www.haerlin.org/Mais_Durchwuchs.pdf
(http://taz.de/blogs/saveourseeds/2007/07/03/durchwuchs-gentech-mais-ueberwintert-erstmals-in-deutschland/
)
·
eigene
Beobachtung JKrause 6.7.07: auf einem Weizenfeld wachsen in erheblichem Umfang
Kartoffeln durch, im letzten Jahr angebaut, milder Winter?, Ernterückstände
wegen schwieriger Bedingungen?
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Probleme mit und
für gentechnisch veränderten Mais MON810
27.4.07
Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
an MONSANTO, dass dieser Mais so lange nicht mehr an Landwirte verkauft werden
darf, bis es für diesen Mais einen Beobachtungsplan gibt (z.B. Untersuchung der
Ausbreitung des Bt-Toxins in der Umwelt, Auswirkungen auf
Nicht-Ziel-Organismen, Änderung der Pestizidausbringung)
4.5.2004
Bayerisches Verwaltungsgericht Augsburg ordnet an, dass der Freistaat Bayern
Mais-Versuchspflanzen am Blühen hindern muss (abmähen oder männliche Blüten
abschneiden), um Imker zu schützen, dessen Bienenstöcke 1500 bis 2200 Meter
entfernt liegen
16.5.2007
Landkreis Märkisch Oderland erlässt Verfügung: Anbau von gentechnisch
verändertem Mais in Naturschutzgebiet verboten; Schutz dort lebender Tiere,
besonders Schmetterlinge
(GID 182, Juni 2007, S.33)
·
Anbau der
Gentech-Kartoffel Amflora (BASF); das Gentechnik-Gesetz unterscheidet nicht
eindeutig zwischen wissenschaftlichen Freisetzungen und dem kommerziellen
Anbau; für experimentelle Freisetzungen gibt es keine Flächenbegrenzungen; BASF
beantragte großflächigen Freisetzungsversuch, der nur national genehmigt werden
muss; kommerzieller Anbau müsste von EU entschieden werden
(taz 28.6.07)
·
BAYER
Amflora-Kartoffel: EU-Agrarminister keine einheitliche Meinung zur Zulassung;
EU-Kommission entscheidet: Anbau ist genehmigt
(taz 18.7.07)
·
eine
Brandenburger Verpächterin von Ackerland kämpft gegen ihren Pächter, der auf
ihrem Land auf 18 Hektar Genmais (MON810) anbaut; müssen Eigentümer informiert
werden? Greenpeace vertritt Klage der Verpächterin
(taz 18.6.07; 22.6.07)
·
Klage von
Greenpeace gescheitert
(taz 18.7.07)
·
gentechnisch
veränderte AMFLORA-Kartoffeln der BASF in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Fläche
von über 20 Hektar ausgebracht; aber „versehentlich“ auf dem falschen Acker;
muss nun vernichtet werden
(taz 7./8.7.07)
·
gentechnisch
veränderte Raps;
Raps ist ein enger Verwandter von Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl oder Wirsing;
sogar Radieschen seien durch Auskreuzungen gefährdet; Rapssamen könne bis zu 15
Jahren keimfähig im Boden überdauern
(taz 6.9.07)
·
Bienenforscherin
Elke Genersch zu Bienensterben und Gentechnik;
es gibt gerade jetzt zu genmanipulierten Pflanzen extrem gute Studien; zeigen,
dass es keine negativen Effekte gibt, die schlimmer sind als die Effekte der
Pestizide; in der Praxis zu vergleichen: Felder mit Pestizidanwendung ODER mit
Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen; und da schneiden die GVO-Felder
besser ab, was die Effekte auf die Nichtzielorganismen betrifft;
das Toxin, das jetzt in den Zellen von MON810 gebildet wird, wurde vorher
tonnenweise auf den Feldern gespritzt;
Imker behandeln ihre Waben mit einem Pulver, das Bacillus thuringiensis
enthält;
“normale Züchtung“ (ohne Gentechnik) arbeitet mit mutagener Strahlung, um
Mutanten zu erzeugen, völlig ungerichtet; kein Mensch guckt nach, was die
Strahlen alles kaputtgemacht haben
(taz 27.8.07)
·
Urteil
Amtsgericht Neuruppin:
die Verpächterin (Eigentümerin) eines Ackers kann von ihrem Pächter nicht die
Vernichtung der Genmais-Pflanzen fordern; nicht vertragswidrig verhalten, im
Vertrag Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht ausgeschlossen; auch
gesetzlich nicht verboten
(taz 29.8.07)
·
(27,42) Imker in Bayern hatte gerichtlich in erster Instanz durchgesetzt,
dass gentechnisch veränderter Mais in der Nähe seiner Bienenstöcke
nicht blühen durfte (Pollen);
der Verwaltungsgerichtshof München entschied (21.6.07), dass der Freistaat
Bayern (Betreiber des Versuchsfeldes) keine Rücksicht auf den Imker nehmen
muss;
(GID 183/2007)
·
BMELV: Monsanto hat den geforderten Monitoringplan für MON810 vorgelegt;
bei Ernte von gentechnisch verändertem Mais in Brandenburg Beschädigung
der Erntemaschine durch Steine, die an den Maispflanzen befestigt waren; 30.00
Euro Schaden
(GID 184/07 S.23)
·
USA vermutlich 2008 kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten
Zuckerrüben (Resistenz gegen ROUNDUP Monsanto); Mehrkosten 60 Euro je ha; bei mittlerem
Unkrautbefall herkömmliche Bewirtschaftung günstiger;
Firma Südwestsaat GbR in Rastatt (BaWü) ist es gelungen, mit konventionellen
Methoden eine Maissorte mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer zu
entwickeln; die resistenz liegt auf mehreren Genen verteilt; Wirkung vermutlich
durch antibiotische Ausscheidungen an den Wurzeln
(GID 184/07 S.25)
·
In 120 Ländern wird derzeit „BIO“ angebaut, weltweite Fläche von rund 5
Millionen Hektar 1996 auf 31 Millionen ha 2005 gestiegen
(Spiegel 36/07 S.35ff)
·
Saatguthersteller
KWS plant Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben an vier
deutschen Standorten; widerstandsfähig gegen bestimmtes Pflanzenschutzmittel;
in USA, Kanada und Japan sind Genrüben bereits zugelassen
(taz 28.11.07)
·
Minister
Seehofer hat mit Zustimmung des Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) das Handelsverbot für Gentech-Mais MON810
aufgehoben; Konzern hat wie verlangt einen vollständigen Plan zur Beobachtung
der Umweltauswirkungen des Genmais-Anbaus vorgelegt;
(taz 7.12.07)
·
Gentechnisch
veränderte Kartoffeln AMFLORA; vereinzelte Exemplare sind nach der Ernte auf
dem Acker verblieben; keine Sicherheitsvorkehrungen mehr; sollen „auswintern“
(erfrieren) …;
nur noch knapp die Hälfte der gut 10 Millionen (Tonnen? JK) Kartoffeln in
Deutschland sind Speisekartoffeln;
(taz 4.1.08)
·
Jetzt hat er
auch Deutschland erreicht: Der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera)
wurde in diesem Jahr erstmals an acht Standorten in Süddeutschland gesichtet.
In den USA ist der Käfer schon seit den 50er Jahren der am meisten gefürchtete
Schädling und verursacht dort Kosten von mehr als 1 Milliarde US$ pro Jahr. In
Europa wurde er erstmals 1992 in der Region um Belgrad entdeckt, wo er
vermutlich mit den Nahrungsmitteltransporten für die US-Truppen in das
ehemalige Jugoslawien eingeschleppt wurde. Seitdem erobert er Schritt für
Schritt Europa. Besonders betroffen sind Ungarn, Rumänien und Slowenien. Befall
wird auch in Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz
gemeldet.
Die Weibchen legen im Spätsommer ihre Eier an den Maiswurzeln ab. Im nächsten
Frühjahr fressen die Larven dann an den Wurzeln der neu ausgesäten
Maispflanzen, stören die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und schädigen
somit die Pflanzen massiv. Eingerollte Blätter und Lager sind die erkennbaren
Schadbilder.
In den USA sind seit drei Jahren gentechnisch veränderte Sorten im Anbau, die
in Europa jedoch nicht zugelassen sind. Eine konventionell erzeugte, resistente
Maispflanze wäre die eleganteste Möglichkeit zur Bekämpfung des
Maiswurzelbohrers.
Dies ist jetzt einem Team von Züchtern der SAATEN-UNION GmbH gelungen.
Seit 2002 werden im Süden Ungarns umfangreiche Feldversuche mit resistenten
Maissorten durchgeführt; Zulassung 2010 erwartet;
„Die Ergebnisse sind spektakulär“, beschreibt Dr. Peter Goertz, Maiszüchter der
SÜDWESTSAAT GbR (Saaten-Union), die Untersuchungen. Während bei den
Vergleichssorten Schäden durch den Maiswurzelbohrer von 50 –100 % auftreten,
gibt es bei den resistenten Hybriden nur einen geringen Befall. Die Bestände
zeigen kein Lager, die Wurzeln sind gesund. Die Züchter wissen, dass die
Resistenzeigenschaft auf mehreren Genen liegt, was von Vorteil für den Erhalt
der Resistenz ist. Sie vermuten, dass die Larven durch antibiotische
Ausscheidungen der Wurzeln abgestoßen werden.
(SAATEN-UNION GmbH, Kommunikation & Service, Renate Wegert, Eisenstraße 12,
30916 Isernhagen HB, Tel. (0511) 72666-243 /-0, renate.wegert@saaten-union.de)
·
Anmeldungen für
Anbau von gentechnisch verändertem Mais MON810;
+ Deutschland: 3975 ha (jetzt 96 % der angemeldeten Flächen in Ostdeutschland;
Vorjahr 2684 ha)
+ Sachsen: 1035 ha (jetzt 26 % aller in D. angemeldeten Flächen; 2007 556 ha;
Gesamtackerfläche Sachsen 721.000 ha)
+ Agrargenossenschaft Radeburg will auf 117 ha Mais anbauen; Mehrkosten für
Saatgut 10 Euro pro ha; in der Vergangenheit regelmäßig 10-15 % der
konventionellen Maisbestände durch Maiszünsler geschädigt;
+ Landesbauernverband Sachsen: Anbau wird nicht empfohlen, weil die
Haftungsfrage sehr unglücklich geregelt ist; selbst wenn ein Landwirt alle Anbauregeln
befolgt, trägt er bei Verunreinigungen auf Nachbarfeldern das volle
Haftungsrisiko; da zahlt auch keine Versicherung; das Siegel „ohne Gentechnik“
besagt nur, dass keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwendet wurden,
ob aber Zusatzstoffe gentechnisch produziert wurden (Aminosäuren, Enzyme) ist
ausgeklammert – das ist Verbrauchertäuschung
+ in Frankreich im letzten Jahr Anbau auf 22.000 ha, für dieses Jahr
Anbauverbot
(Freie Presse Chemnitz 1.2.08)
·
Schweden: auch
10 Jahre nach Ende der Bewirtschaftung mit gentechnisch verändertem Raps auf
Versuchsfeld noch Samen gentechnisch veränderter Pflanzen in keimfähigem
Zustand; zwischendurch immer wieder gepflügt, ausgerissen, andere Früchte
angebaut; 38 Pflanzen gefunden, 10 davon mit der gent. Veränderten Eigenschaft;
(taz 15.4.08)
·
Universität
Rostock hat Freisetzung von gentechnisch verändertem Sommerweizen in
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt und in der Schweiz beantragt; Weizen
soll gegen den Stinkbrand, eine Pilz-Infektion, resistent sein;
(GID 186 Februar 2008 S.22)
·
Urteil
Oberlandesgericht Brandenburg/Havel: ein Agrarbetrieb als Pächter darf
gentechnisch veränderten Bt-Mais auch ohne Zustimmung der Verpächterin anbauen;
jedoch im konkreten Fall hat der Pächter sich nachträglich einverstanden
erklärt, eine Verbotsklausel in den Pachtvertrag aufzunehmen
(GID 186 Februar 2008 S.22)
·
In Gebieten
nördlich von Tschernobyl, die wegen radioaktiver Belastung nicht für
Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden dürfen, soll Getreide zur Bioethanolerzeugung
angebaut werden: rund 6,5 Millionen Hektoliter für den europäischen Markt; auch
Einsatz von gentechnisch verändertem Getreide vorgesehen
(GID 186 Februar 2008 S.23)
·
Die katholische
Kirche in Bayern hat den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf ihren
Flächen verboten „Aufgrund der vielfältigen Risiken und dem derzeitigen
Kenntnisstand und der Tatsache, dass sich die Schöpfung selbst ausgestaltet,
ist die Anwendung der grünen Gentechnik auf landwirtschaftlichem Freiland
grundsätzlich abzulehnen“
(GID 186 Februar 2008 S.43)
·
Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007;
Fläche von 102 Millionen Hektar 2006 auf 114 Mill. Ha gestiegen;
Soja, Mais, Baumwolle, Raps; …
USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien China; …
(www.transgen.de)
·
Anbau
gentechnisch veränderter Mais Vorhaben Deutschland 2008;
4342 ha, davon Brandenburg 47%; Sachsen 24%; Mecklenburg-V. 21%, Sachsen-Anhalt
6 %
(www.greenpeace.de)
·
Untersuchung in
Arizona / USA: Larven des Baumwollkapselbohrers gefunden, die zwischen 50- und
1000-mal mehr des Bt-Toxins vertrugen als solche, die noch nie mit dem Gift in
Berührung gekommen waren; erster Nach weis einer im Freiland entstandenen
Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanze
(bdw 5-2008 S.7)
·
Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit 2007:
114 Millionen Hektar; bereits 43% der damit bestellten Ackerflächen liegen in
Schwellen- und Entwicklungsländern;
Anteil der gentechnisch veränderten Pflanzen an der Gesamtanbaufläche der
Pflanzen: Soja 64%; Baumwolle 43%; Mais 24%; Raps 20%;
Indische Bauern ernten dank der Bt-Baumwolle ein gutes Drittel mehr (Terri
Raney; FAO); im Schnitt zahlen sie 41% weniger für Pflanzenschutzmittel; ihr
Gewinn sei trotz höherer Saatgutpreise um fast 70% gestiegen;
nur 4 Pflanzen (Baumwolle, Mais, Raps und Soja) und zwei gentechnisch
eingefügte Eigenschaften (Insektenresistenz und Herbizidtoleranz) machen
bislang über 99% aller Gentech-Gewächse aus; „und diese Sorten sind sicher
nicht für Kleinbauern bestimmt“ (Raney, FAO);
“Die Gentech-Industrie versucht uns weiszumachen, dass wir ihre
Gentech.Pflanzen brauchen, um die Ernährung unserer Bevölkerung
sicherzustellen; Wie können wir solche Aussagen glauben, wenn ein Großteil der
Ernte an Tiere verfüttert oder zu Biosprit verarbeitet wird?“ (Bassey, Friends
of the Earth Nigeria);
Darin liegt das Grundproblem: Neue Pflanzensorten sind vor allem dann ein gutes
Geschäft, wenn sie globale Märkte bedienen und auf großen Flächen wachsen. Im
Kampf gegen den Hunger jedoch sind eher Pflanzen gefragt, die an lokale
Verhältnisse von Boden, Klima und Infrastruktur angepasst sind und gleichzeitig
eine öffentlich zugängliche, auch für Kleinbauern bezahlbare Ressource
bleiben.;
inzwischen wird mit gentechnischen Ansätzen auch in Südafrika (Mais mit
Resistenz gegen das verheerende Maisstreifenvirus), Uganda (Bananen mit
erhöhter Widerstandskraft gegen eine Pilzinfektion); an Reis (China, Iran,
Feldversuche „goldener Reis“ Philippinen) gearbeitet;
(Spiegel 17-2008 S.150)
·
INI Rostock darf
gentechnisch veränderten Weizen an zwei Standorten bis 2010 freisetzen;
Sommerweizen, resistent gegen den Pilz Weizenflugbrand; Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erwartet keine schädlichen
Einflüsse, verlangt Sicherheitsabstand von 50 Metern zu anderen Weizenfeldern,
Anbaugelände muss eingezäunt werden
(taz 14.5.08)
·
Genmais verboten
In der bei Dresden gelegenen „Moritzburger Kleinkuppenlandschaft“ darf
vorläufig kein gentechnisch veränderter Mais angebaut werden. Das
Verwaltungsgericht Dresden bestätigte am 9. Mai ein entsprechendes Verbot des
Landratsamtes Meißen. Dieses hatte einer Agrargenossenschaft untersagt, bei
Berbisdorf Genmais anzubauen. Eine Beschwerde gegen das Verbot lehnte das
Gericht ab. Nach seiner Ansicht ist nicht geklärt, ob Toxine des Mais-Pollens
einer in der Nähe lebenden Schmetterlingsart, dem geschützten Ameisen-Bläuling,
schaden können. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht
erhoben werden.
(Der Sonntag Sachsen 18.5.08 S.5)
·
Unternehmen
Pioneer dar eine neue Genmais-Sorte in Deutschland testen; BVL genehmigte Anbau
im sächsischen Zabeltitz und an drei anderen Standorten; 2008 bis 2011, Fläche
von maximal 1,2 ha je Standort
(Freie Presse Chemnitz 23.4.08)
·
Hochschule für
Wirtschaft und Umwelt Nürtingen; auf öffentlichen Druck hin Verzicht auf
Freisetzungsversuche MON810;
der betroffene Forscher weist in seiner jüngsten Arbeit nach, dass der gentechnisch
veränderte Mais nicht nur dem Maiszünsler widersteht, sondern auch eine
geringere Belastung an Pilzgiften aufweist (weniger Pilzbefall an Fraßstellen ?
JK)
(ZEIT 30.4.08 S.43)
·
Im
niedersächsischen Laase haben Gentechnik-Gegner frisch ausgesäten Mais wieder eingesammelt
(taz 21.5.08)
(Erneutes) Einsammeln von gentechnisch verändertem Maissaatgut in Laase
(taz 26.5.08)
·
Das Verwüsten
von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen soll in Frankreich künftig
eine Straftat sein; Nationalversammlung beschloss Gesetz
(taz 22.5.08)
·
EUROPOL hat eine
Aktion von Gentechnikgegnern in Portugal als „terroristisch“ eingestuft
(GID 188 Juni 2008 S.51)
·
In Bayern wurden
von den Bauern 92% der ursprünglich für 2008 angemeldeten Genmais-Flächen
zurückgezogen; Druck, massive persönliche Angriffe; derzeit in Deutschland noch
Anbau von Genmais auf fast 3.700 ha
(taz 13.6.08)
·
Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland liegt 2008 bei 3.200 Hektar,
2007 waren es 2.700 ha; es handelt sich fast ausschließlich um Mais der Sorte
MON810 von Monsanto
(GID 189 August 2008 S.24)
·
Spanien 2007:
Anbau von gentechnisch verändertem Mais auf rund 75.000 Hektar
(GID 189 August 2008 S.27)
·
Gentechnik-Gegner
haben nahe Moritzburg bei einer Zerstörungsaktion offenbar das Feld verwechselt,
auf zwei Hektar Maispflanzen zertreten; Unbekannte beschädigten in den
vergangenen Wochen bereits Genmais-Felder bei Dresden und im Kreis Meißen;
verursachten bis zu 20.000 Euro Schaden
(Freie Presse 17.9.08)
·
die
Landesanstalt für Landwirtschaft des Freistaates Sachsen hat Ergebnisse über
den Ertrag, die Wirtschaftlichkeit und agronomische Daten des Anbaus von
gentechnisch verändertem, insektengiftigem Bt-Mais veröffentlicht. Demnach
lohne sich der Einsatz … wenn so Verluste von 300 kg je Hektar bei Körnermais
und 2000 kg je ha bei Silomais vermieden werden könnten; insgesamt sei der
Anbau von Bt-Mais nur bei hohem Zünslerbefall sinnvoll
(GID 190 Oktober 2008 S.18 --- hundertseitiger Bericht unter www.sachsen.de
, dort weiter zu den Publikationen der Landesanstalt für Landwirtschaft)
·
Imker gegen
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das
Freisetzungsversuch genehmigt hatte; die Genehmigung eines Versuches mit
gentechnisch verändertem Mais auf einem Feld im bayerischen Kitzingen im
vergangenen Jahr war rechtmäßig; Entscheidung des Verwaltungsgerichts in
Braunschweig 11.2.09; wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass
gentechnisch veränderter Pollen im Honig kaum nachweisbar und nicht giftig für
den Menschen sei, sei er überhaupt im Honig enthalten, sei er nicht
vermehrungsfähig; der Mais der Linie 98140 enthält Gene des Bakteriums Bacillus
licheniformis, das Brot oder Fruchtsaft verdirbt, diese sollen die Pflanze
widerstandsfähig machen gegenüber 2 Unkrautvernichtungsmitteln; Firma Pioneer
testet die Pflanzen an 4 Standorten in Deutschland und hat Zulasung als
Lebensmittel- und Futterpflanzen in Brüssel beantragt
(taz13.2.09S.9)
·
(Verbote für
Mais MON 810 in verschiedenen europäischen Ländern)
Dass die zuständigen Lebensmittelwächter der European Food Safety Authority in
Parma dem strittigen Gentech-Mais Unbedenklichkeit bescheinigen, wird dabei
geflissentlich ignoriert. Ebenso wird verdrängt, dass zwei weitere
genmodifizierte Maissorten das Prüfverfahren der Behörde bestanden haben und
zugelassen werden müssen. Wenn sie ihren eigenen Regeln folgt, kann die
EU-Kommission also gar nicht anders, als den Anbau von Mon810-Mais mit einem
Machtwort europaweit durchzusetzen – auch wenn es zur Zerreißprobe mit
einzelnen Landespolitikern kommt. „Wir Europäer haben das schärfste
wissenschaftliche Zulassungsverfahren in der Welt, aber wir trauen ihm nicht“,
sagt Natali Moll vom Bioindustrieverband EuropaBio in Brüssel. Moll ist
Lobbyistin. Recht hat sie trotzdem.
(ZEIT 5.3.09 S.35)
·
Kitzingen,
Betrieb mit 2000 Mastschweinen, Mais als Futter; 2006 Maiszünsler 40%
Ernteverlust trotz Pestizideinsatzes
(Spiegel 10-2009 S.68)
·
BASF will – nach
Erteilung der Anbaugenehmigung für die gentechnisch veränderte Stärkekartoffel
„Amflora“ – im nächsten Jahr auch die Genehmigung für die gentechnisch
veränderte Frittenkartoffel „Fortuna“ beantragen;
Die Kartoffel sei mit Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule ausgestattet.
Diese Eigenschaft sei in die Pflanze aus dem Erbgut von Wildkartoffeln aus
Lateinamerika eingebaut worden. Bereits auf dem Wege der konventionellen
Züchtung habe man versucht, europäische Kartoffelsorten mit der Resistenz gegen
die Kraut- und Knollenfäule auszustatten, habe jedoch hohe Ertragseinbußen
hinnehmen müssen. Dies soll bei Fortuna nicht der Fall sein. Die BASF rechnet
damit, dass mit dem konventionellen Anbau der Fortuna ab 2015 begonnen werden
kann. Bei Feldversuchen seien ein Abstand von 10 m zu konventionellen
Kartoffeln eingehalten und eine sichtbare Trennlinie gezogen worden. Für den
kommerziellen Anbau gebe es in diesem Punkt noch keine Regeln.;
die BASF hat mittlerweile auch eine zweite Gentechnik-Kartoffel in Planung, die
nur Amylopektin-Stärke bildet. Wie „Amflora“ soll auch sie für industrielle
Anwendungen dienen, die Pülpe allerdings auch als Tierfutter herhalten können.
(http://www.raiffeisen.com/news/artikel/30214760
)
·
EU-Kommission:
die gentechnisch veränderte Kartoffel „Amflora“ (BASF) darf nach einem 13 Jahre
währenden Zulassungsverfahren künftig europaweit angebaut werden; ist zur
Gewinnung von Industriestärke bestimmt, wobei die anfallenden Abfälle auch als
Futtermittel verwendet werden dürfen; Kartoffel enthält eine
Antibiotikaresistenz; strenge Auflagen: weder auf dem Acker noch bei Ernte oder
Transport darf Amflora mit anderen Kartoffeln in Berührung kommen, im Folgejahr
dürfen keine „normalen“ Kartoffeln auf einem Amflora-Acker angebaut werden,
erlaubt ist letztlich doch eine unbeabsichtigte Verschmutzung traditioneller
Kartoffelprodukte bis 0,9%;
die niederländische Firma Avebe hat eine (nicht gentechnisch veränderte)
Kartoffelsorte auf den Markt gebracht, deren Stärke zu 99% aus dem von der
Industrie begehrten Amylopektin bestehen soll;;
(taz 3.3.2010 S.1,2)
·
„Bedenklich
daran ist, dass die Amflora gegen zwei Antibiotika widerstandsfähig ist. Es ist
nicht auszuschließen, dass diese Medikamente nicht mehr wirken, wenn man
Amflorabestandteile zu sich nimmt.“
Leserbrief dazu von J.Krause:
Als eine Gefahr, die möglicherweise von
der "Genkartoffel" Amflora ausgeht, werden seit langem die
enthaltenen Antibiotika-Resistenzen kritisch diskutiert. Wenn aber der Autor
schreibt, dass "nicht auszuschließen ist, dass diese Medikamente nicht
mehr wirken, wenn man Amflorabestandteile zu sich nimmt", ist das schlicht
falsch. Wenn überhaupt, dann müssten die neuen Gene aus der Kartoffel von
Bakterien aufgenommen werden, und wenn diese wiederum Krankheitserreger sind
und sich im menschlichen Organismus zu schaffen machen, dann und nur dann
könnte es sein, dass die Bakterien resistent geworden sind gegen Antibiotika,
und diese nicht mehr wirken. Das Essen von Kartoffeln jedenfalls bewirkt diesen
Effekt NICHT. Dass Bakterien fremdes
Erbgut in ihr eigenes Erbgut "einbauen" können, ist erwiesen, dass
Antibiotikaresistenzen auf diesem Wege wirksam aufgenommen worden sind, wird
immer wieder befürchtet, ist aber bisher nie nachgewiesen worden.
Joachim Krause
(taz 3.3.2010 S.12)
·
in Indien sind
Schädlinge aufgetaucht, die gegen das Gift der gentechnisch veränderten
Baumwollsorte resistent sind; nach nur 8 Jahren Anwendung sind mutierte
Schädlinge aufgetaucht, gegen die das in den Pflanzen produzierte Gift nicht
(mehr) wirkt; die Baumwoll-Sorte Bollgard produziert ein spezielles Gift, das
unter anderem die gefürchtete Rosarote Baumwollkapselraupe abtöten soll; in
vier von neun Bezirken des Bundesstaates Gujarat ist die Raupe seit vergangenem
Jahr resistent gegen dieses Gift; es handelt sich um Bt-Pflanzen (Gen zur
Produktion des Giftes stammt aus dem Bacillus thuringiensis);
Saatguthersteller MONSANTO: Solche Resistenzen sind vorhersehbar; die indischen
Landwirte hätten sich nicht exakt genug an die speziellen Anbauvorschriften
gehalten, die das Entstehen von Resistenzen verzögern soll (Bestellung eines
Teils der Flächen mit nicht gentechnisch veränderten Baumwoll-Sorten JK);
Lösung aus Sicht von Monsanto ist die Baumwollsorte „Bollgard II“, die seit
2002 in den USA verkauft wird; produziert neben dem Bt-Gift noch einen
weiteren, ähnlichen Giftstoff (damit soll die Wahrscheinlichkeit für die
Bildung von Resistenzen vermindert werden); in den USA sind bisher keine
resistenten Schädlinge aufgetreten;
Monsanto arbeitet inzwischen an einer Sorte Bollgard III, die drei Giftstoffe
absondern soll
(taz 23.3.2010 S.09)
·
EU-Kommission
will künftig die einzelnen Mitgliedsstaaten selbst entscheiden lassen, ob sie
den Anbau von Genmais und Co. auf eigenem Boden erlauben
(Freie Presse Chemnitz 14.6.2010 S.7)
·
die Bundesländer
der BRD sollen nach Vorstellungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums künftig
selber über die Abstände zwischen Äckern mit gentechnisch veränderten Pflanzen
und naturbelassenen Pflanzen entscheiden; bundesweit gelten derzeit z.B. 150 m
Abstand bei Mais;;
einzig bei Kartoffeln schlägt das Ministerium einen bundesweit gültigen Abstand
von 10 m vor und drängt darauf, das entsprechende Bestimmungen vor der nächsten
Anbauperiode umgesetzt werden sollen; außerdem solle nach dem Anbau von
gentechnisch veränderten Kartoffeln eine Pause von 2 Jahren eingelegt werden;
(taz 20.9.2010 S.8)
·
mit gentechnisch
veränderten Sorten verunreinigtes Mais-Saatgut des Herstellers Pioneer Hi-Bred
in Niedersachsen ausgesät; in mindestens 6 weitere Bundesländer verkauft;
im herkömmlichen Saatgut einzelne Körne der gentechnisch veränderten Sorte NK
603 entdeckt;
in der EU für kommerziellen Anbau nicht zugelassen; daher „Null-Toleranz“;
Mais dieser Sorte (herbizidresistent) darf seit 2004/2005 als Lebens- und
Futtermittel in die EU eingeführt werden;
(taz 8.6.2010 S.4)
·
in aus den USA
importierten Schokoriegeln, z.B. Butterfinger“, > 84 bis 100 % gentechnisch
veränderte Soja enthalten (zulässig wären Verunreinigungen von < 0,9%);
Hersteller NESTLÈ: illegal aus den USA eingeführt, wo es keine
Kennzeichnungspflicht gibt;
Greenpeace-Expertin Töwe räumt ein, dass die wesentlichen Gefahren
gentechnischer Produktion in Umwelt-, nicht in Verbraucherrisiken bestehen,
etwa „dass angebaute veränderte Arten nicht mehr aus der Natur zurückzuholen
sind“
(taz 27.5.2010 S.8; Freie Presse Chemnitz 3.6.2010 S.4)
·
in USA an 288
Standorten entlang einer Stecke von 5000 km am Straßenrand 406 Rapspflanzen
eingesammelt; überlebten schon seit mehreren Generationen;
85% wiesen eine Herbizidresistenz auf entweder gegen Glyphosat (Monsanto) oder
Glufosinat (Bayer);
entdeckt wurden auch Rapspflanzen, die beide Resistenzgene besaßen, müssen sich
also gekreuzt haben;
weltweit gebe es etwa 40 Arten, die als Kreuzungspartner für Raps in Frage kommen
(taz 13.8.2010 S.18)
·
US-Gericht hat
den Anbau von gentechnisch veränderten Zucker4rüben des Konzerns Monsanto
vorerst verboten; Zulassung zurückgenommen, bis umfassendere Studien zu den
Umweltauswirkungen vorliegen; gilt nur für Neupflanzungen; schon auf einer
Fläche von 400.000 ha gesäte Monsanto-Rüben dürfen nach der ernte verwendet
werden; in den USA sind 95 % aller Zuckerrüben gentechnisch verändert, liefern
etwa die Hälfte des Zuckerbedarfes des Landes
(taz 16.8.2010 S.8)
·
Thüringen ist
das erste deutsche Bundesland im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier
Regionen. Auf der achten Konferenz des Netzwerks in Wien unterzeichnete
vorgestern Staatssekretär Hartmut Schubert die Charta der europaweiten
Initiative, der damit 52 Regionen angehören
(Freie Presse Chemnitz 25.11.2010 S.4)
·
Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen in einigen europäischen Ländern 2010 in
Hektar:
Mais: Spanien 67.726; Tschechien 4680, Portugal 5500, Slowakei 1740, Polen
3500, Rumänien 823;
Kartoffeln (Amflora) Tschechien 150, Schweden 80, Deutschland 15
(www.transgen.de)
·
(09.11.2010) Das Vorhaben der EU-Kommission für eine Re-Nationalisierung
beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verstößt gegen die von der EU unterzeichneten
Welthandelsverträge (WTO). Das ist das Ergebnis eines lang erwarteten
Gutachtens des juristischen Dienstes des Europäischen Rates. …
Ökonomische Begründungen für ein Anbauverbot sind mit dem WTO-Vertrag
generell nicht vereinbar, da diese als unzulässige Handelshemmnisse gelten. Als
mögliche Gründe blieben allenfalls ethische Bedenken, so Äußerungen von
EU-Offiziellen. Auch diese würden vor dem Europäischen Gerichtshof oder dem
WTO-Schiedsgericht jedoch kaum Bestand haben. Die Tatsache, dass große Mengen
an gv-Pflanzen importiert und in der EU als Tierfutter verwendet werden, ließe
sich kaum mit einem ethisch begründeten Anbauverbot dieser gv-Pflanzen
vereinbaren.
Auf Zweifel an der Sicherheit einer gv-Pflanze kann sich ein nationales
Anbauverbot nicht berufen, da alle Sicherheitsaspekte von gv-Pflanzen in dem
weiterhin EU-weit verbindlichen Zulassungsverfahren berücksichtigt
werden, an dem alle EU-Staaten mitwirken.
(http://www.transgen.de/aktuell/1235.doku.html
)
·
BASF wird in
diesem Jahr wieder gentechnisch veränderte Kartoffeln der Sorte AMFLORA in
Sachsen-Anhalt anbauen, Üplingen, 2 Hektar; gleichzeitig Verzicht auf erneuten
Anbau in Zepkow (MeckPomm)
(taz 1.2.2011 S.08, Freie Presse Chemnitz 2.2.2011 S.7)
·
In diesem
Frühjahr werden mehr gentechnisch modifizierte Pflanzen denn je auf den Äckern
der USA sprießen: Am Freitag bewilligte das Landwirtschaftsministerium in
Washington den kontrollierten Anbau von "Roundup Ready"-Zuckerrüben -
obwohl eine richterlich angeordnete Umweltverträglichkeitsstudie nicht
abgeschlossen ist. Die Sorte wurde vom deutschen Hersteller KWS gemeinsam mit
dem US-Konzern Monsanto entwickelt.
Das Ministerium begründete die Entscheidung mit "Nachschubengpässen":
90 Prozent der in den USA angebauten Zuckerrüben sind genmanipuliert. Monsanto
liefert das speziell auf die Pflanzen abgestimmte Unkrautvernichtungsmittel
"Roundup" gleich mit.;
… mit Bedingungen: Bis zum Abschluss der Studie muss es Sicherheitsabstände
rund um Äcker mit Genrüben geben. In einigen Regionen dürfen sie gar nicht
eingesetzt werden.
Für die Biotechnologie-Industrie ist es trotzdem der zweite große Erfolg binnen
einer Woche. Schon Ende Januar hatte die US-Regierung eine uneingeschränkte
Aussaat von gentechnisch manipuliertem Alfalfa-Sprossen bewilligt. Die Pflanze
wird als Winterfutter für Kühe benutzt. Vilsack selbst hat auf einen
Sicherheitsabstand von acht Kilometern rund um Gen-Alfalfa-Äcker verzichtet -
obwohl sein Ministerium in einer Studie vor Kreuzungen mit anderen Pflanzen
warnte.
(taz 7.2.2011 S.08)
·
Der US-Chemiekonzern Monsanto will ab diesem Frühjahr
eine Gentech-Zuckerrübe in Ostdeutschland unter freiem Himmel testen. Das
Unternehmen habe einen Freilandversuch beantragt, teilte das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Die Rüben sollten in
Nienburg (Saale) wachsen. Bis 24. Februar könnten Einsprüche eingelegt werden.
Die USA hatten den Anbau der Rübe H7-1 unter Auflagen am Freitag genehmigt. Sie
ist widerstandsfähig gegen das Pestizid Roundup.
(taz 8.2.2011 S.08)
·
Behörde geht
Zweifeln an der These nach, dass Pflanze außer Schädlinge Marienkäfer tötet
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
veranstaltet am heutigen Mittwoch ein Streitgespräch zwischen Wissenschaftlern,
das zur Aufhebung des deutschen Gentechmais-Verbots beitragen könnte. Angelika
Hilbeck von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich soll in Berlin
auf Kritik an einer der Studien antworten, mit deren Hilfe das BVL 2009 den
Anbau der Maissorte MON810 untersagte. Das verlautete aus mit der Sache
vertrauten Kreisen.;
Hilbecks Untersuchung zufolge tötet das Gift, das die Pflanze gegen Schädlinge
produziert, auch den Nützling Zweipunkt-Marienkäfer.;
Hilbeck hatte in ihrer Studie 2008 berichtet, dass das Gift aus der
Bakterienart Bacillus thuringiensis (Bt) die Todesrate von Marienkäfer-Larven
erheblich erhöhe. MON 810 produziert Bt, um die Insektenart Maiszünsler zu
bekämpfen. Die Wissenschaftlerin hatte für ihr Experiment Mehlmotteneier mit Bt
besprüht und diese den Larven zu fressen gegeben. Die Larven hätten die Schalen
aufgebrochen, um den Inhalt der Eier zu fressen. So hätten sie auch das Bt auf
der Schale zu sich genommen.;
Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, die dem
Schweizer Staat gehört, dagegen bezweifelt in seiner Gegenstudie vom Juli 2010,
dass die Larven in Hilbecks Versuchsaufbau überhaupt das BT auf der Schale
gefressen haben. Seine eigenen Experimente hätten gezeigt, dass das Bt
ungefährlich für die Larven sei. In einem Versuch fütterte er sie mit
Spinnmilben, die Bt-Mais gefressen hatten. In einem anderen mit einer
Zuckerlösung, die Bt enthielt, wie der Biologe in einem Fachartikel schreibt.;
Der Spinnmilbenversuch von Romeis beweise nicht die
Ungefährlichkeit des Bt, erklärte Hilbeck weiter. Zum einen komme das Gift in
den Spinnmilben in geringeren Konzentrationen vor als in den direkten
Fütterungsstudien. Das Gift könnte im Körper der Spinnmilben so verändert
werden, dass es den Larven nicht schadet. Auch das Experiment mit der
Zuckerlösung lässt die Forscherin nicht gelten. "Wir haben die Larven neun
bis zehn Tage mit Bt gefüttert, Romeis dagegen an einzelnen Tagen und dann erst
nach einer Erholungspause wieder." Das sei ein fundamentaler Unterschied
und führe zu anderen Ergebnissen, die ihre Studien ergänzten, aber nicht
widerlegten.
(taz 9.2.2011 S.09)
·
Honig darf nicht
verkauft werden, wenn er Pollen des gentechnisch veränderten Mais MON 810 enthält
- selbst wenn die Verunreinigungen äußerst gering sind. Das folgt aus dem
Schlussantrag von Generalanwalt Yves Bot im sogenannten Imker-Prozess am
Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Meist folgen die Richter des EuGH
den Gutachten des unabhängigen Generalanwalts. Das deutsche Bündnis zum Schutz
der Bienen vor Agrogentechnik begrüßte den Schlussantrag, den das Gericht am
Mittwoch veröffentlichte.
Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren der Hobbyimker Karl-Heinz Bablok aus
Kaisheim bei Augsburg. Zu seinem Ärger führte die Bayerische Landesanstalt für
Landwirtschaft zwei Kilometer von seinen Bienenstöcken Anbauversuche mit dem
Mais MON 810 des US-Herstellers Monsanto durch. Bablok verlangte Unterlassung
oder zumindest Schutzmaßnahmen. Doch die Forscher meinten, dass Bienen sich eh
nicht für Maispollen interessierten. Um das Gegenteil zu beweisen, postierte
Bablok seine Bienen im Abstand von 500 Metern zu den Versuchsfeldern und ließ
anschließend Pollen und Honig untersuchen. Ergebnis: Im Honig fanden sich
geringe Mengen genveränderten Mais-Erbguts.;
Derzeit ist der Streit zwar etwas entschärft, weil
die Anbauzulassung des Genmais seit 2009 in Deutschland ausgesetzt ist.
"Der Streit hat aber grundsätzliche Bedeutung", sagt Thomas Radetzky
vom Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik, "das Gutachten des
Generalanwalts ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Nulltoleranz: Jede
geringste GVO-Verunreinigung macht ein Lebensmittel dann zum GVO-Lebensmittel,
mit allen Folgen."
(taz 10.2.2011 S.08)
·
die weltweite
Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen sei 2010 gegenüber 2009 um 10%
auf 148 Millionen Hektar gewachsen (ISAAA), das entspreche mehr als dem
Sechsfachen der Landesfläche Großbritanniens, damit sei der Gentech-Anteil an
der gesamten Anbaufläche der Welt von 9 auf 10% gewachsen;
in Europa allerdings schrumpften die Genfelder um 3% auf 91.438 Hektar
(taz 24.2.2011 S.08)
·
Weltweit sind
Bienenvölker bedroht, davor warnte jetzt das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (Unep) in Genf. In Europa und den USA gingen die Bienenbestände in den
letzten Jahren um bis zu ein Drittel zurück, im Nahen Osten sogar um 85
Prozent. Laut Unep betrifft das Bienensterben vor allem die Nordhalbkugel.
ImkerInnen berichteten in den letzten Jahren immer wieder von ungewöhnlichen
Verlusten im Winter. Der Unep-Bericht trägt die Erkenntnisse der verschiedenen
Länder zusammen und verleiht der Problematik so eine globale Dimension.
Der Rückgang hat laut Unep verschiedene Ursachen. Ein Grund ist der Einsatz von
Insektengiften und die chemische Behandlung von Saatgut in der Landwirtschaft.
Dieses Saatgut ist mit nikotinhaltigen Nervengiften belastet. Die Bienen nähmen
diese über Wasser auf und würden in einen Rauschzustand mit Todesfolge
versetzt, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerverbands.
Außerdem macht der Klimawandel den Insekten zu schaffen. Sie finden weniger
Nahrung, weil aufgrund veränderte Blühzeiten und Niederschlagsmengen die Pollen
für die Bienen zu früh im Jahr fliegen. Als weiteren Grund nennt Unep den
zunehmenden Artenschwund und die eintönige Landschaft durch große Monokulturen.
Lebensräume und Nahrungsgrundlagen der Bienen würden zerstört. Sie ernährten
sich einseitig. Ein geschwächtes Immunsystem sei die Folge, die Bienen würden
anfälliger für Schädlinge.
(Gentechnisch veränderte Pflanzen werden
NICHT als – mögliche – Ursache erwähnt … JK)
(taz 12./13.3.2011 S.08)
·
Urteil des
Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg:
Honig mit Pollen von Gentechpflanzen ohne Zulassung als Lebensmittel (die keine Zulassung als L. haben JK)
darf nicht mehr in der EU verkauft werden.;
Nach einer Schätzung der taz auf Grund von Branchenzahlen kommt der meiste
Honig für den deutschen Verbrauch aus Nord- und Südamerika. Dort sind
Gentechnikpflanzen stärker verbreitet als in Europa. Deshalb fand die
Zeitschrift ÖKOTEST 2009 in fast der Hälfte aller getesteten Honige Genpollen.;
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert, dass zwischen
Gentechfeldern und Bienenstöcken mindestens 5 Kilometer Abstand vorgeschrieben
werden, denn so weit sei der Flugradius von Bienen auf der Nahrungssuche;
Das Urteil wird Gentechnik-Gegnern zufolge auch Pläne der EU-Kommission
zurückwerfen, die derzeit gültige Regel aufzuweichen, wonach nicht zugelassene
Gentech-Zutaten in Lebensmitteln auch in geringsten Konzentrationen verboten
sind. Im Juli hatte die EU schon die Nulltoleranz solcher Gentechpflanzen in
Futtermitteln gekippt und einen Grenzwert von 0,1% erlassen
Sind Teile von Gentechpflanzen im Honig gesundheitsschädlich? Das behaupten im
konkreten Fall noch nicht einmal die Gentechnikgegner. Schon weil die
Konzentrationen von gentechnisch verändertem Pollen im Honig sehr gering sind
(taz 7.9.2011 S.2)
·
Antibiotika
versagen;
In Europa sind immer mehr Krankheitserreger widerstandsfähig gegen Antibiotika,
die als letztes Mittel bei Infektionen dienen. Das zeigen Daten, die das
Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am
Donnerstag veröffentlicht hat. Die EU-Kommission erklärte, Antibiotika-Resistenzen
seien "zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsproblem" geworden.
Jährlich sterben in Europa 25.000 Patienten der Weltgesundheitsorganisation
zufolge deswegen, weil die Medikamente nicht gegen die Bakterien wirken;
Eine Ursache der steigenden Resistenzen ist laut ECDC, dass 50 Prozent der
Antibiotikagaben in Krankenhäusern "unangebracht" sein können. Auch
der Einsatz von Antibiotika bei Tieren erhöht die Gefahr von Resistenzen, wie
die Europäische Lebensmittelbehörde bereits seit Langem warnt. Eine kürzlich
veröffentlichte Studie aus Nordrhein-Westfalen ergab, dass die meisten
Masthähnchen während ihres kurzen Lebens die Medikamente bekommen - offenbar
auch, damit sie schneller wachsen. Weil die Agrarindustrie zusehends mehr Tiere
auf engem Raum hält, werden dort Mutationen der Erreger und damit
Antibiotika-Resistenzen wahrscheinlicher;
(gentechnisch veränderte Bakterien werden
NICHT benannt JK)
(taz 18.11.11 S.8)
·
Tatsächlich
halten viele Fachleute die Einhaltung der für absolute Reinheit nötigen
Sicherheitsabstände für schwer kontrollierbar. Honigbienen, die für die
Bestäubung von zwei Dritteln aller Nutzpflanzen wichtig sind (und damit einen
Beitrag für die Landwirtschaftserträge von gut 22 Milliarden Euro leisten),
suchen in einem Umkreis von durchschnittlich zwei Kilometern nach Nektar und
Pollen. Mais ist für Bienen zwar wenig attraktiv, weil die Blüten keinen Nektar
enthalten, aber als Pollenlieferant wird er gelegentlich von den Insekten
besucht. Die Bienen selbst werden von den gentechnisch veränderten Pollen mit
ihren Inhaltsstoffen, etwa dem schädlingsabtötenden Bt-Toxin, nicht geschädigt.
Das hat die vom Bund geförderte Biosicherheitsforschung gezeigt. Auch der
Mensch muss keine Gesundheitsgefahren fürchten -- jedenfalls gibt es keine
aussagekräftigen Forschungsergebnisse, die das nahelegen.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.09.2011 Seite 4)
·
·
Q: taz
13.3.96:
- EU-Parlament: gentechnisch hergestellte oder veränderte Lebensmittel müssen
(nur) dann gekennzeichnet werden, wenn Chemiker einen Unterschied zum Original
nachweisen können
- Kennzeichnung auch, wenn nur ein "agronomisches Merkmal" betroffen
ist (z.B. Pestizidresistenz bei Rüben), auch für Lebensmittelzusätze
·
Q: taz
24.4.95
- ab 1.7.95 in der Schweiz Bewilligungspflicht für Gentech-Lebensmittel
- Österreich hat als zweites Land der Welt außer Österreich (dort seit Anfang
1995 noch strengere Regelungen) derartiges Gesetz
- zugelassene Lebensmittel, Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe, die
selbst gentechnisch veränderte Organismen sind oder daraus gewonnen werden,
müssen als "GVO-Erzeugnis" gekennzeichnet werden
- ausgenommen sind Erzeugnisse, die vom Organismus abgetrennt und vom
Erbmaterial gereinigt wurden
·
epd
wochendienst 33/98 S.11:
NESTLÉ ab 9/98 Schokoriegel mit Vermerk „aus gentechnisch verändertem Mais
hergestellt“ auf deutschem Markt
·
taz
25./26.6.98:
gentechnisch veränderte Lebensmittel, Spezialnahrung für Krankenhäuser, durch
NESTLÉ auf dem Markt
·
taz
11./12.7.98
Bundesrat erlaubt Kennzeichnung „ohne Gentechnik“
·
Stiftung
Warentest: 82 Lebensmittel getestet, die Mais oder Soja enthielten, in 31
Proben gentechnisch verändertes Material, in keinem Fall gekennzeichnet, drei
Produkte >1% (FP, taz 28.7.00)
·
Biosafety-Protokoll:
Import von gentechnisch veränderten Organismen: behördliche Genehmigung des
Einfuhrlandes vorgeschrieben;
Lebensmittel-Kennzeichnungs-Pflicht
(FP 29.5.00)
·
Verstöße gegen
Kennzeichnungspflicht in Deutschland derzeit ohne Strafe; Beamte im
Bundesgesundheitsministerium brüten immer noch über Katalog von Sanktionen, im
Herbst soll Referentenentwurf vorliegen, solange dieser nicht Gesetz ist,
können die zuständigen Ordnungsämter Verstöße praktisch nicht ahnden, dafür
müssen diese aber eigene Untersuchungen durchführen, nötige Mitarbeiter und
Laborkapazitäten fehlen
Spiegel 32/2000 S.18
·
NOVARTIS läßt
sich von Zulieferern seit 30.6. garantieren, daß keine gentechnisch veränderten
Organismen in Lebensmitteln eingesetzt werden;
„pragmatische Entscheidung“: Lebensmittel von N. würden derzeit von Gentechnik
nicht profitieren, weil die Kunden keine gentechnisch veränderten
Nahrungsmittel haben wollten, würden sie auch nicht eingesetzt; man habe aber
keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen Gentechnik in Lebensmitteln
taz 4.8.2000
·
tatsächliches
Risiko für Monarchfalter durch Bt-Mais-Pollen? auch anderthalb Jahre später
keine präzise Aussage;
Entdeckung von Spuren von StarLink-Mais in Lebensmitteln, diese Sorte ist wegen
potenzieller Allergiegefahr nicht für menschlichen Verzehr zugelassen, Verunreinigungen
überall (Auskreuzungen, Vermischung), große Rückrufaktionen, Märkte schrumpfen,
Rückschlag – ohne dass irgendjemand weiß, ob der Verzehr von StarLink-Mais
tatsächlich gefährlich ist;
“Jahrzehntelang haben uns die Firmen einzureden versucht, dass ihre Pestizide
gar nicht so schlimm seien... jetzt teilen uns die selben Firmen mit, die
Pestizide seien eben doch derart gefährlich, dass wir Genpflanzen brauchen, die
einen geringeren Pestizideinsatz ermöglichen – halten die uns eigentlich für
blöde?“
(Der Spiegel 4/2001 S.178ff)
·
gentechnisch
hergestelltes Chymosin ersetzt (in der Käseproduktion) das Labferment, das
traditionell aus den Mägen von ausschließlich zu diesem Zweck geschlachteten
neugeborenen Kälbern gewonnen wurde
(Nahrungsmittel zwischen Natur und Retorte, GSF München 2000, S. 74)
·
heute sind in
den USA fünf gentechnisch veränderte Tomatenvarietäten auf dem Markt;
seit 1990 ist gentechnisch hergestelltes Chymosin in den USA für die
Käseherstellung zugelassen, inzwischen werden mehr als 70% des amerikanischen
Käses damit produziert, in der EU ist die Verwendung von Chymosin in allen
Mitgliedsstaaten, außer Frankreich und Österreich, erlaubt, seit März 1997 ist
gentechnisch hergestelltes Chymosin auch in Deutschland für die Käseproduktion
zugelassen,
(AID Broschüre 1376/2000: Gentechnik im Einkaufskorb)
·
Bereitschaft zum
Kauf gentechnisch hergestellter Lebensmittel (Erhebung 2002):
ja West 5 Ost 7
eventuell West 22 Ost 17
eher nicht West 35 Ost 35
überhaupt nicht West 39 Ost 41
(BMU: Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2002“, S.104)
·
Soja bewirkt bei
manchen Menschen Allergien; eine wichtige Ursache: ein Eiweißstoff (hergestellt
durch das P34-Gen); jetzt mit Hilfe von Gentechnik dieses Eiweiß ausgeschaltet:
das dafür verantwortliche Gen wurde mehrfach in das Erbgut eingebracht; Zelle
deutet die „Überdosis“ als Gefahr (Virusinfektion) und schaltet alle derartigen
Gene ab; Gefahr: später doch wieder unbeabsichtigtes Anschalten?; an der
Abschaltung zweier weiterer Gene wird gearbeitet
(dpa 29.9.02)
·
Das
Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI) hat zwei modifizierte indische
Reissorten gezuechtet, die in den naechsten drei Jahren in Indien getestet und
angebaut werden sollen. Der Indische Rat fuer Landwirtschaftsforschung (ICAR)
foerdert den Provitamin A und Iod enthaltenden Goldenen Reis, der zusaetzlich
noch eine Krankheitsresistenz exprimiert. Umweltschuetzer argumentieren
dagegen, eine gute Vermarktung von unpoliertem Reis, der das wichtigste
Grundnahrungsmittel fuer die arme Bevoelkerung war, bevor der weiße Reis
offensiv auf den Markt gedrueckt wurde, haette das Geld und die Energie sparen
koennen, die fuer die Entwicklung des Goldenen Reises verschwendet wurden
(www.checkbiotech.org 21.10.02).
·
US Bauern bauen
Pharmaceuticals an: In den USA wird zum ersten Mal Mais angebaut, der Lipase
produziert. Dieses Protein soll Mukoviszidose-Patienten bei der Verdauung
helfen. Das sogenannte Gen-Pharming wird als neuer Weg zur Senkung der
Produktionskosten von Medikamenten und zur Einkommenssteigerung von Bauern
beworben
(Soybean Digest, USA 24.10.02 zitiert aus GENET 23.10.02).
·
Bayerisches
Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung Jahresbericht 2001: fast
jedes zehnte soja- oder mais-haltige Lebensmittel enthielt Substanzen
gentechnischen Ursprungs; eine Kennzeichnung lag bei keinem der Produkte vor,
obwohl einige weit mehr als 1% gentechnisch veränderte Bestandteile enthielten
(taz 30.11./1.12.02)
·
EU-Landwirtschaftsminister
haben sich im GVO-Kennzeichnungsstreit geeinigt
Nach langen und schwierigen Verhandlungen haben sich die
EU-Landwirtschaftsminister auf einen Kompromiss hinsichtlich eines Vorschlages
zur Kennzeichnung von GV-Lebens- und Futtermitteln geeinigt. Dieser Vorschlag
beinhaltet folgende Punkte:
- Künftig sollen neben GV-Lebensmitteln auch GV-Futtermittel gekennzeichnet
werden. Das heißt, in Zukunft soll es eine Kennzeichnungspflicht für
GV-Futtermittel geben, und die Vermarktung von GV-Futtermitteln soll einer
Genehmigungspflicht unterliegen.
- Künftig sollen Lebens- und Futtermittel als gentechnisch verändert
gekennzeichnet werden müssen, wenn sie mehr als 0,9% gentechnisch veränderte
Bestandteile enthalten. Eine Kennzeichnung soll auch erfolgen müssen, wenn die
gentechnisch veränderten Bestandteile im Endprodukt nicht mehr nachweisbar
sind. Dies ist z.B. der Fall bei hochraffinierten Speiseölen. Die
Kennzeichnungspflicht soll nicht gelten, wenn das Produkt unbeabsichtigt mit
zugelassenen GVO verunreinigt wurde, und die Verunreinigung unter 0,9% beträgt.
- In einer Übergangsfrist sollen Lebensmittel unbeabsichtigte Beimischungen von
nicht zugelassenen GVO enthalten dürfen, wenn die Verunreinigung maximal 0,5%
beträgt und das entsprechende GVO von der Europäischen Behörde für
Lebensmittelsicherheit als risikolos bewertet wurde. Diese Übergangsregelung
soll auf drei Jahre beschränkt sein, danach sollen keine Beimischungen mehr von
nicht zugelassenen GVO toleriert werden.
- Es soll ein zentrales Zulassungsverfahren für neue GVO eingerichtet werden.
Zulassungsanträge sollen künftig den national zuständigen Behörden vorgelegt
werden, die wissenschaftliche Bewertung soll jedoch zentral durch die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erfolgen.
Der dänische Antrag auch Produkte von Tieren zu kennzeichnen, die gentechnisch
verändertes Futter erhielten, wie z.B. Käse, Eier, Fleisch, ist abgelehnt
worden. Die endgültige Verabschiedung des Kennzeichnungs-Vorschlages erfordert
eine gemeinsame Entscheidung von Ministerrat und Europäischem Parlament, so
dass nun noch das Europäische Parlament über den Vorschlag abstimmen muss. Die
Rückverfolgbarkeit von GVO entlang des gesamten Produktionsprozesses ist eine
Voraussetzung für eine funktionierende Kennzeichnungsregelung. Die
Verabschiedung einer Regelung über ein entsprechendes System wird derzeit von
den EU-Umweltministern diskutiert
(Pressemitteilung der Europäischen Präsidentschaft, Dänemark, 28.11.02, zitiert
aus GENET 29.11.02; Pressemitteilung Greenpeace International, 20.11. 02; http://www.biosicherheit.de).
·
einige Ländern
setzen weiter auf transgene Pflanzen. Ihre Anbauflächen sind auch 2002 erneut
gestiegen – auf nunmehr 58 Millionen Hektar. Das geht aus ersten, noch
vorläufigen Zahlen hervor.
(http://www.transgen.de/link.php?link=Anwendung/Pflanzen/anbauglobal_02.html)
·
genmanipulierte
Pflanzen könnten bald mit einer DNA-Sequenz eindeutig gekennzeichnet werden
(Sorte, Hersteller, Datum der Aussaat...); spezifisches Stück DNA bei sonstiger
Gen-Veränderung zusätzlich mit „anhängen“
(Die Zeit 20.2.03 S.34)
·
Ministerin
Künast: zulässiger Schwellenwert für Verunreinigung durch gentechnisch
veränderte Bestandteile in Nahrungsmittel gilt nur für unbeabsichtigte oder
zufällige Beimengungen; bei bewusster Verwendung von gentechnisch veränderten
Organismen oder daraus hergestellten Erzeugnissen ist die Kennzeichnung
obligatorisch – egal wie gering deren Anteil ist
(Der Spiegel 13/2003 S.179)
·
Indien;
gentechnisch veränderte Kartoffeln; ein Drittel mehr Proteine + hoher Anteil an
essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin; bereits letzte Testphase, sollen
demnächst Regierungs-Zulassung erhalten
(bild der wissenschaft 3/03 S.8)
·
Zunahme von
Allergien und Unverträglichkeiten: etwa 8% der Kinder und 3% der Erwachsenen
leiden bereits an einer solchen Immunreaktion (bezogen auf Lebensmittel?JK)
(Das Parlament 7.7.03)
·
Hiltrud Breyer
(Europaparlament): 90% der Sojaprodukte enthalten inzwischen GVO; bei Öl und
Zucker 100%
(Das Parlament 7.7.03)
·
Untersuchung in
Großbritannien: Patienten mit künstlichem Darmausgang aßen genmanipulierte
Soja; verdaute Nahrung wurde am Ende des Dünndarms untersucht; bis zu 3,7% der
eingeschleusten DNA-Schnipsel überlebten zwar die Passage durch den
Verdauungstrakt, aber ins menschliche Erbgut wurde die Sequenz nicht eingebaut
(Der Spiegel 4/2004 S.120)
·
Kennzeichnung:
Landwirt müsste ab sofort wissen, ob er gentechnisch veränderte Futtermittel
(zumeist Gensojaschrot) an seine Tiere verfüttert, zur Auskunft darüber ist er
nicht verpflichtet;
Kennzeichnung Lebensmittel: müssen AUS gentechnisch veränderten Organismen
hergestellt sein, nicht nur MIT deren Hilfe: so muss eine Bäckerhefe, die auf
Nährstoffen aus genveränderter Maisstärke wächst, nicht gekennzeichnet werden,
das gilt auch für Glutamat oder Vitamin C oder B12, die häufig mit gentechnisch
veränderten Mikroorganismen produziert werden
(taz 17./18.4.04)
·
Schweden: Bier
mit 10% gentechnisch verändertem Mais von Monsanto gebraut (MON810;
Bt-Resistenz); von einem Bauern im deutschen Oderbruch komme der
genmodifizierte Mais; schon im ersten Monat seien 1500 Liter des Bieres nach
Deutschland gegangen
(taz 20.4.04)
·
EU-Agrarminister
haben Bt11-Mais (Syngenta Schweiz) als Lebensmittel zugelassen; laut
EU-Kommission warten 9 Genlebensmittel auf die Genehmigung: 7x Mais, 1x
Zuckerrübe, 1x Soja
(taz 27.4.04)
·
Versuche mit
insektizidresistentem Mais MON863;
festgestellt, dass bei Ratten eine Zunahme von wissen Blutkörperchen und
Nierenbeschwerden bei Männchen sowie erhöhter Blut-Zuckerspiegel bei Weibchen
auftrat
(taz 24./25.4.04)
·
in Deutschland
70% der Verbraucher gegen Gentechnik im Essen; ebenso hoch ist der Anteil der
deutschen Bauern, die gentechnikfrei wirtschaften wollen
(Der Spiegel 16/04 S.94)
·
In der EU
besteht ein großer Bedarf an eiweiß- und energiereichen Futtermitteln, der
durch die Einfuhren von Getreide, Ölsaaten und anderen Futtermitteln,
insbesondere aus den USA und Südamerika gedeckt wird. In den USA wurden 2003
auf über 80 Prozent der Soja-Anbauflächen gentechnisch veränderte Sojapflanzen,
in Argentinien auf 99 Prozent und in Brasilien auf 35 Prozent angebaut. Die EU
importiert jährlich über 20 Mio. t Sojabohnen, allein Deutschland importiert
ca. 4 Mio. t Sojabohnen und 2,6 Mio. t Sojaschrot. GVO- und konventionelle
Agrarprodukte werden in den wichtigsten Exportländern in der Regel nicht
getrennt erfasst, transportiert und vermarktet. GVO-freie Futtermittel sind
deshalb auf den internationalen Rohstoffmärkten kaum verfügbar.
(@grar.de Aktuell - 19.03.2004)
·
Stellungnahme
der BMA zu Gesundheitsgefahren durch gentechnisch veränderte Nahrungsmittel:
das Potenzial gentechnisch veränderter Nahrungsmittel, ernsthafte
gesundheitliche Schäden hervorzurufen, ist sehr gering;
aber viele Fragen sind noch nicht ausreichend beantwortet:
langfristige Wirkung auf menschliche Gesundheit und Umwelt;
Allergiepotenzial;
Wirkung neuartiger Nahrungsmittel nicht nur auf „normale, gesunde Erwachsene“,
sondern auf besonders gefährdete Gruppen (Ungeborene, Kleinkinder, Alte,
chronisch Kranke);
Gen-Übertragung im Magen-Darm-Trakt;
Auswirkungen auf die Umwelt (Fall-zu-Fall-Prüfung wichtig!);
Selektion von Superunkräutern;
wichtiger als das Vorliegen akuter Gefährdungen: das Fehlen von Argumenten für
die Vorteile der Einführung von GVO in Nahrungsmitteln
(British Medical Association, Board of Science and Education, März 2004)
·
Greenpeace warnt
vor Produkten von „Müller-Milch“, weil dort genmanipuliertes Tierfutter
eingesetzt werde;
Greenpeace darf Produkte der Firma Müller nicht mehr als „Gen-Milch“
bezeichnen, entschied das Kölner Landgericht; durch wissenschaftliches
Gutachten davon überzeugt, dass der „Einsatz von gentechnisch manipulierten
Futtermitteln nicht zur Veränderung der Milch führt“, die Behauptungen von
Greenpeace seien daher falsch
(taz 17.5.04; 24.6.04)
·
Die
Verfügungsklägerin (= Müller-Milch) behauptet, daß sich in den tierischen
Produkten selbst bei Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel keine
Hinweise mehr auf diese wiederfinden. So bleibe die DNA der Milch von Kühen,
die gentechnisch verändertes Futter erhalten haben, gegenüber der DNA von Milch
von solchen Kühen, die nicht mit solchen Futter gefüttert worden seien,
unverändert. Dazu legt sie zwei Berichte vor (Anlagen Ast. 5 und 6), die einmal
von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und einmal von der
Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft stammen. Die Verfasser beider
Stellungnahmen kommen jeweils zu dem Ergebnis, daß eine Veränderung der
tierischen Nahrungsmittel durch die Fütterung von gentechnisch veränderten
Futtermitteln nicht auftritt bzw. bislang nicht nachgewiesen wurde. 95 Prozent
des in der EU hergestellten Mischfutters sei von gentechnisch veränderten
Bestandteilen betroffen.
... Der Antrag zu I ist begründet. Bei den beanstandeten Äußerungen – dem
Ausdruck „Gen-Milch“, der Behauptung, in den Produkten der Verfügungsklägerin
sei Gentechnik enthalten, und der Frage „Gen-Milch Skandal bei der
Müller-Partei“ – handelt es sich um Tatsachenbehauptungen, die im Rahmen des
einstweiligen Verfügungsverfahrens als unwahr anzusehen sind.
... Bei dieser Sachlage hat die Verfügungsklägerin glaubhaft gemacht, daß nach
unumstrittener wissenschaftlicher Erkenntnis der Einsatz gentechnisch
manipulierter Futtermittel nicht zu Veränderungen der Milch führt. Um diese
Einschätzung zu widerlegen, hätte der Verfügungsbeklagte (= Greenpeace)
mindestens ebenso fundierte wissenschaftliche Stellungnahmen zu dieser Frage
vorlegen müssen. Zu berücksichtigen ist auch, daß bei einer Interessenabwägung
hier das Interesse der Verfügungsklägerin überwiegt, daß sie nicht in
Verbindung mit dem Vorwurf von Genmanipulation und genveränderter und damit für
den Menschen möglicherweise schädlicher Inhalte ihrer Produkte gebracht wird.
Denn in diesem Fall ist klar, daß die Verfügungsklägerin sich nicht nur im
Rahmen der rechtlichen Vorschriften hält, sondern darüber hinaus der Verbraucher
der Produkte der Verfügungsklägerin mit genveränderten Substanzen überhaupt
nicht in Berührung kommt.
(aus dem Gerichtsurteil Greenpeace gegen Müller-Milch)
·
(gentechnik-kritischer
Artikel) Das Problem der Gentech-Gegner: Ihre Warnungen gründen sich bisher auf
Vermutungen und Befürchtungen. Zwar gibt es Studien, die Nachteile in
Tierversuchen nachweisen oder nahe legen. Doch eine direkte Gefahr für den
Menschen ist bislang nirgends nachgewiesen.
(taz 8./9.5.04)
·
Kennzeichnung
Die zentrale Grundregel, die hinter der neuen Kennzeichnung steht, ist relativ
banal: Alles, was aus GVO ist oder selbst ein GVO ist (bzw. war) muss
gekennzeichnet werden. Alles, was mit Hilfe oder unter Einsatz von GVO
hergestellt wurde, aber selber keiner ist oder war oder aus einem solchen
besteht, muss nicht gekennzeichnet werden.
(GID 163/2004 S.41)
·
Gentechnik, über
Artgrenzen hinweg: nun können Gene von Nüssen in Sojapflanzen, Gene von Fischen
in Tomaten und sogar Gene vom Menschen ins Schwein eingesetzt werden;
in den USA 5 gentechnisch veränderte Tomatenvarietäten auf dem Markt;
seit 1990 gentechnisch hergestelltes Chymosin für die Käseherstellung
zugelassen, inzwischen mehr als 70% des amerikanischen Käses damit produziert,
in der EU Verwendung solchen Chymosins in allen Staaten außer in Frankreich und
Österreich erlaubt, bereits in Großbritannien, Portugal, Irland und Dänemark
verwendet, seit März 1997 auch in Deutschland zugelassen;
(Gentechnik im Einkaufskorb, AID, 1376/2000)
·
jährlich bezieht
die EU etwa 30 Millionen Tonnen Soja und Sojaschrote;
der Anteil von Sojaschroten mit einem GVO-Anteil unter 1% an der Gesamteinfuhr
in die EU beträgt ca. 5%;
(Bundesministerium für Verbraucherschutz...: Diskurs Grüne Gentechnik, 2003)
·
Greenpeace: deutscher
Lebensmittelmarkt praktisch gentechnikfrei; 4 Produkte gefunden
(taz 27.7.04)
·
Lebensmittelüberwachung
Landkreis Chemnitzer Land: von 67 Brotaufstrich-Proben wurde in 5
Nuss-Nougat-Cremes, die als Emulgator Lecitin enthielten, gentechnisch veränderter
Soja nachgewiesen; die Konzentration lag deutlich über dem erlaubten
prozentualen Anteil
(Freie Presse Chemnitz 7.10.04)
·
in Düsseldorf
gentechnisch veränderte Papayas aus Hawaii verkauft; nicht zugelassen; vorher
schon in Bayern und Rheinland-Pfalz festgestellt
(taz 23.11.04)
·
Zusammenfassung:
Dieser Bericht untersucht auf der Grundlage vorhandener wissenschaftlicher
Literatur die potenzielle Gefährdung der Verbraucher beim Verzehr von Produkten
gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) im Hinblick auf Giftigkeit,
Krebserregung und Auslösung von Allergien sowie die Auswirkungen des Verzehrs
der Fremd-DNA, darunter auch der DNA von Antibiotika-Resistenzgenen. Der
Bericht kommt zu dem Schluss, dass beim Verzehr von Lebensmitteln aus in der EU
zugelassenen GVO ein erhöhtes Gesundheitsrisiko gegenüber dem Verzehr von
Produkten aus konventionellem Anbau nicht besteht, dass im Gegenteil in
einzelnen Fällen Lebensmittel aus GVO den konventionellen Lebensmitteln in
Bezug auf die Gesundheit sogar überlegen sind.
(Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Kommission Grüne Gentechnik,
Memorandum 25.8.2004:“Gibt es Risiken für den Verbraucher beim Verzehr von
Nahrungsmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen?“)
·
in vielen
Restaurants, Kantinen und Imbissbuden werden nach Recherchen von Greenpeace
gentechnisch veränderte Sojaöle verwendet; auf den Speisekarten befinden sich
keine entsprechenden Hinweise (wäre aber seit April 2004 vorgeschrieben)
(taz 11.1.05)
·
Umfrage in
Deutschland: bei 44% kommt Gentechnik in Lebensmitteln überhaupt nicht in
Frage, vor drei Jahren waren es hierzulande zwei Drittel
(GID 168/2005 S.20)
·
Sojabohnen enthalten von Natur aus nur geringe Mengen an Methionin
(essentielle Aminosäure, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss); es wurden
transgene Pflanzen mit erhöhtem Methioningehalt hergestellt; in diesen wurde –
nach Übertragung eines Gens der Paranuss - das Methionin-reiche 2S-Albumin der
Paranuss hergestellt; die immunologische Charakterisierung dieser Sojabohnen
mit Seren von Paranussallergikern ergab jedoch, dass es sich bei dem transgenen
Protein um ein potentes Allergen handelte, das seine Allergenität auch im
Umfeld einer anderen Pflanze (in diesem fall die Sojabohne, nicht verliert;
diese transgenen Sojabohnen wurden daher nicht vermarktet; ...
für Hersteller transgener Organismen stellt eine allergene Genquelle ein
Ausschlusskriterium dar, sodass dieser ... Fall in der Praxis nur selten
vorkommt ...
Ansätze, die natürliche Allergenität von Pflanzen mit gentechnischen Methoden zu
reduzieren; „Antisense-Strategie“, bei der ein Gen in umgekehrter Richtung in
den Wirtsorganismus eingebaut wird (stellt ein spiegelbildliches RNA-Molekül
her, das sich chemisch an die „Allergie-RNA“ bindet, die dadurch nicht
abgelesen werden kann JK); die Expression eines Allergens in transgenem Reis
konnte so auf 15% der ursprünglichen Menge reduziert werden
(Grüne Gentechnik in Forschung und Anwendung; Magazin des GSF Neuherberg,
2004/2005, S.52, 58)
·
Gentechnisch
veränderte Lebensmittel stellen nach Einschätzung der
Weltgesundheitsorganisation WHO keine Gefahr für den Menschen dar. In einer
gestern veröffentlichten Studie hieß es, veränderte Lebensmittel seien nicht
gefährlicher als konventionelle.
(taz
24.6.05, GID 170/2005 S.19)
·
Fast-Food-Kette
Mc-Donalds bestellte gentechnisch veränderte Kartoffeln ab; Bierbrauer
Anheuser-Busch wehrte sich gegen eine Anpflanzung gentechnisch veränderter
Pflanzen in der Nähe der eigenen Felder, damit das Bier rein bleibe
(Die Zeit 29.12.05 S.26)
·
EU-Kommission
(in einem 300-Seiten-Papier, das an die WHO geht, um Argumente im Streit mit
den USA und Argentinien über Gentech-Importe zu liefern):
„Es gibt keinen eindeutigen, uneingeschränkten, wissenschaftlich klaren
Grenzwert, um zu entscheiden, ob ein Gentech-Produkt sicher ist oder nicht.“
“Es ist ein begründeter und rechtmäßiger Standpunkt,“ dass Genpflanzen nicht
angebaut werden sollten, „bevor alle Auswirkungen auf den Boden bekannt sind.“
(taz 19.4.06)
·
Lüneburg: Werden
Bio-Schweine unwissentlich mit gentechnisch verändertem Futter versorgt, darf
ihr Fleisch nicht mehr als Ökoprodukt verkauft werden. Das geht aus einem
Beschluss des Verwaltungsgerichts Lüneburg hervor, der am Freitag
veröffentlicht wurde. Bei einem Ökobauern hatte eine Biozertifizierungsstelle
kleinste Spuren gentechnisch verändertes Soja im Futter entdeckt. Seine
Entscheidung begründete das Gericht mit dem Schutz des Verbrauchervertrauens in
Bioprodukte.
(Hannoversche Allgemeine Zeitung 12.5.07)
·
EU einigt sich
auf einheitliches Biosiegel;
auch Spuren gentechnisch veränderter Organismen sind in Bio-Lebensmitteln nun
ausdrücklich zugelassen; hierbei gilt der bisher schon für konventionelle
Lebensmittel vorgeschriebene Höchstwert von 0,9 Prozent;
eine Verunreinigung etwa durch Pollenflug von Genfeldern muss bis zu einer Höhe
von 0,9 % nicht auf der Verpackung gekennzeichnet werden;
Bio-Produkte dürfen nach der EU-Verordnung Enzyme oder synthetische Vitamine
enthalten, die mit genetisch veränderten Bakterien erzeugt wurden (Verwendung
z.B. in der Käseherstellung)
(Freie Presse Chemnitz 13.6.07)
·
Nachdem sich die
Gentechnikkonzerne jahrelang grundsätzlich gegen eine Kennzeichnung
ausgesprochen hatten, fordern sie jetzt (im Zusammenhang mit der Novelle zum
Gentechnikgesetz): Alles müsse in Lebensmitteln angegeben werden. Auch
gentechnisch hergestellte Enzyme oder Zusatzstoffe wie Vitamine. Die Strategie
ist klar: Dann müsste vermutlich einem Großteil der Produkte im Supermarkt ein
Gentech-Label aufgeklebt werden …
(taz 14.1.08)
·
Der Bundestag
hat eine neue Kennzeichnung für gentechnikfreie Produkte beschlossen. Im
Februar muss der Bundesrat der Neuregelung noch zustimmen. Die Kennzeichnung
"ohne Gentechnik" soll in Zukunft auf tierischen Erzeugnissen wie
Milch, Fleisch, Eier und Käse stehen dürfen, wenn die Tiere kein genverändertes
Futter erhalten haben. Erlaubt bleiben allerdings Zusätze wie Vitamine und
Enzyme, die durch gentechnische Verfahren gewonnen wurden. Voraussetzung ist,
dass es keine Alternativen gibt. Tatsächlich stecken nicht nur im Tierfutter,
sondern auch in vielen Lebensmitteln Zusätze, bei deren Produktion die
Gentechnik eine Rolle spielt.
95 Prozent des Vitamin C werden heute mithilfe der "weißen
Gentechnik" hergestellt, schätzt Professor Klaus-Dieter Jany vom
Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe. "Die
weiße Gentechnik spielt in der Lebensmittelherstellung eine große Rolle, das
wird nur in Deutschland nicht thematisiert."
Einige weitere Beispiele: Zur Käseherstellung etwa verwendete man früher Lab
aus Kälbermägen - heute produzieren Mikroorganismen die nötigen Enzyme. Mehr
als 80 Prozent aller in der Lebensmittelherstellung genutzten Enzyme werden
mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen erzeugt. "Die Produktion
einiger Enzyme lässt sich konventionell kaum bewerkstelligen", sagt Jany.
"Auch Aminosäuren, die Grundbausteine von Eiweißen, werden von
gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt." Um sich die
Dimension klarzumachen: Im Jahr werden weltweit etwa 800.000 Tonnen Lysin
produziert, der größte Teil von Mikroben.
Im Supermarkt ist die Gentechnik also längst angekommen, allerdings nur
indirekt. Weiße Gentechnik bedeutet, dass veränderte Mikroorganismen bestimmte
Substanzen produzieren - Vitamine und Enzyme etwa. Die eingesetzten Mikroben
sind nicht immer gentechnisch verändert- aber häufig. Die Bakterien, Pilze oder
Hefen gelangen selbst nicht in die Lebensmittel, nur die Stoffe, die sie
erzeugt haben. Aus diesem Grund müssen die Produkte auch nicht gekennzeichnet
werden. Das im Bakterienbottich erzeugte Vitamin C unterscheidet sich nicht von
dem aus der Zitrone gepressten oder chemisch synthetisierten.
Die Technologie spielt nicht nur bei der Herstellung von Lebensmitteln eine
Rolle, sondern auch bei der Synthese von Arzneiwirkstoffen. In Zukunft wollen
Forscher mittels weißer Gentechnik unter anderem Bakterien züchten, die zum
Beispiel Ölteppiche auf dem Meer verspeisen oder Kunststoffe abbauen. Einige
Wissenschaftler haben dafür ambitionierte Pläne -wie Genforscher Craig Venter,
der ein komplett im Labor erzeugtes Bakterium herstellen will. Ein
Bakteriengenom hat er bereits zusammengebaut - die lebendige Mikrobe gibt es
indes noch nicht. Meist setzen Biotechnologen den Mikroorganismen einfach ein
Gen ein, welches die Produktion des gewünschten Stoffes steuert, oder sie
effizienter werden lässt.
Die Vorteile der "weißen" Technologie in der heutigen Produktion
liegen klar auf der Hand: Sie löst in vielen Fällen aufwendige chemische
Prozesse ab, die nicht nur mehr Kosten verursacht haben, sondern auch die
Umwelt stärker schädigten. Vitamin B2 wurde bis Anfang der 90er-Jahre in einem
komplexen achtstufigen Verfahren chemisch synthetisiert. BASF entwickelte ein
Verfahren, in dem der Pilz Ashbya gossypi das Vitamin direkt aus Pflanzenöl
erzeugt. Dies soll die Abfälle um 95 Prozent reduziert haben, die
Kohlendioxid-Emission um ein Drittel und den Rohstoffverbrauch um 60 Prozent.
Dass damit auch die Produktionskosten sinken, versteht sich von selbst.
Laut Jany errechnete der Konzern Boehringer Mannheim (heute Roche Diagnostics)
vor Jahren, wie der Einsatz einer gentechnisch veränderten Hefe die
Herstellungskosten eines Medikamentenwirkstoffs reduzierte und die Umweltbilanz
verbesserte. Die Produktionskosten sanken von 160.000 DM auf 9000, die
produzierten Abfälle und Abwässer von 200 Tonnen auf 40. Und der
Energieverbrauch der Produktion war um 80 Prozent geringer.
Während die "grüne Gentechnik", die Veränderung von Pflanzen stark
umstritten ist, schätzen auch deren Kritiker meist den Mikroben-Einsatz:
"Die weiße Gentechnik ist weniger problematisch als die grüne, weil sie in
einem geschlossenen System stattfindet und gut kontrolliert werden kann",
sagt etwa Andreas Eickelkamp, Pressesprecher von Foodwatch. Die Organisation
tritt für Verbraucherrechte und Transparenz des Lebensmittelmarkts ein. Eine
"Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung trotz des Einsatzes weißer Gentechnik
sieht die Organisation daher nicht als Problem. "
Klaus-Dieter Jany kritisiert den Ansatz allerdings: "Aus
wissenschaftlicher Sicht ist der Hinweis 'Ohne Gentechnik' falsch, wenn bei der
Produktion gentechnisch veränderte Mikroorganismen eingesetzt wurden",
sagt der Biotechnologie-Experte. "Eine Kennzeichnung 'Ohne gentechnisch
veränderte Pflanzen' oder 'Ohne gentechnisch veränderte Futtermittel' hätte
ebenso einen Markt für gentechnikfreie Futterpflanzen geschaffen."
(Stern 25.1.08 - http://www.stern.de/wissenschaft/natur/608940.html)
·
Nicht nur im
Tierfutter, auch in vielen Lebensmitteln stecken Zusätze, die gentechnisch
hergestellt wurden;
95% des Vitamin C werden heute mithilfe „weißer Gentechnik“ hergestellt;
mehr als 80% aller in der Lebensmittelherstellung verwendeten Enzyme; weltweit
z.B. 800.000 Tonnen Lysin, der größte Teil durch gentechnisch veränderte
Mikroorganismen produziert;
Vitamin B2 wurde bis Anfang der 1990er Jahre in einem 8-stufigen Verfahren
chemisch synthetisiert; BASF-Verfahren nutzt Pilz, der das Vitamin direkt aus
Pflanzenöl erzeugt; 95% weniger Abfälle, ein Drittel weniger CO2-Emissionen,
60% weniger Rohstoffverbrauch;
(Stern 25.1.08)
·
Österreich: auch in Babynahrung (Milupa, Hipp) in sechs von zehn Proben
gentechnisch veränderte Soja nachgewiesen (0,41 bzw. 0,23%)
(GID 188 Juni 2008 S.27)
·
Kennzeichnung
„Ohne Gentechnik“ ist möglich für Rind- und Schweinefleisch, wenn die Tiere nur
die letzten 12 bzw. 4 Monate kein Futter mit gentechnisch veränderten
Bestandteilen erhalten haben; außerdem dürfen dem Tierfutter Aminosäuren und
Vitamine, die von gentechnisch veränderten Mikroorganismen erzeugt worden sind,
zugesetzt werden
(GID 192 Februar 2009 S.22)
·
Studie der TU
München zur Verfütterung von Genmais MON 810 an Rinder; 18 Milch-Kühe zwei
Jahre lang mit großen Mengen Genmais gefüttert; weder im Blut noch in der Milch
gentechnisch veränderte Bestandteile - Reste des fremden Erbgutes zu finden;
auch Milchleistung, Kondition und Gewicht im Vergleich zu einer
Vergleichsgruppe von Tieren kein Unterschied
(taz 1.4.09 S.9)
·
Käseherstellung;
nur noch 35% des Käses werden weltweit mit tierischem Labferment produziert
(bewirkt die Gerinnung der Milch); Alternativen: Ersatzenzyme aus
Schimmelpilzen oder gentechnisch hergestelltes Chymosin
(Die ZEIT 13.8.09 S.31)
·
Uni München;
Kühe mit Gen-Mais MON810 gefüttert, wurde von Kühen ebenso verdaut wie
herkömmlicher Mais, in der Milch fanden sich keinerlei transgene (gentechnisch
veränderte) Komponenten
(bild der wissenschaft 6-2009 S.10)
·
54% der
EU-Bürger wollen keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel
(Eurobarometer-Umfrage);
(taz 1.2.2011 S.04)
·
·
·
E-Länder fordern
Gentechnik
(taz 2.3.00)
·
FAO bekannte
sich in ihrer ersten Erklärung zur Biotechnologie zum Einsatz der gentechnik in
der Landwirtschaft; Blick auf wachsende Weltbevölkerung; entscheidende Rolle
bei der umweltgerechten Entwicklung
(taz 16.3.00)
·
Gentechnik und
Ernährungssicherung in der Dritten Welt
Gentechnik kann das Hungerproblem nicht lösen, da sie eine technologische
Antwort auf ein Problem ist, dessen Ursachen in erster Linie sozialer,
politischer und ökonomischer Natur sind;
Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag 1996: die
prognostizierten gentechnisch optimierten Pflanzen, die zur Bekämpfung des
Hungers in der Welt beitragen sollen, werden noch Jahrzehnte auf sich warten
lassen, falls sie überhaupt realisiert werden können;
könnten wohl nur auf industriell produzierenden Groß-Plantagen genutzt werden;
gefürchtete Nutzung der Gentechnik: gentechnischer Ersatz für Naturstoffe
(Ökologie und Landbau 1/2000 S.18)
·
Äußerung Vandiva
Shina: kein gent. verändertes Getreide für Zyklon-Opfer...
·
Direktor des
Int. Inst. für pflanzliche Gen-Ressourcen: Gentechnik -Nutzung ist für 3. Welt
Frage von Leben und Tod; bisher keine ernsthafte gesundheitliche
Beeinträchtigung bekannt, die auf gent. veränderte Organismen zurückginge
(2 e-mails kordecki)
·
Vertreter des
Bundesgesundheitsministeriums: an die These, die Gentechnik könne den
Welthunger besiegen, glaube heutzutage niemand mehr ernsthaft; bestenfalls
könne die Technologie dazu einen Beitrag leisten
GID 142 10-11/2000 S.20
·
Monsanto bietet
Gen-Reis gebührenfrei zum Anbau an; Golden Rice, eine gentechnisch veränderte
Reissorte mit besonders viel Beta-Carotin, gebührenfrei für Anbau und Forschung
freigegeben; gegen den in der 3.Welt verbreiteten Vitamin-A-Mangel (250 Mill.
Menschen betroffen, Sehstörungen, Erblindung, geschwächtes Immunsystem)
taz 7.8.2000 / Die Welt 9.8.2000
·
Ohne Bio- und
Gentechnologie wird sich die explodierende Weltbevölkerung nicht ernähren
lassen (Präsident der Internationalen Vereinigung von Agrarökonomen, Joachim
von Braun, in Berlin)
E-Mail Kordecki 22.8.2000
·
Evangelischer
Entwicklungsdienst hat sich gegen einen unverantwortlichen Einsatz der
Gentechnik in armen Ländern gewandt; Kritik: WTO verpflichtet Mitgliedsländer,
auf Saatgut Patente zu erteilen; arme Bauern könnten dadurch in Abhängigkeit
und Not geraten
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.19
·
Ismail
Serageldin, Vizepräsident der Weltbank und Vorsitzender der Cosultative Group
on International Agricultural Research (CGIAR): „ Die Biotechnologie wird
entscheidenden Anteil an der Expansion der landwirtschaftlichen Produktivität
im 21. Jahrhundert haben. Wenn sie wohlüberlegt und unter Berücksichtigung
aller Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt wird, kann sie eine enorme Hilfe dabei
sein, der Herausforderung zu begegnen, bei gleich bleibender Land- und
Wassermasse drei Milliarden Menschen mehr ernähren zu müssen, von denen 95
Prozent in den armen Entwicklungsländern leben werden.“
Dtsch. Ärzteblatt 28-29/2000 S.A1971
·
Golden rice soll
in Ländern der 3.Welt verbreiteten Vitamin-A-Mangel lindern; vier Gene
eingeschleust, Provitamin A wird produziert und gespeichert, Forscher übergaben
Reis an Internationales Reisforschungsinstitut, Entwicklungsländer sollen keine
Lizenzgebühren bezahlen
(taz 23.1.01)
·
mit
herkömmlichen Züchtungsmethoden Hirse mit hohem Gehalt an Beta-Karotin
gezüchtet;
evtl. geeignet für Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels in der 3. Welt; Gegenstück
zum gentechnisch produzierten „Goldenen Reis“, der heftig bekämpft wird wegen
seiner transgenen Herkunft, den damit verbundenen Unwägbarkeiten und der Rolle
multinationaler Konzerne bei seiner Entwicklung und Kommerzialisierung
(GID 153, 8-9/2002 S.18)
·
Die Weigerung
der Regierung Sambias, Genmais zur Versorgung der Hungernden des Landes
anzunehmen, sei „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte der
US-Botschafter bei der zuständigen UN-Unterorganisation FAO
(taz 7./8.12.02)
·
vier der
weltweit größten Agrokonzerne wollen ihre patentierten Technologien (auch
gentechnisch veränderte Sorten) kostenfrei afrikanischen Bauern und
Wissenschaftlern zur Verfügung stellen
(GID 157 April/Mai 2003, S.36)
·
Welternährungsorganisation
der UN: Biotechnologie wird bei der Reduktion der Hungersituation (bis 2015)
nur eine untergeordnete Rolle spielen
(GID 157 April/Mai 2003, S.20)
·
Generaldirektor
des International Food Policy Research Institute in Washington:
nicht fehlende Gentechnik, falsche Politik verursacht gegenwärtig den Hunger;
Gentechnik kann langfristig den Hungernden helfen:
Pflanzen entwickeln, die längere Dürreperioden überstehen (Hirse, Mais);
Pflanzen, die gegen Schädlinge resistent sind (virusresistente Süßkartoffel);
Inhaltsstoffe in Pflanzen einbringen, die für eine ausgewogene Ernährung
wichtig sind (Vitamin A);
gentechnisch veränderte Baumwolle hat in China und Indien bereits die Einkommen
von Kleinbauern erhöht, außerdem werden dort weniger Pestizide gespritzt
(Die Zeit 3.7.03 S.28)
·
Bt-resistente
Baumwolle, Feldversuch in Indien: 80% höhere Erträge, trotz höherer Kosten
Verfünffachung der Einkommen der Bauern;
in Indien werden 50-60% der Ernte vom Kapselwurm vernichtet, in den USA nur
etwa 12%
(Bild der Wissenschaft 5/2003 S.12)
·
Monsanto-Herbizid
Roundup Weltmarktanteil von 90%, Umsatz 2001: 2,4 Mrd US-Dollar;
im Süden von Brasilien (trotz Verbot) Anbau von Gen-Soja; Argument der Bauern:
rund 30% niedrigere Produktionskosten; noch genügt eine Anwendung von Roundup
(taz 27.6.03)
·
Vatikan eröffnet
Konferenz zu der Frage, ob
biotechnologisch erzeugte Nahrungsmittel eine Rolle im Kampf gegen den Hunger
in der Dritten Welt spielen können
(The Guardian UK 10.11.03)
·
Internationales
Reisforschungsinstitut IRRI: Gene des „Goldenen Reises“ jetzt erfolgreich in
mehrere in Südostasien populäre Reissorten eingeschleust; „dies ist eine der
wichtigsten Entwicklungen unseres Instituts, und sie wird einen dramatischen
Einfluss haben, wenn sie in 3 – 4 Jahren auf die Felder kommt“; Studie von
Kritikern: der Verzehr von 300 Gramm dieses Reises decke nur 20% des
Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Vitamin A; Vitamin-A-Mangel: weltweit leiden
mehr als 100 Millionen Kinder daran, jedes Jahr erblinden 250000 bis 500000,
die Hälfte davon sterben innerhalb von 12 Monaten; in Asien und Afrika sterben
pro Jahr 600000 Schwangere im Zusammenhang mit Vitamin-A-Mangel
(taz 2.1.04)
·
Buntzel-Cano
(Evang. Entwicklungsdienst): Es müsste sich um sehr überzeugende Innovationen
handeln, bei denen die Vorteile der Grünen Gentechnik für die
Entwicklungsländer unmittelbar auf der Hand liegen, um die verschärften Risiken
einzugehen ... noch nicht in Sicht ... solange die Gentechnik den Entwicklungsländern
nicht viel zu bieten hat ... ist sie keine wirkliche Option
(BRIEFE Kirchliches Forschungsheim Wittenberg 70/2004 S.T10)
·
UNO-Organisation
für Landwirtschaft und Ernährung (FAO): Jahresbericht bis zum Jahr 2030 müssten
zusätzlich 2 Mrd. Menschen ernährt werden; Gen-Pflanzen seien eine Chance, weil
sie höhere Erträge böten und beispielsweise mit Eiweißen angereichert werden
könnten, aber der Risiken für die Umwelt und die Nahrungsmittelsicherheit
bewusst sein, noch wissen wir nur wenig über die langfristigen Folgen
(taz 18.5.04)
·
In der
Katholischen Kirche Deutschlands herrscht Unstimmigkeit (zur Nutzung der
Gentechnik in der Landwirtschaft). Bischöfe wie Kardinal Meisner und Nikolaus
Schwerdtfeger sowie der Moraltheologe Johannes Ritter, seines Zeichens Mitglied
der Enquete-Kommission (des Bundestages) „Ethik und Recht in der modernen
Medizin“ unterstützen die Theorie von der grünen Gentechnik als Lösung für das
Welthungerproblem. Man solle, so Ritter, die Augen vor der Grünen Gentechnik
nicht verschließen.
(GID 163/2004 S.43)
·
„Goldener Reis
2“: enthält bis zu 23 mal mehr Provitamin A (statt bei Golden Rice 1 1,6
Mikrogramm pro Gramm Reis jetzt bis zu 37); das Gen, das ursprünglich aus
Narzissen gewonnen worden war, wurde durch ein entsprechendes Gen aus Mais
ersetzt; das könnte den Tagesbedarf eines Kindes decken;
umstritten: reicht der Provitamin A-Gehalt? übersteht das Provitamin A das
Kochen? wird es absorbiert und in Vitamin A umgewandelt? gibt es
gesundheitliche Gefährdungen für Verbraucher?
Fragen sollen 2005 geklärt werden
(New Scientist Großbritannien 27.3.05)
·
in den Entwicklungsländern werden hauptsächlich Genbaumwolle, Gensoja und
Genmais angebaut. Das ist nicht das, was die Armen in diesen Ländern essen.
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.9)
·
katholischer
Erzbischof Meisner hält die grüne Gentechnik für „vielleicht“ geeignet, „den
Hunger in der Welt wirksamer als bisher zu bekämpfen.“
(taz 7.10.03)
·
Ausführlicher Artikel
zum „Golden Rice“; gentechnisch veränderte Reissorten sollen die Dritte Welt
mit Vitamin A versorgen;
Knapp drei Milliarden Menschen weltweit ernähren sich von Reis;
Zwei deutschen Forschern, unterstützt von Universitäten in Zürich und Freiburg,
war es gelungen, einen Reis zu entwickeln, der Betacarotin enthält, eine
Vorstufe des lebenswichtigen Vitamin A; Betacarotin wird deshalb auch
Provitamin A genannt. Sie hatten ihm Gene eingebaut, die im Reis nicht
vorkommen, das war das Revolutionäre daran. Parminder Virk, 50 Jahre alt, soll
den Genreis jetzt in lokale Sorten einkreuzen, er soll die Revolution
weitertragen in die Dritte Welt, dorthin, wo die Menschen an Vitamin-A-Mangel
leiden, weil der Reis, den sie essen, zwar alles Mögliche, aber leider kein
Vitamin A enthält.
Virk, so sehen es seine Forscherkollegen, ist ein Pionier. Virk, sagen seine
Gegner, ist ein Handlanger, ein nützlicher Idiot der Gentechnik-Industrie.;
Die Syngenta-Leute haben dem Reis das Gen einer Maispflanze eingesetzt. Mais
produziert Betacarotin, deshalb sind seine Körner gelb. Der Reis, den Virk
züchtet, wird ebenfalls gelb sein. Es ist ein besonderer Reis, kein Züchter der
Welt würde ihn durch bloßes Kreuzen hinbekommen. 2011, spätestens 2012 soll der
"Goldene Reis" auf den Philippinen zugelassen werden, Bangladesch
soll kurz darauf folgen - für viele Menschen auf der Erde ein Segen, für fast
ebenso viele eine Bedrohung.
Mit dem Goldenen Reis nämlich steht die Nahrungsmittelproduktion an einer
Schwelle: Zum ersten Mal soll die gentechnische Veränderung einer Nutzpflanze
nicht den Erzeugern zugutekommen, sondern den Konsumenten.
Das ist der Fortschritt, den diese Revolution verspricht. Denn Vitamin A
unterstützt das Knochenwachstum und fördert die Sehkraft, es hält Haut und
Schleimhäute gesund und macht den Körper damit widerstandsfähig gegen
Infektionen. Mehrere hundert Millionen Menschen leiden weltweit unter
Vitamin-A-Mangel, viele von ihnen werden blind, etwa zwei Millionen sterben
jedes Jahr an den Folgen.
Jetzt werde mit dem Goldenen Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel der Erde
gentechnisch verändert, auf eine Weise, die irreversibel sei: Das ist die
Gefahr, die die Gegner beschwören, eine Gefahr, behaupten sie, die zum Fluch
werden könnte.
Der Goldene Reis, in diesem Punkt sind sich beide Seiten ausnahmsweise einig,
ist ein Anfang, ein Türöffner. Längst wird in Forschungslaboren überall auf der
Welt daran gearbeitet, dem Reis auch andere Gene einzusetzen, Gene, die ihn
Eisen aufnehmen lassen oder Zink, die ihn immun machen gegen Insekten wie den
gefräßigen Reisstengelbohrer oder gegen die gefürchtete Weißblättrigkeit.
Wenn die Menschen den Goldenen Reis akzeptieren, heißt es, dann ist vieles
möglich.
"Die Menschen in Europa haben genug zu essen", sagt er. "Sie
brauchen den Goldenen Reis nicht. Warum sollten sie sich darüber ernsthaft
Gedanken machen?" Virk lächelt fein. "Ihr in Europa habt doch gar
keine Ahnung, was Menschen anderswo wirklich brauchen."
Über 10 000 Kilometer von Virk entfernt, in einem klimatisierten Büro am
Hamburger Hafen, organisiert Jan van Aken den Kampf gegen den Goldenen Reis,
den er aus Prinzip "gelben Reis" nennt. Der Zellbiologe ist bei
Greenpeace International für Gentechnik zuständig. Für van Aken war der Goldene
Reis von Anfang an "eine Scheißidee".;
Leider kommt Betacarotin in der Natur im Reiskorn nicht vor. Es gibt darum
keine Möglichkeit, den gewünschten Effekt durch Kreuzungen zu erzielen. Also
kamen Beyer und Potrykus auf die Idee, sich die notwendigen Gene für diese
Enzyme bei anderen Organismen zu holen. Ihre Wahl fiel auf die Osterglocke,
Narcissus pseudonarcissus, und auf ein Gen des Bakteriums Erwinia uredovora.
Der Weg, auf dem dieser Transfer passiert, ist kompliziert, man muss ihn nicht
vollständig verstanden haben, um trotzdem der Meinung zu sein, dass den beiden
etwas Aufregendes gelungen ist: ein Reis, der die Menschen in der Dritten Welt
nicht nur satt, sondern gesund machen würde. Es gab damals nicht wenige unter
Beyers und Potrykus' Kollegen, die davon überzeugt waren, dass eine solche
Leistung den Nobelpreis verdient hätte.;
Um den Beta-Carotin-Gehalt zu erhöhen, wurde später das Gen der Osterglocke
durch ein Maisgen ersetzt. Der Gehalt an Betacarotin stieg um das 23fache, aber
die Skepsis blieb.;
Wobei noch zu klären ist, ob die Menschen tatsächlich ihren kompletten
Tagesbedarf über den Reis decken müssen. Oder wie viel Betacarotin notwendig
ist, um überhaupt eine Wirkung zu haben.
Ihn störe, in Europa, in Deutschland, die grundsätzliche Einstellung zu
Risiken, sagt Beyer. Organisationen wie Greenpeace nutzten die allgemeine
Risikoscheu und schüfen ein Klima der Nervosität. Niemand frage nach dem Nutzen
einer gentechnischen Veränderung.
2003 trat das sogenannte Cartagena-Protokoll in Kraft, ein Abkommen zwischen
mehr als 140 Staaten, es soll den Umgang mit gentechnisch veränderten
Organismen regeln. Beyer hat sich den Text genau angesehen. "Das Wörtchen
,risk' taucht darin 48-mal auf, das Wort ,benefit' ein einziges Mal, in der
Einleitung", ruft er. "Das ist doch Wahnsinn.";
(gentechnikkritischer Bauernfunktionär auf den Philippinen:)
Für Medina ist der Goldene Reis ein "trojanisches Pferd", der Versuch
von weltweit tätigen Konzernen, die Gentechnik zu etablieren. Das Image der
Gentechnik-Konzerne sei schlecht, sagt er. Goldener Reis sei gut, jedenfalls
behaupten das seine Erfinder. Die Konzerne hofften, dass sich ihr Image
bessere, wenn der Goldene Reis auf den Markt käme.
Dabei, sagt Medina, ist nicht der Mangel an Vitamin A das größte Problem,
sondern die Armut in der Dritten Welt. Selbst wenn die Menschen genügend
Vitamin A erhielten, könnte ihr Organismus damit nichts anfangen, weil sie
gleichzeitig zu wenig Fett bekämen. Fett ist vor allem in Fleisch vorhanden,
und arme Menschen, sagt Medina, können sich Fleisch nun einmal nicht leisten.
Er hat gehört, dass der Goldene Reis Bauern umsonst zur Verfügung gestellt
werden soll, die im Jahr weniger als 10 000 Dollar verdienen, das sind fast
alle, die bei Masipag organisiert sind. Er hat auch gehört, dass Syngenta dafür
auf Patent- und Lizenzgebühren verzichten will.
Medina misstraut solchen Meldungen, weil er Firmen wie Syngenta misstraut. Die
Grüne Revolution, die seit den sechziger Jahren in den Ländern der Dritten Welt
zu höheren Erträgen, aber auch zu höheren Kosten für Dünger und Pestizide
führte, hat bei den Bauern ein tiefes Misstrauen gegen europäische und
amerikanische Konzerne hinterlassen, gegen Konzerne überhaupt.;
Der Goldene Reis ist nicht für den europäischen Markt entwickelt worden, sagt
Medina. Er sei der Versuch des Nordens, die Probleme des Südens zu lösen.
"Sind die Menschen in der Dritten Welt die Versuchskaninchen für die Erste
Welt?"
Länder wie die Philippinen, sagen die Kritiker des Goldenen Reises, hätten den
Vitamin-A-Mangel inzwischen unter Kontrolle. Zweimal im Jahr würden den
Menschen Vitamin-A-Tabletten verabreicht, es gebe kaum noch Blinde und viel
weniger Tote als noch vor Jahren. Außerdem enthielten genug einheimische
Pflanzen Vitamin A. Man müsse den Menschen einfach erklären, wie man Obst und
Gemüse zu Hause anbauen kann.;
(Familie in Manila:)
Joselito Monico, der Vater, arbeitet als Bote, am Tag verdient er rund 100
Pesos, umgerechnet 1,60 Euro. Das reicht für Reis, sagt Joselito, und ab und an
für galungo, den billigsten Fisch auf dem Markt.
Dominador, der älteste seiner Söhne, ist 16 und sieht aus, wie 9; Jefferson,
der Neunjährige, hat die Statur eines Vierjährigen.
Bekommen sie Vitamin A von der Regierung? Keine Ahnung, sagt Joselito Monico.
"Bei uns war niemand."
Bauen sie Gemüse in einem eigenen Garten an?
"Wir wohnen im zweiten Stock."
Auf den Philippinen hat im vergangenen Jahr eine Aktion gegen Genreis
gestartet. Greenpeace-Mitglieder verteilen Aufkleber, Prominente wie die
"Miss Philippinen 2007" werben dafür, dass Restaurants nur Reis
verwenden, der gentechnisch nicht verändert wurde.
Die Monicos haben von dieser Kampagne nichts mitbekommen. Sie waren noch nie in
einem Restaurant, das Wort Gentechnik sagt ihnen nichts, von Greenpeace haben
sie noch nie gehört.
Würden Sie Reis essen, der Vitamine enthält, selbst wenn dieser Reis gelb wäre?
"Wir würden alles essen", sagt Joselito Monico und blickt seine Frau
an. "Egal welche Farbe. Hauptsache, wir überleben."
(Spiegel 48/2008 S.90 ff. – ganzer
Text: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=62236053&top=SPIEGEL
)
·
WHO: weltweit
erblinden weltweit jährlich 250.000 bis 500.000 Kinder, weil sie nicht
ausreichend mit Vitamin A versorgt sind, die Hälfte stirbt innerhalb von 12
Monaten;
Gentechnisch veränderter „Goldener Reis“ soll dieses Problem lösen, unterstützt
vor allem von der Bill Gates- und der Rockefeller-Stiftung;
laut Magazin „Science“ räumen die Spezialisten der WHO der Ausgabe von Vitaminpillen,
der Anreicherung von normalen Lebensmitteln mit Vitamin A und der Unterrichtung
der Menschen im Anbau von Karotten und speziellem Gemüse mehr Aussicht auf
Erfolg ein als dem Einsatz der Gentechnik
(GID 192 Februar 2009 S.23ff.)
·
·
Q:
Prof. Wahl, Lehrstuhl f. öffentl. Recht Freiburg, Sitzung der AGU 12.10.93
- ob ein bestimmtes Handeln erwünscht oder sozialverträglich ist oder nicht,
wird nicht im GenTG entschieden
- GenTG sagt grundsätzliches JA zur Gentechnik, ABER sie muß sicher genug sein
- längst (positives) EU-Recht dazu da, das hat Vorrang sogar vor unserer
Verfassung; wir haben nicht die Option "auszusteigen"
- in den USA lockerer: nicht der Weg ist interessant, sondern das Produkt -
gibt es da Gefahren?
- Anhörungsverfahren ist nicht der Ort, das Gesetz zu ändern
(Fundamental-Kritik an der Gentechnik), sondern es anzuwenden
·
Q:
EKD: Einverständnis mit der Schöpfung, Gütersloh 1991
- Ethik ist zu verstehen als die Wahrnehmung von Begründungspflichten für das
menschliche Handel. Sie formuliert Prüffragen und Kriterien, über die sich ein
verantwortliches Handeln Rechenschaft ablegen muß. Sie gibt darin aber auch
Auskunft über das, was zu tun und zu unterlassen, was zu fördern und was zu
verhindern ist.
- Ethik in der technologischen Zivilisation kann keine Gesinnungsethik sein
(ich habs doch gut gemeint), sondern muß Verantwortungsethik sein (nicht die
guten Absichten, sondern die guten Folgen meines Handelns sind ausschlaggebend)
- allgemeine ethische Perspektiven:
* Abschätzung möglicher Folgen (auch für Alternativen)
* Risiko-Bewertung: die Unsicherheit ist gegen die Not-wendigkeit und gegen den
Vorteil, so zu handeln, abzuwägen.
* Kosten gegen Nutzen abwägen
* Einbeziehung von Alternativen (auf anderem Weg mit geringerem Risiko und zu
geringeren Kosten gleiches Ergebnis?)
- Wiederermächtigung der Laien: sich widersprechende Expertenmeinungen, z.T.
interessengeleitet - technologiepolitische Richtungsentscheidungen dürfen nicht
den Experten überlassen bleiben; die Politiker und Bürger müssen
entscheidungsfähig werden und bleiben und dürfen sich diese Kompetenz nicht
streitig machen lassen
- in der Biologie vollzieht sich gegenwärtig der einschneidende Übergang, der
sich in Chemie und Physik schon früher vollzogen hat: von der beschreibenden
Erkenntnis der Naturvorgänge zu deren Veränderung und Nutzung, also zur
Ingenieurwissenschaft
- Unterscheidung der Gentechnik von konventioneller Züchtung:
* möglich, Artgrenzen zu überschreiten (biologische Grenzen, die sich im Laufe
der Evolution entwickelt und zu der uns bekannten Vielfalt von Lebensformen
geführt haben, werden durchlässiger gemacht oder überwunden)
* viele genetische Veränderungen (Erbeigenschaften) können gleichzeitig
übertragen werden
* was in der natürlichen Umwelt viele Generationen lang dauern würde, kann im
Labor in sehr kurzer Zeit herbeigeführt werden
* künstliche Gene können hergestellt werden (bisher unbekannte Eigenschaften
oder Produkte)
- die ethische Problematik beginnt nicht erst beim Menschen!
- Ängste: was wird diese Forschung und erst recht ihre Anwendung für Folgen
haben? welche Auswirkungen der in Angriff genommenen Projekte sind zu erwarten?
Mit welchen unbeabsichtigten Konsequenzen und Nebenwirkungen ist zu rechnen?
welcher Mißbrauch ist möglich?
- nicht Problemlösung sondern Problembeschreibung, Schärfung des Gewissens,
Mahnung, daß das Verhältnis des Menschen zur Natur weiterer Klärung bedarf
- definierte Stücke des Erbmaterials können isoliert und in neue Wirtszellen
übertragen werden, isoliert bezieht sich auf Größe und Nukleinsäure-Sequenz,
weniger auf alle Informationen über Eigenschaften und physiologische Funktion
(schon im Spenderorganismus)
- PRO und CONTRA zur GENTECHNIK - falsche Alternativen
* Natur oder Kultur
(es gibt keine von der Kultur unberührte Natur, und es gibt keine von der Natur
unberührte Kultur)
* natürlich oder künstlich
(ich möchte auf manches künstlich gemachte - technische Krücken - nicht
verzichten)
* Evolution ohne oder Evolution durch
Menschen den Menschen
(heile, gute Natur? Mensch nur als Störfaktor? was ist lebensförderlich,
Erhaltung der Möglichkeiten der Vielfalt)
* Anthropozentrik oder Physiozentrik
(ausschließlicher Blickwinkel: Nutzen für den Menschen - Eigenwert, eigenes
Lebensrecht der Natur)
* umfassende oder Handlungsverzicht
Verantwortung
* Fortschritts- oder Fortschritts-
förderung verweigerung
(wie wird Fortschritt definiert, woran gemessen?)
* Freiheit oder Grenzen
* Heilsweg oder Katastrophe
- allgemeine Perspektiven für das menschliche Handeln gegenüber der Natur
* Respekt vor dem Gegebenen
(die Natur ist von Menschen nicht geschaffen, sondern sie ist ihnen gegeben;
sie begegnet ihnen in der ihr eigenen Lebendigkeit und Stimmigkeit und nötigt
ihnen in ihrer sinnhaften Fülle Bewunderung und Dank ab),
* Eigenwert und Eigenrecht der Mitgeschöpfe (nicht nur unter dem Interesse des
Nutzwertes betrachten; Material, Verfügungsmasse),
* Solidarität mit den Mitgeschöpfen
(Menschen leben als Lebewesen unter anderen Lebewesen; das eine lebt mit dem
anderen und von dem anderen)
(neuzeitlicher Umgang mit der Natur: Machbarkeit, Machen, untertan machen,
ausbeuten)
·
Q: Das
Leben ist eine Gabe Gottes,
Kassel 1990
- S.76: Kriterien bei Anwendung der Gentechnik:
* Macht (über die Um-Welt)
* Reduktionismus (was interessiert mich jetzt)
* Nützlichkeitsprinzip (was hat einen Nutzen - für mich, hier und jetzt)
* Zweckmäßigkeit
* Leistungsprinzip (Mengen)
* Qualitätsveränderung
* Vorhersagbarkeit
* Zeitverkürzung
- S.77: Albert Schweitzer:
"Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will."
" Gut ist: Leben erhalten, Leben fördern, entwicklungsfähiges Leben auf
seinen höchsten Wert bringen. Böse ist: Leben vernichten, Leben schädigen,
entwickelbares Leben niederhalten."
·
Q:
Bild der Wissenschaft 2/87
- Überschrift zu einem Text von
K.-L- Winnacker: "Der achte Tag der Schöpfung"
·
Q:
Ethik und Gentechnologie,
Gesellschaft Gesundheit und Forschung, Frankfurt/Main 1988
- Dimensionen der Verantwortung in der Gen-Technik (Hans Jonas)
* Ambivalenz der Wirkungen (in der Regel hat Technik immer eine bedrohliche
Seite, die langfristig das letzte Wort haben könnte),
* Zwangsläufigkeit der Anwendung (Wissen und Technik mit dem Ziel der Anwendung),
* Sachzwänge (Wachsende Zahl von Menschen, Bedürfnisse-Ansprüche wachsen,
Eigendynamik)
* globale Ausmaße in Raum und Zeit (Neigung zur Maßlosigkeit, Trennung der
Wirkungen von der Tätigkeit, Bühne ist die Erde, Wirkungen für zukünftige
Geschlechter),
* Anthropozentrik der bisherigen Ethik wird durchbrochen (nicht mehr nur
Menschen, Menschheit als Gegenstand von Verantwortung, jetzt beansprucht die gesamte Biosphäre
Aufmerksamkeit),
* metaphysische Fragen (hat Leben einen Wert und Sinn?, Aufgabe des Menschen in
der Welt?)
- der Hexenmeister kann's nicht mehr stoppen, da die Schöpfungen der neuen
Technik nicht mehr Besen, sondern neue Lebewesen sind
- Gaben der Pandora, zu denen
keine Not, nur der prometheische Trieb drängt
·
Aldous Huxley:
Schöne neue Welt 1932 erschienen
(Le Monde diplomatique / taz Februar 2000 S.20)
·
gentechnische
Veränderung von Pflanzen und Tieren verstößt nicht gegen den Willen Gottes;
so die Berater des Papstes in Sachen Life Sciences, die Vatican Pontifical
Academy for Life; die Vorteile sind größer als die Risiken; Ablehnung weiter
bei menschlichem Klonen und künstlicher Befruchtung
(GID 138/2000 S.18)
·
Kriterien
Gentechnik - Vorsicht:
wenn man zwar helfen will und kann, aber dabei anderes Leben zerstört wird
(Dietrich Mendt, Lückendorfer Arbeitskreis Januar 2000)
·
Sloterdijk:
Alles nur ein Scherz
(taz 24.3.2000)
·
Zum Wesen des
Menschen gehört seine Unvollkommenheit, ebenso wie seine wenigstens potenzielle
Fähigkeit, über sich selbst hinauszuwachsen.
(Ernst Benda in: Leben als Gottes Bild, Woche für das leben 2000, S. 16)
·
Peter Sloterdijk
Rede in Elmau (Die Zeit 16.9.99) Überschrift „Regeln für den Menschenpark“
Anthropotechniken als Kombination von Züchtung, Zähmung und Erziehung;
Zoobewohner und Zooleiter in einem platonischen Zoo;
Züchtung wird gesteuert von einer Elite;
(Jens Reich: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11/99 S.1353ff)
·
Gentechnik löst
Christentum ab; nachdem das Christentum und der Glaube an Gott die Menschen
ebenso enttäuscht habe wie die Utopie einer kommunistischen Gesellschaft, werde
nun die Gentechnik als „Prinzip Hoffnung angesehen; weltweite Euphorie, „auch
in Deutschland ganz und gar kindliche Begeisterung um die Doppelhelix
ausgebrochen“
epd-Wochenspiegel 41/2000 S.3
·
Symposium Fortpflanzungsmedizin
Bundesgesundheitsministerium 5/2000;
BM Andrea Fischer: Die Möglichkeit, individuelles Leid zu verhindern, bedeute
keine Rechtfertigung dafür, auch alles Machbare zu tun. Durch die neuen
Techniken könne ein Klima entstehen, das den perfekten Menschen immer mehr zur
Norm werden lasse und es schließlich als rechtfertigungsbedürftig erscheinen
lasse, wenn ein behindertes Kind zur Welt kommt.“
Fischer will in einem neuen Fortpflanzungsmedizingesetz die
Präimplantationsgendiagnostik PGD verbieten. Auch der Genehmigung einer
Eizellspende stehe sie nach wie vor skeptisch gegenüber.
Dtsch. Ärzteblatt 22/2000 S.A-1503
·
Bundesgesundheitsministerin
Andrea Fischer:
Was aus der Sicht des Einzelnen ein Fortschritt ist, kann Konsequenzen haben,
die die Gesellschaft womöglich ganz grundlegend verändern. ... Die Möglichkeit,
individuelles Leid zu verhindern, kann nicht rechtfertigen, alles zu tun: Denn
auch daraus kann wieder Leid entstehen.
grün&bündig 2000 S.7
·
Bischof Huber
Berlin: Warnung vor falscher Wissenschaftsgläubigkeit, die junge Generation
wachse heute in einer Atmosphäre auf, in der ihre Identität mit ihrer
genetischen Ausstattung gleichgesetzt werde; der Mensch werde nur noch als
Naturwesen und nicht mehr als sittliche Person wahrgenommen, eine solche
Auffassung trage dazu bei, genetische Defekte verantwortlich zu machen, wenn
das Leben nicht in der vorhergesehenen Weise gelinge
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.8
·
Geschworenengericht
in Norwich/Großbritannien hat entschieden, daß Greenpeace rechtmäßig gehandelt
habe, als im Juli 99 ein Feld mit genmanipuliertem Mais zerstört wurde;
Berufung auf ein Gesetz von 1971, wonach Eigentum zerstört werden darf, wenn
dadurch anderes Eigentum geschützt wird; Argumentation von Greenpeace: die
Maispollen würden angrenzende Felder „genetisch verschmutzen“
taz 26.9.2000
·
EU-weite Umfrage
zur Gentechnik; 35% der Befragten stimmten der Aussage zu „herkömmliche Tomaten
haben keine Gene“
GID 141 8-9/2000 S.42
·
Interview mit
Peter Sloterdijk: Elternliebe statt Wettrüsten
eine wissenschaftliche Subkultur in den USA will die Leistungsfähigkeit des
Menschen durch genetische „Verbesserung“ steigern;
es muß vermieden werden, daß dadurch ein weltweites biologisches Wettrüsten
ausgelöst wird;
nach dem Prinzip Elternliebe sollte im Einzelfall - und nur mit therapeutischen
Motiven - über Embryotest, Gentherapie und dergleichen entschieden werden
bild der wissenschaft 10/2000 S.40ff.
·
Jens Reich:
Genetische Qualitätskontrollen von Menschen, geborenen wie ungeborenen, sollten
tabu bleiben. Menschliche Embryonen dürfen wir nicht einsetzen - seien die
Ziele auch noch so nobel. Der Eingriff in die menschliche Keimbahn darf kein
Forschungsziel sein und muß verboten bleiben.
Die Zeit 29.7.2000 S.1
·
die normative
Kraft des Fiktiven; sie zeigt, dass der anscheinend glaubensindifferente
moderne Mensch vielleicht doch derjenige ist, der am meisten glaubt, weil er
keine Alternativen dazu hat.;
1. Welchen Raum geben wir dem natürlichen Zufall?
Wir haben (bisher) dem natürlichen Zufall bei der Reproduktion des Menschen,
zumindest was das „Sosein“ des Menschen betrifft, Raum gelassen. Wir haben
Menschen nicht gezüchtet, obwohl wir es, auch mit konventionellen Methoden, in
der Pflanzen- und Tierzucht weit gebracht haben
2. In welcher Welt wollen wir in Zukunft leben?
3. Wann ist der Mensch ein Mensch ?
Wie gehen wir auf die Nicht-, Noch-nicht- oder Nicht-mehr-Artikulationsfähigen
ein?
Stammtisch: Es geschieht ohnehin, die anderen tun es auch, wenn ich es nicht
tue, tut es ein anderer, wenn es schon getan werden muss, dann mache ich es
besser als andere...
Dietmar Mieth: Ethik angesichts der Beschleunigung der Biotechnik, in: Aus
Politik und Zeitgeschichte 33-34/2000 (Beilage zu DAS PARLAMENT)
·
ehemaliger
CDU-Forschungsminister Rüttgers möchte 7 Grenzpfähle einschlagen:
wo Gendiagnostik die Selektion von Menschen beabsichtige
wo die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken beabsichtigt wird
wo das Klonen von Menschen beabsichtigt ist
wo in die menschliche Keimbahn eingegriffen wird
wo eugenische Ziele verfolgt werden
wo genetische Daten zur Diskriminierung führen
wo Patente zu Nutzungsrechten am menschlichen Körper führen
(taz 14.12.00)
·
EU-Parlament
setzt Kommission für Humangenetik ein;
soll Vorschläge für europaweite Gesetzgebung zur Biotechnologie erarbeiten;
Klonen, DNA-Analyse, vorgeburtliche Diagnostik
(epd Wochenspiegel 4/2001 S.22)
·
Wenn eine
Gesellschaft sich in der überwiegenden Mehrheit darin einig ist, bestimmte
Dinge nicht zu tun (zum Beispiel zu morden, einen Hammer als Mordwerkzeug zu
benutzen), wird man zwar nicht ausschließen können, dass trotzdem Einzelne dies
Spielregeln nicht einhalten (also doch morden), aber man kann dann andere
nützliche und akzeptierte Anwendungen bestimmter Techniken zulassen (Hammer
nicht verbieten, die meisten nehmen ihn, um Nägel einzuschlagen)
(Diskussion im Deutschlandfunk März 2001)
·
Gedankenexperiment
des Rechtsphilosophen Reinhard Merkel:
es brennt in einem biologischen Labor – wen würde sie retten: ein lebendes Baby
oder 10 Embryonen in einem Reagenzglas?
(taz 17./18.2.01)
·
Gentechnik-Papst
E.-L. Winnacker:
Kennen Sie den Witz über den Beginn des Lebens? Wenn ein Katholik gefragt wird,
beginnt das Leben mit der Fusion von Ei- und Samenzelle. Für einen
Nichtgläubigen beginnt das Leben, wenn sich das Ei in die Gebärmutter
einnistet. Und wenn Sie den Rabbi fragen, der sagt Ihnen: „Wenn die Kinder aus
dem Haus sind und der Hund tot.“
(Die Zeit 28.12.00 S.2)
·
wider die
Vernunft, wenn 134600 Tötungen von eingenisteten Embryonen (im Jahr 2000)
akzeptiert werden, aber gleichzeitig die streng kontrollierte Verwendung
einiger hundert nicht eingenisteter Embryos zum Zweck hochrangiger Forschung
zum Schritt über den Rubikon zu erklären, also als rechtswidrige Tötung
menschlichen Lebens zu behandeln;
§218:“Handlungen, deren Wirkung vor Abschluss der Einnistung des befruchteten
Eis in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch.“
wieso ist das legitim und verfassungskonform, wenn doch schon die befruchtete
Eizelle den Beginn menschlichen Lebens ausmachen soll?
(Der Spiegel 24/2001 S.42, Peter Glotz)
·
„Der Judaismus
begrüßt generell jede Entwicklung der medizinischen Technik, wenn es darum
geht, Leben zu retten oder Probleme der Befruchtung zu lösen“, stellte der
höchste Rabbiner klar
(Der Spiegel 24/2001 S.216)
·
in unserer
Gesellschaft werden, ohne jeden moralischen Protest, abgestorbene oder
abgetötete Föten als Medizinabfälle behandelt, in der kirchlichen Praxis werden
Föten weder getauft noch christlich begraben, in der abendländischen Tradition
beginnt für die Kirche wie für den Staat das Personsein mit der Geburt, deshalb
wäre es ein Kulturbruch, für Föten Menschenwürde und Grundrechte zu
postulieren;
Nach dem Recht in der Bundesrepublik beginnt der strafrechtliche Schutz
ungeborenen Lebens nicht mit der Befruchtung, sondern mit der Einnistung des
Eis in den Mutterleib;
die Behauptung, bei der Auswahl des einzusetzenden Eis (PID) stünden, anders
als beim Schwangerschaftsabbruch, keine Rechte der Frau zur Abwägung, halte ich
für sophistisch. Die den natürlichen Zeugungsvorgang zerreißende – rechtlich
zulässige – Befruchtung in vitro stellt die Frau doch nicht rechtlos.;
darüber, dass es nach unserem kulturellen Selbstverständnis keine
Menschenzüchtung geben darf, besteht Übereinstimmung, nicht aber darüber, ob für
den gentechnischen Ausschluss von Erbkrankheiten eine Ausnahme gemacht werden
darf
(Spiegel 27/01 S.40, Horst Ehmke)
·
Rede von Hubert
Markl, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
so viel Neues und Unverstandenes die ureigensten Privatentscheidungen von Essensauswahl
bis Kinderwunsch, von Lebensversicherung bis Arbeitsplatz betrifft...
wie groß das Verlangen vieler nach klaren Wegweisungen und Grenzziehungen ist,
möglichst aus berufenem Mund und möglichst unbezweifelbar in ewigen Werten und
Wahrheiten verankert...
die Stellungnahme jüdischer Religionslehrer besonders überzeugend... sie weist
nämlich der Tatsache, dass sich der Mensch nur in engster Verbindung zu einem
mütterlichen Körper entwickeln kann, eine besondere Bedeutung für die
Menschwerdung zu;
“Willkür“ bedeutet tatsächlich nichts anderes als den Willen zur Urteilskraft
und zur „Kür“, d.h. zur Auswahl zwischen Entscheidungsalternativen;
mich schrecken sozialethische Argumente der Art, es könne die Stimmung in der
Bevölkerung für oder gegen Behinderte beeinflussen, wenn es Müttern frei
überlassen wird, solche schweren Entscheidungen zu treffen. Nicht nur deshalb,
weil sich hier andere anmaßen, nach ihrem Gutdünken anstelle der Eltern und vor
allem der Mütter zu entscheiden. Dabei wird nämlich verkannt, dass die
allermeisten Behinderungen sowieso nicht angeboren sind und dass selbst von den
angeborenen Fällen auch künftig sehr viele keineswegs früh erkannt werden
können.;
dass Eltern keinen Rechtsanspruch auf ein gesundes Kind haben- allerdings sehr
wohl ein Menschenrecht, danach zu streben!;
Wann beginnt das Leben? Zweifellos sind Ei- und Samenzelle ebenfalls bereits
lebendig, ebenfalls mit einem menschlichen Genom ausgestattet und ebenfalls
genetisch jeweils ganz und gar individuell... der neue Mensch ist nicht fertig
in der Zygote... e3r kann aus ihr werden und zwar nur unter bestimmten
Bedingungen, für die die Verbindung zum Mutterorganismus absolut konstitutiv
ist.;
dass sich nur ein Bruchteil befruchteter Eier tatsächlich im Uterus einnisten
kann... schon von Natur aus dazu dient, um möglichst nur gesunde und voll
entwicklungsfähige Keime zur Entwicklung kommen zu lassen. Die eigentliche
„biologische Entscheidung“ zur Menschwerdung fällt daher tatsächlich mit der
Einnistung des Keimes im Uterus, nicht schon mit der Befruchtung... früh
abortierende Embryonen besonders häufig von genetischen Anomalien betroffen;
die alleinige Fixierung des Menschenwesens auf den Besitz eines Satzes
menschlicher Gene und die als hochmoralisch bewertete willenlose Hinnahme jedes
Zufallsunglücks in der Beschaffenheit dieses Gensatzes, den Gipfel eines
Biologismus bedeutet, der den Menschen tatsächlich zum reinen Biowesen
degradiert und ihm genau das abspricht, was ihn eigentlich erst zum Menschen
macht: seine kulturbedingende Entscheidungsfreiheit.;
Empfehlungen der DFG zur Stammzellforschung als Mitglied des Senats und im
Namen der Max-Planck-Gesellschaft aus voller Überzeugung zugestimmt;
es müsse sich erst erweisen, ob solche Stammzellen tatsächlich ein hohes
therapeutisches Potential haben, ehe man an eine Lockerung...kann doch nur
dadurch entsprochen werden, dass an Zellkulturen geforscht wird;
eine nur der Erkenntnissuche verpflichtete Grundlagenforschung ist nicht auf
Forschung an Menschenembryonen angewiesen... es sind ausschließlich
medizinisch-therapeutische Forschungsziele zur Heilung schwer erkrankter
Menschen, die in der Güterabwägung für oder gegen Forschung mit me4nschlichen
Embryonen vorgebracht werden können und von Gesetzgeber und Verfassungsgericht
abzuwägen sind;
(Die Welt 23.6.01)
·
Beginn
menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle?
wie ist die zeitliche Zählung bei Langzeit-Gefrierkonservierung ?
(idea spektrum 29/30-01 S.4)
·
Warum erlaubt
Israel Embryonenforschung?
die Frage, wann das Leben beginne, wird bei Juden anders beantwortet als bei
Christen, die Rabbiner hätten nach der Entdeckung des Mikroskops entschieden,
dass nur das beachtet werden müsse, was man mit dem bloßen Auge sehen könne,
ein Embryo im Vier- oder 16-Zellenstadium sei aber mit dem Bloßen Auge nicht
erkennbar, deshalb dürfen nach jüdischem Recht Embryonen im frühen Stadium, die
bei der Erzeugung im Reagenzglas überschüssig seien, für die Forschung
verwendet werden
(idea spektrum 25/01 S.16)
·
Hertha
Däubler-Gmelin
Fortschritt ist nicht alles, was möglich ist, sondern das, was dem Menschen
dient. „Heilen und Helfen“ sollten wir deshalb als Ziel festlegen. Das schließt
dann Selektieren, Züchten und Klonen als Ziele aus...
liegt jetzt die Darlegungslast bei der Wissenschaft. Sie muss erklären, warum
sie auf dem Weg zum besseren Heilen von Krankheiten nicht den Weg der Forschung
an adulten Stammzellen oder an tierischen Embryonen gehen kann.
Die Biomedizinkonvention (des Europarates) verbietet in ihrem Artikel 18 das
Erzeugen von Embryonen zu Forschungszwecken.
(Die Zeit 26.7.01 S.4)
·
Debatte des
Bundestages zu Gentechnik und Bioethik 31.5.01
Ohne die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter gibt es keine
Menschwerdung. Ohne die positive Entscheidung der Frau wird aus der
befruchteten Eizelle kein Mensch.;
Diskussion in Frankreich zur Frage der Bewertung von Behinderungen
überraschendes Ergebnis: bis auf die Querschnittsgelähmten haben alle
französischen Behindertenverbände es „als empörend bezeichnet, den Frauen unnötiges
Leid aufzubürden, das die PID ihnen ersparen könnte“;
ähnlich auch Patienten und Eltern der Deutschen Mukoviszidose-Vereinigung in
ihrer Erklärung vom 24.9.2000: „Betroffene Eltern, die einen
Schwangerschaftsabbruch ablehnen, haben nur mit der PID die Chance auf ein
weiteres Kind ohne diese Erkrankung. Der Verein will diese Eltern mit ihren
Sorgen nicht durch ein Verbot der PID alleine gelassen sehen.“;
Eine Grundregel der philosophischen Ethik lautet: „Der mögliche Missbrauch
verbietet nicht den rechten Gebrauch.“ – Zum rechten Gebrauch gehören Grenzen.;
Kantische Philosophie: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner
Person als auch in der Person eines jeden anderen niemals bloß als Mittel
brauchest.“
(Das Parlament 8.7.01)
·
Deutscher Ärztetag
gegen Forschung mit embryonalen Stammzellen;
Diskussionspapier des Bundesvorstandes der CDU: lehnt Erzeugung menschlicher
Embryonen zu Forschungszwecken und zu therapeutischen und gewerblichen Zwecken
ab, ebenso die verbrauchende Embryonenforschung
(taz 25.5.01)
·
statistisch
reift nur jeder vierte Embryo wirklich zu einem Kind heran. Drei von vier
befruchteten Eizellen werden, häufig schon zu Beginn der Schwangerschaft, vom
Körper der Mutter abgestoßen, und dies vor allem dann, wenn der Embryo Chromosomenstörungen
aufweist
(Spiegel 20/01 S.251)
·
60-80% der
befruchteten Eizellen gehen (in Abhängigkeit vom elterlichen Alter) verloren
eine Ursache: falsche Chromosomenausstattung
(taz 11.5.01)
·
Beratungsgremien
der Bundesregierung zur Bioethik:
Nationaler Ethikrat (Bundeskanzler)
Enquetekommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ (Bundestag)
Ethikbeirat (Bundesgesundheitsministerium – berufen von Andrea Fischer)
(taz 3.5.01)
·
Ian Wilmut,
biologischer Vater von DOLLY:
Manchmal stellen Gesellschaften etwas einfältige Regeln auf. In Deutschland
durfte zunächst auch keine Forschung zur Retortenbefruchtung gemacht werden,
die Prozedur wurde in England entwickelt und wird heute in Deutschland überall
genutzt.
(Die Zeit 8.3.01 S.43)
·
... Postulat eines
allmächtigen Schöpfers... es darf wohl angenommen werden, dass auch eine
Evolution im Genlabor, so sie denn möglich werden sollte, Teil des großen Plans
ist – so es ihn gibt.
(SZ 22.8.01)
·
Horrorvision
oder Aussicht auf das gelobte Land?
·
in pluralistischen
Gesellschaften werden auch moralische Fragen mehrheitlich entschieden; die
Entscheidungen in Großbritannien, Frankreich, Italien für die
Embryonenforschung sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels, der auch in
Deutschland längst begonnen hat;
nach jüdischem Glauben wird der Embryo oder Fetus nicht als eigenständige SEELE
angesehen, sondern als Teil der Mutter
(Die Zeit 3.5.01 S.41ff)
·
Margot von
Renesse: es geht um „Gut gegen Gut“; den Respekt vor den Maßstäben und den
Argumenten nicht gegenseitig absprechen
(Die Zeit 23.5.01 S.3)
·
Reinhard Merkel:
Verfassungsberatungen des Parlamentarischen Rates 1949: Antrag, das „ungeborene
Leben“ ausdrücklich in den Schutzbereich der Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes
einzubeziehen, damals mit großer Mehrheit abgelehnt;
wäre der Embryo Träger von Lebensgrundrecht und Menschenwürde, so dürfte er in
keinem noch so singulären Konflikt, dessen Entstehung nicht er, sondern die
Konfliktpartei zu vertreten hat und in den er durch diese zwangsinvolviert ist,
getötet werden (gemeint ist der Schwangerschafts-Konflikt zwischen Mutter und
Kind);
Überlegungsmodell: vier Wochen verbleibende Lebenszeit bei einem Todkranken
dürfen nicht aktiv abgekürzt werden; aber wenn bei einem Embryo im Reagenzglas
ein schwerer Defekt festgestellt wird, der nach Einpflanzung in den Uterus nur
4 Wochen Lebenszeit bedeutet und dann das sichere Absterben – der Erhalt dieser
Lebensspanne unter den konkreten Bedingungen erscheint unsinnig
(Die Zeit 13.6.01 S.25)
·
Michael Naumann:
niemand vermag logisch zu beweisen, warum eine Ansammlung mikroskopisch
winziger embryonaler Zellen als Mensch zu gelten habe, es sei denn, wir erhöben
die Potenzialität des Embryos, ein ganzer Mensch zu werden, mit rational nicht
widerlegbaren, also Glaubensargumenten in den Stand unantastbarer und absoluter
Menschenwürde
(Die Zeit 21.7.01 S.9)
·
zwischen
Stammzellen und Stammaktien
(Die Zeit 5.7.01 S27)
·
Was steht im
Zentrum?
christlich-kantianische Ethik: die als Selbstzweck verstandene Würde einer
jeden menschlichen Person;
utilitaristische Ethiken: Glück und Wohlergehen der meisten
(Die Zeit 16.8.01 S.32)
·
als
Schwerpunktthema für die 7. Tagung der 9. Synode der EKD wurde festgelegt:
“Was ist der Mensch?“
(Präsidium der EKD-Synode, 11/2001)
·
5.Tagung der 9.
Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
Bückeburg 2001
Drucksache Nr. 10/2001
Entschließung der Generalsynode der
Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zu Fragen der Bioethik
vom 23. Oktober 2001
„Die Generalsynode schließt sich der Stellungnahme der Bischofskonferenz
der VELKD zu Fragen der Bioethik vom 13. März 2001 an. Wir unterstreichen den
Grundsatz, dass bereits der menschliche Embryo eine Würde hat, die unantastbar
und unverfügbar ist. Deshalb muss der Embryo allen willkürlichen Zugriffen
entzogen sein. Von diesem Grundsatz her lehnen wir die verbrauchende
Embryonenforschung, das Klonen von Menschen sowie Keimbahnmanipulationen ab.
Wegen der großen Missbrauchsmöglichkeiten lehnen wir zum gegenwärtigen
Zeitpunkt eine gesetzliche Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab.“
·
erstes
Retortenbaby in Deutschland April 1982 in Erlangen geboren;
die katholische Kirche sprach damals von einer Manipulation, die „schlimmer als
die Atombombe“ sei;
(epd-wochenspiegel 37/2001 S.14)
·
In der
Diskussion über Behinderung, Krankheit und Eugenik kann man das Leiden
verharmlosen oder idealisieren. Gerecht wird man den betroffenen Menschen damit
nicht.
(GID Spezial 2, 2001, Eugenik - gestern und heute, S. 40)
·
Eugen
Drewermann:
Er spricht dem Embryo im frühen Entwicklungsstadium die „unbedingte“ Würde ab.
„Unbedingte Schutzwürdigkeit im Rahmen von Gesetz und Moral scheint mir erst
gegeben, wenn eine Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, zum Beispiel von Schmerz,
in der Embryonalentwicklung vorliegt. Das ist etwa in der Zeit vom 4. Monat der
Fall.“
(Publik-Forum 16/2001 S.25)
·
Peter Gruss,
Stammzellforscher und Präsident der MPG:
Die befruchtete Eizelle ist für mich noch kein Humanum mit Seele...
eher die Gastrulation, die Einschnürung des embryonalen Zellhaufens nach dem
14. Tag, entscheidendes Ereignis in der Entwicklung... Und dazu ist die
Einnistung in die Gebärmutter, der Kontakt mit mütterlichem Gewebe notwendig.
(Die Zeit, 22.11.01 S.45)
·
Utilitarismus –
Nützlichkeitskalkül, entwickelt im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, Ziel:
gerechtere und menschlichere soziale Verhältnisse;
die Formel, der Staat solle das „größte Glück der größten Zahl“ verwirklichen
(Publik-Forum 16/2001 S.15)
·
Menschenrecht
auf Erbgut (Alexander S. Kekulé): Die Ergänzung der Menschenrechte, etwa als
Zusatzvereinbarung zu den UNO-Menschenrechtspakten, könnte konkret lauten:
„Jeder Mensch hat das Recht auf natürliches Erbgut. Niemand darf nachfolgende
Generationen durch Eingriffe in die Keimbahn um dieses Recht bringen. Niemand
darf auf Grund seiner Erbanlagen benachteiligt werden.“
(Der Spiegel 46/01 S.206f)
·
von den
kirchlichen Veröffentlichungen des vergangenen Jahres fanden Stellungnahmen zur
Biotechnologie, Stammzellenforschung und Pränataler Diagnostik die größte
Resonanz. Von allen Medienbeiträgen zur Gentechnologie kamen 38,5% aus dem Raum
der Kirchen...
(Idea-Spektrum 3/2002, S.28)
·
Ablehnung
weniger monotheistisch als christlich begründet; so befürworten einige
orthodoxe jüdische Thoragelehrte explizit das Klonen... als Form der
menschlichen Vermehrung, allerdings nur bei Unfruchtbarkeit, da es einer
künstlichen Befruchtung vorzuziehen sei, dort besteht Risiko eines zufälligen
Inzests, der als schwere Sünde gilt
(taz 21.1.02)
·
Menschen? Ach
nein, das sind ja Fleischklopse..
Die Worte des Propheten Mohammed können einen strengen Embryonenschutz nicht
begründen Zu den Charakteristika des Islam gehöre es, daß er der
wissenschaftlichen Forschung keine Restriktionen auferlege und auch nicht dem
technologischen Fortschritt, sondern Forschung und Fortschritt willkommen heiße
und tolerant sei gegenüber allem, das Nutzen verspreche und der Menschheit
nütze.
Entscheidend für die Frage nach der Statthaftigkeit genetischer Manipulationen
ist vielmehr für alle Autoren die Frage, ob sie im Interesse der Menschheit
(maslaha) geschehen. Erst wenn Manipulationen bloße Spielerei (abath al-hayat)
sind oder unlauteren Zwecken dienen, werden sie als Eingriff in die Befugnisse
Gottes aufgefaßt. daß - anders als es von zahlreichen europäischen Denkern
gesehen wird - nach islamischer Mehrheitsmeinung der Zweck über die
Verwerflichkeit der Handlung entscheidet für die Bewertung;
entscheidend ist das Ergebnis. Hier liegt der eigentliche Unterschied in der
islamischen und der christlich-humanistischen Perspektive. ein dem Propheten
Mohammed zugeschriebener Ausspruch, nach dem der Mensch nach der Befruchtung
"vierzig Tage Samen, vierzig Tage Knoten, vierzig Tage
Fleischklumpen" sei. Im Islam herrscht weiterhin eine ältere, am Sicht-
und Spürbaren sich orientierende Auffassung vor, die die Verwendung von
Mikroskopen in der Wissenschaft sozusagen noch nicht wahrhaben möchte. So
gelten Bewegungen des Embryos im Mutterleib als Zeichen für den Beginn
menschlichen Lebens;
Zur Zeit dominiert im sunnitischen Islam die Auffassung, die den Beginn
menschlichen Lebens bei vierzig Tagen nach der Befruchtung ansetzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 20. Dezember 2001, Nr. 296 Seite 56)
·
EU-Kommissar
Busquin antwortete auf die Frage, warum keine Gegner der Embryonenforschung
eingeladen worden seien, mit der Begründung, dass es hauptsächlich um
wissenschaftliche Aspekte gehe und bei den Diskussionen über die ethischen
Fragen ein ausgewogenes Panel zusammengestellt worden sei (in diesem Panel saß
eben kein grundsächlicher Gegner der Embryonenforschung). Busquin fügte dann
hinzu, dass die EU-Kommission "keine Taliban" eingeladen habe.
"Dies ist eine unglaubliche Entgleisung. Der Kommissar scheint damit die
Gegner der Embryonenforschung mit dem verbrecherischen Regime der Taliban auf
eine Stufe zu stellen.
(Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=1380)
·
begnadete
Demagogen, die die Verwendung von ES-Zellen als „Kannibalismus“ oder „Inzest“
brandmarken...
vorsichtiger Gebrauch des Menschenwürde-Arguments. Allzu schnell heißt sonst
die Botschaft: Wer anders denkt, tritt die Würde des Menschen mit Füßen... In
vielen Ländern, von denen die meisten mit mehr Recht als wir in Anspruch nehmen
können, Kulturnationen mit demokratischer Tradition zu sein, ist embryonale
Stammzellforschung inzwischen zugelassen: England, Schweden, Frankreich, USA,
Australien, Israel...
Dass die Kultur der Menschlichkeit ins Rutschen gerät, wenn einige hundert
übriggebliebene Embryonen für die Herstellung von Stammzelllinien verwendet werden
(statt sie anders zu vernichten) ist unwahrscheinlich. Jedes Jahr werden in
Westeuropa vermutlich eine Million Föten abgetrieben, ohne dass dies den
sonstigen Umgang mit menschlichem Leben erkennbar tangiert hätte...
(Die Welt 25.1.02)
·
Die Päpstliche
Akademie für das Leben hat in einer Erklärung vom August 2000 nicht nur die
In-vitro-Fertilisation kategorisch abgelehnt, sondern auch jede fremdnützige,
verbrauchende Forschung an Embryonen, jegliches Klonen, sei es zu reproduktiven
oder therapeutischen Zwecken, sowie die Präimplantationsdiagnostik...
Könnte denn jemand auch nur von Ferne einen Schwangerschaftsabbruch im dritten
Monat tolerieren, wenn er ernstlich davon überzeugt wäre, dass dieser der
Tötung eines geborenen Kindes gleichzusetzen ist?...
Was zunächst die so genannten „überzähligen“ Embryonen aus der IVF betrifft, so
handelt es sich bei ihnen weder um Leben eines existierenden noch eines
werdenden Menschen, da die äußeren Voraussetzungen dafür fehlen, dass aus ihnen
ein Mensch hervorgehen kann (insbesondere die Einnistung in die Gebärmutter
einer Frau) . Somit ist das Kriterium nicht erfüllt, in dem die
Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens begründet wird, nämlich dass es das Leben
eines Menschen ist...
therapeutisches Klonen... auch bei der totipotenten Zelle, die aus der
Verpflanzung eines Kernes einer Hautzelle in eine entkernte Eizelle entsteht
und die bis zur Gewinnung von Stammzellen einige Teilungen durchläuft, handelt
es sich nicht um einen werdenden Menschen, da auch beim Th. Klonen die äußeren
Voraussetzungen nicht gegeben sind dafür, dass ein Mensch entstehen kann.
Genetische Potenzialität ist nicht gleichbedeutend mit dem Werden eines
Menschen...
(Zeitzeichen 1/2002 S.8ff)
·
Brief DBK und
EKD an Bundestagsabgeordnete: „Methoden, die die Vernichtung embryonaler
Menschen vorsehen, inakzeptabel“...
Jüngel hält es für problematisch zu behaupten, das menschliche Leben sei vom
Zeitpunkt der Befruchtung an ein „embryonaler Mensch;
Kollek: Die jüdische Ethik geht offensichtlich davon aus, dass der Fötus erst
um den dritten Monat herum im Mutterleib beseelt wird und davor als Wesen, das
unter dem Schutz der Menschenwürde steht, nicht existiert.
(Das Parlament 1.2.02)
·
Soziologe van
den Daele (Nationaler Ethikrat): In Israel wird der Embryo zum Beispiel erst ab
dem 40. Tag nach der Zeugung geschützt, bei uns ist der Lebensbeginn mit der
Verschmelzung des Erbguts von Ei- und Samenzelle definiert. Aber warum
eigentlich nicht vier Stunden vorher, kurz vor der Kernverschmelzung, wenn das
Spermium schon die Eizelle befruchtet hat?“ Solche so genannten Vorkernstadien
entstehen in Deutschland zu Tausenden bei der künstlichen Befruchtung. Achtlos
werden sie weggeworfen; sie kümmern niemanden – und doch steckt in ihnen schon
das Potenzial menschlichen Lebens....
CDU-MDB Pflüger: Uns geht es darum, einige wenige embryonale Stammzellen zu
nutzen, die nie mehr Mensch werden können... Menschliches Leben beginnt für
mich mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Aber – es ist menschliches
Leben, es ist noch kein Mensch. Es ist nicht geboren, und es hat keine Mutter.
(Der Spiegel 5/2002 S.172ff)
·
Kardinal
Meisner: „Man darf nicht durch Heilen töten“
(Freie Presse 30.1.02)
·
Meisner:
„Barbarei“; Importbefürworter wollten „von der Tötung kleiner Menschen“
profitieren
(Der Spiegel 5/2002 S.172ff)
·
„Babys sind
keine Ersatzteillager“
(ARD Wort zum Sonntag 3.2.02)
·
Prof Gerhardt
(Uni Berlin, Philosoph, Mitglied im Nationalen Ethikrat)
Wenn jemand in Deutschland die Forschung an embryonalen Stammzellen mit dem
Argument verteidige, dass die Ergebnisse das Leben anderer bessern oder retten
könnten, so werde ihm beschieden: kein noch so hehrer Zweck heilige die Mittel.
Steht hingegen ein Schwangerschaftsabbruch zur Entscheidung, muss man, wie
Bischof Huber sagt, Kompromisse machen. Das nannte man früher Doppelmoral.
Rede von Bundespräsident Rau: faule Allianz von Biologismus und moralischer
Anmaßung: Aus einem biologischen Faktum der Verschmelzung von Ei und Samenzelle
machte er ein moralisches Prinzip.
(Die Zeit 14.2.02 S.28)
·
„Am
Embryonenschutz konsequent festhalten!“
bedauert die Bundestagsentscheidung vom 30.1.02 zur Zulassung des Imports
menschlicher embryonaler Stammzellen;
Grundsatz, das Lebensrecht und den Lebensschutz menschlicher Embryonen von
Anfang an zu gewährleisten;
der Rat sieht in Forschung, Technik und ärztlicher Kunst gute Gaben Gottes, die
in verantwortlicher Weise zu nutzen dem Menschen aufgetragen ist;
die PID ist mit dem Grundsatz des Schutzes menschlicher Embryonen von Anfang an
nicht vereinbar; das Risiko, dass die
ursprünglich intendierte enge Begrenzung nicht durchgehalten werden kann, ist
außerordentlich groß ((Erfahrungen der Pränataldiagnostik); der Rat plädiert
dafür, dieses Risiko gar nicht erst einzugehen
(Erklärung des Rates der EKD zum Fortgang der bioethischen Debatte vom 22.2.02)
·
die fundamentale
Frage, wann das menschliche Leben beginnt, findet in Israel eine ganz eigene
Antwort: Es gibt eine Strömung in der jüdischen Philosophie, die sagt, dass dem
Embryo erst nach 49 Tagen Leben eingehaucht wird;
entscheidend aber ist die Festlegung, dass der Embryo außerhalb des
Mutterleibs nach jüdischem Glauben prinzipiell nicht als eigenständige Seele
gilt; bevor der Mutter die befruchtete Eizelle eingepflanzt wird, kommt ihr
nach jüdischem Verständnis keine Menschenwürde zu
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.25)
·
in der
britischen Gesetzgebung maßgebende Ansicht:
das Menschsein beginnt mit der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter 14
Tage nach der Befruchtung (Beginn der Schwangerschaft; wechselseitige Beziehung
zwischen Mutter und Kind)
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.72)
·
Hubert Markl:
beim Menschen gehen mehr als die Hälfte der befruchteten Eizellen vor der
Einnistung verloren; frühzeitige natürlich stattfindende (gottgewollte?)
Auslese von nicht entwicklungsfähigen Keimen (Chromosomenabweichungen); die
eigentliche biologische Entscheidung zur Menschwerdung fällt daher tatsächlich
mit der Einnistung des Keimes in den Uterus, nicht schon mit der Befruchtung
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.42)
·
ob sich die
Gegner der Embryonenforschung nicht ebenfalls der Naturalisierung schuldig
machen – und zwar deshalb, weil sie Krankheiten als etwas Gegebenes betrachten,
als eine Fügung der Natur, die nur zu erleiden, aber nicht zu heilen ist
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.97)
·
Behindertenverbände
eröffnen Etikinstitut (Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft) www.imew.de
(epd-wochenspiegel 10/2002 S.14)
·
Deutsche
Evangelische Allianz zur Bundestagsentscheidung Stammzellimport 30.1.02:
“Verfall der Moral“; setzt „jahrzehntelange menschenverachtende
Rechtsentwicklung“ gegenüber ungeborenen Mensch fort
(epd-wochenspiegel 6/2002 S.7)
·
Mensch ist immer
Subjekt, nicht Objekt (nicht Mittel zum Zweck);
Grundgesetz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Zustandsbeschreibung
oder Absichtserklärung?;
Methode der ethischen Urteilsbildung:
3 Kriterien:
a) Achtung der Menschenwürde (ist gegeben und zu wahren)
b) Heilung von Krankheiten einzelner Patienten (als ärztliches Ethos;
Abzuwehren: Heilung späterer Generationen)
c) Öffentlichkeit der Forschung (nur so Kontrolle möglich)
3 Perspektiven:
a) Ziele des Vorhabens (nach den 3 Kriterien s.o. abfragen)
b) Methode (akzeptabel?)
c) absehbare und nicht absehbare Folgen?
3 Fälle:
a) gentechnische Herstellung von Humaninsulin
b) „Entschlüsselung“ des Humangenoms
c) Präimplantationsdiagnostik (hier schon Ziele unterschiedlich bewertet: HILFE
oder SELEKTION?; nicht klar definiert: EMBRYO, TOTIPOTENZ, BEGINN MENSCHLICHEN
LEBENS;
zum Lebensbeginn: jüdische Tradition: in der Halacha(?) steht: „Embryo ist bis
zum 40. Tag Wasser“, absoluter Schutz des Lebens beginnt erst nach der Geburt
(wenn 10 cm des Kopfes zu sehen sind, gilt der Mensch als geborener Mensch)
(Barbara Hepp, Ev. Akademie Berlin, am 9.2.02 in Chemnitz)
·
In zahllosen
Hinsichten spielen wir bereits Gott, wenn wir impfen und Krankheiten behandeln.
In vielen Lebensbereichen verhalten wir uns nicht passiv angesichts der Natur.
Und „Natur“ ist für den gesunden Menschenverstand schwerlich eine moralische
Norm.;
unterscheiden zwischen der BEHANDLUNG genetischer Defekte und der OPTIMIERUNG
der normalen genetischen Ausstattung; eine faire Gesundheitsversorgung würde
allen Bürgern die Behandlung der genetischen Defekte gewähren, die sie
signifikant unter das Niveau normaler Gattungsfunktionen sinken lassen,
Optimierung der Genausstattung wie zusätzliche Intelligenz sollten aber illegal
sein, weil sie die Chancengleichheit verletzen;
(Die Zeit 27.3.02 S.43)
·
S.17 Eberhard
Jüngel: legt es nahe, zwischen menschlichem Leben und dem Leben eines werdenden
Menschen kategorial zu unterscheiden; Die befruchtete menschliche Eizelle
bedarf der Mutter, um sich zu einem Menschen entwickeln zu können. Schon
deshalb halte ich die Behauptung, das menschliche Leben sei vom Zeitpunkt der
Befruchtung an ein „embryonaler Mensch“ für höchst problematisch.
S.43ff Wolfgang Schäuble: wenn ich die Forschung an embryonalen Stammzellen als
durch die Unantastbarkeit der Menschenwürde ausgeschlossen ansehen würde, dann
darf ich nicht sagen. versuchen wir es doch erst einmal mit adulten Stammzellen
und hinterher schauen wir mal;
mir sind keine Beispiele bekannt, dass in der Geschichte Erkenntnisse nicht
allgemein genutzt wurden, auch wenn sie auf noch so fragwürdige Weise einst
gewonnen wurden;
beim Embryonenschutzgesetz haben wir noch den Fehler gemacht, den Beginn des
Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle definieren zu wollen;
dass wir auf die gesetzliche Definition von naturwissenschaftlichem
Erkenntnisstand wie etwa Beginn und Ende des Lebens verzichten und uns auf die
notwendige Regelung von Rechtsfolgen beschränken sollten;
ich glaube nicht, dass der Mensch Gott wirklich ins Handwerk pfuschen könnte,
und mein Verständnis von der Geschöpflichkeit des Menschen ist gerade nicht,
dass der Mensch großzügig und freiwillig darauf verzichtet, Gott ins Handwerk
zu pfuschen. So klein ist Gott nicht, dass er auf diese menschliche
Großzügigkeit angewiesen wäre.;
S.49ff Detlef Ganten: das wichtigste Ziel der ES-Zell-Forschung sind
grundlegende Erkenntnisse über das Leben; die Bedeutung der ES-Forschung darf
und kann nicht auf deren Anwendungspotenzial reduziert werden;
S.58 Wolfgang Huber: mit der Frage konfrontiert, was mit den „überzähligen
Embryonen“ geschehen soll... die Aufgabe, sie auf würdige Weise zu
„beseitigen“, stellt sich in jedem Fall
S.61 Günter Stock: was mich überhaupt irritiert an der ganzen Diskussion ist,
wie biologistisch Geisteswissenschaftler an dieser Stelle argumentieren. Die
Verschmelzung zweier Genome macht noch keine Person und macht noch kein
unmittelbares Leben
(epd-dokumetation 9/2002: Bioethik und Gentechnik (5): Zum Bild Gottes
geschaffen... EKD-Kongress)
·
S.8 Die PID
würde als Mittel zur Selektion embryonaler Menschen genutzt.... ein
menschliches Lebewesen nach den Kriterien „lebenswert“ und „lebensunwert“
auszusortieren;
S.27: Theologiegeschichtlich war man sogar unsicher, ab wann ein Embryo im
strikten Sinn überhaupt ein Mensch sei. Vordenker abendländischer Ethik wie
Aristoteles oder Thomas von Aquin meinten, dies sei erst recht spät der Fall,
nämlich mit der Einstiftung einer Geistseele am 40., 80. oder 90. Tag nach der
Befruchtung.;
(Woche für das Leben 2002, Arbeitsheft „Von Anfang an das Leben wählen statt
auswählen“)
·
Allensbach
Umfrage Herbst 2001; 44% der Deutschen meinen, dass Nutzen der Gentechnik deren
Risiken überwiegt ((1998: 25%); überwiegend Risiken sehen 19% (1998: 34%); 14%
glauben an sichere Beherrschbarkeit, 70% haben Zweifel (hier wenig Änderung
seit 1996)
(taz 7.6.02)
·
...dass neuere
und bessere Therapien und sogar die Ausrottung bestimmter Krankheiten weder
Krankheit als solche noch gar den Tod aus der Welt schaffen können. Aber das
ändert nichts daran, dass die Heilung oder Linderung von Krankheiten einen
erstrebenswerten Zugewinn an Lebensqualität bedeutet....
damit wird Heilungserwartung faktisch zur (fehlgeleiteten) Heilserwartung und
umgekehrt werden Krankheit und Tod zur absoluten Bedrohung und Infragestellung
des menschlichen Daseins...
Solange die Forschung an menschlichen Embryonen nur die Chance auf verbesserte
Heilmethoden eröffnet, aber offen bleibt, ob die hiermit verbundenen Hoffnungen
gerechtfertigt sind, ob andere ethisch und rechtlich unproblematische Methoden
nicht den gleichen Erfolg zu erreichen geeignet sind und wann die Anwendung
neuer Heilmethoden möglich ist, ist die Vernichtung eines menschlichen Embryos
auch zu hochrangigen Forschungszwecken nicht gerechtfertigt...
Menschenwürde ... ist nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person,
sondern die Würde des Menschen als Gattungswesen (Bundesverfassungsgericht)...
Teilweise geht es um Entscheidungen, bei denen jede Option mit einem Dilemma
behaftet ist und bei denen nicht mit letzter Sicherheit auszumachen ist, welche
das geringere Übel darstellt. Bei manchen anderen Problemen geht es nicht
einfach um die Alternative zwischen richtig oder falsch, gut oder böse, sondern
um Konflikte, für die eine Regelung gefunden werden muss und bei denen jede
„Lösung“ moralische Skrupel auf sich ziehen kann...
steht die evangelische Ethik in einem kritischen Verhältnis zu einer
Prinzipienethik, die den einzelnen Menschen ausschließlich nach allgemeinen
Regeln behandelt wissen will...
Die entscheidende Frage ist, ob im Blick auf den menschlichen Embryo in jedem
Fall unterstellt werden kann bzw. unterstellt werden muss, dass er Mensch ist.
Aus der hier dargelegten Perspektive des christlichen Glaubens ist es am
angemessensten, im Blick auf den Embryo von einem sich (zur Geburt hin)
entwickelnden Menschen bzw., für den Fall der Mehrlingsbildung, von sich
entwickelnden Menschen zu sprechen...
eine Auffassung: Ihr zufolge handelt es sich bei jedem Embryo um einen sich
entwickelnden Menschen, unabhängig von den tatsächlichen
Entwicklungsmöglichkeiten. Vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und
Samenzelle an ist demnach von der Entwicklung eines Menschen auszugehen...
andere Auffassung: betont demgegenüber die konstitutive Bedeutung der
Entwicklungsmöglichkeiten. Nach dieser Auffassung kann von einem sich
entwickelnden Menschen nur gesprochen werden, wenn die äußeren Umstände für
eine Entwicklung gegeben sind.... Bei der Mehrzahl der Embryonen, die
verschwenderisch auf natürlichem oder gezielt auf künstlichem Wege entstehen,
kann davon nicht die Rede sein, will die äußeren Bedingungen für eine
Entwicklung, insbesondere die Einnistung in die Gebärmutter einer Frau, nicht
gegeben sind. Im Blick auf alle diese Embryonen kann aus faktisch-empirischen
Gründen nicht von sich entwickelnden Menschen gesprochen werden...
beide Auffassungen haben ersichtlich ihre Probleme und fordern zu Rückfragen
heraus. Im Blick auf die erste stellt sich die Frage, ob es wirklich plausibel
ist, alle Embryonen, auch jene, bei denen es niemals zur Einnistung gekommen
ist oder kommen wird, als sich entwickelnde Menschen mit Gottebenbildlichkeit
und Menschenwürde zu betrachten. Sie muss sich weiterhin fragen lassen, ob sie
bereit ist, die praktischen Konsequenzen zu ziehen, die sich aus dieser Sicht
zu ergeben scheinen: Zurückhaltung gegenüber nidationshemmenden
Verhütungsmethoden sowie gegenüber der In-vitro-Fertilisation wegen derer
Folgeprobleme; Lebensschutz für Embryonen von der Befruchtung an. Die zweite
Auffassung muss sich fragen lassen, ob sie nicht ungewollt einer fast
unbegrenzten Verfügbarmachung und Verdinglichung menschlichen Lebens für
technologische Zwecke Vorschub leistet. Wenn die technischen Arrangements so
getroffen sind, dass kein Mensch entstehen kann,... was spricht dann gegen die
Erzeugung von Embryonen in vitro für die medizinische Forschung?...
in der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD (=Verfasser der Studie)
Dissense: unterschiedliche Sichtweise des Embryos zwischen Befruchtung und
Nidation, die daraus abgeleiteten Konsequenzen hinsichtlich der Frage der
Freigabe sog. überzähliger Embryonen für die Forschung, hinsichtlich der
ethischen Zulässigkeit von PID und hinsichtlich der Zustimmung zum sog.
therapeutischen Klonen
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe
für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f.,
20f., 42)
·
Sonderausschuss
des britischen Oberhauses: Embryonen haben erst ab 14. Tag nach der Befruchtung
umfassenden Schutz, vorher Forschung möglich (dafür auch extra Erzeugung
zulässig; therapeutisches Klonen gebilligt)
(GID 151 4-5/2002 S.44)
·
China:
Auffassung weit verbreitet, der Mensch sei erst mit der Geburt eine zu
schützende Person; die Mehrheit der Chinesen glaubt, dass Föten noch keine
Seele haben; Mensch wird vor allem als Sozialwesen zum Menschen; weil Embryonen
noch in keinerlei Kommunikation mit der Gesellschaft stehen, fällt ihnen auch
keine große Schutzwürdigkeit zu
(Der Spiegel 25/2002 S.162)
·
Das
utilitaristische Modell geht von der Prämisse aus, dass der Mensch danach
strebt, Leiden zu vermeiden und Glück zu vermehren.
(Das Parlament 29.7.02)
·
Autor Fukuyama
(Das Ende des Menschen): So ziemlich alle zivilisierten Länder haben das Klonen
von Menschen verboten. Natürlich wird es trotzdem Leute geben, die das machen.
Es gibt ja auch Mörder, obwohl das Morden verboten ist. Und trotzdem ist das
Verbot sinnvoll. Wahrscheinlich ist es tatsächlich nicht möglich, die Forschung
zu begrenzen... Wichtiger ist, dass man die Anwendung von Forschungsergebnissen
begrenzt. Nicht alles, was erforscht wird, muss angewendet werden. Zum Beispiel
könnte Deutschland durchaus Atombomben bauen. Aber Deutschland baut keine
Atombomben. Diese Selbstbeschränkung funktioniert also.
(Spiegel 21/02 S.122ff)
·
„Was ist der
Mensch?“, einfache und gleichzeitig komplexe Antwort: Der Mensch ist viel mehr
als die Summe seiner Gene. Er kann sich selbst und andere erkennen, er ist ein
vernunftbegabtes Wesen, das zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Der
Mensch mit seiner Fähigkeit, den Nächsten zu lieben, mitzufühlen, ein Gewissen
zu haben und ihm auch bewusst zu folgen, ist eben viel mehr als ein bloßes
biologisches Konstrukt.
(EKD-Synode Timmendorfer Strand 3.11.02 Rede von Bildungsministerin Bulmahn)
·
Prof. Tanner,
Uni Halle (Theologie): Es gebe keine biblisch-theologische Grundlage dafür, den
Anfang menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle
gleichzusetzen... Weder Theologen noch Juristen oder Naturwissenschaftler sind
in der Lage, exakt zu definieren, wann menschliches Leben beginnt.... Tanner
distanzierte sich auch von der „Verteufelung“ biotechnologischer Forschung, die
in Kirchen weit verbreitet sei. Gerade die christlichen Kirchen trügen in der
Diskussion zu einer „Kultur des Misstrauens“ bei, wenn sie Wissenschaftlern
pauschal wirtschaftliche Interessen oder Eitelkeit unterstellten.
(epd-wochenspiegel ost 44/02 S.7)
·
gibt es eine
wachsende Zahl von katholischen Moraltheologen, die darüber nachdenken, ob ein
Embryo in den sehr frühen Stadien nur als eine individuelle menschliche Einheit
zu sehen sei mit dem Potenzial, sich zu einer menschlichen Person zu
entwickeln. Der moralische Status eines Embryos wäre dann nicht mehr der einer
„Person“ und er könnte für bestimmte Forschungszwecke genutzt werden....
jüdischer Rabbi bei einer Anhörung: Embryonen, die in einer Petrischale
entstehen, fallen ... nicht unter dieses jüdische Gesetz, weil sie nicht Teil
einer Frau wären und somit auch nicht das Potenzial hätten, zu einem Menschen
heranzuwachsen. Folglich könnten tiefgefrorene Embryonen für die Entwicklung
von embryonalen Stammzellen genutzt werden.
(GID
152/2002 S.8f)
·
Gesetz vom
25.4.2002 zum Import von Stammzellen: 360 JA, 190 NEIN, 9 Enthaltungen;
Meinungsumfrage dimap April 2002: für 76% der Befragten beginnt ein neuer
Mensch mit der Verschmelzung von Ei- und Samen-Zelle, für Stammzellimport 24%,
dagegen 69%, 83% gegen das Klonen von Menschen, 13% dafür, 52% für Zulassung
der PID, 39% dagegen
(GID 152/2002 S.24f)
·
Ganten: immer
wieder dieses „Wehret-den-Anfängen“-Argument, wonach jeder vorsichtige Schritt
angeblich zum Dammbruch, Pietätsverlust oder zur biologischen Manipulation des
gesamten Menschengeschlechts führen könne...
Kollek: ... das Argument habe ich noch nicht gehört
(GEO Wissen Nr.30: „Die neuen Wege der Medizin“ 2002, S.25)
·
Enquete-Kommission
des Deutschen Budestages „Recht und
Ethik der modernen Medizin“ wird wahrscheinlich fortgeführt werden
(Das Parlament 23./30.12.02)
·
vom
Bundesforschungsministerium mit 1 Million Euro gefördertes interdisziplinäres
Forschungsprojekt in Freiburg gestartet, das den „moralischen und rechtlichen
Status des Embryos außerhalb des Mutterleibes genauer klären will“;
Frage, ob der Schutz des Embryos nicht gegen den Nutzen abzuwägen sei, den die
Forschung etwa auf medizinischem Weg haben kann
(epd-Wochenspiegel 51/52-02 S.12)
·
die Möglichkeiten
der Gentechnik nicht in Bausch und Bogen verwerfen: Positiv sei sie bei der
Manipulation von Bakterien zu bewerten, durch die heute in Deutschland genügend
Insulin für alle Diabetiker produziert werden könne. Genversuche an
menschlichen Embryonen lehnte der Wissenschaftler ab
(ideaSpektrum 41/02 S.20)
·
an Uni in Jena
Thüringer Ethik-Zentrum gegründet; Problemstellungen durch moderne Gentechnik
(epd-Wochenspiegel 49/02 S.10)
·
Bischof Huber:
“assistierte Reproduktion: Verfahren hat für alle, die sich seiner bedienen, so
gravierende Belastungen und so problematische Auswirkungen zur Folge, dass es
gute Gründe dafür gibt, von seiner Inanspruchnahme abzuraten;
Reproduktionsmedizin als „Produktion“ von Leben;
warum ist es um die Möglichkeit der Adoption so still geworden?;
Von denen, die eine Freigabe der Embryonenforschung befürworten, wird in der
Regel die Einnistung in den Uterus der Mutter als Grenze fremdnütziger
Eingriffe gewertet. Doch ob die wissenschaftliche Entwicklung diese Grenze auf
Dauer achten wird oder ob nicht eines Tages auch das Heranwachsen eines Kindes
in einem künstlichen Uterus möglich wird, muß wohl offen bleiben. Insofern kann
man nicht einmal sicher sein, ob diese von den Befürwortern einstweilen
anerkannte Grenze der Nidation auf Dauer Bestand haben wird.;
Bei der PID würde zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterschieden
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstag, 11. Januar 2003, Nr. 9 Seite 41,
Feuilleton)
·
Votum für
Verbot der PID (7 Mitglieder des Nationalen Ethikrates):
spricht einiges dafür, den Schutzbeginn sogar auf den Zeitpunkt
vorzuverlegen, in dem der zweite Polkörper aus der befruchteten Eizelle
abgestoßen wird (43)
Embryonenadoption, die nach geltendem Recht nicht verboten ist (43)
(geschriebene oder sich in der Praxis entwickelnde Indikationsliste): damit
wird über die Betroffenen [lebende Behinderte mit den betreffenden Erkrankungen
JK] ein Unwerturteil gefällt; (44)
Diagnosemöglichkeiten, die nicht zur Verwerfung von Embryonen führen, weil
sie schon vor der Kernverschmelzung eingesetzt werden können. So etwa die
Untersuchung von unbefruchteten Eizellen oder die Polkörperdiagnose... letztere
würde sich allerdings auf den ersten Polkörper zu beschränken haben... Zur
Vermeidung bestimmter geschlechtsgebundener, genetisch bedingter Erkrankungen
wäre auch eine Spermiensortierung in Betracht zu ziehen (44)
·
Ergänzendes
Votum (2 Mitglieder)
grundsätzlich für Verzicht auf Elternschaft im Konfliktfall;
aber die Gewissensentscheidung des Individuums muss frei sein und kann nicht
durch staatliches Strafgesetz erzwungen werden (54)
·
Votum für
begrenzte Zulassung (15 Mitglieder)
PID nur ausnahmsweise zulassen;
für Paare mit hohem Risiko, ein Kind mit einer schweren und nicht wirksam
therapierbaren genetisch bedingten Erkrankung oder Behinderung zu bekommen;
Paare mit hohem Risiko für Vererbung einer Chromosomenstörung, die dazu führt,
dass der Embryo außerhalb des Mutterleibes nicht lebensfähig wäre;
für unfruchtbare Paare auch Zulassung, wenn durch Untersuchung auf Chromosomenstörungen
die Erfolgsrate der Sterilitätstherapie deutlich gesteigert und die Anzahl
übertragener Embryonen mit dem Risiko von Mehrlingsschwangerschaften verringert
werden kann;
gesetzliche Regelung sollte auch für Polkörperdiagnostik gelten;
bei jeder PID angemessene Beratung;
Durchführung der PID nur in wenigen lizensierten Zentren (55ff);
der Abbruch einer Schwangerschaft nach PND ist auch rechtmäßig, wenn sich in
der Vorausschau auf die Zeit nach der
Geburt eine unzumutbare Belastung für die Frau ergibt (56);
ob die Übertragung so genannter überzähliger Embryonen auf eine andere Frau als
die genetische Mutter (sog. Embryonenadoption) unter ethischen und rechtlichen
Gesichtspunkten eine adäquate und tatsächlich umsetzbare Lösung zu ihrer
lebenserhaltenden Verwendung ist, bedarf weiterer gesellschaftlicher Diskussion
(57);
Die Polkörperdiagnostik sollte denselben Begrenzungen und Kontrollen
unterworfen werden wie die PID an Blastomeren. Bleibt die P. ungeregelt, kann
sie als Screening-Untersuchung bei jeder assistierten Reproduktion auch in
Deutschland angewendet werden, und zwar ohne Qualitätskontrolle und ohne
Transparenz durch statistische Erfassung. Die P. als Alternative zu einer PID
an Blastomeren zu empfehlen, ist darüber hinaus insbesondere bei rezessiv
vererbten Erkrankungen ethisch problematisch, da 50% der als betroffen
diagnostizierten Vorkernstadien, bei denen sich die Krankheit aufgrund des
nicht betroffenen väterlichen Gens gar nicht manifestieren würde, dennoch
verworfen würden. (58);
eine kategoriale Differenz zwischen dem strikten Schutz geborener Menschen und
dem erst wachsenden Schutz, wie er dem vorgeburtlichen Leben von der
Rechtsordnung zuteil wird; Schwangerschaftsabbrüche in den ersten 12
Schwangerschaftswochen nach einer Fristenlösung mit Beratungspflicht – das
alles wäre unerklärlich und widersprüchlich, wenn dem ungeborenen Leben, zumal
im allerfrühesten Entwicklungsstadium, der ebenso strikte Schutz zukommen
müsste wie geborenen Menschen (63f);
Die Entwicklung des menschlichen Lebens lässt abgesehen von der Befruchtung
durchaus Zäsuren erkennen wie die Nidation, die Geburt und den Tod. Daneben
gibt es weniger trennscharfe Übergangsphasen, z.B. die Ausbildung der
menschlichen Gestalt oder der Empfindungsfähigkeit und die extra-uterine
Lebensfähigkeit. Beide Arten von Zäsuren können – jedenfalls im Konfliktfall –
Anlass für moralische und rechtliche Abstufungen sein [vergleiche z.B. die
Diskussion zum „Hirntod“ bei Organtransplantationen JK] (64)
Bei strikter Anerkennung des Potenzialitätsarguments und der darus gezogenen
Schlussfolgerungen dürften auch jene Nidationshemmer, die zur Abtötung
befruchteter Eizellen führen, nicht zugelassen sein. Und es müsste dann auch
illegitim sein, Eizellen im Vorkernstadium „auf Vorrat“ zu kryokonservieren und
sie nach Abschluss der Behandlung zu vernichten, weil die Frau keine weitere
Schwangerschaft wünscht – wie es aber vieltausendfach auch in Deutschland
geschieht. (64);
Embryonen, bei denen letale Chromosomenstörungen vorliegen, verfügen überhaupt
nicht über das Potenzial, sich zu einem vollständigen Menschen zu entwickeln.
Dies gilt für einen sehr hohen Prozentsatz auch bei der natürlichen Zeugung.
Ein Aneuploidie-Test, mit dessen Hilfe derartige Embryonen identifiziert werden
können, kann auch vom Standpunkt eines uneingeschränkten Lebensschutzes nicht
als illegitim angesehen werden (65);
Bei Embryonen in vivo, also im Mutterleib, beginnt der strafrechtliche Schutz
erst nach der Nidation [vgl. §218(1) JK]; selbst für den Zeitraum nach der Nidation
hat das Bundesverfassungsgericht einen abgestuften Schutz des Fetus für
verfassungsrechtlich akzeptabel gehalten, denn sonst hätte es nicht billigen
können, dass bis zum Abschluss von 12 Schwangerschaftswochen ein Abbruch nach
der eigenen Entscheidung der Schwangeren möglich ist, danach aber nur dann,
wenn (vom Arzt bestätigte) bestimmte im Gesetz näher aufgeführte
Voraussetzungen erfüllt sind (65);
PID ist vorrangig verbunden mit der Absicht, eine Schwangerschaft
herbeizuführen und damit neuem menschlichem Leben zur Geburt zu verhelfen; der
Hauptzweck ist nicht Selektion (66);
PID bedeutet nicht Eugenik verstanden als individuelle Auswahl des besten unter
mehreren Embryonen oder verstanden als Versuch einer Beeinflussung des
kollektiven menschlichen Genpools; es handelt sich nicht um eine unzulässige
Instrumentalisierung für bestimmte Vorstellungen der Eltern, der Gesellschaft
oder des Staates, sondern vielmehr um die Untersuchung auf ein Merkmal zum
(„negativen“) individuellen Ausschluss schwerer genetisch bedingter Krankheiten
oder fehlender Entwicklungs- und Lebensfähigkeit... Gegen die („positive“)
Schaffung von Menschen nach Maß wäre in der Tat einzuwenden, dass über bisher
unverfügbare Merkmale des Menschen disponiert und damit das Verhältnis zwischen
den Generationen unerträglich belastet würde; der Gefahr einer missbräuchlichen
Anwendung der PID muss durch klare Verbote und Kontrollen ihrer Einhaltung
begegnet werden (Vorbilder z.B. im Verbot der entgeltlichen Adoption oder des
Organhandels);
... Versuch von Eltern, die spätere körperliche, geistige oder charakterliche
Entwicklung des Kindes in genetischer Hinsicht zu beeinflussen... Eine solche
Merkmalsauswahl steht hier aber nicht zur Diskussion. Weder ist sie – abgesehen
von der Geschlechtswahl – gegenwärtig technisch möglich, noch wäre sie
moralisch vertretbar. Zur Diskussion steht allein der gezielte Ausschluss
schwerer genetisch bedingter Krankheiten und Behinderungen sowie der Ausschluss
fehlender Entwicklungs- und Lebensfähigkeit des Embryos (66f);
Auch die Behinderten und ihre Verbände plädieren nur selten für ein umfassendes
Verbot (der PND)... Dieses würde nämlich im Ergebnis schwangere Frauen von
Rechts wegen zwingen, behinderte Feten notfalls gegen ihren Willen auszutragen
... Er würde überdies dazu führen, dass Frauen zwar (nach Beratung) einen
Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen dürfen, wenn der Fetus gesund ist,
diesen aber austragen müssen, wenn bei ihm die Anlage zu einer Krankheit oder
Behinderung diagnostiziert wird (72);
Furcht vor einer Ausweitung der PID hin zum „Designerbaby“ (Dammbruchargument):
Unsere gesamte Rechtsordnung beruht letztlich auf der Prämisse, dass klare
gesetzliche Verbote, obwohl sie im Einzelfall durchbrochen oder umgangen
werden, wirksame Instrumente der Verhaltenssteuerung sind. Zudem verliert eine
sachlich richtige Argumentation nicht dadurch an Legitimation, dass ein
Missbrauch nicht völlig ausgeschlossen werden kann (73)
·
(Nationaler
Ethikrat: Stellungnahme „Genetische Diagnostik vor und während der
Schwangerschaft“, 23.1.03, die Seitenangaben beziehen sich auf die
Druckfassung, verschickt am 24.1.03)
·
Definition
Embryo:
“Embryo ist bereits jede menschliche totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen
der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem
Individuum zu entwickeln vermag.“
(Stammzellgesetz vom 18.6.2002 §3 (4))
·
2. Kongress
„Frauen gegen Gen- und Reproduktionstechnologien“ (1989):
Resolution:
“Wir Frauen lehnen die Erforschung und Anwendung der Gen- und
Fortpflanzungstechnologien ab.“
“...bei jedem gentechnischen Experiment geht es darum, Lebewesen als profitable
Molekülmaschinen neu zu konstruieren.“
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 369)
·
Wenn nämlich
jedem menschlichen Lebewesen ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein
„Recht auf Leben“ zukomme, dann müsse (mit Ausnahme des Falles einer Gefährdung
des mütterlichen Lebens) auch jeder Schwangerschaftsabbruch von diesem
Zeitpunkt an als strikt verboten gelten
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 134)
·
unklar, warum
dem Potenzialitätsargument zufolge nur das Potenzial des
Verschmelzungsproduktes, nicht aber das Potenzial seiner Komponenten, also das
Potenzial von Ei- und Samenzelle, moralischen Schutz verdient
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 139)
·
Die Griechen
hatten zwei Ausdrücke für Leben: zoe, womit sie physisches oder biologisches
Leben bezeichneten, und bios, womit sie gelebtes Leben meinten
(Ethik in der Medizin, Reclam 2000, S. 158
·
Jürgen Ebach:
Bibel Exodus 21, 22+23: „Wenn Männer raufen und dabei eine Schwangere stoßen,
sodass sie eine Fehlgeburt hat...“;
es handelt sich nicht um Tötung von Leben; es entsteht nur ein materieller
Schaden;
nach jüdischer Glaubensauffassung hat ein Embryo vor dem 40. Tag noch kein
Leben;
bei der Erfindung des Mikroskops war im Judentum zu klären, ob beim Trinken von
Wasser nicht Millionen von (bisher nicht sichtbaren) unreinen Lebewesen
verzehrt werden (Verstoß gegen die Speisevorschriften?); da aber der Grundsatz
gilt, dass Gebote nicht gegen das Leben gerichtet sein können, die Aufnahme von
Trinkwasser aber dem Leben dient, erfolgte die Festlegung in der HALACHA: Was
man nicht mit dem bloßen Auge sehen kann, ist von geringer(er) Bedeutung...;
nach diesem Kriterium wird auch der Umgang mit Embryonen und mit Stammzellen aus
dem Geltungsbereich des Lebens ausgeschlossen;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Christian Link:
Gottebenbildlichkeit – das, was heute Menschenwürde meint;
wir sollen uns kein Bild von Gott machen, damit ist aber auch der Mensch nicht
definierbar;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Wolfgang Huber:
Verunsicherung im Gespräch mit Juden (Wir haben überhaupt keine Probleme mit
Embryonen, Stammzellforschung und all dem – solange es in irgendeiner Form dem
Leben dient);
wenn die Nidation (Einnistung des Embryos in die Gebärmutter einer Frau) als
entscheidende Zäsur für das Menschsein benannt wird – was wird aus dem
Argument, wenn es eine künstliche Gebärmutter gibt?;
“Wir zwingen doch eine Frau nicht, dass sie bei Verbot der PID ein Kind mit
einer schweren Erbkrankheit haben muss (da bleibt ihr doch die PND), aber an
bestimmten Stellen müssen wir eben klar NEIN sagen“;
für Huber PID durchaus denkbar, wenn anschließend eine Therapie erfolgreich
möglich ist
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Klaus Tanner:
Theologen haben keine Kompetenz zu sagen,: adulte Stammzellen sind besser
geeignet;
sie können aber sagen: adulte Stammzellen sind weniger problematisch;
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Walther
Rothschild (jüdischer Rabbiner):
Ihr Christen geht unheimlich angstbesetzt mit dem Thema um!;
zum Beginn des Lebens, Embryonenforschung usw. gibt es in der Bibel keine
eindeutigen Zitate;
im Judentum beginnt das Leben mit der Geburt (wenn der Kopf den Mutterleib
verlassen hat, oder mit dem ersten Atemzug – wie das Leben nach jüdischem
Verständnis mit dem letzten Atemzug endet; wenn in den ersten drei Tagen ein
Kind stirbt, gilt es als nicht geboren);
bei Lebensgefahr für die Mutter beim Geburtsvorgang darf der Fetus zerschnitten
werden;
Konzept: es gibt potenzielles Leben (ist noch nicht vollkommen) und volles
Leben;
Status eines Fetus: Bibel Exodus 21, 22ff: wenn Männer eine Schwangere stoßen
und das Kind abgeht, ist das eine zivilrechtliche Sache (Schadensersatz
zahlen), keine strafbare Handlung;
Status des Embryo: nach dem TALMUD ist ein Embryo bis zum 40.Tag nur Wasser
(hat keine Form; der Frau ist ihre Schwangerschaft auch noch nicht bewusst);
man darf bei der IVF übrig gebliebene Embryonen wegwerfen, man darf sie weiter
verwenden, an ihnen forschen, aber man darf Embryonen nicht gezielt für solche
Zwecke herstellen;
Stammzellen, das sind Einzelteile, kein gestalteter Mensch;
bis zur Geburt hat der Fetus weniger Rechte als die Mutter
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der machbare
Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Sabiha El-Zayat
(Muslimin, Gynäkologin):
Koran 32. Sure 7-9; 23. Sure, 12-16: Phasen, Stadien der Menschwerdung werden
geschildert, es wird kein Zeitpunkt für den Lebensbeginn festgesetzt (erst Ton,
dann Flüssigkeit, dann Embryo als Tropfen, dann Fötus mit Knochen und
Fleisch...); Zuordnung von 3 x 40 Tagen zu den Stufen;
entstehendes Leben ist in die Verantwortung der Frau gegeben;
Entscheidungen werden im Judentum wie bei den Muslimen pragmatisch und
kasuistisch getroffen (wenn ein Problem konkret auftritt, gibt es eine konkrete
Entscheidung für die Lebenspraxis)
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Podium mit
Wolfgang Schäuble, Andrea Fischer, Wolfgang Wodarg:
Wodarg:
in den USA können derzeit 40-60 verschiedene Erbkrankheiten gleichzeitig
getestet werden mit PID;
bei der PND sterben an den Nebenwirkungen mehr (gesunde) Feten als gleichzeitig
(erb-)kranke gefunden werden
Schäuble:
sehr skeptisch, was der Straf-Gesetzgeben sinnvoll regeln kann; keine Änderung
des § 218 (so auch Fischer);
der Beginn des Lebens ist (auf Drängen der Kirchen) im Embryonenschutzgesetz
mit der Kernverschmelzung definiert worden (einem naturwiss. Befund); „Wenn
sich immer alle an die Regeln gehalten hätten, die die römisch-katholische
Kirche vorgab, wüsste die römisch-katholische Kirche noch heute nichts von der
Verschmelzung von Ei- und Samenzellen!“;
auf das Argument: Leben ohne Verbindung zur Mutter (Einnistung des Embryos in
die Gebärmutter) ist kein richtiges menschliches Leben – wenn es eines Tages
eine künstliche Gebärmutter gibt?; ABER: wollen / können wir bei solcherart
entstandenen Homunkuli überhaupt von Menschen reden?;
Fischer:
Krankenkassen geben nur 300 Mill €/Jahr für Reproduktionsmedizin aus;
problematisches Argument der Gegner der Forschung mit embryonalen Stammzellen:
Mit ES-Zellen geht das überhaupt nicht! – das heißt doch: wenn es dann doch
Heilungsmöglichkeiten auf dieser Basis gibt, wäre ich dafür (?);
Diskussion:
Church of Scotland: Nur ein Embryo, der ein Mensch werden soll, ist auch ein
Mensch (andere Bewertung bei anderer Zielstellung, z.B. Erzeugung eines Embryos
für therapeutisches Klonen)
(Gesellschaft für Evangelische Theologie, Tagung Berlin 17.-19.2.03 „Der
machbare Mensch – theologische Anthropologie angesichts der biotechnischen
Herausforderung“)
·
Nobelpreisträger
James Watson 1998 beim Symposium „Engineering the Human Germ Line“:
“Wenn wir bessere Menschen machen können, warum sollten wir nicht? Die
Evolution kann verdammt grausam sein, und trotzdem heißt es, dass wir ein
perfektes Genom besitzen, dass es irgendwie heilig ist. Das ist völliger
Blödsinn! Ich möchte mal wissen, woher diese Idee eigentlich stammt.“
(Die Zeit 20.2.03 S.35)
·
James Watson:
Gentherapie? Wer Erbkrankheiten verhindern will, muss die Schwangerschaft
abbrechen und nicht irgendwas mit der DNS anstellen...
Das eigentliche ethische Problem der Genforschung ist doch, dass wir unser
Wissen nicht schnell genug anwenden, um so das Glück der Menschen zu mehren –
und das alles nur, weil die Leute von Religion, von Got und von dem heiligen
Leben reden.
(Spiegel 9/2003 S. 168ff)
·
Winnacker: hat
mit Besorgnis registriert, dass „Biologismus pur zur neuen Religion geworden“
ist
(Spiegel 9/2003 S. 168)
·
Das geht auf die
wesentliche theologische Diskussion zurück, wann das Leben beginnt. Obwohl es
dazu im Judentum sehr verschiedene Meinungen gibt, dominiert doch die aus der
Halacha kommende Ansicht, dass ein Embryo in den ersten 40 Tagen wie Wasser ist
– mit anderen Worten: Er ist kein Mensch. Man kann ihn in diesen ersten 40
Tagen zerstören oder abtreiben. Das heißt nicht, dass es kein ethisches Dilemma
gibt. Aber die Grenzen sind sehr viel flexibler als im christlichen Bereich,
besonders in einem katholischen Kontext, wo das Leben mit der Befruchtung der
Eizelle beginnt. Dieser grundsätzliche theologische Unterschied spiegelt sich in
gesellschaftlichen Ansichten und der Politik wieder.
Und dann kommt noch ein talmudischer Lehrsatz hinzu: Alles, was man mit bloßem
Auge nicht sehen kann, ist ethisch irrelevant. Dieser Satz setzt sich mit der
Möglichkeit unkoscherer Mikrolebewesen im Wasser auseinander. Man muss es ja
trinken, um zu leben. Also wird es als prinzipiell koscher definiert. Eine
Mehrheit jüdischer Rabbinen ist heute der Meinung, im Problem der
Wasser-Mikroben den Präzedenzfall zur Entscheidung der Stammzellenfrage
gefunden zu haben. Verboten bleibt allerdings die Züchtung von Embryonen, um
Stammzellen zu gewinnen, weil sie voraussetzt, dass man dem Mutterleib
absichtlich menschliches Leben entnimmt, ohne es wieder zurückpflanzen zu
wollen; das käme nach jüdischem Verständnis der von Gott bestraften
Samenverschwendung des Onan gleich. Zu all dem muss man wissen, das jüdische
Rechts- und Religionsverständnis geht von der Annahme aus, dass es für alle
Probleme, die je noch auftauchen könnten, einen Präzedenzfall im Talmud oder in
der Tora (den fünf Büchern Mose) gebe. Christen glauben umgekehrt, ein
"heiliger Geist" teile ihnen von ihrem "kommenden Gott" her
immer noch neue Erkenntnisse mit.
(Quelle: Internet)
·
Stammzellenforschung
aus Sicht der jüdischen Medizinethik:
Der Erwerb und die Erweiterung von Wissen, welches der Menschheit zur
Vermeidung und Heilung von Krankheiten dienen kann, werden von der jüdischen
Religion erlaubt, wenn nicht sogar verlangt;
Bis zur Geburt wird der Embryo als Teil der Mutter und nicht als eigenständige
Person angesehen, erlangt Personenstatus erst, wenn der größere Teil von ihm
geboren ist;
besitzt der Präembryo (wie er nach künstlicher Befruchtung entsteht) vor der
Implantation in den Uterus...einen Sonderstatus, da er sich einerseits
außerhalb des Mutterleibes befindet und dort sowieso nicht lebensfähig ist und
er sich andererseits auch eindeutig weniger als 40 Tage entwickelt hat, kann
ein solcher Präembryo nicht weiter verwendet werden, so kann seine Zerstörung
halachisch zulässig sein;
ein anerkannter Entscheidungsträger hat in Einzelfällen prädisponierter
Familien PID zur Verhinderung genetischer Krankheiten und die anschließende
Zerstörung von befruchteten Eizellen erlaubt;
das Bioethics Advisory Committee der Israel Academy of Science and Humanities
(auch Rabbiner): auch das therapeutische Klonen kann in Betracht gezogen
werden, da beim Kerntransfer kein Embryo im herkömmlichen Sinne entstehen würde
(Neue Züricher Zeitung 6.4.02)
·
CDU/CSU hat
eigenen „wissenschaftlichen Beirat für Fragen der Bio-und Gentechnologie“
berufen
(GID 157 April/Mai 2003, S.37)
·
Rabbiner
Rotschild:
(wie) können 2000 und 3000 Jahre alte Texte relevant werden für
Fragestellungen, die 10 oder 20 Jahre alt sind?;
biblische Texte stammen aus einer dörflichen Umgebung, Krankenhäuser usw. gab
es nicht;
Leben in der Bibel:
a) Ruach (Atem)
b) Nephesch (Lebenskraft, Tiere haben sie: bewegen, fliehen, paaren; Pflanzen
vielleicht (nicht))
c) Neschama (Seele, unterscheidet den Menschen vom Tier, verbunden mit Person,
Humor, Liebe);
daraus folgen drei Definitionen, wann Leben beginnt;
Ruach à Geburt (vorher nur
potenzielles Leben, im Zweifelsfall Leben der Mutter retten)
Nephesch à Bewegung (des
Kindes) beginnt viel früher (bis 40 Tage: Wasser; später: wie ein Fisch...);
Neschama à kehrt mit der Ruach
ein und aus;
Unterschied von Theorie (Lehre) und (Lebens-) Praxis:
“Ein Paar kommt zum Rabbiner und sagt ihm: wir haben ein Kind. Da sagt man:
„Maseltow!“ (herzlichen Glückwunsch) und nicht: Es hat die Augen vom
Postboten...“
Barbara Konrad (kath. Standpunkt):
es gibt im katholischen Verständnis
a) die Lehre
und es gibt
b) das sittliche Empfinden (des einzelnen; sein Gewissen kann im Konfliktfall
anders entscheiden als die Lehre)
(ÖKT 2003, Zur Diskussion um Lebensanfang und Lebensende, TU Hauptgebäude,
30.5.03, 15 Uhr)
·
James Watson
(26.9.2000 FAZ):
Eine zeitgemäße Ethik könne den Menschen nicht mehr länger als Geschöpf Gottes
begreifen, sondern allein als Produkt des Genoms. Und die Genforschung biete so
ungeheure Möglichkeiten, dass es einfach unverantwortlich wäre, das Schicksal
der Menschheit länger der unsicheren Gnade Gottes anzuvertrauen, anstatt es in
die eigene Hand zu nehmen.
(Der Sonntag 13.4.03)
·
Hertha
Däubler-Gmelin:
erwähnt insbesondere zwei Felder, die künstliche Befruchtung und die
Verfahrensweise bei einem Hirntod [als Voraussetzung zu einer Organentnahme],
auf denen sich die Kirchen in Deutschland nach ihren Worten „unglaublich
zurückgehalten“ hätten. Ein wenig lustig macht sie sich über die Bedenken von
Theologen über das Gesetz ... zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei dem
einige Wortführer „richtig Schaum vor dem Mund“ gehabt hätten
(Der Sonntag 15.6.03)
·
In China gräbt
man ... nach konfuzianischen Handreichungen für die Bioethik und stellt fest,
dass das Menschsein an die Geburt, den Eintritt in die Gemeinschaft gebunden
ist.
(Die Zeit 22.5.03 S.36)
·
Ulrich Körtner:
... stereotype Zitation von Gen. 1,26, die kurzschlüssige Gleichsetzung der
Gottebenbildlichkeit mit dem seinerseits klärungsbedürftigen Personbegriff und
seine umstandslose Übertragung auf Blastozysten sind kaum das Ergebnis solider
Exegese;
wissenschaftliche biblische Exegese weist darauf hin, dass der Gedanke der
Gottebenbildlichkeit kein Allgemeingut biblischen Denkens ist, sondern sowohl
im Alten Testament... als auch im Neuen Testament eine theologische
Spitzenaussage ist, die... eine allenfalls marginale Rolle spielt...;
die von den Kirchen in Deutschland eingenommene Position, wonach mit der
Kernverschmelzung von Ei- und Samenzelle bereits ein neues menschliches
Individuum, ein Mensch bzw. eine menschliche Person existiert, lässt sich
allein auf biblischer Grundlage gar nicht hinreichend begründen. Sie lässt sich
aber auch naturwissenschaftlich bzw. embryologisch nicht zwingend begründen...
ist eine legitime, jedoch keineswegs die einzig mögliche Position im Streit um
den ... Staus.. von Embryonen;
wer freilich die Charakterisierung von Embryonen als „Zellhaufen“ kritisiert...
sollte selbstkritisch einräumen, dass auch die in kirchlichen Stellungnahmen
anzutreffende Sprachregelung ... „embryonale Menschen“... Sprachpolitik ist;
wer isolierten Zygoten (in vitro) in vollem Umfang Menschsein zuspricht, ohne
z.B. den gesetzlichen Zwang zu ihrem Transfer zwecks Schwangerschaft oder ein
Verbot von Nidationshemmern zu fordern, verwickelt sich in gravierende
Widersprüche.;
(ÖKT 2003, Biomedizin am Lebensanfang, Universität der Künste, 31.5.03, 16 Uhr)
·
Wer von Menschen
geboren ist... ist und bleibt in seinem leiblichen Leben bis zu dessen Tod
Mensch und Person... Alles von Menschen gezeugte und geborene Leben hat bis zum
Tode an dieser Personenwürde teil.
(Eibach, U.: Menschenwürde an den Grenzen des Lebens, Neukirchen-Vluyn 2000,
S.173)
·
Ethik verschafft
uns kein ruhiges Gewissen. Ethische Diskussion schafft Unruhe und stört, indem
sie die Herrschaft des Faktischen unterbricht und uns zwingt, für unser Tun und
Lassen Verantwortung zu übernehmen... Dies setzt voraus, dass wir uns ein
Urteil selbst bilden inmitten aller Uneindeutigkeit und Ambivalenz.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.13)
·
Zu schnell
tendieren nicht Betroffene dazu, den konkret Betroffenen das individuelle
Selbstbestimmungsrecht zu beschränken, verlangen von ihnen das Einhalten
prinzipieller Regeln und bürden ihnen enorme Belastungen auf, die sie bei sich
selbst nicht zu tragen bereit wären. Eine fundamentalistische Moral kann sehr
erbarmungslos sein.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S. 116)
·
Eine
traditionelle christliche, auch von der katholischen Kirche bis ins 19., ja ins
20. Jahrhundert vertretene Antwort lautete, der Embryo werde erst am 80. oder
90. Tag von Gott mit einer Geistseele versehen und sei erst von diesem relativ
späten Zeitpunkt an tatsächlich ein Mensch. Die Sicht, dass der Embryo von
vorneherein, von der Befruchtung der Eizelle an, „als“ Mensch anzusehen und zu
schützen ist, ist geistesgeschichtlich jüngeren Ursprungs und lässt sich
beispielhaft auf das Preußische Allgemeine Landrecht von 1794 zurückführen.
Diesem gemäß kommen „die allgemeinen Rechte der Menschheit... auch den
ungeborenen Kindern schon von der Zeit ihrer Empfängnis“ an zu.
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.251)
·
Hält der Staat
bestimmte Verhaltensweisen für nicht schutzwürdig, dann trägt er die
Begründungslast. D.h. er muss begründen, wieso ein bestimmtes Verhalten nicht
zulässig sein soll... Die in der biopolitischen Debatte verbreitete Frage:
„Darf die PID zugelassen werde?“ ist daher, grundrechtlich betrachtet, eine
falsche Frage. Richtigerweise muss die Frage lauten: „Darf die PID verboten
werden?“
(Beer, W., Markus, P. (Hrsg.): Was wissen wir vom Leben?, Wochenschau Verlag
Schwalbach/Ts. 2003, S.266)
·
Embryonenschutz:
ist das eine Frage kultureller Unterschiede und damit zu akzeptieren und
auszuhalten;
oder ist das eine Menschenrechtsfrage, und dann wie Sklaverei, Folter,
Unterdrückung der Frau nicht zu akzeptieren???
(Nationaler Ethikrat, Jahrestagung 23.10.03 Berlin, Der Umgang mit
vorgeburtlichem Leben in anderen Kulturen)
·
Gedeckt von
eugenischen Gesetzen verstümmelten US-Ärzte bis in die 70er Jahre des
20.Jahrhunderts über 60000 Männer und Frauen durch Sterilisation...
erstes Gesetz zur Zwangssterilisation Indiana 1907; 32 weitere Bundesstaaten
folgten; Modellgesetz für die Zwangssterilisation von „Geistesschwachen“
übersetzten Hitlers Rassenhygieniker ins Deutsche und verwendeten Teile daraus
für ihr eigenes Eugenik-Gesetz
(Spiegel 5/04 S.132)
·
die
Glaubenskrieger haben verloren, es lebe der Individualismus;
Lehre aus britischen Feldversuchen mit gentechnisch verändertem Mais, Raps und
Rüben; zwei schädigen nachweislich (unter den lokalen Bedingungen) die Umwelt,
einem (Mais) schrieben die Wissenschaftler ein vorsichtiges „unbedenklich“ ins
Zeugnis; also: weder generell Teufelszeug noch garantiert harmlos; gestritten
werden muss und darf um jeden Einzelfall; es kann unter drei Produkten das eine
geben, das seinen Zweck korrekt erfüllt
(Die Zeit 23.10.03 S.27)
·
man wird
genveränderte Saaten und Produkte nicht bis ins Letzte für unbedenklich
erklären können. Für das Fortbestehen eines minimalen Restrisikos sind allerdings
auch die Umweltschützer verantwortlich. Sie haben gerade Feldexperimente, die
der Untersuchung von ökologischen Gefahren wie Auskreuzungs- und
Verbreitungsrisiken dienten, immer wieder zerstört
(Die Zeit 15.4.04)
·
Platon, nach 387
v.Chr. in: Politeia: „es müssen die besten Männer den besten Weibern möglichst
oft beiwohnen, und die schlechtesten Männer den schlechtesten Weibern möglichst
selten, und die Kinder der einen muss man aufziehen, die der anderen aber
nicht, wenn die Herde möglichst vorzüglich sein soll“;
ethisch und praktisch bedeutsam ist dabei nicht die Frage, wann das menschliche
Leben beginnt – dass dies mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bei der
Befruchtung geschieht, ist weithin unumstritten – sondern OB überhaupt und wenn
ja, mit welcher BEGRÜNDUNG und zu welchem ZEITPUNKT der Schwangerschaft es
getötet werden darf
(Henn, W.: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht
arm dran sind – Der Mythos von den guten Genen, Herder Freiburg 2004 S.131,
160)
·
das in der
Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Recht auf Leben gilt laut
einem Urteilsspruch des Straßburger Gerichtshofes für Menschenrechte NICHT für
Föten und Embryonen;
es müsse auf nationaler Ebene entschieden werden, wann das Recht auf Leben beginne,
da es in dieser Frage keinen wissenschaftlichen oder juristischen Konsens gebe
(GID 165/2004 S.46)
·
Volksabstimmung
in der Schweiz: 67% stimmten FÜR die Verwendung bis zu 7 Tage alter Embryonen
in der pharmazeutischen Forschung; damit ein Gesetz aus dem Jahre 2003
bestätigt;
die Schweizer Kirchen hatten sich unterschiedlich positioniert
(taz 29.11.04; Der Sonntag 28.11.04)
·
Stammzellforschung
(ES) Japan: buddhistische Religionsführer sorgen für ethischen Rückhalt; wir
haben unsere Priester um ihre Meinung gefragt und sie antworten, wenn es den
Menschen zugute komme, sei diese Forschung legitim
·
als ... dehnbar
erweisen sich daoistische und konfuzianische Lehren. Aus dem
Gegenwarts-Konfuzianismus, der sonst große Stücke auf die harmonische „Einheit
von Mensch und Natur“ hält, kommt das Argument, der chinesische Mensch sei dem
westlichen auf dem Gebiet der neuen Technologien sogar überlegen: Als freier
„Mitschöpfer des Universums“ nämlich habe er nicht eine ihm vorgegebene
göttliche Schöpfung zu achten und sich somit nicht mit westlichen
Entwicklungshemmnissen herumzuschlagen
(NZZ 20.2.04)
·
Ev. Arbeitskreis
der CDU/CSU: therapeutisches Klonen wie in Korea oder Großbritannien:
entscheidende Grenzüberschreitung zur völligen Verzwecklichung und
Instrumentalisierung des Menschen vollzogen, Europa steht jetzt ethisch am
Scheidewege
(Evangelische Verantwortung September(?) 2004 S.12)
·
Bioethik:
„Zufluchtsort Einfluss suchender Theologen“
(GID 166/2004 S.34)
·
70 Vertreter von Kirchen aus 22 europäischen Ländern;
betreffend PND und PID gab es keine Übereinstimmung über den Gebrauch dieser
Techniken; Übereinstimmung: kein sozialer Druck, keine Diskriminierung bei
Ablehnung, keine Selektion bei nicht-medizinischen Gründen (was ist
medizinisch?); dem menschlichen Embryo kommt Respekt und ein gewisser Grad an
Schutz zu (the human embryo is entitled to respect and to some degree of
protection); große Meinungsunterschiede in bezug auf den moralischen Status des
Embryo und Forschung an und therapeutische Nutzung von embryonalen Stammzellen;
reproduktives Klonen generell abgelehnt; lebhafte Kontroverse zu überzähligen
Embryonen;
(Konferenz Europäischer Kirchen, Konsultation Straßburg 27.-29.11.03
Menschliches Leben in unserer Hand? Kirchen und Bioethik, Ergebnispapier)
·
Buddhistische Autoritäten: reproduktives Klonen
vertretbar, therapeutisches Klonen abzulehnen; reprod. Klonen auf Dauer global
nicht zu bannen
(Dtsch. Ärzteblatt 1.4.05 S. A892)
·
US-Forscher: Deutschland sei Weltmarktführer in Bioethik. Die Vereinigten
Staaten hingegen seien „Weltmarktführer in der Biotechnologie“.
(Der Spiegel 34/2005 S. 76)
·
S. 27ff, Prof. Hans Mohr: 1975 Asilomar-Konferenz über (Gefahren im
Umgang mit) rekombinante® DNA; von den Wissenschaftlern selbst Richtlinien
aufgestellt für gentechnologisches Arbeiten und die Entwicklung von sicheren
Vektoren und Bakterienstämmen; dann in den wichtigen Forschungsnationen in
Kraft gesetzt; Philosophen und Theologen waren an dem ethischen Unternehmen
nicht beteiligt. Sie hatten seinerzeit das neue Zielgebiet noch gar nicht
entdeckt.;
von den Medien und den Kirchen geschürte Phantomdebatte;
(Kongress: Die Zukunft des Menschen“, Stuttgart 8./9.7.2002, Dokumentation)
·
Papst Benedikt XIV.: Embryonen sind von Anfang an, also
auch vor der Einnistung in die Gebärmutter, als unbedingt schützenswertes Leben
zu betrachten; menschliches Leben beginnt im Moment der Empfängnis und muss von
Anfang an respektiert und geschützt werden; Befruchtung im Reagenzglas wird
grundsätzlich abgelehnt, weil nicht alle dabei entstehenden Embryonen in die
Gebärmutter eingepflanzt werden
(GID 175 April/Mai 2006 S.55)
·
UNESCO „Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte“, kostenlos
bestellbar beiDeutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstr. 16, 53115 Bonn
·
Philosoph Volker Gerhardt: „So ungeheuer die
Herausforderung durch das Neue auch ist: schlimmer als die Vergangenheit war,
kann die Zukunft kaum werden.“
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.1)
·
im Judentum und im Islam fehlen zentrale Autoritäten, die definieren könnten,
welchen Standpunkt DAS Judentum usw. einnimmt;
im Islam wird das Verbot der Manipulation der Schöpfung sowie die „Reinhaltung“
der Abstammungslinien höher bewertet als der Embryo selbst (was aber nicht
heißt, dass jede andere Verwendung erlaubt wäre);
mehrheitlich geht man im Islam wie im Judentum davon aus, dass der Embryo erst
am 40. Tag beseelt wird;
der Embryo ist im jüdischen Talmud vor dem 40. Tag der Schwangerschaft „pures
Wasser“; Embryo wird mehrheitlich bei den Rabbinern bis zum Zeitpunkt der
Implantation (Einnistung in die Gebärmutter JK) als vogelfrei betrachtet, kann
hergestellt, verworfen, der Forschung zugeführt werden;
auch danach wird er von vielen Rabbinern nicht als eigenständiges Wesen,
sondern als Teil der Mutter betrachtet;
Anders als die medizinische Gentechnik findet die GRÜNE GENTECHNIK in den
Weltreligionen bislang kaum Beachtung; keine grundsätzlichen
schöpfungstheologischen Einwände; Kritik ist nichttheologischer Natur und
richtet sich gegen Verunreinigung von Saatgut, Kennzeichnung,
Haftungsregelungen usw
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.5)
·
Antrag im Bundestag: Bundestag soll das „Gesetz zur Verhütung erbkranken
Nachwuchses“ vom Juli 1932 ächten;
bis 1939 in Deutschland ungefähr 290.000 bis 300.000 Zwangssterilisationen,
1939 bis 1945 noch einmal etwa 60.000; etwa 5000 bis 6000 Frauen und 600 Männer
an den Folgen des Eingriffs gestorben
(Das Parlament 18./27.12.06)
·
Wilfried Härle: Menschenwürde – zentrales Element des christlichen
Menschenbildes;
guter Grundsatzartikel
(Evangelische Verantwortung 2/2006, http://www.eak-cducsu.de/contentsystem/upload/ev/10_2_2006-12_58_49-EAK-EV-02-2006.pdf
)
·
Umfrage zur PID;
PID bislang in Deutschland verboten;
Enquete-Kommission des Bundestages lehnte PID mit 16 gegen 3 Stimmen
entschieden ab;
Nationaler Ethikrat empfahl eine streng begrenzte Zulassung solcher tests;
befragte Bürger viel offener: zwei Drittel der Befragten würden PID zur
Diagnose schwerwiegender chronischer Krankheiten zulassen
(ZEIT 26.10.06 S.54)
·
im Zusammenhang mit der Diskussion des Embryonenschutzgesetzes 1990 ...
damals formierte sich das uns heute in bioethischen Fragen geläufige Bündnis
zwischen Konservativen und Grünen, während die (damals noch in der Minderheit
operierenden) sozialdemokratischen und liberalen Modernisierungsagenten das Lob
der Forschungsfreiheit sangen und für weitergehende Liberalisierung der
Fortpflanzungstechniken eintraten ... Am Ende stellten sich die Grünen dann
doch gegen den Regierungsentwurf ... der nachgeschobene grüne
Entschließungsantrag, die gesamte Embryonenforschung und künstliche Befruchtung
zu verbieten, scheiterte
(Gen-ethisches Netzwerk 1986-2006; Festschrift, 2006, S.10)
·
In einer ersten ursprünglichen Bedeutung bezeichnet nämlich das
griechische Wort Ethos das, was man üblicherweise und immer tut.
(ZEIT 21.9.06 S.46)
·
ISLAM;
Vorschlag Irans bei den Verhandlungen der UNO über ein weltweites Verbot der
Klontechnik im Herbst 2003, die Entscheidung zu vertagen, wobei man sich auf
das Rechtsgutachten eines ägyptischen Mufti stützte, der sich permissiv (unter
Einhaltung von Regeln zustimmend JK) zur Technik des therapeutischen Klonens
geäußert hatte;
der sunnitische Islam kennt weder eine
mit der päpstlichen Kurie vergleichbare Lehrautorität noch einen Klerus. Die
religöse Autorität liegt in den Händen von Schriftgelehrten ... bei der
rechtlichen Handhabe von Problemen, die nicht in Koran und Sunna geregelt
werden, können diese Schulen, nicht nur untereinander, sondern auch innerhalb,
voneinander abweichende Rechtsauffassungen vertreten
Umgang mit ungeborenem Leben:
Von den verschiedenen Stellen im Koran zur Entstehung menschlichen Lebens
bildet Sure 23,12-14 bis in heutige Bioethikdebatten hinein den zentralen
Bezugspunkt in der Auslegungsgeschichte des sunnitischen Islam: „Wir (Gott JK)
haben doch den Menschen aus einer Portion Lehm geschaffen. Hierauf machten wir
ihn zu einem Tropfen (a) in einem festen Behälter. Hierauf schufen wir den
Tropfen zu einem Blutklumpen (b); diesen zu einem Fleischklumpen (c) und diesen
zu Knochen. Und wir bekleideten die Knochen mit Fleisch. Hierauf ließen wir ihn
als neues Geschöpf entstehen.“; Zur Bestimmung des genauen Zeitpunktes der
Beseelung stützen sich die Theologen auf die Sunna des Propheten, wonach die
drei Entwicklungsstufen (a-c) jeweils 40 Tage umfassen und im Verlauf der
Rechtsauslegung die Lehre von der Beseelung am 120. Schwangerschaftstag
dominierte;
die einzig mögliche Generalisierung besteht in der Aussage, dass ein
Schwangerschaftsabbruch nach der Beseelung, spätestens also ab dem 4. Monat
verboten ist.;
künstliche Befruchtung im ehelichen Kontext weitgehend zugelassen;
Das Hauptproblem besteht in potenziellen Unklarheiten bezüglich der
genealogischen Einordnung des gezeugten Kindes. Die wesentliche Voraussetzung
dafür ist das Bestehen eines rechtlich gesicherten Ehevertrages, denn der
Schutz klarer Abstammungslinien gehört zu den fünf unumstößlichen
Grundintentionen der Scharia. Die Verwendung von Fremdsperma zur Befruchtung
einer Frau wird daher in verschiedenen Stellungnahmen analog zu dem als
gravierend eingestuften Vergehen des Ehebruchs gesehen.;
in den meisten islamischen Ländern ist der Umgang mit „überzähligen“ Embryonen
gesetzlich noch nicht geregelt;
Klonen:
Den Warnungen vor menschlicher Kompetenzüberschreitung und Widernatürlichkeit
steht das Argument gegenüber, dass die Klontechnik nichts weiter als die
Entdeckung einer bis dato unbekannten Fortpflanzungsform darstelle, die sich
mithin im Rahmen göttlicher Vorsehung bewege. Zudem werde für das Klonen
lediglich auf bereits existente Materialien zurückgegriffen, es könne daher
nicht mehr als Schöpfungsakt geltend gemacht werden ...; ein weiteres Argument,
das 1997 vorübergehend aufkam, wies auf die Geburt Jesu ohne biologischen Vater
hin (Koran 19,20-22; 21,91), wonach ungeschlechtliche Fortpflanzung
grundsätzlich möglich und die Vermischung des Genmaterials zweier Personen
nicht die einzig legitime Art der Fortpflanzung sei. Dem wurde wiederum das
Argument gegenüber gestellt, dass die vaterlose Erschaffung von Jesus als
göttliches Wunder und daher keinesfalls als ein Präzedenzfall anzusehen sei.;
gab die Fiqh-Akademie der Organisation of Islamic Conference (OIC) 1997
bekannt, dass reproduktives Klonen zu verbieten sei, da es die
verwandtschaftliche Beziehungen auflöse, wohingegen therapeutisches Klonen zu
erlauben sei, da es der Menschheit potenziell nütze;
dem Embryo wird in einigen Rechtsgutachten bereits ab dem Zeitpunkt der
Befruchtung Schutzwürdigkeit zuerkannt
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament; 26-27/2007 S.32ff.)
·
(50) (JUDENTUM)
Im Talmud wird der Embryo, der im Mutterleib heranwächst, bis zum 40. Tag nach
der Befruchtung als „pures Wasser“ betrachtet. Denn nach jüdischer Auffassung
wird er erst zu diesem Zeitpunkt (von Gott) beseelt;
Bis zum Zeitpunkt der Geburt sieht die Mehrheit der Rabbiner den Embryo/Fetus
allerdings nicht als eigenständiges Wesen an sondern lediglich als „Teil der
Mutter“, also einen Teil ihres Körpers ;
Nach dem Talmud erlangt der Embryo erst dann den vollen Status als Person und
hat damit dieselben (Lebens-)Rechte wie die Mutter, sobald während des
Geburtsvorgangs „der größere Teil (des Fetus) bereits geboren ist“;
als Sonderfall gilt ein bei der In-vitro-Fertilisation erzeugter Embryo. Denn
er hat als solcher nicht den im Talmud beschriebenen Status, ein Teil der
Mutter zu sein. Da er weder allein überlebensfähig ist und sich dazu noch
deutlich weniger als 40 Tage seit seiner Befruchtung entwickelt hat, muss er
gemäß verschiedener rabbinischer Autoritäten auch nicht geschützt werden
(Materialien für den Dienst in der Evangelischen Kirche von Westfalen, 1/2007;
„Ethische Überlegungen zur Forschung mit menschlichen Embryonalen Stammzellen“)
·
Der Protestantismus hat mit der Verantwortungsethik, der
idealtypisch die Gesinnungsethik gegenübergestellt wird und die die
Verantwortbarkeit der Folgen von Handlungen und Entscheidungen intendiert, eine
bedeutende ethische Theorie entwickelt, die weit über den protestantischen und
christlichen Bereich hinaus Verbreitung findet. Die Wurzeln der
Verantwortungsethik reichen zurück in die antike Vorstellung des Bürgers im
Gemeinwesen. Das Christentum hat den Gedanken der Verantwortung vor Gott und
dem Gewissen hinzugefügt; die Neuzeit gab der Idee vom verantwortlichen
Regieren in den Verfassungen ein rechtliches Gefüge. Diese drei
Traditionslinien ergänzen und korrigieren sich gegenseitig.
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament; 6/2007 S.35)
·
Judentum:
„Seid fruchtbar und mehret euch“ – dieser Satz steht in der Genesis – für
orthodoxe jüdische Gläubige ist er die erste Mizwa: das höchste Gebot;
Israel hat die meisten Unfruchtbarkeitskliniken pro Einwohner und mit Abstand
die höchste Rate an künstlichen Befruchtungen pro Million Einwohner im Jahr;
so erlaubt Israel die Leihmutterschaft (Zustimmung eines Komitees erforderlich;
Samenbanken stehen Singelfrauen und Lesben offen;
nach dem Tod darf einem Mann Sperma entnommen werden, damit seine Frau sich
befruchten lassen kann;
PID ist Routineprozedur;
Israel hält den Weltrekord für Gentests vor und während der Schwangerschaft: 14
sind bei nichtorthodoxen Frauen üblich;
selbst kleinere Abweichungen von der Norm führen häufig zur Abtreibung (z.B.
Kieferlippengaumenspalte, die im Ultraschall auffällt);
die ersten Retortenbabys wurden in der Presse bejubelt; in Deutschland verstieg
sich der Augsburger (katholische) Bischof zu der Behauptung, die Manipulation
an Ei- und Samenzelle sei „schlimmer als die Atombombe“;
“Zionismus und Eugenik waren Kinder derselben Zeitperiode“, sagt Raphael Falk,
emeritierter Genetikprofessor ... Die Zionisten propagierten den gesunden und
starken muscle jew, als Gegenbild zum unterdrückten Diasporajuden. „In der
Praxis der Gentests lebt dieser Wunsch nach dem „besseren Menschen“ weiter“,
sagt die Politologin Prainsack.;
Embryonen außerhalb des weiblichen Körpers sind nach jüdischem Verständnis
keine menschlichen Wesen, sondern ein besonderer Stoff, mit dem es achtsam
umzugehen gilt; Achtsamer Umgang kann auch bedeuten, die Embryonen für die
Forschung zu verwerten
Islam:
medizinischen Neuerungen gegenüber zunächst grundsätzlich offen;
Mohammed: „Gott hat keine Krankheit ohne deren Medizin geschaffen“;
Technische Erfindungen werden daher lediglich als eine weitere Entdeckung von
Gottes Willen angesehen.;
Behinderung als Abtreibungsgrund (Iran, Jordanien)? Akzeptiert, es muss sich
aber um eine „schwere“ Behinderung handeln
(Zeit 6.9.07 S.17ff)
·
Leserbrief Pfarrer Pierel, Aue:
“Wir beerdigen auch Embryonen … Kinder von der 4. bis zur 12.
Schwangerschaftswoche … schon seit rund zehn Jahren bieten wir diesen Dienst
auf unserem Friedhof an … spricht nichts dagegen, sogar die bei der künstlichen
Befruchtung angefallenen überzähligen und zur Zeit gefrorenen befruchteten
Eizellen in unserer Kindergruft … zu beerdigen“
(Freie Presse Chemnitz 20.2.08)
·
Alexander S. Kekule, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie
in Halle/Saale;
Embryo und Menschenwürde; Nicht Zellhaufen, sondern Menschen müssen geschützt
werden;
besitzt die Blastozyste, eine mit bloßem Auge kaum sichtbare Kugel aus rund 180
Zellen, die sich vom 7. Tag an in die Gebärmutterwand einnisten würde, die
volle Menschenwürde, mit allen Konsequenzen? Ist die Blastozyste ein Mensch?
Gedankenexperiment eines Philosophen: Es brennt in einem Labor, dort befinden
sich 1 Kind und ein Reagenzglasständer mit hundert Blastozysten; jeder
vernünftige Mensch würde natürlich zuerst dem Kind helfen; wir würden auch
einen Bewusstlosen retten, obwohl er keine Schmerzen empfindet, oder einen
Schwerkranken, der ohnehin bald sterben muss; die zur Schwangerschaftsverhütung
eingesetzte Spirale tötet den frühen Embryo bei der Einnistung in die
Gebärmutter im Alter von 7 bis 14 Tagen; im Zusammenhang mit IVF werden
weltweit hunderttausende „überzählige“ Embryonen vernichtet, die nicht in die
Gebärmutter eingepflanzt werden konnten;
die Würde des Nächsten gründet nicht auf irgendeine kirchlich vorgegebene
Doktrin, sondern auf die unmittelbare Erfahrung des anderen als Person, also
als ein vernunftbegabtes Subjekt derselben Art; wir erkennen die Menschenwürde
auch in Alzheimerpatienten im Spätstadium, in ungeborenen Kindern oder von
Geburt an schwer Geschädigten, weil sie eine Person waren, sein werden oder
bestimmungsgemäß sein sollten; Basis der Menschenwürde ist letztlich die
Zugehörigkeit zur Familie der Menschen, die Schicksalsgemeinschaft der
biologischen Art: Jeder von uns könnte auch der andere sein. Wir helfen dem
Nächsten, weil er einer von uns ist;
Für eine Blastozyste im Labor empfindet der Mensch dagegen keine Empathie und
keine Nächstenliebe, weil sie nicht dem Archetyp entspricht, den wir vom
anderen als Spiegelbild des Selbst in uns tragen;
Die Zellen im Reagenzglas sind zwar menschliches Leben (human life) aber keine
Person (human beeing). Wir sollten ihnen trotzdem eine Art von „Würde“
zubilligen – etwa so wie einem Menschen entnommenen Organen, wie Leichen oder
auch höheren Tieren. Die einzigartige und unantastbare Menschenwürde besitzen
Blastozysten jedoch nicht.
(ZEIT 31.1.08 S.10)
·
Drogen, Umweltverschmutzung, Genmanipulation sowie soziale und
wirtschaftliche Ungerechtigkeit werden vom Vatikan als neue Sünden betrachtet
(taz 11.3.08)
·
Erbsenwürde;
seit 1992 steht in der schweizerischen Bundesverfassung der Begriff von der
„Würde der Kreatur“, die zu achten sei. Gemeint
ist damit auch die Flora ; kein anderer Staat hat eine solche Norm im
Grundgesetz;
zehn Jahre brauchte die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie
im außerhumanen Bereich (EKAH) für ihren Bericht, der die Tragweite des
Verfassungsartikels klären sollte. Der ethische Befund lautet: Pflanzen haben
Würde, ihre grundlose Schädigung ist moralisch unzulässig.;
Das bedeutet, der Schweizer Bauer darf weiter Futter mähen, aber Pflanzen nicht
willkürlich in Grund und Boden treten;
für Gentechnik bedeutet das: die zentrale Fähigkeit zur Fortpflanzung muss
gewahrt bleiben; aber kernlose (sterilisierte) Tomaten, Trauben, Orangen
weiterhin zulässig – weil die Beeinträchtigung begründbar sei;
(ZEIT 30.4.08 S.43)
·
Beitrag Jens Reich:
Genomik und Epigenomik schaffen die informatorischen Voraussetzungen,
Genkonstruktion und Stammzellzüchtung die Werkzeuge, um unsere Konstitution
(die des Menschen JK) zu verändern …
Auch ich habe diesen Widerwillen gegen das Künstliche … kommen mir aber
Zweifel, ob man, technische Machbarkeit in einigen Jahrzehnten als gegeben
voraussetzend, ein „vernünftiges Enhancement“ des menschlichen Körpers
überzeugend begründet ablehnen kann.
(ZEIT 19.3.08 S.38)
·
Die „Rheinauer
Thesen“ wurden im September 2008 in der Schweiz verabschiedet
Rechte der Pflanzen; z.B.
Recht auf Fortpflanzung (d.h. z.B. keine Terminator-Technologie); Recht auf Eigenständigkeit;
Recht auf Evolution; Recht auf Überleben der eigenen Art; Recht, nicht
patentiert zu werden
(GID 190 Oktober 2008 S.21 --- siehe auch www.blauen-institut.ch
)
·
Medizinethiker Taupitz:
(Zulassung der Keimbahn-Gentherapie zu Heilzwecken) „ob nicht gerade die
wissentliche Weitergabe von einer Erbkrankheit an die Nachkommen gegen deren
Menschenwürde verstößt, wenn es Möglichkeiten gibt, ein Leben frei von schwerem
Leid zu ermöglichen“;
“Dammbruchargumente verkennen das Differenzierungsvermögen einer Gesellschaft“;
dass der Gesetzgeber mit der Abtreibung die Tötung ungeborenen Lebens in
bestimmten Fällen nicht unter Strafe stelle,
führe nicht dazu, dass die Tötung von Menschen akzeptiert werde. Den
Versuch, „ein für allemal festzuschreiben, was erlaubt ist, läuft auf
Moralimperialismus hinaus“.
Letztlich müsse der Gesetzgeber Antworten finden. Dieser solle aber „in dubio
pro libertate“ entscheiden, im Zweifel für die Freiheit, die Freiheit der Forschung
(Das Parlament 26.4.2010 S.9)
·
Das Buch von
Karl Binding und Alfred Hoche: „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten
Lebens – ihr Maß und ihre Form“
erschien 1922 im Felix-Meiner-Verlag in Leipzig in der 2. Auflage;
In einer Rezension in der Zeitschrift der Zentralstelle für Volkswohlfahrt
heißt es: „Hoffentlich finden die von hohem sittlichen Geiste und
Verantwortungsgefühl getragenen Anregungen der beiden Gelehrten allenthalben
Beachtung und führen zur befreienden Tat.“
·
·
umstrittenes
Embryonen-Patent von Uni Edinburgh zurückgezogen, umfaßt nicht mehr die
mögliche Manipulation von menschlichen Embryonen
(taz 5.5.00)
·
Justizministerin
Däubler-Gmelin zur Kritik an Bio-Patenten: Bedenkliche Praxis
Spiegel 38/2000 S.78f.
·
Evangelischer
Entwicklungsdienst hat sich gegen einen unverantwortlichen Einsatz der
Gentechnik in armen Ländern gewandt; Kritik: WTO verpflichtet Mitgliedsländer,
auf Saatgut Patente zu erteilen; arme Bauern könnten dadurch in Abhängigkeit
und Not geraten
epd-Wochenspiegel 35/2000 S.19
·
1980 USA Gericht
erteilt das erste Patent auf einen gentechnisch veränderten Organismus, ein
erdölfressendes Bakterium
(bdw 4/2003 S.28)
·
Der
US-Chemiekonzern Monsanto hat ein europäisches Patent auf Melonen aus
konventioneller Züchtung erhalten. Die Kammer, das höchste interne Gericht des
Europäischen Patentamtes, hatte im Dezember 2010 entschieden, dass herkömmliche
Züchtungsmethoden NICHT patentierbar sind, aber sehr wohl die Pflanzen und
Tiere, die aus diesen Verfahren entstehen.
(taz 19.5.2011 S.08)
·
Klonierung:
- "Prozeß der asexuellen Vermehrung zur Herstellung identischer Nachkommen
in beliebiger Anzahl"
("Das Leben ist eine Gabe Gottes", Kassel 1990, S.119)
- a) In-vitro-Neukombination von DNA und deren Vermehrung in Wirtszellen
b) Erzeugung genetisch identischer Zellen (Mehrlinge) durch Zellteilung oder
Kerntransplantation
("Gentechnik", Bayer. Staatsminist. f. Landesentwickl. und
Umweltfragen, 1994, S.158
- Vervielfachung von DNA-Fragmenten (Kleine Enzyklopädie Leben, Leipzig 1981,
S.22)
- Zellkulturen tierischer oder pflanzlicher Zellen: bei Anwendung bestimmter
Klonierungstechniken können sich geeignete Zellen in entsprechenden Nährmedien
und Kulturgefäßen zu makroskopisch sichtbaren Kolonien auswachsen, die jeweils
eine einheitliche Nachkommenschaft, einen Klon, darstellen (Kleine Enzyklopädie
Leben, Leipzig 1981, S.366)
- experimentelle Erzeugung genetisch identischer Individuen
(Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, S.228)
- "Die Klonierung von Menschen - Horrorvision der Zukunft?"
(Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, Kapitelüberschrift
S.213f);
wie das Ergebnis aussehen wird, hat uns die Natur bereits vorgemacht:
Identisch aussehende Zwillinge aus einer einzigen Eizelle hervorgegangen;
- griechisches Wort "klon" bedeutet Schößling oder Zweig; Klonen ist
Fortpflanzung ohne Befruchtung (asexuelle Reproduktion, Parthenogenese;
Parthenogenetische Fortpflanzung ist in der Natur bei Pflanzen und niederen
Tieren weit verbreitet (Drohnen bei Bienen entwickeln sich aus unbefruchteten
Eiern, durchtrennter Regenwurm regeneriert sich zu zwei neuen); gelungen:
Krallenfrosch 1952 (Darmwandzelle), Mäuse 1979 (64-Zellen-Stadium); Denk-Schema
Rinder
(Piechocki: "Genmanipulation", Leipzig 1983, S.152f.)
- Klon: Bakterien- oder Zellkolonie, die sich durch Teilung aus einer einzigen
Zelle bildet. Alle Zellen dieser Kolonie besitzen eine identische genetische
Ausstattung
("Gentechnik", Bayer. Staatsminist. f. Landesentwickl. und
Umweltfragen, 1994, S.158)
- Klon: Kolonie genetisch einheitlicher Zellen, die sich von einer einzigen
Zelle herleiten (bei Bakterien und Hefen); bei höheren Lebewesen: genetisch
identische Nachkommen ("Gute Argumente Gentechnologie?", München
1990, S.119)
- viele Pflanzen können sich auf vegetativem Wege, d.h. von einzelnen sog.
somatischen oder Gewebszellen aus (Knospen, Ableger), zu neuen Individuen
netwickeln... identischer Genotyp... solche Individuen werden auch als Klone
bezeichnet; Wort wird hier anders verwendet als in der Gentechnologie (Zellen
oder Organismen, die einheitliche Population von rekombinierten DNA-Molekülen
aufweisen);
als Verfahren auch: Kerntransplantation
(Enquete-Komm. "Chancen und Risiken der Gentechnologie", Bonn 1987,
S. 9f.)
- Bild der Wiss. 6/97 S.64:
Pflanzen können Klone, genetisch identische Kopien ihrer selbst erzeugen
(Erdbeerausläufer, Wurzeltriebe, Kartoffelknollen, Weinpflanzen aus
Stecklingen);
auch bei Einzellern ist Klonen Standard;
Knospung bei Hohltieren und Bandwürmern, Schwämme, Manteltiere oder Moostiere
klonen sich;
Ausnahme bei höheren Tieren: Parthenogenese (Jungfernzeugung) Nachkommen aus
Eizellen ohne Befruchtung mit Samenzellen (Wasserflöhe, Würmer, viele Insekten,
unbefruchtete Truthahneier); bei Säugetieren bisher nicht nachgewiesen;
echte Klone gelegentlich auch nach sexueller Vermehrung: befruchtete Zelle
teilt sich in erbgleiche Embryonen (eineiige Zwillinge); 1981 erste geklonte
Rinderembryonen, 1993 Jerry Hall 17 menschliche Embryonen durch
Embryonenteilung
- Jens Reich: in Bild der Wissenschaft 11/97 S. 65: "Krebstod...ein Mensch
soll nicht sterben müssen, weil ein enthemmter Zellklon nach einem genetischen
Unfall plötzlich macht, was er will."
- Klon: Gruppe genetisch identischer Nachkommen einer Zelle, einer Pflanze oder
eines Tieres (? für AGU AG Gent.)
- Klonierung von Säugetieren durch Zellkerntransfer:
undifferenzierte Emryonalzellen, je nach Art 3.-9. Tag: Schaf 1986, Rind 1987,
Kaninchen 1990; Klonmäuse von 1979 noch immer umstritten (Spiegel 32/97 S.144);
Affen 1997 (FP 3.3.97)
- Ziele der Klonierung bei Säugetieren:
* gene-pharming (Produktion in Milchdrüsen: Eiweißstoffe als Medikamente: z.B.
Alpha-1-Antitrypsin gegen Mukoviszidose; Bestandteile des Blutplasmas)
* Xenotransplantation (transgene Schweine; kopflose Frösche 10/97; hirntote
"Eigenklone" als Reserve...))
* Leistungssteigerung
* Tierversuche (identische Lebewesen besserer Vergleich)
* Erhaltung von Arten (vom Aussterben bedrohte)
·
Q:
Ludger Weß (Hrsg.) Schöpfung nach Maß: perfekt oder pervers?, Oberursel 1995
- Vervielfältigung (Klonen) und Identität
Jerry Hall (USA): aus 17 Embryonen im 2-8-Zell-Stadium 48 Mehrlinge erzeugt,
die sich in Nährlösung bis zu 3x weiter teilten; nicht-entwicklungsfähige
Abfall-Embryonen verwendet (starben nach 6 Tagen ab)
Hall: wollte lediglich ethische Debatte herbeiführen und Verbesserung der
Erfolgsrate bei IVF erreichen
·
Q:
Ethik und Gentechnologie, Gesellschaft Gesundheit und Forschung, Frankfurt/Main
1988
- Hans Jonas S.19: Zitat FAUST: "Doch wollen wir des Zufalls künftig
lachen"
- Weg zum Homunkulus:
a) rekombinante DNA an Keimzellen (Gefahr: den Pfad konservativer genetischer
Reparatur verlassen und den Pfad schöpferischer Arroganz beschreiten)
b) Vervielfältigung von Musterindividuen (Dichter, Denker, Forscher, Führer,
Spitzensportler, Schönheitssieger, Heilige und Helden - Mozart und Einstein,
Hitler und Lenin, Mutter Theresa und Albert Schweitzer) durch Klonierung von
Körperzellen; das Verbrechen, das an den Klon-Sprößlingen selbst begangen wird
·
taz
7.7.98
aus Eileiterzellen einer ausgewachsenen Kuh zwei weibliche Kälber
·
Spektrum
der Wissenschaft 7/98 S.8:
Dolly: Fusion einer vollständigen Euterzelle (nicht nur des Kerns) mit der
Eizelle
·
FP
15.7.98:
Seed: Klonen ist künstliche Form der Unsterblichkeit, verlorenen Menschen
ersetzen, unfruchtbaren Paaren helfen,
·
epd
Wochenpiegel 30/98, S.14:
Seed: Klonen zuerst geeignet für unfruchtbare Paare und Frauen nach der
Menopause
·
Dtsch.
Ärzteblatt 50/97 S.A-3403:
Beschreibung Wilmut zu DOLLY-Erfolg; und möglichen Anwendungen; als erste Hürde
mußte der Kerntransfer gelingen. Dabei wird in den perivitellinen Raum einer
entkernten, unbefruchteten Eizelle ein Donorzellkern mit dem neuen Genom
eingebracht, beide werden durch einen „Stromstoß“ fusioniert
·
SPIEGEL
29/98 S.142:
Klone: ein identischer Zwilling kommt zeitversetzt zur Welt
·
taz
24.8.98:
Kalb in Japan aus Hautzelle eines erwachsenen Rindes geklont, 3 Tage nach
Geburt gestorben
·
taz
24.7.98:
22 Mäuse als Klone einer erwachsenen Maus geboren
·
SPIEGEL
31/98 S.176:
50 Mäuseklone in Honululu, z.T. Klone von Klonen von Klonen; Erbgut aus Zellen
in der Nähe der Eierstöcke, Einsetzen in entkernte Eizelle, Chemikalien regen
Zellteilung an
·
taz
13./14.6.98:
DOLLY: In Einleitung und Schluß seiner NATURE-Publikation schrieb Wilmut von
Zellkerntransfer, im technischen Teil beschrieb er eine Zell-Fusion
(Zelle mit Kern mit Zelle ohne Kern verschmolzen)
·
GID
128 8/98 S.8
Nature: Nachprüfung: DOLLY war kein Laborfehler
japan. Universität: 2 Kälber nach der Dolly-Methode aus Eierstockzellen einer frisch
geschlachteten Kuh
·
Inst.
Technik-Theologie-Naturwissenschaften hält therapeutisches Klonen für ethisch
vertretbar, nicht aber reproduktives Klonen
(GID 138 /2000 S.27)
·
britische Regierung
plant Gesetz, Klonen menschlicher Embryonen im Frühstadium zu erlauben, „der
wichtige Nutzen, der sich aus dieser Forschung ergeben kann, überwiegt alle
anderen Erwägungen; zunächst nur für wiss. Zwecke, möglicherweise später auch
für Entwicklung menschlicher Organe für Transplantation
(taz 31.7.00)
·
schon Januar
2000 Patent in Großbritannien für Klonverfahren a la Dolly ausdrücklich auch
für menschliche Embryonen bis 140 Zellen; z.B. gedacht: Parkinson-Therapie: aus
gesunder Körperzelle Embryo-Stammzell-Kultur, dann Züchtung von Hirnzellen, die
Dopamin produzieren
(bdw 5/2000 S.104)
·
mehrere hundert
gentechnisch manipulierte Schafe in Neuseeland, schottische Firma PPL
Therapeutics, mit menschlichem Gen ausgestattet, sollen zur Entwicklung einer
Therapie gegen Mukoviszidose eingesetzt werden, die DNS wurde bereits Mitte der
80er Jahre aus der Blutprobe einer dänischen Frau gewonnen
(taz10.7.2000)
·
drei geklonte
Schafe bei PPL Therapeutics in Edinburgh 1 Jahr alt;
nach Dolly-Methode geklont; ein fremdes Gen gezielt an einer bestimmten Stelle
in die DNS eingefügt;;
das gezielte Verfahren ist effektiver - zeigt sich an der Milch (im Vergleich
zu POLLY, die Gen für menschlichen Blutgerinnungsfaktor erhalten hatte, dort
ungezielter zufälliger Einbau);
im März erfolgreich geklonte Ferkel vorgestellt (Möglichkeit für
Xenotransplantation, jetzt auch mit Möglichkeit, Antigene abzuschalten)
(e-mail kordecki 10.7.2000)
·
erstmals Kalb
von geklonter Kuh geboren (damit Fruchtbarkeit belegt)
(FP 11.7.00)
·
China Ziege
geklont, andere Technik als Dolly: Ohrzellen, Kern isoliert und in entkernte
Eizelle eingepflanzt;
wollen demnächst vom Aussterben bedrohte Tiere wie Pandas oder
Süßwasserdelphine klonen
(taz 24/25.6.00)
·
Australische
Wissenschaftler wollen 134 Jahre nach seinem Aussterben das Erbgut des
tasmanischen Tigers klonen
(Spiegel 19/2000 S.277)
·
Klon-Kälber
USA/Kanada:
haben anfangs typische Zeichen von fortgeschrittenem Alter (kurze Telomere);
nach zwei Monaten kehrt sich der Prozeß um, und 5-10 Monate nach der Geburt längere
Telomere als normale Kälber gleichen Alters;
Überkompensation der Defekte am Anfang???:
Körperzellen der Tiere teilen sich im Durchschnitt 93 mal (normal: 61 mal);
(GID 140/2000 S.31)
·
Versuch zum
Klonen von Menschen gelungen; Südkorea;
Embryo erzeugt, der sich teilte, Versuch abgebrochen
(FP 17.12.98)
2005: FÄLSCHUNG!!!
·
Klone bei Mäusen
altern normal: keine verkürzten Telomere festgestellt; allerdings ging die
Erfolgsrate beim Klonen in jeder Generation zurück - nach 5 bzw. 6 Generationen
kein überlebendes Exemplar
GID 142 10-11/2000 S.27
·
Hält Klonen
jung?
Bisher galt: Geklontes stirbt allenfalls früher, nicht später. Gleichsam als
Mitgift tragen Klone, gewonnen aus erwachsenen Tieren, immer auch das Alter des
Spenders in sich. Gradmesser für die Jugendlichkeit waren die so genannten
Telomere, molekulare Kappen, die auf den Enden der Chromosomen sitzen und sie
vor zerstörerischen Angriffen schützen. Bei jeder Zellteilung werden die
Schutzkappen kürzer, bis sie schließlich so kurz sind, daß die Zellen altern
und sterben. Dollys Telomere waren 19 Einheiten lang, 24 wären normal gewesen.
Forscher in Worchester USA ließen Kuhzellen sich so häufig teilen, bis sie kurz
vor dem Exitus standen, danach nach Dolly-Methode 6 Klone hergestellt - die
Telomere der sieben bis 12 Monate alten Kälber waren nicht kürzer, sondern
sogar länger als bei Kontrolltieren (63 statt 51 Einheiten lang);
Zellen teilten sich auch bis zu 50% häufiger;
„Die Daten lassen den Schluß zu, daß durch Klonen die Lebensspanne von
Körperzellen wieder voll hergestellt - sogar verlängert werden kann.“
„Die Eizelle ist offensichtlich die verjüngende Umgebung, die das Baby jung
macht.“
ein Erwachsener könnte dann durch geklonte körpereigene Zellen 70 Jahre
jüngeres Gewebe erhalten...
Die Zeit 4.5.2000 S.44
·
Universität
Wisconsin USA: nahmen entkernte Eizellen von Kühen und füllten sie mit dem
Erbgut von Schafen, Ratten, Schweinen und sogar Rhesusaffen, damit sei es
gelungen, bei Leihkühen eine Schwangerschaft einzuleiten; bisher nur
Fehlgeburten;
Kuheier lassen sich aus Schlachthöfen billig in großer Zahl beschaffen
taz 21.1.98
·
Patent für
Mensch-Tier-Mischwesen beantragt;
australische Biotech-Firma Stem Cell Sciences; Patentantrag vor zwei Jahren bei
der Weltpatentorganisation der UNO in Genf eingereicht;
konkrete Experimente vorgestellt, bei denen Mischwesen aus Mensch und Tier
hergestellt wurden; in Anlehnung an die DOLLY-Methode menschliche Zellkerne in
zuvor entleerte Eizellhüllen übertragen; neu: nicht artgleiche Eihüllen
verwendet, sondern Eihüllen von Schweinen, da in den entkernten Eihüllen noch
Zellbestandteile zurückbleiben, unter anderem die Mitochondrien, die eine
eigene DNA besitzen, entsteht ein genetisches Zwitterwesen;
in Deutschland sind Versuche zur Herstellung von genetischen Mischwesen nach
dem Embryonenschutzgesetz verboten
taz 6.10.2000
·
Zellkerne von
menschlichen Föten in Eizellen von Schweinen implantiert; die Forscher hätten
die so entstandenen Wesen eine Woche lang wachsen lassen (bis zur Größe von 32
Zellen)
Freie Presse Chemnitz 6.10.2000
·
Firmen haben
Patent zurückgezogen
taz 11.10.2000
·
Wäre
therapeutisches Klonen statthaft, wenn man dazu keine menschliche Eizelle
entkernen müßte, sondern beispielsweise, die einer Kuh?
Die Zeit 25.5.2000 S.18
·
Klonen für
Transplantation:
Züchtung komplexer Organstrukturen, wie Niere oder Herz, nur auf sehr lange
Sicht gelingen könnte, eher sei ein Fortschritt in der Entwicklung von Zellen,
die Schäden in bereits existierenden Organen reparieren können, zu erwarten;
Risiken: Tumorentwicklung nach Übertragung der embryonalen Zellen? Eizelle mit
Mitochondrien - eigene Erbsubstanz, Abstoßungsprobleme?
Zusammenfassung der Empfehlungen der britischen Expertengruppe zur
Embryonenforschung S.30
GID 142 10-11/2000 S.29ff.
·
Das Klonverbot
lt. Protokoll des Europarates tritt nach Unterschrift durch 5 Staaten am
1.3.2001 in Kraft
das Protokoll verbietet das reproduktive Klonen von Menschen: untersagt „jede
Intervention, die auf das Schaffen eines menschlichen Wesens abzielt, das
identisch mit einem anderen, lebenden oder toten menschlichen Wesen ist“. Das
Klonen von Körpergewebe oder Organen ist jedoch nicht untersagt.
taz 24.11.2000
·
Vierbeinige
Fabriken:
transgene Ziegen produzieren in ihrer Milch das Protein Anti-Thrombin III (ATIII):
für Operationen am offenen Herzen, um tödliche Blutgerinnsel zu vermeiden
(bisher aus Spenderblut – knappe Ressource);
PPL Therapeutics Schottland melkt einen Wirkstoff gegen Zystische Fibrose;
Holland arbeitet daran, Blutgerinnungs-Faktor VIII aus der Milch transgener
Kühe zu gewinnen;
transgenes Schwein scheidet Fremdproteine über Ejakulat aus;
bereits eine Kuh oder ein Schaf könnten Medikamente für mehrere Mill. Dollar im
Jahr produzieren;
Risiken: Tierprodukte könnten tierische Erreger enthalten (z.B. Prionen),
Allergien auslösen
Ian Wilmut zur Technik der Herstellung von Tieren, die sowohl transgen als
kloniert sind (POLLY 1997): bisher musste man die Gene in viele befruchtete
Eizellen einzeln injizieren, selten gewünschtes Ergebnis, es ist viel
einfacher, Gene in Zellen einzuführen, die in einer Zellkultur leben, man kann
dann auch leicht feststellen, wo die genetische Veränderung funktioniert, 1.
gentechnische Veränderung an Zellkultur-Zellen, 2. dann Zellkern von gelungenen
transgenen Exemplaren in Eizelle überführen (Klonierung), noch 1 Woche Kultur
als Embryo, Kontrolle, dass es wirklich geklappt hat, dann 3. Einsetzen in
Leihmutterschaf; in Zukunft Veränderungen direkt in Euterdrüsenzellen vornehmen
(daran direkt zu erkennen, ob die Wirkstoffe tatsächlich in die Milch gehen)
bild der wissenschaft 12/2000 S.24ff.
·
Jens Reich:
für Dolly wurden 273 Föten verbraucht, ehe ein gesundes Lämmchen entstand; wenn
jemand Menschen klonen wollte, wäre, was sicher gelänge, „viele, viele schwerst
geschädigte Kinder“
(taz 22.12.00)
·
nach Ansicht von
Bundeskanzler Schröder sollte das Verbot der Verwendung embryonaler Stammzellen
so lange nicht gelockert werden, bis mögliche Alternativen ausführlich erprobt
worden sind;
Schröder plädierte für eine Überprüfung des deutschen Embryonenschutzgesetzes,
angesichts der rasanten gentechnischen und medizinischen Entwicklung dürfe es
keine ideologischen Scheuklappen und grundsätzlichen Verbote geben;
es müsse zudem diskutiert werden, ob es Gründe für die Zulassung der in vielen
EU-Ländern bereits praktizierten Präimplantationsdiagnostik in Deutschland gibt
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.9)
·
Schröder:
Nur wer die Welt erforscht, kann sie gestalten.
Dialog suchen – vorbehaltlos und ergebnisoffen
(taz 21.12.00)
·
Schröder lehnt
das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken ab
(FP 22.12.00)
·
Schröder:
keine Restriktionen erlassen, die spätere Chancen verbauen
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)
·
Bischof Karl
Lehmann:
auch ein guter Zweck wie die Heilung von Krankheiten könne nicht das Töten von
Embryonen rechtfertigen
(epd-Wochenspiegel 1/2001 S.3)
·
britische
Staatssekretärin im Gesundheitsministerium: Die Vorstellung, Babys zu klonen,
ist völlig unannehmbar; wenn die Embryonenforschung aber für die Verhütung
akzeptabel ist, dann muss das auch für schwere Krankheiten gelten; dazu zählen
Krebs, Herzkrankheiten, Alzheimer, Parkinson
(taz 21.12.00 S.1)
·
Nach dem Gesetz
zur künstlichen Befruchtung von 1990 war es in Großbritannien erlaubt, mit bis
zu 14 Tage alten Embryonen zu forschen, aber nur zum Zwecke der Verbesserung
der künstlichen Befruchtung
(taz 21.12.00)
·
Präsident der
Bundesärztekammer Hoppe hat das therapeutische Klonen von Embryonen scharf
verurteilt; „Verbrauch ganz junger Menschen“, furchtbarer Sieg des Kommerz über
ethische Grundsätze(FP 21.12.00)
·
therapeutisches
Klonen: Hoffnung für den querschnittsgelähmten US-Schauspieler Christopher
Reeve („Superman“) oder den an Parkinson erkrankten Boxer Muhammad Ali;
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)
·
Regine Kollek
(Vorsitzende Ethik-Beirat des BGM):
Embryo und Menschenwürde? Ich würde nicht so weit gehen, ihm die volle
Menschenwürde zuzuschreiben; Potenzial, ein Mitglied der menschlichen
Gemeinschaft werden zu können;
“therapeutisches Klonen“? Begriff ist falsch und irreführend: Zum einen wird
der Embryo dabei vernichtet. Zum anderen weiß kein Mensch, ob das Verfahren
jemals therapeutische Wirkung haben wird.
Ist das, was beim Verschmelzen einer Eizelle mit einer Körperzelle eines
Patienten entsteht, überhaupt mit einem natürlich gezeugten Embryo
vergleichbar? berechtigte Frage; nachdem dieses Klonprodukt angefangen hat,
sich zu teilen, muss man wohl davon ausgehen, dass daraus im Zweifelsfall ein
ganzer Mensch entstehen könnte;
(Spiegel:) die gesamte ethische Kontroverse entzündet sich an diesem
vermeintlichen Potenzial. Bislang hat
aber noch niemand einen derartigen Zellhaufen in eine Gebärmutter
zurückverpflanzt
(Der Spiegel 1/2001 S.142ff.)
·
italienischer
Reproduktionsmediziner Severino Antinori: „Wir werden mit einem internationalen
Wissenschaftlerteam noch in diesem Jahr beginnen, einen Menschen zu klonen.“;
Kollegen aus Europa, Japan, Amerika dabei;
10 kinderlose Paare ausgewählt; geklont werden nur die Männer;
Erfolgsquote derzeit bei 700 : 1 (Tierversuche); wir brauchen Eizellen von 200
Frauen;
“Die Bibel hilft immer im Leben.“
(Der Spiegel 6/2001 S.204ff)
·
Feichtinger,
Fortpflanzungsmediziner aus Österreich: „Die Deutschen tun gerade so, als gehe
es darum, eine Atombombe zu zünden. Dabei soll beim Klonen kein Leben
vernichtet, sondern welches geschaffen werden.“
Schema für praktische Durchführung des reproduktiven Klonens: 1 Mensch als
„Kopiervorlage“, 40 Spenderinnen lassen sich 400 Eizellen entnehmen, daraus
entwickeln sich höchstens 50 Embryonen, 50 Leihmütter bekommen die Embryonen eingesetzt,
etwa 10 von ihnen werden schwanger, 1 Klon kommt (gesund) zu Welt;
Interesse: sterile Paare hoffen auf Nachwuchs, verwaiste Eltern wollen tote
Kinder klonen, Schwule und Lesben träumen von ungeschlechtlicher Fortpflanzung;
Beobachtungen an geklonten Tieren: einerseits gewisse Wesensverwandtschaften
(z.B. Fressverhalten), andererseits: Kühe schwarze Flecken an unterschiedliche
Stellen;
Erfolgsbilanz: Rinder 2%, Schafe und Schweine 0,4 bis 1,2%, Maus <1% der
manipulierten Eizellen;
Problem möglicherweise: in erwachsenen Körperzellen sind viele Gene aktiv, die
alle in Ruhezustand versetzt werden müssen;
Chimären:
Australien: Kerne aus fötalen Menschenzellen in entkernte Eizellen von
Schweinen; bis zum 32-Zell-Stadium weiter entwickelt, dann weggeworfen,
USA: Zellkern aus einer menschlichen Mundzelle verschmolzen mit Eizelle einer
Kuh, Kuh-Mensch-Hybrid teilte sich 5x, verkümmerte dann
(Der Spiegel 10/2001 S.208ff)
·
Ian Wilmut
(Erzeuger von DOLLY) warnt: viele Fehlversuche mit tödlichem Ausgang sind im Tierversuch
unvermeidlich (äußerlich perfektes Lamm endlich geklont, dann mussten wir es
einschläfern – was wäre, wenn es sich um ein Kind handelte?)
(taz 10./11.3.2001)
·
Klonen zur
Erhaltung seltener Tierarten, erster Versuch: südostasiatischer GAUR wächst im
Leib einer Kuh heran
(GEO 1/2001 S.177)
·
Klon-Ochse
geboren; lebte nur zwei Tage; an Ruhr erkrankt, Zusammenhang zum Klonen wird
für unwahrscheinlich gehalten
(taz 15.1.01)
·
In der
Europäischen Menschenrechtscharta ist ein Zusatzprotokoll in Kraft getreten,
das das Klonen von „menschlichen Wesen“ verbietet: „Untersagt ist jeder
Eingriff, der zum Ziel hat, ein menschliches Wesen zu schaffen, das genetisch
identisch ist mit einem anderen lebenden oder toten menschlichen Wesen.“;
„Begriff „menschliches Wesen“ ist in der nationalen Gesetzgebung näher zu
definieren
Deutschland bisher nicht unter den Unterzeichnerländern
(epd Wochenspiegel 10/2001 S.11)
·
EMNID-Umfrage:
Menschen klonen, um kinderlosen Paaren zu helfen? JA 5%, NEIN 93%
(Der Spiegel 7/2001 S.20)
·
in Japan Gesetz,
das Klonen von Menschen oder Mischwesen aus Mensch und Tier verbietet; 206000
DM Geldstrafe, bis zu 10 Jahren Haft
(GID 144 S.26)
·
Klonen verbietet
sich aus zwei Gründen:
dem Klon wird die Mischung väterlicher und mütterlicher Erbanlagen vorenthalten;
der Mensch wird als Mittel zum Zweck instrumentalisiert
(Der Mensch: sein eigener Schöpfer?, Wort der (katholischen) Deutschen
Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin 7.3.2001)
·
Ian Wilmut
(biol. Vater von DOLLY):
reproduktives Klonen: ekelhaft, entsetzlich, Totgeburten und Missbildungen, in
krimineller Weise verantwortungslos;
therapeutisches Klonen: energisch dafür
(Bild der Wissenschaft 4/01 S.31)
·
US-Repräsentantenhaus
Gesetzentwurf: Geldstrafen in Millionenhöhe und bis 10 Jahre Gefängnis, wer
Menschen klont oder mit Produkten arbeitet, die aus dem Klonen menschlicher
Zellen hervorgegangen sind; kein Unterschied zwischen reproduktivem und
therapeutischem Klonen;
Großbritannien: therapeutisches Klonen explizit per Gesetz zugelassen;
die im Herbst (2000) beschlossene europäische Grundrechte-Charta enthält ein
Verbot des „reproduktiven Klonens von Menschen“. Auch die Bioethik-Konvention
des Europarats enthält ein Klonverbot. Beide Regelwerke lassen aber das
therapeutische Klonen zu, bei dem Ersatzgewebe für Kranke gezüchtet werden
soll, Diesen Bereich zu regeln ist den Nationalstaaten überlassen.;
Schweiz: Situation ähnlich wie in Deutschland, dort wird über ein
Forschungsvorhaben diskutiert, bei dem importierte Stammzelllinien genutzt
werden sollen:
In Frankreich soll die Forschung mit Embryonen zugelassen werden. Gesetzentwurf
der französischen Regierung: genutzt werden dürfen nur „überzählige“ Embryonen,
die bei der künstlichen Befruchtung übrig bleiben, Herstellung von E. eigens für
Forschungszwecke soll verboten bleiben;
russische Regierung Gesetzentwurf für Verbot des Klonens von Menschen, auch
Einfuhr von geklonten menschlichen Embryonen soll verboten, auf 5 Jahre
befristet;
Japan: Regierungsausschuss für grundsätzliches Klonverbot, auch therapeutisches
Klonen rechtswidrig, für Stammzellforschung nur „übriggebliebene“ Embryonen
(taz 2.8.01)
·
17 erwachsene
geklonte Kühe geben Milch, alle sind Klone einer Hochleistungskuh
(Spiegel 31/01 S.159)
·
Klonen Kostet
zwischen 15000 und 25000 $ je Kuh, könnte auf 5000$ bei Millionen Fällen sinken
bei geklonten Rindern viele Missbildungen beobachtet
(New Scientist, Großbritannien, 17.5.01)
·
britische
Forscher haben erstmals fünf gentechnisch veränderte Schweine geklont,
wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verpflanzung von Tierorganen in Menschen
(dpa April 01)
·
drei Forscher
kündigten auf einer Tagung der US-Akademie der Wissenschaften an, noch in
diesem Jahr Menschen klonen zu wollen, Beginn innerhalb der nächsten 60 Tage; italienischer
Arzt Antinori, amerikanischer Prof. Zavos, Sektenanhängerin Boisselier
(taz 9.8.01)
·
Gaddafi / Lybien
hat dem italienischen Mediziner Antinori seine volle Unterstützung beim Klonen
eines Menschen angeboten; Klinik, Reisekosten und Aufenthalt, im Erfolgsfall
Belohnung von mehreren Millionen Dollar; Telefongespräch von israelischem
Geheimdienst abgehört
(taz 13.8.01)
·
wirklicher
Aufwand für Klonen von Menschen bei derzeitigem Stand der Technik:
1 Mensch als Kopiervorlage, 40 Eizellspenderinnen (jede spendet nach
Hormonbehandlung durchschnittlich 10 Eizellen), 400 Eizellen werden entkernt
und mit fremdem Erbgut bestückt, höchstens 1/8 entwickeln sich zu Embryonen, 50
Leihmütter lassen sich Embryonen einpflanzen, 10 von ihnen werden tatsächlich
schwanger, 1 Leihmutter bringt ein geklontes Kind zur Welt, ob gesund, ist
fraglich;
Erfahrungen mit Tieren: Kopien können sich von ihren Vorbildern unterscheiden
(z.B. Fellzeichnung bei Rindern), viele Missbildungen (Abstoßung schon vor der
Geburt), Immundefekte, abnormale Gelenke, unterentwickelte Gefäße, Lämmer mit
erhöhtem Geburtsgewicht, bei Rindern aus max. 2% der Eizellen Nachfahren, bei
Schafen und Schweinen nur bei 0,4 bis 2%, bei Mäusen weniger als 1%;
Schwierigkeit: in erwachsenen Zellen sind eine Fülle von Genen aktiv, diese
müssen bei der Reprogrammierung in embryonalen Ruhezustand versetzt werden –
hier sind viele Fehler möglich;
Australien: menschliche Zellkerne aus fötalen Zellen in entkernte Ei-Zellen von
Schweinen: es wuchsen Chimären-Embryonen aus Schwein und Mensch; bis zum
32-Zell-Stadium weiter, dann weggeworfen;
USA: Zelle aus der menschlichen Mundschleimhaut mit Eizelle einer Kuh
verschmolzen, teilte sich 5x, dann verkümmert
(Der Spiegel 10/2001 S.210)
·
Nobelpreisträgerin
Nüsslein-Volhard: In Wirklichkeit geht das Klonen auch bei Tieren nicht. Wenn
400 Klone sterben müssen, bis eine DOLLY überlebt, dann können Sie doch nicht
sagen: „Es geht!“ Inzwischen sagen selbst die Schöpfer von DOLLY: „Um Gottes
Willen, Finger weg! Wir werden es nicht besser hinkriegen.“
(Der Spiegel 41/2001 S. 204)
·
Bundesregierung
will sich nicht für ein internationales Verbot des therapeutischen Klonens von
Menschen einsetzen; stattdessen soll Bundestag sich mit der Technik befassen
(AFP 28.9.01)
·
US-Forscher
klonen menschliche Embryonen
Firma Advanced Cell Therapy (ACT); mehrere Embryonen hergestellt; keiner
überlebte länger als 5 Tage; Frauen für 3000 bis 5000 Dollar pro Person
insgesamt 71 Eizellen abgekauft; erste Methode á la Dolly: 19 Versuche, 3
Embryonen, einer bis zum 6-Zell-Stadium; zweite Methode: Anregung von 22
Eizellen, die sich ohne Befruchtung entwickelten, 6 überlebten 5 Tage
(taz 27.11.01)
·
UN-Generalversammlung
hat eine von Deutschland und Frankreich eingebrachte Resolution gegen das
reproduktive Klonen von Menschen verabschiedet – zielt auf Erarbeitung einer
„Internationalen Konvention zum Verbot des reproduktiven Klonens von Menschen“
ab
(epd-wochenspiegel 48/01 S.23)
·
geklonte Mäuse,
Erbgut stimmt zwar überein, aber unterscheidet sich in der Regulation der Gene,
werden nur unzuverlässig ein- und ausgeschaltet
(GID 147 – 8-9/2001 S. 22)
·
Klonen
inzwischen erfolgreich bei Schafen, Schweinen, Ziegen, Rindern und Mäusen;
in 95-97% aller Fälle sterben die geklonten Tiere vor der Geburt;
die Tiere, die geboren werden, sind oft sehr massig, haben deformierte Schädel
und viele innere Entwicklungsstörungen
(GID 146 – 6-7 2001 S. 5)
·
der Vatikan
stimmt der Transplantation von Tierorganen auf den Mensch (Xenotransplantation)
zu; Risiken durch Tierexperimente ausschließen; auch sollten alternative
Therapien wie die Entwicklung von Organen aus Stammzellen von Erwachsenen nicht
vernachlässigt werden
(GID 148 11/12-2001 S.26)
·
In Italien
Mufflon nach der Dolly-Methode geklont; DNS von toten Tieren in entkernte
Eizellen von Hausschafen eingebracht; ein gesundes Junges geboren
(GID 149 Dez.2001/Jan2002 S. 35)
·
Dolly hat im
Alter von 5 ½ Jahren Gelenkentzündung (Arthritis) bekommen; selten in diesem
Alter; insgesamt gibt es weltweit mehrere Hundert geklonte Schafe, Schweine,
Kälber oder Ziegen; Wilmut: „Dolly ist in jeder anderen Hinsicht absolut
gesund. Und sie hat 6 gesunde Lämmer geboren.“; eine Vermutung: Alter (Schäden)
der geklonten Zellen mit „vererbt“; eine mögliche Folge: Auswirkungen auf
Xenotransplantation mit Nutzung der Klontechnik (vorgeschädigte Organe)
(taz 5./6.1.02)
·
2 Teams in USA
berichten über erfolgreiches Klonen von Ferkeln, bei denen ein Gen stillgelegt
wurde, das zu Abstoßungsreaktionen beim Menschen führt
(taz 4.1.02)
·
britische
Regierung hat Gesetzentwurf im Parlament eingebracht, danach drohen jedem, der
das (reproduktive) Klonen von Menschen plant, hohe Strafen
(Berliner Zeitung 23.11.2001)
·
offenbar ist es
möglich, geklonte Tiere zu erzeugen, die gesund sind und sich normal
fortpflanzen;
30 geklonte Rinder über mehrere Jahre untersucht; keine genetischen Defekte
festgestellt, Stoffwechsel und Immunsystem normal; einige Rinder haben bereits
gesunde Kälber geboren
(Berliner Zeitung 23.11.2001)
·
Zavos/US-Forscher
hat schon 3000 Anfragen von Paaren, die ein Klonbaby möchten; Kosten
gegenwärtig auf 50-60000 Dollar geschätzt, erster Versuch in 1-3 Monaten
(taz 3.12.01)
·
Gesunde
Mäuse-Klone - Reprogrammierung doch nicht fehlerhaft?
Viele Mißbildungen, die beim Klonen von Tieren durch Kerntransfer beobachtet
wurden, sind nach Ansicht japanischer Forscher nicht auf ein gestörtes
genetisches Imprinting und damit auf eine gestörte Reprogrammierung des
Spender-Erbgutes zurückzuführen. Vielmehr seien einfach für diese Zwecke
ungeeignete Zellen verwendet worden;
Versuche mit 150 Mäuseembryonen, 92% der geborenen Tiere gesund;
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 11. Januar 2002, Nr. 9 Seite 38)
·
Geklonte Rinder
entwickeln sich normal, Studie 24 Rinder bis zur Geschlechtsreife
(Berliner Zeitung vom 23.11.2001)
·
Schwedens
Regierung will die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erlaubnis des
Therapeutischen Klonens sowie zur Forschung an embryonalen Stammzellen
schaffen.
(taz 30.1.02)
·
„Die zweite
Schöpfung“
Das Ebenbild eines ausgewachsenen Lebewesens zu schaffen, gehörte lange ins
Reich der Science-Fiction;
mit Dolly war es gelungen, die Zelldifferenzierung zurückzudrehen, Säugerzellen
zu „re-programmieren“;
“Kerntransfer“ ist ein irreführender Begriff, denn in der Regel übertragen
Forscher nicht nur Kerne, sondern komplette Drüsen-, Haut-, Muskel- oder
sonstige Zellen; einschwieriges Unterfangen: es gilt, die Spenderzelle so unter
die Zona pellucida zu injizieren, dass sie in einer der beiden sichelförmigen
Ausbuchtungen festklemmt, die sich in der Eizelle nach dem Heraussaugen ihrer
ursprünglichen DNS gebildet haben; angeregt durch einen kurzen Stromstoß
verschmelzen Zytoplast und Spenderzelle binnen 10 bis 20 Minuten;
die Zellen werden vor dem Transfer in eine Art „Winterschlaf“ versetzt, indem
ihnen Nährstoff entzogen werden;
bei Rindern: nur etwa 15 bis 25 von 100 übertragenen Blastozysten entwickeln
sich zu lebenden Rindern; die große Mehrzahl endet als Fehl- oder Missgeburt;
selbst die wenigen Kreaturen, die bis zum errechneten Geburtstermin überleben,
sterben häufig nach dem ersten Atemzug;
fast alle Klontiere werden schwergewichtiger geboren als natürlich gezeugte
Artgenossen;
“Wer angesichts aller bisher vorliegenden Daten an das Klonen von Menschen
denkt, ist wahnsinnig“ (Wolf, Uni München, Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht);
bisher Lebensgeburten bei Klonen von Schaf, Kuh, Schwein, Ziege, Maus; keine
Lebendgeburten bei Kaninchen, Katze, Hund, Primaten, Mensch
(Geo 2/02 S.63ff)
·
erste geklonte
Katze geboren
(Freie Presse Chemnitz 16./17.2.02)
·
in
Großbritannien ist ab sofort therapeutisches Klonen unter strikten Auflagen
erlaubt; Sonderausschuss des Oberhauses hat zugestimmt
(taz 1.3.02)
·
auch beim
therapeutischen Klonen könnte es zu Abstoßungsreaktionen beim Empfänger kommen:
die entkernte Eizelle enthält „fremdes“ Erbgut in den Mitochondrien
(Zeit-Dokument 1/2002: Stammzellen, S.11)
·
Kühe wie Katze
beweisen es: Die Klontechnik entwickelt sich weiter. Damit könnte ein wichtiger
Einwand gegen das Menschenklonen bald bedeutungslos werden – die Warnung vor
dem horrende4n Embryonenverbrauch, vor Fehlgeburten und entsetzlichen
Missbildungen.
(Die Zeit 21.2.02 S.31)
·
in Frankreich
erstmals Kaninchen geklont
(taz 5.4.02)
·
Vermutungen um
erste menschliche Klonschwangerschaft (italienischer Arzt Antinori,
Wahrheitsgehalt umstritten)
(taz 8.4.02)
·
Singapur macht
Weg frei für therapeutisches Klonen
(taz 22.6.02)
·
Wissenschaftler
San Francisco haben seit 1999 versucht, menschliche Embryonen zur
Stammzellgewinnung zu klonen; keine eindeutigen Ergebnisse
(taz 31.5.02)
·
USA; durch therapeutisches
Klonen gewonnenes Gewebe erfolgreich Kühen eingepflanzt; Herz- und Nierengewebe
aus embryonalen Stammzellen gezüchtet; ES-Zellen durch therapeutisches Klonen
aus Hautzellen gewonnen; keine Abwehrreaktionen des Körpers gegen die
Transplantate
(Freie Presse Chemnitz 4.6.02)
·
gezeigt, dass
Entwicklungsprozesse umkehrbar bzw. reprogrammierbar sind. Damit werden
Abgrenzungen von Totipotenz und Pluripotenz unscharf, Die Technik des Klonens
ermöglicht es, Prozesse der Entstehung von Leben zu stimulieren, ohne dass eine
Verschmelzung von Ei- und Samenzelle nötig ist...
Während weitestgehende Einigkeit hinsichtlich der ethischen Verwerflichkeit des
reproduktiven Klonens besteht, gehen die Auffassungen hinsichtlich der
ethischen Verantwortbarkeit der Gewinnung von embryonalen Stammzellen durch
Klonierung auseinander...
(wenn das Ziel der Erzeugung eines Embryos gerade nicht die Hervorbringung
eines Menschen ist...)
(EKD-Texte 71: Im Geist der Liebe mit dem Leben umgehen, Argumentationshilfe
für aktuelle medizin- und bioethische Fragen, Hannover August 2002, S.9f.,
31f.)
·
Singapur:
therapeutisches Klonen zugelassen, reproduktives Klonen verboten
(GID 153, 8-9/2002 S.28)
·
Klonen bisher
erfolgreich mit Schafen, Mäusen, Kühen, Schweinen, Ziegen, Kaninchen, Katzen;
für Affen und Menschen bisher keinen wissenschaftlichen Bericht über Erzeugung
lebensfähiger Embryonen aus Körperzellen;
(bdw 9/2002 S.30)
·
für Klonkatze CC
87 Embryonen benötigt; dafür 188 Eizellhüllen mit Körperzellen verschmolzen
(GID 151 4-5/2002 S.28)
·
Wilmut
(„Schöpfer“ von DOLLY) will jetzt auch menschliche Embryozellen klonen
(Therapeutisches Klonen mit behördlicher Genehmigung, zB um Herzmuskelzellen
zur Infarkttherapie herzustellen);
betonte ausdrücklich, dass er niemals beabsichtige, Menschen zu klonen, das sei
unethisch, außerdem hätten praktisch alle von seinem Team geklonten Tiere
Gendefekte, die sich auch körperlich bemerkbar machten
(taz 14.10.02)
·
Alternative zum
Klonen?
a) herkömmliches Klonen: aus Eizelle wird Erbgut abgesaugt (haploider,
einfacher Chromosomensatz); dann wird Körperzellkern eines Spenders mit
diploidem (=doppeltem, väterlichen und mütterlichem) Chromosomensatz
eingebracht; Zellteilung wird künstlich angeregt; biologische Kopie des
Spenders der Körperzelle entwickelt sich
b) DNS wird wie bei a) aus der Eizelle entfernt, dann wird Zellkern einer
Körperzelle und eine Samenzelle zugegeben; Eizelle halbiert den Chromosomensatz
des Körperzellkerns und schleust die Hälfte der Chromosomen aus; danach
verschmilzt der „Rest“ mit dem Spermium zu einem kompletten Chromosomensatz;
teilt sich
c) DNS der Frau wird in der Eizelle belassen, zusätzlich wird Körperzellkern
zugefügt; Eizelle schleust Hälfte der Körperzell-Chromosomen aus; die andere
Hälfte verschmilzt mit den Erbinformationen der Eizelle zu einem kompletten
Chromosomensatz...;
“Haploidisierung“; hier vermischt sich das Erbmaterial zweier Personen, wodurch
wie bei der normalen Zeugung ein neuer Mensch entsteht
(Der Spiegel 37/02 S. 154ff)
·
Lizenzen für das
Klonen zur Gewinnung von ES-Zelllinien vergibt die britische Human Embryology
and Fertility Authority unter der Voraussetzung, dass
- Alternativen für das Forschungsprojekt nicht in Frage kommen
- bereits vorhandene Zelllinien dafür nicht genutzt werden können
- neu gewonnene Stammzelllinien in der staatlichen Stammzellbank deponiert
werden
(GID 152/2002 S.5)
·
in Frankreich
erstmals Kaninchen geklont
(GID 152/2002 S.27)
·
neue Klontechnik
Dänemark: Eizellen werden zunächst in zwei Hälften zerteilt, die sich schnell
wieder verschließen; mit einer Färbung wird ermittelt, in welcher Hälfte sich
der Zellkern befindet; diese wird entfernt; zwei zellkernlose Hälften werden
mit einer Zelle aus einem erwachsenen Tier unter Verwendung eines kurzen
elektrischen Stromimpulses vereinigt; Verfahren im Vergleich zur
„Dolly-Methode“ billiger und leichter zu erlernen; in Australien bereits Kalb
geboren
(GID 154/2002 S.16)
·
Jaenisch (MIT
USA): etwa 95% aller bisher geklonten Tiere sind abnorm; viel zu dick, können
nicht richtig atmen, haben Herzprobleme, leiden unter Kreislaufstörungen,
selbst Teile des Gehirns können fehlen, sterben noch im Mutterleib oder kurz
nach der Geburt
(Der Spiegel 2/03 S.88ff)
·
keine Einigung
über Klonverbot bei der UNO erzielt; Beschluss um ein Jahr vertagt; Vatikan und
USA wollten umfassendes Klonverbot; Deutschland und Frankreich wollten zunächst
nur reproduktives Klonen verbieten, therapeutisches Klonen zur Forschung mit
Stammzellen aber zulassen (letzteres wäre international eher konsensfähig
gewesen, weil viele Staaten, wie Großbritannien, Japan, China sich diese Option
offen halten wollen)
(taz 22.11.02; Die Zeit 14.11.02 S.41)
·
Raelianer-Sekte
(Wissenschaftlerin Boisselier) teilte in USA angebliche Geburt des ersten
geklonten Babys in den USA am 26.12.02 mit; Mädchen EVE, Kaiserschnitt; Sekte
will 10 geklonte Embryos eingepflanzt haben, 5 davon gingen durch Fehlgeburten
verloren, vier weitere Klon-Babys würden demnächst geboren;
in Europa nächste Geburt erwartet (Junge)
(Freie Presse Chemnitz + taz 28./29.12.02, taz 4./5.1.03)
·
drei
Menschen-Kopierer: Anfang August 2001 waren sie vor der Academy of Sciences in
Washington aufgetreten und verlacht worden: Französin Boisselier, Italiener
Antinori, US-Amerikaner Zavos, als sie erklärt hatten, im Jahr 2002 den ersten
Menschen kopieren zu wollen
(taz 30.12.02)
·
Interview mit
dem Gynäkologen und angeblichen Klonforscher Antinori
(Die Zeit 5.12.02 S.35)
·
US-Fortpflanzungsmediziner
Zavos: weltweit wetteifern 5 Forschungsteams um die Geburt des ersten
Klon-Babys; er verwende die gleichen Methoden wie beim Klonschaf Dolly;
Boisselier (Clonaid): derzeit zwei Klon-Schwangerschaften in den USA, zwei in
Asien, eine in Europa (nicht in Deutschland)
(GID 155/2002-2003 S.29)
·
gemeinsamer
Antrag der Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen und CDU/CSU präsentiert; soll
dem Bundestag zur Abstimmung vorgelegt werden; jedes Klonen mit menschlichen
Embryonen, unabhängig von der dazu genutzten Technik, ist unvereinbar mit der
Menschenwürde; es soll nicht mehr zwischen reproduktivem und therapeutischem
Klonen unterschieden werden; die Bundesregierung wird aufgefordert, sich bei
den Vereinten Nationen nun auch für ein Verbot des therapeutischen Klonens
einzusetzen
(taz 18./19.1.03)
·
Bundesregierung
will im Frühjahr internationale Konferenz einberufen; Ziel: weltweites
Klonverbot
(Freie Presse Chemnitz 11./12.1.03)
·
in Frankreich
soll reproduktives Klonen von Menschen künftig als „Verbrechen gegen die
Menschenwürde“ geächtet und schwer bestraft werden, Gesetzesvorlage der
Regierung noch in diesem Monat ins Parlament;
Drohung: bis 20 Jahre Haft, niemals verjähren lassen, in Frankreich auch
Klonverbrechen strafbar, die außerhalb des Landes begangen werden
(taz 11./12.1.03)
·
Klonverbot (z.B.
im deutschen Embryonenschutzgesetz) schützt nicht den Klon, sondern gebietet es,
verboten geklonte Embryonen absterben zu lassen; wer Klonen verbieten will,
gebietet, dass der Zufall die Fortpflanzung bestimmt; wer absoluten
Lebensschutz für jeden einzelnen Embryo fordert, müsste konsequenterweise gegen
totales Klonverbot sein
(taz 18./19.1.03)
·
Stanford-Universität
USA kündigt an, embryonale Stammzellen zu klonen; von Spender mit 12 Mill.
Dollar unterstützt; Krebs- und Stammzellforschung; das Schaffen menschlicher
Stammzelllinien sei nicht das Gleiche wie Klonen
(Freie Presse Chemnitz 12.12.02)
·
In Europa
besteht ein solches Verbot bereits seit fünf Jahren: Am 12. Januar 1998 hatten
19 der damals 40 Mitgliedsländer des Europarats ein entsprechendes
Zusatzprotokoll zur Bioethik- Konvention (Europäische Konvention über
Menschenrechte und Biomedizin) unterzeichnet. Es ist das weltweit erste
völkerrechtlich verbindliche Abkommen über das Verbot des Klonens von Menschen.
Deutschland gehört bislang nicht zu
den Unterzeichnern, weil es die gesamte Bioethik-Konvention als unzureichend
kritisiert. Das Embryonenschutzgesetz stellt aber hier zu Lande jede Form des
Klonens von Menschen unter Strafe.
Das Zusatzprotokoll zur
Bioethik-Konvention verbietet „jeden Eingriff, der darauf gerichtet ist, ein
menschliches Lebewesen zu erzeugen, das mit einem anderen lebenden oder toten
menschlichen Lebewesen genetisch identisch ist“. Es lässt keine Ausnahme zu,
unterscheidet allerdings zwischen dem reproduktiven Klonen zur Fortpflanzung
und dem so genannten therapeutischen Klonen für medizinische Vorhaben. Bei
letzterem werden durch Klonen Embryonen erzeugt, die für Behandlungszwecke
nutzbare Zellen liefern, aber nicht zu einem ganzen Menschen heranwachsen.
Das am 1. März 2001 in Kraft getretene Protokoll haben bislang 29 der derzeit
44 Europaratsmitglieder unterzeichnet und 10 von ihnen ratifiziert
(AOL-Newsbote, 09.01.03)
·
Bundestag
spricht sich mit großer Mehrheit dafür aus, weltweit sowohl das reproduktive
als auch das therapeutische Klonen zu verbieten; Bundesregierung soll gemeinsam
mit Frankreich bei der UNO aktiv werden
(taz 21.2.03)
·
Dolly
eingeschläfert; 5.7.96 geboren; brachte sechs gesunde Lämmer zur Welt; Mai 1999
Feststellung: verkürzte Telomere (Endstücke der Chromosomen); Anfang 2002
Arthritis; jetzt fortschreitende Lungenkrankheit bekommen
(Spiegel 8/2003 S. 124, taz 17.2.03)
·
angeblich Ende
Januar in China Klonbaby geboren, durch chinesische Ärztin, Angaben von
Antinori
(Freie Presse Chemnitz 17.2.03)
·
Raelianer: eine
Japanerin habe das dritte geklonte Baby zur Welt gebracht
(taz 24.1.03)
·
Australien
erstes Klonschaf knapp drei Jahre nach seiner Geburt unerwartet gestorben
(taz 8./9.2.03)
·
neuseeländische
Forscher haben Rinderzellen erst im Labor gentechnisch verändert, sodass sie
mehr Kasein in der Milch produzieren, 11 Embryonen wurden geklont, neun Tiere
mit der neuen Eigenschaft wurden geboren
(taz 28.1.03)
·
Klone sind keine
perfekten Kopien; zwar haben Klone miteinander alle Gene in ihren Zellkernen
gemein, doch aus seinen Genen macht offenbar jedes Individuum etwas anderes;
genidentische Tire haben verschiedene Fellfarben, unterschiedliches Verhalten;
Klonen ist eine Form der Reproduktion, keine Wiederauferstehung; viele
Eigenschaften werden im Mutterleib festgelegt (Lage in der Gebärmutter,
Nährstoffversorgung, Wanderung von Zellen), Umwelt prägt den Organismus schon
vor der Geburt
(Der Spiegel 13/2003 S.190f)
·
Wilmut: Klonen
bei Tieren geringe Effizienz, 1-2% der erzeugten Embryonen werden geboren,
einige sterben anschließend;
die Effizienz ist bei Verwendung von Zellkernen aus Fibroblasten und
embryonalen Stammzellen noch am höchsten, weil die DNS in diesen Zellen noch
wenig differenziert bzw. am leichtesten in das totipotente Stadium
zurückzutransformieren ist;
Ursachen für geringe Effizienz: Veränderungen in der Genregulierung (Imprinting,
Methylierungsmuster), Verkürzung der Telomere, Übertragung somatischer
Mutationen
(GID 157 April/Mai 2003, S.3f)
·
574 Versuche
durchgeführt, um Rhesusaffen nach der Dolly-Methode zu klonen; 33 Embryonen
eingepflanzt, keine Schwangerschaft erzielt; Ursache: Chromosomen werden nicht
gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt;
(Berliner Zeitung, 11.04.2003)
·
Maria Böhmer
MdB:
das therapeutische Klonen sehe ich bisher als Grundlagenforschung an und
spreche daher lieber vom Forschungsklonen
(Die Zeit 8.5.03 S.27)
·
US-Universität:
716 Versuche, um Rhesusaffen zu klonen; kein Erfolg (die Chromosomen ordnen
sich nicht richtig an); damit könnte sich auch mit menschlichen Zellen das
therapeutische Klonen als schwierig erweisen und das reproduktive Klonen als
unmöglich
(Die Zeit 16.4.03 S.31)
·
erste Kuh in
Afrika geklont (Südafrika); Ohrzellen der ergiebigsten Milchkuh Südafrikas (78
Liter pro Tag)
(taz 9.5.03)
·
Peter Gruss
(Präsident der Max-Planck-Gesellschaft): Klone – Traum oder Alptraum? Wir
wollen keine Menschen kopieren;
interessanter Übersichtsartikel in der FAZ 14.5.03 S. N1;
Dolly: der Kern einer Euterzelle wurde durch die Zellflüssigkeit einer Eizelle
so reprogrammiert, dass ein vollständiger Organismus entstehen konnte, die
Körperzelle konnte in den Zustand der größten Potenzialität, der Totipotenz,
zurückgeführt werden;
Dass die Reprogrammierung jedoch nur in Ausnahmefällen vollständig und
ausreichend gelingt, zeigt die geringe Erfolgsrate bei Klonierungsversuchen,
das Spektrum der Schäden reicht von „large offspring Syndrom“, einer Übergröße
bei Embryonen oder Föten, bis zu Lungenentzündung, Kreislaufkollaps, Fettsucht,
Arthritis, Krebs und Lebernekrose bei geborenen Tieren;
bevor die Steuerungsprozesse nicht bekannt sind, die den Körperzellkern
umprogrammieren, können schädliche Effekte... auch beim „therapeutischen
Klonen“ nicht ausgeschlossen werden;
die Weltgesundheitsorganisation hat 1997 eine Resolution verabschiedet, die das
Klonen zur Replikation menschlicher Individuen als ethisch nicht akzeptabel erklärt;
(FAZ 14.5.03 S. N1)
·
erfolgreiche
Klonierung eines südostasiatischen Wildrinds; Zellkerne eines 1980 verstorbenen
Bateng-Rinds, die eingefroren waren, wurden in gewöhnliche Kuheizellen
eingeführt; Embryonen wurden 30 Kühen eingepflanzt, 16 Schwangerschaften, zwei
Geburten (1 wegen Übergewicht eingeschläfert)
(GID 158 6/7-2003 S.21)
·
"Mit den
gegenwärtigen Methoden ist das Klonen ein Lotteriespiel", sagte Harry
Griffin, Roslin-Forscher und Kollege des Dolly-Schöpfers Ian Wilmut. Laut
Griffin schafften es nur 1 bis 2 Prozent der geklonten Tierembryos, das Licht
der Welt zu erblicken. Dabei spielt es durchaus eine Rolle, welcher Art das
Tier angehört. So sprach Eckhard Wolf, Leiter des Lehrstuhls für Molekulare
Tierzucht und Biotechnologie am Münchner Genzentrum und Vater des Klonkalbs
Uschi, bei Rindern von einer Erfolgsquote zwischen 10 und 25 Prozent. Oft sind
die angeblich identischen Klon-Kreationen schon mit bloßem Auge zu
unterscheiden. Copycat zum Beispiel hat fast nichts mit ihrem genetischen Double
gemein. Ihr Fell ist grau und weiß gescheckt, das Original hat ein
goldbraun-weißes Fell. Und auch beim Verhalten gibt es Unterschiede.
Experimente mit Schweinen zeigten, dass geklonte Ferkel durchaus
verschiedenartig agieren. Woher kommen all diese Unterschiede? "Die
Ursache hierfür liegt in der Genaktivität", sagte Griffin. Ob Gene an-
oder abgeschaltet sind, regulieren unter anderem winzige chemische Gruppen, die
sich an das Erbgut heften. Diese so genannten Methylgruppen inaktivieren die Gene.
In der Erbsubstanz von natürlich gezeugten Embryonen sind andere Gene
methyliert und damit abgeschaltet als in der DNA der Klone. Heiner Niemann vom
Institut für Tierzucht und Tierverhalten in Neustadt, Mariensee, präsentierte
in Berlin Ergebnisse, wonach bei jungen geklonten Embryonen ein Gen, das das
Wachstum reguliert, inaktiv war. Bei natürlich gezeugten Embryonen ist dieses
Gen angeschaltet. Dies könne eine Ursache für die teils abnormal großen
Klontiere sein, sagte Niemann. Einen weiteren Grund für die Verschiedenartigkeit
sieht Wolf in der Ausstattung der Eizelle, in die die DNA des Originals
eingebracht wird. Zwar befreien die Klonkünstler die Eizelle vor dem
Kerntransfer von deren Erbgut. Die so genannten Mitochondrien bleiben jedoch in
den Eizellen. Mitochondrien aber besitzen ein eigenes Erbgut. Auf diese Weise
könne die Eizelle über die Eigenarten des Klontiers mitbestimmen, sagte
Wolf. Große Bedeutung haben diese
Ergebnisse (das Fehlschlagen des Klonens bei Rhesusaffen) auch für menschliche
Klonversuche. Da die Eizellen der Rhesusaffen den menschlichen gleichen, halten
es Experten wie Wolf für wahrscheinlich, dass mit der jetzigen Technik kein
Menschenklon erschaffen werden kann. Allerdings warnt Wolf davor, sich in der
Diskussion um die Reproduktion des Menschen auf technische Hürden zu verlassen.
"700 Affeneier sind nicht wenige", sagte er. Aber im Vergleich zu der
Anzahl von Eiern, die verbraucht wurden, bis die ersten Klontiere auf der Welt
waren, seien es auch nicht viele. "Ich will nicht ausschließen, dass
Klonen beim Menschen irgendwann funktioniert." Eine mögliche Methode
lieferte Wolf gleich mit: Man könne das Erbgut des Originals zuerst in die
Eizelle einbringen, die Zelle danach zur Teilung anregen und erst dann die
Eizellen-DNA entfernen.
(Berliner Zeitung, 19.05.03
·
erstes geklontes Pferd in Italien geboren;
Hautzelle einer Haflingerstute, die dann auch das geklonte Fohlen austrug
(genetischer Zwilling);
unreife Eizellen im Labor gereift, 22 Embryonen, vier Schwangerschaften;
damit bisher 9 Säugetierarten geklont
(taz 7.8.03; Berliner Zeitung 07.08.03
·
ausgestorbener
Pyrenäen-Steinbock ließ sich nicht klonen;
Versuche mit 300 Embryonen; Bergziegen als Leihmütter; zwei waren
trächtig geworden, Fehlgeburten
(taz 8.7.03)
·
Japan: vor 5
Jahren weltweit erstmals Rinder geklont; bis Februar 2003 336 Klonrinder;
Regierung hofft auf Deklaration der Unbedenklichkeit für den menschlichen
Verzehr; besonders begehrte Spitzenrinder (rot-weiß marmoriertes Fleisch; bis
360000 Euro pro Kuh)
(Der Spiegel 23/2003 S.174)
·
Dolly wurde
eingeschläfert wegen Tumor in der Lunge (war aber durch Virus ausgelöst)
(Bild der Wissenschaft 5/2003 S.106)
·
Dolly ist
offenbar nicht an Spätfolgen des Klonens gestorben, sondern an einem Virus, das
Lungentumore verursacht
(Die Zeit 25.9.03 S. 35)
·
in Italien
erstes Pferde-Fohlen geklont; in über 500 Eizellen neuen Zellkern eingefügt,
vier Schwangerschaften
(GID 160 Okt/Nov2003 S.18)
·
erstmals
gelungen, Ratten im Fötenstadium zu klonen; von 129 geklonten Embryonen drei geboren; wichtig wegen der Eignung von
Ratten als Versuchsmodelle
(GID 160 Okt/Nov2003 S.26)
·
Generalversammlung
der UN verschiebt Entscheidung zu Verbot des Klonens von Menschen um 2 Jahre
bis 2005;
(New Scientist UK 7.11.2003)
·
Korea: erstmals
Stammzell-Linie durch therapeutisches Klonen gewonnen:
242 Eizellen (von 16 Spenderinnen) entkernt; Zellkerne aus Körperzellen
(Eierstockzellen) der gleichen Spenderinnen eingesetzt; 30 entwickeln sich zu
Blastozysten (5 Tage alt; 200 Zellen); daraus 20 Stammzellkulturen angelegt;
eine Linie geeignet zur Züchtung verschiedener Zelltypen;
wenn Ei-Zelle und Zellkern von verschiedenen Frauen stammen: zwar Blastozysten,
aber keine Stammzellen; bei Verwendung von männlichen Zellkernen nicht einmal
Blastozysten entwickelt;
da die erfolgreich hergestellten Stammzellen nur das Erbgut einer einzelnen
Person enthalten, würde sie vermutlich nicht abgestoßen, wenn man sie in deren
Körper einpflanzte
(Die Zeit 19.2.04 S.34; Freie Presse Chemnitz 13.2.04; Spiegel 8/04 S.120;
Mitteilung R. Knüppel für AGU März 2004; taz 13.2.04)
2005: FÄLSCHUNG!!!
·
Zusatzprotokoll
zum Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im
Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin (Europarat):
Zusatzprotokoll über das Verbot des Klonens von menschlichen Lebewesen:
Artikel 1:
“Verboten ist jede Intervention, die darauf gerichtet ist, ein menschliches
Lebewesen zu erzeugen, das mit einem anderen lebenden oder toten menschlichen
Lebewesen genetisch identisch ist. Im Sinne dieses Artikels bedeutet der
Ausdruck „menschliches Lebewesen, das mit keinem anderen menschlichen Lebewesen
genetisch identisch ist“, ein menschliches Lebewesen, das mit einem anderen
menschlichen Lebewesen dasselbe Kerngenom gemeinsam hat.“
(Bundeszentrale für Politische Bildung: Gentechnik, 1999, S.104)
·
Chinesin klonte
im Sommer 2003 einen menschlichen Embryo, verwendete aber nicht eine
menschliche Eizelle, sondern die eines Kaninchens; der Embryo, ein Mischwesen
aus Mensch und Hasentier, teilte sich bis ins Blastozystenstadium; dann gelang
es, Stammzellen zu entnehmen; ....
menschliche Eizelle enthält mütterliche Mitochondrien – das könnte beim
therapeutischen Klonen dazu führen, dass dieses „fremde“ Erbmaterial doch vom
Immunsystem bekämpft werden könnte
(Spiegel 8/04 S.120)
·
Wilmut (Erzeuger
von DOLLY) will therapeutisches Klonen für die Nervenkrankheit Amyotrophe
Lateralsklerose (ALS) versuchen;
als Lösung für die Eizellenknappheit spricht er sich dafür aus, Eizellen von
Kühen zu verwenden
(GID 163/2004 S.29)
·
Schöler als
Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin in Münster
eingeführt;
Plädoyer für „therapeutisches Klonen“;
von dem moralisch untragbaren reproduktiven Klonen trennen; therap. Klonen muss
nicht zwangsläufig der Weg zum repr. Klonen sein; seine Versuche haben gezeigt,
dass (bei Mäusen) einzelne geklonte Zellen ihr genetisches Material fehlerhaft
reprogrammieren (Oct4-Gen, wichtig für Pluripotenz); bei der Addition von 2-3
Mäuseembryonen im Vierzellstadium wesentlich bessere Aktivierung dieses Gens
und anderer wichtiger Gene; wenn nur durch solche extremen Kunstgriffe das
(repr.) Klonen möglich wird, kann man auch sichere biol. Schranken aufbauen,
sodass die Gewinnung von embryonalen Stammzellen möglich wird, aber die
Weiterentwicklung des Embryos blockiert wird;
auch Nährmedium spielt wichtige Rolle: auch darüber könnte man steuern, dass
der Embryo realistische Entwicklungschancen nur bis zum Stadium der Blastozyste
besitzt
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 7.4.04 S.N1)
·
Wilmut
(“Schöpfer“ von Dolly) will mit seinem Klonverfahren Embryonen mit dem Erbgut
von Patienten mit der degenerativen Nervenkrankheit ALS (Amytrophe
Lateralsklerose) herstellen, um daraus embryonale Stammzellen zu gewinnen und
daran die Krankheitsursachen zu untersuchen;
“das Klonen verspricht einen so großen Nutzen, dass es unmoralisch wäre, es
nicht zu nutzen“;
als Lösung für die Eizellenknappheit beim therapeutischen Klonen spricht er
sich dafür aus, Eizellen von Kühen zu verwenden
(GID 163/2004 S.28)
·
Frankreich
verbietet explizit das reproduktive Klonen (als Verbrechen gegen die
menschliche Gattung eingestuft)
(taz 10./11.7.04)
·
Im
US-Bundesstaat Florida wurde nach der Geburt des Schafes Dolly jegliche Art des
Klonens irgendeines Lebewesens verboten, bis jemand darauf hinwies, dass solch
ein Verbot eine quietschende Vollbremsung sämtlicher medizinischer Forschung
mit Zellkulturen, ja selbst landwirtschaftlicher Experimente bedeuten würde
(Die Zeit 6.5.04 S.16)
·
USA: Klon eines
preisgekrönten Bullen erneut erfolgreich geklont (bereits vor 4 Jahren); bisher
war das serielle Klonen nur bei Mäusen geglückt
(taz 25.5.04; GID 164/2004 S.34)
·
schon bald nach
der Geburt wurde in Dollys Erbgut verkürzte Telomere entdeckt; just diese
Schutzkappen an den Enden der Chromosomen gelten als Gradmesser für die
Lebenserwartung; also Beweis der Lebenszeitverkürzung durch das Klonverfahren a
la Dolly?
zwei deutsche Forscher haben überprüft, wie sich verschiedene Erzeugungswege
bei Säugetieren auf die Telomerlänge auswirken; gleichgültig, ob Mäuse oder
Rinder auf natürliche Weise, durch künstliche Befruchtung im Reagenzglas (IVF)
durch Klonen aus fötalen oder erwachsenen Zellen entstanden sind – die
Telomerlängen der Tiere sind gleich; Dollys verkürzte Telomere waren offenbar
die Ausnahmen, nicht die Regel; das Enzym Telomerase stellt die Lebensuhr zu
einem präzisen Zeitpunkt wieder auf Start, und zwar dann, wenn der Embryo in
die so genannte Blastozyste übergeht; dann bringt die Telomerase die Telomere
auf eine Standardlänge für das spätere Leben (auch bei den deutlich verkürzten
Telomeren nach dem Klonen aus alten Zellen);
Dolly starb an einer in Schottland bekannten Schafkrankheit (Virusinfektion,
Lungenentzündung, Antibiotikabehandlung nicht möglich, durch Viren verursachte
Tumore in der Lunge, eingeschläfert)
“Das zelluläre Programm, das die „Lebensuhr“ eines Menschen bei der Geburt
zurückstellt, soll auch beim Klonen funktionieren.“
(Die Zeit 19.5.04 S.36; GID 164/2004 S.30)
·
Der Wert des
Klonens – eine Warnung vor übereilten Verdikten
Drei Gründe für Ablehnung des therapeutischen Klonens oft genannt:
1. für jeden Patienten müssten eigene embryonale Stammzellen neu hergestellt
werden – das ist aber gerade der Grund, weshalb die Methode erforscht wird, um
an Ersatzzellen heranzukommen, die genetisch mit den Zellen des Patienten
übereinstimmen;
2. Notwendigkeit der Eizellspende – es könnte sein, dass das in Zukunft nicht
erforderlich ist ( a) Zellkern einer
Patientenzelle in pluripotente Stammzelle implantieren, um daraus vielleicht
leichter gewünschte Zellart zu züchten; b) Eizellen aus Stammzellen herstellen)
3. therapeutisches Klonen eröffnet den Weg zur Erzeugung geklonter Menschen –
lässt sich biologisch und juristisch klar umgrenzen; eine versehentliche Einpflanzung
einer Blastozyste in die Gebärmutter (Voraussetzung für jede Weiterentwicklung
zum Menschen) kann es nicht geben; ist schon heute in Deutschland und in Korea
eine Straftat
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.3.04 S.39; Detlev Ganten)
·
Wir verwenden
... die Begriffe „Forschungsklonen“ und „Fortpflanzungsklonen“ statt der
eingeführten Begriffe „therapeutisches Klonen“ und „reproduktives Klonen“, um
nicht den Eindruck zu erwecken, als ginge es heute schon um entwickelte
therapeutische Optionen.;
weltweit besteht unter seriösen Wissenschaftlern Einigkeit darüber, dass das
Fortpflanzungsklonen zumindest auf der Basis des heutigen Forschungsstands
nicht vertretbar ist ...
aber wenn sich die Erfolgsquoten entscheidend verbessern ließen, die
Entwicklung der geklonten Babys sich besser kontrollieren ließen, die Risiken
erheblich vermidert werden könnten ...?
Die Argumente gegen das Fortpflanzungs-Klonen müssen schon grundsätzlicher
Natur sein ...
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu: Das Parlament, B23-24/2004 S.23)
·
Londoner
Naturgeschichtemuseum beginnt, Erbgut und Gewebeproben von Tieren einzufrieren,
die in der Wildnis als ausgestorben gelten; jeweils Pärchen werden „gerettet“;
Duplikate gehen an zwei weitere Institute (USA, Australien); eines Tages sollen
die Tiere per Klontechnik wieder entstehen
(Der Spiegel 32/2004 S.114)
·
Meinungsbildung im Nationalen Ethikrat in
Deutschland:
Klonen zu Fortpflanzungszwecken und Klonen zu biomedizinischen
Forschungszwecken (Stellungnahme 13.9.2004)
a) Klonen zu Fortpflanzungszwecken:
Votum: „Der NER spricht
sich einstimmig für ein weltweites Verbot des Klonens von Menschen zu Fortpflanzungszwecken
... aus. Ebenso einmütig ist der NER der Auffassung, dass das Klonen von
Menschen zu Fortpflanzungszwecken nicht nur mit Rücksicht auf den
gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Forschung, sondern unbedingt abgelehnt
werden muss.“
Argumente (Auswahl):
·
Beim Klonen zu
Fortpflanzungszwecken wird die genetische Ausstattung absichtlich von Dritten
so festgelegt, dass sie mit derjenigen eines bereits lebenden oder verstorbenen
Menschen identisch ist. Damit verstößt das Fortpflanzungsklonen gegen das
Selbstverständnis und die grundlegenden Werte einer Gesellschaft, die sich auf
die Achtung der Unverfügbarkeit jedes Menschen gründet.
·
Wenn
Fortpflanzungsklonen von dem Ziel bestimmt wird, Menschen herzustellen, die den
Vorstellungen und Erwartungen ihrer „Produzenten“ entsprechen ... kommt es zu
einer mit dem Respekt vor der Menschenwürde unvereinbaren Instrumentalisierung.
·
Klonen zu
Fortpflanzungszwecken ist mit dem Bestreben verbunden, das Kopieren vorhandener
Genome zu nutzen, um Menschen mit bestimmten gewünschten genetischen
Eigenschaften auszustatten. Gefördert und verwirklicht wird damit der Versuch
einer positiven Eugenik.
·
Klonen zu
Fortpflanzungszwecken verletzt mit der absichtlichen Festlegung der genetischen
Ausstattung den Respekt vor der freien Entfaltung der Persönlichkeit und der
Selbstbestimmung des Einzelnen. Diese müssen schon zu einem Zeitpunkt gesichert
sein, zu dem die Ausübung der Selbstbestimmung noch nicht möglich ist.
·
Fortpflanzungsklonen
verletzt die im menschlichen Selbstverständnis verankerte Vorstellung davon,
wie Menschen entstehen sollen.
·
Fortpflanzungsklonen
führt zur Auflösung bislang selbstverständlicher Verwandtschafts- und
Generationenverhältnisse. Beziehungen mit zentraler Bedeutung für die soziale
Identifikation werden so unklar.
·
Klonexperimente
... unter den gegenwärtigen Bedingungen ... hoher Verbrauch an Eizellen;
gesundheitliches Risiko für Frauen, Gefahr von Instrumentalisierung und
Kommerzialisierung
·
Fortpflanzungsklonen
im Tierversuch bisher mit hohem Risiko schwerster Gesundheitsschäden und
Fehlbildungen verbunden; hohe Rate an Fehlgeburten
·
zumindest in der
Forschungsphase wären Menschenversuch unumgänglich
b) Klonen zu Zwecken der
biomedizinischen Forschung:
Votum A): Beibehaltung
des Verbots des Forschungsklonens (5 Unterzeichner)
Votum B): Begrenzte
Zulassung des Forschungsklonens (12 Unterzeichner)
Votum C): Verbot des
Forschungsklonens zum gegenwärtigen Zeitpunkt (5 Unterzeichner)
Gemeinsame Empfehlung zum
Forschungsklonen:
„Der
Nationale Ethikrat verständigt sich – unbeschadet der dargestellten
divergierenden Voten – auf die Empfehlung, das Forschungsklonen in Deutschland
gegenwärtig nicht zuzulassen.“
·
Klonen:
Definition: Ein Klon ist eine
Kolonie genetisch einheitlicher Zellen oder Organismen, die sich von einer
einzigen Zelle herleiten (Fortpflanzung ohne Befruchtung).
Unter dem Vorgang des Klonens versteht man im wissenschaftlichen Sprachgebrauch
die ungeschlechtliche Vermehrung von Zellen oder Organismen, wobei genetisch
identische Individuen (also mehrere Zellen bzw. Lebewesen mit der gleichen
Ausstattung an Erbgut) entstehen.
·
Reproduktives Klonen
Definition: Als Klonen zu
Fortpflanzungszwecken – auch „reproduktives“ Klonen genannt – bezeichnet man
ein Verfahren, das letztlich auf die Herbeiführung einer Schwangerschaft und
die Geburt eines Kindes gerichtet ist, dessen Erbgut mit dem eines Spenders
identisch ist.
·
Therapeutisches Klonen
Definition: Als Klonen zu
biomedizinischen Forschungszwecken – auch „therapeutisches“ oder
„experimentelles“ Klonen genannt – wird ein Verfahren bezeichnet, bei dem nicht
die Herbeiführung einer Schwangerschaft angestrebt wird, sondern die
Herstellung einer Blastozyste (ein Stadium in der Entwicklung eines Embryos),
aus der etwa am vierten Tag „embryonale Stammzellen“ für Forschungszwecke oder
für Therapieversuche entnommen werden.
·
Großbritannien:
Behörden haben erstmals Wissenschaftlern das Klonen menschlicher Embryonen zu
Forschungszwecken erlaubt (Diabetesforschung); therapeutisches Klonen war schon
seit 2001 erlaubt;
der Forscher mit der Klon-Lizenz kommt von der Universität München
(Freie Presse Chemnitz , taz 12.8.04; Der Spiegel 34/2004 S.17)
·
Wissenschaftler
der Harvard University USA wollen landesweit als erste durch Forschungsklonen
menschliche Stammzellen herstellen (private Forschungseinrichtungen sind von
dem Verbot der Förderung solcher Forschung durch die Bush-Regierung nicht
betroffen)
(taz 22.10.04)
·
Verhandlungen
der UNO zu einer vertraglichen Regelung eines Klonverbots sind gescheitert;
Rechtsausschuss verabschiedete stattdessen einen Vorschlag für eine nicht
bindende Deklaration (einzelne Staaten werden aufgefordert, mit Gesetzen auf
nationaler Ebene jede Form der Forschung an der Reproduktion von menschlichem
Leben durch Klonen zu verbieten); zwar waren sich die 191 UN-Mitgliedsstaaten
in ihrer Ablehnung des reproduktiven Klonens einig, unüberbrückbare
Unterschiede gab es aber zum therapeutischen Klonen;
(taz 22.11.04, FP 20./21.11.04, Die Welt 22.11.04)
·
Argentinien; in
Kuhzellen das menschliche Gen für Wachstumshormon eingeführt; aus den Zellen
Kuh geklont; produzieren in ihrer Milch menschliches Wachstumshormon; 15 dieser
Tiere könnten den weltweiten Hormonbedarf decken; Wachstumshormon früher aus
Leichen gewonnen, derzeit aufwändig in Bakterienkulturen hergestellt;
pro Liter Milch 5 Gramm des Hormons;
(taz 7.1.05; GID 168/2005 S.33)
·
USA erstmals ein
auf Bestellung geklontes Heimtier verkauft worden: 9 Wochen alter Kater für
50.000 Dollar; geklont aus einer Katze (Geschlecht? wohl auch ein Kater - JK),
die nach 17 Jahren gestorben war
(taz 24./25.12.04)
·
Erzeuger des
Klonschafs Dolly (Wilmut) darf jetzt auch menschliche Embryonen klonen;
Aufsichtsbehörde erteilte Erlaubnis; W. will durch therapeutisches Klonen die
seltene Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose erforschen
(Freie Presse Chemnitz 9.2.05)
·
Forscher in
Südkorea dürfen offiziell (neues Bioethikgesetz) embryonale Stammzellen
herstellen und daran forschen
(taz 14.1.05)
·
UNO; eine von
den USA forcierte Empfehlung gegen das Klonen von Menschen durchgesetzt;
Regierungen werden weltweit aufgefordert, alle Formen des menschlichen Klonens
zu untersagen; auch therapeutisches Klonen soll damit verboten werden; die
Empfehlung ist unverbindlich
(taz 21.2.05)
·
Frankreich Gesetz: Klonen Verbrechen gegen die Menschheit; auch
therapeutisches Klonen verboten
(GID 165/2004 S.43)
·
Beratungsgremium in Japan empfiehlt Zulassung für therapeutisches Klonen
(GID 165/2004 S.35)
·
Buchbesprechung
Kolata: Das geklonte Leben; der aus Dänemark stammende Reproduktionstechniker
Stehen Willadsen habe, lange bevor das Schaf Dolly entstand, schon Rinder
geklont, hat es nicht publiziert, aber Zeugen bestätigen es; es könnten schon
Menschen geklont worden sein, unbeabsichtigt; bei ICSI werden bewegungsunfähige
Spermien gezielt in Eizellen eingebracht; wenn aber fälschlicherweise eine sehr
ähnliche Körperzelle injiziert wird, könnte das Ei seinen eigenen Zellkern
ausstoßen, und dann wüchse ein Embryo heran, der rein väterliches Erbgut trägt,
ein Klon!
(Die Zeit 15.1.1998)
·
UN-Vollversammlung
hat Regierungen weltweit zu einem vollständigen Klonverbot aufgefordert,
allerdings handelt es sich um eine nicht bindende Deklaration
(taz 9.3.05)
·
britische
Kliniken bieten bis zu 1400 Euro an rumänische Frauen für eine Eizellenspende;
EU-Parlament will Resolution verabschieden, die Kommission und Mitgliedsstaaten
auffordert, dagegen vorzugehen
(taz 9.3.05)
·
in England
erstmals in Europa menschliche Embryonen geklont; 11 Frauen Eizellen entfernt,
den Eizellen DNA aus den Stammzellen eines Embryos eingepflanzt; 3 Embryos
überlebten im Labor 3 Tage, einer 5 Tage
(Freie Presse Chemnitz 21./22.5.05)
·
Südkorea:
Tiermediziner Hwang: Menschen sollen mit dieser Methode nicht geklont werden,
muss verboten werden!; 11 Stammzell-Linien erzeugt; geklont aus Haut-Zellen von
Patienten (männlich, weiblich, zwischen 2 und 56 Jahren alt); 9
Querschnittsgelähmte, 1 x Diabetes, 1x angeborene Immunschwäche; erfolgreich
nur bei Eizellen, deren Spenderinnen jünger als 30 Jahre waren; vor einem Jahr:
aus 242 Eizellen + Erbmaterial aus Körper-Zellen der Spenderinnen 1 Embryo
erzeugt; diesmal aus 185 Eizellen durchschnittlich 17 Eizellen für eine
Stammzell-Linie; wenigstens 10 Jahre werde es noch dauern, bis das
„therapeutische Klonen“ dem ersten Patienten zugute kommen könnte ...
Zellen enthalten wahrscheinlich dieselben genetischen Defekte wie die Patienten
mit Erbkrankheiten und sind daher nicht direkt zur Heilung einsetzbar
(taz 20.5.05; 21./22.5.05)
2005: FÄLSCHUNG!!!
·
südkoreanische
Stammzelllinien nicht auf tierischen, sondern auf menschlichen Nährzellen
gezüchtet
(Berliner Zeitung 20. Mai 2005)
·
EKD:
Klonversuche in Südkorea und Großbritannien ethisch nicht akzeptabel
(Der Sonntag 29.5.05)
·
Chronik des
Klonens und der Forschung mit embryonalen Stammzellen bei Tieren und Menschen
(Die Zeit 25.5.05 S.30)
|
Jahr |
Art |
Ereignis – Details |
Kommentar |
|
1902 |
Salamander |
Spemann: Klonen durch Teilung
(Abschnürung) eines Embryos |
|
|
1952 |
Frosch |
Briggs und King: Übertragen von
Zellkernen aus Embryonen in entkernte Eizellen |
aus 104 Versuchen 27 Kaulquappen,
kein Frosch |
|
1986 |
Schaf, Rind |
Willadsen: überträgt Zellkern aus in
entkernte Eizelle; Lamm geboren; später auch Kälber |
Erbgut aus embryonalen Zellen |
|
1994 |
Mensch |
Hall: Klonen durch Zerteilen
menschlicher Embryonen |
nicht entwicklungsfähige Embryonen;
Produkte zerstört |
|
1996 |
Schaf |
Wilmut: Klonschaf DOLLY aus Euterzellen |
277 Eizellen; 1 erfolgreich geklontes
Exemplar |
|
1997 |
Schaf |
Wilmut: geklontes Schaf POLLY,
vorher Erbgut verändert |
(Ziel: menschliches Gen zur
Arzneimittelgewinnung) |
|
1997 |
Mensch |
Thomson: erfolgreiche Züch-tung
menschlicher embryonaler Stammzellen im Labor |
aus „überzähligen“ |
|
1998 |
Maus, Rind |
USA: Klonkalb; Klonmäuse |
„Dolly-Methode“ funktioniert |
|
1999 |
Maus |
Brüstle: nervengeschädigte Mäuse mit
embryonalen Maus-Stammzellen geheilt |
|
|
2002 |
Mensch |
Deutscher Bundestag erlaubt Import
menschlicher embryonaler Stammzellen |
Bedingung: Gewinnung der Zellen vor
dem 1.1.2002 |
|
2003 |
Mensch |
Thomson: gezieltes Aus-schalten oder
Ersetzen kranker Gene in menschlichen ES-Zellen |
|
|
2003 |
Maus |
Schöler: aus ES-Zellen von Mäusen
Eizellen gezüchtet |
evtl. später Eizellspenden nicht
mehr nötig |
|
2004 |
Mensch |
Hwang Woo Suk: Gewinnung
menschlicher ES-Zellen aus geklontem Embryo |
242 Eizellen, Zellkerne aus
Hautzellen der Eizellspenderinnen, 1 stabile Zell-Linie |
|
2005 |
Mensch |
Hwang Woo Suk: ES-Zellen aus geklonten
Embryonen |
Erbgut aus Hautzellen von Patienten;
185 Eizellen, 11 stabile Zell-Linien (Spenderinnen < 30 Jahre) |
|
2005 |
Primaten |
bisher konnte kein Affe geklont
werden |
grundsätzliche Schwierigkeit auch
beim Men-schen? |
·
erstmals haben Klone von Wildtieren gesunde Junge zur Welt
gebracht (2 Wildkatzen, 8 Junge, auch der Vater ist ein Klon); Potenzial, vom
Aussterben bedrohte Tierarten zu retten; auch Experimente wie in „Jurassic
Park“, in dem längst ausgestorbene Tiere wieder zum Leben erweckt wurden,,
halten Experten inzwischen grundsätzlich für möglich;
(taz 23.8.05,)
·
Paläogenetik; Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare
Genetik: Jurassic Park vorerst Science-Fiction, theoretisch sei nun aber die
Neuerschaffung ausgestorbener Kreaturen immerhin vorstellbar;
DNA-Moleküle überdauern bestenfalls 60.000 Jahre in versteinerten Knochen;
aber die Urgene stecken noch immer in jedem neuzeitlichen Genom;
durch Vergleiche mit heute lebenden Arten das Urgenom (des ersten echten
Säugers Eomalia) errechnen; dann große Abschnitte chemisch synthetisieren und
mit gentechnischen Verfahren in Mäuse verfrachten
(Die Zeit 7.7.05 S.29)
·
Kanada: erstmals gelungen, Insekten zu klonen, 800 Versuche – 5
erwachsene Tiere
(bdw 2/2005 S.7)
·
Südkorea (Institut, in dem auch erstmals menschliche Embryonen geklont
wurden): afghanischen Hirten-HUND geklont, 1500 Eizellen, 1095 geklonte
Embryonen, 123 Leihmütter-Hündinnen, 3 Schwangerschaften, 1 Fehlgeburt, 1 Klon
starb kurz nach der Geburt
(Freie Presse Chemnitz 4.8.05, Der Spiegel 32/2005 S.119, Die Zeit 4.8.05 S.31)
·
bisher geklont: Schaf, Maus, Rind, Ziege, Schwein, Kaninchen, Katze,
Maultier, Pferd, Ratte, seltenes Wildrind, Hund
(taz 5.8.05)
·
zusätzlich geklont: Hirsch
(Der Spiegel 32/2005 S.119)
·
Klonkater und 2 geklonte Katzen zeugen erfolgreich natürlichen
Nachwuchs (8 Kätzchen, 5 überleben)
(GID 172 Okt/Nov05 S.31)
·
Klonforscher Hwang-Woo Suk (Korea) als Betrüger und Fälscher
entlarvt:
Freiwilligkeit der Eizell-Spenderinnen in Zweifel gezogen: 2 waren Untergebene
Mitarbeiterinnen, 20 hatten für ihre Eizellen je rund 1200 Euro bekommen;
bei Überprüfungen wurde jetzt kein Beweis dafür gefunden, dass er jemals
überhaupt menschliche Stammzellen geklont hat;
es gibt damit nun auch keinen Beleg mehr dafür, dass es möglich ist , aus
Patientenzellen „maßgeschneiderte“ Stammzellen für die Therapie einer Krankheit
herzustellen;
der geklonte Hund „Snuppy“ ist nach Prüfung aber wirklich ein echter Klon
(Spiegel 51/05 S.144; taz 11.1.06; taz 13.1.06)
·
deutscher Staatsbürger Miodrag Stojkovic (Tiermediziner) klont in
Großbritannien menschliche Embryonen;
ist dort erlaubt, wenn eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde vorliegt; Mehrheit
der Bevölkerung unterstützt solche Projekte;
über 80% der Patientinnen der benachbarten Fruchtbarkeitsklinik spenden
überschüssige Eizellen und Embryonen für die Forschung;
im Mai 2005 hat S. mit seinem Team erstmals menschliche Embryonen geklont;
diese Klone überlebten nur wenige Tage, zu kurz, um Stammzellkulturen aus ihnen
zu gewinnen;
Ziele seiner Forschung: aus geklonten Stammzellen neue
Bauchspeicheldrüsenzellen für Diabetiker züchten, dabei an den geklonten Zellen
genetische Veranlagung für Diabetes genauer erforschen, molekulare Mechanismen
verstehen, die beim Klonen eine Körperzelle in den embryonalen Zustand
zurückverwandeln
(Die Zeit 1.9.05 S.36)
·
S.34: Eine weitere Form des Klonens besteht in der Übertragung von Zellkernen.
Hierbei soll die Empfängerzelle die genetische Information des fremden
Zellkerns übernehmen.
(Gentechnologie Chancen und Risiken 6 In-vitro.Fertilisation, Genomanalyse und
Gentherapie; Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe von BMF und BMJ, J.
Schweitzer Verlag, München 1985)
·
Klon-Star Wilmut (Schaf Dolly) gestand ein, dass sein Anteil an Dolly
lediglich ein Drittel betragen habe, die anderen zwei Drittel habe sein
damaliger Institutskollege Professor Keith Campbell geleistet (er wurde in den
Publikationen zu Dolly immer als Mitautor aufgeführt, aber nach Wilmut); Wilmut
hat die Experimente nicht durchgeführt, aber das Forscherteam geleitet;
zwei Techniker des Instituts reklamieren, dass sie eigentlich die Hauptarbeiten
bei der Entwicklung von Dolly geleistet hätten (bei der Publikation kamen sie
nur in einer Fußnote vor)
(taz 17.3.06)
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Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (Zeko) setzt sich
dafür ein, dass auch in Deutschland menschliche Stammzellen aus geklonten
Embryonen herstellbar sein müssen; Mehrheit in der Zeko tritt sowohl beim
Embryonenschutz als auch bei der Eizellspende für ein abgestuftes Modell ein,
frühe Embryonen sollen demnach ethisch unterschiedlich bewertet werden, je
nachdem, wie sie gewonnen wurden und ob ihre Entwicklungsfähigkeit
eingeschränkt ist;
Eizellen: blastozysten-ähnliche Strukturen verwenden, die unfähig (gemacht
worden) sind, sich zu einem ganzen menschlichen Organismus zu entwickeln? (es
entsteht zwar menschliches Leben = human life, aber kein menschliches Wesen =
human beeing); überzählige E. aus der IvF verwenden?; E. aus entfernten
Eierstöcken nutzen?; es gehört zum Selbstbestimmungsrecht einer Frau, über
Eizellspende zu entscheiden;
Zeko will vom „Forschungsklonen mit dem Ziel therapeutischer Anwendungen“
sprechen;
Abstufung bei Zuerkennung von Menschenwürde und Lebensschutz in frühen Phasen
der Entwicklung eines Embryos entspräche der verbreiteten moralischen Intuition
und den vielfältigen Regelungen des geltenden (Abtreibungs-)Rechts;
auch der Bioethiker des Max-Delbrück-Zentrums (Tannert, Berlin) möchte alle
Embryonen „außerhalb des Mutterleibes“ als „Quasi-Embryonen“ umdefinieren und
so der Forschung zugänglich machen;
(taz 31.3.06; www.zentrale-ethikkommission.de/10/20ForschKlonen,html )
·
sieben Forschungsteams – drei in den USA, drei in Europa und eins in
China – kündigten an, patientenspezifische Stammzellen aus geklonten Embryos
herzustellen (darunter auch Dolly-Schöpfer Wilmut); die einzige gesicherte
Erkenntnis aus den Versuchen des Südkoreaners Hwang besagt: Erfolge wird es nur
geben, wenn die Kloner für die Experimente sehr frische Eizellen von Frauen
unter 30 Jahren benutzen können, innerhalb einer Stunde nach der Entnahme aus
dein Eierstöcken; d.h. viele Eizellen werden benötigt, aber Eizellspende ist
umstritten; Ausweg aus dem Dilemma: Spende überzähliger Eizellen aus
Fruchtbarkeitsbehandlungen
(Zeit 24.5.06 S.45)
·
China: Geburt eines Klonkalbs gemeldet, das gegen BSE resistent sein soll;
auch eine Arbeitsgruppe an der LMUni in München arbeitet an BSE-resistenten
Rinder (Produktion von Prionen ausgeschaltet)
(taz 28.4.06)
·
französische Biotech-Firma hat weltberühmte Sportpferde geklont; für
einen Erfolg hunderte von Eizellen nötig; von 12 Stuten wurden 3 trächtig, 2
verfohlten, 1 erfolgreiche Geburt;
Kosten für eine Kopie: 250.000 Euro
bisher weltweit geklont: Schafe, Rinder, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Ratten,
Mäuse, Katzen, Hunde;
viele männliche Turnierpferde werden kastriert und können daher keinen
Nachwuchs zeugen;
(Spiegel 9/2006 S.140ff)
·
Fälschungen des südkoreanischen Klonforschers Hwang; die in Misskredit
geratenen Forscher versuchen, die Echtheit ihrer 2004 geklonten menschlichen
Zelle zu beweisen, eine Analyse ergab, dass die Zelle tatsächlich Gene „vom
Vater und der Mutter“ (des Spenders des Zellkerns JK) aufweise; die Untersucher
der Fälschung hatten gemeint, es sei hier Jungfernzeugung aufgetreten; noch
offen
(GID 175 April/Mai 2006 S.39)
·
USA geklonte menschliche Embryonen bis zum 6-Zell-Stadium; 2004
erster Menschenklon in Großbritannien; auch Belgier melden erste Klonerfolge
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.14)
·
Erfolgsquoten beim Klonen von Tieren: Rinder bis zu einem Drittel,
Schafe 5-10%, Schweine 1-6%, Ziegen 3-7%;
(Das Parlament, Sondernummer „Chancen und Risiken der Gentechnik“, 6.3.06 S.14)
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australische Parlament hat Weg für das therapeutische Klonen freigemacht;
seit 2002 bestehendes Verbot zur Nutzung gespendeter Ei- und Körperzellen für
medizinische Forschung aufgehoben
(taz 7.12.06)
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südkoreanische Forschergruppe hat erneut erfolgreich drei Hunde geklont
(taz 22.12.06)
·
US-Lebensmittelbehörde FDA sieht keinen Unterschied zwischen normaler
Milch und Fleisch von Nutztieren und Produkten aus geklonten Tieren;
Entscheidung veröffentlicht, bis April können dazu noch Stellungnahmen
eingereicht werden;
texanische Firma will geklonte Kühe und Schweine vermarkten, Steaks und
Schinken sollen saftiger und herzhafter sein als derzeitige Produkte; Kühe
sollen mehr Milch geben, Klonverfahren wie bei Schaf DOLLY;
andere Unternehmen kombinieren die DOLLY-Methode mit gentechnischen Eingriffen:
Tier trägt dann auch neue artfremde Gene, z.B. das Omega-3-Schwein enthält
besonders hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die als gesundheitsfördernd
gelten (dafür wurden 1.633 Schweineembryonen geklont, 10 geborene Ferkel, nur 6
hatten das gewünschte Gen, 2 wegen Herzfehlers getötet)
(taz 30.12.06)
·
USA Rinder geklont, denen der potenzielle Erreger von BSE fehlt; zunächst
an isolierten Zellen von Holsteiner Rindern gezielt das Gen ausgeschaltet, das
für die Prionen zuständig ist, die bei BSE krankhaft verändert sind; aus
veränderten Zellen nach der DOLLY-Methode 12 Rinder geklont, 3 für
Forschungszwecke getötet; übrige sollen nun infiziert werden; Tiere sind
mittlerweile 2 Jahre alt
(taz 3.1.07; Freie Presse Chemnitz 3.1.07, ZEIT 4.1.06, )
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in den USA werden bereits über 500 Klonkühe gemolken; Milchleistung nur
knapp über dem Durchschnitt;
beim Klonen von Pferden nach der DOLLY-Methode 500 bis 1000 Eizellen nötig, um
eine einzige erfolgreiche Schwangerschaft zu erreichen;
Klonforscher gefragt: Wie weit prägen Gene ein Wesen? Darüber haben wir
ziemlich genaue Vorstellungen. Zu 30 bis 35 % sind die Gene verantwortlich, was
wir sind und was wir tun. Der Rest ist die Umwelt.
(Die Zeit 15.2.07 S.56)
·
Gesetzentwurf der britischen Regierung, erlaubt unter bestimmten
Voraussetzungen die Herstellung von Tier-Mensch-Embryonen für die
Stammzellforschung; „echte“ Hybride -
durch Verschmelzung von menschlichen und tierischen Keimzellen – sind weiterhin
verboten; es wäre aber erlaubt, zu Forschungszwecken tierische bzw. Zellen in
menschliche Embryonen oder menschliche DNA in tierische Eizellen einzubringen;
einzige Bedingung ist, dass die entstehenden „zytoplasmatischen Hybride“ nur 14
Tage am Leben gelassen und nicht zur Herbeiführung einer Schwangerschaft
verwendet werden; Gesetz ist Reaktion auf die Ankündigung britischer Forscher,
wegen des hohen Bedarfs an Eizellen beim Klonen auf Hasen- oder Kuh-Eizellen
auszuweichen
(GID 182 Juni 2007 S.41)
·
USA: erstmals gelungen, embryonale Stammzellen aus Affen-Embryos zu
gewinnen
(taz 22.6.07)
· österreichischer Biologe Karl Illmensee befürwortet in einem Fachjournal das Klonen von Menschen; berichtet von einem Experiment, bei dem er einen geklonten Em