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Joachim Krause:
Texte zu Lebensstil und Umweltverantwortung -
eine Bilanz von 1974 bis 2010
(eine Zusammenstellung, die
viele der folgenden Texte enthält, erschien in den „Briefen zur Orientierung im
Konflikt Mensch-Erde“, Wittenberg, Heft 96, Herbst 2010)
Joachim Krause – einige Lebensdaten
geboren 1946 in Ehrenhain,
Thüringen, aufgewachsen in der Familie eines Pfarrers in Südwestsachsen, 1965
Abitur, Studium an der TU Dresden, 1970 Abschluss als Diplomchemiker, 1970 bis 1982
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der „Zentralstelle für Korrosionsschutz“
Dresden, Texter für die Rockgruppen LIFT, Panta Rhei, Horst Krüger, Klaus Lenz
u.a., ab 1978 aktiv in der kirchlichen Umweltarbeit der DDR, 1979 bis 1982
Fernstudium der Theologie, von 1982 bis 2010 „Beauftragter für Glaube,
Naturwissenschaft und Umwelt“ in der Ev. Luth. Landeskirche in Sachsen,
verheiratet, vier Kinder
Kontakt:
Joachim Krause, Hauptstr.
46, 08393 Schönberg, Tel. 03764-3140, mailto: krause.schoenberg@t-online.de,
Internet: www.krause-schoenberg.de
zum Klicken:
1. Die Nachdenklichkeit eines Einzelkämpfers
2. Kirchlicher Umweltbeauftragter
1986 (Tschernobyl und
die Folgen)
1988 (Ökumenische
Versammlung der DDR-Kirchen)
3. Wendezeit – vieles wird anders
1990 (Greenpeace, Wismut, Energiesparlampen)
1993 (Al Gore und
Franz Alt; „Aufschwung Ost“?)
1995 (Europäisches
Naturschutzjahr)
4. „Schönberger Blätter“ und Internet
5. Das Bemühen um Klarheit und Eindeutigkeit
2010 (Kohrener
Erklärung zum Erhalt des Bodens)
1. Die Nachdenklichkeit
eines Einzelkämpfers
1974
Wir machten uns damals in
Dresden in der „Offenen Jugendarbeit“ der Weinbergskirche Gedanken über
bedrängende Fragen der DDR-Gesellschaft, wollten entdecken und ausprobieren,
wie ein gutes, gelungenes Leben aussehen könnte. Und so hielt ich vor Freunden
schon 1974 die ersten Vorträge über
die „Grenzen des Wachstums“. Zur gleichen Zeit fertigte der Fotograf in meiner
Arbeitsstelle Fotokopien des gesamten Buches an, die dann im Kollegenkreis – in
einem staatlichen Institut ! - von Hand zu Hand weitergegeben wurden.
In dem Institut, in dem ich arbeitete, befassten wir uns mit Korrosionsschutz.
Im engeren Sinne ging es dabei darum, das Rosten von Eisenwerkstoffen zu
verhindern. Aber auch alle möglichen anderen Metalle galt es zu schützen. In
einem Sondereinsatz entwickelten Kollegen von mir sogar mal ein Verfahren, mit
dem ein berühmter Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz, die „Barbarine“,
vor dem Zerbröseln gerettet wurde; durch Imprägnieren mit irgendwelchen
Silikonwerkstoffen wurde der Fels zusammengeklebt. Korrosion hat viel mit
Luftschadstoffen zu tun. Und davon gab es in der DDR mancherlei. Vor allem die
hohen Schwefeldioxid-Konzentrationen, verursacht durch die allgegenwärtige
Verbrennung der schwefelhaltigen Braunkohle, machten Eisen- und Stahlkonstruktionen
schwer zu schaffen. Wir versuchten, Anstrichstoffe zu finden, die das Eisen
wenigstens ein paar Jahre schützten. Aber an manchen Industriestandorten war
die Luft derart aggressiv, dass unsere besten und dick aufgetragenen
Lackschichten schon nach einem halben Jahr die ersten Rostflecke zeigten. Im
Erzgebirge war die Stahlkonstruktion von Gittermasten für Fernsehumsetzer, die
eigentlich 50 oder 80 Jahre halten sollten, schon nach 8 Jahren „hin“. Ehe ich
das Wort Waldsterben gehört hatte, wusste ich, dass in unseren Belastungskarten
manche Erholungsorte des Erzgebirges unter „Industrieklima II“ eingeordnet
waren.
Wir testeten Anstrichstoffe unter den konkreten Belastungssituationen an
verschiedenen Industriestandorten. Dienstreisen dorthin verschafften mir einen
Einblick, was sich hinter „Leuna I“ oder „Leuna II“, verbarg, was „Buna“ in
Schkopau bedeutete oder wie Industriegiganten wie „Bitterfeld“, „Wolfen“,
„Piesteritz“, „Coswig“, „Schwarze Pumpe“ usw. aussahen. Der „Blick von hinten“
in die DDR-Kombinate war sehr lehrreich. Diese Vorzeigebetriebe waren großzügig,
manchmal auch großkotzig errichtet worden, aber im Laufe der Jahre war der
Glanz verblichen. In Leuna forderte mich z.B. ein Begleiter auf, den sowieso
vorgeschriebenen Schutz-Helm doch wirklich aufzusetzen, man wisse nie, was da
von oben aus den Rohrbrücken heruntertropfe; „wenn hinten aus einer Leitung
nichts mehr rauskommt, legen wir lieber gleich eine neue Leitung“. In
Bitterfeld stiegen wir auf ein Dach hoch, auf dem unsere Testplatten gelagert
waren. Schon im Treppenhaus hatte ich mich gewundert, warum da überall
Glasvitrinen standen, in denen Gasmasken für unterschiedliche giftige Gase
gelagert waren. Oben auf dem Dach hatte ich das Pech, in die dicke Abgasfahne aus
einer benachbarten Produktionsanlage zu geraten, hochkonzentrierter Ammoniak
setzte mich schlagartig außer Gefecht; zum Glück gelang es meinen Begleitern,
mich schnell wieder wach zu klopfen.
(aus: Joachim Krause: „Am Abend mancher
Tage“, Wartburg-Verlag Eisenach, 2008)
Ende der 1970er Jahre fand ich den Weg zu anderen umweltbewegten Menschen,
in Wittenberg am Kirchlichen Forschungsheim, aber auch in Dresden, und bald
gründeten wir den „Ökologischen Arbeitskreis der Dresdner Kirchenbezirke“.
In der Dresdner Ökogruppe hatten wir diskutiert, ob das Thema Umwelt
nicht zu wichtig sei, um es nur so nach Feierabend nebenbei zu bearbeiten.
Wir hatten erwogen, dass ein Freundeskreis von Spendern in einem gesicherten
Arbeitsverhältnis durch verbindliche monatliche Zahlungen eine Stelle
finanzieren könnte. Wir schrieben auch Appelle an kirchliche Dienststellen,
für diesen Themenbereich hauptamtliche Stellen zu schaffen. Dann stellte sich
heraus, dass bei der Sächsischen Evangelischen Kirche gerade eine Stelle frei
geworden war, deren Inhaber sich damit beschäftigt hatte, wie christlicher
Glaube aussehen und gelebt werden kann in einer Welt, die von
Naturwissenschaft und Technik nachhaltig geprägt ist, welche weltanschaulichen
und ethischen Fragen sich daraus ergeben. Die Stelle war da und sollte auch
wieder besetzt werden, unser Antrag auf Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle
mit Schwerpunkt Umwelt lag auf dem Tisch, ich führte einige Gespräche im
Landeskirchenamt – und dann wurde ich gefragt, ob ich das nicht machen wolle.
Ich entschied mich für den Berufswechsel, und fortan war ich auch Umweltbeauftragter
meiner Kirche.
(aus: Joachim Krause: „Am Abend mancher
Tage“, Wartburg-Verlag Eisenach, 2008)
2. Kirchlicher
Umweltbeauftragter in der DDR
1982
Die Einrichtung der Stelle
eines besonderen Beauftragten für Grenzfragen zwischen Naturwissenschaft und
Technik, Weltanschauung und Ethik war etwas Einzigartiges in den Kirchen der
DDR, und dass die Stelle mit einem Naturwissenschaftler besetzt wurde, auch.
Konzeption der Arbeit des Landesbeauftragten für „Glaube und
Naturwissenschaft“ der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens
(lt. Beschluss des Kollegiums des LKA´s vom 12.1.1982)
Der Landesbeauftragte befasst sich in besonderer Weise mit Fragen im
Problembereich „Christlicher Glaube und Naturwissenschaft“. Die Arbeit
vollzieht sich in Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Herausforderungen. Sie
orientiert sich an Sachproblemen und ist auf die Erfordernisse der kirchlichen
Praxis ausgerichtet. Zugleich fördert sie das interdisziplinäre Gespräch.
1.
Inhaltliche Schwerpunkte
Im Rahmen der Gesamtaufgabenstellung
konzentriert und beschränkt sich die Arbeit des Landesbeauftragten entsprechend
der gegenwärtigen Bedeutung der Sachgebiete und der begrenzten personellen
Kapazität auf folgende Bereiche:
1.1.
Ökologie
(Verhältnis von Mensch und Natur; die ökologische Krise im Horizont der
theologischen Fragen nach der Schöpfung und der menschlichen Verantwortung)
1.2.
Evolution und Menschenbild
(Grundfragen der Evolution, Entstehung und Entwicklung des Lebens;
Sonderstellung des Menschen; genetische und medizinische Manipulation im
Horizont theologischer Schöpfungsaussagen, Anthropologie und Ethik)
1.3.
Zuordnung von Naturwissenschaft und christlichem
Glauben
(Ausarbeiten von theologischen Fragestellungen, die sich aus der
naturwissenschaftlichen Forschung ergeben; Bedeutung des christlichen Glaubens
für das Gespräch mit der Naturwissenschaft; apologetische Funktion;
Auseinandersetzung mit einseitigen Interpretationen)
2.
Aufgabenstellung
2.1.
Information über
diejenigen naturwissenschaftlich-technischen und theologischen Forschungsergebnisse
und Entwicklungen, die die unter Pkt 1. genannten Schwerpunkte betreffen
2.2.
Reflexion dieser
Thematik im interdisziplinären Gespräch
2.3.
Hilfe zur
Entscheidungsfindung für verantwortliches Leben in einer von Wissenschaft und
Technik geprägten Welt
3.
Aktivitäten
Die
Aktivitäten des Landesbeauftragten haben ihren Schwerpunkt in der
- Aus- und Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiter
- unmittelbaren Arbeit mit gemeindlichen Interessengruppen
- Erarbeitung und Bereitstellung von Material für kirchl. Praxis
3.1.
Durchführung von
jährlich einer Ausbildungswoche an den kirchlichen Ausbildungsstätten z.B.
Moritzburg
Radebeul
3.2.
Weiterbildung
kirchlicher Mitarbeiter, z.B.
Pastoralkollegs
Mitarbeiterkonvente
Mitarbeiterrüsten
3.3.
Längerfristige
und schwerpunktorientierte Zusammenarbeit, z.B.
Gemeindeseminare
Wochenendrüsten
3.4.
Förderung des
Gesprächs zwischen Theologen und Naturwissenschaftlern und Technikern, z.B.
Arbeitskreise
Fachkonsultationen
3.5.
Koordinierung
kirchlicher Aktivitäten
Erfassung von Aktivitäten besonders an der Gemeindebasis; Aufarbeiten von
Erfahrungen; Vermittlung von Partnern; Fachberatung)
3.6.
Bereitstellung von
Material
Sammeln und Aufbereiten von Material zur Verwendung in der kirchlichen Praxis
4.
Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen und
Fachleuten
4.1.
Im Rahmen seiner
Aufgabenstellung arbeitet der Landesbeauftragte mit Institutionen ähnlicher
Zielstellung (Kirchliches Forschungsheim Wittenberg, kirchliche
Weiterbildungsstätten, Theologische Studienabteilung Berlin) zusammen. Dazu
gehört beispielsweise
- gegenseitige Information und fachliche Beratung
- Materialaustausch
- Abstimmung von Arbeitsaufgaben
- Planung und Durchführung gemeinsamer Arbeitsvorhaben
4.2.
Um den
didaktischen und methodischen Anforderungen gerecht zu werden, wird der
Landesbeauftragte durch entsprechende Fachleute bzw. Arbeitsgruppen unterstützt
4.3.
Die Arbeit des
Landesbeauftragten wird durch einen Beirat beim Landeskirchenamt begleitet, der
in der Regel zweimal jährlich zusammenkommt.
5.
Die vorliegende
Konzeption soll nach 6 Jahren auf Grund der gemachten Erfahrungen und
hinsichtlich der dann zu erkennenden Schwerpunkte überprüft werden.
Diese Arbeitsbeschreibung
war bewusst offen und weitherzig formuliert worden, und das ermöglichte es mir
in den Folgejahren (inklusive Wende!), immer darauf reagieren zu können, wo die
Menschen an der Basis in den Ortsgemeinden gerade jetzt Gesprächsbedarf hatten,
und mich auch auf ganz neue Arbeitsgebiete einlassen zu können.
Mein Einstieg war die
Beschäftigung mit Umweltproblemen, einem Themen-Bereich, der in der DDR
weitgehend tabu war.
Schon in meinem ersten
Arbeitsjahr 1982 fand in Dresden das
erste von mir gestaltete Umweltseminar statt. In fünf Veranstaltungen ging es
1. um grundsätzliche Begriffsklärungen rund um „Ökologie“, 2. um die Darstellung
weltweiter Probleme (Bevölkerungswachstum, Rohstofflage, Ausbreitung von
Schadstoffen), 3. um die Situation in der Landwirtschaft und deren Auswirkungen
auf die Umwelt, 4. um Luftschadstoffe, deren Erfassung und Auswirkungen auf
Mensch und Natur (z.B. Waldsterben) und 5. um das Lebenselement Wasser, Fragen
rund um die Energieerzeugung, und es wurden einige spezifische Umweltprobleme
an sächsischen Brennpunkten dargestellt. Ich verteilte Informations- und
Merkblätter. Sie wurden von ORMIG-Matrizen gezogen. Der mit abgedruckte Vermerk
„Nur f. kirchl. Dienstgebr. 3358/70/10.82“ stellte das Ganze unter den
Schutzschirm kirchlichen Tuns. Und die „70“ ist eine Angabe zur Teilnehmerzahl
- wir hatten also immerhin fast 70 Umwelt-Interessierte erreicht!
Auf einem der Merkblätter
wurden knappe Daten zu drei Umweltskandalen in der südlichen DDR öffentlich
gemacht, die Stichworte hießen: Fluorwerk Dohna, Hüttenindustrie Freiberg und
Waldsterben im Erzgebirge.
Zu den jeweils im Merkblatt
aufgeführten Umweltdaten werden – trotz Platzknappheit – stets exakte
Quellenangaben mitgeliefert. Diese Genauigkeit bei der Wiedergabe von Fakten
gehörte zu unseren Grundprinzipien: Wir wollten selbst genau wissen und
verstehen, was da konkret los war, und wir brauchten die Quellen, um gegen
bösartige Rückfragen staatlicher „Kontrollettis“ gerüstet zu sein!
Die Zähne der Kinder von Dohna
Mein erster Fall hieß „Dohna“. Dohna ist ein Städtchen in der Nähe von
Dresden. Ein Freund von mir war dort Zahnarzt und erzählte mir von bedrückenden
Beobachtungen. Praktisch alle Kinder und Jugendlichen aus dem Ort, die er
behandelte, hatten typische Zahnschäden. Die zweiten, bleibenden Zähne, die
nach dem Milchgebiss durchbrachen, waren oft gelblich bis schwarz verfärbt,
waren spröde, schnell brachen also Teile ab. Ein Blick in viele Münder zeigte
ein Ruinenfeld. Grund für diese Schäden war der Ausstoß von Schadstoffen aus
einem im Ort ansässigen Betrieb, dem „Fluorwerk“. Das Werk arbeitete mit
Flusssäure und ihren Salzen. Schon im Routinebetrieb wurden schädliche Gase
freigesetzt, manchmal gab es aber auch Havarien, und dann wehten giftige Nebel
durch den ganzen Ort. Das Trinkwasser war belastet, die Früchte, die in den
Gärten geerntet wurden, enthielten hohe Fluorkonzentrationen. Nun wird ja
manchmal Fluor Zahnpasten zugesetzt oder in Tablettenform empfohlen, um die
Mineralisation der Zahnsubstanz zu verbessern. Aber in Dohna erhielten alle
Einwohner zwangsweise und tagein tagaus eine extreme Überdosis. Dadurch wurden
die Zähne zu hart und spröde.
Das Problem war bekannt - und ein Fall für die Wissenschaft. Die betroffenen
Bewohner blieben im Unklaren. Ich erfuhr durch eine Indiskretion davon, dass
drei Zahnärztinnen an dem Problem geforscht hatten und nun ihre gemeinsame
Doktorarbeit verteidigen würden. Verteidigungen waren eine öffentliche
Angelegenheit, mein Freund lieh mir einen weißen Arzt-Kittel - woraufhin ich
prompt mit „Herr Kollege“ angesprochen wurde -, und dann saß ich im Hörsaal und
hörte das, was ich nie hätte hören dürfen – die Fakten zum Schicksal der Kinder
von Dohna.
Inzwischen hatte ich auch selbst recherchiert und in medizinischen Fachzeitschriften
der DDR einiges zu dem Fall gefunden. Einen der Autoren, Mediziner in Dohna,
suchte ich auf, um von ihm noch einiges über die Hintergründe zu erfahren.
Denkste. Vielleicht hatte er ja einfach Angst, weil er mich gar nicht kannte
und weil er wusste, in welch gefährlichem Terrain wir uns bewegten. Beunruhigt
hat mich aber doch - ganz grundsätzlich - seine Reaktion. Ich erzählte ihm,
was ich aus den Fachartikeln an Informationen entnommen hatte, worauf er
trocken meinte: „Da habe ich etwas falsch gemacht. Das, was ich da
aufgeschrieben habe, war nur für Fachkollegen gedacht. Sie hätten das nicht
verstehen dürfen.“
(aus: Joachim Krause: „Am Abend mancher
Tage“, Wartburg-Verlag Eisenach, 1988)
Im Sommer 1982 hatte ich
endlich Gelegenheit, mich systematischer mit dem Phänomen des „Waldsterbens“ im
Erzgebirge zu befassen. Über kirchliche Kanäle wurde mir ein Kontakt zu einem
hochrangigen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Forsthochschule in Tharandt
vermittelt. Wenig später saß ich heimlich bei ihm zu Hause im Wohnzimmer, er
gab mir eine profunde Einführung in die Geschichte der „Rauchschäden“ in der
Region, und wir blätterten gemeinsam in Datenblättern zur aktuellen Situation
(und „übersahen“ die Geheimhaltungsstempel). Meine Einsichten stellte ich
anschließend als Hintergrundinformation für das Landeskirchenamt in einer
Übersicht zusammen. Wenig später gingen wir auch in die („innerkirchliche“)
Öffentlichkeit:
Ursula Salzmann / Joachim Krause
Stirbt der Wald im Erzgebirge?
Das Fichtenrauchschadengebiet im Erzgebirge ist der krasseste Fall
seiner Art in Europa. Auf der böhmischen Seite ist der gesamte Bestand geschädigt
(ca. 150.000 Hektar). In der DDR erfolgte in den letzten Jahrzehnten die
Ausweitung des Schadgebietes vom Forstrevier Königstein nach Westen. Heute
umfasst die Schadzone I (in der die Hauptbaumart Fichte nicht mehr angebaut
werden kann) schon einige tausend Hektar. Die nördliche Grenze des geschädigten
Waldes folgt etwa der Linie Plauen – Zwickau – Karl-Marx-Stadt – nördl.
Freiberg – Dresdner Heide – Kamenz (Berg-Kuppen) – Löbau/Zittau.
Hauptsächlicher Verursacher ist eine Kette von Emittenten im nordböhmischen
Industriegebiet (Großkraftwerke und Industriebetriebe). Die Thermik des Beckens
treibt die Abgase ständig in die Höhe und Winde aus Südost bis Südwest
transportieren sie über den Erzgebirgskamm – hier sind die Sattellagen
besonders gefährdet.
Einige Angaben zum Schwefeldioxidgehalt in der Luft (in mg SO2/m³
Luft ) und zu seinen Wirkungen:
+ maximal zulässige Immissionskonzentration (MIK) Kurzzeitwert 0,50
Dauerwert 0,15
+ maximale Werte am Erzgebirgskamm 2,5
bis 3,0
+ sichtbare Schäden bei Fichten ab 0,6
bis 0,8
Die hygienischen MIK-Grenzwerte sind auf die SO2-Verträglichkeit
des Menschen bezogen – Pflanzen sind gegen Luftverunreinigungen ungleich
empfindlicher. Selbst leicht geschädigte Bäume zeigen Holzmindererträge. Buchen
in belasteten Gebieten werfen 2 bis 3 Wochen früher ihr Laub ab. Wegen der
Langsamkeit biologischer Prozesse werden sogar akute und tödliche Schädigungen
erst nach Ablauf von Tagen oder Wochen sichtbar. Die Symptome sind selten
spezifisch für eine Ursache. Die immissionsbedingten Waldschäden werden
wesentlich verstärkt durch das raue Erzgebirgsklima und die im Gebirge häufig
extremen Standortbedingungen (nährstoffarme Böden, gering wasserversorgte
Gebiete). Das Baumsterben beeinträchtigt auch den Wasserhaushalt des Gebirges
(stärkerer Wasserablauf, Boden-Abtrag bei Starkregen, Austrocknung durch
Windzutritt).
Von den Immissionen sind auch Tier und Mensch betroffen. Kühe z.B.
zeigen bei SO2 – Gehalten der Luft über 0,15 mg/m³ Rückgang in der
Körpermasse bei Mast-Rindern um 26 bis 37%, der Milchleistung um 9% und eine um
10% höhere Fehlgeburtenrate. Menschen in belasteten Gebieten, besonders Kinder, erkranken häufiger (obere Atemwege, Kreislauf). Bei
Männern im Böhmischen Kreis liegt die durchschnittliche Lebenserwartung um 4
Jahre (!) unter dem Normalwert.
Trotz alledem werden positive Prognosen gegeben: Das Erzgebirge wird
nicht sterben!
Überall bestehen Auflagen, leere Flächen dringend neu zu bepflanzen. Die
wichtigsten Therapiemaßnahmen der Forstwirtschaft sind dabei:
·
Düngung
(Stickstoff, auch in Kombination mit
Phosphor und Kali – Kali z.B. erhöht die Frosthärte um 2 bis 4 Grad)
·
Umbau (Übergang
zu einem völlig neuem Waldtyp:
Mischwald, geprägt von Blaufichte und Eberesche)
·
Stehenlassen der
Dürr-Ränder (Schutz vor Wind und Sonne)
·
Anlegen grüner
Schutz-Gürtel an der Südseite (Eberesche)
·
Züchtung
rauchharter Fichten (vegetative und
Samenvermehrung von Bäumen, die Resistenz gezeigt haben).
20 Jahre vor der Erschöpfung der Braunkohlevorräte in der CSSR ist die Wiederaufforstung
mit Fichten geplant (2000 bis 2020). Anpassungsversuche durch die
Forstwirtschaft lösen das Problem jedoch nicht. So kam es am 10.11.1981 endlich
zwischen DDR und CSSR zu einem Regierungsabkommen über eine Zusammenarbeit bei
der Emissionsverminderung. Kurze Zeit später wurde dazu ein
Ministerratsbeschluss gefasst. In Nordböhmen sollen keine weiteren
Kohlekraftwerke gebaut werden. Besonders gefährdete Gebiete erhalten
schwefelarme Kohle (DDR: Lausitzer Kohle für Bezirke Karl-Marx-Stadt und Dresden).
In den Kraftwerken sollen die SO2–Emissionen durch schrittweise
Einführung des in der DDR entwickelten Kalkstein-Additiv-Verfahrens
herabgesetzt werden (durch Zugabe von Kalk bei der Kohleverbrennung erfolgt die
Bindung des SO2 als Gips). Der Wirkungsgrad beträgt 85%, außerdem werden 6-8% Energie gespart.
Erste Investitionen im Bezirk Karl-Marx-Stadt sollen ab 1985 wirksam werden. An
noch effektiveren Verfahren (Wirbelschichtverbrennung) wird gearbeitet.
Zum Schluss ein Wunsch: Möge dieses Programm mit der nötigen Dringlichkeit und
Konsequenz verfolgt werden. Und eine Frage: Warum gibt es zu wichtigen
Umweltproblemen in der DDR wie diesem kaum öffentliche Informationen zur
Diskussion?
Zur Ergänzung:
Schon 1969 gefährdete oder schädigte Luftverschmutzung (besonders SO2
10 % (= 300 000 ha ) des
Waldbestandes unserer Republik. Schädigungen des Waldes durch Luftverschmutzung
gibt es außer im Erzgebirge z.B. auch in den Gebieten um Dessau – Bitterfeld –
Leipzig (Schwerpunkt Dübener Heide ); Magdeburg, Thale, Lübbenau – Vetschau –
Cottbus – Lauchhammer – Spremberg.
1977 wurden allein im Erz- und Elbsandsteingebirge Schäden auf einer
Fläche von
97 000 ha registriert, davon gehörten 11042 zur Schadzone I (d.h. der
Bestand ist zu mehr als 50 % geschädigt).
(U. Salzmann, J. Krause in: BRIEFE zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.7, 1983, S.5)
1982 druckten wir einen
knappen Literaturtipp in den Wittenberger BRIEFEN ab:
„Über Umweltbelastung des Menschen durch Spurenelemente wurde im Oktober
1981 auf einer Arbeitstagung in Görlitz berichtet. Das Zentralblatt für
Pharmazie, Pharmakotherapie und Laboratoriumsdiagnostik (Heft 6 von 1992) gibt
die dort gehaltenen Vorträge wieder. Sie enthalten unter anderem Angaben über
die übermäßige Cadmiumbelastung im Raum Freiberg und über gesundheitliche
Belastungen der Werktätigen einer Nickelhütte in Aue.“
(Joachim Krause, Information für:
BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch- Erde, Nr.6, 1982, S.9 oben)
Dieser Hinweis brachte eine
ganze von Umweltverschmutzung besonderer Art betroffene Region dazu, in einer
Apotheker-Zeitschrift zu lesen, die sonst wahrscheinlich in Bibliotheken
verstaubt wäre. Das öffentliche Erschrecken hatte brisante Folgen. Staatliche
Stellen waren entsetzt, da hier in nüchternen Fachartikeln, die durch das
dichte Netz der verordneten Geheimhaltung geschlüpft waren, ein handfester
Umweltskandal ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde: das gravierende Ausmaß
der Vergiftung des Gebietes um die Stadt Freiberg durch Blei und Cadmium aus
der örtlichen Hüttenindustrie. Das "böse" Heft wurde in einer
Nacht-und-Nebel-Aktion aus Bibliotheken und von Abonnenten zurückgeholt. Aber
längst kursierten Abschriften der Artikel, kirchlich organisierte
Informations-Veranstaltungen fanden statt, Arbeitsgruppen nahmen das Thema auf
- die Diskussion war nicht mehr zu stoppen. Letztlich aber gab das
Informations-Leck, das sich hier gezeigt hatte, den endgültigen Anlass zum
umgehend erlassenen Verbot der Veröffentlichung jeglicher Art von Umweltdaten
durch die DDR-Obrigkeit.
Bereits 1981 war im Auftrag
des damaligen US-Präsidenten Carter eine 1700 Seiten starke Studie erstellt
worden. Ich hatte auf Schmuggelwegen aus dem „Westen“ ein Exemplar von
Kaiser, R. (Hrsg.): „Global 2000. Der
Bericht an den Präsidenten“(A) einschl. Zusatzband „Es ist Zeit zu handeln“(B),
Zweitausendeins Verlag Frankfurt/Main, 42. Auflage, 1982
erhalten. Im Auftrag des
Präsidenten meines Landeskirchenamtes erstellte ich daraus eine Zusammenfassung
auf fünf eng beschriebenen Schreibmaschinenseiten. Erst viele Jahre später habe
ich erfahren, dass mein Landesbischof diese Blätter bei internationalen
Konferenzen als nützliche Hintergrundinformationen im Gepäck hatte.
Immer war es mir wichtig,
nicht nur Umweltprobleme zu entdecken, die Zusammenhänge zu verstehen und
andere darüber aufzuklären, sondern uns auch die eigene Verstrickung deutlich
zu machen – und nach Lösungen und Handlungsmöglichkeiten im eigenen
Lebensalltag zu suchen. Folgerichtig erschien 1985 im KFH Wittenberg die kleine
60 Seiten dicke Broschüre:
FANG AN
Tips für umweltgerechtes Verhalten im Alltag
von Joachim Krause, Gestaltung: M Sandner; DIN-A5 60 Seiten
(KFH 5 – 1985 – Für den innerkirchlichen Gebrauch)
Manche der locker
formulierten Hinweise kamen missverständlich ´rüber: Meine alte Tante, der ich
stolz mein Werk geschenkt hatte, las unter dem Stichwort „Wasser“ unter anderem
den Tipp: „Wenn schon baden, dann zu zweit“, verstand ihn wörtlich und meinte,
das sei wohl doch etwas übertrieben und unhygienisch … Ich hatte eher daran
gedacht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
Tschernobyl und die Folgen
An einem strahlenden Apriltag des Jahres 1986 explodierte der Atomreaktor
in Tschernobyl. Bis dahin hatte es eine breitere oder gar öffentliche Debatte
über Pro und Kontra der Kernenergie in der DDR nicht gegeben. Der Informationsbedarf
war riesig. Wie arbeitet eigentlich so ein Atomkraftwerk, was kann bei einem
Unfall passieren, welche Gefahren bestehen für die Bevölkerung, ist die Kernenergie
unverzichtbar oder gibt es Alternativen? Ich schrieb in den Folgemonaten den
Text für eine Broschüre, die interessierten Mitmenschen helfen sollte, sich in
der Debatte zurechtzufinden und selbst eine Meinung zu bilden. Vervielfältigt
– mit 1000 Exemplaren, das war für DDR-Verhältnisse eine hohe Auflage - wurde
das Heft im „Kirchlichen Forschungsheim“ in Wittenberg, einer Schaltstelle für
die systemkritische Umweltarbeit in der DDR. Wir gaben dem Heft etwas schlitzohrig
den Titel „... Nicht das letzte Wort“ (Kernenergie in der Diskussion). Das war
ein Honecker-Zitat, mit dem er in einem Interview nach den Ereignissen von
Tschernobyl einer endgültigen Bewertung ausgewichen war. Und da unser Heft
ohnehin illegal erschien - natürlich stand wie immer darauf „Nur für den
innerkirchlichen Dienstgebrauch!“ - und wir grundsätzlich mit offenen Karten
spielen wollten, und natürlich auch weil wir gespannt waren, was passieren
würde, war es nur folgerichtig, dass ein Exemplar direkt per Post an Erich
Honecker ging.

Interessant war der weitere Vorgang - das haben wir aber erst nach der
Wende aus staatlichen Archiven erfahren. Honecker hat unser Begleitschreiben
tatsächlich in die Hand bekommen und persönlich abgezeichnet. Und er hat die
Angelegenheit nicht etwa an die Stasi weitergeleitet, sondern um Prüfung
durch Fachleute gebeten. Wenige Tage später lag eine Expertise über Herausgeber
und Verfasser vor, wir bekamen das amtliche Etikett „oppositionell und
staatsfeindlich“. Wenige Wochen später waren wir aber nicht etwa im Knast,
sondern erhielten eine Einladung in das zuständige „Staatliche Amt für Atomsicherheit
und Strahlenschutz“ zu einem Fachgespräch über den Inhalt des Heftes.
So etwas machte durchaus Mut, weitere „staatsfeindliche Aktionen“ dieser
Art ins Auge zu fassen.
(aus: Joachim Krause „Am Abend mancher
Tage“, Wartburg-Verlag Eisenach, 2008)
Der Unfall in Tschernobyl
und seine Auswirkungen setzten auch in der DDR (vor allem in kirchlichen
Kreisen) eine Diskussion Pro und Contra Kernenergie in Gang. Meine vom KFH
Wittenberg herausgegebene Broschüre mit Informationen war schnell vergriffen,
konnte jedoch beim Herausgeber ausgeliehen (!) werden.
Joachim
Krause: „… nicht das letzte Wort – Kernenergie in der Diskussion“, Hrsg.
Kirchliches Forschungsheim Wittenberg, 1987, DIN-A4, 64 Seiten
Die Evangelischen
Studentengemeinden der DDR widmeten der Debatte ein ganzes Sonderheft ihrer
Zeitschriftenreihe „Kontakt“.
Im Folgenden sind einige
Aussagen zusammengestellt, die
·
die Gefahren
zusammenfassen, welche sich aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ergeben
(mehr als 30 Jahre später hat sich daran praktisch nichts
geändert)
·
Halbwahrheiten
und Lügen der DDR-Informationspolitik offen legen (auf diese konkreten
Darlegungen gab es nie eine Reaktion staatlicher „Organe“ …)
·
versuchen,
Energieperspektiven für die die DDR zur
Diskussion zu stellen (manches davon mag heute blauäugig klingen, anderes wirkt
fast prophetisch):
(KONTAKT;
Zeitschrift der Evangelischen Studentengemeinden in der DDR, Heft Sept./Okt. 1987, „Kontroversen um die Kernenergie“)
Beitrag S.2ff.:
Kontroverse Stimmen zum Thema –
Beginn eines notwendigen Dialogs
Frage 1:
Welche Übereinstimmungen gibt es bei Kernenergiegegnern und -befürwortern
hinsichtlich der Einschätzung der Gefahren bei der Kernenergienutzung?
Joachim Krause
a) Kernanlagen
können im Kriegsfall oder gegen Sabotage (Angriffe durch Terroristen) nicht
zuverlässig geschützt werden. Bei auch nur teilweiser Zerstörung solcher
Anlagen würde jedoch ein gigantisches Schadenspotential freigesetzt – die
langfristigen Strahlenwirkungen würden denen einer Atombombenexplosion
entsprechen.
b) Die Weiterverbreitung
von Kernanlagen (z.B. Kernforschungsanlagen, Kernkraftwerke,
Anreicherungsanlagen, Wiederaufarbeitungsanlagen) ermöglicht bzw. erleichtert
dem Nutzer den Zugang zu spaltbarem Material, das zur Herstellung von
Kernwaffen verwendet werden kann (u.a. Plutonium). Der Kernwaffensperrvertrag
bildet keine unüberwindliche Hürde, er kann jederzeit unterlaufen werden (die
Einhaltung des von einem Staat erklärten Verzichts auf Kernwaffen ist nicht
durchzusetzen).
c) Strahlenbelastung
bedeutet ein Risiko für Leben und Gesundheit für Mensch und andere Lebewesen.
Die natürliche Strahlenbelastung ist unvermeidbar, mit ihr müssen wir leben.
Jeder zusätzliche (zivilisationsbedingte) Beitrag sollte aber so gering wie
möglich gehalten werden.
d) Große Unfälle
in Kernanlagen lassen sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen
(technisches und menschliches Versagen, bewusst inszenierte Störfälle). Wegen
des riesigen zu erwartenden Schadensausmaßes (bis 11.000 Soforttote, 50.000
spätere Todesfälle, zehntausende Quadratkilometer radioaktiv verseuchten
Landes) ist diese Forderung aber zu stellen.
e) Höchste
Sicherheitsanforderungen müssen von jedem einzelnen Glied der nuklearen
Brennstoffkette erfüllt werden (Uranerzbergbau bis Endlagerung hochaktiver
Abfälle einschließlich aller notwendigen Transporte). …
Frage 3:
Ist die Information der DDR-Öffentlichkeit über die Gefahren der KKW´s
zureichend?
Joachim Krause
…
b) Ein zweites Beispiel für wenig
hilfreiche und verharmlosende Informationspolitik: Im ND („Neues Deutschland“,
Tageszeitung, herausgegeben von der Staatspartei SED - JK) vom 3./4.5.1986
wurde (wenige Tage nach dem Unfall im sowjetischen KKW Tschernobyl am 26.4.1986
- JK) eine Tabelle für die Konzentration radioaktiver Stoffe in der Luft für
Berlin veröffentlicht. Man konnte entnehmen, dass die Werte im zeitlichen
Verlauf abnahmen. Der erste (und höchste) Messwert stammt vom 30.4., 22.30 Uhr
und betrug 460 mBq/m³ (siehe Fußnote 1).
Die Tabelle endete mit dem
niedrigsten Messwert von 96 mBq/m³ (2.5., 14.00 Uhr).
Das Fazit im ND: „Damit ist eine
Stabilisierung auf einem niedrigen Niveau eingetreten.“
Das war aber leider nur die halbe
Wahrheit.
In einem offiziellen Bericht des
Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR an die IAEA vom
Oktober 1986 (SAAS-Report 349) ist eine komplette Darstellung über die
Konzentration radioaktiver Stoffe in der Berliner Luft im Zeitraum vom 28.4.
bis Ende Juni 1986 enthalten. Dort kommen die vom ND veröffentlichten Werte
wieder vor – mit Ausnahme vom letzten, niedrigsten: er ist jetzt mit knapp
500mBq/m³ angegeben.
Wichtiger aber ist, was man noch
entdeckt: die maximale Belastung wurde einige Stunden vor dem Beginn der
ND-Tabelle mit 117 Bq/m³ ermittelt, lag also 250mal höher als der mir in meiner
Zeitung mitgeteilte „Höchstwert“. Und eine „Stabilisierung auf einem niedrigen
Niveau“ war auch nicht gegeben – sie trat erst nach dem 7.5. ein. Zwischen dem
2.5. und 7.5. stieg die Belastung noch einmal an und schwankte zwischen einigen
hundert mBq/m³und reichlich 20 Bq/m³.
Ich hätte mir hier eine klare
Richtigstellung auch für die Leser des ND, nicht nur für die Fachleute
gewünscht. Mit der veröffentlichten Tabelle (Angaben in Bq) war ohnehin nicht
viel anzufangen. Um die durch die gemessene Radioaktivität bedingte biologische
Gefährdung abschätzen zu können, hätte es (auch für den Fachmann) ergänzender
Angaben (Art und Eigenschaften der verursachenden Radionuklide, ihr Anteil an
der Gesamtbelastung, Art der abgegebenen Strahlung, Aufnahmeweg in den
Organismus usw.) und ziemlich komplizierter Berechnungen bedurft. …
Fußnote
1) 1 Bq = 1 Becquerel bedeutet, dass in 1 Sekunde 1 radioaktiver Atomkern
zerfällt bzw. Strahlung abgibt; 1mBq/m3
= Milli-Becquerel = 1 Tausendstel Becquerel pro Kubikmeter Luft …
Frage 4:
Welche Alternativen (Energieeinsparung, natürliche Energiegewinnung aus Wind
o.ä.) sind zur Kernenergie denkbar und technisch möglich?
Joachim Krause
Eine „alternative“ Energiezukunft
für die DDR exakt vorzurechnen, steht noch aus. Ich kann nur grob denkbare
Ansatzpunkte für diesen Weg skizzieren:
a) Voraussetzung:
keine weitere Steigerung des Primärenergieverbrauchs in der DDR,
b) Energieeinsparung
/ rationelle Energieanwendung
(ausgehend vom hohen Energieverbrauchsniveau der DDR)
·
mittelfristiger Strukturwandel in der
Volkswirtschaft (weg von energie- und rohstoffintensiver Industrie),
·
Modernisierung technischer Prozesse und Analysen bei der
Energie-Umwandlung und -Anwendung (vom
Großkraftwerk bis zur Glühlampe),
·
effektive
Raumwärmenutzung (z.B. Wärmedämmung),
·
Stromerzeugung,
- Erhöhung des Wirkungsgrades der Kraftwerke (alte Braunkohlekraftwerke
schaffen heute 20%, moderne Anlagen
können 38% erreichen),
- Verminderung der Leitungsverluste,
- Kraft-Wärme-Kopplung (gleichzeitige Nutzung von Fernheizwerken und
Kraftwerken zur Strom- und
Wärmeerzeugung; Einsatz von Blockheizkraft-
werken für kleinere Einheiten),
·
+ Stromanwendung,
- nur dort, wo durch andere Energieträger die benötigte Energiequalität nicht
bereitgestellt werden kann,
(Stromerzeugung erfordert besonderes hohen
Primärenergieaufwand),
- verlustarme Anwendung (z.B. elektrische Antriebe, Beleuchtung),
·
Materialökonomie (sparsamer Umgang mit der in Werkstoffen
enthaltenen vergegenständlichten Energie).
c) schnelle und
umfassende Erforschung und Praxisentwicklung aller geeigneten regenerativen
Energiequellen in der DDR (Schätzungen aus den 70er Jahren, dass bis zum Jahr
2000 regenerative Quellen nur 1% am Primärenergieaufkommen der DDR erreichen
können, erscheinen zu pessimistisch – gemäßigte Erwartungen für die BRD rechnen
zum gleichen Zeitpunkt mit 5 bis 10% - langfristig ist noch deutlich mehr zu
erwarten – vieles ist technisch und ökonomisch schon heute möglich – bei
gezielter Forschung und Massenproduktion sind neue Anwendungsmöglichkeiten und
abnehmende Kosten zu erwarten – wir haben auf dem Gebiet Nachholbedarf.
·
Ausnutzung aller örtlichen Reserven; dezentrale Systeme;
Eigenversorgung
·
Erdwärme (nördlich Berlin – Raumheizung)
·
Wind (Küste, windreiche Gegenden - Betrieb von Pumpen,
Elektroenergie)
·
Biomasse (Abfälle, Kläranlagen, Güllevergasung – Biogas als
Treib- und Brennstoff, auch für Elektroenergie oder zum Betrieb von
Wärmepumpen)
·
Wasserkraft (neben größeren Kraftwerken Betrieb von
Mikrokraftwerken im Kilowatt-Bereich für örtliche Versorgung, Betrieb von
Mühlen, Sägewerken)
·
Sonne
- Sonnenwärmekollektoren (Dächer von Häusern – Brauchwassererwärmung, evtl.
auch Heizung)
- Solarzellen (Stromerzeugung – nach 2020 wahrscheinlich konkurrenzfähig
Atomstrom)
- langfristig: Aufbau von großen Sonnenenergie-Systemen, z.B. in Wüstengegenden
der Erde – Verwendung des Stroms zur Wasserstofferzeugung – Transport wie
Erdgas zum Verbraucher (Pipeline, Tanker) – Aufbau in internationaler
Zusammenarbeit (unser Beitrag: technisches Wissen und Errichtung von Anlagen;
ärmere Länder übernehmen die Energiebereitstellung; daraus resultiert für uns
Abhängigkeit, aber eine vollständige Selbstversorgung aus eigenen
Energieressourcen ist für uns in jedem Falle eine Illusion!) …
Auf die Halbwahrheiten bei
der Mitteilung von Umweltdaten nach dem Unfall in Tschernobyl wiesen wir auch
in einem Beitrag in den Wittenberger BRIEFEN hin – auch hier gab es keine
Reaktion staatlicher Stellen:
(Joachim Krause in: BRIEFE zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.17, 1988, S.15)
Meine Beschäftigung mit
Fragen der Energiepolitik brachte mir bei der „Ökumenischen Versammlung“ (ÖV)
der DDR-Kirchen die Berufung als Fach-Berater in die Arbeitsgruppe ein, die
über „Energie für die Zukunft“ nachdenken sollte. Die ÖV machte sich unsere
Thesen zu eigen (hier Sätze aus einem ersten Entwurf, der in die öffentliche
(!) Diskussion gegeben wurde):
(Mitteilung zu den Ergebnissen
der 2. Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
Schöpfung in Magdeburg, Textentwürfe für die öffentliche Diskussion:)
„Wir haben die Vision einer Zukunft, die sich im Wesentlichen auf regenerative
Energiequellen stützt. Erste gute
Erfahrungen z.B. bei der Nutzung von Erdwärme, Biogas, Sonnenenergie und
Windkraft sowie darauf aufbauende Prognosen ermutigen uns. Wir sind überzeugt,
dass durch gezielte Anstrengungen in Forschung und Entwicklung rasch
Fortschritte erzielt werden können. …
Kernenergie darf nicht Grundlage unserer zukünftigen
Energieversorgung sein. Wegen ihrer sozialen, technischen, ökologischen und
militärischen Risiken ist der Ausstieg aus dieser Technik unumgänglich. Wir
sind und bewusst, dass eine solche Forderung erhebliche Bedenken und
Widerstände hervorruft. Wir können diesen Verzicht nur glaubhaft fordern, wenn
wir auch bereit sind, Konsequenzen mitzutragen.“
(aus dem Textentwurf der Arbeitsgruppe „Energie für die Zukunft“)
(Joachim Krause in: BRIEFE zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.18, 1988, S.16)
Stalinallee
In der kirchlichen Umweltarbeit der DDR hatte ich mich schon länger mit
Energiefragen beschäftigt. Ich galt darum wohl als exotischer Geheimtipp.
Jedenfalls erhielt ich Anfang 1989 eine ungewöhnliche Einladung nach Berlin.
Kein innerkirchlicher Zirkel, wurde mir gesagt, Fachleute. Etwas geheimnisvoll
die Vorbereitung, kein Veranstaltungsort („wir holen Sie am Bahnhof ab“). Ich
fuhr hin, den üblichen POLYLUX (Overheadprojektor) in der Hand, und wurde von
einem mir unbekannten Herrn per Auto in die Stalinallee kutschiert; die hieß
natürlich schon lange „Frankfurter“, aber sie sah immer noch aus wie
„Stalinallee“. Wir betraten ein Eckhaus, kamen in eine höchst geräumige
„Bonzen“-Wohnung, ich schätze mal: 50 Quadratmeter Wohnzimmer mit riesigen
Fenstern, wo sich nach und nach 50 Menschen versammelten. Damen und Herren
mittleren Alters, die interessiert meinen Ausführungen lauschten, offenbar
ziemlich sachkundig und kompetent waren; wahrscheinlich arbeiteten die meisten
in irgendwelchen Behörden oder Ministerien. Wir habe zwei Stunden lang im
offenen Gespräch um Fragen gerungen, die unsere gemeinsame Zukunft betrafen.
Und das ging, obwohl wir eigentlich auf verschiedenen Seiten standen. 1989 eben
- Aufbruch.
(Aus: Joachim Krause „Am Abend mancher
Tage“, Wartburg-Verlag Eisenach, 1988)
Wissenschaftlich-technischer
Fortschritt und menschliche Verantwortung
·
Wissenschaft und Technik sind wichtige Mittel, um die
gesellschaftliche Entwicklung voranzubringen. Wir müssen dem Fortschritt Ziele
setzen (was macht erfülltes Leben aus?) und daran prüfen, welche technischen
Mittel wir zum Erreichen ganz konkreter Ziele einsetzen wollen.
Die technischen Möglichkeiten dürfen die weitere Entwicklung nicht einengen
oder festlegen („Sachzwänge“)
·
Maßstab für technischen Fortschritt: Er soll dem Leben
dienen (nicht nur dem menschlichen Leben), seine weitere Entfaltung
(biologisch und sozial) ermöglichen und offenhalten.
Heute ist der wiss.-techn. Fortschritt auf die Lösung der
Menschheitsprobleme auszurichten:
Verminderung der Kriegsgefahr, Sicherung des Überlebens aller Menschen und
Herstellen von Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd, Bewahrung der Schöpfung.
·
Die globale technische Umgestaltung der Welt erfordert neue
Horizonte für unser Denken und Handeln:
- räumlich: grenzübergreifendes Handeln (eine Erde)
- zeitlich: langfristig orientierte, dauerhafte Lösungen suchen (kommende
Generationen)
·
Jeder Fortschritt hat seinen Preis:
Vor dem Einsatz neuer Technik sind Nutzen und Schaden umfassend gegeneinander
abzuwägen (Technologie-Folgen-Abschätzung). Ein Ziel könnte dabei
heißen: Minimierung des Leidens.
Neben technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Effizienz sind wichtige
Kriterien für die Beurteilung die ökologische, soziale und internationale
Verträglichkeit.
·
Verantwortung lässt sich nicht delegieren.
a) Verantwortung muss persönliche Verantwortung sein (nicht an Kollektive oder Technik
delegieren, meine Hand für mein Produkt ?!)
b) Verantwortung muss von allen gemeinsam wahrgenommen werden (offene
Diskussionen und gemeinsame Entscheidungen aller Beteiligten und Betroffenen)
·
Wie kann Verantwortung konkret werden angesichts
- von Ehrgeiz und Spieltrieb des Forschers
- den Verlockungen des Geldes
- der Verlockung der Macht
- der zunehmenden Entfremdung auch des Wissenschaftlers und Technikers
vom Gegenstand seiner Arbeit
(Joachim
Krause, Merkblatt für Veranstaltungen, mit dem ORMIG-Verfahren vervielfältigt,
kirchlicher Druckgenehmigungsvermerk: „Nur für innerkirchliche Verwendung!
04/5.2.1988/50“)
(Nachweis von Lügen in der offiziellen
Statistik)
Im statistischen Jahrbuch der DDR von 1988 stehen auf S.155 erstmals Angaben zu
den Schwefeldioxid-Emissionen in unserem Land (1980: 5,000 Mill. t / 1986: 5,000 Mill. t / 1987: 4,990 Mill. t). Abgesehen davon, dass
Mengenangaben mit so vielen Nullen verdächtig sind in Bezug auf die Genauigkeit
– wie haben wir diesen Stillstand (allerdings auf sehr hohem Niveau: Platz 1 in
Europa bezogen auf die Bevölkerungszahl oder die Fläche) eigentlich erreicht?
Die Braunkohleförderung und -verbrennung ist im gleichen Zeitraum um etwa 50
Mill. t Rohbraunkohle/Jahr gestiegen, daraus ergeben sich (bei angenommenen 1 %
Schwefelgehalt in der Rohkohle) zusätzliche SO2-Emissionen von
größenordnungsmäßig plus 1 Mill. t/Jahr. Wo sind die hin … ?
(Joachim Krause, in: BRIEFE zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.19, 1989, S.16)
(Nachgerechnet: Die DDR ist Weltspitze
beim Ausstoß von Treibhausgasen!)
Im „Neuen Deutschland“ vom 21./22.1.1989 wird mitgeteilt, dass die BRD (nach eigenen Angaben), „gemessen an
der Einwohnerzahl, der größte 'Exporteur' von Kohlendioxid ist“ (Zahlenangabe:
13 t CO2 pro Einwohner und Jahr). Am 8.2.1989 wiederholten die
Tageszeitungen der DDR diese Meldung mit dem Zusatz, die BRD setze „zwanzig Mal
mehr an CO2 frei als im Durchschnitt die ganze Welt.“
Das regt zur Berechnung der entsprechenden Zahlen für unser Land an.
Unter Benutzung der Umrechnungsfaktoren für verschiedene kohlenstoffhaltige
Energieträger und in Kenntnis der Struktur unserer Primärenergieträger ergibt
sich für 1985 für die DDR im Vergleich zur BRD folgende Spitzenposition (für
die DDR berechnet: Durchschnittswert für die Jahre 1985 bis 1988):
.Mill. Tonnen Tonnen Tonnen
.pro Jahr pro Einwohner pro Quadratkilometer
und
Jahr und Jahr
BRD 800 13 3200
DDR 360 21 3300
(Joachim Krause in: BRIEFE zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.19 1989, S.17)
Bei all den Problemen, mit
denen wir uns bis 1989/90 herumschlagen mussten - manchmal haben wir auch zu
DDR-Zeiten lachen können (vielleicht gelang nur so das Überleben). Im Jahre
1985 erschien z.B. ein Aufruf in den Wittenberger BRIEFEN:
Unser Leser Matthias hat 1000 Mark gespendet für einen Wettbewerb.
Gesucht werden Zwei- und Vierzeiler, Slogans, Spots, Limmericks, Persiflagen
auf bekannte Lieder oder Ähnliches – immer zur Umweltzerstörung und –bewahrung.
…
(BRIEFE zur Orientierung im Konflikt
Mensch – Erde, Nr.11, 1985, S.14)
Und da mir in den
DDR-Jahren, bei all den problematischen Dingen, über die wir zu reden hatten,
immer auch danach zumute war, ab und zu gemeinsam zu singen (ich hatte immer
meine Gitarre dabei), und auch mal gemeinsam zu schmunzeln, habe ich diesen
Anlass genutzt und wochenlang auf den vielen Dienstfahrten witzige und
nachdenkliche Textchen zusammen-gepuzzelt – hier eine Auswahl:
Ökosprüche
Man soll die Luft nicht vor der Nachtschicht loben.
Wer fastet, entlastet.
Der Geist ist willig –
aber das Fleisch schmeckt gut.
Viel Maikäfer gab's einst in Laage,
und jeder stimmt ein in die Klage:
Man nahm DDT,
das tut Käfern weh –
jetzt sind sie ein Tier aus der Sage.
Aller Anfang ist gut.
Kleine Sünder straft man -
die großen lassen´s laufen.
Ich sehe nichts, sagte der Mann –
da hatte er Scheuklappen auf.
Kleine Ursachen –
große Neben-Wirkungen.
Zwei Schornsteine unweit von Seyde,
die standen im Wettbewerb beide,
sie rauchten und bliesen
über Felder und Wiesen –
da husten noch heute die Leute.
An ihren Autos sollt ihr sie erkennen.
Sauer macht lustig, sagte der Wald –
da lachte er sich tot.
Irren ist auch wissenschaftlich.
Sich auf-regen bringt Segen.
Bei Bitterfeld sind alle Katzen grau.
Da kräht kein Hahn danach, sagte der Agrochemiker –
da hatte er alle Hähne schon vergiftet.
Ich kann ohne dich nicht leben, sagte der Mann –
da meinte er sein Auto.
Die Enkel werden strahlen, sagte der Mann -
da vererbte er ihnen seinen Atommüll.
Reden ist Silber, Schweigen ist falsch.
Das Schwächere gibt nach.
Un-Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.
Machen ist gesund.
(Joachim Krause, um 1985)
3. Wendezeit – Vieles wird
anders
1990
1989/1990 waren die
DDR-Zeiten vorbei. War nun alles anders, würden sich die überkommenen
sozialismus-typischen Probleme schnell und endgültig lösen lassen?
Die turbulenten Wendejahre
brachten mancherlei neue Herausforderungen. So war ich plötzlich
Vorstandsvorsitzender eines Vereins:
Protokoll der Gründungsveranstaltung
von Greenpeace DDR e.V. am 8.6.1990
Tagungsort: 1040 Berlin, Hannoversche Straße 1
Anwesend: 17 stimmberechtigte Gründungsmitglieder von Greenpeace DDR …
3. Wahl des Vorstands von Greenpeace DDR …
Von den Anwesenden wurden folgende Vorschläge unterbreitet: Joachim
Krause, Dr. Christof Tannert, Heidrun Rottenbach, Harald Zindler, Stephen
Sawyer … waren die fünf Kandidaten mit der erforderlichen Stimmenmehrheit
gewählt …
6. Information der Mitglieder von Greenpeace DDR über erste Beschlüsse
des Vorstands …
Zum Vorstandsvorsitzenden wurde einstimmig gewählt: Joachim Krause …
Im November wurde mir
lapidar mitgeteilt, dass die Eintragung im Vereinsregister nun gelöscht werden
solle (Beschluss der fernsteuernden Zentralen von Greenpeace in Hamburg und
Amsterdam), und ich hatte einige Mühe, in der sächsischen Provinz einen Notar
für die Beurkundung zu finden.
Als die DDR von der
Bundesrepublik Deutschland übernommen wurde, „erbte“ diese auch einige
schwergewichtige Altlasten. Eine davon war der Uranbergbau, seit den 1940er
Jahren betrieben von der „Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut“. Vor
allem der Bergbau in den ersten „wilden“ Jahren mit massiven Belastungen der Bergleute
durch Staub und strahlende Materialien hatte Tausende von Todesopfern zur Folge
gehabt, und ganze Regionen im Erzgebirge und im Ronneburger Raum in Thüringen
waren verwüstet worden und von strahlenden Altlasten geprägt (Halden,
Absetzbecken der Uranerzaufbereitung). Als der nun gesamtdeutsche
Umweltminister Töpfer Ende 1990 die betroffene Region bereiste, wurde ihm auch
die Befürchtung massiv vorgetragen, dass „die Wismut“ nun sicher alle
belastenden Daten, z.B. auch die Gesundheitsakten der Bergarbeiter,
manipulieren oder verschwinden lassen könnte. Töpfer versprach, sich darum zu
kümmern. Ich hörte ihm bei einer Veranstaltung zu, ahnte aber nicht, dass sein
Versprechen mich betreffen könnte. Wenige Tage später bekam ich einen Anruf aus
Bonn, dann saßen Beamte aus seinem Ministerium in meinem Arbeistzimmer, und
Anfang Januar 1991 saß iich im schwarzen Anzug im Bonner Umweltministerium und
wurde bis zum Staatssekretär „hochgereicht“. Ich erhielt ein
Berufungsschreiben:
Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit, 3. Januar 1991
Sehr geehrter Herr Krause,
hiermit berufe ich Sie als sachverständigen Berater des BMU für Fragen
der Datensicherung bei den Gesundheitsdaten von Arbeitnehmern der SDAG Wismut …
Ihre Beratungsaufgabe ist ein persönliches Ehrenamt … bei dessen Wahrnehmung
Sie keinerlei Weisungen unterliegen …
Dieses Schreiben öffnete mir
alle Türen, und nun suchte ich nach den Krankenakten der Wismut-Kumpel, um
Vorschläge für ihre Sicherung zu machen. Ich wurde nach und nach fündig –
obwohl manche der Wismut-Verantwortlichen wenig Neigung zeigten, ihr
Geheimwissen mit mir zu teilen – und ich schrieb Berichte nach Bonn, hier nur
ein Auszug aus dem ersten:
An das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bonn, 26.1.1991 …
Betr.: Bericht und Anmerkungen zur Besichtigung von WISMUT-Archiven
am 22. und 25.1.1991
1. Ehem. Betriebsambulatorium des BB Aue in 0-9509 Hartenstein, Schacht
371
A. Zustand und Beobachtungen:
·
desolate
Zustände bei der Auflösung bzw. Umstrukturierung des ehemaligen
„Gesundheitswesens Wismut“ festgestellt
·
ehem. Wismutarzt
(derzeit ohne Anstellungsverhältnis) und eine Schwester lagern die
Patientenkartei in das Zentralarchiv in Schlema um;
·
ein Teil des
Aktenbestandes ist bereits abtransportiert; die Suche danach brachte u.a.
folgendes zutage: Patientenkartei steht offen zugänglich im Wartezimmer, andere
Kartei-Teile befinden sich in offenen Schränken im Treppenaufgang (Schlema),
ausgesonderte Karteibestände sind in einer unverschlossenen „Rumpelkammer“
gelagert, aktuelle Karteikästen stehen im unverschlossenen Wäscheschrank
·
Verantwortung
für die Gesundheitsakten der Wismut-Beschäftigten wird durch die
Geschäftsführung des BB Aue nicht mit der erforderlichen Konsequenz
wahrgenommen …
Allmählich gewann ich einen
Überblick, und die Zustände verbesserten sich rasch. In keinem einzigen Fall
habe ich feststellen können, dass gezielte Eingriffe in die Aktenbestände
vorgekommen waren. Insgesamt schrieb ich in den nächsten Jahren 45 Berichte
(Ehrenamt!), und wurde 1998 per Brief von Grünen-Minister Trittin freundlich
als Berater verabschiedet – wohl weil ich nun als Altlast aus Töpfers Zeiten
zählte …
Meine erste Energiesparlampe
bekam ich von Freunden aus der Schweiz per Post geschickt, die bei einem „Friedensseminar“
in Meißen dabei waren und die ich mit meinen „theoretischen“ Lobgesängen auf
dieses Wunderwerk der Technik beeindruckt hatte. Meine zweite Sparlampe habe
ich mir dann – über verwickelte „Beziehungen“ – noch in der DDR bei NARVA
gekauft.
ENERGIESPARLAMPEN
Die Folgen eines verschwenderischen
Umgangs mit Energie begegnen uns
immer bedrängender als UMWELTGEFAHREN.
Die Einführung kostendeckender
Stromtarife bedeutet einen schmerzlichen Griff in unsere Kassen (ab 1.1.91
für Privatverbraucher bzw. schon seit 1.7.90 für die Kirchen sind 24 statt
bisher 8 Pfennig zu zahlen!).
Mit dem folgenden Beitrag möchte
ich dazu ermutigen, an einer Stelle des täglichen Umgangs mit Energie, nämlich
bei der Beleuchtung, schnellstens sinnvolle Schritte zu gehen.
Seit einigen Jahren gibt es
ENERGIESPARLAMPEN (exakt: Kompaktleuchtstofflampen). Sie lassen sich problemlos
in jede Glühlampenfassung drehen, haben eine 6- bis 8-fach längere Lebensdauer als Glühlampen, verbrauchen
aber nur etwa ein Fünftel der bisher erforderlichen Strommenge bei gleicher
Leuchtleistung.
Die beachtliche Lebensdauer wird
von der Anzahl der Brennstunden pro Schaltung beeinflusst. Für Lampen mit
konventionellem Vorschaltgerät sind Brennstellen mit längeren Betriebszeiten (1
Schaltung pro 3 Stunden Brenndauer; z.B. an Hauptbeleuchtungsstellen in der
Wohnung, in Büros) zu empfehlen. Lampen mit elektronischem Vorschaltgerät
können dagegen ohne Einfluss auf die Lebensdauer so häufig wie Glühlampen
geschaltet werden. Kompaktleuchtstofflampen sind nicht dimmbar (Abdunkeln durch
Leistungsminderung über entsprechende Regler). Probleme könnten sich beim
Einsatz dieser Lampen auch hier und da durch die Abmessung (sie sind teilweise
etwas länger als herkömmliche Glühlampen) und das etwas höhere Gewicht ergeben.
Im Handel gibt es diese
Sparlampen von der DDR-Firma NARVA und von den BRD-Firmen OSRAM und PHILIPS.
Man kann mit dem Einsatz solcher Lampen eine Menge Geld sparen – heute schon bei noch subventionierten
Strompreisen und erst recht, wenn die neuen Tarife gelten. ….
FAZIT: Mit dem Einsatz einer
einzigen solchen Sparlampe lassen sich um die hundert D-Mark sparen !!!
(genauere Berechnungen wurden in einer
Tabelle wiedergegeben, Ersparnis 98 bzw. 128 DM)
Der Einsatz einer Sparlampe führt
über die Einsparung von etwa 500 Kilowattstunden Strom dazu, dass 14 Zentner
Braunkohle (!) weniger verbrannt werden müssen und uns die damit verbundene
Umweltbelastung „erspart“ bleibt.
Tun Sie also Ihrem Geldbeutel und
unserer Umwelt etwas Gutes und wechseln Sie mal ein paar Lampen!
Übrigens: Sparlampen ohne
elektronische Zündung führen zu einer wenn auch geringen Strahlenbelastung.
Sparlampen mit elektronischer Zündung führen nicht zur Strahlenbelastung. Beide
Arten sind aber wegen des Quecksilbergehaltes als Sondermüll zu entsorgen.
(Joachim
Krause in: BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.22, 1990, S.6)
20 Jahre später kochte die
Debatte zum Pro und Contra Energiesparlampe wieder hoch. Hier meine Reaktion
als bekennender Sparlampen-Fan:
Energiesparlampen sind kein Teufelszeug
– aber sie lösen auch nicht alle unsere Energieprobleme
Gleich zu Beginn ein Bekenntnis: Ich bin ein Fan von Energiesparlampen
(ESL). Meine „erste“ habe ich mir 1989 noch in der DDR gekauft. Seitdem
verfolge ich interessiert die manchmal erregten Debatten pro und contra. Ich
bin immer ein nüchterner Naturwissenschaftler geblieben, habe versucht,
Argumente abzuwägen und Fakten nachzurechnen.
Zunächst seien die Konkurrenten vorgestellt: Eine normale Glühlampe (ein
Metalldraht glüht im Vakuum) wandelt nur 3 bis 5 Prozent der elektrischen
Energie in Licht um, der Rest verpufft als Wärme. Bei ESL handelt es sich im
die schon länger bekannten Leuchtstoffröhren, die raffiniert gewickelt und
gefaltet auf Glühlampengröße gestaucht werden und mit einem Schraubsockel
überall eingesetzt werden können. Die hochkomplizierte Start- und
Steuerelektronik ist im Sockel integriert. Eine ESL mit 20 Watt
Leistungsaufnahme leuchtet mit der gleichen Helligkeit wie eine
100-Watt-Glühlampe, verbraucht also 80 % weniger Strom. Die durchschnittliche
Lebensdauer liegt für eine Glühlampe bei 1.000 Brennstunden, für ESL bei etwa
12.000. Damit reduziert der Austausch einer einzigen Beleuchtungsquelle während
der gesamten Nutzungsdauer die Stromrechnung um über 100 Euro! Eigentlich ist
das eine höchst überzeugende Rechnung zum Vorteil des eigenen Geldbeutels –
trotzdem wurden 2006 in Deutschland nur 27 Millionen ESL verkauft, gleichzeitig
gingen zehnmal so viele normale Glühlampen über den Ladentisch. Der Verbraucher
nimmt aber in seinem Alltag nur die deutlich höheren Anschaffungskosten für die
ESL im Vergleich mit der gewohnten Glühlampe wahr – die Betriebskosten
(Stromverbrauch) werden ihm nicht so direkt bewusst, sie werden über Jahre
hinweg anonym abgebucht. Es würde sofort funktionieren, wenn Stromverbrauch per
Münzeinwurf spürbar wäre.
Darüber hinaus behindern aber eine Reihe von Vorurteilen die Verbreitung
von ESL – hier eine Auswahl: Ihr Licht sei „kalt“ und den menschlichen
Bedürfnissen nicht angepasst, ungesunde Strahlung gefährde die Gesundheit, die
Lampen seien giftig (Quecksilberdampf), die versprochenen langen Lebensdauern
würden im Alltag gar nicht erreicht (z.B. bei häufigem An- und Ausschalten), es
trete gar keine Kosten- und Energieersparnis ein usw.
Dem sollen ein paar Fakten entgegengehalten werde. Zu Anfang sei
klargestellt: Die folgenden Aussagen beziehen sich auf moderne Leuchten mit
elektronischen Vorschaltgeräten von namhaften Herstellern. Hin und wieder gibt
es leider noch immer „Billig-Sparlampen“ mit technisch veralteter Bauweise von
anonymen Produzenten, die den Kriterien nicht genügen, müde starten, flackern
und schnell kaputt gehen.
Es gibt ESL mit verschiedenen Lichtfarben und Lichtspektren. Die einen
sind optimal für Arbeitsplätze geeignet, andere simulieren das Tageslicht, und
wieder andere erzeugen Wohnzimmeratmosphäre. Dann wird ein gelbliches Licht
erzeugt („warmweiß“), das bezüglich der Farbwiedergabe vom Glühlampenlicht
nicht unterschieden werden kann. ESL flimmern nicht (die Frequenz von 40.000
Hertz können menschliche Sinne nicht wahrnehmen). Elektronisch gestartete ESL
kann man viele tausend Mal an- und ausschalten, ohne dass dadurch ihre
Lebensdauer abnimmt.
Untersuchungen zeigen, dass sich die elektromagnetische Strahlung von
ESL im Rahmen der Abstrahlung von herkömmlichen Glühlampen bewegt. Auch die
elektronischen Vorschaltgeräte unterscheiden sich nicht von den
elektromagnetischen Feldern anderer Haushaltgeräte. Das elektrische Feld eines
Fernsehgerätes liegt selbst in einem Abstand von einem Meter noch deutlich
höher als das einer ESL im Abstand von 30 Zentimetern.
Das Einschalten erhöht den Energieverbrauch nur unmerklich. Der
Mehrverbrauch an Energie während des Vorheizens der Elektroden dauert 1 bis 2
Sekunden, diese Strommenge entspricht der der Lampe im anschließenden
Normalbetrieb in 10 Sekunden. Unter Einbeziehung des Aufwandes für Herstellung
und Entsorgung tritt eine Netto-Energieersparnis bei Sparlampen etwa ab 40
Betriebsstunden ein, ab dann wird also echt Strom gespart (über tausende von
Stunden).
ESL enthalten tatsächlich einige Tausendstel Gramm Quecksilber, ein
Umweltgift. Deshalb gelten die Lampen zu Recht als Sondermüll, der getrennt
erfasst und entsorgt werden muss. Das aber funktioniert überhaupt noch nicht!
Vor einigen Jahren schon hätten über 100 Millionen Gasentladungslampen
abgeliefert werden müssen (das Problem betrifft auch die vielen herkömmlichen
Leuchtstoffröhren), es waren aber nur 7 Prozent davon. Die meisten Verbraucher
werfen die Lampen gedankenlos in die Mülltonne. Aber entwarnend sei mitgeteilt:
Auch bei der Stromerzeugung (Verbrennung von Kohle) wird Quecksilber in die
Umwelt freigesetzt. Und da spart eine ESL in ihrer Lebenszeit die mehrfache
Menge an Quecksilber ein, wie in ihr enthalten ist. Trotzdem muss die
ordnungsgemäße Entsorgung der ausrangierten Lampen verantwortlicher
wahrgenommen werden.
Wenn jeder der 20 Millionen Hauhalte in Deutschland statt einer
100-Watt-Glühlampe eine 20-Watt-ESL anschaltet, sind schlagartig zwei Atomkraftwerke
überflüssig. Das einfache Auswechseln eines Beleuchtungskörpers bringt also
durchaus einen Effekt. Aber Beleuchtung stellt nur einen geringen Teil unseres
verschwenderischen Stromverbrauchs dar. Da sind die vielen Geräte, die im
bequemen „Stand-by-Betrieb“ unnütz Strom vernichten. Gut, dass die EU hier ab
2010 strenge Restriktionen beschlossen hat. Und so halte ich auch das
mittelfristige Verbot von Glühlampen für einen sinnvollen Schritt. Und der
nächste Quantensprung bei der Beleuchtung findet ja längst statt: die kleinen
LEDs (lichtemittierende Dioden) sind quecksilberfrei, geben weder ultraviolette
Strahlung noch Wärme ab, halten 50 mal länger als Glühlampen und erreichen
Lebensdauern bis zu 100.000 Stunden.
(Joachim Krause für eine Kirchenzeitung,
Februar 2009, wegen der PRO-Haltung
nicht abgedruckt)
Reichsbahn á la
Schweiz
Die gute alte Reichsbahn (so hieß die Bahn in der DDR wirklich – JK) war sicher kein gutes
Beispiel.
Aber der desolate Zustand des Schienensystems, der
Fahrzeuge, der Pünktlichkeit usw. in der ehemaligen DDR darf nicht darüber
hinwegtäuschen, dass das Prinzip "Schiene vor Straße" - aber eben
leider nur im Prinzip - schon ganz richtig war.
Jetzt sind die Wagen sauberer, die Züge pünktlicher
(?), beim größeren Bruder DB fahren IR, IC, ICE mit großem Komfort und hohen
Geschwindigkeiten. Ich kann durch längeres Knobeln herausbekommen, ob ich mit
Familienpass oder Superspartarif oder ... am günstigsten fahre. Kurz: es ist
besser geworden, aber gut ist es noch nicht.
Wesentlich weiter auf dem Weg zu einem attraktiven
öffentlichen Verkehrssystem sind andere in Westeuropa. Zum Beispiel die
Schweizer Bundesbahnen.
Hier brauche ich gar keinen Fahrplan mehr, denn nach
dem Motto "Jede Stunde ein Zug" (auf manchen Hauptstrecken gilt heute
schon der "Halbstundentakt!) muss ich nur wissen, wann das ist (also z.B.
8.23; 9.23 Uhr usw.) und kann ich mich darauf verlassen, dass der Start in der
gewünschten Richtung gesichert ist (Pünktlichkeit, Sauberkeit und Komfort
inklusive). Wenn ich mit dem Personenzug gestartet bin, kann ich am nächsten
Knotenpunkt in einen D-Zug oder Inter-City umsteigen: Hier kommen aus allen
Richtungen zu dieser Zeit Züge sternförmig zusammen, ich kann in Ruhe umsteigen
(3 bis maximal 8 Minuten Aufenthalt), und danach fahren die Züge wieder in alle
Richtungen auseinander. Auch am nächsten Umsteigepunkt sind nach dem gleichen
Muster wieder alle Anschlüsse mit minimaler Umsteigezeit gesichert.
Noch erfreulicher: Das Prinzip gilt und klappt nicht
nur (wie auch bei den IC's der DB) auf den großen Hauptstrecken - in der
Schweiz gilt es auch für die Peripherie, d.h. auch das Dörfchen
Hinterposemuckel ist nachts um 11 noch im Stundentakt angekoppelt (wo Schienen
fehlen, erledigen das Busse).
Die Schweizer Bahnen locken mit einer Fülle von
Vergünstigungen, das System wird angenommen, und es lohnt sich - die Bahnen
werden inzwischen nicht mehr subventioniert. Überall sitzt man in gut gefüllten
Schweizer Zügen zwischen Leuten mit blauen Heftchen: das ist ihr "Halbpreisabo"
(für 100 SF erhältlich; berechtigt ein Jahr lang zu Fahrten zum halben Preis).
Betriebe verschenken solche Heftchen an ihre Dienstreisenden (die sie natürlich
auch privat nutzen) - dann werden grundsätzlich nur noch Bahnkilometer
erstattet; und alle sparen dabei!
Wie wär's, wenn wir die Reichbahn a la Schweiz
rekonstruieren?
(Joachim Krause in:
BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.24, 1991, S.17)
Alles
vergessen ?
„Die Zeit drängt!", so hieß
ein Buch von C.F.v.Weizsäcker aus den 80er Jahren mit dem Appell, dass wir uns
endlich den bedrängenden Problemen unseres Planeten zuwenden sollten, ehe es zu
spät sei.
Auch Christen in der DDR begaben
sich auf den Weg des "Konziliaren Prozesses", begannen gemeinsam über
"Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" nachzudenken.
Der Anfang war eine
Bestandsaufnahme: An alle Gemeinden ging im Herbst 1987 die Frage, mit welchen
konkreten Problemen sich die ins Auge gefasste "Ökumenische
Versammlung" in der DDR beschäftigen sollte. Die Resonanz war
überwältigend - allein zum Bereich "Bewahrung der Schöpfung" hatten
wir tausende von Anregungen auszuwerten. Die besonders brennenden Fragen zum
Umweltbereich wurden in vier Arbeitsgruppen der Ökumenischen Versammlung ein
Jahr lang beraten. Am Ende wurden von allen beteiligten Kirchen konzentrierte
Texte verabschiedet, die neben Problembeschreibungen (es ging vor allem um eine
unverstellte Sicht der DDR-Wirklichkeiten) Handlungsbedarf signalisierten -
Politik und Wirtschaft, die Kirchen wie jeder einzelne waren zum Umdenken und
zum Handeln aufgefordert.
Damit war nur ein erster Schritt
getan, weitere sollten nun schnell folgen...
Die Turbulenzen des Herbstes '89
haben leider auch die Aufbrüche der Ökumenischen Versammlung weithin
verschüttet. Anderes drängte nach vorn, die inneren und äußeren Umbrüche in
unserem Alltag halten uns in Atem.
Und so beobachte ich einfach,
dass wir bei der Umsetzung der klugen Worte, die im Frühjahr 1989 in Dresden
gefunden waren, bisher im Alltag - zu Hause oder in unseren Kirchgemeinden -
nicht weit gekommen sind.
Wie ernst ist es uns eigentlich
mit der Sorge um Gottes Schöpfung ?
Uns begegnen nach der
"Wende" ja nicht nur neue Fragen im Umweltbereich (die über uns
hereinbrechende Verkehrslawine, der schnell wachsende Berg unseres
Wohlstandsmülls seien als Beispiele genannt) - die Probleme, die uns bei der
Ökumenischen Versammlung umgetrieben haben, sind aktuell geblieben:
Zur Erinnerung:
·
Da war 1. das Nachdenken über unsere
LEBENSWEISE, unseren LEBENSSTIL.
Wir haben uns bewusst gemacht, dass wir auch schon zu DDR-Zeiten zu den Reichen
auf dieser Welt gehörten. Das haben viele zwar nicht gern gehört, aber wer z.B.
zur Weltspitze beim Verbrauch von Nahrungsmitteln oder von Energie zählt, der
muss sich das schon sagen lassen.
Der noch höhere materielle Lebensstandard in der (alten) Bundesrepublik
erschien uns damals als fragwürdige Orientierung. Jetzt leben wir in diesem
Paradies, der Konsumrausch wird jeden Tag ausgelebt.
Dass unser Lebensstil unsolidarisch ist in einer Welt voller Armut, dass unser
Planet dem ökologischen Ruin nicht entgehen kann, wenn alle Menschen auf dieser
Welt die gleichen Ansprüche geltend machten wie wir - das macht das Nachdenken
über einen verantwortlichen Lebensstil zum wichtigen Dauerbrenner.
·
Zum 2. haben wir nachgedacht über den
Widerspruch und die notwendige Versöhnung zwischen ÖKONOMIE UND ÖKOLOGIE.
Wir haben von den damals in der DDR Verantwortlichen gefordert, die viel
beschworene Formel der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik"
zu ergänzen um den Aspekt der Umweltpolitik.
Dieses Defizit wird auch unter "westlichen" Verhältnissen sichtbar,
ablesbar z.B. in der Koalitionsvereinbarung der derzeitigen Bundes-Regierung:
Dort ist der Wirtschaftspolitik das erste Kapitel gewidmet, der Umweltpolitik
das 12. und letzte. Größer kann der Abstand nicht sein, und vielleicht ist die
Reihenfolge ja auch eine (unbewusste?) Wertung...
Da ist offensichtlich noch viel zu verändern, in den Programmen und in der
Praxis, bis die Soziale Marktwirtschaft an die Zügel genommen ist, wirklich als
"ökologisch und global verpflichtete soziale Marktwirtschaft" (so in
der EKD-Denkschrift "Gemeinwohl und Eigennutz", Gütersloh 1991,
S.126) gelten kann.
·
3. haben wir versucht, ENERGIE-Perspektiven FÜR DIE ZUKUNFT zu beschreiben.
Vor einigen Tagen war ich zu einer Anhörung in Sächsischen. Landtag zu einem
neuen Energiekonzept. Dort bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass sich die
langfristigen und globalen Dimensionen der Probleme (z.B. Klimaveränderungen)
noch längst nicht mit dem nötigen Druck und entsprechender Schwerpunktsetzung
im Alltag von Politik und Wirtschaft niederschlagen. Auch der vernünftige,
sparsame Umgang mit Energie sollte weiterhin nicht nur in der großen Politik eingefordert
werden, sondern auch in unserem eigenen Verhalten absolute Vorfahrt haben - die
Praxis sieht leider ganz anders aus!
·
4. Beschäftigt hat uns damals auch das Fehlen und die
Bedeutung von UMWELT-INFORMATIONEN.
Jetzt ertrinken wir in einer Informationsflut, wir erleben, wie schlimme
Wahrheiten lähmen können, wir erfahren neu, wie manche Medien an Informationen
nur interessiert sind, wenn sie sich zu Sensationen aufblasen lassen...
Und es gibt Klagen über neue Formen der Ausgrenzung von Betroffenen in
Entscheidungsprozessen.
In der Krise, die der Umbruch auf
vielen Gebieten für uns bedeutet, liegen auch Chancen. Nutzen wir sie auch?
Sollten wir uns nicht den
"Luxus" gönnen, gemeinsam nachzudenken, wie wir und unsere Kinder in
Zukunft auf dieser Welt leben wollen - und dürfen?
Was macht ein gutes, erfülltes
Leben aus ? Dazu, denke ich, sollten wir als Christen doch etwas zu sagen
haben. Braunkohle oder Kernenergie, Wirtschaftswachstum oder Autobahnen,
Themen, über die wir uns ärgern und streiten - das alles sind doch MITTEL zur
Verwirklichung von ZIELEN, über die wir uns noch gar nicht verständigt haben.
Die Begrenztheit unseres Planeten
und seiner Schätze, die schreiende Ungerechtigkeit zwischen Reichen (dazu
gehören wir!) und Armen, die (oft schleichend oder weit entfernt stattfindende)
Zerstörung der Schöpfung - das sollte uns mahnen, verführerischen neuen
Ansprüchen kritisch zu begegnen, ihnen gar nicht erst zu erliegen.
Kleine Schritte in die richtige
Richtung bleiben wichtig - auch wenn sie allein uns nicht retten werden!
Also aufgepasst beim Einkaufen
(Pfandflasche oder Dose, Energie- und Wasserverbrauch der neuen Waschmaschine),
im Kirchen-Büro (Recycling-Papier für Schreibmaschine und Kopierer), auf dem
Friedhof (keine Plastik-Kränze), bei der Umstellung der Hausheizung (keinen
Strom!). Was man da alles falsch (oder in Zukunft eben richtig) machen kann,
können Sie zum Beispiel aus Broschüren für die kirchliche Umweltarbeit
erfahren, die von den Umweltbeauftragten der EKD-Landeskirchen erarbeitet
worden sind und eine Fülle von praktischen Tipps enthalten: Bisher liegen Hefte
aus der Reihe "Bewahrung der Schöpfung - praktisch" zu den Themen
ABFALL, WASSER, NAHRUNG und ENERGIE vor - sie können zum Preis von zusammen 12
DM bei mir bestellt werden).
Aber vielleicht tut sich in Ihrer
Gemeinde ja längst etwas: Sie haben eine aktive Umweltgruppe, ein geplanter
Gemeindeabend soll das Nachdenken über Schöpfungsverantwortung weiterführen, im
kirchlichen Kindergarten wird mit den Kindern neues probiert...
Ich will Ihnen nur noch sagen,
dass ich gern bereit bin, für konkrete Fragestellungen Material zur Verfügung
zu stellen oder mich selbst an der Vorbereitung oder Durchführung von
Veranstaltungen in Ihrer Gemeinde zu beteiligen.
Joachim Krause
(Der
Sonntag, Dresden, Februar 1992, S.4)
Im Jahr 1992 druckte die sächsische Kirchenzeitung „Der Sonntag“ eine
elfteilige Folge von kurzen Artikeln von J. Krause ab, in denen Tipps für
Kirchgemeinden zum umweltfreundlichen Haushalten vermittelt wurden. Themen der
„Ökologischen Tagesordnung für Kirchenvorstände waren unter anderem „Kirchliche
Ländereien“, „Gebäude als Lebensraum“, „Trinkwasserverbrauch“, „Schöpfung als
Thema in der Gemeindearbeit“, „Gemeindebüro“, „Friedhöfe und Grünanlagen“,
„Abfall und Müll“, „Energie“, „Umweltfreundlich einkaufen“, „Putz- und
Reinigungsmittel“ und „Autobenutzung“.
Ein Jahr später druckte das
Amtsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens „offiziell“ ausführliche Tipps
für Kirchvorsteher ab (Amtsblatt 9/1993 S.
B33)
Al Gore: Wege zum Gleichgewicht - ein
Marshallplan für die Erde, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1992
Noch ein Umweltbuch. Ich hätte es mir kaum gekauft - wenn da nicht der
Autor wäre! Was schreibt ein Mann, der nicht die Narrenfreiheit eines
Polit-Rentners nutzt, um in Altersweisheit endlich wahrhaftig zu sein und uns
(unverbindlich) die Leviten zu lesen, sondern ein Politiker, der gerade zum
Vizepräsidenten der einzigen verbliebenen Supermacht aufgestiegen ist.
Erster Eindruck: Gore hat das Buch selbst geschrieben, weil ihm das
Schicksal unseres Planeten unter die Haut geht. Das spürbare Engagement, die
überzeugenden persönlichen Erfahrungen, die spannend erzählten und doch
sachlich genauen Beschreibungen über den Zustand des "Patienten Erde"
machen das Lesen leicht.
Al Gore bleibt nicht in den bedrückenden Problemen stecken (die liegen
für ihn nicht nur im Umweltbereich; der Autor zeigt sich ausgesprochen sensibel
auch für die Fragen der Ungerechtigkeit im Nord-Süd-Konflikt). Er fragt nach
den Zusammenhängen, nach den tieferen Ursachen der ökologischen Krise. Er spürt
der inneren Befindlichkeit des neuzeitlichen Menschen nach, sucht bei
Philosophie und Psychologie. Und er fragt sich auch immer wieder, was ihn das
als Christen angeht.
Sein Fazit: Eine Umkehr scheint schwer, weil wir letztlich Krieg mit uns
selbst führen müssten; die Abkehr von liebgewordenen Lebensmustern und in der
neuen Situation nicht mehr tauglichen Überlebens-Konzepten wird auch
schmerzliche Einschnitte bringen - wir selbst in den reichen Ländern müssen
bereit sein zu einem tiefgreifenden Wandel.
Al Gore hält uns dennoch für lernfähig: „Durch neues Denken können wir
die Umwelt retten." (Hat mit solchen Sätzen nicht vor wenigen Jahren ein
anderer Gor... eine Revolution eingeleitet?)
Aber der Autor bleibt nicht im Abstrakten stehen, der Glaube, dass wir
eine Zukunft haben, wird konkret geträumt: Die Rettung der Umwelt soll zum
neuen umfassenden Leitprinzip unserer Zivilisation werden, ein
"Marshall-Plan für die Erde" wird in detaillierten Schritten
vorgestellt. Dabei ist kaum ein Vorschlag neu (wichtig und richtig sind sie
allemal!), sehr erfreulich aber ist der Versuch eines Politikers, dem auch die
notwendigen Machthebel zur Verfügung stehen, daraus politische Zielvisionen zu
machen.
Ich bin auf den Weg der USA in den nächsten Jahren gespannt.
(Rezension des Buches von Joachim
Krause, in: Der Sonntag, Dresden, 3.1.1993)
Franz
Alt: "Schilfgras statt Atom - Neue Energien für eine friedliche
Welt", Piper, München 1992, 224 Seite, 29,80 DM
Ein Mensch hat Angst,
Existenz-Angst: Entweder wir ändern unsere Energiepolitik (um das Weltklima zu
retten), oder wir werden von der Erde verschwinden.
Entsprechend emotionsgeladen,
aber auch bissig und griffig schildert der Journalist Franz Alt die Probleme, die
unserem Planeten durch das nicht mehr verantwortbare Ausmaß der Nutzung
fossiler Brennstoffe (Treibhauseffekt) und der Kernenergie drohen. Seine
schonungslose Bestandsaufnahme unserer Sünden ist dramatisch (leider wird öfter
als feststehende Tatsache vermittelt, was angemessener in der Möglichkeitsform
und als Wenn-Dann-Argumentation hätte dargestellt werden sollen).
Alt plädiert für eine radikale
Umkehr, er sucht Verbündete - und er hat ein Konzept: "Schilfgras statt
Atom"! Das steht bei ihm nicht nur für eine energiepolitische Option,
sondern auch als Sinnbild für eine Abkehr von unserer bisherigen
zerstörerischen Denk- und Lebensweise.
Seine sanfte Alternative sind
Schilfgrasfelder. Sonnenenergie soll in Zukunft nicht nur technisch
(Wasserkraft, Wind, Solar-Strom und -Wärme), sondern vor allem biologisch
genutzt werden: Landwirtschaftliche Betriebe bauen Pflanzen mit besonders
effektiven Photosyntheseleistungen an (z.B. Chinaschilf, Pfahlrohr, Hirsearten)
- nachwachsende Rohstoffe für die Nutzung als Energieträger, aber auch in der
Industrie (z.B. für Papier, Bau- und Dämmstoffe). Der Anbau erfolgt auf großen
Arealen (mindestens ein Viertel der derzeit landwirtschaftlich genutzten
Flächen) mit High-Tech-Landwirtschaft: unterirdisch verlegte, computergesteuerte
Systeme versorgen die Pflanzen mit Wasser, Nährstoffen und biologischen
Pflanzenschutzmitteln.
Die in der Biomasse gespeicherte
Energie wird dann mit hoher Effizienz genutzt durch Verbrennung in
verbrauchernahen dezentralen Kleinkraftwerken, die gleichzeitig Strom und Wärme
liefern. Alts konkrete Vision: Schon im Jahr 2000 könnten so 60 Prozent des
heute in Atomkraftwerken erzeugten Stroms ersetzt werden, bis 2050 ist - bei
gleichzeitigen dramatischen Erfolgen in der Energie-Einsparung - auch der Verzicht
auf die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas möglich! Ende aller Sorgen ...
Der Entwurf ist großartig, er
sollte - mit öffentlicher Förderung - vorurteilsfrei geprüft und in praktischen
Großversuchen getestet werden.
Einige Bedenken sind mir bei der Lektüre
doch gekommen (sie werden z.T. von Alt zu euphorisch
"abgeschmettert"):
Bei derartigen glatten
"100-Prozent-Lösungen" ("jetzt haben wir DIE Alternative!") bin ich immer misstrauisch. Ich denke z.B.
über die Kosten eines solchen Programms nach (rein energetische Rechnungen
reichen hier nicht): Um bis zum Jahr 2000 60 Prozent des Atomstroms durch
Schilfgras zu ersetzen, müssten innerhalb der verbleibenden sieben Jahre
Biogas-Kraftwerke für etwa 130 Milliarden DM (berechnet nach Angaben in Alts
Buch) gebaut werden; dazu kommen weitere Investitionen für
Infrastrukturmaßnahmen, für die erforderlichen Bewässerungssysteme auf mehr als
1 Million Hektar Land ... Auch ökologisch wäre der Schilfgrasanbau im von Alt
anvisierten Umfang ein gigantisches Experiment, das sehr sorgfältig auf seine
Auswirkungen hin zu prüfen ist: langlebige Monokulturen nichtheimischer
Pflanzen auf einigen Millionen Hektar Land, Folgen für die heimische Tier- und
Pflanzenwelt, für die Böden, für das Grundwasser...
Trotzdem: Alts Buch hat mich
neugierig gemacht; ich habe Lust bekommen, bald einmal in einem Schilfwald
spazierenzugehen.
(Joachim
Krause, Rezension in Der Sonntag, Dresden, 7.2.93; BRIEFE KFH Wittenberg Nr.28,
1993, S.29; Freie Presse, Chemnitz, 22.1.1993)
„Aufschwung
Ost“ – ein Schritt in die falsche Richtung?
In
der Krise der Wirtschaft der ehemaligen DDR liegt die Chance, neue Wege zu
gehen
Wie weit verbreitet ist die
Ansicht, vorrangige Aufgabe in Deutschland sei es, den Osten des Landes in
seinen materiellen Standards und in seiner Wirtschaftsweise schnell an das im
Westen erreichte Niveau heranzuführen. Diese Modell-Übernahme der
Marktwirtschaft und schrittweise Wohlstandsverbesserung in Angleichung an die
westlichen Industrieländer wird auch als hoffnungsvoller Entwicklungsweg für
die Reformstaaten Mittel- und Osteuropas beschworen. Die Wirtschaftsweise der
westlichen Industrieländer hat sich zwar als effektiver erwiesen und zu höherem
Wohlstand geführt als das konkurrierende Modell der sogenannten Planwirtschaft.
Besser sein bedeutet aber nicht automatisch gut.
In der real existierenden
Marktwirtschaft ist selbst der „soziale“ Ausgleich bisher nicht umfassend
gelungen: Er funktionierte nur für die Bevölkerung innerhalb der Grenzen
weniger reicher Länder, solange der „Kuchen“ des Wohlstandes ständig wuchs und
bei der Verteilung des Wohlstandszuwachses die Mehrheit zu den Gewinnern
gehörte. Diese Gewinne waren aber zum großen Teil nur möglich durch „Export der
Ausbeutungskosten“, so Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.
Und Umweltminister Klaus Töpfer
sagte: „Wir leben mit einer Wohlstandslüge … wir haben auf Kosten der Umwelt
und auf Kosten der Dritten Welt gelebt.“
Ein Weitergehen auf den bisher
für den Westen so erfolgreichen Wegen ist heute – unter Berücksichtigung de
Dimensionen von weltweiter Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung – nicht
mehr zu verantworten: „Die Wirtschaftsweise der Industrieländer hat bereits zu
globaler Überbeanspruchung der Ressourcen geführt. Eine weltweite Orientierung
an dieser Wirtschaftsweise würde zum ökologischen Kollaps führen.“ ZU dieser
Einsicht gelangte das Nationale Komitee zur Vorbereitung der UNCED-Konferenz in
Rio. Und die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland erklärte: „Die
derzeitige Lebensweise vor allem in den westlichen Industriegesellschaften ist
nicht mehr schöpfungsverträglich.“
Der Weg der einfachen Übertragung
westdeutscher Lebensverhältnisse auf Ostdeutschland widerspricht diesen
Erkenntnissen klar. Darum ist umso bedenkenswerter: In der Krise des Zusammenbruchs
der Wirtschaft in der ehemaligen DDR liegt eine große Chance. Denn in dieser
Region könnte man beispielhafte neue Wege gehen. Und zwar im Sinne eines
verallgemeinerungsfähigen Modells, das wirklich für Osteuropa und andere
unterentwickelte Regionen – längerfristig aber auch für die reformbedürftigen
Systeme – die Umkehr auf dem als falsch erkannten Weg einleitet.
Wir stehen vor der Aufgabe, die
Freiheit der Marktwirtschaft normativ weiter zu begrenzen und uns dabei an
realistischen und ethisch vertretbaren Zielstellungen zu orientieren. Dieser
Prozess der „Umorientierung, der zu einer ökologisch und global verpflichteten
sozialen Marktwirtschaft führen muss“ („Gemeinwohl und Eigennutz“, Denkschrift
der EKD 1991), braucht politische Vorgaben. Und die sollten nicht nur unseren
Wünschen entspringen, sondern auch den Notwendigkeiten gerecht werden.
Und dazu zählen die Begrenztheit
unserer Lebensräume, die Zerstörung unserer Umwelt, der ausstehende gerechte
Ausgleich zwischen Reichen und Armen. Schließlich sollten wir ein dauerhaftes
Überleben einer ganzen irdischen Schöpfung im Blick haben.
Die Sanierungsmilliarden für
Ostdeutschland sollten darum gezielt für solche Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen genutzt werden, die den
strengen ökologischen Anforderungen einer überlebensfähigen Welt schon jetzt
gerecht werden.
Nicht eine schlecht
funktionierende Kopie westdeutscher Verhältnisse sollte im Osten entstehen,
sondern etwas Neues mit Vorbildwirkung.
Beispiele dafür wären im
ökologischen Bereich:
·
Vorrang des Um- und Ausbaus der Reichsbahn (z.B. nach
Schweizer Vorbild) vor der nach westdeutschem Denkmuster geplanten
„Autobahn-Vorrang-Politik“. Das wäre nicht nur ökologisch wünschenswert,
sondern nach einer Studie der Bundesforschungsanstalt für Lebenskunde und
Raumordnung vom Dezember sogar der Weg mit den größeren infrastrukturellen
Vorteilen.
·
Energieerzeugung – wo immer möglich – nach dem Prinzip der
gekoppelten Nutzung von Strom und Wärme.
Orientierung auf minimalen Energieverbrauch (z.B. Wärmedämmung an Gebäuden nach
schwedischen Standards) durch Erlass von entsprechenden Vorschriften und
Förderprogrammen für die Gebäudesanierung und Energieträgerumstellung.
·
Strenge Auflagen bei neuen Produktionsanlagen mit dem Ziel
minimaler Schadstoffemissionen und weitgehend geschlossener stofflicher
Kreisläufe (bis zur Rücknahme und Wiederverwertung der Produkte nach
Verbrauch).
·
„Belohnung“ und „Anreiz“ für derart fortschrittliche
Entwicklung durch entsprechende Gestaltung „marktwirtschaftlicher Hebel“ wie
Steuern, Subventionen, Preise oder gesetzliche Vorschriften.
So verstanden könnte der
„Aufschwung Ost“ der hoffnungsvolle Anfang für eine „Umkehr West“ werden, und
die hat unsere Welt nötig.
(Joachim Kraue in: Der Sonntag, Dresden, 10.1.1993;
der gleiche Text erschien auch unter dem Titel „Sanierungsmilliarden im
richtigen Topf? in „Die
Kirche“, Berlin, 17.1.1993)
Moderne „Goldgräber“ durch zweierlei
Bergrecht
Mancher fühlt sich an Wildwest-Filme erinnert: Da geht ein Goldgräber
übers Land, schlägt an einer ihm geeignet erscheinenden Stelle einige Pfähle
ins Land (damit hat er den "Claim" als sein Eigentum markiert) - und
beginnt zu graben.
Nostalgische Vergangenheit? Leider erleben das jetzt viele Gemeinden in
Ostdeutschland als sehr reale und bedrohliche Gegenwart! Die neuen Goldgräber
sind Bergbaufirmen (oft aus westlichen Gefilden), die nach intensivem Studium
der geologischen Karten von Sachsen auf Messtischblättern ihre Kreuzchen machen
und - ohne die betroffenen Grundeigentümer oder Kommunen fragen zu müssen -
ihren Antrag auf Abbau von Rohstoffen zur Genehmigung ans Bergamt schicken.
Der Einigungsvertrag macht's möglich. Er hat beim Zugang zu
Bodenschätzen gespaltenes Recht festgeschrieben. In den Alt-Bundesländern kennt
das Bergrecht "grundeigene" Bodenschätze (um sie zu gewinnen, muss
der Bergbau-Betrieb sich - meist über Verkauf - mit dem Grundeigentümer
einigen) und solche, die "bergfrei" sind - deren Gewinnung ist im
gesamtgesellschaftlichen Interesse auch ohne Zustimmung des Grundeigentümers
möglich. Bergfrei sind dabei nur "richtige" Bodenschätze wie Kohle,
Metallerze, Erdöl usw., die normalerweise auch noch untertägig gewonnen werden
(das heißt z.B. landwirtschaftliche Nutzung oder die Natur werden wenig
beeinträchtigt).
In Ostdeutschland ist das anders. Hier gelten im wesentlichen alte
Regelungen aus DDR-Zeiten weiter, wonach praktisch alle irgendwie verwertbaren
Rohstoffe (also auch Lehm, Ton, Kies, Gesteine) als Staatseigentum festgelegt
waren und nun als "bergfrei" gelten - mit der Möglichkeit, dass
jedermann den Antrag auf ihre Gewinnung stellen kann.
Das haben viele "moderne Goldgräber" schnell mitbekommen, und
inzwischen ertrinken die für die Erteilung der Genehmigungen zuständigen Bergämter
in einer Flut von entsprechenden Anträgen (wer zuerst kommt, mahlt zuerst!).
Allein im Erzgebirge / Vogtland sind inzwischen Flächen von insgesamt etwa 5000
Hektar für den Gesteinsabbau beantragt (1 Hektar entspricht etwa der Fläche von
zwei Fußballfeldern), aber auch im flachen Land werden überall zukünftige Kies-
und Lehmgruben vermessen.
Mancher Bauer, der sich gerade eine neue Existenz aufbaut, wollte gar
nicht glauben, dass da sehr schnell ein fremder Bagger sein Feld in einen
Tagebau umwandeln könnte. Durch den großflächigen Abbau (Raubbau!) sind
regionale Siedlungsstrukturen bedroht (Heimat), kann der Wasserhaushalt
gefährdet werden, schützenswerte Naturreservate sind in Gefahr, aufkeimende
Träume von touristischer Erschließung einer Region werden zur Illusion
(Landschaftszerstörung, Lärm- und Staubbelastung)...
Die Betroffenen reagieren mit Angst, Wut, Resignation - und mit
Widerstand: so ist in Südwestsachsen ein Netzwerk von Bürgerinitiativen
entstanden.
Der drohende Raubbau an Mensch, Natur und Landschaft muss verhindert
werden - das kann doch wohl nicht mit dem Aufschwung im Osten gemeint gewesen
sein ! Die Sächsische Verfassung schreibt in Artikel 10 den "sparsamen
Gebrauch von Rohstoffen" als Staatsziel vor. Da wäre dann wohl zuerst zu
prüfen, welche Mengen an Rohstoffen für die "Nachbesserung" der
DDR-Realität wirklich notwendig sind, wo sich die ergiebigsten und mit der
geringsten Beeinträchtigung für Mensch und Natur gewinnbaren Vorräte befinden -
erst dann können Anträge entschieden werden und die Bagger kommen.
Unerlässliche rechtliche Rahmen-Regelungen wie ein Rohstoffsicherungskonzept
oder ein Landesentwicklungsplan fehlen in Sachsen aber derzeit noch (auch
regionale und kommunale Entwicklungspläne liegen bisher nicht in bestätigter Form
vor).
Das Bergrecht in Deutschland muss schnell vereinheitlicht (und bei
dieser Gelegenheit vielleicht gleich noch auf seine Verträglichkeit mit den
Interessen von Natur und Menschen auch im Hinblick auf demokratische Mitwirkung
der Öffentlichkeit im ausgehenden 20. Jahrhundert geprüft) werden ! In Sachsen
ist jetzt wenigstens eine Regelung getroffen worden, nach der die betroffenen
Landkreise und Kommunen von Amts wegen frühzeitig in den Genehmigungsprozess
einbezogen werden (das bedeutet aber noch immer keine Mit-Entscheidung).
Uns ist im Freistaat Sachsen von der Verfassung aufgetragen, "der
Bewahrung der Schöpfung zu dienen". Hier wird ein Anliegen aufgenommen,
das im Konziliaren Prozess schon vor einigen Jahren als eine wichtige
Wegweisung christlichen Lebens formuliert worden war. Vielleicht ist der Umgang
mit den Schätzen unserer Heimat ein Konfliktfall, an dem sich erweist, wie
ernsthaft es uns mit solchen Zielen ist.
(Joachim Krause in: Der Sonntag,
Dresden, 11.7.1993)
Der Bagger kommt nicht !
Die Sache mit Anneliese begann im Mai letzten Jahres im Pfarrgarten von
Schönberg, einem kleinen Dorf in Sachsen. "Die Bagger kommen!?"
Ungläubig und erschreckt blickten die jungen Frauen vom Mütterkreis hinüber zum
Hang hinter dem Dorfteich. Auf dem Tisch vor Ihnen lag (nur dank einer Indiskretion
bekanntgeworden) der Antrag, den eine Firma aus Baden-Württemberg schon im
Dezember 1991 gestellt hatte. Danach sollte gleich hinter den Obstgärten des
Dorfes - wo heute noch Traktoren die Felder bestellten, wo sich Trinkwasserschutzgebiete
und wegen der seltenen Tier- und Pflanzenwelt bedeutsame Landschaftsteile befanden
- auf dem mit 340 Hektar (das sind 680 Fußballfelder!) ausgemessenen
"Feld Anneliese" der Abbau von Rohstoffen beginnen: Ton, Lehm, Sand,
Kies und Kalk.
Erregte Diskussion (Aufschwung Ost?), Fragen ("dürfen die das, ohne
mit uns zu reden?"), Ablehnung - die Frauen waren sich einig: Gegen die
drohende Zerstörung unserer Heimat müssen wir etwas unternehmen! Schon für
den nächsten Tag wurde ein neues Treffen verabredet, und dort begann die Arbeit
der Bürgerinitiative (zu der nun auch Männer willkommen waren) mit dem
Entwerfen eines Informationsblattes für die noch ahnungslosen Mitbürger, das
bald in allen Haushalten für Diskussionsstoff sorgte. Die Gemeindevertreter
der betroffenen Kommunen wurden alarmiert (die der benachbarten Stadt Meerane
traten demonstrativ und geschlossen der Bürgerinitiative als Mitglieder
bei). Wenige Tage später ging ein ganzer Stapel von Briefen auf die Reise,
gerichtet an zuständige Behörden in der Region wie auf Landesebene: Wir
informierten über das Vorhaben und benannten die Argumente für unseren
Widerstand in der Hoffnung, eine offizielle Einbeziehung der betroffenen
Gemeinden zu erreichen und Verbündete für unser Anliegen zu gewinnen. In den
nächsten Wochen kamen einige sehr formale und auch erste ermutigende
Antworten.
Es begann eine Zeit des Lernens. Gesetzestexte mussten beschafft,
gelesen und verstanden werden (im Osten gibt es ein besonders "freizügiges"
Bergrecht, das der Goldgräberei zunächst Tür und Tor geöffnet hat; dagegen
registrierten wir schmerzlich das Fehlen von verbindlichen Entwicklungsplänen
für das Land, die Regionen und die Kommunen). Neben emotionalen Begründungen
für unseren Widerstand mussten sachlich und juristisch stichhaltige Argumente
zusammengetragen werden. Bei einem Blick über den Gartenzaun entdeckten wir
jetzt erst (als es auch uns unmittelbar betraf!), dass viele Nachbarn mit dem
gleichen Problem rangen: Im Erzgebirge und Vogtland war damals schon der Abbau
von Rohstoffen auf einer Fläche von insgesamt 5000 Hektar beantragt; wir traten
dem bereits bestehenden Netzwerk von Bürgerinitiativen bei, nun liefen
wichtige Informationen schneller zusammen und: wir waren nicht mehr allein!.
Um zu bekunden, dass das "überwiegende öffentliche Interesse" sich
gegen den geplanten Raubbau wandte, gingen wir, verstärkt durch neue Mitstreiter,
mit Unterschriftenlisten in die Häuser. Abgesehen von dem unmittelbaren Erfolg
(innerhalb von zwei Wochen unterschrieben mehr als 80 Prozent der
Wahlberechtigten) ergaben sich hochinteressante Gespräche auf der Türschwelle:
im Plaudern über Kies-Abbau lernten selbst langjährige Nachbarn einander
besser kennen, Misstrauen gegen das Funktionieren von Demokratie begegnete
uns genauso wie Resignation ("die da oben machen ja doch, was sie
wollen...") - die meisten unterschrieben trotzdem, und die Menschen in
der Region rückten n„her zusammen. In der Nachbarstadt Meerane schlossen sich
wenig später mehr als 4200 Menschen unserem Votum an.
Endlich - und das wäre ohne den Druck aus vielen Bürgerinitiativen
wohl nicht so schnell gegangen - erließ die Staatsregierung Leitlinien für den
Rohstoffabbau: nun wurden auch die betroffenen Kommunen und regionalen
Behörden amtlich um Stellungnahmen zu dem Projekt gebeten. Im Spätherbst meldete
sich das für die endgültige Entscheidung zuständige Oberbergamt: die Akten
wurden geordnet, letzte Rückfragen geklärt; es wurde spannend. Erst jetzt
suchte plötzlich auch die antragstellende Firma das Gespräch mit uns (der
"Mitarbeiter Ost" erwies sich als hochkarätiger Fachmann, der als
langjähriger Leiter der Bezirksstelle für Geologie in Karl-Marx-Stadt exzellente
Kenntnisse zu den Rohstoffvorkommen in Sachsen zu bieten hatte...), aber zu
verhandeln gab es nichts mehr.
Wenige Tage vor Weihnachten fand dann der Bürgermeister eine gute
Nachricht im Briefkasten: Der Antrag ist endgültig abgelehnt, der Bagger kommt
nicht!
Nun wird es im Mütterkreis beim nächsten Treffen eine kleine Feier
geben. Und vielleicht lädt er irgendwann im Sommer mal zu einem besinnlichen
Treffen an der Linde ein, die vor zwei Jahren als Zeichen von Hoffnung und
Gemeinschaft mitten in dem jetzt so heiß umkämpften Gebiet gepflanzt worden
war.
(Joachim Krause in Der Sonntag,
Dresden, 16.1.1994; Die Kirche,
Berlin, 9.1.1994)
Ein Strohfeuer wird
zum Dauerbrenner
Braunkohle und Kachelofen sind jetzt auch im Osten
passé‚ Umstellung ist allerorten angesagt. In der Regel geht es meist nur noch
um die Frage: Öl oder Erdgas? So wäre es auch in der kleinen Stadt Schkölen bei
Eisenberg in Thüringen gelaufen, wenn nicht Christian Garbe, Pfarrer und
ehrenamtlicher Bürgermeister der Kommune, eine wahrlich "zündende"
Idee gehabt hätte: Wir lösen das Problem gleich für alle gemeinsam – und wir
nehmen Stroh aus unserer Region! Kopfschütteln bei Experten und Behörden
("so etwas macht bisher in Deutschland keiner"), Widerstand von der
Konkurrenz (vor allem von Erdgas- und Stromanbietern) - auch für viele
skeptische Einwohner brannte da ein "Strohfeuer", das wohl bald
verlöschen würde... Argumente wurden ausgetauscht, Exkursionen fanden statt, es
wurde hin- und hergerechnet - allmählich kristallisierte sich der Bau eines
Strohheizwerkes als für die Stadt und ihre Bürger billigste und für die
landwirtschaftlich geprägte Region günstigste Variante der zukünftigen
Energieversorgung heraus. Inzwischen nimmt die "verrückte Idee" sehr
reale Gestalt an; zur Einweihung des Schkölener Strohheizwerkes im September
wird gar der Bundeswirtschaftsminister erwartet.
So neu ist die Idee gar nicht. In Dänemark sind in
den letzten 20 Jahren etwa 50 kommunale Heizwerke in Betrieb gegangen, die
rentabel, betriebssicher und umweltfreundlich arbeiten. Ihr Brennstoff ist
Abfallholz oder Stroh - Stroh, wie es auch in landwirtschaftlichen Betrieben
rund um Schkölen überreichlich anfällt. Mit Bauern aus einem Umkreis von 7
Kilometern(erforderlich ist Stroh von etwa 2000 Hektar Fläche) wurden in
Schkölen Jahresverträge abgeschlossen. Ihr Stroh wird auf dem Feld zu großen
Quadern gepresst und am Feldrand abgedeckt oder in Hallen zwischengelagert (für
eine Tonne werden - abhängig von der Qualität - etwa 100 DM gezahlt). Im
Strohheizwerk wird mit den Ballen ein spezieller computergesteuerter Ofen
"gefüttert", in dem das gepresste Stroh quasi wie eine Zigarre von
einer Seite her flächig abbrennt. Die entstehende Asche wird als Dünger wieder
auf die Felder zurückgeführt; damit wird der ökologische Kreislauf geschlossen.
Das Werk in Schkölen wird das erste seiner Art in
Deutschland sein. Der Bau wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durch
ein zinsloses Darlehen in Höhe von mehreren Millionen Mark gefördert. Betrieben
wird das Werk von einer GmbH, an der die Stadt mit 52 Prozent beteiligt ist.
Das Heizwerk stellt mit einer Leistung von 3,15 Megawatt Warmwasser und
Heizenergie für (bisher) etwa die Hälfte aller 600 Wohnungen in der Stadt sowie
für 15 kommunale und gewerbliche Großabnehmer zur Verfügung; ein zusätzlicher
Ölheizkessel mit 4,8 Megawatt Leistung steht für Spitzenbelastungszeiten und im
Havariefall in Reserve.
Für die Bürger in Schkölen sind die Bedingungen auch
finanziell attraktiv: einmalige Anschlussgebühren von 2000 Mark je Haushalt,
feste Jahresgebühren und 8 Pfennige pro Kilowattstunde Heizenergie machen die
Entscheidung für den Fernwärme-Anschluss leicht.
Oft drohte in den letzten Monaten das
Genehmigungsverfahren im Dschungel der bisher mit Strohheizwerken nicht
befassten deutschen Bürokratie zu ersticken. Jetzt sind alle Wege frei, und
Bürgermeister Garbe hofft auf viele Besucher und Nachahmer.
(Joachim Krause in:
Die Kirche, Berlin, 18.7.1993; Der Sonntag, Dresden 25.7.1993)
Anfrage nach drei Jahren
Sind wir nur eine Kirche der Worte?
Vor drei Jahren gab die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland
wichtige und schmerzliche Einsichten zu Protokoll ("Kundgebung" der
EKD-Synode Bad Wildungen):
"Die derzeitige Lebensweise, vor allem in den westlichen
Industriegesellschaften, ist nicht mehr schöpfungsverträglich. Dazu gehören
insbesondere die Höhe des Energieverbrauchs, die Vergiftung von Boden und
Grundwasser durch Abfälle und die anhaltende Verschwendung von Ressourcen. Wir
können nicht so weiterleben wie bisher."
Im Klartext: Wir Reichen in der westlichen Welt versündigen uns an der
Schöpfung und ihrem Schöpfer, indem wir den uns anvertrauten Garten zerstören,
satt ihn zu bebauen und zu bewahren (1.Mose 2,15).
Die Konsequenz der Synode: Wir müssen umkehren, unser bisheriger Weg ist
lebensfeindlich.
Und die Praxis seit 1991: Wir leben eben doch weiter wie bisher - als
einzelne Christen, als Kirchen, als Gesellschaft - mit Besitzstandswahrung im
Westen und Anpassung im Osten an die zerstörerische westliche Lebensweise! Die
Autolawine staut sich gewaltiger denn je, die Müllberge wachsen weiter, der
Raubbau schlägt der Natur neue tiefe Wunden.
Wie ernst meinen wir es eigentlich mit unseren eindrucksvoll
formulierten Einsichten und Beschlüssen? Goethes Rat lautet (Faust I):
"Der Worte sind [längst] genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten
sehn!". Und Jesus sagte (Matth. 7,16): "An ihren Früchten [und nicht:
an ihren Sprüchen] sollt ihr sie erkennen."
Wie werden unsere Früchte 1994 aussehen?
(Joachim Krause in: Die Kirche, Berlin,
20.2.1994; Der Sonntag, Dresden, 20.2.1994)
Kirchliche Grundstücke und Gebäude als
Lebensraum -
Europäisches Naturschutzjahr 1995
Das Ministerkomitee des Europarates hat das Jahr 1995 zum
"Europäischen Naturschutzjahr" erklärt. Der Schwerpunkt soll darauf
liegen, einer breiten Öffentlichkeit die Notwendigkeit des Naturschutzes
außerhalb von Schutzgebieten deutlich zu machen und Möglichkeiten dafür
aufzuzeigen, wie der Lebensraum von Menschen (die hier wohnen, arbeiten, ihre
Freizeit verbringen) gleichzeitig auch Heimat für unsere Mitgeschöpfe sein
kann.
Die sächsische Landessynode nahm auf ihrer Herbsttagung 1994 diesen
Gedanken auf und beschloss, den Gemeinden das Anliegen mit dem Schwerpunkt
"Kirchliche Grundstücke und Gebäude als Lebensraum" nahezubringen.
Damit ist die Ermutigung verbunden, 1995 in unseren Kirchgemeinden Entdeckungen
zu machen und selbst aktiv zu werden.
Unsere Kirchgemeinden tragen Verantwortung für Waldgebiete und
Ackerflächen, wir besitzen Friedhöfe, Pfarrgärten und viele Gebäude. Oft
stöhnen wir unter der Last dieses Erbes, und vielen ist gar nicht bewusst,
welche Schätze uns damit anvertraut sind. Nicht selten stellen kirchliche
Grünflächen mit Bäumen, Hecken und alten Mauern die letzten Oasen dar, in denen
Menschen Ruhe finden, sie sind aber auch der einzig verbliebene intakte
Lebensraum für bedrohte Mitgeschöpfe.
Ein erster Schritt wäre, neu die Augen zu öffnen, zu entdecken, welche
Vielzahl von Gottes Geschöpfen unsere "Untermieter" sind. Unsere
Aufgabe ist es, diesen Gästen die "Wohnungen" zu erhalten bzw. für
sie neue Lebensräume zu öffnen. Dazu bieten sich in unseren Gemeinden viele
Möglichkeiten.
Beispiele sind:
-
das Unterlassen
von unnötigen und lebensfeindlichen "Modernisierungs"-Maßnahmen
(Betonieren von Flächen, Verschließen von Einflugs-Öffnungen an Gebäuden,
Verputzen von Natursteinmauern)
-
das Herstellen
naturnaher Lebensräume (Renaturierung von Teichen, Bächen, brachliegenden
Flächen; evtl. kirchlichen Umweltgruppen oder Naturschutzverbänden zur Pflege
übergeben)
-
der Übergang zu
naturnaher Bewirtschaftung (Wiese statt Einheits-Rasen, einheimische Pflanzen
statt Exoten, ökologische Ausrichtung von Friedhofsordnungen und
Pachtverträgen)
-
Neuanpflanzungen
(Streuobstwiesen, Flurgrenzen, Aufforstung, Hecken, Fassadenbegrünung).
-
das Anbringen
von Nisthilfen in Gärten und an Gebäuden (Singvögel, Fledermäuse, Turmfalken,
Schleiereulen).
Unsere Kirchen liegen meist in der Mitte des Ortes; wenn wir gute
Beispiele schaffen, könnte das auf andere ausstrahlen. Wir haben Verbündete,
mit denen wir gemeinsam etwas tun können, deren Sachverstand und Ideen wir
nutzen sollten: sprechen Sie Vertreter von Naturschutzverbänden vor Ort an (die
Verbände haben bereits großes Interesse an der Zusammenarbeit mit
Kirchgemeinden signalisiert), suchen Sie Kontakt zu lokalen und regionalen
Naturschutzbehörden.
Unsere Aktivitäten könnten ein Zeichen sein, dass wir es ernst meinen
mit der "Bewahrung der Schöpfung", indem wir vor der eigenen
Kirchentür anfangen. Aktionen sollten eingebunden sein in das Gemeindeleben.
Die Kinder der Christenlehre-Gruppe könnten auf Entdeckungsreise gehen (auf dem
Kirchturm, am Pfarrteich, auf dem Friedhof), vielleicht laden wir zum nächsten
Gemeindetag eine benachbarte Stadt-Gemeinde in unseren Pfarrgarten ein, die
Junge Gemeinde könnte in einem Arbeitseinsatz im Pfarrwald Müll beräumen und
Nisthilfen anbringen, der Seniorenkreis könnte mit einem sachkundigen
Vogelkundler einen Spaziergang rund um die Kirche machen usw.
Und wir sollten Staunen, Lob und Dank für Gottes reiche Schöpfung in den
Gottesdienst tragen. Die Landessynode hat angeregt, in der Beschäftigung mit
dem Thema das Erntedankfest 1995 zu einem Höhepunkt werden zu lassen. Hier
könnten wir in besonderer Weise den Dank an unseren Gott für die zahllose
Vielfalt seiner Geschöpfe zum Ausdruck bringen. Dabei sollte den Bereichen der
Schöpfung besondere Aufmerksamkeit gelten, die für uns zwar nicht unmittelbar
von "Nutzen" sind, die aber doch zum "täglichen Brot"
gehören, weil sie diese Welt schöner und reicher machen und zum Netz des Lebens
gehören wie wir.
(Joachim Krause, Mitglied des Deutschen
Nationalkomitees, in: Amtsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Nr.10/1995, S.A77; gleicher Text auch veröffentlicht
in: Deutsches Nationalkomitee für das Europäische Naturschutzjahr 1995,
Abschlussbericht, Bonn 1996, S.319
Lebenszeichen
Ich war unterwegs, hastete auf dem Feldweg über die kahle Höhe. Meine
Mütze musste ich festhalten. Ich stemmte mich gegen den Wind. Einzelne
Regentropfen peitschten ins Gesicht. Blätter trieben vorbei. November eben,
trüb und grau. Das schlägt auf die Stimmung. Auch der Horizont war
wolkenverhangen, als ich dort die vertrauten Pyramiden erblickte: schwarze
spitze Kegel, jeder einzelne Berg größer als die Vorbilder in Ägypten. Es sind
Halden, die der Uran-Bergbau der WISMUT in unserer Region hinterlassen hat. Sie
passten ins Bild meiner November-Stimmung: als Sinnbilder, als Mahnmale für den
Machtwahn und die Maßlosigkeit des Menschen. Den Frieden sichern durch
Atomwaffen, unerschöpfliche Energien haben durch die Kraft der Kernspaltung -
wir haben schmerzlich erfahren, welch hoher Preis dafür gezahlt worden ist:
verwüstete Heimat, geschädigte Menschen, gefährdete Umwelt.
Aber das gewohnte Bild stimmte nicht mehr. Da war etwas in Bewegung
gekommen. Weiß schimmernd drehte sich neben der Halde ein großes Windrad. Es
fing mit seinen Flügeln die Kraft des Novembersturms ein, der seit
Jahrtausenden ungenutzt vorbeigeweht war (ich habe nachgefragt: ganzjährig
fängt die Windmühle eine Energiemenge ein, die ausreicht, um 300 Haushalte mit
Strom zu versorgen).
Mich hat dieser Kontrast nachdenklich gemacht. Die starren dunklen
Zeugen der Vergangenheit und daneben nun Bewegung - Zeichen für Aufbruch, für
Veränderung, für Leben... Ähnlich fröhlich war mir damals als Kind zumute, als
ich ein buntes Rädchen in die Luft hielt und staunte, dass ohne mein Zutun
etwas geschah (das ging ohne Batterie und Fernsteuerung), das Spielzeug scheinbar
lebendig wurde.
Eine Reaktion da draußen im Novembersturm war Dankbarkeit. Diese Welt
hält viele Schätze für uns bereit, die wir entdecken und mit Augenmaß auch
nutzen dürfen. Es ist für uns gesorgt. Unsere Märchen wissen es: Auch der Wind
ist ein himmlisches Kind... Und an Bescheidenheit habe ich denken müssen: Unter
dem Windrad wird nicht das Schlaraffenland sein, nicht alle unsere Blütenträume
werden reifen. Aber es könnte genug sein für ein erfülltes menschenwürdiges
Dasein. Vielleicht wäre es gut, wenn wir für die Zukunft lernen, mit dem zu
leben, was uns die Schöpfung auf Dauer zuverlässig zur Verfügung stellt: wie
den Wind, das Licht und die Wärme der Sonne, das Wasser, die klare Luft und das
tägliche Brot, das wir zum Leben brauchen.
(Joachim Krause in: Freie Presse
Glauchau 10.11.1996; BRIEFE Nr.41, 1996, S.10)
Pro und Contra
Windenergie – ein Beitrag zur Diskussion
Windige Argumente
- und was es dazu zu sagen gibt
1. „Das Landschaftsbild
wird durch die neumodischen Windmühlen negativ beeinträchtigt.“
Das ist im
wahrsten Sinne des Wortes "Ansichtssache", eine Frage der
grundsätzlichen Einstellung: stören mich die "Spargeltürme" oder
freue ich mich, dass Bewegung in eine verkrustete Energie-Landschaft kommt? Im
übrigen: Wie sehr errege ich mich über die mehr als 100000 großen
Hochspannungsmasten in Deutschland? Oder über die neuen Funktürme? Oder über
die landschaftsprägenden bunten Monster-Kästen in vielen Gewerbegebieten? Trotzdem
gilt auch beim Ausbau der Windenergie Augenmaß: Nicht auf jedem idyllischen
Höhenzug muss sich zwanghaft eine Mühle drehen, und zu große Ansammlungen
weißer Masten können Landschaft auch kaputtmachen. Für mich ist jeder der
weißen Masten ein großes Ausrufungszeichen: Ich werde daran erinnert, dass mein
Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern dass seine Erzeugung
sichtbare Spuren hinterlässt.
2.
„Windkraftanlagen sind laut.“
Das war mal
richtig. Moderne Windkraftanlagen sind inzwischen so leise, dass die
einzuhaltenden Lärmgrenzwerte normalerweise bereits in einem Abstand von
weniger als 300 Metern unterschritten werden.
3. „Windanlagen
erzeugen durch Reflexion des Sonnenlichts auf den Rotoren
"Disko-Blitze" oder in der abendlichen Sonne Schattenwurf.“
Da ist was dran.
Beide Effekte treten auf und können nerven. Die Ereignisse treten jedoch unter
realistischen Bedingungen relativ selten ein (nur dann, wenn die Sonne
scheint, wenn sie an der richtigen Stelle am Horizont und gleichzeitig im
richtigen Winkel über der Anlage steht - das ist durchschnittlich an wenigen
Tagen im Frühjahr oder Spätherbst über eine Dauer von jeweils wenigen Minuten
zu erwarten). Und auch hier ist die Wertigkeit des Problems im wesentlichen
eine Frage des Abstandes zwischen Windmühle und Wohnbebauung (für mich
subjektiv in 200 Metern Entfernung recht belastend, ab 500 Metern durchaus zu
ertragen).
4. „Vögel werden
in ihrem Verhalten gestört, desgleichen gibt es schädliche Wirkungen auf
Insekten.“
Manche Naturschützer
laufen sehr massiv Sturm gegen Windmühlen. Inzwischen haben aber
Untersuchungen gezeigt: Brut- und Standvögel zeigen keine auffällige
Beeinträchtigung ihres Verhaltens, Zugvögel auf Rastplätzen im Wattenmeer
reagierten z.T. empfindlicher. Weiterer Befund: Vögel werden von Rotoren von
Windanlagen eben nicht erschlagen. Insekten sterben ohnehin viel häufiger an
Autoscheiben. Eine Umweltverträglichkeitsstudie über die möglichen
Auswirkungen einer Windkraftanlage konkret vor Ort sollte immer Pflicht sein,
um Schäden auszuschließen. Große Naturschutzverbände in Sachsen (Grüne Liga,
NABU, BUND) unterstützen die (geregelte) Nutzung der Windkraft.
5. „Windenergie
bringt ökologisch keinen Nutzen.“
Jede
Kilowattstunde, die aus Windenergie kommt, muss nicht mehr konventionell
erzeugt werden: z.B. durch Verbrennung von Braunkohle (Folgen:
Landschaftszerstörung, Verlust von Heimat durch Abbaggern von Ortschaften,
Luftbelastung durch Staub und Schwefeldioxid, Klima-Gefahren durch Ausstoß von
Kohlendioxid) oder durch Kernspaltung im Atomkraftwerk (Folgen: vom
Uranbergbau bis zum Atommüll, dazu die umstrittene Sicherheit der Kraftwerke).
Da ist Windenergie auf jeden Fall das kleinere Übel. Übrigens ist die Energiemenge,
die zur Errichtung einer Windkraft-Anlage benötigt wird, nach einer
Betriebsdauer von 0,2 bis 1,8 Jahren wieder "eingespielt".
6. „Windenergie
bringt nur einen unbedeutenden Beitrag in der Stromerzeugung.“
Denkanstöße: Eine
typische moderne Anlage mit einer (Spitzen-)Leistung von 600 Kilowatt erzeugt
im Binnenland in einem Jahr so viel Strom, wie etwa 300 Haushalte verbrauchen.
In Sachsen war die versammelte Fachwelt der Meinung, dass mit Windenergie in
Zukunft nicht viel zu machen ist (siehe Energieprogramm Sachsen 1993), dann
wurde flächendeckend ein Windmessprogramm durchgeführt - und es ergab sich ein
Potential von 10x mehr (!) wirtschaftlich nutzbarer Windenergie, sodass 2005
jede 10. Kilowattstunde aus Windmühlen kommen könnte...
7. „Windenergie
wird hoch subventioniert...“
Klar ist: Ohne
finanzielle Anreize wäre die Nutzung von Windenergie im Binnenland nicht
wirtschaftlich. Wünschbare Entwicklungen auch mit Subventionen zu fördern ist
eine Möglichkeit der politischen Einflussnahme auf wirtschaftliche Trends.
Der Bundestag will eine stärkere Nutzung regenerativer Energiequellen
(Stromeinspeisegesetz 1991: Pflicht der Energieversorger, z.B. Windstrom ins
öffentliche Netz aufzunehmen und mit 90% des Verkaufserlöses zu vergüten),
das Bundeswirtschafts-Ministerium reicht Fördermittel für Windmühlen aus,
auch die meisten Bundes-Länder unterstützen den Ausbau. Alle dumm und blind?
Steinkohle wird mit 7000 Millionen DM pro Jahr gestützt, Windkraftanlagen mit
schlimmstenfalls wenigen Prozent dieses Betrages!
8. „...und das
treibt meine Stromrechnung in die Höhe.“
Auf Windenergie entfällt etwa ein halbes Prozent unserer Stromrechnung.
Angenommen, die Hälfte der für Windstrom gezahlten Vergütung wäre nur ein
kostentreibendes Geschenk an die Windmüller, dann hätte sich der Preis für eine
Kilowattstunde im Haushalt (kostet derzeit 27 Pfennige) durch diese
"Subvention" um 1 Zehntel Pfennig erhöht; die Stromrechnung meiner
Familie (etwa 1200 DM im Jahr) würde um 3 Mark im Jahr steigen! Ich messe
solche Steigerungsraten gern an der jüngsten Strompreiserhöhung meines
Energieversorgers um etwa zwei ganze Pfennige je Kilowattstunde oder daran,
dass mein Energieversorger Windstrom zu einem Preis von 90% seines
durchschnittlichen Verkaufserlöses einkauft (das sind derzeit etwa 17 Pfennige
je kWh), und dann die gleiche Kilowattstunde für 100% weiterverkauft...
Wenn echte
Mehrkosten für ein Energieversorgungsunternehmen auftreten (z.B. in dünn
besiedelten Regionen Norddeutschlands mit einem hohen Anteil der Windenergie an
der Stromerzeugung durch notwendige Verstärkung der Netze, Errichtung von
Einspeisepunkten), dann sollten diese Aufwendungen solidarisch im "großen
Topf" aller deutschen Energieversorger getragen und flächendeckend auf
alle Stromkunden verteilt werden.
Joachim Krause
(abgedruckt in „Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch –Erde“,
KFH Lutherstadt Wittenberg, 18. Jg. Winter 1997, S.45)
Gemeinsam mit Freunden
sammelte ich damals auch praktische Erfahrungen beim Versuch, in der Region in
gemeinschaftlicher Verantwortung eine Bürgerwindanlage zu errichten. Die Anlage
ist NICHT gebaut worden - wegen des wütenden Protests einiger Mitbürger in
unserem Dorf!
Wer möchte sich an einer
Bürger-Windanlage beteiligen?
Wir bauen im Frühjahr 1998 in der
Nähe von Meerane in Sachsen eine Bürger-Windanlage und bieten Interessenten
eine Beteiligung an (Anteile von 4000 DM an aufwärts). Anlagentyp AN BONUS
600kW/44-3 mit 58m Nabenhöhe; Gesellschaftsform GmbH.
Neugierig geworden? Informationen
über Joachim Krause, …
! Meldungen bitte noch im
Dezember !
(Joachim
Krause in: BRIEFE zur Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.45, 1997, S.5)
Überkommene Werte - unzeitgemäß ?
Sommerzeit. Urlaubszeit. Zeit zum zurücklehnen, entspannen, losgehen.
Gottes gute Schöpfung genießen, mit offenen Sinnen Neues entdecken. Vielleicht
haben auch Sie in den letzten Wochen vor einer majestätischen Gebirgskette
gestanden, beeindruckt von ihrer gewaltigen Wucht und Schönheit. Vor mir liegt
eine ganzseitige Werbe-Anzeige. Da ist eben solch ein Gebirgszug abgebildet,
als schwarz-weiß-gezacktes Gipfelpanorama vor rotem Hintergrund. Und als
Unterschrift steht da: "Wer hier eine Umsatzkurve sieht, denkt ein
bisschen wie wir." Mich hat das erschreckt (und ich sollte ja wohl auch
provoziert werden). Können mehr und mehr Mitmenschen die Welt wirklich nur noch
so wahrnehmen, als Wirtschaftsstandort, als Quelle für Rohstoffe und Umsätze?
Ist diese Welt nicht viel mehr? Ein vielgestaltiges Haus, prall gefüllt mit
Leben, eine gute Heimat auch für uns Menschen. Ein tolles Geschenk, uns als
Leihgabe anvertraut. Nach dem Verständnis der Bibel ist die Erde ein Garten,
den der Mensch bebauen darf, den er aber zugleich als Garten bewahren soll,
damit auch neue Generationen nach uns "gut leben" können. Mir scheint
es eine gefährlich eindimensionale und kurzsichtige Perspektive, wenn der Wert
dieses Gartens sich reduziert auf den Nutzen, den maximalen Profit, den wir
kurzfristig daraus ziehen könnten. Bedeutet das nicht in der Konsequenz
rücksichtslose Ausbeutung, die den Garten zur Wüste macht? Nach uns die
Sintflut? Wollen wir das wirklich?
Mir jedenfalls geht beim Anblick der Alpen mehr und anderes durch den
Kopf und durchs Gemüt als Umsatzkurven. Mir tun die Werbe-Macher leid, weil
ihre Welt doch recht arm geworden ist. Aber auch um die Welt wird mir angst.
Für mich zeigt sich eine gefährliche Verschiebung der Werte, auf denen bisher
das Zusammenleben unserer Gesellschaft ruht. Wir geraten auf eine schiefe Bahn.
Die gleiche Firma wirbt in ihrer Anzeigen-Serie mit einem zweiten Bild.
Es zeigt zwei eisenbewehrte Ritter im tödlichen Kampf mit der Lanze, dazu als
Kommentar die Unterschrift: "Du sollst begehren deines Nächsten
Marktanteil." Ganz offenkundig eine Anspielung auf die Zehn Gebote in der
Bibel, von denen einige mit den Worten beginnen: "Du sollst nicht begehren..." Uralte
Spielregeln, die das Zusammenleben von Menschen sozial erträglich machen. Die
Zivilisation Mitteleuropas hat ihre bisherige Stabilität auch daraus gewonnen,
dass eine Mehrheit sich an solche Regeln gebunden fühlt. Treiben wir jetzt in
eine Gesellschaft, in der mit Hauen und Stechen Platz gemacht wird für die
Sieger, die Starken, die Schnellen? Wo Gewinner sind, gibt es immer auch
Verlierer. Das sind die Schwächeren, die heute schon durch's soziale Netz
fallen, das sind die nach uns kommenden Generationen, das ist die stumme Natur,
in der und von der wir leben. Und um ihretwillen bleibt für mich sehr
zeitgemäß, was die Bibel uns an Wegweisung für's Leben vermitteln will
(nachzulesen im 1.Buch Mose, 2. Kapitel, und im 2.Buch Mose, 20. Kapitel).
(Joachim Krause in: Freie Presse,
Glauchau 17.8.1997)
Leben in Gottes guter Schöpfung
Ein Blick in den Kalender mahnt: Welt-Umwelt-Tag! Das ruft bei vielen sicher
zuerst Schlagzeilen ins Gedächtnis zu "großen" Problemen, etwa zur
Gefährdung des Welt-Klimas oder zu den aktuellen Sorgen mit
Atom-Müll-Transporten.
Mir ist das Thema Umwelt in letzter Zeit in ganz anderer Weise begegnet.
Es begann vor einigen Wochen. Eine neugierig-lärmende Kinderschar stieg aus dem
Bus. Sie starteten zu einer Exkursion mit dem Thema "Unterwegs in Gottes
Schöpfung". Die Bande stürmte als erstes zum Dorfteich, und entdeckte -
gleich am Ufer hinter Margeriten und Glockenblumen - im trüben Wasser ein
quirliges Leben. Das schwarz-braune Gewusel wurde mit dem Schrei
"Kaulquappen!" identifiziert: Wir standen vor der Kinderstube von
Kröten und Fröschen. Für die meisten war das Staunen groß, hier gab es das
wirklich "live", was sie nur aus Tierbüchern kannten oder im
Unterricht hatten lernen müssen! Aufgeregt lagen bald die ersten jugendlichen
Entdecker auf dem Bauch und teilten den anderen mit, was sich ihnen im flachen
Wasser in immer größerer Vielfalt krabbelnd und schlängelnd und rudernd zeigte.
Meine Tochter hat mit mir noch am gleichen Abend ein altes Aquarium mit Steinen
und Sand gefüllt und es wohnlich mit Wasserpflanzen eingerichtet. Dann wurden
ein paar von den "Froschkindern" vorsichtig eingefangen und zusammen
mit Schnecken, Wasserkäfern und weiteren Krabbeltieren in die neue Heimat
umquartiert. Als Ehrengäste - und ziemlich mühsam zu fangen - nahmen wir noch
ein Pärchen Teich-Molche mit. Das Männchen entpuppte sich als ein kampflustiger
kleiner Drache mit gespreiztem Kamm, schwarz-weiß-gestreiftem Gesicht und einem
himmelblau-orangenen Bauch. In den nächsten Tagen drückten neugierige Kinder
sich die Nasen an der Glasscheibe platt. Eines Tages ein Schrei: das erste
Froschbaby stützte sich auf zwei zarten Hinterbeinchen ab, die ihm über Nacht
gewachsen waren. Wir haben im Familienkreis immer neu gestaunt, genauer
hingesehen, schlaue Bücher gewälzt. Dann quakten - wie zur Mahnung - jede Nacht
die Laubfrösche vom Teich herüber, lange und laut. Da haben wir alle unsere
"Untermieter auf Zeit" wieder zurückgebracht, dorthin, wo sie leben,
unbemerkt, unscheinbar, selten geworden, schützenswert. Bald werden die kleinen
Frösche an Land klettern, um erst im nächsten Jahr wieder in das Gewässer ihrer
Kindheit zurückzukehren.
Als die Kinder damals zum Teich gingen, standen an der Dorfstraße
Schilder mit dem Hinweis "Kröten-Wanderung". Sie haben gewusst, was
das bedeutet: dass wir Menschen Rücksicht nehmen müssen auf andere Lebewesen,
dass uns die Bewahrung der Schöpfung aufgetragen ist.
Einmal im Jahr Welt-Umwelt-Tag? Jeder Tag ist ein Tag in Gottes guter
Schöpfung. Um-Welt - das ist die vielfarbige, lebenspralle Welt um uns herum,
in der und von der wir leben dürfen, Anlass zum Staunen, Anlass zu Dankbarkeit.
Offene Sinne sind nötig: wertvoll und bewahrenswert ist uns wohl nur das, was
wir auch selbst kennen, was wir bewundern und vielleicht sogar ein Stück lieben
gelernt haben. Vielleicht lassen Sie sich demnächst auch von einem fragenden
Kind neu die Augen öffnen, liegen zusammen mit ihm auf dem Bauch auf einer
Wiese und spüren Käfern nach oder necken eine Eidechse, die sich auf einer
Mauer sonnt.
(Joachim Krause in: Briefe zur
Orientierung im Konflikt Mensch – Erde, Nr.51, 1999, S.9; auch in: Freie Presse, Glauchau, 7.6.1998)
Von Schöpfung
reden trotz Darwin
Glaube und Naturwissenschaft - wie Feuer und Wasser ?
1. Das Nachdenken über
"Schöpfung" zielt nicht nur auf den Anfang und Ursprung der Welt. Das
Staunen über die Weite, Vielfalt und Schönheit der Natur, das Wunder des Lebens,
Freude und Dank, das Wahrnehmen von Leid und Bedrohungen, die Frage nach Sinn
und Ziel meines Daseins gehören dazu. Meine alltäglichen Erfahrungen hier und
heute haben mit Schöpfung zu tun; mein Schöpfungsglaube bewährt sich in meinem
Umgang mit Gottes Geschöpfen.
2. In den Geschichten
der Bibel erfahre ich, welche Glaubenserfahrungen Menschen in einer bestimmten
Zeit und in einer konkreten Situation gemacht haben. Diese Glaubenszeugnisse
wollen Menschen in schwieriger Situation trösten und zum Lob Gottes bringen.
Die Bibel will Glauben wecken und bestärken. Sie ist nicht geschrieben zur
Wissensvermittlung für einen "christlichen" Physik- oder
Biologie-Unterricht im Jahr 1996.
Nicht zu jeder Frage, die sich mir in dieser Welt stellt, steht eine endgültige
Antwort in der Bibel. Ich darf und muss selbst suchen, ringen, Entscheidungen
treffen, Verantwortung übernehmen.
3. Mir hilft es, in der
biblischen Botschaft (erzählerische) Form und (Glaubens-)Inhalt zu
unterscheiden. Die Bibel enthält Erzählformen und Natur-Vorstellungen, die mir
verständlicher werden, wenn ich sie als an die Entstehungszeit gebunden
interpretiere. Manche Sprach- und Naturbilder führen im wörtlichen
Führ-wahr-halten zu Missverständnissen, im Verstehen ihres Symbolgehaltes erschließen
sich aber zeitlos gültige Wahrheiten und Grundeinsichten des Glaubens. Der
zentrale "Kern" der Botschaft geht dabei nicht verloren. An die Bilder
muss ich als Christ nicht glauben.
4. Trotz der
beeindruckenden Erfolge, die die moderne Naturwissenschaft in den letzten 200
Jahren bei der Entdeckung und Umgestaltung der Welt aufzuweisen hat - sie ist
weder allwissend noch allmächtig! Gute Naturwissenschaftler "backen kleine
Brötchen", äußern sich bescheiden und vorsichtig. Sie wissen um die Begrenzungen
ihrer Arbeit und dass es menschliche Erfahrungen und Aspekte der Wirklichkeit
gibt, für die sie nicht zuständig sind.
Naturwissenschaft versucht die Welt mit den (begrenzten) Möglichkeiten des
menschlichen Verstandes zu beschreiben und zu erklären. Ihr Arbeitsgegenstand
ist das an der Welt, was greifbar und sichtbar ist, was man wiegen und messen
kann. Ihr "methodisches" Arbeiten verlangt die Einhaltung enger und
strenger "Spielregeln". Die Erkenntnisse der Naturwissenschaft sind
immer vorläufig, verbesserungswürdig und verbesserungsfähig. Die Ergebnisse
sind "begründete Vermutungen", Modelle, Hypothesen, Theorien. Viele
Fragen sind auch heute noch offen.
Aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen können und dürfen keine
weltanschaulichen Deutungen abgeleitet werden (etwa Aussagen über Sinn und Ziel
der Welt und des menschlichen Daseins).
5. Wenn der Glaube oder
die Naturwissenschaft oder eine Philosophie den Anspruch erheben, allein für
die ganze Wirklichkeit der Welt zuständig zu sein und alle Fragen zwischen
Himmel und Erde eindeutig und endgültig beantworten zu können, im Besitz der
Wahrheit zu sein, dann liegt die Gefahr von IDEOLOGIE nahe. Dogmen, Lehrsätze,
Bücherweisheiten lassen die Weltanschauung zu einem starren
"Standpunkt" werden, der nicht mehr offen ist zur Wandlung, nicht
mehr Kenntnis nimmt von neuen Entdeckungen und Erfahrungen "draußen"
in der Wirklichkeit. Statt Gesprächen bei der gemeinsamen Suche nach Wahrheit
gibt es Polemik, Feindbilder, Kampf in der Auseinandersetzung mit den
"anderen".
6. Menschen können die
ganze Wirklichkeit der Welt unter sehr unterschiedlichen Blickwinkeln erleben,
erfahren, betrachten und befragen - Naturwissenschaft und Glaube sind (nur)
zwei Möglichkeiten davon. Jede so gewonnene Erkenntnis oder Erfahrung hat ihre
Berechtigung, ist wertvoll, erschließt immer neue Teil-Aspekte der
Wirklichkeit, die uns umgibt. Die Erfahrungen schließen einander nicht aus, sondern
können sich gegenseitig ergänzen und bereichern. So meine ich, dass ich als
Christ neugierig sein darf, offen auch für Entdeckungen der Naturwissenschaft.
7. Wenn ich meinen
Glauben an Gott als den Schöpfer bekenne, vertraue ich darauf, DASS die Welt
und mein Leben auf Gottes Willen und Wirken beruhen und dass er sie erhält
(Gewissheit).
WIE die Welt in ihrem Entstehen und in ihren Strukturen beschrieben werden kann
und wie sie funktioniert, versuchen die Naturwissenschaften zu erklären
(vorläufiges Wissen).
8. Glaube und
Naturwissenschaft sind wichtig für mein Leben. Durch die Naturwissenschaft sehe
und erfahre ich mehr von der Welt. Ich staune über die Größe Gottes und die
Vielfalt seiner Werke. Ich bin dankbar für viel wirklichen Fortschritt, den
Naturwissenschaft möglich gemacht hat (Medizin, Nahrungsmittel-Erzeugung,
Umwelttechnik, Kommunikation). Ich denke, dass Einsichten des Glaubens auch
wichtig sein können für die Naturwissenschaften bei der Suche nach Maßstäben
und Grenzen in der Umgestaltung der Welt.
(Joachim Krause, abgedruckt in: Im Haus der Schöpfung leben,
Spener Verlagsbuchhandlung, Frankfurt/Main 1998
S.68)
4. „Schönberger Blätter“
und Internet
2003
Ab
dem Jahre 2003 habe ich in lockerer Folge die „Schönberger Blätter“
herausgegeben. Auf 10 bis 60 Seiten DIN-A4 ist dort zu den unterschiedlichsten
Themen, mit denen ich in meiner Arbeit zu tun hatte, Grundlegendes
allgemeinverständlich aufgeschrieben. Inzwischen sind über 30 Hefte erschienen,
von denen bei Veranstaltungen insgesamt etwa 10.000 weitergegeben wurden. Eine
Übersicht der vorliegenden Einzelhefte mit der Möglichkeiten zum Download und
zur Bestellung ist zu finden unter http://www.krause-schoenberg.de/materialversand_aktuell_sb_reihe_9-04.html
Mit
der Internetpräsenz – gestartet etwa zur gleichen Zeit - wurde noch einmal ein
ganz neuer Nutzerkreis für Ergebnisse meiner Arbeit erschlossen. In den letzten
Jahren hatte ich zwischen 60.000 und 70.000 Besuchern im Jahr, die an den
angebotenen Arbeitshilfen und den zusammengetragenen Fakten Interesse hatten.
Gefahren durch
Mobilfunk (!?)
a) „an der richtigen
Stelle Angst haben“
·
Mobilfunk
nutzt ein schmales „Fenster“ in einem kontinuierlichen Spektrum
elektromagnetischer Felder;
„Strahlensalat“ in der Umgebung der Frequenzen des Mobilfunks: Radar,
Mikrowellen, Fernsehen, Rundfunk;
andere Felder wirken zusätzlich ein,
Mobilfunk stellt in der Regel nur einen geringen Anteil
·
nicht
nur Mobilfunksendeanlagen – auch die Handys senden;
im Nahbereich (am Kopf) Einfluss des Mobiltelefons stärker (aber vom Nutzer
beeinflussbar);
Grenzwerte gelten nur für kommerzielle Sendeanlagen
·
DECT-Telefone
im Haushalt (schnurlos mit Mobilteil); senden dauernd und auf ähnlichen
Frequenzen;
im Nahbereich höhere Belastung als durch MF-Sendemast 100 Meter entfernt
·
MF-Sendeantennen
strahlen im wesentlichen horizontal; unterhalb der Sendeanlage geringe
Belastungen
(„wenn schon eine Antenne sein muss, dann bedeutet die Errichtung auf dem Dach
einer Schule oder eines Kindergartens eine geringere Strahlenbelastung für die
Kinder als ein Sender 100 Meter daneben“)
b) „Widerstand an der richtigen Stelle kund tun“
·
Forderung
nach totalem Verzicht auf Mobilfunk: notwendig wäre nicht nur der eigene
Verzicht auf Handynutzung, sondern Überzeugungsarbeit (Argumente) für mehr als
60 Millionen Nutzer des Mobilfunks allein in Deutschland (Stand 2003)
·
für
die Festlegung von Grenzwerten zuständig sind Regierung / Ministerien bzw.
deren nachgeordnete Fachbehörden (Strahlenschutzkommission; Bundesamt für
Strahlenschutz);
Festlegung erfolgt auf der Grundlage wissenschaftlich bewiesener Wirkungen und
Zusammenhänge; für Änderung von Grenzwerten sind also wissenschaftlich
eindeutige Befunde vorzulegen;
bei Forderung nach Absenkung der Grenzwerte: woher weiß ich, dass ich dann im
„sicheren“ Bereich bin?
·
für
die Kontrolle der Einhaltung der Grenzwerte sind zuständig:
die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) und das
Staatliche Umweltfachamt beim Regierungspräsidium (führt bei Hinweisen auch
kostenlose Messungen vor Ort durch)
·
für
die Errichtung von Mobilfunksendeanlagen gelten unterschiedliche rechtliche
Grundlagen (ist ein Bauantrag notwendig?, erfolgt eine Umnutzung des
Gebäudes?);
·
die
Kommune hat in der Regel keine direkten Einwirkungsmöglichkeiten (es gibt
allerdings eine freiwillige Vereinbarung zwischen Kommunen und
Mobilfunkbetreibern, bei der Suche nach konfliktarmen Standorten zu
kooperieren);
·
Kirchgemeinden
in Sachsen entscheiden (nach Absprache mit den Kirchlichen Büros für Baupflege)
– wie jeder Grundstückseigentümer – letztlich in eigener Verantwortung über die
Errichtung von Mobilfunksendeanlagen auf Kirchtürmen
(Joachim Krause,
Merkblatt für Veranstaltungen, 2005)
Darf man mit Weizen heizen?
In Deutschland wird seit einiger Zeit heftig darüber diskutiert, ob
Getreide in Verbrennungsanlagen als Brennstoff zur Energieerzeugung eingesetzt
werden darf.
Viele reagieren mit Entsetzen, wenn sie das erste Mal von solchen Vorhaben
hören. Die spontane Antwort ist ein klares NEIN – „In einer Welt, in der noch
immer für viele Menschen Hunger eine schlimme Alltags-Erfahrung ist, darf das
tägliche Brot doch nicht verbrannt werden!“
Wenn man sich mit der Frage intensiver beschäftigt, entdeckt man
durchaus auch Aspekte, die nachdenklich machen und das anfängliche Nein
relativieren.
Hier seien einige genannt:
1. Auf den Äckern in Deutschland sind schon immer nicht nur Nahrungs- und Futtermittel angebaut worden, die der menschlichen Ernährung dienten. Man denke an Pflanzen wie Hanf oder Leinen für technische Nutzung, aber vor allem sei daran erinnert, dass vor hundert Jahren ein Viertel des Ackerlandes gebraucht wurde, um Hafer und andere Futtermittel für Pferde zu erzeugen, Produkte also, die energetisch genutzt, als „Treibstoff“ für Zugtiere benötigt wurden.
2. In den letzten Jahren
haben wir hier in Deutschland immer mehr Rapsfelder blühen sehen. Das dort
erzeugte Rapsöl wird aber zu 99 Prozent in technischen Prozessen eingesetzt –
und nicht für Ernährungszwecke. Mancher umweltbewusste Christ betankt ein Auto
mit Rapsöl – und ist stolz, einen nachwachsenden Rohstoff zu nutzen und etwas
für den Klimaschutz zu tun.
Jeder fünfte Liter Wein in der EU wird nicht getrunken, sondern zu
Industriesprit verarbeitet. Ich habe neulich in einer Zuckerfabrik eine neu
errichtete Anlage gesehen, mit der jährlich 800.000 Tonnen Getreide zu Alkohol
für technische Zwecke verarbeitet werden sollen.
3. In den letzten Jahren verdichten sich die Hinweise darauf, dass wir uns mitten in einem Klimawandel befinden. Als Hauptverursacher wird der Mensch benannt, der vor allem durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) das „Treibhaus Erde“ aufheizt – mit schwer kalkulierbaren Folgen. Als eines der wichtigsten Instrumente, um den Klimawandel abzubremsen, gilt der Einsatz von erneuerbaren Energiequellen. Und hier werden auch nachwachsende Rohstoffe als aussichtreiche Kandidaten diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung von Abfällen wie Stroh und Holz, sondern auch um den gezielten Anbau schnellwachsender und ertragreicher Pflanzen. Die so erzeugten pflanzlichen Produkte können direkt verbrannt werden, durch chemische Umwandlungsprozesse zu Treibstoffen „veredelt“ werden oder in Gäranlagen Biogas liefern.
4. Wenn man aber grundsätzlich der Meinung ist, dass die Nutzung von Ackerland für den Anbau nachwachsender Rohstoffe zulässig ist, dann stellt sich nur noch die Frage, welche Pflanzen die besten Erträge erzielen (ein zweites wichtiges Kriterium ist die Umweltfreundlichkeit der Produktionsmethoden). Dann geht es nur noch darum, nüchtern auszuwählen zwischen Pappeln oder Raps – oder eben auch Getreide als „Energiepflanzen“.
5. Martin Luther hat in
seiner Erklärung zur vierten Bitte des Vaterunsers darüber nachgedacht, was zum
„täglichen Brot“ gehört, was der Mensch zum Leben in dieser Welt braucht:
„Was heißt denn tägliches Brot? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie
Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme
Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute
Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue
Nachbarn und desgleichen.“
Er würde sicher in der heutigen Welt auch ENERGIE mit unter die unverzichtbaren
Güter zählen, auf die wir Menschen angewiesen sind.
Ich meine, dass die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen zur
Energieerzeugung zu verantworten ist. Allerdings sind dabei einige Kriterien zu
beachten:
·
Zunächst sollten
vorrangig Abfälle genutzt werden, die in der Land- und Forstwirtschaft anfallen
und nicht für menschliche Ernährung geeignet sind.
·
Wo direkte
Konkurrenz auftritt zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln für den Menschen und
der Erzeugung z.B. von Bio-Sprit für Autos, hat das tägliche Brot Vorrang.
Über erste Konflikte ist schon zu berichten: Im Schwellenland Brasilien wird
ein erheblicher Teil der Autotreibstoffe aus Zuckerrohr hergestellt (wobei die
Flächen durch Abholzen des Regenwaldes gewonnen werden und für den Anbau von
dringend benötigten Nahrungsmitteln fehlen). Die USA produzieren Alkohol aus
Mais inzwischen in so großem Umfang, dass im Mais-Importland Mexiko die Preise
für Grundnahrungsmittel stark steigen.
·
Und immer ist
natürlich zu prüfen, ob die Produktion und die Verbrennung von Energiepflanzen
verträglich ist für die Umwelt (Düngung, Pflanzenschutz, Abgase).
(Joachim Krause; Text für die
Internetseite der sächsischen Landeskirche, 2008)
5. Das Bemühen um Klarheit
und Eindeutigkeit
Mir war es immer wichtig,
die richtigen Begriffe an der richtigen Stelle verwenden, Zahlenangaben nicht
einfach zu glauben und zu übernehmen, sondern sie zu verstehen und
nachzuprüfen, und in Zusammenhänge einordnen zu können.
Werden Sie vielleicht auch stutzig, wenn Sie von „Sechs Billionen Menschen auf
der Erde“, von „radioaktiver Strahlung“, von „Gen-Tomaten“ oder dem
„genetischen Code von Reis“ lesen?
Wenn nicht, dann lassen Sie sich durch die Medien etwas Falsches oder zumindest
Ungenaues einreden.
Ich habe, weil ich ungenaue Darstellungen ärgerlich finde, immer wieder
versucht, über Leserbriefe oder E-Mails Klarstellungen zu erreichen, oft
allerdings ohne Reaktion …
(Begriffsverwirrung)
(zu taz 16./17.8.08 S.4 "Beginn einer neuen Protestbewegung?")
Sicher gibt es Gründe, gegen neue Kohlekraftwerke zu sein. Aber man sollte
dabei nicht mit Begriffen hantieren, die einfach falsch sind. Oder soll
vielleicht eine Nähe zur Gefährdung durch Atomkraftwerke = Atomreaktoren
suggeriert werden, wenn Nick Reimers jetzt darüber räsoniert, dass in der
Lausitz ein neuer "Braunkohlereaktor" gebaut werde. Das wäre wirklich
etwas technologisch NEUES - wirkt aber uninformiert oder lächerlich. Genauso
liest man in Artikeln über Atomenergie immer wieder von "Atom-Meilern",
obwohl es (meistens) keine (mehr) sind. Es gab zwar Atomkraftwerke, in denen
mit Graphit als Neutronen-Moderator gearbeitet wurde. Und Graphit ist schwarzer
Kohlenstoff und der ganze Aufbau erinnerte grob an Köhler-Meiler. Aber außer in
den Reaktoren vom Tschernobyl-Typ ist Graphit kaum noch im Einsatz, und alle
deutschen Atomkraftwerke sind als "Meiler" schlicht technisch falsch
bezeichnet!
(Joachim Krause, Leserbrief „die
tageszeitung“ Berlin, 23./24.8.2008)
(Internet-„Informationen“)
(E-Mail-Dialog)
13.1.2009, Betreff: anfrage internetseite zitatAuf Ihrer Internetseite www.ohne_Gott.de stehen unter Wort der Woche Zitate.
Am 4.8.03 zitieren Sie Darwin. Dieses Zitat taucht zwar immer wieder im Internet auf,
aber immer ohne Angabe einer exakten Quelle -
wissen Sie, wo das Ziatat herkommt, wann und wo Darwin diesen Satz geschrieben hat?Danke, J.K.
Antwort 15.1.2009Sehr geehrter Herr Krause,an sich bin ich ein Vertreter der präzisen Quellenangabe,
aber bei dieser Art von "Weisheiten" hat es sich als unmöglich erwiesen,
jeweils die Fundstelle zu ermitteln. Wir sammeln die "Weisheiten" tatsächlich
aus unserer Lektüre oder bei Besuchen von Internetseiten, gelegentlich schicken uns
Besucher unserer Seiten Zitate usw. Gern hätte ich Ihnen weitergeholfen,
aber unser Verfahren ist da ganz von Vertrauen auf die Richtigkeit des Gefundenen geprägt.Beste Grüße, B.R., Erzbistum Köln – Generalvikariat; Hauptabteilung Seelsorge;
Abteilung Bildung und Dialog; Referat Dialog und Verkündigung(Es kommt durchaus auf ein paar Nullen
mehr oder weniger an!)
(E-Mail- Anfrage 5.1.2009)
Sehr geehrter Herr Professor L., in der ZEIT vom 31.12.08
steht ein Artikel, der sich mit Ihrer Arbeit befasst. Dort steht die Aussage,
dass es "etwa 1 Trillion verschiedener Proteine auf der Erde gibt".
Meinen Sie wirklich Trillionen nach "deutschem" Verständnis und Zählweise
(10 hoch 18) oder angelsächsische trillions (entsprechend 10 hoch 12)?Mit freundlichen Grüßen, Joachim Krause(Antwort 7.1.2009)Ich hatte mich auf die Amerikanische Trillion, also 10 hoch 12,
bezogen und das auch explizit noch in Zahlen ausgedrückt. … A.L.Um solcherlei Verwirrungen
etwas entgegenzusetzen, habe ich auf meiner Homepage eine Seite eingestellt,
die sich mit „verrückten und ungewöhnlichen Maßeinheiten und Zahlenangaben“
beschäftigt: http://www.krause-schoenberg.de/Verrueckte_Angaben_Masseinheiten.htm
Das ist inzwischen eine der am häufigsten angeklickten Seiten. Ähnlich beliebt
ist die – inzwischen schon 10 Jahre alte - Seite mit Begriffs-Er-Klärungen zur
„Gentechnik“: http://www.krause-schoenberg.de/gentechnik_begriffsklaerung.html.
KOHRENER ERKLÄRUNG ZUM ERHALT UNSERES
BODENS UND DER KULTURLANDSCHAFT
Der Boden ist eine wichtige Grundlage unseres Lebens. Aus ihm wächst
Nahrung für Tiere und Menschen, und auf seiner Nutzung gründet unsere
Zivilisation und Kultur. Das mahnt uns zum verantwortlichen Umgang. Deshalb
fordern wir die Bürger des Freistaates Sachsen auf, den Ackerboden als Teil der
Schöpfung zu bewahren und das Erbe unserer Vorfahren zu achten.
1.
Die einheimische
Landwirtschaft ist eine wichtige Grundlage unserer Existenz. Sie darf nicht aus
unserer Landschaft verschwinden. Die
Stellung der Landwirtschaft als primärer Sektor der Wirtschaft und als
wesentliches Fundament der Gesellschaft muss deshalb wieder bewusst gemacht
werden.
2.
Der
landwirtschaftlich genutzte Boden ist genau wie die Natur nicht einfach durch
Geldleistungen zu ersetzen. Er darf deshalb auch nicht gedankenlos oder
fahrlässig der Zerstörung preisgegeben werden. Wald und Wiesen, Bäche und Felder sind unwiederbringliche Teile unserer
Kulturlandschaft.
3.
Die Gesellschaft
entwickelt sich. Aber in Zukunft muss bei allen Baumaßnahmen wie auch beim
Abbau von Rohstoffen viel sorgsamer als bisher mit der Ressource Boden
umgegangen werden. Es sind dringlich
neue Wege zu suchen, wie Wirtschaft und Verkehr sich entwickeln können, ohne
dass leichtfertig weiter Boden verbraucht wird.
4.
Bei erforderlichem Landentzug müssen gerechte und transparente Verfahren
angewandt werden. Dabei dürfen in
Planung und Vollzug nicht kurzsichtige materielle Interessen und Zeitdruck
die treibenden Kräfte sein.
5.
Die Bedeutung
des Grundgutes Boden, der fachgerechte Umgang mit dieser Ressource wie auch der
Schutz unserer Kulturlandschaft sollten in den Schulen stärker thematisiert
werden. Auch das Wissen um die Grundlagen der Landwirtschaft gehört zur Allgemeinbildung.
6.
Das Eigentum an
Grund und Boden ist für die Landwirtschaft immer der Garant von Stabilität,
Fruchtbarkeit und Erfolg gewesen. Inzwischen wird Boden immer öfter nur als
Handelsgut und als Spekulationsobjekt betrachtet. Landwirtschaftliche
Nutzflächen sollten weiterhin im Eigentum von Landwirten bleiben.
(Arbeitskreis BodenKultur beim
Evangelischen Zentrum Ländlicher Raum Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis, Sommer
2010)
Beruf: Nachdenken über
Gott und die Welt
Seit 1982 bin ich im Auftrag meiner sächsischen Landeskirche tätig als
„Beauftragter für Glaube, Naturwissenschaft und Umwelt.“
Im Alltag bedeutet das hauptsächlich, dass ich im Lande unterwegs bin.
Ich werde eingeladen von Menschen, die in dieser Welt hier und heute leben, und
die Antworten suchen auf ihre Fragen. Ich habe die Antworten oft auch nicht,
aber ich stehe zur Verfügung, um Informationen zu geben und die
Nachdenklichkeit zu befördern. In Gesprächsrunden und Seminaren oder bei
Fortbildungen ging es dabei in den letzten Jahren z.B. um folgende Themen:
·
„Gentechnik –
Frevel oder Fortschritt?“
·
„Lebensstil –
gut leben statt viel haben!“
·
„Wir sind
Sternenstaub – der Mensch im Kosmos“
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„Schöpfung
contra Evolution? – Glaube und Naturwissenschaft zwischen Weltbildern und
Bibelverständnissen, Ideologie und Ethik“
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„Hirnforschung und
Willensfreiheit“
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„Wie viele
Menschen (er-)trägt die Erde?“
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„Organspende –
Pflicht aus Nächstenliebe oder Verstoß gegen die Menschenwürde?“
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„Unter die Lupe
genommen – Biomedizin, Gentechnik, Ethik“
·
„Ist die Welt
ein Würfelspiel? – Entdeckungen der Chaosforschung“
·
„In Würde
sterben – Sterbebegleitung, Sterbehilfe, Euthanasie“
·
„Klimawandel –
vom Menschen verursacht?“
Mal bin ich bei Jugendlichen, mal in einem Akademikerkreis, mal bei
Senioren. Immer erlebe ich andere Menschen, werden mir neue Aspekte deutlich,
stellen sich unerwartete Fragen. Die begonnenen Gespräche führe ich auch auf
meiner Internetseite www.krause-schoenberg.de
weiter.
Ich muss schon von Berufs wegen neugierig bleiben.
(Joachim Krause: „Am Abend mancher
Tage“, Eine Spurensuche in Mitteldeutschland, Wartburg-Verlag Eisenach, 1988)