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Faktensammlung
Klima – Energie – Umwelt – Lebensstil -
Bevölkerungsentwicklung
fortlaufend
aktualisiert
die aktuellsten
Eintragungen finden Sie jeweils am Ende der einzelnen Themenbereiche farbig
gekennzeichnet
(am 7.3.2012 wurde die Zusammenstellung
ergänzt um einige Fakten aus den 1990erJahren, die nun am Anfang stehen (ROT
eingefärbt) und vielleicht eine „historisch“ interessante Ergänzung darstellen)
begonnen: Anfang 2007 (auch
ältere Daten wurden mit aufgenommen)
Stand: 7.3.2012
Einzelbereiche hier direkt anklicken:
·
Klima
·
Energie allgemein (Verbrauch, Politik) und
Atomausstieg
·
Energie – Atomenergie, Fusion;
Endlager
·
Energie - Biomasse, nachwachsende Rohstoffe
·
Energie
- Biotreibstoffe, Biogas
·
Ökologie – Bewahrung der Schöpfung
·
Q: GEO 1/91 S.37
- CO2-Emission pro Kopf: "erlaubt" wären zwei Tonnen je Weltbürger
·
Q: Umwelt 2/96 S. 64ff.
- IPCC Sitzung Rom 1995:
- deutlicher Anstieg der Konz. von Treibhausgasen in der Atmosphäre seit 1750
durch den Menschen
- globale Temp-Erhöhung in den letzten 100 Jahren um 0,3 bis 0,6 Grad nicht
allein durch natürliche Ursachen zu erklären
- wenn weiter so: 2100 + 2K (1...3,5 K), mittlerer Meerespiegel + 50 cm
(15...95), Schadenshöhe weltweit: einige Prozent des BSP
·
Q: et 3/96 S.152:
- CO2 Altbundesländer 1995 +3% gegenüber 1990, NBL - 45%
·
Q: BdW 3/95
- Algen bauen weltweit 40% der CO2-Produktion ab
· Q: BdW 5/95 S.82
- Methoden zur CO2-Beseitigung; z.B. mit Sonnenenergie --> Methanol (Kosten
1,90 DM/liter unversteuert)
·
Q: BdW 8/95 S.106
- Wiss. Beirat der Bundesregierung. Klima-"Fenster" 10,4...16,1 C,
Zugabe: 9,9 ... 16,6 C, derzeit: 15,3 C, Weg: nach 5 a Übergang pro Jahr -1%
über 150 a
·
BMU: Umweltbericht 1998, Zusammenfassung S.VIII:
Technische CO2-Minderungspotentiale Enquete-Kommisssion:
Busse, LKW, ind. Verfahren: 20%
Warmwasserbereitung 30%
Elektrogeräte, PKW, Flugzeuge 50%
Altbaubestand 70-80%
Neubauten 50%
Hauptansatzpunkte: u.a.: weitere Nutzung der Kernkraft
· Spektrum der Wissenschaft
9/98 S.26ff
Sonnenhelligkeit und Klima
Verlauf der Sonnenhelligkeit seit 1874 mit bekannten Klimadaten verglichen;
Sonnenh. Und Erdtemperatur entwickelten sich erstaunlich übereinstimmend,
zumindest bis Mitte der 70er Jahre
·
2.1.07
·
britische Wissenschaftler: 2007 wird weltweit das
wärmste Jahr, Grund verstärkter ElNino;
Welternährungsorganisation FAO Studie: weltweit erzeugen 1,5 Milliarden Rinder,
1,7 Milliarden Schafe und Ziegen sowie unzählige Schweine und Hühner 18 % der
weltweit freigesetzten Treibhausgase und somit mehr als der gesamte
Transportsektor;;
auf einem Drittel der weltweit verfügbaren Ackerfläche werden inzwischen
Pflanzen fürs Vieh und nicht für Menschen angebaut;
Weiden und Felder, auf denen das Viehfutter angebaut wird, bedecken inzwischen
fast 30 % des Festlandes;
Viehwirtschaft für 9 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich; viel
entscheidender ist jedoch Methangas, das Wiederkäuer bei der Verdauung
freisetzen
(taz 5.1.07)
·
früherer Weltbank-Chef Nicholas Stern, Studie 700
Seiten; Kosten unterlassenen Handelns beim Klimaschutz auf jährlich mindestens
5% des BIP beziffert; könnte bis auf 20% steigen;
Anstrengungen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, kosten nur etwa 1% des
BIP im Jahr;
“es ist immer noch Zeit, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu
vermeiden, wenn entschiedenes kollektives Handeln jetzt beginnt
(energiedepesche 4/06 S.34)
·
NASA-Studie: auf der Erde ist es so warm wie seit
12.000 Jahren nicht mehr;
Durchschnittstemperatur auf der Erde in den letzten 30 Jahren um 0,2 Grad
gestiegen;
steige die Temp. um ein weiteres Grad, sei die höchste Temperatur seit einer
Million Jahren erreicht; bei vergleichbaren Temperaturen vor rund 3 Millionen
Jahren habe der Meeresspiegel um rund 25 Meter höher gelegen als heute
(energiedepesche 4/06 S.35)
·
Der britische Ökonom Nicholas Stern hat Zahlen für
mögliche Klimaschäden vorgelegt ...
5,5 Billionen Euro (jährlich JK) könnte es kosten, wenn die Menschheit
weiterhin so gewaltige Mengen an Klimagasen in die Atmosphäre pumpt. Das sind
20% ihrer gesamten Wirtschaftskraft. Zum Vergleich: Während der großen
Depression der dreißiger Jahre hat die Weltökonomie in ähnlichem Umfang
eingebüßt. ...
“Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab.“
Investitionen von 1% der Weltwirtschaftskraft jährlich würden bereits reichen,
um das Schlimmste noch abzuwenden.
Treibhausgasemissionen durch Verkehr: 23,9% gestiegen seit 1990 (UNO);
(Spiegel 45/2006 S.78ff)
·
Studie N. Stern:
Klimawandel könnte bis zu 200 Millionen Menschen in die Flucht treiben, bis zu
40% aller Arten droht das Aussterben;
(taz 31.10.06)
·
UN-Klimabericht:
bis 2100 Erwärmung weltweit 3 Grad (ohne drastische Senkung der Emissionen);
Folgen: Alpen in 60 Jahren eisfrei; Sommertemperatur in Deutschland deutlich
über 40 Grad; Pegel der Nordsee stiege um 43 cm bis 2100; in Europa 80-90%
weniger Schneefall;
(taz 25.9.06)
·
Martin Rees, Präsident der Royal Society England:
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre unter 550 ppm halten;
Entwicklung neuer Energiequellen mit der ähnlichen Priorität verfolgen wie die
Amerikaner den Flug zum Mond in den 1960er Jahren;
ich hätte nichts dagegen, wenn in Deutschland oder England neue Reaktoren
gebaut würden. Aber die Vision Tausender neuer Reaktoren in Entwicklungsländern
macht mich nicht gerade enthusiastisch, vor allem wegen der drohenden Weiterverbreitung
von Atomwaffen. Die Gefahr eines Atomkriegs macht mir immer noch Sorgen. Ich
galube deshalb nicht, dass die Kernkraft wesentlich zur Lösung des Klimaproblems beitragen kann – zumal
selbst 5000 neue Kernkraftwerke nur einen kleinen Teil des globalen
Energiebedarfs decken können. Hingegen kann die Kernfusion auf lange Sicht ein
Teil der Lösung sein. Mehr Geld würde das Fusionsprogramm um 10 bis 15 Jahre
beschleunigen.;
Ich galube, das wir uns nicht um die Welt in 10.000 Jahren sorgen sollten, wohl
aber um die in 100 Jahren.
(ZEIT 16.11.06 S.40)
·
Flugabgase und Klima;
in 10.000 Meter Höhe ausgestoßenes CO2 gilt als dreimal so
klimaschädlich, weil es in in der Flughöhe von 8 bis 13 km langsamer abgebaut
wird als am Boden emittierte Gase. 3% aller in Europa produzierten
Treibhausgase stammen vom Luftverkehr;
Der Emissionshandel berücksichtigt zunächst nur Kohlendioxid. Dieses macht aber
weniger als 25% des Treibhausgaseffekts der Fliegerei aus
(taz 21.12.06)
·
(14) Wer sich zum Glauben an den biblischen Gott
bekennt, der darf gegenüber Ungerechtigkeit niemals gleichgültig sein und muss
alle Menschen sowie die belebte und unbelebte Natur in seine Solidarität und
Verantwortung einschließen.
(16) Dreischritt: „Sehen – Urteilen – Handeln“
(18) Beim Klimawandel geht es nicht um das aktuelle und lokale Wetter und
dessen Schwankungen, auch nicht um die Witterung im Sinne des mittleren Wetters
einiger Tage bis Wochen. Klima meint vielmehr „die Gesamtheit der Witterungen
eines längeren Zeitabschnitts einschließlich der dabei auftretenden Extrema“:
Es umfasst Temperatur, Niederschläge, Wind sowie Wolkenbildung, die statistisch
erfasst und beschrieben werden. Der Beobachtungszeitraum beträgt dabei im
Allgemeinen mindestens 30 Jahre. Das Klima ist ein höchst komplexes System, das
nicht nur die Atmosphäre, sondern darüber hinaus auch die Hydrosphäre (Wasser,
Meeresströmungen und Umwälzungen), Kryosphäre (Schnee, Eis und Permafrost),
Landoberfläche und Biosphäre sowie deren Wechselwirkungen umfasst.
(22) Umstritten ist heute nur noch der jeweilige Anteil der anthropogenen und
der natürlichen Faktoren am beobachteten Klimawandel ...
Völlig unabhängig davon, ob die Natur oder der Mensch als Hauptverursacher
anzusehen sind, sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich.
(23) Hauptursächlich für den zusätzlichen anthropogenen Treibhauseffekt sind
neben Kohlendioxid (CO2) mit geschätzten 61% Methan (CH4) mit 15%
und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) mit 11% Anteil. ...
CO2 entsteht insbesondere bei der Nutzung fossiler Energieträger (75%) sowie
aufgrund von Waldrodungen und Waldbränden (25%) ... Methan resultiert ebenfalls
aus fossiler Energie (27%), aber auch aus Massentierhaltung (23%), Reisanbau
(17%), Abfällen (16%), Biomasseverbrennung (11%) und Tierexkrementen (6%), auch
auftauende Permafrostgebiete setzen größere Mengen gespeicherten Methans frei;
(33) Ohne eine drastische Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes werden sich
weltweit die Kosten des (anthropogenen) Treibhauseffekts auf über 300
Milliarden Dollar jährlich belaufen (Bericht UNEP 2000; darin ist sogar von
vielen hundert Milliarden Dollar jährlich die Rede);
(35) „Das Klima ist ein Gut, das geschützt werden muss“, heißt es im neuen
Kompendium der kirchlichen Soziallehre (Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und
Frieden 2006);
(36) Da die Schöpfung einen Wert in sich hat, erstreckt sich die menschliche
Verantwortung auch auf die natürliche Mitwelt, die der Mensch nicht nur als
Mittel zur Erreichung seiner Ziele und Zwecke behandeln darf (erweiterter
Kategorischer Imperativ);
Aufgrund seiner umfassenden und langfristigen Auswirkungen ist der Klimawandel
ein zentraler Brennpunkt der Schöpfungsverantwortung.
(39) beim Klima handelt es sich um eine klassische Allmende. Alle profitieren
von seinem Schutz, aber jeder Einzelne kann mehr (kurzfristigen) Nutzen daraus
ziehen, wenn er auf erhaltende Maßnahmen verzichtet oder ihnen zuwider handelt.
(40) UN-Deklaration von Rio 1992:
“Drohen schwerwiegende oder bleibende Schäden, so darf der Mangel an
vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit kein Grund dafür sein,
kostenwirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Umweltverschlechterungen
aufzuschieben.“
(47) Die neuen Stichworte des internationalen Klimamanagements heißen deshalb
Minderung des Ausstoßes (mitigation) und Anpassung an die Folgen (adaptation);
(52) Fugverkehr schon jetzt für geschätzte 9% der menschengemachten globalen
Erwärmung verantwortlich
(59) Angesichts der Dringlichkeit der Probleme ist die katholische Kirche
bisher hinter dem Möglichen und Notwendigen zurückgeblieben. Hinsichtlich der
Reflexion und Praxis des Klimaschutzes besteht ein erheblicher Nachholbedarf.
(68) Klimabündnis:
Die katholische Kirche sollte mit der evangelischen Kirche und
überkonfessionellen Einrichtungen – mit den Klimaschutzinitiativen der EKD, des
Europäischen Christlichen Umweltnetzwerkes und des Ökumenischen Rates der
Kirchen -, mit anderen Religionsgemeinschaften sowie den Umweltverbänden und
Entwicklungsorganisationen und staatlichen Einrichtungen für eine
Klimaschutzkampagne in Deutschland und Europa zusammenarbeiten.
(Die Deutschen Bischöfe: Der Klimawandel: Brennpunkt globaler,
intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit, Kommission Weltkirche
Nr.29, September 2006) http://www.dbk.de/schriften/data/01352/index.html
·
US-Energieministerium:
weltweiter Energiebedarf könnte bis 2030 gegenüber 2003 um 71% steigen;
IEA: CO2-Ausstoss könnte sich bis 2030 gegenüber 1990 verdoppeln
(energiedepesche 3/06 S.4)
·
Energieverbrauch Haushalt Deutschland
(2-3 Personen, zu den hier betrachteten direkten Energieverbräuchen kommen pro
Person noch 140% Energieverbrauch in Industrie, Handel und Gewerbe hinzu
|
|
Heizen |
Auto |
Warmwasser |
Haugeräte |
gesamt |
|
Verbrauchs-Anteil in Prozent |
51,8 |
29,6 |
7,2 |
11,4 |
100,0 |
|
kWh |
|
|
|
|
30.724,8 |
|
Kosten Euro pro Jahr |
955,0 |
1269,6 |
178,1 |
682,5 |
3085,2 |
|
Kostenanteil % |
31,0 |
41,2 |
5,8 |
22,1 |
100,0 |
(energiedepesche 3/06 S.
·
Ozonschicht über der Antarktis wird sich frühestens
2068 regeneriert haben
(bdw 9/06 S.7)
·
die weltweit zwölf wärmsten Jahre seit dem Beginn
genauer Messungen liegen alle im Zeitraum ab 1990, wobei sich der
Temperaturanstieg seit 2000 noch beschleunigt.;
NASA: nie in den letzten 10.000 Jahren war es auf der Welt so warm wie heute;
Gegenwärtig verbrennt die Menschheit jedes Jahr so viele fossile Brennstoffe,
wie sich in einer Million Jahren Erdgeschichte gebildet haben.;
“Jeder (Mensch) hat das gleiche Recht auf Emission“ (Graßl);
das optimistischste Szenario für die Zukunft ergibt einen globalen
Temperaturanstieg von 1,4 Grad; schon bei 2 Grad beginnt das Grönlandeis zu
schmelzen; jedes Grad mehr lässt den Meeresspiegel um 60 cm steigen;
in Sachsen wird es wärmer, trockener, teils extremer
(Sächsische Zeitung Dresden 25.11.06 M2)
·
beide große Kirchen in Deutschland zusammen (ohne
Verkehr) verantwortlich für 18 Mill. Tonnen CO2 = 3-4% der energiebedingten
Emissionen in Deutschland; = etwa so viel, wie Slowenien emittiert
(taz 28.11.06)
·
David King, Wissenschaftsberater von Tony Blair:
ab 2040 werden heiße Sommer wie der von 2003 den Wärmedurchschnitt bilden;
Klimawandel ist das größte Problem, mit dem unsere Zivilisation je konfrontiert
war;
britische Regierung hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2050
um 60% zu verringern;
Verbraucher senden mit ihren Kaufentscheidungen wichtige Signale an die
Wirtschaft;
die Temperatur der Erde hat sich in den letzten hundert Jahren um etwa 0,8 Grad
erhöht, davon gehen etwa 0,6 Grad auf das Konto des Menschen;
2005 war weltweit bisher das wärmste Jahr;
(Der Tagesspiegel 20.9.06 Beilage Klima im Wandel)
·
vor 30.000 Jahren schwankte das lokale Klima in
Europa nach Änderungen der Meeresströme mehrmals um fast 10 Grad innerhalb
eines Jahrzehnts;
die heutige Blüte der Kulturen ist nicht zuletzt 10.000 Jahren ruhigem Klima zu
verdanken;
die Klimamodelle bilden nur dann getreu die Erwärmung der letzten 150 Jahre ab,
wenn sie (neben natürlichen Ursachen JK) menschliches Zutun einkalkulieren;
der nächste große Bericht des UN-Klimarats IPCC (erscheint 2007) wird die
Klimasensitivität auf 2 bis 4,5 Grad
beziffern (Temperaturanstieg bei Verdopplung der CO2-Konzentration in der
Atm.);
Forderung Klimaforscher: Halbierung der globalen Emissionen bis Mitte des
Jahrhunderts; Übergang zur kohlenstofffreien Wirtschaft 50-100 Jahre Zeit;
anders David King (England): es ist wahrscheinlich jenseits unserer
Möglichkeiten, unter der 2-Grad-Grenze zu bleiben
(Zeit 12.10.06 S. 43)
Alternative Stromanbieter
·
niemals war es im Oktober in der Nordsee so warm;
14,2 Grad in einem Meter Tiefe; 3 Grad über dem Durchschnitt der Jahre seit
1920
(taz 6.11.06)
·
in Großbritannien hat Premierminister Tony Blair den
Kampf gegen die Klimaerwärmung zur wichtigsten Aufgabe der Welt erklärt
(taz 31.10.06)
·
der Beginn der Jahreszeiten in Europa hat sich wegen
der Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten um bis zu einer Woche verschoben;
Frühjahr beginnt 6-8 Tage früher als vor 30 Jahren; Herbstbeginn hat sich um
drei Tage nach hinten verschoben
(taz 1.9.06)
·
Eisbohrkerne Antarktis: Konzentration von CO2 in der
Atmosphäre in den letzten 800.000 Jahren maximal um 30 ppm geschwankt, jeweils
über einen Zeitraum von 1000 Jahren; eine solche Zunahme trat nun innerhalb der
letzten 17 Jahre auf;
IAEO Prognose: Anstieg des jährlichen CO2-Ausstoßes um 195% bis 2050;
Konzentration dann 750 ppm; um die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen,
dürften 450 ppm nicht überschritten werden
(taz 6.9.06)
·
Schellnhuber: soll die 2-Grad-Wärmegrenze nicht
gerissen werden, dürfte jeder Mensch jährlich nur noch 2000 kg CO2 emittieren
(Deutschland derzeit mehr als 10.000, USA mehr als 20.000 kg/Kopf x Jahr)
(Zeit 10.8.06 S.18)
·
Naturkatastrophen; mit rund 60% machen
meteorologische Ursachen wie Orkane, Wirbelstürme, Hochwasser sowie Sturm- und
Springfluten den größten Anteil aus
(bdw 4/06 S.60)
·
wenn Grönland-Eis komplett abschmilzt,
Meeresspiegelanstieg global 6,5 Meter
(taz 11.8.06)
·
Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger unterschrieb
eine Verordnung, mit der sich
Kalifornien dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25% zu
verringern und bis 2050 sogar um 80%
(Zeit 10.8.06 S.49)
·
Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen
will 1 Million Tonnen Schwefel(dioxid) pro Jahr in 10-15 km Höhe freisetzen (1%
der heute am Boden ausgestoßenen Menge), um damit die Erderwärmung zu bremsen;
Kosten jährlich 25-50 Mrd. Dollar;
(Spiegel 28/06 S.116)
·
(7) warme Episoden z.B. Klimaoptimum der Römerzeit (1
Grad wärmer als heute) und das mittelalterliche Optimum (Temp. im Mittel wie
heute);
1350 bis 1850 Nordhemisphäre „kleine Eiszeit“ (1 Grad kälter);;
(9) wärmste Jahre global: 1998, 2002, 2003, 2001, 1997, 1995, 1990, 1999, 2000,
1991, 1994 (seit Beginn der Messungen 1861);
Erhöhung der Temp. in Deutschland in den letzten 100 Jahren um 0,9 Grad;
in den letzten 30 Jahren Winter um 1,5 Grad wärmer geworden;
2000 war das wärmste Jahr in Deutschland;
(13) 80% der Veränderungen der globalen Lufttemp. durch anthropogene
Einflussgrößen erklärbar, wobei der 60% auf den vom Menschen verursachten
Treibhauseffekt zurückgeführt werden können;
Anteil am anthropogenen THE: CO2 64%, CH4 19, N2O 4, FCKW-11 3, andere 10;
(37) bei einem Anstieg der Mitteltemp. um etwa 2 Grad muss mit einer Zunahme
der Extremereignisse um etwa 50 bis 100 % gerechnet werden;
(45) Die Lufttemperatur war seit 1761 in Deutschland noch nie so hoch wie im
Sommer 2003
(56) Pflanzen blühen früher, Spätfröste werden bleiben ...
Für die Süßkirschen ergibt sich beispielsweise nahezu eine Versechsfachung der
Frostgefahr (bei Äpfeln Verdopplung)
(94) ein Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 1,5 Grad würde bedeuten, dass
die betroffenen Arten eine Distanz von 125 km überwinden müssten, um auf
entsprechende Standorte zu treffen und damit das langfristige Überleben zu
sichern;
als Folge der Verlagerung der Klimazonen ist bei einer Temperaturerhöhung um 1
Grad von einer Verschiebung der Vegetationszonen um etwa 200 bis 300 km
polwärts beziehungsweise 200 Höhenmeter auszugehen;
(Klimawandel in Sachsen, Sachstand und Ausblick, SMUL 2005)
·
Lagerung von Kohlendioxid
a) unter hohem Druck in Kohleflöze pressen
b) in alte, ausgebeutete Gaskavernen pressen
c) Verklappung in der Tiefsee (in mehreren tausend Metern Tiefe ist CO2 flüssig
und schwerer als Wasser)
Deutschland Kraftwerke Ausstoß CO2 etwa 250 Millionen Tonnen pro Jahr;
derzeit beste Braunkohlekraftwerke etwa 50% Stromwirkungsgrad; Abtrennung und
Lagerung von CO2 würde etwa 8% Wirkungsgradverlust bedeuten (20-25 Euro je
Tonne CO2);
Kapazität der Lagerung in alten Kohle-, Öl- und Gaslagerstätten schätzt der
IPCC auf 2000 Gt = 70 x so viel, wie derzeit weltweit vom Menschen freigesetzt
wird;
(Spiegel 48/2005 S.154)
·
Beirat der Bundesregierung: beim großtechnischen
Einsatz der CO2-Sequestrierung könnten Stromkosten um 40-100 % steigen;
Kosten zwischen 75 bis 250 Euro je Tonne CO2;
fehlende Lagerstätten in großem Umfang in Deutschland
(taz 10./11.12.05)
·
2005 war das wärmste der letzten 1000 Jahre;
allein in den vergangenen 100 Jahren hat sich die Erdatmosphäre um 0,8 Grad
erwärmt;
seit Mitte der 1970er Jahre ist das arktische Packeis um ein Fünftel
geschrumpft;
Latif (MPI Hamburg) schreibt zwei Drittel der Erderwärmung dem Menschen zu, ein
Drittel der Natur, vor allem der verstärkten Sonneneinstrahlung;
1 Grad Temperaturanstieg in den nächsten 100 Jahren sind bereits „eingerührt“
(taz 16.12.05)
·
mit jedem Grad Erwärmung kann die Luft 7 % mehr
Wasser halten;
extremer Sommer 2003 forderte in Europa 30.000 Menschenleben;
das 2-Grad-Ziel ist seit dem Luxemburger Ratstreffen vom Juni 1996 das
offizielle (und seither mehrfach bekräftigte) Klimaschutzziel der EU;
(taz 18.11.05)
·
Erwärmung um 1,4 bis 5,8 Grad bis 2100 ... selbst am
unteren Ende dieser Spanne ist noch das Abschmelzen des grönländischen
Eisschildes und damit einem Anstieg des Meeresspiegels um langfristig bis zu 7
Meter zu befürchten;
würden wir nicht handeln, könnten allein die volkswirtschaftlichen Schäden ab
2050 weltweit die Größenordnung von mehreren Billionen Euro pro Jahr erreichen,
davon ca. 100 Milliarden Euro allein in Deutschland;
(Umweltbundesamt Oktober 2005: 21 Thesen zur Klimaschutzpolitik des 21.
Jahrhunderts)
·
die Ereichung des 2-Grad-Ziels führt mit 75%
Wahrscheinlichkeit zur Vermeidung eines abrupten Klimawandels;
Klaus Töpfer Zitat: „Das Wirtschaften auf der Basis der heutigen Energiepolitik
ist ein Selbstmordprogramm“;
(sächsischer Klimaforscher W. Küchler, Freiberg 3.11.05)
·
(4) Religion entsteht überall da, wo Menschen im
Gefühl einer „schlechthinnigen Abhängigkeit“ (Schleiermacher) leben;
(6) in der Bibel finden wir Gott ganz nahe beim Wetter. Und das nicht nur, wo
es um Saat und Ernte, Frost und Hitze geht, sondern überall in der Natur, auch
bei den Naturgewalten, bei den Naturkatastrophen;
(7) Gott schließt den Bund nach der Sintflut (Gen 9) nämlich nicht mit den
Menschen, jedenfalls nicht zuerst und nicht exklusiv. Sondern „zwischen mir und
euch und allem lebendigen Getier“ (Gen 9,16) oder sogar nur „zwischen mir und
der Erde“ (Gen 9,13). Und das hebräische Wort, das im Urtext für „Bogen“ steht,
beinhaltet keineswegs die runde Form, etwa das Symbol für künftige
allumfassende Harmonie zwischen Gott und Menschen, sondern bedeutet
„Kriegsbogen“, meint also eine Waffe. ... Nicht zur Beruhigung der Menschen
hängt der Bogen zwischen den Wolken, sondern um Gott daran zu erinnern, dass er
.... diesem Treiben Einhalt gebietet, notfalls mit Gewalt;
(8) Naturphänomene: Blitz und Donner, Vulkane, Erdbeben, Stürme, Flutwellen.
Diese Symbole führen uns vor Augen, welchen überlegenen Mächten wir kleinen
Menschen gegenüberstehen;
(10) Unausweichlichkeit des Wetters und Machtlosigkeit des Menschen ...
ständige und totale Herausforderung;
(13) so hat sich der (mittlere Zeitpunkt der Blattentfaltung der Rotbuche
zwischen 1978 und 2003 vom 11. Mai auf den 27. April vorverlagert;
(15) Bauernregeln ... was meinten unsere Vorfahren mit „lind“, fein“,
„freundlich“? welche Auswirkungen hatte die Einführung des Gregorianischen
Kalenders 1582 (das Datum welcher Rechenart gilt?)?;
(22) wenn Paulus von „Klima“ sprach, meinte er damit die „Gegend“ oder den
„Landstrich“ --- heute fasst man darunter die physikalischen und chemischen
Eigenschaften von Atmosphäre, Hydrosphäre usw. zusammen, die eine Gegend
prägen;
(23) aus landwirtschaftlichen Quellen wurden in Deutschland 2004 etwa 42 Mill t
CO2, 1,2 Mill t CH4 und 0,13 t N2O freigesetzt; entspricht zusammen einem
Anteil von 9-10 % der CO2-Äquivalente in Deutschland;
(Kirche im ländlichen Raum, Heft 1/06: „Wetter-Aussichten“, Altenkirchen)
·
Tropeninstitut München: sogar Infektionskrankheiten
wie Malaria könnten in Deutschland heimisch werden, angeblich wurden
Anopheles-Mücken, die die Krankheit übertragen, bereits in Bayern und
Nordrhein-Westfalen gefunden
(Freie Presse Chemnitz 8.1.07)
·
Anteil des Flugverkehrs am weltweiten Ausstoß an
Treibhausgasen liegt bei 5%
(Blätter für deutsche und internationale Politik 7/2005, Umweltinformation)
·
Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2005 um 25 % zu
senken, stammt noch aus der Zeit, als Frau Merkel (unter Kanzler Kohl)
Umweltministerin war;
in ihrem Klimaschutzprogramm 1995 heißt es:
“Alle vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen gehen davon aus, dass das
Klimaschutzziel mit den bisher bereits verabschiedeten Instrumenten nicht
erreicht werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung einer
CO2/Energiesteuer ein notwendiges Element der nationalen Klimaschutzpolitik“;
Merkel forderte 1997, die Benzinsteuer solle jährlich um 5 Pfennig steigen;
(Das Parlament 16.6.2000)
·
Der Flugverkehr schädigt das Klima doppelt so stark
wie bislang angenommen. Forscher von 10 renommierten Forschungsinstituten
stellten in einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission fest, dass die
Wolkenbildung viel kritischer ist als bisher angenommen. Dabei handelt es sich
nicht nur um die weithin sichtbaren Kondensstreifen, sondern um Schleierwolken
in einer Reisehöhe von gut acht Kilometern. Sie spielen beim Treibhauseffekt
eine fünfmal so große Rolle wie das (beim Flug erzeugte) Kohlendioxid. Dazu
kommt die aufheizende Wirkung von Stickoxiden und Wasserdampf aus den
Triebwerken. Die Erkenntnis bedeutet: Der Flugverkehr erreichte bereits im
Jahre 2000 einen Anteil von 9 % an der derzeitigen Erwärmung (bisher waren 3,5
% angenommen worden).
(die tageszeitung, Berlin 12.3.2004)
·
„Der Klimawandel
ist das größte Problem, dem die Welt entgegensieht.“
(Tony Blair, Premierminister Großbritanniens,
Unterhaus 7.7.2004)
·
Die Erkenntnis,
dass der Mensch das Klima verändert, ist inzwischen auch in den Köpfen der
Politiker verankert. Die Klimaproblematik steht mittlerweile auf der
Tagesordnung der Weltpolitik ganz oben. Das wurde besonders deutlich, als 1992
insgesamt 154 Länder das „Rahmenübereinkommen zu Klimaveränderungen“ der
Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichnet haben. In dieser
Klimakonvention heißt es unter anderem:
·
Klimarahmenkonvention
der Vereinten Nationen (UNFCCC)
Artikel 2:
„Das Endziel dieses Übereinkommens ist es, die Stabilisierung der
Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen,
auf dem eine gefährliche anthropogene (d.h. vom Menschen verursachte JK)
Störung des Klimasystems verhindert wird.“
Dieser Satz ist eigentlich
eine Sensation, denn er besagt, wenn man ihn zu Ende denkt, dass man sofort
eine radikale Reduzierung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen
(Emission = Ausstoß) vornehmen müsste. Nur dann nämlich könnte man die Treibhausgas-Konzentrationen
auf dem erforderlichen niedrigen Niveau stabilisieren.
·
Die Konvention
von Rio trat am 21.3.1994 in Kraft und ist für die inzwischen 186
Unterzeichnerstaaten (Stand Anfang 2004) – auch für Deutschland - verbindliches
Völkerrecht. Seither finden jährlich internationale Klimakonferenzen statt.
Während die Konvention von Rio noch eine Absichtserklärung war, wird das
Protokoll von Kyoto von 1997 schon konkreter. Darin verpflichten sich die
Industrieländer, des Treibhausgasausstoß im Zeitraum bis 2012 im Durchschnitt
um 5,2 Prozent gegenüber den Emissionen von 1990 zu reduzieren. Lange konnte
das Abkommen nicht in Kraft treten, weil die USA und einige andere Staaten ihre
Mitwirkung verweigerten – nach dem Beitritt von Russland jedoch wurde es am
16.2.05 wirksam.
·
Die EU
verabschiedete am 11.6.2002 ihr Umweltaktionsprogramm bis 2012. Darin stehen
unter anderem folgende Zielsetzungen:
+ langfristig: soll die globale Temperaturerhöhung maximal + 2 Grad betragen
(da bereits eine Erhöhung um 0,6 Grad vorliegt, bleibt noch ein „Spielraum“ von
1,4 Grad).
+ langfristig: die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre soll auf maximal
550 ppm begrenzt werden (heute: etwa 370 ppm)
+ langfristig: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um – 70 % bezogen auf den
Ausstoß des Jahres 1990
+ bis 2010: mindestens 12 % des
gesamten Energieverbrauchs und 22 % der Stromerzeugung sollen durch erneuerbare
Energien erfolgen; 18 % des Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplung
·
Die Bundesregierung hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt, die weit über die
Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls hinausgehen. Der Ausstoß des wichtigsten
Treibhausgases – Kohlendioxid – soll bis 2005 (gegenüber dem Stand von 1990) um
25 % gesenkt werden. Außerdem will die Regierung bis 2050 den Anteil erneuerbarer
Energien am Gesamtverbrauch auf 50 % steigern, 2020 sollen es bereits 20 %
sein.
·
VATTENFALL – einer der größten europäischen Energiekonzerne – gab Pläne zum Bau des
weltweit ersten Braunkohlekraftwerks am ostdeutschen Standort „Schwarze Pumpe“ bekannt,
das kein Kohlendioxid mehr in die Luft pustet (das reine Abgas wird unter
Druck verflüssigt und in tiefen Erdschichten verpresst).
Der Aufsichtsratsvorsitzende: „Das alles
überlagernde Problem unserer Zeit ist der Klimawandel“. Er forderte mehr
Engagement von den europäischen Energiekonzernen. „Wir können das nicht allein
den Umweltschützern und der Politik überlassen“. Es sei klar, „dass Europa
seinen Kohlendioxidausstoß langfristig bis zu 90 Prozent reduzieren muss.“
(taz 20.5.05)
·
Der schwedische
Wirtschaftsminister (Vattenfall ist ein Staatsunternehmen): „Ein
Energieunternehmen, dem die Einsicht in die Klimaproblematik und für den Bedarf
eines größeren Anteils erneuerbarer Energien fehlt, hat keine Zukunft“
(energiedepesche 6/05 S.4).
·
1998 platzte die Bombe. Der
Ölkonzern SHELL trat aus der Industrie-Lobby-Gruppe „Global Climate Coalition“
aus, die in den USA und auf
internationalem Parkett gegen Klimaschutzmaßnahmen kämpft. SHELL steht
neuerdings zum Kyoto-Protokoll und sieht auch für die Industrie große Chancen
besonders beim weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien.
„SHELL hat 1997 aus drei Gründen beschlossen, „Erneuerbare Energien“ als neuen
fünften Geschäftszweig aufzubauen (neben Erdöl- und Erdgasförderung,
Mineralöl, Kohle und Chemie):
1. Die Endlichkeit von Öl- und Gasressourcen
wird im Laufe des nächsten Jahrhunderts spürbar.
2. Bevor Knappheiten zu erheblichen Verteuerungen führen, werden die durch CO2
und Methan ausgelösten Klimaveränderungen zu einer Forderung nach Drosselung
der Verbrennung fossiler Brennstoffe führen.
3. Regenerative Energien haben weltweit
eine große Marktchance.“
In einer von SHELL erstellten
Prognose steigt der Weltenergieverbrauch von 2000 bis 2060 zwar auf das
2,7-fache, aber eine klare Wende deutet sich an: der Verbrauch im Jahr 2060
wird zu zwei Dritteln nicht mehr aus Kohle, Öl, Gas und Kernenergie, sondern
aus erneuerbaren Energien gedeckt!

1999 wurde von SHELL in Gelsenkirchen die
weltgrößte Fabrik zur Herstellung von Solarzellen in Betrieb genommen. Der
Ölmulti ist (2004) einer der zehn größten Windkraftproduzenten der Welt und
verkauft weltweit ein Zehntel aller Solaranlagen. Im Herbst 2004 nahm er bei
Leipzig die weltgrößte Anlage zur Sonnenstromerzeugung in Betrieb. „Wir müssen
im 21. Jahrhundert auf die erneuerbaren Energien umsteigen“, sagt Kurt Döhmel,
Chef von Shell Deutschland. Inzwischen beteiligt sich der Konzern auch am
Aufbau eines großen Windenergieparks vor der britischen Küste und ist Gesellschafter
bei der Freiberger Firma CHOREN, die aus Abfällen und Biomasse flüssige
Treibstoffe herstellt.
(Fritz Vahrenholt: Globale Marktpotentiale für erneuerbare Energien, Deutsche
Shell AG 1999;
ÖkoTest Magazin 8/2004 S.111, taz 7./8.11.98)
·
Deutscher Bundestag, Enquete-Kommission „Nachhaltige
Energieversorgung“, (aus dem Endbericht 2002)
+ „Ergebnis, dass in einem modernen Industrieland eine Minderung der
Treibhausgasemissionen um 80% technisch
realisierbar und wirtschaftlich machbar ist, auch unter Berücksichtigung des
vereinbarten Ausstiegs aus der Kernenergie.“ (S.27)
+ „Notwendig ist (zur Stabilisierung des Weltklimas) den weltweiten CO2-Ausstoß
bis 2050 gegenüber dem heutigen Niveau um etwa 50% zu senken. ... in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40% ... bis
2050 um 80% gegenüber 1990 reduziert werden müssen.“
+ „Dabei entstehen keine
untragbaren wirtschaftlichen Kosten.“ (S.36, 60)
+ „Der Anteil erneuerbarer Energiequellen soll im Jahr 2050 mindestens 50% des
Primärenergieverbrauchs betragen.“ (S.45)
+ „Szenarien: Auf die Kernkraft kann verzichtet werden. ... Eine solare
Vollversorgung ist möglich.“ (S.46)
+ „Szenario unter Einbeziehung
neuer Atomkraftwerke ab 2010 erarbeitet: Neubau von 52 bis 60 neuen AKW bis
2050.“ (S.65)
·
Hurrikan – „Rekordjahr“ 2005
+ noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen (1851) gab es so viele tropische
Wirbelstürme im Atlantik: 26
+ noch nie wuchsen so viele zur vollen Hurrikanstärke heran: 13
+ noch nie gab es drei der schlimmsten Kategorie (5) in einem Jahr
+ noch nie wurde ein so intensiver Hurrikan gemessen wie WILMA
mit nur 882 Millibar Zentraldruck (18.10.05)
+ mit VINCE entstand erstmals ein Tropensturm nahe Europa (wurde
bei Madeira am 9.10.05 zum Hurrikan und traf – in abgeschwächter Form – in
Spanien aufs Land)
+ Mit DELTA „verirrte“ sich Ende November erstmals ein Tropensturm zu
den Kanarischen Inseln
(Stefan Rahmstorf taz 18.11.05)
·
Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen: „Klimawandel in
Sachsen – Sachstand und Ausblick 2005“, http://www.umwelt.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/documents/Klimawandel_ges.pdf
·
die 10 wärmsten Jahre seit 1880 (weltweite
Durchschnittstemperaturen):
2005, 1998, 2002, 2003, 2006, 2004, 2001, 1990, 1995, 1999 (NASA);
tipping points = Kippschalter, die eine unkontrollierte Eigendynamik freisetzen
können:
+ Abschmelzen des grönländischen Eisschildes (Meeresspiegelanstieg um mehrere
Meter);
+ Auftauen des sibirischen Permafrostbodens (Freisetzung von riesigen Mengen
des Treibhausgases Methan);
+ Verschwinden des Regenwaldes am Amazonas (Trockenheit);
Verpflichtungen in Klimakonventionen: Industrieländer wollten ihre Emissionen
bis 2000 auf das Niveau von 19990 zurückführen, stattdessen stoßen USA heute
fast 16 % mehr aus, EU-Staaten konnten die Zusage zwar einhalten (aber nur
wegen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft); weltweiter Ausstoß heute
rund ein Viertel höher als vor 15 Jahren (27 Mrd. Tonnen CO2);
(ZEIT 11.1.07 S.3)
·
in den letzten 100 Jahren in Deutschland
durchschnittliche Temperatur um 0,9 Grad zugenommen
(Umweltbundesamt Jahresbericht 2003, S.20)
·
Methan bildet sich im ersten der vier Mägen von
Wiederkäuern: 1 Schaf etwa 7 kg pro Jahr, 1 Rind stößt 114 kg pro Jahr aus
(bdw 12/04 S.13)
·
die Schweizer Gletscher haben zwischen 1985 und 2000
rund 18 % ihrer Fläche verloren (Satellitenbilder); Alpenraum insgesamt 22%
(Deutscher Sportbund: Sport schützt Umwelt 75/Dez.2004 S. 12)
Stand 13.1.07
·
Orkantief Kyrill; Gespräch mit Thomas Loster,
Klimaexperte Münchner Rückversicherung;
bei Schneebedeckung wird die Luft schnell kalt und dicht und es bildet sich
über ganz Europa eine Art Schild aus schwerer Luft, den Stürme normalerweise
nicht durchdringen; wenn aber der Schnee fehlt, dann können sich viel mehr
Stürme, die sonst nach Norwegen oder Italien abgedrängt werden, über
Mitteleuropa austoben
(Freie Presse Chemnitz 19.1.07)
·
CO2-Ausstoß EU im Verkehrsbereich seit 1990 um 26%
gestiegen, Stromwirtschaft nur +6%, Haushalte fast konstant, Industrie sogar
minus 9%;
EU peilt für PKW 120 Gramm CO2 pro Kilometer an; derzeit zwischen 116 (Smart)
und 297 Gramm (Porsche), Durchschnitt 161;
Verband der Automobilhersteller hatte sich zu 140 g/km bis 2008 für Neuautos
verpflichtet
(ZEIT 18.1.07 S.28)
·
die globale Viehhaltung ist ein Umweltverschmutzer
ersten Ranges; gehört bei den schwersten Umweltproblemen zu den wichtigsten 2 oder 3 Faktoren (FAO);
Rinder: allein die Rodung von Wäldern für Weiden und Ackerland entlässt nach
FAO-Daten jährlich 2,4 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft;
das Gas Methan, das bei der Verdauung entsteht und die Atmosphäre mehr als 20
mal so stark aufheizt wie CO2, entweicht den weltweiten Wiederkäuern mit einer
Treibhauswirkung von rund 2 Milliarden Tonnen (wohl bezogen auf CO2);
globaler Rinderbestand bedeutet Belastung für das Weltklima (durch Rodung und
Methan), die der der Einwohner von Indien, Japan und Deutschland zusammen
entspricht;
Beitrag der gesamten Tierhaltung weltweit: 18% am gesamten globalen Treibhauseffekt,
mehr als der Verkehr und fast so viel wie die USA;
Rinder geben mit Methan bis zu 20% der Nahrungsenergie ab, aller 40 Sekunden
ein „Bäuerchen“, pro Tag bis zu 250 Liter Methan;
fast ein Drittel der eisfreien Erdoberfläche ist mit Viehweiden bedeckt, und
auf 33% der Ackerfläche wird Futter fürs Vieh angebaut;
ein Drittel der weltweiten Getreideernte landet in Viehmägen, jährlich 77
Millionen Tonnen Nahrung, die auch Menschen essen könnten
(ZEIT 18.1.07 S.21)
·
die 10 wärmsten Jahre seit 1880 (weltweite
Durchschnittstemperaturen):
2005, 1998, 2002, 2003, 2006, 2004, 2001, 1990, 1995, 1999 (NASA);
tipping points = Kippschalter, die eine unkontrollierte Eigendynamik freisetzen
können:
+ Abschmelzen des grönländischen Eisschildes (Meeresspiegelanstieg um mehrere
Meter);
+ Auftauen des sibirischen Permafrostbodens (Freisetzung von riesigen Mengen
des Treibhausgases Methan);
+ Verschwinden des Regenwaldes am Amazonas (Trockenheit);
Verpflichtungen in Klimakonventionen: Industrieländer wollten ihre Emissionen
bis 2000 auf das Niveau von 1990 zurückführen, stattdessen stoßen USA heute
fast 16 % mehr aus, EU-Staaten konnten die Zusage zwar einhalten (aber nur
wegen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft); weltweiter Ausstoß heute
rund ein Viertel höher als vor 15 Jahren (27 Mrd. Tonnen CO2);
(ZEIT 11.1.07 S.3)
·
in den letzten 100 Jahren in Deutschland
durchschnittliche Temperatur um 0,9 Grad zugenommen
(Umweltbundesamt Jahresbericht 2003, S.20)
·
Methan bildet sich im ersten der vier Mägen von
Wiederkäuern: 1 Schaf etwa 7 kg pro Jahr, 1 Rind stößt 114 kg pro Jahr aus
(bdw 12/04 S.13)
·
die Schweizer Gletscher haben zwischen 1985 und 2000
rund 18 % ihrer Fläche verloren (Satellitenbilder); Alpenraum insgesamt 22%
(Deutscher Sportbund: Sport schützt Umwelt 75/Dez.2004 S. 12)
·
Bush-Rede zur Lage der Nation:
Energieversorgung der USA mit Hilfe neuer Technologien auf eine breitere Basis
stellen, dies helfe, der „ernsthaften Herausforderung“ durch den Klimawandel zu
begegnen
(taz 25.1.07)
·
IEA: 40% der globalen CO2-Emissionen aus Kohle
(Freie Presse Chemnitz 30.1.07)
·
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Hannover; erstellt Expertisen für das Wirtschaftsministerium in Klimafragen;
skeptisch gegenüber den Fakten zum Klimawandel (Veränderungen nur regional, auch früher schon ähnliche
Ereignisse);
Klimaforscher: BGR publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften,
unbelegte Behauptungen;
gehören zu der kleinen, aber lautstarken Gruppe von Klimaskeptikern in
Deutschland (darunter keine Klimatologen!);
(taz 29.1.07)
·
ehemaliger Konzernchef (bis 2006) von NOKIA setzt
sich für Klimaschutz ein; Augen geöffnet habe ihm der Sitz im Aufsichtsrat von
Royal Dutch Shell; dort gehe man schon lange davon aus, dass der Klimawandel
menschengemacht sei; es bedarf radikalerer Maßnahmen, als sie bisher diskutiert
werden; die Atomkraft verdient keine Renaissance;
(taz 30.1.07)
·
IPCC-Tagung: fast unvermeidlich, dass die
Durchschnittstemperatur auf der Erde bis Ende des Jahrhunderts um 2 bis 4,5
Grad steigt; auch Erhöhung um 6 und mehr Grad nicht auszuschließen;
Meeresspiegel steigt um 43 Zentimeter bis 2100; indonesische Regierung meldet,
dass in diesem Fall 2000 der 17.000 zu dem Staat zählenden Inseln im Meer zu
versinken drohen;
UBA-Szenario: in Deutschland 1,8 bis 2,3 Grad wärmer; Mecklenburg-Vorpommern
bis 40% weniger Regen
(taz 30.1.07)
·
Supermarktkette Wal-Mart will Energiesparen fördern;
der weltweit größte Einzelhändler will 2007 in den USA 100 Millionen
Energiesparlampen verkaufen (doppelt so viele wie 2005 (40 Millionen
Energiesparlampen und 350 Millionen normale Glühlampen verkauft); Konsumenten
könnten bei Erreichen des Verkaufszieles 3 Milliarden Dollar Stromkosten sparen
(taz 30.1.07)
·
Umweltinstitut Uni Innsbruck: Alpengletscher unter
4000 Metern werden bis 2050 verschwinden
(taz 23.1.07)
13.3.07
·
Sequestrierung: in Kohlekraftwerken wird das
klimaschädliche CO2 aus den Abgasen abgetrennt und zu unterirdischen
Lagerstätten transportiert und dort gelagert (z.B. in unterirdische Hohlräume
verpresst);
Felix Matthes (Ökoinstitut): in den nächsten 5 Jahrzehnten können so jährlich
in Deutschland 25 Millionen Tonnen und in der EU 100 Millionen Tonnenentsorgt
werden;
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): in der norddeutschen
Tiefebene Erdgaslagerstätten für 3 Milliarden Tonnen CO2-Speicherung; über
mehrere Jahrzehnte bis zu 100 Millionen Tonnen CO2 jährlich deponieren
(Das Parlament 12.3.07 S.9)
·
Abtrennung von klimaschädlichem CO2 aus dem Rauchgas
von Kraftwerken und dessen Entsorgung in geologischen Speicherformationen,
beispielsweise ausgedienten Gasfeldern oder salinen Aquiferen: „Carbon Capture
and Storage“ (CCS) heißt diese unterirdische Entsorgung des Klimagases in
Fachkreisen;
Studie BMU:
Abscheidegrad 88%, bei Oxyfuel-Verfahren 99,5%;
Minderung der Treibhausgasemissionen (CO2, Methan, N2O): Steinkohle-Kraftwerke
67-78%; Braunkohle-KW 78%; Erdgas GUD 67%;
Mehrkosten 2020 für Steinkohle 2,5 Cent/kWh, Erdgas 1,8;
CCS wichtige Brückenfunktion, um Zeit zu gewinnen bei der Einführung von
effizienteren Energiesystemen und erneuerbaren Energien
(Umwelt BMU 3-2007 S.156)
·
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: Der Klimawandel
bedroht die Menschheit mindestens so sehr wie Kriege;
Ausstoß heute pro Kopf in der Welt: rund 4 Tonnen CO2;
2050 sollten es nur noch 1,3 Tonnen sein; die Deutschen müssten ihren
Pro-Kopf-Ausstoß auf ein Achtel des heutigen Wertes mindern;
heute stoßen 80 Millionen Deutsche so viel CO2 aus wie 700 Millionen Afrikaner;
Weltwirtschaft in den letzten 15 Jahren: 1 Prozent mehr Bruttosozialprodukt
erforderte immer noch ein halbes Prozent mehr Energie;
Kioto-Protokoll verliert 2012 seine Gültigkeit;
auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm Juni 2007 sitzen auch die Regierungschefs
aus China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko mit am Tisch; verursachen
zusammen mit G-8-Staaten 70% aller CO2-Emissionen;
Flugverkehr trägt gegenwärtig 3,5% zur Erderwärmung bei;
(Die Zeit 8.3.07 S.23)
·
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC);
Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimafragen, Regierungen beteiligt
4. Sachstandbericht Februar 2007; Arbeitsgruppe 1:
globale Erwärmung und Meeresspiegelanstieg haben sich beschleunigt, ebenso das
Abschmelzen der Gletscher und Eiskappen;
es gilt als „gesicherte Erkenntnis“, dass im weltweiten Durchschnitt
menschliches Handeln seit 1750 das Klima erwärmt hat – vorrangig durch den
fossilen Brennstoffverbrauch, die Landwirtschaft und eine geänderte
Landnutzung;
sehr wahrscheinlich wurde der größte Teil der globalen Erwärmung der letzten 50
Jahre durch den Menschen verursacht;
extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, heftige Niederschläge sind
häufiger geworden und die Intensität tropischer Stürme hat sich erhöht;
bis 2100:
weitere Erwärmung:
beste Schätzung für ein niedriges Szenario ist eine Erwärmung um 1,8 Grad
(Schwankungsbreite 1,1 bis 2,9 Grad);
beste Schätzung für ein hohes Szenario: 4,0 Grad (Schwankungsbreite 2,4 bis 6,4
Grad);
Meeresspiegelanstieg:
18-38 cm für ein niedriges Szenario und 26-59 cm für ein hohes Szenario; eher
schnellerer Anstieg zu erwarten
www.ipcc.ch;
www.d-ipcc.de
(Umwelt, BMU, 3-2007 S.142)
·
am IPCC-Bericht 113 Regierungen beteiligt, mehr als
500 führende Klimaforscher;
Temperaturen in den letzten 50 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie in den
100 Jahren zuvor;
CO2-Gehalt der Luft nahm seit 1750 um 35% zu, heute höher als in den letzten
650.000 Jahren;
Ziel: Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 Grad; „selbst das ist schon eine
andere Welt“
größte Wahrscheinlichkeit für Temperaturanstieg zwischen 1,8 und 4 Grad bis
2100;
(Freie Presse Chemnitz 3./4.2.07)
·
liegen die Temperaturen langfristig 1,9 bis 4,6 Grad
höher als heute, würde die Eiskappe von Grönland vollständig abschmelzen – und
den globalen Meeresspiegel um 7 Meter anheben;
IPCC wurde 1988 von den UN-Behörden für Meteorologie (WMO) und Umwelt (UNEP)
ins Leben gerufen: Ziel: Wissen über mögliche Klimaveränderungen zusammentragen
und mögliche Gegenmaßnahmen vorschlagen; Berichte 1990, 1995, 2001; 2007;
WHO hat ermittelt, dass die weltweite Tierproduktion für 18 % der Treibhausgase
verantwortlich ist – mehr als der gesamte Transportsektor verschlingt
(taz 3./4.2.07)
·
Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU;
alle Regierungen der EU-Staaten haben sich für das Jahr 2020 verbindlich darauf
festgelegt, dass
- im EU-Energiemix 20% aus erneuerbaren Ressourcen kommen sollen
- der CO2-Ausstoß um 20% reduziert werden soll (gegenüber 1990)
(taz 10./11.3.07)
·
James Lovelock („GAIA“, einer der Vordenker der
Umweltbewegung, inzwischen 87 Jahre alt):
der vom Menschen gemachte Klimawandel wird weite Teile der Welt verheeren; um
2100 werde gerade noch 1 Milliarde Menschen existieren, vielleicht sogar nur
die Hälfte; Aufschub nur durch massiven Ausbau der Kernenergie;
vergangene Woche haben Chefs von Weltkonzernen wie General Electric, DuPont
oder Alcoa in einem Brief an US-Präsident Bush einschneidende Maßnahmen zum
Klimaschutz angemahnt;
immerhin nannte Bush den Klimawandel plötzlich eine „ernsthafte
Herausforderung“;
(Der Spiegel 5/2007 S.122)
·
der Staatssekretär im Bundesumweltministerium,
Michael Müller, stellt in der Debatte über den Klimawandel die Systemfrage:
“Die kapitalistische Philosophie des „Mehr, schneller und weiter“ ist am Ende“.
(taz 20.2.07)
·
wenn die Temperaturerhöhung auf 2 Grad begrenzt
werden soll, müssen die Emissionen von Treibhausgasen spätestens in 15 bis 20
Jahren deutlich zurückgehen (Bill Hare, Mitautor des IPCC-Berichtes) – so auch
der noch nicht veröffentlichte 3. Teilbericht lt Freie Presse Chemnitz, 23.2.07);
weltweiter Ausstoß von Treibhausgasen nach Sektoren Stand 2004:
Industrie 19,4%; Transport 13,1%; Gebäude 7,9%, Energieversorgung 25,9%, Land-
und Forstwirtschaft 30,9%;
Viehzucht: 18% der weltweit freigesetzten Treibhausgase und 80% der Emissionen innerhalb
des Agrarsektors;
Rülpsen und Pupsen von 1,5 Milliarden Rindern und 1,7 Milliarden Schafen und
Ziegen: schätzungsweise 80 Millionen Tonnen Methan im Jahr;
auch aus Gülletanks entweicht Methan; Methan trägt 23x so sehr zum
Treibhauseffekt bei wie CO2, Lachgas (Distickstoffoxid aus Gülle und Dung:
300-fach so wirksam);
weltweit 250 Millionen Tonnen CO2 aus der Stickstoffdüngerproduktion;
Reisernte weltweit 618 Millionen Tonnen; 80 % davon Nassreisanbau; für 12-17%
der weltweiten Methanfreisetzung verantwortlich; Trockenreisanbau laugt Böden
aus und liefert weniger Ertrag
(taz 23.2.07)
·
A320: 3,3 Liter Kerosin je Passagier auf 100 km (das
wird beim Auto noch nicht erreicht);
1 Liter Kerosin in Flugzeugabgasen belastet das Klima 3 x so sehr wie 1 Liter Autosprit
Ende der 1990er Jahre Flugverkehr noch 3,5% der weltweiten Treibhausgase, heute
9%;
(taz 6.3.07)
·
Temperaturanstieg in Deutschland seit 1901: 0,86
Grad;
in Sachsen größter Rückgang der sommerlichen Niederschläge um 15,5%;
2003 in Europa 30.000 Hitzetote;
Kastanien in Genf blühen heute 55 Tage früher als vor 200 Jahren
(taz 3./4.2.07)
·
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)
Ergebnisse des Fourth Assessment
Report (AR4)
Das IPCC
wurde 1988 von der World Meteorological Organisation (WMO) und dem United
Nations Environment Programme (UNEP) eingesetzt als die Möglichkeit einer
globalen Klimaänderung deutlicher wurde. Das IPCC hat die Aufgabe, in
regelmäßigen Abständen (etwa 5 Jahre) den Zustand des Klimasystems und seine
Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaftssysteme festzustellen und
Möglichkeiten der politischen Gegensteuerung zu benennen. Das IPCC betreibt
keine eigene Forschung, sondern bedient sich der veröffentlichten
wissenschaftlichen Literatur. Seine Berichte werden im wesentlichen durch
Wissenschaftler erstellt, die im Welt-Klimaforschungsprogramm (WCRP) tätig
sind. Die ersten drei Berichte wurden 1990, 1995 und 2001 veröffentlicht.
Nähere Informationen zum IPCC findet man im Internet unter www.ipcc.ch
und zum WCRP unter http://wcrp.wmo.int
.
In seinem
vierten Bericht, dessen Zusammenfassung am 2.2.2007 veröffentlicht wurde,
stellt das IPCC folgende Änderungen im Klimasystem fest (wenn nicht anders
gekennzeichnet, gelten die Änderungen für den Zeitraum 1906-2005):
Der
Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% von 280 ppm auf 379 ppm im
Jahr 2005 zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit
50 Jahren. Der heutige Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren. 78%
der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf
Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen).
Andere
wichtige Treibhausgase wie z.B. Methan und Lachgas, deren Konzentrationen seit
1750 um 148% bzw. 18 % zugenommen haben, machen zusammen etwa halb soviel aus
wie der CO2-Anstieg.
Die für
Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden
vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere
Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen
geringen Einfluss.
Beobachtungen
Die
Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale
Oberflächentemperatur ist um +0,74°C gestiegen, und 11 der letzten 12 Jahre
waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturzunahme der
letzten 50 Jahre ist doppelt so hoch wie die der letzten 100 Jahre, und die
Arktis hat sich doppelt so stark erwärmt wie im globalen Mittel.
Die
Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.
Rekonstruierte
Daten aus Beobachtungen und anderen Quellen, wie z.B. Baumringdaten, deuten
darauf hin, dass die Temperaturen der letzten 50 Jahre sehr wahrscheinlich
höher waren als jemals zuvor in den vergangenen 500 Jahren und wahrscheinlich
höher als in den vergangenen 1300 Jahren.
Die
schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa 5% abgenommen.
Weltweit
schrumpfen die Gletscher und tragen gegenwärtig mit 0.8 mm pro Jahr zum
Meeresspiegelanstieg bei.
Das Meereis
verzeichnet in der Arktis seit 1978 einen Rückgang im Jahresmittel um 8% und im
Sommer um 22%. In der Antarktis ist kein Rückgang zu sehen.
Die
Eisschilde auf Grönland und der Antarktis verlieren gegenwärtig Masse durch
Schmelzen und Gletscherabbrüche und tragen 0.4 mm pro Jahr zum
Meeresspiegelanstieg bei.
Die
Temperaturen in den oberen Schichten des Permafrostsbodens haben sich seit 1980
um 3°C erwärmt, und die Ausdehnung des saisonal gefrorenen Bodens hat seit 1900
um 7% abgenommen, im Frühling sogar um 15%.
Die Ozeane
sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Diese
Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen.
Der
Meeresspiegel ist seit 1993 durchschnittlich um etwa 3 mm pro Jahr gestiegen,
im 20. Jahrhundert um 17 cm. Davon ist etwas mehr als die Hälfte verursacht
durch thermische Ausdehnung des wärmeren Ozeans, etwa 25% durch Abschmelzen der
Gebirgsgletscher, und etwa 15% durch das Abschmelzen von der Eisschilde.
Änderungen
der meridionalen Umwälzbewegung im Atlantik (oft vereinfacht aber unzutreffend
als "Golfstrom" bezeichnet") können aus den vorliegenden Daten
nicht abgeleitet werden.
Beobachtete
Änderungen des Salzgehalts im Ozean sind ein Indikator für Änderungen von
Niederschlag und Verdunstung, und für verstärkten Transport von Wasserdampf in
der Atmosphäre von niedrigen zu höheren Breiten.
Zuordnung (Attribution)
Es ist sehr
wahrscheinlich, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre wesentlich durch
anthropogene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) verursacht worden ist.
Projektionen
Klimaprojektionen
für die nächsten 100 Jahre lassen sich überzeugend durch Klimamodelle
simulieren, die mit Energienutzungsszenarien angetrieben werden. Solche Modelle
sagen – je nach Energienutzung – eine weitere Temperaturerhöhung und einen
Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraus.
Für die
letzte Dekade des 21. Jahrhunderts ist der wahrscheinlichste Wert der globalen
Erwärmung für das niedrigste Szenario 1.8°C (1.1–2.9°C), und für das höchste
Szenario 4.0°C (2.4–6.4°C). Die größte Erwärmung findet dabei in hohen
nördlichen Breiten statt.
Für die
nächsten 2-3 Jahrzehnte hängt die projizierte Erwärmung nur wenig von den
Annahmen über zukünftige Emissionen ab, und selbst bei einem sofortigen Ende
aller Emissionen würde durch die Trägheit des Klimasystems ein weiterer
Temperaturanstieg bis zu ca. 0.6°C erfolgen.
Für den
Anstieg des Meeresspiegels sind die Projektionen für 2090-2100:
18–38 cm
für das niedrigste und 26–59 cm für das höchste Szenario. Die Projektionen
haben einen engeren Bereich gegenüber früheren Berichten, vor allem durch
bessere Genauigkeit bei der thermischen Ausdehnung, sind aber nicht wesentlich
von den früheren verschieden. Auch nach vollständigem Ende der Emissionen wird
der Meeresspiegel über viele Jahrhunderte ansteigen, bedingt durch weitere
Erwärmung des tiefen Ozeans. Allerdings gibt es eine erhebliche Unsicherheit
hinsichtlich der weiteren Entwicklung des grönländischen und des antarktischen
Eisschilds, hier kann ein höherer Beitrag zum zukünftigen Anstieg nicht
ausgeschlossen werden. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine
dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C über Jahrtausende zu einem vollständigen
Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde, entsprechend einem
Meeresspiegelanstieg um 7m.
Es ist sehr
wahrscheinlich, dass die Meridionale Umwälzbewegung im Atlantik um
durchschnittlich 25% im 21. Jahrhundert abnehmen wird. Die Temperaturen in der
Atlantischen Region werden dennoch zunehmen, da der Einfluss der globalen
Erwärmung überwiegt. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich dass es zu einem
abrupten Zusammenbruch im 21. Jahrhundert kommt.
Der
Niederschlag wird in höheren Breiten sehr wahrscheinlich zunehmen, während es
in den Tropen und Subtropen (einschließlich der Mittelmeerregion)
wahrscheinlich zu einer Verminderung des Niederschlags kommen wird.
(Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und
Meeresforschung 2007)
·
um einen gefährlichen Klimawandel noch zu verhindern,
muss innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Trendumkehr und bis 2050 eine
Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen gegen über 1990 erreicht werden;
Vorschlag: Festschreibung einer globalen Temperaturleitplanke von 2 Grad über
dem vorindustriellen Niveau, entsprechend einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration
unterhalb von 450 ppm CO2eq (= Summe aller Treibhausgase, die in
ihrer Strahlungswirkung einer CO2-Konzentration von 450 ppm äquivalent sind);
mit 380 ppm heute hat die CO2-Konzentration den höchsten Wert seit 650.000
Jahren erreicht (so weit reichen die genauen Daten aus Eisbohrkernen zurück),
wahrscheinlich aber sogar seit Millionen von Jahren;
gemeinsame Erklärung der wissenschaftlichen Akademien der G8-Staaten: „Das
wissenschaftliche Verständnis des Klimawandels ist heute hinreichend klar, um
schnelles Handeln der Staaten zu rechtfertigen.“;
ab Temperaturerhöhung um 3 Grad würde wahrscheinlich ein Abschmelzen des
Grönlandeises ausgelöst; Meeresspiegelanstieg mehrere Meter;
Reduktionsziel für Deutschland bei Treibhausgasemissionen: 40% bis 2020;
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen:
Politikpapier – Neue Impulse für die Klimapolitik, 2007)
·
Gesetzentwurf Großbritannien;
CO2-Ausstoß bis 2050 um 60 % senken;
Ausschuss für Klimawandel soll Fünfjahrespläne aufstellen, zulässige
Höchstmengen für CO2 regeln;
z.B. 2000 Flugmeilen pro Jahr, dann hoch besteuert;
bis 2011 Glühbirnen abschaffen, Stand-by-Knöpfe an Geräten verbieten;
(taz 14.3.07)
·
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung:
Klimawandel wird in Deutschland in den nächsten 43 Jahren 0,5 % des BSP kosten
– jährlich (Summe: 800 Milliarden Euro); dagegen ließen sich mit Investitionen
von 0,1 % des BSP in den Klimaschutz die Folgen noch mindern;
300 Milliarden Euro direkte Schäden, 300 Mrd höhere Energiekosten und 170 Mrd
für notwendige Anpassungsmaßnahmen;
zusätzliche Versicherungskosten von 100 Mrd Euro in den nächsten 50 Jahren
(bestätigt die Münchner Rückversicherung grundsätzlich)
(taz 15.3.07)
·
(197) Das Ozon in der Stratosphäre ist verteilt und
würde (kompakt) nur eine Schicht von ungefähr 3 Millimetern Dicke bilden
(Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, Goldmann München 2004)
·
wir verheizen weltweit jeden Tag über 10 Millionen
Tonnen Erdöl, 12,5 Millionen Tonnen Steinkohle und 7,5 Millionen Kubikmeter
Erdgas;
1,5 Milliarden Rinder weltweit setzen jährlich 80 Millionen Tonnen Methan frei;
Mitte voriger Woche mahnten die Chefs von fast 100 Konzernen bei einer
Konferenz in New York konsequente Maßnahmen gegen den Klimawandel an, darunter
Volvo, Air France, General Electric;
Konrad Kleinknecht, Klimabeauftragter der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft: als Brückentechnologie sollten wir die Kernkraft nutzen, bis die
alternativen Energien ausgereift sind, dafür kann man auch die Risiken in Kauf
nehmen, angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel war Tschernobyl ein
lokales Ereignis;
leichte Entwarnung geben Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt unter Berufung auf den neuen IPCC-Report für den Luftverkehr. Er
wirke sich weniger gravierend auf das Klima aus als angenommen, dies gelte
speziell für die Effekte der Kondensstreifen. Sie erzeugen weniger Höhenwolken
als gedacht. Diese eisigen Zirren halten die von der Erde ausgehende
Wärmestrahlung zurück. Dennoch tragen Flugzeuge mit drei Prozent zum
Treibhauseffekt bei;
Laut IPCC trägt die Sonne mit 0,12 Watt pro Quadratmeter eingestrahlter Energie
zur globalen Erwärmung bei (7 Prozent JK), die Treibhausgase dagegen mit
1,6 Watt;
(Focus 26.2.07 S.20ff)
5.6.07
·
Landwirt in Mecklenburg hat auf einer besonders
sandigen Fläche von rund 50 Hektar in diesem Jahr eine dürreresistente
Getreidesorte angebaut, die sich schon in Nordafrika bewährte, den sogenannten
Kamelweizen. Mit Erfolg – er hat die 7 Wochen Trockenheit gut überstanden
(ZEIT 31.5.07 S.15)
·
Merkels Ziele in Heiligendamm G8-Gipfel:
G8 auf Versprechen festlegen, die Erderwärmung auf einen Temperaturanstieg von
nicht mehr als 2 Grad zu begrenzen;
Treibhausgasausstoß bis Mitte des Jahrhunderts weltweit halbieren;
Energieeffizienz bis 2020 um 20% steigern;
die Wissenschaft hat Merkel auf ihrer Seite: UN-Klimarat,
Wissenschaftsakademien sämtlicher G8-Staaten und der 5 Schwellenländer (Indien,
China, Brasilien, Mexiko, Südafrika) einigten sich auf gemeinsamen Appell (auch
USA-Akademie unterzeichnet);
General Motors, nach Toyota der größte Autohersteller weltweit, ist vor kurzem
einer Initiative beigetreten, die sich für einen konsequenten Klimaschutz in
den USA stark macht;
der Nationale Kirchenrat (der USA) macht Druck;
(ZEIT 31.5.07 S.26)
·
Klimabombe im Permafrost;
Osloer Institut: in den nächsten 100 Jahren könnten aufgrund der steigenden
Temperaturen aus Permafrostgebieten in
der Arktis 200 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden; das entspricht fast
der Gesamtmenge an CO2, die in den letzten 150 Jahren weltweit durch
Verbrennung von Kohle und Öl freigesetzt wurde;
seit der letzten Eiszeit dauerhaft tiefgefroren ist etwa ein Viertel der
Landoberfläche der Nordhalbkugel; fast ganz Sibirien und Alaska, etwa 40% der
Fläche Kanadas; in Teilen Sibiriens ist der Permafrostboden bis eineinhalb
Kilometer dick;
Kohlenstoffgehalt insgesamt etwa 750 Milliarden Tonnen (C oder CO2?)
(taz 19./20.5.07)
·
seit 2000 steigt der CO2-Ausstoß weltweit jährlich um
3 Prozent; schneller als in den schlimmsten Szenarien des UN-Klimarates Ende
der 90er Jahre;
Klimaschutzziel der Begrenzung auf 2 Grad Erwärmung nicht mehr zu schaffen?
(taz 23.5.07)
·
Prof. Berz München, früher im Auftrag der Münchner
Rückversicherung für Klimafragen zuständig: Versicherungen als weltweites
Frühwarnsystem; in den vergangenen 25 Jahren 95% der durch Wetter verursachten
Schäden von so genannten Wetterextremen verursacht; Versicherungsschäden
dadurch um das 26-fache gestiegen
(Das Parlament 29.5./4.6.07 S.9)
·
(Zeichen der Zeit I/2007: Gemeinschaft der
Siebenten-Tags-Adventisten; Heft zum Klimawandel 16 Seiten)
·
(6) CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist heute so hoch
wie noch nie in den letzten 650.000 Jahren, wahrscheinlich gilt das sogar für
die letzten 20 Millionen Jahre;
(11) Hitzesommer 2003 forderte in Deutschland 7000 Menschenleben, mehr, als
jährlich bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen;
(22) CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr 2002
Indien 1,1 Tonne; China 2,94; Welt 4,04; Frankreich 6,24; EU 8,44; Deutschland
10,64; Russland 10,64; USA 20,19;
(BMU: Klimaschutz lohnt sich, Broschüre 2006)
·
CO2-Ausstoß je Kilowattstunde Strom: Braunkohle 940
Gramm, Steinkohle 750, Erdgas 350;
Wirkungsgarde Kraftwerke: Gas 57%, Braunkohle 43%
(taz 29.3.07)
·
(23) die Gletscher, z.B. in den Alpen, sind bereits
um 70% geschrumpft. In voraussichtlich 20 Jahren werden sie ganz verschwunden
sein.;
(25) für das Erreichen des 2-Grad-Zieles muss der Anstieg der globalen
Emissionen innerhalb von 1 bis 2 Jahrzehnten gestoppt sein; Mitte des
Jahrhunderts dürfen jährlich nur noch halb so viel Treibhausgase ausgestoßen
werden wie 1990;
die EU hält für Industrieländer Reduzierungspfade von 15 bis 30% bis 2020 und
von 60 bis 80% bis 2050 für erforderlich; bereits heute existieren Techniken,
um diese Reduktion zu erreichen;
(30) Regierung in China: bis 2020 sollen 30% des Stroms in China durch
erneuerbare Energien hergestellt werden
(BMU: Aus Verantwortung für die Zukunft, Broschüre 2007)
·
amerikanische Städte bekennen sich zu den Richtlinien
des Kioto-Protokolls; mittlerweile haben 435 Städte mit 61 Millionen Einwohnern
unterschrieben;
40% der US-Amerikaner sagen, dass sie angesichts der globalen Erwärmung „sehr
besorgt“ seien; vor 2 Jahren waren es nur 25%;
gerade erst hat der Oberste Gerichtshof der USA entschieden, dass die Nationale
Umweltbehörde EPA dazu verpflichtet ist, die Treibhausgase zu reduzieren;
eine Reihe von US-Konzernen haben sich mit der Umweltschutzorganisation Natural
Resources Defense Council zusammengetan, um die Kioto-Vorgaben zu erfüllen
(General Electric, DuPont, BP, Caterpillar ...); sogar Wal-Mart hat Klimaschutz
auf seine Fahne geschrieben – will Energieverbrauch um 30% und CO2-Ausstoß um
20% reduzieren;
(taz 3.5.07)
·
Gletscher des Himalaya, Wasserspeicher Asiens, 15%
der globalen Eismasse; Indus, Ganges, Mekong, Jangtse speisen sich aus ihren
Schmelzwässern; 500 Millionen Menschen hängen davon ab;
die Himalaya-Gletscher könnten bis 2050 verschwunden sein;
Folgen des Klimawandels werden sehr ungleich verteilt sein: Während der Süden
aufgrund der trockenen Hitze unter Getreideschwund zu leiden haben wird,
dürften auf der Nordhalbkugel zunehmende Wärme und Feuchtigkeit künftig für
Erntezuwächse sorgen.;
BMU spielte vor 5 Jahren mit der Idee eines „Überlebenspaktes“ zwischen Nord
und Süd: Europa könnte überschüssiges Getreide nach Afrika liefern, Afrika im
Gegenzug Sonnenenergie nach Norden fließen lassen (z.B. gespeichert in Form von
Wasserstoff)
(ZEIT 3.5.07 S.3)
·
3. Teil des UN-Klimaberichts:
die Menschheit hat nur noch bis 2015 Zeit, den Klimawandel zu stoppen;
wenn CO2-Emission bis 2020 um 40% reduziert werden sollen, kostet das die
Haushalte im Durchschnitt 25 Euro im Monat (Troge UBA);
(Freie Presse 5./6.5.07)
·
10,5 Tonnen CO2 verursacht jeder Deutsche im Jahr:
Verkehr: 1,8 Tonnen; Ernährung 1,2; sonstiges 1; Konsum 3,2; Wohnen 3,3;
2050 dürfen es noch etwa 2 Tonnen sein
(taz 5./6.5.07)
·
während in den Alpen die Gletscher schmelzen, breiten
sie sich in Neuseeland sogar noch aus; es gebe kein globales Verhalten der
Gletscher
(taz 4.5.07)
·
CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken
Beim „Carbon Capture and Storage“-Verfahren (CCS) soll das Kohlendioxid in
Kohlekraftwerken aus den Abgasen abgetrennt, verdichtet und über Pipelines zu
unterirdischen Lagerstätten transportiert werden; in Frage kommen etwa alte
Erdgasfelder; es ist fraglich, ob eine dauerhafte sichere Lagerung möglich ist;
das Verfahren verbraucht viel Energie; Kosten für Erzeugung von Braunkohlestrom
könnten sich von derzeit 2 Cent verdoppeln bis verdreifachen;
Chef des Energiekonzerns Vattenfall: kommerziellen Einsatz erwarte ich
optimistisch bis 2025 und realistisch bis 2020; ab da werden wir keine
Kraftwerke mehr ohne CCS bauen und die alten nachrüsten;
Amerikaner rechnen mit 50 Euro Zusatzkosten je Tonne abgeschiedenes CO2, RWE
mit 40 – wir rechnen mit 20;
(taz 25.4.07)
·
Chef der MIBRAG: „völlig utopisch“, bis 2050 in
Deutschland die Hälfte der Energie aus regenerativen Quellen erzeugen zu
wollen; entsprechende Pläne würden das Land zur „industriefreien Zone“ machen
(Freie Presse 19.4.07)
·
in Bangladesh leben 140 Millionen Menschen auf etwa
40% der Fläche Deutschlands; bereits ein Anstieg des Meeresspiegels um 45
Zentimeter würde dazu führen, dass in B. 5,5 Millionen Menschen ihre Heimat
verlassen müssten, 10.9% der Fläche des Landes gingen verloren
(Le Monde diplomatique April 2007 S.14)
·
Alfred-Wegener-Institut Bremen;
Eisbohrungen: wir konnten das Klima über 860.000 Jahre rekonstruieren; es gab 8
Kalt-Warmzeit-Zyklen; dabei reagierte der Nordpol (mit Temperaturänderungen bis
zu 15 Grad in 20 Jahren viel sprunghafter als der stabile Kälteklotz in der
Antarktis, der 90% allen Eises birgt;
Daten widerlegen düstere Prophezeiungen, der Meeresspiegel könne in kurzer Zeit
um mehrere Meter ansteigen. Bis das Grönlandeis schmilzt, vergehen mehr als
tausend Jahre. Denn es war in der Vergangenheit auch deutlich wärmer als heute,
ohne dass die riesigen Gletscher verschwanden. Auch die Befürchtung, der
aktuelle Klimawandel lasse das Treibhausgas Methan aus Sümpfen und Meeren
ausgasen und das Klima „kippen“, nicht bestätigt: wir sehen auch in wärmeren
Zeiten keinen entsprechenden Anstieg des Methans;
Das Klima kann nicht kollabieren, Natur kennt keine Katastrophen. Was wir
Menschen als Naturkatastrophen bezeichneten, seien in Wahrheit
Kulturkatastrophen;
Die Bremer Glaziologen betonen, dass sie den Weltklimabericht des IPCC nicht
infrage stellen, haben daran mitgearbeitet
(ZEIT 6.6.07 S.40)
·
Debatte im Bundestag zur Regierungserklärung
Klimaschutz;
EU-Beschluss: bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 20% gesenkt werden,
die Energieeffizienz um 20% gesteigert werden und der Anteil der erneuerbaren
Energien am Primärenergieverbrauch soll auf 20% gesteigert werden;
Bundestagsbeschluss November 2006: Verweis auf Ergebnisse der
Enquete-Kommission zum Schutz der Erdatmosphäre: Minderung der
Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40%;
Reiche (CDU): Biomasse-Pflanzen müssen leistungsfähiger sein; grüne Bio- und
Gentechnologie unverzichtbar;
(Das Parlament 30.4.07)
·
anders als erwartet, zeigten 10 Jahre dauernde
Messungen bisher keine Abschwächung des Golfstromes im Atlantik, nahezu alle
Klimamodelle sagen diese jedoch voraus
(ZEIT 22.3.07 S.52)
·
Untersuchungen am Bodensee: Die Klimaerwärmung ist
die Hauptursache für die Veränderung des Vogelbestandes in Mitteleuropa
(bdw 5/07 S.8)
·
G8-Gipfel Heiligendamm Kompromiss beim Klimaschutz:
Bezug auf den Bericht des Weltklimarates;
künftige Klimaziele sollen unter dem Dach der UNO ausgehandelt werden;
verpflichtende Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen werden als notwendig
anerkannt;
Senkung der klimaschädlichen Gase um 50 % bis 2050 wird „ernsthaft in Betracht
gezogen“
(taz 8.6.07)
·
derzeit steigt der Meeresspiegel um gut drei
Millimeter pro Jahr; vor 50 Jahren war es halb so viel; IPCC erwartet bis 2100
Anstieg von 18 bis 59 cm; Ozean-Experte Rahmstorf Potsdam geht von einem
Anstieg um 0,5 bis 1,4 Meter aus;
derzeit steuert immer noch die thermische Ausdehnung des Wassers den größten
Anteil zum Meeresspiegelanstieg bei
(bdw 6/07 S.51)
·
der Mensch verheizt in einem Jahr die gleiche Menge
an fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl und Erdgas), wie sich in einer Million
Jahren gebildet haben;
pro Jahr werden durch Verbrennung fossiler Brennstoffe 27 Mrd. Tonnen CO2
freigesetzt (1990 waren es noch 21 Mrd. t); dazu kommen fast 6 Mrd. Tonnen pro
Jahr, die durch Eingriffe in das Gleichgewicht zwischen Atmosphäre und
bewachsenem Land entstanden sind (Abholzen von Wäldern und landwirtschaftliche
Nutzung verringern Grünflächen, die früher CO2 gebunden haben);
die CO2-Konzentration der Atmosphäre übersteigt heute alle natürlichen
Spitzenwerte der vergangenen 650.000 Jahre, deren Klimageschichte inzwischen
zuverlässig rekonstruiert werden kann
(bdw plus „Ran ans CO2-Problem“ 6/07)
14.6.07
·
Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger:
“Wenn 98 Prozent der Ärzte sagen, dass mein Sohn krank sei und Medizin brauche,
zwei aber das bestreiten, traue ich logischerweise den 98.“;
Evangelikale Christen in den USA, ansonsten treuer Teil der republikanischen
Parteibasis, erkennen im Kampf gegen die Erderwärmung nun den biblischen
Auftrag zur „Bewahrung der Schöpfung“.
(ZEIT 6.6.07 S.3)
·
Klimagipfel der Bundesregierung in Berlin;
Merkel: die ehrgeizigen Klimaziele ihrer Regierung seien auch ohne Atomkraft zu
erreichen, und deshalb werde sie am Ausstieg aus der Kernenergie festhalten;
Energiepolitik ist wieder dort angekommen, wo sie hingehört: in der Politik;
Merkel hat den amerikanischen Präsidenten in Heiligendamm dazu gebracht, den
Klimawandel nicht länger zu leugnen. Sie hat die Europäer auf dem Brüsseler
Gipfel im März dazu verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu
reduzieren. 30 % weniger CO2 will die EU bis zum Jahr 2020 in die Atmosphäre
blasen, Deutschland soll die Emissionen sogar um 40 % senken. Und spätestens
seit Dienstag ist klar: Die Kanzlerin will zu Hause alles dafür tun, dass
Deutschland seiner internationalen Vorreiterrolle gerecht wird.
Das trifft nicht nur die Industrie, sondern vor allem die Verbraucher. Das
Klima zu schützen sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Merkel.
Übersetzt heißt das: Alle müssen ran.;
Bis zum Jahr 2020 soll in Deutschland mit einer Einheit Energie doppelt so viel
produziert werden wie noch 1990.;
Von 2010 an will die Regierung jährlich kontrollieren, ob die Ziele in
greifbare Nähe rücken.;
Noch vor November will Merkel das deutsche Energiekonzept („Integriertes Klima-
und energiepolitisches Gesamtkonzept“) verabschiedet haben;
Klimaschutz funktioniert nur, wenn Elektrizität, Wärme und Treibstoffe nicht
länger verschwendet werden ... Merkel spiele „die Effizienzkarte mit harter
Hand“, heißt es im Kanzleramt;
Die Vorstandschefs der Konzerne saßen da wie Schuljungen in der Klasse;
nur Länder wie Japan und Großbritannien setzen Kohle, Öl und Gas noch
produktiver ein als Deutschland;
Energieproduzenten ... Dass massives Sparen und moderne Techniken den
Konzernchefs „hohe Absatzverluste und kräftige Konkurrenz“ bescheren ... rund
500 Milliarden kWh Strom werden jährlich in Deutschland verbraucht. Bis in die
1990er Jahre teilten die großen Versorger die Erlöse praktisch unter sich auf.
Im Jahr 2020 soll ein Fünftel der Elektrizität aus grünen Fabriken
(Erzeugungsanlegen JK) stammen, weitere 10 % würden wegen effizienter Geräte
gar nicht mehr nachgefragt. ... den Konzernen würden 15 Milliarden Euro
jährlich in der Kasse fehlen
(Zeit 5.7.07 S.26)
·
Motto des
LIVE-EARTH-SPEKTAKELS am 7.7.07 (Organisator Al Gore): Save Our Selves
(ZEIT 5.7.07)
·
Merkel auf dem Energiegipfel in Berlin: „Der
Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“
(taz 4.7.07)
·
noch nie seit Beginn der Messungen war es in
Deutschland über den Zeitraum von 12 Monaten so warm wie zwischen Juni 2006 und
Mai 2007; bundesweit lag die Durchschnittstemperatur mit 11 Grad Celsius 3 Grad
über dem langjährigen Mittel;
auch das gesamte Jahr 2006 wird als neuer Rekord in die Klimageschichte
eingehen
(taz 28.6.07)
·
Bioobst aus Übersee, CO2-Bilanz ???;
Seite www.natureandmore.com
(von Großhändler erstellt; stimmt aber in der Größenordnung);
von der Plantage bis zum deutschen Supermarkt verursacht 1 Kilogramm Avocado
aus Mexiko 127 Gramm CO2; 1 Kg Trauben aus Südafrika: 180 Gramm CO2;
zum Vergleich: Neuwagen in Deutschland stoßen im Durchschnitt auf 1 km 160
Gramm CO2 aus;
(taz 7./8.7.07)
·
hundert global tätige Firmen wie Bayer, die Allianz,
Ikea und Coca-Cola wollen sich im Rahmen der „Global Compact“-Partnerschaft
stärker als bisher für den weltweiten Klimaschutz engagieren; Erklärung zum
Abschluss einer zweitägigen Sitzung: versprechen Maßnahmen, mit denen sie den
Ausstoß des Klimagases CO2 vermindern wollen
(taz 7./8.7.07)
18.7.07
·
(18) schneeweiße Sandstrände, üppige Palmen,
türkisfarbenes Meer, farbenprächtige Fische im Korallenriff – die Eilande von
Tuvalu im Pazifischen Ozean sind ein Paradies. Doch nicht mehr lange. Denn die
neun Koralleninseln werden im Laufe dieses Jahrhunderts vom steigenden
Meeresspiegel verschluckt werden ... die Regierung hat für die 11000 Einwohner
bereits in Neuseeland und Australien Asyl beantragt;
(19) eine einzige Flugreise von Frankfurt am Main nach Sydney und zurück setzt
mit rund 12 Tonnen CO2 (pro Passagier) mehr CO2 frei, als die meisten der rund
eine Milliarde Menschen, die mit weniger als 1 Dollar pro Tag auskommen müssen,
während ihres ganzen Lebens zu verantworten haben;
insgesamt 77 % der volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen sind
auf atmosphärische Ursachen zurückzuführen; Schadenswert laut Münchner Rück
zwischen 1980 und 2003: 1300 Milliarden US-Dollar;
(20) Schätzungen zufolge hat der Klimawandel bereits bis heute zu zusätzlichen
150.000 Todesfällen und 5 Millionen Ansteckungen durch Malaria geführt;
(23) die arme Bäuerin in Bengalen, die durch (Nass-)Reisanbau für ihren
Lebensunterhalt Methan freisetzt, kann nicht in gleichem Maße für den vom
Menschen verursachten Klimawandel zur Verantwortung gezogen werden wie ein
reicher Sportwagenfahrer in Düsseldorf;
(24) am klarsten und gerechtesten wäre es, eine Gleichverteilung der
Emissionsrechte pro Kopf der Bevölkerungen anzustreben;
(Aus Politik und Gesellschaft, Beilage zu DAS PARLAMENT, Nr.13/2007, Soziale
Marktwirtschaft)
·
Jeffrey Michel:
CO2-Verflüssigung und Lagerung;
sofern kein eigenes Pipeline-Netz gebaut wird, müsste aller 2 Minuten irgendwo
in den Braunkohlerevieren ein Güterzug abgefertigt, nach Norddeutschland
gebracht und als Leergut wieder zurückgefahren werden; steht in keiner
Kostenanalyse der Stromwirtschaft;
Deutschland derzeit knapp 180 Mill. Tonnen Braunkohle pro Jahr (98 RWE
Rheinland, 58 Lausitz Vattenfall, 20 Mibrag Mitteldeutschland; zusätzlich
Abraum von fast 1 Milliarde Tonnen bewegt;
Produktionsanlagen für Kohleverflüssigung nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren
benötigen gut 10 Millionen Tonnen Rohbraunkohle und mehrere Millionen Tonnen
Wasser, um 1 Million Tonnen Kraftstoff zu erzeugen (Emission von 2 Tonnen CO2
für Produktion zusätzlich zu je 1 Tonne im späteren Verkehrsverbrauch)
(BRIEFE KFH Wittenberg Nr. 83/2007 S.T17)
·
in den Southern Alps auf Neuseeland werden die
Gletscher entgegen dem Trend zur Erderwärmung größer
(bdw 8/2007 S.9)
·
(20) jährlich werden der Atmosphäre derzeit etwa 32,3
Milliarden Tonnen CO2 zugeführt (dies entspricht 8,8 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff), wovon gut 80 % auf die Nutzung fossiler Energieträger und knapp
20 % auf Waldrodungen zurückgehen; etwa die Hälfte wird durch die Ozeane
„weggepuffert“;
(23) anthropogener Treibhauseffekt durch CO2 (61 %), Methan (15 %), FCKW (11 %)
(Die deutschen Bischöfe; Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
Kommission Weltkirche: Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller
und ökologischer Gerechtigkeit, 2. Auflage April 2007)
·
Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland die
Nutzung erneuerbarer Energien bei Heizung und Warmwasserbereitung per Gesetz
zur Pflicht erhoben; neu gebaute Gebäude müssen ab 2008 ein Fünftel ihres
Wärmebedarfs durch regenerative Energien decken; wer ab 2010 in Altbauten eine
neue Heizung einbaut, muss ein Zehntel des Bedarfs aus erneuerbaren Energien
beziehen oder so isolieren, dass der Wärmebedarf entsprechend sinkt
(taz 12.7.07)
·
die Herstellung von 1 kg Rindfleisch ist so
klimaschädlich wie eine Autofahrt von 259 km; Futterproduktion, Transport,
Methangasabgabe bei Verdauung (New Scientist 2613 S.15)
(taz 19.7.07)
17.10.07
·
Bischof Wolfgang Huber (EKD): „Es ist nicht zu spät
für eine Antwort auf den Klimawandel“, abgedruckt im Amtsblatt der Ev.-Luth.
Landeskirche Sachsens, Nr.15/2007, 17.8.07 Seite B17ff.
·
Bundeskanzlerin Merkel: Klimagerechtigkeit:
langfristig (2050) steht jedem Menschen ein Ausstoß von 2 Tonnen CO2 pro Jahr
zu; „das zu erreichen ist eine dramatische Anstrengung“
(taz 11.10.07)
·
Blauzungenkrankheit;
“Erderwärmung bringt neue Tierseuche“;
bei Schafen Sterberate bis 50%; bei Rindern nur 3-5%;
bei den anderen Tieren heilt die Krankheit folgenlos ab;
für Menschen keine Gefahr beim Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten
(taz 21.9.07)
·
Blauzungenkrankheit; Wiederkäuer;
bis 2006 trat der Erreger nur südlich der Sahara, in Lateinamerika und
möglicherweise auch in Indien und Pakistan auf; der Klimawandel wird bei
Tierseuchen gern ins Spiel gebracht; hier aber nicht unbedingt kausaler
Zusammenhang; jedenfalls sei das Virus nicht mit wandernden Insekten aus dem
Süden importiert worden, eher mit illegalen Tiertransporten in die Maastrichter
Gegend eingeschleppt und dann auf die einheimischen Gnitzen getroffen, die sich
als gute Überträger erwiesen hätten; milder Winter hat Entwicklung von Mücken
und Viren begünstigt;
2007 10.300 Fälle in Deutschland, davon 8000 allein im September
(Zeit 4.10.07, S.46)
·
Beitrag zur Erderwärmung
|
Land |
Ausstoß 2004 |
Ausstoß 2004 |
|
USA |
5800 |
19,73 |
|
China |
4732 |
3,65 |
|
Russland |
1529 |
10,63 |
|
Japan |
1215 |
9,52 |
|
Indien |
1103 |
1,02 |
|
Deutschland |
847 |
10,29 |
|
Großbritannien |
537 |
8,98 |
|
Polen |
296 |
7,75 |
|
Nigeria |
48 |
0,37 |
|
Weltdurchschnitt |
|
4,2 |
·
(Zeit 13.9.07 S.25; taz 17.10.07)
·
Bundesverband der Deutschen Industrie BDI stellt
Studie von McKinsey vor;
bis 2020 lassen sich die Treibhausgase in Deutschland um 26 % verringern, ohne
dass es zu zusätzlichen Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher käme; die
dafür notwendigen Investitionen (Sanierung von Gebäuden, sparsamere Motoren)
würden sich praktisch von selbst finanzieren (über Einsparungen);
wenn mehr investiert wird, sind auch 31 % Emissionsminderung möglich
(taz 26.9.07)
·
Vatikan verkündete, von nun an klimaneutral zu sein:
ein ungarisches Unternehmen will zur Kompensation so viele Bäume pflanzen, das
damit der gesamte C=2-Ausstoß des Vatikan absorbiert wird
(taz 15.10.07)
·
Vierter Bericht des IPCC (noch unveröffentlicht):
selbst bei sofortigem Stopp aller Emissionen würden die Temperaturen weltweit
bis 2100 um 0,9 Grad steigen;
Zunahme extremer Wetterlagen, große ökonomische Schäden;
“Der globale Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist mit größter
Wahrscheinlichkeit auf den durch den Menschen verursachten Anstieg der
Treibhausgaskonzentrationen zurückzuführen“
(taz 15.10.07)
·
Inselstaat Tuvalu im Pazifik; 11.000 Einwohner; wenn
der Meeresspiegel weiter steigt, in 50 Jahren nicht mehr bewohnbar; 3000
Einwohner bereits nach Neuseeland ausgewandert, in Australien mögliche
Einwanderung Wahlkampfthema
(Spiegel 37/2007 S.166)
·
Im ARD-Magazin Report München wurden
„Klimakatastrophenszenarien“ kritisch beleuchtet; Kronzeuge: Amerikaner Fred
Singer; hat viele Jahre im Auftrag von EXXONMobil Lobby-Arbeit gemacht
(Spiegel 30/2007 S.82)
·
Interview mit Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson,
Berater der Bundeskanzlerin für den Klimaschutz; Ziel von 40%
Emissionsminderung in Deutschland bis 2020 ist erreichbar; aber ohne Kernkraft
werden die Ziele viel schwieriger zu erreichen sein
(Spiegel 30/2007 S.62)
·
IPCC: mehr als 2500 Forscher und Vertreter von über
100 Regierungen beteiligen sich an der Erstellung der Berichte;
bis 2050 drohe bis zu 2 Milliarden Menschen Wasserknappheit; in einigen Ländern
würden die Ernten um die Hälfte zurückgehen
(Freie Presse Chemnitz 13./14.10.07)
·
Indonesien gehört durch die rasante Urwaldzerstörung
zu den größten Klimasündern der Welt; durch Abbrennen der Wälder und Verrottung
in den Böden jedes Jahr Emission von 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid = so
viel wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen
(taz 10.10.07)
·
Vergleich des Kraftstoffverbrauchs verschiedener
Verkehrsmittel:
pro Kopf-Verbrauch auf 100 km;
z.B. PKW 2,25 bis 9 Liter; Flugzeug bestenfalls 3 Liter; Bahn 0,5-2 Liter;
Reisebus 0,5-0,8 Liter;
aber beim Flugverkehr:
a) 10% des Verbrauchs in Warteschleifen
b) Schadstoffe werden in einer Höhe freigesetzt, wo sie viel stärker
klimaschädlich wirken (neben CO2 auch weitere Treibhausgase); daher
realistischer Faktor für tatsächliche Klimawirksamkeit berechnet: das 2,5 bis
3-fache des 3-Liter-Verbrauchs
(Freie Presse Chemnitz 23.8.07)
·
Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung; wissenschaftlicher Chefberater der Bundesregierung;
Je erdrückender die Beweislast der Klimawissenschaftler, desto schrillere und
bodenloser die „Gegenargumente“ der Klimabesserwisser:
Pensionierte Gewerbelehrer, Hobbymeteorologen, neunmalkluge Ingenieure,
Automobillobbyisten und ja, wahrhaftig, Mitarbeiter von respektablen Zeitungen
sind sich ganz sicher, dass sie die komplexen Umweltprozesse besser verstehen
als die Fachleute des IPCC und der führenden Akademien der Welt. Und die Medien
stellen selbst den größenwahnsinnigsten Luftnummern ihre Bühnen zur Verfügung.
...
Die Irreführungstaktik ist fast immer die gleiche: Man bringt ein Argument ins
Spiel, das zwar nicht (mehr) dem heutigen Stand der Forschung entspricht, aber
wissenschaftlich genug klingt, um den Klimalaien zu beeindrucken ...
(ZEIT-Magazin Leben, 6.9.07 S.22ff)
·
Zu Klima-Skeptikern:
Allergie von Publizisten gegen „Dogmen“ aller Art; die Wertschätzung des
Abweichlertums und der fröhlichen Ignoranz;
wer längst aufgegebene Positionen verteidigt, ist für Wissenschaftler ein
Scharlatan, Journalisten schätzen ihn als prinzipienfesten Querdenker;
viele „Klimaskeptiker“ umgehen das rigide wissenschaftliche Kontrollsystem des
peer review, der Begutachtung durch fachkundige Kollegen vor der
Veröffentlichung in Fachzeitschriften;
(taz 17.9.07)
·
Nationaler „Klimaforschungsgipfel“;
Bundesforschungsministerin Schavan: „Das Thema Klimawandel wir nicht mit der
Rhetorik des Verzichts populär werden“;
Aufsichtratsvorsitzender BMW: „weg von der reinen Verzichtsrhetorik und hin zu
den wirtschaftlichen Chancen des Klimawandels“; „Klimaschutz mit
Wohlstandssicherung verbinden“;
vier Forschungsvorhaben:
Entwicklung von organischen Photovoltaik-Materialien
Energiespeicherung (Druckluft, Wasserstoff)
weiterentwickelte Auto-Elektronik
car to car communication;
Interview Schellnhuber: „Das Streben nach technologischen Lösungen darf nicht
davon ablenken, dass wir auch unser Verhalten ändern müssen.“; „wir brauchen
auch einen Mentalitätswandel“; größter Forschungsbedarf: Rückgewinnung von CO2
aus der Atmosphäre; Solarenergie; Speicherung und Übertragung weiterentwickeln
(taz 17.10.07)
·
Speicherraum für CO2 (nach Abtrennung im
Verbrennungsprozess) in Deutschland (Schätzungen der Energiewirtschaft): in
Gasfeldern 1,55 Mrd Tonnen, in salinen Formationen 3,1 Mrd Tonnen
(Das Parlament 10.9.07 S.17)
·
Brasilien;
Der Regenwald im Amazonasgebiet wird nicht mehr wegen der Edelhölzer dezimiert
oder für die Rinderzucht niedergebrannt. Der Anbau von Zuckerrüben und Mais ist
dort mittlerweile der größte Flächenfresser. ... Durch die weitere Abholzung
der Amazonas-Regenwälder oder der Yunga-Wälder in Argentinien gehen Flächen
verloren, die Feuchtigkeit speichern und das Klima regulieren. So beschleunigt
der massive Anbau von Biokraftstoffen auf der Südhalbkugel den Klimawandel –
den die Verwendung von Ökoantrieb in den Industrieländern eigentlich bremsen
soll
(Das Parlament 10.9.07 S.13)
·
·
Unentdeckte Vielfalt
|
·
Bereich der |
·
derzeit |
·
vermutete Anzahl |
|
·
Insekten |
·
1.025.000 |
·
8.750.000 |
|
·
Pilze |
·
72.000 |
·
1.500.000 |
|
·
Bakterien |
·
4.000 |
·
1.000.000 |
|
·
Algen |
·
40.000 |
·
400.000 |
|
·
Fadenwürmer |
·
25.000 |
·
400.000 |
|
·
Viren |
·
1.550 |
·
400.000 |
|
·
Pflanzen |
·
270.000 |
·
320.000 |
|
·
Weichtiere |
·
70.000 |
·
200.000 |
|
·
Einzeller |
·
40.000 |
·
200.000 |
|
·
Krebstiere |
·
43.000 |
·
150.000 |
|
·
Fische |
·
26.960 |
·
35.000 |
|
·
Vögel |
·
9.700 |
·
9.880 |
|
·
Reptilien |
·
7.150 |
·
7.830 |
|
·
Säugetiere |
·
4.650 |
·
4.810 |
|
·
Amphibien |
·
4.780 |
·
4.780 |
|
·
Andere Arten |
·
110.000 |
·
250.000 |
|
·
|
·
|
·
|
|
·
Summe |
·
|
·
bis zu 14 Millionen |
·
20 bis 30 Prozent aller Arten könnten
bis 2050 der Erderwärmung zum Opfer fallen (IPCC)
(BMU: Magazin zum Klimaschutz und zur biologischen Vielfalt; Ohne Eis kein
Eisbär, Mai 2007, S.12)
·
EuvWeizsäcker; in Peking gehört:
Unser größter Beitrag zum Klimaschutz ist die Ein-Kind-Familie.“ Ohne
Geburtenkontrolle gäbe es heute 400 Millionen mehr Chinesen
(bdw 10/2007 S.92)
·
Neue Klimastudie des Netzwerkes Global Carbon
Project:
“politische Bombe“;
in den 1990er Jahren wuchsen die weltweiten CO2-Emissionen um 1,3% pro Jahr;
mittlerweile gestiegen auf 3,3%; IPCC legt in seinem pessimistischen Szenario
2,4% zugrunde;
ein wachsender Anteil des freigesetzten CO2 landet in der Atmosphäre; Ozeane
nehmen weniger auf; in der Natur in den 19990er Jahren noch 60% gebunden,
derzeit nur noch 54%;
Ölpreis steigt viel schneller als Preis für Kohle: die Folge: es wird mehr
Kohle verbrannt
(ZEIT 31.10.07 S.32)
·
Klimawandel „Naturkatastrophe“?; die Natur erlebt
keine Katastrophe, sie bringt Ereignisse hervor, die für Menschen katastrophal
sind, also soziale Folgen haben;
kapitaler Denkfehler, man könne den Klimawandel mit protestantischer
Gewissensethik und deutscher Ingenieurkunst abwenden; Individuen und
Gesellschaften wird eine immense kulturelle Anpassungsleistung abverlangt!;
Sozial- und Kulturwissenschaften gefordert; Gesellschaftszusammenbrüche und
Ressourcenkonflikte, Massenmigrationen, Klimakriege und Gewaltökonomien fallen
in ihre Zuständigkeit;
die meisten Klimaforscher setzen weiter allein auf Hightech ... als hätten sie
von Wertewandel, Lebensstilanalysen oder Konsumentenmacht noch nie gehört
(ZEIT 31.10.07 S.46)
·
Rauchschwaden über Südostasien verstärken
Treibhauseffekt (vermindertes Rückstrahlvermögen, winzige schwarze
Kohlenstoffpartikel absorbieren Sonnenlicht); anders vor der Wende im
„Schwarzen Dreieck“ DDR-Tschechien-Polen: mehr schwefelhaltige Partikel, kleine
sehr helle Wassertröpfchen, reflektierten Sonnenstrahlen gut
(Ökotest 10/2007 S.139)
·
Laut Theorie sollten Pflanzen bei mehr CO2 schneller
wachsen;
ABER (Freilandversuche):
die Erträge steigen nur zwischen 6 und 15 %;
der Proteingehalt nimmt ab (10-15%);
Vitamin-C-Gehalt bei Kartoffeln nimmt um 50% ab
(taz 31.10.07)
·
Studie Umweltbundesamt;
wenn alle in Deutschland geplanten Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich umgesetzt
werden, kostet das Verbraucher und Industrie bis 2020 rund 31 Mrd Euro
Investitionen; brächte aber Einsparungen in Höhe von 36 Mrd Euro; damit im
Vergleich zu 1990 CO2-Senkung um 36,6% möglich;
(taz 1.11.07)
·
Statistisches
Bundesamt:
CO2-Bilanzen beim Ländervergleich verfälscht;
CO2-Ausstoß wird bisher dem Produzenten angerechnet, auch wenn die Produkte
exportiert und in einem anderen Land genutzt werden; ein Fernseher, der in
China produziert wird, aber dann in einem deutschen Wohnzimmer steht, wird der
chinesischen Bilanz zugerechnet;
Deutschlands Energiebilanz ist positiv, d.h. in den exportierten Gütern stecken
fast 20% mehr Energie als in den importierten;
(taz 14.11.07)
·
Neuester
Ausblick der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zur Weltenergie;
ganz nebenbei – auf Seite 215 ihres Berichts – hat die Behörde ein Tabu
verletzt: Der westliche Lebensstil ist unhaltbar – weil er unmöglich vom Gros der
Menschheit kopiert werden könnte, ohne dass die Klimakatastrophe Wirklichkeit
wird
(ZEIT 15.11.07 S.25)
·
In
Großbritannien Gesetz auf den Weg gebracht: will sich als erstes Land der Welt
verpflichten, seine Treibhausgase um 60% zu reduzieren
(Freie Presse Chemnitz 16.11.07)
·
Titel:
„Der Mensch als Sünder“ (unmittelbar vor dem „Buß- und Bettag“)
(Freie Presse Chemnitz 19.11.07)
·
Titel:
„Signale eindeutig: Der Mensch ist schuld“;
politisches Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu beschränken; gemeint
sind 2 Grad im Verhältnis zur vorindustriellen Zeit; 0,8 Grad haben wir im
globalen Mittel schon erreicht; selbst wenn wir heute weltweit alle
Treibhausgasemissionen völlig stoppen würden, bekämen wir trotzdem noch
zusätzliche 0,6 Grad Erwärmung (Gase, die noch „unterwegs“ sind JK); dann sind
wir bei 1,4 Grad, das heißt an rund zwei Drittel des 2-Grad-Zieles können wir
schon gar nichts mehr ändern;
Klimaskeptiker behaupten, CO2 sei gar kein Treibhausgas, schwerer als Luft,
könne gar nicht dort oben sein (Ozon ist noch schwerer, also auch nicht JK);
darauf können wir aber messbare Antworten geben;
“Der Mensch ist schuld“ (Wahrscheinlichkeit 90%);
(Freie Presse 20./21.11.07)
·
Spezifische
CO2-Emissionen pro kWh erzeugtem Strom in Gramm;
berücksichtigt sind der Betrieb sowie der gesamte Lebenszyklus von Anlagen
einschließlich aller Produktionsschritte (Öko-Institut Darmstadt)
|
Energieträger |
Gramm CO2
je kWh |
|
Braunkohle |
1153 |
|
Steinkohle |
949 |
|
Erdgas |
428 |
|
Solarzelle
multikristallin |
101 |
|
Erdgas-Blockheizkraftwerk |
49 |
|
Wasserkraft |
40 |
|
Kernkraftwerk
(ohne Entsorgung) |
32 |
|
Windpark |
24 |
(Spiegel
12/2007 S.43)
·
(3ff;
Sven Plöger:)
Klima ist gemitteltes Wetter, 30 Jahre, räumlich ganze Regionen oder der ganze
Erdball;
Wetterextreme an einem Ort können keinen Klimawandel anzeigen, das kann nur
ihre Häufung über einen langen Zeitraum;
vor 6000 bis 7000 und noch einmal vor 4000 bis 5000 Jahren im „Hauptoptimum“
der Nacheiszeit war das Klima wärmer und feuchter als heute – mit einer grünen
Sahara; auch ein „römisches Optimum“ ist nachzuweisen, welches Hannibal die
Überquerung der Alpen erleichterte, oder das „mittelalterliche Optimum“, als
die Normannen das „grüne Land“ (Grönland) haben besiedeln können. Demgegenüber
steht die „kleine Eiszeit“, die bis ca. 1850 andauerte;
entscheidend ist die Geschwindigkeit der Änderung, die wir derzeit erleben,
nicht der absolute Zahlenwert der Erwärmung;
zusätzlicher Eintrag an Treibhausgasen durch den Menschen, derzeit allein beim
CO2 25 Milliarden t jährlich;
mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95% hat neben den natürlichen Einflüssen
ein weiterer Antrieb gewirkt, mit dem sich die Temperatursteigerung erklären
lässt: der Mensch, dessen Einfluss auf das Klima damit als erheblich angesehen
werden kann;
hundertprozentig werden wir die Natur nie verstehen, und unsere Berechnungen
werden immer nur mehr oder weniger grobe Annäherungen an das Geschehen bleiben;
in der Klimageschichte hat sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre immer erst als
Folge eines Temperaturanstiegs erhöht? – das ist tatsächlich so: wenn z.B.
durch Veränderung der Bahnparameter der Sonne Temperatur steigt, gast aus den
erwärmten Ozeanen mehr CO2 aus; verstärkt als Rückkopplung den Treibhauseffekt
weiter;
in Zukunft eine weltweit transparente und effiziente Strategie entwickeln, um
die notwendige Energie so umweltschonend wie möglich zu gewinnen; das ist auch
ohne Klimawandel sinnvoll!
gute mutmachende Beispiele: Ozonloch und FCKW-Verzicht; Waldsterben und
konsequente Reduktion des Schwefeldioxidausstoßes;
(7ff Stefan Rahmstorf:)
1957/58 gelang der Nachweis, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre
tatsächlich ansteigt, und dass es sich um Kohlenstoff aus der Verbrennung
fossiler Brennstoffe handelt (Isotopenanalysen);
2005 Rekordwert der CO2-Konzentration von 380 ppm; höchster Wert seit mindestens
700.000 Jahren (Daten aus Eisbohrkernen);
jedes Jahr verbrennen wir Kohle und Öl in einer Menge, wie sie sich in rund 1
Million Jahren gebildet haben; nur die Hälfte des dabei freigesetzten CO2
befindet sich in der Atmosphäre; die andere Hälfte von Ozeanen und Biosphäre
aufgenommen;
wichtigstes Treibhausgas ist Wasserdampf, taucht in der Debatte nicht auf, weil
der Mensch seine Konzentration nicht
beeinflussen kann;
Erwärmung im letzten Jahrhundert: frühe Erwärmungsphase bis 1940, danach
Stagnation bis in die 1970er Jahre, seither neuer, bislang ungebrochener
Erwärmungstrend; zumindest der Erwärmungsschub seit den 1970er Jahren ist nicht
mit natürlichen Ursachen zu erklären;
die Daten sprechen dagegen, dass es im Mittelalter in der Nordhemisphäre schon
einmal wärmer war;
nach Ende der letzten Eiszeit vor 15.000 Jahren erwärmte sich das Klima global
um etwa 5 Grad über einen Zeitraum von 5.000 Jahren; der Mensch droht nun einen
ähnlich einschneidenden Klimawandel innerhalb eines Jahrhunderts herbeizuführen
(14ff; Claudia Kemfert; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Die
ökonomischen Folgen des Klimawandels)
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“; 47/2007:
„Klimawandel“)
·
Die
Demokratie muss schneller werden;
die Klimawende zielt aufs Ganze (Heizen, Mobilität, Technik, Ernährung … auf
dem Prüfstand);
Demokratie und Nachhaltigkeit sind keine natürlichen Verbündeten. Demokratie
und Fernstenliebe auch nicht. Der Wille des Volkes neigt sehr zum Hier und
Jetzt.;
Demokratie ist langsam;
die Peitsche ist in der Demokratie kein besonders wirksames Instrument;
es ist nicht die Ökologie, die nun die Freiheit der westlichen Gesellschaften
beschneidet, sondern es sind die Folgen – falsch oder fahrlässig – angewandter
Freiheit, die nun die Räume eng machen.;
Bewohner einer Malediven-Insel: „Wenn wir noch lange auf den Beweis (für den
Klimawandel JK) warten, sind wird irgendwann tot.“;
43 kleine Inselstaaten haben vor 2 Wochen eine Deklaration verabschiedet; in
einem Satz: „Wir gehen unter, und ihr seid schuld.“
(ZEIT 29.11.07 S.33ff)
·
CO2-Ausstoß
mittlerweile 28 Milliarden t pro Jahr, doppelt so viel wie 1970;
0,028 Prozent CO2 in der Atmosphäre sorgen für den natürlichen Treibhauseffekt,
durch ihn ist es auf dem blauen Planeten 33 Grad wärmer, 2200 Milliarden t CO2
waren Anfang des 18. Jh. In der Atmosphäre (das sind die 0,028%); heute sind es
2900 Mrd t;
soll die menschengemachte Erwärmung unter 2 Grad bleiben, dürfen noch 180 Mrd t
emittiert werden;
Beitrag Chinas: absolut im CO2-Ausstoß auf Platz 1 aller Länder; aber pro Kopf
ist der Ausstoß niedrig, 34% der Emissionen stecken in der Herstellung von
Exportprodukten; und seit 1850 hat China nur 14% zum Klimawandel beigetragen
(USA und Europa deutlich mehr);
in den vergangenen 4 Jahren stieg der weltweite Kohleverbrauch doppelt so
schnell wie der gesamte Energieverbrauch (Öl- und Gaspreise schnell gestiegen);
gerechte Verteilung der zulässigen CO2-Emissionen pro Kopf: 2 t; das schaffen
derzeit die Kubaner und Ägypter;
um die nukleare Stromproduktion nur zu verdreifachen bis 2050, müsste aller 6
Wochen irgendwo auf der Welt ein neues Atomkraftwerk ans Netz gehen
(ZEIT 29.11.07 S.31ff)
·
Seit
1970 Zunahme des Ausstoßes von Treibhausgasen durch Menschen um 70%
(taz 1./2.12.07)
·
Der
Mensch setzt pro Jahr 22 Mrd t CO2 frei; die gesamte Biosphäre setzt 770 Mrd t
um; aber: die 770 Mrd t werden in natürlichen Kreisläufen freigesetzt und
wieder gebunden, während der Mensch zusätzliche Mengen aus den Speichern der
Natur durch Verbrennung freisetzt und dadurch die ausgeglichene Bilanz
durcheinander bringt;
(taz 4.12.07)
·
(3ff)
Geistes- und Kulturwissenschaften sind … katastrophenblind;
viele der ökologischen Probleme … sind keine Naturkatastrophen, sondern die
zugrunde liegenden Prozesse sind von Menschen gemacht; die Folgen sind in jedem
Fall sozial; nicht (nur) die Naturwissenschaften, die Geistes- und
Kulturwissenschaften sind zuständig;
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“, 46/2007:
„Geisteswissenschaften“)
·
Nach
Prognosen des IPCC wird die winterliche Schneemenge in Europa in den nächsten
hundert Jahren um 80-90% zurückgehen; Schneesicherheit bald nur noch in Lagen
über 1500 Meter Höhe
(bdw 4/2007 S.57)
·
(20)
Quellen und Anteile von Treibhausgasen weltweit 2000 in Prozent
|
Emissions-Quelle |
Anteil in Prozent |
|
Kraftwerke |
24 |
|
Brandrodung
und Abholzung von Wäldern |
18 |
|
Landwirtschaft
(Düngung, Tierhaltung) |
14 |
|
Industrieproduktion |
14 |
|
Verkehr |
14 |
|
Heizenergie |
8 |
|
Sonstiger
Energieumsatz |
5 |
|
Müll |
3 |
(29) „Wer
heute die Elbe ausbaut, muss sich rechtfertigen, wenn der Fluss irgendwann
nicht mehr schiffbar ist“ (Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes);
Nach den Berechnungen der Versicherungswirtschaft gehen nahezu 90% der größeren
Schadensfälle in Europa seit 1980 auf Naturereignisse wie Stürme, Hochwasser
oder Hitzewellen zurück.
(Spiegel Special Magazin 1/2007: Neue Energien – Wege aus der Klimakatastrophe)
·
Das
medial inszenierte Bild des gewaltigen Eisbären auf einer winzigen Eisscholle
suggeriert höchste Not. In Wirklichkeit sieht es anders aus: Sieben der zwölf
bislang untersuchten Eisbärpopulationen sind stabil oder nehmen sogar zu. Die
Biologen sind ratlos. Braucht der Eisbär wirklich das Eis? Oder kann er, wie
der Braunbär, nicht auch an Land jagen?
(Spiegel 47/2007 S.169)
·
Auf
130.000 Quadratkilometer schätzen die UN Food an Agricultural Organization
(FAO) und das UN-Umweltprogramm (UNEP) in aktuellen Berichten den jährlichen
Verlust an unwiederbringlichem tropischem Wald. Das entspricht einer Fläche,
die so groß ist wie Österreich, die Schweiz und Belgien zusammen. Für das Klima
ist das verheerend: Ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus
Abholzung und desaströser Landnutzung. Gleichzeitig gehen mit den Wäldern
wichtige so genannte CO2-Senken verloren … Indonesien ist der größte Übeltäter
(Das Parlament 26.11.07 S.12)
·
Pro
und Contra Kohlendioxidabscheidung in Kraftwerken;
CONTRA: frühestens 2020 bis 2030 praxisreif; IPCC schätzt, dass sich im Jahr
2050 gerade einmal 20 bis 40% der globalen fossilen CO2-Emissionen einsparen
lassen; neue Kraftwerke nötig, Wirkungsgrad sinkt wegen des Energieverbrauchs
für die Abscheidung um ein Drittel; Wirkungsgrad sinkt um bis zu 40%, Kosten
steigen um bis zu 90%;
PRO: selbst Greenpeace geht davon aus, dass fossile Brennstoffe 2050 noch knapp
die Hälfte der Energie bereitstellen müssen; außenpolitische Sorge, dass
Ölvorkommen in politisch äußerst instabilen Regionen liegen; Kohle dagegen ist
über den gesamten Globus gleichmäßig verteilt (und Vorräte sind weitaus
größer); Öl kann man auch aus Kohle herstellen (Fischer-Tropsch-Verfahren;
Beispiele in Notzeiten: Nazi-Deutschland, Südafrika); Kosten heute in Südafrika
für Sprit aus Kohle: 25 Dollar je Fass; Kohlesprit in Deutschland (Kohlemanager
haben darüber schon mit Merkel gesprochen) würde etwa 60 Dollar je Fass kosten
(derzeitiger Preis Weltmarkt für Öl: 100 Dollar je Fass); wir stehen vor einer
Renaissance der Kohle
(taz 7.12.07)
·
Interview
mit dem Vorstandschef der Münchener Rückversicherung (Nikolaus von Bomhard);
ist gerade vom WWF und „Capital“ zum Ökomanager des Jahres gekürt worden;
“Zwei Grad sind genug“;
wetterbedingte Katastrophen nehme stetig zu … wegen des vom Menschen maßgeblich
verursachten Klimawandels;
in Bali geht es um viel mehr als um extreme Wetterereignisse. Wenn etwa die
großen Gletscher im Himalaya schmelzen, bekommen zum Beispiel China und Indien
künftig ernste Probleme mit der Wasserversorgung;
wir wissen, dass der Klimawandel sehr wahrscheinlich zur Häufung der Stürme
(Hurrikane) beiträgt;
wir begünstigen klimaverträgliche Unternehmen bei unseren
Investitionsentscheidungen;
Nicht Klimaschutz, sondern unterlassener Klimaschutz ist teuer, und zwar um ein
Vielfaches mehr. Frage: Denken Ihre Kollegen in den Vorstandsetagen anderer
Großunternehmen auch so? – In der deutschen oder europäischen Industrie kenne
ich jedenfalls niemanden mehr, der den Sachverhalt in Frage stellt. Die
Autoindustrie, die Energiewirtschaft – alle bemühen sich. Das ist ein Topthema
im Management.;
Das Klimaproblem ist auch deshalb entstanden, weil am CO2-Ausstoß bisher kein
Preisschild klebt (wir brauchen einen weltweiten Markt, auf dem Emissionsrechte
gehandelt werden)
(Die Zeit 6.12.07 S.34)
·
Seit
dem Gipfel von Rio 1992 ist der Ausstoß von CO2 weltweit um mehr als 30%
gestiegen;
Mitte der 1990er Jahre erklärten US-Präsident Bill Clinton und sein Vize Al
Gore zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer internationalen
Klimaschutzvereinbarung; im Nacken sitzt ihnen aber ein Verein, der sich Global
Climate Coalition nennt. In dem Club mit dem unverfänglichen Namen haben sich
Konzerne zusammengeschlossen, um die Öffentlichkeit gegen die Klimapolitik zu
mobilisieren;
der Kioto-Vertrag verlangsamt die Erderwärmung kaum, um deutlich weniger als
ein Zehntel Grad;
die Global Climate Coalition hat sich aufgelöst; statt dessen tritt auf Bali
die Internationale Emissionshandels-Vereinigung (IETA) in Erscheinung – und
zwar pro Klimaschutz. General Electric und American Electric Power, Chevron und
DuPont, E.on und RWE gehören unter anderem dazu. Die Vereinigung ist die größte
„BINGO“ bei der Bali-Konferenz, die größte Business-NGO.;
nach der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Australien vor zwei Wochen
sind die USA als letzte Industrienation isoliert, die sich dem Klimaschutz
verweigert
(Die Zeit 13.12.07 S.3)
·
In
den vergangenen sechs Jahren gingen 65 Prozent der zusätzlich dauerhaft in die
Atmosphäre eingelagerten Emissionen auf das Konto des Wirtschaftswachstums, 17
Prozent sind dem Anstieg der Kohlenutzung zuzuordnen und bereits 18 Prozent
sind der verminderten Aufnahmefähigkeit (durch Ozeane und Regenwälder)
geschuldet
(Die Zeit 13.12.07 S.33)
·
Pro
Zentimeter Meeresspegelanstieg geht etwa 1 Meter Küstenland verloren; in
Bangladesh leben rund 17 Millionen Menschen weniger als 1 Meter über dem
Meeresspiegel;
Wir können jetzt die Weichen für eine langfristige Umkehr stellen – in zehn
Jahren sind unsere Handlungsmöglichkeiten verschwunden (Georg Rosenbauer,
SIEMENS Power Generation);
(„Klimawandel“; Beilage zur ZEIT vom 6.12.07; SIEMENS AG)
·
Ergebnisse
der Klimakonferenz von Bali;
Erstmals haben die USA quantifizierbare Begrenzungen ihres
Treibhausgasausstoßes akzeptiert. Und die Entwicklungsländer sind erstmals
bereit, sich zu ihren nationalen Bedingungen angemessenen Klimaschutzmaßnahmen
zu verpflichten (Fazit NABU)
(taz 17.12.07)
·
Kanzlerin
Merkel: im Jahr 2050 soll jeder Erdenbürger maximal 2 Tonnen CO2 im Jahr
erzeugen, das ist die Hälfte des heutigen Durchschnittswertes;
Programm der Bundesregierung soll bis 2020 gegenüber 1990 CO2-Ausstoß um 40%
reduzieren; sogar Greenpeace hält durch die Maßnahmen 30% für möglich
(Spiegel 50/2007 S.52ff)
·
Internationale
Energieagentur IEA veröffentlichte am 7.11.07 ihren jährlichen World Energy
Outlook; drei Szenarien von 2005 bis 2030; Referenz-Szenario derzeitige Politik
fortgesetzt, Hochwachstums-Szenario und Alternativ-Szenario mit Umsetzung der
geplanten Klimaschutzmaßnahmen;
bei Fortsetzung der bisherigen Politik steigt globaler Energieverbrauch um 55
%, die Treibhausgasemissionen (THGE) um 58%; Temperaturanstieg um 5 Grad;
bei Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen: Steigerung E-Verbrauch um 39 %, THGE 27
%;
erstmals stellt die IEA einen sogenannten 450-ppm-Stabilisierungsfall vor;
geht – losgelöst von tatsächlichen Politiken – davon aus, dass THGE 2012 mit 30
Gt (Milliarden Tonnen) ihren Höhepunkt erreichen und dann bis 2030 auf 23 Gt
zurückgehen;
soll erreicht werden durch: Effizienzsteigerung 28 %; Ausbau erneuerbare
Energien 19 %; Biokraftstoffe 4 %; Ausbau Kernenergie 16 %; CO2-Abscheidung bei
der Verbrennung 21 %; ab 2015 nur noch CO2-freie Stromerzeugung;
in dem Szenario haben erneuerbare Energien 22 % Anteil; Kernenergie steigt von
heute 6,3 auf 12 % Anteil (Ausbau auf 833 GW 2030 = jährlich 50 neue KKW
weltweit zu errichten);
CCS wohl überschätzt: bis 2030 müssten kumuliert 32 Gt CO2 abgeschieden und
gelagert werden (derzeit keine Speicher in diesem Umfang vorhanden);
(Umwelt, BMU 1-2008 S.25)
·
Norwegischer
Ministerpräsident Stoltenberg:
wir haben genug Lagerraum, um die Treibhausgase von ganz Europa in alten Öl-
und Gaslagerstätten zu lagern
(Spiegel 6-2008 S.115)
·
In
die Klimabilanz für Deutschland gehen beim Luftverkehr nur die Inlandsflüge ein
(das ist der Rechenweg laut Kioto-Protokoll); 10 Mrd. Passagierkilometer; =
0,5% der deutschen Klimabilanz;
grenzüberschreitende Flüge sind 180 Mrd. Passagierkilometer; das wären 3 % der
deutschen CO2-Klimabilanz, bei Berücksichtigung aller Treibhausgase = 8%;
der Flugverkehr würde bei weiterem Wachstum 2013 das Klima so stark belasten
wie der PKW-Verkehr: je 92 Mill. t CO2-Äquivalent;
für eine deutliche Lenkungswirkung müsste eine Flugbenzinsteuer 1000 Euro je
1000 Liter Kerosin betragen, das würde einen innereuropäischen Flug um etwa 30
Euro verteuern
(Schallaböck, Wuppertal-Institut)
(Taz 14.4.08)
·
Globale
CO2-Emissionen haben von 2000 bis 2006 um 20% zugenommen, auf Rekordmenge von
8,38 Mrd t (Angabe wohl als Kohlenstoff ?!! – das wären 30,7 Mrd t CO2) im Jahr
2006; damit schlimmste Erwartungen des Weltklimarates übertroffen
(taz 12./13.4.08)
·
Teile
Deutschlands waren bis in die Fünfzigerjahre Malariagebiete, in denen
einheimische Anophelesmücken die Krankheit auf den Menschen übertrugen
(Deutsches Ärzteblatt 16.2.07 S.A405)
·
CO2-Lagerung:
Verpressung in der Erde oder Versenkung in der Tiefsee;
im August 2008 soll die erste Versuchsanlage von Vattenfall in Betrieb gehen,
weniger als ein Zehntel CO2 freisetzen; Kosten geschätzt: 25-30 Euro je Tonne
CO2 (andere Schätzungen: zwischen 40 und 60 (Wuppertal-Inst., RWE);
Verpressung in Endlagern unter der Erde: Leer gepumpte Öl- und Gasfelder,
saline Aquifere (poröse Gesteinsschichten mit Salzwasser), Öllagerstätten auf
dem Meeresgrund; weltweite Kapazität etwa 1700 Mrd. t CO2; reicht für 160
Jahre, in Deutschland Kapazitäten für 60 a;
Einleitung unter Druck in die Tiefsee (umstritten);
Verfahren, um CO2 abzufangen:
a) Oxyfuel (Verbrennen mit reinem Sauerstoff; Verflüssigen)
b) IGCC (1. Stufe Schwelen, dann CO abtrennen und separat verbrennen,
Verflüssigung)
c) Rauchgaswäsche (nachrüstbar, aber teuer)
(ZEIT 10.4.08 S.39ff)
·
NASA-Institut:
auch wenn wir 450 ppm CO2 als Obergrenze einhalten, könnte das längerfristig
bedeuten, dass wahrscheinlich das gesamte kontinentale Eis schmilzt = 75 Meter
Meeresspiegelanstieg
(taz 8.4.08)
·
2006
warnten 86 evangelikale Führer in den USA vor einer Klimakatastrophe; im Jahr
darauf veröffentlichte die Vereinigung der Evangelikalen einen Aufruf zum
Klimaschutz, in dem es hieß: “Dies ist Gottes Welt, und jeder Schaden, den wir
in Gottes Welt anrichten, ist ein Angriff auf Gott selbst.“
(taz 1.4.08)
·
Paul
Crutzen (Nobelpreis für Entdeckung des Ozonlochs) hatte vor 2 Jahren als
„Notlösung“ vorgeschlagen, den Temperaturanstieg der Erde durch Ausbringen von
Sulfat (5,3 Millionen Tonnen) in die Atmosphäre zu mildern;
Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen 1991 hatte 10 Millionen
Tonnen Sulfate freigesetzt, das führte zu einer spürbare weltweiten Abkühlung
(im Jahr nach dem Ausbruch um 0,5 Grad); die Sulfate führten aber in den
Folgejahren auch zu einer Schädigung der Ozonschicht;
deutsche und amerikanische Forscher warnten vor dem Versuch, durch
großtechnische Veränderungen der Atmosphäre die Erderwärmung abzubremsen; vor
allem die Ozonschicht könnte gravierend geschädigt werden;
(taz 25.4.08)
·
80%
des Süßwassers der Erde lagern in der Antarktis; würde das Eis dort komplett
abschmelzen, würden die Ozeane um rund 70 Meter anschwellen;
bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass selbst in Zeiten globaler
Erwärmung das antarktiasche Eis stabil sein würde, vielleicht sogar noch
zunimmt (mehr Niederschläge durch wärmere und damit feuchtere Luft);
jetzt Beobachtung, dass das Eis schneller abschmilzt; warmes Wasser von unten
her taut die Schelfe an; Gletscher vom Festland rutschen jetzt schneller ab;
(Spiegel 12-2008 S.130)
·
EU-Kommissionspräsident
Barroso setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf die Unterstützung der
europäischen Kirchen und Religionsgemeinschaften; Treffen mit 20
Repräsentanten; könnten einen wertvollen Beitrag zur Mobilisierung der Bürger
leisten; „Klimaschutz ist auch eine Frage der Ethik“
(Der Sonntag Sachsen 11.5.08)
·
Sahara:
der jahrtausendealte Trend der natürlichen Wüstenausdehnung ist zum Stillstand
gekommen – aufgrund des Klimawandels; am Wüstenrand haben wir zunehmende
Niederschläge, und in der unbewohnten Wüste sehen wir einen Trend zu einem neuen
Ergrünen der Sahara durch die vom Menschen verursachte Erderwärmung
(taz 9.5.08)
·
Apfelblüte
in Niedersachsen beginnt wegen des Klimawandels 19 Tage früher als vor 30
Jahren; auch Ernte verschiebt sich nach vorn
(taz 23.5.08)
·
Bis
2014 will Vattenfall ein Demonstrationskraftwerk mit Kohlendioxidabscheidung
(CCS) für 1 Milliarde Euro in Jänschwalde bauen; 500 MW; „Vattenfall als
Braunkohleverstromer ist ein Teil des weltweiten Klimaproblems“ und müsse bis
2030 seinen CO2-Ausstoß halbieren;
CO2 wird abgeschieden, verflüssigt, dann in ausgebeutete Erdgaslagerstätten
oder so genannte saline Aquifere gepresst (poröse Gesteinsformationen, die im
Erdreich isoliert sind; in Schwarze Pumpe nimmt im Sommer eine CCS-Pilotanlage
ihren Betrieb auf; 7 bis 9 Tankzüge sollen von dort täglich in die Altmark
fahren; Verpressung in ausgegasten Erdgaslagerstätten;
für das Demo-Kraftwerk Jänschwalde werde dann eine 350 km lange Leitung in die
Altmark nötig
(taz 23.5.08)
·
Technisches
Papier des IPCC zu Klimaänderung und Wasser:
Die beobachtete Erwärmung ist bereits jetzt mit Änderungen im globalen
Wasserkreislauf verbunden. So ist in den meisten Regionen die Häufigkeit
starker Niederschlagsereignisse gestiegen. Andererseits hat sich global die als
„sehr trocken“ eingestufte Landfläche seit 1970 mehr als verdoppelt;
In Regionen, deren Wasserversorgung von Schmelzwasser abhängt, wird die
Wasserverfügbarkeit wegen der abnehmenden Speicherung in Gletschern und Schnee
im Laufe des Jahrhunderts abnehmen. In diesen Regionen lebt heute ein Sechstel
der Weltbevölkerung;
Höhere Wassertemperaturen und Extremereignisse beeinträchtigen auch die
Wasserqualität und verstärken viele Arten von Wasserverschmutzung;
Der Meeresspegelanstieg führt wegen der Versalzung in Küstenregionen dazu, dass
weniger Süßwasser zur Verfügung steht;
Bis 2050 zeigen die Modellprojektionen, dass die Landfläche, in der die
Klimaänderung zu wachsender Wasserknappheit führt, doppelt so groß ist wie
diejenige, in der die Wasserknappheit abnimmt;
(Umwelt BMU 6-2008 S.238)
·
Norwegens
Ex-Umweltminister regt an, dass Norwegen ein radikales klimapolitisches Zeichen
setzt: Reduzierung des Tempos der Ausbeutung der Ölquellen – würde auch die
Vorräte strecken;
Nicholas Stern dazu: Norwegen könne ein Signal setzen, würde es Öl und Gas demonstrativ
im Boden lassen
(taz 5.6.08)
·
Bundeskanzlerin
Merkel sprach im Zusammenhang mit Klimaschutz (bisher nur) genau einmal von
einer „Bürgerpflicht … in den eigenen vier Wänden“;
Klimaschutzgegner sprechen dagegen von „Ökodiktatur“; so wird die Verschwendung
zum Akt des Widerstandes geadelt; „Wer soll das bezahlen?“
(ZEIT 5.6.08 S.1)
·
Vertraulicher
Bericht der Weltbank: Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen habe
Nahrungsmittel weltweit um bis zu 75% verteuert (USA-Schätzungen bisher:
weniger als 3%)
(Freie Presse Chemnitz 5./6.7.08)
·
Interview
mit EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel;
die europäische Bioethanol- und Biodieselproduktion ist nicht verantwortlich
für die Verteuerung der Nahrungsmittel; wir haben gerade einmal 1% unserer
Erträge für Treibstoffe verwendet
(ZEIT 12.6.08 S.28)
·
Gesetzespaket
der Bundesregierung Klimaschutz 1:
Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarstromvergütung ab 2009 43 Cent je kWh; Umlage
der Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien verteuert den
Strompreis für einen Mehrpersonenhaushalt (3500 kWh Jahresverbrauch) derzeit um
3 Euro je Monat, steigt bis 2015 auf 5 Euro je Monat, danach Rückgang;
Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz: bei Neubauten muss ein Teil der Wärme aus
erneuerbaren Energien stammen (betroffen jährlich etwa 175.000 Neubauten, davon
150.000 Wohngebäude);
Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz: erhöhte Einspeisevergütung für neue, kleine
Anlagen in Wohnhäusern;
Intelligente Strom- und Gaszähler: müssen ab 2010 eingebaut werden;
registrieren Zeiten billigeren Stroms
(taz 7./8.6.08)
·
171
Pflanzenarten in 6 Waldgebieten Europas untersucht; Klimawandel Erwärmung
treibt Pflanzen pro Jahrzehnt um durchschnittlich 29 Meter nach oben
(taz 27.6.08)
·
Zwischen
1971 und 2000 lag Sachsens Jahresmitteltemperatur bei 8,4 Grad; eine gemäßigte
Klimaprojektion rechnet für 2071 bis 2100 mit durchschnittlich 12,1 Grad;
Erwärmung im Sommer stärker als im Winter;
global: Ein Anstieg der Temperatur unter zwei Grad ist sehr unwahrscheinlich,
über sechs Grad sind nicht auszuschließen (Sachsens „Klimapapst“ Küchler)
(Sächsische Zeitung 5./6.7.08 M2f.)
·
(S.17)
+ Klimawandel: Wie verändert sich das Klima in Sachsen? Diagnose (Klimatrends),
Projektion (Klimasimulation)
+ Klimafolgen: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Sachsen? Szenarien
der Auswirkungen, Anpassungsmaßnahmen
+ Klimaschutz: Wie können die Treibhausgasemissionen in Sachsen reduziert
werden? Erfassung der THG-Emissionen, Klimaschutzprogramm (Energieeffizienz,
Erneuerbare Energien);
(21) Deponien und Altablagerungen verursachten in Sachsen 2004 ca. 5 Millionen
t CO2-Äquivalente, das entspricht 8% der gesamten sächsischen THG-Emissionen;
(22) Für den Zeitraum der meteorologischen Messungen seit 1761 kann der Sommer
2003 als äußerst extremes und statistisch gesehen nahezu „unmögliches“ Ereignis
gewertet werden … unter Annahme eines konstanten Klimas sollte sich eine solche
Hitzeperiode höchstens alle 10.000 Jahre ereignen;
(32) Technisch-realistische Potenziale erneuerbarer Energien in Sachsen (in
GWh/a):
Wind 4.750, Wasser 400, Biomasse 8.430, Solarenergie (PV+thermisch) 17.000,
Geothermie (bis 400 m) 17.000;
(34) Nutzung erneuerbarer Energien in Sachsen (Strom und Wärme 2006 in GWh,
Werte geschätzt aus Grafik): Wasser 260, Photovoltaik 50, Solarthermie 60, Wind
1270, Biomasse/Biogas 730, Biomasse Holzfeuerung 430, Biomasse thermisch 1460,
Biogas thermisch 100, Geothermie 110; Summe 4500
(Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft,
Umweltbericht 2007)
·
Stromverbrauch in Rechenzentren;
die Kommunikationstechnik trägt so stark zur Klimaerwärmung bei wie der gesamte
Flugverkehr;
Beispiel Leibniz-Rechenzentrum Garching; Stromverbrauch 8 Megawatt;
für den Stromverbrauch, der auf eine einzige Anfrage bei GOOGLE entfällt,
könnte eine 11-Watt-Energiesparlampe zwischen 15 und 60 Minuten lang leuchten
(Spiegel 13-2008 S.154)
·
Klima der Erde … ein solch gewaltiger Apparat, dass
wir selbst mit den besten Klimamodellen nur Szenarien durchspielen, keinesfalls
aber das Klima berechnen oder gar vorhersagen können.
Das Wort „Klimaschutz“ verdeutlicht unfreiwillig eine grundlegende Ignoranz:
Vielen ist bekannt, dass sich das Klima in der Erdgeschichte immer wieder
geändert hat, aber nur wenige wissen, dass es sich gerade in den vergangenen
10.000 Jahren im Vergleich zur restlichen Erdgeschichte sehr stabil und damit
außergewöhnlich verhalten hat. Der Normalzustand des Klimas ist ein bewegtes
Auf und Ab, gegen das die heutigen Klimaschwankungen sich äußerst gering abheben. Das muss uns nicht
unbedingt beruhigen, denn erstens gibt uns die Natur keinen Beleg dafür, dass
dieser relativ stabile Zustand noch lange so bleibt, und zweitens haben wir uns
an diesen seit 10.000 Jahren währenden Status angepasst. Nicht wir müssen also
das Klima schützen, sondern wir müssen uns vor möglichen Klimaänderungen, auch
den von uns selbst verursachten, schützen …
(ZEIT 17.1.08 S.33)
·
Regierungserklärung zum Klimagipfel in Bali;
Beitrag Göppel (CDU/CSU): … dass die deutsche Bundeskanzlerin in ihrer Rede
beim Besuch in Japan gesagt hat:
Jeder Mensch auf der Erde hat das gleiche Recht, die Atmosphäre zu
beanspruchen; 2 Tonnen (CO2-Emission im Jahr) pro Kopf müssen das Ziel sein;
auf diesen Wert müssen auch wir mit unserem Lebensstil herunterkommen
(Das Parlament 21.1.08 Debattendokumentation S.7)
·
(S.10ff.)
Erkenntnisse aus Eisbohrungen;
Datierung durch Eisbohrungen; in Grönland entsteht jährlich eine 20 cm dicke
neue Eisschicht; einzelne Jahresschichten zu erkennen; denn in der Saison mit
wenig Schneefall lagert sich Staub auf dem Eisschild ab, es entsteht eine
dunklere Schicht, während in der schneereichen Jahreszeit eine hellere Lage
entsteht; diese Jahresschichten kann man abzählen, das ist die genaueste
Datierungsmethode für Eis; in Grönland reicht das Eis ca. 120.000 Jahre in die
Vergangenheit zurück; in der Antarktis, wo das Klima trockener und damit der
Schneefall geringer ist, sogar weit über 800.000 Jahre altes Eis geborgen; …
An dem Eis kann man eine Vielzahl von Parametern messen. Einer der wichtigsten
ist der Gehalt an dem Sauerstoff-Isotop O-18; bei vielen physikalischen,
chemischen oder biologischen Prozessen findet eine so genannte Fraktionierung
statt: Sie laufen für verschiedene Isotope (des gleichen chemischen Elements)
unterschiedlich schnell ab. So verdunsten die Wassermoleküle mit dem „normalen“
Sauerstoff-16 schneller als die des etwas schwereren mit Sauerstoff-18. Die
Fraktionierung ist dabei abhängig von der Temperatur. Dies gilt auch für die
Fraktionierung bei der Bildung von Schneekristallen – deshalb hängt der Gehalt
an O-18 im Schnee von der Temperatur ab. Nach einer geeigneten Eichung kann man
den O-18-Gehalt im Eisbohrkern als ein annäherndes Maß (als so genanntes Proxy)
für die Temperatur zur Zeit der Entstehung des Schnees nehmen.
Andere wichtige Größen, die im Eis gemessen werden können, sind der Staubgehalt
und die Zusammensetzung der in kleinen Bläschen im Eis eingeschlossenen Luft –
so verfügt man sogar über Proben der damaligen Atmosphäre. Man kann daran den
früheren Gehalt an Kohlendioxid, Methan und anderen Gasen bestimmen … berühmt
ist der in den 80er und 90er Jahren in der Antarktis gebohrte … Wostok-Eiskern,
mit dem erstmals die genaue Geschichte des Temperaturverlaufs und der
atmosphärischen CO2-Konzentration der letzten 420.000 Jahre gewonnen wurde …
·
Aus
einer einzelnen Datenreihe sollten … nicht zu weit reichende Schlüsse gezogen
werden; erst wenn die Ergebnisse durch mehrere unabhängige Datensätze und
Verfahren bestätigt wurden, können sie als belastbar gelten. In ihrer
Gesamtheit betrachtet liefern Proxy-Daten heute jedoch bereits ein erstaunlich
gutes und detailliertes Bild der Klimageschichte
(S.13) Klimaänderungen sind eine Folge von Änderungen in der Energiebilanz
(eingestrahlte und abgestrahlte Energie der Erde). Dafür gibt es drei
grundsätzliche Möglichkeiten.
Erstens kann die ankommende Sonnenstrahlung durch Änderungen in der Umlaufbahn
der Erde um die Sonne oder in der Sonne selbst variieren.
Zweites kann der ins All zurückgespiegelte Anteil sich ändern. Diese so
genannte Albedo beträgt im heutigen Klima 30%. Sie hängt von der Bewölkung und
der Helligkeit der Erdoberfläche ab, also von Eisbedeckung, Landnutzung und
Verteilung der Kontinente.
Und drittens wird die abgehende Wärmestrahlung durch den Gehalt der Atmosphäre
an absorbierenden Gasen (oft Treibhausgase genannt) und Aerosolen (also
Partikeln in der Luft) beeinflusst.;
Zum Glück ist die Berechnung von Klimagrößen (also Mittelwerten) einfacher als
die Wettervorhersage, denn Wetter ist stochastisch (ist hier „chaotisch“ gemeint? JK) und wird stark von Zufallschwankungen
geprägt, das Klima dagegen kaum. Stellen wir uns einen Topf mit brodelns
kochendem Wasser vor: Wettervorhersage gleicht dem Versuch zu berechnen, wo die
nächste Blase aufsteigen wird. Eine „Klimaaussage“ wäre dagegen, dass die
mittlere Temperatur kochenden Wassers bei Normaldruck 100 Grad Celsius beträgt,
im Gebirge auf 2.500 Meter Höhe durch den geringeren Luftdruck (also bei
veränderten Randbedingungen) dagegen nur 90 Grad Celsius;
(S.15) Kohlendioxid-Kreislauf
Durch Verwitterung von Gestein an Land (hauptsächlich im Gebirge) wird CO2 aus
der Atmosphäre gebunden und gelangt durch Sedimentation teilweise wieder in die
Erdkruste. Gäbe es keinen gegenläufigen Mechanismus, würde auf diese Weise im
Lauf der Jahrmillionen alles CO2 aus der Atmosphäre verschwinden und ein
lebensfeindliches eisiges Klima entstehen. Zum Glück gibt es aber auch einen
Weg, auf dem das CO2 wieder in die Atmosphäre zurück gelangen kann: Da die
Kontinente driften, wird der Meeresgrund mit seiner Sedimentfracht an manchen
Stellen ins Erdinnere gedrückt. Bei den dort herrschenden hohen Temperaturen
und Drücken wird das CO2 freigesetzt bund entweicht durch Vulkane zurück in die
Atmosphäre …
Erde war in ihrer Geschichte mehrmals von einem Eispanzer bedeckt … am Ende
half der Kohlendioxid-Regelkreis der Erde wieder aus dem tiefgefrorenen Zustand
heraus: Die CO2-Senke der Atmsphäre (nämlich die Verwitterung) kommt unter dem
Eis zum Erliegen, die CO2-Quelle (Vulkanismus) aber bleibt bestehen. So steigt
die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unaufhaltsam um ein Vielfaches an
(möglicherweise bis zu einer Konzentration von 10%) … in der Folge Abtauen und
Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius …
(S.33) Die jedes Jahr verbrannte Menge an fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl,
Erdgas) entspricht etwa dem, was sich zur Zeit der Entstehung der Lagerstätten
… in rund einer Million Jahre gebildet hat. …
(S.42) Dass natürliche Ursachen prinzipiell
auch eine deutlich stärkere Erwärmung verursachen könnten als der Mensch, ist
sicher (Beispiele in der Klimageschichte) ,... Über die Ursache des aktuellen
Klimawandels sagt uns dies nichts. Es zeigt uns jedoch, dass das Klima nicht
unerschütterlich stabil ist: Es belegt, dass das Klima nicht durch stark
abschwächende Rückkopplungen stabilisiert wird, die größere Ausschläge
verhindern würden.
(S.67ff) („Versagen“ des Golfstromes?)
normalerweise sinken riesige Wassermassen im europäischen Nordmeer und in der
Labradorsee in die Tiefe und ziehen … warmes Wasser von Süden her in hohe
nördliche Breiten. Das abgesackte Wasser strömt in zwei bis drei Kilometern
Tiefe nach Süden zum Antarktischen Zirkumpolarstrom. So entsteht eine
gigantische Umwälzbewegung im Atlantik (15 Millionen Kubikmeter Wasser pro
Sekunde, fast das Hundertfache der Wasserführung des Amazonas), die für die
nördlichen Breiten wie eine Zentralheizung funktioniert (Wärmemenge entspricht
mehr als der zweitausendfachen gesamten Kraftwerksleistung Europas) …
durch die gobale Erwärmung kann diese Strömung auf zweifache Weise geschwächt
werden: Die Erwärmung verringert die Dichte des Meerwassers durch thermische
Ausdehnung, und verstärkte Niederschläge und Schmelzwasser vor allem von
Grönland bewirken das Gleiche durch Verdünnung des Seewassers; beides erschwert
das Absinken des Wassers im nördlichen Atlantik, könnte schlimmstenfalls ganz
zum Erliegen kommen…
der Nordatlantikstrom (nicht der Golfstrom, wie manchmal vereinfachend gesagt
wird) und der größte Teil des atlantischen Wärmetransportes würden versiegen,
was eine rasche relative Abkühlung um mehrere Grad im Nordatlantikraum bedeuten
könnte („relativ“ bedeutet: bezogen auf das dann herrschende Klima …)
(S.70) die Hitzewelle in Europa im Sommer 2003, die nach Schätzungen 20.000 bis
30.000 Menschenleben gefordert hat und damit laut Angaben der Münchner
Rückversicherung die größte Naturkatastrophe in Mitteleuropa seit
Menschengedenken gewesen ist …
(S.80ff) Zusammenfassung
Dabei wird es sowohl negative als auch positive Auswirkungen geben, denn ein
warmes Klima ist a priori nicht
schlechter oder lebensfeindlicher als ein kälteres. Dennoch würden die
negativen Auswirkungen sehr wahrscheinlich stark überwiegen, vor allem weil
Ökosysteme und Gesellschaft hochgradig an das vergangene Klima angepasst sind.
Gravierende Probleme entstehen insbesondere dann, wenn die Veränderung so rasch
vonstatten geht, dass sie die Anpassungsfähigkeit von Natur und Mensch
überfordert. …
(S.83) im Dezember 2004 in der Zeitschrift Science Ergebnis einer Metastudie
der klimatologischen Fachliteratur; Datenbanksuche zum Suchbegriff „global
climate change“; knapp tausend Fachpublikationen analysiert; 75% unterstützten
explizit oder implizit die These einer anthropogenen Verursachung des
Klimawandels; 25% machten keine Aussage dazu (etwa weil sie rein methodischer
Natur waren). Keine einzige Studie bestritt den anthropogenen Einfluss auf das
Klima …
im krassen Gegensatz dazu die Berichterstattung in den Medien; dazu Metastudie
2004; 636 Artikel zum Klimawandel untersucht (führende Tageszeitungen der USA;
1988 bis 2002); 53% der Artikel stellen die gegensätzlichen Hypothesen etwa
gleichgewichtig dar (Mensch trägt zum Klimawandel bei oder ausschließlich
natürliche Ursachen); 35% betonen menschlichen Einfluss, präsentieren aber auch
die Gegenthese; 6% beschrieben lediglich, wie fragwürdig ein menschlicher
Einfluss sei; 6% berichten ausschließlich über einen menschlichen Beitrag zur
Erwärmung …
(S.98ff) Globale Zielvorgaben
Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework
Convention on Climate Change; UNFCCC; Rio de Janeiro 1992); Artikel 2:
“Das Endziel dieses Übereinkommens und aller damit zusammenhängenden
Rechtsinstrumente, welche die Konferenz der Vertragsparteien beschließt, ist
es, in Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen des Übereinkommens
die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem
Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des
Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau sollte innerhalb eines
Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf
natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die
Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung
auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.“ …
Europäische Union Ratstreffen 25.6.1996: wurde übereinstimmend festgestellt,
dass „der globale Temperaturmittelwert das vorindustrielle Niveau nicht um mehr
als 2 Grad Celsius übersteigen sollte und dass deshalb die globalen Bemühungen
zur Begrenzung bzw. Reduktion von Emissionen sich an atmosphärischen
CO2-Konzentrationen unterhalb von 550 ppm orientieren sollten.“
(Rahmstorf, S.; Schellnhuber, H.J.: Der Klimawandel, C.H.Beck, München 2006)
·
Münchener
Rückversicherung: „Der Klimawandel hat bereits eingesetzt und trägt mit großer
Wahrscheinlichkeit zu immer häufigeren Wetterextremen und dadurch bedingten
Naturkatastrophen bei. Diese wiederum richten immer größere Schäden an.“ …
Klimaschutzbeauftragter der Bundesregierung Schellnhuber: dramatische
Beschleunigung des Klimawandels, „In fast allen Bereichen verlaufen die
Entwicklungen schneller als bisher angenommen“, so schmelze etwa das arktische
Meereis schneller als erwartet, falls das Grönlandeis komplett abtauen sollte,
würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen „Dann gäbe es die heutigen
Küsten nicht mehr, auch nicht in Deutschland.“
(taz 30.12.08)
·
Wer,
wenn nicht wir Konsumenten, können die Welt verändern, indem wir uns und unser
Verhalten verändern? Alle diese Argumente sind für sich genommen richtig, aber
in der Summe sind sie falsch. Denn sie malen ein unrealistisches Bild von der
Welt, sie gaukeln uns Entscheidungsfreiheiten vor, die wir selten haben und
noch seltener nutzen, und sie lenken uns von der zentralen Frage ab, das
Klimapolitik eben POLITIK sein muss: dass Regierungen und StaatenRahmen setzen
müssen, um Emissionen zu vermeiden und neue Technologien zu fördern, … und dass
dafür natürlich ungeliebte Subventionen verteilt werden müssen, …Die
Individualisierung der Klimakrise kann dazu führen, dass dringend nötiges
politisches Handeln in den Hintergrund tritt und sich die Debatte auf einen
Wellness-Klimaschutz reduziert: Hauptsache, ich lebe emissionsfrei!;
eine Konzentration auf das persönliche Verhalten ist gleichzeitig zu wenig und
zu viel: zu wenig, weil es gegenüber den politischen Weichenstellungen zum
Klimaschutz schlicht zu unbedeutend ist, und zu viel, weil man auch effektiven
Klimaschutz betreiben kann, ohne aus dem Homo sapiens einen Homo oecologicus zu
machen. ;
der nukleare Holocaust wurde nicht durch Nettigkeit verhindert, sondern durch
zähes politisches Verhandeln …; man konnte und musste den Menschen in seinem
individuellen und kollektiven Aggressionsverhalten nicht ändern, um das
Allerschlimmste zu verhindern;
Um die Klimakrise in erträglichen Bahnen zu halten, müssen wir nicht den neuen
Menschen schaffen: wir haben die Technik, wir haben das Geld, wir haben das
Wissen. Was wir brauchen, ist politischer Wille …
(taz 6.12.08 Beilage Zukunft S.8)
·
Interview
mit dem Chef der Internationalen Energieagentur IEA;
Wir müssen im Grunde nur konsequent die Ziele zur CO2-Reduzierung verfolgen,
die die Industrieländer vereinbart haben. Das hilft nicht nur dem Klima,
sondern auch der Energiesicherheit. In der IEA haben wir ein Szenario
entwickelt, wie die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um die Hälfte gesenkt
werden können; das würde die Ölnachfrage um 27% reduzieren. Das wichtigste
Instrument in diesem Szenario ist Energiesparen, wir müssen die Effizienz
dramatisch steigern. Dazu kommt der verstärkte Einsatz alternativer Energien
wie Sonne, Wind und Wasserkraft. Und wir müssen uns mehr in der Kernkraft
engagieren. …
um das Ziel zu erreichen, müssten weltweit pro Jahr rund 17500 Windturbinen
errichtet, 55 Kohle- und Gaskraftwerke mit der Technologie zur CO2-Abscheidung
und –Speicherung ausgestattet und rund 32 neue Atomkraftwerke gebaut werden …
Atomenergiebehörde in Wien hat versichert, dass Uranversorgung kein Problem ist
… wir haben genug Uran … Ingenieure und Fachwissen sind Mangelware
(Spiegel 33/08 S.68ff)
·
IEA-Szenario
bis 2050, um die Erderwärmung auf etwa 2 Grad zu begrenzen:
derzeitige CO2-Emissionen etwa 30 Gt pro Jahr;
Entwicklung der CO2-Emissionen ohne Klimapolitik bis 2050: 62 Gt/a;
Emissionsziel bis 2050, um Erwärmung auf 2 Grad zu beschränken: 14 Gt/a
Differenz durch folgende Maßnahmen (Anteil in %):
CO2-Abscheidung: 19%; Kernkraft 6%; Erneuerbare Energien 21 %; Umstellung auf
sauberere Energieträger 18 %; Effizienzsteigerungen beim Verbrauch 36%
(ZEIT 23.10.08 S.22)
·
Interview
mit James Hansen, Director des NASA Goddard Institute (USA);
Welchen Anteil hat der Mensch an der gegenwärtigen Erderwärmung?
Zwischen 100 und 105 %. Die wichtigsten Zyklen des Klimas haben mit der
Erdbahngeometrie im Weltraum zu tun, und die spricht gegenwärtig eigentlich für
Abkühlung. … tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. …
natürliche Faktoren sind auch wichtig… besonders die Sonne, deren Wärme
variiert … derzeit steht sie aber in einem Minimum, nicht bei einem Maximum.
Das heißt, das die Sonnenaktivität den gegenwärtigen Erwärmungstrend nicht
erklären kann …;
Wie wäre das Leben auf einer eisfreien Erde?
Der Einzelne könnte da noch überleben, die Zivilisation kaum …;
man darf jetzt keine Kohlekraftwerke mehr bauen, die 50 Jahre in Betrieb sind.
Das Öl wird verbraucht werden, das Gas auch. Wir müssen also an die Kohle ran.;
es gibt im Prinzip genug alternative Energien. Tatsächlich aber müssen die
Klimaschützer eine harte Wahl treffen: Entweder sie geben ihren Widerstand
gegen Kernkraft auf, oder sie können den Klimawandel nicht stoppen.
(ZEIT 20.11.08 S.39)
·
Konzernchefs
für Klimaschutz;
Die Forderung des CDU-Wirtschaftsflügels, den Klimaschutz auch wegen der
Finanzkrise zurückzuschrauben, stößt bei deutschen Großkonzernen auf Ablehnung;
Löscher, Vorstandsvorsitzender SIEMENS: gerade in Krisenzeiten müsse man den
Blick nach vorn richten und sich auf die künftigen Wachstumsfelder
konzentrieren; Verweis auf das enorme wirtschaftliche Potenzial, das in den
„grünen Technologien“ stecke; 2007 habe SIEMENS damit schon ein Viertel seines
Umsatzes erzielt;
Villis, Vorstandsvorsitzender von EnBW: Der Klimawandel schreitet voran,
unabhängig davon, ob die Finanzwelt in eine Krise gerät; der Klimawandel könne
ein enormer Innovationstreiber sein
(Spiegel 48/2008 S.63)
·
Klimakiller
Landwirtschaft;
Treibhauseffekt verschiedener Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr;
(Vergleich mit dem CO2-Ausstoß eines BMW 118d mit 119 g CO2/km)
Ernährung ohne
Ernährung Allesesser
Fleisch und Milchprodukte ohne Fleisch
biologische Erzeugung 281 km 1978 km 4377 km
konventionelle Erzeugung 629 km 2427 km 4758 km
Landwirtschaft in Deutschland verursacht 133 Mill. t CO2-Äquivalente pro Jahr,
Verkehrsbereich 152;
bei der Rindermast schneidet der Biobauer schlechter ab als der konventionelle:
der Biobulle hat eine schlechtere Klimabilanz als seine hoch gezüchteten
Artgenossen, auch wenn man die Futtermittelproduktion einbezieht, braucht mehr
Platz, steht auf traditioneller Einstreu (die dünstet aus);
1 kg Biomastfleisch entspricht 113,4 km PKW-Fahrt; bei konventioneller Mast nur
70,6 km
(Spiegel 35/2008 S.72)
·
Energiekonzern
RWE bietet ab Januar 2009 für Privatkunden den „ProKlimaStrom“ an, stammt zu
68% aus Atomkraft und zu 32% aus Wasserkraft; Preis leicht über dem
Normaltarif, für 3 Jahre stabil
(taz 13.11.08)
·
US-Präsident
Obama hat angekündigt, die Treibhausgase in seinem Land bis 2020 auf den Stand
von 1990 zurückzufahren, bis 2050 solle eine Reduktion um weitere 80% erreicht
werden
(taz 20.11.08)
·
Klimabilanzen
Nahrungsmittel
Viele Verbraucher wissen nicht, dass sowohl Fleisch- wie auch Milchprodukte
selbst aus heimischen Landen das Klima stärker verpesten als Äpfel aus Übersee;
Experten schätzen, dass 30 bis 50% aller Biowaren aus dem Ausland kommen;
ein Kilogramm Bananen aus Ecuador ist für knapp 1 kg CO2 verantwortlich. Fast
500 g entstehen dabei durch die lange Reise auf dem Kühlschiff;
1,55 kg CO2 verursacht jedes Kilogramm Äpfel, das aus Argentinien stammt;
Wieviel CO2 entsteht für ein Kilogramm
folgender Produkte ?
|
Produkt |
aus |
Transport |
Menge Gramm CO2 |
|
Äpfel |
Neuseeland |
Schiff |
513 |
|
|
Italien |
LKW |
219 |
|
|
Bodensee |
LKW |
76 |
|
Spargel |
Chile |
Flugzeug |
16.894 |
|
|
Spanien |
LKW |
359 |
|
|
Schrobenhausen |
LKW |
60 |
|
Steaks |
Argentinien |
Schiff |
349 |
|
|
Niedersachsen |
LKW |
179 |
|
|
Oberbayern |
LKW |
61 |
(ZEIT
11.9.08 S.28)
·
die
10 Länder mit dem größten CO2-Ausstoß
|
Land |
Anteil an der Weltbevölkerung % |
Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß % |
|
USA |
4,59 |
20,34 |
|
China |
20,07 |
20,02 |
|
Russland |
2,18 |
5,67 |
|
Indien |
16,98 |
4,46 |
|
Japan |
1,95 |
4,33 |
|
Deutschland |
1,26 |
2,94 |
|
Großbritannien |
0,93 |
1,92 |
|
Kanada |
0,50 |
1,92 |
|
Südkorea |
0,74 |
1,70 |
|
Italien |
0,90 |
1,60 |
|
zusammen |
50,10 |
64,96 |
(Freie
Presse Chemnitz 12.12.08)
·
S.27
energiebedingte CO2-Emissionen Deutschland 2006 Summe 799 Mio t,
Anteile:
Industrie 12,7%; Verkehr 20,1%; Energiewirtschaft 45,8%; Haushalte und
Kleinverbraucher 21,4%
(Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare
Energien in Zahlen, 2008)
·
Obamas
Energieminister Steven Chu verblüffte bei einem Nobelpreisträgertreffen seine
Kollegen mit dem Vorschlag, doch einfach Dächer, Straßenbeläge und Autos weiß
zu streichen; dadurch würde das Sonnenlicht stärker ins Weltall reflektiert und
die Klimaerwärmung gewaltig abgebremst; durch weiße Dächer und Straßen ließen
sich 44 Milliarden Tonnen CO2 einsparen – so viel, wie alle Autos der Welt in
elf Jahren ausstoßen
(Die Zeit 4.6.09 S.31)
·
Mögliche
künftige Klimaänderungen in Deutschland (für 2021-2050 verglichen mit
1961-1990):
+ Temperatur: + 1,0 bis 2,2 Grad im Jahresmittel;
+ regionale Temperaturveränderungen: +2,0 bis +4,0 Grad im Jahresmittel; +3,5
bis +4,0 im Wintermittel;
+ Niederschlagsänderungen: 0 bis -15% in der Jahressumme (vor allem im Osten);
-5 bis -25% in der Sommersumme; 0 bis +25% in der Wintersumme;
+ regionale Niederschlagsänderungen: um 0 in der Jahressumme; -15 bis -40% in
der Sommersumme;
0 bis +55% (regional maximal: +70%) in der Wintersumme
(Umwelt (BMU) 2-2009 S.114)
·
Chef
des UNO-Weltklimarates: wenn ich meinen Fleischkonsum halbiere (in Deutschland
derzeitiger Verbrauch jährlich rund 62 kg), spare ich genauso viel CO2 ein, wie
das der Fall wäre, wenn ich nur noch halb so viel mit dem Auto fahren würde
(Der Spiegel 2-2009 S.109)
·
Widerstand
gegen unterirdische CO2-Einlagerung (CCS) in Schleswig-Holstein (Kirche,
Bauernverbände); gegen Probebohrungen, Risiken seien derzeit nicht abzusehen
(taz 17.6.09 S.8)
·
Nachweis;
dass auch in der Antarktis die Temperaturen steigen; in der Westantarktis in
den letzten 50 Jahren um 0,1 Grad pro Jahrzehnt
(taz 30.1.09 S.18)
·
eine
von der US-Industrie finanzierte mächtige Lobbygruppe hat über Jahre wider
besseres Wissen den Einfluss des CO2-Ausstoßes auf die Erderwärmung geleugnet;
Laut Washington Post stritt die einflussreiche Global Climate Coalition bis zu
ihrer Auflösung vor 5 Jahren ab, dass vom Menschen verursachte Emissionen
negativen Einfluss auf das Klima hätte; die beteiligten Unternehmen hätten die
Öffentlichkeit über die Rolle des Menschen beim Klimawandel bewusst in die Irre
führen wollen
(taz 27.4.09 S.08)
·
Klimaanlagen
im Auto heizen die Erde so stark auf wie der weltweite Flugverkehr (jeweils
rund 2 %); 1 kg des entweichenden Kältemittels (fluorierte Kohlenwaserstoffe)
heizt die Erde 1400x so stark auf wie 1 kg CO2; umgerechnet erhöhen die
Leckagen die Fahrzeugemissionen um 7 Gramm CO2 pro Fahrkilometer = im Laufe
eines Autolebens 1 Tonne; zusätzlich mehr Treibstoffverbrauch durch Betrieb der
Klimaanlagen (etwa 20 Gramm CO2 je km);
die EU hat die bisher gebräuchliche Technik ab 2011 verboten; neue Technik
arbeitet z.B. mit CO2; Anlagen teurer: 20 bis 150 Euro
(Die Zeit 14.5.09 S.28)
·
mit
Holzkohle aus Biomasse wollen Forscher Treibhausgas CO2 langfristig binden und
gleichzeitig Böden fruchtbarer machen;
wird Biomasse unter Sauerstoffabschluss verkohlt, entstehen einerseits
Biokraftstoffe, wenn diese verbrannt werden, gelangt die Hälfte des
ursprünglich gebundenen CO2 zurück in die Atmosphäre; die andere Hälfte des CO2
wird als Kohlenstoff dauerhaft in Holzkohle gebunden, das Material bleibt über
Jahrhunderte stabil, verbessert den Boden (hält wie ein Schwamm Wasser und
Mineralien zurück) und reduziert so den Düngerbedarf;
Chemiker in Potsdam hat ein anders Verfahren entwickelt, bei dem über Nacht
(mit Beteiligung von Zitronensäure in einer Art Dampfdrucktopf) aus feuchter
Biomasse Kohlenstaub wird
(Der Spiegel 27-2009 S.108)
·
Interview
mit Kumi Naidoo, neuer Chef von Greenpeace International;
Frage: Würden Sie für den Klimawandel sogar den Neubau von Atomkraftwerken
propagieren?
Antwort: Alles ist in Bewegung. Wenn es etwa für die Speicherung von
Kohlendioxid plötzlich gute Gründe gibt, wollen wir uns nicht blind stellen.
Bei der Atomenergie halte ich eine Kehrtwende aber für extrem unwahrscheinlich.
(Spiegel 49-2009 S.147)
·
China
erzeugt knapp 70% seines Stroms aus Kohle;
Ziele für Kopenhagen: bis 2020 (? 2050) sollen
im Vergleich zu 2005 bei gleich bleibender Produktion 40 bis 45% weniger CO2 in
die Luft geblasen werden;
globaler CO2-Ausstoß von 1990 bis 2007 von 21 auf 29 Milliarden Tonnen
gestiegen, fast die Hälfte des Zuwachses in China;
Indien will CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber 2005 um bis zu 25% reduzieren
(taz 5./6.12.09 S.07)
·
bisherige
dänische Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard wird Klimakommissarin
in der EU-Kommission
(taz 25.11.09 S.02)
·
Meeresspiegelanstieg;
derzeitige Prognosen Schleswig-Holstein bis 2100:
59 cm für den Fall, dass die Menschheit so weitermacht wie bisher;
Gut die Hälfte des Anstiegs geht auf die thermische Ausdehnung des Wassers
zurück, der Rest stammt von abschmelzenden Gletschern;
zusätzliche 17 cm könnten sich ergeben durch das beschleunigte Abschmelzen der
Grönland- und Antarktisgletscher;
wenn Grönland vollständig abtaut, ergeben sich 7 Meter Meeresspiegelanstieg,
das Abschmelzen des Südpoleises würde 57 Meter beitragen; das Schmelzwasser
aller anderen Gletscher weltweit würde nur 35 cm ergeben
(Die Zeit 20.8.09 S.29f)
·
Inkota-Aktionszeitung
zur Bundestagswahl 2009, September 2009
(Quelle: Öko-Institut e.V.):
|
Klimabilanz verschiedener
Nahrungsmittel in Gramm Kohlendioxid-Freisetzung
pro Kilogramm Produkt |
||
|
Nahrungsmittel |
konventionelle |
ökologische |
|
Geflügel |
3.508 Gramm CO2 |
3.039 Gramm CO2 |
|
Rind |
13.311 |
11.374 |
|
Schwein |
3.252 |
3.039 |
|
Kartoffeln
frisch |
199 |
138 |
|
Tomaten
frisch |
339 |
228 |
|
Butter |
23.794 |
22.089 |
|
Käse |
8.512 |
7.951 |
|
|
|
|
|
BMW 118d |
11.900 |
|
·
einen
drastischen Wandel in der Klimapolitik fordern über 500 Großkonzerne. „Eine
nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung wird langfristig nicht möglich sein,
solange das Klimaproblem nicht gelöst ist. Entscheidend ist, dass wir die
Rezession überwinden und dabei gleichzeitig den Grundstein für ein
kohlenstoffarmes Wachstum legen.“ Unterzeichner u.a.: Adidas, Kodak, Siemens,
Yahoo, BASF, Bayer (Chemie), Levi Strauss, Gap (Bekleidung), Ernest &
Young, Allianz (Finanzen), LÓrela (Kosmetik), Nestle, Coca Cola;
Energiekonzerne wie BP, Eon, Fluggesellschaften wie KLM, Easy Jet
(taz 21.9.09 S.02)
·
Karikatur
Demonstranten auf der Erdkugel tragen Transparent „Wir sind das Klima“ –
Untertitel „Wende-Herbst?“
(Der Sonntag, Kirchenzeitung Sachsen, 25.10.09, S.9)
·
Sollte
die internationale Staatengemeinschaft an ihrer bisherigen Energiepolitik festhalten,
dürfte die Durchschnittstemperatur auf der Erde in den nächsten hundert Jahren um
6 Grad steigen; das schreibt die industriefreundliche IEA (Internationale
Energieagentur) in ihrem World Energy Outlook 2009; Der Anstieg würde „einen
massiven Klimawandel und irreparable Schäden für den Planeten nach sich ziehen“
… „Die Rettung des Planeten duldet keinen Aufschub“;
radikaler Kurswechsel in der Energiepolitik, um globalen Anstieg bis 2050 unter
2 Grad zu halten … bessere Energieeffizienz und Energieerzeugung …notwendige
Investitionen werden bis 2030 auf 26 Billionen US-Dollar beziffert …
(taz 11.11.09 S.1,09)
·
Der
reiche Westen sah sich bislang als Modell für die Welt – nun muss er erkennen,
dass er ein Weltuntergangsmodell entwickelt hat.
(Die Zeit 5.11.09 S.3)
·
US-Präsident
Obama wird zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen reisen;
bis 2020 sollen Treibhausgasemissionen der USA um 17% gesenkt werden (gegenüber
2005), bis 2025 um 30%, bis 2030 um 42%
(taz 26.11.09 S.09)
·
Das
Schwächeln der Sonne;
Die Erderwärmung ist ins Stocken geraten, seit 10 Jahren steigt die globale
Durchschnittstemperatur nicht weiter an;
Latif: Plateau, Stagnation auf hohem Niveau;
Gründe? veränderte Sonnenaktivität, Strömungsverhalten der Ozeane ?
(Spiegel 47-2009 S.134ff)
·
Interview
mit Hans-Peter Villis, Chef des Energieversorgers EnBW;
Wir stehen zu dem Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu
begrenzen.;
bei sich verändernden Rahmenbedingungen müssen die Investitionen für neue
Kohlekraftwerke auf den Prüfstand … zum Betrieb eines Kohlekraftwerkes braucht
man CO2-Zertifikate, die an der Börse gehandelt werden. Wir erwarten in den
nächsten Jahren einen Anstieg der Preise für diese Verschmutzungsrechte, so
dass sich der Neubau von Kohlekraftwerken immer weniger lohnen dürfte …;
CCS-Technologie … Hoffnungen haben wir auch, denn eigentlich brauchen wir
moderne Kohlekraftwerke, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern.
Aber zurzeit funktioniert die CCS-Technik großtechnisch eben noch nicht. Zudem
gibt es in der Bevölkerung massive Widerstände gegen die Lagerung von CO2 im
Boden.
(Spiegel 49-2009 S.110ff)
·
Der
WBGU schlägt für den Zeitraum 2010 bis 2050 ein Globalbudget (noch zulässige
weltweite Emissionen in der Summe) von 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid vor.
Damit ließe sich die Klimaerwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% auf 2
Grad begrenzen.;
Als Verfahren für eine gerechte Verteilung des globalen Budgets eignet sich das
Gleichheitsprinzip. Aus diesem kann zwar kein individuell durchsetzbares Recht
auf gleiche Pro-Kopf-Emissionen abgeleitet werden, es legt aber eine
Orientierung an den Pro-Kopf-Emissionen nahe …
Eine Weltbevölkerung von 6,9 Mrd. Menschen im Jahr 2010 und ein Globalbudget
von 750 Mrd. Tonnen CO2 ergeben bis 2050 durchschnittlich erlaubte jährliche
Pro-Kopf-Emissionen von rund 2,7 t CO2 …
Blieben die momentanen jährlichen CO2-Emissionen von etwa 0,9 Mrd.t in
Deutschland unverändert, wäre das Budget (ohne den Einsatz flexibler
Mechanismen) in 10 Jahren verbraucht (s.
Tabelle)
|
Land |
Anteil an der |
Emissionen |
Reichweite des Budgets |
|
Deutschland |
1,2 |
0,91 |
10 |
|
USA |
4,6 |
6,1 |
6 |
|
China |
20 |
6,2 |
24 |
|
Indien |
18 |
1,5 |
88 |
|
Burkina
Faso |
0,24 |
0.00062 |
2892 |
|
WELT |
100 |
30 |
25 |
Das Budget
der USA würde beispielsweise bei den aktuellen jährliche Emissionen von etwa
6,1 Mrd. t CO2 lediglich 6 Jahre reichen. Da eine Minderung der Emissionen auf
NULL innerhalb von 6 Jahren unmöglich ist, müssten die USA Emissionsrechte in
großer Menge zukaufen oder in den Klimaschutz anderer Länder investieren. Genau
hier liegt die Chance zur Neugestaltung der Beziehungen zwischen Industrie- und
Entwicklungsländern. …
Ein nationales Budget ermöglicht ein hohes Maß an nationaler Souveränität zur
Emissionsminderung. Um die 2-Grad-Leitplanke zu halten, ist ein Minimum an
internationalen Regeln und unabhängiger Koordination dennoch unerlässlich.
(Wissenschaftlicher
Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen – WBGU – Factsheet
3/2009, Der WBGU-Budgetansatz – kompletter Text unter www.wbgu.de
)
·
Es
ist wissenschaftlich gesichert, dass ein Anstieg von CO2
und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre zu einer globalen
Erwärmung führt. Seit Ende der 1950er Jahre ist nachgewiesen, dass die CO2-Menge in der Luft durch vom Menschen
verursachte, d. h. anthropogene Emissionen ansteigt. Sie hat sich seit der
vorindustriellen Zeit von 280 ppm (280 Millionstel Volumenanteile an der Luft)
auf 384 ppm erhöht. Das ist die bei weitem höchste Konzentration seit
mindestens zwei Millionen Jahren.;
Natürliche Ursachen können das Klima zusätzlich beeinflussen. So hat eine
leichte Abnahme der Leuchtkraft der Sonne, die durch Satellitenmessungen belegt
ist, in den vergangenen 25 Jahren eine kühlende Wirkung gehabt. Im Vergleich
zur Wirkung der anthropogenen Treibhausgasemissionen spielen die natürlichen
Ursachen in diesem Zeitraum aber nur eine sehr geringe Rolle. Rund 85% der
Erwärmung seit 1900 und fast 100% der Erwärmung seit 1980 sind auf menschliche
Ursachen zurückzuführen.;
Die erwärmende Wirkung der Treibhausgase wird gegenwärtig zum Teil noch durch
die kühlende Wirkung regionaler Luftverschmutzung kompensiert.
Menschliche Aktivitäten haben den Strahlungsantrieb der Erde bislang um 1,6
Watt pro m2 erhöht. Dabei trägt der CO2-Anstieg +1,7 W pro m2
bei, der Anstieg anderer Treibhausgase weitere +1,3 W pro m2. Luftverschmutzung mit Partikeln bewirkt
dagegen mit -1,4 W pro m2 einen abkühlenden
Effekt.
Dieser Effekt kompensiert derzeit also fast die Hälfte der „programmierten“
globalen Erwärmung durch Treibhausgase.
Die Klimasensitivität bestimmt die Temperaturänderung, die sich aus dem
Strahlungsantrieb ergibt. Die beste Abschätzung der Klimasensitivität beträgt
0,8°C pro W pro m2. Dies entspricht
einer Erwärmung um 3°C bei einer Verdopplung der atmosphärischen CO2-Konzentration.
Der derzeitige Strahlungsantrieb von 1,6 W pro m2
führt demnach auf Dauer zu einer Erwärmung um 1,3°C. Bislang wird
nur eine Erwärmung um 0,8°C beobachtet, da die thermische Trägheit der Ozeane
eine Verzögerung um einige Jahrzehnte verursacht.
Die menschliche Hochkultur hat sich in den letzten Jahrtausenden in einem
relativ stabilen Weltklima entwickelt. In den vergangen 2000 Jahren schwankte
die globale Temperatur um deutlich weniger als 1°C. Unsere Infrastruktur ist
auf eine rasche und starke Klimaveränderung nicht vorbereitet.
Die Erderwärmung hat folgende konkrete
Konsequenzen:
• Der Meeresspiegel steigt durch die Ausdehnung des Meerwassers und durch
den Zufluss von Schmelzwasser in die Ozeane, und zwar immer schneller, je
wärmer es wird. Seit 1880 ist er global um rund 20 cm gestiegen. Bis 2100
könnte er um 50–150 cm ansteigen, bis 2300 sogar um mehrere Meter. Das
Destabilisieren der Eisschilde in Grönland und der Antarktis hätte unumkehrbar
über viele Jahrhunderte steigende Meeresspiegel zur Folge.
• Eine Zunahme von Wetterextremen wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen,
Überflutungen und intensiveren Tropenstürmen wurde in vielen Regionen bereits
beobachtet. Eine weitere Häufung dieser Wetter extreme ist zukünftig zu
erwarten.
• Bei fortschreitender globaler Erwärmung über 2°C droht der beschleunigte Verlust
von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen, da in vielen Weltgegenden
klimatische Bedingungen erreicht werden, die es seit mehreren Jahrmillionen
nicht gegeben hat. Dies würde die Anpassungs-und Regenerationsfähigkeit der
Natur überfordern.
• Die anthropogenen CO2-Emissionen führen heute bereits zu einer messbaren Versauerung
der Ozeane. Das Wachstum der wichtigen kalkbildenden Meeresorganismen (z.
B. Korallen) wird dadurch behindert.
• Im Klimasystem gibt es eine Reihe sogenannter Kippelemente, deren
Aktivierung zu ökologischen „Großunfällen“ führen kann. Zu den bedeutendsten
Risiken gehören das abrupte Abreißen von Meeresströmungen, der Kollaps des
Amazonasregenwaldes, Veränderungen im Monsunsystem oder eine Destabilisierung
großer Eismassen
Was ist zu tun?
Um den mittleren Temperaturanstieg mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei
Dritteln auf 2°C zu begrenzen, dürfen bis zur Jahrhundertmitte weltweit nur
noch rund 750 Mrd. t CO2 ausgestoßen werden. Beim derzeitigen Emissionsniveau
wird dieses Globalbudget schon in etwa 25 Jahren ausgeschöpft sein – bei weiter
steigenden Emissionen sogar noch schneller.
Schon eine leicht verzögerte Trendwende im Jahr 2015 würde jährliche globale
Emissionsminderungen von bis zu 5% (bezogen auf 2008) erfordern. Die Welt
müsste dann pro Jahr Reduktionsleistungen in einer Größenordnung erbringen, für
die im Kioto-Protokoll für die Industriestaaten über zwei Jahrzehnte vorgesehen
sind. Eine Verzögerung der Trendumkehr bis 2020 könnte kaum mehr realisierbare
globale Minderungsraten von bis zu 9% pro Jahr erfordern.
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen –
WBGU – Factsheet 2/2009, Der Klimawandel: Warum 2 Grad Celsius? – kompletter
Text unter www.wbgu.de
)
·
Kohlendioxidemissionen
aus Kohlekraftwerken können nach Einschätzung der Energiewirtschaft durch die
CCS-Technik um mehr als 85% reduziert werden
(Das Parlament 20.4.09 S.9)
·
ein
Radiowecker, frisst Strom rund um die Uhr und verantwortet 22,6 Gramm CO2 pro
Tag (auf ein ganzes Leben bezogen eine halbe Tonne CO2);
rund 25 Kilogramm CO2 im Jahr vermag eine Eiche zu binden;
um den Klimaschaden von drei lächerlichen Radioweckern wettzumachen, braucht
man also eine ausgewachsene Eiche!;
(Die Zeit 3.12.09 S.41)
·
Studie
des Schweizer Beratungsinstituts Prognos, des Öko-Instituts u.a. vorgelegt; 500
Seiten;
Kann Deutschland weiter eine Industrienation bleiben und gleichzeitig praktisch
klimaneutral werden?
JA; aber eher Gewaltmarsch als Spaziergang;
Wohnungen könnten sogar größer werden, die Industrie wachsen, Autos dürften
auch in 40 Jahren noch das bevorzugte Verkehrsmittel sein;
die drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen gelingt allerdings nur,
wenn alle Gebäude dermaßen gut gedämmt sind, dass Heizungen praktisch
überflüssig sind; wenn Autos nicht mehr mit Diesel oder Benzin fahren, sondern
elektrisch betrieben werden; wenn Strom überwiegend aus erneuerbaren Energien
erzeugt wird; wenn die Landwirtschaft „grüner“ wird und wenn unvermeidliche
Emissionen aus Industrieprozessen unterirdisch gebunkert werden (z.B. CO2-Verpressung JK);
es kann gelingen, Deutschlands Treibhausgasemissionen um 95% zu reduzieren;
Moratorium für Kohlekraftwerke gefordert, bis Technik und Infrastruktur für
unterirdische Bunkerung von CO2 verfügbar sind;
nationales Klimaschutzgesetz muss verbindlich festlegen: minus 40% CO2 bis
2020, minus 60% bis 2030, minus 95% bis 2050 (bezogen auf 1990)
(Die Zeit 15.10.09 S.23)
·
Die
Viehzucht verursacht derzeit nicht weniger als 18 Prozent der weltweiten
Treibhausgasemissionen;
dass schon ein einmaliger Fleischverzicht pro Woche zur Einsparung von 170 kg
CO2 im Jahr führe;
Während sich die Weltbevölkerung seit Anfang der 1960er Jahre etwa verdoppelt
hat, nahm der Verzehr von rotem Fleisch um den Faktor 4 zu, der von Geflügel
hat sich gar verzehnfacht. Heute leben mehr Nutztiere auf der Erde als je
zuvor, Schätzungen sprechen von 60 Milliarden. Und die
UN-Landwirtschaftsorganisation FAO erwartet, dass die jährliche globale
Fleischproduktion sich bis 2050 noch einmal fast verdoppeln wird, auf 465
Millionen Tonnen;
Im letzten Klimareport des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz (BMELV) liest man, dass knapp ein Drittel der durch die
Ernährung verursachten Emissionen sich durch „fleischreduzierte Kost“ vermeiden
ließe,
(Die Zeit 10.12.09 S.39)
·
Das
Zweigradziel;
Bisher ist die mittlere Temperatur der Erde um rund 0,7 Grad gestiegen. Weitere
1,3 Grad gelten als kaum noch vermeidbar. Plus 2 Grad gegenüber der
vorindustriellen Zeit wären zwar schon ein dramatischer Temperaturanstieg,
darunter zu bleiben gilt allerdings als unrealistisch. Deshalb ist das
Zweigradziel zum politischen Postulat geworden. ;
Das Ziel wird vermutlich verfehlt … Analyse aller bisher gemachten Zusagen zur
Emissionminderung führen zu einer Erwärmung um 3,8 Grad (Sustainability
Institute USA) bzw. 3,5 Grad (Kölner Beratungsunternehmen Ecofys und Potsdam
Institut für Klimafolgenforschung);
britischer Ökonom Stern: Erfolg, wenn weltweit 2020 nur 44 Milliarden Tonnen
CO2 emittiert werden (heute 46);
Ecofys dazu: es werden 2020 wohl 55 Mrd. t sein
(Die Zeit 10.12.09 S.26)
·
(Seite
18) (Definitionen)
Über die Gesamtheit der meteorologischen Größen (z.B. Strahlung,
Lufttemperatur) charakterisiert das Wetter
den momentanen Zustand der Atmosphäre in den unteren ca. 10 km (Troposphäre) an
einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das Wetter kann sich
mehrmals täglich ändern.
Die Abfolge von Wettersituationen über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis
Wochen wird als Witterung bezeichnet
…
Die World Meteorological Organization (WMO) definiert das Klima als die Synthese des Wetters über einen Zeitraum, der lang
genug ist, um dessen statistische Eigenschaften (Mittelwert, Streuung,
Häufigkeitsverteilung, Extremwerte etc. für jedes meteorologische Element) zu
bestimmen … von der WMO festgelegt: 30-jähriger Zeitraum
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Sachsen im
Klimawandel – eine Analyse, 2008)
·
Jahresmitteltemperatur
in Sachsen hat im Zeitraum von 1961 bis 2007 um 1,35 Grad zugenommen, dabei ist
die Erwärmungsrate von anfangs 0,2 Grad auf 0,4 Grad je Dekade gestiegen;
Verlängerung der thermischen Vegetationsperiode im gleichen Zeitraum um 2,2
Grad je Dekade; aufgrund von Projektionen wird erwartet, dass die
Vegetationsdauer bis 2050 in den obersten Kammlagen des Erzgebirges um 5 Tage
und um bis zu 50 Tagen im Tiefland zunimmt;
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Klimawandel und
Landwirtschaft – Strategie zur Anpassung …; 2009, S.10ff.)
·
(Seite
22) für den Zeitraum der meteorologischen Messungen seit 1761 kann der Sommer
2003 (Monate Juni bis August) als äußerst extremes und statistisch gesehen
nahezu „unmögliches“ Ereignis bewertet werden … unter Annahme eines konstanten
Klimas sollte sich eine solche Hitzeperiode höchstens alle 10.000 Jahre
ereignen;
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Umweltbericht 2007)
·
Klimawandel
als Religion
Der Glaube an den vom Menschen herbeigeführten Klimawandel hat den Status einer
Religion und ist entsprechend zu respektieren. Dies hat ein britischer Richter
entschieden, nachdem der Geschäftsmann Tim Nicholson gegen seine Entlassung
geklagt hatte. Sein Arbeitgeber hatte ihm gekündigt, weil N. sich geweigert
hatte, Geschäftsreisen mit dem Flugzeug zu unternehmen.
(oeku Nachrichten, Kirche und Umwelt Schweiz, Heft 1/2010 S.7)
·
70%
der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft gehen auf das Konto der
Tierhaltung; für ein Kilogramm Schweinefleisch in der Öko-Variante 33 bis 45%
weniger Treibhausgase als für konventionell erzeugtes;
ein anderes IÖW-Ergebnis: wonach Kalbfleisch vom Bioochsen klimaschädlicher ist
als Fleisch, das vom konventionell gehaltenen Bullen stammt (Bullen werden
früher geschlachtet als Ochsen);
Foodwatch: mit Bio ließen sich in Deutschland nicht genügend Nahrungsmittel
erzeugen - wenn die Deutschen nur noch die Hälfte der derzeitigen Fleischmenge
konsumieren würden, würden 4,2 Millionen Hektar Ackerfläche frei, die bisher
Futtermittel erzeugt haben, und auf denen in Zukunft (weniger ertragreicher)
Bioanbau durchgeführt werden könnte
(taz 14.1.2010 S.02)
·
in
einer extremen Trockenperiode gab 2005 erstmals auch der Regenwald am Amazonas
mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre ab, als er in der Biomasse speichern
konnte;
Deutschland: Vor 10 Jahren pufferten die Wälder und Wiesen noch etwa 30%
unserer Treibhausgasemissionen, heute sind es nur noch 13%;
intensive Viehhaltung und Düngung entlassen in der EU so viel der extrem
wirksamen Treibhausgase Methan und Stickstoff (Distickstoffoxid? JK) in die
Luft, dass die Grünflächen als Senken praktisch neutralisiert werden; lediglich
in den Wäldern Osteuropas wird noch gespeichert
(taz 22.9.2009 S.03)
·
2009
hat die Eisausdehnung in der Arktis den drittkleinsten Wert seit Beginn der
Satelittenmessungen 1979 erreicht, in den beiden Jahren zuvor war sie noch
geringer;
(taz 22.2.2010 S.08)
·
weltweit
zählt der Januar 2010 zum viertwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 131
Jahren; Temperatur lag um 0,6 Grad über dem Durchschnitt des 20 Jahrhunderts
(taz 17.2.2010 S.07)
·
dem
anhaltenden Winterwetter zum Trotz ist die Nordsee wärmer als in ähnlichen
Kälteperioden in der Vergangenheit; Temp. 6,3 Grad (langjährige Durchschnittstemperatur
6,6), in ähnlich kalten Wintern in den 1970er und 1980er Jahren sei sie auf
Werte zwischen 5,1 und 5,7 Grad gesunken; Erklärung: Klimawandel
(taz 12.2.2010 S.12)
·
Energiekonzern
Vattenfall bereitet sich auf das Genehmigungsverfahren für das
CCS-Kohle-Kraftwerk in Jänschwalde vor; unter der Leitung des Brandenburgischen
Landesumweltamtes (LUA) traf sich der Energiekonzern Vattenfall mit Umweltverbänden
und betroffenen Gemeinden
(taz 4.3.2010 S.23)
·
(27)
Rinder: etwa 200 Gramm Methan gehen pro Tag und Rind durch Pupsen und Rülpsen
in die Luft (etwa 290 Liter)
(Fluter, Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 33/2009: Thema
Ernährung)
·
die
US-Klimabehörde hat neue Klimadaten vorgelegt, wonach das erste Halbjahr 2010
das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren war
(taz 21.7.2010 S.14)
·
Die
US-Umweltbehörde (EPA) hat bekräftigt, dass der Klimawandel keine Erfindung,
sondern eine Tatsache und auf die Umweltverschmutzung von Menschenhand ist; die
EPA bestätigte zugleich, dass der Klimawandel eine Gefahr für die öffentliche
Gesundheit darstellt
(taz 31.7.2010 S.6)
·
Seite
8:
Formulierung der Klimakonferenz von Kopenhagen 2009:
“Um das letztliche Ziel der Konvention, die Konzentration von Treibhausgasen in
der Atmosphäre auf einem Niveau, das eine gefährliche Störung des Klimasystems
vermeidet, zu stabilisieren, zu erreichen, werden wir, in Anerkennung der
wissenschaftlichen Sicht, wonach der Temperaturanstieg unter 2 Grad Celsius
bleiben sollte, auf der Grundlage von Fairness und im Rahmen nachhaltiger
Entwicklung, unser langfristiges Handeln zur Bekämpfung des Klimawandels
verstärken.“
Erklärung der G8-Regierungen 2009:
“Wir erkennen die weit verbreitete wissenschaftliche Sicht an, dass der Anstieg
der globalen Mitteltemperatur über vorindustrielle Werte 2 Grad Celsius nicht
übersteigen sollte.“
beide sind keine völkerrechtlich verbindlichen Dokumente
(Das Parlament, Beilage: Aus Politik und Zeitgeschichte 32-33/2010, 9.August
2010: Klimawandel)
·
mögliche
Abkürzungen des Seetransports durch das eisfreie Nordpolarmeer:
Tokio – New York: statt Panamakanalroute 18.200 km Nordwestpassage 14.000 km;
Tokio – Hamburg: statt Suezkanalroute 21.000 km Nordostpassage 13.000 km
(Spiegel 39-2010 S.164)
·
Interview
Klimaforscher Schellnhuber;
zum Umsteuern bleiben uns maximal zehn Jahre;
wenn das nicht gelingt, steuern wir auf einen Klimawandel zu, der 4, 6,
vielleicht sogar 8 Grad Erderwärmung bringen kann
(taz 13.10.2010 S.6)
·
Eisbedeckung
der Arktis 2010 extrem gering; im September 4,9 Mill. km2 erwartet,
Vergleichs-Mittelwert der vergangenen 40 Jahre liegt bei 6,7 Mill. km2
(Freie Presse Chemnitz 14.9.2010 S.1)
·
Deutscher
Wetterdienst: Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland hat von 1881 bis
2009 um 1,1 Grad zugenommen; am Ende dieses Jahrhunderts werde die
Durchschnittstemperatur nochmals um 2 bis 4 Grad gestiegen sein
(taz 3.9.2010 S.8)
·
Kapazität
der in Deutschland zur Verfügung stehenden unterirdischen CO2-Speicher (für
CCS-Technologie) beträgt nach Greenpeace nur 6,4 Mrd. Tonnen statt 20 Mrd.
Tonnen, von denen das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe ausgeht
(taz 16.6.2010 S.7)
·
diese aktuelle Ausgabe der „taz“ belastet die Umwelt
mit 300 Gramm CO2; jetzt Umstellung auf komplette Nutzung von Recyclingpapier;
damit allein werden schon die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart
(taz 9.10.2010 S.32)
·
KLIMAWANDEL - Malaria auf dem Vormarsch
Der Klimawandel trägt nach Überzeugung eines internationalen Forscherteams zum
Anstieg der Malaria in ehemals sicheren afrikanischen Hochlandregionen bei. Das
schließen die Wissenschaftler aus der Entwicklung der Temperaturen und der Zahl der Krankheitsfälle in
Teeplantagen bei Kericho, einer Hochlandregion im westlichen Kenia. Die Gruppe
um Mercedes Pascual von der Universität von Michigan stellt ihre Analysen in
den Proceedings B der britischen Royal Society vor. Die Häuser der
Plantagenarbeiter befinden sich durchschnittlich 1.780 bis 1.900 Meter über dem
Meeresspiegel - und damit in einer Höhe, wo das Malariarisiko bislang
angesichts kühler Abend- und Nachttemperaturen als gering galt. In den warmen
Monaten sei die Zahl der Erkrankungen bis zu achtmal höher als früher, stellten
die Forscher der Universität Groningen, des Londoner Tropeninstituts und der
Universität Michigan in ihrer Untersuchung fest. Der Klimawandel ist nach
Auffassung der Forscher aber nicht allein für die gestiegene Zahl der
Malariaerkrankungen verantwortlich. Auch die Zunahme an Resistenzen gegen
Insektenschutzmittel und die höhere Zahl von HIV-Infektionen tragen dazu bei.
(taz 12.11.2010 S.18)
·
Münchener
Rückversicherung: 2010 weltweit ungewöhnlich schwere Naturkatastrophen; „Glück
gehabt“ war das Motto bei den Hurrikans; zwar richteten sie kaum Schaden an,
aber nur, weil sie zufällig nicht auf Land trafen. „Was glimpflich aussah, war
gemessen an der Zahl und Intensität der Stürme eine der heftigsten
Hurrikan-Saisons der vergangenen hundert Jahre“
(taz 4.1.2011 S.09)
·
Universität
von Alaska: die Erderwärmung könnte bis zum Jahr 2100 zwei Drittel aller
europäischen Gletscher zum Abschmelzen bringen; weltweiter Rückgang bis zu 27%;
Alpen Gletscher-Rückgang um 75%; Neuseeland 72%; Hochgebirge Asiens bis 2100
nur 10%;
durch Schmelzwasser Anstieg des Meeresspiegels um 12 cm
(taz 14.1.2011 S.18)
·
Nationales
Klima-Daten-Center der USA: 2010 war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen; teilt sich Spitzenplatz mit 2005; weiterer Rekord: das
niederschlagreichste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen;
gleiche Mitteilung durch Chefklimaforscher der Munich Re
(Freie Presse Chemnitz 13.1.2011 S.10 ; taz 13.12.2010 S.08)
·
der
vergangene Winter 2009/2010 war global der zweitwärmste und auf der
Nordhalbkugel der viertwärmste Winter seit 1880; in Deutschland vorschnell als
Kälte-Rekordwinter eingestuft; nach der Winterstrenge nimmt er nur den Rang 43
seit 1829 ein
(PM Sächsisches Umweltministerium 29.12.2010)
·
Der
Weltklimarat IPCC sagt, dass ab einer globalen Erwärmung um 1,9 Grad Celsius im
Durchschnitt ein Totalverlust des Grönlandeises nicht mehr zu verhindern ist;
derzeit kalte Winter in Zentraleuropa Gegenargument? – das Fehlen des Eises in
der Arktis heizt dort die unteren Luftschichten auf, die wiederum zu Störungen
der Luftströmungen und zu einer Abkühlung des nördlichen Kontinents führen,
verstärkt Luftmassen aus östlicher Richtung (Sibirien)
(taz 29.11.2010 S.04)
·
NASA:
in den vergangenen 25 Jahren Durchschnittstemperatur von großen Seen weltweit
um 1,23 Grad Celsius pro Jahrzehnt angestiegen; am deutlichsten Seen in
Nordeuropa mit Zunahme um bis zu 3 Grad
(taz 25.11.2010 S.09)
·
Durchschnittstemperatur
der Nordsee lag im Jahr 2010 um mehr als ein Grad über dem Wert früherer
Jahrzehnte
(taz 11.1.2011 S.08)
·
Vor
60 Millionen Jahren führte eine globale Erwärmung im heutigen Kolumbien zur
Explosion der Artenvielfalt;
Innerhalb von 10.000 Jahren verdoppelte sich die CO2-Konz. die globalen
Temperaturen stiegen um 3 bis 5 Grad an;
“In den vergangenen 500 Millionen Jahren lag die Kohlendioxid-Konzentration in
der Atmosphäre nur zweimal so tief wie heute“;
“Das Klima auf der Erde war noch nie stabil“;
“Die Ökosysteme haben sich immer angepasst“;
“Die Biodiversität nahm bei der damaligen schnellen Erwärmung in einem kaum
fassbaren Ausmaß zu“;
Grafiken zu Temperaturveränderungen und CO2-Konz. in den letzten 60 Mill.
Jahren:
+ vor 50-60 Mill. Jahren Temperatur mehr als 15 Grad höher als heute;
+ CO2-Konz. vor 500 Mill. Jahren etwa 20 mal höher als heute, vor 60 Millionen
Jahren etwa 2-3 mal so hoch wie heute
(Der Spiegel 46-2010 S.136ff.)
·
das
Eis auf dem Kilimandscharo in Ostafrika schmilzt; nur noch 15% der Eismassen
von 1912 bedecken den Gipfel; Gründe liegen einerseits im (globalen)
Klimawandel; Zusätzlich: Schuld ist zu einem erheblichen Teil die (lokale)
Abholzung von Bäumen auf dem Gebirgsmassiv in den letzten Jahrzehnten, denn die
Bäume gaben tagsüber viel Feuchtigkeit in die Luft ab, die den Berg
hinaufströmte
(bild der wissenschaft 1-2011 S.13)
·
Eine Zukunft ohne Nuklearenergie
Nach Einschätzung des WBGU ist anspruchsvoller globaler Klimaschutz auch ohne
Kernenergie möglich.;
In einer Reihe von Ländern ist derzeit ein Ausbau der Kernenergie geplant.
Davon rät der WBGU dringend ab, insbesondere wegen der nicht vernachlässigbaren
Risiken schwerster Schadensfälle, der ungeklärten Endlagerungsproblematik und
dem Risiko unkontrollierter Proliferation. Bestehende Kapazitäten sollten so
rasch wie möglich durch nachhaltige Energietechnologien ersetzt und bei
erkennbaren Sicherheitsmängeln umgehend stillgelegt werden. Der Ausstieg aus
der Kernenergie darf aber nicht durch den Wiedereinstieg oder die Verstärkung
von Energieerzeugung aus Braun- und Steinkohle kompensiert werden.;
Nachhaltige Entwicklung bedeutet aber mehr als Klimaschutz, denn die
Lebensgrundlagen der Menschheit umfassen viele weitere Naturgüter wie
fruchtbare Böden und biologische Vielfalt.;
Zehn Maßnahmenbündel
Der Ausstoß von Treibhausgasen erfolgt überwiegend durch die Energiewirtschaft
und die Landnutzung, wobei die dramatische globale Urbanisierung eine
entscheidende Rolle spielt. Damit sind drei zentrale Transformationsfelder
benannt, wo Strategien zur Senkung von Emissionen schnell und umfassend greifen
müssen. In diesem Zusammenhang empfiehlt der WBGU detailliert beschriebene
Maßnahmenbündel, die besonders für die Beschleunigung und Verbreiterung des
Übergangs zur Nachhaltigkeit geeignet sind:
1. Um eine Dekarbonisierung weltweit voranzutreiben, sollte der Staat seine
Rolle als Gestalter bewusst wahrnehmen. Dies ist jedoch nur zu legitimieren,
wenn gleichzeitig den Bürgerinnen und Bürgern bessere
Partizipationsmöglichkeiten eingeräumt werden.
2. Das Treibhausgas CO2 sollte möglichst rasch und global mit einem
angemessenen Preis belegt werden.
3. Eine europäische Energiepolitik, die auf eine vollständige
Klimaverträglichkeit des Energiesystems bis spätestens 2050 zielt, sollte
schleunigst entwickelt und umgesetzt werden. Sie muss Partnerschaften mit
Nordafrika gezielt fördern.
4. Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sollten weltweit eingeführt
werden.
5. Entwicklungspolitik sollte insbesondere darauf zielen, dass die 2,5 bis 3
Mrd. Menschen, die heute in Energiearmut leben, Zugang zu nachhaltigen Energien
bekommen.
6. Große Anstrengungen sollten unternommen werden, um die sich beschleunigende
weltweite Urbanisierung nachhaltig zu gestalten.
7. Die Landnutzung sollte klimaverträglich gestaltet werden, insbesondere die
Agrikultur und die Waldwirtschaft.
8. Zur Finanzierung der Transformation und der erforderlichen massiven
Investitionen sollten verstärkt neue Geschäftsmodelle herangezogen werden, die
helfen, vorhandene Investitionsbarrieren abzubauen.
9. In der internationalen Klimapolitik sollte weiterhin auf ein ambitioniertes
globales Abkommen hingearbeitet werden. Zugleich muss die multilaterale
Energiepolitik die weltweite Verbreitung klimaverträglicher Technologien
fördern.
10.Die Vereinten Nationen sollten in die Lage versetzt werden, wirksame
Beiträge zur Transformation zu leisten. Entwicklungsorganisationen sollten zu
Transformationsagenturen für Nachhaltigkeit umgebaut werden. Die G 20 sollten
einen Fahrplan für wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Grenzen des
planetarischen Systems erarbeiten. Die Rio+20-Konferenz im Jahr 2012 bietet
eine einmalige Gelegenheit, um weltweit die Weichen in Richtung
Klimaverträglichkeit zu stellen.
Hauptschauplätze der Transformation
Speziell beim Aufbau klimaverträglicher Energiesysteme besteht die
Herausforderung darin, die Energiearmut in den Entwicklungsländern zu beenden
und gleichzeitig die globalen CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler
Energieträger rasch und drastisch zu mindern. Damit dies gelingt, darf die
globale Endenergienachfrage nur noch unwesentlich steigen – sie liegt heute bei
etwa 350 Exajoule (EJ) pro Jahr und sollte 2050 nicht mehr als 400–500 EJ pro
Jahr betragen. Effizienzverbesserungen und Lebensstiländerungen sind daher in
vielen Alltagsbereichen erforderlich. Aufgrund der großen Energienachfrage in
Städten bildet die rasche Urbanisierung einen besonderen Brennpunkt. Für den
Aufbau klimaverträglicher Energiesysteme gibt es aus technologischer Sicht
verschiedene realistische Möglichkeiten. Der WBGU empfiehlt eine Strategie, die
primär auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien setzt. Der WBGU rät
von einem Ausbau der Kernenergienutzung ab. CO2-Abscheidung und -Speicherung
(CCS) ist dagegen eine notwendige Klimaschutzoption für Länder, die
übergangsweise weiterhin fossile Energien einsetzen. CO2-Sequestrierung könnte
später auch eine wichtige Technologie darstellen, der Atmosphäre aktiv CO2 zu
entziehen. In der Landnutzung liegt das Hauptaugenmerk auf der raschen
Beendigung von Waldrodung und Walddegradation sowie auf der Förderung von
klimaverträglicher Landwirtschaft und Ernährung. Der WBGU zeigt, dass die
Kosten der Transformation signifikant gesenkt werden können, wenn in Europa
gemeinsame Dekarbonisierungsstrategien umgesetzt werden. Auch stellt die
Transformation für Europa eine große Chance dar, innovationsgetriebene Beiträge
zu einer zukunftsfähigen Globalisierung zu leisten.
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltfragen:
„Klimaverträgliches Wirtschaften und nachhaltige Entwicklung“, 7.4.2011; http://www.wbgu.de/veroeffentlichungen/hauptgutachten/hauptgutachten-2011-transformation/
)
·
Differenziertere Debatte um CCS
Nach Auffassung von Germanwatch sollten in Deutschland keine neuen
Kohlekraftwerke – weder mit noch ohne CCS – gebaut werden. Bisher ist aber
nicht ersichtlich, wie ohne CCS die industriellen Prozessemissionen (etwa in
Zement- oder Stahlwerken) in den nächsten Jahrzehnten so stark verringert
werden könnten wie notwendig. International zeichnet sich allerdings ab, dass
wegen des starken Zubaus von Kohlekraftwerken, vor allem in China und Indien,
ohne CCS die notwendigen Klimaziele nicht erreicht werden können.
Durch den verabschiedeten Gesetzentwurf steigt nun die Chance, dass im
Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg eine der avisierten zwölf europäischen
CCS-Demonstrationsanlagen entsteht. Germanwatch befürwortet, dass noch nicht
stillgelegte Kohlekraftwerke mit CCS nachgerüstet werden – im Fall des
Kraftwerks Jänschwalde zur Erforschung der Post-Combustion-Abscheidetechnik.
Komplizierter ist der Fall beim zur Erprobung der Oxyfuel-Technologie
erforderlichen Neubau eines Kraftwerksblocks. Für den Einsatz in Deutschland
ist dieser nicht notwendig. Allerdings lassen sich Kraftwerke mit dieser
vielleicht vielversprechendsten CCS-Abscheidetechnik nicht nachrüsten. Und sie
wird ohne Testanlagen kaum in anderen Ländern, die weiter Kohlekraftwerke
bauen, zum Einsatz kommen.
(Germanwatch: Weitblick – Zeitung, 2/2011, Beilage taz, http://www.germanwatch.org/zeitung/2011-2.htm
)
·
Schlechte
Ernte im globalen Treibhaus
Der Klimawandel hat in den vergangenen 30 Jahren weltweit die Ernten von Mais
und Weizen reduziert und die Preise für Getreide nach oben getrieben. Höhere
Temperaturen und weniger Verlässlichkeit bei der Wasserversorgung haben im
globalen Durchschnitt dazu geführt, dass 5,5 Prozent weniger Weizen und 3,8
Prozent weniger Mais produziert wurde, als dies ohne den Klimawandel möglich
gewesen wäre. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der
US-Universitäten Stanford und Columbia, die in der Fachzeitschrift Science
veröffentlicht wurde.
Den Ausfall an Weizen taxieren die Forscher auf 33 Millionen Tonnen, die
Jahresproduktion von Frankreich. Beim Mais seien durch den Klimawandel 23
Millionen Tonnen weniger produziert worden, so viel, wie pro Jahr in Mexiko
erzeugt wird.;
untersuchten die Temperaturentwicklungen zwischen
1980 und 2008. Fast überall waren die Temperaturen gestiegen. Darauf reagiert
Getreide sensibel: Steigt die Temperatur um 1 Grad Celsius, sinkt der
Ertrag um 10 Prozent. Und sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage bei
wachsender Weltbevölkerung, dann steigt der Preis: bis zu 20 Prozent für die
Rohstoffe, fand das Forscherteam.;
Das Ergebnis zeigt, dass Verlierer und Gewinner ungleich verteilt sind: Während
die Weizenproduktion in Russland um 15 Prozent einbrach, blieb der weltgrößte
Getreideproduzent, die USA, fast unberührt, weil sich dort das Klima in diesem
Zeitraum kaum erwärmte.;
Insgesamt und auch in Deutschland sei die landwirtschaftliche Produktion massiv
gestiegen. Zwischen 1954 und 2004 sei der Weizenertrag pro Hektar von 27 auf 76
Doppelzentner gesteigen. "Pro Jahr steigt der Ertrag durch den technischen
Fortschritt um 2 bis 3 Prozent", sagte Lohse.
(taz 10.5.2011 S.09)
·
In diesem Frühjahr ist die
Zerstörung der Ozonschicht über der Arktis so groß wie noch nie. Schuld daran
seien Schadstoffe und ein sehr kalter Winter in der Stratosphäre, so die Weltwetterorganisation.
Messungen hätten ergeben, dass die Ozonschicht über der Arktis von Ende des
Winters bis Ende März um etwa 40 Prozent zurückgegangen sei, so die
UN-Organisation. Die Ozonschicht schützt die Erde vor ultravioletten Strahlen
der Sonne. Über den Winter gesehen sei über der Arktis etwa ein Drittel des
Ozons zerstört worden.
(taz 6.4.2011 S.08)
·
die
globale Durchschnittstemperatur lag 2010 um 0,53 Grad über dem Mittelwert der
Jahre 1991 bis 1990, damit wäre 2010 sogar das wärmste Jahr seit Beginn der
Aufzeichnungen (etwa gleichauf mit 2005 und 1998)
(Freie Presse Chemnitz 21.1.2011 S.1)
·
Klimaschutzziele nicht erreichbar
US-Forscher haben mit neuesten Berechnungen zur weltweiten Eisschmelze bisher
gültige Klimaschutzziele in Frage gestellt. Eine von der University of Colorado
veröffentlichte Studie geht davon aus, dass im Jahr 2200 bis zu zwei Drittel
der Permafrostböden der Welt geschmolzen sein werden. Durch einen damit
zusammenhängenden biologischen Prozess würden zusätzlich zwischen 130 und 250
Milliarden Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 in die
Atmosphäre gelangen. Das sei rund ein Fünftel der Menge, die sich heute in der
Atmosphäre befinde. Die internationalen Klimaziele müssten an die neuesten
Erkenntnisse angepasst werden.
(taz 18.2.2011 S.12)
·
CCS
- 408 mögliche Orte für Kohlendioxidspeicher in Deutschland;
mögliche Lagerorte vor allem in Ostfriesland und im schleswig-holsteinischen
Wattenmeer konzentriert;
Greenpeace veröffentlicht Karte
(Der Spiegel 7-2011 S.119; taz 14.2.2011 S.08, taz 15.2.2011 S.09)
·
Das arktische Meer war in den
letzten 2.000 Jahren nie so warm wie heute, warnen deutsche, norwegische und
US-Wissenschaftler in einer gemeinsamen Studie, die in der aktuellen Ausgabe
des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht ist. Aufgeheizt wird
der Arktische Ozean durch zunehmend wärmeres Wasser aus dem Atlantik. Das
Forscherteam um Robert Spielhagen vom Kieler Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften (IFM-Geomar) geht davon aus, dass der beobachtbare
"Rückgang der arktischen Meereisbedeckung und die rasche Erwärmung der
Arktis mit dieser deutlich verstärkten Wärmezufuhr" im Zusammenhang stehen
(taz 28.1.2011 S.18)
·
Menschheit
stellt neuen CO2-Rekord auf
Die Industrienationen befinden sich auf dem falschen
Weg. Das legen zumindest Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) nahe,
die gestern veröffentlicht wurden. Demnach hat die Energieerzeugung im
vergangenen Jahr 30,6 Gigatonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen, so
viel wie nie zuvor. Eine Gigatonne, das sind eine Milliarde Tonnen. Nachdem der
CO2-Ausstoß durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 etwas
gesunken war, ist er 2010 gegenüber 2008 um 5 Prozent gestiegen. Auch dies ist
laut IEA ein Rekord.;
"Dieser deutliche Anstieg gibt unseren Hoffnungen, die Erderwärmung auf
zwei Grad Celsius zu begrenzen, einen argen Dämpfer", kommentierte Fatih
Birol, Chefökonom der IEA, die Werte. Erst auf dem jüngsten Klima-Gipfel in
Cancún im vergangenen Dezember hatten sich die Staatsführungen auf das
Zwei-Grad-Ziel geeinigt. Um es zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß
bis 2020 auf 32 Gigatonnen pro Jahr begrenzt werden.;
Nicholas Stern, Autor des einflussreichen Stern-Reports über die
wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels von 2006, warnte anlässlich der
Zahlen im britischen Guardian vor "düsteren Folgen". Stiegen
die Emissionen weiter so stark, liegt die Wahrscheinlichkeit laut dem
UN-Klima-Gremium IPCC bei 50 Prozent, dass die Erde in den nächsten
hundert Jahren vier Grad wärmer wird. "Das würde das Leben von hunderten
Millionen Menschen zerstören"
(taz 31.5.2011 S.09)
·
Einige
Pflanzen und Tiere mögen es wärmer
Der Klimawandel muss für die heimische Tierwelt
nicht immer etwas Schlechtes sein. Der Steinkauz gehört nach einer neuen Studie
zu den Gewinnern der Erderwärmung. Die Eulenvögel, die vor allem am Niederrhein
und im Münsterland vorkommen, müssen seltener mit harten Wintern klarkommen,
die Nahrungsmangel und Bestandseinbrüche bedeuten. Das teilte die Universität
Münster mit. Auch die Feuerlibelle werde von der Klimaveränderung profitieren,
hieß es weiter. "Aufgrund der höheren Temperaturen wird sie sich auch in
Nordrhein-Westfalen weiterhin stark ausbreiten und etablieren", sagte
Thomas Fartmann vom Institut für Landschaftsökologie.;
1900 Pflanzen- und mehr als 1200 Tierarten untersucht, wie stark sie von
Klimaveränderungen betroffen sein werden
(taz 25.3.2011 S.18)
·
deutsche
CO2-Emissionen 2010 stark gestiegen (auf 958 Mill. t), 38 Millionen Tonnen CO2
mehr emittiert als 2009, plus 4,8%;
erwartete zusätzliche jährliche CO2-Emissionen: bei Ersatz der KKW im
Moratorium durch Steinkohle: plus 36 Mill. t; Ersatz durch Erdgaskraftwerke:
plus 18 Mill. t CO2;
Umweltbundesamt: statt des Ziels der Bundesregierung, die Emissionen um 40%
gegenüber 1990 zu mindern, sei „lediglich mit einer Emissionsminderung von 30
bis 33 % zu rechnen“
(Der Spiegel 24-2011 S.46)
·
Sachsen:
In diesem Frühjahr in Sachsen rund ein Drittel weniger Regen als üblich;
bereits 2003, 2006 und 2007 Dürreperioden;
gravierende Winter- und Sommer-Hochwasser: 2002, 2003, 2006, 2010;
Sommer 2003, Herbst 2006, Winter 2006/2007, Frühling 2007 (ähnlich 2011, das
war der trockenste Frühling) waren die jeweils wärmsten seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen;
Trogwetterlagen haben deutlich zugenommen (sehr warme Luft aus Süden trifft auf
kalte Luft aus dem Norden, Wetterextreme, heftige Niederschläge): 2010 an 96
Tagen; von 1931 bis 1940 nur Summe 180 Tage;
Erwaärmung in Sachsen bis 2100 um 3,5 Grad erwartet, aber auch 6 Grad nicht
auszuschließen;
Kompendium mit Daten kann bestellt werden (15 Euro), wird mit
Veröffentlichungen im Internet ständig aktualisiert
(Freie Presse Chemnitz 7.6.2011 S.2, S.A4; www.klima.sachsen.de/klimakompendium
)
·
eine
Hauskatze in Deutschland verursacht pro Jahr 2,2 Tonnen CO2 (Herstellung von
Futtermitteln und Verpackung, Entsorgung der Katzenstreu und leerer Dosen); Dackel:
1,8 t/a; Kanarienvogel: 15 kg/a;
ein Mensch in Ägypten verursacht 2,3 Tonnen CO2 im Jahr; ein Mensch in
Deutschland rund 10 Tonnen;
in Deutschland mehr als 8 Millionen Katzen und über 5 Millionen Hunde;
(taz 15.6.2011 S.08)
·
Die
Auswirkungen des Klimawandels werden erst im Jahr 3000 abklingen – und das auch
nur unter günstigsten Bedingungen: Wenn die Verwendung fossiler Brennstoffe
sofort gestoppt und kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen wird. Eine entsprechende
Simulation am Computer haben kanadische Forscher der University of Calgary
durchgeführt. Danach würde sich die Nordhalbkugel schneller erholen als die
südliche Hemisphäre. Die Forscher vermuten, dass der langsame Wassertransport
vom nördlichen zum südlichen Atlantik dafür verantwortlich ist.
(bild der wissenschaft 4-2011 S.13)
·
Durch den Klimawandel schrumpft das Meereis in der Arktis – mit
scheinbar paradoxen Folgen: In weiten Teilen der Nordhalbkugel wird es häufiger
strenge Winter geben;
Die Kältewelle ließ
viele Menschen an Klimawandel und globaler Erwärmung zweifeln. Doch
Wissenschaftler widersprechen: Was den Winter 2009/2010 in Mitteleuropa so kalt
machte, scheint den globalen Erwärmungstrend sogar zu bestätigen.;
Die Eisbedeckung (der Arktis) im September (dem Monat mit der geringsten
Eisschicht) schrumpft um durchschnittlich 11 Prozent pro Jahrzehnt. Während
Anfang der 1980er-Jahre typischerweise noch 7,5 Millionen Quadratkilometer des
Nordpolarmeers eisbedeckt waren, lagen die Werte in den letzten Jahren bei nur
etwa 5 Millionen Quadratkilometern. 2010 waren es 4,9 Millionen. Das bisherige
Rekordminimum wurde im September 2007 erreicht, als das Eis drastisch bis auf
4,3 Millionen Quadratkilometer zurückging.;
Die US-amerikanische Ozeanographie- und Wetterbehörde NOAA (National Oceanic
and Atmospheric Administration) beschreibt in ihrem letzten Arktisbericht von
Oktober 2010 das „Warme Arktis – Kalte Kontinente“-Muster. In einem normalen
Jahr kreist laut NOAA über der Arktis ein riesiges Tiefdruckgebiet, an dessen
Rändern starke Westwinde wehen. Diese Winde wirken wie eine Schranke, die die
kalten polaren Luftmassen daran hindert, weiter südlichen Gefilden einen Besuch
abzustatten. Im Winter 2009/2010 herrschte in der Arktis eine stabile
Hochdruckwetterlage, die die Windverhältnisse auf den Kopf stellte. Resultat
war das „Warme Arktis – Kalte Kontinente“-Muster: Die Westwindsperre wurde
unterbrochen, und kalte Arktisluft konnte ungehindert nach Süden vordringen.
Die Folge waren heftige Temperaturanomalien;
In Nordamerika, Europa und Asien war es teilweise um zehn Grad kälter als
sonst, während das Thermometer in der Arktis um bis zu zwölf Grad höher
kletterte als gewöhnlich. Dieses Muster, so die Experten der NOAA, hat es in
den letzten 160 Jahren nur dreimal gegeben. Doch was hat der hohe Luftdruck mit
dem Meereis zu tun?;
Auch dafür hat die NOAA eine einfache Erklärung. Das immer stärker schrumpfende
Meereis im Sommer legt den dunklen Ozean darunter frei. Dadurch wird das
Sonnenlicht nicht wie üblich von der hellen Eisoberfläche reflektiert, sondern
vom Ozean absorbiert – das Wasser heizt sich auf. Diese Wärme setzt der
Arktische Ozean im Herbst wieder frei: Sie heizt die unteren Luftschichten der
Atmosphäre auf. In der Folge verändert sich der Luftdruck, sodass eine
Hochdruckwetterlage in der Arktis wahrscheinlicher wird – und damit auch ein
„Warme Arktis – Kalte Kontinente“- Muster. Sollte die sommerliche Eisbedeckung
in der Arktis weiter abnehmen – und davon gehen die meisten Experten aus –,
dann werden laut NOAA kalte Winter in Zukunft deutlich häufiger auftreten.;
Dirk Notz. Der Hamburger Klimaforscher warnt davor, häufigere Kältewellen in
Europa als Indiz gegen den globalen Erwärmungstrend zu werten: „Von einem
vereisten Fußweg vor der Haustür kann man nicht darauf schließen, dass sich der
Klimawandel verlangsamt.“ Denn was in den Wintern 2009/2010 und 2010/2011
geschah, war eine bloße Umverteilung der Luftmassen: Warme Luft aus dem Süden
schob sich in die Arktis, die polare Kälte rutschte im Gegenzug zu uns.
Tatsächlich war das Jahr 2010 – gemittelt über den gesamten Globus – vermutlich
zusammen mit 2005 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren.
Die USA und Osteuropa wurden von Rekordhitzewellen geplagt – eine Folge waren
die verheerenden Waldbrände in Russland.;
Gegenwärtig steigt der Pegel (des Meeresspiegels) weltweit um etwa 3 Millimeter
pro Jahr, wobei der Großteil durch die thermische Ausdehnung des Wassers in
einem wärmeren Klima verursacht wird. Von den 3 Millimeter Anstieg gehen rund
0,7 Millimeter auf das Konto des schwindenden Eiskolosses auf Grönland.
(bild der wissenschaft 3-2011 S.58ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32557836
)
·
Die
Sonnenaktivität hat kaum Einfluss auf die Erderwärmung – im Gegensatz zum
Kohlendioxid-Ausstoß auf der Erde. Das zeigen Klimamodelle mit verschiedenen
künftigen Kohlendioxid-Emissionen. Beim Szenario 1 steigt der
Kohlendioxid-Ausstoß bis Mitte des 21. Jahrhunderts ungebremst weiter. In
diesem Fall könnte sich die Erde bei normaler Sonnenaktivität um 4,5 Grad
erwärmen. Bei einem Sonnenaktivitätsminimum fällt die Erwärmung nur ein oder
zwei Zehntel Grad niedriger aus. Beim Szenario 2 nehmen die
Kohlendioxid-Emissionen bis Mitte des 21. Jahrhunderts zu und sinken dann
wieder. Dabei steigen die Temperaturen bis 2100 um 3,7 Grad Celsius, wenn der
Sonnenzyklus normal weitergeht, und um 3,6 Grad,wenn es zu einem neuen
Maunder-Minimum kommt. Das ergaben Berechnungen des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung.;
Wie sich das Klima entwickelt, wenn die Sonne erneut in ein großes Minimum
fällt, haben Georg Feulner und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung ausgerechnet. Ergebnis: Die verminderte Sonnenstrahlung
würde die Erwärmung bis zum Jahr 2100 nur unwesentlich bremsen. Setzt sich der
Sonnenzyklus wie gewohnt fort, erwärmt sich die Erde im Vergleich zu 1990 je
nach Emissionsszenario um 3,7 bis 4,5 Grad Celsius. „Ein neues großes Minimum
würde die Temperaturen im Jahr 2100 um höchstens 0,3 Grad Celsius verringern“,
sagt Georg Feulner. Das lange Minimum 2008/2009 konnte die globale Erwärmung
jedenfalls nicht aufhalten. Messdaten der NASA zufolge war 2009 das
zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.52)
·
In
dieser Broschüre aus dem Jahr 2005 (!) wird geschildert, wie die Auswirkungen
eines schweren Hurrikans für New Orleans aussehen könnten, einige Monate, bevor
diese Katastrophe sich wirklich ereignete (Katrina) !!!;
“Ein kräftiger Hurrikan, der auf der richtigen Route langsam über den Golf von
Mexiko zöge, würde eine gewaltige Flutwelle vor sich herschieben. Diese könnte
New Orleans sechs bis sieben Meter tief unter Wasser setzen. … rechnen wir mit
sehr vielen Toten.“
(Spektrum der Wissenschaft, Dossier, Die Erde im Treibhaus, 2-2005, S.74ff.)
·
Entwicklungspolitische
Klimaplattform der Kirchen : http://www.kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de/
·
mit
4,24 Millionen Quadratkilometern unterschritt die Fläche des Meereises in der
Arktis am 8.9.2011 die bisherige Negativ-Rekordmarke vom September 2007 (4,27);
seit 1972, als die Forscher mit der regelmäßigen Beobachtung und Vermessung des
Eises rund um den Nordpol mit Hilfe von Satelliten begannen, ist die
sommerliche Eisfläche um etwa die Hälfte geschrumpft
(bild der wissenschaft 11-2011 S.12)
·
Industrieländer
verursachen immer mehr Kohlendioxid-Emissionen in Entwicklungs- und
Schwellen-Ländern. Grund dafür ist, dass in den Industrieländern zunehmend
Waren konsumiert werden, die aus ärmeren Ländern stammen. Daher sei dort
zwischen 1990 und 2008 fünfmal so viel CO2 entstanden, wie von den reichen
Nationen durch Klimaschutzprogramme eingespart wurde.
(bild der wissenschaft 7-2011 S.7)
·
UNO
hat 2011 zum Jahr der Wälder erklärt;
in Südamerika werden jährlich rund 4 Millionen Hektar Waldfläche abgeholzt, in
Afrika etwa 3,4 Mill. ha
(bild der wissenschaft 4-2011 S.10)
·
Die
Auswirkungen des Klimawandels werden erst im Jahr 3000 abklingen – und das auch
nur unter günstigsten Bedingungen: Wenn die Verwendung fossiler Brennstoffe
sofort gestoppt und kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen wird. Eine entsprechende
Simulation am Computer haben kanadische Forscher der University of Calgary
durchgeführt. Danach würde sich die Nordhalbkugel schneller erholen als die
südliche Hemisphäre. Die Forscher vermuten, dass der langsame Wassertransport
vom nördlichen zum südlichen Atlantik dafür verantwortlich ist
(bild der wissenschaft 4-2011 S.13)
·
Schon
der Bericht an US-Präsident Carter aus dem Jahr 1980 „Global 2000“ benennt den
Treibhauseffekt (greenhouse effect)
(Die Zeit 8.9.2011 S.26)
·
+
Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen Deutschland:
1990 = 100%; 2020 = -40%; 2030 = -55%; 2040 = -70%; 2050 = -80 bis -95%;
+ Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch Deutschland:
2010 8,9%; 2020 18%; 2030 30%; 2040 45%; 2050 60%
+ Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch Deutschland:
2010 16%; 2020 35%; 2030 50%; 2040 65%; 2050 80%
(BMU: Zeitschrift „Umwelt“ 10-2011 S.16)
·
Warnung
vor den Klima-Klempnern (Geo-Engineering);
+ Reflektoren im Weltall
+ Aufforstung und Biokohle
+ Eisendüngung der Ozeane
+ Pumpen auf hoher See (Tiefenwasser aus 100 – 200 m, das CO2 aufnimmt)
+ Kalkdüngung des Ozeans (Versauerung durch CO2 entgegenwirken)
+ weiße Hausdächer
+ Erhöhung der Sonnenreflexion von Wüsten und Meeren
+ Aerosole (Schwefelhaltige Partikel in 20 km Höhe)
+ künstliche Wolken über dem Meer
+ Luftfilter (CO2 aus der Luft holen)
+ CCS (CO2 nach der Kohleverbrennung abtrennen und „vergraben“);
Gutachten … Auf 180 Seiten hat das (deutsche Forschungs-) Ministerium Dutzende
von Wissenschaftlern die umstrittenen Theorien bewerten lassen, mit denen der
Klimawandel gebremst werden soll, ohne dabei die Emissionen von Treibhausgasen
senken zu müssen. Nicht nur Klimawissenschaftler und Ozeanografen, sondern auch
Ökonomen, Juristen und Sozialforscher haben an der weltweit ersten
interdisziplinären Studie "Gezielte Eingriffe ins Klima?" den
Wissensstand zum "Geo"- oder "Climate-Engineering" (CE) zusammengetragen.
Ihr Fazit: Es gebe "kein risikofreies Climate-Engineering": Die Daten
über Wirksamkeit und Nebenwirkungen seien kaum verlässlich, die Technik könne
internationale Konflikte auslösen und nationale Alleingänge seien
völkerrechtlich verboten. Grundsätzlich würden die langfristigen Kosten
unterschätzt und die Klimapolitik könne an Bedeutung verlieren. Schließlich
würde bei einem Ausstieg aus manchen Techniken ein "rapider Klimawandel
eintreten, der möglicherweise sogar stärker wäre als jener, der ohne vorherigen
Einsatz der Technik entstanden wäre" - so würde also der Klima-Teufel mit
dem CE-Beelzebub ausgetrieben;
Nach Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) befindet sich die
Welt auf einem Emissionspfad, der die globale Mitteltemperatur bis 2100 um 6
Grad hochtreiben wird. Angesichts dieses realistischen Horrorszenarios und den
festgefahrenen Klimaverhandlungen gilt manchen Klimaschützern, Technikern und
Geschäftsleuten die Manipulation der Atmosphäre als Notbremse gegen den
Klima-GAU. Der US-Klimaökonom Scott Barrett sieht den großen Vorteil im CE
darin, dass es "kostengünstig ist und von einem einzigen Land einseitig
durchgeführt werden kann.";
seit Jahren tüfteln Ingenieure an Ideen, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu
filtern oder die Wärmestrahlung der Sonne zu reduzieren (siehe Grafik). 2010
beschlossen die Staaten in der UN-Konvention zur Artenvielfalt einen
weitgehenden Stopp aller CE-Experimente;
Noch ist nicht erwiesen, dass irgendeine der Techniken funktioniert, bezahlbar
ist und unter dem Strich dem Klima nützt. Im Gegenteil: Forscher warnen vor
veränderten Wetter- und Niederschlagsmustern durch das CE, vor stärkerer
Versauerung von Atmosphäre und Ozeanen, vor dem Verlust an Solarenergie durch
Verschattung und vor der Vergeudung von Geld und Energie, die besser in die
Verbreitung etwa von erneuerbaren Energien gingen.
(taz 6.10.2011 S.4)
·
in
diesem Frühjahr riesiges Ozonloch über der Arktis nachgewiesen; der Ozonverlust
übersteigt jeden, der bisher über der Arktis gemessen wurde
(taz 4.10.2011 S8)
·
Das
Meereis in der Arktis ist in diesem Sommer so stark geschmolzen wie nie zuvor.
Die Negativmarke sei am Donnerstag mit 4,24 Millionen Quadratkilometern
erreicht worden, teilte die Universität Bremen am Freitag mit. Damit wurde die
bisher geringste Eisausdehnung im Nordpolarmeer aus dem Jahr 2007 (4,267
Millionen Quadratkilometer) unterboten. Seit 1972 ist das sommerliche Eis um
die Hälfte zurückgegangen.
(taz 10./11.9.2011 S.6)
·
Die
Arktis steht vor einem traurigen Rekord: So weit zurückgezogen wie im Sommer
dieses Jahres hat sich das dortige Eis noch nie. Das gab das US-amerikanische
National Snow and Ice Data Center bekannt, das Daten der Nasa auswertet. Das
arktische Eis erstreckte sich am 17. Juli dieses Monats über 7,56 Millionen
Quadratkilometer. Das sind über 2,2 Millionen weniger als im Sommerdurchschnitt
der Jahre 1979 bis 2000. Am Nordpol ist es derzeit 6 bis 8 Grad wärmer, als im
Juli dort üblich ist.
(taz 21.7.2011 S.8)
·
Der
renommierte Klimaforscher Mojib Latif hat vor Dürre und extremer Hitze in
Deutschland durch den Klimawandel gewarnt. Bei einer in einem neuen UN-Bericht
als möglich vorhergesagten Erwärmung um vier bis fünf Grad bis zum Jahr 2100
seien im Süden und Osten Deutschlands Tagestemperaturen von fast 50 Grad
möglich, so der Forscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der
Universität Kiel im Deutschlandradio. Dies sei auch eine "gigantische
Herausforderung" für die Infrastruktur.
(taz 15.11.2011 S.6)
·
Der
Konsum der Reichen verursacht Emissionen in Entwicklungsländern;
Die einen, die Industrieländer, behaupten, sie hätten immerhin angefangen, ihr
Scherflein zur Bekämpfung der Erderwärmung beizutragen. Ohne unbillige
Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen zu müssen, sei mehr leider nicht drin,
zumal die größten Klimasünder mittlerweile ohnehin die Schwellenländer seien.
Und richtig, tatsächlich offenbart ein Blick in die offizielle Statistik, dass
China inzwischen am meisten klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstößt.
Die anderen, China & Co. behaupten, pro Kopf sorgten sie nach wie vor für
deutlich weniger CO₂ als die Industrieländer. Und obendrein müssten
manche der Emissionen, die ihr Klimakonto belasten, in Wirklichkeit auf dem
Konto der Industrienationen verbucht werden.;
Jetzt kommt etwas mehr Klarheit in die Debatte, dank einer Studie, an der auch
zwei Ökonomen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und der TU Berlin
beteiligt waren. Die in der Fachzeitschrift der US-Wissenschaftsakademie
erschienene Untersuchung versucht zum ersten Mal, die Emissionseffekte der
weltweiten Arbeitsteilung umfassend zu ermitteln. Und siehe da: Tatsächlich
sind die reichen Länder zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren
Ländern verantwortlich. Durch ihren Konsum haben sie sogar mehr zum
Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie zu Hause
eingespart haben.
Die amtliche CO2-Statistik gibt das nicht her. Sie folgt dem
Territorialprinzip, wonach Emissionen jenem Land zugeschrieben werden, in dem
sie entstehen. Wer ein im Ausland produziertes Handy oder Hemd kauft, verursacht
aber im Herkunftsland Emissionen, nicht in seinem Heimatland; umgekehrt
verringert zum Beispiel der Export von Autos die Klimalast des Landes, in dem
die Autofabrik steht.

(Die Zeit 22.6.2011 S.35)
·
Bisher
war die Sache eindeutig: Alte Kohlemeiler durch neue Gaskraftwerke zu ersetzen
galt als die beste Methode, der Erderwärmung entgegenzuwirken, jedenfalls so
lange, wie Strom aus erneuerbaren Quellen nicht ausreichend zur Verfügung
steht. So einfach ist es jedoch nicht, lautet das Ergebnis einer Studie …;
Danach reduziert der Wechsel von Kohle zu Gas bei der Stromerzeugung die
klimaschädlichen CO2-Emissionen … Zugleich aber vermindert sich der bei der
Kohleverstromung erhebliche Ausstoß an Partikeln. Diese wiederum blockieren das
auf die Erde fallende Sonnenlicht (Abkühlungseffekt
JK) … Zusammen führt das dazu, dass der Umstieg auf Gas „bei der Lösung des
Klimaproblems wenig hilft“, sagt der Autor der Studie, der weltweit bekannt
australische Klimaforscher Tom Wigley.
(Die Zeit 15.9.2011 S.24)
·
Interview
mit Klimaforscher James Hansen, Leiter des Nasa Goddard Institute für
Weltraumforschung;
Vorschlag: Klimasteuer als CO2-Steuer:
Die Klimasteuer würde von den Energieunternehmen eingesammelt werden, und das
Geld sollte dann an die Bevölkerung ausgeschüttet werden, um die höheren
Energiepreise auszugleichen. Wenn man das den Leuten richtig erklärte, wären
sie sicherlich davon zu überzeugen. Leider traut sich kein Politiker, die
Wahrheit zu sagen;
China will nicht so abhängig von fossilen Brennstoffen werden, wie es die
Vereinigten Staaten heute sind. Außerdem werden China und Indien deutlicher
unter dem Klimawandel leiden als etwa Europa. Und anders als hier in den USA
leugnet die politische Führung nicht die wissenschaftlichen Erkenntnisse.
ZEIT: In den USA ist der Klimawandel fast schon zur Glaubensfrage geworden.
Hansen: Das ist kein Zufall. Die Leute, die weitermachen wollen wie bisher,
fordern, dass man alle Seiten hören müsse. Egal, ob ihre Ansicht
wissenschaftlich untermauert werden kann oder nicht. Dadurch entsteht für die
breitere Öffentlichkeit der Eindruck, dass es sich auch dann um Meinungen
handelt, wenn es sich um objektive wissenschaftliche Erkenntnisse handelt;
ZEIT: Zu Ihren Kritikern gehören aber auch Umweltaktivisten. Etwa weil Sie für
Atomkraft eintreten. In Deutschland feiert die Umweltbewegung den Plan, alle
Atomkraftwerke abzuschalten.
Hansen: Das ist eine emotionale und irrationale Entscheidung. Das zeigt sich
schon daran, dass der Anlass eine Reaktion auf das Unglück in Fukushima war.
Neuere Generationen von Kernkraftwerken haben ein Kühlsystem, das ohne
Elektrizität auskommt. Die Debatte über die Atomenergie erinnert mich an die
Luftfahrt. Flugzeugunglücke machen Schlagzeilen, dabei ist das Flugzeug
erwiesenermaßen das sicherste Verkehrsmittel. Für China und Indien wird es ohne
Atomenergie nicht möglich sein, auf fossile Brennstoffe zu verzichten.
ZEIT: Also eine Fehlentscheidung aus Sicht des Klimawandels?
Hansen: Es ist eine Chance, zu beweisen, dass alternative Energien ausreichen,
um die Nachfrage zu befriedigen. Wenn ein Land das fertigbringt, dann
Deutschland mit seinem Ingenieurwesen und seiner Industrie. Aber es ist eine
große Herausforderung. Um die anvisierte CO₂-Reduktion von 40 Prozent bis
2020 zu schaffen und irgendwann die Emission auf null zu bringen, müsste das
Land deutlich Energie einsparen und alternative Energiequellen extrem ausbauen.
ZEIT: Und was passiert, wenn wir es nicht schaffen?
Hansen: Ich fürchte, so wie es jetzt aussieht, besteht die Gefahr, dass
Deutschland wieder auf Kohle als Brennstoff zurückgreift. Das wäre sehr
problematisch. Deutschland gehört zwar heute nicht mehr zu den großen
CO₂-Emittenten, aber das Land würde ein schlechtes Signal von
Verantwortungslosigkeit senden. Schließlich gehört Deutschland, historisch
gesehen, neben Großbritannien und den USA zu den Hauptverursachern. Wenn wir
weiter Kohle verbrennen, steht praktisch fest, dass es noch in diesem
Jahrhundert zu unumkehrbaren Klimaänderungen kommen wird.
ZEIT: Die da wären?
Hansen: Eine Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius im Schnitt galt bisher als
gefährlich. Aber inzwischen gehen ich und andere Forscher davon aus, dass
bereits eine Erwärmung um zwei Grad ein Katastrophenszenario zur Folge hätte.
Das Eis an den Polkappen würde weitgehend abschmelzen. Das wäre unumkehrbar.
Wir hätten das Klima wie im Pliozän, als der Meeresspiegel 25 Meter höher lag.
Stellen Sie sich mal vor, was mit all unseren Küstenmetropolen passieren würde.
Ein großer Teil der Arten auf unserem Planeten würde aussterben. Die Effekte
würden sich bereits zu Lebzeiten unserer Kinder und Enkel bemerkbar machen.
(Die Zeit 27.10.2011 S.38 - http://www.zeit.de/2011/44/GL-Interview-Hansen
)
·
Die
Klimakrise ist nicht nur wesentlich komplizierter als die Finanzkrise,
obendrein erscheint den meisten politischen Akteuren der Handlungsdruck auch
geringer. Der Meeresspiegel steigt schließlich langsamer als der Zins für
Staatsanleihen. Das nährt den Irrglauben, Klimaschutz sei nicht so dringend;
Der Verdacht, von den Warnern würde mal wieder gnadenlos übertrieben, ist
unbegründet. Tatsächlich liefert eine unverdächtige Quelle den akuten Anlass,
sich mit dem Katastrophenszenario anzufreunden – eine Quelle, die jedenfalls
nicht geschaffen wurde, um Sand ins Getriebe der globalen
Wirtschaftsmaschinerie zu streuen. Es ist die Internationale Energie Agentur
(IEA), jener Klub, den die Industrieländer 1973 gründeten, um gemeinsam gegen
die Ölkrise vorzugehen. Die gerade präsentierte jüngste Version ihres
Weltenergieausblicks, eine Art Bibel für Energiemanager und -politiker, beginnt
mit der Feststellung, es gebe wenig Anzeichen dafür, »dass der dringend
notwendige Kurswechsel bei den weltweiten Energietrends eingeleitet wurde«.
Das klingt nüchtern, ist aber eine fast apokalyptische Aussage. Tatsächlich
sorgt die Menschheit laut IEA ohne Rücksicht auf Verluste dafür, dass die
mittlere Temperatur auf der Erde über kurz oder lang ein Plus von 3,5 Grad
erreichen könnte, womöglich sogar von 6 Grad oder mehr. Warum? Weil sie ständig
mehr Kohle, Öl und Gas verbraucht – und dementsprechend die Menge an
Kohlendioxid wächst, die in der Erdatmosphäre landet und dort die Voraussetzungen
für die extremen Verhältnisse auf der Erde schafft. Deren Konsequenzen:
Schlimmstenfalls ein langfristig um mehrere Meter ansteigender Meeresspiegel –
Städte wie Hamburg und Bremen wären dann unbewohnbar.
Dass solche ungemütlichen Zeiten näher rücken, ist schon länger bekannt. Vor
knapp 20 Jahren verpflichteten sich praktisch alle Staats- und Regierungschefs
der Welt dazu, eine »gefährliche Störung des Klimasystems« zu verhindern. Umso
alarmierender ist, dass weiter das Gegenteil geschieht. 2010 erreichte der
weltweite CO2-Ausstoß einen neuen Rekord. Gleichzeitig war 2010 das wärmste
Jahr seit 1880, gleichauf mit 1998 und 2005.
(Die Zeit 10.11.2011 S.37)
·
die
Weltgemeinschaft steht nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur
(IEA) kurz davor, den Kampf gegen den Klimawandel zu verlieren;
jüngst veröffentlichter „Energy Outlook“:
weltweite Durchschnittstemperatur wird durch Treibhauseffekt in diesem
Jahrhundert um 3,5 Grad steigen;
IEA rechnet bis 2035 mit einem weltweiten Anstieg des Energieverbrauchs um ein
Drittel; 90% des Zuwachses entfallen auf die Entwicklungs- und Schwellenländer;
Anteil der fossilen Energieträger wird von 81 auf 75% sinken (dafür Anstieg der
Subventionen von derzeit 64 Milliarden Dollar pro Jahr auf 250 Mrd. Dollar 2035
erforderlich;
Ölverbrauch steigt von 87 Millionen Barrel pro Tag auf 99; dauerhaft hohe
Ölpreise
(Freie Presse Chemnitz 12.11.2011 S.7)
·
Die
Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist laut der
Meteorologiebehörde der Vereinten Nationen so hoch wie noch nie. Mit 389
Teilchen auf eine Million habe die Konzentration von Kohlendioxid den höchsten
Wert seit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1750 erreicht, so der Bericht
der World Meteorological Organization. Der Anstieg der Emissionen sei größer
als von den Experten prognostiziert. Verantwortlich für die hohe Konzentration
von Treibhausgasen sei die Verfeuerung fossiler Brennstoffe, Abholzung und die
Verwendung von Düngern.
(taz 22.11.2011 S.8)
·
US-Vizepräsident
Al Gore (der spätere Nobelpreisträger) hatte in Kioto zwar an der Entstehung
des Kioto-Protokolls mitgewirkt, aber nie gewagt, das Papier im US-Kongress
vorzustellen
(taz 26./27.11.2011 S.15)
·
CO2-Speichung
durch CCS;
Und so stehen etwa 100 Öko-Aktivisten am Samstag vor der Berlin-Wahl mit ihren
großen Transparenten und Slogans wie "Kohle nur noch zum Grillen!"
und "Kohlestrom hat keine Zukunft - Endlager stoppen!" vor dem Roten
Rathaus in Berlin. Ihre T-Shirts und Plakate leuchten in der Antiatomkraftfarbe
Grellgelb, und das ist kein Zufall. Denn BUND und Greenpeace haben mit
Bürgerinitiativen aus potenziell betroffenen Gebieten eine Kampagne wie gegen
Atomkraft oder Gentech gestartet. Lieblingsgegner: Brandenburgs
Ministerpräsident Matthias Platzeck, der mit Vampirzähnen und Teufelshörnern als
"Brunnenvergifter" dargestellt wird.;
Bisher kalkulieren Experten wie der UN-Weltklimarat IPCC damit, dass eine
verpresste Tonne CO2 etwa 50 Euro kosten wird. Für ein Viertel dieses Preises
bekommt man derzeit eine Tonne im EU-Emissionshandel. Vattenfall hofft auf
einen massiven Preisanstieg: "Wir rechnen damit, dass CCS etwa ab 2020
unter den Preisen für die CO2-Zertifikate liegen wird", sagt Bloemer. Die
Kosten würden sinken, weil überall auf der Welt an CCS geforscht werde.
Allerdings gibt es bisher nirgendwo auf der Welt ein Kohlekraftwerk, das
sicher, ökonomisch und ökologisch vernünftig CCS betreibt. In Norwegen,
Algerien und Kanada wird teilweise seit Jahren CO2 verpresst, aber unter
anderen Rahmenbedingungen.
Nicht erprobt, zu spät, teuer, potenziell gefährlich: Eigentlich gibt es
genügend Gründe, um CCS lebendig zu begraben. Aber die Ablehnung ist längst
nicht so groß, wie es BUND, Greenpeace und die Bürgerinitiativen glauben
machen. Vor allem die Klimaschutzgemeinde hofft auf CCS als Notbremse gegen den
Klimawandel. Zur Sicherheitsfrage hat etwa das IPCC angemerkt, "gut
ausgewählte, gebaute und gewartete" Lagerstätten könnten das CO2 für
"Millionen von Jahren" einschließen. Andere Klimaschützer sehen einen
Bedarf für die "Prozessemissionen" der Industrie: Das sind
Treibhausgase, die bei der Herstellung von Zement oder Aluminium als chemische
Abfallprodukte anfallen. "Das sind etwa 10 Prozent der deutschen
Emissionen", sagt Manfred Treber, CCS-Experte der Umweltorganisation
Germanwatch. Die Speicherung brauche man auch für die Idee von
Biomassekraftwerken mit "negativer CO2-Bilanz", die klimaneutralen
Brennstoff einsetzen und per CCS anderes CO2 der Atmosphäre entziehen.
"Die Pilotprojekte müssen gebaut werden", sagt auch Martin Jännicke,
der als emeritierter Professor für Umweltpolitik nun die chinesische Regierung
berät. Der deutsche Kohleausstieg sei wichtig, "aber andere Länder wie
China werden nicht von ihrer Kohle abrücken. Die vertrauen darauf, dass auch
mit unserer Hilfe CCS ab 2020 bezahlbar wird."
Der Grat ist schmal, auf dem Klimaschützer gleichzeitig gegen die Kohle und für
eine Erforschung der CCS-Technik sind. Wie plädiert man für ernsthafte
Forschung, ohne sich zum nützlichen Idioten der Kohleindustrie zu machen?
Einerseits seien die Anlagen bisher oft nur "Powerpoint-Präsentationen mit
dem Businessplan, Steuergelder einzuwerben", heißt es aus dem
Umweltbundesamt. Andererseits "können wir diese Fragen nicht auf dem
Papier lösen".
Wer nichts sehen, hören oder fühlen kann, der muss vertrauen. Zum Beispiel
jemandem wie Axel Liebscher vom GFZ in Ketzin. Er steht vor seiner Anlage und
erklärt: "Wir können das CO2 in der Tiefe sehr gut orten und sehen, wie es
sich bewegt." In einer Blase von 250 mal 400 Metern breitet es sich planmäßig
in einer 10 bis 20 Meter dicken Sandsteinformation aus, abgeschlossen von einer
Tondecke. Liebscher trägt kariertes Hemd, Sicherheitsschuhe und einen weißen
Sicherheitshelm. Er macht seine drei Botschaften klar: Erstens: Wir haben hier
alles im Griff. Zweitens: Für verlässliche Daten brauchen wir eine
Versuchsanlage, die zehnmal so groß ist wie Ketzin. Drittens: Ihr könnt uns
vertrauen.
In Ketzin selbst hat das schon gefruchtet. Anders als in vielen anderen Orten
Brandenburgs gibt es keinen organisierten Widerstand.
(taz 22.9.2011 S.4)
·
Bundesumweltminister
Röttgen gibt Gesetz für CCS nicht verloren;
Die Bundesregierung will das Gesetz zur unterirdischen Speicherung des
Treibhausgases Kohlendioxid noch retten. Kommende Woche soll das Kabinett
beschließen, den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anzurufen.
Das bestätigte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Der Bundesrat hatte
das umstrittene Vorhaben im September abgelehnt und selbst kein Interesse
gezeigt, über das gemeinsame Gremium einen Kompromiss zu erarbeiten.
Ohne das Gesetz kann die Technologie nicht getestet werden, die landläufig
unter CCS bekannt ist - eine Abkürzung des englischen Begriffs Carbon Capture
and Storage: Bei dem Verfahren würde Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen
abgefangen und unterirdisch eingelagert.;
Ob CCS dem Klimaschutz dient, ist umstritten. Die meisten Umweltverbände lehnen
das Verfahren ab, der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, findet
das Verfahren nur erwägenswert, um unvermeidliches CO2 aus der Zementproduktion
oder anderen Industrieprozessen vom Aufsteigen in die Atmosphäre abzuhalten.
Die großen Energiekonzerne setzen aber auf CCS, damit sie auch zukünftig
fossile Kraftwerke betreiben und damit die Energiewende verzögern können. An
den Standorten, die zur unterirdischen Einlagerung vorgesehen sind, gibt es
meist Proteste der Bevölkerung, die Sicherheitsrisiken befürchtet.
Auch in anderen EU-Ländern haben CCS-Projekte Probleme, sich durchzusetzen
(taz 17.10.2011 S.9)
·
Mit
dem Atomausstieg riskiert Deutschland seine Klimaschutzziele.;
Offiziell hält die Bundesregierung an ihrem Ziel fest, die Emissionen des
Landes bis zum Jahr 2020 um vierzig Prozent zu reduzieren. Die
Energiewirtschaft sollte zu diesem Ziel sogar überproportional beitragen. DIE
ZEIT hat einmal nachgerechnet. (Diese Rechnung finden Sie ausführlich hier: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-07/energiewende-stromproduktion-rechnung
.) Es ist, natürlich, eine Rechnung mit Unbekannten. So viel aber lässt sich
schon heute sagen: Das ehrgeizige Klimaschutzziel ist nicht einmal annähernd zu
erreichen. Der Strommix des Jahres 2020 aus Sonne und Wind, Kohle und Gas
dürfte das Klima ungefähr so stark belasten, wie es die Stromproduktion des
Jahres 1990 getan hat, mit der Atomkraft im Westen und den postsozialistischen
Kraftwerksfossilen im Osten. Was durch den Ausbau von Wind und Sonnenenergie
erreicht wurde, das frisst der Atomausstieg nun wieder auf.;
Inzwischen ist das Umweltbundesamt von seiner Analyse der Energiewende
vorsichtig abgerückt. Einige Annahmen, heißt es auf beharrliches Nachfragen,
seien »sehr optimistisch und heute wohl nicht mehr aktuell«.
Es gibt im Lager der Atomkraftgegner viele Kalkulationen dieser Art. Mal
verschwinden Kohlekraftwerke stillschweigend aus der Statistik, mal werden sie
lange vor Ende ihrer Lebensdauer stillgelegt. Die Deutsche Umwelthilfe warf
eine Hochrechnung in die Debatte, in der die Emissionen der Stromwirtschaft
infolge des Atomausstiegs zwar drastisch ansteigen – dann aber binnen 15 Jahren
auf null zurückgehen. Der Autor hat stillschweigend angenommen, dass eine
künftige Regierung Deutschlands neue Kohlekraftwerke kurzerhand enteignen und
stilllegen werde.;
Und der Klimaschutz? Seine ehrgeizigen Klimaziele kann Deutschland vergessen.
Strom sparen, notfalls mit harten Einschnitten, das ist vermutlich das Einzige,
was nun noch hilft, wenigstens ein bisschen. Aber um damit rasch zu beginnen,
muss sich das neue grüne Deutschland von der Illusion verabschieden, es habe
der Welt mit seinem Atomausstieg einen Dienst erwiesen.
(Die Zeit 21.7.2011 S.7)
·
Vattenfall
gibt CCS-Kraftwerk auf;
Der schwedische Konzern stoppt Pläne, in großem Stil Klimagase in Brandenburg
zu verpressen. Die Landesregierung setzt weiter auf Braunkohle und kippt
Klimaziele;
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat seine Pläne für die
CO2-Einlagerung in Deutschland beerdigt. "Das ist ein herber Rückschlag
für Innovation, Klimaschutz und die deutsche Wirtschaft", sagte
Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. Das Unternehmen plante, 1,5
Milliarden Euro in das 3.000-Megawatt-Kraftwerk Jänschwalde zu investieren, um
ab 2016 ein Teil des Kraftwerkes mit der sogenannten CCS-Technologie
auszustatten. CCS steht für "Carbon Capture and Storage", dabei soll
CO2 aus den Abgasen gefiltert und unterirdisch gespeichert werden.
Grund sei die "fortwährende Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz",
teilte Vattenfall mit. Hintergrund sind jahrelange Verhandlungen zwischen Bund
und Ländern über eine Erprobung der Technik. Kürzlich scheiterte ein
Gesetzentwurf im Bundesrat. Zwar liegt es momentan im Vermittlungsausschuss,
eine Einigung gilt als unwahrscheinlich. In den betroffenen Regionen gab es heftige
Proteste gegen die umstrittene Technik.
Die rot-rote Landesregierung in Brandenburg will trotzdem an der Braunkohle
festhalten und dafür die 2007 beschlossenen Klimaschutzziele nicht einhalten.
(taz 6.12.2011 S.8)
·
BMU 4/1998: Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Entwurf eines
umweltpolitischen Schwerpunktprogramms
S.44 Schätzungen der Mineralölwirtschaft, die für die kommenden Jahre
erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien plant, : ... im Jahre 2060 70% des Weltenergiebedarfs
aus erneuerbaren EQ
·
BMU: Umweltbericht 1998, Zusammenfassung S. XIX:
Subventionierung heimische Steinkohle 1997: 8,9 Mrd DM für Verstromungs- und
Kokskohlebeihilfe
· Deutschland
Aktuell:
Anteil Ökostrom 11 %; Anteil Biokrafstoffe 5,4 %; Anteil Wärme 6,2 %
Bioenergie, Solar- und Geothermie;
2006 im gesamten Bereich erneuerbarer Energien 99 Millionen Tonnen CO2
eingespart;
(taz 5.1.07)
· Der Anteil
erneuerbarer Energien an der Stromversorgung soll bis zum Jahr 2010 auf
mindestens 12,5% und bis 2020 auf mindestens 20% erhöht werden (§1 EEG 1.8.04)
· EON und
SHELL planen mit britisch-dänischer Firma Core Offshore-Windfeld vor England
mit 270 Windturbinen und 1000 MW (energiedepesche 3/05 S. 7)
· Holzpellets:
1 kWh kostet derzeit 3-4 Cent; entspricht einem Heizölpreis von 35 Cent/Liter
(derzeit 50);
Kessel kostet 5-8.000 Euro (doppelt so viel wie Öl oder Gaskessel)
einmalige Mehrkosten 3-4.000 Euro
taz 13.10..05
· Kosten EEG-Umlage
für Haushalte: 0,54 Cent/kWh (1,59 Euro/Monat pro Haushalt 3.500 kWh)
(BMU Broschüre 2005)
· Japan 2004: durch
Tragen sommerlicher Kleidung in Büros Energie gespart: 240.000 Haushalte 1 Monat lang mit Strom
versorgen
(FP 10./11.9.05
· Wer auf
erneuerbare Energien eindrischt, hat nicht alle Tassen im Schrank (Norbert
Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank) (taz 13,/14.8.05)
· mit der
für die Herstellung eines Blattes Papier A4 benötigten Energie brennt eine
40-Watt-Glühbirne 30 Minuten lang
(energiedepesche 1/2000 S. 11)
· Fusionsreaktor
100 Mill. Grad; radioaktive Abfälle (Behälter-Austausch aller 5 a)
taz 7.4./16.6.97)
· Angela
Merkel (Umwelt BMU 12/95):
Anteil reg. Energiequellen bis 2005 unter größten Anstrengungen auf 7%
bis 2050: Steigerung auf 50% denkbar
· im Schnitt
wird in Deutschland etwa die Hälfte der Endenergie in Nutzenergie umgewandelt;
Energiedienstleistungen:
Prozesswärme, Raumwärme, mechanische Energie, Beleuchtung,
Information/Kommunikation;
Umwandlungsverluste z.B. 1997
Industrie 39, Verkehr 81, Haushalte 33, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 42,
gesamt 49%
(3. Bericht Klima BRD 2002 S. 20ff)
· 1990: Primärenergie Dritte
Welt: Öl 23%, Kohle 28%, Gas 7%, Wasserkraft 5%, Kernenergie 1%, sonstige 1%,
Biomasse 35%!
(Energietrends 9/94)
· Sparpotenziale
Deutschland: Industrie 20%, Verkehr 20%, Gewerbe usw. 20%, Haushalte 35%
Sparchancen bei Elektromotoren (2/3 des industriellen Stromverbrauchs!): wäre
jeder dritte Motor, statt nur jeder zwanzigste, mit einer elektrischen
Drehzahlregelung ausgerüstet, würden die Betriebe 16 Mrd kWh einsparen (1 Mrd
Euro, 2 KKW)
(Die Zeit 6.2.03 S.19)
· „Rückkehr
zur Sonne“, hat schon mal 100.000 Jahre ganz gut funktioniert (Sonnenwärme,
Wind, Wasserkraft und nachwachsende Rohstoffe)
in 1 Jahr verheizt die Menschheit so viel Brennstoff, wie die Natur in Laufe
von 1 Mill Jahren angespart hat;
(Der Spiegel 23/2000 S. 134ff)
· S.25:
Uran-Reserven 1,57 Mill t; derzeit verbrauchen KKW weltweit (354 GWe) 64.400 t
Uran pro Jahr
(BMWi: Reserven, Ressourcen und
Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2002)
· eine Firma
macht aus altem Frittenfett (McDonalds & Co) 60 Mill Liter Diesel pro Jahr
selbst das gesamte alte Speiseöl Deutschlands würde nicht ausreichen, um 1% des
in D. getankten Diesels zu ersetzen
von 114 Mill t Mineralölprodukten, die hiesige Raffinerien herstellten, floss
fast die Hälfte in Fahrzeugtanks; der nächstgrößte Posten leichtes Heizöl zur
Wohnraumheizung
Biosprit ersetzt derzeit nicht mehr als 2% der Nachfrage an Benzin und Diesel
Rapsproduktion könnte 3,7% des gesamten Kraftstoffbedarfs befriedigen
zweiter Weg: „Biomasse zu Flüssigtreibstoffen“; Vergasung ganzer Pflanzen,
Choren Industries in Sachsen macht SUNDIESEL; SHELL ist an Choren beteiligt
Sparpotenzial Autos: ein Mittelklassefahrzeug müsste nicht mehr als 4-5 Liter
Benzin verbrauchen
· Wasserstoff
wirtschaft:
Wind, Sonne, Wasserkraft oder Kernspaltung liefern Strom
für die Elektrolyse
Transport in Leitungen oder Behältern zum Verbraucher
Nutzung durch Verbrennung oder zur Stromerzeugung (Brennstoffzelle)
(Die Zeit 24.11.05 S. 25ff)
· Energieversorgung:
bedarfsgerecht und sicher
wirtschaftlich (möglichst geringe Kosten)
umweltverträglich
· (Energieprogramm
Sachsen 2004)
Bereitstellung von Energie
langfristig sicher, preiswert und umweltverträglich
· Nutzung
energetischer Ressourcen unter Berücksichtigung
wirtschaftlicher,
ökologischer und
sozialer Aspekte
· Importabhängigkeit
(D: ¾)
leitungsgebundene
Energieträger Gefahr von Monopolen
nicht-leitungsgebundene Energieträger (Brenn- und Treibstoffe)
besondere Bedeutung der Bereitstellung von Wärme
Speicherung
· einzeln durchgehen
Braunkohle (reichlich vorhanden, CO2, Tagebaue)
Steinkohle (reichlich vorhanden, CO2, CH4)
Öl (Import, Vorräte noch 100 a)
Gas (Import, CH4, Leckagen)
Kernenergie (als Leichtwasserreaktor Uran: Rohstoffe noch wenige Jahrzehnte,
Risiken Krieg + Terrorismus, Risiken Betrieb, Atommüll)
Kernenergie Optionen (sicherer Reaktor, Schneller Brutreaktor,
Hochtemperaturreaktor)
Kernfusion
Sonne (PV, Thermie, Parabolrinnen)
Wind (Rotoren, offshore, Windtürme)
Erdwärme
Biomasse (Abfälle, Plantagen)
Gezeitenenergie
· nachwachsende
Rohstoffe aus der regionalen Landwirtschaft –
Ersatz für fossile Energieträger ?
Schonung der Ressourcen nicht-erneuerbarer Energieträger
CO2-Neutralität
Schließung von Stoffkreisläufen
Verringerung des Transportaufwandes
verringertes Risiko bei Transporten, Verarbeitung und Nutzung
Lagerfähigkeit
· Strategiepapier
des weltgrößten Technologiekonzerns General Electric (GE):
„Wir verpflichten uns, bis 2010 doppelt so viel in Forschung und Entwicklung
umweltfreundlicher Produkte zu investieren, und stocken das Budget von 700
Millionen Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar auf“;
Shell-Prognose: bis 2050 werden erneuerbare Energien weltweit zu einem Drittel
zum Energiemix beitragen, und auch dann wolle man noch zu den führenden
Energieanbietern gehören;
ähnliche Strategie British Petrol (BP); Slogan „Beyond Petroleum“ (Jenseits des
Erdöls); die weltweit zweitgrößte Ölgesellschaft mauserte sich auf diese Weise
bereits zum drittgrößten Solarunternehmen der Welt; Umsatz mit Solaranlagen
stieg 2004 um fast ein Drittel auf 330 Millionen Euro, in den nächsten 10
Jahren soll der Umsatz mit Alternativenergien rund 5 Milliarden Euro betragen –
Umsatz mit Öl und Gas belief sich 2004 auf 21 Milliarden Euro;
(ZEIT 1.12.05 S.34)
· bis vor 6
Jahren kostete die Kilowattstunde Strom im Großhandel kaum 2 Cent, heute wird
Strom aus denselben Kraftwerken für 5,5 bis 6 Cent gehandelt;
Uran vor 6 Jahren 7 Dollar je Pfund, aktuell 52 Dollar
(taz 18.9.06)
· Fritz
Vahrenholt (Chef des Windradbauers REPOWER):
Ich bin durchaus optimistisch, dass wir bis zum Jahr 2050 die Hälfte unserer Energieversorgung
mit erneuerbaren Energieträgern bewältigen können. Aber selbst dann bleibt die
Frage: Was machen wir mit den anderen 50 %? Ohne Kernenergie und Kohle wird das
nicht gehen.
(taz 7./8.10.06)
· (11) wenn
der letzte Atomreaktor in Deutschland um 2020 vom Netz geht, werden nach einer
aktuellen Studie pro Jahr gut 150 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren
Energien erzeugt werden, mehr als die 140 TWh pro Jahr, die deutsche Atomkraftwerke heute
produzieren;
(12) das EEG trägt derzeit etwa um 3 % zum Preis von Haushaltsstrom bei
(dreiköpfiger Haushalt 1,60 Euro/Monat);
(BMU: Broschüre „Energieversorgung – umweltfreundlich zu stabilen Preisen“
2006)
· Shell
Prognose weltweiter Energieverbrauch (Werte aus Grafik abgeschätzt)
(17,3 mm = 100 EJ)
|
Jahr |
2000 |
2000 |
Anteil |
2050 |
2050 |
Anteil |
|
Energieträger |
|
|
|
|
|
|
|
Kohle |
16,2 |
94 |
|
20,8 |
120 |
|
|
Kohlenwasserstoffe |
0 |
0 |
|
3,3 |
19 |
|
|
Erdöl |
27,9 |
161 |
|
42,3 |
245 |
|
|
Erdgas |
16,1 |
93 |
|
29,7 |
172 |
|
|
Kernkraft |
5,0 |
29 |
|
4,7 |
27 |
|
|
Summe konventionell |
|
377 |
82 |
|
583 |
64 |
|
Biomasse traditionell |
9,0 |
52 |
|
6,2 |
36 |
|
|
Wasserkraft |
5,2 |
30 |
|
7,8 |
45 |
|
|
Wellen- und Gezeiten- |
0 |
0 |
|
1,3 |
8 |
|
|
Wind |
0 |
0 |
|
7,0 |
40 |
|
|
Biomasse Kraftstoffe |
0 |
0 |
|
9,6 |
55 |
|
|
Biomasse elektrisch |
0 |
0 |
|
3,3 |
19 |
|
|
Solarthermie |
0 |
0 |
|
8,4 |
49 |
|
|
Geothermie |
0 |
0 |
|
3,7 |
21 |
|
|
Solarstrom |
0 |
0 |
|
10,8 |
62 |
|
|
Summe erneuerbare E. |
|
82 |
18 |
|
335 |
36 |
|
gesamt |
79,2 |
458 |
100 |
158,8 |
918 |
100 |
(Spiegel 13/06 S.86)
· Solarstrom
kostet 50 Cent/kWh? Falsch, das ist die gezahlte Vergütung;
Rechnung: Anlagekosten 22.000 Euro für Spitzenleistung 5,4 kW;
Jahresertrag 4600 kWh, in 20 Jahren 92.000 kWh; das ergibt 24 Cent je kWh
(bdw 3/06 S.21)
·
Anteil erneuerbarer Energien weltweit an der
Primärenergie:
traditionelle Biomasse: 9,0 %
große Wasserkraft 5,7 %
andere EE 2,0 %
(BMU Umwelt 2/06 S.80)
·
BUND Freiburg analysiert: "Wie
lange reichen die weltweiten Energievorräte?"
Am kommenden Montag
findet der Energiegipfel der Bundesregierung statt.
Schon im Vorfeld des Energiegipfels zeigt
sich, dass die Frage der
Energieressourcen
bei diesem Gipfel eine wichtige Rolle spielen werden. In
der
Berichterstattung im Vorfeld des Gipfels zeigt sich bisher sehr stark
die Dominanz der
Werbeabteilungen der Energiekonzerne. Die absehbare
Endlichkeit der
Uranreserven spielt in der bisherigen Diskussion
beispielsweise fast
keine Rolle. Auch aus diesem Grund senden wir Ihnen noch
einmal unsere
Hintergrundinformation aus dem Frühjahr 2006 zum Thema
weltweite
Energievorräte.
Im Internet und den
Medien finden sich zum Thema weltweite Energievorräte
(Uran, Erdöl,
Erdgas, Kohle, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie) die
unterschiedlichsten,
häufig stark interessengeleiteten Angaben. Wir
versuchen hier
einige Infos zum Thema weltweite Energievorräte
zusammenzutragen.
Die aufgeführten, häufig widersprüchlichen Studien über
die Endlichkeit von
Uran, Erdöl, Erdgas und Kohle zeigen bei allen
Widersprüchen die
Dimension der kommenden Energiekrise. Sie berücksichtigen
häufig nicht
ausreichend, dass bei Ressourcenverknappung auf andere
Technologien
umgestiegen wird, weil die Verknappung zu einem massiven
Preisanstieg führt.
Dies kann dazu führen, dass einige der alten
Energieträger, bei
massiv erhöhten Preisen einige Jahre länger vorhanden
sind als in den
Prognosen erwartet wird. Das ändert aber nichts am
Grundproblem einer
in Kürze drohenden weltweiten, massiven Energiekrise.
Steigende Preise für
Öl und Uran und Kriege um Öl und Ressourcen sind die
ersten Hinweise auf
kommende Kriege und Konflikte.
Die Atomlobby, u.a.
organisiert im Verband Schweizerischer
Elektrizitätsunternehmen,
fasst auf ihrer Homepage (am 7. Sept.2005) die
heutigen
Erkenntnisse zusammen, allerdings ohne die Steigerungsraten des
Verbrauchs
einzubeziehen.
"Wie lange
reichen die Energievorräte der Welt? Teilt man die aus heutiger
Sicht technisch und
wirtschaftlich abbaubaren Reserven durch den jetzigen
Verbrauch, erhält
man die so genannte statische Reichweite. Diese beträgt
für Erdöl rund 41,
für Erdgas 67, für Kohle 192 und für Uran (ohne
Brutreaktoren) rund
50 Jahre." Zitatende
Nach den realen
Zahlen fließen dann die Zukunftshoffnungen der Atomlobby in
den Text der
Homepage ein: "Die statische Reichweite ist aber nur bedingt
aussagekräftig, da
sich einerseits der Verbrauch ständig ändert und
andererseits immer
noch neue Vorkommen entdeckt werden. Bei steigenden
Energiepreisen lohnt
sich auch der heute noch nicht wirtschaftliche Abbau
von Vorräten."
Zitatende
Die
Umweltorganisation Greenpeace hat im Jahr 2006 eine Studie über die
Reichweite der
Uranvorräte der Welt erstellt. Nach dieser Studie können die
heute bekannten
Uranvorräte einen steigenden Bedarf nicht decken. "Unter
Berücksichtigung
verschiedener Szenarien zur weltweiten Entwicklung des
Kraftwerkbestandes,
scheinen die Uranvorräte etwa zwischen 2026 und 2070
erschöpft. Geht man
davon aus, dass Atomkraft tendenziell rückläufig ist,
mit Ausbaubemühungen
nur weniger Länder, werden die Vorräte nach
realistischen
Schätzungen bis circa 2050 reichen."
Die Fachzeitschrift
Politische Ökologie schreibt in ihrer Ausgabe vom März
2004: Bei den
Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale
Agentur des OECD
(International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:
- ein Ende des
Erdöls um 2035,
- von Erdgas
vermutlich vor 2040,
- Kohle reicht bis
maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass
sie die anderen
Energieträger ersetzen muss und gleichzeitig zu einem
gesteigerten CO2-
Ausstoß führt.
- Uran reicht bei
der heutigen Förderung nur bis 2040.
- Schon 2010
produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das
verschafft diesen,
teilweise politisch instabilen Ländern eine bedeutende
Machtposition -
nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus,
das Deutschland im
Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland
importieren wird.
Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie 87 - 88" / März
2004
Die teilweise sehr
unterschiedlichen, häufig stark interessengeleiteten
Zahlen zu den
Energievorräten der Welt zeigen dennoch deutlich die
Endlichkeit dieser
Ressourcen an. Ein plötzliches, abruptes Ende der
Förderung von Gas,
Öl, Uran und Kohle ist dennoch nicht zu erwarten, eher
ein langsames
Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und
sozialen
Folgeproblemen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht
regenerativen
Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind nach Ansicht
von BUND
Geschäftsführer Axel Mayer die Probleme eines unbegrenzten
Wachstums und der
damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie:
Bei einem
anhaltenden Wachstum des Energieverbrauchs von 3% verdoppelt sich
dieser alle 23
Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge,
die exponentiell
wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen
Verdoppelungszeit.
Dauerhaftes exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs
ist nicht möglich,
auch wenn die Kohle, Öl- und Atomlobby anderes verkünden.
Unser
Wirtschaftswachstum ist immer noch nicht abgekoppelt von einem
überhöhten Energie-
und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und
Uranzeitalters ist
absehbar und rückt durch den Export unseres
Verschwendungssystems
nach China und Indien noch näher. Ein Teil des bisher
"unterentwickelten"
Rests der Welt (insbesondere China und Indien) ist
gerade gerade dabei,
unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft
nachzuahmen und
ähnlich Energie zu verschwenden wir wir. Der beginnende
Autoboom in diesen
Ländern wird in unseren Medien häufig noch unkritisch
bejubelt. Die Folgen
dieses Booms für Energievorräte, Ökologie und Weltklima
sind nur selten ein
Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das
"spannendste
ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte.
Und ist es den
Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten
Beispiel nacheifern?
Das weltweit knapper
werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch
klassische
Suchtsymptome aus. Statt Energie einzusparen und Alternativen zu
fördern, rufen
wachstumsgläubige Politiker, gerade auch vor dem Energiegipfel,
nach einer
intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren und
gefährlicheren
Energiedroge Atomenergie. Die Abhängigkeit vieler Politiker
und Parteien von der
Energielobby gefährdet die Demokratie. Nur einen,
zugegeben etwas
makaberen, positiven Effekt könnte das beginnende Auslaufen
der fossilen
Energievorräte haben. Die Klimaveränderungen könnten
langfristig weniger
verheerend ausfallen als bisher angenommen, wenn Erdöl
und Gas nicht durch
Kohle ersetzt werden.
Das Wachstum im
Bereich der Alternativen Energien, gehört zu den wenigen
hoffnungsvollen
Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise
für atomar-fossile
Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für
erneuerbare Energien
halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten
expandierende
Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate
1000 MW neue
Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies
einem neuen AKW
Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein
Atomreaktor der
Größe Beznau (CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Der
globale
Wachstumskurs für Photovoltaik-Anlagen setzt sich auch 2006 fort.
Rund eine Million
Solaranlagen sind in Deutschland installiert. Damit nutzen
über drei Millionen
Menschen Solarenergie zur Erzeugung von Wärme und Strom.
Allein im Jahr 2005
wurden gut 175.000 Anlagen neu errichtet. Biomasse,
Windenergie und
Photovoltaik schaffen Strom und Arbeitsplätze. Und genau
dieses positive
Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern
der atomar-fossilen
Energiegewinnung massiv bekämpft, denn jede neue
Photovoltaikanlage
und jedes neu gebaute, privat finanzierte Windrad nimmt
den AKW - Betreibern
und Atomkonzernen Anteile an der Stromproduktion weg.
Widerstand gegen
Windräder wegen Vögeln, Fledermäusen und Landschaftsschutz?
It´s the economy - stupid!
Die erneuerbare
Energien sind Energiequellen, die sich durch natürliche
Prozesse laufend
erneuern. Sie stehen nach menschlichen Zeitmaßstäben
unendlich lange zur
Verfügung. Erneuerbare Energien haben drei originäre
Quellen: Strahlung
der Sonne, Kraft der Gezeiten, Wärme des Erdinneren
(Geothermie). Sonne,
Mond und Erde stellen diese unerschöpflichen Energien
umweltverträglich
zur Verfügung. Die Sonne strahlt jährlich in Deutschland
auf jeden
Quadratmeter so viel Energie, wie in 100 Litern Öl enthalten ist.
In der Sahara ist es
sogar doppelt so viel. Ein Windrad hat sich nach einem
halben Jahr (4- 7
Monate) Betrieb energetisch armortisiert, d.h. nach diesem
halben Jahr erzeugt
es "netto" Strom. 130.000 Arbeitsplätze waren im Jahr
2004 in Deutschland
direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen
Energien
zurückzuführen.
Der derzeitige
Weltenergiebedarf liegt bei etwa 400 Exajoule (400 Milliarden
Milliarden Joule)
pro Jahr. Ein Exajoule entspricht der energetischen Menge,
welche die Erde in 6
Sekunden von der Sonne empfängt und den Weltverbrauch
an Primärenergie im
Jahr 2000 innerhalb von 21 Stunden deckt. In einer
Studie aus dem Jahr
2003 mit dem Titel "Energiewandel zur Nachhaltigkeit"
prognostiziert der
wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen
Umweltveränderungen
(WGBU) die Potenziale der erneuerbaren Energien für das
Jahr 2100
folgendermaßen:
- weltweite
Wasserkraft: Der Wert des Potenzials für Wasserkraft könnte sich
bis 2100 auf ca. 15
EJ pro Jahr steigern lassen.
- weltweite
Bioenergie / nachwachsende Rohstoffe: "Der Beirat schätzt das
globale moderne
Bioenergiepotenzial auf etwa 100 EJ pro Jahr, die sich zu
20% aus der Nutzung
landwirtschaftlicher Reststoffe sowie zu jeweils etwa
40% aus
forstwirtschaftlichen Reststoffen und Energiepflanzen ergeben. Ein
derartiger Ausbau
ist aber nur innerhalb von Jahrzehnten erreichbar."
- weltweite Windkraft:
"Bei der Windenergie kann nur ein gewisser Anteil des
berechneten globalen
technischen Potenzials als nachhaltig nutzbar angesehen
werden. Der Beirat
empfiehlt daher global etwa 140 EJ pro Jahr als
langfristig
erreichbaren Beitrag der Windenergie zu einer nachhaltigen
Energieversorgung."
Andere Experten sehen hier noch mehr Potentiale.
- weltweite
Solarenergie: "Im Gegensatz zu allen anderen Formen erneuerbarer
Energien sind die
technischen und auch die nachhaltig nutzbaren Potenziale
der Sonnenenergie
vor dem Hintergrund aller Zukunftsprojektionen
menschlichen
Energieeinsatzes praktisch unbegrenzt."
- weltweite
Erdwärme: "Erdwärme hat ein großes technisches Potenzial und
steht im Gegensatz
zu Sonnen- und Windenergie kontinuierlich zur Verfügung.
Das nachhaltig
nutzbare Potenzial wird vom Beirat dennoch bis 2100 nur sehr
vorsichtig auf 30 EJ
pro Jahr eingeschätzt."
(
www.wbgu.de/wbgu_jg2003.pdf )
Den zutiefst
zerstörerischen Traum von dauerhaftem, unbegrenzten Wachstum im
begrenzten System
Erde können allerdings auch die Alternativenergien nicht
erfüllen. Wer den
American Way of Life mit Energie- und
Rohstoffverschwendung,
mit Umwelt- und Innenweltverschmutzung auf den Rest
der Welt übertragen
will, der fährt diesen Planeten mit und ohne
regenerative Energiequellen
gegen die Wand. Mit Wind- und Sonnenenergie geht
das dann nur ein
wenig langsamer.
(Axel Mayer; BUND
Südlicher Oberrhein
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein)
eMail 12.10.06
·
Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank:
Wer auf erneuerbare Energien eindrischt, hat nicht alle Tassen im Schrank;
eine Zukunft ohne den Ausbau reg. Energien sei unvorstellbar;
nur mehr Ökoenergie werde dazu beitragen, dass sich die Strompreise langfristig
stabilisieren
(taz 13./14.8.05)
·
Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2005 um 25 % zu
senken, stammt noch aus der Zeit, als Frau Merkel (unter Kanzler Kohl)
Umweltministerin war;
in ihrem Klimaschutzprogramm 1995 heißt es:
“Alle vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen gehen davon aus, dass das
Klimaschutzziel mit den bisher bereits verabschiedeten Instrumenten nicht
erreicht werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung einer
CO2/Energiesteuer ein notwendiges Element der nationalen Klimaschutzpolitik“;
Merkel forderte 1997, die Benzinsteuer solle jährlich um 5 Pfennig steigen;
(Das Parlament 16.6.2000)
·
Umweltministerin Merkel:
reg. Energien in Deutschland derzeit 2%;
bis 2050 lässt sich dieser Anteil auf 50 % steigern;
(UMWELT BMU Zeitschrift 12/1995)
·
Schon vor Hunderttausenden
von Jahren drangen Menschen in gemäßigtere und kühlere Breiten vor. Dort
konnten sie nur überleben, weil sie das Feuer hatten. Feuerholz lieferte
Wärmeenergie, für mechanische Energie stand lange Zeit nur die menschliche
Arbeitskraft zur Verfügung. Erst vor einigen tausend Jahren begann in den
orientalischen Hochkulturen die Nutzung tierischer Arbeitskraft. Dann lernte
man auch Wasser- und Windkraft zu nutzen, um mechanische Arbeit zu verrichten,
zunächst zum Heben von Wasser, später erlangte die Nutzung der Windkraft zum
Antrieb von Segelschiffen große Bedeutung. Aber Holz blieb bis zum Beginn des
Industriezeitalters eine der zentralen Ressourcen der Menschheit, nicht nur
als Energiequelle, sondern auch als Werkstoff. Im 18. Jahrhundert nahm in
Europa der Holzeinschlag so stark zu, dass Holz knapp und teuer wurde. Der
Übergang zur Kohle (in Verbindung mit dem Einsatz der Dampfmaschine) brachte
Entlastung. Mit der Dampfmaschine wurde es erstmals möglich, Wärmeenergie zum
Teil in mechanische Energie umzuwandeln. Seit etwa hundert Jahren wird aus so
gewonnener mechanischer Energie meist elektrische Energie erzeugt, die leichter
verteilt werden kann und ohne nennenswerte Umweltbelastungen in alle anderen
Energieformen umgewandelt werden kann. In manchen Ländern der Dritten Welt ist
die Situation heute ähnlich wie im Deutschland des 18. Jahrhunderts: Holz ist
dort noch die wichtigste Energiequelle.
(nach: Wagner/Borsch: Energie und Umweltbelastung, Springer Berlin 1998)
·
Der Weg
von der Primärenergie zur Nutzenergie - Erklärung wichtiger Begriffe
Die Energien, die der Mensch letztlich nutzt, stammen ursprünglich aus PRIMÄRENERGIETRÄGERN.
Das sind in der Natur vorkommende Energieträger: die fossilen Brennstoffe
Steinkohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas; die Kern„brenn“stoffe Uran und
Thorium sowie die erneuerbaren Energien Holz und andere Biomasse,
Sonnenstrahlung, Wind, Wasserkraft, Erdwärme, Gezeitenenergie. Diese
Primärenergieträger können in der vorliegenden Form (roh, verunreinigt) in den
meisten Fällen nicht direkt technisch genutzt werden.
Sie werden in SEKUNDÄRENERGIETRÄGER umgewandelt, dies sind
beispielsweise Koks, Briketts, Heizöl, Benzin, Strom oder Fernwärme. Die
Sekundärenergien werden zu den „Verbrauchern“ transportiert und von ihnen
genutzt, in den Energiestatistiken werden sie nun als ENDENERGIETRÄGER
bezeichnet.
Die Verbraucher (statistisch unterschieden nach Haushalte,
Handel-Gewerbe-Dienstleistungen (Kleinverbraucher), Industrie und Verkehr)
benötigen letztlich NUTZENERGIE in Form von Raumwärme, warmem Wasser,
einer elektrisch beheizten Herdplatte, Licht, mechanische Antriebskraft für
Motoren usw.
Dadurch werden ENERGIEDIENSTLEISTUNGEN vollbracht, die Energienutzung
dient letztlich der Befriedigung von BEDÜRFNISSEN, wie dem nach
behaglich beheizten Räumen, nach Fortbewegung (Mobilität), nach Licht in der
dunklen Tageszeit, nach der Erzeugung von Materialien für Gebrauchsgüter.
·
Unser Energieverbrauch hinterlässt tiefe SPUREN ...
Beispiel: Braunkohle-Gewinnung in Deutschland
Anteil der Braunkohle am
Energieverbrauch in Deutschland: .......11 Prozent
geförderte Braunkohlemenge
pro Jahr in Deutschland: ..................... 180 Millionen Tonnen
Abraum abzutragen pro Jahr:
....900 Millionen Tonnen
Grundwasser abzupumpen pro Jahr: .. mehr als 1000
Millionen Kubikmeter
Um die deutsche Braunkohle zu gewinnen, müssen demnach jährlich 1.080.000.000
Tonnen Material bewegt werden (Das entspricht etwa 770 Millionen m3;
wenn die durchschnittliche Dichte mit 1,4 t/m3 angenommen wird).
Mit dem gleichen Aufwand könnte
+ 1 x jeden Monat
+ ein Kanal ausgehoben werden,
+ der von der Insel Rügen bis zum Schwarzwald reicht (900 km lang),
+ 5 Meter tief und 15 Meter breit ist.
+ Dieser Kanal könnte gleichzeitig mit dem abgepumpten Grundwasser reichlich
gefüllt werden.
(Daten zu den Fördermengen aus: Jeffrey Michel: Status and Impacts of the
German Lignite Industry, Acid Rain Göteborg 2005, S.10)
·
Weltweite Reserven und Ressourcen an
nicht-erneuerbaren Energieträgern
(Angaben in Exajoule; zum Vergleich: der weltweite Jahresverbrauch
betrug 2001 etwa 420 EJ)
Reserven: sicher nachgewiesen, mit heutigen technischen
Möglichkeiten wirtschaftlich abbaubar
Ressourcen: entweder geologisch nachgewiesen, aber derzeit nicht
wirtschaftlich förderbar oder noch nicht nachgewiesen, können aber aus
geologischen Gründen erwartet werden
|
Energie- |
bereits |
Reserven
|
Ressourcen
|
|
Erdöl |
5.200 |
6.360 |
Summe 28.000 |
|
Erdgas |
2.200 |
5.110 |
|
|
Braunkohle |
500 |
1.960 |
Summe 116.000 |
|
Steinkohle |
6.100 |
17.670 |
|
|
|
|
|
|
|
Summe |
14.000 |
33.900 |
144.000 |
|
|
|
|
|
|
Uran |
370 |
644 |
2.139 |
(BMWi,
Bundesanstalt für Geowissenschaften: Reserven, Ressourcen … 2001, S.11)
·
Erläuterungen zum
„Potenzial“-Begriff
bei erneuerbaren Energien
1. Theoretisches Potenzial:
Unter dem theoretischen Potenzial
einer erneuerbaren Energie wird ihr physikalisches Angebot innerhalb einer
gegebenen Region zu einer bestimmten Zeit verstanden.
2. Technisches Potenzial:
Das technische Potenzial geht aus dem physikalischen Potenzial hervor. Es
beschreibt das „technisch Machbare“.
3. Wirtschaftliches Potenzial:
Das wirtschaftliche Potenzial umfasst den Anteil der erneuerbaren Energie,
der gegenüber anderen Energien nach Ort, Zeit und gegebenen Bedingungen
wirtschaftlich konkurrenzfähig ist. Man unterscheidet ein wirtschaftliches
Potenzial aus betriebswirtschaftlicher und aus volkswirtschaftlicher Sicht.
4. Erschließungspotenzial:
Das erschließbare Potenzial resultiert aus dem wirtschaftlichen Potenzial, das
dieses in der Regel allenfalls langfristig erschlossen werden kann. Das
erschließbare Potenzial kann auch größer als das wirtschaftliche Potenzial
sein, wenn erneuerbare Energien trotz höherer Kosten eingesetzt werden.
·
Mögliche langfristige Nutzungspotenziale erneuerbarer
Energien in Deutschland
(Angaben in TWh/a)
|
|
Strom |
Wärme |
Kraftstoff |
Summe |
|
Wasserkraft |
24 |
- |
- |
24 |
|
Windenergie |
165 |
- |
- |
165 |
|
Biomasse |
60 |
200 |
60 |
320 |
|
Solar-Strom |
105 |
- |
- |
105 |
|
Erdwärme |
200 |
330 |
- |
530 |
|
Solar-Wärme |
- |
290 |
- |
290 |
|
Summe |
554 |
820 |
60 |
1434 |
|
|
|
|
|
|
|
derzeitiger Verbrauch in Deutschland |
590 |
1500 |
740 |
2830 |
(Erneuerbare Energien, BMU 2004)
·
Übersicht
erneuerbare Energien
|
Art der Energie |
Art der Nutzung |
Anmerkungen |
|
Sonnenenergie |
passive Nutzung der Sonnenenergie; |
bauliche Gestaltung von
Gebäuden, |
|
Sonnen-Wärme-Kollektoren |
Nutzung der Sonnenwärme zur
Raum-Heizung (Unterstützung herkömmlicher Heizsysteme) oder Brauchwassererwärmung |
|
|
solarthermische Kraftwerke |
in sonnenreichen Gebieten wird
über Parabolspiegel Sonnenlicht konzentriert und heizt Medien auf einige
hundert Grad auf |
|
|
Photovoltaik (Solarstrom) |
Stromerzeugung mit
Halbleiteroberflächen |
|
|
Windenergie |
Windkraftanlagen |
Stromerzeugung; |
|
Wasserkraft |
Laufwasserkraftwerke |
Stromerzeugung |
|
Biomasse |
Verbrennung, |
land- und forstwirtschaftliche
Abfälle (Stroh, Holz); spezielle Plantagen für
Energie-Pflanzen (Landwirt als „Energiewirt“) |
|
Biogas |
Verbrennung |
Vergären von
landwirtschaftlichen Abfällen; Gär-Gase (Methan) aus Kläranlagen bzw. Mülldeponien |
|
Biokraftstoffe |
Verbrennung; Motoren |
spezieller Anbau von
Energie-Pflanzen („Energiewirt“; Raps, Sonnenblumen, Kokosnüsse) |
|
Umgebungswärme |
Wärmepumpe |
Wärmegewinnung aus einem Medium
(Umgebungsluft, Grundwasser); Wärmepumpe „spaltet“ die Temperatur auf: |
|
Erdwärme |
Wärmenutzung, Stromerzeugung |
heißes Wasser wird aus tieferen
Erdschichten heraufgepumpt (einige hundert bis einige tausend Meter) |
|
Wasserstoff-Wirtschaft |
direkte Verbrennung oder
Brennstoffzelle |
Wasserstoffgas als Energie-Überträger-
bzw. Speichermedium; |
|
Gezeitenenergie |
Strömung in den Ozeanen |
Bau von Wasserkraftwerken z.B.
in Flussmündungen (ein- und ausströmendes Wasser nutzen) oder von Rotoren,
die wie Windkraftanlagen arbeiten, aber unter Wasser viel mehr
Energie gewinnen können |
·
Abkürzungen
bei der Angabe von Energieeinheiten
|
Vorsatz |
Abkürzung |
Potenzschreibweise |
Vielfaches |
|
Kilo |
k |
103 |
Tausend |
|
Mega |
M |
106 |
Million |
|
Giga |
G |
109 |
Milliarde |
|
Tera |
T |
1012 |
Billion |
|
Peta |
P |
1015 |
Billiarde |
|
Exa |
E |
1018 |
Trillion |
·
Umrechnung von Energieeinheiten
|
Einheit |
Bezeichnung |
kJ |
kcal |
kWh |
kg SKE |
kg ROE |
|
1
kJ |
Kilo-Joule |
1 |
0,2388 |
0,000278 |
0,000034 |
0,00002388 |
|
1 kcal |
Kilokalorie |
4,1868 |
1 |
0,001163 |
0,000143 |
0,0001 |
|
1 kWh |
Kilowattstunde |
3600 |
860 |
1 |
0,123 |
0,086 |
|
1 kg SKE |
Kilogramm |
29308 |
7000 |
8,14 |
1 |
0,7 |
|
1 kg ROE |
Kilogramm Referenz-Öl |
41868 |
10000 |
11,63 |
1,43 |
1 |
·
Energetische Amortisationszeit für Anlagen zur
Nutzung regenerativer Energien in Deutschland
Art der Energie
|
Amortisationszeit der Energie, die für Herstellung, Betrieb und Entsorgung |
|
Windkraft |
3 bis 7 Monate |
|
Wasserkraft |
9 bis 13 Monate |
|
Fotovoltaik (Solar-Strom) |
2 bis 5 Jahre |
|
Sonnen-Wärme-Kollektoren |
1,5 bis 2,5 Jahre |
|
Geothermie (Erdwärme) |
7 bis 10 Monate |
|
Zum Vergleich: Kernkraftwerk |
2 bis 4 Monate |
(Erneuerbare Energien, BMU 2004, S.99; Wagner/Borsch:
Energie und Umweltbelastung, 1998, S.98)
·
Primärenergieverbrauch in Deutschland 2006 (Daten bis
September):
Erdöl 35,7%, Erdgas 22,9, Steinkohle 13,0, Braunkohle 10,9, Kernenergie 13,0.
erneuerbare E. 4,5
(Spiegel 3/07 S.72)
·
Primärenergieverbrauch Deutschland 2006;
+ 1,2%; 493,6 Millionen Tonnen SKE;
Mineralöl 176,2 MtSKE, Erdgas 112,6, Steinkohle 64, Braunkohle 53,7,
Stromerzeugung KKW + 2,7%; Wind- und Wasserkraft bei Strom +9% gegenüber
Vorjahr;
1 kg Rohöl = 1,428 kg Steinkohleeinheiten;
1 m3 Erdgas = 1,083 kg SKE
1 kg Steinkohle = 1,016 kg SKE
(Freie Presse Chemnitz 30.1.07)
·
Energieverbrauch weltweit Szenarien für 2050 IEA
(Internationale Energieagentur)
(Angaben in Milliarden Tonnen Öleinheiten)
|
Energie-Träger |
2003 |
2050 |
2050 |
|
Kohle |
2,6 |
7,5 |
2,6 |
|
Öl |
3,8 |
6,0 |
3,8 |
|
Gas |
2,2 |
5,3 |
3,7 |
|
Kernkraft |
0,7 |
0,9 |
2,1 |
|
Erneuerbare |
1,4 |
2,4 |
5,3 |
|
Summe |
10,7 |
22,1 |
17,5 |
|
|
|
|
|
(Die Zeit 8.3.07 S.26)
·
französischer Atomkonzern AREVA übernahm vergangene
Woche einen der größten Windkraftanbieter, das Hamburger Unternehmen REpower ;
„weil wir ein Geschäft darin sehen“
im Jahr 2001 fusionierte der französische Konzern COGEMA mit dem ebenfalls
französischen Reaktorhersteller FRAMATOME, an dem der deutsche Siemens-Konzern
mit einem Drittel beteiligt war, und so entstand der weltgrößte Konzern für
schlüsselfertige Atomkraftwerke
(Die Zeit 1.2.07 S.32)
·
ein Drittel der weltweit installierten Wasserkraft
stammt aus Deutschland (Voith, Heidenheim); fast jede zweite Windkraftanlage
und jede dritte Solarzelle werden hierzulande gefertigt (34% der Solarzellen
gehen in den Export);
deutsche Ökoenergiewirtschaft derzeit 16,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr,
170.000 Mitarbeiter;
Ziel 2010: 120 Mrd Euro und 500.000 Mitarbeiter (Vergleich: Autoindustrie
derzeit 700.000 Mitarbeiter)
(Freie Presse Chemnitz 19.2.07)
·
2030 werden 8,2 Milliarden Menschen voraussichtlich
53 % mehr Energie als heute verbrauchen (bei Strom sogar das Doppelte) – so die
OECD;
erneuerbare Energien derzeit 18% Anteil an der weltweiten Stromerzeugung – mehr
als die Atomenergie;
(Der Spiegel 7/2007 S.86ff)
·
Primärenergieverbrauch Deutschland 2006: Braunkohle
10,9%, Steinkohle 13,0%, Kernenergie 12,6%, Erdgas 22,8%, Erdöl 35,7%,
Erneuerbare Energien 5,3%
(Die Zeit 1.3.07 S.25)
·
allein in den letzten drei Jahren Zubau bei
erneuerbarer Stromerzeugung in Deutschland, die drei Atomkraftwerken entspricht
(27 Mrd kWh);
(Spiegel 10/2007 S.86ff)
·
noch Anfang der 1930er Jahre konnte sich ein
Arbeiterhauhalt höchstens eine 15-Watt-Birne leisten, die nur wenige Stunden am
Tag brennen durfte;
als die Stromspannung wegen der EU-Vorgaben von 220 auf 230 Volt erhöht wurde,
verkürzte sich die Lebensdauer von Glühbirnen von 1000 auf 800 Stunden;
im Ostbloch brannten Glühbirnen bis zu 2500 Stunden, in China 5000 Stunden
(taz 10.4.07)
·
der weltweite Energieverbrauch wird nach Berechnungen
der UN in den kommenden 25 Jahren um 50% ansteigen
(taz 2.5.07)
·
Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland: 2000
2,6%, 2005 4,7% der PE; 2006 5,3%;
Anteil an der Stromerzeugung 2005 10,4%, 2006 11,8%;
Windenergie Anteil Stromerzeugung rund 5%;
Verstromung von Biomasse 2006 2,2% der Stromerzeugung;
Biomasse im Wärmemarkt 2006 Zuwachs um 10%;
Biodiesel 2005 1,8 Millionen Tonnen; Bioethanol 0,5 Millionen Tonnen;
Pflanzenöl 0,3 Millionen Tonnen;
Leitstudie (BMU); Anteile erneuerbarer Energien bis 2020:
an der gesamten Primärenergie: 16%
an der Wärmebereitstellung: 14%
am Kraftstoffbedarf Straßen-Verkehr: 17%
an der Bruttostromerzeugung: 27%
am Endenergieverbrauch: 18%
(Umwelt BMU 4/2007 S.217, 221)
·
Deutschland
bestreitet heute mit knapp 180 Millionen Tonnen/Jahr (Mt/a) ein Fünftel der
weltweiten Braunkohlegewinnung. Die vorhandenen Reserven haben auf diesem
Niveau eine Reichweite von 240 Jahren. Im Rheinland wurden im Jahre 2006 etwa
98 Mt/a von RWE, in der Lausitz 58 Mt/a von Vattenfall Europe und in
Mitteldeutschland 20 Mt/a von der MIBRAG gefördert. Nach Hinzurechnung des
Abraums von fast einer Milliarde Tonne entspricht diese Bergbauleistung dem
15fachen Erdaushub des 1869 fertiggestellten Suezkanals (74 Millionen Kubikmeter).
(Jeffrey Michel 2007)
·
2006 weltweit
mehr als 100 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert,
Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien mit 21% beteiligt (China allein
9%)
(taz 21.6.07)
·
Preis für
Heizöl mit 62 Cent pro Liter auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen
(Freie Presse Juli 2007)
·
Internationale
Energiebehörde IEA: in spätestens 5 Jahren wird von den OPEC-Staaten weniger
Erdöl gefördert, als gebraucht wird; die Produktion ist bereits rückläufig; die
Hälfte der weltweiten Ölreserven ist bereits verbraucht
(taz 11.7.07)
·
Wie handfest
oder sogar gefährlich Energie sein kann, hängt entscheidend davon ab, in
welcher Form sie auf den Menschen trifft. Als Wärme in einer Tasse Tee ist eine
Menge von 4 Kilokalorien sehr willkommen und harmlos; als Explosionsenergie in
Gestalt des Sprengstoffs TNT kann die exakt gleiche Menge schon gefährlich
werden. Und in Form von Röntgenstrahlung ist sie absolut tödlich.
(GEOkompakt Nr.3 „Das Abenteuer Technik“ 2005 S.45)
·
Kostenanteile 2006 je kWh Haushaltsstrom (19,4 Cent):
Stromerzeugung, -transport und –vertrieb: 11,8 Ct
Umsatzsteuer 2,7;
Erneuerbare-Energien-Gesetz 0,7;
Kraftwärmekopplungsgesetz 0,3;
Ökosteuer 2,0;
Konzessionsabgabe 1,8;
damit derzeit 0,7 Cent je kWh = 1,87 Euro je Monat pro Haushalt (2015 geschätzt
Höhepunkt: ca. 2,75 Euro je Monat)
Einspeisevergütung erneuerbare Energien Deutschland (Cent je kWh)
Strom aus Vergütung für 2007 für 2020 in Betrieb
in
Betrieb gehende Anlagen gehende
Anlagen
Biomasse 17,04 11,74
Wind an Land 8,19 (abnehmend auf
5,17) 4,84 (auf 3,06)
Sonne 49,21 19,43
Wasser 9,67 7,44
(Strom aus erneuerbaren Energien – was kostet er uns wirklich?; BMU 2007, S.27,
18
·
Ökostrombezieher sorgen für einen saubereren See:
Das Stromnetz ist wie ein großer See, der immer den gleichen Wasserstand haben
soll, zapft der Kunde ab, muss ein Anbieter die gleiche Menge wieder
einspeisen; Anbieter mit erneuerbaren Energien sorgen dafür, dass der See
insgesamt sauberer wird
(taz 11./12.8.07)
·
Rechenzentren verschlingen weltweit so viel Energie
(verursachen so viel CO2) wie der Flugverkehr;
eine Suchanfrage bei GOOGLE schluckt so viel Strom wie eine Energiesparlampe in
einer Stunde (New York Times);
USA verbrauchen offiziell bekannte Rechenzentren 1,2% des nationalen
Stromverbrauchs;
(Zeit 9.8.07 S.29)
·
USA Diskussion über ein groß angelegtes Programm zur
Kohleverflüssigung;
als Treibstoff dem normalen Benzin ebenbürtig, erzeugt aber in Produktion und
Konsum fast die doppelte Menge des Treibhausgases CO2 wie gewöhnlicher Diesel;
teuer: um 1/10 des US-Spritbedarfs zu decken, Anlagen für 70 Mrd. Dollar
erforderlich
(Spiegel 30/2007 S.113)
·
Direktor Dalibard, Chefetage von TOTAL:
vor ein paar Jahren hätten TOTAL und auch die anderen großen Konzerne etwas
sehr wichtiges begriffen: dass es nichts bringt, auf kurzfristige Vorteile zu
setzen; die Energieressourcen sind endlich, deshalb ist es sinnvoll, in
alternative Energien zu investieren, das Energiesparen zu fördern und mehr auf
die Umwelt zu achten; „das verlangen übrigens auch unsere Kunden von uns“
(Spiegel 31/2007 S.49)
·
Stromanbieter wechseln!
Strompreiserhöhungen um bis zu 10 % angekündigt;
Konzerne legen (kostenlos erteilte!) Emissionszertifikate nach dem aktuellen
Marktpreis auf die Stromkosten um;
gestiegene Rohstoffpreise? (Konzerne nutzen eigene Kohle; 90 % der Braunkohle –
und Steinkohlepreis ist auf dem Weltmarkt von 2005 bis 2007 um 2 Euro je Tonne
billiger geworden);
seit 1998 haben 13 Millionen Haushalte Tarife gewechselt – nur 2 Millionen zu
neuem Anbieter, 11 Millionen neuer Tarif bei alter Firma;
im 1. Halbjahr 2007 wechselten 520000 Kunden, fast so viele wie im ganzen Jahr
2006;
Information über Stromanbieter:
www.verifox.de,
www.stromtarife.de,
www.stromauskunft.de,
www.ecotopten.de
(taz 17.10.07)
·
2006:
74,5 % der gesamten Primärenergie importiert;
14.464 PJ;
Mineralöl: 35,7 %; Naturgase 22,8; Kernenergie 12,2; Steinkohle 13; Braunkohle
10,9; Wasser, Wind, Photovoltaik 1,3; sonstige (Brennholz, Brenntorf,
Klärschlamm) 3,7
(Das Parlament 10.9.07 S.3)
·
(44) PEV Welt 2004:
Kohle 25,3%; Gas 20,9; Kernenergie 6,5; Öl 34,3; Erneuerbare Energien 13,1
(Biomasse 10,4; Wasserkraft 2,2; Geothermie 0,41; Solar 0,039; Wind 0,064;
Gezeiten 0,0004);
PEV Deutschland 2006:
Öl 35,4%; Braunkohle 10,9; Steinkohle 12,9; Kernenergie 12,6; Erdgas 22,8;
Stromsaldo –0,5; Erneuerbare Energien 5,8; sonstige 0,1
(BMU: Erneuerbare Energien in Zahlen, Stand Juni 2007)
·
Die Heuersdorfer Emmaus-Kirche ist nach Borna
umgesetzt worden; Heuersdorf wird für Braunkohlegewinnung abgebaggert; in der
Region mussten in den vergangenen Jahrzehnten 66 Dörfer der Kohle weichen;
der sächsische Landesbischof Jochen Bohl sagt: „Für die Kohle darf kein Dorf
mehr abgebaggert werden.“
(Freie Presse Chemnitz 1.11.07 S.3)
·
Energiereserven in Millionen Tonnen Öleinheiten (nach
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe)
|
Energieträger |
Förderung 2005 |
Reserven |
Reichen für Jahre bei Förderung wie 2005 |
Ressourcen |
|
Erdöl |
3896 |
161.000 |
41 |
82.000 |
|
Ölsand/ Schwerstöl |
135 |
66.000 |
489 |
250.000 |
|
Erdgas |
2151 |
136.000 |
63 |
157.000 |
|
Steinkohle |
2930 |
438.000 |
149 |
2.499.000 |
|
Braunkohle |
220 |
49.000 |
223 |
243.000 |
|
Uran |
404 |
19.000 |
47 |
126.000 |
(Ökotest 3/07 S.131)
·
Rekordwert Ölpreis: 93 Dollar/Barrel;
Experte: 80 bis 150 Dollar in den nächsten 5 Jahren; es können auch 200 Dollar
sein
(taz 30.10.07)
·
Angekündigte Strompreiserhöhungen um bis zu 10% – die
Stromanbieter täuschen die Öffentlichkeit;
“deutlich höhere Beschaffungskosten in Folge der weltweit steigenden
Energienachfrage“ und „erhebliche Zusatzbelastungen“ durch die Förderung von
Strom aus erneuerbaren Energiequellen; klingt plausibel, ist aber falsch;
Ölpreis steigt zwar ständig, aber aus Öl wird kein Strom gemacht; Strom kommt
z.B. aus Kohle – und die ist im Vergleich zu 2005 sogar billiger;
laut Prognose der Stromwirtschaft wird die Belastung durch das
Erneuerbare-Energien-Gesetz im kommenden Jahr um gut 2 % höher ausfallen
(ZEIT 18.10.07 S.25)
·
Primärenergie
weltweit 2005
|
Energieträger |
Anteil in Prozent |
|
Öl |
35 |
|
Kohle |
25 |
|
Gas |
20 |
|
Biomasse |
10 |
|
Atomkraft |
6 |
|
Wasserkraft |
2 |
|
Sonstige |
2 |
Stromerzeugung
Deutschland
|
Energieträger |
Anteil in
Prozent |
|
Kohle |
45,5 |
|
Atomkraft |
26,4 |
|
Gas |
11,6 |
|
Erneuerbare
Energien |
11,5 |
|
Öl |
1,7 |
(taz
15.11.07)
·
BP
Werbung: „Deutsch, Mathe, Englisch, Klimaschutz …. beyond petroleum“
BP grüne Strategie seit 10 Jahren; im Mai 1997 warnte der Vorstandsvorsitzende
vor den Folgen des Klimawandels für die Menschheit; Verantwortung für Zukunft
und nachhaltige Entwicklung, Geschäftsleute genauso in der Pflicht wie der
Staat und jeder einzelne Bürger;
weltweit fertigt BP jährlich Solarmodule für 200 MW; Windkraftportfolio mit der
Möglichkeit, rund 100 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 15.000 MW zu
entwickeln;
Realität: BP verdiente in den ersten 9 Monaten 2007 19 Milliarden Dollar durch
Förderung von Öl und nur ein paar hundert Millionen Dollar mit erneuerbaren
Energien;
Projekt zur Lagerung von CO2 in alten Ölfeldern war geplant; gescheitert
(ZEIT 22.11.07 S.33ff)
·
Derzeitige
Abgabe für Erneuerbare Energien in Deutschland über den Strompreis: 0,8 Cent je
kWh (etwa 30 Euro pro Kopf und Jahr)
(Energiedepesche 4 Dezember 2007 S. 36)
·
Sonne
und Wind werden als Energieträger auch in 10.000 Jahren noch verfügbar sein;
Experten schätzen, dass die Vorkommen bei Öl und Gas in etwa 100 Jahren
erschöpft sind;
(„Klimawandel“; Beilage zur ZEIT vom 6.12.07; SIEMENS AG)
·
Methanhydrat
auf dem Meeresgrund und in Permafrostböden; in den 1970er Jahren das erste Mal
gesichtet;
fossile Energiereserven (in Milliarden Tonnen Kohlenstoff):
Gas aus Hydraten 3000
Erdgas 96
Erdöl 160;
Kohle 675;
eine der dicksten Schichten mit 132 Metern Methanhydrat gefunden;
evtl. Austausch im Eisgitter gegen CO2 (statt 1 CH4 werden 5 CO2-Moleküle
gebunden)
(Spiegel 50/2007 S.144)
·
EEG-Umlage
2006: rund 0,75 Cent je kWh
(Umwelt (BMU) 12/2007 S.693)
·
Pro-Kopf-Energieverbrauch
in den USA doppelt so hoch wie in Deutschland;
einige relativierende Gründe: in vielen Gebieten der USA im Sommer
Klimatisierung nötig; Klimatisierung benötigt für einen Raum doppelt so viel
Energie wie Heizung des gleichen Raumes;
große Entfernungen im Land
(bild der wissenschaft plus 11-2007: Die Erde hat Fieber)
·
Lebenszyklusanalysen
Hermann-Josef Wagner: Windkraftwerke machen sich nach einem Jahr energetisch
bezahlt, Photovoltaik hat nach 4 Jahren mehr Elektrizität erzeugt als ihr
Aufbau gekostet hat
(bild der wissenschaft plus 11-2007: Die Erde hat Fieber)
·
Laut
„ÖKOTEST“ ist nur ein einziger Strompreisrechner im Internet wirklich
zuverlässig; nur VERVOX führt wirklich alle günstigsten Tarife auf;
abgeschlagen auf dem 2. und 3. Platz folgen tarifvergleich.de und toptarif.de
(taz 4.2.08)
·
Bund
der Energieverbraucher empfiehlt für Tarifvergleiche für Stromanbieter: www.energieverbraucherportal.de
(energiedepesche März 2008 S.23)
·
Reserven
und Ressourcen von Energieträgern
|
Energieträger |
Reichweite
der sicher bekannten Reserven bei derzeitigem Verbrauch in Jahren |
Reichweite
der noch erhofften / erwarteten Ressourcen bei derzeitigem Verbrauch in
zusätzlichen Jahren |
|
Kohle |
95 |
470 |
|
Konventionelles
Erdöl |
42 |
21 |
|
Nicht
konventionelles Erdöl (z.B. Ölschiefer) |
17 |
65 |
|
Erdgas |
70 |
75 |
|
Uran |
67 |
150 |
Importabhängigkeit Deutschland bei Energieträgern:
Uran 100%; Mineralöl 97%; Gas 83%; Steinkohle 61%; Braunkohle 0%;
(BMU: Umweltbericht 2006, Broschüre, S.49)
·
Mineralölwirtschaftsverband:
derzeitige Ölreserven 181 Mrd. Tonnen (Reichweite bei heutigem Verbrauch 40-50
Jahre); Reichweite bei Gas 60 Jahre
(Freie Presse Chemnitz 7.5.2008)
·
Annonce
www.braunkohle-forum.de:
in Mitteleuropa verbrauchen wir pro Kopf täglich etwa 40 kg Bodenschätze, das
entspricht zwei scheren Koffern, vor allem gefüllt mit Baurohstoffen wie Sand,
Kies oder Natursteinen, etwa ein Drittel Energierohstoffe wie Erdöl, Erdgas,
Kohle;
unser jährlicher Erdölverbrauch verschlingt weltweit etwa die Menge, die im
Zeitraum von 1 Million Jahren entstanden ist;
Reserven der Energierohstoffe weltweit (1.349 Mrd Tonnen Steinkohleeinheiten):
Braunkohle 7,4%; Steinkohle 46,4; Erdgas 17,6; Erdöl 17,2 (+ 7,0
nichtkonventionelles E.); Thorium 2,3; Uran 2,0;
Ressourcen weltweit außerdem: 11.653 Mrd Tonnen Steinkohleeinheiten
(Spiegel 12-2008 S.6-7)
·
Erneuerbare
Energien 2007 in Deutschland:
Anteil von 14,2 % am Bruttostromverbrauch;
Anteil am Endenergieverbrauch 8,5 %
(UMWELT BMU 5-08 S.241f)
·
Wozu
Erdöl weltweit verwendet wird:
Transport 60,3%; Industrie: 9,4%; Kunststoffe, Chemie, Arzneimittel 15,8%;
sonstiges 14,5%
(ZEIT 29.5.08 S.22)
·
2008
Erneuerbare Energien Anteil am Bruttostromverbrauch in Deutschland: 14 %;
Anteil Solarstrom: 0,6%;
Bioenergie deckt rund 5% des deutschen Primärenergiebedarfs;
(Der Spiegel 33/08 S.49f)
·
Primärenergiebedarf
in Watt pro Person für ausgewählte Länder/Regionen (die Zahl ist mit 8760 zu
multiplizieren, um den Jahresverbrauch zu ermitteln):
Afrika: 500; Indien: 700; China: 1800; Westeuropa (auch Deutschland) etwa 5500;
USA: 10500;
vertretbar wäre (aus Klimaschutzgründen usw.) ein Pro-Kopf-Verbrauch von 2000 W
(entspricht 17520 kWh pro Jahr)
(ZEIT 13.11.08 S.47)
·
Nutzung
erneuerbarer Energien weltweit
a) Biomasse/Abfälle (Anteil an der Gesamtnutzung 78,6%);
b) Wasserkraft (17,4%)
c) Geothermie, Sonne, Wind, Meeresenergie (4,1%)
(ZEIT 20.11.08 S.38)
·
Primärenergieverbrauch
weltweit 2008:
Öl 35%, Kohle 25, Gas 21, Erneuerbare 13, Kernenergie 6;
Anteil einzelner Energieträger an der Stromerzeugung weltweit 2005:
Kohle 40,5%, Öl 6,6, Gas 19,7, Kernenergie 15,2, erneuerbare E. 17,9 (Wasserkraft
16, Biomasse/Abfall 1,0, Geothermie/Sonne/Wind/Meeresenergie 0,9)
(ZEIT 23.10.08 S.44)
·
Entwicklung
erneuerbarer Energien in Deutschland 2007
Anteile erneuerbarer Energien (in
Prozent) an der Energiebereitstellung in Deutschland
|
Bereich |
2000 |
2007 |
|
gesamter
Endenergieverbrauch |
3,8 |
8,6 |
|
Bruttostromverbrauch |
6,3 |
14,2 |
|
Endenergieverbrauch
für Wärme |
3,9 |
6,6 |
|
Kraftstoffverbrauch |
0,4 |
7,6 |
|
Primärenergieverbrauch |
2,6 |
6,7 |
(Umwelt BMU
9/2008 S.467)
·
energetische
Amortisation (Energie für Bau und Betrieb der Anlage – wann ist sie durch die
Anlage erzeugt?):
Wasser-, Wind- und solarthermische Kraftwerke benötigen zur Amortisation der
Herstellungsenergie zwischen 3 und 13 Monaten; Solarstromanlagen mit
kristallinem Silizium brauchen 2 bis 5 Jahre
(energiedepesche 4/2008 S.17)
·
fast
20% des globalen Stromverbrauchs gehen für die Beleuchtung drauf;
2007 ist der Absatz von Energiesparlampen in Deutschland um etwa 80% gestiegen;
doch von insgesamt 230 Millionen Lampen, die verkauft wurden, waren es gerade
mal 25 Millionen;
die Zukunft gehört den LED-Lampen; Marktführer Philips hat in den vergangenen
Jahren fast 4 Milliarden Euro in die Übernahme von Spezialfirmen investiert
(Spiegel 26/2008 S.88)
·
S.8ff.
Stand Erneuerbarer Energien Deutschland 2007
Windenergie: 22.247 MW installierte
Leistung; 39,5 TWh Stromerzeugung; 6,4% Anteil am Bruttostromverbrauch
Biomasse: 17,4 TWh Stromerzeugung;
3,8% Anteil am Bruttostromverbrauch; Wärmebereitstellung 84 TWh; Biokraftstoffe
4,6 Mio t = 7,6% des gesamten Kraftstoffbedarfs
Wasserkraft: 20,7 TWh
Stromproduktion
Photovoltaik: 3,5 TWh
Stromerzeugung; 0,6% Anteil am Bruttostromverbrauch;
Erneuerbare Energien 2007:
Anteil am Endenergieverbrauch: 8.6%
Anteil am Bruttostromverbrauch: 14,2%
Anteil am Primärenergieverbrauch: 6,7% (nach der Wirkungsgradmethode) 9,2% nach
der Substitutionsmethode
S.33f.: Kosten des EEG für den Verbraucher:
durchschnittliche Umlage der Einspeisekosten nach dem EEG 1,0 Cent/kWh
(entspricht 5% der Kosten – 1KWh 2007: 20,7 Cent/kWh)
S.44:
Langfristig realisierbares Nutzungspotenzial erneuerbarer Energien für die
Strom-, Wärme- und Kraftstofferzeugung in Deutschland: (in TWh)
|
Energieart
/ |
Stand
2007 |
Potenzial |
Potenzial
|
|
Stromerzeugung |
|
|
|
|
Wasserkraft |
20,7 |
25 |
5.200 |
|
Windenergie
an Land |
39,5 |
68 |
35.000 |
|
Windenergie
offshore |
0 |
135 |
35.000 |
|
Biomasse |
23,8 |
50 |
10.000 |
|
Photovoltaik |
3,5 |
105 |
115.000 |
|
Geothermie |
0 |
150 |
25.000 |
|
Zwischensumme |
87,5 |
533 |
|
|
Anteil am
|
14,2% |
87% |
|
|
Wärmeerzeugung |
|
|
|
|
Biomasse |
84,2 |
150 |
|
|
Geothermie |
2,3 |
330 |
|
|
Solarthermie |
3,7 |
300 |
|
|
Zwischensumme |
90,2 |
780 |
|
|
Anteil
bezogen auf Endenergie- |
6,6% |
51% |
|
|
Kraftstoffe |
|
|
|
|
Biomasse |
46,6 |
155 |
angenommen: |
|
Zwischensumme |
46,6 |
155 |
|
|
Anteil
bezogen auf |
7,6% |
25% |
|
|
Anteil,
bezogen auf den gesamten |
8,6% |
57% |
|
|
|
|
|
|
|
Summe
alle EE |
224
(S.20) |
|
|
·
S.63ff:
Primärenergieverbrauch weltweit 2005 479.100 PJ
Anteile: Kohle 25,5%, Erneuerbare Energien 12,7% (davon feste Biomasse 9,6%); Öl
35%, Gas 20,6%, Kernenergie 6,3%;
Anteil Erneuerbarer Energien in Regionen: Afrika 49% (davon 97% Biomasse);
Lateinamerika 30%; Asien 29%, OECD 5,9%;
2.528.000 Menschen weltweit (40%) nutzen traditionelle Biomasse als (einzigen)
Energieträger; in Afrika Anteil der EE am PE-Verbrauch 49%, davon 48% feste
Biomasse
(Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare
Energien in Zahlen, 2008)
·
die
weltweiten Erdgasvorräte reichen noch mindestens ein halbes Jahrhundert (sagt die Erdgasindustrie! JK); Reserven
237 GT SKE; Förderung 2007: 3,9 Gt SKE
(Bild der Wissenschaft plus „Energie in Bewegung“, Mai 2009, S.26; in
Zusammenarbeit mit Wintershall)
·
Szenario
Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien:
2007: 87,5 TWh; 2030 242 (Plus-Variante: 278)
(Umwelt BMU 1-2009 S.31)
·
mehr
als 30% des Stroms aus erneuerbaren Energien
Atomausstieg bis 2022 umsetzen
Stromverbrauch 11 % senken
fossiler Wärmebedarf mind. 25 % senken
Kraft-Wärme-Kopplung auf 25% verdoppeln
Verkehrsemissionen um mind. 25% senken
(BMU Roadmap Energiepolitik 2020)
·
|
Weltweite
Investitionen in Milliarden Dollar |
||
|
|
Stromerzeugung
aus erneuerbaren Energien |
Erkundung
und Förderung von Öl und Gas |
|
2004 |
13 |
220 |
|
2008 |
82 |
470 |
|
2009 |
50 |
370 |
(Internationale
Energieagentur IEA: World Energy Outlook 2009)
„Um das Ziel zu erreichen, die
Erwärmung der Atmosphäre auf 2 Grad zu begrenzen,
müsste die Menschheit auf drei Viertel der wirtschaftlich förderbaren
Brennstoffreserven – Kohle, Erdöl, Erdgas – verzichten.“ (Potsdamer
Klimaforscher Malte Meinshausen)
(DIE ZEIT 20.5.09 S.21)
·
Braucht
eine GOOGLE-Suche so viel Strom wie eine 60-Watt-Glühbirne pro Stunde?
Google selbst gibt den Stromverbrauch für eine Anfrage (inklusive der
notwendigen Vorarbeiten) mit 0,0003 kWh an, damit könnte die 60-Watt-Birne
lediglich 18 Sekunden lang brennen
(Die Zeit 9.7.09 S.36)
·
Erneuerbare
Energien weltweit (GW)
|
|
neu
installiert 2008 |
gesamte
Kapazität 2008 |
|
Strom |
|
|
|
große
Wasserkraft |
25-30 |
860 |
|
Wind |
27 |
121 |
|
kleine
Wasserkraft |
6-8 |
85 |
|
Biomasse
Strom |
2 |
52 |
|
Solar PV |
5,4 |
13 |
|
Geothermie
Strom |
0,4 |
10 |
|
Wärme |
|
|
|
Biomasse
Heizung |
? |
250 |
|
Solarwarmwasser |
19 |
145 |
|
Geothermie
Heizung |
? |
50 |
|
Treibstoff |
|
|
|
Ethanol |
17 |
67 |
|
Biodiesel |
3 |
12 |
(Umwelt
Zeitschrift BMU 7-8/2009 S.537)
·
Anteil
einzelner Energieträger am deutschen Stromverbrauch 2008 in %:
Braunkohle 23,7; Kernenergie 23,3; Steinkohle 19,5; Erdgas 13,5; erneuerbare E.
15,1; andere 4,9;
(Die Zeit 3.9.09 S.25)
·
Primärenergieverbrauch
Deutschland 2008
|
Energieträger |
Petajoule |
Anteil |
Importanteil
für
einzelne |
Bemerkungen |
|
Erdöl |
4868 |
34,8 |
97,0 |
Verbrauch:
61% Autos, 22% Ölheizungen, 8% Flugzeuge |
|
Erdgas |
3091 |
22,1 |
83,1 |
|
|
Steinkohle |
1832 |
13,1 |
67,2 |
Förderung
wird in Deutschland 2018 endgültig beendet |
|
Braunkohle |
1554 |
11,1 |
0 |
modernste
Kraftwerke 1 kg CO2 je kWh |
|
Uran |
1623 |
11,6 |
100 |
CO2-Freisetzung
25 bis 120 Gramm je kWh |
|
Biomasse |
718 |
5,1 |
|
|
|
Windkraft |
145 |
1,0 |
|
7% des
Stromverbrauchs |
|
Wasserkraft
|
77 |
0,5 |
|
|
|
Solarenergie |
29 |
0,2 |
|
mit rund
10 Mrd. Euro bezuschusst; 0,7% des Stromverbrauchs; Solarwärme 1,7% Anteil |
|
Erdwärme |
9 |
0,1 |
|
0.003 %
des Stroms; 200.000 Wärmepumpen 0,2% der Heizenergie |
|
(Summe |
(978) |
(7,0) |
|
|
|
sonstige |
57 |
0,4 |
|
|
|
|
14003 |
100 |
|
|
(Die Zeit
8.10.09 S.41)
·
Kraftwerk
für den Keller;
Der Energieanbieter LICHTBLICK und der Autobauer VOLKSWAGEN wollen gemeinsam
den deutschen Strommarkt aufrollen;
Einstieg in die Stromerzeugung; mit „Zuhausekraftwerken“;
bis zu 100.000 erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke zu einem blitzschnell
regelbaren virtuellen Großkraftwerk zusammenschalten; Gesamtleistung 2000 MW
Wirkungsgrad soll bei 94% liegen
Herstellung im VW-Motorenwerk Salzgitter;
Kunde zahlt Pauschalbetrag von 5000 Euro für Abriss und Entsorgung der alten
Heiz-Anlage und Ersatz durch ein VW-BHKW samt Wärmespeicher, Daten- und
Stromnetzanschluss; Reparaturen und Wartung sind Sache des Betreibers; er zahlt
Miete für Nutzung der Kellerräume und einen vom Stromertrag abhängigen
„Umweltbonus“
Kunde zahlt nur noch für die tatsächlich verbrauchte Heizwärme (die soll
deutlich billiger sein als bei herkömmlicher Gasheizung);
(Spiegel 37-2009 S.91)
·
Haushaltsstrompreis
Deutschland 2009
Bundesnetzagentur Stand 1.4.09
|
Bereich
der Stromkosten-Abrechnung |
Anteil |
Anteil |
|
Beschaffung
und Vertrieb |
37,6 |
|
|
Netzentgelt
inkl. Abrechnung |
22,8 |
|
|
Steuern |
24,8 |
|
|
Umlage
Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz |
1,0 |
|
|
Umlage
Erneuerbare-Energien-Gesetz |
5,2 |
|
|
Konzessionsabgabe |
5,2 |
|
|
Entgelt
für Messung |
0,6 |
|
|
Entgelt
für Messstellenbetrieb |
1,6 |
|
|
|
?? 98.8 |
|
(taz
20.11.09 S.02)
·
Deutschland;
Importanteil der Energierohstoffe seit Anfang der 1990er Jahre von 58,3 % des
Primärenergieverbrauchs auf zuletzt 71,5 % deutlich gestiegen;
Erdgas immerhin knapp 20 % im Inland gefördert;
(Das Parlament 20.4.09 S.1)
·
Bundeswirtschaftsministerium
für 2007: Importabhängigkeit von Energierohstoffen
Steinkohle: 67,2 %; Mineralöl 94,3 %; Gas 83,1 %; Kernenergie 100 %;
Gesamt-Quote 71,2 % der Primärenergie Importe; 1990: 56,8 %
(Das Parlament 20.4.09 S.4)
·
Weltmarktanteile
deutscher Anlagenhersteller im Bereich erneuerbare Energien 2007 in Prozent
|
Biogas |
90 |
|
Wasserkraft |
35 |
|
Windkraft |
25 |
|
Solarthermie |
23 |
|
Photovoltaik |
21 |
|
Pelletheizungen |
15 |
(Spiegel
50-2009 S.55)
·
deutscher
Durchschnittshaushalt: zwei Drittel des Stromverbrauchs für PC&Co,
Warmwasser, TV&Radio, Beleuchtung, Kühlen, Trocknen verursacht; dabei
Beleuchtung 11%;
|
Lampenart |
Lichtausbeute
|
vom Strom
werden in |
Lebensdauer |
|
Glühlampe |
12 bis 15 |
3 bis 5 |
1000 |
|
Halogenlampe |
25 |
10 |
2000 |
|
Leuchtstofflampen |
50 bis 100 |
50 |
10000 bis 13000 |
|
Energiesparlampen |
60 + |
|
5000 bis 10000 |
|
Leuchtdioden
(LED) |
50 + |
|
100000 |
|
Metalldampflampen |
80 + |
|
5000 bis 15000 |
Beim Zünden
einer Energiesparlampe fließt kurzzeitig (nur für etwa 0,1 Sekunde) ein
Einschaltstrom, der etwa 10 bis 50% höher ist als im Dauerbetrieb.; Glühlampen
benötigen beim Einschalten etwa das Fünf- bis 10-fache des Nennstroms;
es gibt bei ESL verschiedene Lichtfarben, wenn Sie ein warmes Licht bevorzugen,
halten Sie nach der Lichtfarbe „extra warmweiß“ Ausschau (Lampentyp 827 oder
830); ESL mit der Lichtfarbe „Vollspektrum“ sorgen für eine sachliche
Atmosphäre (Lampentyp 860 oder 965);
In hochwertigen Energiesparlampen werden z.T. weniger als 1,5 Milligramm Quecksilber
eingesetzt, die zulässige Höchstmenge beträgt 5 Milligramm je Lampe; ist
hermetisch abgeschlossen und kann nur bei Glasbruch entweichen; kann bei
richtiger Entsorgung größtenteils recycelt werden; Energiesparlampe bei
richtiger Entsorgung setzt 1,2 mg Quecksilber frei (aus den Emissionen des
Kohlekraftwerks), auf eine Glühbirne entfallen 5 mg; ESL bei falscher
Entsorgung 5,2 mg
(Sächsische Energieagentur GmbH, Broschüre: Beleuchtung im Haushalt)
·
Bundesregierung
hat beschlossen:
+ Treibhausgasemissionen sollen bis 2020 gegenüber 1990 um 40% gesenkt werden
(Stand 2007: - 21,3%)
+ Energieproduktivität soll um 3% pro Jahr gesteigert werden; damit würde
Energie 2020 doppelt so effektiv genutzt wie 1990
+ Anteil erneuerbarer Energien soll erhöht werden
beim Primärenergieverbrauch auf 50% bis 2050
beim Endenergieverbrauch auf 18% bis 2020 (heute 9%)
beim Bruttostromverbrauch auf mindestens 30% bis 2020 (heute 15%)
beim Wärmeenergiebedarf auf 14% (heute 7%)
+ Anteil der Kraftwärmekopplung an der Stromerzeugung soll bis 2020 auf 25%
verdoppelt werden
(BMU, Neues Denken – Neue Energie, Roadmap Energiepolitik 2020, 2009, S.6)
·
S.4:
Energieflussbild Deutschland 2007
(Millionen Tonnen SKE)
|
Bestandsentnahme |
6,2 |
|
Gewinnung
im Inland |
139,1 |
|
Importe |
403,3 |
|
Energieaufkommen im
Inland |
548,6 |
|
Export
und Bunkerung |
- 71,1 |
|
Primärenergieverbrauch |
477,5 |
|
nichtenergetischer
Verbrauch |
- 34,6 |
|
Umwandlungsverluste |
- 128,7 |
|
Verbrauch
in den Energiesektoren |
- 18,5 |
|
statistische
Differenzen |
- 2,8 |
|
Endenergieverbrauch |
292,9 |
|
Industrie |
83,4 |
|
Verkehr |
88,7 |
|
Haushalte |
75,1 |
|
Gewerbe,
Handel, Dienstleistungen |
45,7 |
S.17:
energetische Amortisation für verschiedene Energieerzeugungssyteme;
die Zeit, die ein System benötigt, um die Energie bereitzustellen, die zur
Herstellung, zum Betrieb und zur Entsorgung eingesetzt worden sind;
|
fossile
Kraftwerke und Kernkraftwerke |
2 bis 3
Monate |
|
Wasser-,
Wind- und solarthermische Kraftwerke |
3 bis 13
Monate |
|
Solarzellen
für Photovoltaik |
2 bis 5
Jahre |
(energiedepesche
Dezember 2008)
·
Zuhausekraftwerk
von LICHTBLICK und VW;
das Projekt zeigt, dass erneuerbare Energien grundlastfähig sind; viele kleine
Einheiten bilden ein großes leistungsfähiges, flexibles Kraftwerk;
Blockheizkraftwerke; Erdgasmotor (Hersteller VW; Motoren wie bei Diesel „Blue
Motion“ im Passat; ganz neuer Markt erschlossen) treibt Generator an und
erzeugt Strom; Abwärme wird zum Heizen des Hauses genutzt; in der Summe 94%
Wirkungsgrad; elektrische Leistung 20 kW; großer Wärmespeicher von 1200 bis
1600 Litern; Wärmeversorgung ist immer gesichert und hat Vorrang; Heizleistung
34 kW, jährlicher Heizenergiebedarf sollte daher bei mindestens 40.000 kWh im
Jahr liegen (entspricht etwa 4000 Litern Heizöl)
ein Braunkohlekraftwerk braucht 7 Stunden zum „Hochfahren“, das virtuelle
Kraftwerk von Lichtblick ist in 1 Minute betriebsbereit („Schwarmstrom“);
Hauseigentümer zahlt einmalig 5000 Euro Investitionszuschuss für die
schlüsselfertige Anlage, Einbaudauer 2 Tage; mitsamt Wärmespeicher
Flächenbedarf 8 m2 im Keller; Kraftwerk bleibt im Besitz von Lichtblick; L.
zahlt Bonus von 0,5 Cent für jede erzeugte kWh und zahlt eine Monatmiete von 5
Euro für den Standplatz im Keller;
bisher Ende Oktober 2009) rund 25.000 Interessenten gemeldet
(taz 10.9.2009 S.1,3; Freie Presse Chemnitz 27.10.2009 S.6)
·
Prognose
der Bundesregierung zum Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung
in Prozent:
1998: 4,7; 2004: 9,2; 2008 15,2; 2010: 17,4; 2020: 38,6; 2050: 100
(Der Spiegel 32-2010 S.17)
·
Anteil
Erneuerbare Energien 2009
am Primärenergieverbrauch 8,9%;
am Endenergieverbrauch 10,1%
am Bruttostromverbrauch 16,1%
(UMWELT, BMU Heft 4/2010 S.222)
·
Energieszenarien
der Bundesregierung Primärenergieverbrauch:
|
Energieträger |
Anteil in Prozent 2009 |
Anteil in Prozent 2050 |
|
Mineralöl |
34,7 |
20 |
|
Erdgas |
21,8 |
6 |
|
Braunkohle |
11,3 |
< 1 |
|
Steinkohle |
11 |
|
|
Kernenergie |
11 |
|
|
Erneuerbare
Energien |
8,9 |
50 |
|
Stromimport
aus EU |
|
23 |
(Spiegel
35-2010 S.77)
Energieszenario Primärenergie BDEW, EWI, Prognos, gws
|
Energieträger |
Anteil in
Prozent |
Anteil in
Prozent |
|
Erneuerbare
Energien |
9 |
50 |
|
|
|
davon: |
|
Braunkohle |
11 |
7 |
|
Steinkohle |
11 |
|
|
Erdgas |
22 |
16 |
|
Mineralöl |
35 |
20 |
|
Kernenergie |
11 |
|
|
sonstige |
1 |
2 |
|
Stromimport |
|
5 |
(Spiegel 38-2010
S.90)
·
Energieträger
in der Nettostromerzeugung Deutschland 2009 (gesamt 561 Mrd. kWh)
Kernenergie 23%
Braunkohle 24%
Steinkohle 18%
Erdgas 13%
Erneuerbare Energien 16%
Heizöl, Pumpspeicher und sonstige 6%
(Freie Presse Chemnitz 26.8.2010 S.3)
·
Deutschland
erreichte 2009im ersten Halbjahr einen Stromexport-Überschuss von rund 11 Mrd.
kWh; das ist exakt die Strommenge, die von 7 deutschen Atomkraftwerken zusammen
erzeugt wurde
(taz 13.9.2010 S.9)
·
Wie
viel Öl steckt in Plastiktüten?
1 Tüte wiegt etwa 20 Gramm; zur Herstellung benötigt man 40 Gramm (= 50
Milliliter) Erdöl
(bild der wissenschaft 8-2010 S.12)
·
(S.9)
Anteile erneuerbarer Energien an der Energiebereitstellung in Deutschland 2009:
Endenergieverbrauch 10,3%; Bruttostromverbrauch 16,1%; Wärme 8,8%; Kraftstoffe
5,5%; Primärenergieverbrauch 8,9%;
(S.38)
Langfristig realisierbares nachhaltiges Nutzungspotenzial erneuerbarer Energien
für die Strom-, Wärme- und Kraftstofferzeugung in Deutschland
|
Art der Energieerzeugung |
Nutzung 2009 |
Potenzial |
Leistung |
Bemerkungen |
|
Stromerzeugung |
TWh |
TWh/a |
|
|
|
Wasserkraft |
19,0 |
25 |
5.200 |
|
|
Windenergie |
37,8 |
|
|
|
|
an Land |
37,8 |
110 |
50.000 |
Basis
2.200 h/a |
|
auf See |
0,037 |
300 |
80.000 |
Basis
3.750 h/a |
|
Biomasse |
30,5 |
60 |
10.000 |
teilweise
Kraft-Wärme-Kopplung |
|
Photovoltaik |
6,2 |
115 |
125.000 |
nur
geeignete Dach-, Fassaden- und Siedlungsflächen |
|
Geothermie |
0,02 |
90 |
15.000 |
Bandbreite 66 bis 290 TWh |
|
Summe |
93,5 |
700 |
|
|
|
Anteil
bezogen auf den Bruttostromverbrauch 2009 |
16,1% |
120,2% |
|
|
|
|
|
|
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|
|
Wärmeerzeugung |
TWh |
TWh/a |
|
|
|
Biomasse |
105,3 |
160 |
|
einschließlich
Nutzwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung |
|
Geothermie |
5,0 |
300 |
|
nur
hydrothermale Quellen |
|
Solarthermie |
4,7 |
350 |
|
nur
geeignete Dach- und Siedlungsflächen |
|
Summe |
115,0 |
810 |
|
|
|
Anteil
bezogen auf den Endenergieverbrauch Wärme 2009 |
8,8% |
61,9% |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Kraftstoffe |
TWh |
TWh/a |
|
|
|
Biomasse |
33,8 |
90 |
|
2,35
Millionen ha Anbaufläche für Energiepflanzen |
|
Summe |
33,8 |
90 |
|
|
|
Anteil
bezogen auf Kraftstoffverbrauch 2009 |
5,5% |
14,7% |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Anteil bezogen auf den gesamten
Endenergieverbrauch 2009 |
10,3% |
68,0% |
|
|
(S.61)
Energieflussbild Deutschland 2008 (Angaben in PJ)
|
Energieart |
PJ |
Verbrauch
/ Verlust |
PJ |
|
|
Bestandsentnahme |
51 |
|
|
|
|
Gewinnung
im Inland |
4.147 |
|
|
|
|
Import |
12.160 |
|
|
|
|
Energieaufkommen
im Inland |
16.358 |
|
|
|
|
|
|
Export
und Bunkerung |
2.078 |
|
|
Primärenergieverbrauch |
14.280 |
|
|
|
|
|
|
nichtenergetischer
Verbrauch |
1.030 |
|
|
|
|
statistische
Differenzen |
35 |
|
|
|
|
Umwandlungsverluste |
3.570 |
|
|
|
|
Verbrauch
im Energiesektor |
517 |
|
|
Endenergieverbrauch |
9.162 |
|
|
|
|
|
|
Industrie |
2.645 |
|
|
|
|
Verkehr |
2.575 |
|
|
|
|
Haushalte |
2.502 |
|
|
|
|
Gewerbe,
Handel, Dienstleistungen |
1.404 |
|
·
(Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen,
2010)
·
(Interview
mit Ortwin Renn und Reinhard Hüttl, zwei Mitgliedern der „Ethikkommission
Sichere Energieversorgung“);
Die neue Verbindung des virtuellen mit dem realen Raum, die die
Web-2.0-Kommunikation ermöglicht, dient nicht nur dem Protest, sondern auch der
Gestaltung.
Hüttl: Ich kann dem nur
beipflichten. Nehmen Sie das geplante Pumpspeicherkraftwerk im Hotzenwald im
Schwarzwald. Das wurde bisher abgelehnt. Jetzt haben Vertreter von BUND und
NABU Bereitschaft signalisiert, ihre Position zu überdenken, nachdem sich die
politischen Verhältnisse geändert haben. Man kann eben nicht den Ausstieg
fordern und zugleich die erforderliche Infrastruktur kategorisch ablehnen.
DIE ZEIT: Besonders
umstritten ist derzeit die Technik zur Abscheidung und Speicherung von CO₂ aus Kraftwerken (CCS). Sie, Herr
Hüttl, sind als Leiter des Geoforschungszentrums Potsdam an der Erforschung
dieser Technik beteiligt. Wie sehr trifft Sie der Protest?
Hüttl: Manchmal werden
Projekte mit Argumenten abgelehnt, die wissenschaftlich einfach nicht greifen. Bei CCS zum Beispiel hat ein völlig unzutreffender
Vergleich einen Umschwung der Wahrnehmung herbeigeführt. Auf Autoaufklebern
wurde die CO₂-Speicherung mit der Endlagerung von
hochradioaktivem Abfall gleichgesetzt. Von einem Tag auf den anderen wurde eine
mit hohen Erwartungen verbundene klimaschützende Technik plötzlich für
inakzeptabel erklärt. Wenn ich solche Aufkleber sehe, stimmt mich das
nachdenklich. Natürlich muss man die Vor- und Nachteile dieser Technik bewerten
– aber auf sachlicher Grundlage.;
Und wenn jemand zum Beispiel CCS aus emotionalen Gründen oder eigenen
Interessen ablehnt, dann sucht er so lange, bis er einen Professor findet, der
seine Skepsis begründen kann. Im Internet findet man immer Experten, die genau
das äußern, was man denkt. Und der einzelne Bürger kann meist nicht nachprüfen,
wer recht hat. Es geht also nicht nur um die Argumente als solche, sondern auch
um die Glaubwürdigkeit des Wissenschaftlers oder seiner Institution.
DIE ZEIT: Verabschiedet
sich Wissenschaft damit von dem Anspruch, Gewissheiten herzustellen?
Hüttl: Ich glaube,
diese Sicht ist überholt. Die Aufgabe des Wissenschaftlers ist es gerade, Dinge
immer wieder infrage zu stellen. Nur auf diese Weise kann er das bestehende
Wissen sicherer machen und neues Wissen generieren. Das ist der Antrieb der
Wissenschaft.
Vielfach muss die Politik zwar auf dem besten Wissensstand, aber auf einer
unsicheren Wissensbasis handeln. Deshalb brauchen wir dynamische Strategien,
die auch zulassen, Annahmen zu korrigieren, wenn sie etwa durch neue
technologische Entwicklungen überholt werden.
Hüttl: Wir sollten
alles dafür tun, wissenschaftlichen Argumenten zur Akzeptanz zu verhelfen. Wenn
zu emotional, ohne stichhaltige Gründe argumentiert wird, habe ich damit
Probleme. Aber ich muss sagen: Je mehr ich mich mit Entscheidungen bei
unsicherem Wissen beschäftige, desto größer wird mein Respekt für die Politik.;
(Die Zeit 19.5.2011 S.39; http://www.zeit.de/2011/21/Energie-Ethikkommission
)
·
(Suche
nach einem atomaren Endlager in Schweden)
Im schwedischen Östhammar soll ein atomares Endlager für hochradioaktiven
Abfall entstehen. 77 Prozent der Einwohner sind dafür. Anders als im deutschen
Gorleben setzen Staat und Industrie dort auf Transparenz und Kontrolle durch
die Bürger - mit Erfolg.;
Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt in der Gemeinde an den drei
Reaktoren, deren jüngster auch schon 25 Jahre in Betrieb ist, und sie haben bei
den Anwohnern eine ungewöhnliche Verbundenheit mit der Kernenergie wachsen
lassen. So groß ist die, dass sich die Gemeinde um ein atomares Endlager
bewarb. 77 Prozent der Bürger sprachen sich in einer Meinungsumfrage dafür aus.
Sollte alles nach Plan und Willen der Bürger laufen, wird dort ab dem Jahr 2020
der gefährlichste schwedische Atommüll eingelagert. Hochgiftiges radioaktives
Material, das noch mindestens 100 000 Jahre strahlen wird, soll hier in 500
Meter Tiefe dauerhaft gebunkert werden. Es wäre eine Premiere, denn bis jetzt
existiert kein Ort, wo dies möglich ist - nirgendwo auf der Welt.
Es gehe den Menschen gut, sagt Edelsvärd, die Arbeitslosigkeit liege bei zwei
Prozent, die Bürger von Östhammar hätten das Endlager nicht gebraucht.
Aber die meisten wollten es unbedingt.
Weil auch ein 465 Straßenkilometer entfernt liegender Nuklearstandort namens
Oskarshamn Interesse zeigte, gab es jahrelang die Sorge, dass der Konkurrent
das Endlager wegschnappen könnte. Deshalb vereinbarten beide Gemeinden einen
Deal: Die Bauherren des Endlagers, die Svensk Kärnbränslehantering (SKB),
stellen zwei Milliarden schwedische Kronen, umgerechnet fast 223 Millionen
Euro, zur Verfügung. Davon wird der Zweitplatzierte 75 Prozent erhalten, der
Sieger muss sich mit 25 Prozent zufriedengeben.
Eigentlich ein schöner Anreiz, ein wenig auf die Bremse zu treten und als
Zweiter ins Ziel zu kommen.
Aber nicht bei diesem Duell.;
Eine Mutter hat bei der letzten Wahl für die Grünen gestimmt, aber gegen das
Endlager hat sie keine Einwände. "Irgendwo muss das Zeug ja hin",
sagt sie. Man habe schließlich die Energie verbraucht, nun müsse man auch die
Verantwortung übernehmen. "Wir können das Gift doch nicht einfach nach
Afrika schicken." Es solle ein Dialog entstehen, und dafür, fand Laârouchi
Engström, brauche es zwei Voraussetzungen. Erstens, die Gemeinde müsse die
geologischen Gegebenheiten mitbringen, um überhaupt in Betracht gezogen zu
werden. Zweitens: Die Gemeinde müsse freiwillig mit der SKB kooperieren.
Man habe Östhammar gefunden, von acht geprüften Orten der geeignetste. Der Fels
gehöre zu den ältesten Gesteinen in Schweden, eineinhalb Milliarden Jahre.
Erdbebensicher, weitgehend trocken, durch nichts zu erschüttern.
Der nukleare Abfall soll in massiven Eisenzylindern gelagert werden, in denen
Platz für die Brennelemente ausgespart bleibt. Die Zylinder werden von einer
fünf Zentimeter dicken Kupferschicht umschlossen.
Geplant ist, sie später in einzeln gebohrten Löchern zu versenken und diese mit
Bentonit aufzufüllen. Trotzdem sollen die Zylinder zurückholbar sein.;
Das ist der Vorschlag. Wenn die Menschen in Östhammar an der Methode zweifeln,
wird er nicht verwirklicht, und es muss weitergeforscht werden.;
"Ein Ausstieg muss für die Gemeinde lange Zeit möglich sein", sagt
Laârouchi Engström. "Selbst wenn sie schon ja gesagt haben, sollen sie
später die Möglichkeit haben zu bestimmen: 'Nein, wir wollen nicht weitermachen
mit dem Projekt.'" Mindestens noch drei Jahre werden weitere unabhängige
Gutachten produziert, danach wird die Kommune Östhammar noch einmal befragt, ob
sie das Endlager wirklich will.;
Es ist ein teures Verfahren, das jeder Stromkunde in Schweden mitfinanziert.
Pro Kilowattstunde Strom geht eine Öre in einen Fonds für die Endlagerung. Der
Staat verwaltet diesen Fonds und leitet das Geld weiter an
Umweltorganisationen, aber auch an Entsorgungsfirmen wie die SKB.;
Die meisten Menschen in seiner Gemeinde hätten kein Problem mit Atomkraft, im
Gegensatz zu den meisten Deutschen. Für Deutsche sei es unvorstellbar, dass man
sich freiwillig ein Endlager vor die Haustür hole. Für Deutsche seien sie die
"duuuuummäääään Schweden". Spangenberg lacht. Er kann recht wenig
Deutsch, aber das mit den duuuummäään Schweden kam in den letzten Wochen so
oft, dass er sich den Ausdruck gemerkt hat. Was in 100 000 Jahren tief unten in
dem Granitgestein vor der Küste los sein wird, das kalkulieren zu wollen
scheint vermessen. Es kann sein, sagen Geowissenschaftler, dass in 100 000
Jahren, während einer Kaltzeit, eine drei Kilometer dicke Eisschicht das ganze
Land bedecken wird. Auch danach müssten die Fässer noch dicht sein.;
Die Gletscher jener Kaltzeit würden auch Gorleben erreichen.;
Trotzdem muss der gefährlichste Müll des 20. Jahrhunderts entsorgt werden, und
der Salzstockabschnitt von Bernstorff wäre vielleicht der beste Ort, den man in
Deutschland dafür finden kann.
Es geht um Vertrauen, den wichtigen Rohstoff, es geht darum, wie es verspielt
wurde, und darum, wie es wiederhergestellt werden könnte, möglicherweise.
Bernstorff seufzt.
Es müsse endlich ein glaubhaftes, durchsichtiges Verfahren zur Erkundung geben.
Eines, das wirklich untersuche, ob es nicht bessere Möglichkeiten und Standorte
gebe.
Und wenn das Ergebnis dann Gorleben hieße?
Bernstorff seufzt wieder.
Dann, sagt er, wäre eine Kooperation denkbar.
(Der Spiegel 20-2011 S.48 - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522266.html
)
·
Interview
mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Energiewende
Merkel: Ich habe
persönlich nicht erwartet, dass das, was ich für mich bis dahin als ein
theoretisches und nur deshalb verantwortbares Restrisiko gesehen hatte,
Realität wird – und zwar in einem Hochtechnologieland wie Japan.;
Ich weiß, dass andere Menschen vor solchen Gefahren durchaus gewarnt haben; für
mich lagen sie für ein Hochtechnologieland mit hohen Sicherheitsstandards bis
vor Kurzem außerhalb dessen, was ich in meinem Leben erleben werde.;
Aber das Risiko bei der Kernenergie ist sowohl wegen der über Generationen
reichenden zeitlichen als auch der über Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen
Auswirkungen, wenn das an sich Unwahrscheinliche doch eintrifft, ein völlig
anderes.;
Wir in Deutschland brauchen vor einer exakten Wiederholung der japanischen
Katastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu haben. Aber wir haben dennoch
allen Grund, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche Umstände zu etwas
Katastrophalem zusammenballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber auch
naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa mit einem Stromausfall über längere
Zeit, eine Verkettung also von Umständen, die nach menschlichem Ermessen und
allen Wahrscheinlichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Wissen und Gewissen
ausgeschlossen wurde.;
Ich sage Ihnen, auch wenn ich das nie beweisen kann: Wäre kein Wahlkampf
gewesen, hätte ich es genauso gemacht.;
das im Herbst formulierte Ziel, im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus
Erneuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioniert, man darf sich da keinen
Illusionen hingeben. Aber gemessen an der Entschlossenheit heute, war es damals
ein, sagen wir mal, ruhigerer Weg, zurückhaltender.;
Kernkraftgegner haben gesagt, sie wollten mit diesem Restrisiko nicht leben,
haben sich aber immer sehr darauf konzentriert, den Ausstieg umzusetzen, und
die Frage, wie man in eine bessere Energieversorgung einsteigt, schleifen
lassen. Auch über das Problem, dass man möglicherweise aus dem Ausland Strom,
auch Strom aus Kernkraft importieren muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns
dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der
erneuerbaren Energien wirklich erreichen wollen, weil die öffentliche
Diskussion nur um die Frage »Verlängerung, ja oder nein?« kreiste und es uns
nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des
Energiekonzepts zu lenken.;
Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den
Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe
Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf
nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen.;
Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen
Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen.;
Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen,
dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich
Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit
fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass
wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das
auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die
Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher
verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen.;
ZEIT: Sehen Sie das
Klimaziel für 2020 gefährdet?
Merkel: Nein, das
müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle
Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen,
die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.
ZEIT: Wie stellen Sie
sich die Lastenverteilung dieser Energiewende vor: mehr zulasten des
Verbrauchers oder des Steuerzahlers?
Merkel: Jeder
Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler.
Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem
Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung
einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der
Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp
1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde.;
Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen,
99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von
Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann
die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen
bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der
Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird unser Land nicht zerbrechen, und
es wird noch immer schön sein.;
Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der
Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es
zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße
gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen
neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal
nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben.;
Die Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir werden über sie sprechen, wenn das
neue Energiekonzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass es nicht
dadurch leichter wird, dass man die Last der Suche und Erkundung auf fünf Orte
verteilt.;
Als ich 1994 Umweltministerin wurde, kamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus
erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 Prozent. Das ist schon beachtlich.
Jetzt wollen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr ambitioniert ist. Das
wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile davon haben,
und das ist ja offensichtlich, dann ist das zu schaffen.;
Ich werde darauf achten, dass wir den richtigen Weg finden, unsere Energie zu
erzeugen, einen Weg, der zu einem ökologisch denkenden Industrieland und einer
bedeutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann aber auch eine
Verpflichtung. Dann kann nicht jeder kommen und sagen: So viele neue Leitungen
wollen wir nicht, und die Windenergie passt uns eigentlich auch nicht, die
Umlage für die Photovoltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau von Pflanzen
zur Energieerzeugung bin ich aus Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen
wir sofort raus.
Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ist die große Herausforderung im
Augenblick. Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu
stehen wir! Ein Ausbüxen gibt’s jetzt nicht mehr.
(Die Zeit 12.5.2011 S.2 - http://www.zeit.de/2011/20/Energiewende-Interview-Merkel
)
·
Ermöglichen
statt blockieren: Die Anti-AKW-Bewegung hat neue Aufgaben;
wenn schon Massenaufläufe, dann eher Ermöglichungs- und nicht
Verhinderungsdemonstrationen;
Nichts kam mir so lächerlich vor wie der Aufruf, mit der Parole „Alles
abschalten und sofort“ zu Pfingsten die laufenden Atomkraftwerke zu blockieren.
Die große Schlacht ist geschlagen, jetzt geht es darum, das gewonnene Land zu
besiedeln. Es macht keinen Sinn mehr, Gorleben (oder Alternativen) zu
verhindern – jetzt geht es darum, den Müll sicher zu verstauen.;
(taz 1./2.6.2011 S.12)
·
Winfried
Kretschmann, grüner Ministerpräsident Baden-Württemberg:
Er werde nicht im Bundesrat gegen den Ausstiegsfahrplan (Atomausstieg) stimmen.
„Ihr sollt das wissen.“
(Der Spiegel 24-2011 S.35)
·
FRACKING
Suche nach „unkonventionellem Erdgas“; Gas das tief in der Erde in Schiefer-
und Sandsteinschichten, aber auch in Kohlevorkommen gebunden ist;
durch „FRACKING“ (dabei wird ein Gemisch aus giftigen Chemikalien, Sand und
Wasser mit einem Druck von über 1000 Bar in den Untergrund gepresst) wird das
Gestein aufgesprengt und das Gas kann nach oben entweichen;
Mineralölkonzerne haben Claims auf 18.000 km2 abgesteckt, rund die Hälfte der
Fläche von NRW;
Vertreter des Geologischen Dienstes wie die Mineralölindustrie traten
Befürchtungen entgegen: Die Frackflüssigkeit sei durch Tonschichten abgeschirmt
(taz 3.6.2011 S.08)
·
FRACKING
in NRW seit 2005 fast 20 Förderfelder vergeben (knapp 18.000 km2),
vermutet werden hier über 2.000 Kubikkilometer Erdgas, das wäre das zweitgrößte
Erdgasvorkommen Europas;
heftiger Widerstand bei Umweltschützern, Anwohnern und Wasserversorgern,
befürchten eine Verseuchung des Wassers;
das Gas soll mit der Methode des „Hydraulic Fracturing“, kurz Fracking,
gewonnen werden;
“Beim Fracking kommen pro Bohrung bis zu 200 verschiedene Chemikalien zum
Einsatz, und das tonnenweise“ warnt Dirk Jansen vom BUND NRW, „Darunter sind
Gifte und Gefahrstoffe wie Benzol und Toluol, aber auch Säuren und Biozide“
Behörden wie das niedersächsische Landesamt für Bergbau dagegen erklären das
Risiko beim Fracking für „vertretbar“; Für Niedersachsen, wo bereits seit 1977
gefrackt wird, steht … fest, dass „die Frac-Flüssigkeit aufgrund des hohen
Wasseranteils im Allgemeinen keine gefährliche Zubereitung nach
Chemikalienrecht darstellt“
(taz 13.5.2011 S.09)
·
Chemische Methoden bei der
Erdölförderung
16 NEUE BOHRUNGEN geht das Unternehmen Wintershall in seinem Ölfeld Emlichheim
an – eine Zukunftsinvestition von 60 Millionen Euro in ein Feld, das bereits
seit 67 Jahren ausgebeutet wird. 140 000 Tonnen Erdöl holt der größte deutsche
Öl- und Gasförderer Jahr für Jahr aus dem Untergrund nahe der niederländischen
Grenze. Doch so ohne Weiteres rückt der Boden das Schwarze Gold nicht heraus.
Das Erdöl unter Emlichheim ist hochviskos, so zäh wie Teer, und klebt in den
Gesteinsporen. Daher pressen die Wintershall-Crews 300 Grad Celsius heißen
Wasserdampf mit 100 Bar Druck in die alte Lagerstätte. Der Dampf erhitzt das zähe
Öl im Gestein und mobilisiert es, sodass es sich an die Oberfläche spülen
lässt. „Dampffluten“ heißt das Verfahren im Insider-Slang.;
Leiter der EOR-Forschung bei Wintershall: „Wir machen jetzt Tests mit
Chemikalien, um die Fördermenge weiter zu erhöhen.“;
EOR, „Enhanced Oil Recovery“ – übersetzt: „verbesserte Ölgewinnung“ – nennen
Fachleute die Maßnahmen, mit denen man einer konventionell ausgebeuteten
Erdöl-Lagerstätte nachträglich weitere lohnende Ölmengen abluchsen kann. Dazu
gehören nicht nur Horizontalbohren und Dampffluten.;
„Wir pumpen zusätzlich ein Gemisch anorganischer Salze hinunter. Sie sollen die
Schichten verstopfen, durch die der Dampf sonst vorzugsweise strömt. Dann ist
er gezwungen, sich seinen Weg auch durch Gestein mit niedriger Durchlässigkeit
zu suchen und heizt dort das verbliebene Öl heraus.“;
bisher schaffen es die Mineralölfirmen unter wirtschaftlichen Bedingungen
nicht, mehr als durchschnittlich ein Drittel des Öls zu fördern, das in einer
Lagerstätte steckt. Zwei Drittel bleiben ungenutzt im Boden zurück.;
Chemisches Fluten: Dabei kommen Lösungen von Chemikalien zum Einsatz, meist
Polymere („Polymer-Fluten“) und/oder Tenside. Letztere sind Lösungsvermittler
zwischen Erdöl und Wasser.;
Beginnt man nach dem Niederbringen einer Bohrung in die Lagerstätte mit der
Förderung, kommen zunächst etwa 3 bis 15 Prozent des Erdöls von selbst ans
Tageslicht („Primärförderung“): Sie werden vom Druck des ebenfalls enthaltenen
Erdgases nach oben getrieben. Mit traditioneller Pumptechnik lassen sich, je
nach Lagerstätte, weitere 10 bis 20 Prozent des Öls gewinnen. Dann wäre
eigentlich Schluss – gäbe es nicht seit Jahrzehnten die „Sekundärförderung“:
Pumpen pressen Wasser in benachbarte Injektionsbohrungen, und die wandernde
Wasserwand im Untergrund schleppt Öltröpfchen in Richtung Förderbohrung mit.
Bei durchschnittlich 33 bis 35 Prozent des Inventars der Lagerstätte ist dieser
Trick allerdings ausgereizt. Weiteres Erdöl bringt von da an nur noch die
„verbesserte Gewinnung“ EOR ein – zum Beispiel durch Polymer-Fluten.;
Der Clou hierbei: Wenn das zähe Erdöl so gar nicht fließen will, kann man das
injizierte Wasser „verdicken“. Dazu dienen in der Regel wasserlösliche Polymere
auf der Basis von Polyacrylamid. Sie erzeugen eine dicke, gelatineartige Lösung.
Presst man sie in die ölführende Formation, schleppt die Lösung mehr von dem
begehrten Rohstoff mit sich als pures Wasser. Dieses Polymer-Fluten kann
weitere 10 Prozent aus der Lagerstätte holen. Als Alternative, oder auch
zusätzlich, kann die Förder-Crew Tenside in die Lagerstätte pumpen. Sie
funktionieren wie ein Spülmittel, das man zu festen Fettrückständen in einem
Kochtopf gibt: Das Fett löst sich auf. In gleicher Weise lösen die Tenside
zähes Öl aus den Gesteinsporen. „So kriegt man noch einmal etwa 10 Prozent aus
der Lagerstätte, insgesamt also maximal 55 Prozent“;
Seit 2007 ist die BASF mit ihrem neuen Geschäftsfeld „Ölfeld- und
Bergbauchemikalien“ am Markt. Und der wächst überproportional, sagt Forschungs-
und Entwicklungsleiter Gregor Brodt: „Der weltweite Öl- und Gasbedarf nimmt
derzeit um 1,5 bis 2 Prozent jährlich zu, aber der Bedarf an Ölfeldchemikalien
um 5 Prozent – der Markt umfasst jetzt bereits rund 3 Milliarden Euro pro
Jahr.“;
Hat die Bohrung die Lagerstätte erreicht, werden die erdölhaltigen Poren durch
das Erzeugen von Rissen im Gestein und durch Ätzen mit Säuren erweitert
(„Stimulation“). Weil die engen Kanäle im Gestein sich nicht wieder schließen
sollen, werden „Proppants“ hineingepresst: perfekt kugelrunde Körnchen aus
Spezialsand oder Keramik, die das Öl mit einem Minimum an Reibung
hindurchfließen lassen.;
(bild der wissenschaft 4-2011 S.92ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32573630
)
·
Gewinnung von Erdgas aus den Poren
von Schiefer und Sandstein durch „fracing“
Auf einer Landkarte der polnischen Regierung gleicht Deutschlands östliches
Nachbarland einem Flickenteppich. Jeder Flicken steht für ein großes
Unternehmen, darunter: RWE Dea, Exxon und Chevron. Die Firmen haben Claims
abgesteckt, weil sie einen gewaltigen Schatz heben wollen: Erdgas in
gigantischen Mengen. Die polnische Staatsführung hat den Multis schon mehr als
fünf Dutzend Lizenzen verkauft. Sie geben ihnen das Recht, Erdgas zu suchen und
zu fördern, das es in Polen vor Kurzem noch nicht zu geben schien. Das Land war
zu fast 100 Prozent auf Importe aus Russland angewiesen. Jetzt kann es zum
Selbstversorger, ja zum Exporteur von Erdgas werden. Die Polen sitzen auf einer
milliardenschweren Kostbarkeit.
Das Gas ist tatsächlich da, wie erste Bohrungen bei Danzig gezeigt haben. Doch
es zu fördern, ist eine gewaltige Herausforderung. Während Erdgas üblicherweise
in gewaltigen Blasen vorkommt, die man nur anstechen und abzapfen muss, steckt
das polnische Gas in winzigen Poren von hartem Gestein.;
Amerika gewinnt bereits einen großen Teil seines Bedarfs aus sogenannten
unkonventionellen Quellen, das heißt aus festem Gestein. 2010 waren es rund 85
Milliarden Kubikmeter – etwa 15 Prozent des gesamten Erdgasverbrauchs in den
USA. Es herrscht eine Aufbruchstimmung, die „nur mit dem Goldrausch in 19.
Jahrhundert vergleichbar“ ist, sagt Ed Ratchford vom Geoforschungsinstitut
Arkansas Geological Survey in Little Rock. Das hat dazu geführt, dass die USA
2009 erstmals nach sieben Jahren Russland wieder als weltgrößten Gasförderer
überholen konnten. Die gashaltigen Schiefergesteine befinden sich in bis zu
5000 Meter Tiefe. Wenn sie erreicht sind, wird der Bohrmeißel umgelenkt. Über
viele Hundert Meter frisst er sich dann horizontal in das harte Gestein – und
das nacheinander in alle Himmelsrichtungen, sodass ein kreisförmiger Bereich
mit einem Radius von etwa einem Kilometer und mehr erschlossen wird.;
Der nach der Bergung des Bohrgestänges einsetzende Gasstrom versiegt meist
schon nach wenigen Wochen, spätestens aber nach ein paar Monaten. Um mehr
herauszuholen, muss der Untergrund „gefract“ werden, wie die Fachleute sagen.
„Das Fracen ist der teuerste Prozess“, erklärt Hans-Martin Schulz, Senior
Geologist am Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam und Experte für
unkonventionelle Gaslagerstätten. Neben Schiefer sind das Sandstein und
Steinkohle. Beim Fracen wird Wasser vermischt mit Quarzkügelchen, einigen
Chemikalien und Bakteriziden unter einem Druck von bis zu 100 Megapascal (1000
Bar) in die Bohrlöcher gepresst. Das Gestein bricht dadurch auf und legt
gasführende Poren frei. Die Quarzkügelchen sorgen dafür, dass die Spalten sich
nicht gleich wieder schließen. Bakterizide sollen die Bildung von organischem
Material verhindern, das den Strom des austretenden Gases behindern könnte.;
In jede Bohrung müssen bis zu 20 Millionen Liter Frac-Flüssigkeit gepumpt
werden, angeliefert von Tanklastwagen, die etwa 700 Mal fahren müssen, um die
für eine einzige Bohrung benötigte Flüssigkeitsmenge herbeizuschaffen. Dazu
kommen noch einmal mehrere Hundert Lastwagenladungen Quarzkügelchen.;
Es ist noch offen, wie viel Erdgas in unkonventionellen Lagerstätten in
Deutschland schlummert. BGR-Experte Cramer spricht immerhin von „relevanten
Potenzialen“. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzte Anfang des
Jahres die Reichweite von Erdgas auf 250 Jahre, wenn neben den amerikanischen
auch die europäischen und asiatischen Vorkommen ausgebeutet würden. Gas aus
konventionellen Lagerstätten reicht nach Ansicht der IEA noch für 130 Jahre. Um
Klarheit für Deutschland zu bekommen, hat die BGR von der Bundesregierung den
Auftrag erhalten, die Menge an Shale Gas abzuschätzen – was aber noch nichts
darüber aussagt, wie viel Gas sich fördern lässt. Im ungünstigsten Fall sind es
unter 20 Prozent.;
Pawel Nierada, polnischer Energieexperte der Warschauer Denkfabrik Instytut
Sobieskiego, glaubt, dass die Erdgasvorräte in seinem Land größer sind als die
in Norwegen.;
Dass die Europäer Selbstversorger werden, halten Experten allerdings für
unwahrscheinlich. In frühestens fünf Jahren könnte die Förderung beginnen –
vorausgesetzt, dass sich Umweltbedenken ausräumen lassen. Kritiker bemängeln
vor allem den gigantischen Wasserverbrauch. Zudem halten sie eine
Beeinträchtigung des Grundwassers durch die Chemikalien, die beim Fracen
eingesetzt werden, für möglich. Hin und wieder wurde gelöstes Erdgas bereits im
Trinkwasser nachgewiesen. Auch die an sich günstige CO2-Bilanz von Erdgas –
verglichen mit Öl und Kohle – könnte Schrammen bekommen. Das Gas, das aus dem
texanischen Barnett-Feld gefördert wird, enthält bis zu 30 Prozent des
Treibhausgases, das abgetrennt und in die Atmosphäre entlassen wird. Insgesamt
steigt dadurch die CO2-Emission durch Erdgas um bis zu 25 Prozent.;
in Deutschland hat sich eine „Interessengemeinschaft gegen Gasbohren“ gebildet,
die in mehreren Orten Niedersachsens vertreten ist. Sie wendet sich
ausdrücklich nicht gegen eine konventionelle Erdgasförderung, sondern nur gegen
die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten.;
Doch die Zukunft der Erdgasförderung hat in Deutschland bereits begonnen. Seit
2006 wird nahe der ostfriesischen Stadt Leer Gas aus einer unkonventionellen
Lagerstätte gewonnen. Wintershall und Gaz de France hatten dort ein insgesamt
5683 Meter langes Loch gebohrt. In einer Tiefe von 3000 Metern lenkten die
Ingenieure den Bohrmeißel seitlich ab und erschlossen das Gas im Gestein per Multi-Fracing.
Eine Shale-Gas-Premiere war es aber nicht. In Leer wird Tight Gas gefördert –
Gas, das in Sandstein gefangen ist. Das ist eine gute Übung für künftige
Vorstöße ins Schiefergestein.
(bild der wissenschaft 4-2011 S.98ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32570147
)
·
Grönland
genehmigt erstmals im Sommer Offshore-Ölbohrungen in arktischen Gewässern in
einer Tiefe von bis zu 1500 Metern;
nach norwegischen Sicherheitsbestimmungen; diese verhindern nicht, dass es im
Nordseesektor jährlich im Durchschnitt zwischen 10 und 15 Lecks gibt, bei denen
Öl und Gas ins Meer treten
(taz 13.5.2011 S.09)
·
Anteil
Ökostrom in verschiedenen Bundesländern:
Sachsen 5,6%; Bremen 10,2; Rheinland-Pfalz 3,2; Saarland 1,7; Berlin 9,1; NRW
4,2
(Zeit-Magazin Mai 2011 S.10)
·
Das
Dilemma vom Hotzenwald
bei Herrischried im Südschwarzwald plant die Schluchseewerk AG (eine Tochter der
Energieversorger RWE und EnBW) die Errichtung des deutschlandweit größten
Pumpspeicherwerks; Schluchseewerk AG betreibt im Südschwarzwald 5
Pumpspeicherwerke, damit deckt sie ein Viertel der deutschen
Pumpspeicherwerksleistung
Pumpspeicherwerke erreichen Wirkungsgrade bis 80%;
pumpen bei Stromüberangebot Wasser vom Unterbecken ins Oberbecken, dieses
fließt bei Stromverbrauchsspitzen wieder über eine Turbine nach unten;
bei dem geplanten Bau soll eine Bergspitze weggesprengt werden, um Betonwanne
als Oberbecken zu bauen, 1.100 m lang, 366 m breit, mehr als 20 m tief (9 Mill.
m3);
Fallhöhe im Hotzenwald optimal, 600 Meter,
1400 MW (kurzfristig Strom für 3 Millionen Menschen;
150 Hektar Wald müssten abgeholzt werden; 5 Jahre Bauzeit; 1,2 Milliarden Euro;
Bürgerinitiative 500 Mitglieder kämpft gegen das Bauwerk; „Standort ist völlig
ungeeignet“; Forderung: Strom aus Norwegen beziehen, dort ebenfalls geeignete
Standorte für Pumpspeicherwerke;
(taz 15.6.2011 S.05)
·
Wer
will denn Gaskraftwerke bauen, die nur dann hochgefahren werden, wenn gerade
kein Wind bläst?
Norwegische Seenplatte als Speicher für deutschen Windstrom?
(taz 15.6.2011 S.08)
·
rund
1% des US-amerikanischen Stromverbrauchs werden von Hanf-Farmen verbraucht
(Der Spiegel 18-2011 S.115)
·
(Energiewende
– Hochspannungsleitungen – fehlende Alternativen)
Um einen Anteil von fast 40% Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu
bewältigen, beziffert die Ende 2010 vorgelegte dena-Netzstudie II den
Ausbaubedarf bis 2020 auf weitere „3600 km Höchstspannungstrassen mit
etablierter 380-kV-Freileitungstechnik“; würde knapp 10 Milliarden Euro kosten;
Freileitungen sind auf maximal 80 Grad Celsius Betriebstemperatur ausgelegt
(bei Wind und kalter Luft höhere Belastung möglich); genaues Monitoring und
Steuerung wäre möglich, Kosten dafür: ebenfalls 10 Mrd €;
Hochtemperaturseile aus Aluminium vertragen über 150 Grad Celsius, aber der
Ersatz der Leitungen bundesweit würde 17 Mrd € kosten (5700 km umrüsten, 1700
km neu bauen;
Erdkabel?; nur in Berlin in einem Tunnel 380-kV-Drehstromkabel; Erfahrungen für
vergrabene Kabel fehlen (Erwärmung);
(bild der wissenschaft 6-2011 S.86ff.)
·
Wirkungsgrad
von über 60% zur Stromerzeugung im Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt
(bild der wissenschaft 11-2011 S.92)
·
Bundesregierung:
derzeit liegt der Anteil der gesamten Informations- und Kommunikationstechnik
am Stromverbrauch (in D.) bei etwa 10%; wird sich in den kommenden 10 Jahren
voraussichtlich verdoppeln
(taz 18.11.11 S.8)
·
STRIPPENZIEHEN
FÜR DIE ENERGIEWENDE (neue Hochspannungsleitungen);
Rund 100 Kilometer nordwestlich vor Borkum stehen im 40 Meter tiefen Meer neben
der bemannten Trafo-Plattform BARD 1 derzeit 17 Windräder, von denen 11 bereits
Strom produzieren. Im Endausbau des 60 Quadratkilometer großen Areals werden es
80 sein, von denen jedes 5 Megawatt leisten kann. Ihre installierte
Gesamtleistung von 400 Megawatt wird ausreichen, um bis zu 400 000
Mehrpersonenhaushalte mit Strom zu versorgen.
Ebenfalls in der Nacht des 3. Dezember nahm auch die Umspannplattform „BorWin
alpha“ nahe am Windpark ihren Probebetrieb auf. Sie wandelt den von den
Windrädern gelieferten Drehstrom in Gleichstrom um und schickt ihn über ein 200
Kilometer langes Kabel zum Umspannwerk Diele bei Papenburg, wobei 125 Kilometer
Kabel durchs Meer verlaufen. „BorWin 1“ ist weltweit die erste großtechnische
Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) von einem Offshore-Windpark in ein
Festlandnetz;
Bis 2030 sollen dem Bundesumweltministerium zufolge Hochsee-Windparks mit einer
Gesamtleistung von 25 000 Megawatt installiert sein und jährlich 95
Terawattstunden Strom erzeugen, was rund 15 Prozent des heutigen
Stromverbrauchs in Deutschland entspricht. Um die auf hoher See erzeugte
Elektrizität an Land zu bringen, wird man weitere Unterwasserkabel brauchen.
Dafür eignet sich aus verschiedenen Gründen die HGÜ-Technik besonders gut;
Für den Netzausbau in Deutschland hat die dena schon 2005 einen Bedarf von 850
Kilometern an neuen Übertragungsleitungen bis 2015 ermittelt – gebaut ist
bisher erst ein Zehntel davon. Um einen Anteil von fast 40 Prozent
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu bewältigen, beziffert die Ende 2010
vorgelegte dena-Netzstudie II den Ausbaubedarf bis 2020 auf weitere „3600
Kilometer Höchstspannungstrassen mit etablierter 380-kV-Freileitungstechnik“.
Einschließlich des Anschlusses der Offshore-Windparks würde diese Lösung mit
der heute üblichen Freileitungstechnik knapp zehn Milliarden Euro kosten;
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist es, die bestehenden 220-Kilovolt- durch
leistungsstärkere 380-Kilovolt-Leitungen zu ersetzen. Das geschieht überwiegend
auf vorhandenen Trassen, auf denen die alten Masten meist durch neue höhere
ersetzt werden. Je nach Gelände stehen diese 350 bis 600 Meter auseinander,
sodass auf einem 10 Kilometer langen Abschnitt nur noch etwa 30 statt 75 Masten
notwendig sind;
Ungeachtet des Um- und Neubaus stellt sich die Frage, wie die bestehenden
Leitungen mehr Strom übertragen können. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
Freileitungsmonitoring (FLM) und Hochtemperaturleiterseile (TAL). Beim
Freileitungsmonitoring erfassen Wetterstationen Umgebungstemperatur und
Windgeschwindigkeit in der Nähe der Leiterseile. Diese werden wärmer und
folglich länger, je mehr Strom durch sie fließt. Normgemäß sind sie auf maximal
80 Grad Celsius Betriebstemperatur ausgelegt. Bei höheren Seiltemperaturen wird
der Durchhang der Metallseile zwischen den Masten zu stark, und der
Sicherheitsabstand zum Boden wird unterschritten. Bei Wind und bei Kälte sind
die Leiterseile kühler und lassen sich daher stärker belasten – es kann unter
diesen Bedingungen also mehr Strom fließen;
Bei Starkwind – also bei hoher Stromproduktion und hohem Übertragungsbedarf –
lässt sich durch FLM die Strombelastbarkeit von Freileitungen in Küstennähe um
bis zu 50 Prozent erhöhen, in Norddeutschland um rund 30 Prozent und in
Süddeutschland um etwa 15 Prozent;
Das Problem (bei FLM): Mit geschätzten rund 10 Milliarden Euro kostet diese
Technik genauso viel wie die Neubautrassen laut dena-Netzstudie II.
Ähnlich sieht es bei Hochtemperaturleiterseilen (TAL) aus. Sie bestehen aus
Aluminium und vertragen Betriebstemperaturen von über 150 Grad Celsius, wodurch
sie rund 50 Prozent mehr Strom übertragen können als herkömmliche
Freileitungen. Allerdings wachsen bei ihnen die Verluste stark mit der
Stromstärke. Praktische Erfahrungen gibt es bislang kaum. Eine bundesweite
Umstellung des Übertragungsnetzes auf TAL würde laut dena 17 Milliarden Euro
kosten, da 5700 Kilometer bestehende Trassen umgerüstet und 1700 Kilometer neu
gebaut werden müssten;
Für den Netzausbau fordern Bürgerinitiativen oft Erdkabel, wie sie im Nieder-
und Mittelspannungsbereich für Orts- und Regionalnetze verbreitet sind. Das
Höchstspannungsnetz besteht in Deutschland aber fast nur aus Freileitungen,
lediglich in Berlin gibt es einen unterirdischen Tunnel mit
380-Kilovolt-Drehstromkabel. Deshalb fehlen Erfahrungen, wie sich im Erdreich
vergrabene Höchstspannungskabel langfristig verhalten – und wie sich eine
Erwärmung des Erdreichs durch die große übertragene Leistung auswirkt;
Entscheidend für den Transport großer Mengen an Strom, der etwa aus Kohle-,
Gas- oder Kernkraftwerken oder aus Windparks stammt, ist das unter
Höchstspannung betriebene Übertragungsnetz. Es ist in Deutschland etwa 36 000
Kilometer lang (Österreich: 6800, Schweiz: 6500 Kilometer). Inklusive der
verschiedenen Verteilnetze hat das deutsche Stromnetz eine Gesamtlänge von fast
1,8 Millionen Kilometern – das entspricht dem 45-fachen Erdumfang. Die meisten
Leitungen im Nieder- und Mittelspannungsnetz sind unterirdisch verlegt. Das
Hoch- und Höchstspannungsnetz besteht dagegen fast nur aus überirdischen
Freileitungen. Die Übertragungsnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz
sind in einen europäischen Netzverbund integriert und miteinander gekoppelt;
S.92 Fischedick, Wuppertal Institut:
Gibt es Argumente, die gegen unterirdische Leitungen sprechen?
Weniger als die Energieversorger immer wieder beteuern. Obwohl sie fünf bis
zehn Mal soviel kosten wie herkömmliche Leitungen, dürften sie künftig dort
eine Lösung bringen, wo es unüberwindbar viele Widersprüche zum Landschafts-
und Naturschutz gibt. Mehr noch: Wenn man dadurch ein langjähriges
Genehmigungsverfahren abkürzen kann, spart man an anderer Stelle Kosten ein.
Unter Gesamtgesichtspunkten könnte eine unterirdische Verkabelung damit gar
nicht mehr so viel teurer sein
(bild der wissenschaft 6-2011 S.86 - http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32651757
)
·
Wechsel
zu Ökostromanbietern; Akzeptanzprobleme erneuerbare Energien;
schon 2010 befürworteten laut Umweltbundesamt 85 Prozent der Deutschen einen
konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien. Trotzdem bezogen nur 8 Prozent
Ökostrom. Zu teuer und zu intransparent sei der grüne Strom, zu schwierig der
Anbieterwechsel und die Informationen darüber unzureichend, klagten die
Befragten;
auch die erneuerbaren Energien haben Gegner: Jutta Reichardt ist die deutsche
Sprecherin der Europäischen Plattform gegen Windkraftanlagen. Vor 17 Jahren ist
sie mit ihrem Mann von Hamburg aufs Land gezogen. Grüne Idylle, Artenvielfalt
und unberührte Natur hatten die beiden Großstädter gesucht – heute blicken sie
von ihrem Hof auf 121 Windräder, das nächste dreht sich in gut 300 Meter
Entfernung. „An unserer Einstellung gegen die Windkraft hat Fukushima
selbstverständlich nichts geändert“, stellt Reichardt fest. Windkraft sei immer
noch ineffizient und schade Gesundheit und Umwelt;
der Kampf um die Akzeptanz beginnt, wenn die Bürger von der geplanten Anlage
erfahren. Außer einer Gefahr für Vögel, die in die rotierenden Blätter fliegen
könnten, Lärm und dem lästigen Schattenwurf befürchten viele Anwohner unhörbar
tiefe Töne der Anlagen, den sogenannten Infraschall. Er könnte, so die Angst
der Menschen, die Gesundheit gefährden;
Die geplanten 380-Kilovolt-Leitungen sollen den Strom aus Windparks zu den
Verbrauchern transportieren (siehe „Strippenziehen für die Energiewende“ ab S.
86). Doch gegen die Stromleitungen und ihre knapp 60 Meter hohen Masten kämpfen
viele Bürgerinitiativen. In einer kleinen Befragung hat die Arbeitsgruppe von
Schweizer-Ries große Informationslücken festgestellt, trotz Infoabenden und
Broschüren. „Die Leute wissen oft nicht genau, worum es geht“, sagt die
Wissenschaftlerin. „Sie empfinden daher Unmut.“ Außer einer verschandelten
Landschaft fürchten viele Bürger den vermeintlichen Elektrosmog. Die Angst vor
Elektrosmog und Infraschall ist menschlich, meint Britta Renner: „Gefahren, die
wir nicht einschätzen können, weil wir sie nicht sehen, schmecken, hören oder
riechen, erleben wir als bedrohlich.“ Ob die Energiewende gelingt, hängt auch
davon ab, wie Industrie und Politik mit solchen Ängsten umgehen
(bild der wissenschaft 6-2011 S.94)
·
Die
Investitionen in Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien waren 2010
weltweit erstmals höher als die in Stromerzeugung mit Hilfe fossiler
Brennstoffe. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg seien in
Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse und Wasserkraft insgesamt 187 Milliarden
Dollar investiert worden - in Gas-, Öl- und Kohlekraftwerke 157 Milliarden
Dollar.;
Die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien ist laut Bloomberg weltweit
mit insgesamt 66 Milliarden Dollar subventioniert worden. Im Vergleich zu den
Subventionen der Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen ist das immer noch
gering. Nach Angaben der internationalen Energieagentur wird diese jährlich mit
über 100 Milliarden Dollar unterstützt.
(taz 26./27.11 2011 S.6)
·
Der Beitrag der Photovoltaik liegt trotz der enormen
Subventionen durch die Einspeisungsgebühr des EEG im Jahr 2010 nur bei knapp
zwei Prozent des Strombedarfs. Die auf 20 Jahre garantierten
Einspeisevergütungen für die bis 2010 installierten Photovoltaikanlagen
addieren sich auf 85,4 Milliarden Euro,[1] die über den Strompreis finanziert
werden. Die Ökobilanz der gegenwärtig eingebauten Solarpaneele aus dicken
Siliziumschichten leidet darunter, dass das Silizium unter großem
Elektrizitätsbedarf aus Quarzsand erschmolzen und anschließend in chemischen
Verfahren zu hochreinem Solarsilizium umgewandelt werden muss. Der
Energieaufwand der Paneele ist so hoch, dass die Rückgewinnung der Energie im
sonnenarmen Deutschland jeweils drei bis fünf Jahre Betrieb erfordert.;
Sowohl die Windkraft wie die Photovoltaik liefern Strom nur für günstige
Zeitperioden. Die volle Leistung erreichen Windkraftwerke an Land
durchschnittlich während vier Stunden und im Meer während zehn Stunden am Tag,
die Photovoltaik während zweieinhalb Stunden am Tag. Die konstant benötigte
Grundlast an Strom für Industrie und Haushalte wird zurzeit je zur Hälfte von
Braunkohle und Kernkraft getragen. Diesen Bedarf können die erneuerbaren
Energiequellen für die nächsten 20 Jahre nicht zuverlässig liefern.;
Gegenwärtig haben alle Pumpspeicherkraftwerke im Süden eine Kapazität von 30
Millionen Kilowattstunden. Die Energie, die die 21585 Windkraftwerke an der
Nord- und Ostseeküste in acht Stunden erzeugen, ist zehnmal größer. Der Ausbau
der Speicher im Süden hätte also höchste Priorität.
(Aus Politik und
Zeitgeschichte, Beilage zur Zeitung Das Parlament, Heft 46-47/2011 „Ende des Atomzeitalters?“ S.32ff - http://www.bpb.de/publikationen/13SS6I,0,Ende_des_Atomzeitalters.html )
·
Die
Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland (WGKD Hannover) bietet in
Kooperation mit dem Hamburger Stromanbieter LICHTBLICK „Zuhausekraftwerke“ an: Kleine
Gas-Blockheizkraftwerke (spezielle Motoren von VW) werden für einzelne Häuser
quasi geleast; Kunde hat Garantie für Heizwärme, „nebenbei“ wird Strom ins
öffentliche Netz eingespeist, „Fernsteuerung“ durch Zentrale von Lichtblick
(Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland, Hannover, http://www.wgkd.de/strom.html#c1395 )
·
Der
Energiekonzern RWE will erst einmal keine weiteren Neubauten von Kohle- und
Gaskraftwerken in Auftrag geben. Das sagte der Chef der für den Kraftwerksbau zuständigen
Konzernsparte RWE Technology, Matthias Hartung, am Dienstagabend in Essen. Der
Grund: Solche Projekte rechneten sich für Deutschlands größten Stromproduzenten
nicht. Die Kraftwerksprojekte, die bereits in Bau sind, werde RWE jedoch
fertigstellen.
Die Zielrichtung Hartungs war klar: Er braucht Geld. Seine Idee: direkte
staatliche Förderprogramme für fossile Kraftwerke oder die Einrichtung eines
Kapazitätsmarkts, mit der die Energiekonzerne schon dafür bezahlt würden, dass
sie entsprechende Produktionsmöglichkeiten bereithalten.
(taz 14.7.2011 S.7)
·
Schiefergas-Rausch
in Pennsylvania
·
·
FRACKING I Die rabiate Methode, Erdgas
mithilfe eines Chemikalien-Cocktails aus Schiefergestein zu pressen, macht in
den USA Furore. Staatlich wird sie gefördert - trotz unabsehbarer Auswirkungen
auf die Umwelt;
holen das Gas mithilfe der Fracking-Methode nach oben. Dabei wird das Gestein
in der Tiefe horizontal angebohrt und "hydraulisch frakturiert":
Große Mengen von Wasser und Chemie erschüttern das Gestein und "befreien"
das Gas. Die Methode war schon in den 40er Jahren bekannt. Doch erst seit Mitte
des vergangenen Jahrzehnts erscheint sie der Branche lohnend - wegen der
steigenden Gaspreise.;
In Pennsylvania sind sie auch nicht verpflichtet, die Zusammensetzung des aus
knapp 300 Bestandteilen zusammengesetzten chemischen Cocktails zu
veröffentlichen, den sie in die Tiefe spritzen.
Insgesamt 2.500-mal haben die Gaskonzerne bislang im Marcellus-Schiefer nach
Gas gebohrt. Jedes Mal haben sie 3 bis 5 Millionen Dollar investiert. An 1.100
Bohrstellen haben sie Gas gefunden. An diesen Orten haben sich ihre
Investitionen schnell amortisiert. Jetzt ragen die rot-weißen Bohrtürme aus dem
dichten Wald im Nordosten von Pennsylvania.
Dass sie das "unkonventionelle Gas" mit dem Fracking-Verfahren
fördert, hat die USA binnen weniger Jahre von einem Gasimporteur zu einem
-exporteur gemacht. Unkonventionelles Gas, verbreitet die Branche in ihrer
nationalen Werbekampagne, ist sauber.
Doch das Fracking hat Schattenseiten. Mit dem Gas treten Gifte aus der Tiefe
der Erde an die Oberfläche, darunter auch radioaktive Elemente.;
Die Branche hingegen behauptet, dass Methangas in Pennsylvania "schon
immer" im Wasser vorgekommen sei. Untersucht hat das in den USA niemand.;
FRACKING II 97.000 Quadratkilometer
Land sind in Deutschland für die Öl- und Gassuche freigegeben. Wasserwerke
fürchten Verseuchung des Grundwassers
FREIBURG taz | Der Energiehunger der Welt, der ökologisch so abenteuerliche
Methoden wie das sogenannte Fracking salonfähig macht, könnte auch in
Deutschland zum Risiko für die Trinkwasserversorgung werden. Davor hat jetzt
die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) gewarnt, eine
Vereinigung von mehr als 70 Wasserwerken aus fünf Ländern: "Auf das
Trinkwasser in Deutschland kommt eine neuartige Gefährdung zu."
Fracking - der Begriff kommt von "Hydraulic Fracturing" -
funktioniert mit Wasser, dem eine Reihe von Chemikalien beigesetzt sind: etwa
Säuren, Schaumbildner, Oxidationsmittel, Enzyme und Biozide. "Viele dieser
Stoffe sind wassergefährdend, zudem ist unkalkulierbar, welchen Eingriff der
Einsatz von hohem Druck in die Grundwasserwelt darstellt", warnt die AWBR.
(taz 11.7.2011 S.9)
·
Boris
Palmer, OB von Tübingen; Franz Untersteller, MdL Grüne Landtag BaWü;
ATOMAUSSTIEG Welche Energiewende wollen wir? Die vier entscheidenden
Streitfragen müssen jetzt schleunigst diskutiert werden. Ein Startschuss;
Zu teuer: Offshore-Windparks
Strom aus Fotovoltaik ist mit Erzeugungskosten von rund 20 Cent pro kWh etwa
gleich teuer wie Strom von der Hochsee, wenn man die Kosten der Tiefseekabel
für den Stromtransport einrechnet. Und Strom aus Windkraftanlagen an Land ist
heute und in Zukunft nur halb so teuer wie Strom aus Hochseewindparks.;
Benötigt wird voraussichtlich eine Speicherkapazität für mehrere Wochen des
deutschen Stromverbrauchs. Pumpspeicher decken davon nur einige Stunden ab. In
Skandinavien steht schon heute ein Speichervolumen in Stauseen zur Verfügung,
das einen Großteil des kurzfristigen europäischen Speicherenergiebedarfs decken
könnte. Allerdings fehlt in der Regel das Unterbecken und für den Transport der
Energie bräuchte es gigantische Netze.;
Der jüngste Vorschlag mit Aussicht auf zügige Realisierung setzt auf die
vorhandenen Erdgaskavernenspeicher in Deutschland. Deren Fassungsvermögen ist
so groß, dass tatsächlich der gesamte Speicherenergiebedarf des deutschen
Stromnetzes abgedeckt werden könnte.;
Um überschüssige erneuerbare Energie einzuspeichern, steht grundsätzlich der
Prozess der Wasserstoff-Elektrolyse zur Verfügung. Der Wasserstoff kann, ohne
eine gesonderte Infrastruktur zu erfordern, bis zu einem Anteil von 10 Prozent
direkt dem Erdgas beigemischt werden, erst darüber hinaus wird es erforderlich
sein, zur Methanisierungstechnologie zu greifen, bei der mit Strom CO2 und
Wasser in Erdgas (Methan) umgewandelt wird. Im großtechnischen Maßstab muss
dies allerdings noch realisiert werden.;
Die Lösung der Speicherfrage ist dringend. Einen Königsweg gibt es nicht.
Pumpspeicherwerke wie im Schwarzwald sind leichter durchsetzbar, wenn die
Alternativen in Skandinavien oder im Erdgasnetz geprüft und als nicht
ausreichend oder als derzeit unwirtschaftlich erkannt sind.;
Für die Grünen sind hocheffiziente Erdgaskraftwerke derzeit die einzige
akzeptable fossile Brücke zu den erneuerbaren Energien. Allerdings ist selbst
deren Bau wirtschaftlich kaum attraktiv, weil sie nicht genügend
Jahresbetriebsstunden erreichen.;
Wenn skandinavische Speicher und Strom aus der afrikanischen Wüste eine
großtechnische Lösung im interkontinentalen Maßstab liefern sollen, dann werden
Hochspannungsübertragungsleitungen quer durch Europa und Deutschland
erforderlich. Wenn dezentrale Erzeugungsstrukturen und dezentrale Speicher in
Verbindung mit dem Erdgasnetz zur Bereitstellung von Regelenergie die Zukunft
sind, spielen derartige Investitionen eine zumindest geringere Rolle.
(taz 22.8.2011 S.12)
·
ExxonMobil-Deutschland-Chef
Gernot Kalkoffen verteidigt die Gewinnung von Erdgas mit Hilfe des
Fracking-Verfahrens;
Unter Hochdruck wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden
gepresst, es entstehen Risse im Gestein, die das Gas lösen. Umweltschützer
fürchten Grundwasserverseuchung. An vielen Orten wehren sich nun
Bürgerinitiativen.;
SPIEGEL: Herr Kalkoffen, wie gefährlich ist Fracking?
Kalkoffen: Wir haben viel Erfahrung mit dem Verfahren. In Deutschland nutzen
wir es seit den sechziger Jahren bei der Förderung aus konventionellen
Lagerstätten. Wir haben seitdem rund 180-mal gefrackt, es ist noch nie etwas
passiert. Bei Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen stehen wir noch am Anfang.
Es gibt dort gewiss jede Menge Gas, die Frage ist nur, ob es so konzentriert
vorhanden ist, dass sich eine Förderung lohnt.;
SPIEGEL: Das Umweltbundesamt warnt vor "erheblichen Risiken", manche
fürchten, die Risse könnten das Grundwasser erreichen.
Kalkoffen: Das ist technisch unmöglich, zwischen der Zielformation und dem
Trinkwasser liegen mitunter mehrere tausend Meter. Um so lange Risse zu
erzeugen, reicht die Energie nicht aus. Unser Unternehmen ist über hundert
Jahre im Öl- und Gasgeschäft tätig. Wir machen nichts, was nicht sicher und
sauber ist.
SPIEGEL: Die Bilder von brennenden Wasserhähnen in den Fracking-Regionen der
USA erwecken einen anderen Eindruck.
Kalkoffen: Da gibt es keinerlei Zusammenhang. Ich vermute eine andere Ursache:
Wo Kohlevorkommen bis zur Erdoberfläche reichen, kann Methan ins Grundwasser
ausgasen. Eine weitere Ursache kann eine bakterielle Entstehung von Methan
dicht unter der Erdoberfläche sein. So etwas könnte auch im Münsterland passieren.
Mit Fracking hat das nichts zu tun.
SPIEGEL: Nach einer Studie der Universität Manchester geben 58 von 260
Substanzen in der Frack-Flüssigkeit Anlass zu Besorgnis, 8 seien gar
krebserzeugend.
Kalkoffen: Der größte Teil der Flüssigkeit besteht aus Wasser und Sand, die
Menge an Chemikalien ist vergleichsweise gering. Wir veröffentlichen im
Internet Listen aller Substanzen, inzwischen sind nur noch vier als giftig
klassifiziert. Darunter ist Borsäure; sie ist nötig, damit der Sand nicht
absinkt. Borsäure nutzt man auch zum Verarbeiten von Kaviar, vier Gramm pro
Kilo sind laut Lebensmittelgesetz zulässig. Unsere Konzentration ist geringer.;
Kalkoffen: Fracking ist sicher. Aber: Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler.
Deshalb bauen wir unsere Systeme so auf, dass die Auswirkungen möglichst gering
sind. Unsere Bohrungen bestehen aus mehreren Rohren ineinander, die
Zwischenräume werden überwacht. Passiert etwas in der ersten Barriere, können
wir bereits eingreifen.;
Kalkoffen: Die Deutschen haben sich, anders als die Franzosen, für den Ausstieg
aus der Kernenergie entschieden. Im künftigen Energiemix muss also Erdgas eine
größere Rolle spielen. Wenn es aus heimischen Quellen stammt, umso besser.;
(die unter hohem Druck erzeugten Klüfte werden durch den eingespülten Sand
offen gehalten)
(Der Spiegel 42-2011 S.90)
·
Die
Öko-Wende wird teurer, als die Bundesregierung ihren Bürgern vorgaukelt.
Gleichzeitig fließt der Großteil der Fördermilliarden in die ineffiziente
Solarenergie.;
die offizielle Rechnung stimmt offenbar vorn und hinten nicht. Nach
Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung
(RWI) hat die Politik die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien viel
zu niedrig angesetzt, den Umweltnutzen hingegen systematisch übertrieben.
Die Fachleute des RWI schätzen, dass sich der Strom nicht um einen Cent pro
Kilowattstunde verteuern wird, sondern womöglich um das Fünffache. Die
halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur geht in einer internen Prognose von
plus vier bis fünf Cent aus. Laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband könnten
es zusätzlich "durchaus fünf und mehr Cent je Kilowattstunde
werden".;
Vor allem die Photovoltaik gilt inzwischen als Milliardengrab. Auf sie entfällt
mittlerweile fast jeder zweite Euro aus dem Ökostrom-Fördertopf, dabei trägt
sie nicht einmal ein Zehntel zur Ökostrom-Produktion bei. Und selbst darauf ist
kein Verlass, weil man nie weiß, wo und wann hierzulande die Sonne scheint.;
An Land errichtete Windräder zum Beispiel sind deutlich effektiver als die
Sonnenkraft. Bei etwa gleicher Fördersumme speisen sie bereits rund fünfmal
mehr Strom ins Netz ein. Bei Wasserkraftwerken ist die Relation zwischen den
Subventionen und der Stromerzeugung sogar sechsmal besser, bei
Biomassekraftwerken immerhin dreimal.;
"Unter Klimagesichtspunkten handelt es sich bei jeder Solaranlage um eine
Fehlinvestition", sagt Joachim Weimann, Umweltökonom an der Universität
Magdeburg. Er hat ausgerechnet, dass es etwa 500 Euro kostet, um mit der
Photovoltaik eine Tonne CO2 einzusparen. Bei der Windkraft hingegen koste
dieselbe Ersparnis nur 150 Euro, mit Hilfe von Gebäudesanierung gar lediglich
15 Euro.;
Zwar wurden die Fördersätze für Solarstrom in den vergangenen Jahren
schrittweise von über 50 Cent pro Kilowattstunde auf nunmehr gut 20 Cent
gekürzt. Doch weil gleichzeitig auch die Solarmodule, die jetzt oft in China
gefertigt werden, immer billiger wurden, lohnt sich das Geschäft weiterhin.
Zwischen fünf und neun Prozent Rendite dürften Solaranlagen abwerfen, die
dieses Jahr ans Netz gehen, sicher und vom Staat garantiert. Da können
Bundesanleihen und Riester-Rente nicht mithalten.
(Der Spiegel 30-2011 S.68ff.)
·
In
Kanada liegen die drittgrößten Ölvorräte der Erde. Eine neue Pipeline soll den
kostbaren Rohstoff in großer Menge in die USA transportieren. Doch der Abbau
aus Ölsanden zerstört die unberührte Wildnis und die Lebensgrundlage der
Indianer.;
Auf 170 Milliarden Barrel schätzen Experten die Menge an Rohöl, die aus den
kanadischen Ölsanden geborgen werden könnte. Nur unter Saudi-Arabien und
Venezuela liegt noch mehr Öl. Den Lagerstätten in Alberta kommt deshalb eine
große geopolitische Bedeutung zu: Bereits heute beziehen die USA größere Mengen
Öl aus Kanada als aus allen Nationen des Persischen Golfs zusammen.
Und bald könnte noch weit mehr des sogenannten Bitumens die US-Wirtschaft
befeuern. Noch in diesem Jahr will Präsident Barack Obama entscheiden, ob es im
Interesse der USA liegt, eine 2700 Kilometer lange Pipeline zwischen Alberta
und Houston in Texas zu bauen.;
Vor allem würde die Erschließung der Ölsande die USA wohl auch weitere
Jahrzehnte davon abhalten, ernsthaft auf erneuerbare Energien zu setzen.
"Es geht darum, nicht vom nächsten Dreck abhängig zu werden", sagt
der US-Umweltschützer Bill McKibben, einer der Wortführer der Bewegung. Die
Ausbeutung der Ölsande werde es unmöglich machen, die Klimaschutz-Ziele zu
erreichen.;
Mit schwerem Gerät graben sie nach einer Mischung aus Sand, Ton, Wasser und
Schweröl, das einst aus dem Plankton eines Urozeans entstanden ist. Die
Auffaltung der Rocky Mountains drückte die Vorräte vor rund 70 Millionen Jahren
in ihre heutige Position. Doppelt so groß wie Bayern sind die Gebiete in
Alberta, unter denen heute Ölsande liegen;
Ölsande bestehen im Schnitt zu zehn Prozent aus Bitumen. Um das Material aus
der Mischung zu lösen, wird der Ölsand mit etwa 50 Grad heißem Wasser und
Ätznatron vermischt. Das Bitumen schwimmt obenauf und kann abgeschöpft werden.
Anschließend wird die Substanz zu sogenanntem synthetischen Rohöl veredelt;
Über 90 Prozent des Bitumens können auf diese Weise aus den Ölsanden extrahiert
werden. Problematisch sind die letzten paar Prozent der Masse. Mit Wasser, Sand
und Ton vermischt, landen sie in riesigen Absetzbecken, die in Alberta
inzwischen rund 170 Quadratkilometer bedecken. Der Sand sinkt schnell nach
unten. Übrig bleibt eine gelartige Suspension feinster Schwebstoffe, die bis zu
30 Jahre brauchen, um sich abzusetzen. Die Brühe enthält giftige Schwermetalle
und Chemikalien.;
Zwar gibt es Verträge zwischen den Ureinwohnern und dem kanadischen Staat;
diese räumen den First Nations Land- und Nutzungsrechte ein. Was diese Abkommen
für die Erschließung der Ölsande bedeuten, ist jedoch strittig.
Mehrere First Nations klagen derzeit vor dem kanadischen Verfassungsgericht, um
mehr Einfluss auf die Ölförderung zu bekommen. Rund 23 000 der Ureinwohner
siedeln heute noch im Ölsand-Gebiet.;
Zu heutigen Preisen sind die mit derzeitiger Technik nutzbaren Ölsande Kanadas
rund 16 Billionen Dollar wert.
Und die Produktionskosten fallen stetig. Mit alter Technik ließ sich der Barrel
Öl bislang für rund 75 Dollar produzieren. Neue Fördermethoden jedoch
versprechen Kosten von rund 50 Dollar.;
Der US-Geologe Manley Natland hatte daher schon vor über 50 Jahren die Idee,
den Ölsand gar nicht erst aus der Erde zu holen, sondern das Öl noch im
Untergrund vom Sand zu trennen. Er schlug vor, den Ölsand so stark zu erhitzen,
dass sich das Bitumen verflüssigt und abgepumpt werden kann. Doch erst heute
gibt es die dafür nötigen Maschinen: Die Ingenieure pressen 250 Grad heißen
Wasserdampf durch ein Bohrloch in die Tiefe;
Der Riesenherd ist eine schmutzige Sache: Um die Anlagen auf Betriebstemperatur
zu bringen, wird Erdgas verfeuert. Gas mit dem Energiegehalt von etwa einem
Barrel Öl ist notwendig, um zehn Barrel Öl zu fördern. Die EU-Kommission hat
errechnet, dass Öl aus den Ölsanden um rund 22 Prozent klimaschädlicher ist als
konventionelles Öl. Die US-amerikanische Environmental Protection Agency geht
sogar von 82 Prozent höheren Treibhausgasemissionen aus.;
(Der Spiegel 41-2011 S.126 - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-80818274.html
)
·
Interview Klaus Töpfer:
Wenn schon Kernenergie, dann wenigstens solche Kraftwerke, die nicht nur Strom,
sondern auch Hochtemperatur erzeugen, solche, die technologische Barrieren
gegen das Proliferationsrisiko (Weiterverbreitung JK) bewirken, die inhärente
Sicherheit und bessere Entsorgungseigenschaften aufweisen
(ZEIT 30.3.06 S. 35)
·
zum Jahreswechsel 2006/2007 weltweit 7 Atomreaktoren
abgeschaltet (2 Bulgarien, 1 Slowakei, 4 England); noch 435 am Netz;
bis mindestens 2020 werden weltweit mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen als neue
in Betrieb;
(taz 4.1.07, 5.1.07)
·
Kanzlerin Merkel im Interview mit der Financial Times
Deutschland:
der Stromwirtschaft immer wieder sagen, dass sie den Atomausstieg
unterschreiben habe;
es ändere sich auch nichts daran, wenn man jeden Morgen einmal darüber spricht;
“Bei der Kernenergie muss man ehrlicherweise sagen, die Entsorgungsfrage ist
bis heute nicht befriedigend geklärt“;
es sei „nicht so, dass die Kyoto-Ziele eins zu eins von der Kernenergie
abhängig sind und dass man automatisch alle Kyoto-Ziele verpasst, wenn man die
Kernenergie reduziert“;
(taz 4.1.07)
·
Spezifische Probleme bei der energetischen Nutzung
der Kernenergie
+ friedenpolitische Risiken
(Gefährdung der Anlagen durch Krieg und Terrorismus;
Weiterverbreitung von Atomwaffen durch zivile kerntechnische Anlagen)
+ ökologische Risiken
(Strahlenbelastung; Wirkung geringer Strahlendosen;
Uranbergbau, Endlagerung Atommüll; Zeiträume!)
+ technische Risiken
(Auswirkungen von Unfällen; Versagen von Technik und Mensch)
·
Lösung der Energie- und Klima-Probleme durch massiven
Ausbau der Atomenergie in den nächsten 50 Jahren ? (grobe
Abschätzung, was das bedeuten könnte)
WELT
+ Ziel: Welt-Energiebedarf soll in 50 Jahren zur Hälfte aus Kernkraftwerken
gedeckt werden.
+ weitere Annahme: Anstieg des Primärenergieverbrauchs um 50% (auf 650 EJ)
+ Ergebnis: Neubau von 5000 Reaktoren heutiger Größe (1000 MW)
(das bedeutet:
+ jede Woche wären 2 KKW neu in Betrieb zu nehmen;
später ist zusätzlich Ersatz für
ausgediente Anlagen zu errichten)
+ Errichtung vorrangig an Flüssen (Kühlwasser!)
und mitten in Ballungsgebieten
(zusätzliche Nutzung der Abwärme für Heizzwecke)
+ Uranbedarf im Endausbau: etwa 600.000 t Uran/Jahr
(die bekannten Uranvorräte betrugen
1995 3 Mill. t - á 130 $/kg Uran)
DEUTSCHLAND
+ Annahme: in den nächsten 50 Jahren konstanter Primärenergieverbrauch,
Kernenergieanteil steigt von heute 12,6% auf das Vierfache (50%)
+ erforderlich: Neubau von 100 Kernkraftwerken
(jedes Jahr 2 bis 3; in Sachsen 3 bis 4 Standorte)
·
derzeit weltweit 435 Reaktoren in 31 Staaten; decken
6,5% des globalen Energiebedarfs, verbrauchen im Jahr 70.000 t Uranbrennstoff;
ein Sechstel des weltweiten Stroms aus Kernenergie, ähnlich viel wird mit
Wasserkraft erzeugt;
27 Anlagen befinden sich derzeit im Bau, 64 in konkreter Planung, weitere 158
sind zumindest im Gespräch, nur 6 werden zurückgefahren und langsam
abgeschaltet;
Indien erwägt 19 neue Reaktoren, China 63 (50 GW), in den USA sind mehr als 20
neue Anlagen im Gespräch;
der Preis von Uran hat sich seit 2002 versiebenfacht, zuletzt 72 Dollar pro
englisches Pfund (454 Gramm);
Risiken:
- irgendwann unkontrollierte Kernschmelze
- niemand hat schlüssiges Entsorgungskonzept
- keine Garantie gegen Missbrauch der zivilen Technik
- hohe Kosten der Anlagen
(Spiegel 3/07 S.104)
·
Atommüll- Entsorgung Methode Slowakei:
geräumigen Schacht in felsigen Untergrund treiben, 1 km und tiefer; bis 10
Meter Durchmesser; Gestein rings um Bohrkopf wird mit Gasbrennstrahl
aufgeschmolzen, 3500 Grad, dabei werden Rissen gleich abgedichtet
(Spiegel) 3/07 S. 118)
·
E=mxc2; in Atomkraftwerken wird ein
Tausendstel der Kernmaterie in Energie umgewandelt
(Ludwig Schultz, Hermann-Friedrich Wagner (Hrsg.): Die Welt hinter den Dingen,
WILEY-VCH Weinheim, 2006)
·
französischer Atomkonzern AREVA übernahm vergangene
Woche einen der größten Windkraftanbieter, das Hamburger Unternehmen REpower ;
im Jahr 2001 fusionierte der französische Konzern COGEMA mit dem ebenfalls
französischen Reaktorhersteller FRAMATOME, an dem der deutsche Siemens-Konzern
mit einem Drittel beteiligt war, und so entstand der weltgrößte Konzern für
schlüsselfertige Atomkrafterke
(Die Zeit 1.2.07 S.32)
·
Norwegen will einen Thorium-Reaktor bauen lassen;
Thorium-Vorkommen weltweit dreimal größer als bei spaltbarem Uran; aus
Thorium-232 wird der spaltbare Brennstoff Uran-233 hergestellt; Norwegen könnte
mit seinen Thorium-Vorräten tausendmal mehr Dollar verdiene, als sein Ölfonds
beträgt; Verantwortung, der Welt eine CO2-freie Energietechnik zu liefern
(taz 13.2.07)
·
deutscher Beitrag zum ITER-Forschungsprogramm (Fusion):
500 Millionen Euro; für Steinkohlesubventionen jedes Jahr zweieinhalb
Milliarden
(Spiegel 9/2007 S.116)
·
Es gibt neue Aspekte, die wir überprüfen müssen.
Denkbar wäre heute ein anderer Umgang mit dem strahlenden Müll: Man könnte ihn
z.B. einer intensiven Neutronenstrahlung aussetzen, und dann wäre er bereits
nach hundert Jahren nur noch so radioaktiv wie natürlich strahlendes
Urangestein. Diese „Transmutation“ hätte erhebliche Folgen für die
Risikobewertung der Kernenergie.;
das Risiko für die heute lebende Bevölkerung würde sich wegen des Baus
zusätzlicher Reaktoren und so genannter Spallations-Neutronenquellen sogar noch
erhöhen
(GEOkompakt Nr.3 „Das Abenteuer Technik“ 2005 S.164f)
·
Atommüllendlagerung in Schweden soll in Grantgestein
in 500 m Tiefer erfolgen; mindestens 100.000 Jahre; Einkapseln in
Kupferbehältern (5 cm Wandstärke); Bett aus Ton; Druck auch bei einer
zusätzlichen Eiszeit mit 3 km Eisdecke
(taz 29.10.07)
·
um die nukleare Stromproduktion nur zu verdreifachen
bis 2050, müsste aller 6 Wochen irgendwo auf der Welt ein neues Atomkraftwerk
ans Netz gehen
(ZEIT 29.11.07 S.31ff)
·
Atomunfälle – Legenden vom bösen Atom – die nukleare
Verseuchung … wurde überschätzt;
Opferzahlen für Majak (SU), Tschernobyl, Hiroshima Spätfolgen (Todesfälle,
Krebs): die Schrecken sind weit geringer als gedacht;
Untersuchungen des GSF in Neuherberg bei München;
für alle gefährdeten Personengruppen liegen neue Mortalitätsquoten vor;
die meisten Toten finden sich – überraschenderweise – unter den Urankumpeln in
Ostdeutschland
(Spiegel 47/2007 S.160ff)
·
Studie zur Krebshäufigkeit bei Kindern;
wir finden in Deutschland einen Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zu
einem Kernkraftwerk und der Häufigkeit, mit der Kinder vor ihrem fünften
Geburtstag an Krebs und besonders an Leukämie erkranken;
Verfasserin und Bundesumweltminister: Die wahre Ursache für den
Anstiegfrühkindlicher Krebserkrankungen im Umfeld von Kernkraftwerken sei
ungeklärt und nicht durch deren Strahlung erklärbar;
Nicht alle Menschen im weiten Umkreis kerntechnischer Anlagen sind gefährdet,
wie ursprünglich vermutet, sondern allenfalls Kleinkinder im nahen Umfeld;
die Studie brachte kaum neue Erkenntnisse, aber einige Präzisierungen (Fälle
jetzt bis 2003 berücksichtigt, Abstände zum KKW auf 25 Meter genau bestimmt);
Modell ist stark vereinfacht; berücksichtigt nicht Hauptwindrichtung; nicht
berücksichtigt, ob Kind oder Mutter während der Schwangerschaft geröntgt
wurden; geringe Fallzahlen: 20 von insgesamt 5893 Leukämiefällen bei unter
Fünfjährigen wären dem 5-Kilometer-Umfeld von KKW zwischen 1980 und 2003
zuzuordnen;
rechnerische Belastung aus KKW für Personen im Abstand von 5 km 0,3 bis 0,002
Mikrosievert; jährliche natürliche Strahlenexposition etwa 1400 Mikrosievert;
zwischen 1980 und 2003 erkrankten in einem Umkreis von fünf Kilometern um die
16 deutschen KKW 37 Kinder neu an Leukämie; nach dem statistischen Durchschnitt
hätte man nur 17 Erkrankungen erwarten können;
77 Krebserkrankungen (Leukämie 37), 48 (17) seien zu erwarten gewesen
(Die Zeit 13.12.07 S.39f; taz 10.12.07; Freie Presse Chemnitz 10.12.07)
·
(provozierende Vergleichszahl zum Vorigen JK):
310.000 Menschen sterben in Europa jedes Jahr an den Folgen von Feinstaub, hat
die Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelt
(taz 12.12.07)
·
In der Debatte um den Klimaschutz hat der sächsische
Umweltminister Roland Wöller (CDU) auch den Neubau von Atomkraftwerken in
Deutschland nicht mehr ausgeschlossen;
Niemand könne aus der Atomkraft aussteigen, Versorgungssicherheit garantieren
und gleichzeitig die CO2-Emissionen herunterfahren
(Freie Presse Chemnitz 28.1.08)
·
Im Jahr 2007 durch Stillstand mehrerer Atomkraftwerke
26 Mrd. kWh Strom weniger erzeugt, trotzdem Exportüberschuss von 14 Mrd. kWh
erzielt;
im August erzeugten 5 KKW keine einzige kWh Strom;
Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung lag nur noch bei 22 %;
(taz 9./10.2.08)
·
Obwohl 2007 durch Stillstand mehrerer Atomkraftwerke
26 Mrd. kWh weniger an Atomstrom erzeugt wurden als 2006, exportierte
Deutschland 14 Mrd. kWh netto;
2007 lag der Nettostromverbrauch in D. bei 541 Mrd. kWh;
wenn der Verbrauch jährlich um 1% stiege – wären es 2020 rund 616 Mrd. kWh;
wenn der Verbrauch jährlich um 1% gesenkt werden könnte, brauchten wir 2020 nur
474 Mrd. kWh;
die Differenz zwischen beiden Szenarien ist mit 142 Mrd. kWh mehr, als alle
deutschen KKW 2007 zusammen erzeugt haben;
2020 läge man bei konstanten Zubau bei einem Anteil von 25 bis 30% für Ökostrom
(taz 25.3.08)
·
Toshiba (Japan) plant 65 neue Atomkraftwerke; bis
2015 werde der Konzern mindestens 33 Atomreaktoren errichten; bis 2020 65;
Toshiba hatte 2006 den US-Konzern Westinghouse übernommen und ist vor der
französischen Areva Marktführer
(taz 30.6.08)
·
Fusionsforschung;
nach Jahrzehnten der Rückschläge sind den Forschern in jüngster Zeit
erstaunliche Fortschritte gelungen;
ein 1000-Megawatt-Fusion-Reaktor käme mit einer verblüffend geringen
Brennstoffmenge aus: pro Stunde würde gerade mal das Gewicht von zehn
Zuckerwürfeln verfeuert. Unterm Strich könnte 1 Kilogramm Wasserstoff so viel
Strom liefern wie 11000 Tonnen Kohle. Der als Brennstoff benötigte schwere
Wasserstoff (Deuterium) ließe sich billig und in nahezu unbegrenzter Menge aus
den Weltmeeren gewinnen …
die Gefahr eines Unfalls ist gleich Null: denn schon bei der kleinsten Störung
bricht die Fusion ja von selbst ab. Die radioaktiven Abfälle wiederum, die
durch den Beschuss der Reaktorinnenwände mit energiereichen Neutronen
entstehen, können relativ leicht entsorgt werden. Ihre Strahlung ist bereits
nach rund hundert Jahren weitgehend abgeklungen
(Der Spiegel 1/2009 S.116)
·
die
EU und sechs weitere Staaten investieren über 5 Milliarden Euro in die
Fusionsanlage „ITER“ in Südfrankreich; Zum Vergleich: Wegen gestiegener Preise
haben allein die Deutschen von Januar bis Mai 2008 22,4 Milliarden Euro mehr für
Öl ausgeben müssen als im Vorjahreszeitraum
(Der Spiegel 33/08 S.51)
·
Interview
mit Klaus Töpfer;
selbst wenn es mehrere tausend Kernkraftwerke weltweit gäbe, würden sie kaum
mehr als 10% des weltweiten Energiebedarfs decken;
ich bin sehr der Überzeugung, dass die Klimaschutzziele auch mit dem
Atomausstieg zu erreichen sind; die Bedeutung der Kernenergie für den
Klimaschutz wird gern überschätzt; Und das Risiko, dass nukleares Material in
falsche Hände geraten könnte, wird ebenso oft unterschätz. Das ist mein
Hauptargument gegen die Kernenergie: die Proliferation, die Verbreitung von
waffenfähigem Nuklearmaterial
(Spiegel 29/2008 S.30)
·
Ausführlicher Bericht über den Unfall im
Kernkraftwerk Three Mile Island, Harrisburg, Pennsylvania, 28.3.1979
(http://www.zeit.de/2009/13/A-Harrisburg
)
·
Pläne für Atommüll-Endlager in Böhmen;
Behörden schließen erste geologische Analyse von Militärgebieten ab; ein
Standort bei Karlsbad (Hardiste), der andere in Botelice (bei Cesky Krumlov im
südlichsten Zipfel), jeweils rund 40 km von Deutschland entfernt;
(Freie Presse Chemnitz Pfingsten 2009, S.2)
·
Klimaforscher Schellnhuber: … kann die Atomenergie,
wenn man sie allein aus Klimaschutzsicht betrachtet, eine temporäre Brückenfunktion
übernehmen …
(Die ZEIT 26.3.09 S.19)
·
Häufigkeit von Krebs bei Kindern in der Umgebung von
deutschen Atomkraftwerken – die KIKK-Studie
+ Im 5-km-Umkreis der 16 Standorte von AKW wären im statistischen Durchschnitt
48 Fälle bösartiger Neubildungen aller möglichen Krebserkrankungen bei Kindern
unter 5 Jahren zu erwarten gewesen. Tatsächlich sind 77 Fälle aufgetreten. Das
heißt, dass 29 Fälle allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen
sind. Das entspricht 1,2 zusätzlichen Fällen pro Jahr in den 5-km-Umkreisen der
KKW.
+ Bei den Leukämie-Neuerkrankungen wären im statistischen Durchschnitt 17 Fälle
bei Kindern unter 5 Jahren im 5-km-Umkreis zu erwarten gewesen. Tatsächlich
sind 37 Fälle aufgetreten. Das bedeutet, dass 20 Fälle allein auf das Wohnen im
5-km-Umkreis zurückzuführen sind bzw. pro Jahr zusätzliche 0,8 Fälle.
+ Das Risiko ist nicht nur im 5-km-Umkreis statistisch signifikant erhöht,
sondern bis hin zu 50 km Entfernung. Legt man diese Distanz zugrunde, muss von
mindestens 121 bis 275 zusätzlichen Neuerkrankungen ausgegangen werden. Das
wären pro Jahr 5 bis 11 zusätzliche Krebserkrankungen.
(Bundesamt für Strahlenschutz, Jahresbericht 2007, S.5ff.)
·
Italien; Ausstieg aus der Atomenergie
(Volksabstimmung 1987) rückgängig gemacht; Senat billigte Vorlage zum Neubau
von Kraftwerken
(Freie Presse Chemnitz 10.7.09 S.6)
·
Kernkraftwerke weltweit:
in Betrieb 435, im Bau 52; Planungsstadium 93;
der EPR ist der erste Reaktor der so genannten dritten Generation; die
modernste Maschine der Welt, ein Zwitter aus einer deutschen und einer
französischen Reaktorentwicklung; der EPR verfügt innen über eine
betonverstärkte Stahlhülle, welche die äußere Betonkuppel sicher abdichten
soll, sowie über ein Keramikbecken unter dem Reaktor. All diese Neuerungen
sollen die Höllenglut auffangen, wenn einmal alles richtig schief gehen sollte;
40% der Beschäftigten in den US-Kraftwerken gehen demnächst in Rente; die
Branche muss in den nächsten 10 Jahren 26.000 neue Beschäftigte einstellen,
selbst wenn sie kein neues AKW baut; aber nur 841 Nuklearingenieure schlossen
2008 ihr Studium in den USA ab
(Spiegel 42-2009 S.118ff)
·
ein ehemaliger Kampfpilot der israelischen Armee hat
ein Medikament entwickelt, das vor den Folgen radioaktiver Verstrahlung
schützen soll;
ionisierende Strahlung zerstört Zellbausteine und führt direkt zum Zelltod;
sie kann aber auch Veränderungen am Erbgut hervorrufen, die bei der nächsten
Zellteilung weitergegeben werden und zur Entstehung von Krebs beitragen;
bei dem Mittel CBLB502 (entdeckt von einem amerikanischen Molekulargenetiker)
handelt es sich um ein Protein, das aus Salmonellen gewonnen wird; seine
mutmaßliche Wirkung: das Bakterieneiweiß dockt auf einer strahlengeschädigten
Zelle an einen Rezeptor an, der normalerweise das Immunsystem aktivieren würde;
auf diese Weise wird das Selbstmordprogramm der beschädigten Zelle (Apoptose)
gestoppt, mit dem sie sich sonst aus dem Verkehr ziehen würde, um dem
Gesamtorganismus nicht zu schaden; so gewinnt sie Zeit, um beispielsweise
Reparaturen in Gang zu setzen;
angeblich genügt eine einfache Injektion;
Rhesusaffen wurden Strahlendosen ausgesetzt, wie sie Menschen nach der
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erlitten; von denjenigen Affen, die das
Medikament nicht erhielten, starben 70%, dagegen überlebten mehr als 60% der
behandelten Affen; das Medikament schlug auch noch erfolgreich anb, wenn 72
Sekunden seit der Bestrahlung vergangen waren;
CBLB502 könnte auch bei der Krebstherapie helfen, Strahlung besser zu
verkraften
(Spiegel 33-2009 S.111)
·
Pläne für Atommüll-Endlager in Böhmen;
geologische Erkundung von Militärgebieten in Tschechien abgeschlossen;
Truppenübungsplätze von Boletice bei Cesky Krumlov in Südböhmen und Hardiste in
der Nähe von Karlsbad in Westböhmen könnten geeignete geologische Voraussetzungen
für ein unterirdisches Lager biten; mit Baubeginn des Endlagers nicht vor 2050
zu rechnen
(Freie Presse Chemnitz, Pfingsten 2009, S.2)
·
Kernfusions-Laser-Anlage der National Ignition
Facility in Kalifornien;
Wasserstoff (in einer pfefferkorngroßen Kapsel , die an einem Roboterarm
schwebt; extrem kalt) wird mit Hilfe der Laser-Energie verdichtet, schließlich
zündet er selbst; für den Bruchteil einer Sekunde entsteht eine winzige
Mini-Sonne;
der Prozess kann theoretisch bis zu 100 mal mehr Energie liefern, als er
verbraucht;
etwa 6 Stunden dauert heute die Anlaufzeit für einen einzigen Laserschuss. Um
mit einer Fusionsanlage tatsächlich Energie zu gewinnen, müsste der Laser
jedoch 10 mal je Sekunde feuern
(Spiegel 45-2009 S.144ff)
·
Kernfusion; 2 Modelle konkurrieren;
ITER (Frankreich) und WENDELSTEIN 7X (Greifswald) im Bau;
Wendelstein: Typ Stellerator; zum Zünden wird Plasma in einem Magnetfeld
eingeschlossen und auf über 100 Mill. Grad aufgeheizt; Fertigstellung 2014
geplant, Kosten 800 Mill. Euro; Reaktor 3,5 Meter hoch 10 Meter
Außendurchmesser; um eine positive Energiebilanz zu erzielen, müsste er 5-10
mal so groß sein;
erstes funktionsfähiges Fusionskraftwerk frühestens in 30 Jahren
(taz 3.12.2010 S.18)
·
Ein Fast-Harrisburg in Greifswald Ende 1975;
Beinahe–Unfall in einem DDR-Kernkraftwerk
(Neue Zürcher Zeitung 16.2.2002, S.113)
·
Uran-Wiederaufarbeitung – China meldet Durchbruch
Gewinnung von Plutonium und Uran aus abgebrannten Brennstäben; statt bisher nur
50 bis 70 Jahre reichen so die in China entdeckten Uranbestände bis zu 3.000
Jahren
(taz 4.1.2011 S.08)
·
Atommüllentsorgung mit der Protonenkanone
abgebrannte Brennstäbe werden in Säure aufgelöst;
die langlebigen strahlenden Zerfallsprodukte werden chemisch abgetrennt und zu
neuen Brennstäben verarbeitet;
sie werden im „Transmutor“ „verbrannt“; dabei schießt ein Linearbeschleuniger
Protonen in den Reaktorkern, die Protonen treffen auf flüssiges Blei, die Kerne
zerplatzen und setzen Neutronen frei, diese spalten die radioaktiven Nuklide in
den Brennstäben (z.B. Plutonium); die Tochterkerne zerfallen relativ schnell
andere Isotope nehmen Neutronen auf (Neuroneneinfang) und bilden stabile
Atomkerne;
der Strahlenmüll muss nur für vergleichsweise kurze Zeiträume überwacht werden
(Focus 45-2010 S.88)
·
Der Naturreaktor
Natururan hat unabhängig von der Fundstätte immer die gleiche Zusammensetzung:
99,2739% U-238, 0,7205% U-235, 0,0056% U-234;
Deshalb war ein französischer Techniker, der das angelieferte Natururan
untersuchte, sehr erstaunt, als in seiner Probe nur 0,7171% U-235 enthalten
waren. Der naheliegende Verdacht: Das Uran stammte aus einem Reaktor (ein Teil
durch Kernspaltung „verschwunden“); Aber dann hätte man auch Spuren von U-236
finden müssen, das nur im Reaktor entsteht (Halbwertszeit 23 Millionen Jahre) …
Des Rätsels Lösung: Das Material stammte dennoch aus einem Reaktor, allerdings
aus einem, der vor Milliarden von Jahren von selbst in den Uranerzlagerstätten
von Gabun kritisch geworden war (es war zu einer spontan ablaufenden
Kernspaltungs-Kettenreaktion gekommen);
Vor Milliarden Jahren hatte Natururan noch einen Gehalt an spaltbarem Uran-235
von mehr als 3%, die für eine Kernspaltung in einem leichtwassermoderierten
„Reaktor“ nötig sind;
Wasser drang in das Erz ein, spontan stattfindende Kernspaltung fand statt,
Kettenreaktion setzt ein, Wärmeentwicklung vertreibt Wasser, Kettenreaktion
kommt zum Erliegen, nach Abkühlung und erneutem Eindringen von Wasser kommt
Kernspaltung erneut in Gang;
Naturreaktor war 500.000 Jahre lang aktiv, Leistung etwa 100 kW …
(Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen,
Fernstudienprojekt „Atom- und Kernphysik“; Lehrbrief 4 Kernenergie, 1986, S.47;
http://de.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor
)
·
Risikoforscher Ortwin Renn über die Folgen des
Reaktorunfalls in Fukushima (Erfahrungen in der Ethik-Kommission);
wir haben uns darauf spezialisiert, neben den statistisch errechneten
Risikowerten die von gesellschaftlichen Gruppen und Individuen getragenen
Risikowahrnehmungen empirisch zu erfassen;
Ich spürte bald, wie schwer es ist, in einer emotional aufgeladenen Stimmung so
etwas wie Ausgewogenheit und nüchterne Bestandsaufnahme zu vermitteln. Viele
Journalisten winkten sofort ab, wenn sie merkten, dass ich nicht in den
Jammerton der (An-)Klagelieder nach dem Motto „Ich habe es doch schon immer
gewusst“ verfiel, sondern vielmehr darauf hinwies, dass sich das Risiko
deutscher Kernkraftwerke durch Fukushima nicht verändert hatte. Selbst die
Feststellung, dass andere Energieträger auch ihre Risiken mit sich bringen und
dass man hier Risiken abwägen muss, stieß oft auf Unverständnis und
gelegentlich sogar auf schroffe Ablehnung und Häme.;
Ein besonders schwieriger Punkt war die ethische Bewertung der Kernenergie.
Hier prallten zwei diametrale Auffassungen aufeinander. Für die einen war die
Möglichkeit folgeträchtiger Katastrophen, die potezielle Mutationswirkung
radioaktiver Strahlung und die historisch kaum zu überblickende Zeit für die
sicherzustellende Endlagerung radioaktiver Abfälle Grund genug, die Nutzung der
Kernenergie kategorisch abzulehnen. Kategorisch bedeutet dabei: Bei einem solch
hohen Risiko darf der Nutzen nicht gegengerechnet werden. Für die anderen bot
eine solche Abwägung überhaupt erst die Grundlage für eine ethische Bewertung:
Erst wenn ich alle Risiken und Chancen miteinander in Beziehung setze und die
Bilanz von Nutzen und Risiko gegenüber anderen Alternativen in Vergleich setze,
kann ich zu einem rational begründbarem Urteil kommen.
In letzter Konsequenz bedeutet das kategorische Urteil, dass alle
Kernkraftwerke weltweit sofort abgeschaltet werden müssten. Zu diesem radikalen
Schritt wollte sich aber niemand in der Kommission durchringen. Von daher war
im Lager der kategorischen Kernenergie-Gegner die pragmatische Herangehensweise
konsensfähig, auf ein langsames Auslaufen der Kernenergie zu setzen, um die
Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Umgekehrt zeichnete sich auch im
Lager derjenigen, die eine bilanzierende Risiko-Nutzen-Abwägung bevorzugten,
die Bereitschaft ab, die Möglichkeit von großen Katastrophen und von
langfristigen Endlagerproblemen höher zu gewichten, als es den statistischen
Erwartungswerten entsprach. Dass ich mich zum abwägenden Lager zählte, dürfte
niemanden überraschen.;
Risiken von Risikowahrnehmungen zu trennen. Sieht man z.B. die statistischen
Risikowerte für den durchschnittlichen Deutschen an, so wird man eindeutig
erkennen, dass die Lebens- und Gesundheitsrisiken ständig abnehmen. Die
Lebenserwartung steigt, die Unfälle in Beruf, Freizeit und Verkehr gehen
zurück, und die Zahl der tödlich verlaufenden Erkrankungen ist im
Lebensabschnitt von der Geburt bis zum 60. Lebensjahr stark rückläufig. Die
Wahrnehmung der Risiken ist dagegen völlig anders: Es sind nicht nur 78% der
Deutschen der Meinung, dass die Risiken für Leben und Gesundheit zunehmen, die
Menschen fürchten sich auch vor allem vor Risiken, die sie als künstlich
begreifen, etwa Konservierungsstoffe in Lebensmitteln, und die von Technik oder
Fehlverhalten ausgehen, etwa von Kriminalität. Doch daran sterben in
Deutschland die allerwenigsten.;
dass es in Deutschland rund 12 mal häufiger zu Selbsttötungen kommt als zu
Tötungsdelikten – beide sind übrigens rückläufig;
wir sind nicht indifferent gegenüber der Risikoverteilung über die Zeit: Wir
fürchten uns mehr vor einem – einmal im Jahr zu erwartenden –Unfall ,it 365
Toten auf einen Schlag als vor 365 kleinen Unfällen mit jeweils einem Toten;
Duch den Rinderwahnsinn BSE sind ungefähr gleich viele Menschen in Europa ums
Leben gekommen wie durch das unachtsame Trinken von parfümiertem Lampenöl: rund
150. Während BSE ein internationaler Skandal wurde, bei dem Minister ihren Hut
nehmen mussten und völlig neue Kontrollinstanzen errichtet wurden, ist das Risiko
durch Lampenöl kaum jemandem bewusst.
Ähnliches gilt für die Beurteilung der Kernenergie: Großräumige Katastrophen
sind keinesfalls auf die Kernkraft beschränkt – auch die fossilen Energieträger
können das Weltklima und damit die Lebensqualität, aber auch die Sicherheit und
Gesundheit von Millionen Menschen gefährden. Und selbst bei den regenerativen
Energieträgern gibt es weitreichende Risiken, wenn auch ganz anderer Natur:
Sollte das Netz für einige Zeit zusammenbrechen, würde das für Deutschland und
auch für andere Industrienationen eine schwere Krise bedeuten, die nicht nur
essenzielle wirtschaftliche Verluste, sondern auch direkte und indirekte
Schäden an Gesundheit und Leben von Menschen auslösen würde. Langlebige Abfälle
gibt es zudem nicht nur in der Atomindustrie. Auch hochgiftige Schwermetalle
werden in Salzbergwerken endgelagert und behalten dort ihre Toxizität für ewig.
Eien Halbwertszeit wie bei radioaktiven Abfällen gibt es dort praktisch nicht.
Und ein letztes: Bei jeder Flugreise nehmen wir eine zusätzliche radioaktive
Belastung auf uns, die in der Summe alle routinemäßigen Emissionen der weltweit
rund 440 Kernkraftwerke bei Weitem übersteigt. ;
Es kann heute ziemlich sicher davon ausgegangen werden, dass sich die
Kernenergie in Deutschland durch effizientere Primärenergienutzung und eine
weitere Erhöhung des regenerativen Energieanteils wirtschafts- und
sozialverträglich ersetzen lässt. Der Weg über Effizienzverbesserungen und
regenerative Energiequellen ist insgesamt risikoärmer als der weitere Einsatz
der Kernenergie.
(bild der wissenschaft 12-2011 S.66ff.)
·
2019 wird … das Endlager Schacht Konrad eröffnet. Und
dann kommt der Müll. Jeden Tag werden zwei Lkw-Ladungen mit schwach- und
mittelradioaktivem Abfall über die Landstraßen der Region das ehemalige
Eisenerzbergwerk erreichen – 40 Jahre lang. Der Abfall wird in 800 Meter Tiefe
eingelagert, wo er für immer bleiben soll. So der Plan. Schacht Konrad darf in
Betrieb gehen, weil das Lager offiziell für „sicher“ befunden wurde. Sicher
heißt: Frühestens in 300 000 Jahren werden Radionuklide an die Oberfläche
gelangen – also Atome, deren Kerne radioaktiv zerfallen;
„In Deutschland wird es für hochradioaktiven, Wärme entwickelnden Abfall ein
sicheres Endlager geben“, sagt Horst Geckeis, Leiter des Instituts für Nukleare
Entsorgung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dirk Bosbach, Direktor
am Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung – wie das KIT in der
Helmholtz-Gemeinschaft – stimmt dem zu. Und auch Michael Sailer vom Öko-Institut,
Kritiker der Nutzung von Kernenergie sowie Vorsitzender der
Entsorgungskommission – ein Gremium, das Politiker in Endlagerfragen berät –
sagt: „Ein sicheres Endlager ist möglich.“ Dutzende deutscher Experten aus
verschiedenen Disziplinen versuchen nachzuweisen, dass ein Endlager für
hochradioaktiven Abfall die heute aufgestellten Sicherheitskriterien erfüllen
kann. Zum einen betrachten sie dazu die Geologie einer tiefengeologischen
Formation: Ist sie stabil? Ist sie gut gegen das Eindringen von Wasser geschützt?
Dann spielen Fragen aus der Chemie eine Rolle: Wie interagiert die Umgebung mit
der Wärme aus dem Abfall? Kann sie Temperaturen von 400 Grad Celsius
verkraften? Was passiert, wenn der Atommüll doch mit Wasser in Kontakt kommt?
Welche Stoffe lösen sich wie schnell, wie reagieren sie weiter? Und es gibt
technische Überlegungen: Welche Behälter sind am besten geeignet? Sollte man
sie vertikal oder horizontal lagern? Wie lassen sie sich am besten
verschließen? All das muss bei der Frage nach der Langzeitsicherheit
berücksichtigt und – das ist das Schwierigste – zusammengeführt werden;
Ein Salzstock etwa, in dem über Jahre Salz abgebaut wurde, wäre daher von
vornherein ungeeignet – so wie die Schachtanlage Asse in Niedersachsen. Der
Salzstock in Gorleben dagegen ist bis auf das Erkundungsbergwerk unangetastet.
Er käme also als Endlagerstandort infrage;
Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, die das Konzept einer Endlagerung
für mindestens eine Million Jahre infrage stellen. So regte Frank Schilling,
Leiter der Arbeitsgruppe Petrophysik am KIT-Institut für Angewandte
Geowissenschaften, vor Kurzem an, zunächst nach einem Standort Ausschau zu
halten, wo sich die radioaktiven Abfälle für rund 500 Jahre sicher lagern
lasse. Schillings Argumente: Ein solches Lager sei deutlich sicherer als die
derzeit genutzten oberirdischen Zwischenlager, es ließe sich weitaus schneller
verwirklichen als ein Langzeit-Endlager – und: künftige Technologien würden es
vielleicht ermöglichen, den Atommüll unschädlich zu machen. Schon heute kennen
die Forscher Techniken, die die Zeit bis zum weitgehenden Abklingen der
Radioaktivität auf ein paar Tausend Jahre verkürzen und die Abfallmenge
reduzieren könnten: sogenannte Partitioning- und Transmutations-Verfahren, kurz
„P und T“. „P und T sind interessante, aber noch zu erforschende Techniken, die
die Endlagerdauer von geologischen Zeiträumen auf technische reduzieren
könnten“, sagen der Jülicher Energieforscher Dirk Bosbach und
KIT-Nuklearexperte Horst Geckeis. Partitioning ist ein Trennverfahren. Der
Atommüll, der aus unterschiedlichen Elementen und Verbindungen besteht, soll in
möglichst viele und sauber separierte Einzelbestandteile getrennt werden. Das
passiert chemisch – und zurzeit nur im Labor. Später, wenn alles funktioniert, soll
der Prozess in großen Anlagen ablaufen. Das Problem: Die Elemente und
Verbindungen im hochradioaktiven Abfall sind chemisch sehr ähnlich. Sie zu
trennen, ist daher schwierig, wenn auch prinzipiell möglich. Um die Endlagerung
zu vereinfachen, bedarf es aber eines weiteren Schritts: der Transmutation.
Dazu werden radioaktive Stoffe mit Neutronen beschossen, um ihre Halbwertszeit
zu verringern. Plutonium-239 etwa hat eine Halbwertszeit von rund 24 000
Jahren. Durch Neutronenbeschuss kann man es in Cäsium-134 (Halbwertszeit: 2
Jahre) und Ruthenium-104 (nicht radioaktiv) spalten. Ein anderes Beispiel ist
Jod-129 – ebenfalls Bestandteil von hochradioaktivem Abfall – mit einer
Halbwertszeit von 17 Millionen Jahren. Transmutation kann es in das
nicht-radioaktive Xenon-130 verwandeln. Würden P und T optimal funktionieren,
ließe sich die Radioaktivität des Atommülls so stark verringern, dass man ein
Endlager für nur noch ein paar Tausend Jahre bräuchte;
Sollten P und T zum Einsatz kommen, müssten neue risikobehaftete Anlagen gebaut
werden. Am effizientesten wären die Techniken im Verbund mit Kernkraftwerken
neuer Generationen. Die Nutzung von P und T würde den Ausstieg vom Atomausstieg
bedeuten;
Bei radioaktivem Müll unterscheiden die Experten zwischen schwach-, mittel- und
hochradioaktivem Abfall. Für schwach- und mittelradioaktiven Abfall gibt es in
Deutschland das Endlager Schacht Konrad in Salzgitter, das sich im Ausbau
befindet. Es ist für die Einlagerung von rund 300 000 Kubikmeter Atommüll
zugelassen, was etwa dem Volumen eines mittelgroßen Containerschiffs
entspricht. Das wäre Prognosen zufolge der gesamte schwach- und
mittelradioaktive Abfall, der in Deutschland bis 2040 produziert sein wird –
darunter kontaminierte Schutzanzüge, medizinische Abfälle sowie alte
Anlagenteile aus Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren. Unklar ist noch, ob
in einigen Jahrzehnten der Atommüll vom benachbarten, einsturzgefährdeten
Salzbergwerk Asse teilweise nach Konrad umgelagert wird. Die Menge an
hochradioaktivem, Wärme entwickelndem Abfall, der an noch zu bestimmender
Stätte endgelagert werden soll, beträgt rund 40 000 Kubikmeter. Zum Vergleich:
Der Kirchenraum des Hamburger Michels umfasst 60 000 Kubikmeter. Vorgesehen
ist, dass die Kapazität eines einzigen Endlagers dafür ausreicht.;
Noch ist weltweit kein einziges Lager für hochradioaktiven Abfall in Betrieb.
Die Pläne dafür sind unterschiedlich weit gediehen – und verfolgen sehr
verschiedene Ansätze.
55 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Kernkraftreaktors im nordwestenglischen
Calder Hall gibt es weltweit noch immer kein Endlager für hochradioaktive
Abfälle. Jährlich fallen laut EU-Energiekommissariat allein in der EU etwa 7000
Kubikmeter hochradioaktive Abfälle an, die wiederaufbereitet oder in
Zwischenlager gebracht werden. Wann es in Deutschland ein Endlager für diesen
Müll geben wird, ist offen. Sollte sich der Standort Gorleben als geeignet
erweisen, könnte der Einlagerungsbetrieb wohl frühestens in den 2030er- Jahren
starten;
„Vielleicht ist es sinnvoll, einem erdbebengefährdeten Land wie Japan den
Atommüll abzunehmen.“;
Frankreich:
Voruntersuchungen gab es in Granit-, Salz- und Tongestein. Derzeit wird ein
möglicher Standort genauer erkundet: Seit dem Jahr 2000 ist bei Bure in
Lothringen ein Untertagelabor in Betrieb. In seiner Nähe soll der Abfall in
einer 130 Meter dicken Tonsteinschicht rund 500 Meter unter der Erdoberfläche
eingelagert werden. Der Ton von Bure weist kaum Verwerfungen auf, weshalb der
Eintritt von Wasser als höchst unwahrscheinlich gilt. 2015, so der Plan, fällt
die Entscheidung, ob dort Frankreichs Endlager gebaut wird. Frühestens 2025
könnte das Einlagern von hoch- und mittelradioaktiven Abfällen beginnen.
Geplant ist, den hochradioaktiven Müll so zu deponieren, dass er sich
zurückholen lässt. Das ist vor allem wegen der möglichen Weiterbearbeitung der
Abfälle durch Partition und Transmutation nötig ... Daher werden die
Abfallbehälter in horizontalen Tunneln von 70 Zentimeter Durchmesser und 40
Meter Länge abgelegt. Ein Stahlrohr stabilisiert den Tunnel, Beton dichtet den
Tunneleingang ab;
Finnland, Schweden:
In beiden Ländern sieht das konkret so aus: Die abgebrannten Brennstäbe werden
in einen massiven Stahlzylinder gepackt, der seinerseits von einem
Kupferzylinder umhüllt ist. Der Stahlzylinder soll vor allem für Stabilität
sorgen, der Kupferbehälter dient als Korrosionsschutz. Ein Kupferbehälter ist
rund fünf Meter lang und misst einen Meter im Durchmesser, die Wandstärke
beträgt fünf Zentimeter. Gefüllt wiegt jeder Zylinder etwa 25 Tonnen. Allein in
Schweden sollen 6000 dieser Behältnisse einzeln in Löchern im Granit versenkt
werden. Der Raum zwischen Behälter und Granit wird mit Bentonit aufgefüllt,
einem tonähnlichen Mineral, das Wasser aufnimmt, aufquillt und bindet – ähnlich
wie Katzenstreu;
(bild der wissenschaft 7-2011 S.88ff. - http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32667899
)
·
Günther Oettinger kann es einfach nicht lassen: Mit
dem Entwurf seines "Energie-Fahrplans 2050" präsentiert sich der
ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident und heutige
EU-Energiekommissar erneut als vehementer Verfechter der Atomkraft. In dem
Papier, das der taz vorliegt, spricht er von der "Kernenergie als einem
wichtigen Faktor" im zukünftigen Energiemix. Zwar habe der Unfall von
Fukushima, "die öffentliche Wahrnehmung der nuklearen Energie in einigen
Mitgliedstaaten geändert", gleichwohl werde die Atomkraft in jenen
Mitgliedstaaten, in denen sie weiterhin erlaubt ist, gebraucht.
Oettinger behauptet in dem Entwurf der "Roadmap", der Atomstrom könne
zu "niedrigeren Systemkosten und Strompreisen beitragen". Im Rahmen
einer groß angelegten "Low-Carbon-Option" werde die Nuklearenergie
daher im europäischen Stromerzeugungsmix erhalten bleiben. Allerdings kann der
CDU-Politiker nicht verschweigen, dass die Kosten für die Sicherheit, für die
Stilllegung der bestehenden Anlagen und für die Beseitigung der strahlenden
Abfälle "wahrscheinlich ansteigen" werden.
Die Sicherheit der Atomkraft werde "auch weiterhin Priorität für die
EU" haben, schreibt der Energiekommissar. Höchste Sicherheitsstandards
seien aber nur zu erreichen, wenn die entsprechende Kompetenz und
Technologieführerschaft in Europa erhalten bleibe. Zwar betrachteten
"wesentliche Teile der europäischen Öffentlichkeit die Risiken der
Kernenergie als nicht akzeptabel und die Frage der Entsorgung nuklearer Abfälle
als ungelöst", doch diesen Vorbehalten werde man mit "neuen
Kernkrafttechnologien" entgegentreten
(taz 24.10.2011 S.9)
·
Die
Internationale Atomenergiebehörde in Wien prognostizierte vergangene Woche,
dass weltweit zu den aktuell laufenden 432 Atomreaktoren bis 2030 noch einmal 90 bis 350 AKW
hinzukämen
(Die Zeit 15.9.2011 S.24)
·
Interview
mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann;
(Der Atommüll muss weg)
DIE ZEIT: Herr Ministerpräsident, auf dem Parteitag am Wochenende werden die
Grünen auffordern, gegen den Atommülltransport nach Gorleben zu demonstrieren.
Was sollen die Proteste noch, jetzt, wo der Ausstieg beschlossen ist?
Winfried Kretschmann: Demonstrieren ist ein Grundrecht. Man macht Druck. Aber
Protest macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr. Beschlossen ist: Deutschland
steigt aus der Atomkraft aus. Erst dadurch konnte die Endlagerfrage überhaupt
neu eröffnet werden, da man nun weiß, über wie viel Atommüll insgesamt geredet
wird. Alle Bundesländer haben zugestimmt. Deshalb muss man jetzt nicht nur
protestieren, sondern auch zusehen, dass es gemacht wird.;
ZEIT: Ausgerechnet ein Grüner bietet sich als Ministerpräsident an, in seinem
eigenen Bundesland nach einem Endlager für den gefährlichen Müll zu suchen.
Warum?
Kretschmann: Wir sind gegen Atomkraft. Aber der Atommüll ist da, und es kommt
immer noch welcher hinzu, bis zum endgültigen Ausstieg. Irgendwo muss das Zeugs
hin! Ich habe das gemacht, weil alles andere nicht verantwortlich ist. Der Müll
muss an den sichersten Standort. Da stellt sich die Frage nicht, ob es meiner Partei
nutzt oder ob ich mich unbeliebt mache. Der eigene Kirchturm kann kein Maßstab
sein. Es geht um Hunderttausende von Jahren. So will ich Politik machen:
gemeinwohlorientiert. Einzelinteressen müssen sich hinten anstellen. Ich konnte
das Verfahren nur deshalb wieder öffnen, weil jeder weiß, dass in meinem Land
mögliche geologische Formationen liegen. Die Chance musste ich ergreifen.;
ZEIT: Atomkraftgegner haben schon angekündigt, Ihnen aufs Dach zu steigen, wenn
Sie nach neuen Endlagerstätten suchen, ohne dass die Erkundung in Gorleben
endgültig aufgegeben wird. Da zeichnet sich doch ein weiterer Bruch zwischen
den Grünen und der Bewegung ab.
Kretschmann: Wir Grünen haben Vorbehalte gegen Gorleben. Gorleben ist in der
Tat ein großer Stolperstein in dem Verfahren, den ich aber nicht beiseite
räumen kann. Ohne diesen Kompromiss...
ZEIT: ...Gorleben wird weiter erkundet, aber es wird auch woanders gesucht...
Kretschmann: ...hätte die große Gefahr bestanden, dass es eben keine Suche
jenseits von Gorleben gegeben hätte. Jetzt suchen alle Bundesländer und der
Bund. Noch nie zuvor musste eine so schwierige Infrastrukturentscheidung in
Deutschland gefällt werden. Am Ende des Verfahrens werden die Standorte
verglichen, und der geeignetste wird ausgewählt: erstens auf der Grundlage
höchster Sicherheitsstandards, zweitens ausschließlich aufgrund
wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie drittens unter den Gesichtspunkten
Transparenz und Bürgerbeteiligung.;
(Die Zeit 24.11.2011 S.7)
·
S.3ff: Ortwin Renn: Wissen und Moral – Stadien der
Risikowahrnehmung;
Die Ereignisse in Fukushima haben in Deutschland zu einer deutlichen Zäsur in
der Bewertung von großtechnischen Risiken geführt: Alle politischen Parteien,
die im Bundestag vertreten sind, nahezu alle relevanten gesellschaftlichen
Gruppen sowie die Mehrheit der Bevölkerung haben sich auf einen Ausstieg aus
der Kernenergienutzung in Deutschland geeinigt. Dabei sind die Risiken der
Kernenergie in Deutschland nach Fukushima nicht anders zu bewerten als vorher.
Die Ethikkommission schreibt dazu: "Die Risiken der Kernenergie haben sich
mit Fukushima nicht verändert, wohl aber die Risikowahrnehmung. Mehr Menschen
als früher ist bewusst geworden, dass die Risiken eines großen Unfalls nicht
nur hypothetisch vorhanden sind, sondern dass sich solche Unfälle auch konkret
ereignen können. Somit hat sich die Wahrnehmung eines relevanten Teils der
Gesellschaft an die Realität der Risiken angepasst."
Angesichts der unveränderten Risikolage ist es verwunderlich, dass die Politik
so rasch und so gleichförmig auf die Ereignisse in Fukushima reagiert hat.;
Die Kernkraft war aber nicht die einzige Technologie, die nach gründlicher
Infragestellung durch Gegenexperten und Bürgerinitiativen in Misskredit geriet.
Es gab eine überbordende Stimmung der Ablehnung gegen die chemische Industrie,
Wiederaufbereitungsanlagen von Abfällen, Straßenbauplänen,
Flughafenerweiterungen und schließlich auch der Inbetriebnahme erster Labors
und Produktionsanlagen zur Anwendung von Gentechnik.;
Im ersten Jahrzehnt nach den Ereignissen von 1986 wurde die technische
Risikoelite in eine Verteidigungshaltung gedrängt. Doch nach 1996 drehte sich
der Wind von neuem. Die in der Nach-Tschernobyl-Zeit verschmähte Logik der
Experten wurde rehabilitiert, als bekannt wurde, dass die Katastrophen von 1986
so katastrophal, wie zu Anfang befürchtet, gar nicht waren. Der Rhein hatte
sich von dem Unfall in Schweizerhalle sehr viel schneller erholt, als selbst
die Optimisten es zu prognostizieren gewagt hätten. Die
"Challenger"-Katastrophe blieb bis auf ein weiteres Ereignis die
Ausnahme bei der Erkundung des Weltraums. Gemäß dem Urteil der meisten
Toxikologen und Strahlenforscher hatte sogar der große Reaktorunfall von
Tschernobyl wesentlich weniger Opfer hervorgerufen, als es in der Öffentlichkeit
dargestellt worden war.;
In der Tat kehrten viele Experten zum alten Stil zurück. Risikoabschätzung und
-bewertung sollten sich wieder an der Produktformel von Wahrscheinlichkeit und
Ausmaß orientieren und als Grundlage der staatlichen Risikobewertung dienen.
Vor allem kritisierten Risikoanalytiker die Regulierungsbehörden und mit ihnen
die Politik, sie würde ihre Entscheidungen statt auf Basis der harten,
wissenschaftlichen Daten auf Basis der in der Regel verzerrten
Risikowahrnehmungen der betroffenen Menschen treffen. Denn dadurch würden mehr
Menschen in Gefahr gebracht als bei nüchterner Abwägung der Risiken.;
S.7ff. Joachim Radkau: Eine kurze Geschichte der deutschen Atomkraftbewegung;
Die erste erfolgreiche Anti-AKW-Initiative der Welt begann 1958 in Kalifornien
und richtete sich gegen das Kernkraftprojekt an der Bodega Bay nördlich von San
Francisco. Am Anfang stand die Sorge um die Schönheit dieser Bucht; aber dann
brachte ein Insider die Widerständler auf die dortige Erdbebengefahr, und dieses
Argument erwies sich als durchschlagend.;
Längst in Vergessenheit geraten ist heute auch das Faktum, dass die ersten
europäischen Großdemonstrationen gegen geplante Kernkraftwerke - dort freilich
erfolglos - 1971 in Frankreich stattfanden und in französischen Traditionen der
action directe standen: die Bauplatzbesetzung am 12. April 1971 im elsässischen
Fessenheim und kurz darauf eine noch weit größere Massendemonstration am
Reaktorbauplatz von Bugey an der Rhône.;
Auf amerikanische Informationen gestützt, verfasste Holger Strohm, der Gründer
der bundesdeutschen Sektion der Friends of the Earth, das erste umfangreiche
deutschsprachige Kompendium von Anti-AKW-Argumenten, das in seinen späteren,
stets erweiterten Auflagen Bibelformat erlangte.;
Den Übergang von der Prähistorie zum Hauptstrom der Antiatomkraftbewegung
markiert in der Bundesrepublik der Protest gegen das seit 1968 im Bau
befindliche Kernkraftwerk Würgassen an der Oberweser.;
Der Kampf gegen das Würgassen-Projekt wurde jedoch noch nicht im Stil der 68er
mit Happenings und Massendemonstrationen, sondern vorwiegend mit juristischen
Mitteln geführt; die Leitung der Bürgerinitiative lag bei dem Karlshafener
Rechtsanwalt Horst Möller. Er bewirkte zwar keinen Baustopp - erst nach der
Inbetriebnahme desavouierte sich dieser Siedewasserreaktor durch seine häufigen
Pannen -, aber erreichte immerhin 1972 das "Würgassen-Urteil" des
Bundesverwaltungsgerichts. Dieses legte das den bis dahin doppelgesichtigen
Paragraphen 1 des Atomgesetzes von 1959, der die Förderung der Kerntechnik und
Gewährleistung der Sicherheit gleichrangig nebeneinanderstellte, nunmehr im
Sinne eines Vorranges der Sicherheit aus.;
Am 18. Februar 1975 besetzten mehre hundert Mitglieder einer seit 1972
bestehenden Bürgerinitiative (Oberrheinisches Aktionskomitee gegen
Umweltgefährdung durch Kernkraftwerke) den Bauplatz des geplanten
Kernkraftwerks Wyhl: Damit wurde erstmals die Schwelle zur illegalen Aktion
überschritten; und in diesem Fall führte der Widerstand am Ende zum Erfolg. Es
waren Bauern und Winzer aus der Region - Beobachtern fiel der große Anteil der
Frauen auf - sowie Studenten der nahe gelegenen Universität Freiburg, die sich
auf dem Bauplatz sammelten: eine in der bundesdeutschen Protestgeschichte bis
dahin ungewohnte Allianz.;
Vor allem als zwei Tage nach der Besetzung 650 Polizisten mit Wasserwerfern den
Bauplatz stürmten, obwohl sich die Besetzer gewaltlos verhielten, rückte der
Protest in die Hauptschlagzeilen, und allenthalben wogte den Widerständlern
eine Welle spontaner Sympathie entgegen.;
Bis dahin (1966) hatten es gerade viele "progressive" Intellektuelle
für einfältig gehalten, die zivile Atomkraft mit der Atombombe zu assoziieren,
und die Einsicht für aufgeklärt und fortschrittlich geglaubt, dass das
"friedliche Atom" mit seiner gebremsten Kettenreaktion geradezu eine
Gegenwelt zur Bombe sei. Fortan sickerte jedoch mehr und mehr die Sorge durch,
dass auf die Abbremsung der Kettenreaktion durch die "Moderatoren" in
Kernkraftwerken kein absoluter Verlass und daher die Assoziation des Atoms mit
der Bombe eben doch kein purer Aberglaube sei.;
Der Gedanke an den "Super-GAU", die über den (angeblich)
beherrschbaren "größten anzunehmenden Unfall" noch hinausgehende
Katastrophe, gab dem Protest gegen die Kernkraft eine neue Radikalität.;
Als den großen Wendepunkt im Atomkonflikt kann man das internationale
Gorleben-Symposium in Hannover Ende März 1979 ansehen, das zeitlich mit dem
Störfall von Harrisburg und der bis dahin größten Anti-AKW-Demonstration
zusammenfiel.;
Das Symposium hatte unter Vorsitz von Carl Friedrich von Weizsäcker getagt, der
- aus der Atomphysik kommend - als höchste geistige Autorität der atomaren
community galt. Aber selbst er ging auf Distanz zur Kerntechnik, vor allem mit
Blick auf das Terrorismusrisiko.;
Erst infolge der Reaktorkatastrophe in der Ukraine am 26. April 1986 grassierte
zum ersten Mal in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung eine existenzielle
Angst vor der Atomkraft. Seit dem 12. Dezember 1985 gab es in Hessen mit
Joschka Fischer erstmals einen grünen (Umwelt-)Minister. Er kam zwar nicht aus
der Anti-AKW-Bewegung und verfügte damals, wie er selbst später bekannte, über
keine ökologische Kompetenz,;
Ein Zurück zur Kohle war zumindest als Langzeitperspektive nicht akzeptabel;
denn gerade im Tschernobyl-Jahr 1986 ertönte auch der erste schrille
Klima-Alarm, der eine globale Erwärmung als Folge des wachsenden
Kohlendioxydgehalts der Atmosphäre prophezeite. Am 11. August 1986 brachte
"Der Spiegel" seinen berühmt-berüchtigten Titel, auf dem der Kölner
Dom zur Hälfte unter Wasser steht. Kein Wunder, dass es nach Tschernobyl zu
einer sofortigen großen Energiewende nicht kam.;
In seinen Zielen war der Protest von den Handlungsmöglichkeiten einer Zeit
beeinflusst, in der keine neuen Kernkraftwerke in Auftrag gegeben wurden: So
konzentrierte er sich auf die Transporte der abgebrannten Brennelemente zu dem
(provisorischen?) Endlager.;
S.29ff. Konrad Kleinknecht: Abkehr vom Klimaschutz:
Der überstürzte Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie hat schwerwiegende
Folgen: Deutschland wird massiv Strom aus den Kernreaktoren der Nachbarländer
Frankreich, Tschechien und der Schweiz importieren und viele Kohle- und
Gaskraftwerke bauen müssen. Die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid
(CO2) werden ansteigen, und die Klimaziele der Regierung können nicht erreicht
werden.;
Am 11. März 2011 bebten an der Ostküste der japanischen Insel Honshu die Erde
und der Meeresboden. Das Beben der Stärke 9 und der darauf folgende Tsunami
verursachten eine Havarie in den unmittelbar an der Küste gelegenen
Kernkraftwerken von Fukushima. Das Erdbeben führte zur kontrollierten
Abschaltung der Wärmeerzeugung in allen Reaktoren. Die Nachzerfallswärme wurde
zunächst durch die anspringenden Notkühlsysteme abgeführt. 46 Minuten später traf
eine 14 Meter hohe Welle auf die Küste, überspülte die zu niedrigen
Schutzmauern und zerstörte Dieselgeneratoren und Kühlwasserpumpen. Durch den
Ausfall der Kühlung schmolzen einige Brennstäbe im Inneren von drei der sechs
Druckbehälter. Der größte Teil des radioaktiven Inventars blieb in den
Sicherheitsbehältern, ein kleiner Teil wurde freigesetzt.
In Deutschland hat sich durch den Unfall in Japan sachlich nichts verändert.
Die Sicherheit unserer Kernkraftwerke ist gleich geblieben, Tsunamis kommen
nicht vor, Erdbeben sind tausendmal schwächer als in Japan, und gegen
Flugzeugentführer helfen Passagierkontrollen und Vernebelungstrategien. Trotz
der unveränderten Sicherheitslage in Deutschland empfand die Bundeskanzlerin
die Katastrophe in Japan als "Einschnitt für die Welt und mich
persönlich".;
Allerdings erklärte der Vorsitzende dieser Kommission, Klaus Töpfer, schon vor
dem Beginn der Beratungen, das Ergebnis solle der Ausstieg aus der Nutzung der
Kernenergie sein. Die Kommission hat diese Empfehlung in ihrem Bericht auch
ausgesprochen. Erstaunlich ist dabei, dass sie einerseits fordert, der
Zeitrahmen für den Ausstieg müsse so bemessen sein, dass eine alternative
Stromerzeugung aufgebaut werden kann, aber andererseits dafür einen engen
Zeitrahmen von zehn Jahren empfiehlt. An keiner Stelle des Berichtes wird der
Versuch unternommen, für diese kühne Forderung eine konkrete quantitative
Begründung zu geben. Für die Umstellung unserer gesamten Stromversorgung und
damit unserer Wirtschaft ist das ein unrealistisch kurzer Zeitraum, der weniger
auf rationalen Überlegungen als auf dem Prinzip Hoffnung beruht.;
Im Gegensatz zu dem Ausstiegsplan der Regierung Schröder, der mit der Industrie
abgestimmt war und von dieser als realisierbar eingeschätzt wurde, ist dieses
Gesetz ohne Anhörung der Industrie und gegen sie beschlossen worden.;
S.37ff. Manfred Bürger u.a. Fukushima: Gefahr gebannt? Lernen aus der
Katastrophe:
Das Erdbeben und der Tsunami vom 11. März 2011 haben in Japan unvorstellbare
Zerstörungen, den Tod von wohl mehr als 20000 Menschen und die Verwüstung
ganzer Städte hervorgerufen. Das Hauptthema in Deutschland war jedoch der
Reaktorunfall in Fukushima.
Das Ringen um die Kernschmelze und die Freisetzung von Radioaktivität
beschäftigte die deutsche Öffentlichkeit, aktualisierte Ängste und führte
schließlich zur Rücknahme der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke und zur
sofortigen Stilllegung von Anlagen in Deutschland. Die Naturkatastrophe
verblasste demgegenüber in der Wahrnehmung.;
Eine Einschätzung aller Folgen des Unfalls ist nach wie vor schwierig. Im
Vergleich zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 ist nach vorliegenden
Informationen viel weniger radioaktives Material freigesetzt worden, vor allem
weil es in Fukushima keine unkontrollierte nukleare Kettenreaktion
("nukleare Exkursion") und keinen Graphitbrand gab wie in
Tschernobyl. Die Wasserstoff-Explosionen öffneten dagegen hauptsächlich nur
Pfade für die Freisetzungen, die sich daher auf die nähere Umgebung
konzentrierten. Die gesundheitlichen Auswirkungen der freigesetzten
radioaktiven Stoffe sind noch schwerer zu beurteilen. Als Unfallfolgen sind
aber auch die Belastungen aus der Evakuierung von mehr als 100000 Menschen zu
betrachten sowie die Unsicherheiten mit den fortbestehenden Gefährdungen.;
Es drängt sich somit der Eindruck auf, dass der "Stresstest" vor
allem der Argumentation für den politisch gewollten Ausstieg dienen sollte.;
S.42ff. Raffaela Hillerbrand: Von Risikoabschätzungen zum „guten Leben“ – oder
umgekehrt?:
Die Risikoanalyse einer einzelnen Technik bleibt damit immer unvollständig;
sinnvoll sind nur Risikoanalysen ganzer Energieszenarien. Die Risiken der
Energieversorgung sind hier insbesondere auch gegen die Risiken der
Nichtversorgung abzuwägen. Ein Zusammenbruch der Stromnetze hat gravierende
Auswirkungen in den Großstädten hochentwickelter Länder (Intensivstationen in
Krankenhäusern, Aufzüge in Hochhäusern, Verkehrsampeln und vieles mehr);
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Zeitung Das Parlament, Heft 46-47/2011
„Ende des Atomzeitalters?“ - http://www.bpb.de/publikationen/13SS6I,0,Ende_des_Atomzeitalters.html
)
·
Tschechien plant zwei neue Reaktoren für Temelin;
der tschechische Energiekonzern CEZ plant, bis 2025 die Zahl der Reaktorblöcke
in Temelin von zwei auf vier zu erhöhen; Um den Auftrag bewerben sich die
US-Firma Westinghouse, die französische AREVA und das russisch-tschechische
Konsortium aus Atomstrojexport, Gidropress und Skoda JS;
Tschechien betreibt derzeit AKW in Temelin und Dukovany mit insgesamt sechs
Reaktorblöcken. Atomkraft deckt ungefähr ein Drittel des tschechischen
Strombedarfs
(Freie Presse Chemnitz 2.11.2011 S.7)
·
Ob Salz, Ton oder Granit: In Deutschland gibt es
viele potenzielle Endlagerstandorte - und ein fertiges Konzept für ein
Suchverfahren. Doch erkundet wird bisher nur in Gorleben. Der Druck, das zu
ändern, steigt;
vor wenigen Wochen haben sich Bund und Länder darauf verständigt, die Suche
nach einem Endlager nun im "Konsens" zu lösen und dafür bis zum
Sommer ein Verfahren zu entwickeln und einen Gesetzentwurf vorzulegen.
"Alle gesellschaftlichen Gruppen sollten sich an diesem ergebnisoffenen
Prozess beteiligen", sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen. "Es
ist unverständlich, wenn auf eingefahrenen Wegen weiter demonstriert wird, als
sei nichts geschehen.";
Das Bundesamt für Stahlenschutz (BfS), eine dem Umweltministerium
untergeordnete Behörde, ist für die Atommüllendlagerung zuständig und formaler
Betreiber des Erkundungsbergwerks Gorleben. Der Leiter Wolfram König begrüßt
die Einigung von Bund und Ländern auf den Neubeginn zwar als "ganz
wichtiges Signal", doch das die Arbeiten im Salzstock währenddessen
weitergehen sollen, hält er für problematisch. "Ich glaube, dass eine
Weitererkundung von Gorleben die Glaubwürdigkeit einer parallelen Standortsuche
belastet, weil der Eindruck entstehen kann, dass es eine Vorfestlegung auf
Gorleben gibt", sagte König der taz. Die Politik müsse jetzt einen Prozess
organisieren, bei dem deutlich sei, "dass es wirklich um eine offene Suche
geht, so wie von Bundesumweltminister Norbert Röttgen zugesagt - und dass es
nicht darum geht, Akzeptanz für Gorleben zu schaffen."
Auch die Grünen drängen auf einen Baustopp als Voraussetzung für eine neue
Endlagersuche.;
Dass ihr Parteifreund Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von
Baden-Württemberg, gegenüber Röttgen nun sogar auf die Forderung nach einem
Baustopp verzichtet hat, hat in der Partei für großen Ärger gesorgt - denn es
widerspricht der offiziellen Beschlusslage.;
Falls man sich auf einen "Neustart" einigen würde, müsste die Suche
dennoch nicht bei null beginnen. Sowohl für potenziell geeignete Standorte als
auch für das Suchverfahren gibt es umfangreiche Vorarbeiten, auf die
zurückgegriffen werden könnte. Im Auftrag der rot-grünen Regierung hatte ein
Gremium von Experten, der "Arbeitskreis Auswahlverfahren
Endlagerstandorte" (AkEnd), von 1999 bis 2002 einen Katalog von
Mindestanforderungen und Ausschlusskriterien definiert. Es wurde ein Verfahren
entwickelt, bei dem zunächst viele Standorte theoretisch, dann mehrere durch
oberirdische Untersuchungen und schließlich mindestens zwei durch untertägige
Erkundungen verglichen werden.
Während das Konzept in Deutschland nie umgesetzt wurde, gilt es international
als vorbildlich. Die Schweiz etwa richtet ihre Endlagersuche daran aus.;
Salz gilt in ungestörtem Zustand als
undurchlässig gegenüber Gasen und Flüssigkeiten, und es hat eine hohe
Wärmeleitfähigkeit - was wichtig ist, weil der Atommüll über einen langen
Zeitraum Hitze abgibt. Zudem hat Salz die Eigenschaft, Hohlräume schnell wieder
zu schließen. Dadurch wäre eingelagertes Material zwar besonders sicher
verwahrt, könnte aber von späteren Generationen nur unter sehr hohem Aufwand
wieder zurückgeholt werden, falls das irgendwann nötig oder sinnvoll erschiene.
Mögliche Standorte liegen ausschließlich in Norddeutschland.
Ton hat ebenfalls eine sehr geringe
Durchlässigkeit. Als Vorteil gilt, dass es nicht wasserlöslich und sehr haltbar
ist. Allerdings leitet Ton die Wärme schlechter ab als Salz, so dass die
Abfälle bei der Einlagerung bereits stärker abgekühlt sein müssten. Auf Ton als
Wirtsgestein setzen bei ihrer Endlagersuche die Schweiz und Frankreich. In
Deutschland liegen geeignete Formationen vor allem in einem breiten Band in
Norddeutschland sowie im Grenzgebiet von Baden-Württemberg und Bayern.
Kristallingesteine wie Granit sind
ebenfalls sehr stabil; sie leiten die Wärme aber ebenfalls schlechter. Zudem
müsste sichergestellt werden, dass es keine Risse gibt, durch die Flüssigkeit
eindringen könnte. Ein Endlager in Kristallingestein wird derzeit in Finnland
gebaut. Mögliche deutsche Standorte liegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Bayern.
(dabei eine Karte mit möglichen Endlagerstandorten, in Sachsen Kirchberg
ausdrücklich benannt)
(taz 26./27.11.2011 S.3)
·
die Bundesregierung will zahlreiche europäische
Forschungsprojekte kürzen, um 1,3 Milliarden Euro Mehrkosten für den
internationalen Kernfusionsreaktor ITER aufbringen zu können;
grundsätzlich infrage stellen will die Bundesregierung das ITER-Projekt nicht.
Strom könne zwar nicht vor 2050 produziert werden, doch der Anstieg des
Energieverbrauchs mache es nötig, die Technologie zu erproben
(Der Spiegel 45-2011 S.20)
·
Kein Bedarf an Dialog in Gorleben
Absagen von Referenten, kaum Zuschauer, Boykott durch die Atomkraftgegner - der
Auftakt zum "Gorleben-Dialog" von Bundesumweltminister Norbert
Röttgen (CDU) war ein Reinfall. Beim "Fachdialog" zum Thema
Endlagerung ging es am Mittwoch in Hitzacker um Gasvorkommen im Gorlebener
Salzstock. Ein Bündnis der Gorleben-Gegner hatte die Teilnahme an der
Veranstaltung und der gesamten Dialoginitiative schon im Vorfeld
ausgeschlossen. Röttgens Angebot spiegele Transparenz und Einflussmöglichkeiten
nur vor. Denn gleichzeitig werde im Dreischichtenbetrieb im Salzstock weiter
gebaut und das Verfahren zur Durchsetzung eines Endlagers "unbeirrt
weitergeführt." Mit dem Kieler Geologen Ulrich Schneider sagte auch der
einzige kritische Wissenschaftler für Mittwoch ab: Er wolle nicht "als
Feigenblatt für eine Öffentlichkeitsbeteiligung missbraucht" werden.
Die Resonanz war gering: Das knapp 40-köpfige Publikum bestand überwiegend aus
Presse- und Behördenvertretern; im Internet verfolgten weniger als 100 Nutzer
die Veranstaltung.
(taz 14.10.2011 S.9)
·
Eines
der acht stillgelegten deutschen Atomkraftwerke soll nun vermutlich doch noch
als sogenannte Kaltreserve bis März 2013 in betriebsfähigem Zustand gehalten
werden. Diese Möglichkeit hat die Bundesregierung mit der am letzten Freitag
verabschiedeten Novelle des Atomgesetzes ausdrücklich geschaffen. Und einiges
deutet darauf hin, dass die zuständige Bundesnetzagentur von ihr Gebrauch
macht.;
Die Alternative, eine fossile Kaltreserve vorzuhalten, habe sich "bislang
nicht als tragfähige Option entpuppt", sagt Netzagentur-Chef Matthias
Kurth. Die bisher vorliegenden Zahlen sprächen "eher dafür, dass wir eines
dieser Kernkraftwerke benötigen werden"
(taz 14.7.2011 S.7)
·
Premierminister
Naoto Kan kündigte an, Japan wolle in "Etappen" aus der Atomkraft
aussteigen, gab aber keinen genauen Zeitplan an. Sein Land werde "eine
zukünftige Gesellschaft ohne Kernkraftwerke schaffen". Japan solle an
einer Gesellschaft arbeiten, die nicht von der Atomkraft abhängig sei. Der Plan
bedeutet eine Abkehr von der früheren Regierungslinie. Japan bezieht etwa 30
Prozent der Energie aus Atomkraft.
(taz 14.7.2011 S.7)
·
In
Schaffhausen ringen Bürger nach eidgenössischer Tradition um einem Konsens:
Soll bei uns Atommüll vergraben werden?;
Kein verordnetes Atomklo, sondern lebendige Demokratie: Wie die Schweizer ein
Tieflager für ihren strahlenden Atommüll suchen;
Vorträge und Diskussionsrunden sind angekündigt, am Ende kann man sich für
einen Platz in der Regionalkonferenz bewerben.
Das ist der Grund, warum Raschle und viele andere hier sind. 100 Mitglieder
wird die Konferenz zählen. Vertreter von Gemeinden, Kirchen, Vereinen, Parteien
und Einzelpersonen wie Raschle. Alle, die sich von einem möglichen
Atommüllendlager in der Region betroffen fühlen. Die Konferenz steht im
Austausch mit der Kantonsregierung, dem Energieministerium, dem
Nuklearsicherheitsinspektorat, der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung
radioaktiver Abfälle. Sie soll beraten, entscheiden darf sie nicht.;
"Hier sollen lebensgefährliche Substanzen eingelagert werden, das macht
Angst", sagt Sattler. Viele Bedenken spielten sich auf der emotionalen
Ebene ab.
Das ist kaum verwunderlich. Bisher gibt es weltweit kein einziges Tiefenlager
für hochradioaktiven Müll, Erfahrungen fehlen. Auch wenn Schaffhausen verschont
bliebe: Drei der sechs potenziellen Standorte liegen in unmittelbarer Nähe zur
deutschen Grenze. Die Wahrscheinlichkeit, das Jestetten betroffen ist, liegt
also bei 50 Prozent.;
Es ist ein weltweit einmaliges Experiment. Ein Projekt, das zwei
Grundprinzipien der Schweizer Politik verbindet: die Bemühung um Konsens und
einen langen Atem. Mindestens vier Jahre wird es bis zur Entscheidung noch
dauern, mindestens zwanzig, bis das Endlager in Betrieb genommen wird.
(taz 18.7.2011 S.5)
·
Eon
plant AKW an der Ostsee
Der Energiekonzern will an der Westküste Finnlands einen neuen Reaktor bauen.
In der strukturschwachen Region droht kaum Widerstand gegen das
Milliardenprojekt
Pyhäjoki ist eine kleine Gemeinde mit 3.500 EinwohnerInnen in Westfinnland.
Hier will das von Eon geführte finnische Energiekonsortium
"Fennovoima" ein neues AKW bauen. Nach dem russischen AKW Kola bei
Murmansk wäre dies das zweitnördlichste AKW der Welt. Die in der vergangenen
Woche gefasste Standortentscheidung ist der erste derartige Beschluss nach der
Reaktorkatastrophe von Fukushima.;
Als Baubeginn ist das Jahr 2014 oder 2015 avisiert, 2020 soll das Atomkraftwerk
ans Netz gehen. Man rechnet mit einem Investitionsvolumen von sechs Milliarden
Euro.
(taz 10.10.2011 S.9)
·
Der
grüne Umweltminister Franz Untersteller von Baden-Württemberg will im nächsten
Jahr die Suche nach einem Endlager neu aufrollen. Sein Plan beinhaltet vier
Phasen. In Phase I sollen auf der Basis vorhandener geologischer Daten bis 2014
vier mögliche Standortgebiete ausgewählt werden. In Phase II könnten diese
Standorte mit Bohrungen näher untersucht werden - bis spätestens 2021 sollen
nur noch zwei Standorte zur Wahl stehen. Phase III ist die Untersuchung unter
Tage und Phase IV schließlich die Auswahl eines Endlagerstandorts.
Voraussetzung ist für Untersteller, dass Bundestag und Bundesrat bis 2012 ein
Gesetz verabschieden, das den Zeitplan und den Ablauf der Standortsuche für ein
Endlager festlegt, die Finanzierung und die Zuständigkeiten im Auswahlverfahren
regelt und eine Beteiligung der Öffentlichkeit im Verfahren festschreibt.
Grundsätzlich sollten nur Ton- und Salzgesteine in die Suche einbezogen werden.
Untersteller spricht sich gegen die Rückholbarkeit der Abfälle aus.
(taz 10.10.2011 S.9)
·
Ein
halbes Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima können psychosoziale
Belastungen zu mehr Opfern führen als die Radioaktivität.;
Zunächst die guten Nachrichten: Ein halbes Jahr nach der Nuklearkatastrophe in
Fukushima ist die Strahlenbelastung im Umfeld der Reaktoren kontinuierlich
gesunken. Deutlich reduziert hat sich auch der Anteil strahlenbelasteter
Lebensmittel. Und entgegen anderslautender Befürchtungen kam es zu keiner
größeren Verseuchung durch die gefährlichen Abfallprodukte Strontium und
Plutonium.;
Im Rückblick offenbart sich auch, dass die Weltgemeinde in Bezug auf das
Unfallgeschehen zumindest in einem Punkt einem Irrtum aufgesessen ist: Der »GAU
im Abklingbecken«, der global Schlagzeilen machte, fand gar nicht statt. Dabei
schien die Sache eindeutig.
Als nach den spektakulären Explosionen der Reaktorblöcke 1 und 3 in Fukushima
eine heftige Detonation auch Block 4 zerstörte, war das ein kerntechnischer
Schock. Denn Block 4 hatte als unproblematisch gegolten, weil sein Reaktor
wegen Wartungsarbeiten längst stillstand. Alle Brennelemente waren entladen und
ruhten im tiefen Wasser des Abklingbeckens.
Als aus diesem plötzlich bedrohliche Dampfschwaden emporquollen, schien die
Lektion klar: Wenn volle Abklingbecken tagelang ungekühlt bleiben, entwickeln
sie eine Brisanz wie havarierte Reaktoren. Die Konstrukteure der Meiler hätten
neben der Wucht von Tsunamis auch das Gefahrenpotenzial abgebrannter
Kernbrennstäbe unterschätzt, hieß es überall, ob in der New York Times, in der ZEIT
und auf ZEIT ONLINE. Heute weiß man es besser;
Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa hat eine plausiblere Erklärung für die
Explosion im Block 4: Der brisante Wasserstoff kam von nebenan, aus Block 3.
Die beiden benachbarten Reaktorgebäude teilen sich einen turmhohen Kamin, der
zwischen ihnen wie ein kleiner Eiffelturm aufragt. In diesen pusten sie unten
ihre Abluft hinein, durch ein gemeinsames, dickes Abgasrohr. Im Block 3
erzeugte die Kernschmelze viel Wasserstoff, von dem ein Teil über das gemeinsame
Rohr in Block 4 gelangte.
Ein Rückschlagventil, das den Gasstrom in die falsche Richtung hätte stoppen
können, gab es nicht, schreibt die Nisa lapidar. So sammelte sich Wasserstoff
im unteren Teil von Block 4 und detonierte. Dabei flogen Seitenwände heraus,
und oben stürzte das Dach ein. Dieser Unfallverlauf klingt überzeugend.
Experten wie Sven Dokter warnen jedoch davor, nun diese Version als endgültige
Wahrheit zu betrachten. Denn der Kenntnisstand über Fukushima wandelt sich
beständig. Und die These vom Becken-GAU hatte zunächst ja auch allen
eingeleuchtet.;
die beiden gefährlichen Stoffe Strontium und Plutonium besitzen, dem Bericht
zufolge, »nach bisherigen Erkenntnissen keine Relevanz für die
Strahlenexposition nach der KKW-Havarie«.
Wegen der Verunsicherung in Japan hatte die Botschaft in Tokyo deutsche
Experten als Berater einfliegen lassen. Einer von ihnen war Bernd Grosche vom
Bundesamt für Strahlenschutz. Er sieht große Unterschiede zwischen den
Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl, obwohl beide in die höchste
Gefahrenstufe 7 der internationalen Bewertungsskala eingeordnet wurden. So gab
es in Tschernobyl massive Freisetzungen von Strontium und Plutonium, »vor allem
wegen der höheren Temperaturen und des tagelangen, offenen Brandes des zerstörten
Reaktors«, sagt Grosche. Und radioaktives Jod, das besonders über die Milch
aufgenommen wurde, verursachte bei Tausenden Kindern und Jugendlichen
Schilddrüsenkrebs. Eine solche Erkrankungswelle ist in Japan voraussichtlich
nicht zu erwarten. Dort wurde die Bevölkerung schneller gewarnt und evakuiert,
Lebensmittelkontrollen erfolgten viel effektiver.;
Den aktuell tobenden Streit um Grenzwerte in Japan, etwa ob 1 oder 20
Millisievert (mSv) an jährlicher Strahlenbelastung für Schulkinder zulässig seien,
und das Hin- und Herschwanken der japanischen Regierung in dieser Frage hält
Paretzke für wenig hilfreich. »Solche Belastungen kommen vielerorts auch durch
natürliche Strahlung vor«, sagt er. Und epidemiologische Studien konnten in
solchen Regionen keine erhöhten Krankheitsraten feststellen.
Paretzke plädiert daher dafür, dass sich der Katastrophenschutz weniger an oft
politisch gefärbten Vorsorgewerten orientieren dürfe, sondern stärker den
Menschen und seine grundlegenden psychosozialen Bedürfnisse berücksichtigen
müsse. »Weil Evakuierte Haus und Heimat, meist auch ihre Jobs und
Zukunftsperspektiven verlieren, können Stress und Angst ihre Gesundheit viel
stärker gefährden als niedrige Strahlendosen.«
(Die Zeit 8.9.2011 S.49)
·
hydrothermale Karbonisierung:
eine Art Dampfkochtopf, in dieses Gefäß wird Stroh. Holz, Gras oder Laub
gefüllt, weitere Zutaten sind Zitronensäure oder Eisen als Katalysator;
von Luftzufuhr abgeschlossen unter Druck auf 180 Grad erhitzt 12 Stunden lang;
danach ist aller Kohlenstoff, der in der Biomasse war, als
(Braunkohle-)Kügelchen in einer schwarzen Brühe vorhanden
(bdw 10/06 S.7)
·
Kohleherstellung aus Pflanzen:
Verwandlung von Biomasse zu Kohle, die in einem Kohleflöz mehrere Millionen
Jahre dauerte;
wird der Gärungsprozess schon nach 8 Stunden gestoppt, ist Humus entstanden;
Ertrag Effizienz Biomasse:
Rapsölmethylester Ertrag je Hektar und Jahr: 1550 Liter Diesel
Bioethanol durch alkoholische Gärung: 1650 Liter Benzin je ha x a
“Biomass to liquid“, „Sun diesel“
(Choren Freiberg) ganze Pflanzen: 4000 Liter/ha x a
Biomethan: 5000 l/ha x a
hydrothermale Karbonisierung (bei Nutzung von Schilfgras): 14 Tonnen Kohle / ha
x a
(Spiegel 30/2006 S.121)
·
feuchte Pflanzenreste wären am besten in
Biogasanlagen aufgehoben;
Produkt sollte nicht in Strom umgewandelt werden, sondern direkt als
Erdgasersatz genutzt werden;
Energieausbeute Raps: 1000 l Biodiesel;
Biomass to liquid: etwa 3-4facher Hektarertrag; am Ende enthält der Biosprit
nur 36-52% der Energie, die ursprünglich in Stroh oder Holz steckte; wird
Biomasse direkt verbrannt, werden rund 70% des Energiegehalts genutzt;
skurrile Blüte der Subventionslandschaft: „Heizen mit Weizen“
(Zeit 23.11.06 S.39)
·
(31) etwa 10% des heutigen Weltenergieverbrauchs
stammen aus Bioenergie;
Abschätzung des Potenzials (Ökoinstitut):
|
Region |
Europa |
Welt |
derzeitiger |
|
|
Potenzial in Exajoule |
|
|
|
|
|
Holz |
4 |
41,6 |
|
|
|
Halmgut |
1,6 |
17,2 |
|
|
|
Dung |
0,7 |
7,6 |
|
|
|
Anbau spezieller |
2,6 |
37,4 |
|
|
|
Gesamt |
8,9 |
103,8 |
450 |
|
andere Schätzungen der Potenziale erreichen fast 1500 EJ pro
Jahr
(Kirche im ländlichen Raum, Heft 1/06: „Wetter-Aussichten“,
Altenkirchen)
·
Penkun Südostvorpommern;
größte Biogasanlage der Welt im Bau;
40 Betonbottiche Durchmesser 28 Meter; Maisertrag von 6000 Hektar, 200.000
Tonnen pro Jahr; Vergärung zu Methan; in 40 Motoren zu Strom umgewandelt;
konstante Einspeisung mit 20 Megawatt ins deutsche Stromnetz;
wer noch Vieh hält, ist der Dumme: Maislieferant braucht nur 1 Saisonkraft zur
Bestellung seiner 350 Hektar Maisfläche (vorher bei Viehhaltung 7
Beschäftigte); Rechnen mit Einnahmen brutto von 1000 Euro je Hektar und Jahr;
der jährliche Hektarertrag aus Energiepflanzen erreicht 20 Tonnen Trockenmasse
(etwa bei Schilfgras), das entspricht einem Heizwert von etwa 9000 Liter Erdöl;
Diplomarbeit: der gesamte derzeitige weltweite Mineralölbedarf könnte mit
Biomasse befriedigt werden; 1/5 der Ackerfläche würde reichen; in Deutschland
geschätzt: 20 % des Primärenergiebedarfs
ein Fünftel der Ackerfläche der USA 2007 für Ethanolproduktion genutzt;
arme Länder produzieren zunehmend Pflanzenöle zur Biodieselverarbeitung an den
Hauptabnehmer Europa (z.B. Indonesien Palmöl; hungern Menschen, damit andere
Auto fahren können?);
in Brasilien mit Zuckerrohr 6000 Liter Ethanolertrag pro Hektar, in den USA auf
Maisbasis manchmal nur 1000 Liter; abzüglich weiterer 150 Liter Treibstoff für
die Technik und 150 Liter für die Düngung;
Nutzen ganzer Pflanzen bringt besseren Ertrag;
im sächsischen Freiberg – mit SHELL als Partner – Choren Industries:
Dieselkraftstoff aus Holz nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren (BtL Biomass to
Liquids; Ertrag erwartet: 4000 Liter brutto pro Hektar und Jahr;
Biogasproduktion bringt 5000 Liter pro Hektar und Jahr;
(Spiegel 8/2007 S.104ff)
·
Preis für einen Doppelzentner Weizen lag vor 1 Jahr
bei 10 Euro, Anfang Mai 2007 bei 15 Euro
(ZEIT 31.5.07 S.15)
·
Getreidepreis für Brot 150-160 Euro/Tonne; vor
wenigen Monaten noch 110
(Freie Presse Chemnitz 21.6.07)
·
vor Erfindung des Verbrennungsmotors wurde ein
Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland für Energieerzeugung
benötigt – Futtermittelanbau für Pferde und Ochsen;
in Deutschland etwa 17 Mill. Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt;
würden auf 2 Mill. Hektar Pflanzen zur Biogaserzeugung angebaut, könnten 20%
der derzeitigen Erdgasimporte ersetzt werden;
Ertrag von 1 ha Mais etwa 33.000 kWh Biogas; als Kraftstoff eingesetzt Ersatz
für 5000 Liter Diesel; bioethanol aus Getreide bringt nur 1700 Liter/ha;
Biodiesel (Raps) 1400 Liter/ha
(Das Parlament 14./21.5.07 S.9)
·
Experten gehen davon aus, dass 15% des gesamten
Energiebedarfs (in Deutschland) aus Biomasse gewonnen werden könnten;
Probleme (BUND):
Abwärme bleibt bisher weitgehend ungenutzt;
Intensivierung der Produktion bei Energiepflanzen (mehr Dünger, mehr Pestizide,
Gentechnik?)
(taz 12.4.07)
·
„Bioenergie-Boom könnte Bier teurer machen“; Preis je
Tonne Braugerste seit 2005 von 225 auf 410 Euro gestiegen
(Freie Presse Chemnitz 5./6.4.07)
·
(T1 ff) schon heute werden auf zwei von fast 12
Millionen Hektar Ackerfläche in Deutschland Energiepflanzen angebaut (16% der
Flächen); Steigerung auf drei Mio. ha möglich;
Grafik: 2006 etwa 1.600.000 ha;
“Kornkraft statt Kernkraft“;
3500 Biogasanlagen bundesweit, vor 2 Jahren erst 21000;
(T8) Damit Bioenergie als nachhaltig gelten kann, muss sie eine Reihe von
Bedingungen erfüllen:
Ihre Nutzung muss innerhalb der Grenzen der Regenerierbarkeit erfolgen (keine
Abholzung von Wäldern); sie darf mit der Nahrungsproduktion nicht konkurrieren;
sie darf die Biodiversität (Artenvielfalt) nicht beeinträchtigen (etwa durch
Monokulturen); die Verschmutzung (Emissionen) muss akzeptabel sein; und die
sozialen Kosten müssen akzeptabel sein (menschenwürdige Arbeitsbedingungen,
keine Schaffung neuer wirtschaftlicher Abhängigkeiten;;;
Effizienz:
a) direkte Verbrennung zum Heizen: 100% (auch Beimischung in Kohleverbrennung)
b) Kombigaskraftwerk mit Abwärmenutzung: 80%
c) Biotreibstoff: 50%
d) Biomassevergasung und Einspeisung ins Gasnetz: 50%;
in Brasilien wird inzwischen die Hälfte der Zuckerproduktion für Bioethanol
genutzt;
weltweites Potenzial von nachhaltiger Energie aus Biomasse: 25-30% des heutigen
Energiebedarfs
(BRIEFE Wittenberg Heft 82 Frühjahr 2007)
·
(64ff) Biogasanlage in Schleswig-Holstein; Bakterien
bei 40 Grad; elektrische Leistung 1,5 MW; 21.000 Tonnen Maissilage pro Jahr,
Anbaufläche 550 bis 600 ha; 15 km maximale Transportentfernung;
in Deutschland bereits 3.500 Anlagen, 1100 MW;
Institut für Energetik Leipzig: für Europa könnte Biogas rechnerisch den
gesamten gegenwärtigen Erdgasverbrauch in Europa ersetzen; dabei
Nahrungsmittelversorgung weiter sichergestellt; von 202 Mill. ha europaweit
bleiben nach Abzug der „Brotflächen“ 58 Mill. ha übrig; könnten 470 Mill.
Kubikmeter Biogas erzeugen ((entspricht 70% der russischen Erdgasförderung);
Mais erbringt derzeit 19-25 Tonnen je Hektar; die neue Hirseart Sorgum liefert
50% mehr Biogas als Mais:
(73ff) Interview mit Bundespräsident Köhler:
Der Klimawandel ist kein Hirngespinst der Zukunftsforschung, sondern Realität.
Die Wissenschaftler sagen uns, dass sich die Klimaerwärmung zwar nicht
aufhalten, sehr wohl aber begrenzen lässt.
Die westlichen Industriestaaten haben ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell
entwickelt, das alle Welt aus verständlichen Gründen nachahmen will. Dabei hat
sich herausgestellt, dass dieses Modell alles andere als nachhaltig ist. Wenn
wir erreichen wollen, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer nicht die
gleichen Fehler wie wir begehen, müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen. Es
ist daher unsere Aufgabe, ein Wohlstandsmodell zu entwickeln, das mit immer
weniger CO2-Emissionen auskommt. ...
In der Tat geht es um nichts weniger als den Umbau der Energiebasis unserer
Industriegesellschaft. In der Entwicklung klimafreundlicher Technologien liegt
übrigens eine große Chance gerade auch für die deutsche Wirtschaft ...
Klimaschutz bedeutet nicht notwendigerweise Verzicht. Im Gegenteil: Wir werden
in Zukunft auf viel mehr Wohlstand verzichten müssen, wenn wir nicht in den
Klimaschutz investieren.
(MOBIL, Magazin der Deutschen Bahn, 5/2007)
·
seit Ende 2006 speist eine Biogasanlage in Bayern
nach Reinigung aufbereitetes Biogas ins Netz der Stadtwerke München;
Studie des Wuppertal-Instituts: auf nicht benötigten Ackerflächen in Europa
könnten perspektivisch 500 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch Biogas ersetzt
werden; das entspricht dem gegenwärtigen Erdgasverbrauch der EU;
E.on gründet Tochterfirma Bioerdgas
(ZEIT 19.4.07 S.27)
·
Bioenergie fördert Gentechnik;
für Landwirte sind Bioenergien ein gutes Geschäft: Landet ihr Mais im Tiertrog,
bekommen sie rund 400 Euro je Hektar, geht er in die Biogasanlage, sind es
tausend Euro;
lange Zeit waren 70% der Deutschen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft;
das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat jüngst ermittelt, dass nun knapp
70% der Deutschen für Genmais sind, wenn daraus Ökostrom wird
(taz 28./29.4.07)
·
Malaysia ist wichtigster Palmölproduzent der Welt; 3
Millionen Hektar; ein Viertel der Weltkapazität; Produktion bis zu 16,5
Millionen Tonnen;
Ertrag über 6000 Liter pro Hektar und Jahr möglich;
die großen Fruchtbüschel werden 1-3 mal im Jahr geerntet
(taz 7.6.07)
·
Bioenergien;
Einsatz und Förderung an Ökostandards knüpfen; nachprüfbare Umweltstandards, z.
B. für „Kahlschlag-Diesel“ aus Palmöl;
Einsatz von Fungiziden, Herbiziden, Insektiziden beim Anbau von Biorohstoffen;
Nutzung genmanipulierter Pflanzen ausschließen
(taz 23./24.6.07)
·
Sachverständigenrat für Umweltfragen: Sondergutachten
Insgesamt könnten Biomassen (Reststoffe und nachwachsende Rohstoffe) nationaler
Herkunft bis 2030 maximal 10 % der Primärenergiebedarfs decken;
die Nutzung der Biomasse für Strom- und Wärmeerzeugung sei vorteilhafter als
die Verwendung als Kraftstoff
(energiedepesche 3/07 S. 25)
·
Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe:
Pflanzen zur Wärme- und Treibstofferzeugung werden in Deutschland auf 1,75
Millionen ha angebaut; knapp 15 % der Ackerfläche
(taz 8./9.9.07)
·
Im Treibstoff sind die wertvollen Essenzen aus Mais,
Raps und Sojabohnen vergeudet – viel wirkungsvoller wäre es, die Anbauflächen
aufzuforsten, um Holz zum Heizen zu gewinnen;
der Mais, der für die Herstellung einer einzigen Tankfüllung Bioethanol
benötigt wird, reicht aus, um einen Erwachsenen ein ganzes Jahr satt zu machen,
aber deutsche Autofahrer zahlen besser als mexikanische Landarbeiter;
Produktion und Export des indonesischen Palmöls schaden dem Klima mehr, als es
die Verbrennung einer entsprechenden Menge fossilen Treibstoffs täte
(Zeit 27.9.07 S.1)
·
Studie einer Arbeitsgruppe um Nobelpreisträger Paul
Crutzen:
Agrosprit soll das Klima schützen _
aber:
der alternative Treibstoff verursacht mehr Treibhausgase als Benzin;
Hauptgrund: intensive Düngung, bei der klimaschädliche Gase freigesetzt werden;
Lachgas N2O ist 300 mal klimaschädlicher als CO2; IPCC ging bisher davon aus,
dass Mikroorganismen maximal 2 % des Düngerstickstoffs zu N2O umwandeln –
Crutzens Team geht von 3-5 % aus;
momentan 80 % des Agrosprits in Europa aus Raps gewonnen; diese Pflanze schneidet am schlechtesten ab;
bis zu 1,7 mal höherer Erwärmungseffekt (wegen N2O) als durch eingespartes CO2
erreicht;
bei Mais Faktor 0,9 bis 1,5; Zuckerrohr 0,5 – 0,9;
(taz 28.9.07)
·
Jahresertrag eines Hektars ersetzt so viel Heizöl:
|
HEIZEN |
|
|
Holz im Kaminofen |
3750 |
|
Holzpellets im Kessel |
4750 |
|
Biogas im Brennwertkessel |
4750 |
|
|
|
|
KRAFTSTOFF |
|
|
Biodiesel Raps (+ Biogas aus Pflanzenrest) |
1408 (+ 1755) |
|
Rapsöl |
1420 (+ 1755) |
|
Bioethanol Getreide |
1660 (+ 1680) |
|
Sundiesel (BtL) |
4000 |
|
Bioethanol Zuckerrüben |
4054 |
|
Biogas |
4977 |
|
Bioethanol Zuckerrohr |
6500 |
(Ökotest 3/07 S.136)
·
2007 in der EU 2,84 Millionen Hektar mit Pflanzen
bestellt, die zur direkten Erzeugung von Energie oder Biomasse zur
Energieerzeugung verwendet werden
(Das Parlament 22.10.07)
·
bisher mussten in EU-Europa 10% der Flächen
stillgelegt werden, das fällt ab sofort weg;
derzeit in USA 116 Ethanol-Destillerien (Mais, Weizen); 53 Millionen t Getreide
jährlich; 18 Mrd Liter Ethanol;
79 weitere Anlagen im Bau, 200 in Planung;
Bedarf an Getreide für Ethanolproduktion steigt auf 139 Mio t/a = die Hälfte
der 2008 prognostizierten Ernte;
Anfang 2006 kostete 1 Tonne Mais in Mexiko 100 Euro; heute rund 250 Euro
(Das Parlament 22.10.07)
·
Beitrag Bärbel Höhn: Bioenergien sind Bio;
Bioenergien sollen aus heimischer Produktion kommen; die ökologische Bilanz
muss dabei positiv sein;
2006 in deutschen Blockheizkraftwerken 340.000 t Palmöl aus Südostasien
eingesetzt; europaweit rund 1 Million t; das entspricht rund 4% der
Palmölanbaufläche in Malaysia und Indonesien; diese beiden Länder decken 80%
der weltweiten Produktion ab;
Palmöl spielt in deutschen Autotanks keine Rolle;
Sojaanbau in Brasilien: 243 Millionen ha für Weiden und Futteranbau; 3
Millionen ha Zuckerrohr für Bioethanolerzeugung;
“Volle Teller oder volle Tanks?“;
der Anbau von Nahrungsmitteln muss stets Vorrang haben;
dringend nötig: international anerkannte Zertifizierung mit verbindlichen
ökologischen und sozialen Standards bei der Produktion von Bioenergien;
Palmöl aus Indonesien ist abzulehnen, wenn sein Anbau mit Raubbau am Regenwald
einhergeht;
durch Einsatz von Biogas in Autos kann die Fahrleistung von einem Hektar
verdoppelt oder verdreifacht werden (im Vergleich nur zur Nutzung von z.B.
Rapsöl und nicht ganzer Pflanzen JK);
wichtig bei Bioenergien Verbreiterung der Rohstoffbasis; Rest- und Abfallstoffe
verwerten;
der Ausbau der Bioenergien darf nicht in Konflikt mit der Biodiversität und der
Ernährungssicherheit geraten. Zusammengefasst lautet die Lösungsformel dafür:
volle Teller mit weniger Fleisch, volle Tanks mit Biogas und eine
ausschließliche Verwendung von nachhaltig produzierten Bioenergien
(taz 12.11.07)
·
Tobias Münchmeyer, Greenpeace; Entgegnung zum
vorhergehenden Beitrag B. Höhn: Raps ist nicht die Lösung;
Agrokraftstoffe irreführend „Bio“-Kraftstoffe genannt;
Steigerung von heute 6% Anteil am Spritverbrauch auf 18% im Jahr 2020 ist nicht
„behutsam“, sondern unverantwortlich;
Nachhaltigkeit nur, wenn Einsatz von Agroethanol und Agrodiesel in Deutschland
zurückgefahren wird; Produktion von Wärme und Strom aus Biomasse noch maximal
verdoppeln;
bereits 2007 wurde rund eine halbe Million Tonnen undeklarierten Gen-Rapsöls
(ca. 10% des deutschen Rapsölbedarfs) aus Kanada importiert;
derzeit wird der Großteil des Palmöls weltweit für Nahrungsmittel und Kosmetik
eingesetzt; 2005 bereits 4,5% der Weltproduktion für Energiemarkt in der EU;
globaler Flächennutzungsplan; ökonomisch machbar und nachhaltig, Erzeugung von
Windenergie bis 2050 zu verhundertfachen und Solarenergie auf das 300-fache zu
steigern;
Biomassenutzung global kann maximal verdoppelt werden;
(taz 19.11.07)
·
Bundeskabinett will am 5.12.07 die
Nachhaltigkeitsverordnung verabschieden; danach wird Verfeuerung von Palmöl in
Kraftwerken nur noch dann nach dem EEG gefördert, wenn Rohstoff aus
zertifiziertem umweltverträglichem Anbau stammt;
Deutschland bereits auf 1,5 Millionen ha Biomasseanbau für
Energiebereitstellung; EU 2,8 Millionen ha;
Brasilien 3 Millionen ha für Bioethanol aus Zuckerrohr; USA: ein Fünftel der
Maiserzeugung für Benzin oder Biogas;
Trend zu Monokulturen; „EU von Weizsäcker: „Biotreibstoffe sind der größte
Angriff auf die Biodiversität“;
Chemienobelpreisträger Crutzen: wegen Stickstoffdüngung wird viel
klimaschädliches Lachgas freigesetzt;
besonders dem Biobenzin wird eine eher schlechte Ökobilanz attestiert;
NAWAROS der zweiten Generation: Zuckerhirse, Sudangras, Topinambur, Korbblütler
Silphie; vor allem auch Holz und Nutzung von Bioabfällen wie Gülle, Stroh oder
Holzschnitzel
(Das Parlament 26.11.07 S.16)
·
Unterschriftenaktion gegen ein Biomassekraftwerk in
Stollberg/Sachsen; Begehren soll zu einem Bürgerentscheid führen
(Freie Presse Chemnitz 22.1.08)
·
Getreidepreise
2000 bis 2008 Grafik
Dollar je 100 Scheffel Weizen (1 Scheffel W. = 27 kg)
2000: 220; 2006: 250; Ende 2007: 900;
Dollar je Tonne Reis:
2000: 210; 2006: 250; Anfang 2008: 750;
einige Gründe für steigende Preise:
+ Weltbevölkerung wächst, Anbauflächen nehmen ab;
+ Klimaveränderungen bewirken irreversible Verluste an Ackerland;
+ veränderte Ernährungsgewohnheiten: immer mehr Viehweiden;
+ hoher Ölpreis (auch durch Spekulation getrieben) führt zum Anbau von
Energiepflanzen
(Der Spiegel 16-2008 S.115)
·
Jahresertrag pro Hektar:
Rapsdiesel 1550 Liter; Bioethanol 2560 Liter; BtL-Diesel (Choren) 4000 Liter;
Holzernte auf mecklenburgischen Versuchfeldern: bis zu 20 t Trockenmasse pro
Jahr, ergäbe 5000 Liter BtL-Diesel;
nach Einschätzung der FNR (Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe) ließen sich
in Deutschland bis zu 6 Millionen Hektar (1/3 der derzeitigen Anbaufläche) für
Energiepflanzen nutzen; auf dieser Grundlage könnte ¼ des heimischen
Kraftstoffdurstes mit BtL-Produkten gestillt werden;
europaweit liege das Ersatzpotenzial sogar bei 40 %, dank der riesigen Flächen
in den neuen EU-Staaten im Osten
(Der Spiegel 16-2008 S.144ff.)
·
Kanzlerin Merkel gibt im Gegensatz zu Entwicklungshilfeministerin
Wieczorek-Zeul nicht der steigenden Biospritproduktion die Hauptschuld bei der
Preisexplosion bei Nahrungsmitteln; Änderung der Ernährungsgewohnheiten in
Entwicklungsländern; in Indien nähmen inzwischen rund 300 Millionen Menschen
jetzt eine zweite Mahlzeit pro Tag ein (bisher traditionell eher vegetarische
Ernährung) ; Chinesen beginnen Milch zu trinken
(taz 18.4.08)
·
Weizenpreis in den letzten 3 Jahren um 181 %
gestiegen, im letzten Jahr allein um 90%;
Fleischkonsum in China stieg in den vergangenen 20 Jahren von 20 auf 50 kg pro
Kopf und Jahr;
für 1 kg Fleisch müssen rund 7 kg Getreide verfüttert werden;
auf 85 bis 90% schätzt Schicketanz (Dresdner Bank) den Anteil, den der erhöhte
Fleischkonsum an den steigenden Agrarpreisen hat, der zunehmende Anbau von
Energiepflanzen für Biosprit und Bioethanol mache hingegen nur maximal 15 % aus;
1974 kostete Weizen in heutigen Preisen knapp 22 Dollar je Bushel (27,2 kg);
heute (2008) liegt das Bushel erst bei 9 Dollar;
gleiche Seite Interview Wieczorek-Zeul: das International Food Policy Research
Institute weist darauf hin, dass (30) bis 70% des Preisanstiegs bei
Lebensmitteln auf den Agro-Kraftstoff-Boom zurückzuführen sind;
(taz 17.4.08; taz 14.4.08)
·
Seit Mitte der 1970er Jahre fielen weltweit die
Preise für Getreide und Grundnahrungsmittel um drei Viertel;
weltweit gehen derzeit 5% der Getreideproduktion weltweit in Biosprit;
China hat ein Viertel der Weltbevölkerung zu ernähren, besitzt aber nur 7% der
Anbauflächen; verzehren mehr Fleisch und Milch und füttern Tiere mit Getreide;
Preissteigerungen bis 2008 gegenüber Durchschnitt 1998 -2000:
Milchprodukte + 180%; Getreide + 180%; Speiseöl und Fette: + 180%; Zucker: +
75%; Fleisch: + 30%
(ZEIT 17..4.08 S.21)
·
Schätzungen
zufolge müssten in der EU über zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen
für den Anbau von Biokraftstoffen genutzt werden, um den Eigenbedarf zu decken;
die 800 Millionen Autofahrer weltweit sind zahlungskräftigere Kunden als die
850 Millionen Hungernden;
in den USA wird mehr als 1/5 der Maisernte in Bioethanol umgewandelt;
2007 weltweit: 100 Millionen Tonnen Getreide für Biokraftstoffe;
(taz Beilage 14.4.08 Inkota: Biosprit macht Hunger)
·
Nahrungsmittel Preisanstieg 2000 bis 2008 in Prozent:
Getreide + 230, Öle und Fette + 300; Milch + 160;
seit Anfang 2006: Reis + 217%, Weizen + 136%, Mais + 125%, Soja + 107%;
(Spiegel 17-2008 S.108)
·
Energiepflanzen-Anbau ist nicht neu;
es darf nicht vergessen werden, dass die Landwirtschaft schon lange Rohstoffe
für die Industrie und zur Energiegewinnung herstellt, pflanzliche und tierische
Fasern, Öle, Farben usw. Bei uns kommen nur etwa ein Viertel der geernteten
Kartoffeln auf den Teller, etwa 10% sind Saatkartoffeln, der Rest wird vor
allem zu Stärke und zu Alkoholen für die chemische und andere Industrie
verarbeitet. Noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurden ca.
25 bis 50% des geernteten Getreides als Futter für Zugtiere veranschlagt
(taz 2.6.08 Leserbrief)
·
Zur Energieerzeugung genutztes Holz in Deutschland,
Millionen Festmeter, alle Holzrohstoffe, nicht nur Restholz (Zahlen aus Grafik
geschätzt):
Haushalte: 2001 12, 2007 25; Biomasseheizwerke: 2001 10, 2007 22;
(Spiegel 49/08 S.165)
·
in Deutschland gibt es immer mehr Plantagen für
schnell wachsende Bäume, die alle drei bis 5 Jahre geerntet werden;
Kurzumtriebsplantagen als Acker, auf dem dicht an dicht schnell wachsende Bäume
wie Weiden, Pappeln oder Robinien wachsen; dabei werden aller 3 bis 5 Jahre die
Ruten abgeschnitten, zu Hackschnitzeln verarbeitet; 20 bis 30 Jahre kann solch
ein Feld bewirtschaftet werden;
mit einem Hektar Plantage lasse sich etwa der jährliche Heizenergiebedarf von
drei Einfamilienhäusern decken;
so können große Ackerflächen, wie es sie in Ostdeutschland häufig gibt, durch
50 oder 100 Meter breite Streifen mit Energieholzplantagen aufgelockert werden;
Vorteile gegenüber üblicher Landwirtschaft: längere Erhaltung von Biotopen,
deutlich geringerer Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden, bessere
Energiebilanz;
Landwirte können auf guten Standorten richtig Geld verdienen; 10 bis 12 Tonnen
Trockenmasse je Hektar und Jahr seien realistisch, nach 10 Jahren Investitionen
amortisiert
(taz 10.10.2009 S.9)
·
Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland 2009
|
Pflanze |
in 1000
Hektar |
|
Industriepflanzen |
|
|
Faserpflanzen |
1 |
|
Heil- und Färberpflanzen |
10 |
|
Pflanzen zur Zuckergewinnung |
22 |
|
Pflanzen zur Stärkegewinnung |
130 |
|
Ölpflanzen |
131 |
|
Energiepflanzen |
|
|
Zucker und Stärke für Bioethanol |
226 |
|
Pflanzen für Biogas |
530 |
|
Raps für Biodiesel |
942 |
(Regenwald Report 3-2010 S.12)
·
Installierte elektrische Leistung von Biogasanlagen
in Deutschland in MW:
2000: 78; 2005: 665; 2010: 2300; knapp 6000 Anlagen;
Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe in Deutschland in Hektar:
2000: 683.200; 2005: 1.402.500; 2010: 2.151.000;
in Niedersachen derzeit 11% der Ackerfläche für Biogaspflanzen-Anbau;
Anteile der Ackerfläche für nachwachsende Rohstoffe Deutschland 2010 (in
Hektar):
a) Industriepflanzen: Stärke 160.000; Pflanzenöl 136.000; sonstiges 25.000;
b) Energiepflanzen: Bioethanol 240.000; Biogas 650.000; Biodiesel/Pflanzenöl
940.000;
die NaWaRo-Branche hat mit 109.000 Beschäftigten die Windkraft als Jobmotor
unter den erneuerbaren Energien abgelöst;
(Der Spiegel 50-2010
S.80)
·
Ja
zur Biomasse, aber nicht auf Kosten von Biodiversität und Klimaschutz
Umweltbundesamt legt langfristige Strategie für den nachhaltigen Einsatz von
Biomasse vor
"Bioenergie kann nur dann sinnvoll sein, wenn deutlich weniger
Treibhausgase entstehen als bei fossilen Energieträgern und keine Nachteile für
die Umwelt auftreten.“ sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes.
…
Mehrfachnutzung von Biomassen
Biomasse wird heute vorwiegend direkt zu Strom, Wärme und Kraftstoff
umgewandelt. Biomasse ist aber eine knappe Ressource, daher sollten Nachwachsende
Rohstoffe wie zum Beispiel Holz oder Pflanzenöle zunächst stofflich - also zur
Herstellung von Produkten - genutzt werden. Anstelle des heute vorherrschenden
Anbaus von Biomasse zur direkten Umwandlung in Bioenergie sollte daher künftig
die Nutzungskaskade etabliert werden.
Das bedeutet: Erst nach einer Mehrfachnutzung werden die Abfall- und Reststoffe
für die Energiegewinnung eingesetzt. So sollte zum Beispiel Holz zuerst
stofflich in Form von Möbeln oder Bauholz verarbeitet werden, mithin im Sinne
der Nutzungskaskade als Ausgangsmaterial für die Holzwerkstoffindustrie
Verwendung finden, und erst danach energetisch genutzt werden.
Nachhaltigkeitsstandards weltweit verankern
Langfristig sollen Nachwachsende Rohstoffe vorrangig auf Flächen angebaut werden,
die sich für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion nicht oder nur
eingeschränkt eignen. Auf degradierten Flächen kann mit dem Biomasseanbau viel
Kohlenstoff gebunden werden. Der Anbau von Energiepflanzen darf nicht negativ
auf die Biodiversität wirken und keine indirekten Landnutzungsänderungen
auslösen. „Aus Umweltschutzgründen ist es wichtig, dass der Anbau von
Energiepflanzen in extensiver Form geschieht und ohne negative Wirkungen
auf Böden und den Wasserhaushalt.“ sagt Jochen Flasbarth. …
Der Forschungsbericht „Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards
zur Zertifizierung von Biomasse für den internationalen Handel“ erschien in der
Reihe UBA-Texte als Nr. 48/2010 (deutsch) und Nr. 49/2010 (englisch). Er kann
unter http://www.uba.de/uba-info-medien/3960.html
bzw, http://www.uba.de/uba-info-medien-e/3961.html
kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
(Umweltbundesamt Pressemitteilung 04.11.2010)
·
Ist es möglich, wirklich
umweltfreundlichen Pflanzentreibstoff herzustellen? Die EU-Kommission hat nach
einer Antwort auf diese Frage gesucht - mittels einer öffentlichen Anhörung.
Zwar schreibt das Gesetz ab dem 1. Januar vor, dass nur noch solche Pflanzenöle
Diesel oder Benzin beigemischt werden dürfen, die nachhaltig erzeugt wurden:
Sie müssen 35 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als Sprit aus Erdöl, und
für den Anbau der Pflanzen dürfen keine Regenwälder oder Moore vernichtet
werden. …
Das klingt gut, ist es aber nicht. Das Problem trägt den komplizierten Namen
"indirekte Landnutzungsänderung", ist jedoch leicht erklärt: Für
Biosprit dürfen im Regenwald von Indonesien keine Palmölplantagen angelegt
werden. Also liefern bereits bestehende Plantagen den Stoff für den Tank. Doch
nebenan werden, in für den Klima- oder Artenschutz wichtigen Wäldern, neue
Plantagen angepflanzt, deren Öl in die Fabriken der Lebensmittel- oder
Waschmittelindustrie fließt. Indirekt vernichtet der wachsende Hunger nach
Biosprit also weiterhin wertvolle Natur, trotz Nachhaltigkeitsverordnung.
(taz 28.12.2010 S.09)
·
bundesweit
haben die Felder mit Silomais – der für Biogas wichtigsten Maisform – seit 2004
um rund 50% auf 1,85 Millionen Hektar zugelegt;
seitdem müssen die Energieunternehmen für Strom aus Mais so viel bezahlen, dass
sich der Anbau lohnt;
mittlerweile deckt Biogas mehr als 2% des deutschen Stromverbrauchs;
Bundesumweltminister Röttgen will den Anteil von Mais in Biogasanlagen auf höchstens
60% der Energieausbeute beschränken, der einseitige Maisanbau schade der
Artenvielfalt, dem Wasser und der Landwirtschaft
(taz 23.5.2011 S.04)
·
Deutschland Weltmeister im Biodieselverbrauch,
Marktanteil 2%; auf 12% der deutschen Ackerfläche wächst Raps, fünfmal so viel
wie vor 15 Jahren
(ZEIT 23.11.06 S.39)
·
Brasilien Ethanolproduktion aus Zuckerrohr, derzeit
17 Milliarden Liter pro Jahr, bis 2013 Verdreifachung geplant;
Beimischungszwang für Autotreibstoff: 20-25% Ethanol; Produktionskosten 14-17
Cent/Liter; in Europa Kosten 3 x so hoch;
ab einem Ölpreis von 60-70 Dollar pro Barrel lohnt sich auch in Europa die
Ethanolproduktion; neues Werk des Südzucker-Konzerns in ostdeutschen Zeitz:
größte Bioethanolfabrik Europas produziert jeden Tag 760 Kubikmeter Alkohol,
derzeit noch aus Getreide; bald soll auch Rübensaft aus der benachbarten
Zuckerfabrik verwendet werden;
in China wurde neue Rapssorte mit 55% Ölgehalt gezüchtet, eigens für
Biodieselherstellung;
(taz 31.8.06)
·
Jahresertrag Biotreibstoffe
|
Treibstoff |
Ertrag je Hektar |
Reichweite Auto km |
|
Rapsdiesel |
1300 Liter |
23660 |
|
Bioethanol |
2500 Liter |
33000 |
|
SunDiesel |
4050 Liter |
75330 |
|
Biomethan |
3560 kg |
99600 |
2005 in Deutschland 1,9 Millionen Tonnen Rapsölmethylester
für Autos;
Brasilien deckt 40 % seines Kraftstoffbedarfs mit Bioethanol; Millionen Hektar
Urwald mussten den Plantagen für das Autofutter weichen;
in Europa und Nordamerika gewinnt man Ethanol vorrangig aus Weizen, Roggen und
Mais;
drei Anlagen in Deutschland: eine halbe Million Tonnen pro Jahr Produktion
(Brasilien 10 Millionen Tonnen);
US-Präsident Bush: Wir wollen, dass die Leute mit Treibstoff fahren, der in
Amerika wächst.;
laut FNR-Prognose stehen im Jahr 2020 knapp 3,5 Millionen Hektar deutscher
Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen bereit, bei optimistischer
Schätzung ließe sich so ein Viertel des im deutschen Kraftverkehr benötigten
Kraftstoffs herstellen
(Spiegel 16/2006 S.124)
·
als erstes Land der Welt will sich Schweden bis 2020
vom Erdöl unabhängig machen;
Ethanol aus Holz (2 Tonnen Holz ergeben 500 Liter Ethanol)
(Spiegel 12/06 S.148)
·
(30) in Indonesien sollen in den nächsten drei Jahren
auf 3 Millionen Hektar Anbaufläche neue Palmölanlagen angelegt werden, vor
allem für den Export von Biokraftstoffen
(Kirche im ländlichen Raum, Heft 1/06: „Wetter-Aussichten“, Altenkirchen)
·
Leibniz-Institut für Agrartechnik in Bornim:
aus 1 Tonne Festmasse (60% Maissilage, 27% Putenmist, 13% Gärreste) lassen sich
fast 90 Kubikmeter Methan produzieren, so viel wie aus 1 Tonne Gülle
(ZEIT 18.1.07 S.33)
·
in Mexiko Kilopreis für Tortilla (Gebäck,
Volksnahrungsmittel) von 6 auf 10 Pesos gestiegen (70 Eurocent); Grund: Mais
ist knapp geworden und teurer, weil Hauptexporteur USA zunehmend Mais für die
Produktion von Bioethanol nutzt: 1995 10 Millionen Tonnen, derzeit knapp 60
Millionen Tonnen; Mexiko kauft fast die Hälfte seines Maises in den USA: 17,7
Mill. t pro Jahr
(taz 29.1.07)
·
Rebecca Harms (Grüne): Biotreibstoff ist für die
Agrarindustrie der Königsweg, um von einem zerstörerischen Weg auf den anderen
zu wechseln. Denn der Anbau von Biomasse im großen Stil bedeutet Monokultur,
Pestizide und Gentech – genau das Gegenteil von nachhaltigem Landbau.;
Lester Brown (USA): die derzeit in Bau befindlichen Destillieranlagen (USA) werden
die Hälfte der amerikanischen Kornernte (corn = Mais JK) verschlingen. Der
Kornpreis hat sich in einem Jahr verdoppelt, und die Preise von Schlachtvieh
ziehen nach. ... Mit dem Korn, das für 100 Liter Ethanol gebraucht wird, kann
sich ein Mensch ein Jahr lang ernähren.
(taz 1.2.07)
·
2006 hatten die USA erstmals mit einer
Jahresproduktion von 18,5 Milliarden Liter Mais-Biosprit die Zuckermacht
Brasilien (17,8 Milliarden Liter Zuckerrohr-Sprit) überrundet
(taz 12.3.07)
·
Interview mit dem Vorstandschef von NESTLE zu
Landwirtschaft, Ernährung und Wasser
für 1 Tonne Getreide benötigt man 1 Million Liter Wasser;
Maisanbau in den USA für Bioethanolproduktion: bis 2008 sollen 138 Millionen
Tonnen Mais angebaut werden; für 1 Liter Ethanol braucht man 4560 Liter Wasser;
der Preis für 1 Tonne Mais ist bereits von 128 auf 335 Dollar gestiegen;
zum Trinken, Waschen und für die Körperpflege braucht der durchschnittliche
Europäer etwa 50 Liter Wasser am Tag; hinzu kommt, dass wir auch noch bis zu
8000 Liter Wasser am Tag essen. Jede pflanzliche Kalorie kostet in der
Herstellung einen Liter Wasser, jede Kalorie aus tierischer Nahrung das
Zehnfache; (Kilokalorie ??? JK)
Wasser ist ein menschenrecht. Aber nur, sagen wir, 25 Liter pro Person und Tag;
in Südafrika hat man das umgesetzt, dort hat neuerdings jeder das Recht auf 25
Liter kostenloses Wasser am Tag. Wer mehr will, muss dafür zahlen. Es gibt kein
Menschenrecht auf einen vollen Swimmingpool;
pro Liter Flaschenwasser brauchen wir zusätzlich 0,6 Liter Wasser – für die Herstellung
der Verpackung, Reinigung der Abfüllanlage usw. 1 Liter Cola benötigt 3-4 Liter
Wasser, ein Liter Bier fast 7
(Die Zeit 4.4.07 S.25)
·
EU-Vorgaben:
ab 2007: Benzin 1,2% Biokomponenten beigemischt, Diesel 4,4 %;
2009 6,25%
2020 soll nach Vorstellungen der Bundesregierung jeder 4. Liter aus
nachwachsenden Rohstoffen kommen
(Das Parlament 14./21.5.07 S.9)
·
Beispiele für gentechnisch
veränderte Pflanzen, die derzeit für die Agro-Kraftstoffproduktion entwickelt
werden: Mais; Rutenhirse (Switchgras), Eukalyptus, Kartoffel;
wenn Pflanzen gentechnisch so verändert werden, dass sie besonders gut für die
Verarbeitung als Agro-Treibstoff geeignet wären, wären sie mit Sicherheit
weniger gut bzw. überhaupt nicht mehr als Nahrung geeignet; was passiert, wenn
diese Pflanzen andere Nahrungspflanzen kontaminieren? (Ernte der Nachbarn
könnte nicht mehr als Nahrungsmittel verkauft werden)
(GID 182, Juni 2007, S.31)
·
Kampf zwischen Tank und Teller – wie ökologisch ist
Biosprit?;
Gutachten des europäischen Gaswirtschaft: während europäische Bauern mit der
Milcherzeugung rund 9 Milliarden Euro jährlich umwetzen, könnte der Umsatz auf
dem Biogasmarkt jährlich 15 Milliarden Euro betragen;
Grüne im Europaparlament: die gegenwärtigen landwirtschaftlichen Praktiken beim
Anbau von Mais, Getreide, Zuckerrohr, Palmöl oder Soja für die Herstellung von
Treibstoffen basieren vollständig auf Mineralöl; Energiebilanzen rechnen weder
der Transport der Energieträge noch die Belastungen der Umwelt und
Ernährungssicherheit ein;
derzeit in den USA 116 Ethanol-Destillerien, die jährlich 53 Millionen Tonnen
Getreide verarbeiten; weitere 79 Anlagen im Bau, 200 in der Planung; Das
steigert den Getreidebedarf für Destillerien auf 139 Millionen Tonnen – die
halbe für 2008 prognostizierte Ernte der USA;
Brasilien will Zuckerrohrproduktion von derzeit 6 Millionen Hektar auf 2014 9
Millionen Hektar ausdehnen;
in Europa Kosten für Ethanolerzeugung aus Zuckerrüben und Getreide so hoch,
dass sie erst bei einem Erdölpreis von 80 bis 100 Dollar pro Barrel rentabel
wird; in Brasilien lohnt sich eine Anlage bereits, wenn der Ölpreis 35 Dollar
pro Barrel erreicht;
schon jetzt kann Brasilien 40 % seines Spritbedarfs aus Zuckerrohr und Soja
decken;
Indonesien plant, seine ähnlich rentable Palmölproduktion auf 20 Millionen
Hektar auszudehnen, was der gesamten Urwaldfläche des Landes entspräche
(taz 7./8.7.07)
·
Produktionskapazitäten für Biokraftstoffe in
Deutschland (Millionen Tonnen pro Jahr):
2000: 0,271; 2004: 1,284; 2007: 5,378
(Spiegel 37/2007 S.116)
·
Brasilien 2006 17.7 Milliarden Liter Treibstoff aus
Zuckerrohr;
vorgesehen: Gewinnung von Biodiesel aus der kakaoähnlichen Frucht Cupuacu; seit
2005 Biodiesel aus Rizinusöl; Sojaöl; zusätzlich Import von Palmöl aus Malaysia
(Der Sonntag Sachsen 9.9.07)
·
Brasilien;
Der Regenwald im Amazonasgebiet wird nicht mehr wegen der Edelhölzer dezimiert
oder für die Rinderzucht niedergebrannt. Der Anbau von Zuckerrüben und Mais ist
dort mittlerweile der größte Flächenfresser. ... Durch die weitere Abholzung
der Amazonas-Regenwälder oder der Yunga-Wälder in Argentinien gehen Flächen
verloren, die Feuchtigkeit speichern und das Klima regulieren. So beschleunigt
der massive Anbau von Biokraftstoffen auf der Südhalbkugel den Klimawandel –
den die Verwendung von Ökoantrieb in den Industrieländern eigentlich bremsen
soll
(Das Parlament 10.9.07 S.13)
·
Bioethanolwerk Schwedt;
Getreidepreise verdoppelt; jetzt Verluste, im September wird Produktion
eingestellt;
im zweitgrößten Bioethanolwerk hierzulande wurden im Januar noch 1 Million
Tonnen Getreide verarbeitet, jetzt nur noch die Hälfte
(taz 21.8.07)
·
Werbung www.chemie-macht-zukunft.de ;
Warum Gras bald Gold wert ist;
Dank Gentechnik lassen sich künftig alle Bestandteile einer Pflanze zu Biosprit
verarbeiten.
(Der Spiegel 30/07 S. 65)
·
Rindfleisch: jedes Kilogramm kostet mehr als 7 kg
Futtergetreide;
Mais ist ein beliebtes Futtergetreide: Anbau eines kg davon benötigt rund 900
Liter Wasser;
wer Fleisch verzehrt, beansprucht also mehr Ackerfläche als ein Vegetarier –
und ein Vielfaches an Wasser;
eine Ethanol-Tankfüllung eines normalen Geländewagens kostet rund 200 kg Mais;
allein in der indonesischen Provinz West Kalimantan könnten wegen der Abholzung
für Palmölproduktion bis zu 5 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben
werden;
Preissteigerungen? – Halbliterflasche Bier Gerste-Anteil 2 Cent; Brötchen für
20 Cent enthält nur für 0,4 Cent Getreide
(Zeit 9.9.07 S.20)
·
Umweltschädlicher Biosprit;
Schweiz ETH Zürich: ökologische Gesamtbilanz von Ethanol, Methanol, Methan und
Biodiesel aus unterschiedlichen biologischen Rohstoffen; nicht nur Freisetzung
von klimaschädlichen Gasen, auch Anbau und Verarbeitung der Rohmaterialien
betrachtet;
bei Rohstoffen aus tropischen Regionen schlägt vor allem die Brandrodung von
Regenwaldflächen negativ zu Buche; durch Monokulturen geht biologische Vielfalt
verloren;
in gemäßigten Zonen verschlechtert Düngung und maschinelle Bearbeitung die
ökologische Bilanz;
der Transport zum Teil über Tausende Kilometer hat nur geringen Einfluss;
schlechteste Ökobilanz für Bioethanol aus europäischem Roggen (niedriger
Ernteertrag);
am besten schneidet Biosprit aus Abfall- und Reststoffen ab; auch Holz besser
als Erdölprodukte;
Grafik mit relativen Treibhausgasemissionen und gesamter Umweltbelastung in
Prozent (Benzin jeweils = 100%); nur Altspeiseöl, Holz, Klärschlamm, Bioabfall,
Gülle liegen durchweg im „grünen Bereich“;
Raps und Mais z.B. 2,5-fache Umweltbelastung gegenüber Benzin, auch 75-90% der
Treibhausgasemissionen;
Soja aus Brasilien 110% der Treibhauswirkung und 2,8-fache Umweltbelastung;
Roggen und Kartoffeln 95% Treibhausgase und 5-fache Umweltbelastung
(bdw 9/2007 S.9)
·
Erzeugung von Soja und Palmöl weltweit in Millionen
Tonnen pro Jahr (Daten aus Grafik geschätzt)
|
|
1970 |
2006 |
|
Soja |
38 |
227 |
|
Palmöl |
2 |
36 |
(Ökotest 9/2007 S.158)
·
Äthiopien; Rizinusöl für den Tank, angepflanzt wird
die in Afrika heimische Rizinus communis, auch Christpalme genannt; Öl eignet
sich für Agrodiesel, Pflanze gedeiht auf kargen Böden, ist trockenresistent,
bringt hohe Flächenerträge
(Freie Presse Chemnitz 27.11.07)
·
(59) Jahreserträge aus einem Hektar Anbaufläche
|
Rohstoffe |
Produkt |
Brennwert |
Brennwert |
|
Raps, andere Ölpflanzen |
Biodiesel |
|
1411 |
|
Getreide, Zuckerrüben |
Bioethanol |
1690 |
|
|
Holz, Agrarpflanzen |
BtL-Diesel |
|
3720 |
|
Agrarpflanzen, Gülle, Biomüll |
Biogas |
4984 |
|
Bei Ackerbau abzüglich von je 150 Liter Diesel je Hektar für
Kraftstoff und Düngemittel
(Spiegel Special Magazin 1/2007: Neue Energien – Wege aus der Klimakatastrophe)
·
Bayer Crop Science entwickelt intensiv Saatgut und
Pflanzenschutzmittel für die Agrotreibstoffpflanze Jatropha; Samen bestehen zu
mehr als 30% aus Öl; Bayer: Gefahr einer Konkurrenz zum Anbau von
Nahrungsmitteln bestehe allerdings nicht, da J. so genügsam sei, dass sie auch
auf Böden wachse, wo Lebensmittel nicht gedeihen würden; Anbau auf
Grenzertragsböden Chance für Landwirte
(taz 22.1.08)
·
Jatropha, buschartiger Baum, nach drei Jahren
ölhaltige Nüsse, die giftig sind;
Projekt zum Anbau auf brachliegenden Flächen in Malawi
(Freie Presse Chemnitz Weihnachten 2007)
·
Ziel EU: bis 2020 sollen 10% der Kraftstoffe Biosprit
sein;
USA: wollen bis 2017 15% ersetzen;
Brasilien: Herstellung von 1 Liter Bioethanol kostet 20 Eurocent;
Argentinien Biodiesel aus Sojaöl: 1 Liter für 59 Eurocent;
Honduras: Palmöl
(Das Parlament 14.1.08 S.9)
·
Biokraftstoffe Deutschland, Anteil am gesamten
Kraftstoffmarkt:
2004: 1,6%; 2007: 7,0%; 2015 (gesetzliche Vorgabe) 8,0%; 2020 (geplant): 17,0%;
“Biomassenachhaltigkeitsverordnung“ fordert zwar Zertifikate, dass
Biokraftstoffe 30% (ab 2011 40%) weniger CO2 freisetzen als Erdölprodukte, und
dass sie nicht von Flächen stammen, die am 1.1.2005 noch Wald oder
Naturschutzgebiet waren – aber Lücke: Plantagenbesitzer bauen Treibstofföl auf
zertifizierten Flächen an und roden für Nahrungsmittelproduktion neuen Wald;
“Biomasseaktionsplan“ der Bundesregierung (noch unveröffentlicht) sagt, 2020
seien allein auf heimischen Flächen „13 bis 20% des Primärenergieverbrauchs zu
decken“
(Spiegel 8-2008 S.80)
·
In
Gebieten nördlich von Tschernobyl, die wegen radioaktiver Belastung nicht für
Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden dürfen, soll Getreide zur
Bioethanolerzeugung angebaut werden: rund 6,5 Millionen Hektoliter für den
europäischen Markt; auch Einsatz von gentechnisch verändertem Getreide
vorgesehen
(GID 186 Februar 2008 S.23)
·
Die kirchlichen Hilfswerke „Brot für die Welt“,
„Misereor“ und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) lehnen die von der
Bundesregierung geplante Ausweitung der Produktion von Biosprit ab;
Agrotreibstoffe schädigten schon heute die Nahrungsmittelversorgung in
Entwicklungsländern; „dient nicht dem Klimaschutz“; die stärksten (politischen)
Anreize würden „für die ineffizienteste Verwendung von Biomasse“ eingesetzt
(Der Sonntag Sachsen, 2.3.08 S.14)
·
Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das
Recht auf Nahrung: „Biotreibstoffe sind schuld daran, dass Menschen verhungern
und die Preise für Grundnahrungsmittel gewaltig gestiegen sind.“
(bdw 3-2008 S.11)
·
Nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung – neue
Probleme für den Gewässerschutz ?
Verwertung der Gärreste (bisher keine ausreichenden Standards für Lagerung und
Ausbringung);
anbauseitignachteilige Auswirkungen zu erwarten, wenn:
Grad der Intensivierung steigt,
zunehmend Grünland- und Stilllegungsflächen in Anspruch genommen wird,
Anteil der potenziell besonders belastenden Kulturen in der Fruchtfolge zunimmt
(BMU Umwelt 2-2008 S.94ff)
·
Erste Großanlage zur chemischen Herstellung von
Biodiesel aus Holz und Pflanzenresten in Freiberg / Sachsen in Betrieb gegangen;
Sundiesel, Choren, BtL (Biomass to Liquid); Biokraftstoff der 2. Generation;
in dem neuen Werk sollen 18 Millionen Liter SunDiesel pro Jahr hergestellt
werden (Jahresbedarf von 15.000 Autos);
bundesweit sind 5 Großanlagen geplant
(taz 18.4.08)
·
Derzeit in Deutschland vorgeschriebener Anteil von
Biodiesel im Diesel: 4,4%;
bezogen auf den Bioanteil sind zwischen 15 und 25% Sojaöl (obwohl deutsches
Rapsöl den Anteil decken könnte)
(taz 3.4.08)
·
Interview mit dem brasilianischen Präsidenten Lula
de Silva;
Brasilien hat seit 33 Jahren Erfahrung mit Biokraftstoffen;
Konkurrenz Biosprit – Grundnahrungsmittel? Trifft weder für das brasilianische
Zuckerrohr noch für unser Palmöl zu; die Amerikaner nutzen Mais, der dann zum
Essen fehlt, die Europäer gewinnen Energei aus Zuckerrüben, Raps oder Weizen;
ich habe meinen europäischen Freunden immer gesagt, es lohne sich nicht, ihre
wohlgeordnete Landwirtschaft umzukrempeln, um Biosprit zu produzieren; das
können wir oder die Afrikaner viel besser, die EU sollte der Dritten Welt die
Chance geben, Biokraftstoff zu produzieren;
wir haben in B. Land im Überfluss, 280 Millionen Hektar Ackerfläche
(Deutschland: etwa 12 JK), Sonne und Wasser dazu; auf nur 3% dieser Fläche
wächst Zuckerrohr
(Spiegel 20-2008 S.132)
·
Nachfrage nach agrarischen Brennstoffen macht etwa
10% der weltweiten Maisproduktion aus;
Ethanolindustrie könnte bis 2020 den Weltmarktpreis für Mais um wenigstens 25%
(extrem um 72%) in die Höhe treiben;
in China wurde 2005 5 x so viel Fleisch verzehrt wie 1980;
in entwickelten Ländern 14% der Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel, im
subsaharischen Afrika 60%;
2008 soll die weltweite Anbaufläche für Weizen um 8% zunehmen;
(Le Monde diplomatique Mai 2008 – Beilage zur taz, S.10)
·
Sojaanbau in Argentinien;
in den vergangenen 70 Jahren 70% des Waldbestandes eingebüßt;
in den letzten 9 Jahren 2 Millionen Hektar Wald in landwirtschaftliche Flächen
umgewandelt;
Anbaufläche Soja zu Beginn 2008 auf 16,9 Mill. ha gestiegen; damit über 50% der
gesamten landwirtsch. Fläche; Rekordernte von 47 Mill Tonnen erwartet;
bis 2010 sollen 24 Anlagen knapp über 4 Mill Tonnen Biosprit aus Soja
herstellen; dafür Anbaufläche von 9,6 Mill ha erforderlich;
Export von Biodiesel 2006 knapp 5.000 t; 2007 300.000 t; 25% davon in die EU,
vor allem nach Deutschland
(taz 5.5.08)
·
bei Brandrodung im brasilianischen Regenwald für
Sojaanbau werde durch Feuer 300 mal mehr CO2 freigesetzt, als der pro Jahr
gewonnene Biosprit einsparen helfe
(bdw 5-2008 S.9)
·
Bundeskanzlerin Merkel: von der Gesamtagrarfläche,
die heute weltweit bewirtschaftet wird, werden weniger als 3 % für Biosprit
genutzt
(Freie Presse Chemnitz 21.5.08)
·
Greenpeace-Untersuchung:
deutscher Biodiesel enthält neben Sojaöl zum Teil auch Palmöl; in 9 von 47
Proben zwischen 5 und 25% Palmöl nachgewiesen; Sojaanteil betrug sogar bis zu
75%
(taz 27.5.08)
·
Biokraftstoffverbrauch:
Biodiesel, weltweit;
2008 11,8 Milliarden Liter; davon EU 7,8, USA 1,5
(taz 4.6.08)
·
Weizenpreis
je Tonne: 4.6.07 127 Euro; Februar 2008 250 Euro
USA: jeder Liter Biotreibstoff mit 15 Cent staatlich subventioniert; die
meisten Bundesstaaten haben Mindestmengen für Beimischung von Ethanol verordnet
(10 bis 20%); Farmer fährt mit 85% Ethanol im Benzin, sämtliche US-Hersteller
liefern dafür modifizierte Automodelle, vier kompatible japanische Autos, kein
einziger geeigneter europäischer Wagen
(ZEIT 26.6.08 S.13ff.)
·
Mais
ist die meistangebaute Pflanze der Welt, Menschen ernährt er seltener als Vieh;
als angeblich klimaschonender Biosprit landet er im Tank – vier Fünftel des
Energieertrags gehen für Pestizide, Dünger und Maschinen drauf
(ZEIT 3.4.08 S.35)
·
Biosprit
ist besser als sein Ruf (Interview mit Johannes Lackmann, früherer Präsident
des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, jetzt Lobbyist für Biokraftstoffe)
Pferde sind früher mit Hafer gefüttert worden;
die Menschen in Europa sind satt, die Schweine sind satt;
seit die EU das Flächenstilllegungsprogramm beendet hat, gibt es plötzlich
einen Überschuss von 60 Millionen Tonnen Getreide;
außer in akuten Notsituationen macht es keinen Sinn, Lebensmittel nach Afrika
zu schicken, dadurch werden die Märkte dort destabilisiert;
Frage: Eine Weltbankstudie hat die Biokraftstoffe für 70% des Preisanstiegs bei
Nahrungsmitteln im letzten Jahr verantwortlich gemacht …
Antwort: Das war ein einzelner Mitarbeiter, der das behauptet hat, die Weltbank
hat sich von der Aussage distanziert; und es muss ein ziemlicher Dummkopf
gewesen sein, wenn er ernsthaft glaubt, der Pries könne so stark steigen, nur
weil auf zwei Prozent der weltweiten Anbaufläche Energiepflanzen wachsen, mehr
ist es momentan nicht; in den meisten Studien wird zudem immer nur die Frage
gestellt, wie sich der Preis verändert, wenn auf den vorhandenen Flächen auch
Biokraftstoffe angebaut werden (in
Konkurrenz zur bisherigen Nutzung JK); dabei wird ignoriert, dass sich die
Fläche ausweiten lässt, indem Brachflächen wieder bewirtschaftet werden;
Der starke Anstieg der Lebensmittelpreise im letzten Sommer war jedenfalls eine
Spekulationsblase, in Erwartung einer schlechten Ernte und aufgrund hoher
Ölpreise … sind die Lebensmittelpreise inzwischen wieder gesunken (halbiert),
wird von den Medien viel weniger wahrgenommen als der Anstieg;
Wenn Regenwald abgeholzt wird, um Ölpalmen anzupflanzen, ist die Klimabilanz negativ,
auch wenn auf der Fläche mehrere hundert Jahre Palmöl angebaut wird, das ist
wirklich ein Desaster …
Aber die Probleme mit Rodung und Vertreibung (der Bewohner JK) gibt es nicht erst, seitdem Palmöl und Soja für
Biokraftstoffe genutzt werden, der wesentlich größere teil dient ja zur
Herstellung von Lebensmitteln, Tierfutter und Kosmetika, die Frage der
Nachhaltigkeit stellt sich also ohnehin;
viele der Berechnungen (zur Effizienz von Biokraftstoffen) ignorieren die
Nebenprodukte, bei der Biodieselproduktion etwa entstehen ja auch noch
Eiweißfuttermittel und Glycerin, das verbessert die Energiebilanz deutlich;
jeder Liter Rapsöl spart im Vergleich zu fossilem Diesel schon heute mindestens
35% CO2, mittelfristig sind 80% möglich
(taz 3./4.1.09)
·
südkoreanische
Firma hat sich für 99 Jahre die Kontrolle über rund 13.000 Quadratkilometer
Ackerfläche in Madagaskar gesichert; industrieller Anbau von Mais und Palmöl
zur Gewinnung von Biokraftstoffen
(Spiegel 48/2008 S.142)
·
Bio-Gas;
deutschlandweit derzeit 11 Anlagen, die Biomethan aufbereiten und ins Gas-Netz
einspeisen;
eine Tochtergesellschaft von E.on hat im Sommer 2008 die europaweit größte
Anlage zur Herstellung von Bio-Erdgas in Betrieb genommen (Schwandorf); Anlage
produziert 1000 Kubikmeter Gas pro Stunde (Bedarf von etwa 5000 Haushalten;
Ziele der Bundesregierung: bis 2030 soll Bio-Methan 10% des Gasverbrauchs in
Deutschland decken; Deckungsrate von 6% 2020 vorgesehen; allein dafür müssten
in den nächsten 12 Jahren 1200 bis 1800 neue Biogasanlagen gebaut serden;
ein großer Teil der Bio-Gas-Anlagen wird mit eigens dafür angebauten
Energiepflanzen, z.B. Mais, Gras, Getreide gefüttert, da sich daraus bis zu
achtmal so viel Gas gewinnen lässt wie aus Gülle;
je nach Ausgangsprodukt enthält Bio-Gas 50 bis 70% brennbares Methan, Rest im
Wesentlichen CO2; Erdgas hat Methangehalt von 96%; Aufarbeitung des Biogases
erfordert 5-10% der im Biogas erhaltenen Energie
(Ökotest-Magazin 11/2008 S.166ff)
·
(S.T5)
Interview mit Ernst Ulrich von Weizsäcker:
Welchen Anteil an der Energieversorgung könnten Pflanzen in Europa, aber auch
weltweit bestenfalls leisten?
W: Heute vielleicht 5%, wenn der Energiebedarf durch Effizienz drastisch
gesenkt würde, wären auch 10%, langfristig über holzhaltige Pflanzen 10 bis 20%
möglich.;
(S.T20) mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide landeten 2007 in Tanks statt auf
Tellern
(BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Wittenberg, Heft 88, Herbst
2008)
·
Ernährungssicherung vor Energieerzeugung - Kriterien für die nachhaltige
Nutzung von Biomasse
Eine Stellungnahme der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung, EKD-Texte
95, 2008 http://www.ekd.de/download/ekd_texte_95.pdf
·
Wissenschaftlicher
Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU):
Gutachten untersucht die Nutzung von Pflanzen zur Energieproduktion unter
ökologischer und entwicklungspolitischer Perspektive;
Biokraftstoffe der ersten Generation wie Biodiesel aus Raps oder Ethanol aus
Mais für den Klimaschutz ungeeignet;
rund 10% des Weltenergiebedarfs könnten mittelfristig aus pflanzlichen
Reststoffen und Energiepflanzen gedeckt werden;
ein Viertel des Potenzials liege in Mittel- und Südamerika, jeweils rund 15% in
Afrika, Europa, Nordamerika und China, 6% in Indien;
Energiebilanzen: besser als Mais und Raps eignen sich Gräser und Hölzer;
Reststoffe ideal; möglichst Strom produzieren und Wärme nutzen
(taz 4.12.08 – im Internet unter: www.wbgu.de )
·
Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung: maximal ein Zehntel des weltweiten Energiebedarfs
könnte bis zum Jahr 2050 durch Biomasse gedeckt werden; Konkurrenz zur
Nahrungsmittelerzeugung, Rodung von Waldflächen für Plantagen
(bdw 3-2009 S.10)
·
der
eigentlich aus Zentralamerika stammende Jatrophabaum gilt als die
Zukunftshoffnung der afrikanischen Agrarindustrie: aus seinem Öl kann man unter
anderem Flugbenzin herstellen;
67.000 Hektar Land sind in Burkina Faso dieses Jahr mit Jatropha bepflanzt
worden;
in Mali treibt Jatropha-Öl in 700 Gemeinden Stromgeneratoren an;
Jatropha wurde in der französischen Kolonialzeit eingeführt, wegen seiner
Giftigkeit in Hecken gepflanzt, um Felder vor wilden Tieren zu schützen; ist
sehr dürreresistent; großflächiger Anbau ist umstritten
(taz 27.5.09 S.05)
·
Verband
der deutschen Biokraftstoffindustrie Internet www.vdb.de
:
Biokraftstoff kann bis 80% Treibhausgase einsparen; von der weltweiten
Getreideernte dienen nur knapp 5% der Herstellung von Biokraftstoffen (Großteil
landet in der Tierfütterung); Preise für Agrarrohstoffe sind wieder auf das
Niveau von 2007 gesunken ); EU-27 hat im letzten Jahr 50 Mill. Tonnen
Getreideüberschuss produziert;
·
in
Deutschland 8% der Agrarflächen für Energiepflanzen, weltweit nur 2%;
(energiedepesche 2/2009 S.12)
·
Zuckerrohrernte:
Tagessoll für einen Arbeiter 3,5 Tonne; 3000 x mit der Machete zuschlagen; 130
Euro pro Monat;
Präsident von Brasilien: bis 2030 sind wir der größte Treibstofflieferant der
Welt;
2008 knapp 26 Milliarden Liter Alkohol (6 Mill. Hektar); 2017 sollen es 53
sein;
Kosten in Brasilien: etwa 20 Cent pro Liter;
durchschnittlicher Ethanolertrag je Hektar und Jahr bei verschiedenen Pflanzen:
Zuckerrohr 6000 Liter, Zuckerrüben 5000, Mais 3200, Weizen 2500
(Der Spiegel 4-2009 S.84ff.)
·
gen-
und biotechnische Verfahren sollen helfen, umweltfreundliche Kraftstoffe aus
Pflanzenresten zu gewinnen;
durch synthetische Biologie sollen Einzeller, die von Natur aus Zuckermoleküle
in Alkoholumwandeln können, umprogrammiert und ihre Stoffwechselwege optimiert
werden;
z.B. soll Bierhefe mit neuen Gensequenzen ausgestattet werden (am Computer
entworfen), die zusätzliche Enzyme liefern, mit denen bisher unverdauliche
Zuckerarten wie Xylose oder Arabinose (Bestandteile der reichlich vorhandenen
Zellulose) in einen Biotreibstoff umwandeln; z.B. auch statt Ethanol den
höherwertigen Biokraftstoff Butanol produzieren (liefert rund 1 Drittel mehr
Energie als Ethanol);
(Die Zeit 16.7.09 S.33)
·
Nur
noch nachhaltige Pflanzenöle werden künftig nach dem EEG vergütet;
Nachhaltigkeitsverordnung für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
(„Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung“) trat am 24.8.2009 in Kraft;
1. Energie-Pflanzen dürfen nicht auf für den Naturschutz wichtigen Flächen
angebaut werden (Regenwälder, Naturschutzgebiete, Grünland mit hoher
biologischer Vielfalt …). Weiterhin sind Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand
wie Feuchtgebiete und Torfmoore vom Anbau ausgeschlossen.
2. der Einsatz der flüssigen Biomasse muss mindestens 35% der Treibhausgase
gegenüber dem Einsatz fossiler Brenn- oder Kraftstoffe einsparen (ab 2017
mindestens 50%, ab 2018 mindestens 60% Einsparung)
(Umwelt BMU Heft 9-2009 S.669ff)
·
Agrosprit-Anteil
in deutschem Benzin:
Meseberg-Beschlüsse: 2020 17%;
2007 waren es 7,6%
jetzt Ziel: 5,25%; ab 2010 6,25%
(taz 25.9.09 S.09)
·
Was ist Bioenergie?
Pflanzen nehmen mit Hilfe der Photosynthese Sonnenenergie auf und speichern sie
in Form von Biomasse. Dafür brauchen die Pflanzen Kohlendioxid aus der
Umgebungsluft sowie Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Biomasse ist also
gleichzeitig ein Energiespeicher und ein Kohlenstoffspeicher. Bioenergie kann
direkt durch Verbrennung von Biomasse, z. B. von Holz oder Stroh erzeugt werden.
Biomasse, z. B. aus Ernte- oder Küchenabfällen, kann auch in Biogas
umgewandelt und dann für die Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt werden.
Mit technischen Verfahren kann man aus Biomasse flüssigen Kraftstoff für den
Verkehr herstellen. Bei der energetischen Nutzung der Biomasse wird der
gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid wieder freigesetzt.
Wieviel Bioenergie kann weltweit produziert werden?
Bis zu 10% des globalen Energiebedarfs könnten langfristig durch Bioenergie
gedeckt werden. Das weltweite Potenzial der Bioenergie ist begrenzt, weil die
Landflächen auch für Ernährung und Naturschutz gebraucht werden. Im Energiesystem
spielen Energiepflanzen eine wichtige Rolle beim Übergang in eine von Wind- und
Solarenergie geprägte Zukunft.
Priorität sollte daher auf die Nutzung von Rest- und Abfallstoffen gelegt
werden, die weitaus problemloser sind als Energiepflanzen.
Die beste Klimaschutzwirkung erzielt Bioenergie bei der Verdrängung von Kohle
im Stromsektor und nicht als Kraftstoff im Verkehr.
Es sollten nur solche Nutzungen von Bioenergie gefördert werden, die auf
nachhaltige Weise zum Klimaschutz beitragen. Aus der Förderung flüssiger
Biokraftstoffe sollte daher ausgestiegen werden. Besonders förderungswürdig
ist die Nutzung der Bioenergie für Strom- und Wärmeerzeugung.
Über ein Drittel der Weltbevölkerung verbrennt Holz, Dung oder Ernteabfälle zum
Kochen oder Heizen im offenen Feuer. An den Folgen der Rauchentwicklung sterben
jedes Jahr 1,5 Mio. Menschen – mehr als an Malaria. Es gibt einfache und
preisgünstige Technologien der modernen Bioenergienutzung, mit denen der Zugang
zu Energie in der Stadt und auf dem Land verbessert werden kann. Durch den Einsatz
von effizienteren Kochherden kann der Holzverbrauch drastisch verringert
werden. Die Versorgungssicherheit steigt, die Gesundheitsrisiken sinken.
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen –
WBGU – Factsheet 2/2009, Factsheet Bioenergie – kompletter Text unter www.wbgu.de
)
·
Kraftstoffverwendung
Deutschland im Verkehrsbereich 2007;
Millionen Tonnen;
gesamt 53,1
Ottokraftstoff 20,8
Diesel 27,6
Biodiesel 3,3
Pflanzenöl 0,8
Bioethanol 0,5
(BMU, Umweltpolitik von A bis Z, 2009, S.21)
·
Biosprit
II: Stroh statt Soja;
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe schätzt, dass jährlich 4000 Liter
BtL-Kraftstoff (entspricht 3900 Litern herkömmlichen Diesels) aus 1 Hektar
Ackerfläche herausgeholt werden können (Holz oder Stroh als Rohstoff);
normalerweise holen Hefen aus 1000 kg Stroh 200 Liter Ethanol heraus, Könn(t)en
sie aber Xylose und Arabinose zusätzlich vergären, produzieren sie zusätzlich
rund 140 Liter;
Um Hefen zu Arabinose-Verwertern zu machen, wurden (nachdem der Versuch nicht
gelungen war, Gene aus Bakterien zu übertragen) künstliche Gene hergestellt
(dem Vorbild der bakteriellen Gene nachempfunden, optimal dem Stoffwechsel der
Hefen angepasst) und in Hefen eingebaut, mit Erfolg: Die gentechnisch
veränderten Hefen wandeln Arabinose vollständig in Ethanol um;
die Methoden der synthetischen Biologie werden auch genutzt, um Hefen zu konstruieren,
die aus den verschiedenen Zuckerarten Butanol machen (Butanol hat höheren
Energiegehalt als Ethanol, ist weniger korrosiv und nimmt weniger Wasser auf)
(bild der wissenschaft 8/2008 S.92ff)
·
Westliche
Firmen wollen riesige Farmen für Energiepflanzen in Afrika betreiben;
bei Jatropha in Tansania wird mit jährlich 2500 Liter Öl pro Hektar gerechnet;
bringt Gewinn, wenn der Ölpreis auf dem Weltmarkt 100 Dollar pro Barrel
übersteigt;
schwedische Firma will an einem Fluss (einzige Trinkwasserquelle) 9000 ha
wasserintensives Zuckerrohr anbauen, um es zu Ethanol zu veredeln
(Der Spiegel 36/2008 S.146ff)
·
(Kraftstoff
E10)
Professor Cornel Stan von der Westsächsischen Hochschule Zwickau plädiert FÜR
Biokraftstoff;
E10 ist ein Beitrag für die Mobilität unserer Kinder und Enkel, Es geht um
Klimaschutz und Sicherheit der Versorgung.;E10 ist unterm Strich nicht besser
und nicht schlechter und auch nicht billiger als das bewährte Benzin;
Es geht um die Sicherung der zukünftigen Mobilität;
In den USA, Brasilien, Schweden, Frankreich wird Ethanol mit besten Erfahrungen
verwendet. In F gibt es E10 schon seit 2009. Es kam noch nicht eine Meldung
über eine Störung. Oder Brasilien: Dort gab es schon 2006 drei Millionen
Fahrzeuge, die mit Flexifuel gefahren sind. Flexifuel heißt, es können zwischen
null und hundert Prozent Ethanol im Tank sein, je nach Tagesverfügbarkeit, der
Rest ist dann Benzin, das Auto erkennt über einen Sensor die Mischung
(Freie Presse Chemnitz 16.3.2011 S.A6)
·
Immer
mehr Bauern in Deutschland gehen dazu über, Raps anzubauen – vor allem, weil
sich aus den Samen der Pflanzen Biodiesel herstellen lässt. Das ist für viele
Landwirte finanziell weitaus attraktiver als zum Beispiel Weizen für die
Ernährung auszusäen. Mit dem Schlagwort „Tank statt Teller“ wird diese
Entwicklung zunehmend kritisiert.
Die riesigen Rapsfelder werfen auch noch eine ganz andere Problematik auf, wie
Forscher um Andrea Holzschuh von der Universität Würzburg jetzt herausgefunden
haben: Die Wissenschaftler warnen davor, dass der Raps Wildpflanzen und damit
natürliche Lebensräume bedroht. In einer großen Freilandstudie haben die
Forscher nachgewiesen, dass wichtige Bestäuber wie Hummeln und Wildbienen von
den massenhaft vorhandenen, sehr nektarreichen Rapspflanzen so stark angezogen werden,
dass sie die Wiesenlandschaften in der Umgebung vernachlässigen.
Das hat zur Folge, dass zum Beispiel die gefährdete Echte Schlüsselblume
(Primula veris) in der Nähe von Raps 20 Prozent weniger Samen produziert, weil
die Pflanzen nicht mehr so gut bestäubt werden. Dieser Effekt sei bereits zu
beobachten, wenn die Rapsfläche nur etwa ein Sechstel der Wiesenfläche
ausmacht, sagt Andrea Holzschuh. Gefährdet seien sämtliche Wildpflanzen, die
gleichzeitig mit dem Raps blühen, warnen die Würzburger Forscher.
(bild der wissenschaft 7-2011 S.7)
·
Durch
den Einsatz von E10 (10% Biokraftstoffanteil = Alkohol im Benzin) können
jöährlich in Deutschland 2-3 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß vermieden werden;
Biokraftstoffe gelten nur dann als nachhaltig hergestellt, wenn sie im
Vergleich nzu fossilen Krafstoffen mindestens 35% an Treibhausgasen einsparen,
dabei wird die gesamte Herstellungs- und Lieferkette berücksichtigt (Forderung
2017: 50% Einsparung);;
zum Anbau der Pflanzen für die Biokraftstoffherstellung dürfen keine Flächen
mit hohem Kohlenstoffgehalt oder mit hoher biologischer Vielfalt genutzt
werden;
Bioethanol für E10 wird zu 90% aus Getreide und Zuckerrüben hergestellt, die in
Deutschland und Europa angebaut und verarbeitet werden;
Für die Bundesregierung hat die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für
die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln Vorrang vor anderen Nutzungen;
Auf 2 bis 3% der weltweiten Ackerflächen werden derzeit Energiepflanzen, aus
denen u.a. Bioethanol hergestellt wird, angebaut. Die Weltgetreideernte beträgt
derzeit 2,2 Milliarden Tonnen (2010), Davon fließen 6,5% (144 Mio t) in die
Produktion von Biokraftstoffen;
Der Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe beeinflusst die Lebensmittelpreise …
in äußerst geringem Umfang
(BMU; Faltblatt „Gute Gründe für mehr Bio im Benzin – warum wir Biokraftstoffe
brauchen“, Juli 2011, 7 Millionen Exemplare)
·
Die
Ware Hunger;
die brutalen Auswirkungen der Preissteigerungen auf Verbraucher in der Dritten
Welt. Das Problem treibt viele um. Auf Tagungen, Kongressen, Konferenzen werden
die vermeintlichen Gründe der Preisexplosion gebetsmühlenartig aufgesagt:
‣ der Klimawandel, der zu Dürren,
Überschwemmungen und Stürmen und in der Folge zu Ernteausfällen führt;
‣ der Biotreibstoff, der Agrarland
verbraucht;
‣ die Weltbevölkerung, die schneller
wächst als die Agrarproduktion;
‣ die aufstrebenden Staaten China und
Indien, deren Bürger mehr und besser essen;
‣ der steigende Ölpreis, der
Herstellung und Transport von Lebensmitteln verteuert;
‣ der steigende Fleischkonsum, der
mehr Getreide für Tierfutter verbraucht;
‣ die jahrzehntelange
Vernachlässigung der Landwirtschaften, besonders in den Hungergebieten.
All diese Faktoren klingen logisch und einleuchtend, und sicherlich tragen
einige auch zur angespannten Lebensmittelsituation bei. Nur: Die Ursache für
die übermäßige Preissteigerung sind sie nicht.
Olivier de Schutter, Uno-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, ist einer
der wenigen, die aufräumen mit den Legenden: "Die Förderung von Biosprit
und andere Angebotsschocks (wie Missernten oder Exportstopps -Red.) sind
relativ geringfügige Auslöser, aber in der angespannten und verzweifelten Lage
an den Weltfinanzmärkten setzten sie eine gigantische spekulative Blase in
Gang." In seinem Bericht benennt er die Schuldigen: Großinvestoren, die
aufgrund austrocknender Finanzmärkte massiv in den Rohstoffhandel eingestiegen
sind und diesen aus jedweder Proportion gerissen haben. Exzessive Spekulation
also sei die vorrangige Ursache für die Preisanstiege, so Schutter - und
tatsächlich geraten die bis dahin immer wieder genannten Gründe für den
Preisschub bei Nahrungsmitteln bei genauerer Betrachtung ins Wanken.
Natürlich: Die Agro-Treibstoffe treten zunehmend in Konkurrenz zum
Nahrungsmittelanbau - doch bislang machen sie nur sechs Prozent der weltweiten
Getreideernte aus. Laut Weltbank ist die Rolle von Biosprit an den Preissteigerungen
deutlich geringer als gedacht. Zudem votierte der US-Kongress im Juni gegen
weitere Subventionen, was als Beginn des Ausstiegs gewertet wird.
Gleiches gilt für die neue Fleischeslust der Schwellenländer. Zwar steigt dort
der Fleischverbrauch und damit auch die Nachfrage nach Futtermittelgetreide,
doch laut dem Washingtoner IFPRI-Institut für Lebensmittelpolitik decken Länder
wie China, Indien oder Indonesien ihren Mehrverbrauch ohne nennenswerte
internationale Zukäufe. "Wir finden keinen Beleg, dass die angeblich
gestiegene Nachfrage aus Schwellenländern irgendeinen Effekt auf die
Weltmarktpreise hat", heißt es in einem Weltbank-Bericht;
Das Ergebnis trägt den harmlosen Titel "Preisbildung in finanzialisierten
Rohstoffmärkten: Die Rolle der Information". Der Inhalt aber birgt
Sprengstoff: Der Rohstoffmarkt, stellen die Unctad-Forscher fest, funktioniert
nicht - jedenfalls nicht so, wie ein Markt im ökonomischen Modell funktioniert.
Da bildet sich der Preis durch Angebot und Nachfrage. Die Aktivitäten von
Finanzakteuren aber, heißt es in der Studie, "treiben die Rohstoffpreise
weg von den Levels, die durch fundamentale Marktdaten gerechtfertigt
sind".
So entstehen massiv verzerrte Preise, die nicht durch reale Faktoren
beeinflusst werden, sondern von der Erwartung, dass sich die wirtschaftliche
Entwicklung verbessert oder verschlechtert.;
Die Zahl der Spekulanten, die mit dem Hunger Geschäfte machen, wird weiter
zunehmen, solange der Markt nicht reguliert wird, fürchtet Unctad-Mann
Flassbeck. Die Folgen wären verheerend. Steigen die weltweiten Preise auch nur
um zehn Prozent, werden laut Weltbank weitere zehn Millionen Menschen unter die
Armutsgrenze rutschen. Viele verhungern, obwohl es genügend Essen gibt. Sie
können sich die Nahrungsmittel einfach nicht mehr leisten.
(Der Spiegel 35-2011 S.75ff.)
·
durch Bohrungen zum Einbringen von Wasser in die Erde
zur Erdwärmenutzung in Basel Beben der Stärke 3,2 und 3,4 ausgelöst;
1989 in Australien Beben in einer Kohlemine: Stärke 5,6, Schäden 3,5 Milliarden
US-Dollar;
geplante Verpressung von CO2 im Boden neue Fragezeichen;
“geomechanische Verschmutzung“
(ZEIT 18.1.07 S.31)
·
die Arbeiten am Geothermie-Kraftwerk in Basel werden
auf unbestimmte Zeit ausgesetzt; Bevölkerung verunsichert; das Projekt hatte
zwischen 8.12.06 und 16.1.07 drei Erdstöße der Stärke 3,1 bis 3,4 ausgelöst;
Epizentren lagen jeweils direkt neben dem Bohrloch
(taz 29.1.07)
·
Erdwärme für Wohnhäuser; 24.000 Anlagen in
Deutschland 2006 neu installiert; im Vergleich zu Öl und Gas maximal die halben
Energiekosten; Anlage mit 15-20.000 Euro doppelt so mteuer wie herkömmliche
Heizung; Mehrkosten in 10 Jahren eingespart
(Spiegel 4/07 S.139)
·
Stadt Staufen un Baden-Württemberg; seit Ende 2007
hebt sich die Altstadt monatlich um 1 cm; als Ursache werden Erdwärmebohrungen
vermutet; Wasser dringt in eine Schicht aus Anhydrit (Gips) ein, die aufquillt;
in Deutschland derzeit 167 Anlagen zur Nutzung tiefer geothermischer Wärme in
Betrieb; drei neue Kraftwerke produzieren auch Strom; Bundesumweltministerium
erwartet bis 2030 rund 850 MW aus Geothermie;
(Das Parlament 20.4.09 S.16)
·
Geothermie-Nutzung
in Berlin
in 1200 Metern Tiefe ist es unter Berlin 44 Grad Celsius warm, bei 1500 Meter
bereits 53 Grad; von hier soll hinabgepumptes Wasser erwärmt wieder nach oben
geholt werden, geplant ist ein Durchlauf von 50 m3 je Stunde;
nach den jetzigen Erkenntnissen Energiepotenzial der Tiefengeothermie im
Berliner Untergrund 2 TWh, damit könnten rechnerisch 5% des Berliner
Raumwärmebedarfs von insgesamt 40 TWh gedeckt werden
(taz 20.5.2011 S.18)
·
Strom
aus Erdwärme galt lange als nicht versiegende und umweltfreundliche
Energiequelle. Doch nachdem Testprojekte Erdbeben ausgelöst haben, kippt das
Wohlwollen
(Erdbeben nach geothermischen Probebohrungen in Basel am 8.12.2006) …die
Ursache für die Wackelei war bekannt: Ingenieure hatten 5 Kilometer unter der
Oberfläche bis zu 3750 Liter Wasser pro Minute mit einem Druck von 296 Bar in
das Gestein gepresst, um Risse zu erzeugen. Sie wollten im Untergrund eine Art
Durchlauferhitzer aufbrechen, um die Wärme in der Tiefe anzuzapfen. Doch die
Injektion setzte Spannungen in der Erdkruste frei.;
Auch im pfälzischen Landau, wo die Geox GmbH seit 2007 ein Erdwärmekraftwerk
betreibt, ereigneten sich im Sommer 2009 spürbare Erschütterungen mit
Magnituden von 2,4 und 2,7. Dazu kommt das Drama im südbadischen Städtchen
Staufen. Dort hebt sich seit drei Jahren der Boden, und Hauswände reißen. Der
Schaden beläuft sich inzwischen auf 50 Millionen Euro: Durch eine Geothermie-Bohrung
war Wasser in eine Schicht aus Anhydrit eingedrungen, das sich dadurch in Gips
umwandelte und wie ein Hefeteig aufging. Das Projekt sollte zwar keinen Strom
liefern, sondern nur Heizwärme. Doch es hat nicht nur Staufen, sondern der
Geothermie insgesamt einen weiteren Schlag versetzt.;
An vielen Standorten sind Bürgerinitiativen entstanden, die sich im August
sogar zu einem Bundesverband zusammengeschlossen haben und kein gutes Haar am
CO2-freien Energie-Bergbau lassen.;
Ist die Angst der Anwohner berechtigt? Ingo Sass, Professor für angewandte
Geothermie an der TU Darmstadt, hat seine Zweifel: „Die Erschütterungen in
Landau entsprachen nicht einmal denen einer vorbeifahrenden Straßenbahn“, meint
er. Er gibt – wie viele seiner Kollegen – den Medien eine Mitschuld an der
grassierenden Furcht: „Ich halte es für problematisch, solche Ereignisse in die
Nähe von Schadenerdbeben zu rücken.“ Huenges urteilt ähnlich: „Was kommuniziert
wird, hat mit den realen Gefahren nicht viel zu tun.“ Auch der Seismologe Gottfried
Grünthal vom Potsdamer GFZ sieht Aufklärungsbedarf: „Man muss zwischen
gefühltem und tatsächlichem Risiko unterscheiden.“ Mit einer neuen Methode,
einem Mix aus Modellierung und Wahrscheinlichkeitsrechnung, will er nun ein
Instrument entwickeln, um solche Risiken in Deutschland exakt abschätzen zu
können. Ob er damit gegen die gefühlte Angst ankommt, muss sich erst noch
zeigen.;
die verschiedenen Methoden des Wärme-Bergbaus sind unterschiedlich riskant. Die
ursprüngliche Idee, trockenes, heißes Gestein als Durchlauferhitzer zu nutzen,
setzt dem Untergrund besonders heftig zu. Bei diesem Hot-Dry-Rock-Verfahren –
die Fachleute sprechen neuerdings von petrothermaler Methode – werden Klüfte im
Untergrund aufgebrochen, indem man Wasser unter hohem Druck in ein Bohrloch
presst. Durch die Risse und Spalten leitet man dann Wasser, das sich erhitzt
und Energie liefert. Basel war eine Anlage dieses Typs. …
Einfacher haben es die Ingenieure, wenn ohnehin schon Wasser in der Tiefe
zirkuliert. In vielen Regionen, etwa im süddeutschen Molassebecken südlich der
Donau und im Norddeutschen Tiefland, ist das der Fall. Die meisten derzeit
betriebenen Anlagen fallen unter diesen „hydrothermalen“ Typ. Hier ist weniger
Gewalt nötig, weil das Gestein bereits nennenswerte Wassermengen birgt.
Allerdings geht es auch hier nicht ganz ohne Nachhilfe, denn meist müssen die
Klüfte erweitert werden, wofür man auch hier Wasser in den Untergrund drückt.
Zudem wird das nach oben gepumpte Wasser später wieder ins Gestein
zurückgeführt. Auch das geht nicht ohne erheblichen Druck. Bei all diesen
Eingriffen knistert es im Gestein.;
Die Bundesregierung hält trotz allem an der Technologie fest: „Das
Bundesumweltministerium geht davon aus, dass Geothermie-Projekte nach einer
Phase der weiteren Erforschung und praktischen Erfahrung mittel- bis
langfristig einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland
leisten können“, sagt der Pressesprecher. Bis 2020 soll die installierte
elektrische Leistung 280 Megawatt (MW) erreichen, bis 2030 sogar 850 MW. Um das
umzusetzen, müssten in Deutschland 200 Geothermie-Anlagen aus dem Boden
gestampft werden. Die optimistische Einschätzung hat einen guten Grund: Die
Elektrizität aus der Tiefe fließt Tag und Nacht. Sie ist grundlastfähig, kann
also rund um die Uhr Strom liefern und so einen Ausgleich zu den launischen
Energiequellen Wind und Sonne schaffen.;
Teuer sind vor allem die kilometertiefen Bohrungen. Die Löcher verschlingen
zwischen der Hälfte und drei Viertel der insgesamt nötigen Investitionen. Jeder
Meter Bohrung kostet zwischen 1000 und 2000 Euro – das macht für ein einziges
Loch bis zu 10 Millionen Euro. Und nicht immer liefern die Anlagen die
erhofften Energiemengen.;
Um mit Geothermie-Kraftwerken überhaupt Strom produzieren zu können, muss man
die Wärme des Wassers auf eine andere Flüssigkeit übertragen, die schon unter
100 Grad Celsius verdampft. Dafür stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Beim
Organic Rankine Cycle (OCR) hilft ein organisches Arbeitsmittel, das schon bei
rund 30 Grad Celsius verdampft. Beim Kalina-Prozess kommt ein preiswertes
Gemisch aus Wasser und Ammoniak zum Einsatz, das bei Erwärmung einen
ammoniakreichen Dampf freisetzt. In beiden Fällen bleibt der Wirkungsgrad mit
rund 10 Prozent bescheiden. Zudem geht für das Hochpumpen des Wassers sowie das
Rückführen des verbrauchten Wassers weitere Energie verloren. Der Wirkungsgrad
ließe sich natürlich steigern, wenn die Restwärme zum Heizen genutzt würde.
Doch der Bau eines Fernwärmenetzes verschlingt fast so viel Geld wie das Geothermie-Kraftwerk
selbst und lohnt nur, wenn genügend Abnehmer in der Nähe sind.
(bild der wissenschaft 3-2011 S.90ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32538914
)
·
nirgends auf der Welt so viele Solaranlagen wie in
Deutschland;
auf 1 Million Dächern; 800.000 Warmwasser; 200.000 Strom;
1/1000 des Strombedarfs;
energetische Amortisation:
Solarkollektor (Wärme) 1-2 Jahre, Photovoltaik: 3-5 Jahre;
Wind 4-7 Monate;
Produktion eingerechnet: 100-200 g CO2/kWh Solarstrom, Gas 4x so viel; Wind 10
x besser
(ZEIT 23.11.06 S.39)
·
Shell legt heute in Gelsenkirchen den Grundstein für
die weltgrößte Solarzellenfabrik
(taz 4.6.1998)
·
in Spanien (Mittelmeerort Beneixama) geht heute das
weltgrößte Solarkraftwerk in Betrieb;
Einzelanlagen mit 100 kW peak; insgesamt 20 MW; Solarzellen von Siemens und
City-Solar;
bereits 2009 soll östlich von Leipzig eine 40-MW-Anlage ihren Betrieb aufnehmen
(taz 15.3.07)
·
nach einer neuen Studie (USA) wird die Herstellung
von Solarstrom schon in drei Jahren so günstig sein wie der Strom aus
Braunkohlekraftwerken
Sinken der Produktionskosten pro erzeugtem Watt (pro Watt Leistung???) um 80
Cent auf 2,08 Euro
(taz 5./6.4.07)
·
in Sachsen, Brandis, östlich von Leipzig entsteht
derzeit das weltgrößte Photovoltaik-Kraftwerk der Welt;
soll ab 2009 Strom liefern; 40 MW;
40 Milliarden kWh/a decken den Bedarf von 10.000 Haushalten;
2 km lang – 600 m breit; 110 ha, 150 Fußballfelder; 130 Millionen Euro
(Freie Presse 24.4.07; Ökotest 6/07 S. 134)
·
Shell war am Bau der weltweit bis dahin größten
Solaranlage 2006 in Bayern (Pocking) beteiligt; 60.000 Module;
(bdw 5/07 S.102)
·
Verwaltungsgericht Braunschweig:
auch Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude dürfen das Dach mit einer
Solaranlage bestücken, zumindest, wenn die Anlage nur ¼ des Daches bedecken
soll
(Ökotest 5/07 S.182)
·
auf dem Dach der Audienzhalle des Papstes wird heute
eine Solaranlage eingeweiht; 2000 Module liefern im Jahr 300.000 kWh und sparen
315 Tonnen CO2; eine Woche später wird dem Vatikan in Berlin der Europäische
Solarpreis verliehen
(taz 26.11.08)
·
ein durchschnittliches Eigenheimdach reicht aus, um
den Strombedarf eines Drei- oder Vierpersonenhaushalts zu decken; Investitionen
von bis zu 15.000 Euro; in gut 10 Jahren Kosten amortisiert
(taz 25.5.09 S.08)
·
Desertec;
Siemens, RWE, Deutsche Bank, Club of Rome, Münchner Rück(versicherung):
ab 2020 mittels solarthermischer Kraftwerke in Afrika Strom erzeugen und per
Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung nach Europa bringen; Investitionsvolumen bis
2050 400 Milliarden Euro (350 für die Kraftwerke, 50 für die
Transportleitungen);
angestrebt: Anteil des Strombedarfs von Europa von 15 bis 17% und einen
erheblichen Anteil des Strombedarfs der Erzeugerländer produzieren;
in der Sahara 4800 Sonnenstunden pro Jahr (3x so viel wie in Deutschland);
Greenpeace: „eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und
Wirtschaftsprobleme dieser Zeit“
Parabolrinnen; Spezialöl auf bis zu 400 Grad erhitzt; damit Wasserdampf
erzeugt, der Turbinen antreibt;
gleichzeitig wird flüssiges Salz auf 380 Grad erhitzt, speichert Wärme für
Nachtbetrieb;
Energiekonzerne könnten so auch den Markt der erneuerbaren Energien wesentlich
(mit) bestimmen;
(taz 17.6.09 S.9, taz 14.7.09 S.3; Zeit 9.7.09 S.19f., Freie Presse Chemnitz
13.7.09 S.4)
·
Zeitschrift Finanztest: Investition von 15.000 bis
20.000 Euro für eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach reichen aus, um
langfristig eine sichere Rendite von 5 (bis 7%) zu erzielen; eine Ursache:
weltweiter Preisrutsch bei Anlagen um 10 bis 20%
(taz 22.7.09 S.9)
·
deutsche Firma Solar Millennium baut in Nevada (USA)
zwei jeweils 700 Hektar große Solarfarmen; Leistung 500 MW; benötigen für die
Kühlung fast 5 Mrd. Liter Wasser pro Jahr (immerhin 20% der örtlichen Vorräte);
wo es zu wenig Wasser gibt, werde man auf die Technik der (teuren)
Trockenkühlung umsteigen
(Spiegel 42-2009 S.116)
·
im Vergleich zum Project DESERTEC (Stromgewinnung aus
der Sonne in der Sahara und Umleitung nach Europa) sind die hiesigen
Solar-Panels teuer: mit deren Hilfe werden zurzeit in Deutschland insgesamt
rund 4,5 Mrd. kWh erzeugt, weniger als 1% des Stromverbrauchs; dafür sind seit
Mitte der 1990er Jahre 23 Mrd. Euro investiert worden; dieser Summe stünden 60
Mrd. Euro gegenüber, die laut DESERTEC-Plan der Versorgung Deutschlands mit
Wüstenstrom zuzurechnen wären; bloß: DA geht es um 100 Mrd. kWh
(Die Zeit 13.8.09 S.19)
·
Sonderveröffentlichung
der Siemens AG im Spiegel Herbst 2009:
Desertec: Unter Federführung der Münchener Rück und unterstützt durch ein
Konsortium von Großunternehmen wie RWE, Deutsche Bank und Siemens sollen in der
Sahara und im Nahen Osten solarthermische Kraftwerke sowie Windparks und andere Anlagen
umweltfreundlichen Strom erzeugen – für den Bedarf vor Ort wie auch für den
Export nach Europa. Bis zu 20% des europäischen Strombedarfs könnten im Jahr
2050 auf diese Weise gedeckt werden
·
(Leserbrief
Ulrich Leuchs)
ein großes Problem solarthermischer Kraftwerke in der Sahara wird leider nicht
erwähnt … das notwendige Kühlwasser. Ein Dampfkreislauf muss am hinteren Ende
gut gekühlt werden, um einen guten Wirkungsgrad zu erreichen. Die beeindruckend
hoch angegebenen Leistungen der solarthermischen Kraftwerke können bestenfalls
erreicht werden, wenn große Mengen möglichst kalten Kühlwassers zur Verfügung
stehen. Das ist jedoch bekanntlich in der Sahara nicht der Fall … Ausbau eines
gigantischen Kühlwassernetzes (mit Meerwasser?) … ist kaum realisierbar und
würde jeden Kostenrahmen sprengen
(bild der wissenschaft 6-2009 S.16)
·
Deutschland:
2010 werden Solaranlagen mit 9,5 GW Leistung installiert;
2009 wurden knapp 4 GW aufgebaut;
damit Ende 2011 etwa 30 GW am Netz;
schon 2013 Kapazität von knapp 50 GW erreicht;
Solarförderung kostet Stromverbraucher 2011 etwa 13,5 Mrd Euro; Stromumlage
erhöht sich um 70% auf 3,53 Cent pro kWh;
Deutsche Energieagentur fordert Deckelung der Solarförderung auf 1 GW pro Jahr
(Freie Presse Chemnitz 18.10.2010 S.5)
·
Bundeswirtschaftsminister
Philipp Rösler (FDP) will den Neubau von Solaranlagen im nächsten Jahr
drastisch verringern. Eine "Reduzierung des Ausbaus auf 1.000 Megawatt pro
Jahr" werde maßgeblich dazu beitragen, die Kosten zu begrenzen",
sagte Rösler der Rheinischen Post. Eine solche Deckelung würde einen massiven
Einschnitt bedeuten: 2010 wurden Anlagen mit einer Leistung von über 7.000
Megawatt installiert, für 2011 wird mit einem Wert von 5.000 Megawatt
gerechnet. Offizielles Ziel der Regierung waren bisher 3.500 Megawatt.
Allerdings ist dies kein fester Deckel, sondern ein Richtwert; wenn er
überschritten wird, sinkt die Förderung von Solarstrom stärker als geplant, bei
einem Zubau von unter 2.500 Megawatt hingegen weniger stark.
(taz 18.11.2011 S.9)
·
Die
Solartechnik sei unwirtschaftlich, wird man hören, die Einspeisevergütung
massiv überhöht - man müsse hier endlich die Axt anlegen.
Doch wer das heute noch sagt, hat schlicht die Entwicklung der vergangenen
Jahre verschlafen. In der Tat war Solarstrom einmal teuer; Mitte der neunziger
Jahre kostete die Kilowattstunde noch zwei Mark, also rund einen Euro. Doch
inzwischen hat die Photovoltaik ihre Position als teuerste Energie im
Ökostrommix geräumt - einer grandiosen technischen Entwicklung sei Dank: Seit
den achtziger Jahren ist der Preis der Kilowattstunde um satte 85 Prozent
gefallen.
Rasanter Preisverfall
An der Spitze der Kosten steht nunmehr die Geothermie. Deren Strom wird im
kommenden Jahr mit 25 Cent je Kilowattstunde vergütet, Photovoltaik hingegen
wird - je nach Anlagengröße - mit voraussichtlich 18 bis 24 Cent auskommen.
Damit ist Solarstrom auf Augenhöhe mit der Bioenergie angelangt. Und auch mit
der Offshore-Windkraft, deren Strom künftig mit 19 Cent je Kilowattstunde
vergütet wird, können solare Großanlagen schon mithalten. Die Stromkonzerne
seien daher ermahnt: Wer in Windkraftanlagen auf See investiert - was natürlich
sinnvoll ist - oder auch Erdwärmekraftwerke baut, der sollte beim Thema Kosten
des Solarstroms aufpassen, was er sagt.;
Denn die Solarfabriken in Fernost sorgen wiederum für Wertschöpfung in
Deutschland, indem sie vorwiegend auf deutschen Maschinen produzieren. In
diesen nämlich steckt das entscheidende Know-how. Und davon leben deutsche
Maschinenbauer. So kommt mancher Euro, der für chinesische Module abfließt,
auch wieder nach Deutschland zurück. Zudem besteht eine Solarstromanlage nicht
alleine aus Modulen.;
Der Wechselrichter zum Beispiel, der nötig ist, um den Gleichstrom der Module
in netzkompatiblen Wechselstrom zu wandeln, kommt meistens aus Deutschland. Der
Weltmarktführer SMA sitzt bei Kassel und generierte im Jahr 2010 mit 5.000
Mitarbeitern einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Ohne die stringente
heimische Solarförderung hätte SMA seine Spitzenposition niemals erringen
können;
Trotz all dieser Aspekte fließt unbestritten ein Teil der Solarförderung, die
jeder Stromkunde über seine Rechnung bezahlt, ins Ausland ab. Aber man muss
sich zugleich vor Augen halten, dass jenes Geld, das für Erdöl ausgegeben wird,
sogar fast komplett aus Deutschland abfließt. Und auch Gas wird bekanntlich
großteils importiert. Längst spart Deutschland somit durch den Einsatz
erneuerbarer Energien jedes Jahr einen hohen einstelligen Milliardenbetrag
aufgrund der reduzierten Importe fossiler Energieträger.
Dem steht, wie gesagt, nun im kommenden Jahr eine Erhöhung des Strompreises um
voraussichtlich etwa einen halben Cent je Kilowattstunde entgegen. Das
entspricht einem Aufschlag auf die Stromrechnung von etwa 2 Prozent. Viel ist
das nicht - soviel sollte die Energiewende jedem Stromkunden wert sein.
(taz 14.10.2011 S.12)
·
Hans
Müller-Steinhagen träumt von Strom aus der Sahara. Er treibt das Projekt
"Desertec" voran;
»Unser Vorhaben ist mit der Mondmission vergleichbar«, sagt der Rektor der
Technischen Universität Dresden.; »Schon ein Prozent der Wüstenfläche könnte
die ganze Welt mit Energie versorgen«, sagt er.
Steinhagen, heute 57 Jahre alt, ist auch Vorsitzender des Beirats der Desertec
Industrie Initiative. Der Zusammenschluss aus europäischen Banken, Versicherungen,
Technologie- und Energiekonzernen will in Nordafrika gigantische
solarthermische Kraftwerke bauen. Das Prinzip: Parabolspiegel bündeln
Sonnenstrahlen auf ein Rohr mit einer Flüssigkeit. Es entsteht Dampf, der
Turbinen antreibt. Die Energie soll über Gleichstromleitungen nach Europa
fließen. Geschätzte Investitionssumme bis zum Jahr 2050: etwa 500 Milliarden
Euro.;
Als Ingenieur hat sich Müller-Steinhagen intensiv mit Wärmeübertragung und
Solarenergie beschäftigt. Bevor er im August 2010 Rektor in Dresden wurde,
hatte er zehn Jahre lang in Stuttgart das Institut für Technische Thermodynamik
am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt geleitet. Die Berechnungen seiner
damaligen Mitarbeiter, wie realistisch die Wüstenstrom-Idee ist, bildeten das Fundament
für Gespräche mit Wirtschaftsvertretern. 2008 lud der Vorstandsvorsitzende der
Münchner Rückversicherung Müller-Steinhagen zu einem Treffen ein. »Es war ein
Schlüsselmoment«, erinnert sich der TU-Rektor. »Die Wirtschaft hatte Feuer
gefangen.« Etwa ein Jahr später gründeten 13 Firmen die Desertec
Industrie Initiative.;
Eine europäisch-afrikanische Energiepartnerschaft könne entstehen. Ökologisch,
nachhaltig und sozial. Nur ein Drittel des Stroms aus den Wüstenkraftwerken
soll nach Europa fließen, zwei Drittel sind für Afrika gedacht, um dort die
Wirtschaft anzukurbeln. »Es ist auch ein entwicklungspolitisches Projekt«, sagt
der Wissenschaftler.
Anfang Juli ist die TU Dresden als erste staatliche Hochschule Deutschlands dem
Desertec-Universitätsnetzwerk beigetreten.;
Könnte der Wüstenstrom die kleinen Unternehmer ganz verdrängen? Claudia Kemfert
hält die Befürchtung für unbegründet. »Die dezentrale Versorgung mit Ökostrom
wird unabhängig von Desertec wachsen«, schätzt die Energieexpertin vom
Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Beides stehe nicht in Konkurrenz
zueinander. »Desertec ist ein langfristiges und ein gutes Projekt«, sagt sie.
In erster Linie gehe es darum, die Versorgung in Afrika zu sichern. »Zudem wird
eine grundsätzliche Möglichkeit geschaffen, Energie nach Europa zu
transportieren.« Die Pläne der Initiatoren sehen vor, dass Desertec in
40 Jahren knapp ein Sechstel des gesamten europäischen Strombedarfs
decken werde.;
(Die Zeit 21.7.2011 S.11)
·
et 8/98 S.518
Stromsparlampen Aktion Helles NRW
- Beleuchtung trägt nicht 10, sondern gut 20% zum gesamten Stromverbrauch der
Haushalte bei;
- durch Sparlampen könnten pro Haushalt 250-300 kWh/a rentabel eingespart
werden; !0 Sparlampen je Haushalt sinnvoll;
- 500000 Sparlampen innerhalb eines halben Jahres verschenkt oder gefördert
·
www.initiative-energieeffizienz.de
·
www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/Heiztipps.pdf
·
(7) 50-60 Prozent des Stroms in der Industrie werden
durch Elektromotoren verbraucht. Wären nur 40% dieser Antriebe mit
elektronischer Drehzahlregelung ausgestattet, könnten 1,2 Milliarden Euro an
Energiekosten und damit die Strommenge eines Atomkraftwerks eingespart werden;
insgesamt ließen sich 30-40 % des Energieverbrauchs der Industrie mit heute
verfügbarer Technik einsparen, bei derzeitigen Preisen zu wirtschaftlich
vernünftigen Bedingungen
(BMU: Broschüre „Energieversorgung – umweltfreundlich zu stabilen Preisen“
2006)
·
Änderung Strom- und Wasserverbrauch Haushaltsgeräte
1990 bis 2006
|
Gerät |
Stromverbrauch |
Wasserverbrauch |
|
Kühl-Gefrier-Komb |
- 58 % |
|
|
Geschirrspüler |
- 34 % |
- 30 % |
|
Waschmaschine |
- 37 % |
- 66 % |
|
Elektroherd |
- 31 % |
|
(Freie Presse Chemnitz 21.4.06)
·
Mit der für die Herstellung eines Blattes Papier (A4)
benötigten Energie brennt eine 40-Watt-Glühlampe 30 Minuten lang.
(energiedepesche 1/2000 S.11)
·
mindestens zwei Atomkraftwerke arbeiten in
Deutschland nur für die Verluste elektrischer Geräte im Leerlauf und
Stand-by-Betrieb
(Umweltbundesamt)
·
Intelligente Heizungspumpen verbrauchen weniger als
die Hälfte der üblichen Strommenge; europaweit könnten sie 10 Großkraftwerke
überflüssig machen;
Umweltbundesamt lässt gerade einen GOLF (170 PS) optimieren; Erwartung: 4,75
Liter auf 100 km bei weiterhin 170 PS; geringeres Gewicht, schmalere Felgen,
ein länger übersetztes Getriebe
(ZEIT 11.1.07 S.3)
·
Elektromotoren in der Industrie verbrauchen dort zwei
Drittel des Stroms, Verbrauch wäre um 30 Prozent zu senken (ohne Zusatzkosten),
wenn elektronische Kraftregelungen und hoch effiziente Motoren verwendet würden
(Zeit 8.3.07 S.24)
·
Energiesparlampen; Recycling:
das für Deutschland beauftragte Unternehmen Lightcycle: im vergangenen Jahr
hätten 109 Millionen Gasentladungslampen entsorgt werden müssen, es waren nur
7% davon
(taz 27.2.07)
·
2006 in Deutschland 27 Millionen Energiesparlampen
verkauft – gleichzeitig 270 Millionen normale Glühbirnen;
es würde sofort funktionieren, wenn Stromverbrauch per Münzeinwurf spürbar
wäre;
Glühbirnenverbot in Australien: würde den Ausstoß an Treibhausgasen in A. um
nicht einmal 1% senken
(Der Spiegel 9/2007 S. 165)
·
schon mit heute existierender Technik könnte der
Primärenergiebedarf in Deutschland um 40% gesenkt werden;
Einsparziele Deutsche Energie-Agentur:
2020 gegenüber 2003: Strom –8%; Verkehr –5%, Wärme Gebäude –19%;
60% der Bürger ist überhaupt nicht bewusst, das ihre Öl- und Gasheizungen
überhaupt Strom verbrauchen;
Japan: dort wird das sparsamste Elektrogerät einer Warenklasse für 3-12 Jahre
zum Standard erhoben; schaffen es die Konkurrenten nicht aufzuschließen, droht
ihnen Verkaufsverbot;
(Der Spiegel 7/2007 S.86ff)
·
(taz 5.3.07)
afp: deutsche Forschungseinrichtung der Vereinten Nationen: bei der Herstellung
eines Computers mit Monitor wird 5 x so viel fossile Energie verbraucht und CO2
ausgestoßen wie bei der Produktion eines Autos;
Geräte müssten in Zukunft einfacher aufrüstbar sein
·
wenn PCs effizienter wären und nur angeschaltet, wenn
sie auch gebraucht werden, könnte 1 Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet
werden;
vor 5-6 Jahren verbrauchten Computer 7 TWh (Terawattstunden), bis 2010 werden
es 25 TWh sein;
eine aufwendige Computerausrüstung kostet im Jahr 200 Euro Strom
(taz 14.3.07)
·
Herstellerverband ELC (General Electrics, Osram,
Philips ...): bis 2015 sollen klimaschädliche Glühlampen vom europäischen Markt
verschwinden; CO2-Emissionen im Beleuchtungssektor sinken dadurch um 60%, 23
Mill. Tonnen pro Jahr
Freie Presse Chemnitz 6.6.07)
·
(4) 20 bis 40% des Energieverbrauchs der Industrie
könnten zu wirtschaftlich vernünftigen Bedingungen bis 2020 eingespart werden;
allein elektrische Antriebe verursachen 2/3 des Stromverbrauchs; durch Einsatz
von elektronischen Drehzahlregelungen wäre der Verbrauch um 15% zu reduzieren,
das entspricht 4000 MW = 3 bis 4 großen Kraftwerken;
(7) mehr als 90% der Gesamtkosten eines Elektromotors über die Lebensdauer
entfallen auf den Stromverbrauch;
(9) Pumpen: technisches Einsparpotenzial 25%, wirtschaftliches E. 12 bis 15%
(BMU: Energieeffizienz – die intelligente Energiequelle, Tipps für Industrie
und Gewerbe, Broschüre 2006)
·
Kraft-Wärme-Kopplung in Dänemark 40% des Strom- und
Wärmebedarfs, in Deutschland 12%
(taz 10.4.07)
·
Stand-By-Verluste in Deutschland 22 Mrd. kWh;
entspricht der Produktion von drei Atomkraftwerken, kostet vier Milliarden Euro
es gibt auch unvermeidlichen Stand-by-Betrieb: 10% steuern elektrische
Warmwasserspeicher bei, weiterhin Anrufbeantworter, Warmhalteplatten von
Espressomaschinen ...;
die wirklich überflüssigen Verluste durch Geräte schätzt der Verband der Elektrotechnik
(VDE) auf rund 3 Milliarden kWh jährlich; das sind weniger als 0,2% des
deutschen Stromverbrauchs
(ZEIT 22.3.07 S.48)
·
Einsparpotenziale beim Strom- und Wasserverbrauch (Angaben von Bosch und
Siemens)
|
Gerät |
Verbrauch Strom 1990 kWh |
Verbrauch Wasser 1990 Liter |
Verbrauch Strom 2007 kWh |
Verbrauch Wasser 2007 Liter |
|
Geschirrspüler |
1,74 |
1,05 |
28,1 |
12,0 |
|
Waschmaschine |
0,27 |
0,17 |
21,2 |
7,0 |
|
Elektroherd |
1,10 |
|
0,76 |
|
|
Kühlschrank |
0,53 |
|
0,11 |
|
|
Gefrierschrank |
0,76 |
|
0,19 |
|
|
Kühl-Gefrier-Kombination |
0.57 |
|
0,22 |
|
|
|
|
|
|
|
·
(energiedepesche Juni 2007 S.7)
·
Energiesparlampen:
zahlt sich aus, wenn sie sehr oft und länger als 5 Minuten angeschaltet werden;
der Mehrverbrauch an Energie während des Vorheizens der Elektroden (das dauert
1-2 Sekunden) ist nicht größer als die Lampe in 10 Sekunden verbraucht;; der
Startvorgang wird durch eine induzierte Spannungsspitze erzeugt und verbraucht
keine zusätzliche Energie;
(Freie Presse Chemnitz 9.7.07)
·
1 Paket Recyclingpapier (500 Blatt) spart im
Vergleich zu Frischpapier die Menge Energie, mit der eine 100-Watt-Glühlampe 44
Stunden lang brennen kann;
www.papiernetz.de:
Ersparnis für 500 Blatt 16,3 kWh; = 0,033 kWh/Blatt; 0,033 kWh/Seite geteilt
durch 0,1 kW = 0,33 Stunden je Blatt Brenndauer für eine 100-Watt-Glühlampe
(=0,1 kW); nach dieser Rechnung könnte eine 100-Watt-Glühlampe für 500 Blatt
(0,33 Std/Blatt x 500 Blatt) etwa 165 Stunden brennen; wahrscheinlich hat man
dann noch einen Wirkungsgrad der Kraftwerke bei der Stromerzeugung von 27%
angesetzt JKrause
(Ökotest 2/07 S.134)
·
Versteckte Energie im Haushalt
|
Bereich |
Anteil in Prozent |
|
Direkter Verbrauch |
54 |
|
Heizöl, Gas, Strom |
37 |
|
Kraftstoffe |
14 |
|
Indirekter Energieverbrauch |
46 |
|
Ernährung |
11 |
|
Wohnen |
9 |
|
Freizeit |
8 |
|
Transport |
8 |
|
Gesundheit |
5 |
|
Kleidung |
5 |
(Ökotest 4/07 S.146)
·
Mehr als 30 Millionen Heizungspumpen arbeiten in
deutschen Kellern; verbrauchen jährlich etwa 15 Milliarden kWh Strom; das sind
10% des Stromverbrauchs aller privaten Haushalte (genauso viel, wie der gesamte
Bahnverkehr in Deutschland mit allen S- und U-Bahnen benötigt);
alte ungeregelte Pumpe kostet 160 Euro, neue sparsame geregelte Pumpe kostet
360 Euro;
Stromkosten alt pro Jahr 100-150 Euro; neue Pumpe: 11-29 Euro
(Energiedepesche 4 Dezember 2007 S. 12ff)
·
Strahlende Energiesparlampen? Unbegründete
Panikmache!
Untersuchungen des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit und des
Schweizerischen Bundesamtes für Energie;
Ergebnisse zeigen, dass sich die elektromagnetische Strahlung von
Energiesparlampen im Rahmen der Abstrahlung von herkömmlichen Glühbirnen
bewegt; auch die Vorschaltgeräte unterscheiden sich nicht von den
elektromagnetischen Feldern anderer Haushaltgeräte; eine strenge schwedische
Norm (TCO) schreibt für niederfrequente elektrische Felder einen
Vorsorge-Grenzwert vor, der bereits von einem normalen Netzkabel überschritten
wird; für höherfrequente Felder (Betriebsfrequenz der Sparlampen) halten alle
getesteten Sparlampen selbst die strengen TCO-Grenzwerte ein; das elektrische
Feld eines Fernseh-Gerätes liegt selbst in einem Abstand von 1 Meter noch
deutlich höher als das einer Sparlampe im Abstand von 30 Zentimetern;
Halogenlampen „Energy Saver“ von OSRAM sind keine Energiesparlampen; diese
Halogenlampen sparen nur 30% Strom gegenüber einer herkömmlichen Glühbirne und
haben nur eine Lebensdauer von 2.000 Stunden („richtige“ Energiesparlampen: 80%
Einsparung; mindestens 8.000 Stunden)
(Energiedepesche 4 Dezember 2007 S. 18; 35)
·
Kritische Tipps für Wechsel des Stromanbieters;
unabhängige Tarifdatenrechner:
Verivox (www.verivox.de,
www.billiger-strom.de,
www.netzweb.de,
www.stromauskunft.de,
www.stromkosten-senken.de)
enet (www.toptarif.de,
www.findhouse.de)
gatag (www.tarifvergleich.de,
www.energieverbraucherportal.de)
(Energiedepesche 4 Dezember 2007 S. 26ff)
·
Glühbirne wandelt 3-5% der verbrauchten Energie in
Licht um, Rest verpufft als Wärme; Energiesparlampe 20 Watt ist gleich hell wie
100-Watt Glühlampe, hat 80% geringeren Stromverbrauch, durchschnittliche
Lebensdauer 15.000 Betriebsstunden (Glühlampe 1000), Austausch spart während
der gesamten Nutzungszeit 1200 kWh = 123 Euro;
LEDs (lichtemittierende Dioden) sind blei- und quecksilberfrei, geben weder
UV-Strahlen noch Wärme ab und halten etwa 10x länger als Halogenlampen und 50x
länger als Glühlampen, Brenndauer 100.000 Stunden (10 Jahre Dauerbetrieb)
künstliche Beleuchtung macht weltweit rund 19% des Stromverbrauchs aus;
(„Klimawandel“; Beilage zur ZEIT vom 6.12.07; SIEMENS AG)
·
Energieeffizienz und Kosten, Beispiele:
+ Gebäude: Das Dämmen einer Kellerdecke im Einfamilienhaus kostet knapp 2000
Euro; spart 150 Euro Heizkosten im Jahr, zusätzlich KfW-Kredit möglich
+ Verkehr: ein um 20% effizienterer Kleinwagen muss nur 100 bis 200 Euro teurer
sein, spart über 6 Jahre 700 Euro
+ Motoren: ein effizienter 11-kW-Motor für Industriebetrieb kostet nur 100 Euro
mehr als Standardmodell; Einsparung 100 Euro pro Jahr
+ hocheffizienter Kühlschrank (A++) kostet 50 Euro mehr, spart 11 Euro im Jahr
ein
(UMWELT (BMU) 12/2007 S.695)
·
Leitfaden „Heizen in Kirchen“ Informationen bei www.martin-sandler.de
·
Stromverbrauch in Rechenzentren;
die Kommunikationstechnik trägt so stark zur Klimaerwärmung bei wie der gesamte
Flugverkehr;
Beispiel Leibniz-Rechenzentrum Garching; Stromverbrauch 8 Megawatt;
für den Stromverbrauch, der auf eine einzige Anfrage bei GOOGLE entfällt,
könnte eine 11-Watt-Energiesparlampe zwischen 15 und 60 Minuten lang leuchten
(Spiegel 13-2008 S.154)
·
seit Wochenbeginn neue EU-Verordnung in Kraft getreten;
Stromverbrauch von Büro- und Haushaltselektronik regeln; gilt ab 2010 und
besagt, dass Neugeräte ab dann nur noch 1 Watt Leistung im Stand-by-Betrieb
aufnehmen dürfen, drei Jahre später nur noch 0,5 Watt
(taz 7.1.09)
·
Interview mit E.U.v. Weizsäcker:
Ersetzt man klassische Glühbirnen durch lichtelektrische Dioden, kurz LED,
gewinnt man Faktor Zehn Lichtausbeute pro Kilowattstunde.
(bei Energiesparlampen ist es Faktor 5 –
JK)
(Sport schütz Umwelt 89 Dez.2008)
·
Farbwiedergabe bei Energiesparlampen: 827 und 927 für
warm-weißes Licht (Wohn- und Schlafräume), 860, 865, 960 und 965 für weißes
kaltes Licht (sachliche Atmosphäre)
(Freie Presse Chemnitz 25.8.09 S.22)
·
Die neue Glühlampenverordnung der EU ist ein Erfolg
für den Klimaschutz. Schrittweise können bis zu 15 Millionen Tonnen CO2
jährlich eingespart werden. Das entspricht den Emissionen von 5 Millioen Autos
oder dem Stromverbrauch von Rumänien. Selten ist Klimaschutz so lohnend.
(Die Zeit 3.9.09 S.13)
·
mehr
als 18% aller Heizanlagen in Deutschland sind älter als 24 Jahre, veraltet sind
besonders Öl- und Gaskessel;
Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bei älteren Häusern 70 bis über
80 % der Energiekosten durch eine energetische Sanierung sparen lassen;
bei einer Sanierung entfallen auf die Dämmung von Außenwänden, Kellerdecken und
des Dachse rund 61% der eingesparten Energie, 32% entfallen auf den neuen
Heizkessel und 7% auf moderne Regelungstechnik
(Das Parlament 20.4.09 S.13)
·
Liste
der sparsamsten Haushaltsgeräte unter www.energieverbraucher.de/seite915.html
·
Energiesparlampen;
durchschnittlich in jedem Haushalt in Deutschland: 25 Lampen, davon 4 ESL; in
einem Drittel der Hauhalte 2001 keine ESL;
Stiftung Warentest: mangelhaft kurze Lebensdauer aldi, obi, ikea;
manchmal zu hohe Watt-Angaben des Herstellers;
einige Lampen werden nach längerem Betrieb deutlich dunkler;
keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Strahlung irgendwie
gesundheitsschädlich ist;
(energiedepesche Juni 2008 S. 26f)
·
seit gestern gelten in der EU strenge
Sparvorschriften für Hersteller von Computern, Fernsehern und Co. (Haushalts-
und Bürogeräte); Maximal 2 Watt darf ein Neugerät im Stand-by jetzt nur noch
verbrauchen; ab 2013 sind max. 0,5 Watt verbindlich;
(Freie Presse Chemnitz 8.1.2010 S.7)
·
in
den USA landen schätzungsweise 27% des Essens in der Mülltonne; das macht 2%
des gesamten Energieverbrauchs aus (Erzeugung, Zubereitung und Verpackung);
durch einen sorgsameren Umgang mit Nahrungsmitteln könnten demnach drei Viertel
der von US-Atomkraftwerken erzeugten Energie eingespart werden
(Spiegel 41-2010 S.163)
·
·
Norwegen, der Akku Europas
Pumpspeicherwerke an den Fjorden würden Windkraft in Deutschland ideal
ergänzen. Doch es regt sich grüner Widerstand.;
Wasser, so weit das Auge reicht. Blåsjø, Norwegens größter Stausee, dehnt sich
als künstliche Seenplatte über eine Fläche von fast 100 Quadratkilometern. Die
von Eiszeitgletschern abgehobelte Felslandschaft ist menschenleer, auf gut
tausend Meter Höhe bietet nur der Sommer eine kurze, schneefreie Phase, schon
im September kann der Frost zurückkehren.
Inzwischen sind Unmengen Schmelzwasser in den Stausee geströmt, 14 Dämme halten
es zurück. Vollständig gefüllt, fasst Blåsjø genug Wasser, um tief unten in den
zugehörigen Kraftwerken so viel Strom zu erzeugen, wie ganz Deutschland an fünf
Tagen verbraucht (7,8 Terawattstunden).;
»Norwegen wird zum Akku Europas«, verkünden unisono Energieunternehmen und die
Regierung in Oslo. Tatsächlich haben einige deutsche Studien die nordischen
Speicherkapazitäten längst in die Energieszenarien für den Atomausstieg
eingeplant. Doch ob sie tatsächlich erschlossen werden können, ist noch
keineswegs sicher.;
Prinzipiell haben die Aktivisten nichts gegen Stromleitungen. Ihre Zelte haben
sie sogar direkt unter einer kleineren Hochspannungstrasse aufgestellt. »Die
versorgt unsere Region, das ist in Ordnung«, sagt Nick Christensen, der Senior
des Camps. Auch die Nutzung norwegischer Speicherkapazität für den Atomausstieg
in Deutschland findet er eine gute Idee. »Aber unsere Landschaft dürft ihr
dafür nicht ruinieren«, ergänzt der sportliche 61-Jährige. »Wenn ihr das wollt,
dann müsst ihr für ein Kabel zahlen, das unsichtbar im Fjord und in Tunneln
verlegt wird.« Technisch wäre das möglich. Statt 200 Millionen Euro würde das
Kabel dann allerdings eine Milliarde kosten.;
Gut 30 Pumpspeicherkraftwerke gibt es in Deutschland. Zusammen können sie nur
wenig Wasser speichern, schon nach 2 ½ Stunden Windstille wären sie
leergelaufen. Das 500-fache des bisherigen Speichervolumens (für rund 25
Terawattstunden Strom) wäre langfristig nötig für ein stabiles Stromnetz;
Für Norwegen entsteht ein lukrativer neuer Energiemarkt mit einem geschätzten
Umfang durch Stromspeicherung von fast 10 Milliarden Euro im Jahr
(Die Zeit 1.9.2011 S.37)
·
BMU: Umweltbericht 1998, Zusammenfassung S. XX:
mit einem Anteil von 47% an den Stickoxidemissionen und von 32% an den
Kohlenwasserstoffemissionen (1994) ist der Straßenverkehr Hauptverursacher von
Waldschäden und Sommersmog
·
BMU 4/1998: Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Entwurf eines
umweltpol. Schwerpunktprogramms
S.80: km ÖPV 1960 bis 1993 konstant, MIV mehr als verdreifacht;
50% MIV Freizeit und Urlaub, Hälfte aller Fahrten unter 5km
·
neuer Audi S8 150 PS Verbrauch innerorts 19,7 l/100km
(energiedepesche 4/06 S.5)
·
Umweltbundesamt Praxis-Versuch, bei VW Golf mit 125
kW Leistung CO2-Ausstoß von derzeit 172 Gramm pro Kilometer auf 131 gesenkt;
Potenziale für Reduzierung (mit Technik, die es schon gibt oder die bis 2012
zur Verfügung steht) durch: schmalere Reifen bis 11 Gramm, geringeres Gewicht
des Fahrzeugs (z.B. leichtere Sitze) bis 5 Gramm, veränderte Übersetzung im
Getriebe und Anzeige für optimalen Schal-Punkt 18 Gramm, Wärmespeichersysteme
und Bremskraftrückgewinnung 10 Gramm, automatische Motorabschaltung bei
längerer Wartezeit 7 Gramm;
eine auf 50 kW verringerte Leistung (erlaubt noch 160 km/h) würde weitere 25 %
sparen, damit weniger als 100 Gramm CO2 je km;
Senkung der Emissionen um 20% Mehrkosten 280 bis 380 Euro je Auto; gesparter
Kraftstoff 1,3 Liter je 100 km; Aufpreis bei weniger als 20.000 km gespart;
Klimaanlage im Stadtverkehr bis zu 1,8 Liter Sprit-Mehrverbrauch auf 100 km
(Verkehrsclub Deutschland)
(taz 11.6.08)
·
weltweit höchste Windanlage in Laasow nördlich von
Cottbus; Flügelspitze 205 m, Turm 160 m; 35-40% mehr Energie als ein 100 m
hoher Turm
(energiedepesche 4/06 S.7)
·
Deutschland inzwischen mehr als 18.000 Windräder,
26.500 GWh = 4,3% des Stromverbrauchs (2005);
Wind weltweit in den vergangenen 3 Jahren verdoppelt: knapp 60.000 MW
(Zeit 23.11.06 S.39)
·
Siemens-Tochter PowerGeneration (PG) übernahm den
weltweit fünftgrößten Anbieter von Windturbinen, die dänische Bonus AG, hinzu
kam kürzlich die Bremer AN Windenergie GmbH;
vermutlich ist Windstrom in 10 Jahren nicht mehr teurer als konventionell
erzeugte Elektrizität;
(ZEIT 1.12.05 S.34)
·
gemeinsam mit Shell und der britisch-dänischen Core
plant E.on über die Tochter E.on UK Renewables den weltgrößten Windpark vor der
englischen Küste; 270 Windturbinen, 1000 MW Leistung; 2,26 Milliarden Euro
Investitionen; 2010 Betriebsbeginn
(energiedepesche 3/05 S.7)
·
französischer Atomenergiekonzern Areva will den
deutschen Windradhersteller Repower Systems komplett übernehmen
(taz 23.1.07)
·
stärkste Serienanlage der Welt: Enercon
(Deutschland); 6 Megawatt; Rotorenblätter 50 Meter, Maschinenhaus wiegt 440
Tonnen; 15 Milliarden kWh pro Jahr; Verbrauch von 15.000 Haushalten;
Windkraft im deutschen Strommix 2006: 5,1%;
deutscher Stromkonzern E.on will in den nächsten 5 Jahren 500 MW vor den
deutschen Küsten installieren;
(Spiegel 10/2007 S.86ff)
·
aktuelle Windenergie Deutschland fast 6% des
Stromverbrauchs produziert, 20.000 Windräder;
die ersten Offshore-Windparks vor der deutschen Küste sind genehmigt, Baubeginn
2008;
Unterwasser-Rotoren in England (Seaflow): statt 55 m Rotordurchmesser bei Wind
nur 20 m erforderlich für 1 MW Leistung;
(bdw 5/07 S.102)
·
Am
18. März 2007 um acht Uhr morgens speisten die Windkraftanlagen in Deutschland
18.100 MW Leistung ins Netz – alle Atomkraftwerke zusammen leisteten zur
gleichen Zeit nur 17.000 MW.
(energiedepesche Juni 2007 S.5)
·
Windräder
können nicht die komplette Energie übertragen, kommen auf einen Wirkungsgrad
von rund 40%; dafür kommen sie beim Betrieb komplett ohne Emissionen aus
(taz 4.9.07)
·
Bei
Offshore-Windkraftanlagen wollen vor allem Energiekonzerne wie Vattenfall oder
Eon investieren; die Vergütung soll von derzeit 9,2 auf bis zu 15 Cent pro kWh
steigen
(taz 3./4.11.07)
·
Offshore-Windenergie;
Nach Plänen der Bundesregierung sollen bis 2030 vier- bis fünftausend
Windräder, gebündelt in Parks, etwa ein Siebentel des deutschen Strombedarfs
decken; 75 Milliarden Euro Investitionen; Investoren erwarten 10% Rendite;
Investoren: e.on, Vattenfall, französischer Atomkonzern Areva, Gasprom,
jetzt Aufbau des ersten Testfeldes ALPHA VENTUS 45 km nördlich von Borkum; auch
Planungen für die Ostsee; ein Dutzend 5-MW-Windräder, jedes so hoch wie der
Kölner Dom und 1000 Tonnen schwer; in 30 Meter tiefem Wasser; dreimal so hohe
Baukosten wie an Land; dafür doppelte Windausbeute wie beste Standorte an Land;
ab 2009 15 Cent je kWh für Erzeugung in Offshore-Anlagen, 6 Cent mehr als für
Binnenland-Windenergie;
(ZEIT 26.6.08 S.32)
·
in
Druiberg am Harz Europas größte Windenergieanlage: 125 Meter hoch, 6 MW
(ZEIT 13.11.08 S.47)
·
Energiekonzern
Eon baut großen Windenergiepark in Texas; die ersten beiden von vier
Bauabschnitten eröffnet; derzeit könnten 100.000 Haushalte mit Strom versorgt
werden; Mitte 2009 sollen alle vier Abschnitte mit 627 Windturbinen
betriebsbereit sein (dann Versorgung von 265.000 Haushalten möglich);
in den USA betreibt eine Eon-Konzerntochter derzeit 6 Windparks mit einer
Leistung von mehr als 725 MW;
bis 2015 will Eon mit erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft!) weltweit eine
Kapazität von mindestens 10.000 MW erreichen
(taz 23.9.08)
·
in
Deutschland kommt es stundenweise vor, dass die Winkraft mehr Energie liefert
als alle Atomkraftwerke zusammen; Nennleistung Windkraft liegt bei über 23.000
MW, eine tatsächliche Einspeisung von 18.700 MW wurde schon erreicht;
Atomkraft: installierte Leistung gut 21.000 MW, mittlere Erzeugung 2007 bei
16.000 MW
(taz 25.7.08)
·
Ende
2008 überholten die USA mit neu installierten 8358 Megawatt erstmalig
Deutschland als „Weltmeister der Windenergie“; 22% der
Weltwindenergiekapazitäten stehen nun in den USA, in D. sind es 20%;
Förderung: bis zu knapp 50% kann ein Windinvestor sich aus der Staatskasse
finanzieren lassen
(taz 8.5.09 S.09)
·
Eon
hat in den USA den größten Windpark der Welt in Betrieb genommen; Bauzeit 2
Jahre, 627 Windräder; installierte Leistung 780 MW; 400 Quadratkilometer
(taz 2./3./4.10.09 S.08)
·
die
deutschen Konzerne Eon, RWE und Siemens erden bis 2020 allein oder in
Konsortien Windparks mit über 15 GW Leistung in Großbritannien errichten;
Investitionen etwa 111 Milliarden Euro
(Freie Presse Chemnitz 9./10.1.2010 S.7)
·
45
km vor der Nordseeinsel Borkum erster Hochseewindpark Deutschlands in Betrieb
genommen; 12 Windräder, 60 MW; in 30 m Meerestiefe errichtet; 250 Mill. Euro; Umspannwerk
auf See 110.000 V; 60 km Kabel
bis 2030 sollen 25.000 MW Offshore-Leistung installiert sein;
bislang 25 deutsche Projekte mit mehr als 1650 Rädern genehmigt, 22 Windparks
in der Nordsee, 3 in der Ostsee;
(Freie Presse Chemnitz 28.4.2010 S.6)
·
Windanlagen
auf See, ihr Beitrag zum deutschen Strommix liegt bisher nahe bei Null, und die
nötigen Milliardeninvestitionen können nur Großunternehmen stemmen;
in Bayern und Baden-Württemberg werden nur 1% des Elektrizitätsverbrauchs durch
Windenergie gedeckt;
auf 125 TWh pro Jahr – das sind 20% des deutschen Strombedarfs – schätzt eine
Studie des Fraunhoferinstituts IWES den möglichen Beitrag der beiden südlichen
Bundesländer zum Strommix der Republik;
22% der Fläche Deutschlands sind lt. der Studie grundsätzlich für die
Errichtung von Windparks geeignet, zieht man Wälder (10%) und alle irgendwie
geschützten Gebiete (4%) ab, bleiben 8% der deutschen Landfläche übrig, würde
ein Viertel davon für Windparks genutzt, ließen sich damit zwei Drittel unseres
Stroms erzeugen
(Die Zeit 19.5.2011 S.41)
·
Bundeskanzlerin
Merkel feiert in Zingst, dass der erste kommerzielle deutsche Offshore-Windpark
in Betrieb ging;
21 Windräder, Rotordurchmesser 93 Meter, Nennleistung 2,3 MW; jährlich soll der
Park 185 Millionen kWh Strom produzieren (entspricht Verbrauch von 50.000
Haushalten);
16 km nördlich der Ostseehalbinsel Darß/Zingst auf einem Areal von 7 km2;
„Baltic 1“
Betreiber: Konzern EnBW
(taz 3.5.2011 S.09)
·
Die
21 Anlagen für das Offshore-Windkraftwerk Baltic 1 wurden von Siemens Energy
geliefert und an deren dänischem Standort Brande hergestellt. Die Anlagen sind
gleich und haben eine Maximalleistung von 2,3 Megawatt (MW). Der erzeugte Strom
hat eine Spannung von 690 Volt und wird noch in den Anlagen auf 33 000 Volt
umgewandelt. Von dort gelangt er zu einem nahe gelegenen Transfomer, der den
Strom nochmals hochspannt: auf 150 000 Volt. Der Grund: Hochgespannter Strom
lässt sich über größere Strecken mit weniger Verlust transportieren, weil ihm
der Leitungswiderstand weniger zusetzt als Strom mit niedriger Spannung. Die
Hochspannung in den Windenergieanlagen ist aus Sicherheitsgründen nicht
möglich. Über die Kosten der Windenergieanlagen von Baltic 1 gibt der
Hersteller keine Auskunft. Auf dem Festland gilt als Hausnummer jedoch: 1000
Euro pro installiertem Kilowatt. Offshore-Anlage liegen um einiges darüber. Im
Geschäftsjahr 2010 stellte Siemens Wind Power rund 1000 Windenergieanlagen mit
einer Gesamtleistung von 2900 MW her. Die Leistungsbandbreite der einzelnen
Anlagen liegt derzeit im Bereich 2,3 bis 3,6 Megawatt. Auch für das
Offshore-Windkraftwerk Baltic 2, das 2013 ans Netz gehen soll, wird Siemens die
Windenergieanlagen liefern. Sie sollen eine Nennleistung von 3,6 MW haben.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.100)
·
bis
2030 sollen auf dem Meer, wo der Wind stetiger bläst als an Land, große
Offshore-Anlagen mit einer Leistung von 25 GW entstehen (entspricht 20
Atomkraftwerken);
erhebliche Schwierigkeiten beim Bau: um Küsten und Wattenmeer zu schonen, haben
deutsche Behörden die Parks teilweise bis zu 40 km vor die Küsten verbannt;
Dänemark dagegen errichtet solche Parks in wenigen Monaten in flachen Gewässern
und in Sichtweite des Festlandes, deutsche Ingenieure müssen mit Wassertiefen
bis 50 Metern zurechtkommen;
Deutschland Ende 2010: gesamte installierte Windkraftleistung 27.214 MW, davon
108 offshore (Großbritannien 5204 – 1341; Dänemark 3752 – 854);
China 2010: 60 bis 70 Unternehmen, noch Konzentration auf das Heimatgeschäft,
neue Windkraftanlagen mit rund 19 GW ans Netz gegangen (mehr als die Hälfte der
neuen Kapazitäten weltweit)
(Der Spiegel 17-2011 S.60)
·
im
Jahr 2010 produzierten spanische Windparks mit 42.976 GWh erstmals mehr Strom
als die deutschen mit 36.500 GWh; Spanien hat damit 2010 16,4% des Strombedarfs
mit Wind gedeckt, Deutschland nur 6,2%; installierte Leistung: Spanien 20.676
MW (modernere Anlagen), Deutschland 27.215 MW
(taz 10.5.2011 S.08)
·
Windpark Alpha Ventus, 12
5-Megawatt-Türme, derzeit größte deutsche Offshore-Anlage;
bei starkem Wind rasen die Flügelspitzen mit bis zu 300 km/h;
Wind weht durchschnittlich mit Stärke 5 (30 km/h), sehr viel gleichmäßiger als
an Land;
jede Umdrehung bringt 59 Cent in die Kasse; das Erneuerbare-Energien-Gesetz
(EEB) garantiert Offshore-Betreibern eine Einspeisevergütung von 13 Cent pro
Kilowattstunde
12 kleine Kraftwerke, jedes hat Leistung von 5 MW, zufällig genauso viel wie
das erste russische Atomkraftwerk in Obninsk 1954;
die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 weitere 10.000 MW auf See
installieren lassen, bis 2030 sogar 25.000 MW, das wären 5000 solcher Windräder
(Der Spiegel 42-2011 S.58ff.)
ÖKOLOGIE – BEWAHRUNG DER
SCHÖPFUNG
·
Q: BdW 7/95 S. 14
- Mehrweg: Glasflasche Wasser 40-50 x; PET Flasche Cola 25x
·
Q: BdW 1/96 S.11
- Tiefsee-Arten: statt 200000 wahrscheinlicher 10-100 Mill.
·
Q: BdW 4/95 S.102
- täglich gehen 50-150 Arten weltweit verloren, jährlich 20-30000
·
Q: BdW 11/95 S.10
- bisher größtes Artensterben vor 250 Mill. a, 90% aller marinen, 70% aller
Wirbeltierfamilien, Vulkanausbrüche über 1 Mill. a in Sibirien
·
in
Sachsen laufen jeden Tag 105.000 m3 Trinkwasser aus den Netzen aus; das wären
für jeden Menschen in Sachsen 24 Liter am Tag;
(Freie Presse Chemnitz 2.2.07)
·
Öko-Institut:
für 12 Maßgedecke verbraucht ein
Maschinenspülgang rund 15 Liter Wasser; zusammen kosten Wasser, Energie,
Reiniger, Klarspüler und Salz etwa 37 Cent pro Spülgang; die gleiche Menge von
Hand zu spülen, benötigt im Durchschnitt rund 50 Liter Wasser, Kosten etwa 66
Cent
(taz 30.9./1.10.2006 S.8)
·
9
von 10 Energiesparlampen landeten 2006 in der normalen Mülltonne;
insgesamt 70 Millionen Gasentladungslampen entsorgt;
mehrere hundert Kilogramm Quecksilber unkontrolliert in die Umwelt gelangt;
(ZEIT 22.3.07 S.31)
·
WHO
trat 2006 dafür ein, im Kampf gegen Malaria wieder vermehrt das
Insektizid DDT (Dichlordiphenyltrichloretan) einzusetzen;
DDT darf nach dem seit 2004 gültigen POP-Übereinkommen zur Bekämpfung von
Infektionskrankheiten wie etwa Malaria genutzt werden; der Einsatz in der
Landwirtschaft ist hingegen grundsätzlich untersagt;
Nun soll DDT nur auf Antrag zum Besprühen von Wohnraumwänden eingesetzt werden
und nur dann, wenn kurzfristig keine anderen Alternativen zur Verfügung stehen;
derzeit werden weltweit noch 6-7000 Tonnen DDT jährlich versprüht;
(taz 10.8.07)
·
Unentdeckte Vielfalt
|
·
Bereich der |
·
derzeit |
·
Vermutet Arten |
|
·
Insekten |
·
1.025.000 |
·
8.750.000 |
|
·
Pilze |
·
72.000 |
·
1.500.000 |
|
·
Bakterien |
·
4.000 |
·
1.000.000 |
|
·
Algen |
·
40.000 |
·
400.000 |
|
·
Fadenwürmer |
·
25.000 |
·
400.000 |
|
·
Viren |
·
1.550 |
·
400.000 |
|
·
Pflanzen |
·
270.000 |
·
320.000 |
|
·
Weichtiere |
·
70.000 |
·
200.000 |
|
·
Einzeller |
·
40.000 |
·
200.000 |
|
·
Krebstiere |
·
43.000 |
·
150.000 |
|
·
Fische |
·
26.960 |
·
35.000 |
|
·
Vögel |
·
9.700 |
·
9.880 |
|
·
Reptilien |
·
7.150 |
·
7.830 |
|
·
Säugetiere |
·
4.650 |
·
4.810 |
|
·
Amphibien |
·
4.780 |
·
4.780 |
|
·
Andere Arten |
·
110.000 |
·
250.000 |
|
·
|
·
|
·
|
|
·
Summe |
·
|
·
bis zu 14 Millionen |
·
20 bis 30 Prozent aller Arten könnten
bis 2050 der Erderwärmung zum Opfer fallen (IPCC)
(BMU: Magazin zum Klimaschutz und zur biologischen Vielfalt; Ohne Eis kein
Eisbär, Mai 2007, S.12)
·
In München ist die Artenvielfalt
doppelt so hoch wie in dem von Landwirtschaft geprägten Umland;
(bdw 10/2007 S.36)
·
Die
Heuersdorfer Emmaus-Kirche ist nach Borna umgesetzt worden; Heuersdorf wird für
Braunkohlegewinnung abgebaggert;
der sächsische Landesbischof Jochen Bohl sagt: „Für die Kohle darf kein Dorf
mehr abgebaggert werden.“
(Freie Presse Chemnitz 1.11.07 S.3)
·
Arten
auf der Erde: Schätzungen von 5 Millionen bis 100 Millionen;
Was ist eine ART?
- wenn sich zwei Tiere oder Pflanzen miteinander paaren können
- der Nachwuchs muss selbst fruchtbar sein (nicht bei Pferd/Esel)
- Paarung erfolgt auch unter natürlichen Bedingungen (nicht bei Löwe/Tiger)
(Ökotest 7/07 S.101f)
·
Materialbewegungen
in Deutschland pro Jahr (2002):
|
Material |
Millionen
Tonnen |
|
Kies,
Schotter |
379 |
|
Braunkohle |
182 |
|
Sand |
146 |
|
Natursteine |
68 |
|
Ton, Lehm |
26 |
|
Salze |
23 |
|
Quarzsand |
14 |
|
Sonstiges |
31 |
|
Summe |
895 |
|
Zusätzlich:
Recycling-Schotter aus Schutt |
72 |
|
Zum
Vergleich: Hausmüll |
50 |
·
(Ökotest 6/07 S.156)
·
Material
für Herstellung eines Notebooks + Verpackung: Gewicht 4,05 kg; Materialaufwand 434,9
kg
(Ökotest 6/07 S.164)
·
In
jahrzehntelanger ökumenischer Diskussion hat sich für die
Schöpfungsverantwortung des Menschen der Leitbegriff „verantwortliche
Haushalterschaft“ herausgebildet. Haushalterschaft, auf den griechischen
Wortstamm OIKOS zurückgeführt, umfasst sowohl Ökonomie als auch Ökologie .. in
dem Leitbild der „nachhaltig umweltgerechten Entwicklung“ ist die Richtung
vorgegeben
(Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Amtsblatt 17.8.07 S.B22)
·
In
der EU sterben jährlich 290.000 Bürger wegen Feinstaub, dem mit Abstand
gefährlichsten Luftschadstoff, und gut 20.000 wegen des Reizgases Ozon;
WHO setzt die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in weltweit gültige
Richtwerte um, die EU sucht einen politischen Kompromiss: Feinstaub-Grenzwert
von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft darf lt. WHO an 3 Tagen im Jahr
überschritten werden, lt. EU an 35; Zielwert bei Ozon lt. WHO 100 Mikrogramm
ohne Ausnahme; EU 120, die an 25 Tagen überschritten werden dürfen;
(Ökotest 10/2007 S.1334ff)
·
Umweltbundesamt:
Kosten für Umweltschäden durch Autos und Kraftwerke berechnet;
pro km PKW-Fahrt 2,9 Cent externe Kosten:
1,2 Cent Klimakosten, 0,5 Cent für Luftverschmutzung, 0,4 Cent für theoretische
Renaturierung der genutzten Flächen, 0,8 Cent für Lärm und durch ihn
verursachte Krankheiten und Mietminderungen;
umgerechnet auf 1 Liter Sprit: bei PKW Zuschlag 32 Cent, LKW 17,4 Cent;
(taz 18.4.07)
·
310.000
Menschen sterben in Europa jedes Jahr an den Folgen von Feinstaub, hat die
Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelt
(taz 12.12.07)
·
Ein
Durchschnittsdeutscher ist heute für 70 Tonnen Materialeinsatz jährlich
verantwortlich, ohne Wasser und Luft, fast alles Abraum;
Schmidt-Bleek veranschlagt 14 Tonnen für die Herstellung eines Computers
(taz 28.12.07)
·
Trinkwasserverbrauch
pro Einwohner und Tag in Deutschland:
|
Trinkwasserverbrauch pro Einwohner
und Tag in Deutschland |
|
|
Verbrauchsbereich |
Liter |
|
Baden,
Duschen, Körperpflege |
45 |
|
Toilettenspülung |
34 |
|
Wäsche
waschen |
15 |
|
Geschirr
spülen |
8 |
|
Putzen,
Autowäsche, Gartenbewässerung |
8 |
|
Kochen,
Trinken |
5 |
|
Kleingewerbe |
11 |
|
Summe |
126 |
|
|
|
|
Deutschland
1990 |
147 |
|
Sachsen
2006 |
86 |
(Freie
Presse Chemnitz 28.3.08)
·
Biologische
Vielfalt = Biodiversität
bezeichnet
+ die Vielfalt der Ökosysteme, in denen Lebewesen voneinander abhängen;
+ die Vielfalt der Arten, die die Evolution im Verlauf der Erdgeschichte
hervorgebracht hat
+ die Vielfalt der Erbanlagen von Gruppen und Individuen einer Art (genetische
Vielfalt)
(BMU Faltblatt Biologische Vielfalt 2007)
·
S.10:
In einer Handvoll normalem Boden (1 dm3) leben fast genauso viele
Organismen, wie Menschen auf der Erde leben (ca. 5 Milliarden, von winzigen
Geißeltierchen bis zum Regenwurm);
Es gibt ca. 10.000 Billionen Ameisen, die zu 9.500 Ameisenarten gehören und
ingesamt etwa gleich viel wiegen wie alle Menschen auf der Welt zusammen (6
Milliarden);
S.15:
Ethische Gründe für die Erhaltung der biologischen Vielfalt:
a) Die Ressourcenethik bezieht sich
auf die Erhaltung von Arten, Genen und Ökosystemen und ist eine
anthropozentrische, nutzenbezogene ethische Position. Hierbei wird auch unsere
Verantwortung zur Erhaltung der Ressourcen für die zukünftigen Generationen
thematisiert.
b) Die Tierethik plädiert für den
Selbstwert aller leidenfähigen Kreaturen und wird daher als eine
pathozentrische Ethik bezeichnet.
c) Die Naturethik kritisiert die
Ressourcenethik und auch die Tierethik als nicht weitreichend genug und fordert
die Anerkennung eines Selbstwertes der Natur. Es handelt sich also um eine
biozentrische Ethik. Kontrovers diskutiert wird über Ausmaß und Reichweite der
Verpflichtungen. So ist z.B. umstritten, ob allen Lebewesen ein gleichrangiger
oder aber je nach Organisationshöhe abgestufter Selbstwert zuzuordnen ist.;
S.16:
Schätzung der Verlustrate:
Geht man von einer globalen Artenzahl von 10 Millionen und von einer
durchschnittlichen Überlebensdauer einer Art von 1 bis 10 Millionen Jahren aus,
dürften auf Grund der natürlichen Prozesse pro Jahrhundert lediglich 100 bis
1.000 Arten (0,001 bis 0,01%) verloren gehen. Die gegenwärtig zu beobachtende
Verlustrate für Vögel und Säugetiere von
etwa 1% pro Jahrhundert liegt also um den Faktor 100 bis 1.000 über der
„natürlichen“ Aussterberate.
(BMU: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, vom Bundeskabinett am
7.11.07 beschlossen;, Broschüre 2007)
·
Energiesparlampen
belasten die Umwelt mit halb so viel Quecksilber wie Glühlampen (Stiftung
Warentest);
auch bei der Stromerzeugung wird (aus der Kohle) Quecksilber freigesetzt
(energiedepesche März 2008 S. 6)
·
Erbsenwürde;
seit 1992 steht in der schweizerischen Bundesverfassung der Begriff von der
„Würde der Kreatur“, die zu achten sei. Gemeint ist damit auch die Flora ; kein
anderer Staat hat eine solche Norm im Grundgesetz;
zehn Jahre brauchte die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie
im außerhumanen Bereich (EKAH) für ihren Bericht, der die Tragweite des
Verfassungsartikels klären sollte. Der ethische Befund lautet: Pflanzen haben
Würde, ihre grundlose Schädigung ist moralisch unzulässig.;
Das bedeutet, der Schweizer Bauer darf weiter Futter mähen, aber Pflanzen nicht
willkürlich in Grund und Boden treten;
für Gentechnik bedeutet das: die zentrale Fähigkeit zur Fortpflanzung muss
gewahrt bleiben; aber kernlose (sterilisierte) Tomaten, Trauben, Orangen
weiterhin zulässig – weil die Beeinträchtigung begründbar sei;
(ZEIT 30.4.08 S.43)
·
Anzahl
der Arten von Lebewesen, die täglich verschwinden: 70 sagt Edward O. Wilson,
der Doyen der Biologen; die G8-Umweltminister rechnen mit 150
(ZEIT 15.5.08 S.35)
·
(64f)
Nitratkonzentration im Grundwasser in Sachsen: 2005 bei 19,33% der Messstellen
Werte über 50 mg/l;
seit 1990 hat sich der Trinkwasserverbrauch von mehr als 230 Liter/Einwohner
und Tag auf 140 l/Ed reduziert; Verbrauch der Bevölkerung von 160 auf 86 l/Ed
gesunken = weit unter dem Bundesdurchschnitt mit 126 l/Ed;
(101) Abfälle aus Haushalten in Sachsen:
1995: 264 kg pro Einwohner im Jahr; 2005: 134 kg/Ea
(Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft,
Umweltbericht 2007)
·
Trinkwasserverbrauch
in Deutschland;
Verbrauch je Einwohner und Tag: 1990 147 Liter, 2000 129 Liter, 2006 125 Liter;
wofür ? – Angaben für 2006: Toilettenspülung 34 Liter, Wäsche waschen 15,
Geschirrspülen 8, Putzen, Autowäsche, Gartenbewässerung 8, Kochen, Essen,
Trinken 5, Kleingewerbe 11, Baden, Duschen, Körperpflege 45;
Trinkwasser ist das am besten überwachte Lebensmittel in Deutschland und immer
in Ordnung; zusätzliche Filter sind nicht nötig (können bei unsachgemäßer
Benutzung verkeimen);
durchschnittlich trinkt jeder Deutsche 130 Liter Mineralwasser im Jahr und
bezahlt dafür etwa 70 Euro; für die gleiche Menge sauberen Trinkwassers aus der
Leitung bezahlt er etwa 30 Cent;
Deutschlands Leitungen haben den geringsten Wasserschwund der Welt;
(Das Parlament 4.8.08 S.7)
·
Wasserverbrauch der Bundesbürger laut WWF: 4130
Liter täglich; davon werden nur 130 Liter direkt verbraucht, Rest „virtuelles
Wasser“, das zur Herstellung von Lebensmitteln und anderen Produkten
verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird; Herstellung einer Jeans über 5000
Liter, ein Kilogramm Rindfleisch über 10.000 Liter; Anbau, Verarbeitung und
Lagerung von 1 kg Kaffee 20.000 Liter Wasser erforderlich;
im Freistaat Sachsen durchschnittlicher Verbrauch je Einwohner und Tag 85 bis
90 Liter Trinkwasser aus der Leitung, im Erzgebirge nur 70 Liter
(Freie Presse Chemnitz21./22.3.09 S.1)
·
neue technische Verfahren machen Kiefer und Buche so
haltbar wie Tropenholz; normalerweise enthält Holz vernetzte Zuckermoleküle;
deren OH-Gruppen binden Wasser und quellen; auch Pilze, Bakterien ernähren sich
gern von Alkoholgruppen, darum verrottet Holz leicht; all das lässt sich
abbremsen, indem man die Alkoholgruppen verbindet, z.B. mit Essigsäure (1 Tag
Druckbad in einer Edelstahltrommel), dann bleiben Wasser und Mikroben draußen;
Haltbarkeit im Außenbereich 50 Jahre, im Boden 25 Jahre; kann problemlos
verbrannt werden
(Die Zeit 16.4.09 S.38)
·
Zahlen zum Wasserverbrauch
|
Trinkwasserverbrauch |
Liter je Einwohner und Tag |
|
|
Baden, Duschen, Körperpflege |
45 |
|
|
Toilettenspülung |
34 |
|
|
Wäschewaschen |
15 |
|
|
Anteil des Kleingewerbes |
11 |
|
|
Putzen, Autopflege, Garten |
8 |
|
|
Geschirrspülen |
7 |
|
|
Essen und Trinken |
5 |
|
|
Summe |
125 |
|
|
|
|
|
|
durchschnittlicher Verbrauch |
4200 Liter je Einw. und Tag |
|
|
Beispiele für „virtuellen Wasser-Verbrauch“ |
Liter |
|
|
1 kg Tomaten |
184 |
|
|
1 Liter Bier |
300 |
|
|
1 Liter Apfelsaft |
950 |
|
|
1 Liter Milch |
1000 |
|
|
1 kg Eier |
3300 |
|
|
1 kg Käse |
5000 |
|
|
1 kg Baumwolle (1 Jeans) |
11000 |
|
|
1 kg Rindfleisch |
15455 |
|
|
1 kg Leder |
16600 |
|
|
1 Personal Computer |
20000 |
|
|
1 kg Kaffee |
21000 |
|
|
1 kg Kakao |
27000 |
|
|
1 Auto (1500 kg) |
400000 |
|
(Die Zeit 18.6.09 S.37)
·
indirekter Wasserverbrauch, virtuelles Wasser;
|
1 Tasse Kaffee |
140 Liter |
|
1 kg Weizen |
1300 |
|
1 Baumwoll-T-Shirt |
2700 |
|
1 Steak |
5000 |
|
1 kg Röstkaffee |
22.500 |
|
1 kg Rindfleisch |
15.500 |
|
1 kg Baumwollstoff |
11.000 |
|
|
|
|
|
|
|
pro Bundesbürge am Tag |
5288 (WWF) |
1 Liter frisches Leitungswasser kostet in Deutschland weniger als einen
halben Cent, und es unterliegt strengen Kontrollen („natürliche“ Mineralwässer
können und dürfen (!) durchaus problematische Konzentrationen an Schwermetallen
wie Uran enthalten)
(Die Zeit 16.7.09 S.5; taz 4.8.09 S.8, Freie Presse Chemnitz 17.7.09 S.B3)
·
Flächenverbrauch
für Siedlungs- und Verkehrsfläche BRD in Hektar pro Tag
1993-1996: 120; 2007 96; Ziel Bundesregierung 2020 30
(BMU, Umweltpolitik von A bis Z, 2009, S.21)
·
S.65:
Trinkwasserverbrauch je Einwohner und Tag in Sachsen, seit 1990 von 230 auf 140
Liter reduziert; der spezifische Wasserverbrauch der Bevölkerung ist von 160
auf 86 Liter zurückgegangen (Bundesdurchschnitt 2004 126 L/E x d);
Abfälle aus Haushalten in Sachsen (kg je Einwohner und Jahr); 1995 264, 2000
160, 2005 134
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Umweltbericht 2007)
·
Einsatz von Recyclingpapier 2009:
Essen: Verbrauch 2009 > 40 Millionen Blatt A4; 100 % Recyclingpapier
(einschließlich Schulen)
Berlin: 940 Mill. Blatt; 93,02 % Recyclingpapier
Chemnitz: 15,5 Mill Blatt; 82,72 % Recyclingpapier
(UMWELT, Zeitschrift BMU, 12-2009 S.910)
·
diese aktuelle Ausgabe der „taz“ belastet die Umwelt
mit 300 Gramm CO2; jetzt Umstellung auf komplette Nutzung von Recyclingpapier;
damit allein werden schon die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart
(taz 9.10.2010 S.32)
·
Trinkwasserverbrauch in Deutschland1990: 147 Liter
pro Einwohner und Jahr, 2009 122;
pro Jahr werden in Deutschland 2,7% der sich jährlich erneuernden
Wasservorkommen verbraucht; 8% gehen auf dem Weg zum Kunden verloren (andere
Länder Europa viel mehr);
Trinkwasser-Sparen in Deutschland nicht not-wendig
(Spiegel 39-2010 S.56)
·
Produktion eines neuen PC + Monitor (laut
Umweltbundesamt):
2790 kWh Energie; 850 kg CO2 freigesetzt;
1500 Liter Wasserverbrauch; 23 kg Chemikalien
(taz 10.8.2010 S.23)
·
Ökologie – ein Beispiel für Verflechtungen:
Yellowstone-Nationalpark USA:
Wölfe angesiedelt
Wölfe dezimieren Wapitihirsche
Wapitis fraßen vorher Weiden-Sprösslinge
Weiden aber benötigt der Biber (als Futter, als Baumaterial für seine Dämme)
Dämme schaffen neue Gewässer
Neuer Lebensraum für Wasservögel
·
Das ersehnte Gift – Warum das Königreich Swasiland
das Insektizid DDT für einen Segen hält;
Der Europäer will nicht lernen, sondern belehren;
Malaria – jedes Jahr fast eine Million Tote, alle 30 Sekunden stirbt ein Kind
in Afrika an der Krankheit;
Swasiland will bis 2015 die Krankheit ausrotten;
DDT ist ein Kontakt- und Fraßgift; aufgesprüht auf die Außen- und Innenwände
der Hütten tötet es die Mücken, die den Malariaerreger übertragen, sobald sich
diese dort niederlassen; DDT ist billig und einfach zu handhaben;
Nach dem 2. Weltkrieg sprühten die Industrieländer das Insektizid gegen Läuse
und Mücken, Ulmensplintkäfer und Schwammspinner und schnell gegen alles, was
flog und krabbelte. So besiegten die reichen Länder Malaria und Typhus,
irgendwann waren sie so gut wie schädlingsfrei;
2001einigten sich 122 Länder, darauf, das Gift nicht mehr einzusetzen;
DDT könne Diabetes und Krebs verursachen, es löse Fehlgeburten aus und mache
unfruchtbar;
“Ich habe in meinem Leben viele Gräber von Malariaopfern gesehen. Aber kein
einziges von einem DDT-Opfer!“ Das ist eine afrikanische Sichtweise,
pragmatisch, nicht ideologisch. Es beschreibt ziemlich präzise den Unterschied
zwischen Risiko und Gefahr.
(Spiegel 27-2010 S.94)
·
Wie
viel Öl steckt in Plastiktüten?
1 Tüte wiegt etwa 20 Gramm; zur
Herstellung benötigt man 40 Gramm (= 50 Milliliter) Erdöl
(bild der wissenschaft 8-2010 S.12)
·
Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle
gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen sind nicht Eigentümer der Erde.
Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias den nachfolgenden
Generationen verbessert zu hinterlassen.
(Marx/Engels Gesamtausgabe, Abteilung 2 „Das Kapital“ und Vorarbeiten; Akademie
Verlag GmbH Berlin, 2004, Karl Marx: Das Kapital, Kritik der Politischen
Ökonomie, Dritter Band, Zweiter Teil, Hamburg 1894, S. 752)
·
(zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko – BP-Plattform
„Deepwater Horizon“)
20.4.2010 explodierte die Förderplattform; 87 Tage strömte Öl aus; 780
Millionen Liter;
am Ende zeigte die Bilanz: Glück gehabt; Wetterlage war günstig, große Menge Öl
und Chemikalien im Meer versenkt, braune Flut an den Küsten blieb weitgehend
aus, nur 6.100 tote Vögel eingesammelt (Bruchteil der bei der Havarie der
„Exxon Valdez“ verendeten Tiere), Bakterien scheinen einen guten Teil des Öls
abgebaut zu haben; „Der Golf von Mexiko wird sich erholen“
(Der Spiegel 52-2010 S.140)
·
Zur Debatte um die Energiesparlampen und die
Gefahren (vermeintliche und tatsächliche) durch Quecksilber in
Energiesparlampen gibt es auf folgender Seite interessante Informationen – beim
Umweltbundesamt, durch dessen Äußerungen die Sparlampen-kritische Diskussion im
Dezember 2010 in Gang kam:
http://www.umweltbundesamt.de/energie/licht/hgf.htm
·
Wasserverbrauch in Privathaushalten – Liter pro
Person und Jahr:
Indien 25, China 86, Deutschland 123, Spanien 270, Japan 278, USA 295, Dubai
500
(bild der wissenschaft 11-2010 S.96)
·
Umgang mit Risiken:
an der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (BSE) starben in Europa in
den letzten 25 Jahren rund 200 Menschen, durch Trinken von Lampenöl 140; in
Deutschland kein Toter durch vCJK, aber 5 durch Lampenöl; Kosten in
Deutschland, um einen Toten durch vCJK zu vermeiden: mehr als 1 Milliarde Euro
jedes Jahr sterben in Deutschland 8.000 bis 11.000 Menschen an der „normalen“
Grippe;
(bild der wissenschaft 11-2010 S.98)
·
bisher war man der Ansicht, es gebe weltweit etwa
900.000 verschiedene Pflanzenarten;
wahrscheinlich waren es nur 300.000, da viele mehrfach beschrieben worden sind
und verschiedene Namen erhalten haben
(bild der wissenschaft 12-2010 S.14)
·
Wo ist das Gift geblieben?
Golf von Mexiko – ein Jahr nach der Explosion
der "Deepwater Horizon";
Fotos von verzweifelten Fischern gingen um die Welt. Von sterbenden Delfinen, ölverschmierten
Vögeln und verdreckten Stränden. Besonders betroffen war der Bezirk
Plaquemines Parish an der Mündung des Mississippi, dem Südzipfel von Louisiana.
Dessen wortgewaltiger parish president (einem Verbandsbürgermeister
vergleichbar), der Republikaner Billy Nungesser, beschwor den Untergang des
gesamten Deltas herauf. Er nickte, wenn Umweltverbände vor einem »zweiten
Tschernobyl« warnten. Nungesser wurde zum omnipräsenten Gesicht der Betroffenen
und machte dem hauptverantwortlichen BP-Konzern und der
Regierung Dampf. Barack Obama, nachdem er das mögliche Ausmaß begriffen hatte,
reiste mehrmals an und setzte inmitten der »größten Umweltkatastrophe Amerikas« die
Genehmigungen für Tiefseebohrungen aus (siehe Chronik). Zeitweilig kämpften bis
zu 47.000 Menschen in Aufräumkommandos gegen die Ölpest.;
Natürlich findet man hier und da noch kleinere Öllachen. Doch überall in der
Marsch sprießen wieder junge, grüne Halme. Auch an Orten, wo vor Jahresfrist
noch alles schwarz war und man fürchtete, das Öl hätte gewaltige Todeszonen
geschaffen.;
Und die Biologen haben als Folge der Ölpest im vergangenen Jahr zwar 5.800 tote
Vögel, Schildkröten und Meeressäuger gezählt, aber an den Rotoren der
amerikanischen Windkraftwerke verenden Jahr für Jahr weitaus mehr Tiere.;
Ron Tjeerdema, der Toxikologieprofessor aus Kalifornien, war im vergangenen Mai
dabei, als es um die Genehmigung des Corexit-Einsatzes ging. Rasch musste
damals entschieden werden, das Öl sprudelte, niemand wusste das Bohrloch zu
stopfen. Da galten aggressive Chemikalien
als letzte Rettung. Aus ganz Amerika waren 50 Experten
unterschiedlicher Fakultäten zusammengerufen geworden. Zwei Tage lang gingen
sie an der Universität von Louisiana in Klausur, manchmal prallten die
Meinungen hart aufeinander. Doch am Ende, als es um Ja oder Nein ging, hoben
alle 50 zustimmend die Hand. »Natürlich mit Bauchschmerzen«, sagt Tjeerdema,
»aber die Gefahrenabwägung hat uns keine andere Wahl gelassen.« Die Folgen
einer Verseuchung der Küste, der Marsch und der flachen Gewässer wären
schlimmer gewesen.;
Hier endet der Eindruck eines Werbefilms mit fröhlichen Pelikanen, staksenden
Reihern und der frischen grünen Marsch abrupt: Braunes Abwasser fließt in der
Nähe des Hafens von Venice in den Sumpf. Es stammt von einer benachbarten
Müllhalde, über der Hunderte schwarzer Vögel kreisen. Auf einem Felsen mitten
in der Brühe sonnt sich ein Alligator. Fischer versehen ihre Boote mit einer
neuen Schutzhaut – und werfen die leeren Lackfässer unbedacht ins Wasser.
Überall liegen gewaltige Mengen von Schrott herum. Am Horizont graben
Schaufelbagger tiefe Fahrrinnen, um Platz für Öltanker zu schaffen. Und von den
Farmen des Mittleren Westens trägt der Mississippi Unmengen an Düngemitteln ins
Delta.
(Die Zeit 14.4.2011 S.35; http://www.zeit.de/2011/16/Oelpest-Deepwater-Horizon
)
·
Teure Malaria:
Tote weltweit: 2000 990.000; 2009 780.000;
Ausgaben zur Malariabekämpfung: 2000 200 Millionen US-$; 2009 1800 MUS-$
(Der Spiegel 19-2011 S.103)
·
DDT oder Knast
Biobauer in Uganda (Baumwollanbau) in
seiner Existenz bedroht, weil die Regierung DDT zur Malariabekämpfung sprüht
(Einsatz von den USA gefördert);
"Man hat mir vorher nichts gesagt", klagt der 48-jährige
Ugander, der auf einem blauen Plastikstuhl im Schatten eines jungen Mangobaums
sitzt. "Die Leute kamen einfach, besprühten mit ihren Maschinen die Wände
meiner Hütte und dann zogen sie weiter." Was die jungen Männer sprühten,
war ein Insektizid, das in Europa längst verboten ist: DDT. In Afrika wird es
bis heute zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt.;
Befürworter wie Richard Ocan Onen verteidigen den DDT-Einsatz. Ocan ist der
Koordinator der Sprüheinsätze, die eine private Firma im Auftrag des
ugandischen Gesundheitsministeriums und der US-Regierung unternimmt. Er
verweist darauf, dass nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich
etwa jeder dritte Ugander an Malaria erkrankt. Vor allem Kinder und schwangere
Frauen sterben daran, 6.296 Opfer zählte die WHO 2009. Malaria, sagt Ocan,
lasse sich nur mit Hilfe der Chemie besiegen. "Das Sprühen in den Häusern
ist wie ein großes Netz - auch wenn du kein Moskitonetz über deinem Bett hast,
kannst du sicher in deinem Haus schlafen und dich dort bewegen." DDT und
andere Insektizide, die in den Häusern gesprüht werden, funktionieren alle nach
demselben System: Moskitos, die sich auf die Wände setzen, werden vergiftet und
sterben, bevor sie die Malaria übertragen können. "Wir gehen in die
Häuser, sprühen und der Schutz hält lange an, im Fall von DDT neun
Monate", erläutert Ocan.;
Doch die Langlebigkeit ist zugleich der größte Nachteil von DDT. Noch nach
Jahrzehnten lässt sich der hochgiftige Stoff in der Umwelt nachweisen, der
einer neuen Studie der WHO zufolge in dem Verdacht steht, Krebs zu erregen und
das Erbgut zu schädigen. Als Insektizid wurde DDT nicht zuletzt deshalb
verboten, weil es nicht nur Schädlinge, sondern praktisch alle Insekten sowie
Fische, Vögel und kleine Säugetiere schädigt. Die zuständige
UN-Stockholm-Konvention hat DDT als "persistenten organischen
Schadstoff" verboten - einzige Ausnahme: das Sprühen in Häusern gegen die
Malaria. Auch manche WHO-Experten behaupten, dass DDT dort nicht ersetzbar sei.
Das Hauptargument jedoch gibt der Ugander Ocan in einem Satz wieder: "DDT
ist billig.";
Bis zu dreißig Mal so teuer seien die Alternativen, poltert Myers Lugemwa, der
in Ugandas Gesundheitsministerium für die Malaria-Bekämpfung zuständig ist.
"Wir müssen sehen, was uns hilft, und nicht der Demagogie der DDT-Gegner
Glauben schenken." Durch das Sprühen von DDT sei die Zahl der
Malariaerkrankungen in Oyam und Apac um 40 bis 50 Prozent gesunken, behauptet
Lugemwa.;
"Grundsätzlich geht es darum, ob es gleich wirksame Alternativen zu DDT
gibt, und wir sind der Meinung, die gibt es." Im Nachbarland Kenia werden
bereits biologische Sprühstoffe erprobt, die aus Pilzen gewonnen werden. Ob
solche Alternativen von den zumeist schulmedizinisch geprägten WHO-Experten
akzeptiert werden, ist offen. Während des Gipfels der Stockholm-Konvention, der
vom 25. April an in Genf stattfindet, wird erstmals auch eine Globale Allianz
zusammentreten, die über Alternativen zu DDT beraten soll. Doch ein schnelles
DDT-Verbot, so glauben die Organisatoren des Gipfels, ist nicht zu erwarten.
Vor allem die USA, die selbst die Stockholm-Konvention nicht ratifiziert haben,
fördern den DDT-Einsatz im Rahmen einer Malaria-Initiative von Präsident Obama
mit Millionenbeträgen - auch in Uganda.;
(taz 27.4.2011 S.05; http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw&dig=2011%2F04%2F27%2Fa0089&cHash=51ad92fc0a
)
·
Das umstrittene Insektizid DDT darf
trotz massiver Vorbehalte weiterhin als Mittel gegen Malariamoskitos eingesetzt
werden. Die Schweiz konnte sich auf einer internationalen Konferenz zu
gefährlichen Chemikalien mit einem Vorstoß, das Gift bis 2020 zu verbieten,
nicht durchsetzen. Zum Abschluss des Gipfeltreffens am Freitagabend bekam das
Ansinnen nicht die erforderliche Mehrheit. Die 151 Vertragsstaaten der
sogenannten Stockholm-Konvention hatten eine Woche getagt.;
Das Insektenvernichtungsmittel ist in den meisten Industrieländern seit den
70er Jahren verboten. In rund zehn Ländern, neben Indien vor allem in Afrika,
wird DDT aber noch zur Malariabekämpfung angewendet. Das Spray ist billig.
Wissenschaftler machen DDT jedoch für Brustkrebs, Diabetes, sinkende
Samenqualität, Fehlgeburten und neurologische Entwicklungsprobleme bei Kindern
verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor allem vor
Auswirkungen auf Schwangere und Kinder. DDT kann sich über die Nahrungskette im
Menschen anreichern.;
Der WHO zufolge sterben jährlich rund eine Million Menschen an Malaria.
(taz 2.5.2011 S.08; http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=wu&dig=2011%2F05%2F02%2Fa0063&cHash=d69ca97e65
)
·
ein Baum gibt durchschnittlich (über das ganze Jahr
betrachtet, einschließlich der Zeit, in der Laubbäume ohne Blätter sind) 10 bis
15 Kilogramm Sauerstoff am Tag ab;
ein Mensch verbraucht etwa 0,5 bis 2 kg Sauerstoff pro Tag;
(also „sorgt“ ein Baum für etwa 10 bis 15
Menschen JK)
(Freie Presse Chemnitz 1.4.2011 S.B6)
·
Nach
der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko kam es zu
einer Verschmutzung bisher ungekannten Ausmaßes im tiefen Meer. Wie werden die
Lebewesen mit der Belastung fertig?;
Welchen Schaden wird das Öl langfristig anrichten? Wenn man den Meldungen der
US-Behörden und von BP Glauben schenkt, dann ist das ausgetretene Öl inzwischen
verschwunden, und es droht keine langfristige Gefahr. Jegliches Öl sei entweder
verbrannt, aufgefangen, verdunstet oder von Bakterien abgebaut, heißt es.
Unabhängige Forscher wie Antje Boetius haben jedoch große Zweifel an dieser
Darstellung. Fest steht: Das Öl ist tatsächlich von der Oberfläche
verschwunden, und die Strände sehen wieder sauber aus. Außerdem war der Golf
von Mexiko mikrobiologisch bestens auf eine solche Katastrophe vorbereitet.
Denn hier gibt es eine ständige „natürliche Ölpest“: Aus dem Meeresboden tritt
an vielen Stellen Erdöl aus unterirdischen Lagerstätten aus. Bremer Forscher
entdeckten 2003 in 3000 Meter Tiefe sogar „Asphaltvulkane“. Dieser natürliche
Asphalt ähnelt chemisch sehr zähem Erdöl. Das Leben im Golf hat sich an diese
Belastung angepasst: Rund um die Ölquellen leben ölabbauende Bakterien aller
Arten, und auf dem Asphalt siedeln Würmer und Krebse
(bild der wissenschaft 5-2011 S.22)
·
…
das wirkliche Öko-Desaster bei jeder Ölförderung sind die vielen kleinen
Unfälle, der ganz normale Betrieb der Plattformen, der Transport des Öls und
die indirekte Einleitung von Öl und ölhaltigen Stoffen ins Meer.
So steht es in einem umfangreichen Gutachten des National Research Council der
USA aus dem Jahr 2003. Demnach fließen jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen Öl in
die Weltmeere. Knapp die Hälfte davon sind natürliche Einträge aus
unterseeischen Ölquellen, an die sich die marine Umgebung allerdings
"anpassen kann und von ihnen sogar profitiert", wie die
Wissenschaftler schreiben. Doch mit den restlichen 55 Prozent der Öleinträge
hat das Meer schwer zu kämpfen: 38.000 Tonnen aus den Bohrungen, 150.000 Tonnen
aus lecken Schiffen und Ölleitungen oder Unfällen beim Be- und Entladen sowie 480.000
Tonnen aus "diffusen Quellen": Privatboote, Schiffstanks oder
Abwasser von asphaltbedeckten Straßen
(taz 17.8.2011 S.9)
·
Müssen wir in Deutschland Wasser
sparen? …fragt
Martin Noeken aus Mainz.
Jeden Tag nutzt der Durchschnittsdeutsche 130 Liter Wasser, die Zahl ist
rückläufig und liegt unter dem Weltdurchschnitt. Sie weiter zu senken ist
ökologisch nicht besonders sinnvoll. »Im regenreichen Deutschland Wasser zu
sparen ist Unsinn«, sagt der Ingenieur und Umweltforscher Hans-Jürgen Leist von
der Uni Hannover.
Was wir als »Wasserverbrauch« bezeichnen, ist ja eigentlich nur ein Transport
des Wassers von A nach B sowie eine Verunreinigung, die sich in Kläranlagen
relativ leicht wieder rückgängig machen lässt. Es ist nicht so, dass die
Klärwerke weniger zu tun hätten, wenn wir die Klospülung nur kurz drücken, die
Dreckmenge bleibt konstant.
Und was ist mit dem Energieverbrauch? Die Wasserwerke brauchen weniger als eine
zehntel Kilowattstunde, um die tägliche Wassermenge für einen Deutschen
bereitzustellen. Richtig Energie kostet die Bereitstellung von warmem Wasser –
da lohnt sich das Sparen in der Tat.
Bei uns steigt das Grundwasser, und die öffentlichen Abwassernetze sind auf
größere Mengen ausgelegt, was dazu führt, dass sie manchmal sogar mit frischem
Wasser gespült werden müssen. Das wirkliche Ökoproblem sind die Wassermengen,
die für die Produktion von Waren wie Kaffee in Regionen auf der Erde verbraucht
werden, in denen Wasser tatsächlich ein kostbares Nass ist. Dort sind die Folge
sinkende Grundwasserspiegel. Wer Wasser sparen will, sollte sich also zum
Beispiel lieber Gedanken über seinen Kaffeekonsum machen.
(Die Zeit 13.10.2011 S.42)
·
Öko-Diktatur?
Natur ist Diktatur
Schließlich leben wir schon lange in der Ökodiktatur, worauf Reiner Metzger
(taz vom 15. 6.) hingewiesen hat: Mit der Natur kann man nicht verhandeln, sie
richtet sich nicht nach Mehrheit und Abstimmung. Deshalb ist auch die
Definition der Nachhaltigkeit falsch, nach der ökologische, ökonomische und
soziale Ansprüchen gleich wichtig sind. Wer den Vorrang der Ökologie verneint,
stellt die Grundlagen des Lebens zur Disposition
(taz 20.6.2011 S.5)
·
Der
Ökonom Jeremy Rifkin erklärt, wie man die Welt retten kann: mit einer dritten
industriellen Revolution;
eure Generation, ihr habt ein richtig großes Problem.
Wir hatten gehofft, Sie würden uns etwas Hoffnung machen.
Als im Juli 2007 der Ölpreis bei 147 Dollar pro Barrel stand, brach die
Wirtschaft zusammen. Das war das eigentliche Erdbeben, nicht der Zusammenbruch
der Finanzmärkte 60 Tage später, das war nur das Nachbeben. Ich glaube, wir
haben das erreicht, was ich "Peak Globalization" nenne. Wir kennen
jetzt die maximalen Grenzen der Globalisierung. Bei 147 Dollar pro Barrel Öl
kommt der Kollaps. Die ganze Welt ist auf fossilen Brennstoffen aufgebaut:
Düngemittel, Zement, Kunststoffe, unsere Medikamente, die Kleidung, das
Transportsystem, die Energieversorgung, Wärme, Licht. Und jedes Mal, wenn wir
die Wirtschaft wieder aufbauen, steigt der Ölpreis erneut, bis er die gleiche
Schwelle erreicht. Dann bricht die Wirtschaft wieder zusammen. In drei bis vier
Jahren werden wir an diesem Punkt sein, und dass ist dann das Endspiel;
Schauen Sie zum Fenster raus: Jedes Mal, wenn wir diese Infrastruktur aufrecht
erhalten wollen, wird sie wieder in eine Krise rutschen. Wir können nicht mehr
wachsen. Das ist vorbei.;
Amerika ist kein Vorbild mehr. Der Ort, an dem neue Ideen für die Zukunft der
Menschheit entstehen, das ist Europa. Es ist nicht China, sind nicht die USA;
Um die Welt zu retten, muss die Politik nach Ansicht Rifkins fünf Punkte
gleichzeitig fördern: Den Umstieg auf regenerative Energien, den Umbau aller
Gebäude zu dezentralen Minikraftwerken, den Ausbau von Energiespeichern, den
Umstieg auf Elektrofahrzeuge und - das ist der zentrale Punkt - die Verbindung
von Internet und Energienetz, um Energie zu managen und wie Informationen zu
teilen.
(taz 15./16.10.2011 S.30)
·
Mineralwasser
in Flaschen kostet 400 mal so viel wie das einwandfreie Trinkwasser aus der
Leitung;
während unser Trinkwasser immer besser geworden ist, hat sich der Verbrauch von
Flaschenwasser in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren verzehnfacht;
Wasser aus Glas- und PET-Flaschen belastet die Umwelt tausendmal so stark wie
die Erfrischung aus dem Hahn;
jährlicher Pro-Kopf-Verbrauch Mineral- und Heilwasser in Deutschland: 1970 12,5
Liter, 2010 130,8 Liter;
Ökobilanz Schweiz zu Umweltbelastung: (Ausstoß an CO2-Äquivalenten in Gramm pro
Liter: einheimisches Trinkwasser 0,4, einheimisches Mineralwasser in
Mehrweg-Glasflaschen 107, ausländisches Mineralwasser in Einweg-PET-Flaschen
425;
für einen Cent bekommt man 25 Gläser Wasser aus dem Hahn
(Die Zeit 24.11.2011 S.50)
·
Interview Klaus Töpfer:
Ich mag die Geschichte von dem Bauern aus dem Himalaya-Staat Bhutan, dem das
UN-Entwicklungsprogramm mit neuem Saatgut doppelte Erträge ermöglicht hatte. Als dann die
Experten im nächsten Jahr wiederkamen, um ihre Erfolge zu begutachten, da war
der Bauer verschwunden. Im Kloster. Er hatte ja schon für zwei Jahre geerntet,
da konnte er jetzt ein Jahr lang meditieren.
(ZEIT 30.3.06 S. 35)
·
Anders
ausgedrückt: Der Verbrauch der Ressourcen liegt dieses Jahr bereits fast um 30
Prozent über der jährlichen Biokapazität des Planeten – ein immenses
ökologisches Defizit. Um die Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu stillen,
bräuchten wir demnach nicht einen Planeten, sondern eine weitere Drittel-Erde
zusätzlich. Der britische Think-Tank New Economics Foundation (Nef), der mit
dem Global Footprint Network zusammen arbeitet, hat eine ähnliche Berechnung
für einzelne Länder angestellt.
Amerikaner bräuchten fünf Planeten
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Würde die Weltbevölkerung zum Beispiel den
Ressourcenverbrauch der Amerikaner übernehmen, bräuchten wir mehr als vier
zusätzliche Planeten, wären wir alle Franzosen oder Briten, so würde uns die
Erde x 3 reichen. Würde der deutsche Verbrauch auf die Weltbevölkerung
übertragen, so wären insgesamt zweieinhalb Planeten notwendig, um unsere
Bedürfnisse zu stillen. Als Chinesen dagegen würden wir - noch – weniger
ressourcenintensiv leben: Ein 20 Prozent kleinerer Planet würde schon reichen.
Und als Inder würden wir mit weniger als der Hälfte der Erde auskommen.
(Süddeutsche Zeitung 10.10.06)
·
Die derzeitige Lebensweise vor allem in den
westlichen Industriegesellschaften ist nicht mehr schöpfungsverträglich. Dazu
gehören insbesondere die Höhe des Energieverbrauchs, die Vergiftung von Boden
und Grundwasser und die anhaltende Verschwendung von Ressourcen. Wir können
nicht so weiterleben wie bisher.
(aus der „Kundgebung der 8. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf
ihrer 2. Tagung zur Zukunftsfähigkeit wirtschaftlichen Handelns“, Bad Wildungen
8.11.1991)
·
(73ff) Interview mit Bundespräsident Köhler:
Der Klimawandel ist kein Hirngespinst der Zukunftsforschung, sondern Realität
...
Die Wissenschaftler sagen uns, dass sich die Klimaerwärmung zwar nicht
aufhalten, sehr wohl aber begrenzen lässt ...
Die westlichen Industriestaaten haben ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell
entwickelt, das alle Welt aus verständlichen Gründen nachahmen will. Dabei hat
sich herausgestellt, dass dieses Modell alles andere als nachhaltig ist. Wenn
wir erreichen wollen, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer nicht die
gleichen Fehler wie wir begehen, müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen. Es
ist daher unsere Aufgabe, ein Wohlstandsmodell zu entwickeln, das mit immer
weniger CO2-Emissionen auskommt ...
In der Tat geht es um nichts weniger als den Umbau der Energiebasis unserer
Industriegesellschaft. In der Entwicklung klimafreundlicher Technologien liegt
übrigens eine große Chance gerade auch für die deutsche Wirtschaft ...
Klimaschutz bedeutet nicht notwendigerweise Verzicht. Im Gegenteil: Wir werden
in Zukunft auf viel mehr Wohlstand verzichten müssen, wenn wir nicht in den
Klimaschutz investieren.
(MOBIL, Magazin der Deutschen Bahn, 5/2007)
·
(12) Ludwig Ehrhard: „... dass wir mit wachsendem
Wohlstand immer mehr auf den falschen Weg der Atomisierung sowohl der zu
bewältigenden Aufgaben als auch unseres Lebens überhaupt geraten“ könnten;
Erhard hat bereits 1948 an das Pflichtgefühl appelliert und „in letzter
Konsequenz gerade den verantwortlichen Unternehmern, die über den Produktions-
und Verteilungsapparat der Volkswirtschaft verfügen, die größten Opfer, die
höchste Einsicht und Verantwortung“ abverlangt;
(Aus Politik und Gesellschaft, Beilage zu DAS PARLAMENT, Nr.13/2007, Soziale
Marktwirtschaft)
·
„Sie
bewegt, auch wenn sie steht“, wirbt Mercedes für seine S-Kasse;
Teile der Autokarawane in Deutschland stehen jährlich 4,7 Milliarden Stunden
lang still, im Stau; das sind rund 57 Stunden je Einwohner und Jahr
(GEOkompakt Nr.3 „Das Abenteuer Technik“ 2005 S.52, 56)
·
Der Durchschnittsdeutsche ist als Konsument, als
Exportweltmeister und als Tourist vor allem Täter und Profiteur der
Globalisierung, Opfer nur in dritter Linie.;
das „Großwerden des kleinen Mannes“ (Biedenkopf 70er Jahre);
Die Globalisierung rückt Afrikaner, Asiaten und Lateinamerikaner in unsere
unmittelbare Nachbarschaft. Und aus deren Sicht sind die sozialen Unterschiede,
um die wir hier (in Deutschland JK) kämpfen, ohne jede Bedeutung, aus deren
Sicht sind (fast) alle Deutschen reich.;
Nicht mehr nur: Ihr seid ständig in Gefahr, benachteiligt zu werden, und wir
helfen euch, das zu verhindern.“
Sondern immer mehr: „Ihr seid auch Privilegierte, und wir helfen mit euch
zusammen den Benachteiligten.“
(Die Zeit 16.5.07 S.3)
·
Was braucht der Mensch?;
dass zu einem erträglichen menschlichen Zustand neben Erfüllung auch das
Verlangen nach Erfüllung gehört, also der Versuch, Wünsche und Leidenschaften
lebendig zu halten;
gut zu leben bedeutet, neugierig zu bleiben auf das, was kommen mag, selbst
wenn es einmal zum Ende kommt;
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 25 (1948):
„Jeder Mensch hat den Anspruch auf eine Lebenshaltung, die seine und seiner
Familie Gesundheit und Wohlbefinden einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung,
ärztlicher Betreuung und der notwendigen Leistungen der sozialen Fürsorge
gewährleistet ...“; seit den 1990er Jahren bemüht sich die UNO, diesen Katalog
um ein Menschenrecht auf Wasser zu erweitern;
Je mehr man darüber weiß, was den anderen Weltbürgern fehlt, desto schärfer
kann die Wahrnehmung werden für das, was man hat. Viele sehen erst jetzt, dass
die Freiheit zur Selbstbestimmung, die im Westen längst zu den
Grundbedürfnissen zählt, sich nicht in der Entscheidung für den dritten Urlaub
oder für den Zweitwagen, die Drittfrau ausdrücken muss. Viele sehen erst jetzt,
dass ihr Bedürfnis nach Solidarität gar nicht heißen muss, sich nur an die
Seite der Schwachen im eigenen Lande zu stellen, sondern auch in der
effizienten Heizpumpe im Mietshaus zum Ausdruck kommen kann.;
europäische Grundbedürfnisse: die Garantie von Grundrechten, ein
funktionierender Staat, die Liebe zur Kunst, die Geselligkeit, die
Vertragssicherheit, der Hunger nach Geschichte und Zukunft, die Gerechtigkeit,
die Heimatlichkeit einer Landschaft
(Die Zeit 5.7.07 S.47f)
·
Schweizer Ökonom Bruno S. Frey, Interview:
Arbeitslosigkeit beeinträchtigt die Lebenszufriedenheit stark, auch wenn sich
das Einkommen nicht ändert (raubt den Betroffenen soziale Kontakte und das
Selbstwertgefühl);
wenn man abwägen muss zwischen mehr Beschäftigung und mehr Wachstum, dann
weisen unsre Ergebnisse auf die Beschäftigung;
Zufriedenheit durch: persönliche Kontakte (Beziehungen und gemeinsame
Tätigkeiten im Kreis der Familie, Freunde, Bekannten); demokratische Teilhabe,
zufriedenstellende Arbeit (weniger wirtschaftlich als gesellschaftlich);
andere Ziele als Glück: Solidarität, Verantwortung, Ästhetik;
Menschen überschätzen den Nutzen von materiellen Gütern (schnelle Gewöhnung);
Zufriedenheit erlangen Menschen weniger mit Dingen als mit Aktivitäten;
eingebunden in Partnerschaft, Freundeskreis, Clubs, Vereine, gemeinnützige
Gruppen, Religionsgemeinschaft;
nützlich allein weder Schönsein noch hohe Bildung, evtl. aber ein (womöglich
angeborenes) Talent zur Zufriedenheit;
auch Menschen in befristeten und schlecht bezahlten Jobs sind fast so zufrieden
wie Dauerangestellte;
(Die Zeit 5.7.07 S.22ff)
·
Auf einem endlichen Planeten kann es kein unendliches
Wirtschaftswachstum geben. Es gibt eine Vielzahl von Belegen für die
Notwendigkeit, den unternehmerischen Geist wieder auf Dienstleistung und
Verantwortung auszurichten – für den Menschen und auch für die Erde.
(forum Nachhaltig Wirtschaften; Bundesdeutscher Arbeitskreis für
umweltbewusstes Management B.A.U.M.; 2/2007, S.2) www.nachhaltigwirtschaften.net
·
Ökobilanz Äpfel aus Neuseeland:
Transportstrecke 23.000 km (Kühlschiff); verbraucht rund 1/3 mehr Energie als
der einheimische Apfel, der nach Saisonende 5 Monate Tiefschlaf im Kühlhaus
hält;
Unterschied entspricht etwa dem CO2-Ausstoß, den man mit dem Auto zum 3 km
entfernten Supermarkt verursacht
(Das Parlament 22.10.07)
·
Neuester Ausblick der Internationalen Energie-Agentur
(IEA) zur Weltenergie;
ganz nebenbei – auf Seite 215 ihres Berichts – hat die Behörde ein Tabu
verletzt: Der westliche Lebensstil ist unhaltbar – weil er unmöglich vom Gros
der Menschheit kopiert werden könnte, ohne dass die Klimakatastrophe
Wirklichkeit wird
(ZEIT 15.11.07 S.25)
·
Bundespräsident Köhler:
das Weltfinanzsystem ist außer Kontrolle geraten;
die Finanzmärkte hätten sich zu einem „Monster“ entwickelt, das an die Leine
gelegt werden müsse, sagte er dem STERN;
nötig sei eine strengere Regulierung und eine Stärkung des Internationalen
Weltwährungsfond (IWF), auf dessen Chefsessel er früher saß;
“Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte“;
man müsse der Finanzwelt eine Spiegel vorhalten, „Sie hat sich mächtig
blamiert“;
ein klares Schuldeingeständnis vermisse er bisher;
Kapitalismus heiße nicht nur Rendite einfahren, sondern vor allem, mit Risiko
umzugehen
(taz 15.5.08)
·
Wofür wir
Geld ausgeben – Haushaltsausgaben
|
Bereich |
Anteil in
Prozent |
Anteil in
Prozent |
|
Nahrungsmittel, Tabakwaren |
41 |
12 |
|
Wohnen, Energie, |
15 |
31 |
|
Verkehr
und |
2 |
17 |
|
Bildung
und |
6 |
13 |
(Ökotest Magazin 5/2008 S.31)
·
„… wir haben viel
dazugelernt: dass die Rohstoffe unseres Planeten begrenzt sind, dass Wachstum
einen Preis hat und dass kein Land der Welt sein Glück ohne die anderen machen
kann. …
Wir brauchen eine neue, ökologische Industrielle Revolution - überall auf der
Welt. Neue Energiequellen müssen erschlossen, neue Produktionsweisen entwickelt
werden.“
(Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede zum 60-jährigen Bestehen der
Bundesrepublik Deutschland 25.5.09)
·
Wir
könnten auch anders
Warum brauchen wir Wirtschaftswachstum?
Was alle Sonnenkraftwerke der Welt bisher nicht geschafft haben, erledigt nun
die Rezession: Die CO2-Emissionen sinken. Offenbar gibt es keinen besseren
Klimaschutz als ausbleibendes Wirtschaftswachstum …
In den vergangenen dreißig Jahren hat sich das Bruttoinlandsprodukt in
Deutschland verdreifacht. Das heißt, verkürzt gesagt: Der durchschnittliche
Deutsche kann sich heute dreimal so viel leisten wie damals. Die
Lebenszufriedenheit aber ist unverändert geblieben … so in fast allen großen
Industrieländern, mit Ausnahme der USA. Dort sind die Menschen heute sogar
weniger glücklich als früher. …
Wenn heute ein junger Vater … seinem Sohn die eigene Kindheit beschreibt, dann
handeln diese Geschichten von den ersten Farbfernsehern und Urlauben am
Mittelmeer. Auch damals hatten die Meyers schon ein Auto, vielleicht war es ein
Opel Kadett … 55 PS … die Fenster musste man mit der Hand rauf- und
runterkurbeln, aber das hat niemanden gestört … „Wir waren zufrieden damals“
(Die Zeit 20.5.09 S.15)
·
wir
haben uns eingeredet, es gebe einen Königsweg, diese Widersprüche aufzulösen:
Wir haben uns eingeredet, permanentes Wirtschaftswachstum sei die Antwort auf
alle Fragen. Solange das Bruttoinlandsprodukt wächst, so die Logik, können wir
alle Ansprüche finanzieren …
Es ist eine kulturelle Herausforderung. Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine.
So sah es auch Ludwig Erhard. Wohlstand war für ihn nicht Selbstzweck.
Wohlstand war und ist auch heute Grundlage für ein Leben, das darüber
hinausweist. Machen wir aus Erhards Erkenntnis eine Frage an uns selbst: Wie
viel ist genug? …
Wir wollen Zufriedenheit und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nicht länger
nur von einem quantitativen "Immer Mehr" abhängig machen. Was in
unserem Land wachsen muss, sind vor allem das Wissen und die Intelligenz, mit
der wir unser Leben besser gestalten können.
(Bundespräsident Horst Köhler, Berliner Rede 2009)
·
Wie
Glück entsteht;
Freiheit und Selbstbestimmung sind für das Glück der Massen wichtiger als
Gerechtigkeit;
obwohl sich das Pro-Kopf-Einkommen in den USA seit Ende des 2. Weltkriegs (bis
1974) gut verdreifacht hatte, waren die US-Bürger im Schnitt um keinen Deut
glücklicher geworden;
Arbeitslosigkeit macht unglücklich; dieses Unglück lässt sich auch durch eine
üppige Arbeitslosenunterstützung nicht wettmachen;
nur politisch links Stehende nehmen jedwede Ungleichheit in ihrer Gesellschaft
tragisch, „je weiter links eine Person in ihrer politischen Einstellung steht,
desto unglücklicher ist sie – und umgekehrt“;
zu den dauerhaften Glücksbringern gehören Freiheit und ein gut
funktionierendes, nicht von Korruption und Willkür geplagtes Staatswesen.
Demokratie macht glücklich. Wirtschaftliche Freiheit macht glücklich, in
ärmeren Ländern sogar etwas mehr als in reichen. Persönliche Freiheit macht
glücklich
(bild der wissenschaft 2-2008 S.18ff)
·
Grüne
Wendehälse;
Die Grünen haben Erfolg, weil sie sich komplett neu erfunden haben.
Wachstumskritik und ein anderes Wirtschaftsmodell blieben auf der Strecke;
Vordenker der Öko-Bewegung
Es war ja nicht so, dass die Grünen allein auf dieses Thema gekommen wären.
Schon Bundespräsident Gustav Heinemann fragte 1972 in einer Rede: "Haben
wir … nicht viel zu lange manche Kosten unseres Wohlstandes in den
Industrieländern auf die Umwelt abgewälzt, in der wir nun zu ersticken drohen?"
Und 1973 fragte Hans Matthöfer, langjähriger führender SPD-Politiker: Wie kann
eine Wirtschaft wachsen, "ohne die Umweltbelastung zu erhöhen"? Der
Autoindustrie wollte er als Forschungsminister Ende der siebziger Jahre zehn
Milliarden Mark in die Hand drücken, wenn sie dafür ein umweltfreundliches
Langzeitauto entwickelte - aber sie wollte nicht.
In den achtziger Jahren fanden etwa Erhard Eppler und Oskar Lafontaine nach
mühseligen Debatten in der SPD und mit den Gewerkschaften unter der Überschrift
"sozial-ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft" zu
einer Position, die - gemessen an dem, was heute an Ideen auf dem politischen
Markt angeboten wird - die modernste, die beste und die kapitalismuskritischste
ist. Der ökologische Umbau der Industriegesellschaft sei zur Frage des
Überlebens geworden, hieß es da. Und: Wirtschaftlich ist nichts vernünftig, was
ökologisch unvernünftig ist. Nicht jedes Wachstum ist Fortschritt. Reparaturen
am Kapitalismus genügen nicht. Eine neue Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft
ist nötig.;
Dezentralisierung, also die Demokratisierung der Energiewirtschaft, wird zwar
noch gefordert, aber nur noch leise und am Rande. Vielmehr preisen die Grünen
ihre neue Energiepolitik als riesiges Innovations-, Modernisierungs- und Wachstumsprogramm
der deutschen Wirtschaft an, als säßen sie mit Peter Löscher an der Spitze von
Siemens. Es geht ihnen, wie allen anderen, nicht um weniger, sondern um mehr
Wachstum: Aus Wachstumkritikern wurden Wachstumstreiber. Sie befördern das
wahnsinnige System des Wachstums
(taz 28.6.2011 S.10)
·
Artikel
151 der bayerischen Verfassung: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient
dem Gemeinwohl.“
(Der Spiegel 42-2011 S.65)
·
jedes Jahr kommen weltweit 78 Millionen Menschen
dazu;
heute 6,7 Milliarden, 2020 7,7, 2030 8,3; 2050: 9,2 Milliarden;
in Afrika in diesem Zeitraum Verdopplung;
(taz 14.3.07)
·
letzter Satz im Buch:
Wir wissen nicht – wir wissen es wirklich nicht! -, ob dieses Erdreich im Jahre
2000 noch bestehen wird oder ob irgendwelche verbrecherischen Spielereien mit
der Atomkraft den Planeten Erde wieder in ein lebensfeindliches Chaos
verwandelt haben ... ob dieses Erdreich im Jahre 2000 noch ein Erdreich sein
wird, auf dem man sitzen möchte und auf dem zu sitzen und zu wohnen sich lohnt.
...
Aber wenn das alles schon gehofft werden kann: eine Erde, die noch besteht, ein
Erdreich, auf dem zu wohnen es sich lohnt, und eine Weltregierung, die dieses
Erdreich besitzt in dem Sinne, dass sie es verwaltet, so ist eines klar: Nur
die Sanftmütigen werden dieses Erdreich besitzen.
(Fritz Baade: Der Wettlauf zum Jahr 2000, Union Verlag Berlin 1968, S.360)
·
zur Zeit 6,7 Mrd. Menschen weltweit; neueste
UN-Studie bis 2050 9,2 Mrd.
(bdw 6/07 S.13)
·
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung:
|
Kontinent |
2007 |
2050 |
|
Welt |
6700 |
9200 |
|
Nordamerika |
339 |
445 |
|
Lateinamerika / Karibik |
572 |
769 |
|
Europa |
731 |
664 |
|
Afrika |
965 |
1998 |
|
Asien |
4030 |
5266 |
|
Ozeanien |
34 |
49 |
(Der Sonntag 22.7.07)
·
EUvWeizsäcker; in Peking gehört:
“Unser größter Beitrag zum Klimaschutz ist die Ein-Kind-Familie.“ Ohne
Geburtenkontrolle gäbe es heute 400 Millionen mehr Chinesen
(bdw 10/2007 S.92)
·
Bildungskanon: Medizin;
Medizin 19. Jahrhundert; Medikamente gegen Infektionskrankheiten usw. standen
noch nicht zur Verfügung;
VIRCHOWs Konzept: Die Gesundheit des Menschen ist ein Spiegel seiner
Lebensbedingungen. Für die leidenden Armen forderte er Hygiene, Kläranlagen,
Licht, Luft und Demokratie. Es waren Forderungen, die – als sie erfüllt waren –
in Europa den größten Schub in Sachen Lebenserwartung brachten, lange bevor
Antibiotika, Chirurgie und Molekularbiologie die Medizin noch einmal
veränderten.
(ZEIT 31.1.08 S.38f)
·
„Ein-Kind-Familien-Politik“ in China Ende der 1970er
Jahre beschlossen; seitdem etwa 400 Millionen Geburten verhindert; auch
kritische Berichte über erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen; weibliche
Embryonen häufig abgetrieben = Ungleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen;
Ausnahmen: machen ethnischen Gruppen und Familien auf dem Land durften unter
bestimmten Bedingungen auch ein zweites Kind haben; Geldstrafen und soziale
Nachteile (z.B. keine freie Schulbildung für „illegale“ Kinder)
(Freie Presse Chemnitz 27.5.08)
·
Weltbevölkerung:
um 8000 v.Chr. etwa 5 Mill. Menschen;
bis 1 n.Chr. auf etwa 300 Millionen angewachsen;
um 1200 n.Chr. 450 Millionen;
1800 1 Milliarde;
insgesamt haben bisher etwa 100 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt
(bdw 5-2009 S.12)
·
(S.4 Wachstum der Weltagrarproduktion 1870 bis 2000
(pro Jahr in Prozent)
|
|
gesamt |
pro Kopf |
|
1870 – 1913 |
1,06 |
0,26 |
|
1913 – 1938 |
0,72 |
- 0,05 |
|
1938 – 2000 |
2,27 |
0,56 |
·
(S.8) Die „Grüne Revolution“, die auf der Züchtung
besonders ertragreicher und resistenter Weizen-, Mais- und Reis-Sorten
basierte, erzielte nach 1945 zunächst in Mexiko, seit den späten 1950er Jahren
auch in Indien und Südostasien Erfolge, während sich die Implementierung in
Afrika als sehr viel schwieriger erwies;
(S.9) In Bangladesh braucht eine Durchschnittsfamilie 80% ihres Einkommens für
die Ernährung;
(S.10f) In China wird heute fünfmal mehr Fleisch verzehrt als 1980, weltweit
hat sich die Fleischproduktion seit 1970 verdoppelt; um eine Kalorie aus
Nahrungsmitteln aus der Tierproduktion bereitszustellen, sind 2 bis 7
pflanzliche Kalorien (als Futter) erforderlich;
etwa 10% der weltweiten Maisernte werden zu Treibstoff verarbeitet, in den USA
gar 30%;
Noch würde die weltweite Nahrungsmittelproduktion ausreichen, um die 6,7
Milliarden Menschen zu ernähren, die derzeit auf diesem Planeten leben. Das
Problem der Hungernden liegt vor allem im fehlenden Zugang zu Nahrungsmitteln,
das heißt in der Armut;
um 2050 9 Milliarden Menschen ernähren zu können, muss die Produktion etwa
verdoppelt werden (das ist möglich); eine Steigerung in diesem Ausmaß hat es
schon einmal gegeben: in der zweiten Hälfte des 20. Jh. z.B. in der Schweiz
(1990 ernteten die Bauern doppelt so viel Getreide je Hektar wie 1950, und
setzten 7mal so viel Dünger ein);
(S.13) ungefähr 40% der Nahrungsmittel werden heute durch Schädlinge
ungenießbar;
(S.16) 36% des in der Welt produzierten Getreides werden als Futter verwendet;
in der EU sogar 45% des Weizens;
(S.19) der derzeitige Sojabedarf der deutschen Tierproduktion beträgt
umgerechnet rund 2,8 Millionen Hektar Ackerfläche;
(S.33) für 1 kg Zuchtlachs müssen vier Kilogramm Fisch verfüttert werden
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“, Heft 6-7/2009,
Welternährung)
·
Wenn unser Planet von 100 Menschen bevölkert wäre …
50 wohnen in Städten, 15 davon in Slums
76 haben Elektrizität (die meisten nur für Beleuchtung)
3 sind aus ihrem Heimatland ausgewandert, 1 auf der Flucht
13 Autos und Kleintransporter
5 leben in einem Land, in dem Krieg herrscht
4 sind arbeitslos
19 rauchen (16 davon Männer)
10 leben mit einer Behinderung
46 leben mit weniger als 2,50 Dollar am Tag
14 hungern, 24 Erwachsene sind übergewichtig
13 Erwachsene können nicht lesen und schreiben, 8 Kinder besuchen eine höhere
Schule, 2 sind Studenten
12 haben einen Computer, 25 nutzen das Internet, es gibt 68 Handys
27 Kinder, 23 Erwachsene (davon 8 Senioren)
59 sind Asiaten, 15 Afrikaner, 11 Europäer, 5 Nordamerikaner, 9 Südamerikaner,
1 Australien/Ozeanien
12 sprechen Mandarin, 6 arabisch, 6 Hindi, 5 englisch, 5 spanisch, 2 russisch,
1 deutsch, 13 englisch als Fremdsprache
31 Christen, 26 Muslime, 6 Buddhisten, 11 sind nicht religiös
38 haben keinen Zugang zu Sanitäranlagen, 18 kein sauberes Wasser
in einem Jahr werden 2 Babys geboren, 1 Mensch stirbt
(Die Zeit 5.11.09 S.40)
·
Wachstum der Weltbevölkerung in Millionen Menschen
(laut UN)
|
Region |
2009 |
2050 |
|
Nordamerika |
348 |
448 |
|
Lateinamerika |
582 |
729 |
|
Europa |
732 |
691 |
|
Afrika |
1010 |
1998 |
|
Asien |
4121 |
5231 |
|
Australien, |
35 |
51 |
|
Welt gesamt |
6830 |
9150 |
jährlich knapp 80 Millionen ungewollter Schwangerschaften in
den Entwicklungsländern;
(Freie Presse Chemnitz 21.10.2010 S.4)
·
wenn die Welt ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre
(2011):
60 Asiaten
15 Afrikaner
11 Europäer
9 Lateinamerikaner
5 Nordamerikaner
27 Kinder unter 15 Jahren
8 älter als 65 Jahre
die zwei Reichsten besitzen 50% des gesamten Vermögens
die ärmsten 50 besitzen 1%
90% des Abwassers werden nicht geklärt; 20 haben kein sauberes Trinkwasser
weltweit sind Infektionskrankheiten mit 15 Millionen Toten die häufigste
Todesursache
(Freie Presse Chemnitz 29.10.2011 S.3)
·
Weltweit hungern mehr als eine Milliarde Menschen,
täglich sterben Tausende Menschen an den Folgen von Unterernährung, und dies,
obwohl jährlich so viele Nahrungsmittel produziert werden, dass damit die
gesamte Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden könnte. 70 Prozent der
Nahrungsmittel werden in kleinbäuerlichen Strukturen erzeugt, gleichzeitig
leidet die Hälfte der dort tätigen Menschen an Unterernährung und Hunger. Die
Ursachen des Hungers sind vielfältig. Dazu zählen Armut sowie fehlende
Eigentums- und Nutzungsrechte für den Boden, unfaire Handelsbedingungen,
Klimaveränderungen, Umweltzerstörung, Kriege, Korruption;
Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, räumte ein, dass die Europäer und auch
Deutschland mit ihren Agrarexportsubventionen Entwicklungspolitik nicht nur
behindert, sondern verhindert hätten. Diese Subventionen müssten daher abgebaut
und Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit die Grundlage allen
entwicklungspolitischen Handelns sein
(Deutscher Ethikrat Jahrestagung 2011 Weltbevölkerung
-http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2011/pressemitteilung-06-2011)
·
FAO: Eine Milliarde Menschen hungern, 37.000 sterben
täglich;
Der Genfer Soziologe Jean Ziegler, bis 2008 UNO-Sonderberichterstatter für das
Menschenrecht auf Nahrung, sieht die Hauptursache dieser Entwicklung in der
Börsenspekulation mit Grundnahrungsmitteln durch Hedgefonds, Großbanken und
multinationale Nahrungsmittelkonzerne. Der Weltmarktpreis für Mais ist seit
Anfang 2010 um 93 Prozent gestiegen. Die Tonne Weizen ist mit 271 Euro heute
doppelt so teuer wie vor einem Jahr. "Börsenspekulation mit
Grundnahrungsmitteln gehört verboten", erklärte Ziegler;
Den Landkauf durch ausländische Unternehmen, durch den laut Ziegler in
Äthiopien und anderen afrikanischen Staaten allein im letzten Jahr rund 41
Millionen Hektar für die Nahrungsmittelproduktion nutzbare Fläche verloren
ging, erwähnt die FAO nicht;
ab hier Interview mit Nyikaw Ochalla (Äthiopien);
Der indische Karuturi-Konzern ist auch ein klassisches Beispiel, wie die Sache
läuft, nämlich ohne jede Transparenz und Rechenschaftspflicht. Allein in der
Region Gambela, an der Grenze zum Südsudan, hat Karuturi 300.000 Hektar bestes
Farmland, das jetzt für die Schnittblumenproduktion genutzt wird. Vom Staat
gibt es keinerlei Auflagen. Vor zehn Jahren exportierte Äthiopien Schnittblumen
für 300.000 US-Dollar. Heute sind es 200 Millionen Dollar, fast 70-mal so viel;
Warum zieht es so viele Investoren ausgerechnet nach Gambela?
Es ist die fruchtbarste Region von Äthiopien. Vier Flüsse, die in den Weißen
Nil münden, sorgen für ausreichende Bewässerung. Und das Land ist in gutem
Zustand. Die Anuak als Halbnomaden betrieben seit Generationen
Rotationsfeldbau. Wenn sie merken, dass die Felder nicht mehr genug hergeben,
ziehen sie weiter und kommen erst wieder, wenn sich der Boden erholt hat. Die
Investoren holzen zuerst einmal alles ab, und dann pflanzen sie Monokulturen,
die viel Dünger und Chemikalien brauchen;
Von Land Grabbing sprechen wir, wenn das Land nicht für den Anbau von Pflanzen,
die der Ernährung dienen, verwendet wird, sondern beispielsweise für Blumen
oder für den Anbau von Energiesaaten. Dadurch wird nicht die Wirtschaft belebt,
sondern die Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe verstärkt.
(taz 17.10.2011 S.4)
·
Die
Menschen in Deutschland leben immer länger. Nach der Sterbetafel 2007/2009 des
Statistischen Bundesamtes haben neugeborene Jungen im Schnitt 77 Jahre und 4
Monate vor sich, Mädchen sogar 82 Jahre und 6 Monate. … Aus den Daten lässt
sich laut der Wiesbadener Behörde außerdem ablesen, dass jedes zweite männliche
Baby in Deutschland statistisch gesehen mindestens 80 Jahre alt wird und jedes
zweite neugeborene Mädchen sogar 85 Jahre erlebt.;
Insgesamt hat sich die Lebenserwartung der Neugeborenen in Deutschland in den
vergangenen 130 Jahren mehr als verdoppelt. In der ersten Berichtsperiode
1871/1881 betrug sie im Deutschen Reich bei neugeborenen Jungen 35 Jahre und 7
Monate, bei Mädchen 38 Jahre und 5 Monate. Das lag vor allem an der hohen
Kindersterblichkeit.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.8)
·
Zahl
der Menschen auf der Erde wir nach UNO-Schätzungen im Jahr 2050 9,3 Milliarden
betragen (200 Millionen mehr als bisher erwartet); bis 2100 rechnet die UNO mit
10,1 Milliarden;
am 31.11.2011 wird nach Berechnungen der siebenmilliardste Erdenbürger geboren
(bild der wissenschaft 8-2011 S.11)